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Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

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Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

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Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

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Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

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Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

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Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

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Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

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Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

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Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

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Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

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Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Beispiel 1<\/strong>: Das Schengener Informationssystem<\/strong> (SIS) wird von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Abfrage von Ausschreibungen von gesuchten oder vermissten Personen und Gegenst\u00e4nden genutzt. Die Kommission wird an der Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Ausschreibungskategorien arbeiten und sich daf\u00fcr einsetzen, dass das SIS zusammen mit der Interpol-Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD)<\/strong> umfassender genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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A) Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und den EU-Agenturen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1<\/strong>: Das Schengener Informationssystem<\/strong> (SIS) wird von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Abfrage von Ausschreibungen von gesuchten oder vermissten Personen und Gegenst\u00e4nden genutzt. Die Kommission wird an der Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Ausschreibungskategorien arbeiten und sich daf\u00fcr einsetzen, dass das SIS zusammen mit der Interpol-Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD)<\/strong> umfassender genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Mit Hilfe der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda werden die Polizei- und Strafverfolgungsdienste in verschiedenen Mitgliedstaaten Daten effektiver austauschen und bei der Bek\u00e4mpfung der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t besser zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Die Mitgliedstaaten k\u00f6nnen auf die Unterst\u00fctzung durch die Agenturen der EU z\u00e4hlen. Insbesondere in folgenden Punkten l\u00e4sst sich mit Hilfe der Sicherheitsagenda ein EU-Mehrwert erzielen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n

A) Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und den EU-Agenturen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1<\/strong>: Das Schengener Informationssystem<\/strong> (SIS) wird von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Abfrage von Ausschreibungen von gesuchten oder vermissten Personen und Gegenst\u00e4nden genutzt. Die Kommission wird an der Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Ausschreibungskategorien arbeiten und sich daf\u00fcr einsetzen, dass das SIS zusammen mit der Interpol-Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD)<\/strong> umfassender genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Die Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t und des Terrorismus ist eine gemeinsame europ\u00e4ische Aufgabe. Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda sollte von den Mitgliedstaaten und den EU-Organen gemeinsam als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und gemeinsame Ma\u00dfnahmen der Union genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n

Mit Hilfe der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda werden die Polizei- und Strafverfolgungsdienste in verschiedenen Mitgliedstaaten Daten effektiver austauschen und bei der Bek\u00e4mpfung der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t besser zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Die Mitgliedstaaten k\u00f6nnen auf die Unterst\u00fctzung durch die Agenturen der EU z\u00e4hlen. Insbesondere in folgenden Punkten l\u00e4sst sich mit Hilfe der Sicherheitsagenda ein EU-Mehrwert erzielen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n

A) Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und den EU-Agenturen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1<\/strong>: Das Schengener Informationssystem<\/strong> (SIS) wird von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Abfrage von Ausschreibungen von gesuchten oder vermissten Personen und Gegenst\u00e4nden genutzt. Die Kommission wird an der Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Ausschreibungskategorien arbeiten und sich daf\u00fcr einsetzen, dass das SIS zusammen mit der Interpol-Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD)<\/strong> umfassender genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Kriminelle und terroristische Aktivit\u00e4ten machen nicht an den Grenzen der EU halt und beschr\u00e4nken sich auch nicht auf Nachbarregionen. Die innere Sicherheit der EU und die globale Sicherheit sind voneinander abh\u00e4ngig und miteinander verkn\u00fcpft. Die Sicherheit der Union h\u00e4ngt in hohem Ma\u00dfe von der Zusammenarbeit mit ihren internationalen Partnern und ihren Nachbarl\u00e4ndern ab.<\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t und des Terrorismus ist eine gemeinsame europ\u00e4ische Aufgabe. Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda sollte von den Mitgliedstaaten und den EU-Organen gemeinsam als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und gemeinsame Ma\u00dfnahmen der Union genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n

Mit Hilfe der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda werden die Polizei- und Strafverfolgungsdienste in verschiedenen Mitgliedstaaten Daten effektiver austauschen und bei der Bek\u00e4mpfung der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t besser zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Die Mitgliedstaaten k\u00f6nnen auf die Unterst\u00fctzung durch die Agenturen der EU z\u00e4hlen. Insbesondere in folgenden Punkten l\u00e4sst sich mit Hilfe der Sicherheitsagenda ein EU-Mehrwert erzielen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n

A) Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und den EU-Agenturen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1<\/strong>: Das Schengener Informationssystem<\/strong> (SIS) wird von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Abfrage von Ausschreibungen von gesuchten oder vermissten Personen und Gegenst\u00e4nden genutzt. Die Kommission wird an der Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Ausschreibungskategorien arbeiten und sich daf\u00fcr einsetzen, dass das SIS zusammen mit der Interpol-Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD)<\/strong> umfassender genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Die Gew\u00e4hrleistung der inneren Sicherheit f\u00e4llt weiterhin in erster Linie in die Zust\u00e4ndigkeit der Mitgliedstaaten. Allerdings werden die Bedrohungen f\u00fcr Europas B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger immer vielf\u00e4ltiger und betreffen in zunehmendem Ma\u00dfe mehrere Mitgliedstaaten. Einzelne Mitgliedstaaten haben die Verantwortung, die Sicherheit an den Au\u00dfengrenzen zu gew\u00e4hrleisten, sind aber nicht mehr in der Lage, diese Herausforderungen allein zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n

Kriminelle und terroristische Aktivit\u00e4ten machen nicht an den Grenzen der EU halt und beschr\u00e4nken sich auch nicht auf Nachbarregionen. Die innere Sicherheit der EU und die globale Sicherheit sind voneinander abh\u00e4ngig und miteinander verkn\u00fcpft. Die Sicherheit der Union h\u00e4ngt in hohem Ma\u00dfe von der Zusammenarbeit mit ihren internationalen Partnern und ihren Nachbarl\u00e4ndern ab.<\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t und des Terrorismus ist eine gemeinsame europ\u00e4ische Aufgabe. Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda sollte von den Mitgliedstaaten und den EU-Organen gemeinsam als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und gemeinsame Ma\u00dfnahmen der Union genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n

Mit Hilfe der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda werden die Polizei- und Strafverfolgungsdienste in verschiedenen Mitgliedstaaten Daten effektiver austauschen und bei der Bek\u00e4mpfung der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t besser zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Die Mitgliedstaaten k\u00f6nnen auf die Unterst\u00fctzung durch die Agenturen der EU z\u00e4hlen. Insbesondere in folgenden Punkten l\u00e4sst sich mit Hilfe der Sicherheitsagenda ein EU-Mehrwert erzielen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n

A) Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und den EU-Agenturen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1<\/strong>: Das Schengener Informationssystem<\/strong> (SIS) wird von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Abfrage von Ausschreibungen von gesuchten oder vermissten Personen und Gegenst\u00e4nden genutzt. Die Kommission wird an der Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Ausschreibungskategorien arbeiten und sich daf\u00fcr einsetzen, dass das SIS zusammen mit der Interpol-Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD)<\/strong> umfassender genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Welcher Mehrwert entsteht durch die EU im Bereich der inneren Sicherheit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Gew\u00e4hrleistung der inneren Sicherheit f\u00e4llt weiterhin in erster Linie in die Zust\u00e4ndigkeit der Mitgliedstaaten. Allerdings werden die Bedrohungen f\u00fcr Europas B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger immer vielf\u00e4ltiger und betreffen in zunehmendem Ma\u00dfe mehrere Mitgliedstaaten. Einzelne Mitgliedstaaten haben die Verantwortung, die Sicherheit an den Au\u00dfengrenzen zu gew\u00e4hrleisten, sind aber nicht mehr in der Lage, diese Herausforderungen allein zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n

Kriminelle und terroristische Aktivit\u00e4ten machen nicht an den Grenzen der EU halt und beschr\u00e4nken sich auch nicht auf Nachbarregionen. Die innere Sicherheit der EU und die globale Sicherheit sind voneinander abh\u00e4ngig und miteinander verkn\u00fcpft. Die Sicherheit der Union h\u00e4ngt in hohem Ma\u00dfe von der Zusammenarbeit mit ihren internationalen Partnern und ihren Nachbarl\u00e4ndern ab.<\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t und des Terrorismus ist eine gemeinsame europ\u00e4ische Aufgabe. Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda sollte von den Mitgliedstaaten und den EU-Organen gemeinsam als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und gemeinsame Ma\u00dfnahmen der Union genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n

Mit Hilfe der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda werden die Polizei- und Strafverfolgungsdienste in verschiedenen Mitgliedstaaten Daten effektiver austauschen und bei der Bek\u00e4mpfung der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t besser zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Die Mitgliedstaaten k\u00f6nnen auf die Unterst\u00fctzung durch die Agenturen der EU z\u00e4hlen. Insbesondere in folgenden Punkten l\u00e4sst sich mit Hilfe der Sicherheitsagenda ein EU-Mehrwert erzielen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n

A) Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und den EU-Agenturen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1<\/strong>: Das Schengener Informationssystem<\/strong> (SIS) wird von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Abfrage von Ausschreibungen von gesuchten oder vermissten Personen und Gegenst\u00e4nden genutzt. Die Kommission wird an der Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Ausschreibungskategorien arbeiten und sich daf\u00fcr einsetzen, dass das SIS zusammen mit der Interpol-Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD)<\/strong> umfassender genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Das Online-Umfeld hat sich zunehmend als Ziel f\u00fcr Kriminelle und Terroristen entwickelt. Unabh\u00e4ngig davon, ob es um die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und die Anwerbung von Menschen f\u00fcr terroristische Organisationen geht oder die Verbreitung von Hass oder einen Angriff auf die europ\u00e4ischen Werte und Institutionen, fest steht, dass wir unsere Reaktion auf diese Bedrohungen unbedingt abstimmen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Welcher Mehrwert entsteht durch die EU im Bereich der inneren Sicherheit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Gew\u00e4hrleistung der inneren Sicherheit f\u00e4llt weiterhin in erster Linie in die Zust\u00e4ndigkeit der Mitgliedstaaten. Allerdings werden die Bedrohungen f\u00fcr Europas B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger immer vielf\u00e4ltiger und betreffen in zunehmendem Ma\u00dfe mehrere Mitgliedstaaten. Einzelne Mitgliedstaaten haben die Verantwortung, die Sicherheit an den Au\u00dfengrenzen zu gew\u00e4hrleisten, sind aber nicht mehr in der Lage, diese Herausforderungen allein zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n

Kriminelle und terroristische Aktivit\u00e4ten machen nicht an den Grenzen der EU halt und beschr\u00e4nken sich auch nicht auf Nachbarregionen. Die innere Sicherheit der EU und die globale Sicherheit sind voneinander abh\u00e4ngig und miteinander verkn\u00fcpft. Die Sicherheit der Union h\u00e4ngt in hohem Ma\u00dfe von der Zusammenarbeit mit ihren internationalen Partnern und ihren Nachbarl\u00e4ndern ab.<\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t und des Terrorismus ist eine gemeinsame europ\u00e4ische Aufgabe. Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda sollte von den Mitgliedstaaten und den EU-Organen gemeinsam als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und gemeinsame Ma\u00dfnahmen der Union genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n

Mit Hilfe der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda werden die Polizei- und Strafverfolgungsdienste in verschiedenen Mitgliedstaaten Daten effektiver austauschen und bei der Bek\u00e4mpfung der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t besser zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Die Mitgliedstaaten k\u00f6nnen auf die Unterst\u00fctzung durch die Agenturen der EU z\u00e4hlen. Insbesondere in folgenden Punkten l\u00e4sst sich mit Hilfe der Sicherheitsagenda ein EU-Mehrwert erzielen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n

A) Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und den EU-Agenturen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1<\/strong>: Das Schengener Informationssystem<\/strong> (SIS) wird von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Abfrage von Ausschreibungen von gesuchten oder vermissten Personen und Gegenst\u00e4nden genutzt. Die Kommission wird an der Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Ausschreibungskategorien arbeiten und sich daf\u00fcr einsetzen, dass das SIS zusammen mit der Interpol-Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD)<\/strong> umfassender genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Im Zuge der Krisen und Konflikte in Syrien, Irak und Libyen haben sich europ\u00e4ische B\u00fcrger terroristischen Gruppen angeschlossen, die bei ihrer R\u00fcckkehr eine erhebliche Bedrohung darstellen k\u00f6nnen. Die j\u00fcngsten terroristischen Anschl\u00e4ge in Europa zeugen von der zunehmenden Bedrohung durch einen gewaltt\u00e4tigen Extremismus und zeigen, in welchem Ausma\u00df weltweite Konflikte zur Radikalisierung der europ\u00e4ischen B\u00fcrger beitragen.<\/p>\n\n\n\n

Das Online-Umfeld hat sich zunehmend als Ziel f\u00fcr Kriminelle und Terroristen entwickelt. Unabh\u00e4ngig davon, ob es um die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und die Anwerbung von Menschen f\u00fcr terroristische Organisationen geht oder die Verbreitung von Hass oder einen Angriff auf die europ\u00e4ischen Werte und Institutionen, fest steht, dass wir unsere Reaktion auf diese Bedrohungen unbedingt abstimmen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Welcher Mehrwert entsteht durch die EU im Bereich der inneren Sicherheit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Gew\u00e4hrleistung der inneren Sicherheit f\u00e4llt weiterhin in erster Linie in die Zust\u00e4ndigkeit der Mitgliedstaaten. Allerdings werden die Bedrohungen f\u00fcr Europas B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger immer vielf\u00e4ltiger und betreffen in zunehmendem Ma\u00dfe mehrere Mitgliedstaaten. Einzelne Mitgliedstaaten haben die Verantwortung, die Sicherheit an den Au\u00dfengrenzen zu gew\u00e4hrleisten, sind aber nicht mehr in der Lage, diese Herausforderungen allein zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n

Kriminelle und terroristische Aktivit\u00e4ten machen nicht an den Grenzen der EU halt und beschr\u00e4nken sich auch nicht auf Nachbarregionen. Die innere Sicherheit der EU und die globale Sicherheit sind voneinander abh\u00e4ngig und miteinander verkn\u00fcpft. Die Sicherheit der Union h\u00e4ngt in hohem Ma\u00dfe von der Zusammenarbeit mit ihren internationalen Partnern und ihren Nachbarl\u00e4ndern ab.<\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t und des Terrorismus ist eine gemeinsame europ\u00e4ische Aufgabe. Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda sollte von den Mitgliedstaaten und den EU-Organen gemeinsam als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und gemeinsame Ma\u00dfnahmen der Union genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n

Mit Hilfe der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda werden die Polizei- und Strafverfolgungsdienste in verschiedenen Mitgliedstaaten Daten effektiver austauschen und bei der Bek\u00e4mpfung der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t besser zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Die Mitgliedstaaten k\u00f6nnen auf die Unterst\u00fctzung durch die Agenturen der EU z\u00e4hlen. Insbesondere in folgenden Punkten l\u00e4sst sich mit Hilfe der Sicherheitsagenda ein EU-Mehrwert erzielen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n

A) Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und den EU-Agenturen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1<\/strong>: Das Schengener Informationssystem<\/strong> (SIS) wird von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Abfrage von Ausschreibungen von gesuchten oder vermissten Personen und Gegenst\u00e4nden genutzt. Die Kommission wird an der Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Ausschreibungskategorien arbeiten und sich daf\u00fcr einsetzen, dass das SIS zusammen mit der Interpol-Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD)<\/strong> umfassender genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Die EU und ihre Mitgliedstaaten sind mit betr\u00e4chtlichen Sicherheitsproblemen konfrontiert. Terrorismus, organisierte Kriminalit\u00e4t und Cyberkriminalit\u00e4t stellen eine zunehmende Gefahr f\u00fcr die europ\u00e4ische Gesellschaft dar, wobei sich Art und Ausma\u00df dieser Gefahr ver\u00e4ndert hat. Europa ist mit den Auswirkungen der politischen Instabilit\u00e4t in seiner unmittelbaren Nachbarschaft konfrontiert, die die Sicherheitsinteressen der EU gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n

Im Zuge der Krisen und Konflikte in Syrien, Irak und Libyen haben sich europ\u00e4ische B\u00fcrger terroristischen Gruppen angeschlossen, die bei ihrer R\u00fcckkehr eine erhebliche Bedrohung darstellen k\u00f6nnen. Die j\u00fcngsten terroristischen Anschl\u00e4ge in Europa zeugen von der zunehmenden Bedrohung durch einen gewaltt\u00e4tigen Extremismus und zeigen, in welchem Ausma\u00df weltweite Konflikte zur Radikalisierung der europ\u00e4ischen B\u00fcrger beitragen.<\/p>\n\n\n\n

Das Online-Umfeld hat sich zunehmend als Ziel f\u00fcr Kriminelle und Terroristen entwickelt. Unabh\u00e4ngig davon, ob es um die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und die Anwerbung von Menschen f\u00fcr terroristische Organisationen geht oder die Verbreitung von Hass oder einen Angriff auf die europ\u00e4ischen Werte und Institutionen, fest steht, dass wir unsere Reaktion auf diese Bedrohungen unbedingt abstimmen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Welcher Mehrwert entsteht durch die EU im Bereich der inneren Sicherheit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Gew\u00e4hrleistung der inneren Sicherheit f\u00e4llt weiterhin in erster Linie in die Zust\u00e4ndigkeit der Mitgliedstaaten. Allerdings werden die Bedrohungen f\u00fcr Europas B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger immer vielf\u00e4ltiger und betreffen in zunehmendem Ma\u00dfe mehrere Mitgliedstaaten. Einzelne Mitgliedstaaten haben die Verantwortung, die Sicherheit an den Au\u00dfengrenzen zu gew\u00e4hrleisten, sind aber nicht mehr in der Lage, diese Herausforderungen allein zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n

Kriminelle und terroristische Aktivit\u00e4ten machen nicht an den Grenzen der EU halt und beschr\u00e4nken sich auch nicht auf Nachbarregionen. Die innere Sicherheit der EU und die globale Sicherheit sind voneinander abh\u00e4ngig und miteinander verkn\u00fcpft. Die Sicherheit der Union h\u00e4ngt in hohem Ma\u00dfe von der Zusammenarbeit mit ihren internationalen Partnern und ihren Nachbarl\u00e4ndern ab.<\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t und des Terrorismus ist eine gemeinsame europ\u00e4ische Aufgabe. Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda sollte von den Mitgliedstaaten und den EU-Organen gemeinsam als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und gemeinsame Ma\u00dfnahmen der Union genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n

Mit Hilfe der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda werden die Polizei- und Strafverfolgungsdienste in verschiedenen Mitgliedstaaten Daten effektiver austauschen und bei der Bek\u00e4mpfung der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t besser zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Die Mitgliedstaaten k\u00f6nnen auf die Unterst\u00fctzung durch die Agenturen der EU z\u00e4hlen. Insbesondere in folgenden Punkten l\u00e4sst sich mit Hilfe der Sicherheitsagenda ein EU-Mehrwert erzielen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n

A) Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und den EU-Agenturen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1<\/strong>: Das Schengener Informationssystem<\/strong> (SIS) wird von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Abfrage von Ausschreibungen von gesuchten oder vermissten Personen und Gegenst\u00e4nden genutzt. Die Kommission wird an der Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Ausschreibungskategorien arbeiten und sich daf\u00fcr einsetzen, dass das SIS zusammen mit der Interpol-Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD)<\/strong> umfassender genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda tritt an die Stelle der 2010 verabschiedeten Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014 (siehe IP\/10\/1535<\/a>). In der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda f\u00fcr den Zeitraum 2015-2020 skizziert die Europ\u00e4ische Kommission die Strategie der Union zur Bew\u00e4ltigung der Sicherheitsbedrohungen in der EU.<\/p>\n\n\n\n

Die EU und ihre Mitgliedstaaten sind mit betr\u00e4chtlichen Sicherheitsproblemen konfrontiert. Terrorismus, organisierte Kriminalit\u00e4t und Cyberkriminalit\u00e4t stellen eine zunehmende Gefahr f\u00fcr die europ\u00e4ische Gesellschaft dar, wobei sich Art und Ausma\u00df dieser Gefahr ver\u00e4ndert hat. Europa ist mit den Auswirkungen der politischen Instabilit\u00e4t in seiner unmittelbaren Nachbarschaft konfrontiert, die die Sicherheitsinteressen der EU gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n

Im Zuge der Krisen und Konflikte in Syrien, Irak und Libyen haben sich europ\u00e4ische B\u00fcrger terroristischen Gruppen angeschlossen, die bei ihrer R\u00fcckkehr eine erhebliche Bedrohung darstellen k\u00f6nnen. Die j\u00fcngsten terroristischen Anschl\u00e4ge in Europa zeugen von der zunehmenden Bedrohung durch einen gewaltt\u00e4tigen Extremismus und zeigen, in welchem Ausma\u00df weltweite Konflikte zur Radikalisierung der europ\u00e4ischen B\u00fcrger beitragen.<\/p>\n\n\n\n

Das Online-Umfeld hat sich zunehmend als Ziel f\u00fcr Kriminelle und Terroristen entwickelt. Unabh\u00e4ngig davon, ob es um die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und die Anwerbung von Menschen f\u00fcr terroristische Organisationen geht oder die Verbreitung von Hass oder einen Angriff auf die europ\u00e4ischen Werte und Institutionen, fest steht, dass wir unsere Reaktion auf diese Bedrohungen unbedingt abstimmen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Welcher Mehrwert entsteht durch die EU im Bereich der inneren Sicherheit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Gew\u00e4hrleistung der inneren Sicherheit f\u00e4llt weiterhin in erster Linie in die Zust\u00e4ndigkeit der Mitgliedstaaten. Allerdings werden die Bedrohungen f\u00fcr Europas B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger immer vielf\u00e4ltiger und betreffen in zunehmendem Ma\u00dfe mehrere Mitgliedstaaten. Einzelne Mitgliedstaaten haben die Verantwortung, die Sicherheit an den Au\u00dfengrenzen zu gew\u00e4hrleisten, sind aber nicht mehr in der Lage, diese Herausforderungen allein zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n

Kriminelle und terroristische Aktivit\u00e4ten machen nicht an den Grenzen der EU halt und beschr\u00e4nken sich auch nicht auf Nachbarregionen. Die innere Sicherheit der EU und die globale Sicherheit sind voneinander abh\u00e4ngig und miteinander verkn\u00fcpft. Die Sicherheit der Union h\u00e4ngt in hohem Ma\u00dfe von der Zusammenarbeit mit ihren internationalen Partnern und ihren Nachbarl\u00e4ndern ab.<\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t und des Terrorismus ist eine gemeinsame europ\u00e4ische Aufgabe. Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda sollte von den Mitgliedstaaten und den EU-Organen gemeinsam als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und gemeinsame Ma\u00dfnahmen der Union genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n

Mit Hilfe der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda werden die Polizei- und Strafverfolgungsdienste in verschiedenen Mitgliedstaaten Daten effektiver austauschen und bei der Bek\u00e4mpfung der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t besser zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Die Mitgliedstaaten k\u00f6nnen auf die Unterst\u00fctzung durch die Agenturen der EU z\u00e4hlen. Insbesondere in folgenden Punkten l\u00e4sst sich mit Hilfe der Sicherheitsagenda ein EU-Mehrwert erzielen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n

A) Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und den EU-Agenturen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1<\/strong>: Das Schengener Informationssystem<\/strong> (SIS) wird von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Abfrage von Ausschreibungen von gesuchten oder vermissten Personen und Gegenst\u00e4nden genutzt. Die Kommission wird an der Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Ausschreibungskategorien arbeiten und sich daf\u00fcr einsetzen, dass das SIS zusammen mit der Interpol-Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD)<\/strong> umfassender genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Weshalb eine neue Sicherheitsagenda?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda tritt an die Stelle der 2010 verabschiedeten Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014 (siehe IP\/10\/1535<\/a>). In der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda f\u00fcr den Zeitraum 2015-2020 skizziert die Europ\u00e4ische Kommission die Strategie der Union zur Bew\u00e4ltigung der Sicherheitsbedrohungen in der EU.<\/p>\n\n\n\n

Die EU und ihre Mitgliedstaaten sind mit betr\u00e4chtlichen Sicherheitsproblemen konfrontiert. Terrorismus, organisierte Kriminalit\u00e4t und Cyberkriminalit\u00e4t stellen eine zunehmende Gefahr f\u00fcr die europ\u00e4ische Gesellschaft dar, wobei sich Art und Ausma\u00df dieser Gefahr ver\u00e4ndert hat. Europa ist mit den Auswirkungen der politischen Instabilit\u00e4t in seiner unmittelbaren Nachbarschaft konfrontiert, die die Sicherheitsinteressen der EU gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n

Im Zuge der Krisen und Konflikte in Syrien, Irak und Libyen haben sich europ\u00e4ische B\u00fcrger terroristischen Gruppen angeschlossen, die bei ihrer R\u00fcckkehr eine erhebliche Bedrohung darstellen k\u00f6nnen. Die j\u00fcngsten terroristischen Anschl\u00e4ge in Europa zeugen von der zunehmenden Bedrohung durch einen gewaltt\u00e4tigen Extremismus und zeigen, in welchem Ausma\u00df weltweite Konflikte zur Radikalisierung der europ\u00e4ischen B\u00fcrger beitragen.<\/p>\n\n\n\n

Das Online-Umfeld hat sich zunehmend als Ziel f\u00fcr Kriminelle und Terroristen entwickelt. Unabh\u00e4ngig davon, ob es um die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und die Anwerbung von Menschen f\u00fcr terroristische Organisationen geht oder die Verbreitung von Hass oder einen Angriff auf die europ\u00e4ischen Werte und Institutionen, fest steht, dass wir unsere Reaktion auf diese Bedrohungen unbedingt abstimmen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Welcher Mehrwert entsteht durch die EU im Bereich der inneren Sicherheit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Gew\u00e4hrleistung der inneren Sicherheit f\u00e4llt weiterhin in erster Linie in die Zust\u00e4ndigkeit der Mitgliedstaaten. Allerdings werden die Bedrohungen f\u00fcr Europas B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger immer vielf\u00e4ltiger und betreffen in zunehmendem Ma\u00dfe mehrere Mitgliedstaaten. Einzelne Mitgliedstaaten haben die Verantwortung, die Sicherheit an den Au\u00dfengrenzen zu gew\u00e4hrleisten, sind aber nicht mehr in der Lage, diese Herausforderungen allein zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n

Kriminelle und terroristische Aktivit\u00e4ten machen nicht an den Grenzen der EU halt und beschr\u00e4nken sich auch nicht auf Nachbarregionen. Die innere Sicherheit der EU und die globale Sicherheit sind voneinander abh\u00e4ngig und miteinander verkn\u00fcpft. Die Sicherheit der Union h\u00e4ngt in hohem Ma\u00dfe von der Zusammenarbeit mit ihren internationalen Partnern und ihren Nachbarl\u00e4ndern ab.<\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t und des Terrorismus ist eine gemeinsame europ\u00e4ische Aufgabe. Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda sollte von den Mitgliedstaaten und den EU-Organen gemeinsam als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und gemeinsame Ma\u00dfnahmen der Union genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n

Mit Hilfe der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda werden die Polizei- und Strafverfolgungsdienste in verschiedenen Mitgliedstaaten Daten effektiver austauschen und bei der Bek\u00e4mpfung der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t besser zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Die Mitgliedstaaten k\u00f6nnen auf die Unterst\u00fctzung durch die Agenturen der EU z\u00e4hlen. Insbesondere in folgenden Punkten l\u00e4sst sich mit Hilfe der Sicherheitsagenda ein EU-Mehrwert erzielen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n

A) Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und den EU-Agenturen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1<\/strong>: Das Schengener Informationssystem<\/strong> (SIS) wird von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Abfrage von Ausschreibungen von gesuchten oder vermissten Personen und Gegenst\u00e4nden genutzt. Die Kommission wird an der Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Ausschreibungskategorien arbeiten und sich daf\u00fcr einsetzen, dass das SIS zusammen mit der Interpol-Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD)<\/strong> umfassender genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Weshalb eine neue Sicherheitsagenda? Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda t<\/p>\n\n\n\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda tritt an die Stelle der 2010 verabschiedeten Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014 (siehe IP\/10\/1535<\/a>). In der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda f\u00fcr den Zeitraum 2015-2020 skizziert die Europ\u00e4ische Kommission die Strategie der Union zur Bew\u00e4ltigung der Sicherheitsbedrohungen in der EU.<\/p>\n\n\n\n

Die EU und ihre Mitgliedstaaten sind mit betr\u00e4chtlichen Sicherheitsproblemen konfrontiert. Terrorismus, organisierte Kriminalit\u00e4t und Cyberkriminalit\u00e4t stellen eine zunehmende Gefahr f\u00fcr die europ\u00e4ische Gesellschaft dar, wobei sich Art und Ausma\u00df dieser Gefahr ver\u00e4ndert hat. Europa ist mit den Auswirkungen der politischen Instabilit\u00e4t in seiner unmittelbaren Nachbarschaft konfrontiert, die die Sicherheitsinteressen der EU gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n

Im Zuge der Krisen und Konflikte in Syrien, Irak und Libyen haben sich europ\u00e4ische B\u00fcrger terroristischen Gruppen angeschlossen, die bei ihrer R\u00fcckkehr eine erhebliche Bedrohung darstellen k\u00f6nnen. Die j\u00fcngsten terroristischen Anschl\u00e4ge in Europa zeugen von der zunehmenden Bedrohung durch einen gewaltt\u00e4tigen Extremismus und zeigen, in welchem Ausma\u00df weltweite Konflikte zur Radikalisierung der europ\u00e4ischen B\u00fcrger beitragen.<\/p>\n\n\n\n

Das Online-Umfeld hat sich zunehmend als Ziel f\u00fcr Kriminelle und Terroristen entwickelt. Unabh\u00e4ngig davon, ob es um die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und die Anwerbung von Menschen f\u00fcr terroristische Organisationen geht oder die Verbreitung von Hass oder einen Angriff auf die europ\u00e4ischen Werte und Institutionen, fest steht, dass wir unsere Reaktion auf diese Bedrohungen unbedingt abstimmen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Welcher Mehrwert entsteht durch die EU im Bereich der inneren Sicherheit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Gew\u00e4hrleistung der inneren Sicherheit f\u00e4llt weiterhin in erster Linie in die Zust\u00e4ndigkeit der Mitgliedstaaten. Allerdings werden die Bedrohungen f\u00fcr Europas B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger immer vielf\u00e4ltiger und betreffen in zunehmendem Ma\u00dfe mehrere Mitgliedstaaten. Einzelne Mitgliedstaaten haben die Verantwortung, die Sicherheit an den Au\u00dfengrenzen zu gew\u00e4hrleisten, sind aber nicht mehr in der Lage, diese Herausforderungen allein zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n

Kriminelle und terroristische Aktivit\u00e4ten machen nicht an den Grenzen der EU halt und beschr\u00e4nken sich auch nicht auf Nachbarregionen. Die innere Sicherheit der EU und die globale Sicherheit sind voneinander abh\u00e4ngig und miteinander verkn\u00fcpft. Die Sicherheit der Union h\u00e4ngt in hohem Ma\u00dfe von der Zusammenarbeit mit ihren internationalen Partnern und ihren Nachbarl\u00e4ndern ab.<\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t und des Terrorismus ist eine gemeinsame europ\u00e4ische Aufgabe. Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda sollte von den Mitgliedstaaten und den EU-Organen gemeinsam als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und gemeinsame Ma\u00dfnahmen der Union genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n

Mit Hilfe der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda werden die Polizei- und Strafverfolgungsdienste in verschiedenen Mitgliedstaaten Daten effektiver austauschen und bei der Bek\u00e4mpfung der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t besser zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Die Mitgliedstaaten k\u00f6nnen auf die Unterst\u00fctzung durch die Agenturen der EU z\u00e4hlen. Insbesondere in folgenden Punkten l\u00e4sst sich mit Hilfe der Sicherheitsagenda ein EU-Mehrwert erzielen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n

A) Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und den EU-Agenturen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1<\/strong>: Das Schengener Informationssystem<\/strong> (SIS) wird von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Abfrage von Ausschreibungen von gesuchten oder vermissten Personen und Gegenst\u00e4nden genutzt. Die Kommission wird an der Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Ausschreibungskategorien arbeiten und sich daf\u00fcr einsetzen, dass das SIS zusammen mit der Interpol-Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD)<\/strong> umfassender genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

\n

\"Fabian
Fabian Goldmann<\/strong> ist Journalist und Islamwissenschaftler. F\u00fcr verschiedene Magazine und Zeitungen berichtete er viele Jahre aus Nahost. Zurzeit widmet er sich vor allem dem Islam diesseits des Bosporus. Auf seinem Blog Schantall und die Scharia<\/a> bloggt er \u00fcber Islamophobie in Deutschland.<\/p>\n","post_title":"Es sind unsere Terroristen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"es-sind-unsere-terroristen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3703","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3700,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:19:36","post_date_gmt":"2020-08-13 21:19:36","post_content":"\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda? Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda t<\/p>\n\n\n\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda tritt an die Stelle der 2010 verabschiedeten Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014 (siehe IP\/10\/1535<\/a>). In der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda f\u00fcr den Zeitraum 2015-2020 skizziert die Europ\u00e4ische Kommission die Strategie der Union zur Bew\u00e4ltigung der Sicherheitsbedrohungen in der EU.<\/p>\n\n\n\n

Die EU und ihre Mitgliedstaaten sind mit betr\u00e4chtlichen Sicherheitsproblemen konfrontiert. Terrorismus, organisierte Kriminalit\u00e4t und Cyberkriminalit\u00e4t stellen eine zunehmende Gefahr f\u00fcr die europ\u00e4ische Gesellschaft dar, wobei sich Art und Ausma\u00df dieser Gefahr ver\u00e4ndert hat. Europa ist mit den Auswirkungen der politischen Instabilit\u00e4t in seiner unmittelbaren Nachbarschaft konfrontiert, die die Sicherheitsinteressen der EU gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n

Im Zuge der Krisen und Konflikte in Syrien, Irak und Libyen haben sich europ\u00e4ische B\u00fcrger terroristischen Gruppen angeschlossen, die bei ihrer R\u00fcckkehr eine erhebliche Bedrohung darstellen k\u00f6nnen. Die j\u00fcngsten terroristischen Anschl\u00e4ge in Europa zeugen von der zunehmenden Bedrohung durch einen gewaltt\u00e4tigen Extremismus und zeigen, in welchem Ausma\u00df weltweite Konflikte zur Radikalisierung der europ\u00e4ischen B\u00fcrger beitragen.<\/p>\n\n\n\n

Das Online-Umfeld hat sich zunehmend als Ziel f\u00fcr Kriminelle und Terroristen entwickelt. Unabh\u00e4ngig davon, ob es um die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und die Anwerbung von Menschen f\u00fcr terroristische Organisationen geht oder die Verbreitung von Hass oder einen Angriff auf die europ\u00e4ischen Werte und Institutionen, fest steht, dass wir unsere Reaktion auf diese Bedrohungen unbedingt abstimmen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Welcher Mehrwert entsteht durch die EU im Bereich der inneren Sicherheit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Gew\u00e4hrleistung der inneren Sicherheit f\u00e4llt weiterhin in erster Linie in die Zust\u00e4ndigkeit der Mitgliedstaaten. Allerdings werden die Bedrohungen f\u00fcr Europas B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger immer vielf\u00e4ltiger und betreffen in zunehmendem Ma\u00dfe mehrere Mitgliedstaaten. Einzelne Mitgliedstaaten haben die Verantwortung, die Sicherheit an den Au\u00dfengrenzen zu gew\u00e4hrleisten, sind aber nicht mehr in der Lage, diese Herausforderungen allein zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n

Kriminelle und terroristische Aktivit\u00e4ten machen nicht an den Grenzen der EU halt und beschr\u00e4nken sich auch nicht auf Nachbarregionen. Die innere Sicherheit der EU und die globale Sicherheit sind voneinander abh\u00e4ngig und miteinander verkn\u00fcpft. Die Sicherheit der Union h\u00e4ngt in hohem Ma\u00dfe von der Zusammenarbeit mit ihren internationalen Partnern und ihren Nachbarl\u00e4ndern ab.<\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t und des Terrorismus ist eine gemeinsame europ\u00e4ische Aufgabe. Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda sollte von den Mitgliedstaaten und den EU-Organen gemeinsam als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und gemeinsame Ma\u00dfnahmen der Union genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n

Mit Hilfe der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda werden die Polizei- und Strafverfolgungsdienste in verschiedenen Mitgliedstaaten Daten effektiver austauschen und bei der Bek\u00e4mpfung der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t besser zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Die Mitgliedstaaten k\u00f6nnen auf die Unterst\u00fctzung durch die Agenturen der EU z\u00e4hlen. Insbesondere in folgenden Punkten l\u00e4sst sich mit Hilfe der Sicherheitsagenda ein EU-Mehrwert erzielen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n

A) Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und den EU-Agenturen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1<\/strong>: Das Schengener Informationssystem<\/strong> (SIS) wird von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Abfrage von Ausschreibungen von gesuchten oder vermissten Personen und Gegenst\u00e4nden genutzt. Die Kommission wird an der Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Ausschreibungskategorien arbeiten und sich daf\u00fcr einsetzen, dass das SIS zusammen mit der Interpol-Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD)<\/strong> umfassender genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Nat\u00fcrlich entstand der Islamische Staat nicht in deutschen Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen. Zur deutschen Verantwortung geh\u00f6rt aber auch, dass Politiker und Beh\u00f6rden lange wegschauten, solang nur die T\u00e4ter, aber nicht die Opfer Deutsche waren. Beh\u00f6rden wissen und wussten erschreckend gut Bescheid \u00fcber die Radikalisierung deutscher Islamisten. Ein Gro\u00dfteil der sp\u00e4teren IS-K\u00e4mpfer war polizeibekannt, stand auf Gef\u00e4hrderlisten oder hatte wegen islamistischer Straftaten bereits Haftstrafen verb\u00fc\u00dft. An der Ausreise gehindert wurden sie oftmals dennoch nicht. Die Gefahr, die von deutschen Terroristen ausgeht, interessierte Politik und \u00d6ffentlichkeit erst dann wieder, als ihre Einreise drohte.<\/p>\n\n\n\n

\"Fabian
Fabian Goldmann<\/strong> ist Journalist und Islamwissenschaftler. F\u00fcr verschiedene Magazine und Zeitungen berichtete er viele Jahre aus Nahost. Zurzeit widmet er sich vor allem dem Islam diesseits des Bosporus. Auf seinem Blog Schantall und die Scharia<\/a> bloggt er \u00fcber Islamophobie in Deutschland.<\/p>\n","post_title":"Es sind unsere Terroristen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"es-sind-unsere-terroristen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3703","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3700,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:19:36","post_date_gmt":"2020-08-13 21:19:36","post_content":"\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda? Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda t<\/p>\n\n\n\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda tritt an die Stelle der 2010 verabschiedeten Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014 (siehe IP\/10\/1535<\/a>). In der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda f\u00fcr den Zeitraum 2015-2020 skizziert die Europ\u00e4ische Kommission die Strategie der Union zur Bew\u00e4ltigung der Sicherheitsbedrohungen in der EU.<\/p>\n\n\n\n

Die EU und ihre Mitgliedstaaten sind mit betr\u00e4chtlichen Sicherheitsproblemen konfrontiert. Terrorismus, organisierte Kriminalit\u00e4t und Cyberkriminalit\u00e4t stellen eine zunehmende Gefahr f\u00fcr die europ\u00e4ische Gesellschaft dar, wobei sich Art und Ausma\u00df dieser Gefahr ver\u00e4ndert hat. Europa ist mit den Auswirkungen der politischen Instabilit\u00e4t in seiner unmittelbaren Nachbarschaft konfrontiert, die die Sicherheitsinteressen der EU gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n

Im Zuge der Krisen und Konflikte in Syrien, Irak und Libyen haben sich europ\u00e4ische B\u00fcrger terroristischen Gruppen angeschlossen, die bei ihrer R\u00fcckkehr eine erhebliche Bedrohung darstellen k\u00f6nnen. Die j\u00fcngsten terroristischen Anschl\u00e4ge in Europa zeugen von der zunehmenden Bedrohung durch einen gewaltt\u00e4tigen Extremismus und zeigen, in welchem Ausma\u00df weltweite Konflikte zur Radikalisierung der europ\u00e4ischen B\u00fcrger beitragen.<\/p>\n\n\n\n

Das Online-Umfeld hat sich zunehmend als Ziel f\u00fcr Kriminelle und Terroristen entwickelt. Unabh\u00e4ngig davon, ob es um die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und die Anwerbung von Menschen f\u00fcr terroristische Organisationen geht oder die Verbreitung von Hass oder einen Angriff auf die europ\u00e4ischen Werte und Institutionen, fest steht, dass wir unsere Reaktion auf diese Bedrohungen unbedingt abstimmen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Welcher Mehrwert entsteht durch die EU im Bereich der inneren Sicherheit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Gew\u00e4hrleistung der inneren Sicherheit f\u00e4llt weiterhin in erster Linie in die Zust\u00e4ndigkeit der Mitgliedstaaten. Allerdings werden die Bedrohungen f\u00fcr Europas B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger immer vielf\u00e4ltiger und betreffen in zunehmendem Ma\u00dfe mehrere Mitgliedstaaten. Einzelne Mitgliedstaaten haben die Verantwortung, die Sicherheit an den Au\u00dfengrenzen zu gew\u00e4hrleisten, sind aber nicht mehr in der Lage, diese Herausforderungen allein zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n

Kriminelle und terroristische Aktivit\u00e4ten machen nicht an den Grenzen der EU halt und beschr\u00e4nken sich auch nicht auf Nachbarregionen. Die innere Sicherheit der EU und die globale Sicherheit sind voneinander abh\u00e4ngig und miteinander verkn\u00fcpft. Die Sicherheit der Union h\u00e4ngt in hohem Ma\u00dfe von der Zusammenarbeit mit ihren internationalen Partnern und ihren Nachbarl\u00e4ndern ab.<\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t und des Terrorismus ist eine gemeinsame europ\u00e4ische Aufgabe. Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda sollte von den Mitgliedstaaten und den EU-Organen gemeinsam als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und gemeinsame Ma\u00dfnahmen der Union genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n

Mit Hilfe der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda werden die Polizei- und Strafverfolgungsdienste in verschiedenen Mitgliedstaaten Daten effektiver austauschen und bei der Bek\u00e4mpfung der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t besser zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Die Mitgliedstaaten k\u00f6nnen auf die Unterst\u00fctzung durch die Agenturen der EU z\u00e4hlen. Insbesondere in folgenden Punkten l\u00e4sst sich mit Hilfe der Sicherheitsagenda ein EU-Mehrwert erzielen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n

A) Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und den EU-Agenturen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1<\/strong>: Das Schengener Informationssystem<\/strong> (SIS) wird von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Abfrage von Ausschreibungen von gesuchten oder vermissten Personen und Gegenst\u00e4nden genutzt. Die Kommission wird an der Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Ausschreibungskategorien arbeiten und sich daf\u00fcr einsetzen, dass das SIS zusammen mit der Interpol-Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD)<\/strong> umfassender genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Beh\u00f6rden wussten gut Bescheid<\/h2>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich entstand der Islamische Staat nicht in deutschen Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen. Zur deutschen Verantwortung geh\u00f6rt aber auch, dass Politiker und Beh\u00f6rden lange wegschauten, solang nur die T\u00e4ter, aber nicht die Opfer Deutsche waren. Beh\u00f6rden wissen und wussten erschreckend gut Bescheid \u00fcber die Radikalisierung deutscher Islamisten. Ein Gro\u00dfteil der sp\u00e4teren IS-K\u00e4mpfer war polizeibekannt, stand auf Gef\u00e4hrderlisten oder hatte wegen islamistischer Straftaten bereits Haftstrafen verb\u00fc\u00dft. An der Ausreise gehindert wurden sie oftmals dennoch nicht. Die Gefahr, die von deutschen Terroristen ausgeht, interessierte Politik und \u00d6ffentlichkeit erst dann wieder, als ihre Einreise drohte.<\/p>\n\n\n\n

\"Fabian
Fabian Goldmann<\/strong> ist Journalist und Islamwissenschaftler. F\u00fcr verschiedene Magazine und Zeitungen berichtete er viele Jahre aus Nahost. Zurzeit widmet er sich vor allem dem Islam diesseits des Bosporus. Auf seinem Blog Schantall und die Scharia<\/a> bloggt er \u00fcber Islamophobie in Deutschland.<\/p>\n","post_title":"Es sind unsere Terroristen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"es-sind-unsere-terroristen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3703","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3700,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:19:36","post_date_gmt":"2020-08-13 21:19:36","post_content":"\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda? Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda t<\/p>\n\n\n\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda tritt an die Stelle der 2010 verabschiedeten Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014 (siehe IP\/10\/1535<\/a>). In der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda f\u00fcr den Zeitraum 2015-2020 skizziert die Europ\u00e4ische Kommission die Strategie der Union zur Bew\u00e4ltigung der Sicherheitsbedrohungen in der EU.<\/p>\n\n\n\n

Die EU und ihre Mitgliedstaaten sind mit betr\u00e4chtlichen Sicherheitsproblemen konfrontiert. Terrorismus, organisierte Kriminalit\u00e4t und Cyberkriminalit\u00e4t stellen eine zunehmende Gefahr f\u00fcr die europ\u00e4ische Gesellschaft dar, wobei sich Art und Ausma\u00df dieser Gefahr ver\u00e4ndert hat. Europa ist mit den Auswirkungen der politischen Instabilit\u00e4t in seiner unmittelbaren Nachbarschaft konfrontiert, die die Sicherheitsinteressen der EU gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n

Im Zuge der Krisen und Konflikte in Syrien, Irak und Libyen haben sich europ\u00e4ische B\u00fcrger terroristischen Gruppen angeschlossen, die bei ihrer R\u00fcckkehr eine erhebliche Bedrohung darstellen k\u00f6nnen. Die j\u00fcngsten terroristischen Anschl\u00e4ge in Europa zeugen von der zunehmenden Bedrohung durch einen gewaltt\u00e4tigen Extremismus und zeigen, in welchem Ausma\u00df weltweite Konflikte zur Radikalisierung der europ\u00e4ischen B\u00fcrger beitragen.<\/p>\n\n\n\n

Das Online-Umfeld hat sich zunehmend als Ziel f\u00fcr Kriminelle und Terroristen entwickelt. Unabh\u00e4ngig davon, ob es um die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und die Anwerbung von Menschen f\u00fcr terroristische Organisationen geht oder die Verbreitung von Hass oder einen Angriff auf die europ\u00e4ischen Werte und Institutionen, fest steht, dass wir unsere Reaktion auf diese Bedrohungen unbedingt abstimmen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Welcher Mehrwert entsteht durch die EU im Bereich der inneren Sicherheit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Gew\u00e4hrleistung der inneren Sicherheit f\u00e4llt weiterhin in erster Linie in die Zust\u00e4ndigkeit der Mitgliedstaaten. Allerdings werden die Bedrohungen f\u00fcr Europas B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger immer vielf\u00e4ltiger und betreffen in zunehmendem Ma\u00dfe mehrere Mitgliedstaaten. Einzelne Mitgliedstaaten haben die Verantwortung, die Sicherheit an den Au\u00dfengrenzen zu gew\u00e4hrleisten, sind aber nicht mehr in der Lage, diese Herausforderungen allein zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n

Kriminelle und terroristische Aktivit\u00e4ten machen nicht an den Grenzen der EU halt und beschr\u00e4nken sich auch nicht auf Nachbarregionen. Die innere Sicherheit der EU und die globale Sicherheit sind voneinander abh\u00e4ngig und miteinander verkn\u00fcpft. Die Sicherheit der Union h\u00e4ngt in hohem Ma\u00dfe von der Zusammenarbeit mit ihren internationalen Partnern und ihren Nachbarl\u00e4ndern ab.<\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t und des Terrorismus ist eine gemeinsame europ\u00e4ische Aufgabe. Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda sollte von den Mitgliedstaaten und den EU-Organen gemeinsam als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und gemeinsame Ma\u00dfnahmen der Union genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n

Mit Hilfe der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda werden die Polizei- und Strafverfolgungsdienste in verschiedenen Mitgliedstaaten Daten effektiver austauschen und bei der Bek\u00e4mpfung der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t besser zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Die Mitgliedstaaten k\u00f6nnen auf die Unterst\u00fctzung durch die Agenturen der EU z\u00e4hlen. Insbesondere in folgenden Punkten l\u00e4sst sich mit Hilfe der Sicherheitsagenda ein EU-Mehrwert erzielen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n

A) Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und den EU-Agenturen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1<\/strong>: Das Schengener Informationssystem<\/strong> (SIS) wird von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Abfrage von Ausschreibungen von gesuchten oder vermissten Personen und Gegenst\u00e4nden genutzt. Die Kommission wird an der Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Ausschreibungskategorien arbeiten und sich daf\u00fcr einsetzen, dass das SIS zusammen mit der Interpol-Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD)<\/strong> umfassender genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Oder Reda S., Der Prediger aus Berlin-Charlottenburg soll dem IS in Mossul als Bildungsminister gedient haben. Oder der Berliner Ex-Rapper Denis Cuspert, der zu den wichtigsten Personen in der IS-Medienorganisation Al-Hayat geh\u00f6rte. Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Beh\u00f6rden wussten gut Bescheid<\/h2>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich entstand der Islamische Staat nicht in deutschen Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen. Zur deutschen Verantwortung geh\u00f6rt aber auch, dass Politiker und Beh\u00f6rden lange wegschauten, solang nur die T\u00e4ter, aber nicht die Opfer Deutsche waren. Beh\u00f6rden wissen und wussten erschreckend gut Bescheid \u00fcber die Radikalisierung deutscher Islamisten. Ein Gro\u00dfteil der sp\u00e4teren IS-K\u00e4mpfer war polizeibekannt, stand auf Gef\u00e4hrderlisten oder hatte wegen islamistischer Straftaten bereits Haftstrafen verb\u00fc\u00dft. An der Ausreise gehindert wurden sie oftmals dennoch nicht. Die Gefahr, die von deutschen Terroristen ausgeht, interessierte Politik und \u00d6ffentlichkeit erst dann wieder, als ihre Einreise drohte.<\/p>\n\n\n\n

\"Fabian
Fabian Goldmann<\/strong> ist Journalist und Islamwissenschaftler. F\u00fcr verschiedene Magazine und Zeitungen berichtete er viele Jahre aus Nahost. Zurzeit widmet er sich vor allem dem Islam diesseits des Bosporus. Auf seinem Blog Schantall und die Scharia<\/a> bloggt er \u00fcber Islamophobie in Deutschland.<\/p>\n","post_title":"Es sind unsere Terroristen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"es-sind-unsere-terroristen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3703","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3700,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:19:36","post_date_gmt":"2020-08-13 21:19:36","post_content":"\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda? Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda t<\/p>\n\n\n\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda tritt an die Stelle der 2010 verabschiedeten Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014 (siehe IP\/10\/1535<\/a>). In der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda f\u00fcr den Zeitraum 2015-2020 skizziert die Europ\u00e4ische Kommission die Strategie der Union zur Bew\u00e4ltigung der Sicherheitsbedrohungen in der EU.<\/p>\n\n\n\n

Die EU und ihre Mitgliedstaaten sind mit betr\u00e4chtlichen Sicherheitsproblemen konfrontiert. Terrorismus, organisierte Kriminalit\u00e4t und Cyberkriminalit\u00e4t stellen eine zunehmende Gefahr f\u00fcr die europ\u00e4ische Gesellschaft dar, wobei sich Art und Ausma\u00df dieser Gefahr ver\u00e4ndert hat. Europa ist mit den Auswirkungen der politischen Instabilit\u00e4t in seiner unmittelbaren Nachbarschaft konfrontiert, die die Sicherheitsinteressen der EU gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n

Im Zuge der Krisen und Konflikte in Syrien, Irak und Libyen haben sich europ\u00e4ische B\u00fcrger terroristischen Gruppen angeschlossen, die bei ihrer R\u00fcckkehr eine erhebliche Bedrohung darstellen k\u00f6nnen. Die j\u00fcngsten terroristischen Anschl\u00e4ge in Europa zeugen von der zunehmenden Bedrohung durch einen gewaltt\u00e4tigen Extremismus und zeigen, in welchem Ausma\u00df weltweite Konflikte zur Radikalisierung der europ\u00e4ischen B\u00fcrger beitragen.<\/p>\n\n\n\n

Das Online-Umfeld hat sich zunehmend als Ziel f\u00fcr Kriminelle und Terroristen entwickelt. Unabh\u00e4ngig davon, ob es um die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und die Anwerbung von Menschen f\u00fcr terroristische Organisationen geht oder die Verbreitung von Hass oder einen Angriff auf die europ\u00e4ischen Werte und Institutionen, fest steht, dass wir unsere Reaktion auf diese Bedrohungen unbedingt abstimmen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Welcher Mehrwert entsteht durch die EU im Bereich der inneren Sicherheit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Gew\u00e4hrleistung der inneren Sicherheit f\u00e4llt weiterhin in erster Linie in die Zust\u00e4ndigkeit der Mitgliedstaaten. Allerdings werden die Bedrohungen f\u00fcr Europas B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger immer vielf\u00e4ltiger und betreffen in zunehmendem Ma\u00dfe mehrere Mitgliedstaaten. Einzelne Mitgliedstaaten haben die Verantwortung, die Sicherheit an den Au\u00dfengrenzen zu gew\u00e4hrleisten, sind aber nicht mehr in der Lage, diese Herausforderungen allein zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n

Kriminelle und terroristische Aktivit\u00e4ten machen nicht an den Grenzen der EU halt und beschr\u00e4nken sich auch nicht auf Nachbarregionen. Die innere Sicherheit der EU und die globale Sicherheit sind voneinander abh\u00e4ngig und miteinander verkn\u00fcpft. Die Sicherheit der Union h\u00e4ngt in hohem Ma\u00dfe von der Zusammenarbeit mit ihren internationalen Partnern und ihren Nachbarl\u00e4ndern ab.<\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t und des Terrorismus ist eine gemeinsame europ\u00e4ische Aufgabe. Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda sollte von den Mitgliedstaaten und den EU-Organen gemeinsam als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und gemeinsame Ma\u00dfnahmen der Union genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n

Mit Hilfe der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda werden die Polizei- und Strafverfolgungsdienste in verschiedenen Mitgliedstaaten Daten effektiver austauschen und bei der Bek\u00e4mpfung der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t besser zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Die Mitgliedstaaten k\u00f6nnen auf die Unterst\u00fctzung durch die Agenturen der EU z\u00e4hlen. Insbesondere in folgenden Punkten l\u00e4sst sich mit Hilfe der Sicherheitsagenda ein EU-Mehrwert erzielen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n

A) Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und den EU-Agenturen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1<\/strong>: Das Schengener Informationssystem<\/strong> (SIS) wird von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Abfrage von Ausschreibungen von gesuchten oder vermissten Personen und Gegenst\u00e4nden genutzt. Die Kommission wird an der Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Ausschreibungskategorien arbeiten und sich daf\u00fcr einsetzen, dass das SIS zusammen mit der Interpol-Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD)<\/strong> umfassender genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Dabei dienten Deutsche dem Islamischen Staats nicht nur als willenloses Kanonenfutter, wie es oft dargestellt wird. Viele haben seinen Terror mitgepr\u00e4gt. Wie Martin L., der derzeit in kurdischer Haft sitzt. Der Schwei\u00dfer aus Sachsen-Anhalt soll sich vom Folterknecht bis zum Geheimdienstler mit Kontakten bis in die F\u00fchrungsspitze der Terrororganisation hochgearbeitet haben.<\/p>\n\n\n\n

Oder Reda S., Der Prediger aus Berlin-Charlottenburg soll dem IS in Mossul als Bildungsminister gedient haben. Oder der Berliner Ex-Rapper Denis Cuspert, der zu den wichtigsten Personen in der IS-Medienorganisation Al-Hayat geh\u00f6rte. Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Beh\u00f6rden wussten gut Bescheid<\/h2>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich entstand der Islamische Staat nicht in deutschen Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen. Zur deutschen Verantwortung geh\u00f6rt aber auch, dass Politiker und Beh\u00f6rden lange wegschauten, solang nur die T\u00e4ter, aber nicht die Opfer Deutsche waren. Beh\u00f6rden wissen und wussten erschreckend gut Bescheid \u00fcber die Radikalisierung deutscher Islamisten. Ein Gro\u00dfteil der sp\u00e4teren IS-K\u00e4mpfer war polizeibekannt, stand auf Gef\u00e4hrderlisten oder hatte wegen islamistischer Straftaten bereits Haftstrafen verb\u00fc\u00dft. An der Ausreise gehindert wurden sie oftmals dennoch nicht. Die Gefahr, die von deutschen Terroristen ausgeht, interessierte Politik und \u00d6ffentlichkeit erst dann wieder, als ihre Einreise drohte.<\/p>\n\n\n\n

\"Fabian
Fabian Goldmann<\/strong> ist Journalist und Islamwissenschaftler. F\u00fcr verschiedene Magazine und Zeitungen berichtete er viele Jahre aus Nahost. Zurzeit widmet er sich vor allem dem Islam diesseits des Bosporus. Auf seinem Blog Schantall und die Scharia<\/a> bloggt er \u00fcber Islamophobie in Deutschland.<\/p>\n","post_title":"Es sind unsere Terroristen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"es-sind-unsere-terroristen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3703","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3700,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:19:36","post_date_gmt":"2020-08-13 21:19:36","post_content":"\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda? Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda t<\/p>\n\n\n\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda tritt an die Stelle der 2010 verabschiedeten Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014 (siehe IP\/10\/1535<\/a>). In der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda f\u00fcr den Zeitraum 2015-2020 skizziert die Europ\u00e4ische Kommission die Strategie der Union zur Bew\u00e4ltigung der Sicherheitsbedrohungen in der EU.<\/p>\n\n\n\n

Die EU und ihre Mitgliedstaaten sind mit betr\u00e4chtlichen Sicherheitsproblemen konfrontiert. Terrorismus, organisierte Kriminalit\u00e4t und Cyberkriminalit\u00e4t stellen eine zunehmende Gefahr f\u00fcr die europ\u00e4ische Gesellschaft dar, wobei sich Art und Ausma\u00df dieser Gefahr ver\u00e4ndert hat. Europa ist mit den Auswirkungen der politischen Instabilit\u00e4t in seiner unmittelbaren Nachbarschaft konfrontiert, die die Sicherheitsinteressen der EU gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n

Im Zuge der Krisen und Konflikte in Syrien, Irak und Libyen haben sich europ\u00e4ische B\u00fcrger terroristischen Gruppen angeschlossen, die bei ihrer R\u00fcckkehr eine erhebliche Bedrohung darstellen k\u00f6nnen. Die j\u00fcngsten terroristischen Anschl\u00e4ge in Europa zeugen von der zunehmenden Bedrohung durch einen gewaltt\u00e4tigen Extremismus und zeigen, in welchem Ausma\u00df weltweite Konflikte zur Radikalisierung der europ\u00e4ischen B\u00fcrger beitragen.<\/p>\n\n\n\n

Das Online-Umfeld hat sich zunehmend als Ziel f\u00fcr Kriminelle und Terroristen entwickelt. Unabh\u00e4ngig davon, ob es um die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und die Anwerbung von Menschen f\u00fcr terroristische Organisationen geht oder die Verbreitung von Hass oder einen Angriff auf die europ\u00e4ischen Werte und Institutionen, fest steht, dass wir unsere Reaktion auf diese Bedrohungen unbedingt abstimmen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Welcher Mehrwert entsteht durch die EU im Bereich der inneren Sicherheit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Gew\u00e4hrleistung der inneren Sicherheit f\u00e4llt weiterhin in erster Linie in die Zust\u00e4ndigkeit der Mitgliedstaaten. Allerdings werden die Bedrohungen f\u00fcr Europas B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger immer vielf\u00e4ltiger und betreffen in zunehmendem Ma\u00dfe mehrere Mitgliedstaaten. Einzelne Mitgliedstaaten haben die Verantwortung, die Sicherheit an den Au\u00dfengrenzen zu gew\u00e4hrleisten, sind aber nicht mehr in der Lage, diese Herausforderungen allein zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n

Kriminelle und terroristische Aktivit\u00e4ten machen nicht an den Grenzen der EU halt und beschr\u00e4nken sich auch nicht auf Nachbarregionen. Die innere Sicherheit der EU und die globale Sicherheit sind voneinander abh\u00e4ngig und miteinander verkn\u00fcpft. Die Sicherheit der Union h\u00e4ngt in hohem Ma\u00dfe von der Zusammenarbeit mit ihren internationalen Partnern und ihren Nachbarl\u00e4ndern ab.<\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t und des Terrorismus ist eine gemeinsame europ\u00e4ische Aufgabe. Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda sollte von den Mitgliedstaaten und den EU-Organen gemeinsam als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und gemeinsame Ma\u00dfnahmen der Union genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n

Mit Hilfe der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda werden die Polizei- und Strafverfolgungsdienste in verschiedenen Mitgliedstaaten Daten effektiver austauschen und bei der Bek\u00e4mpfung der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t besser zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Die Mitgliedstaaten k\u00f6nnen auf die Unterst\u00fctzung durch die Agenturen der EU z\u00e4hlen. Insbesondere in folgenden Punkten l\u00e4sst sich mit Hilfe der Sicherheitsagenda ein EU-Mehrwert erzielen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n

A) Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und den EU-Agenturen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1<\/strong>: Das Schengener Informationssystem<\/strong> (SIS) wird von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Abfrage von Ausschreibungen von gesuchten oder vermissten Personen und Gegenst\u00e4nden genutzt. Die Kommission wird an der Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Ausschreibungskategorien arbeiten und sich daf\u00fcr einsetzen, dass das SIS zusammen mit der Interpol-Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD)<\/strong> umfassender genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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An fehlendem Wissen liegt das nicht. Von ganzen Einheiten des IS, in denen kein einziger K\u00e4mpfer Arabisch spreche, berichten syrische, irakische und kurdische Soldaten schon seit Jahren. Von Aleppo \u00fcber Raqqa bis Mossul haben Aktivisten und Politiker immer wieder darauf hingewiesen, dass viele der schlimmsten M\u00f6rder in den Reihen des IS Europ\u00e4er sind. Interessiert hat das hier kaum jemand.<\/p>\n\n\n\n

Dabei dienten Deutsche dem Islamischen Staats nicht nur als willenloses Kanonenfutter, wie es oft dargestellt wird. Viele haben seinen Terror mitgepr\u00e4gt. Wie Martin L., der derzeit in kurdischer Haft sitzt. Der Schwei\u00dfer aus Sachsen-Anhalt soll sich vom Folterknecht bis zum Geheimdienstler mit Kontakten bis in die F\u00fchrungsspitze der Terrororganisation hochgearbeitet haben.<\/p>\n\n\n\n

Oder Reda S., Der Prediger aus Berlin-Charlottenburg soll dem IS in Mossul als Bildungsminister gedient haben. Oder der Berliner Ex-Rapper Denis Cuspert, der zu den wichtigsten Personen in der IS-Medienorganisation Al-Hayat geh\u00f6rte. Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Beh\u00f6rden wussten gut Bescheid<\/h2>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich entstand der Islamische Staat nicht in deutschen Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen. Zur deutschen Verantwortung geh\u00f6rt aber auch, dass Politiker und Beh\u00f6rden lange wegschauten, solang nur die T\u00e4ter, aber nicht die Opfer Deutsche waren. Beh\u00f6rden wissen und wussten erschreckend gut Bescheid \u00fcber die Radikalisierung deutscher Islamisten. Ein Gro\u00dfteil der sp\u00e4teren IS-K\u00e4mpfer war polizeibekannt, stand auf Gef\u00e4hrderlisten oder hatte wegen islamistischer Straftaten bereits Haftstrafen verb\u00fc\u00dft. An der Ausreise gehindert wurden sie oftmals dennoch nicht. Die Gefahr, die von deutschen Terroristen ausgeht, interessierte Politik und \u00d6ffentlichkeit erst dann wieder, als ihre Einreise drohte.<\/p>\n\n\n\n

\"Fabian
Fabian Goldmann<\/strong> ist Journalist und Islamwissenschaftler. F\u00fcr verschiedene Magazine und Zeitungen berichtete er viele Jahre aus Nahost. Zurzeit widmet er sich vor allem dem Islam diesseits des Bosporus. Auf seinem Blog Schantall und die Scharia<\/a> bloggt er \u00fcber Islamophobie in Deutschland.<\/p>\n","post_title":"Es sind unsere Terroristen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"es-sind-unsere-terroristen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3703","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3700,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:19:36","post_date_gmt":"2020-08-13 21:19:36","post_content":"\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda? Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda t<\/p>\n\n\n\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda tritt an die Stelle der 2010 verabschiedeten Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014 (siehe IP\/10\/1535<\/a>). In der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda f\u00fcr den Zeitraum 2015-2020 skizziert die Europ\u00e4ische Kommission die Strategie der Union zur Bew\u00e4ltigung der Sicherheitsbedrohungen in der EU.<\/p>\n\n\n\n

Die EU und ihre Mitgliedstaaten sind mit betr\u00e4chtlichen Sicherheitsproblemen konfrontiert. Terrorismus, organisierte Kriminalit\u00e4t und Cyberkriminalit\u00e4t stellen eine zunehmende Gefahr f\u00fcr die europ\u00e4ische Gesellschaft dar, wobei sich Art und Ausma\u00df dieser Gefahr ver\u00e4ndert hat. Europa ist mit den Auswirkungen der politischen Instabilit\u00e4t in seiner unmittelbaren Nachbarschaft konfrontiert, die die Sicherheitsinteressen der EU gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n

Im Zuge der Krisen und Konflikte in Syrien, Irak und Libyen haben sich europ\u00e4ische B\u00fcrger terroristischen Gruppen angeschlossen, die bei ihrer R\u00fcckkehr eine erhebliche Bedrohung darstellen k\u00f6nnen. Die j\u00fcngsten terroristischen Anschl\u00e4ge in Europa zeugen von der zunehmenden Bedrohung durch einen gewaltt\u00e4tigen Extremismus und zeigen, in welchem Ausma\u00df weltweite Konflikte zur Radikalisierung der europ\u00e4ischen B\u00fcrger beitragen.<\/p>\n\n\n\n

Das Online-Umfeld hat sich zunehmend als Ziel f\u00fcr Kriminelle und Terroristen entwickelt. Unabh\u00e4ngig davon, ob es um die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und die Anwerbung von Menschen f\u00fcr terroristische Organisationen geht oder die Verbreitung von Hass oder einen Angriff auf die europ\u00e4ischen Werte und Institutionen, fest steht, dass wir unsere Reaktion auf diese Bedrohungen unbedingt abstimmen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Welcher Mehrwert entsteht durch die EU im Bereich der inneren Sicherheit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Gew\u00e4hrleistung der inneren Sicherheit f\u00e4llt weiterhin in erster Linie in die Zust\u00e4ndigkeit der Mitgliedstaaten. Allerdings werden die Bedrohungen f\u00fcr Europas B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger immer vielf\u00e4ltiger und betreffen in zunehmendem Ma\u00dfe mehrere Mitgliedstaaten. Einzelne Mitgliedstaaten haben die Verantwortung, die Sicherheit an den Au\u00dfengrenzen zu gew\u00e4hrleisten, sind aber nicht mehr in der Lage, diese Herausforderungen allein zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n

Kriminelle und terroristische Aktivit\u00e4ten machen nicht an den Grenzen der EU halt und beschr\u00e4nken sich auch nicht auf Nachbarregionen. Die innere Sicherheit der EU und die globale Sicherheit sind voneinander abh\u00e4ngig und miteinander verkn\u00fcpft. Die Sicherheit der Union h\u00e4ngt in hohem Ma\u00dfe von der Zusammenarbeit mit ihren internationalen Partnern und ihren Nachbarl\u00e4ndern ab.<\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t und des Terrorismus ist eine gemeinsame europ\u00e4ische Aufgabe. Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda sollte von den Mitgliedstaaten und den EU-Organen gemeinsam als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und gemeinsame Ma\u00dfnahmen der Union genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n

Mit Hilfe der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda werden die Polizei- und Strafverfolgungsdienste in verschiedenen Mitgliedstaaten Daten effektiver austauschen und bei der Bek\u00e4mpfung der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t besser zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Die Mitgliedstaaten k\u00f6nnen auf die Unterst\u00fctzung durch die Agenturen der EU z\u00e4hlen. Insbesondere in folgenden Punkten l\u00e4sst sich mit Hilfe der Sicherheitsagenda ein EU-Mehrwert erzielen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n

A) Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und den EU-Agenturen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1<\/strong>: Das Schengener Informationssystem<\/strong> (SIS) wird von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Abfrage von Ausschreibungen von gesuchten oder vermissten Personen und Gegenst\u00e4nden genutzt. Die Kommission wird an der Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Ausschreibungskategorien arbeiten und sich daf\u00fcr einsetzen, dass das SIS zusammen mit der Interpol-Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD)<\/strong> umfassender genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Deutsche K\u00e4mpfer waren nicht nur willenloses Kanonenfutter<\/h2>\n\n\n\n

An fehlendem Wissen liegt das nicht. Von ganzen Einheiten des IS, in denen kein einziger K\u00e4mpfer Arabisch spreche, berichten syrische, irakische und kurdische Soldaten schon seit Jahren. Von Aleppo \u00fcber Raqqa bis Mossul haben Aktivisten und Politiker immer wieder darauf hingewiesen, dass viele der schlimmsten M\u00f6rder in den Reihen des IS Europ\u00e4er sind. Interessiert hat das hier kaum jemand.<\/p>\n\n\n\n

Dabei dienten Deutsche dem Islamischen Staats nicht nur als willenloses Kanonenfutter, wie es oft dargestellt wird. Viele haben seinen Terror mitgepr\u00e4gt. Wie Martin L., der derzeit in kurdischer Haft sitzt. Der Schwei\u00dfer aus Sachsen-Anhalt soll sich vom Folterknecht bis zum Geheimdienstler mit Kontakten bis in die F\u00fchrungsspitze der Terrororganisation hochgearbeitet haben.<\/p>\n\n\n\n

Oder Reda S., Der Prediger aus Berlin-Charlottenburg soll dem IS in Mossul als Bildungsminister gedient haben. Oder der Berliner Ex-Rapper Denis Cuspert, der zu den wichtigsten Personen in der IS-Medienorganisation Al-Hayat geh\u00f6rte. Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Beh\u00f6rden wussten gut Bescheid<\/h2>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich entstand der Islamische Staat nicht in deutschen Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen. Zur deutschen Verantwortung geh\u00f6rt aber auch, dass Politiker und Beh\u00f6rden lange wegschauten, solang nur die T\u00e4ter, aber nicht die Opfer Deutsche waren. Beh\u00f6rden wissen und wussten erschreckend gut Bescheid \u00fcber die Radikalisierung deutscher Islamisten. Ein Gro\u00dfteil der sp\u00e4teren IS-K\u00e4mpfer war polizeibekannt, stand auf Gef\u00e4hrderlisten oder hatte wegen islamistischer Straftaten bereits Haftstrafen verb\u00fc\u00dft. An der Ausreise gehindert wurden sie oftmals dennoch nicht. Die Gefahr, die von deutschen Terroristen ausgeht, interessierte Politik und \u00d6ffentlichkeit erst dann wieder, als ihre Einreise drohte.<\/p>\n\n\n\n

\"Fabian
Fabian Goldmann<\/strong> ist Journalist und Islamwissenschaftler. F\u00fcr verschiedene Magazine und Zeitungen berichtete er viele Jahre aus Nahost. Zurzeit widmet er sich vor allem dem Islam diesseits des Bosporus. Auf seinem Blog Schantall und die Scharia<\/a> bloggt er \u00fcber Islamophobie in Deutschland.<\/p>\n","post_title":"Es sind unsere Terroristen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"es-sind-unsere-terroristen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3703","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3700,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:19:36","post_date_gmt":"2020-08-13 21:19:36","post_content":"\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda? Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda t<\/p>\n\n\n\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda tritt an die Stelle der 2010 verabschiedeten Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014 (siehe IP\/10\/1535<\/a>). In der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda f\u00fcr den Zeitraum 2015-2020 skizziert die Europ\u00e4ische Kommission die Strategie der Union zur Bew\u00e4ltigung der Sicherheitsbedrohungen in der EU.<\/p>\n\n\n\n

Die EU und ihre Mitgliedstaaten sind mit betr\u00e4chtlichen Sicherheitsproblemen konfrontiert. Terrorismus, organisierte Kriminalit\u00e4t und Cyberkriminalit\u00e4t stellen eine zunehmende Gefahr f\u00fcr die europ\u00e4ische Gesellschaft dar, wobei sich Art und Ausma\u00df dieser Gefahr ver\u00e4ndert hat. Europa ist mit den Auswirkungen der politischen Instabilit\u00e4t in seiner unmittelbaren Nachbarschaft konfrontiert, die die Sicherheitsinteressen der EU gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n

Im Zuge der Krisen und Konflikte in Syrien, Irak und Libyen haben sich europ\u00e4ische B\u00fcrger terroristischen Gruppen angeschlossen, die bei ihrer R\u00fcckkehr eine erhebliche Bedrohung darstellen k\u00f6nnen. Die j\u00fcngsten terroristischen Anschl\u00e4ge in Europa zeugen von der zunehmenden Bedrohung durch einen gewaltt\u00e4tigen Extremismus und zeigen, in welchem Ausma\u00df weltweite Konflikte zur Radikalisierung der europ\u00e4ischen B\u00fcrger beitragen.<\/p>\n\n\n\n

Das Online-Umfeld hat sich zunehmend als Ziel f\u00fcr Kriminelle und Terroristen entwickelt. Unabh\u00e4ngig davon, ob es um die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und die Anwerbung von Menschen f\u00fcr terroristische Organisationen geht oder die Verbreitung von Hass oder einen Angriff auf die europ\u00e4ischen Werte und Institutionen, fest steht, dass wir unsere Reaktion auf diese Bedrohungen unbedingt abstimmen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Welcher Mehrwert entsteht durch die EU im Bereich der inneren Sicherheit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Gew\u00e4hrleistung der inneren Sicherheit f\u00e4llt weiterhin in erster Linie in die Zust\u00e4ndigkeit der Mitgliedstaaten. Allerdings werden die Bedrohungen f\u00fcr Europas B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger immer vielf\u00e4ltiger und betreffen in zunehmendem Ma\u00dfe mehrere Mitgliedstaaten. Einzelne Mitgliedstaaten haben die Verantwortung, die Sicherheit an den Au\u00dfengrenzen zu gew\u00e4hrleisten, sind aber nicht mehr in der Lage, diese Herausforderungen allein zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n

Kriminelle und terroristische Aktivit\u00e4ten machen nicht an den Grenzen der EU halt und beschr\u00e4nken sich auch nicht auf Nachbarregionen. Die innere Sicherheit der EU und die globale Sicherheit sind voneinander abh\u00e4ngig und miteinander verkn\u00fcpft. Die Sicherheit der Union h\u00e4ngt in hohem Ma\u00dfe von der Zusammenarbeit mit ihren internationalen Partnern und ihren Nachbarl\u00e4ndern ab.<\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t und des Terrorismus ist eine gemeinsame europ\u00e4ische Aufgabe. Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda sollte von den Mitgliedstaaten und den EU-Organen gemeinsam als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und gemeinsame Ma\u00dfnahmen der Union genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n

Mit Hilfe der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda werden die Polizei- und Strafverfolgungsdienste in verschiedenen Mitgliedstaaten Daten effektiver austauschen und bei der Bek\u00e4mpfung der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t besser zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Die Mitgliedstaaten k\u00f6nnen auf die Unterst\u00fctzung durch die Agenturen der EU z\u00e4hlen. Insbesondere in folgenden Punkten l\u00e4sst sich mit Hilfe der Sicherheitsagenda ein EU-Mehrwert erzielen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n

A) Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und den EU-Agenturen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1<\/strong>: Das Schengener Informationssystem<\/strong> (SIS) wird von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Abfrage von Ausschreibungen von gesuchten oder vermissten Personen und Gegenst\u00e4nden genutzt. Die Kommission wird an der Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Ausschreibungskategorien arbeiten und sich daf\u00fcr einsetzen, dass das SIS zusammen mit der Interpol-Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD)<\/strong> umfassender genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Die CSU st\u00fcnde wom\u00f6glich am linken Ende des politischen Spektrums, und auf Twitter w\u00fcrde Trump deutsche Migrationspolitiker zur M\u00e4\u00dfigung aufrufen. Der deutsche Terror in Nahost kommt hingegen seit Jahren ganz ohne Sondersendungen, politische Debatten und Distanzierungsforderungen aus. <\/p>\n\n\n\n

Deutsche K\u00e4mpfer waren nicht nur willenloses Kanonenfutter<\/h2>\n\n\n\n

An fehlendem Wissen liegt das nicht. Von ganzen Einheiten des IS, in denen kein einziger K\u00e4mpfer Arabisch spreche, berichten syrische, irakische und kurdische Soldaten schon seit Jahren. Von Aleppo \u00fcber Raqqa bis Mossul haben Aktivisten und Politiker immer wieder darauf hingewiesen, dass viele der schlimmsten M\u00f6rder in den Reihen des IS Europ\u00e4er sind. Interessiert hat das hier kaum jemand.<\/p>\n\n\n\n

Dabei dienten Deutsche dem Islamischen Staats nicht nur als willenloses Kanonenfutter, wie es oft dargestellt wird. Viele haben seinen Terror mitgepr\u00e4gt. Wie Martin L., der derzeit in kurdischer Haft sitzt. Der Schwei\u00dfer aus Sachsen-Anhalt soll sich vom Folterknecht bis zum Geheimdienstler mit Kontakten bis in die F\u00fchrungsspitze der Terrororganisation hochgearbeitet haben.<\/p>\n\n\n\n

Oder Reda S., Der Prediger aus Berlin-Charlottenburg soll dem IS in Mossul als Bildungsminister gedient haben. Oder der Berliner Ex-Rapper Denis Cuspert, der zu den wichtigsten Personen in der IS-Medienorganisation Al-Hayat geh\u00f6rte. Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Beh\u00f6rden wussten gut Bescheid<\/h2>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich entstand der Islamische Staat nicht in deutschen Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen. Zur deutschen Verantwortung geh\u00f6rt aber auch, dass Politiker und Beh\u00f6rden lange wegschauten, solang nur die T\u00e4ter, aber nicht die Opfer Deutsche waren. Beh\u00f6rden wissen und wussten erschreckend gut Bescheid \u00fcber die Radikalisierung deutscher Islamisten. Ein Gro\u00dfteil der sp\u00e4teren IS-K\u00e4mpfer war polizeibekannt, stand auf Gef\u00e4hrderlisten oder hatte wegen islamistischer Straftaten bereits Haftstrafen verb\u00fc\u00dft. An der Ausreise gehindert wurden sie oftmals dennoch nicht. Die Gefahr, die von deutschen Terroristen ausgeht, interessierte Politik und \u00d6ffentlichkeit erst dann wieder, als ihre Einreise drohte.<\/p>\n\n\n\n

\"Fabian
Fabian Goldmann<\/strong> ist Journalist und Islamwissenschaftler. F\u00fcr verschiedene Magazine und Zeitungen berichtete er viele Jahre aus Nahost. Zurzeit widmet er sich vor allem dem Islam diesseits des Bosporus. Auf seinem Blog Schantall und die Scharia<\/a> bloggt er \u00fcber Islamophobie in Deutschland.<\/p>\n","post_title":"Es sind unsere Terroristen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"es-sind-unsere-terroristen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3703","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3700,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:19:36","post_date_gmt":"2020-08-13 21:19:36","post_content":"\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda? Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda t<\/p>\n\n\n\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda tritt an die Stelle der 2010 verabschiedeten Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014 (siehe IP\/10\/1535<\/a>). In der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda f\u00fcr den Zeitraum 2015-2020 skizziert die Europ\u00e4ische Kommission die Strategie der Union zur Bew\u00e4ltigung der Sicherheitsbedrohungen in der EU.<\/p>\n\n\n\n

Die EU und ihre Mitgliedstaaten sind mit betr\u00e4chtlichen Sicherheitsproblemen konfrontiert. Terrorismus, organisierte Kriminalit\u00e4t und Cyberkriminalit\u00e4t stellen eine zunehmende Gefahr f\u00fcr die europ\u00e4ische Gesellschaft dar, wobei sich Art und Ausma\u00df dieser Gefahr ver\u00e4ndert hat. Europa ist mit den Auswirkungen der politischen Instabilit\u00e4t in seiner unmittelbaren Nachbarschaft konfrontiert, die die Sicherheitsinteressen der EU gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n

Im Zuge der Krisen und Konflikte in Syrien, Irak und Libyen haben sich europ\u00e4ische B\u00fcrger terroristischen Gruppen angeschlossen, die bei ihrer R\u00fcckkehr eine erhebliche Bedrohung darstellen k\u00f6nnen. Die j\u00fcngsten terroristischen Anschl\u00e4ge in Europa zeugen von der zunehmenden Bedrohung durch einen gewaltt\u00e4tigen Extremismus und zeigen, in welchem Ausma\u00df weltweite Konflikte zur Radikalisierung der europ\u00e4ischen B\u00fcrger beitragen.<\/p>\n\n\n\n

Das Online-Umfeld hat sich zunehmend als Ziel f\u00fcr Kriminelle und Terroristen entwickelt. Unabh\u00e4ngig davon, ob es um die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und die Anwerbung von Menschen f\u00fcr terroristische Organisationen geht oder die Verbreitung von Hass oder einen Angriff auf die europ\u00e4ischen Werte und Institutionen, fest steht, dass wir unsere Reaktion auf diese Bedrohungen unbedingt abstimmen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Welcher Mehrwert entsteht durch die EU im Bereich der inneren Sicherheit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Gew\u00e4hrleistung der inneren Sicherheit f\u00e4llt weiterhin in erster Linie in die Zust\u00e4ndigkeit der Mitgliedstaaten. Allerdings werden die Bedrohungen f\u00fcr Europas B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger immer vielf\u00e4ltiger und betreffen in zunehmendem Ma\u00dfe mehrere Mitgliedstaaten. Einzelne Mitgliedstaaten haben die Verantwortung, die Sicherheit an den Au\u00dfengrenzen zu gew\u00e4hrleisten, sind aber nicht mehr in der Lage, diese Herausforderungen allein zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n

Kriminelle und terroristische Aktivit\u00e4ten machen nicht an den Grenzen der EU halt und beschr\u00e4nken sich auch nicht auf Nachbarregionen. Die innere Sicherheit der EU und die globale Sicherheit sind voneinander abh\u00e4ngig und miteinander verkn\u00fcpft. Die Sicherheit der Union h\u00e4ngt in hohem Ma\u00dfe von der Zusammenarbeit mit ihren internationalen Partnern und ihren Nachbarl\u00e4ndern ab.<\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t und des Terrorismus ist eine gemeinsame europ\u00e4ische Aufgabe. Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda sollte von den Mitgliedstaaten und den EU-Organen gemeinsam als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und gemeinsame Ma\u00dfnahmen der Union genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n

Mit Hilfe der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda werden die Polizei- und Strafverfolgungsdienste in verschiedenen Mitgliedstaaten Daten effektiver austauschen und bei der Bek\u00e4mpfung der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t besser zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Die Mitgliedstaaten k\u00f6nnen auf die Unterst\u00fctzung durch die Agenturen der EU z\u00e4hlen. Insbesondere in folgenden Punkten l\u00e4sst sich mit Hilfe der Sicherheitsagenda ein EU-Mehrwert erzielen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n

A) Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und den EU-Agenturen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1<\/strong>: Das Schengener Informationssystem<\/strong> (SIS) wird von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Abfrage von Ausschreibungen von gesuchten oder vermissten Personen und Gegenst\u00e4nden genutzt. Die Kommission wird an der Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Ausschreibungskategorien arbeiten und sich daf\u00fcr einsetzen, dass das SIS zusammen mit der Interpol-Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD)<\/strong> umfassender genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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1.050 \u2013 das ist laut Bundesinnenministerium die Anzahl der Dschihadisten, die in den letzten Jahren die Bundesrepublik in Richtung Nahost verlassen hat. Es f\u00e4llt schwer, sich umgekehrtes Szenario \u00fcberhaupt auszumalen. Was w\u00e4re wohl los, h\u00e4tte es nur ein Bruchteil arabischer Terroristen geschafft, bei uns Anschl\u00e4ge zu begehen? Europas \u201eMuslim Bann\u201c? \u00dcberwachungsstaat auf NSA-Niveau?<\/p>\n\n\n\n

Die CSU st\u00fcnde wom\u00f6glich am linken Ende des politischen Spektrums, und auf Twitter w\u00fcrde Trump deutsche Migrationspolitiker zur M\u00e4\u00dfigung aufrufen. Der deutsche Terror in Nahost kommt hingegen seit Jahren ganz ohne Sondersendungen, politische Debatten und Distanzierungsforderungen aus. <\/p>\n\n\n\n

Deutsche K\u00e4mpfer waren nicht nur willenloses Kanonenfutter<\/h2>\n\n\n\n

An fehlendem Wissen liegt das nicht. Von ganzen Einheiten des IS, in denen kein einziger K\u00e4mpfer Arabisch spreche, berichten syrische, irakische und kurdische Soldaten schon seit Jahren. Von Aleppo \u00fcber Raqqa bis Mossul haben Aktivisten und Politiker immer wieder darauf hingewiesen, dass viele der schlimmsten M\u00f6rder in den Reihen des IS Europ\u00e4er sind. Interessiert hat das hier kaum jemand.<\/p>\n\n\n\n

Dabei dienten Deutsche dem Islamischen Staats nicht nur als willenloses Kanonenfutter, wie es oft dargestellt wird. Viele haben seinen Terror mitgepr\u00e4gt. Wie Martin L., der derzeit in kurdischer Haft sitzt. Der Schwei\u00dfer aus Sachsen-Anhalt soll sich vom Folterknecht bis zum Geheimdienstler mit Kontakten bis in die F\u00fchrungsspitze der Terrororganisation hochgearbeitet haben.<\/p>\n\n\n\n

Oder Reda S., Der Prediger aus Berlin-Charlottenburg soll dem IS in Mossul als Bildungsminister gedient haben. Oder der Berliner Ex-Rapper Denis Cuspert, der zu den wichtigsten Personen in der IS-Medienorganisation Al-Hayat geh\u00f6rte. Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Beh\u00f6rden wussten gut Bescheid<\/h2>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich entstand der Islamische Staat nicht in deutschen Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen. Zur deutschen Verantwortung geh\u00f6rt aber auch, dass Politiker und Beh\u00f6rden lange wegschauten, solang nur die T\u00e4ter, aber nicht die Opfer Deutsche waren. Beh\u00f6rden wissen und wussten erschreckend gut Bescheid \u00fcber die Radikalisierung deutscher Islamisten. Ein Gro\u00dfteil der sp\u00e4teren IS-K\u00e4mpfer war polizeibekannt, stand auf Gef\u00e4hrderlisten oder hatte wegen islamistischer Straftaten bereits Haftstrafen verb\u00fc\u00dft. An der Ausreise gehindert wurden sie oftmals dennoch nicht. Die Gefahr, die von deutschen Terroristen ausgeht, interessierte Politik und \u00d6ffentlichkeit erst dann wieder, als ihre Einreise drohte.<\/p>\n\n\n\n

\"Fabian
Fabian Goldmann<\/strong> ist Journalist und Islamwissenschaftler. F\u00fcr verschiedene Magazine und Zeitungen berichtete er viele Jahre aus Nahost. Zurzeit widmet er sich vor allem dem Islam diesseits des Bosporus. Auf seinem Blog Schantall und die Scharia<\/a> bloggt er \u00fcber Islamophobie in Deutschland.<\/p>\n","post_title":"Es sind unsere Terroristen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"es-sind-unsere-terroristen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3703","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3700,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:19:36","post_date_gmt":"2020-08-13 21:19:36","post_content":"\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda? Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda t<\/p>\n\n\n\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda tritt an die Stelle der 2010 verabschiedeten Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014 (siehe IP\/10\/1535<\/a>). In der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda f\u00fcr den Zeitraum 2015-2020 skizziert die Europ\u00e4ische Kommission die Strategie der Union zur Bew\u00e4ltigung der Sicherheitsbedrohungen in der EU.<\/p>\n\n\n\n

Die EU und ihre Mitgliedstaaten sind mit betr\u00e4chtlichen Sicherheitsproblemen konfrontiert. Terrorismus, organisierte Kriminalit\u00e4t und Cyberkriminalit\u00e4t stellen eine zunehmende Gefahr f\u00fcr die europ\u00e4ische Gesellschaft dar, wobei sich Art und Ausma\u00df dieser Gefahr ver\u00e4ndert hat. Europa ist mit den Auswirkungen der politischen Instabilit\u00e4t in seiner unmittelbaren Nachbarschaft konfrontiert, die die Sicherheitsinteressen der EU gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n

Im Zuge der Krisen und Konflikte in Syrien, Irak und Libyen haben sich europ\u00e4ische B\u00fcrger terroristischen Gruppen angeschlossen, die bei ihrer R\u00fcckkehr eine erhebliche Bedrohung darstellen k\u00f6nnen. Die j\u00fcngsten terroristischen Anschl\u00e4ge in Europa zeugen von der zunehmenden Bedrohung durch einen gewaltt\u00e4tigen Extremismus und zeigen, in welchem Ausma\u00df weltweite Konflikte zur Radikalisierung der europ\u00e4ischen B\u00fcrger beitragen.<\/p>\n\n\n\n

Das Online-Umfeld hat sich zunehmend als Ziel f\u00fcr Kriminelle und Terroristen entwickelt. Unabh\u00e4ngig davon, ob es um die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und die Anwerbung von Menschen f\u00fcr terroristische Organisationen geht oder die Verbreitung von Hass oder einen Angriff auf die europ\u00e4ischen Werte und Institutionen, fest steht, dass wir unsere Reaktion auf diese Bedrohungen unbedingt abstimmen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Welcher Mehrwert entsteht durch die EU im Bereich der inneren Sicherheit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Gew\u00e4hrleistung der inneren Sicherheit f\u00e4llt weiterhin in erster Linie in die Zust\u00e4ndigkeit der Mitgliedstaaten. Allerdings werden die Bedrohungen f\u00fcr Europas B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger immer vielf\u00e4ltiger und betreffen in zunehmendem Ma\u00dfe mehrere Mitgliedstaaten. Einzelne Mitgliedstaaten haben die Verantwortung, die Sicherheit an den Au\u00dfengrenzen zu gew\u00e4hrleisten, sind aber nicht mehr in der Lage, diese Herausforderungen allein zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n

Kriminelle und terroristische Aktivit\u00e4ten machen nicht an den Grenzen der EU halt und beschr\u00e4nken sich auch nicht auf Nachbarregionen. Die innere Sicherheit der EU und die globale Sicherheit sind voneinander abh\u00e4ngig und miteinander verkn\u00fcpft. Die Sicherheit der Union h\u00e4ngt in hohem Ma\u00dfe von der Zusammenarbeit mit ihren internationalen Partnern und ihren Nachbarl\u00e4ndern ab.<\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t und des Terrorismus ist eine gemeinsame europ\u00e4ische Aufgabe. Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda sollte von den Mitgliedstaaten und den EU-Organen gemeinsam als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und gemeinsame Ma\u00dfnahmen der Union genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n

Mit Hilfe der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda werden die Polizei- und Strafverfolgungsdienste in verschiedenen Mitgliedstaaten Daten effektiver austauschen und bei der Bek\u00e4mpfung der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t besser zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Die Mitgliedstaaten k\u00f6nnen auf die Unterst\u00fctzung durch die Agenturen der EU z\u00e4hlen. Insbesondere in folgenden Punkten l\u00e4sst sich mit Hilfe der Sicherheitsagenda ein EU-Mehrwert erzielen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n

A) Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und den EU-Agenturen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1<\/strong>: Das Schengener Informationssystem<\/strong> (SIS) wird von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Abfrage von Ausschreibungen von gesuchten oder vermissten Personen und Gegenst\u00e4nden genutzt. Die Kommission wird an der Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Ausschreibungskategorien arbeiten und sich daf\u00fcr einsetzen, dass das SIS zusammen mit der Interpol-Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD)<\/strong> umfassender genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Hauptsache nicht bei uns! Dies scheint auch dieser Tage wieder die Maxime zu sein, wenn Politiker und \u00d6ffentlichkeit \u00fcber den Umgang mit deutschen Terroristen diskutieren. Von potenziellen Bedrohungen und Anschlagsgefahren in Deutschland liest man dann. Vom ganz realen Terror, den Deutsche in den vergangenen Jahren \u00fcber die Menschen in Syrien und Irak gebracht haben, h\u00f6rt man hingegen kaum. Ein Terror, der kaum deutsche Opfer aber umso mehr deutsche T\u00e4ter kannte.<\/p>\n\n\n\n

1.050 \u2013 das ist laut Bundesinnenministerium die Anzahl der Dschihadisten, die in den letzten Jahren die Bundesrepublik in Richtung Nahost verlassen hat. Es f\u00e4llt schwer, sich umgekehrtes Szenario \u00fcberhaupt auszumalen. Was w\u00e4re wohl los, h\u00e4tte es nur ein Bruchteil arabischer Terroristen geschafft, bei uns Anschl\u00e4ge zu begehen? Europas \u201eMuslim Bann\u201c? \u00dcberwachungsstaat auf NSA-Niveau?<\/p>\n\n\n\n

Die CSU st\u00fcnde wom\u00f6glich am linken Ende des politischen Spektrums, und auf Twitter w\u00fcrde Trump deutsche Migrationspolitiker zur M\u00e4\u00dfigung aufrufen. Der deutsche Terror in Nahost kommt hingegen seit Jahren ganz ohne Sondersendungen, politische Debatten und Distanzierungsforderungen aus. <\/p>\n\n\n\n

Deutsche K\u00e4mpfer waren nicht nur willenloses Kanonenfutter<\/h2>\n\n\n\n

An fehlendem Wissen liegt das nicht. Von ganzen Einheiten des IS, in denen kein einziger K\u00e4mpfer Arabisch spreche, berichten syrische, irakische und kurdische Soldaten schon seit Jahren. Von Aleppo \u00fcber Raqqa bis Mossul haben Aktivisten und Politiker immer wieder darauf hingewiesen, dass viele der schlimmsten M\u00f6rder in den Reihen des IS Europ\u00e4er sind. Interessiert hat das hier kaum jemand.<\/p>\n\n\n\n

Dabei dienten Deutsche dem Islamischen Staats nicht nur als willenloses Kanonenfutter, wie es oft dargestellt wird. Viele haben seinen Terror mitgepr\u00e4gt. Wie Martin L., der derzeit in kurdischer Haft sitzt. Der Schwei\u00dfer aus Sachsen-Anhalt soll sich vom Folterknecht bis zum Geheimdienstler mit Kontakten bis in die F\u00fchrungsspitze der Terrororganisation hochgearbeitet haben.<\/p>\n\n\n\n

Oder Reda S., Der Prediger aus Berlin-Charlottenburg soll dem IS in Mossul als Bildungsminister gedient haben. Oder der Berliner Ex-Rapper Denis Cuspert, der zu den wichtigsten Personen in der IS-Medienorganisation Al-Hayat geh\u00f6rte. Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Beh\u00f6rden wussten gut Bescheid<\/h2>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich entstand der Islamische Staat nicht in deutschen Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen. Zur deutschen Verantwortung geh\u00f6rt aber auch, dass Politiker und Beh\u00f6rden lange wegschauten, solang nur die T\u00e4ter, aber nicht die Opfer Deutsche waren. Beh\u00f6rden wissen und wussten erschreckend gut Bescheid \u00fcber die Radikalisierung deutscher Islamisten. Ein Gro\u00dfteil der sp\u00e4teren IS-K\u00e4mpfer war polizeibekannt, stand auf Gef\u00e4hrderlisten oder hatte wegen islamistischer Straftaten bereits Haftstrafen verb\u00fc\u00dft. An der Ausreise gehindert wurden sie oftmals dennoch nicht. Die Gefahr, die von deutschen Terroristen ausgeht, interessierte Politik und \u00d6ffentlichkeit erst dann wieder, als ihre Einreise drohte.<\/p>\n\n\n\n

\"Fabian
Fabian Goldmann<\/strong> ist Journalist und Islamwissenschaftler. F\u00fcr verschiedene Magazine und Zeitungen berichtete er viele Jahre aus Nahost. Zurzeit widmet er sich vor allem dem Islam diesseits des Bosporus. Auf seinem Blog Schantall und die Scharia<\/a> bloggt er \u00fcber Islamophobie in Deutschland.<\/p>\n","post_title":"Es sind unsere Terroristen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"es-sind-unsere-terroristen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3703","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3700,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:19:36","post_date_gmt":"2020-08-13 21:19:36","post_content":"\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda? Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda t<\/p>\n\n\n\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda tritt an die Stelle der 2010 verabschiedeten Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014 (siehe IP\/10\/1535<\/a>). In der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda f\u00fcr den Zeitraum 2015-2020 skizziert die Europ\u00e4ische Kommission die Strategie der Union zur Bew\u00e4ltigung der Sicherheitsbedrohungen in der EU.<\/p>\n\n\n\n

Die EU und ihre Mitgliedstaaten sind mit betr\u00e4chtlichen Sicherheitsproblemen konfrontiert. Terrorismus, organisierte Kriminalit\u00e4t und Cyberkriminalit\u00e4t stellen eine zunehmende Gefahr f\u00fcr die europ\u00e4ische Gesellschaft dar, wobei sich Art und Ausma\u00df dieser Gefahr ver\u00e4ndert hat. Europa ist mit den Auswirkungen der politischen Instabilit\u00e4t in seiner unmittelbaren Nachbarschaft konfrontiert, die die Sicherheitsinteressen der EU gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n

Im Zuge der Krisen und Konflikte in Syrien, Irak und Libyen haben sich europ\u00e4ische B\u00fcrger terroristischen Gruppen angeschlossen, die bei ihrer R\u00fcckkehr eine erhebliche Bedrohung darstellen k\u00f6nnen. Die j\u00fcngsten terroristischen Anschl\u00e4ge in Europa zeugen von der zunehmenden Bedrohung durch einen gewaltt\u00e4tigen Extremismus und zeigen, in welchem Ausma\u00df weltweite Konflikte zur Radikalisierung der europ\u00e4ischen B\u00fcrger beitragen.<\/p>\n\n\n\n

Das Online-Umfeld hat sich zunehmend als Ziel f\u00fcr Kriminelle und Terroristen entwickelt. Unabh\u00e4ngig davon, ob es um die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und die Anwerbung von Menschen f\u00fcr terroristische Organisationen geht oder die Verbreitung von Hass oder einen Angriff auf die europ\u00e4ischen Werte und Institutionen, fest steht, dass wir unsere Reaktion auf diese Bedrohungen unbedingt abstimmen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Welcher Mehrwert entsteht durch die EU im Bereich der inneren Sicherheit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Gew\u00e4hrleistung der inneren Sicherheit f\u00e4llt weiterhin in erster Linie in die Zust\u00e4ndigkeit der Mitgliedstaaten. Allerdings werden die Bedrohungen f\u00fcr Europas B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger immer vielf\u00e4ltiger und betreffen in zunehmendem Ma\u00dfe mehrere Mitgliedstaaten. Einzelne Mitgliedstaaten haben die Verantwortung, die Sicherheit an den Au\u00dfengrenzen zu gew\u00e4hrleisten, sind aber nicht mehr in der Lage, diese Herausforderungen allein zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n

Kriminelle und terroristische Aktivit\u00e4ten machen nicht an den Grenzen der EU halt und beschr\u00e4nken sich auch nicht auf Nachbarregionen. Die innere Sicherheit der EU und die globale Sicherheit sind voneinander abh\u00e4ngig und miteinander verkn\u00fcpft. Die Sicherheit der Union h\u00e4ngt in hohem Ma\u00dfe von der Zusammenarbeit mit ihren internationalen Partnern und ihren Nachbarl\u00e4ndern ab.<\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t und des Terrorismus ist eine gemeinsame europ\u00e4ische Aufgabe. Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda sollte von den Mitgliedstaaten und den EU-Organen gemeinsam als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und gemeinsame Ma\u00dfnahmen der Union genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n

Mit Hilfe der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda werden die Polizei- und Strafverfolgungsdienste in verschiedenen Mitgliedstaaten Daten effektiver austauschen und bei der Bek\u00e4mpfung der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t besser zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Die Mitgliedstaaten k\u00f6nnen auf die Unterst\u00fctzung durch die Agenturen der EU z\u00e4hlen. Insbesondere in folgenden Punkten l\u00e4sst sich mit Hilfe der Sicherheitsagenda ein EU-Mehrwert erzielen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n

A) Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und den EU-Agenturen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1<\/strong>: Das Schengener Informationssystem<\/strong> (SIS) wird von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Abfrage von Ausschreibungen von gesuchten oder vermissten Personen und Gegenst\u00e4nden genutzt. Die Kommission wird an der Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Ausschreibungskategorien arbeiten und sich daf\u00fcr einsetzen, dass das SIS zusammen mit der Interpol-Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD)<\/strong> umfassender genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Deutsche T\u00e4ter, aber kaum deutsche Opfer<\/h2>\n\n\n\n

Hauptsache nicht bei uns! Dies scheint auch dieser Tage wieder die Maxime zu sein, wenn Politiker und \u00d6ffentlichkeit \u00fcber den Umgang mit deutschen Terroristen diskutieren. Von potenziellen Bedrohungen und Anschlagsgefahren in Deutschland liest man dann. Vom ganz realen Terror, den Deutsche in den vergangenen Jahren \u00fcber die Menschen in Syrien und Irak gebracht haben, h\u00f6rt man hingegen kaum. Ein Terror, der kaum deutsche Opfer aber umso mehr deutsche T\u00e4ter kannte.<\/p>\n\n\n\n

1.050 \u2013 das ist laut Bundesinnenministerium die Anzahl der Dschihadisten, die in den letzten Jahren die Bundesrepublik in Richtung Nahost verlassen hat. Es f\u00e4llt schwer, sich umgekehrtes Szenario \u00fcberhaupt auszumalen. Was w\u00e4re wohl los, h\u00e4tte es nur ein Bruchteil arabischer Terroristen geschafft, bei uns Anschl\u00e4ge zu begehen? Europas \u201eMuslim Bann\u201c? \u00dcberwachungsstaat auf NSA-Niveau?<\/p>\n\n\n\n

Die CSU st\u00fcnde wom\u00f6glich am linken Ende des politischen Spektrums, und auf Twitter w\u00fcrde Trump deutsche Migrationspolitiker zur M\u00e4\u00dfigung aufrufen. Der deutsche Terror in Nahost kommt hingegen seit Jahren ganz ohne Sondersendungen, politische Debatten und Distanzierungsforderungen aus. <\/p>\n\n\n\n

Deutsche K\u00e4mpfer waren nicht nur willenloses Kanonenfutter<\/h2>\n\n\n\n

An fehlendem Wissen liegt das nicht. Von ganzen Einheiten des IS, in denen kein einziger K\u00e4mpfer Arabisch spreche, berichten syrische, irakische und kurdische Soldaten schon seit Jahren. Von Aleppo \u00fcber Raqqa bis Mossul haben Aktivisten und Politiker immer wieder darauf hingewiesen, dass viele der schlimmsten M\u00f6rder in den Reihen des IS Europ\u00e4er sind. Interessiert hat das hier kaum jemand.<\/p>\n\n\n\n

Dabei dienten Deutsche dem Islamischen Staats nicht nur als willenloses Kanonenfutter, wie es oft dargestellt wird. Viele haben seinen Terror mitgepr\u00e4gt. Wie Martin L., der derzeit in kurdischer Haft sitzt. Der Schwei\u00dfer aus Sachsen-Anhalt soll sich vom Folterknecht bis zum Geheimdienstler mit Kontakten bis in die F\u00fchrungsspitze der Terrororganisation hochgearbeitet haben.<\/p>\n\n\n\n

Oder Reda S., Der Prediger aus Berlin-Charlottenburg soll dem IS in Mossul als Bildungsminister gedient haben. Oder der Berliner Ex-Rapper Denis Cuspert, der zu den wichtigsten Personen in der IS-Medienorganisation Al-Hayat geh\u00f6rte. Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Beh\u00f6rden wussten gut Bescheid<\/h2>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich entstand der Islamische Staat nicht in deutschen Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen. Zur deutschen Verantwortung geh\u00f6rt aber auch, dass Politiker und Beh\u00f6rden lange wegschauten, solang nur die T\u00e4ter, aber nicht die Opfer Deutsche waren. Beh\u00f6rden wissen und wussten erschreckend gut Bescheid \u00fcber die Radikalisierung deutscher Islamisten. Ein Gro\u00dfteil der sp\u00e4teren IS-K\u00e4mpfer war polizeibekannt, stand auf Gef\u00e4hrderlisten oder hatte wegen islamistischer Straftaten bereits Haftstrafen verb\u00fc\u00dft. An der Ausreise gehindert wurden sie oftmals dennoch nicht. Die Gefahr, die von deutschen Terroristen ausgeht, interessierte Politik und \u00d6ffentlichkeit erst dann wieder, als ihre Einreise drohte.<\/p>\n\n\n\n

\"Fabian
Fabian Goldmann<\/strong> ist Journalist und Islamwissenschaftler. F\u00fcr verschiedene Magazine und Zeitungen berichtete er viele Jahre aus Nahost. Zurzeit widmet er sich vor allem dem Islam diesseits des Bosporus. Auf seinem Blog Schantall und die Scharia<\/a> bloggt er \u00fcber Islamophobie in Deutschland.<\/p>\n","post_title":"Es sind unsere Terroristen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"es-sind-unsere-terroristen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3703","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3700,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:19:36","post_date_gmt":"2020-08-13 21:19:36","post_content":"\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda? Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda t<\/p>\n\n\n\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda tritt an die Stelle der 2010 verabschiedeten Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014 (siehe IP\/10\/1535<\/a>). In der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda f\u00fcr den Zeitraum 2015-2020 skizziert die Europ\u00e4ische Kommission die Strategie der Union zur Bew\u00e4ltigung der Sicherheitsbedrohungen in der EU.<\/p>\n\n\n\n

Die EU und ihre Mitgliedstaaten sind mit betr\u00e4chtlichen Sicherheitsproblemen konfrontiert. Terrorismus, organisierte Kriminalit\u00e4t und Cyberkriminalit\u00e4t stellen eine zunehmende Gefahr f\u00fcr die europ\u00e4ische Gesellschaft dar, wobei sich Art und Ausma\u00df dieser Gefahr ver\u00e4ndert hat. Europa ist mit den Auswirkungen der politischen Instabilit\u00e4t in seiner unmittelbaren Nachbarschaft konfrontiert, die die Sicherheitsinteressen der EU gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n

Im Zuge der Krisen und Konflikte in Syrien, Irak und Libyen haben sich europ\u00e4ische B\u00fcrger terroristischen Gruppen angeschlossen, die bei ihrer R\u00fcckkehr eine erhebliche Bedrohung darstellen k\u00f6nnen. Die j\u00fcngsten terroristischen Anschl\u00e4ge in Europa zeugen von der zunehmenden Bedrohung durch einen gewaltt\u00e4tigen Extremismus und zeigen, in welchem Ausma\u00df weltweite Konflikte zur Radikalisierung der europ\u00e4ischen B\u00fcrger beitragen.<\/p>\n\n\n\n

Das Online-Umfeld hat sich zunehmend als Ziel f\u00fcr Kriminelle und Terroristen entwickelt. Unabh\u00e4ngig davon, ob es um die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und die Anwerbung von Menschen f\u00fcr terroristische Organisationen geht oder die Verbreitung von Hass oder einen Angriff auf die europ\u00e4ischen Werte und Institutionen, fest steht, dass wir unsere Reaktion auf diese Bedrohungen unbedingt abstimmen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Welcher Mehrwert entsteht durch die EU im Bereich der inneren Sicherheit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Gew\u00e4hrleistung der inneren Sicherheit f\u00e4llt weiterhin in erster Linie in die Zust\u00e4ndigkeit der Mitgliedstaaten. Allerdings werden die Bedrohungen f\u00fcr Europas B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger immer vielf\u00e4ltiger und betreffen in zunehmendem Ma\u00dfe mehrere Mitgliedstaaten. Einzelne Mitgliedstaaten haben die Verantwortung, die Sicherheit an den Au\u00dfengrenzen zu gew\u00e4hrleisten, sind aber nicht mehr in der Lage, diese Herausforderungen allein zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n

Kriminelle und terroristische Aktivit\u00e4ten machen nicht an den Grenzen der EU halt und beschr\u00e4nken sich auch nicht auf Nachbarregionen. Die innere Sicherheit der EU und die globale Sicherheit sind voneinander abh\u00e4ngig und miteinander verkn\u00fcpft. Die Sicherheit der Union h\u00e4ngt in hohem Ma\u00dfe von der Zusammenarbeit mit ihren internationalen Partnern und ihren Nachbarl\u00e4ndern ab.<\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t und des Terrorismus ist eine gemeinsame europ\u00e4ische Aufgabe. Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda sollte von den Mitgliedstaaten und den EU-Organen gemeinsam als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und gemeinsame Ma\u00dfnahmen der Union genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n

Mit Hilfe der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda werden die Polizei- und Strafverfolgungsdienste in verschiedenen Mitgliedstaaten Daten effektiver austauschen und bei der Bek\u00e4mpfung der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t besser zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Die Mitgliedstaaten k\u00f6nnen auf die Unterst\u00fctzung durch die Agenturen der EU z\u00e4hlen. Insbesondere in folgenden Punkten l\u00e4sst sich mit Hilfe der Sicherheitsagenda ein EU-Mehrwert erzielen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n

A) Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und den EU-Agenturen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1<\/strong>: Das Schengener Informationssystem<\/strong> (SIS) wird von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Abfrage von Ausschreibungen von gesuchten oder vermissten Personen und Gegenst\u00e4nden genutzt. Die Kommission wird an der Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Ausschreibungskategorien arbeiten und sich daf\u00fcr einsetzen, dass das SIS zusammen mit der Interpol-Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD)<\/strong> umfassender genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Oder von Yamin A.?. Im Sommer 2015 tauchte im Netz ein Video auf, das zeigte, wie der ehemalige Telekom-Azubi aus K\u00f6nigswinter zwei gefesselten Soldaten in den Kopf schoss.
Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Deutsche T\u00e4ter, aber kaum deutsche Opfer<\/h2>\n\n\n\n

Hauptsache nicht bei uns! Dies scheint auch dieser Tage wieder die Maxime zu sein, wenn Politiker und \u00d6ffentlichkeit \u00fcber den Umgang mit deutschen Terroristen diskutieren. Von potenziellen Bedrohungen und Anschlagsgefahren in Deutschland liest man dann. Vom ganz realen Terror, den Deutsche in den vergangenen Jahren \u00fcber die Menschen in Syrien und Irak gebracht haben, h\u00f6rt man hingegen kaum. Ein Terror, der kaum deutsche Opfer aber umso mehr deutsche T\u00e4ter kannte.<\/p>\n\n\n\n

1.050 \u2013 das ist laut Bundesinnenministerium die Anzahl der Dschihadisten, die in den letzten Jahren die Bundesrepublik in Richtung Nahost verlassen hat. Es f\u00e4llt schwer, sich umgekehrtes Szenario \u00fcberhaupt auszumalen. Was w\u00e4re wohl los, h\u00e4tte es nur ein Bruchteil arabischer Terroristen geschafft, bei uns Anschl\u00e4ge zu begehen? Europas \u201eMuslim Bann\u201c? \u00dcberwachungsstaat auf NSA-Niveau?<\/p>\n\n\n\n

Die CSU st\u00fcnde wom\u00f6glich am linken Ende des politischen Spektrums, und auf Twitter w\u00fcrde Trump deutsche Migrationspolitiker zur M\u00e4\u00dfigung aufrufen. Der deutsche Terror in Nahost kommt hingegen seit Jahren ganz ohne Sondersendungen, politische Debatten und Distanzierungsforderungen aus. <\/p>\n\n\n\n

Deutsche K\u00e4mpfer waren nicht nur willenloses Kanonenfutter<\/h2>\n\n\n\n

An fehlendem Wissen liegt das nicht. Von ganzen Einheiten des IS, in denen kein einziger K\u00e4mpfer Arabisch spreche, berichten syrische, irakische und kurdische Soldaten schon seit Jahren. Von Aleppo \u00fcber Raqqa bis Mossul haben Aktivisten und Politiker immer wieder darauf hingewiesen, dass viele der schlimmsten M\u00f6rder in den Reihen des IS Europ\u00e4er sind. Interessiert hat das hier kaum jemand.<\/p>\n\n\n\n

Dabei dienten Deutsche dem Islamischen Staats nicht nur als willenloses Kanonenfutter, wie es oft dargestellt wird. Viele haben seinen Terror mitgepr\u00e4gt. Wie Martin L., der derzeit in kurdischer Haft sitzt. Der Schwei\u00dfer aus Sachsen-Anhalt soll sich vom Folterknecht bis zum Geheimdienstler mit Kontakten bis in die F\u00fchrungsspitze der Terrororganisation hochgearbeitet haben.<\/p>\n\n\n\n

Oder Reda S., Der Prediger aus Berlin-Charlottenburg soll dem IS in Mossul als Bildungsminister gedient haben. Oder der Berliner Ex-Rapper Denis Cuspert, der zu den wichtigsten Personen in der IS-Medienorganisation Al-Hayat geh\u00f6rte. Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Beh\u00f6rden wussten gut Bescheid<\/h2>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich entstand der Islamische Staat nicht in deutschen Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen. Zur deutschen Verantwortung geh\u00f6rt aber auch, dass Politiker und Beh\u00f6rden lange wegschauten, solang nur die T\u00e4ter, aber nicht die Opfer Deutsche waren. Beh\u00f6rden wissen und wussten erschreckend gut Bescheid \u00fcber die Radikalisierung deutscher Islamisten. Ein Gro\u00dfteil der sp\u00e4teren IS-K\u00e4mpfer war polizeibekannt, stand auf Gef\u00e4hrderlisten oder hatte wegen islamistischer Straftaten bereits Haftstrafen verb\u00fc\u00dft. An der Ausreise gehindert wurden sie oftmals dennoch nicht. Die Gefahr, die von deutschen Terroristen ausgeht, interessierte Politik und \u00d6ffentlichkeit erst dann wieder, als ihre Einreise drohte.<\/p>\n\n\n\n

\"Fabian
Fabian Goldmann<\/strong> ist Journalist und Islamwissenschaftler. F\u00fcr verschiedene Magazine und Zeitungen berichtete er viele Jahre aus Nahost. Zurzeit widmet er sich vor allem dem Islam diesseits des Bosporus. Auf seinem Blog Schantall und die Scharia<\/a> bloggt er \u00fcber Islamophobie in Deutschland.<\/p>\n","post_title":"Es sind unsere Terroristen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"es-sind-unsere-terroristen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3703","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3700,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:19:36","post_date_gmt":"2020-08-13 21:19:36","post_content":"\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda? Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda t<\/p>\n\n\n\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda tritt an die Stelle der 2010 verabschiedeten Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014 (siehe IP\/10\/1535<\/a>). In der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda f\u00fcr den Zeitraum 2015-2020 skizziert die Europ\u00e4ische Kommission die Strategie der Union zur Bew\u00e4ltigung der Sicherheitsbedrohungen in der EU.<\/p>\n\n\n\n

Die EU und ihre Mitgliedstaaten sind mit betr\u00e4chtlichen Sicherheitsproblemen konfrontiert. Terrorismus, organisierte Kriminalit\u00e4t und Cyberkriminalit\u00e4t stellen eine zunehmende Gefahr f\u00fcr die europ\u00e4ische Gesellschaft dar, wobei sich Art und Ausma\u00df dieser Gefahr ver\u00e4ndert hat. Europa ist mit den Auswirkungen der politischen Instabilit\u00e4t in seiner unmittelbaren Nachbarschaft konfrontiert, die die Sicherheitsinteressen der EU gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n

Im Zuge der Krisen und Konflikte in Syrien, Irak und Libyen haben sich europ\u00e4ische B\u00fcrger terroristischen Gruppen angeschlossen, die bei ihrer R\u00fcckkehr eine erhebliche Bedrohung darstellen k\u00f6nnen. Die j\u00fcngsten terroristischen Anschl\u00e4ge in Europa zeugen von der zunehmenden Bedrohung durch einen gewaltt\u00e4tigen Extremismus und zeigen, in welchem Ausma\u00df weltweite Konflikte zur Radikalisierung der europ\u00e4ischen B\u00fcrger beitragen.<\/p>\n\n\n\n

Das Online-Umfeld hat sich zunehmend als Ziel f\u00fcr Kriminelle und Terroristen entwickelt. Unabh\u00e4ngig davon, ob es um die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und die Anwerbung von Menschen f\u00fcr terroristische Organisationen geht oder die Verbreitung von Hass oder einen Angriff auf die europ\u00e4ischen Werte und Institutionen, fest steht, dass wir unsere Reaktion auf diese Bedrohungen unbedingt abstimmen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Welcher Mehrwert entsteht durch die EU im Bereich der inneren Sicherheit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Gew\u00e4hrleistung der inneren Sicherheit f\u00e4llt weiterhin in erster Linie in die Zust\u00e4ndigkeit der Mitgliedstaaten. Allerdings werden die Bedrohungen f\u00fcr Europas B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger immer vielf\u00e4ltiger und betreffen in zunehmendem Ma\u00dfe mehrere Mitgliedstaaten. Einzelne Mitgliedstaaten haben die Verantwortung, die Sicherheit an den Au\u00dfengrenzen zu gew\u00e4hrleisten, sind aber nicht mehr in der Lage, diese Herausforderungen allein zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n

Kriminelle und terroristische Aktivit\u00e4ten machen nicht an den Grenzen der EU halt und beschr\u00e4nken sich auch nicht auf Nachbarregionen. Die innere Sicherheit der EU und die globale Sicherheit sind voneinander abh\u00e4ngig und miteinander verkn\u00fcpft. Die Sicherheit der Union h\u00e4ngt in hohem Ma\u00dfe von der Zusammenarbeit mit ihren internationalen Partnern und ihren Nachbarl\u00e4ndern ab.<\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t und des Terrorismus ist eine gemeinsame europ\u00e4ische Aufgabe. Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda sollte von den Mitgliedstaaten und den EU-Organen gemeinsam als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und gemeinsame Ma\u00dfnahmen der Union genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n

Mit Hilfe der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda werden die Polizei- und Strafverfolgungsdienste in verschiedenen Mitgliedstaaten Daten effektiver austauschen und bei der Bek\u00e4mpfung der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t besser zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Die Mitgliedstaaten k\u00f6nnen auf die Unterst\u00fctzung durch die Agenturen der EU z\u00e4hlen. Insbesondere in folgenden Punkten l\u00e4sst sich mit Hilfe der Sicherheitsagenda ein EU-Mehrwert erzielen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n

A) Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und den EU-Agenturen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1<\/strong>: Das Schengener Informationssystem<\/strong> (SIS) wird von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Abfrage von Ausschreibungen von gesuchten oder vermissten Personen und Gegenst\u00e4nden genutzt. Die Kommission wird an der Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Ausschreibungskategorien arbeiten und sich daf\u00fcr einsetzen, dass das SIS zusammen mit der Interpol-Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD)<\/strong> umfassender genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

\n

Oder von Yannik N.? Der junge Freiburger steuerte wahrscheinlich im Jahr 2015 einen mit anderthalb Tonnen Sprengstoff beladenen LKW in eine Menschenmenge und nahm so Dutzenden Personen das Leben.<\/p>\n\n\n\n

Oder von Yamin A.?. Im Sommer 2015 tauchte im Netz ein Video auf, das zeigte, wie der ehemalige Telekom-Azubi aus K\u00f6nigswinter zwei gefesselten Soldaten in den Kopf schoss.
Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Deutsche T\u00e4ter, aber kaum deutsche Opfer<\/h2>\n\n\n\n

Hauptsache nicht bei uns! Dies scheint auch dieser Tage wieder die Maxime zu sein, wenn Politiker und \u00d6ffentlichkeit \u00fcber den Umgang mit deutschen Terroristen diskutieren. Von potenziellen Bedrohungen und Anschlagsgefahren in Deutschland liest man dann. Vom ganz realen Terror, den Deutsche in den vergangenen Jahren \u00fcber die Menschen in Syrien und Irak gebracht haben, h\u00f6rt man hingegen kaum. Ein Terror, der kaum deutsche Opfer aber umso mehr deutsche T\u00e4ter kannte.<\/p>\n\n\n\n

1.050 \u2013 das ist laut Bundesinnenministerium die Anzahl der Dschihadisten, die in den letzten Jahren die Bundesrepublik in Richtung Nahost verlassen hat. Es f\u00e4llt schwer, sich umgekehrtes Szenario \u00fcberhaupt auszumalen. Was w\u00e4re wohl los, h\u00e4tte es nur ein Bruchteil arabischer Terroristen geschafft, bei uns Anschl\u00e4ge zu begehen? Europas \u201eMuslim Bann\u201c? \u00dcberwachungsstaat auf NSA-Niveau?<\/p>\n\n\n\n

Die CSU st\u00fcnde wom\u00f6glich am linken Ende des politischen Spektrums, und auf Twitter w\u00fcrde Trump deutsche Migrationspolitiker zur M\u00e4\u00dfigung aufrufen. Der deutsche Terror in Nahost kommt hingegen seit Jahren ganz ohne Sondersendungen, politische Debatten und Distanzierungsforderungen aus. <\/p>\n\n\n\n

Deutsche K\u00e4mpfer waren nicht nur willenloses Kanonenfutter<\/h2>\n\n\n\n

An fehlendem Wissen liegt das nicht. Von ganzen Einheiten des IS, in denen kein einziger K\u00e4mpfer Arabisch spreche, berichten syrische, irakische und kurdische Soldaten schon seit Jahren. Von Aleppo \u00fcber Raqqa bis Mossul haben Aktivisten und Politiker immer wieder darauf hingewiesen, dass viele der schlimmsten M\u00f6rder in den Reihen des IS Europ\u00e4er sind. Interessiert hat das hier kaum jemand.<\/p>\n\n\n\n

Dabei dienten Deutsche dem Islamischen Staats nicht nur als willenloses Kanonenfutter, wie es oft dargestellt wird. Viele haben seinen Terror mitgepr\u00e4gt. Wie Martin L., der derzeit in kurdischer Haft sitzt. Der Schwei\u00dfer aus Sachsen-Anhalt soll sich vom Folterknecht bis zum Geheimdienstler mit Kontakten bis in die F\u00fchrungsspitze der Terrororganisation hochgearbeitet haben.<\/p>\n\n\n\n

Oder Reda S., Der Prediger aus Berlin-Charlottenburg soll dem IS in Mossul als Bildungsminister gedient haben. Oder der Berliner Ex-Rapper Denis Cuspert, der zu den wichtigsten Personen in der IS-Medienorganisation Al-Hayat geh\u00f6rte. Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Beh\u00f6rden wussten gut Bescheid<\/h2>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich entstand der Islamische Staat nicht in deutschen Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen. Zur deutschen Verantwortung geh\u00f6rt aber auch, dass Politiker und Beh\u00f6rden lange wegschauten, solang nur die T\u00e4ter, aber nicht die Opfer Deutsche waren. Beh\u00f6rden wissen und wussten erschreckend gut Bescheid \u00fcber die Radikalisierung deutscher Islamisten. Ein Gro\u00dfteil der sp\u00e4teren IS-K\u00e4mpfer war polizeibekannt, stand auf Gef\u00e4hrderlisten oder hatte wegen islamistischer Straftaten bereits Haftstrafen verb\u00fc\u00dft. An der Ausreise gehindert wurden sie oftmals dennoch nicht. Die Gefahr, die von deutschen Terroristen ausgeht, interessierte Politik und \u00d6ffentlichkeit erst dann wieder, als ihre Einreise drohte.<\/p>\n\n\n\n

\"Fabian
Fabian Goldmann<\/strong> ist Journalist und Islamwissenschaftler. F\u00fcr verschiedene Magazine und Zeitungen berichtete er viele Jahre aus Nahost. Zurzeit widmet er sich vor allem dem Islam diesseits des Bosporus. Auf seinem Blog Schantall und die Scharia<\/a> bloggt er \u00fcber Islamophobie in Deutschland.<\/p>\n","post_title":"Es sind unsere Terroristen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"es-sind-unsere-terroristen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3703","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3700,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:19:36","post_date_gmt":"2020-08-13 21:19:36","post_content":"\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda? Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda t<\/p>\n\n\n\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda tritt an die Stelle der 2010 verabschiedeten Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014 (siehe IP\/10\/1535<\/a>). In der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda f\u00fcr den Zeitraum 2015-2020 skizziert die Europ\u00e4ische Kommission die Strategie der Union zur Bew\u00e4ltigung der Sicherheitsbedrohungen in der EU.<\/p>\n\n\n\n

Die EU und ihre Mitgliedstaaten sind mit betr\u00e4chtlichen Sicherheitsproblemen konfrontiert. Terrorismus, organisierte Kriminalit\u00e4t und Cyberkriminalit\u00e4t stellen eine zunehmende Gefahr f\u00fcr die europ\u00e4ische Gesellschaft dar, wobei sich Art und Ausma\u00df dieser Gefahr ver\u00e4ndert hat. Europa ist mit den Auswirkungen der politischen Instabilit\u00e4t in seiner unmittelbaren Nachbarschaft konfrontiert, die die Sicherheitsinteressen der EU gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n

Im Zuge der Krisen und Konflikte in Syrien, Irak und Libyen haben sich europ\u00e4ische B\u00fcrger terroristischen Gruppen angeschlossen, die bei ihrer R\u00fcckkehr eine erhebliche Bedrohung darstellen k\u00f6nnen. Die j\u00fcngsten terroristischen Anschl\u00e4ge in Europa zeugen von der zunehmenden Bedrohung durch einen gewaltt\u00e4tigen Extremismus und zeigen, in welchem Ausma\u00df weltweite Konflikte zur Radikalisierung der europ\u00e4ischen B\u00fcrger beitragen.<\/p>\n\n\n\n

Das Online-Umfeld hat sich zunehmend als Ziel f\u00fcr Kriminelle und Terroristen entwickelt. Unabh\u00e4ngig davon, ob es um die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und die Anwerbung von Menschen f\u00fcr terroristische Organisationen geht oder die Verbreitung von Hass oder einen Angriff auf die europ\u00e4ischen Werte und Institutionen, fest steht, dass wir unsere Reaktion auf diese Bedrohungen unbedingt abstimmen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Welcher Mehrwert entsteht durch die EU im Bereich der inneren Sicherheit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Gew\u00e4hrleistung der inneren Sicherheit f\u00e4llt weiterhin in erster Linie in die Zust\u00e4ndigkeit der Mitgliedstaaten. Allerdings werden die Bedrohungen f\u00fcr Europas B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger immer vielf\u00e4ltiger und betreffen in zunehmendem Ma\u00dfe mehrere Mitgliedstaaten. Einzelne Mitgliedstaaten haben die Verantwortung, die Sicherheit an den Au\u00dfengrenzen zu gew\u00e4hrleisten, sind aber nicht mehr in der Lage, diese Herausforderungen allein zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n

Kriminelle und terroristische Aktivit\u00e4ten machen nicht an den Grenzen der EU halt und beschr\u00e4nken sich auch nicht auf Nachbarregionen. Die innere Sicherheit der EU und die globale Sicherheit sind voneinander abh\u00e4ngig und miteinander verkn\u00fcpft. Die Sicherheit der Union h\u00e4ngt in hohem Ma\u00dfe von der Zusammenarbeit mit ihren internationalen Partnern und ihren Nachbarl\u00e4ndern ab.<\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t und des Terrorismus ist eine gemeinsame europ\u00e4ische Aufgabe. Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda sollte von den Mitgliedstaaten und den EU-Organen gemeinsam als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und gemeinsame Ma\u00dfnahmen der Union genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n

Mit Hilfe der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda werden die Polizei- und Strafverfolgungsdienste in verschiedenen Mitgliedstaaten Daten effektiver austauschen und bei der Bek\u00e4mpfung der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t besser zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Die Mitgliedstaaten k\u00f6nnen auf die Unterst\u00fctzung durch die Agenturen der EU z\u00e4hlen. Insbesondere in folgenden Punkten l\u00e4sst sich mit Hilfe der Sicherheitsagenda ein EU-Mehrwert erzielen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n

A) Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und den EU-Agenturen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1<\/strong>: Das Schengener Informationssystem<\/strong> (SIS) wird von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Abfrage von Ausschreibungen von gesuchten oder vermissten Personen und Gegenst\u00e4nden genutzt. Die Kommission wird an der Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Ausschreibungskategorien arbeiten und sich daf\u00fcr einsetzen, dass das SIS zusammen mit der Interpol-Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD)<\/strong> umfassender genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Wann haben Sie sich eigentlich zuletzt von deutschen Terroristen distanziert? Zum Beispiel von Robert B.? Der Ex-Bundeswehrsoldat aus Solingen hat mutma\u00dflich bei einem Selbstmordattentat Anfang 2014 50 Menschen mit in den Tod gerissen. <\/p>\n\n\n\n

Oder von Yannik N.? Der junge Freiburger steuerte wahrscheinlich im Jahr 2015 einen mit anderthalb Tonnen Sprengstoff beladenen LKW in eine Menschenmenge und nahm so Dutzenden Personen das Leben.<\/p>\n\n\n\n

Oder von Yamin A.?. Im Sommer 2015 tauchte im Netz ein Video auf, das zeigte, wie der ehemalige Telekom-Azubi aus K\u00f6nigswinter zwei gefesselten Soldaten in den Kopf schoss.
Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Deutsche T\u00e4ter, aber kaum deutsche Opfer<\/h2>\n\n\n\n

Hauptsache nicht bei uns! Dies scheint auch dieser Tage wieder die Maxime zu sein, wenn Politiker und \u00d6ffentlichkeit \u00fcber den Umgang mit deutschen Terroristen diskutieren. Von potenziellen Bedrohungen und Anschlagsgefahren in Deutschland liest man dann. Vom ganz realen Terror, den Deutsche in den vergangenen Jahren \u00fcber die Menschen in Syrien und Irak gebracht haben, h\u00f6rt man hingegen kaum. Ein Terror, der kaum deutsche Opfer aber umso mehr deutsche T\u00e4ter kannte.<\/p>\n\n\n\n

1.050 \u2013 das ist laut Bundesinnenministerium die Anzahl der Dschihadisten, die in den letzten Jahren die Bundesrepublik in Richtung Nahost verlassen hat. Es f\u00e4llt schwer, sich umgekehrtes Szenario \u00fcberhaupt auszumalen. Was w\u00e4re wohl los, h\u00e4tte es nur ein Bruchteil arabischer Terroristen geschafft, bei uns Anschl\u00e4ge zu begehen? Europas \u201eMuslim Bann\u201c? \u00dcberwachungsstaat auf NSA-Niveau?<\/p>\n\n\n\n

Die CSU st\u00fcnde wom\u00f6glich am linken Ende des politischen Spektrums, und auf Twitter w\u00fcrde Trump deutsche Migrationspolitiker zur M\u00e4\u00dfigung aufrufen. Der deutsche Terror in Nahost kommt hingegen seit Jahren ganz ohne Sondersendungen, politische Debatten und Distanzierungsforderungen aus. <\/p>\n\n\n\n

Deutsche K\u00e4mpfer waren nicht nur willenloses Kanonenfutter<\/h2>\n\n\n\n

An fehlendem Wissen liegt das nicht. Von ganzen Einheiten des IS, in denen kein einziger K\u00e4mpfer Arabisch spreche, berichten syrische, irakische und kurdische Soldaten schon seit Jahren. Von Aleppo \u00fcber Raqqa bis Mossul haben Aktivisten und Politiker immer wieder darauf hingewiesen, dass viele der schlimmsten M\u00f6rder in den Reihen des IS Europ\u00e4er sind. Interessiert hat das hier kaum jemand.<\/p>\n\n\n\n

Dabei dienten Deutsche dem Islamischen Staats nicht nur als willenloses Kanonenfutter, wie es oft dargestellt wird. Viele haben seinen Terror mitgepr\u00e4gt. Wie Martin L., der derzeit in kurdischer Haft sitzt. Der Schwei\u00dfer aus Sachsen-Anhalt soll sich vom Folterknecht bis zum Geheimdienstler mit Kontakten bis in die F\u00fchrungsspitze der Terrororganisation hochgearbeitet haben.<\/p>\n\n\n\n

Oder Reda S., Der Prediger aus Berlin-Charlottenburg soll dem IS in Mossul als Bildungsminister gedient haben. Oder der Berliner Ex-Rapper Denis Cuspert, der zu den wichtigsten Personen in der IS-Medienorganisation Al-Hayat geh\u00f6rte. Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Beh\u00f6rden wussten gut Bescheid<\/h2>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich entstand der Islamische Staat nicht in deutschen Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen. Zur deutschen Verantwortung geh\u00f6rt aber auch, dass Politiker und Beh\u00f6rden lange wegschauten, solang nur die T\u00e4ter, aber nicht die Opfer Deutsche waren. Beh\u00f6rden wissen und wussten erschreckend gut Bescheid \u00fcber die Radikalisierung deutscher Islamisten. Ein Gro\u00dfteil der sp\u00e4teren IS-K\u00e4mpfer war polizeibekannt, stand auf Gef\u00e4hrderlisten oder hatte wegen islamistischer Straftaten bereits Haftstrafen verb\u00fc\u00dft. An der Ausreise gehindert wurden sie oftmals dennoch nicht. Die Gefahr, die von deutschen Terroristen ausgeht, interessierte Politik und \u00d6ffentlichkeit erst dann wieder, als ihre Einreise drohte.<\/p>\n\n\n\n

\"Fabian
Fabian Goldmann<\/strong> ist Journalist und Islamwissenschaftler. F\u00fcr verschiedene Magazine und Zeitungen berichtete er viele Jahre aus Nahost. Zurzeit widmet er sich vor allem dem Islam diesseits des Bosporus. Auf seinem Blog Schantall und die Scharia<\/a> bloggt er \u00fcber Islamophobie in Deutschland.<\/p>\n","post_title":"Es sind unsere Terroristen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"es-sind-unsere-terroristen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3703","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3700,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:19:36","post_date_gmt":"2020-08-13 21:19:36","post_content":"\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda? Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda t<\/p>\n\n\n\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda tritt an die Stelle der 2010 verabschiedeten Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014 (siehe IP\/10\/1535<\/a>). In der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda f\u00fcr den Zeitraum 2015-2020 skizziert die Europ\u00e4ische Kommission die Strategie der Union zur Bew\u00e4ltigung der Sicherheitsbedrohungen in der EU.<\/p>\n\n\n\n

Die EU und ihre Mitgliedstaaten sind mit betr\u00e4chtlichen Sicherheitsproblemen konfrontiert. Terrorismus, organisierte Kriminalit\u00e4t und Cyberkriminalit\u00e4t stellen eine zunehmende Gefahr f\u00fcr die europ\u00e4ische Gesellschaft dar, wobei sich Art und Ausma\u00df dieser Gefahr ver\u00e4ndert hat. Europa ist mit den Auswirkungen der politischen Instabilit\u00e4t in seiner unmittelbaren Nachbarschaft konfrontiert, die die Sicherheitsinteressen der EU gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n

Im Zuge der Krisen und Konflikte in Syrien, Irak und Libyen haben sich europ\u00e4ische B\u00fcrger terroristischen Gruppen angeschlossen, die bei ihrer R\u00fcckkehr eine erhebliche Bedrohung darstellen k\u00f6nnen. Die j\u00fcngsten terroristischen Anschl\u00e4ge in Europa zeugen von der zunehmenden Bedrohung durch einen gewaltt\u00e4tigen Extremismus und zeigen, in welchem Ausma\u00df weltweite Konflikte zur Radikalisierung der europ\u00e4ischen B\u00fcrger beitragen.<\/p>\n\n\n\n

Das Online-Umfeld hat sich zunehmend als Ziel f\u00fcr Kriminelle und Terroristen entwickelt. Unabh\u00e4ngig davon, ob es um die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und die Anwerbung von Menschen f\u00fcr terroristische Organisationen geht oder die Verbreitung von Hass oder einen Angriff auf die europ\u00e4ischen Werte und Institutionen, fest steht, dass wir unsere Reaktion auf diese Bedrohungen unbedingt abstimmen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Welcher Mehrwert entsteht durch die EU im Bereich der inneren Sicherheit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Gew\u00e4hrleistung der inneren Sicherheit f\u00e4llt weiterhin in erster Linie in die Zust\u00e4ndigkeit der Mitgliedstaaten. Allerdings werden die Bedrohungen f\u00fcr Europas B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger immer vielf\u00e4ltiger und betreffen in zunehmendem Ma\u00dfe mehrere Mitgliedstaaten. Einzelne Mitgliedstaaten haben die Verantwortung, die Sicherheit an den Au\u00dfengrenzen zu gew\u00e4hrleisten, sind aber nicht mehr in der Lage, diese Herausforderungen allein zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n

Kriminelle und terroristische Aktivit\u00e4ten machen nicht an den Grenzen der EU halt und beschr\u00e4nken sich auch nicht auf Nachbarregionen. Die innere Sicherheit der EU und die globale Sicherheit sind voneinander abh\u00e4ngig und miteinander verkn\u00fcpft. Die Sicherheit der Union h\u00e4ngt in hohem Ma\u00dfe von der Zusammenarbeit mit ihren internationalen Partnern und ihren Nachbarl\u00e4ndern ab.<\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t und des Terrorismus ist eine gemeinsame europ\u00e4ische Aufgabe. Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda sollte von den Mitgliedstaaten und den EU-Organen gemeinsam als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und gemeinsame Ma\u00dfnahmen der Union genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n

Mit Hilfe der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda werden die Polizei- und Strafverfolgungsdienste in verschiedenen Mitgliedstaaten Daten effektiver austauschen und bei der Bek\u00e4mpfung der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t besser zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Die Mitgliedstaaten k\u00f6nnen auf die Unterst\u00fctzung durch die Agenturen der EU z\u00e4hlen. Insbesondere in folgenden Punkten l\u00e4sst sich mit Hilfe der Sicherheitsagenda ein EU-Mehrwert erzielen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n

A) Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und den EU-Agenturen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1<\/strong>: Das Schengener Informationssystem<\/strong> (SIS) wird von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Abfrage von Ausschreibungen von gesuchten oder vermissten Personen und Gegenst\u00e4nden genutzt. Die Kommission wird an der Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Ausschreibungskategorien arbeiten und sich daf\u00fcr einsetzen, dass das SIS zusammen mit der Interpol-Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD)<\/strong> umfassender genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Deutschland str\u00e4ubt sich gegen die R\u00fcckkehr seiner eigenen Staatsb\u00fcrger, die zu IS-Terroristen wurden. Dabei hat die Bundesrepublik den Terror und die Terroristen einst exportiert. Und dies geschah wissentlich, sagt der Islamwissenschaftler Fabian Goldmann.<\/p>\n\n\n\n

Wann haben Sie sich eigentlich zuletzt von deutschen Terroristen distanziert? Zum Beispiel von Robert B.? Der Ex-Bundeswehrsoldat aus Solingen hat mutma\u00dflich bei einem Selbstmordattentat Anfang 2014 50 Menschen mit in den Tod gerissen. <\/p>\n\n\n\n

Oder von Yannik N.? Der junge Freiburger steuerte wahrscheinlich im Jahr 2015 einen mit anderthalb Tonnen Sprengstoff beladenen LKW in eine Menschenmenge und nahm so Dutzenden Personen das Leben.<\/p>\n\n\n\n

Oder von Yamin A.?. Im Sommer 2015 tauchte im Netz ein Video auf, das zeigte, wie der ehemalige Telekom-Azubi aus K\u00f6nigswinter zwei gefesselten Soldaten in den Kopf schoss.
Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Deutsche T\u00e4ter, aber kaum deutsche Opfer<\/h2>\n\n\n\n

Hauptsache nicht bei uns! Dies scheint auch dieser Tage wieder die Maxime zu sein, wenn Politiker und \u00d6ffentlichkeit \u00fcber den Umgang mit deutschen Terroristen diskutieren. Von potenziellen Bedrohungen und Anschlagsgefahren in Deutschland liest man dann. Vom ganz realen Terror, den Deutsche in den vergangenen Jahren \u00fcber die Menschen in Syrien und Irak gebracht haben, h\u00f6rt man hingegen kaum. Ein Terror, der kaum deutsche Opfer aber umso mehr deutsche T\u00e4ter kannte.<\/p>\n\n\n\n

1.050 \u2013 das ist laut Bundesinnenministerium die Anzahl der Dschihadisten, die in den letzten Jahren die Bundesrepublik in Richtung Nahost verlassen hat. Es f\u00e4llt schwer, sich umgekehrtes Szenario \u00fcberhaupt auszumalen. Was w\u00e4re wohl los, h\u00e4tte es nur ein Bruchteil arabischer Terroristen geschafft, bei uns Anschl\u00e4ge zu begehen? Europas \u201eMuslim Bann\u201c? \u00dcberwachungsstaat auf NSA-Niveau?<\/p>\n\n\n\n

Die CSU st\u00fcnde wom\u00f6glich am linken Ende des politischen Spektrums, und auf Twitter w\u00fcrde Trump deutsche Migrationspolitiker zur M\u00e4\u00dfigung aufrufen. Der deutsche Terror in Nahost kommt hingegen seit Jahren ganz ohne Sondersendungen, politische Debatten und Distanzierungsforderungen aus. <\/p>\n\n\n\n

Deutsche K\u00e4mpfer waren nicht nur willenloses Kanonenfutter<\/h2>\n\n\n\n

An fehlendem Wissen liegt das nicht. Von ganzen Einheiten des IS, in denen kein einziger K\u00e4mpfer Arabisch spreche, berichten syrische, irakische und kurdische Soldaten schon seit Jahren. Von Aleppo \u00fcber Raqqa bis Mossul haben Aktivisten und Politiker immer wieder darauf hingewiesen, dass viele der schlimmsten M\u00f6rder in den Reihen des IS Europ\u00e4er sind. Interessiert hat das hier kaum jemand.<\/p>\n\n\n\n

Dabei dienten Deutsche dem Islamischen Staats nicht nur als willenloses Kanonenfutter, wie es oft dargestellt wird. Viele haben seinen Terror mitgepr\u00e4gt. Wie Martin L., der derzeit in kurdischer Haft sitzt. Der Schwei\u00dfer aus Sachsen-Anhalt soll sich vom Folterknecht bis zum Geheimdienstler mit Kontakten bis in die F\u00fchrungsspitze der Terrororganisation hochgearbeitet haben.<\/p>\n\n\n\n

Oder Reda S., Der Prediger aus Berlin-Charlottenburg soll dem IS in Mossul als Bildungsminister gedient haben. Oder der Berliner Ex-Rapper Denis Cuspert, der zu den wichtigsten Personen in der IS-Medienorganisation Al-Hayat geh\u00f6rte. Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Beh\u00f6rden wussten gut Bescheid<\/h2>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich entstand der Islamische Staat nicht in deutschen Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen. Zur deutschen Verantwortung geh\u00f6rt aber auch, dass Politiker und Beh\u00f6rden lange wegschauten, solang nur die T\u00e4ter, aber nicht die Opfer Deutsche waren. Beh\u00f6rden wissen und wussten erschreckend gut Bescheid \u00fcber die Radikalisierung deutscher Islamisten. Ein Gro\u00dfteil der sp\u00e4teren IS-K\u00e4mpfer war polizeibekannt, stand auf Gef\u00e4hrderlisten oder hatte wegen islamistischer Straftaten bereits Haftstrafen verb\u00fc\u00dft. An der Ausreise gehindert wurden sie oftmals dennoch nicht. Die Gefahr, die von deutschen Terroristen ausgeht, interessierte Politik und \u00d6ffentlichkeit erst dann wieder, als ihre Einreise drohte.<\/p>\n\n\n\n

\"Fabian
Fabian Goldmann<\/strong> ist Journalist und Islamwissenschaftler. F\u00fcr verschiedene Magazine und Zeitungen berichtete er viele Jahre aus Nahost. Zurzeit widmet er sich vor allem dem Islam diesseits des Bosporus. Auf seinem Blog Schantall und die Scharia<\/a> bloggt er \u00fcber Islamophobie in Deutschland.<\/p>\n","post_title":"Es sind unsere Terroristen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"es-sind-unsere-terroristen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3703","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3700,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:19:36","post_date_gmt":"2020-08-13 21:19:36","post_content":"\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda? Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda t<\/p>\n\n\n\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda tritt an die Stelle der 2010 verabschiedeten Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014 (siehe IP\/10\/1535<\/a>). In der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda f\u00fcr den Zeitraum 2015-2020 skizziert die Europ\u00e4ische Kommission die Strategie der Union zur Bew\u00e4ltigung der Sicherheitsbedrohungen in der EU.<\/p>\n\n\n\n

Die EU und ihre Mitgliedstaaten sind mit betr\u00e4chtlichen Sicherheitsproblemen konfrontiert. Terrorismus, organisierte Kriminalit\u00e4t und Cyberkriminalit\u00e4t stellen eine zunehmende Gefahr f\u00fcr die europ\u00e4ische Gesellschaft dar, wobei sich Art und Ausma\u00df dieser Gefahr ver\u00e4ndert hat. Europa ist mit den Auswirkungen der politischen Instabilit\u00e4t in seiner unmittelbaren Nachbarschaft konfrontiert, die die Sicherheitsinteressen der EU gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n

Im Zuge der Krisen und Konflikte in Syrien, Irak und Libyen haben sich europ\u00e4ische B\u00fcrger terroristischen Gruppen angeschlossen, die bei ihrer R\u00fcckkehr eine erhebliche Bedrohung darstellen k\u00f6nnen. Die j\u00fcngsten terroristischen Anschl\u00e4ge in Europa zeugen von der zunehmenden Bedrohung durch einen gewaltt\u00e4tigen Extremismus und zeigen, in welchem Ausma\u00df weltweite Konflikte zur Radikalisierung der europ\u00e4ischen B\u00fcrger beitragen.<\/p>\n\n\n\n

Das Online-Umfeld hat sich zunehmend als Ziel f\u00fcr Kriminelle und Terroristen entwickelt. Unabh\u00e4ngig davon, ob es um die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und die Anwerbung von Menschen f\u00fcr terroristische Organisationen geht oder die Verbreitung von Hass oder einen Angriff auf die europ\u00e4ischen Werte und Institutionen, fest steht, dass wir unsere Reaktion auf diese Bedrohungen unbedingt abstimmen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Welcher Mehrwert entsteht durch die EU im Bereich der inneren Sicherheit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Gew\u00e4hrleistung der inneren Sicherheit f\u00e4llt weiterhin in erster Linie in die Zust\u00e4ndigkeit der Mitgliedstaaten. Allerdings werden die Bedrohungen f\u00fcr Europas B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger immer vielf\u00e4ltiger und betreffen in zunehmendem Ma\u00dfe mehrere Mitgliedstaaten. Einzelne Mitgliedstaaten haben die Verantwortung, die Sicherheit an den Au\u00dfengrenzen zu gew\u00e4hrleisten, sind aber nicht mehr in der Lage, diese Herausforderungen allein zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n

Kriminelle und terroristische Aktivit\u00e4ten machen nicht an den Grenzen der EU halt und beschr\u00e4nken sich auch nicht auf Nachbarregionen. Die innere Sicherheit der EU und die globale Sicherheit sind voneinander abh\u00e4ngig und miteinander verkn\u00fcpft. Die Sicherheit der Union h\u00e4ngt in hohem Ma\u00dfe von der Zusammenarbeit mit ihren internationalen Partnern und ihren Nachbarl\u00e4ndern ab.<\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t und des Terrorismus ist eine gemeinsame europ\u00e4ische Aufgabe. Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda sollte von den Mitgliedstaaten und den EU-Organen gemeinsam als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und gemeinsame Ma\u00dfnahmen der Union genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n

Mit Hilfe der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda werden die Polizei- und Strafverfolgungsdienste in verschiedenen Mitgliedstaaten Daten effektiver austauschen und bei der Bek\u00e4mpfung der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t besser zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Die Mitgliedstaaten k\u00f6nnen auf die Unterst\u00fctzung durch die Agenturen der EU z\u00e4hlen. Insbesondere in folgenden Punkten l\u00e4sst sich mit Hilfe der Sicherheitsagenda ein EU-Mehrwert erzielen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n

A) Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und den EU-Agenturen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1<\/strong>: Das Schengener Informationssystem<\/strong> (SIS) wird von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Abfrage von Ausschreibungen von gesuchten oder vermissten Personen und Gegenst\u00e4nden genutzt. Die Kommission wird an der Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Ausschreibungskategorien arbeiten und sich daf\u00fcr einsetzen, dass das SIS zusammen mit der Interpol-Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD)<\/strong> umfassender genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3703,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:24:20","post_date_gmt":"2020-08-13 21:24:20","post_content":"\n

Deutschland str\u00e4ubt sich gegen die R\u00fcckkehr seiner eigenen Staatsb\u00fcrger, die zu IS-Terroristen wurden. Dabei hat die Bundesrepublik den Terror und die Terroristen einst exportiert. Und dies geschah wissentlich, sagt der Islamwissenschaftler Fabian Goldmann.<\/p>\n\n\n\n

Wann haben Sie sich eigentlich zuletzt von deutschen Terroristen distanziert? Zum Beispiel von Robert B.? Der Ex-Bundeswehrsoldat aus Solingen hat mutma\u00dflich bei einem Selbstmordattentat Anfang 2014 50 Menschen mit in den Tod gerissen. <\/p>\n\n\n\n

Oder von Yannik N.? Der junge Freiburger steuerte wahrscheinlich im Jahr 2015 einen mit anderthalb Tonnen Sprengstoff beladenen LKW in eine Menschenmenge und nahm so Dutzenden Personen das Leben.<\/p>\n\n\n\n

Oder von Yamin A.?. Im Sommer 2015 tauchte im Netz ein Video auf, das zeigte, wie der ehemalige Telekom-Azubi aus K\u00f6nigswinter zwei gefesselten Soldaten in den Kopf schoss.
Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Deutsche T\u00e4ter, aber kaum deutsche Opfer<\/h2>\n\n\n\n

Hauptsache nicht bei uns! Dies scheint auch dieser Tage wieder die Maxime zu sein, wenn Politiker und \u00d6ffentlichkeit \u00fcber den Umgang mit deutschen Terroristen diskutieren. Von potenziellen Bedrohungen und Anschlagsgefahren in Deutschland liest man dann. Vom ganz realen Terror, den Deutsche in den vergangenen Jahren \u00fcber die Menschen in Syrien und Irak gebracht haben, h\u00f6rt man hingegen kaum. Ein Terror, der kaum deutsche Opfer aber umso mehr deutsche T\u00e4ter kannte.<\/p>\n\n\n\n

1.050 \u2013 das ist laut Bundesinnenministerium die Anzahl der Dschihadisten, die in den letzten Jahren die Bundesrepublik in Richtung Nahost verlassen hat. Es f\u00e4llt schwer, sich umgekehrtes Szenario \u00fcberhaupt auszumalen. Was w\u00e4re wohl los, h\u00e4tte es nur ein Bruchteil arabischer Terroristen geschafft, bei uns Anschl\u00e4ge zu begehen? Europas \u201eMuslim Bann\u201c? \u00dcberwachungsstaat auf NSA-Niveau?<\/p>\n\n\n\n

Die CSU st\u00fcnde wom\u00f6glich am linken Ende des politischen Spektrums, und auf Twitter w\u00fcrde Trump deutsche Migrationspolitiker zur M\u00e4\u00dfigung aufrufen. Der deutsche Terror in Nahost kommt hingegen seit Jahren ganz ohne Sondersendungen, politische Debatten und Distanzierungsforderungen aus. <\/p>\n\n\n\n

Deutsche K\u00e4mpfer waren nicht nur willenloses Kanonenfutter<\/h2>\n\n\n\n

An fehlendem Wissen liegt das nicht. Von ganzen Einheiten des IS, in denen kein einziger K\u00e4mpfer Arabisch spreche, berichten syrische, irakische und kurdische Soldaten schon seit Jahren. Von Aleppo \u00fcber Raqqa bis Mossul haben Aktivisten und Politiker immer wieder darauf hingewiesen, dass viele der schlimmsten M\u00f6rder in den Reihen des IS Europ\u00e4er sind. Interessiert hat das hier kaum jemand.<\/p>\n\n\n\n

Dabei dienten Deutsche dem Islamischen Staats nicht nur als willenloses Kanonenfutter, wie es oft dargestellt wird. Viele haben seinen Terror mitgepr\u00e4gt. Wie Martin L., der derzeit in kurdischer Haft sitzt. Der Schwei\u00dfer aus Sachsen-Anhalt soll sich vom Folterknecht bis zum Geheimdienstler mit Kontakten bis in die F\u00fchrungsspitze der Terrororganisation hochgearbeitet haben.<\/p>\n\n\n\n

Oder Reda S., Der Prediger aus Berlin-Charlottenburg soll dem IS in Mossul als Bildungsminister gedient haben. Oder der Berliner Ex-Rapper Denis Cuspert, der zu den wichtigsten Personen in der IS-Medienorganisation Al-Hayat geh\u00f6rte. Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Beh\u00f6rden wussten gut Bescheid<\/h2>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich entstand der Islamische Staat nicht in deutschen Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen. Zur deutschen Verantwortung geh\u00f6rt aber auch, dass Politiker und Beh\u00f6rden lange wegschauten, solang nur die T\u00e4ter, aber nicht die Opfer Deutsche waren. Beh\u00f6rden wissen und wussten erschreckend gut Bescheid \u00fcber die Radikalisierung deutscher Islamisten. Ein Gro\u00dfteil der sp\u00e4teren IS-K\u00e4mpfer war polizeibekannt, stand auf Gef\u00e4hrderlisten oder hatte wegen islamistischer Straftaten bereits Haftstrafen verb\u00fc\u00dft. An der Ausreise gehindert wurden sie oftmals dennoch nicht. Die Gefahr, die von deutschen Terroristen ausgeht, interessierte Politik und \u00d6ffentlichkeit erst dann wieder, als ihre Einreise drohte.<\/p>\n\n\n\n

\"Fabian
Fabian Goldmann<\/strong> ist Journalist und Islamwissenschaftler. F\u00fcr verschiedene Magazine und Zeitungen berichtete er viele Jahre aus Nahost. Zurzeit widmet er sich vor allem dem Islam diesseits des Bosporus. Auf seinem Blog Schantall und die Scharia<\/a> bloggt er \u00fcber Islamophobie in Deutschland.<\/p>\n","post_title":"Es sind unsere Terroristen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"es-sind-unsere-terroristen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3703","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3700,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:19:36","post_date_gmt":"2020-08-13 21:19:36","post_content":"\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda? Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda t<\/p>\n\n\n\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda tritt an die Stelle der 2010 verabschiedeten Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014 (siehe IP\/10\/1535<\/a>). In der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda f\u00fcr den Zeitraum 2015-2020 skizziert die Europ\u00e4ische Kommission die Strategie der Union zur Bew\u00e4ltigung der Sicherheitsbedrohungen in der EU.<\/p>\n\n\n\n

Die EU und ihre Mitgliedstaaten sind mit betr\u00e4chtlichen Sicherheitsproblemen konfrontiert. Terrorismus, organisierte Kriminalit\u00e4t und Cyberkriminalit\u00e4t stellen eine zunehmende Gefahr f\u00fcr die europ\u00e4ische Gesellschaft dar, wobei sich Art und Ausma\u00df dieser Gefahr ver\u00e4ndert hat. Europa ist mit den Auswirkungen der politischen Instabilit\u00e4t in seiner unmittelbaren Nachbarschaft konfrontiert, die die Sicherheitsinteressen der EU gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n

Im Zuge der Krisen und Konflikte in Syrien, Irak und Libyen haben sich europ\u00e4ische B\u00fcrger terroristischen Gruppen angeschlossen, die bei ihrer R\u00fcckkehr eine erhebliche Bedrohung darstellen k\u00f6nnen. Die j\u00fcngsten terroristischen Anschl\u00e4ge in Europa zeugen von der zunehmenden Bedrohung durch einen gewaltt\u00e4tigen Extremismus und zeigen, in welchem Ausma\u00df weltweite Konflikte zur Radikalisierung der europ\u00e4ischen B\u00fcrger beitragen.<\/p>\n\n\n\n

Das Online-Umfeld hat sich zunehmend als Ziel f\u00fcr Kriminelle und Terroristen entwickelt. Unabh\u00e4ngig davon, ob es um die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und die Anwerbung von Menschen f\u00fcr terroristische Organisationen geht oder die Verbreitung von Hass oder einen Angriff auf die europ\u00e4ischen Werte und Institutionen, fest steht, dass wir unsere Reaktion auf diese Bedrohungen unbedingt abstimmen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Welcher Mehrwert entsteht durch die EU im Bereich der inneren Sicherheit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Gew\u00e4hrleistung der inneren Sicherheit f\u00e4llt weiterhin in erster Linie in die Zust\u00e4ndigkeit der Mitgliedstaaten. Allerdings werden die Bedrohungen f\u00fcr Europas B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger immer vielf\u00e4ltiger und betreffen in zunehmendem Ma\u00dfe mehrere Mitgliedstaaten. Einzelne Mitgliedstaaten haben die Verantwortung, die Sicherheit an den Au\u00dfengrenzen zu gew\u00e4hrleisten, sind aber nicht mehr in der Lage, diese Herausforderungen allein zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n

Kriminelle und terroristische Aktivit\u00e4ten machen nicht an den Grenzen der EU halt und beschr\u00e4nken sich auch nicht auf Nachbarregionen. Die innere Sicherheit der EU und die globale Sicherheit sind voneinander abh\u00e4ngig und miteinander verkn\u00fcpft. Die Sicherheit der Union h\u00e4ngt in hohem Ma\u00dfe von der Zusammenarbeit mit ihren internationalen Partnern und ihren Nachbarl\u00e4ndern ab.<\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t und des Terrorismus ist eine gemeinsame europ\u00e4ische Aufgabe. Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda sollte von den Mitgliedstaaten und den EU-Organen gemeinsam als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und gemeinsame Ma\u00dfnahmen der Union genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n

Mit Hilfe der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda werden die Polizei- und Strafverfolgungsdienste in verschiedenen Mitgliedstaaten Daten effektiver austauschen und bei der Bek\u00e4mpfung der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t besser zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Die Mitgliedstaaten k\u00f6nnen auf die Unterst\u00fctzung durch die Agenturen der EU z\u00e4hlen. Insbesondere in folgenden Punkten l\u00e4sst sich mit Hilfe der Sicherheitsagenda ein EU-Mehrwert erzielen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n

A) Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und den EU-Agenturen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1<\/strong>: Das Schengener Informationssystem<\/strong> (SIS) wird von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Abfrage von Ausschreibungen von gesuchten oder vermissten Personen und Gegenst\u00e4nden genutzt. Die Kommission wird an der Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Ausschreibungskategorien arbeiten und sich daf\u00fcr einsetzen, dass das SIS zusammen mit der Interpol-Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD)<\/strong> umfassender genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n

Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3703,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:24:20","post_date_gmt":"2020-08-13 21:24:20","post_content":"\n

Deutschland str\u00e4ubt sich gegen die R\u00fcckkehr seiner eigenen Staatsb\u00fcrger, die zu IS-Terroristen wurden. Dabei hat die Bundesrepublik den Terror und die Terroristen einst exportiert. Und dies geschah wissentlich, sagt der Islamwissenschaftler Fabian Goldmann.<\/p>\n\n\n\n

Wann haben Sie sich eigentlich zuletzt von deutschen Terroristen distanziert? Zum Beispiel von Robert B.? Der Ex-Bundeswehrsoldat aus Solingen hat mutma\u00dflich bei einem Selbstmordattentat Anfang 2014 50 Menschen mit in den Tod gerissen. <\/p>\n\n\n\n

Oder von Yannik N.? Der junge Freiburger steuerte wahrscheinlich im Jahr 2015 einen mit anderthalb Tonnen Sprengstoff beladenen LKW in eine Menschenmenge und nahm so Dutzenden Personen das Leben.<\/p>\n\n\n\n

Oder von Yamin A.?. Im Sommer 2015 tauchte im Netz ein Video auf, das zeigte, wie der ehemalige Telekom-Azubi aus K\u00f6nigswinter zwei gefesselten Soldaten in den Kopf schoss.
Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Deutsche T\u00e4ter, aber kaum deutsche Opfer<\/h2>\n\n\n\n

Hauptsache nicht bei uns! Dies scheint auch dieser Tage wieder die Maxime zu sein, wenn Politiker und \u00d6ffentlichkeit \u00fcber den Umgang mit deutschen Terroristen diskutieren. Von potenziellen Bedrohungen und Anschlagsgefahren in Deutschland liest man dann. Vom ganz realen Terror, den Deutsche in den vergangenen Jahren \u00fcber die Menschen in Syrien und Irak gebracht haben, h\u00f6rt man hingegen kaum. Ein Terror, der kaum deutsche Opfer aber umso mehr deutsche T\u00e4ter kannte.<\/p>\n\n\n\n

1.050 \u2013 das ist laut Bundesinnenministerium die Anzahl der Dschihadisten, die in den letzten Jahren die Bundesrepublik in Richtung Nahost verlassen hat. Es f\u00e4llt schwer, sich umgekehrtes Szenario \u00fcberhaupt auszumalen. Was w\u00e4re wohl los, h\u00e4tte es nur ein Bruchteil arabischer Terroristen geschafft, bei uns Anschl\u00e4ge zu begehen? Europas \u201eMuslim Bann\u201c? \u00dcberwachungsstaat auf NSA-Niveau?<\/p>\n\n\n\n

Die CSU st\u00fcnde wom\u00f6glich am linken Ende des politischen Spektrums, und auf Twitter w\u00fcrde Trump deutsche Migrationspolitiker zur M\u00e4\u00dfigung aufrufen. Der deutsche Terror in Nahost kommt hingegen seit Jahren ganz ohne Sondersendungen, politische Debatten und Distanzierungsforderungen aus. <\/p>\n\n\n\n

Deutsche K\u00e4mpfer waren nicht nur willenloses Kanonenfutter<\/h2>\n\n\n\n

An fehlendem Wissen liegt das nicht. Von ganzen Einheiten des IS, in denen kein einziger K\u00e4mpfer Arabisch spreche, berichten syrische, irakische und kurdische Soldaten schon seit Jahren. Von Aleppo \u00fcber Raqqa bis Mossul haben Aktivisten und Politiker immer wieder darauf hingewiesen, dass viele der schlimmsten M\u00f6rder in den Reihen des IS Europ\u00e4er sind. Interessiert hat das hier kaum jemand.<\/p>\n\n\n\n

Dabei dienten Deutsche dem Islamischen Staats nicht nur als willenloses Kanonenfutter, wie es oft dargestellt wird. Viele haben seinen Terror mitgepr\u00e4gt. Wie Martin L., der derzeit in kurdischer Haft sitzt. Der Schwei\u00dfer aus Sachsen-Anhalt soll sich vom Folterknecht bis zum Geheimdienstler mit Kontakten bis in die F\u00fchrungsspitze der Terrororganisation hochgearbeitet haben.<\/p>\n\n\n\n

Oder Reda S., Der Prediger aus Berlin-Charlottenburg soll dem IS in Mossul als Bildungsminister gedient haben. Oder der Berliner Ex-Rapper Denis Cuspert, der zu den wichtigsten Personen in der IS-Medienorganisation Al-Hayat geh\u00f6rte. Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Beh\u00f6rden wussten gut Bescheid<\/h2>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich entstand der Islamische Staat nicht in deutschen Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen. Zur deutschen Verantwortung geh\u00f6rt aber auch, dass Politiker und Beh\u00f6rden lange wegschauten, solang nur die T\u00e4ter, aber nicht die Opfer Deutsche waren. Beh\u00f6rden wissen und wussten erschreckend gut Bescheid \u00fcber die Radikalisierung deutscher Islamisten. Ein Gro\u00dfteil der sp\u00e4teren IS-K\u00e4mpfer war polizeibekannt, stand auf Gef\u00e4hrderlisten oder hatte wegen islamistischer Straftaten bereits Haftstrafen verb\u00fc\u00dft. An der Ausreise gehindert wurden sie oftmals dennoch nicht. Die Gefahr, die von deutschen Terroristen ausgeht, interessierte Politik und \u00d6ffentlichkeit erst dann wieder, als ihre Einreise drohte.<\/p>\n\n\n\n

\"Fabian
Fabian Goldmann<\/strong> ist Journalist und Islamwissenschaftler. F\u00fcr verschiedene Magazine und Zeitungen berichtete er viele Jahre aus Nahost. Zurzeit widmet er sich vor allem dem Islam diesseits des Bosporus. Auf seinem Blog Schantall und die Scharia<\/a> bloggt er \u00fcber Islamophobie in Deutschland.<\/p>\n","post_title":"Es sind unsere Terroristen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"es-sind-unsere-terroristen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3703","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3700,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:19:36","post_date_gmt":"2020-08-13 21:19:36","post_content":"\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda? Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda t<\/p>\n\n\n\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda tritt an die Stelle der 2010 verabschiedeten Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014 (siehe IP\/10\/1535<\/a>). In der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda f\u00fcr den Zeitraum 2015-2020 skizziert die Europ\u00e4ische Kommission die Strategie der Union zur Bew\u00e4ltigung der Sicherheitsbedrohungen in der EU.<\/p>\n\n\n\n

Die EU und ihre Mitgliedstaaten sind mit betr\u00e4chtlichen Sicherheitsproblemen konfrontiert. Terrorismus, organisierte Kriminalit\u00e4t und Cyberkriminalit\u00e4t stellen eine zunehmende Gefahr f\u00fcr die europ\u00e4ische Gesellschaft dar, wobei sich Art und Ausma\u00df dieser Gefahr ver\u00e4ndert hat. Europa ist mit den Auswirkungen der politischen Instabilit\u00e4t in seiner unmittelbaren Nachbarschaft konfrontiert, die die Sicherheitsinteressen der EU gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n

Im Zuge der Krisen und Konflikte in Syrien, Irak und Libyen haben sich europ\u00e4ische B\u00fcrger terroristischen Gruppen angeschlossen, die bei ihrer R\u00fcckkehr eine erhebliche Bedrohung darstellen k\u00f6nnen. Die j\u00fcngsten terroristischen Anschl\u00e4ge in Europa zeugen von der zunehmenden Bedrohung durch einen gewaltt\u00e4tigen Extremismus und zeigen, in welchem Ausma\u00df weltweite Konflikte zur Radikalisierung der europ\u00e4ischen B\u00fcrger beitragen.<\/p>\n\n\n\n

Das Online-Umfeld hat sich zunehmend als Ziel f\u00fcr Kriminelle und Terroristen entwickelt. Unabh\u00e4ngig davon, ob es um die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und die Anwerbung von Menschen f\u00fcr terroristische Organisationen geht oder die Verbreitung von Hass oder einen Angriff auf die europ\u00e4ischen Werte und Institutionen, fest steht, dass wir unsere Reaktion auf diese Bedrohungen unbedingt abstimmen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Welcher Mehrwert entsteht durch die EU im Bereich der inneren Sicherheit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Gew\u00e4hrleistung der inneren Sicherheit f\u00e4llt weiterhin in erster Linie in die Zust\u00e4ndigkeit der Mitgliedstaaten. Allerdings werden die Bedrohungen f\u00fcr Europas B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger immer vielf\u00e4ltiger und betreffen in zunehmendem Ma\u00dfe mehrere Mitgliedstaaten. Einzelne Mitgliedstaaten haben die Verantwortung, die Sicherheit an den Au\u00dfengrenzen zu gew\u00e4hrleisten, sind aber nicht mehr in der Lage, diese Herausforderungen allein zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n

Kriminelle und terroristische Aktivit\u00e4ten machen nicht an den Grenzen der EU halt und beschr\u00e4nken sich auch nicht auf Nachbarregionen. Die innere Sicherheit der EU und die globale Sicherheit sind voneinander abh\u00e4ngig und miteinander verkn\u00fcpft. Die Sicherheit der Union h\u00e4ngt in hohem Ma\u00dfe von der Zusammenarbeit mit ihren internationalen Partnern und ihren Nachbarl\u00e4ndern ab.<\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t und des Terrorismus ist eine gemeinsame europ\u00e4ische Aufgabe. Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda sollte von den Mitgliedstaaten und den EU-Organen gemeinsam als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und gemeinsame Ma\u00dfnahmen der Union genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n

Mit Hilfe der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda werden die Polizei- und Strafverfolgungsdienste in verschiedenen Mitgliedstaaten Daten effektiver austauschen und bei der Bek\u00e4mpfung der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t besser zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Die Mitgliedstaaten k\u00f6nnen auf die Unterst\u00fctzung durch die Agenturen der EU z\u00e4hlen. Insbesondere in folgenden Punkten l\u00e4sst sich mit Hilfe der Sicherheitsagenda ein EU-Mehrwert erzielen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n

A) Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und den EU-Agenturen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1<\/strong>: Das Schengener Informationssystem<\/strong> (SIS) wird von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Abfrage von Ausschreibungen von gesuchten oder vermissten Personen und Gegenst\u00e4nden genutzt. Die Kommission wird an der Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Ausschreibungskategorien arbeiten und sich daf\u00fcr einsetzen, dass das SIS zusammen mit der Interpol-Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD)<\/strong> umfassender genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n

In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n

Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3703,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:24:20","post_date_gmt":"2020-08-13 21:24:20","post_content":"\n

Deutschland str\u00e4ubt sich gegen die R\u00fcckkehr seiner eigenen Staatsb\u00fcrger, die zu IS-Terroristen wurden. Dabei hat die Bundesrepublik den Terror und die Terroristen einst exportiert. Und dies geschah wissentlich, sagt der Islamwissenschaftler Fabian Goldmann.<\/p>\n\n\n\n

Wann haben Sie sich eigentlich zuletzt von deutschen Terroristen distanziert? Zum Beispiel von Robert B.? Der Ex-Bundeswehrsoldat aus Solingen hat mutma\u00dflich bei einem Selbstmordattentat Anfang 2014 50 Menschen mit in den Tod gerissen. <\/p>\n\n\n\n

Oder von Yannik N.? Der junge Freiburger steuerte wahrscheinlich im Jahr 2015 einen mit anderthalb Tonnen Sprengstoff beladenen LKW in eine Menschenmenge und nahm so Dutzenden Personen das Leben.<\/p>\n\n\n\n

Oder von Yamin A.?. Im Sommer 2015 tauchte im Netz ein Video auf, das zeigte, wie der ehemalige Telekom-Azubi aus K\u00f6nigswinter zwei gefesselten Soldaten in den Kopf schoss.
Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Deutsche T\u00e4ter, aber kaum deutsche Opfer<\/h2>\n\n\n\n

Hauptsache nicht bei uns! Dies scheint auch dieser Tage wieder die Maxime zu sein, wenn Politiker und \u00d6ffentlichkeit \u00fcber den Umgang mit deutschen Terroristen diskutieren. Von potenziellen Bedrohungen und Anschlagsgefahren in Deutschland liest man dann. Vom ganz realen Terror, den Deutsche in den vergangenen Jahren \u00fcber die Menschen in Syrien und Irak gebracht haben, h\u00f6rt man hingegen kaum. Ein Terror, der kaum deutsche Opfer aber umso mehr deutsche T\u00e4ter kannte.<\/p>\n\n\n\n

1.050 \u2013 das ist laut Bundesinnenministerium die Anzahl der Dschihadisten, die in den letzten Jahren die Bundesrepublik in Richtung Nahost verlassen hat. Es f\u00e4llt schwer, sich umgekehrtes Szenario \u00fcberhaupt auszumalen. Was w\u00e4re wohl los, h\u00e4tte es nur ein Bruchteil arabischer Terroristen geschafft, bei uns Anschl\u00e4ge zu begehen? Europas \u201eMuslim Bann\u201c? \u00dcberwachungsstaat auf NSA-Niveau?<\/p>\n\n\n\n

Die CSU st\u00fcnde wom\u00f6glich am linken Ende des politischen Spektrums, und auf Twitter w\u00fcrde Trump deutsche Migrationspolitiker zur M\u00e4\u00dfigung aufrufen. Der deutsche Terror in Nahost kommt hingegen seit Jahren ganz ohne Sondersendungen, politische Debatten und Distanzierungsforderungen aus. <\/p>\n\n\n\n

Deutsche K\u00e4mpfer waren nicht nur willenloses Kanonenfutter<\/h2>\n\n\n\n

An fehlendem Wissen liegt das nicht. Von ganzen Einheiten des IS, in denen kein einziger K\u00e4mpfer Arabisch spreche, berichten syrische, irakische und kurdische Soldaten schon seit Jahren. Von Aleppo \u00fcber Raqqa bis Mossul haben Aktivisten und Politiker immer wieder darauf hingewiesen, dass viele der schlimmsten M\u00f6rder in den Reihen des IS Europ\u00e4er sind. Interessiert hat das hier kaum jemand.<\/p>\n\n\n\n

Dabei dienten Deutsche dem Islamischen Staats nicht nur als willenloses Kanonenfutter, wie es oft dargestellt wird. Viele haben seinen Terror mitgepr\u00e4gt. Wie Martin L., der derzeit in kurdischer Haft sitzt. Der Schwei\u00dfer aus Sachsen-Anhalt soll sich vom Folterknecht bis zum Geheimdienstler mit Kontakten bis in die F\u00fchrungsspitze der Terrororganisation hochgearbeitet haben.<\/p>\n\n\n\n

Oder Reda S., Der Prediger aus Berlin-Charlottenburg soll dem IS in Mossul als Bildungsminister gedient haben. Oder der Berliner Ex-Rapper Denis Cuspert, der zu den wichtigsten Personen in der IS-Medienorganisation Al-Hayat geh\u00f6rte. Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Beh\u00f6rden wussten gut Bescheid<\/h2>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich entstand der Islamische Staat nicht in deutschen Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen. Zur deutschen Verantwortung geh\u00f6rt aber auch, dass Politiker und Beh\u00f6rden lange wegschauten, solang nur die T\u00e4ter, aber nicht die Opfer Deutsche waren. Beh\u00f6rden wissen und wussten erschreckend gut Bescheid \u00fcber die Radikalisierung deutscher Islamisten. Ein Gro\u00dfteil der sp\u00e4teren IS-K\u00e4mpfer war polizeibekannt, stand auf Gef\u00e4hrderlisten oder hatte wegen islamistischer Straftaten bereits Haftstrafen verb\u00fc\u00dft. An der Ausreise gehindert wurden sie oftmals dennoch nicht. Die Gefahr, die von deutschen Terroristen ausgeht, interessierte Politik und \u00d6ffentlichkeit erst dann wieder, als ihre Einreise drohte.<\/p>\n\n\n\n

\"Fabian
Fabian Goldmann<\/strong> ist Journalist und Islamwissenschaftler. F\u00fcr verschiedene Magazine und Zeitungen berichtete er viele Jahre aus Nahost. Zurzeit widmet er sich vor allem dem Islam diesseits des Bosporus. Auf seinem Blog Schantall und die Scharia<\/a> bloggt er \u00fcber Islamophobie in Deutschland.<\/p>\n","post_title":"Es sind unsere Terroristen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"es-sind-unsere-terroristen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3703","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3700,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:19:36","post_date_gmt":"2020-08-13 21:19:36","post_content":"\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda? Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda t<\/p>\n\n\n\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda tritt an die Stelle der 2010 verabschiedeten Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014 (siehe IP\/10\/1535<\/a>). In der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda f\u00fcr den Zeitraum 2015-2020 skizziert die Europ\u00e4ische Kommission die Strategie der Union zur Bew\u00e4ltigung der Sicherheitsbedrohungen in der EU.<\/p>\n\n\n\n

Die EU und ihre Mitgliedstaaten sind mit betr\u00e4chtlichen Sicherheitsproblemen konfrontiert. Terrorismus, organisierte Kriminalit\u00e4t und Cyberkriminalit\u00e4t stellen eine zunehmende Gefahr f\u00fcr die europ\u00e4ische Gesellschaft dar, wobei sich Art und Ausma\u00df dieser Gefahr ver\u00e4ndert hat. Europa ist mit den Auswirkungen der politischen Instabilit\u00e4t in seiner unmittelbaren Nachbarschaft konfrontiert, die die Sicherheitsinteressen der EU gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n

Im Zuge der Krisen und Konflikte in Syrien, Irak und Libyen haben sich europ\u00e4ische B\u00fcrger terroristischen Gruppen angeschlossen, die bei ihrer R\u00fcckkehr eine erhebliche Bedrohung darstellen k\u00f6nnen. Die j\u00fcngsten terroristischen Anschl\u00e4ge in Europa zeugen von der zunehmenden Bedrohung durch einen gewaltt\u00e4tigen Extremismus und zeigen, in welchem Ausma\u00df weltweite Konflikte zur Radikalisierung der europ\u00e4ischen B\u00fcrger beitragen.<\/p>\n\n\n\n

Das Online-Umfeld hat sich zunehmend als Ziel f\u00fcr Kriminelle und Terroristen entwickelt. Unabh\u00e4ngig davon, ob es um die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und die Anwerbung von Menschen f\u00fcr terroristische Organisationen geht oder die Verbreitung von Hass oder einen Angriff auf die europ\u00e4ischen Werte und Institutionen, fest steht, dass wir unsere Reaktion auf diese Bedrohungen unbedingt abstimmen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Welcher Mehrwert entsteht durch die EU im Bereich der inneren Sicherheit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Gew\u00e4hrleistung der inneren Sicherheit f\u00e4llt weiterhin in erster Linie in die Zust\u00e4ndigkeit der Mitgliedstaaten. Allerdings werden die Bedrohungen f\u00fcr Europas B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger immer vielf\u00e4ltiger und betreffen in zunehmendem Ma\u00dfe mehrere Mitgliedstaaten. Einzelne Mitgliedstaaten haben die Verantwortung, die Sicherheit an den Au\u00dfengrenzen zu gew\u00e4hrleisten, sind aber nicht mehr in der Lage, diese Herausforderungen allein zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n

Kriminelle und terroristische Aktivit\u00e4ten machen nicht an den Grenzen der EU halt und beschr\u00e4nken sich auch nicht auf Nachbarregionen. Die innere Sicherheit der EU und die globale Sicherheit sind voneinander abh\u00e4ngig und miteinander verkn\u00fcpft. Die Sicherheit der Union h\u00e4ngt in hohem Ma\u00dfe von der Zusammenarbeit mit ihren internationalen Partnern und ihren Nachbarl\u00e4ndern ab.<\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t und des Terrorismus ist eine gemeinsame europ\u00e4ische Aufgabe. Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda sollte von den Mitgliedstaaten und den EU-Organen gemeinsam als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und gemeinsame Ma\u00dfnahmen der Union genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n

Mit Hilfe der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda werden die Polizei- und Strafverfolgungsdienste in verschiedenen Mitgliedstaaten Daten effektiver austauschen und bei der Bek\u00e4mpfung der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t besser zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Die Mitgliedstaaten k\u00f6nnen auf die Unterst\u00fctzung durch die Agenturen der EU z\u00e4hlen. Insbesondere in folgenden Punkten l\u00e4sst sich mit Hilfe der Sicherheitsagenda ein EU-Mehrwert erzielen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n

A) Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und den EU-Agenturen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1<\/strong>: Das Schengener Informationssystem<\/strong> (SIS) wird von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Abfrage von Ausschreibungen von gesuchten oder vermissten Personen und Gegenst\u00e4nden genutzt. Die Kommission wird an der Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Ausschreibungskategorien arbeiten und sich daf\u00fcr einsetzen, dass das SIS zusammen mit der Interpol-Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD)<\/strong> umfassender genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Iran und Saudi-Arabien wollen Macht vergr\u00f6\u00dfern<\/h2>\n\n\n\n

Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n

In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n

Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3703,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:24:20","post_date_gmt":"2020-08-13 21:24:20","post_content":"\n

Deutschland str\u00e4ubt sich gegen die R\u00fcckkehr seiner eigenen Staatsb\u00fcrger, die zu IS-Terroristen wurden. Dabei hat die Bundesrepublik den Terror und die Terroristen einst exportiert. Und dies geschah wissentlich, sagt der Islamwissenschaftler Fabian Goldmann.<\/p>\n\n\n\n

Wann haben Sie sich eigentlich zuletzt von deutschen Terroristen distanziert? Zum Beispiel von Robert B.? Der Ex-Bundeswehrsoldat aus Solingen hat mutma\u00dflich bei einem Selbstmordattentat Anfang 2014 50 Menschen mit in den Tod gerissen. <\/p>\n\n\n\n

Oder von Yannik N.? Der junge Freiburger steuerte wahrscheinlich im Jahr 2015 einen mit anderthalb Tonnen Sprengstoff beladenen LKW in eine Menschenmenge und nahm so Dutzenden Personen das Leben.<\/p>\n\n\n\n

Oder von Yamin A.?. Im Sommer 2015 tauchte im Netz ein Video auf, das zeigte, wie der ehemalige Telekom-Azubi aus K\u00f6nigswinter zwei gefesselten Soldaten in den Kopf schoss.
Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Deutsche T\u00e4ter, aber kaum deutsche Opfer<\/h2>\n\n\n\n

Hauptsache nicht bei uns! Dies scheint auch dieser Tage wieder die Maxime zu sein, wenn Politiker und \u00d6ffentlichkeit \u00fcber den Umgang mit deutschen Terroristen diskutieren. Von potenziellen Bedrohungen und Anschlagsgefahren in Deutschland liest man dann. Vom ganz realen Terror, den Deutsche in den vergangenen Jahren \u00fcber die Menschen in Syrien und Irak gebracht haben, h\u00f6rt man hingegen kaum. Ein Terror, der kaum deutsche Opfer aber umso mehr deutsche T\u00e4ter kannte.<\/p>\n\n\n\n

1.050 \u2013 das ist laut Bundesinnenministerium die Anzahl der Dschihadisten, die in den letzten Jahren die Bundesrepublik in Richtung Nahost verlassen hat. Es f\u00e4llt schwer, sich umgekehrtes Szenario \u00fcberhaupt auszumalen. Was w\u00e4re wohl los, h\u00e4tte es nur ein Bruchteil arabischer Terroristen geschafft, bei uns Anschl\u00e4ge zu begehen? Europas \u201eMuslim Bann\u201c? \u00dcberwachungsstaat auf NSA-Niveau?<\/p>\n\n\n\n

Die CSU st\u00fcnde wom\u00f6glich am linken Ende des politischen Spektrums, und auf Twitter w\u00fcrde Trump deutsche Migrationspolitiker zur M\u00e4\u00dfigung aufrufen. Der deutsche Terror in Nahost kommt hingegen seit Jahren ganz ohne Sondersendungen, politische Debatten und Distanzierungsforderungen aus. <\/p>\n\n\n\n

Deutsche K\u00e4mpfer waren nicht nur willenloses Kanonenfutter<\/h2>\n\n\n\n

An fehlendem Wissen liegt das nicht. Von ganzen Einheiten des IS, in denen kein einziger K\u00e4mpfer Arabisch spreche, berichten syrische, irakische und kurdische Soldaten schon seit Jahren. Von Aleppo \u00fcber Raqqa bis Mossul haben Aktivisten und Politiker immer wieder darauf hingewiesen, dass viele der schlimmsten M\u00f6rder in den Reihen des IS Europ\u00e4er sind. Interessiert hat das hier kaum jemand.<\/p>\n\n\n\n

Dabei dienten Deutsche dem Islamischen Staats nicht nur als willenloses Kanonenfutter, wie es oft dargestellt wird. Viele haben seinen Terror mitgepr\u00e4gt. Wie Martin L., der derzeit in kurdischer Haft sitzt. Der Schwei\u00dfer aus Sachsen-Anhalt soll sich vom Folterknecht bis zum Geheimdienstler mit Kontakten bis in die F\u00fchrungsspitze der Terrororganisation hochgearbeitet haben.<\/p>\n\n\n\n

Oder Reda S., Der Prediger aus Berlin-Charlottenburg soll dem IS in Mossul als Bildungsminister gedient haben. Oder der Berliner Ex-Rapper Denis Cuspert, der zu den wichtigsten Personen in der IS-Medienorganisation Al-Hayat geh\u00f6rte. Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Beh\u00f6rden wussten gut Bescheid<\/h2>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich entstand der Islamische Staat nicht in deutschen Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen. Zur deutschen Verantwortung geh\u00f6rt aber auch, dass Politiker und Beh\u00f6rden lange wegschauten, solang nur die T\u00e4ter, aber nicht die Opfer Deutsche waren. Beh\u00f6rden wissen und wussten erschreckend gut Bescheid \u00fcber die Radikalisierung deutscher Islamisten. Ein Gro\u00dfteil der sp\u00e4teren IS-K\u00e4mpfer war polizeibekannt, stand auf Gef\u00e4hrderlisten oder hatte wegen islamistischer Straftaten bereits Haftstrafen verb\u00fc\u00dft. An der Ausreise gehindert wurden sie oftmals dennoch nicht. Die Gefahr, die von deutschen Terroristen ausgeht, interessierte Politik und \u00d6ffentlichkeit erst dann wieder, als ihre Einreise drohte.<\/p>\n\n\n\n

\"Fabian
Fabian Goldmann<\/strong> ist Journalist und Islamwissenschaftler. F\u00fcr verschiedene Magazine und Zeitungen berichtete er viele Jahre aus Nahost. Zurzeit widmet er sich vor allem dem Islam diesseits des Bosporus. Auf seinem Blog Schantall und die Scharia<\/a> bloggt er \u00fcber Islamophobie in Deutschland.<\/p>\n","post_title":"Es sind unsere Terroristen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"es-sind-unsere-terroristen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3703","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3700,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:19:36","post_date_gmt":"2020-08-13 21:19:36","post_content":"\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda? Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda t<\/p>\n\n\n\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda tritt an die Stelle der 2010 verabschiedeten Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014 (siehe IP\/10\/1535<\/a>). In der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda f\u00fcr den Zeitraum 2015-2020 skizziert die Europ\u00e4ische Kommission die Strategie der Union zur Bew\u00e4ltigung der Sicherheitsbedrohungen in der EU.<\/p>\n\n\n\n

Die EU und ihre Mitgliedstaaten sind mit betr\u00e4chtlichen Sicherheitsproblemen konfrontiert. Terrorismus, organisierte Kriminalit\u00e4t und Cyberkriminalit\u00e4t stellen eine zunehmende Gefahr f\u00fcr die europ\u00e4ische Gesellschaft dar, wobei sich Art und Ausma\u00df dieser Gefahr ver\u00e4ndert hat. Europa ist mit den Auswirkungen der politischen Instabilit\u00e4t in seiner unmittelbaren Nachbarschaft konfrontiert, die die Sicherheitsinteressen der EU gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n

Im Zuge der Krisen und Konflikte in Syrien, Irak und Libyen haben sich europ\u00e4ische B\u00fcrger terroristischen Gruppen angeschlossen, die bei ihrer R\u00fcckkehr eine erhebliche Bedrohung darstellen k\u00f6nnen. Die j\u00fcngsten terroristischen Anschl\u00e4ge in Europa zeugen von der zunehmenden Bedrohung durch einen gewaltt\u00e4tigen Extremismus und zeigen, in welchem Ausma\u00df weltweite Konflikte zur Radikalisierung der europ\u00e4ischen B\u00fcrger beitragen.<\/p>\n\n\n\n

Das Online-Umfeld hat sich zunehmend als Ziel f\u00fcr Kriminelle und Terroristen entwickelt. Unabh\u00e4ngig davon, ob es um die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und die Anwerbung von Menschen f\u00fcr terroristische Organisationen geht oder die Verbreitung von Hass oder einen Angriff auf die europ\u00e4ischen Werte und Institutionen, fest steht, dass wir unsere Reaktion auf diese Bedrohungen unbedingt abstimmen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Welcher Mehrwert entsteht durch die EU im Bereich der inneren Sicherheit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Gew\u00e4hrleistung der inneren Sicherheit f\u00e4llt weiterhin in erster Linie in die Zust\u00e4ndigkeit der Mitgliedstaaten. Allerdings werden die Bedrohungen f\u00fcr Europas B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger immer vielf\u00e4ltiger und betreffen in zunehmendem Ma\u00dfe mehrere Mitgliedstaaten. Einzelne Mitgliedstaaten haben die Verantwortung, die Sicherheit an den Au\u00dfengrenzen zu gew\u00e4hrleisten, sind aber nicht mehr in der Lage, diese Herausforderungen allein zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n

Kriminelle und terroristische Aktivit\u00e4ten machen nicht an den Grenzen der EU halt und beschr\u00e4nken sich auch nicht auf Nachbarregionen. Die innere Sicherheit der EU und die globale Sicherheit sind voneinander abh\u00e4ngig und miteinander verkn\u00fcpft. Die Sicherheit der Union h\u00e4ngt in hohem Ma\u00dfe von der Zusammenarbeit mit ihren internationalen Partnern und ihren Nachbarl\u00e4ndern ab.<\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t und des Terrorismus ist eine gemeinsame europ\u00e4ische Aufgabe. Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda sollte von den Mitgliedstaaten und den EU-Organen gemeinsam als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und gemeinsame Ma\u00dfnahmen der Union genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n

Mit Hilfe der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda werden die Polizei- und Strafverfolgungsdienste in verschiedenen Mitgliedstaaten Daten effektiver austauschen und bei der Bek\u00e4mpfung der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t besser zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Die Mitgliedstaaten k\u00f6nnen auf die Unterst\u00fctzung durch die Agenturen der EU z\u00e4hlen. Insbesondere in folgenden Punkten l\u00e4sst sich mit Hilfe der Sicherheitsagenda ein EU-Mehrwert erzielen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n

A) Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und den EU-Agenturen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1<\/strong>: Das Schengener Informationssystem<\/strong> (SIS) wird von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Abfrage von Ausschreibungen von gesuchten oder vermissten Personen und Gegenst\u00e4nden genutzt. Die Kommission wird an der Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Ausschreibungskategorien arbeiten und sich daf\u00fcr einsetzen, dass das SIS zusammen mit der Interpol-Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD)<\/strong> umfassender genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Die \u201eHashd\u201c m\u00fcssten mithin abziehen. Und mit ihnen die anderen Milizen. Das Machtmonopol m\u00fcsste an den Staat gehen. Doch der Irak ist auch Spielball der Regionalm\u00e4chte: Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien. Sie konkurrieren um Einfluss-Sph\u00e4ren, bedienen sich dabei verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Gruppen im Irak. Deswegen werden die Hashd nicht abziehen. Derzeit sind sie von der iranisch-irakischen Grenze im Osten \u00fcber Bagdad bis hoch zur irakisch-syrischen Grenze im Norden postiert. Einheiten Teherans k\u00f6nnten demnach auf dem Landweg vom Iran bis ans Mittelmeer durchmarschieren.<\/p>\n\n\n\n

Iran und Saudi-Arabien wollen Macht vergr\u00f6\u00dfern<\/h2>\n\n\n\n

Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n

In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n

Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3703,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:24:20","post_date_gmt":"2020-08-13 21:24:20","post_content":"\n

Deutschland str\u00e4ubt sich gegen die R\u00fcckkehr seiner eigenen Staatsb\u00fcrger, die zu IS-Terroristen wurden. Dabei hat die Bundesrepublik den Terror und die Terroristen einst exportiert. Und dies geschah wissentlich, sagt der Islamwissenschaftler Fabian Goldmann.<\/p>\n\n\n\n

Wann haben Sie sich eigentlich zuletzt von deutschen Terroristen distanziert? Zum Beispiel von Robert B.? Der Ex-Bundeswehrsoldat aus Solingen hat mutma\u00dflich bei einem Selbstmordattentat Anfang 2014 50 Menschen mit in den Tod gerissen. <\/p>\n\n\n\n

Oder von Yannik N.? Der junge Freiburger steuerte wahrscheinlich im Jahr 2015 einen mit anderthalb Tonnen Sprengstoff beladenen LKW in eine Menschenmenge und nahm so Dutzenden Personen das Leben.<\/p>\n\n\n\n

Oder von Yamin A.?. Im Sommer 2015 tauchte im Netz ein Video auf, das zeigte, wie der ehemalige Telekom-Azubi aus K\u00f6nigswinter zwei gefesselten Soldaten in den Kopf schoss.
Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Deutsche T\u00e4ter, aber kaum deutsche Opfer<\/h2>\n\n\n\n

Hauptsache nicht bei uns! Dies scheint auch dieser Tage wieder die Maxime zu sein, wenn Politiker und \u00d6ffentlichkeit \u00fcber den Umgang mit deutschen Terroristen diskutieren. Von potenziellen Bedrohungen und Anschlagsgefahren in Deutschland liest man dann. Vom ganz realen Terror, den Deutsche in den vergangenen Jahren \u00fcber die Menschen in Syrien und Irak gebracht haben, h\u00f6rt man hingegen kaum. Ein Terror, der kaum deutsche Opfer aber umso mehr deutsche T\u00e4ter kannte.<\/p>\n\n\n\n

1.050 \u2013 das ist laut Bundesinnenministerium die Anzahl der Dschihadisten, die in den letzten Jahren die Bundesrepublik in Richtung Nahost verlassen hat. Es f\u00e4llt schwer, sich umgekehrtes Szenario \u00fcberhaupt auszumalen. Was w\u00e4re wohl los, h\u00e4tte es nur ein Bruchteil arabischer Terroristen geschafft, bei uns Anschl\u00e4ge zu begehen? Europas \u201eMuslim Bann\u201c? \u00dcberwachungsstaat auf NSA-Niveau?<\/p>\n\n\n\n

Die CSU st\u00fcnde wom\u00f6glich am linken Ende des politischen Spektrums, und auf Twitter w\u00fcrde Trump deutsche Migrationspolitiker zur M\u00e4\u00dfigung aufrufen. Der deutsche Terror in Nahost kommt hingegen seit Jahren ganz ohne Sondersendungen, politische Debatten und Distanzierungsforderungen aus. <\/p>\n\n\n\n

Deutsche K\u00e4mpfer waren nicht nur willenloses Kanonenfutter<\/h2>\n\n\n\n

An fehlendem Wissen liegt das nicht. Von ganzen Einheiten des IS, in denen kein einziger K\u00e4mpfer Arabisch spreche, berichten syrische, irakische und kurdische Soldaten schon seit Jahren. Von Aleppo \u00fcber Raqqa bis Mossul haben Aktivisten und Politiker immer wieder darauf hingewiesen, dass viele der schlimmsten M\u00f6rder in den Reihen des IS Europ\u00e4er sind. Interessiert hat das hier kaum jemand.<\/p>\n\n\n\n

Dabei dienten Deutsche dem Islamischen Staats nicht nur als willenloses Kanonenfutter, wie es oft dargestellt wird. Viele haben seinen Terror mitgepr\u00e4gt. Wie Martin L., der derzeit in kurdischer Haft sitzt. Der Schwei\u00dfer aus Sachsen-Anhalt soll sich vom Folterknecht bis zum Geheimdienstler mit Kontakten bis in die F\u00fchrungsspitze der Terrororganisation hochgearbeitet haben.<\/p>\n\n\n\n

Oder Reda S., Der Prediger aus Berlin-Charlottenburg soll dem IS in Mossul als Bildungsminister gedient haben. Oder der Berliner Ex-Rapper Denis Cuspert, der zu den wichtigsten Personen in der IS-Medienorganisation Al-Hayat geh\u00f6rte. Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Beh\u00f6rden wussten gut Bescheid<\/h2>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich entstand der Islamische Staat nicht in deutschen Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen. Zur deutschen Verantwortung geh\u00f6rt aber auch, dass Politiker und Beh\u00f6rden lange wegschauten, solang nur die T\u00e4ter, aber nicht die Opfer Deutsche waren. Beh\u00f6rden wissen und wussten erschreckend gut Bescheid \u00fcber die Radikalisierung deutscher Islamisten. Ein Gro\u00dfteil der sp\u00e4teren IS-K\u00e4mpfer war polizeibekannt, stand auf Gef\u00e4hrderlisten oder hatte wegen islamistischer Straftaten bereits Haftstrafen verb\u00fc\u00dft. An der Ausreise gehindert wurden sie oftmals dennoch nicht. Die Gefahr, die von deutschen Terroristen ausgeht, interessierte Politik und \u00d6ffentlichkeit erst dann wieder, als ihre Einreise drohte.<\/p>\n\n\n\n

\"Fabian
Fabian Goldmann<\/strong> ist Journalist und Islamwissenschaftler. F\u00fcr verschiedene Magazine und Zeitungen berichtete er viele Jahre aus Nahost. Zurzeit widmet er sich vor allem dem Islam diesseits des Bosporus. Auf seinem Blog Schantall und die Scharia<\/a> bloggt er \u00fcber Islamophobie in Deutschland.<\/p>\n","post_title":"Es sind unsere Terroristen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"es-sind-unsere-terroristen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3703","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3700,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:19:36","post_date_gmt":"2020-08-13 21:19:36","post_content":"\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda? Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda t<\/p>\n\n\n\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda tritt an die Stelle der 2010 verabschiedeten Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014 (siehe IP\/10\/1535<\/a>). In der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda f\u00fcr den Zeitraum 2015-2020 skizziert die Europ\u00e4ische Kommission die Strategie der Union zur Bew\u00e4ltigung der Sicherheitsbedrohungen in der EU.<\/p>\n\n\n\n

Die EU und ihre Mitgliedstaaten sind mit betr\u00e4chtlichen Sicherheitsproblemen konfrontiert. Terrorismus, organisierte Kriminalit\u00e4t und Cyberkriminalit\u00e4t stellen eine zunehmende Gefahr f\u00fcr die europ\u00e4ische Gesellschaft dar, wobei sich Art und Ausma\u00df dieser Gefahr ver\u00e4ndert hat. Europa ist mit den Auswirkungen der politischen Instabilit\u00e4t in seiner unmittelbaren Nachbarschaft konfrontiert, die die Sicherheitsinteressen der EU gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n

Im Zuge der Krisen und Konflikte in Syrien, Irak und Libyen haben sich europ\u00e4ische B\u00fcrger terroristischen Gruppen angeschlossen, die bei ihrer R\u00fcckkehr eine erhebliche Bedrohung darstellen k\u00f6nnen. Die j\u00fcngsten terroristischen Anschl\u00e4ge in Europa zeugen von der zunehmenden Bedrohung durch einen gewaltt\u00e4tigen Extremismus und zeigen, in welchem Ausma\u00df weltweite Konflikte zur Radikalisierung der europ\u00e4ischen B\u00fcrger beitragen.<\/p>\n\n\n\n

Das Online-Umfeld hat sich zunehmend als Ziel f\u00fcr Kriminelle und Terroristen entwickelt. Unabh\u00e4ngig davon, ob es um die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und die Anwerbung von Menschen f\u00fcr terroristische Organisationen geht oder die Verbreitung von Hass oder einen Angriff auf die europ\u00e4ischen Werte und Institutionen, fest steht, dass wir unsere Reaktion auf diese Bedrohungen unbedingt abstimmen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Welcher Mehrwert entsteht durch die EU im Bereich der inneren Sicherheit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Gew\u00e4hrleistung der inneren Sicherheit f\u00e4llt weiterhin in erster Linie in die Zust\u00e4ndigkeit der Mitgliedstaaten. Allerdings werden die Bedrohungen f\u00fcr Europas B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger immer vielf\u00e4ltiger und betreffen in zunehmendem Ma\u00dfe mehrere Mitgliedstaaten. Einzelne Mitgliedstaaten haben die Verantwortung, die Sicherheit an den Au\u00dfengrenzen zu gew\u00e4hrleisten, sind aber nicht mehr in der Lage, diese Herausforderungen allein zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n

Kriminelle und terroristische Aktivit\u00e4ten machen nicht an den Grenzen der EU halt und beschr\u00e4nken sich auch nicht auf Nachbarregionen. Die innere Sicherheit der EU und die globale Sicherheit sind voneinander abh\u00e4ngig und miteinander verkn\u00fcpft. Die Sicherheit der Union h\u00e4ngt in hohem Ma\u00dfe von der Zusammenarbeit mit ihren internationalen Partnern und ihren Nachbarl\u00e4ndern ab.<\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t und des Terrorismus ist eine gemeinsame europ\u00e4ische Aufgabe. Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda sollte von den Mitgliedstaaten und den EU-Organen gemeinsam als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und gemeinsame Ma\u00dfnahmen der Union genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n

Mit Hilfe der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda werden die Polizei- und Strafverfolgungsdienste in verschiedenen Mitgliedstaaten Daten effektiver austauschen und bei der Bek\u00e4mpfung der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t besser zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Die Mitgliedstaaten k\u00f6nnen auf die Unterst\u00fctzung durch die Agenturen der EU z\u00e4hlen. Insbesondere in folgenden Punkten l\u00e4sst sich mit Hilfe der Sicherheitsagenda ein EU-Mehrwert erzielen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n

A) Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und den EU-Agenturen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1<\/strong>: Das Schengener Informationssystem<\/strong> (SIS) wird von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Abfrage von Ausschreibungen von gesuchten oder vermissten Personen und Gegenst\u00e4nden genutzt. Die Kommission wird an der Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Ausschreibungskategorien arbeiten und sich daf\u00fcr einsetzen, dass das SIS zusammen mit der Interpol-Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD)<\/strong> umfassender genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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\u201eTats\u00e4chlich sorgen die verschiedenen bewaffneten Gruppen daf\u00fcr, dass die Fl\u00fcchtlinge nicht zur\u00fcckkehren. Und weil sie nicht zur\u00fcckkehren, gibt es auch keinen Wiederaufbau. Die Menschen haben Angst vor den Milizen \u2013 auch davor, dass die einander bek\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die \u201eHashd\u201c m\u00fcssten mithin abziehen. Und mit ihnen die anderen Milizen. Das Machtmonopol m\u00fcsste an den Staat gehen. Doch der Irak ist auch Spielball der Regionalm\u00e4chte: Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien. Sie konkurrieren um Einfluss-Sph\u00e4ren, bedienen sich dabei verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Gruppen im Irak. Deswegen werden die Hashd nicht abziehen. Derzeit sind sie von der iranisch-irakischen Grenze im Osten \u00fcber Bagdad bis hoch zur irakisch-syrischen Grenze im Norden postiert. Einheiten Teherans k\u00f6nnten demnach auf dem Landweg vom Iran bis ans Mittelmeer durchmarschieren.<\/p>\n\n\n\n

Iran und Saudi-Arabien wollen Macht vergr\u00f6\u00dfern<\/h2>\n\n\n\n

Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n

In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n

Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3703,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:24:20","post_date_gmt":"2020-08-13 21:24:20","post_content":"\n

Deutschland str\u00e4ubt sich gegen die R\u00fcckkehr seiner eigenen Staatsb\u00fcrger, die zu IS-Terroristen wurden. Dabei hat die Bundesrepublik den Terror und die Terroristen einst exportiert. Und dies geschah wissentlich, sagt der Islamwissenschaftler Fabian Goldmann.<\/p>\n\n\n\n

Wann haben Sie sich eigentlich zuletzt von deutschen Terroristen distanziert? Zum Beispiel von Robert B.? Der Ex-Bundeswehrsoldat aus Solingen hat mutma\u00dflich bei einem Selbstmordattentat Anfang 2014 50 Menschen mit in den Tod gerissen. <\/p>\n\n\n\n

Oder von Yannik N.? Der junge Freiburger steuerte wahrscheinlich im Jahr 2015 einen mit anderthalb Tonnen Sprengstoff beladenen LKW in eine Menschenmenge und nahm so Dutzenden Personen das Leben.<\/p>\n\n\n\n

Oder von Yamin A.?. Im Sommer 2015 tauchte im Netz ein Video auf, das zeigte, wie der ehemalige Telekom-Azubi aus K\u00f6nigswinter zwei gefesselten Soldaten in den Kopf schoss.
Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Deutsche T\u00e4ter, aber kaum deutsche Opfer<\/h2>\n\n\n\n

Hauptsache nicht bei uns! Dies scheint auch dieser Tage wieder die Maxime zu sein, wenn Politiker und \u00d6ffentlichkeit \u00fcber den Umgang mit deutschen Terroristen diskutieren. Von potenziellen Bedrohungen und Anschlagsgefahren in Deutschland liest man dann. Vom ganz realen Terror, den Deutsche in den vergangenen Jahren \u00fcber die Menschen in Syrien und Irak gebracht haben, h\u00f6rt man hingegen kaum. Ein Terror, der kaum deutsche Opfer aber umso mehr deutsche T\u00e4ter kannte.<\/p>\n\n\n\n

1.050 \u2013 das ist laut Bundesinnenministerium die Anzahl der Dschihadisten, die in den letzten Jahren die Bundesrepublik in Richtung Nahost verlassen hat. Es f\u00e4llt schwer, sich umgekehrtes Szenario \u00fcberhaupt auszumalen. Was w\u00e4re wohl los, h\u00e4tte es nur ein Bruchteil arabischer Terroristen geschafft, bei uns Anschl\u00e4ge zu begehen? Europas \u201eMuslim Bann\u201c? \u00dcberwachungsstaat auf NSA-Niveau?<\/p>\n\n\n\n

Die CSU st\u00fcnde wom\u00f6glich am linken Ende des politischen Spektrums, und auf Twitter w\u00fcrde Trump deutsche Migrationspolitiker zur M\u00e4\u00dfigung aufrufen. Der deutsche Terror in Nahost kommt hingegen seit Jahren ganz ohne Sondersendungen, politische Debatten und Distanzierungsforderungen aus. <\/p>\n\n\n\n

Deutsche K\u00e4mpfer waren nicht nur willenloses Kanonenfutter<\/h2>\n\n\n\n

An fehlendem Wissen liegt das nicht. Von ganzen Einheiten des IS, in denen kein einziger K\u00e4mpfer Arabisch spreche, berichten syrische, irakische und kurdische Soldaten schon seit Jahren. Von Aleppo \u00fcber Raqqa bis Mossul haben Aktivisten und Politiker immer wieder darauf hingewiesen, dass viele der schlimmsten M\u00f6rder in den Reihen des IS Europ\u00e4er sind. Interessiert hat das hier kaum jemand.<\/p>\n\n\n\n

Dabei dienten Deutsche dem Islamischen Staats nicht nur als willenloses Kanonenfutter, wie es oft dargestellt wird. Viele haben seinen Terror mitgepr\u00e4gt. Wie Martin L., der derzeit in kurdischer Haft sitzt. Der Schwei\u00dfer aus Sachsen-Anhalt soll sich vom Folterknecht bis zum Geheimdienstler mit Kontakten bis in die F\u00fchrungsspitze der Terrororganisation hochgearbeitet haben.<\/p>\n\n\n\n

Oder Reda S., Der Prediger aus Berlin-Charlottenburg soll dem IS in Mossul als Bildungsminister gedient haben. Oder der Berliner Ex-Rapper Denis Cuspert, der zu den wichtigsten Personen in der IS-Medienorganisation Al-Hayat geh\u00f6rte. Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Beh\u00f6rden wussten gut Bescheid<\/h2>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich entstand der Islamische Staat nicht in deutschen Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen. Zur deutschen Verantwortung geh\u00f6rt aber auch, dass Politiker und Beh\u00f6rden lange wegschauten, solang nur die T\u00e4ter, aber nicht die Opfer Deutsche waren. Beh\u00f6rden wissen und wussten erschreckend gut Bescheid \u00fcber die Radikalisierung deutscher Islamisten. Ein Gro\u00dfteil der sp\u00e4teren IS-K\u00e4mpfer war polizeibekannt, stand auf Gef\u00e4hrderlisten oder hatte wegen islamistischer Straftaten bereits Haftstrafen verb\u00fc\u00dft. An der Ausreise gehindert wurden sie oftmals dennoch nicht. Die Gefahr, die von deutschen Terroristen ausgeht, interessierte Politik und \u00d6ffentlichkeit erst dann wieder, als ihre Einreise drohte.<\/p>\n\n\n\n

\"Fabian
Fabian Goldmann<\/strong> ist Journalist und Islamwissenschaftler. F\u00fcr verschiedene Magazine und Zeitungen berichtete er viele Jahre aus Nahost. Zurzeit widmet er sich vor allem dem Islam diesseits des Bosporus. Auf seinem Blog Schantall und die Scharia<\/a> bloggt er \u00fcber Islamophobie in Deutschland.<\/p>\n","post_title":"Es sind unsere Terroristen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"es-sind-unsere-terroristen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3703","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3700,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:19:36","post_date_gmt":"2020-08-13 21:19:36","post_content":"\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda? Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda t<\/p>\n\n\n\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda tritt an die Stelle der 2010 verabschiedeten Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014 (siehe IP\/10\/1535<\/a>). In der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda f\u00fcr den Zeitraum 2015-2020 skizziert die Europ\u00e4ische Kommission die Strategie der Union zur Bew\u00e4ltigung der Sicherheitsbedrohungen in der EU.<\/p>\n\n\n\n

Die EU und ihre Mitgliedstaaten sind mit betr\u00e4chtlichen Sicherheitsproblemen konfrontiert. Terrorismus, organisierte Kriminalit\u00e4t und Cyberkriminalit\u00e4t stellen eine zunehmende Gefahr f\u00fcr die europ\u00e4ische Gesellschaft dar, wobei sich Art und Ausma\u00df dieser Gefahr ver\u00e4ndert hat. Europa ist mit den Auswirkungen der politischen Instabilit\u00e4t in seiner unmittelbaren Nachbarschaft konfrontiert, die die Sicherheitsinteressen der EU gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n

Im Zuge der Krisen und Konflikte in Syrien, Irak und Libyen haben sich europ\u00e4ische B\u00fcrger terroristischen Gruppen angeschlossen, die bei ihrer R\u00fcckkehr eine erhebliche Bedrohung darstellen k\u00f6nnen. Die j\u00fcngsten terroristischen Anschl\u00e4ge in Europa zeugen von der zunehmenden Bedrohung durch einen gewaltt\u00e4tigen Extremismus und zeigen, in welchem Ausma\u00df weltweite Konflikte zur Radikalisierung der europ\u00e4ischen B\u00fcrger beitragen.<\/p>\n\n\n\n

Das Online-Umfeld hat sich zunehmend als Ziel f\u00fcr Kriminelle und Terroristen entwickelt. Unabh\u00e4ngig davon, ob es um die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und die Anwerbung von Menschen f\u00fcr terroristische Organisationen geht oder die Verbreitung von Hass oder einen Angriff auf die europ\u00e4ischen Werte und Institutionen, fest steht, dass wir unsere Reaktion auf diese Bedrohungen unbedingt abstimmen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Welcher Mehrwert entsteht durch die EU im Bereich der inneren Sicherheit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Gew\u00e4hrleistung der inneren Sicherheit f\u00e4llt weiterhin in erster Linie in die Zust\u00e4ndigkeit der Mitgliedstaaten. Allerdings werden die Bedrohungen f\u00fcr Europas B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger immer vielf\u00e4ltiger und betreffen in zunehmendem Ma\u00dfe mehrere Mitgliedstaaten. Einzelne Mitgliedstaaten haben die Verantwortung, die Sicherheit an den Au\u00dfengrenzen zu gew\u00e4hrleisten, sind aber nicht mehr in der Lage, diese Herausforderungen allein zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n

Kriminelle und terroristische Aktivit\u00e4ten machen nicht an den Grenzen der EU halt und beschr\u00e4nken sich auch nicht auf Nachbarregionen. Die innere Sicherheit der EU und die globale Sicherheit sind voneinander abh\u00e4ngig und miteinander verkn\u00fcpft. Die Sicherheit der Union h\u00e4ngt in hohem Ma\u00dfe von der Zusammenarbeit mit ihren internationalen Partnern und ihren Nachbarl\u00e4ndern ab.<\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t und des Terrorismus ist eine gemeinsame europ\u00e4ische Aufgabe. Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda sollte von den Mitgliedstaaten und den EU-Organen gemeinsam als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und gemeinsame Ma\u00dfnahmen der Union genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n

Mit Hilfe der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda werden die Polizei- und Strafverfolgungsdienste in verschiedenen Mitgliedstaaten Daten effektiver austauschen und bei der Bek\u00e4mpfung der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t besser zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Die Mitgliedstaaten k\u00f6nnen auf die Unterst\u00fctzung durch die Agenturen der EU z\u00e4hlen. Insbesondere in folgenden Punkten l\u00e4sst sich mit Hilfe der Sicherheitsagenda ein EU-Mehrwert erzielen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n

A) Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und den EU-Agenturen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1<\/strong>: Das Schengener Informationssystem<\/strong> (SIS) wird von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Abfrage von Ausschreibungen von gesuchten oder vermissten Personen und Gegenst\u00e4nden genutzt. Die Kommission wird an der Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Ausschreibungskategorien arbeiten und sich daf\u00fcr einsetzen, dass das SIS zusammen mit der Interpol-Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD)<\/strong> umfassender genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Allen voran die \u201eHashd ash-Shaabi\u201c, schiitisch-irakische Milizen, deren Ausbilder und Kommandeure h\u00e4ufig Iraner sind. Bagdad hat die Haschd als regul\u00e4re Kraft im Kampf gegen den \u201eIS\u201c anerkannt \u2013 obwohl Menschenrechts-Organisationen schwere Vorw\u00fcrfe gegen sie erheben. Fest steht: Die schiitischen Milizen halten D\u00f6rfer besetzt, sind in Mosul f\u00fcr ihr herrisches Auftreten und ihre Willk\u00fcr bekannt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eTats\u00e4chlich sorgen die verschiedenen bewaffneten Gruppen daf\u00fcr, dass die Fl\u00fcchtlinge nicht zur\u00fcckkehren. Und weil sie nicht zur\u00fcckkehren, gibt es auch keinen Wiederaufbau. Die Menschen haben Angst vor den Milizen \u2013 auch davor, dass die einander bek\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die \u201eHashd\u201c m\u00fcssten mithin abziehen. Und mit ihnen die anderen Milizen. Das Machtmonopol m\u00fcsste an den Staat gehen. Doch der Irak ist auch Spielball der Regionalm\u00e4chte: Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien. Sie konkurrieren um Einfluss-Sph\u00e4ren, bedienen sich dabei verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Gruppen im Irak. Deswegen werden die Hashd nicht abziehen. Derzeit sind sie von der iranisch-irakischen Grenze im Osten \u00fcber Bagdad bis hoch zur irakisch-syrischen Grenze im Norden postiert. Einheiten Teherans k\u00f6nnten demnach auf dem Landweg vom Iran bis ans Mittelmeer durchmarschieren.<\/p>\n\n\n\n

Iran und Saudi-Arabien wollen Macht vergr\u00f6\u00dfern<\/h2>\n\n\n\n

Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n

In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n

Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3703,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:24:20","post_date_gmt":"2020-08-13 21:24:20","post_content":"\n

Deutschland str\u00e4ubt sich gegen die R\u00fcckkehr seiner eigenen Staatsb\u00fcrger, die zu IS-Terroristen wurden. Dabei hat die Bundesrepublik den Terror und die Terroristen einst exportiert. Und dies geschah wissentlich, sagt der Islamwissenschaftler Fabian Goldmann.<\/p>\n\n\n\n

Wann haben Sie sich eigentlich zuletzt von deutschen Terroristen distanziert? Zum Beispiel von Robert B.? Der Ex-Bundeswehrsoldat aus Solingen hat mutma\u00dflich bei einem Selbstmordattentat Anfang 2014 50 Menschen mit in den Tod gerissen. <\/p>\n\n\n\n

Oder von Yannik N.? Der junge Freiburger steuerte wahrscheinlich im Jahr 2015 einen mit anderthalb Tonnen Sprengstoff beladenen LKW in eine Menschenmenge und nahm so Dutzenden Personen das Leben.<\/p>\n\n\n\n

Oder von Yamin A.?. Im Sommer 2015 tauchte im Netz ein Video auf, das zeigte, wie der ehemalige Telekom-Azubi aus K\u00f6nigswinter zwei gefesselten Soldaten in den Kopf schoss.
Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Deutsche T\u00e4ter, aber kaum deutsche Opfer<\/h2>\n\n\n\n

Hauptsache nicht bei uns! Dies scheint auch dieser Tage wieder die Maxime zu sein, wenn Politiker und \u00d6ffentlichkeit \u00fcber den Umgang mit deutschen Terroristen diskutieren. Von potenziellen Bedrohungen und Anschlagsgefahren in Deutschland liest man dann. Vom ganz realen Terror, den Deutsche in den vergangenen Jahren \u00fcber die Menschen in Syrien und Irak gebracht haben, h\u00f6rt man hingegen kaum. Ein Terror, der kaum deutsche Opfer aber umso mehr deutsche T\u00e4ter kannte.<\/p>\n\n\n\n

1.050 \u2013 das ist laut Bundesinnenministerium die Anzahl der Dschihadisten, die in den letzten Jahren die Bundesrepublik in Richtung Nahost verlassen hat. Es f\u00e4llt schwer, sich umgekehrtes Szenario \u00fcberhaupt auszumalen. Was w\u00e4re wohl los, h\u00e4tte es nur ein Bruchteil arabischer Terroristen geschafft, bei uns Anschl\u00e4ge zu begehen? Europas \u201eMuslim Bann\u201c? \u00dcberwachungsstaat auf NSA-Niveau?<\/p>\n\n\n\n

Die CSU st\u00fcnde wom\u00f6glich am linken Ende des politischen Spektrums, und auf Twitter w\u00fcrde Trump deutsche Migrationspolitiker zur M\u00e4\u00dfigung aufrufen. Der deutsche Terror in Nahost kommt hingegen seit Jahren ganz ohne Sondersendungen, politische Debatten und Distanzierungsforderungen aus. <\/p>\n\n\n\n

Deutsche K\u00e4mpfer waren nicht nur willenloses Kanonenfutter<\/h2>\n\n\n\n

An fehlendem Wissen liegt das nicht. Von ganzen Einheiten des IS, in denen kein einziger K\u00e4mpfer Arabisch spreche, berichten syrische, irakische und kurdische Soldaten schon seit Jahren. Von Aleppo \u00fcber Raqqa bis Mossul haben Aktivisten und Politiker immer wieder darauf hingewiesen, dass viele der schlimmsten M\u00f6rder in den Reihen des IS Europ\u00e4er sind. Interessiert hat das hier kaum jemand.<\/p>\n\n\n\n

Dabei dienten Deutsche dem Islamischen Staats nicht nur als willenloses Kanonenfutter, wie es oft dargestellt wird. Viele haben seinen Terror mitgepr\u00e4gt. Wie Martin L., der derzeit in kurdischer Haft sitzt. Der Schwei\u00dfer aus Sachsen-Anhalt soll sich vom Folterknecht bis zum Geheimdienstler mit Kontakten bis in die F\u00fchrungsspitze der Terrororganisation hochgearbeitet haben.<\/p>\n\n\n\n

Oder Reda S., Der Prediger aus Berlin-Charlottenburg soll dem IS in Mossul als Bildungsminister gedient haben. Oder der Berliner Ex-Rapper Denis Cuspert, der zu den wichtigsten Personen in der IS-Medienorganisation Al-Hayat geh\u00f6rte. Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Beh\u00f6rden wussten gut Bescheid<\/h2>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich entstand der Islamische Staat nicht in deutschen Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen. Zur deutschen Verantwortung geh\u00f6rt aber auch, dass Politiker und Beh\u00f6rden lange wegschauten, solang nur die T\u00e4ter, aber nicht die Opfer Deutsche waren. Beh\u00f6rden wissen und wussten erschreckend gut Bescheid \u00fcber die Radikalisierung deutscher Islamisten. Ein Gro\u00dfteil der sp\u00e4teren IS-K\u00e4mpfer war polizeibekannt, stand auf Gef\u00e4hrderlisten oder hatte wegen islamistischer Straftaten bereits Haftstrafen verb\u00fc\u00dft. An der Ausreise gehindert wurden sie oftmals dennoch nicht. Die Gefahr, die von deutschen Terroristen ausgeht, interessierte Politik und \u00d6ffentlichkeit erst dann wieder, als ihre Einreise drohte.<\/p>\n\n\n\n

\"Fabian
Fabian Goldmann<\/strong> ist Journalist und Islamwissenschaftler. F\u00fcr verschiedene Magazine und Zeitungen berichtete er viele Jahre aus Nahost. Zurzeit widmet er sich vor allem dem Islam diesseits des Bosporus. Auf seinem Blog Schantall und die Scharia<\/a> bloggt er \u00fcber Islamophobie in Deutschland.<\/p>\n","post_title":"Es sind unsere Terroristen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"es-sind-unsere-terroristen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3703","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3700,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:19:36","post_date_gmt":"2020-08-13 21:19:36","post_content":"\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda? Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda t<\/p>\n\n\n\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda tritt an die Stelle der 2010 verabschiedeten Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014 (siehe IP\/10\/1535<\/a>). In der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda f\u00fcr den Zeitraum 2015-2020 skizziert die Europ\u00e4ische Kommission die Strategie der Union zur Bew\u00e4ltigung der Sicherheitsbedrohungen in der EU.<\/p>\n\n\n\n

Die EU und ihre Mitgliedstaaten sind mit betr\u00e4chtlichen Sicherheitsproblemen konfrontiert. Terrorismus, organisierte Kriminalit\u00e4t und Cyberkriminalit\u00e4t stellen eine zunehmende Gefahr f\u00fcr die europ\u00e4ische Gesellschaft dar, wobei sich Art und Ausma\u00df dieser Gefahr ver\u00e4ndert hat. Europa ist mit den Auswirkungen der politischen Instabilit\u00e4t in seiner unmittelbaren Nachbarschaft konfrontiert, die die Sicherheitsinteressen der EU gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n

Im Zuge der Krisen und Konflikte in Syrien, Irak und Libyen haben sich europ\u00e4ische B\u00fcrger terroristischen Gruppen angeschlossen, die bei ihrer R\u00fcckkehr eine erhebliche Bedrohung darstellen k\u00f6nnen. Die j\u00fcngsten terroristischen Anschl\u00e4ge in Europa zeugen von der zunehmenden Bedrohung durch einen gewaltt\u00e4tigen Extremismus und zeigen, in welchem Ausma\u00df weltweite Konflikte zur Radikalisierung der europ\u00e4ischen B\u00fcrger beitragen.<\/p>\n\n\n\n

Das Online-Umfeld hat sich zunehmend als Ziel f\u00fcr Kriminelle und Terroristen entwickelt. Unabh\u00e4ngig davon, ob es um die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und die Anwerbung von Menschen f\u00fcr terroristische Organisationen geht oder die Verbreitung von Hass oder einen Angriff auf die europ\u00e4ischen Werte und Institutionen, fest steht, dass wir unsere Reaktion auf diese Bedrohungen unbedingt abstimmen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Welcher Mehrwert entsteht durch die EU im Bereich der inneren Sicherheit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Gew\u00e4hrleistung der inneren Sicherheit f\u00e4llt weiterhin in erster Linie in die Zust\u00e4ndigkeit der Mitgliedstaaten. Allerdings werden die Bedrohungen f\u00fcr Europas B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger immer vielf\u00e4ltiger und betreffen in zunehmendem Ma\u00dfe mehrere Mitgliedstaaten. Einzelne Mitgliedstaaten haben die Verantwortung, die Sicherheit an den Au\u00dfengrenzen zu gew\u00e4hrleisten, sind aber nicht mehr in der Lage, diese Herausforderungen allein zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n

Kriminelle und terroristische Aktivit\u00e4ten machen nicht an den Grenzen der EU halt und beschr\u00e4nken sich auch nicht auf Nachbarregionen. Die innere Sicherheit der EU und die globale Sicherheit sind voneinander abh\u00e4ngig und miteinander verkn\u00fcpft. Die Sicherheit der Union h\u00e4ngt in hohem Ma\u00dfe von der Zusammenarbeit mit ihren internationalen Partnern und ihren Nachbarl\u00e4ndern ab.<\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t und des Terrorismus ist eine gemeinsame europ\u00e4ische Aufgabe. Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda sollte von den Mitgliedstaaten und den EU-Organen gemeinsam als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und gemeinsame Ma\u00dfnahmen der Union genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n

Mit Hilfe der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda werden die Polizei- und Strafverfolgungsdienste in verschiedenen Mitgliedstaaten Daten effektiver austauschen und bei der Bek\u00e4mpfung der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t besser zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Die Mitgliedstaaten k\u00f6nnen auf die Unterst\u00fctzung durch die Agenturen der EU z\u00e4hlen. Insbesondere in folgenden Punkten l\u00e4sst sich mit Hilfe der Sicherheitsagenda ein EU-Mehrwert erzielen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n

A) Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und den EU-Agenturen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1<\/strong>: Das Schengener Informationssystem<\/strong> (SIS) wird von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Abfrage von Ausschreibungen von gesuchten oder vermissten Personen und Gegenst\u00e4nden genutzt. Die Kommission wird an der Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Ausschreibungskategorien arbeiten und sich daf\u00fcr einsetzen, dass das SIS zusammen mit der Interpol-Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD)<\/strong> umfassender genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Die Realit\u00e4t sieht anders aus: Ein Staat Kurdistan, der neue Optionen m\u00f6glich gemacht h\u00e4tte, auch von den Minderheiten gew\u00fcnscht worden war, ist nicht entstanden. Bagdad aber ist fern, der Zentralstaat kaum existent, und wenn, dann ist er schiitisch dominiert. Es sind Milizen, die im Nord-Irak das Geschehen bestimmen, darum rivalisieren, das Machtvakuum zu f\u00fcllen, das durch die Vertreibung des \u201eIS\u201c entstanden ist. Einst im Kampf gegen die Terroristen geeint, sind die Milizen einander heute feind.<\/p>\n\n\n\n

Allen voran die \u201eHashd ash-Shaabi\u201c, schiitisch-irakische Milizen, deren Ausbilder und Kommandeure h\u00e4ufig Iraner sind. Bagdad hat die Haschd als regul\u00e4re Kraft im Kampf gegen den \u201eIS\u201c anerkannt \u2013 obwohl Menschenrechts-Organisationen schwere Vorw\u00fcrfe gegen sie erheben. Fest steht: Die schiitischen Milizen halten D\u00f6rfer besetzt, sind in Mosul f\u00fcr ihr herrisches Auftreten und ihre Willk\u00fcr bekannt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eTats\u00e4chlich sorgen die verschiedenen bewaffneten Gruppen daf\u00fcr, dass die Fl\u00fcchtlinge nicht zur\u00fcckkehren. Und weil sie nicht zur\u00fcckkehren, gibt es auch keinen Wiederaufbau. Die Menschen haben Angst vor den Milizen \u2013 auch davor, dass die einander bek\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die \u201eHashd\u201c m\u00fcssten mithin abziehen. Und mit ihnen die anderen Milizen. Das Machtmonopol m\u00fcsste an den Staat gehen. Doch der Irak ist auch Spielball der Regionalm\u00e4chte: Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien. Sie konkurrieren um Einfluss-Sph\u00e4ren, bedienen sich dabei verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Gruppen im Irak. Deswegen werden die Hashd nicht abziehen. Derzeit sind sie von der iranisch-irakischen Grenze im Osten \u00fcber Bagdad bis hoch zur irakisch-syrischen Grenze im Norden postiert. Einheiten Teherans k\u00f6nnten demnach auf dem Landweg vom Iran bis ans Mittelmeer durchmarschieren.<\/p>\n\n\n\n

Iran und Saudi-Arabien wollen Macht vergr\u00f6\u00dfern<\/h2>\n\n\n\n

Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n

In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n

Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3703,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:24:20","post_date_gmt":"2020-08-13 21:24:20","post_content":"\n

Deutschland str\u00e4ubt sich gegen die R\u00fcckkehr seiner eigenen Staatsb\u00fcrger, die zu IS-Terroristen wurden. Dabei hat die Bundesrepublik den Terror und die Terroristen einst exportiert. Und dies geschah wissentlich, sagt der Islamwissenschaftler Fabian Goldmann.<\/p>\n\n\n\n

Wann haben Sie sich eigentlich zuletzt von deutschen Terroristen distanziert? Zum Beispiel von Robert B.? Der Ex-Bundeswehrsoldat aus Solingen hat mutma\u00dflich bei einem Selbstmordattentat Anfang 2014 50 Menschen mit in den Tod gerissen. <\/p>\n\n\n\n

Oder von Yannik N.? Der junge Freiburger steuerte wahrscheinlich im Jahr 2015 einen mit anderthalb Tonnen Sprengstoff beladenen LKW in eine Menschenmenge und nahm so Dutzenden Personen das Leben.<\/p>\n\n\n\n

Oder von Yamin A.?. Im Sommer 2015 tauchte im Netz ein Video auf, das zeigte, wie der ehemalige Telekom-Azubi aus K\u00f6nigswinter zwei gefesselten Soldaten in den Kopf schoss.
Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Deutsche T\u00e4ter, aber kaum deutsche Opfer<\/h2>\n\n\n\n

Hauptsache nicht bei uns! Dies scheint auch dieser Tage wieder die Maxime zu sein, wenn Politiker und \u00d6ffentlichkeit \u00fcber den Umgang mit deutschen Terroristen diskutieren. Von potenziellen Bedrohungen und Anschlagsgefahren in Deutschland liest man dann. Vom ganz realen Terror, den Deutsche in den vergangenen Jahren \u00fcber die Menschen in Syrien und Irak gebracht haben, h\u00f6rt man hingegen kaum. Ein Terror, der kaum deutsche Opfer aber umso mehr deutsche T\u00e4ter kannte.<\/p>\n\n\n\n

1.050 \u2013 das ist laut Bundesinnenministerium die Anzahl der Dschihadisten, die in den letzten Jahren die Bundesrepublik in Richtung Nahost verlassen hat. Es f\u00e4llt schwer, sich umgekehrtes Szenario \u00fcberhaupt auszumalen. Was w\u00e4re wohl los, h\u00e4tte es nur ein Bruchteil arabischer Terroristen geschafft, bei uns Anschl\u00e4ge zu begehen? Europas \u201eMuslim Bann\u201c? \u00dcberwachungsstaat auf NSA-Niveau?<\/p>\n\n\n\n

Die CSU st\u00fcnde wom\u00f6glich am linken Ende des politischen Spektrums, und auf Twitter w\u00fcrde Trump deutsche Migrationspolitiker zur M\u00e4\u00dfigung aufrufen. Der deutsche Terror in Nahost kommt hingegen seit Jahren ganz ohne Sondersendungen, politische Debatten und Distanzierungsforderungen aus. <\/p>\n\n\n\n

Deutsche K\u00e4mpfer waren nicht nur willenloses Kanonenfutter<\/h2>\n\n\n\n

An fehlendem Wissen liegt das nicht. Von ganzen Einheiten des IS, in denen kein einziger K\u00e4mpfer Arabisch spreche, berichten syrische, irakische und kurdische Soldaten schon seit Jahren. Von Aleppo \u00fcber Raqqa bis Mossul haben Aktivisten und Politiker immer wieder darauf hingewiesen, dass viele der schlimmsten M\u00f6rder in den Reihen des IS Europ\u00e4er sind. Interessiert hat das hier kaum jemand.<\/p>\n\n\n\n

Dabei dienten Deutsche dem Islamischen Staats nicht nur als willenloses Kanonenfutter, wie es oft dargestellt wird. Viele haben seinen Terror mitgepr\u00e4gt. Wie Martin L., der derzeit in kurdischer Haft sitzt. Der Schwei\u00dfer aus Sachsen-Anhalt soll sich vom Folterknecht bis zum Geheimdienstler mit Kontakten bis in die F\u00fchrungsspitze der Terrororganisation hochgearbeitet haben.<\/p>\n\n\n\n

Oder Reda S., Der Prediger aus Berlin-Charlottenburg soll dem IS in Mossul als Bildungsminister gedient haben. Oder der Berliner Ex-Rapper Denis Cuspert, der zu den wichtigsten Personen in der IS-Medienorganisation Al-Hayat geh\u00f6rte. Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Beh\u00f6rden wussten gut Bescheid<\/h2>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich entstand der Islamische Staat nicht in deutschen Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen. Zur deutschen Verantwortung geh\u00f6rt aber auch, dass Politiker und Beh\u00f6rden lange wegschauten, solang nur die T\u00e4ter, aber nicht die Opfer Deutsche waren. Beh\u00f6rden wissen und wussten erschreckend gut Bescheid \u00fcber die Radikalisierung deutscher Islamisten. Ein Gro\u00dfteil der sp\u00e4teren IS-K\u00e4mpfer war polizeibekannt, stand auf Gef\u00e4hrderlisten oder hatte wegen islamistischer Straftaten bereits Haftstrafen verb\u00fc\u00dft. An der Ausreise gehindert wurden sie oftmals dennoch nicht. Die Gefahr, die von deutschen Terroristen ausgeht, interessierte Politik und \u00d6ffentlichkeit erst dann wieder, als ihre Einreise drohte.<\/p>\n\n\n\n

\"Fabian
Fabian Goldmann<\/strong> ist Journalist und Islamwissenschaftler. F\u00fcr verschiedene Magazine und Zeitungen berichtete er viele Jahre aus Nahost. Zurzeit widmet er sich vor allem dem Islam diesseits des Bosporus. Auf seinem Blog Schantall und die Scharia<\/a> bloggt er \u00fcber Islamophobie in Deutschland.<\/p>\n","post_title":"Es sind unsere Terroristen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"es-sind-unsere-terroristen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3703","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3700,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:19:36","post_date_gmt":"2020-08-13 21:19:36","post_content":"\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda? Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda t<\/p>\n\n\n\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda tritt an die Stelle der 2010 verabschiedeten Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014 (siehe IP\/10\/1535<\/a>). In der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda f\u00fcr den Zeitraum 2015-2020 skizziert die Europ\u00e4ische Kommission die Strategie der Union zur Bew\u00e4ltigung der Sicherheitsbedrohungen in der EU.<\/p>\n\n\n\n

Die EU und ihre Mitgliedstaaten sind mit betr\u00e4chtlichen Sicherheitsproblemen konfrontiert. Terrorismus, organisierte Kriminalit\u00e4t und Cyberkriminalit\u00e4t stellen eine zunehmende Gefahr f\u00fcr die europ\u00e4ische Gesellschaft dar, wobei sich Art und Ausma\u00df dieser Gefahr ver\u00e4ndert hat. Europa ist mit den Auswirkungen der politischen Instabilit\u00e4t in seiner unmittelbaren Nachbarschaft konfrontiert, die die Sicherheitsinteressen der EU gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n

Im Zuge der Krisen und Konflikte in Syrien, Irak und Libyen haben sich europ\u00e4ische B\u00fcrger terroristischen Gruppen angeschlossen, die bei ihrer R\u00fcckkehr eine erhebliche Bedrohung darstellen k\u00f6nnen. Die j\u00fcngsten terroristischen Anschl\u00e4ge in Europa zeugen von der zunehmenden Bedrohung durch einen gewaltt\u00e4tigen Extremismus und zeigen, in welchem Ausma\u00df weltweite Konflikte zur Radikalisierung der europ\u00e4ischen B\u00fcrger beitragen.<\/p>\n\n\n\n

Das Online-Umfeld hat sich zunehmend als Ziel f\u00fcr Kriminelle und Terroristen entwickelt. Unabh\u00e4ngig davon, ob es um die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und die Anwerbung von Menschen f\u00fcr terroristische Organisationen geht oder die Verbreitung von Hass oder einen Angriff auf die europ\u00e4ischen Werte und Institutionen, fest steht, dass wir unsere Reaktion auf diese Bedrohungen unbedingt abstimmen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Welcher Mehrwert entsteht durch die EU im Bereich der inneren Sicherheit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Gew\u00e4hrleistung der inneren Sicherheit f\u00e4llt weiterhin in erster Linie in die Zust\u00e4ndigkeit der Mitgliedstaaten. Allerdings werden die Bedrohungen f\u00fcr Europas B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger immer vielf\u00e4ltiger und betreffen in zunehmendem Ma\u00dfe mehrere Mitgliedstaaten. Einzelne Mitgliedstaaten haben die Verantwortung, die Sicherheit an den Au\u00dfengrenzen zu gew\u00e4hrleisten, sind aber nicht mehr in der Lage, diese Herausforderungen allein zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n

Kriminelle und terroristische Aktivit\u00e4ten machen nicht an den Grenzen der EU halt und beschr\u00e4nken sich auch nicht auf Nachbarregionen. Die innere Sicherheit der EU und die globale Sicherheit sind voneinander abh\u00e4ngig und miteinander verkn\u00fcpft. Die Sicherheit der Union h\u00e4ngt in hohem Ma\u00dfe von der Zusammenarbeit mit ihren internationalen Partnern und ihren Nachbarl\u00e4ndern ab.<\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t und des Terrorismus ist eine gemeinsame europ\u00e4ische Aufgabe. Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda sollte von den Mitgliedstaaten und den EU-Organen gemeinsam als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und gemeinsame Ma\u00dfnahmen der Union genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n

Mit Hilfe der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda werden die Polizei- und Strafverfolgungsdienste in verschiedenen Mitgliedstaaten Daten effektiver austauschen und bei der Bek\u00e4mpfung der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t besser zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Die Mitgliedstaaten k\u00f6nnen auf die Unterst\u00fctzung durch die Agenturen der EU z\u00e4hlen. Insbesondere in folgenden Punkten l\u00e4sst sich mit Hilfe der Sicherheitsagenda ein EU-Mehrwert erzielen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n

A) Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und den EU-Agenturen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1<\/strong>: Das Schengener Informationssystem<\/strong> (SIS) wird von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Abfrage von Ausschreibungen von gesuchten oder vermissten Personen und Gegenst\u00e4nden genutzt. Die Kommission wird an der Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Ausschreibungskategorien arbeiten und sich daf\u00fcr einsetzen, dass das SIS zusammen mit der Interpol-Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD)<\/strong> umfassender genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Machtmonopol m\u00fcsste von Milizen zum Staat gehen<\/h2>\n\n\n\n

Die Realit\u00e4t sieht anders aus: Ein Staat Kurdistan, der neue Optionen m\u00f6glich gemacht h\u00e4tte, auch von den Minderheiten gew\u00fcnscht worden war, ist nicht entstanden. Bagdad aber ist fern, der Zentralstaat kaum existent, und wenn, dann ist er schiitisch dominiert. Es sind Milizen, die im Nord-Irak das Geschehen bestimmen, darum rivalisieren, das Machtvakuum zu f\u00fcllen, das durch die Vertreibung des \u201eIS\u201c entstanden ist. Einst im Kampf gegen die Terroristen geeint, sind die Milizen einander heute feind.<\/p>\n\n\n\n

Allen voran die \u201eHashd ash-Shaabi\u201c, schiitisch-irakische Milizen, deren Ausbilder und Kommandeure h\u00e4ufig Iraner sind. Bagdad hat die Haschd als regul\u00e4re Kraft im Kampf gegen den \u201eIS\u201c anerkannt \u2013 obwohl Menschenrechts-Organisationen schwere Vorw\u00fcrfe gegen sie erheben. Fest steht: Die schiitischen Milizen halten D\u00f6rfer besetzt, sind in Mosul f\u00fcr ihr herrisches Auftreten und ihre Willk\u00fcr bekannt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eTats\u00e4chlich sorgen die verschiedenen bewaffneten Gruppen daf\u00fcr, dass die Fl\u00fcchtlinge nicht zur\u00fcckkehren. Und weil sie nicht zur\u00fcckkehren, gibt es auch keinen Wiederaufbau. Die Menschen haben Angst vor den Milizen \u2013 auch davor, dass die einander bek\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die \u201eHashd\u201c m\u00fcssten mithin abziehen. Und mit ihnen die anderen Milizen. Das Machtmonopol m\u00fcsste an den Staat gehen. Doch der Irak ist auch Spielball der Regionalm\u00e4chte: Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien. Sie konkurrieren um Einfluss-Sph\u00e4ren, bedienen sich dabei verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Gruppen im Irak. Deswegen werden die Hashd nicht abziehen. Derzeit sind sie von der iranisch-irakischen Grenze im Osten \u00fcber Bagdad bis hoch zur irakisch-syrischen Grenze im Norden postiert. Einheiten Teherans k\u00f6nnten demnach auf dem Landweg vom Iran bis ans Mittelmeer durchmarschieren.<\/p>\n\n\n\n

Iran und Saudi-Arabien wollen Macht vergr\u00f6\u00dfern<\/h2>\n\n\n\n

Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n

In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n

Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3703,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:24:20","post_date_gmt":"2020-08-13 21:24:20","post_content":"\n

Deutschland str\u00e4ubt sich gegen die R\u00fcckkehr seiner eigenen Staatsb\u00fcrger, die zu IS-Terroristen wurden. Dabei hat die Bundesrepublik den Terror und die Terroristen einst exportiert. Und dies geschah wissentlich, sagt der Islamwissenschaftler Fabian Goldmann.<\/p>\n\n\n\n

Wann haben Sie sich eigentlich zuletzt von deutschen Terroristen distanziert? Zum Beispiel von Robert B.? Der Ex-Bundeswehrsoldat aus Solingen hat mutma\u00dflich bei einem Selbstmordattentat Anfang 2014 50 Menschen mit in den Tod gerissen. <\/p>\n\n\n\n

Oder von Yannik N.? Der junge Freiburger steuerte wahrscheinlich im Jahr 2015 einen mit anderthalb Tonnen Sprengstoff beladenen LKW in eine Menschenmenge und nahm so Dutzenden Personen das Leben.<\/p>\n\n\n\n

Oder von Yamin A.?. Im Sommer 2015 tauchte im Netz ein Video auf, das zeigte, wie der ehemalige Telekom-Azubi aus K\u00f6nigswinter zwei gefesselten Soldaten in den Kopf schoss.
Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Deutsche T\u00e4ter, aber kaum deutsche Opfer<\/h2>\n\n\n\n

Hauptsache nicht bei uns! Dies scheint auch dieser Tage wieder die Maxime zu sein, wenn Politiker und \u00d6ffentlichkeit \u00fcber den Umgang mit deutschen Terroristen diskutieren. Von potenziellen Bedrohungen und Anschlagsgefahren in Deutschland liest man dann. Vom ganz realen Terror, den Deutsche in den vergangenen Jahren \u00fcber die Menschen in Syrien und Irak gebracht haben, h\u00f6rt man hingegen kaum. Ein Terror, der kaum deutsche Opfer aber umso mehr deutsche T\u00e4ter kannte.<\/p>\n\n\n\n

1.050 \u2013 das ist laut Bundesinnenministerium die Anzahl der Dschihadisten, die in den letzten Jahren die Bundesrepublik in Richtung Nahost verlassen hat. Es f\u00e4llt schwer, sich umgekehrtes Szenario \u00fcberhaupt auszumalen. Was w\u00e4re wohl los, h\u00e4tte es nur ein Bruchteil arabischer Terroristen geschafft, bei uns Anschl\u00e4ge zu begehen? Europas \u201eMuslim Bann\u201c? \u00dcberwachungsstaat auf NSA-Niveau?<\/p>\n\n\n\n

Die CSU st\u00fcnde wom\u00f6glich am linken Ende des politischen Spektrums, und auf Twitter w\u00fcrde Trump deutsche Migrationspolitiker zur M\u00e4\u00dfigung aufrufen. Der deutsche Terror in Nahost kommt hingegen seit Jahren ganz ohne Sondersendungen, politische Debatten und Distanzierungsforderungen aus. <\/p>\n\n\n\n

Deutsche K\u00e4mpfer waren nicht nur willenloses Kanonenfutter<\/h2>\n\n\n\n

An fehlendem Wissen liegt das nicht. Von ganzen Einheiten des IS, in denen kein einziger K\u00e4mpfer Arabisch spreche, berichten syrische, irakische und kurdische Soldaten schon seit Jahren. Von Aleppo \u00fcber Raqqa bis Mossul haben Aktivisten und Politiker immer wieder darauf hingewiesen, dass viele der schlimmsten M\u00f6rder in den Reihen des IS Europ\u00e4er sind. Interessiert hat das hier kaum jemand.<\/p>\n\n\n\n

Dabei dienten Deutsche dem Islamischen Staats nicht nur als willenloses Kanonenfutter, wie es oft dargestellt wird. Viele haben seinen Terror mitgepr\u00e4gt. Wie Martin L., der derzeit in kurdischer Haft sitzt. Der Schwei\u00dfer aus Sachsen-Anhalt soll sich vom Folterknecht bis zum Geheimdienstler mit Kontakten bis in die F\u00fchrungsspitze der Terrororganisation hochgearbeitet haben.<\/p>\n\n\n\n

Oder Reda S., Der Prediger aus Berlin-Charlottenburg soll dem IS in Mossul als Bildungsminister gedient haben. Oder der Berliner Ex-Rapper Denis Cuspert, der zu den wichtigsten Personen in der IS-Medienorganisation Al-Hayat geh\u00f6rte. Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Beh\u00f6rden wussten gut Bescheid<\/h2>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich entstand der Islamische Staat nicht in deutschen Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen. Zur deutschen Verantwortung geh\u00f6rt aber auch, dass Politiker und Beh\u00f6rden lange wegschauten, solang nur die T\u00e4ter, aber nicht die Opfer Deutsche waren. Beh\u00f6rden wissen und wussten erschreckend gut Bescheid \u00fcber die Radikalisierung deutscher Islamisten. Ein Gro\u00dfteil der sp\u00e4teren IS-K\u00e4mpfer war polizeibekannt, stand auf Gef\u00e4hrderlisten oder hatte wegen islamistischer Straftaten bereits Haftstrafen verb\u00fc\u00dft. An der Ausreise gehindert wurden sie oftmals dennoch nicht. Die Gefahr, die von deutschen Terroristen ausgeht, interessierte Politik und \u00d6ffentlichkeit erst dann wieder, als ihre Einreise drohte.<\/p>\n\n\n\n

\"Fabian
Fabian Goldmann<\/strong> ist Journalist und Islamwissenschaftler. F\u00fcr verschiedene Magazine und Zeitungen berichtete er viele Jahre aus Nahost. Zurzeit widmet er sich vor allem dem Islam diesseits des Bosporus. Auf seinem Blog Schantall und die Scharia<\/a> bloggt er \u00fcber Islamophobie in Deutschland.<\/p>\n","post_title":"Es sind unsere Terroristen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"es-sind-unsere-terroristen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3703","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3700,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:19:36","post_date_gmt":"2020-08-13 21:19:36","post_content":"\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda? Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda t<\/p>\n\n\n\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda tritt an die Stelle der 2010 verabschiedeten Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014 (siehe IP\/10\/1535<\/a>). In der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda f\u00fcr den Zeitraum 2015-2020 skizziert die Europ\u00e4ische Kommission die Strategie der Union zur Bew\u00e4ltigung der Sicherheitsbedrohungen in der EU.<\/p>\n\n\n\n

Die EU und ihre Mitgliedstaaten sind mit betr\u00e4chtlichen Sicherheitsproblemen konfrontiert. Terrorismus, organisierte Kriminalit\u00e4t und Cyberkriminalit\u00e4t stellen eine zunehmende Gefahr f\u00fcr die europ\u00e4ische Gesellschaft dar, wobei sich Art und Ausma\u00df dieser Gefahr ver\u00e4ndert hat. Europa ist mit den Auswirkungen der politischen Instabilit\u00e4t in seiner unmittelbaren Nachbarschaft konfrontiert, die die Sicherheitsinteressen der EU gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n

Im Zuge der Krisen und Konflikte in Syrien, Irak und Libyen haben sich europ\u00e4ische B\u00fcrger terroristischen Gruppen angeschlossen, die bei ihrer R\u00fcckkehr eine erhebliche Bedrohung darstellen k\u00f6nnen. Die j\u00fcngsten terroristischen Anschl\u00e4ge in Europa zeugen von der zunehmenden Bedrohung durch einen gewaltt\u00e4tigen Extremismus und zeigen, in welchem Ausma\u00df weltweite Konflikte zur Radikalisierung der europ\u00e4ischen B\u00fcrger beitragen.<\/p>\n\n\n\n

Das Online-Umfeld hat sich zunehmend als Ziel f\u00fcr Kriminelle und Terroristen entwickelt. Unabh\u00e4ngig davon, ob es um die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und die Anwerbung von Menschen f\u00fcr terroristische Organisationen geht oder die Verbreitung von Hass oder einen Angriff auf die europ\u00e4ischen Werte und Institutionen, fest steht, dass wir unsere Reaktion auf diese Bedrohungen unbedingt abstimmen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Welcher Mehrwert entsteht durch die EU im Bereich der inneren Sicherheit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Gew\u00e4hrleistung der inneren Sicherheit f\u00e4llt weiterhin in erster Linie in die Zust\u00e4ndigkeit der Mitgliedstaaten. Allerdings werden die Bedrohungen f\u00fcr Europas B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger immer vielf\u00e4ltiger und betreffen in zunehmendem Ma\u00dfe mehrere Mitgliedstaaten. Einzelne Mitgliedstaaten haben die Verantwortung, die Sicherheit an den Au\u00dfengrenzen zu gew\u00e4hrleisten, sind aber nicht mehr in der Lage, diese Herausforderungen allein zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n

Kriminelle und terroristische Aktivit\u00e4ten machen nicht an den Grenzen der EU halt und beschr\u00e4nken sich auch nicht auf Nachbarregionen. Die innere Sicherheit der EU und die globale Sicherheit sind voneinander abh\u00e4ngig und miteinander verkn\u00fcpft. Die Sicherheit der Union h\u00e4ngt in hohem Ma\u00dfe von der Zusammenarbeit mit ihren internationalen Partnern und ihren Nachbarl\u00e4ndern ab.<\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t und des Terrorismus ist eine gemeinsame europ\u00e4ische Aufgabe. Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda sollte von den Mitgliedstaaten und den EU-Organen gemeinsam als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und gemeinsame Ma\u00dfnahmen der Union genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n

Mit Hilfe der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda werden die Polizei- und Strafverfolgungsdienste in verschiedenen Mitgliedstaaten Daten effektiver austauschen und bei der Bek\u00e4mpfung der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t besser zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Die Mitgliedstaaten k\u00f6nnen auf die Unterst\u00fctzung durch die Agenturen der EU z\u00e4hlen. Insbesondere in folgenden Punkten l\u00e4sst sich mit Hilfe der Sicherheitsagenda ein EU-Mehrwert erzielen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n

A) Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und den EU-Agenturen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1<\/strong>: Das Schengener Informationssystem<\/strong> (SIS) wird von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Abfrage von Ausschreibungen von gesuchten oder vermissten Personen und Gegenst\u00e4nden genutzt. Die Kommission wird an der Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Ausschreibungskategorien arbeiten und sich daf\u00fcr einsetzen, dass das SIS zusammen mit der Interpol-Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD)<\/strong> umfassender genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Wie also in Ruinen Neues schaffen? Der Staat muss das Gewaltmonopol zur\u00fcckerlangen, fordert der Politikwissenschaftler. F\u00fcr ihn steht das an erster Stelle. Und dann m\u00fcsse der Staat dringend einen Kurswechsel vornehmen: Er m\u00fcsse integrativ wirken, alle einbinden, auch die Araber, in Sicherheitskr\u00e4fte, Verwaltung und Politik.<\/p>\n\n\n\n

Machtmonopol m\u00fcsste von Milizen zum Staat gehen<\/h2>\n\n\n\n

Die Realit\u00e4t sieht anders aus: Ein Staat Kurdistan, der neue Optionen m\u00f6glich gemacht h\u00e4tte, auch von den Minderheiten gew\u00fcnscht worden war, ist nicht entstanden. Bagdad aber ist fern, der Zentralstaat kaum existent, und wenn, dann ist er schiitisch dominiert. Es sind Milizen, die im Nord-Irak das Geschehen bestimmen, darum rivalisieren, das Machtvakuum zu f\u00fcllen, das durch die Vertreibung des \u201eIS\u201c entstanden ist. Einst im Kampf gegen die Terroristen geeint, sind die Milizen einander heute feind.<\/p>\n\n\n\n

Allen voran die \u201eHashd ash-Shaabi\u201c, schiitisch-irakische Milizen, deren Ausbilder und Kommandeure h\u00e4ufig Iraner sind. Bagdad hat die Haschd als regul\u00e4re Kraft im Kampf gegen den \u201eIS\u201c anerkannt \u2013 obwohl Menschenrechts-Organisationen schwere Vorw\u00fcrfe gegen sie erheben. Fest steht: Die schiitischen Milizen halten D\u00f6rfer besetzt, sind in Mosul f\u00fcr ihr herrisches Auftreten und ihre Willk\u00fcr bekannt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eTats\u00e4chlich sorgen die verschiedenen bewaffneten Gruppen daf\u00fcr, dass die Fl\u00fcchtlinge nicht zur\u00fcckkehren. Und weil sie nicht zur\u00fcckkehren, gibt es auch keinen Wiederaufbau. Die Menschen haben Angst vor den Milizen \u2013 auch davor, dass die einander bek\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die \u201eHashd\u201c m\u00fcssten mithin abziehen. Und mit ihnen die anderen Milizen. Das Machtmonopol m\u00fcsste an den Staat gehen. Doch der Irak ist auch Spielball der Regionalm\u00e4chte: Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien. Sie konkurrieren um Einfluss-Sph\u00e4ren, bedienen sich dabei verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Gruppen im Irak. Deswegen werden die Hashd nicht abziehen. Derzeit sind sie von der iranisch-irakischen Grenze im Osten \u00fcber Bagdad bis hoch zur irakisch-syrischen Grenze im Norden postiert. Einheiten Teherans k\u00f6nnten demnach auf dem Landweg vom Iran bis ans Mittelmeer durchmarschieren.<\/p>\n\n\n\n

Iran und Saudi-Arabien wollen Macht vergr\u00f6\u00dfern<\/h2>\n\n\n\n

Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n

In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n

Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3703,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:24:20","post_date_gmt":"2020-08-13 21:24:20","post_content":"\n

Deutschland str\u00e4ubt sich gegen die R\u00fcckkehr seiner eigenen Staatsb\u00fcrger, die zu IS-Terroristen wurden. Dabei hat die Bundesrepublik den Terror und die Terroristen einst exportiert. Und dies geschah wissentlich, sagt der Islamwissenschaftler Fabian Goldmann.<\/p>\n\n\n\n

Wann haben Sie sich eigentlich zuletzt von deutschen Terroristen distanziert? Zum Beispiel von Robert B.? Der Ex-Bundeswehrsoldat aus Solingen hat mutma\u00dflich bei einem Selbstmordattentat Anfang 2014 50 Menschen mit in den Tod gerissen. <\/p>\n\n\n\n

Oder von Yannik N.? Der junge Freiburger steuerte wahrscheinlich im Jahr 2015 einen mit anderthalb Tonnen Sprengstoff beladenen LKW in eine Menschenmenge und nahm so Dutzenden Personen das Leben.<\/p>\n\n\n\n

Oder von Yamin A.?. Im Sommer 2015 tauchte im Netz ein Video auf, das zeigte, wie der ehemalige Telekom-Azubi aus K\u00f6nigswinter zwei gefesselten Soldaten in den Kopf schoss.
Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Deutsche T\u00e4ter, aber kaum deutsche Opfer<\/h2>\n\n\n\n

Hauptsache nicht bei uns! Dies scheint auch dieser Tage wieder die Maxime zu sein, wenn Politiker und \u00d6ffentlichkeit \u00fcber den Umgang mit deutschen Terroristen diskutieren. Von potenziellen Bedrohungen und Anschlagsgefahren in Deutschland liest man dann. Vom ganz realen Terror, den Deutsche in den vergangenen Jahren \u00fcber die Menschen in Syrien und Irak gebracht haben, h\u00f6rt man hingegen kaum. Ein Terror, der kaum deutsche Opfer aber umso mehr deutsche T\u00e4ter kannte.<\/p>\n\n\n\n

1.050 \u2013 das ist laut Bundesinnenministerium die Anzahl der Dschihadisten, die in den letzten Jahren die Bundesrepublik in Richtung Nahost verlassen hat. Es f\u00e4llt schwer, sich umgekehrtes Szenario \u00fcberhaupt auszumalen. Was w\u00e4re wohl los, h\u00e4tte es nur ein Bruchteil arabischer Terroristen geschafft, bei uns Anschl\u00e4ge zu begehen? Europas \u201eMuslim Bann\u201c? \u00dcberwachungsstaat auf NSA-Niveau?<\/p>\n\n\n\n

Die CSU st\u00fcnde wom\u00f6glich am linken Ende des politischen Spektrums, und auf Twitter w\u00fcrde Trump deutsche Migrationspolitiker zur M\u00e4\u00dfigung aufrufen. Der deutsche Terror in Nahost kommt hingegen seit Jahren ganz ohne Sondersendungen, politische Debatten und Distanzierungsforderungen aus. <\/p>\n\n\n\n

Deutsche K\u00e4mpfer waren nicht nur willenloses Kanonenfutter<\/h2>\n\n\n\n

An fehlendem Wissen liegt das nicht. Von ganzen Einheiten des IS, in denen kein einziger K\u00e4mpfer Arabisch spreche, berichten syrische, irakische und kurdische Soldaten schon seit Jahren. Von Aleppo \u00fcber Raqqa bis Mossul haben Aktivisten und Politiker immer wieder darauf hingewiesen, dass viele der schlimmsten M\u00f6rder in den Reihen des IS Europ\u00e4er sind. Interessiert hat das hier kaum jemand.<\/p>\n\n\n\n

Dabei dienten Deutsche dem Islamischen Staats nicht nur als willenloses Kanonenfutter, wie es oft dargestellt wird. Viele haben seinen Terror mitgepr\u00e4gt. Wie Martin L., der derzeit in kurdischer Haft sitzt. Der Schwei\u00dfer aus Sachsen-Anhalt soll sich vom Folterknecht bis zum Geheimdienstler mit Kontakten bis in die F\u00fchrungsspitze der Terrororganisation hochgearbeitet haben.<\/p>\n\n\n\n

Oder Reda S., Der Prediger aus Berlin-Charlottenburg soll dem IS in Mossul als Bildungsminister gedient haben. Oder der Berliner Ex-Rapper Denis Cuspert, der zu den wichtigsten Personen in der IS-Medienorganisation Al-Hayat geh\u00f6rte. Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Beh\u00f6rden wussten gut Bescheid<\/h2>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich entstand der Islamische Staat nicht in deutschen Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen. Zur deutschen Verantwortung geh\u00f6rt aber auch, dass Politiker und Beh\u00f6rden lange wegschauten, solang nur die T\u00e4ter, aber nicht die Opfer Deutsche waren. Beh\u00f6rden wissen und wussten erschreckend gut Bescheid \u00fcber die Radikalisierung deutscher Islamisten. Ein Gro\u00dfteil der sp\u00e4teren IS-K\u00e4mpfer war polizeibekannt, stand auf Gef\u00e4hrderlisten oder hatte wegen islamistischer Straftaten bereits Haftstrafen verb\u00fc\u00dft. An der Ausreise gehindert wurden sie oftmals dennoch nicht. Die Gefahr, die von deutschen Terroristen ausgeht, interessierte Politik und \u00d6ffentlichkeit erst dann wieder, als ihre Einreise drohte.<\/p>\n\n\n\n

\"Fabian
Fabian Goldmann<\/strong> ist Journalist und Islamwissenschaftler. F\u00fcr verschiedene Magazine und Zeitungen berichtete er viele Jahre aus Nahost. Zurzeit widmet er sich vor allem dem Islam diesseits des Bosporus. Auf seinem Blog Schantall und die Scharia<\/a> bloggt er \u00fcber Islamophobie in Deutschland.<\/p>\n","post_title":"Es sind unsere Terroristen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"es-sind-unsere-terroristen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3703","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3700,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:19:36","post_date_gmt":"2020-08-13 21:19:36","post_content":"\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda? Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda t<\/p>\n\n\n\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda tritt an die Stelle der 2010 verabschiedeten Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014 (siehe IP\/10\/1535<\/a>). In der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda f\u00fcr den Zeitraum 2015-2020 skizziert die Europ\u00e4ische Kommission die Strategie der Union zur Bew\u00e4ltigung der Sicherheitsbedrohungen in der EU.<\/p>\n\n\n\n

Die EU und ihre Mitgliedstaaten sind mit betr\u00e4chtlichen Sicherheitsproblemen konfrontiert. Terrorismus, organisierte Kriminalit\u00e4t und Cyberkriminalit\u00e4t stellen eine zunehmende Gefahr f\u00fcr die europ\u00e4ische Gesellschaft dar, wobei sich Art und Ausma\u00df dieser Gefahr ver\u00e4ndert hat. Europa ist mit den Auswirkungen der politischen Instabilit\u00e4t in seiner unmittelbaren Nachbarschaft konfrontiert, die die Sicherheitsinteressen der EU gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n

Im Zuge der Krisen und Konflikte in Syrien, Irak und Libyen haben sich europ\u00e4ische B\u00fcrger terroristischen Gruppen angeschlossen, die bei ihrer R\u00fcckkehr eine erhebliche Bedrohung darstellen k\u00f6nnen. Die j\u00fcngsten terroristischen Anschl\u00e4ge in Europa zeugen von der zunehmenden Bedrohung durch einen gewaltt\u00e4tigen Extremismus und zeigen, in welchem Ausma\u00df weltweite Konflikte zur Radikalisierung der europ\u00e4ischen B\u00fcrger beitragen.<\/p>\n\n\n\n

Das Online-Umfeld hat sich zunehmend als Ziel f\u00fcr Kriminelle und Terroristen entwickelt. Unabh\u00e4ngig davon, ob es um die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und die Anwerbung von Menschen f\u00fcr terroristische Organisationen geht oder die Verbreitung von Hass oder einen Angriff auf die europ\u00e4ischen Werte und Institutionen, fest steht, dass wir unsere Reaktion auf diese Bedrohungen unbedingt abstimmen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Welcher Mehrwert entsteht durch die EU im Bereich der inneren Sicherheit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Gew\u00e4hrleistung der inneren Sicherheit f\u00e4llt weiterhin in erster Linie in die Zust\u00e4ndigkeit der Mitgliedstaaten. Allerdings werden die Bedrohungen f\u00fcr Europas B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger immer vielf\u00e4ltiger und betreffen in zunehmendem Ma\u00dfe mehrere Mitgliedstaaten. Einzelne Mitgliedstaaten haben die Verantwortung, die Sicherheit an den Au\u00dfengrenzen zu gew\u00e4hrleisten, sind aber nicht mehr in der Lage, diese Herausforderungen allein zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n

Kriminelle und terroristische Aktivit\u00e4ten machen nicht an den Grenzen der EU halt und beschr\u00e4nken sich auch nicht auf Nachbarregionen. Die innere Sicherheit der EU und die globale Sicherheit sind voneinander abh\u00e4ngig und miteinander verkn\u00fcpft. Die Sicherheit der Union h\u00e4ngt in hohem Ma\u00dfe von der Zusammenarbeit mit ihren internationalen Partnern und ihren Nachbarl\u00e4ndern ab.<\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t und des Terrorismus ist eine gemeinsame europ\u00e4ische Aufgabe. Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda sollte von den Mitgliedstaaten und den EU-Organen gemeinsam als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und gemeinsame Ma\u00dfnahmen der Union genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n

Mit Hilfe der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda werden die Polizei- und Strafverfolgungsdienste in verschiedenen Mitgliedstaaten Daten effektiver austauschen und bei der Bek\u00e4mpfung der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t besser zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Die Mitgliedstaaten k\u00f6nnen auf die Unterst\u00fctzung durch die Agenturen der EU z\u00e4hlen. Insbesondere in folgenden Punkten l\u00e4sst sich mit Hilfe der Sicherheitsagenda ein EU-Mehrwert erzielen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n

A) Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und den EU-Agenturen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1<\/strong>: Das Schengener Informationssystem<\/strong> (SIS) wird von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Abfrage von Ausschreibungen von gesuchten oder vermissten Personen und Gegenst\u00e4nden genutzt. Die Kommission wird an der Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Ausschreibungskategorien arbeiten und sich daf\u00fcr einsetzen, dass das SIS zusammen mit der Interpol-Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD)<\/strong> umfassender genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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\u201eIch denke, es w\u00e4re nicht einfach, in das Jahr 2014 \u2013 also in die Zeit vor dem \u201aIS\u2018 \u2013 zur\u00fcckzukehren. Vor allem aber w\u00e4re es nicht die richtige Politik. Denn eben die hat ja erst zum Aufkommen, zur Existenz des \u201aIS\u2018 gef\u00fchrt.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n


Wie also in Ruinen Neues schaffen? Der Staat muss das Gewaltmonopol zur\u00fcckerlangen, fordert der Politikwissenschaftler. F\u00fcr ihn steht das an erster Stelle. Und dann m\u00fcsse der Staat dringend einen Kurswechsel vornehmen: Er m\u00fcsse integrativ wirken, alle einbinden, auch die Araber, in Sicherheitskr\u00e4fte, Verwaltung und Politik.<\/p>\n\n\n\n

Machtmonopol m\u00fcsste von Milizen zum Staat gehen<\/h2>\n\n\n\n

Die Realit\u00e4t sieht anders aus: Ein Staat Kurdistan, der neue Optionen m\u00f6glich gemacht h\u00e4tte, auch von den Minderheiten gew\u00fcnscht worden war, ist nicht entstanden. Bagdad aber ist fern, der Zentralstaat kaum existent, und wenn, dann ist er schiitisch dominiert. Es sind Milizen, die im Nord-Irak das Geschehen bestimmen, darum rivalisieren, das Machtvakuum zu f\u00fcllen, das durch die Vertreibung des \u201eIS\u201c entstanden ist. Einst im Kampf gegen die Terroristen geeint, sind die Milizen einander heute feind.<\/p>\n\n\n\n

Allen voran die \u201eHashd ash-Shaabi\u201c, schiitisch-irakische Milizen, deren Ausbilder und Kommandeure h\u00e4ufig Iraner sind. Bagdad hat die Haschd als regul\u00e4re Kraft im Kampf gegen den \u201eIS\u201c anerkannt \u2013 obwohl Menschenrechts-Organisationen schwere Vorw\u00fcrfe gegen sie erheben. Fest steht: Die schiitischen Milizen halten D\u00f6rfer besetzt, sind in Mosul f\u00fcr ihr herrisches Auftreten und ihre Willk\u00fcr bekannt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eTats\u00e4chlich sorgen die verschiedenen bewaffneten Gruppen daf\u00fcr, dass die Fl\u00fcchtlinge nicht zur\u00fcckkehren. Und weil sie nicht zur\u00fcckkehren, gibt es auch keinen Wiederaufbau. Die Menschen haben Angst vor den Milizen \u2013 auch davor, dass die einander bek\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die \u201eHashd\u201c m\u00fcssten mithin abziehen. Und mit ihnen die anderen Milizen. Das Machtmonopol m\u00fcsste an den Staat gehen. Doch der Irak ist auch Spielball der Regionalm\u00e4chte: Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien. Sie konkurrieren um Einfluss-Sph\u00e4ren, bedienen sich dabei verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Gruppen im Irak. Deswegen werden die Hashd nicht abziehen. Derzeit sind sie von der iranisch-irakischen Grenze im Osten \u00fcber Bagdad bis hoch zur irakisch-syrischen Grenze im Norden postiert. Einheiten Teherans k\u00f6nnten demnach auf dem Landweg vom Iran bis ans Mittelmeer durchmarschieren.<\/p>\n\n\n\n

Iran und Saudi-Arabien wollen Macht vergr\u00f6\u00dfern<\/h2>\n\n\n\n

Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n

In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n

Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3703,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:24:20","post_date_gmt":"2020-08-13 21:24:20","post_content":"\n

Deutschland str\u00e4ubt sich gegen die R\u00fcckkehr seiner eigenen Staatsb\u00fcrger, die zu IS-Terroristen wurden. Dabei hat die Bundesrepublik den Terror und die Terroristen einst exportiert. Und dies geschah wissentlich, sagt der Islamwissenschaftler Fabian Goldmann.<\/p>\n\n\n\n

Wann haben Sie sich eigentlich zuletzt von deutschen Terroristen distanziert? Zum Beispiel von Robert B.? Der Ex-Bundeswehrsoldat aus Solingen hat mutma\u00dflich bei einem Selbstmordattentat Anfang 2014 50 Menschen mit in den Tod gerissen. <\/p>\n\n\n\n

Oder von Yannik N.? Der junge Freiburger steuerte wahrscheinlich im Jahr 2015 einen mit anderthalb Tonnen Sprengstoff beladenen LKW in eine Menschenmenge und nahm so Dutzenden Personen das Leben.<\/p>\n\n\n\n

Oder von Yamin A.?. Im Sommer 2015 tauchte im Netz ein Video auf, das zeigte, wie der ehemalige Telekom-Azubi aus K\u00f6nigswinter zwei gefesselten Soldaten in den Kopf schoss.
Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Deutsche T\u00e4ter, aber kaum deutsche Opfer<\/h2>\n\n\n\n

Hauptsache nicht bei uns! Dies scheint auch dieser Tage wieder die Maxime zu sein, wenn Politiker und \u00d6ffentlichkeit \u00fcber den Umgang mit deutschen Terroristen diskutieren. Von potenziellen Bedrohungen und Anschlagsgefahren in Deutschland liest man dann. Vom ganz realen Terror, den Deutsche in den vergangenen Jahren \u00fcber die Menschen in Syrien und Irak gebracht haben, h\u00f6rt man hingegen kaum. Ein Terror, der kaum deutsche Opfer aber umso mehr deutsche T\u00e4ter kannte.<\/p>\n\n\n\n

1.050 \u2013 das ist laut Bundesinnenministerium die Anzahl der Dschihadisten, die in den letzten Jahren die Bundesrepublik in Richtung Nahost verlassen hat. Es f\u00e4llt schwer, sich umgekehrtes Szenario \u00fcberhaupt auszumalen. Was w\u00e4re wohl los, h\u00e4tte es nur ein Bruchteil arabischer Terroristen geschafft, bei uns Anschl\u00e4ge zu begehen? Europas \u201eMuslim Bann\u201c? \u00dcberwachungsstaat auf NSA-Niveau?<\/p>\n\n\n\n

Die CSU st\u00fcnde wom\u00f6glich am linken Ende des politischen Spektrums, und auf Twitter w\u00fcrde Trump deutsche Migrationspolitiker zur M\u00e4\u00dfigung aufrufen. Der deutsche Terror in Nahost kommt hingegen seit Jahren ganz ohne Sondersendungen, politische Debatten und Distanzierungsforderungen aus. <\/p>\n\n\n\n

Deutsche K\u00e4mpfer waren nicht nur willenloses Kanonenfutter<\/h2>\n\n\n\n

An fehlendem Wissen liegt das nicht. Von ganzen Einheiten des IS, in denen kein einziger K\u00e4mpfer Arabisch spreche, berichten syrische, irakische und kurdische Soldaten schon seit Jahren. Von Aleppo \u00fcber Raqqa bis Mossul haben Aktivisten und Politiker immer wieder darauf hingewiesen, dass viele der schlimmsten M\u00f6rder in den Reihen des IS Europ\u00e4er sind. Interessiert hat das hier kaum jemand.<\/p>\n\n\n\n

Dabei dienten Deutsche dem Islamischen Staats nicht nur als willenloses Kanonenfutter, wie es oft dargestellt wird. Viele haben seinen Terror mitgepr\u00e4gt. Wie Martin L., der derzeit in kurdischer Haft sitzt. Der Schwei\u00dfer aus Sachsen-Anhalt soll sich vom Folterknecht bis zum Geheimdienstler mit Kontakten bis in die F\u00fchrungsspitze der Terrororganisation hochgearbeitet haben.<\/p>\n\n\n\n

Oder Reda S., Der Prediger aus Berlin-Charlottenburg soll dem IS in Mossul als Bildungsminister gedient haben. Oder der Berliner Ex-Rapper Denis Cuspert, der zu den wichtigsten Personen in der IS-Medienorganisation Al-Hayat geh\u00f6rte. Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Beh\u00f6rden wussten gut Bescheid<\/h2>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich entstand der Islamische Staat nicht in deutschen Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen. Zur deutschen Verantwortung geh\u00f6rt aber auch, dass Politiker und Beh\u00f6rden lange wegschauten, solang nur die T\u00e4ter, aber nicht die Opfer Deutsche waren. Beh\u00f6rden wissen und wussten erschreckend gut Bescheid \u00fcber die Radikalisierung deutscher Islamisten. Ein Gro\u00dfteil der sp\u00e4teren IS-K\u00e4mpfer war polizeibekannt, stand auf Gef\u00e4hrderlisten oder hatte wegen islamistischer Straftaten bereits Haftstrafen verb\u00fc\u00dft. An der Ausreise gehindert wurden sie oftmals dennoch nicht. Die Gefahr, die von deutschen Terroristen ausgeht, interessierte Politik und \u00d6ffentlichkeit erst dann wieder, als ihre Einreise drohte.<\/p>\n\n\n\n

\"Fabian
Fabian Goldmann<\/strong> ist Journalist und Islamwissenschaftler. F\u00fcr verschiedene Magazine und Zeitungen berichtete er viele Jahre aus Nahost. Zurzeit widmet er sich vor allem dem Islam diesseits des Bosporus. Auf seinem Blog Schantall und die Scharia<\/a> bloggt er \u00fcber Islamophobie in Deutschland.<\/p>\n","post_title":"Es sind unsere Terroristen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"es-sind-unsere-terroristen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3703","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3700,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:19:36","post_date_gmt":"2020-08-13 21:19:36","post_content":"\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda? Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda t<\/p>\n\n\n\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda tritt an die Stelle der 2010 verabschiedeten Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014 (siehe IP\/10\/1535<\/a>). In der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda f\u00fcr den Zeitraum 2015-2020 skizziert die Europ\u00e4ische Kommission die Strategie der Union zur Bew\u00e4ltigung der Sicherheitsbedrohungen in der EU.<\/p>\n\n\n\n

Die EU und ihre Mitgliedstaaten sind mit betr\u00e4chtlichen Sicherheitsproblemen konfrontiert. Terrorismus, organisierte Kriminalit\u00e4t und Cyberkriminalit\u00e4t stellen eine zunehmende Gefahr f\u00fcr die europ\u00e4ische Gesellschaft dar, wobei sich Art und Ausma\u00df dieser Gefahr ver\u00e4ndert hat. Europa ist mit den Auswirkungen der politischen Instabilit\u00e4t in seiner unmittelbaren Nachbarschaft konfrontiert, die die Sicherheitsinteressen der EU gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n

Im Zuge der Krisen und Konflikte in Syrien, Irak und Libyen haben sich europ\u00e4ische B\u00fcrger terroristischen Gruppen angeschlossen, die bei ihrer R\u00fcckkehr eine erhebliche Bedrohung darstellen k\u00f6nnen. Die j\u00fcngsten terroristischen Anschl\u00e4ge in Europa zeugen von der zunehmenden Bedrohung durch einen gewaltt\u00e4tigen Extremismus und zeigen, in welchem Ausma\u00df weltweite Konflikte zur Radikalisierung der europ\u00e4ischen B\u00fcrger beitragen.<\/p>\n\n\n\n

Das Online-Umfeld hat sich zunehmend als Ziel f\u00fcr Kriminelle und Terroristen entwickelt. Unabh\u00e4ngig davon, ob es um die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und die Anwerbung von Menschen f\u00fcr terroristische Organisationen geht oder die Verbreitung von Hass oder einen Angriff auf die europ\u00e4ischen Werte und Institutionen, fest steht, dass wir unsere Reaktion auf diese Bedrohungen unbedingt abstimmen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Welcher Mehrwert entsteht durch die EU im Bereich der inneren Sicherheit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Gew\u00e4hrleistung der inneren Sicherheit f\u00e4llt weiterhin in erster Linie in die Zust\u00e4ndigkeit der Mitgliedstaaten. Allerdings werden die Bedrohungen f\u00fcr Europas B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger immer vielf\u00e4ltiger und betreffen in zunehmendem Ma\u00dfe mehrere Mitgliedstaaten. Einzelne Mitgliedstaaten haben die Verantwortung, die Sicherheit an den Au\u00dfengrenzen zu gew\u00e4hrleisten, sind aber nicht mehr in der Lage, diese Herausforderungen allein zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n

Kriminelle und terroristische Aktivit\u00e4ten machen nicht an den Grenzen der EU halt und beschr\u00e4nken sich auch nicht auf Nachbarregionen. Die innere Sicherheit der EU und die globale Sicherheit sind voneinander abh\u00e4ngig und miteinander verkn\u00fcpft. Die Sicherheit der Union h\u00e4ngt in hohem Ma\u00dfe von der Zusammenarbeit mit ihren internationalen Partnern und ihren Nachbarl\u00e4ndern ab.<\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t und des Terrorismus ist eine gemeinsame europ\u00e4ische Aufgabe. Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda sollte von den Mitgliedstaaten und den EU-Organen gemeinsam als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und gemeinsame Ma\u00dfnahmen der Union genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n

Mit Hilfe der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda werden die Polizei- und Strafverfolgungsdienste in verschiedenen Mitgliedstaaten Daten effektiver austauschen und bei der Bek\u00e4mpfung der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t besser zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Die Mitgliedstaaten k\u00f6nnen auf die Unterst\u00fctzung durch die Agenturen der EU z\u00e4hlen. Insbesondere in folgenden Punkten l\u00e4sst sich mit Hilfe der Sicherheitsagenda ein EU-Mehrwert erzielen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n

A) Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und den EU-Agenturen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1<\/strong>: Das Schengener Informationssystem<\/strong> (SIS) wird von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Abfrage von Ausschreibungen von gesuchten oder vermissten Personen und Gegenst\u00e4nden genutzt. Die Kommission wird an der Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Ausschreibungskategorien arbeiten und sich daf\u00fcr einsetzen, dass das SIS zusammen mit der Interpol-Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD)<\/strong> umfassender genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Kamaran Palani stammt aus der Stadt Makhmour. Drei Tage nur sei der \u201eIS\u201c dort gewesen, sagt er, doch diese Tage h\u00e4tten alles ver\u00e4ndert. Der \u201eIS\u201c habe die Menschen in seiner Heimatstadt verrohen lassen, meint er, das Verh\u00e4ltnis zwischen Kurden und Arabern sei heute tot. Eine R\u00fcckkehr in alte Zeiten h\u00e4lt Palani f\u00fcr falsch.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch denke, es w\u00e4re nicht einfach, in das Jahr 2014 \u2013 also in die Zeit vor dem \u201aIS\u2018 \u2013 zur\u00fcckzukehren. Vor allem aber w\u00e4re es nicht die richtige Politik. Denn eben die hat ja erst zum Aufkommen, zur Existenz des \u201aIS\u2018 gef\u00fchrt.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n


Wie also in Ruinen Neues schaffen? Der Staat muss das Gewaltmonopol zur\u00fcckerlangen, fordert der Politikwissenschaftler. F\u00fcr ihn steht das an erster Stelle. Und dann m\u00fcsse der Staat dringend einen Kurswechsel vornehmen: Er m\u00fcsse integrativ wirken, alle einbinden, auch die Araber, in Sicherheitskr\u00e4fte, Verwaltung und Politik.<\/p>\n\n\n\n

Machtmonopol m\u00fcsste von Milizen zum Staat gehen<\/h2>\n\n\n\n

Die Realit\u00e4t sieht anders aus: Ein Staat Kurdistan, der neue Optionen m\u00f6glich gemacht h\u00e4tte, auch von den Minderheiten gew\u00fcnscht worden war, ist nicht entstanden. Bagdad aber ist fern, der Zentralstaat kaum existent, und wenn, dann ist er schiitisch dominiert. Es sind Milizen, die im Nord-Irak das Geschehen bestimmen, darum rivalisieren, das Machtvakuum zu f\u00fcllen, das durch die Vertreibung des \u201eIS\u201c entstanden ist. Einst im Kampf gegen die Terroristen geeint, sind die Milizen einander heute feind.<\/p>\n\n\n\n

Allen voran die \u201eHashd ash-Shaabi\u201c, schiitisch-irakische Milizen, deren Ausbilder und Kommandeure h\u00e4ufig Iraner sind. Bagdad hat die Haschd als regul\u00e4re Kraft im Kampf gegen den \u201eIS\u201c anerkannt \u2013 obwohl Menschenrechts-Organisationen schwere Vorw\u00fcrfe gegen sie erheben. Fest steht: Die schiitischen Milizen halten D\u00f6rfer besetzt, sind in Mosul f\u00fcr ihr herrisches Auftreten und ihre Willk\u00fcr bekannt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eTats\u00e4chlich sorgen die verschiedenen bewaffneten Gruppen daf\u00fcr, dass die Fl\u00fcchtlinge nicht zur\u00fcckkehren. Und weil sie nicht zur\u00fcckkehren, gibt es auch keinen Wiederaufbau. Die Menschen haben Angst vor den Milizen \u2013 auch davor, dass die einander bek\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die \u201eHashd\u201c m\u00fcssten mithin abziehen. Und mit ihnen die anderen Milizen. Das Machtmonopol m\u00fcsste an den Staat gehen. Doch der Irak ist auch Spielball der Regionalm\u00e4chte: Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien. Sie konkurrieren um Einfluss-Sph\u00e4ren, bedienen sich dabei verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Gruppen im Irak. Deswegen werden die Hashd nicht abziehen. Derzeit sind sie von der iranisch-irakischen Grenze im Osten \u00fcber Bagdad bis hoch zur irakisch-syrischen Grenze im Norden postiert. Einheiten Teherans k\u00f6nnten demnach auf dem Landweg vom Iran bis ans Mittelmeer durchmarschieren.<\/p>\n\n\n\n

Iran und Saudi-Arabien wollen Macht vergr\u00f6\u00dfern<\/h2>\n\n\n\n

Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n

In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n

Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3703,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:24:20","post_date_gmt":"2020-08-13 21:24:20","post_content":"\n

Deutschland str\u00e4ubt sich gegen die R\u00fcckkehr seiner eigenen Staatsb\u00fcrger, die zu IS-Terroristen wurden. Dabei hat die Bundesrepublik den Terror und die Terroristen einst exportiert. Und dies geschah wissentlich, sagt der Islamwissenschaftler Fabian Goldmann.<\/p>\n\n\n\n

Wann haben Sie sich eigentlich zuletzt von deutschen Terroristen distanziert? Zum Beispiel von Robert B.? Der Ex-Bundeswehrsoldat aus Solingen hat mutma\u00dflich bei einem Selbstmordattentat Anfang 2014 50 Menschen mit in den Tod gerissen. <\/p>\n\n\n\n

Oder von Yannik N.? Der junge Freiburger steuerte wahrscheinlich im Jahr 2015 einen mit anderthalb Tonnen Sprengstoff beladenen LKW in eine Menschenmenge und nahm so Dutzenden Personen das Leben.<\/p>\n\n\n\n

Oder von Yamin A.?. Im Sommer 2015 tauchte im Netz ein Video auf, das zeigte, wie der ehemalige Telekom-Azubi aus K\u00f6nigswinter zwei gefesselten Soldaten in den Kopf schoss.
Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Deutsche T\u00e4ter, aber kaum deutsche Opfer<\/h2>\n\n\n\n

Hauptsache nicht bei uns! Dies scheint auch dieser Tage wieder die Maxime zu sein, wenn Politiker und \u00d6ffentlichkeit \u00fcber den Umgang mit deutschen Terroristen diskutieren. Von potenziellen Bedrohungen und Anschlagsgefahren in Deutschland liest man dann. Vom ganz realen Terror, den Deutsche in den vergangenen Jahren \u00fcber die Menschen in Syrien und Irak gebracht haben, h\u00f6rt man hingegen kaum. Ein Terror, der kaum deutsche Opfer aber umso mehr deutsche T\u00e4ter kannte.<\/p>\n\n\n\n

1.050 \u2013 das ist laut Bundesinnenministerium die Anzahl der Dschihadisten, die in den letzten Jahren die Bundesrepublik in Richtung Nahost verlassen hat. Es f\u00e4llt schwer, sich umgekehrtes Szenario \u00fcberhaupt auszumalen. Was w\u00e4re wohl los, h\u00e4tte es nur ein Bruchteil arabischer Terroristen geschafft, bei uns Anschl\u00e4ge zu begehen? Europas \u201eMuslim Bann\u201c? \u00dcberwachungsstaat auf NSA-Niveau?<\/p>\n\n\n\n

Die CSU st\u00fcnde wom\u00f6glich am linken Ende des politischen Spektrums, und auf Twitter w\u00fcrde Trump deutsche Migrationspolitiker zur M\u00e4\u00dfigung aufrufen. Der deutsche Terror in Nahost kommt hingegen seit Jahren ganz ohne Sondersendungen, politische Debatten und Distanzierungsforderungen aus. <\/p>\n\n\n\n

Deutsche K\u00e4mpfer waren nicht nur willenloses Kanonenfutter<\/h2>\n\n\n\n

An fehlendem Wissen liegt das nicht. Von ganzen Einheiten des IS, in denen kein einziger K\u00e4mpfer Arabisch spreche, berichten syrische, irakische und kurdische Soldaten schon seit Jahren. Von Aleppo \u00fcber Raqqa bis Mossul haben Aktivisten und Politiker immer wieder darauf hingewiesen, dass viele der schlimmsten M\u00f6rder in den Reihen des IS Europ\u00e4er sind. Interessiert hat das hier kaum jemand.<\/p>\n\n\n\n

Dabei dienten Deutsche dem Islamischen Staats nicht nur als willenloses Kanonenfutter, wie es oft dargestellt wird. Viele haben seinen Terror mitgepr\u00e4gt. Wie Martin L., der derzeit in kurdischer Haft sitzt. Der Schwei\u00dfer aus Sachsen-Anhalt soll sich vom Folterknecht bis zum Geheimdienstler mit Kontakten bis in die F\u00fchrungsspitze der Terrororganisation hochgearbeitet haben.<\/p>\n\n\n\n

Oder Reda S., Der Prediger aus Berlin-Charlottenburg soll dem IS in Mossul als Bildungsminister gedient haben. Oder der Berliner Ex-Rapper Denis Cuspert, der zu den wichtigsten Personen in der IS-Medienorganisation Al-Hayat geh\u00f6rte. Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Beh\u00f6rden wussten gut Bescheid<\/h2>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich entstand der Islamische Staat nicht in deutschen Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen. Zur deutschen Verantwortung geh\u00f6rt aber auch, dass Politiker und Beh\u00f6rden lange wegschauten, solang nur die T\u00e4ter, aber nicht die Opfer Deutsche waren. Beh\u00f6rden wissen und wussten erschreckend gut Bescheid \u00fcber die Radikalisierung deutscher Islamisten. Ein Gro\u00dfteil der sp\u00e4teren IS-K\u00e4mpfer war polizeibekannt, stand auf Gef\u00e4hrderlisten oder hatte wegen islamistischer Straftaten bereits Haftstrafen verb\u00fc\u00dft. An der Ausreise gehindert wurden sie oftmals dennoch nicht. Die Gefahr, die von deutschen Terroristen ausgeht, interessierte Politik und \u00d6ffentlichkeit erst dann wieder, als ihre Einreise drohte.<\/p>\n\n\n\n

\"Fabian
Fabian Goldmann<\/strong> ist Journalist und Islamwissenschaftler. F\u00fcr verschiedene Magazine und Zeitungen berichtete er viele Jahre aus Nahost. Zurzeit widmet er sich vor allem dem Islam diesseits des Bosporus. Auf seinem Blog Schantall und die Scharia<\/a> bloggt er \u00fcber Islamophobie in Deutschland.<\/p>\n","post_title":"Es sind unsere Terroristen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"es-sind-unsere-terroristen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3703","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3700,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:19:36","post_date_gmt":"2020-08-13 21:19:36","post_content":"\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda? Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda t<\/p>\n\n\n\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda tritt an die Stelle der 2010 verabschiedeten Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014 (siehe IP\/10\/1535<\/a>). In der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda f\u00fcr den Zeitraum 2015-2020 skizziert die Europ\u00e4ische Kommission die Strategie der Union zur Bew\u00e4ltigung der Sicherheitsbedrohungen in der EU.<\/p>\n\n\n\n

Die EU und ihre Mitgliedstaaten sind mit betr\u00e4chtlichen Sicherheitsproblemen konfrontiert. Terrorismus, organisierte Kriminalit\u00e4t und Cyberkriminalit\u00e4t stellen eine zunehmende Gefahr f\u00fcr die europ\u00e4ische Gesellschaft dar, wobei sich Art und Ausma\u00df dieser Gefahr ver\u00e4ndert hat. Europa ist mit den Auswirkungen der politischen Instabilit\u00e4t in seiner unmittelbaren Nachbarschaft konfrontiert, die die Sicherheitsinteressen der EU gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n

Im Zuge der Krisen und Konflikte in Syrien, Irak und Libyen haben sich europ\u00e4ische B\u00fcrger terroristischen Gruppen angeschlossen, die bei ihrer R\u00fcckkehr eine erhebliche Bedrohung darstellen k\u00f6nnen. Die j\u00fcngsten terroristischen Anschl\u00e4ge in Europa zeugen von der zunehmenden Bedrohung durch einen gewaltt\u00e4tigen Extremismus und zeigen, in welchem Ausma\u00df weltweite Konflikte zur Radikalisierung der europ\u00e4ischen B\u00fcrger beitragen.<\/p>\n\n\n\n

Das Online-Umfeld hat sich zunehmend als Ziel f\u00fcr Kriminelle und Terroristen entwickelt. Unabh\u00e4ngig davon, ob es um die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und die Anwerbung von Menschen f\u00fcr terroristische Organisationen geht oder die Verbreitung von Hass oder einen Angriff auf die europ\u00e4ischen Werte und Institutionen, fest steht, dass wir unsere Reaktion auf diese Bedrohungen unbedingt abstimmen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Welcher Mehrwert entsteht durch die EU im Bereich der inneren Sicherheit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Gew\u00e4hrleistung der inneren Sicherheit f\u00e4llt weiterhin in erster Linie in die Zust\u00e4ndigkeit der Mitgliedstaaten. Allerdings werden die Bedrohungen f\u00fcr Europas B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger immer vielf\u00e4ltiger und betreffen in zunehmendem Ma\u00dfe mehrere Mitgliedstaaten. Einzelne Mitgliedstaaten haben die Verantwortung, die Sicherheit an den Au\u00dfengrenzen zu gew\u00e4hrleisten, sind aber nicht mehr in der Lage, diese Herausforderungen allein zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n

Kriminelle und terroristische Aktivit\u00e4ten machen nicht an den Grenzen der EU halt und beschr\u00e4nken sich auch nicht auf Nachbarregionen. Die innere Sicherheit der EU und die globale Sicherheit sind voneinander abh\u00e4ngig und miteinander verkn\u00fcpft. Die Sicherheit der Union h\u00e4ngt in hohem Ma\u00dfe von der Zusammenarbeit mit ihren internationalen Partnern und ihren Nachbarl\u00e4ndern ab.<\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t und des Terrorismus ist eine gemeinsame europ\u00e4ische Aufgabe. Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda sollte von den Mitgliedstaaten und den EU-Organen gemeinsam als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und gemeinsame Ma\u00dfnahmen der Union genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n

Mit Hilfe der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda werden die Polizei- und Strafverfolgungsdienste in verschiedenen Mitgliedstaaten Daten effektiver austauschen und bei der Bek\u00e4mpfung der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t besser zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Die Mitgliedstaaten k\u00f6nnen auf die Unterst\u00fctzung durch die Agenturen der EU z\u00e4hlen. Insbesondere in folgenden Punkten l\u00e4sst sich mit Hilfe der Sicherheitsagenda ein EU-Mehrwert erzielen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n

A) Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und den EU-Agenturen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1<\/strong>: Das Schengener Informationssystem<\/strong> (SIS) wird von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Abfrage von Ausschreibungen von gesuchten oder vermissten Personen und Gegenst\u00e4nden genutzt. Die Kommission wird an der Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Ausschreibungskategorien arbeiten und sich daf\u00fcr einsetzen, dass das SIS zusammen mit der Interpol-Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD)<\/strong> umfassender genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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\"SyrischeSoldaten in der irakischen Stadt Sindschar nach der R\u00fcckeroberung von der IS-Miliz Ende 2015. (dpa \/ MAXPPP \/ Arnaud Dumontier)<\/p>\n\n\n\n

Kamaran Palani stammt aus der Stadt Makhmour. Drei Tage nur sei der \u201eIS\u201c dort gewesen, sagt er, doch diese Tage h\u00e4tten alles ver\u00e4ndert. Der \u201eIS\u201c habe die Menschen in seiner Heimatstadt verrohen lassen, meint er, das Verh\u00e4ltnis zwischen Kurden und Arabern sei heute tot. Eine R\u00fcckkehr in alte Zeiten h\u00e4lt Palani f\u00fcr falsch.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch denke, es w\u00e4re nicht einfach, in das Jahr 2014 \u2013 also in die Zeit vor dem \u201aIS\u2018 \u2013 zur\u00fcckzukehren. Vor allem aber w\u00e4re es nicht die richtige Politik. Denn eben die hat ja erst zum Aufkommen, zur Existenz des \u201aIS\u2018 gef\u00fchrt.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n


Wie also in Ruinen Neues schaffen? Der Staat muss das Gewaltmonopol zur\u00fcckerlangen, fordert der Politikwissenschaftler. F\u00fcr ihn steht das an erster Stelle. Und dann m\u00fcsse der Staat dringend einen Kurswechsel vornehmen: Er m\u00fcsse integrativ wirken, alle einbinden, auch die Araber, in Sicherheitskr\u00e4fte, Verwaltung und Politik.<\/p>\n\n\n\n

Machtmonopol m\u00fcsste von Milizen zum Staat gehen<\/h2>\n\n\n\n

Die Realit\u00e4t sieht anders aus: Ein Staat Kurdistan, der neue Optionen m\u00f6glich gemacht h\u00e4tte, auch von den Minderheiten gew\u00fcnscht worden war, ist nicht entstanden. Bagdad aber ist fern, der Zentralstaat kaum existent, und wenn, dann ist er schiitisch dominiert. Es sind Milizen, die im Nord-Irak das Geschehen bestimmen, darum rivalisieren, das Machtvakuum zu f\u00fcllen, das durch die Vertreibung des \u201eIS\u201c entstanden ist. Einst im Kampf gegen die Terroristen geeint, sind die Milizen einander heute feind.<\/p>\n\n\n\n

Allen voran die \u201eHashd ash-Shaabi\u201c, schiitisch-irakische Milizen, deren Ausbilder und Kommandeure h\u00e4ufig Iraner sind. Bagdad hat die Haschd als regul\u00e4re Kraft im Kampf gegen den \u201eIS\u201c anerkannt \u2013 obwohl Menschenrechts-Organisationen schwere Vorw\u00fcrfe gegen sie erheben. Fest steht: Die schiitischen Milizen halten D\u00f6rfer besetzt, sind in Mosul f\u00fcr ihr herrisches Auftreten und ihre Willk\u00fcr bekannt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eTats\u00e4chlich sorgen die verschiedenen bewaffneten Gruppen daf\u00fcr, dass die Fl\u00fcchtlinge nicht zur\u00fcckkehren. Und weil sie nicht zur\u00fcckkehren, gibt es auch keinen Wiederaufbau. Die Menschen haben Angst vor den Milizen \u2013 auch davor, dass die einander bek\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die \u201eHashd\u201c m\u00fcssten mithin abziehen. Und mit ihnen die anderen Milizen. Das Machtmonopol m\u00fcsste an den Staat gehen. Doch der Irak ist auch Spielball der Regionalm\u00e4chte: Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien. Sie konkurrieren um Einfluss-Sph\u00e4ren, bedienen sich dabei verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Gruppen im Irak. Deswegen werden die Hashd nicht abziehen. Derzeit sind sie von der iranisch-irakischen Grenze im Osten \u00fcber Bagdad bis hoch zur irakisch-syrischen Grenze im Norden postiert. Einheiten Teherans k\u00f6nnten demnach auf dem Landweg vom Iran bis ans Mittelmeer durchmarschieren.<\/p>\n\n\n\n

Iran und Saudi-Arabien wollen Macht vergr\u00f6\u00dfern<\/h2>\n\n\n\n

Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n

In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n

Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3703,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:24:20","post_date_gmt":"2020-08-13 21:24:20","post_content":"\n

Deutschland str\u00e4ubt sich gegen die R\u00fcckkehr seiner eigenen Staatsb\u00fcrger, die zu IS-Terroristen wurden. Dabei hat die Bundesrepublik den Terror und die Terroristen einst exportiert. Und dies geschah wissentlich, sagt der Islamwissenschaftler Fabian Goldmann.<\/p>\n\n\n\n

Wann haben Sie sich eigentlich zuletzt von deutschen Terroristen distanziert? Zum Beispiel von Robert B.? Der Ex-Bundeswehrsoldat aus Solingen hat mutma\u00dflich bei einem Selbstmordattentat Anfang 2014 50 Menschen mit in den Tod gerissen. <\/p>\n\n\n\n

Oder von Yannik N.? Der junge Freiburger steuerte wahrscheinlich im Jahr 2015 einen mit anderthalb Tonnen Sprengstoff beladenen LKW in eine Menschenmenge und nahm so Dutzenden Personen das Leben.<\/p>\n\n\n\n

Oder von Yamin A.?. Im Sommer 2015 tauchte im Netz ein Video auf, das zeigte, wie der ehemalige Telekom-Azubi aus K\u00f6nigswinter zwei gefesselten Soldaten in den Kopf schoss.
Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Deutsche T\u00e4ter, aber kaum deutsche Opfer<\/h2>\n\n\n\n

Hauptsache nicht bei uns! Dies scheint auch dieser Tage wieder die Maxime zu sein, wenn Politiker und \u00d6ffentlichkeit \u00fcber den Umgang mit deutschen Terroristen diskutieren. Von potenziellen Bedrohungen und Anschlagsgefahren in Deutschland liest man dann. Vom ganz realen Terror, den Deutsche in den vergangenen Jahren \u00fcber die Menschen in Syrien und Irak gebracht haben, h\u00f6rt man hingegen kaum. Ein Terror, der kaum deutsche Opfer aber umso mehr deutsche T\u00e4ter kannte.<\/p>\n\n\n\n

1.050 \u2013 das ist laut Bundesinnenministerium die Anzahl der Dschihadisten, die in den letzten Jahren die Bundesrepublik in Richtung Nahost verlassen hat. Es f\u00e4llt schwer, sich umgekehrtes Szenario \u00fcberhaupt auszumalen. Was w\u00e4re wohl los, h\u00e4tte es nur ein Bruchteil arabischer Terroristen geschafft, bei uns Anschl\u00e4ge zu begehen? Europas \u201eMuslim Bann\u201c? \u00dcberwachungsstaat auf NSA-Niveau?<\/p>\n\n\n\n

Die CSU st\u00fcnde wom\u00f6glich am linken Ende des politischen Spektrums, und auf Twitter w\u00fcrde Trump deutsche Migrationspolitiker zur M\u00e4\u00dfigung aufrufen. Der deutsche Terror in Nahost kommt hingegen seit Jahren ganz ohne Sondersendungen, politische Debatten und Distanzierungsforderungen aus. <\/p>\n\n\n\n

Deutsche K\u00e4mpfer waren nicht nur willenloses Kanonenfutter<\/h2>\n\n\n\n

An fehlendem Wissen liegt das nicht. Von ganzen Einheiten des IS, in denen kein einziger K\u00e4mpfer Arabisch spreche, berichten syrische, irakische und kurdische Soldaten schon seit Jahren. Von Aleppo \u00fcber Raqqa bis Mossul haben Aktivisten und Politiker immer wieder darauf hingewiesen, dass viele der schlimmsten M\u00f6rder in den Reihen des IS Europ\u00e4er sind. Interessiert hat das hier kaum jemand.<\/p>\n\n\n\n

Dabei dienten Deutsche dem Islamischen Staats nicht nur als willenloses Kanonenfutter, wie es oft dargestellt wird. Viele haben seinen Terror mitgepr\u00e4gt. Wie Martin L., der derzeit in kurdischer Haft sitzt. Der Schwei\u00dfer aus Sachsen-Anhalt soll sich vom Folterknecht bis zum Geheimdienstler mit Kontakten bis in die F\u00fchrungsspitze der Terrororganisation hochgearbeitet haben.<\/p>\n\n\n\n

Oder Reda S., Der Prediger aus Berlin-Charlottenburg soll dem IS in Mossul als Bildungsminister gedient haben. Oder der Berliner Ex-Rapper Denis Cuspert, der zu den wichtigsten Personen in der IS-Medienorganisation Al-Hayat geh\u00f6rte. Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Beh\u00f6rden wussten gut Bescheid<\/h2>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich entstand der Islamische Staat nicht in deutschen Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen. Zur deutschen Verantwortung geh\u00f6rt aber auch, dass Politiker und Beh\u00f6rden lange wegschauten, solang nur die T\u00e4ter, aber nicht die Opfer Deutsche waren. Beh\u00f6rden wissen und wussten erschreckend gut Bescheid \u00fcber die Radikalisierung deutscher Islamisten. Ein Gro\u00dfteil der sp\u00e4teren IS-K\u00e4mpfer war polizeibekannt, stand auf Gef\u00e4hrderlisten oder hatte wegen islamistischer Straftaten bereits Haftstrafen verb\u00fc\u00dft. An der Ausreise gehindert wurden sie oftmals dennoch nicht. Die Gefahr, die von deutschen Terroristen ausgeht, interessierte Politik und \u00d6ffentlichkeit erst dann wieder, als ihre Einreise drohte.<\/p>\n\n\n\n

\"Fabian
Fabian Goldmann<\/strong> ist Journalist und Islamwissenschaftler. F\u00fcr verschiedene Magazine und Zeitungen berichtete er viele Jahre aus Nahost. Zurzeit widmet er sich vor allem dem Islam diesseits des Bosporus. Auf seinem Blog Schantall und die Scharia<\/a> bloggt er \u00fcber Islamophobie in Deutschland.<\/p>\n","post_title":"Es sind unsere Terroristen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"es-sind-unsere-terroristen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3703","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3700,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:19:36","post_date_gmt":"2020-08-13 21:19:36","post_content":"\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda? Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda t<\/p>\n\n\n\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda tritt an die Stelle der 2010 verabschiedeten Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014 (siehe IP\/10\/1535<\/a>). In der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda f\u00fcr den Zeitraum 2015-2020 skizziert die Europ\u00e4ische Kommission die Strategie der Union zur Bew\u00e4ltigung der Sicherheitsbedrohungen in der EU.<\/p>\n\n\n\n

Die EU und ihre Mitgliedstaaten sind mit betr\u00e4chtlichen Sicherheitsproblemen konfrontiert. Terrorismus, organisierte Kriminalit\u00e4t und Cyberkriminalit\u00e4t stellen eine zunehmende Gefahr f\u00fcr die europ\u00e4ische Gesellschaft dar, wobei sich Art und Ausma\u00df dieser Gefahr ver\u00e4ndert hat. Europa ist mit den Auswirkungen der politischen Instabilit\u00e4t in seiner unmittelbaren Nachbarschaft konfrontiert, die die Sicherheitsinteressen der EU gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n

Im Zuge der Krisen und Konflikte in Syrien, Irak und Libyen haben sich europ\u00e4ische B\u00fcrger terroristischen Gruppen angeschlossen, die bei ihrer R\u00fcckkehr eine erhebliche Bedrohung darstellen k\u00f6nnen. Die j\u00fcngsten terroristischen Anschl\u00e4ge in Europa zeugen von der zunehmenden Bedrohung durch einen gewaltt\u00e4tigen Extremismus und zeigen, in welchem Ausma\u00df weltweite Konflikte zur Radikalisierung der europ\u00e4ischen B\u00fcrger beitragen.<\/p>\n\n\n\n

Das Online-Umfeld hat sich zunehmend als Ziel f\u00fcr Kriminelle und Terroristen entwickelt. Unabh\u00e4ngig davon, ob es um die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und die Anwerbung von Menschen f\u00fcr terroristische Organisationen geht oder die Verbreitung von Hass oder einen Angriff auf die europ\u00e4ischen Werte und Institutionen, fest steht, dass wir unsere Reaktion auf diese Bedrohungen unbedingt abstimmen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Welcher Mehrwert entsteht durch die EU im Bereich der inneren Sicherheit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Gew\u00e4hrleistung der inneren Sicherheit f\u00e4llt weiterhin in erster Linie in die Zust\u00e4ndigkeit der Mitgliedstaaten. Allerdings werden die Bedrohungen f\u00fcr Europas B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger immer vielf\u00e4ltiger und betreffen in zunehmendem Ma\u00dfe mehrere Mitgliedstaaten. Einzelne Mitgliedstaaten haben die Verantwortung, die Sicherheit an den Au\u00dfengrenzen zu gew\u00e4hrleisten, sind aber nicht mehr in der Lage, diese Herausforderungen allein zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n

Kriminelle und terroristische Aktivit\u00e4ten machen nicht an den Grenzen der EU halt und beschr\u00e4nken sich auch nicht auf Nachbarregionen. Die innere Sicherheit der EU und die globale Sicherheit sind voneinander abh\u00e4ngig und miteinander verkn\u00fcpft. Die Sicherheit der Union h\u00e4ngt in hohem Ma\u00dfe von der Zusammenarbeit mit ihren internationalen Partnern und ihren Nachbarl\u00e4ndern ab.<\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t und des Terrorismus ist eine gemeinsame europ\u00e4ische Aufgabe. Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda sollte von den Mitgliedstaaten und den EU-Organen gemeinsam als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und gemeinsame Ma\u00dfnahmen der Union genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n

Mit Hilfe der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda werden die Polizei- und Strafverfolgungsdienste in verschiedenen Mitgliedstaaten Daten effektiver austauschen und bei der Bek\u00e4mpfung der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t besser zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Die Mitgliedstaaten k\u00f6nnen auf die Unterst\u00fctzung durch die Agenturen der EU z\u00e4hlen. Insbesondere in folgenden Punkten l\u00e4sst sich mit Hilfe der Sicherheitsagenda ein EU-Mehrwert erzielen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n

A) Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und den EU-Agenturen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1<\/strong>: Das Schengener Informationssystem<\/strong> (SIS) wird von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Abfrage von Ausschreibungen von gesuchten oder vermissten Personen und Gegenst\u00e4nden genutzt. Die Kommission wird an der Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Ausschreibungskategorien arbeiten und sich daf\u00fcr einsetzen, dass das SIS zusammen mit der Interpol-Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD)<\/strong> umfassender genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Misstrauen. Auch bei einem Politikwissenschaftler. Was also tun? Zerst\u00f6rte St\u00e4dte und D\u00f6rfer k\u00f6nnten wieder aufgebaut werden \u2013 wenn denn ein gemeinsamer Wille best\u00fcnde. Doch was, wenn es einen solchen gemeinsamen Willen gar nicht gibt? Wenn Schmerz und Trauer anhalten, wenn die Verbrechen von Terroristen und Helfershelfern nicht geahndet werden, wenn Angst umgeht, Misstrauen und Hass das Miteinander bestimmen.<\/p>\n\n\n\n

\"SyrischeSoldaten in der irakischen Stadt Sindschar nach der R\u00fcckeroberung von der IS-Miliz Ende 2015. (dpa \/ MAXPPP \/ Arnaud Dumontier)<\/p>\n\n\n\n

Kamaran Palani stammt aus der Stadt Makhmour. Drei Tage nur sei der \u201eIS\u201c dort gewesen, sagt er, doch diese Tage h\u00e4tten alles ver\u00e4ndert. Der \u201eIS\u201c habe die Menschen in seiner Heimatstadt verrohen lassen, meint er, das Verh\u00e4ltnis zwischen Kurden und Arabern sei heute tot. Eine R\u00fcckkehr in alte Zeiten h\u00e4lt Palani f\u00fcr falsch.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch denke, es w\u00e4re nicht einfach, in das Jahr 2014 \u2013 also in die Zeit vor dem \u201aIS\u2018 \u2013 zur\u00fcckzukehren. Vor allem aber w\u00e4re es nicht die richtige Politik. Denn eben die hat ja erst zum Aufkommen, zur Existenz des \u201aIS\u2018 gef\u00fchrt.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n


Wie also in Ruinen Neues schaffen? Der Staat muss das Gewaltmonopol zur\u00fcckerlangen, fordert der Politikwissenschaftler. F\u00fcr ihn steht das an erster Stelle. Und dann m\u00fcsse der Staat dringend einen Kurswechsel vornehmen: Er m\u00fcsse integrativ wirken, alle einbinden, auch die Araber, in Sicherheitskr\u00e4fte, Verwaltung und Politik.<\/p>\n\n\n\n

Machtmonopol m\u00fcsste von Milizen zum Staat gehen<\/h2>\n\n\n\n

Die Realit\u00e4t sieht anders aus: Ein Staat Kurdistan, der neue Optionen m\u00f6glich gemacht h\u00e4tte, auch von den Minderheiten gew\u00fcnscht worden war, ist nicht entstanden. Bagdad aber ist fern, der Zentralstaat kaum existent, und wenn, dann ist er schiitisch dominiert. Es sind Milizen, die im Nord-Irak das Geschehen bestimmen, darum rivalisieren, das Machtvakuum zu f\u00fcllen, das durch die Vertreibung des \u201eIS\u201c entstanden ist. Einst im Kampf gegen die Terroristen geeint, sind die Milizen einander heute feind.<\/p>\n\n\n\n

Allen voran die \u201eHashd ash-Shaabi\u201c, schiitisch-irakische Milizen, deren Ausbilder und Kommandeure h\u00e4ufig Iraner sind. Bagdad hat die Haschd als regul\u00e4re Kraft im Kampf gegen den \u201eIS\u201c anerkannt \u2013 obwohl Menschenrechts-Organisationen schwere Vorw\u00fcrfe gegen sie erheben. Fest steht: Die schiitischen Milizen halten D\u00f6rfer besetzt, sind in Mosul f\u00fcr ihr herrisches Auftreten und ihre Willk\u00fcr bekannt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eTats\u00e4chlich sorgen die verschiedenen bewaffneten Gruppen daf\u00fcr, dass die Fl\u00fcchtlinge nicht zur\u00fcckkehren. Und weil sie nicht zur\u00fcckkehren, gibt es auch keinen Wiederaufbau. Die Menschen haben Angst vor den Milizen \u2013 auch davor, dass die einander bek\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die \u201eHashd\u201c m\u00fcssten mithin abziehen. Und mit ihnen die anderen Milizen. Das Machtmonopol m\u00fcsste an den Staat gehen. Doch der Irak ist auch Spielball der Regionalm\u00e4chte: Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien. Sie konkurrieren um Einfluss-Sph\u00e4ren, bedienen sich dabei verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Gruppen im Irak. Deswegen werden die Hashd nicht abziehen. Derzeit sind sie von der iranisch-irakischen Grenze im Osten \u00fcber Bagdad bis hoch zur irakisch-syrischen Grenze im Norden postiert. Einheiten Teherans k\u00f6nnten demnach auf dem Landweg vom Iran bis ans Mittelmeer durchmarschieren.<\/p>\n\n\n\n

Iran und Saudi-Arabien wollen Macht vergr\u00f6\u00dfern<\/h2>\n\n\n\n

Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n

In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n

Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3703,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:24:20","post_date_gmt":"2020-08-13 21:24:20","post_content":"\n

Deutschland str\u00e4ubt sich gegen die R\u00fcckkehr seiner eigenen Staatsb\u00fcrger, die zu IS-Terroristen wurden. Dabei hat die Bundesrepublik den Terror und die Terroristen einst exportiert. Und dies geschah wissentlich, sagt der Islamwissenschaftler Fabian Goldmann.<\/p>\n\n\n\n

Wann haben Sie sich eigentlich zuletzt von deutschen Terroristen distanziert? Zum Beispiel von Robert B.? Der Ex-Bundeswehrsoldat aus Solingen hat mutma\u00dflich bei einem Selbstmordattentat Anfang 2014 50 Menschen mit in den Tod gerissen. <\/p>\n\n\n\n

Oder von Yannik N.? Der junge Freiburger steuerte wahrscheinlich im Jahr 2015 einen mit anderthalb Tonnen Sprengstoff beladenen LKW in eine Menschenmenge und nahm so Dutzenden Personen das Leben.<\/p>\n\n\n\n

Oder von Yamin A.?. Im Sommer 2015 tauchte im Netz ein Video auf, das zeigte, wie der ehemalige Telekom-Azubi aus K\u00f6nigswinter zwei gefesselten Soldaten in den Kopf schoss.
Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Deutsche T\u00e4ter, aber kaum deutsche Opfer<\/h2>\n\n\n\n

Hauptsache nicht bei uns! Dies scheint auch dieser Tage wieder die Maxime zu sein, wenn Politiker und \u00d6ffentlichkeit \u00fcber den Umgang mit deutschen Terroristen diskutieren. Von potenziellen Bedrohungen und Anschlagsgefahren in Deutschland liest man dann. Vom ganz realen Terror, den Deutsche in den vergangenen Jahren \u00fcber die Menschen in Syrien und Irak gebracht haben, h\u00f6rt man hingegen kaum. Ein Terror, der kaum deutsche Opfer aber umso mehr deutsche T\u00e4ter kannte.<\/p>\n\n\n\n

1.050 \u2013 das ist laut Bundesinnenministerium die Anzahl der Dschihadisten, die in den letzten Jahren die Bundesrepublik in Richtung Nahost verlassen hat. Es f\u00e4llt schwer, sich umgekehrtes Szenario \u00fcberhaupt auszumalen. Was w\u00e4re wohl los, h\u00e4tte es nur ein Bruchteil arabischer Terroristen geschafft, bei uns Anschl\u00e4ge zu begehen? Europas \u201eMuslim Bann\u201c? \u00dcberwachungsstaat auf NSA-Niveau?<\/p>\n\n\n\n

Die CSU st\u00fcnde wom\u00f6glich am linken Ende des politischen Spektrums, und auf Twitter w\u00fcrde Trump deutsche Migrationspolitiker zur M\u00e4\u00dfigung aufrufen. Der deutsche Terror in Nahost kommt hingegen seit Jahren ganz ohne Sondersendungen, politische Debatten und Distanzierungsforderungen aus. <\/p>\n\n\n\n

Deutsche K\u00e4mpfer waren nicht nur willenloses Kanonenfutter<\/h2>\n\n\n\n

An fehlendem Wissen liegt das nicht. Von ganzen Einheiten des IS, in denen kein einziger K\u00e4mpfer Arabisch spreche, berichten syrische, irakische und kurdische Soldaten schon seit Jahren. Von Aleppo \u00fcber Raqqa bis Mossul haben Aktivisten und Politiker immer wieder darauf hingewiesen, dass viele der schlimmsten M\u00f6rder in den Reihen des IS Europ\u00e4er sind. Interessiert hat das hier kaum jemand.<\/p>\n\n\n\n

Dabei dienten Deutsche dem Islamischen Staats nicht nur als willenloses Kanonenfutter, wie es oft dargestellt wird. Viele haben seinen Terror mitgepr\u00e4gt. Wie Martin L., der derzeit in kurdischer Haft sitzt. Der Schwei\u00dfer aus Sachsen-Anhalt soll sich vom Folterknecht bis zum Geheimdienstler mit Kontakten bis in die F\u00fchrungsspitze der Terrororganisation hochgearbeitet haben.<\/p>\n\n\n\n

Oder Reda S., Der Prediger aus Berlin-Charlottenburg soll dem IS in Mossul als Bildungsminister gedient haben. Oder der Berliner Ex-Rapper Denis Cuspert, der zu den wichtigsten Personen in der IS-Medienorganisation Al-Hayat geh\u00f6rte. Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Beh\u00f6rden wussten gut Bescheid<\/h2>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich entstand der Islamische Staat nicht in deutschen Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen. Zur deutschen Verantwortung geh\u00f6rt aber auch, dass Politiker und Beh\u00f6rden lange wegschauten, solang nur die T\u00e4ter, aber nicht die Opfer Deutsche waren. Beh\u00f6rden wissen und wussten erschreckend gut Bescheid \u00fcber die Radikalisierung deutscher Islamisten. Ein Gro\u00dfteil der sp\u00e4teren IS-K\u00e4mpfer war polizeibekannt, stand auf Gef\u00e4hrderlisten oder hatte wegen islamistischer Straftaten bereits Haftstrafen verb\u00fc\u00dft. An der Ausreise gehindert wurden sie oftmals dennoch nicht. Die Gefahr, die von deutschen Terroristen ausgeht, interessierte Politik und \u00d6ffentlichkeit erst dann wieder, als ihre Einreise drohte.<\/p>\n\n\n\n

\"Fabian
Fabian Goldmann<\/strong> ist Journalist und Islamwissenschaftler. F\u00fcr verschiedene Magazine und Zeitungen berichtete er viele Jahre aus Nahost. Zurzeit widmet er sich vor allem dem Islam diesseits des Bosporus. Auf seinem Blog Schantall und die Scharia<\/a> bloggt er \u00fcber Islamophobie in Deutschland.<\/p>\n","post_title":"Es sind unsere Terroristen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"es-sind-unsere-terroristen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3703","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3700,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:19:36","post_date_gmt":"2020-08-13 21:19:36","post_content":"\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda? Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda t<\/p>\n\n\n\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda tritt an die Stelle der 2010 verabschiedeten Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014 (siehe IP\/10\/1535<\/a>). In der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda f\u00fcr den Zeitraum 2015-2020 skizziert die Europ\u00e4ische Kommission die Strategie der Union zur Bew\u00e4ltigung der Sicherheitsbedrohungen in der EU.<\/p>\n\n\n\n

Die EU und ihre Mitgliedstaaten sind mit betr\u00e4chtlichen Sicherheitsproblemen konfrontiert. Terrorismus, organisierte Kriminalit\u00e4t und Cyberkriminalit\u00e4t stellen eine zunehmende Gefahr f\u00fcr die europ\u00e4ische Gesellschaft dar, wobei sich Art und Ausma\u00df dieser Gefahr ver\u00e4ndert hat. Europa ist mit den Auswirkungen der politischen Instabilit\u00e4t in seiner unmittelbaren Nachbarschaft konfrontiert, die die Sicherheitsinteressen der EU gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n

Im Zuge der Krisen und Konflikte in Syrien, Irak und Libyen haben sich europ\u00e4ische B\u00fcrger terroristischen Gruppen angeschlossen, die bei ihrer R\u00fcckkehr eine erhebliche Bedrohung darstellen k\u00f6nnen. Die j\u00fcngsten terroristischen Anschl\u00e4ge in Europa zeugen von der zunehmenden Bedrohung durch einen gewaltt\u00e4tigen Extremismus und zeigen, in welchem Ausma\u00df weltweite Konflikte zur Radikalisierung der europ\u00e4ischen B\u00fcrger beitragen.<\/p>\n\n\n\n

Das Online-Umfeld hat sich zunehmend als Ziel f\u00fcr Kriminelle und Terroristen entwickelt. Unabh\u00e4ngig davon, ob es um die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und die Anwerbung von Menschen f\u00fcr terroristische Organisationen geht oder die Verbreitung von Hass oder einen Angriff auf die europ\u00e4ischen Werte und Institutionen, fest steht, dass wir unsere Reaktion auf diese Bedrohungen unbedingt abstimmen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Welcher Mehrwert entsteht durch die EU im Bereich der inneren Sicherheit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Gew\u00e4hrleistung der inneren Sicherheit f\u00e4llt weiterhin in erster Linie in die Zust\u00e4ndigkeit der Mitgliedstaaten. Allerdings werden die Bedrohungen f\u00fcr Europas B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger immer vielf\u00e4ltiger und betreffen in zunehmendem Ma\u00dfe mehrere Mitgliedstaaten. Einzelne Mitgliedstaaten haben die Verantwortung, die Sicherheit an den Au\u00dfengrenzen zu gew\u00e4hrleisten, sind aber nicht mehr in der Lage, diese Herausforderungen allein zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n

Kriminelle und terroristische Aktivit\u00e4ten machen nicht an den Grenzen der EU halt und beschr\u00e4nken sich auch nicht auf Nachbarregionen. Die innere Sicherheit der EU und die globale Sicherheit sind voneinander abh\u00e4ngig und miteinander verkn\u00fcpft. Die Sicherheit der Union h\u00e4ngt in hohem Ma\u00dfe von der Zusammenarbeit mit ihren internationalen Partnern und ihren Nachbarl\u00e4ndern ab.<\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t und des Terrorismus ist eine gemeinsame europ\u00e4ische Aufgabe. Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda sollte von den Mitgliedstaaten und den EU-Organen gemeinsam als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und gemeinsame Ma\u00dfnahmen der Union genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n

Mit Hilfe der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda werden die Polizei- und Strafverfolgungsdienste in verschiedenen Mitgliedstaaten Daten effektiver austauschen und bei der Bek\u00e4mpfung der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t besser zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Die Mitgliedstaaten k\u00f6nnen auf die Unterst\u00fctzung durch die Agenturen der EU z\u00e4hlen. Insbesondere in folgenden Punkten l\u00e4sst sich mit Hilfe der Sicherheitsagenda ein EU-Mehrwert erzielen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n

A) Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und den EU-Agenturen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1<\/strong>: Das Schengener Informationssystem<\/strong> (SIS) wird von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Abfrage von Ausschreibungen von gesuchten oder vermissten Personen und Gegenst\u00e4nden genutzt. Die Kommission wird an der Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Ausschreibungskategorien arbeiten und sich daf\u00fcr einsetzen, dass das SIS zusammen mit der Interpol-Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD)<\/strong> umfassender genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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\u201eIS\u201c-K\u00e4mpfer haben gesagt, es gehe darum, die W\u00fcrde der sunnitischen Araber wiederherzustellen. Ihre Macht. Ihre Geschichte. Tats\u00e4chlich konnten es die Araber nicht hinnehmen, dass sie ins Abseits gedr\u00e4ngt wurden. Und ich denke, dass sie auch in Zukunft so handeln werden. Wann immer sich die Gelegenheit bietet: Sie werden alles hinter sich lassen \u2013 sich nur darauf konzentrieren.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Misstrauen. Auch bei einem Politikwissenschaftler. Was also tun? Zerst\u00f6rte St\u00e4dte und D\u00f6rfer k\u00f6nnten wieder aufgebaut werden \u2013 wenn denn ein gemeinsamer Wille best\u00fcnde. Doch was, wenn es einen solchen gemeinsamen Willen gar nicht gibt? Wenn Schmerz und Trauer anhalten, wenn die Verbrechen von Terroristen und Helfershelfern nicht geahndet werden, wenn Angst umgeht, Misstrauen und Hass das Miteinander bestimmen.<\/p>\n\n\n\n

\"SyrischeSoldaten in der irakischen Stadt Sindschar nach der R\u00fcckeroberung von der IS-Miliz Ende 2015. (dpa \/ MAXPPP \/ Arnaud Dumontier)<\/p>\n\n\n\n

Kamaran Palani stammt aus der Stadt Makhmour. Drei Tage nur sei der \u201eIS\u201c dort gewesen, sagt er, doch diese Tage h\u00e4tten alles ver\u00e4ndert. Der \u201eIS\u201c habe die Menschen in seiner Heimatstadt verrohen lassen, meint er, das Verh\u00e4ltnis zwischen Kurden und Arabern sei heute tot. Eine R\u00fcckkehr in alte Zeiten h\u00e4lt Palani f\u00fcr falsch.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch denke, es w\u00e4re nicht einfach, in das Jahr 2014 \u2013 also in die Zeit vor dem \u201aIS\u2018 \u2013 zur\u00fcckzukehren. Vor allem aber w\u00e4re es nicht die richtige Politik. Denn eben die hat ja erst zum Aufkommen, zur Existenz des \u201aIS\u2018 gef\u00fchrt.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n


Wie also in Ruinen Neues schaffen? Der Staat muss das Gewaltmonopol zur\u00fcckerlangen, fordert der Politikwissenschaftler. F\u00fcr ihn steht das an erster Stelle. Und dann m\u00fcsse der Staat dringend einen Kurswechsel vornehmen: Er m\u00fcsse integrativ wirken, alle einbinden, auch die Araber, in Sicherheitskr\u00e4fte, Verwaltung und Politik.<\/p>\n\n\n\n

Machtmonopol m\u00fcsste von Milizen zum Staat gehen<\/h2>\n\n\n\n

Die Realit\u00e4t sieht anders aus: Ein Staat Kurdistan, der neue Optionen m\u00f6glich gemacht h\u00e4tte, auch von den Minderheiten gew\u00fcnscht worden war, ist nicht entstanden. Bagdad aber ist fern, der Zentralstaat kaum existent, und wenn, dann ist er schiitisch dominiert. Es sind Milizen, die im Nord-Irak das Geschehen bestimmen, darum rivalisieren, das Machtvakuum zu f\u00fcllen, das durch die Vertreibung des \u201eIS\u201c entstanden ist. Einst im Kampf gegen die Terroristen geeint, sind die Milizen einander heute feind.<\/p>\n\n\n\n

Allen voran die \u201eHashd ash-Shaabi\u201c, schiitisch-irakische Milizen, deren Ausbilder und Kommandeure h\u00e4ufig Iraner sind. Bagdad hat die Haschd als regul\u00e4re Kraft im Kampf gegen den \u201eIS\u201c anerkannt \u2013 obwohl Menschenrechts-Organisationen schwere Vorw\u00fcrfe gegen sie erheben. Fest steht: Die schiitischen Milizen halten D\u00f6rfer besetzt, sind in Mosul f\u00fcr ihr herrisches Auftreten und ihre Willk\u00fcr bekannt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eTats\u00e4chlich sorgen die verschiedenen bewaffneten Gruppen daf\u00fcr, dass die Fl\u00fcchtlinge nicht zur\u00fcckkehren. Und weil sie nicht zur\u00fcckkehren, gibt es auch keinen Wiederaufbau. Die Menschen haben Angst vor den Milizen \u2013 auch davor, dass die einander bek\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die \u201eHashd\u201c m\u00fcssten mithin abziehen. Und mit ihnen die anderen Milizen. Das Machtmonopol m\u00fcsste an den Staat gehen. Doch der Irak ist auch Spielball der Regionalm\u00e4chte: Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien. Sie konkurrieren um Einfluss-Sph\u00e4ren, bedienen sich dabei verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Gruppen im Irak. Deswegen werden die Hashd nicht abziehen. Derzeit sind sie von der iranisch-irakischen Grenze im Osten \u00fcber Bagdad bis hoch zur irakisch-syrischen Grenze im Norden postiert. Einheiten Teherans k\u00f6nnten demnach auf dem Landweg vom Iran bis ans Mittelmeer durchmarschieren.<\/p>\n\n\n\n

Iran und Saudi-Arabien wollen Macht vergr\u00f6\u00dfern<\/h2>\n\n\n\n

Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n

In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n

Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3703,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:24:20","post_date_gmt":"2020-08-13 21:24:20","post_content":"\n

Deutschland str\u00e4ubt sich gegen die R\u00fcckkehr seiner eigenen Staatsb\u00fcrger, die zu IS-Terroristen wurden. Dabei hat die Bundesrepublik den Terror und die Terroristen einst exportiert. Und dies geschah wissentlich, sagt der Islamwissenschaftler Fabian Goldmann.<\/p>\n\n\n\n

Wann haben Sie sich eigentlich zuletzt von deutschen Terroristen distanziert? Zum Beispiel von Robert B.? Der Ex-Bundeswehrsoldat aus Solingen hat mutma\u00dflich bei einem Selbstmordattentat Anfang 2014 50 Menschen mit in den Tod gerissen. <\/p>\n\n\n\n

Oder von Yannik N.? Der junge Freiburger steuerte wahrscheinlich im Jahr 2015 einen mit anderthalb Tonnen Sprengstoff beladenen LKW in eine Menschenmenge und nahm so Dutzenden Personen das Leben.<\/p>\n\n\n\n

Oder von Yamin A.?. Im Sommer 2015 tauchte im Netz ein Video auf, das zeigte, wie der ehemalige Telekom-Azubi aus K\u00f6nigswinter zwei gefesselten Soldaten in den Kopf schoss.
Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Deutsche T\u00e4ter, aber kaum deutsche Opfer<\/h2>\n\n\n\n

Hauptsache nicht bei uns! Dies scheint auch dieser Tage wieder die Maxime zu sein, wenn Politiker und \u00d6ffentlichkeit \u00fcber den Umgang mit deutschen Terroristen diskutieren. Von potenziellen Bedrohungen und Anschlagsgefahren in Deutschland liest man dann. Vom ganz realen Terror, den Deutsche in den vergangenen Jahren \u00fcber die Menschen in Syrien und Irak gebracht haben, h\u00f6rt man hingegen kaum. Ein Terror, der kaum deutsche Opfer aber umso mehr deutsche T\u00e4ter kannte.<\/p>\n\n\n\n

1.050 \u2013 das ist laut Bundesinnenministerium die Anzahl der Dschihadisten, die in den letzten Jahren die Bundesrepublik in Richtung Nahost verlassen hat. Es f\u00e4llt schwer, sich umgekehrtes Szenario \u00fcberhaupt auszumalen. Was w\u00e4re wohl los, h\u00e4tte es nur ein Bruchteil arabischer Terroristen geschafft, bei uns Anschl\u00e4ge zu begehen? Europas \u201eMuslim Bann\u201c? \u00dcberwachungsstaat auf NSA-Niveau?<\/p>\n\n\n\n

Die CSU st\u00fcnde wom\u00f6glich am linken Ende des politischen Spektrums, und auf Twitter w\u00fcrde Trump deutsche Migrationspolitiker zur M\u00e4\u00dfigung aufrufen. Der deutsche Terror in Nahost kommt hingegen seit Jahren ganz ohne Sondersendungen, politische Debatten und Distanzierungsforderungen aus. <\/p>\n\n\n\n

Deutsche K\u00e4mpfer waren nicht nur willenloses Kanonenfutter<\/h2>\n\n\n\n

An fehlendem Wissen liegt das nicht. Von ganzen Einheiten des IS, in denen kein einziger K\u00e4mpfer Arabisch spreche, berichten syrische, irakische und kurdische Soldaten schon seit Jahren. Von Aleppo \u00fcber Raqqa bis Mossul haben Aktivisten und Politiker immer wieder darauf hingewiesen, dass viele der schlimmsten M\u00f6rder in den Reihen des IS Europ\u00e4er sind. Interessiert hat das hier kaum jemand.<\/p>\n\n\n\n

Dabei dienten Deutsche dem Islamischen Staats nicht nur als willenloses Kanonenfutter, wie es oft dargestellt wird. Viele haben seinen Terror mitgepr\u00e4gt. Wie Martin L., der derzeit in kurdischer Haft sitzt. Der Schwei\u00dfer aus Sachsen-Anhalt soll sich vom Folterknecht bis zum Geheimdienstler mit Kontakten bis in die F\u00fchrungsspitze der Terrororganisation hochgearbeitet haben.<\/p>\n\n\n\n

Oder Reda S., Der Prediger aus Berlin-Charlottenburg soll dem IS in Mossul als Bildungsminister gedient haben. Oder der Berliner Ex-Rapper Denis Cuspert, der zu den wichtigsten Personen in der IS-Medienorganisation Al-Hayat geh\u00f6rte. Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Beh\u00f6rden wussten gut Bescheid<\/h2>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich entstand der Islamische Staat nicht in deutschen Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen. Zur deutschen Verantwortung geh\u00f6rt aber auch, dass Politiker und Beh\u00f6rden lange wegschauten, solang nur die T\u00e4ter, aber nicht die Opfer Deutsche waren. Beh\u00f6rden wissen und wussten erschreckend gut Bescheid \u00fcber die Radikalisierung deutscher Islamisten. Ein Gro\u00dfteil der sp\u00e4teren IS-K\u00e4mpfer war polizeibekannt, stand auf Gef\u00e4hrderlisten oder hatte wegen islamistischer Straftaten bereits Haftstrafen verb\u00fc\u00dft. An der Ausreise gehindert wurden sie oftmals dennoch nicht. Die Gefahr, die von deutschen Terroristen ausgeht, interessierte Politik und \u00d6ffentlichkeit erst dann wieder, als ihre Einreise drohte.<\/p>\n\n\n\n

\"Fabian
Fabian Goldmann<\/strong> ist Journalist und Islamwissenschaftler. F\u00fcr verschiedene Magazine und Zeitungen berichtete er viele Jahre aus Nahost. Zurzeit widmet er sich vor allem dem Islam diesseits des Bosporus. Auf seinem Blog Schantall und die Scharia<\/a> bloggt er \u00fcber Islamophobie in Deutschland.<\/p>\n","post_title":"Es sind unsere Terroristen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"es-sind-unsere-terroristen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3703","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3700,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:19:36","post_date_gmt":"2020-08-13 21:19:36","post_content":"\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda? Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda t<\/p>\n\n\n\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda tritt an die Stelle der 2010 verabschiedeten Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014 (siehe IP\/10\/1535<\/a>). In der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda f\u00fcr den Zeitraum 2015-2020 skizziert die Europ\u00e4ische Kommission die Strategie der Union zur Bew\u00e4ltigung der Sicherheitsbedrohungen in der EU.<\/p>\n\n\n\n

Die EU und ihre Mitgliedstaaten sind mit betr\u00e4chtlichen Sicherheitsproblemen konfrontiert. Terrorismus, organisierte Kriminalit\u00e4t und Cyberkriminalit\u00e4t stellen eine zunehmende Gefahr f\u00fcr die europ\u00e4ische Gesellschaft dar, wobei sich Art und Ausma\u00df dieser Gefahr ver\u00e4ndert hat. Europa ist mit den Auswirkungen der politischen Instabilit\u00e4t in seiner unmittelbaren Nachbarschaft konfrontiert, die die Sicherheitsinteressen der EU gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n

Im Zuge der Krisen und Konflikte in Syrien, Irak und Libyen haben sich europ\u00e4ische B\u00fcrger terroristischen Gruppen angeschlossen, die bei ihrer R\u00fcckkehr eine erhebliche Bedrohung darstellen k\u00f6nnen. Die j\u00fcngsten terroristischen Anschl\u00e4ge in Europa zeugen von der zunehmenden Bedrohung durch einen gewaltt\u00e4tigen Extremismus und zeigen, in welchem Ausma\u00df weltweite Konflikte zur Radikalisierung der europ\u00e4ischen B\u00fcrger beitragen.<\/p>\n\n\n\n

Das Online-Umfeld hat sich zunehmend als Ziel f\u00fcr Kriminelle und Terroristen entwickelt. Unabh\u00e4ngig davon, ob es um die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und die Anwerbung von Menschen f\u00fcr terroristische Organisationen geht oder die Verbreitung von Hass oder einen Angriff auf die europ\u00e4ischen Werte und Institutionen, fest steht, dass wir unsere Reaktion auf diese Bedrohungen unbedingt abstimmen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Welcher Mehrwert entsteht durch die EU im Bereich der inneren Sicherheit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Gew\u00e4hrleistung der inneren Sicherheit f\u00e4llt weiterhin in erster Linie in die Zust\u00e4ndigkeit der Mitgliedstaaten. Allerdings werden die Bedrohungen f\u00fcr Europas B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger immer vielf\u00e4ltiger und betreffen in zunehmendem Ma\u00dfe mehrere Mitgliedstaaten. Einzelne Mitgliedstaaten haben die Verantwortung, die Sicherheit an den Au\u00dfengrenzen zu gew\u00e4hrleisten, sind aber nicht mehr in der Lage, diese Herausforderungen allein zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n

Kriminelle und terroristische Aktivit\u00e4ten machen nicht an den Grenzen der EU halt und beschr\u00e4nken sich auch nicht auf Nachbarregionen. Die innere Sicherheit der EU und die globale Sicherheit sind voneinander abh\u00e4ngig und miteinander verkn\u00fcpft. Die Sicherheit der Union h\u00e4ngt in hohem Ma\u00dfe von der Zusammenarbeit mit ihren internationalen Partnern und ihren Nachbarl\u00e4ndern ab.<\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t und des Terrorismus ist eine gemeinsame europ\u00e4ische Aufgabe. Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda sollte von den Mitgliedstaaten und den EU-Organen gemeinsam als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und gemeinsame Ma\u00dfnahmen der Union genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n

Mit Hilfe der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda werden die Polizei- und Strafverfolgungsdienste in verschiedenen Mitgliedstaaten Daten effektiver austauschen und bei der Bek\u00e4mpfung der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t besser zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Die Mitgliedstaaten k\u00f6nnen auf die Unterst\u00fctzung durch die Agenturen der EU z\u00e4hlen. Insbesondere in folgenden Punkten l\u00e4sst sich mit Hilfe der Sicherheitsagenda ein EU-Mehrwert erzielen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n

A) Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und den EU-Agenturen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1<\/strong>: Das Schengener Informationssystem<\/strong> (SIS) wird von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Abfrage von Ausschreibungen von gesuchten oder vermissten Personen und Gegenst\u00e4nden genutzt. Die Kommission wird an der Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Ausschreibungskategorien arbeiten und sich daf\u00fcr einsetzen, dass das SIS zusammen mit der Interpol-Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD)<\/strong> umfassender genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Als der \u201eIS\u201c dann im Sommer 2014 fast ohne Gegenwehr weite Landstriche in Syrien und im Irak \u00fcberrannte und seinen \u201eStaat\u201c ausrief, sahen auch gew\u00f6hnliche sunnitische Araber einen Wechsel nahen. Viele machten gemeinsame Sache mit den Terroristen, verhinderten die Flucht jesidischer Nachbarn, lieferten sie ihren Schl\u00e4chtern aus. Kamaran Palani:<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c-K\u00e4mpfer haben gesagt, es gehe darum, die W\u00fcrde der sunnitischen Araber wiederherzustellen. Ihre Macht. Ihre Geschichte. Tats\u00e4chlich konnten es die Araber nicht hinnehmen, dass sie ins Abseits gedr\u00e4ngt wurden. Und ich denke, dass sie auch in Zukunft so handeln werden. Wann immer sich die Gelegenheit bietet: Sie werden alles hinter sich lassen \u2013 sich nur darauf konzentrieren.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Misstrauen. Auch bei einem Politikwissenschaftler. Was also tun? Zerst\u00f6rte St\u00e4dte und D\u00f6rfer k\u00f6nnten wieder aufgebaut werden \u2013 wenn denn ein gemeinsamer Wille best\u00fcnde. Doch was, wenn es einen solchen gemeinsamen Willen gar nicht gibt? Wenn Schmerz und Trauer anhalten, wenn die Verbrechen von Terroristen und Helfershelfern nicht geahndet werden, wenn Angst umgeht, Misstrauen und Hass das Miteinander bestimmen.<\/p>\n\n\n\n

\"SyrischeSoldaten in der irakischen Stadt Sindschar nach der R\u00fcckeroberung von der IS-Miliz Ende 2015. (dpa \/ MAXPPP \/ Arnaud Dumontier)<\/p>\n\n\n\n

Kamaran Palani stammt aus der Stadt Makhmour. Drei Tage nur sei der \u201eIS\u201c dort gewesen, sagt er, doch diese Tage h\u00e4tten alles ver\u00e4ndert. Der \u201eIS\u201c habe die Menschen in seiner Heimatstadt verrohen lassen, meint er, das Verh\u00e4ltnis zwischen Kurden und Arabern sei heute tot. Eine R\u00fcckkehr in alte Zeiten h\u00e4lt Palani f\u00fcr falsch.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch denke, es w\u00e4re nicht einfach, in das Jahr 2014 \u2013 also in die Zeit vor dem \u201aIS\u2018 \u2013 zur\u00fcckzukehren. Vor allem aber w\u00e4re es nicht die richtige Politik. Denn eben die hat ja erst zum Aufkommen, zur Existenz des \u201aIS\u2018 gef\u00fchrt.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n


Wie also in Ruinen Neues schaffen? Der Staat muss das Gewaltmonopol zur\u00fcckerlangen, fordert der Politikwissenschaftler. F\u00fcr ihn steht das an erster Stelle. Und dann m\u00fcsse der Staat dringend einen Kurswechsel vornehmen: Er m\u00fcsse integrativ wirken, alle einbinden, auch die Araber, in Sicherheitskr\u00e4fte, Verwaltung und Politik.<\/p>\n\n\n\n

Machtmonopol m\u00fcsste von Milizen zum Staat gehen<\/h2>\n\n\n\n

Die Realit\u00e4t sieht anders aus: Ein Staat Kurdistan, der neue Optionen m\u00f6glich gemacht h\u00e4tte, auch von den Minderheiten gew\u00fcnscht worden war, ist nicht entstanden. Bagdad aber ist fern, der Zentralstaat kaum existent, und wenn, dann ist er schiitisch dominiert. Es sind Milizen, die im Nord-Irak das Geschehen bestimmen, darum rivalisieren, das Machtvakuum zu f\u00fcllen, das durch die Vertreibung des \u201eIS\u201c entstanden ist. Einst im Kampf gegen die Terroristen geeint, sind die Milizen einander heute feind.<\/p>\n\n\n\n

Allen voran die \u201eHashd ash-Shaabi\u201c, schiitisch-irakische Milizen, deren Ausbilder und Kommandeure h\u00e4ufig Iraner sind. Bagdad hat die Haschd als regul\u00e4re Kraft im Kampf gegen den \u201eIS\u201c anerkannt \u2013 obwohl Menschenrechts-Organisationen schwere Vorw\u00fcrfe gegen sie erheben. Fest steht: Die schiitischen Milizen halten D\u00f6rfer besetzt, sind in Mosul f\u00fcr ihr herrisches Auftreten und ihre Willk\u00fcr bekannt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eTats\u00e4chlich sorgen die verschiedenen bewaffneten Gruppen daf\u00fcr, dass die Fl\u00fcchtlinge nicht zur\u00fcckkehren. Und weil sie nicht zur\u00fcckkehren, gibt es auch keinen Wiederaufbau. Die Menschen haben Angst vor den Milizen \u2013 auch davor, dass die einander bek\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die \u201eHashd\u201c m\u00fcssten mithin abziehen. Und mit ihnen die anderen Milizen. Das Machtmonopol m\u00fcsste an den Staat gehen. Doch der Irak ist auch Spielball der Regionalm\u00e4chte: Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien. Sie konkurrieren um Einfluss-Sph\u00e4ren, bedienen sich dabei verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Gruppen im Irak. Deswegen werden die Hashd nicht abziehen. Derzeit sind sie von der iranisch-irakischen Grenze im Osten \u00fcber Bagdad bis hoch zur irakisch-syrischen Grenze im Norden postiert. Einheiten Teherans k\u00f6nnten demnach auf dem Landweg vom Iran bis ans Mittelmeer durchmarschieren.<\/p>\n\n\n\n

Iran und Saudi-Arabien wollen Macht vergr\u00f6\u00dfern<\/h2>\n\n\n\n

Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n

In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n

Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3703,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:24:20","post_date_gmt":"2020-08-13 21:24:20","post_content":"\n

Deutschland str\u00e4ubt sich gegen die R\u00fcckkehr seiner eigenen Staatsb\u00fcrger, die zu IS-Terroristen wurden. Dabei hat die Bundesrepublik den Terror und die Terroristen einst exportiert. Und dies geschah wissentlich, sagt der Islamwissenschaftler Fabian Goldmann.<\/p>\n\n\n\n

Wann haben Sie sich eigentlich zuletzt von deutschen Terroristen distanziert? Zum Beispiel von Robert B.? Der Ex-Bundeswehrsoldat aus Solingen hat mutma\u00dflich bei einem Selbstmordattentat Anfang 2014 50 Menschen mit in den Tod gerissen. <\/p>\n\n\n\n

Oder von Yannik N.? Der junge Freiburger steuerte wahrscheinlich im Jahr 2015 einen mit anderthalb Tonnen Sprengstoff beladenen LKW in eine Menschenmenge und nahm so Dutzenden Personen das Leben.<\/p>\n\n\n\n

Oder von Yamin A.?. Im Sommer 2015 tauchte im Netz ein Video auf, das zeigte, wie der ehemalige Telekom-Azubi aus K\u00f6nigswinter zwei gefesselten Soldaten in den Kopf schoss.
Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Deutsche T\u00e4ter, aber kaum deutsche Opfer<\/h2>\n\n\n\n

Hauptsache nicht bei uns! Dies scheint auch dieser Tage wieder die Maxime zu sein, wenn Politiker und \u00d6ffentlichkeit \u00fcber den Umgang mit deutschen Terroristen diskutieren. Von potenziellen Bedrohungen und Anschlagsgefahren in Deutschland liest man dann. Vom ganz realen Terror, den Deutsche in den vergangenen Jahren \u00fcber die Menschen in Syrien und Irak gebracht haben, h\u00f6rt man hingegen kaum. Ein Terror, der kaum deutsche Opfer aber umso mehr deutsche T\u00e4ter kannte.<\/p>\n\n\n\n

1.050 \u2013 das ist laut Bundesinnenministerium die Anzahl der Dschihadisten, die in den letzten Jahren die Bundesrepublik in Richtung Nahost verlassen hat. Es f\u00e4llt schwer, sich umgekehrtes Szenario \u00fcberhaupt auszumalen. Was w\u00e4re wohl los, h\u00e4tte es nur ein Bruchteil arabischer Terroristen geschafft, bei uns Anschl\u00e4ge zu begehen? Europas \u201eMuslim Bann\u201c? \u00dcberwachungsstaat auf NSA-Niveau?<\/p>\n\n\n\n

Die CSU st\u00fcnde wom\u00f6glich am linken Ende des politischen Spektrums, und auf Twitter w\u00fcrde Trump deutsche Migrationspolitiker zur M\u00e4\u00dfigung aufrufen. Der deutsche Terror in Nahost kommt hingegen seit Jahren ganz ohne Sondersendungen, politische Debatten und Distanzierungsforderungen aus. <\/p>\n\n\n\n

Deutsche K\u00e4mpfer waren nicht nur willenloses Kanonenfutter<\/h2>\n\n\n\n

An fehlendem Wissen liegt das nicht. Von ganzen Einheiten des IS, in denen kein einziger K\u00e4mpfer Arabisch spreche, berichten syrische, irakische und kurdische Soldaten schon seit Jahren. Von Aleppo \u00fcber Raqqa bis Mossul haben Aktivisten und Politiker immer wieder darauf hingewiesen, dass viele der schlimmsten M\u00f6rder in den Reihen des IS Europ\u00e4er sind. Interessiert hat das hier kaum jemand.<\/p>\n\n\n\n

Dabei dienten Deutsche dem Islamischen Staats nicht nur als willenloses Kanonenfutter, wie es oft dargestellt wird. Viele haben seinen Terror mitgepr\u00e4gt. Wie Martin L., der derzeit in kurdischer Haft sitzt. Der Schwei\u00dfer aus Sachsen-Anhalt soll sich vom Folterknecht bis zum Geheimdienstler mit Kontakten bis in die F\u00fchrungsspitze der Terrororganisation hochgearbeitet haben.<\/p>\n\n\n\n

Oder Reda S., Der Prediger aus Berlin-Charlottenburg soll dem IS in Mossul als Bildungsminister gedient haben. Oder der Berliner Ex-Rapper Denis Cuspert, der zu den wichtigsten Personen in der IS-Medienorganisation Al-Hayat geh\u00f6rte. Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Beh\u00f6rden wussten gut Bescheid<\/h2>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich entstand der Islamische Staat nicht in deutschen Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen. Zur deutschen Verantwortung geh\u00f6rt aber auch, dass Politiker und Beh\u00f6rden lange wegschauten, solang nur die T\u00e4ter, aber nicht die Opfer Deutsche waren. Beh\u00f6rden wissen und wussten erschreckend gut Bescheid \u00fcber die Radikalisierung deutscher Islamisten. Ein Gro\u00dfteil der sp\u00e4teren IS-K\u00e4mpfer war polizeibekannt, stand auf Gef\u00e4hrderlisten oder hatte wegen islamistischer Straftaten bereits Haftstrafen verb\u00fc\u00dft. An der Ausreise gehindert wurden sie oftmals dennoch nicht. Die Gefahr, die von deutschen Terroristen ausgeht, interessierte Politik und \u00d6ffentlichkeit erst dann wieder, als ihre Einreise drohte.<\/p>\n\n\n\n

\"Fabian
Fabian Goldmann<\/strong> ist Journalist und Islamwissenschaftler. F\u00fcr verschiedene Magazine und Zeitungen berichtete er viele Jahre aus Nahost. Zurzeit widmet er sich vor allem dem Islam diesseits des Bosporus. Auf seinem Blog Schantall und die Scharia<\/a> bloggt er \u00fcber Islamophobie in Deutschland.<\/p>\n","post_title":"Es sind unsere Terroristen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"es-sind-unsere-terroristen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3703","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3700,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:19:36","post_date_gmt":"2020-08-13 21:19:36","post_content":"\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda? Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda t<\/p>\n\n\n\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda tritt an die Stelle der 2010 verabschiedeten Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014 (siehe IP\/10\/1535<\/a>). In der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda f\u00fcr den Zeitraum 2015-2020 skizziert die Europ\u00e4ische Kommission die Strategie der Union zur Bew\u00e4ltigung der Sicherheitsbedrohungen in der EU.<\/p>\n\n\n\n

Die EU und ihre Mitgliedstaaten sind mit betr\u00e4chtlichen Sicherheitsproblemen konfrontiert. Terrorismus, organisierte Kriminalit\u00e4t und Cyberkriminalit\u00e4t stellen eine zunehmende Gefahr f\u00fcr die europ\u00e4ische Gesellschaft dar, wobei sich Art und Ausma\u00df dieser Gefahr ver\u00e4ndert hat. Europa ist mit den Auswirkungen der politischen Instabilit\u00e4t in seiner unmittelbaren Nachbarschaft konfrontiert, die die Sicherheitsinteressen der EU gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n

Im Zuge der Krisen und Konflikte in Syrien, Irak und Libyen haben sich europ\u00e4ische B\u00fcrger terroristischen Gruppen angeschlossen, die bei ihrer R\u00fcckkehr eine erhebliche Bedrohung darstellen k\u00f6nnen. Die j\u00fcngsten terroristischen Anschl\u00e4ge in Europa zeugen von der zunehmenden Bedrohung durch einen gewaltt\u00e4tigen Extremismus und zeigen, in welchem Ausma\u00df weltweite Konflikte zur Radikalisierung der europ\u00e4ischen B\u00fcrger beitragen.<\/p>\n\n\n\n

Das Online-Umfeld hat sich zunehmend als Ziel f\u00fcr Kriminelle und Terroristen entwickelt. Unabh\u00e4ngig davon, ob es um die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und die Anwerbung von Menschen f\u00fcr terroristische Organisationen geht oder die Verbreitung von Hass oder einen Angriff auf die europ\u00e4ischen Werte und Institutionen, fest steht, dass wir unsere Reaktion auf diese Bedrohungen unbedingt abstimmen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Welcher Mehrwert entsteht durch die EU im Bereich der inneren Sicherheit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Gew\u00e4hrleistung der inneren Sicherheit f\u00e4llt weiterhin in erster Linie in die Zust\u00e4ndigkeit der Mitgliedstaaten. Allerdings werden die Bedrohungen f\u00fcr Europas B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger immer vielf\u00e4ltiger und betreffen in zunehmendem Ma\u00dfe mehrere Mitgliedstaaten. Einzelne Mitgliedstaaten haben die Verantwortung, die Sicherheit an den Au\u00dfengrenzen zu gew\u00e4hrleisten, sind aber nicht mehr in der Lage, diese Herausforderungen allein zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n

Kriminelle und terroristische Aktivit\u00e4ten machen nicht an den Grenzen der EU halt und beschr\u00e4nken sich auch nicht auf Nachbarregionen. Die innere Sicherheit der EU und die globale Sicherheit sind voneinander abh\u00e4ngig und miteinander verkn\u00fcpft. Die Sicherheit der Union h\u00e4ngt in hohem Ma\u00dfe von der Zusammenarbeit mit ihren internationalen Partnern und ihren Nachbarl\u00e4ndern ab.<\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t und des Terrorismus ist eine gemeinsame europ\u00e4ische Aufgabe. Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda sollte von den Mitgliedstaaten und den EU-Organen gemeinsam als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und gemeinsame Ma\u00dfnahmen der Union genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n

Mit Hilfe der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda werden die Polizei- und Strafverfolgungsdienste in verschiedenen Mitgliedstaaten Daten effektiver austauschen und bei der Bek\u00e4mpfung der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t besser zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Die Mitgliedstaaten k\u00f6nnen auf die Unterst\u00fctzung durch die Agenturen der EU z\u00e4hlen. Insbesondere in folgenden Punkten l\u00e4sst sich mit Hilfe der Sicherheitsagenda ein EU-Mehrwert erzielen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n

A) Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und den EU-Agenturen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1<\/strong>: Das Schengener Informationssystem<\/strong> (SIS) wird von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Abfrage von Ausschreibungen von gesuchten oder vermissten Personen und Gegenst\u00e4nden genutzt. Die Kommission wird an der Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Ausschreibungskategorien arbeiten und sich daf\u00fcr einsetzen, dass das SIS zusammen mit der Interpol-Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD)<\/strong> umfassender genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Was viele in den Widerstand trieb. Einige schlossen sich der Terror-Organisation \u201eAl-Qaida\u201c an, unter ihnen f\u00fchrende Milit\u00e4rs der aufgel\u00f6sten Armee Saddam Husseins \u2013 und aus \u201eAl-Qaida\u201c ging sp\u00e4ter der \u201eIS\u201c hervor.<\/p>\n\n\n\n

Als der \u201eIS\u201c dann im Sommer 2014 fast ohne Gegenwehr weite Landstriche in Syrien und im Irak \u00fcberrannte und seinen \u201eStaat\u201c ausrief, sahen auch gew\u00f6hnliche sunnitische Araber einen Wechsel nahen. Viele machten gemeinsame Sache mit den Terroristen, verhinderten die Flucht jesidischer Nachbarn, lieferten sie ihren Schl\u00e4chtern aus. Kamaran Palani:<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c-K\u00e4mpfer haben gesagt, es gehe darum, die W\u00fcrde der sunnitischen Araber wiederherzustellen. Ihre Macht. Ihre Geschichte. Tats\u00e4chlich konnten es die Araber nicht hinnehmen, dass sie ins Abseits gedr\u00e4ngt wurden. Und ich denke, dass sie auch in Zukunft so handeln werden. Wann immer sich die Gelegenheit bietet: Sie werden alles hinter sich lassen \u2013 sich nur darauf konzentrieren.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Misstrauen. Auch bei einem Politikwissenschaftler. Was also tun? Zerst\u00f6rte St\u00e4dte und D\u00f6rfer k\u00f6nnten wieder aufgebaut werden \u2013 wenn denn ein gemeinsamer Wille best\u00fcnde. Doch was, wenn es einen solchen gemeinsamen Willen gar nicht gibt? Wenn Schmerz und Trauer anhalten, wenn die Verbrechen von Terroristen und Helfershelfern nicht geahndet werden, wenn Angst umgeht, Misstrauen und Hass das Miteinander bestimmen.<\/p>\n\n\n\n

\"SyrischeSoldaten in der irakischen Stadt Sindschar nach der R\u00fcckeroberung von der IS-Miliz Ende 2015. (dpa \/ MAXPPP \/ Arnaud Dumontier)<\/p>\n\n\n\n

Kamaran Palani stammt aus der Stadt Makhmour. Drei Tage nur sei der \u201eIS\u201c dort gewesen, sagt er, doch diese Tage h\u00e4tten alles ver\u00e4ndert. Der \u201eIS\u201c habe die Menschen in seiner Heimatstadt verrohen lassen, meint er, das Verh\u00e4ltnis zwischen Kurden und Arabern sei heute tot. Eine R\u00fcckkehr in alte Zeiten h\u00e4lt Palani f\u00fcr falsch.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch denke, es w\u00e4re nicht einfach, in das Jahr 2014 \u2013 also in die Zeit vor dem \u201aIS\u2018 \u2013 zur\u00fcckzukehren. Vor allem aber w\u00e4re es nicht die richtige Politik. Denn eben die hat ja erst zum Aufkommen, zur Existenz des \u201aIS\u2018 gef\u00fchrt.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n


Wie also in Ruinen Neues schaffen? Der Staat muss das Gewaltmonopol zur\u00fcckerlangen, fordert der Politikwissenschaftler. F\u00fcr ihn steht das an erster Stelle. Und dann m\u00fcsse der Staat dringend einen Kurswechsel vornehmen: Er m\u00fcsse integrativ wirken, alle einbinden, auch die Araber, in Sicherheitskr\u00e4fte, Verwaltung und Politik.<\/p>\n\n\n\n

Machtmonopol m\u00fcsste von Milizen zum Staat gehen<\/h2>\n\n\n\n

Die Realit\u00e4t sieht anders aus: Ein Staat Kurdistan, der neue Optionen m\u00f6glich gemacht h\u00e4tte, auch von den Minderheiten gew\u00fcnscht worden war, ist nicht entstanden. Bagdad aber ist fern, der Zentralstaat kaum existent, und wenn, dann ist er schiitisch dominiert. Es sind Milizen, die im Nord-Irak das Geschehen bestimmen, darum rivalisieren, das Machtvakuum zu f\u00fcllen, das durch die Vertreibung des \u201eIS\u201c entstanden ist. Einst im Kampf gegen die Terroristen geeint, sind die Milizen einander heute feind.<\/p>\n\n\n\n

Allen voran die \u201eHashd ash-Shaabi\u201c, schiitisch-irakische Milizen, deren Ausbilder und Kommandeure h\u00e4ufig Iraner sind. Bagdad hat die Haschd als regul\u00e4re Kraft im Kampf gegen den \u201eIS\u201c anerkannt \u2013 obwohl Menschenrechts-Organisationen schwere Vorw\u00fcrfe gegen sie erheben. Fest steht: Die schiitischen Milizen halten D\u00f6rfer besetzt, sind in Mosul f\u00fcr ihr herrisches Auftreten und ihre Willk\u00fcr bekannt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eTats\u00e4chlich sorgen die verschiedenen bewaffneten Gruppen daf\u00fcr, dass die Fl\u00fcchtlinge nicht zur\u00fcckkehren. Und weil sie nicht zur\u00fcckkehren, gibt es auch keinen Wiederaufbau. Die Menschen haben Angst vor den Milizen \u2013 auch davor, dass die einander bek\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die \u201eHashd\u201c m\u00fcssten mithin abziehen. Und mit ihnen die anderen Milizen. Das Machtmonopol m\u00fcsste an den Staat gehen. Doch der Irak ist auch Spielball der Regionalm\u00e4chte: Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien. Sie konkurrieren um Einfluss-Sph\u00e4ren, bedienen sich dabei verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Gruppen im Irak. Deswegen werden die Hashd nicht abziehen. Derzeit sind sie von der iranisch-irakischen Grenze im Osten \u00fcber Bagdad bis hoch zur irakisch-syrischen Grenze im Norden postiert. Einheiten Teherans k\u00f6nnten demnach auf dem Landweg vom Iran bis ans Mittelmeer durchmarschieren.<\/p>\n\n\n\n

Iran und Saudi-Arabien wollen Macht vergr\u00f6\u00dfern<\/h2>\n\n\n\n

Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n

In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n

Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3703,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:24:20","post_date_gmt":"2020-08-13 21:24:20","post_content":"\n

Deutschland str\u00e4ubt sich gegen die R\u00fcckkehr seiner eigenen Staatsb\u00fcrger, die zu IS-Terroristen wurden. Dabei hat die Bundesrepublik den Terror und die Terroristen einst exportiert. Und dies geschah wissentlich, sagt der Islamwissenschaftler Fabian Goldmann.<\/p>\n\n\n\n

Wann haben Sie sich eigentlich zuletzt von deutschen Terroristen distanziert? Zum Beispiel von Robert B.? Der Ex-Bundeswehrsoldat aus Solingen hat mutma\u00dflich bei einem Selbstmordattentat Anfang 2014 50 Menschen mit in den Tod gerissen. <\/p>\n\n\n\n

Oder von Yannik N.? Der junge Freiburger steuerte wahrscheinlich im Jahr 2015 einen mit anderthalb Tonnen Sprengstoff beladenen LKW in eine Menschenmenge und nahm so Dutzenden Personen das Leben.<\/p>\n\n\n\n

Oder von Yamin A.?. Im Sommer 2015 tauchte im Netz ein Video auf, das zeigte, wie der ehemalige Telekom-Azubi aus K\u00f6nigswinter zwei gefesselten Soldaten in den Kopf schoss.
Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Deutsche T\u00e4ter, aber kaum deutsche Opfer<\/h2>\n\n\n\n

Hauptsache nicht bei uns! Dies scheint auch dieser Tage wieder die Maxime zu sein, wenn Politiker und \u00d6ffentlichkeit \u00fcber den Umgang mit deutschen Terroristen diskutieren. Von potenziellen Bedrohungen und Anschlagsgefahren in Deutschland liest man dann. Vom ganz realen Terror, den Deutsche in den vergangenen Jahren \u00fcber die Menschen in Syrien und Irak gebracht haben, h\u00f6rt man hingegen kaum. Ein Terror, der kaum deutsche Opfer aber umso mehr deutsche T\u00e4ter kannte.<\/p>\n\n\n\n

1.050 \u2013 das ist laut Bundesinnenministerium die Anzahl der Dschihadisten, die in den letzten Jahren die Bundesrepublik in Richtung Nahost verlassen hat. Es f\u00e4llt schwer, sich umgekehrtes Szenario \u00fcberhaupt auszumalen. Was w\u00e4re wohl los, h\u00e4tte es nur ein Bruchteil arabischer Terroristen geschafft, bei uns Anschl\u00e4ge zu begehen? Europas \u201eMuslim Bann\u201c? \u00dcberwachungsstaat auf NSA-Niveau?<\/p>\n\n\n\n

Die CSU st\u00fcnde wom\u00f6glich am linken Ende des politischen Spektrums, und auf Twitter w\u00fcrde Trump deutsche Migrationspolitiker zur M\u00e4\u00dfigung aufrufen. Der deutsche Terror in Nahost kommt hingegen seit Jahren ganz ohne Sondersendungen, politische Debatten und Distanzierungsforderungen aus. <\/p>\n\n\n\n

Deutsche K\u00e4mpfer waren nicht nur willenloses Kanonenfutter<\/h2>\n\n\n\n

An fehlendem Wissen liegt das nicht. Von ganzen Einheiten des IS, in denen kein einziger K\u00e4mpfer Arabisch spreche, berichten syrische, irakische und kurdische Soldaten schon seit Jahren. Von Aleppo \u00fcber Raqqa bis Mossul haben Aktivisten und Politiker immer wieder darauf hingewiesen, dass viele der schlimmsten M\u00f6rder in den Reihen des IS Europ\u00e4er sind. Interessiert hat das hier kaum jemand.<\/p>\n\n\n\n

Dabei dienten Deutsche dem Islamischen Staats nicht nur als willenloses Kanonenfutter, wie es oft dargestellt wird. Viele haben seinen Terror mitgepr\u00e4gt. Wie Martin L., der derzeit in kurdischer Haft sitzt. Der Schwei\u00dfer aus Sachsen-Anhalt soll sich vom Folterknecht bis zum Geheimdienstler mit Kontakten bis in die F\u00fchrungsspitze der Terrororganisation hochgearbeitet haben.<\/p>\n\n\n\n

Oder Reda S., Der Prediger aus Berlin-Charlottenburg soll dem IS in Mossul als Bildungsminister gedient haben. Oder der Berliner Ex-Rapper Denis Cuspert, der zu den wichtigsten Personen in der IS-Medienorganisation Al-Hayat geh\u00f6rte. Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Beh\u00f6rden wussten gut Bescheid<\/h2>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich entstand der Islamische Staat nicht in deutschen Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen. Zur deutschen Verantwortung geh\u00f6rt aber auch, dass Politiker und Beh\u00f6rden lange wegschauten, solang nur die T\u00e4ter, aber nicht die Opfer Deutsche waren. Beh\u00f6rden wissen und wussten erschreckend gut Bescheid \u00fcber die Radikalisierung deutscher Islamisten. Ein Gro\u00dfteil der sp\u00e4teren IS-K\u00e4mpfer war polizeibekannt, stand auf Gef\u00e4hrderlisten oder hatte wegen islamistischer Straftaten bereits Haftstrafen verb\u00fc\u00dft. An der Ausreise gehindert wurden sie oftmals dennoch nicht. Die Gefahr, die von deutschen Terroristen ausgeht, interessierte Politik und \u00d6ffentlichkeit erst dann wieder, als ihre Einreise drohte.<\/p>\n\n\n\n

\"Fabian
Fabian Goldmann<\/strong> ist Journalist und Islamwissenschaftler. F\u00fcr verschiedene Magazine und Zeitungen berichtete er viele Jahre aus Nahost. Zurzeit widmet er sich vor allem dem Islam diesseits des Bosporus. Auf seinem Blog Schantall und die Scharia<\/a> bloggt er \u00fcber Islamophobie in Deutschland.<\/p>\n","post_title":"Es sind unsere Terroristen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"es-sind-unsere-terroristen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3703","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3700,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:19:36","post_date_gmt":"2020-08-13 21:19:36","post_content":"\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda? Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda t<\/p>\n\n\n\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda tritt an die Stelle der 2010 verabschiedeten Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014 (siehe IP\/10\/1535<\/a>). In der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda f\u00fcr den Zeitraum 2015-2020 skizziert die Europ\u00e4ische Kommission die Strategie der Union zur Bew\u00e4ltigung der Sicherheitsbedrohungen in der EU.<\/p>\n\n\n\n

Die EU und ihre Mitgliedstaaten sind mit betr\u00e4chtlichen Sicherheitsproblemen konfrontiert. Terrorismus, organisierte Kriminalit\u00e4t und Cyberkriminalit\u00e4t stellen eine zunehmende Gefahr f\u00fcr die europ\u00e4ische Gesellschaft dar, wobei sich Art und Ausma\u00df dieser Gefahr ver\u00e4ndert hat. Europa ist mit den Auswirkungen der politischen Instabilit\u00e4t in seiner unmittelbaren Nachbarschaft konfrontiert, die die Sicherheitsinteressen der EU gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n

Im Zuge der Krisen und Konflikte in Syrien, Irak und Libyen haben sich europ\u00e4ische B\u00fcrger terroristischen Gruppen angeschlossen, die bei ihrer R\u00fcckkehr eine erhebliche Bedrohung darstellen k\u00f6nnen. Die j\u00fcngsten terroristischen Anschl\u00e4ge in Europa zeugen von der zunehmenden Bedrohung durch einen gewaltt\u00e4tigen Extremismus und zeigen, in welchem Ausma\u00df weltweite Konflikte zur Radikalisierung der europ\u00e4ischen B\u00fcrger beitragen.<\/p>\n\n\n\n

Das Online-Umfeld hat sich zunehmend als Ziel f\u00fcr Kriminelle und Terroristen entwickelt. Unabh\u00e4ngig davon, ob es um die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und die Anwerbung von Menschen f\u00fcr terroristische Organisationen geht oder die Verbreitung von Hass oder einen Angriff auf die europ\u00e4ischen Werte und Institutionen, fest steht, dass wir unsere Reaktion auf diese Bedrohungen unbedingt abstimmen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Welcher Mehrwert entsteht durch die EU im Bereich der inneren Sicherheit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Gew\u00e4hrleistung der inneren Sicherheit f\u00e4llt weiterhin in erster Linie in die Zust\u00e4ndigkeit der Mitgliedstaaten. Allerdings werden die Bedrohungen f\u00fcr Europas B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger immer vielf\u00e4ltiger und betreffen in zunehmendem Ma\u00dfe mehrere Mitgliedstaaten. Einzelne Mitgliedstaaten haben die Verantwortung, die Sicherheit an den Au\u00dfengrenzen zu gew\u00e4hrleisten, sind aber nicht mehr in der Lage, diese Herausforderungen allein zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n

Kriminelle und terroristische Aktivit\u00e4ten machen nicht an den Grenzen der EU halt und beschr\u00e4nken sich auch nicht auf Nachbarregionen. Die innere Sicherheit der EU und die globale Sicherheit sind voneinander abh\u00e4ngig und miteinander verkn\u00fcpft. Die Sicherheit der Union h\u00e4ngt in hohem Ma\u00dfe von der Zusammenarbeit mit ihren internationalen Partnern und ihren Nachbarl\u00e4ndern ab.<\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t und des Terrorismus ist eine gemeinsame europ\u00e4ische Aufgabe. Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda sollte von den Mitgliedstaaten und den EU-Organen gemeinsam als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und gemeinsame Ma\u00dfnahmen der Union genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n

Mit Hilfe der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda werden die Polizei- und Strafverfolgungsdienste in verschiedenen Mitgliedstaaten Daten effektiver austauschen und bei der Bek\u00e4mpfung der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t besser zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Die Mitgliedstaaten k\u00f6nnen auf die Unterst\u00fctzung durch die Agenturen der EU z\u00e4hlen. Insbesondere in folgenden Punkten l\u00e4sst sich mit Hilfe der Sicherheitsagenda ein EU-Mehrwert erzielen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n

A) Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und den EU-Agenturen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1<\/strong>: Das Schengener Informationssystem<\/strong> (SIS) wird von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Abfrage von Ausschreibungen von gesuchten oder vermissten Personen und Gegenst\u00e4nden genutzt. Die Kommission wird an der Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Ausschreibungskategorien arbeiten und sich daf\u00fcr einsetzen, dass das SIS zusammen mit der Interpol-Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD)<\/strong> umfassender genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Jetzt wurde der Spie\u00df umgedreht. Die Amerikaner sorgten daf\u00fcr, dass die Sunniten jegliche Machtposition verloren \u2013 so wurde die irakische Armee, wurde die baathistische Partei aufgel\u00f6st \u2013 ohne ein Pendant zu schaffen, das alle integrierte. Und: Washington unterst\u00fctzte Regierungschef Nouri al-Maliki, einen Schiiten. Maliki sah eine historische Chance gekommen, diskriminierte nun seinerseits seine sunnitischen Landsleute, verwehrte ihnen im \u201eNeuen Irak\u201c die Mitsprache. Im Regime Malikis wurden Sunniten inhaftiert, gefoltert und umgebracht.<\/p>\n\n\n\n

Was viele in den Widerstand trieb. Einige schlossen sich der Terror-Organisation \u201eAl-Qaida\u201c an, unter ihnen f\u00fchrende Milit\u00e4rs der aufgel\u00f6sten Armee Saddam Husseins \u2013 und aus \u201eAl-Qaida\u201c ging sp\u00e4ter der \u201eIS\u201c hervor.<\/p>\n\n\n\n

Als der \u201eIS\u201c dann im Sommer 2014 fast ohne Gegenwehr weite Landstriche in Syrien und im Irak \u00fcberrannte und seinen \u201eStaat\u201c ausrief, sahen auch gew\u00f6hnliche sunnitische Araber einen Wechsel nahen. Viele machten gemeinsame Sache mit den Terroristen, verhinderten die Flucht jesidischer Nachbarn, lieferten sie ihren Schl\u00e4chtern aus. Kamaran Palani:<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c-K\u00e4mpfer haben gesagt, es gehe darum, die W\u00fcrde der sunnitischen Araber wiederherzustellen. Ihre Macht. Ihre Geschichte. Tats\u00e4chlich konnten es die Araber nicht hinnehmen, dass sie ins Abseits gedr\u00e4ngt wurden. Und ich denke, dass sie auch in Zukunft so handeln werden. Wann immer sich die Gelegenheit bietet: Sie werden alles hinter sich lassen \u2013 sich nur darauf konzentrieren.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Misstrauen. Auch bei einem Politikwissenschaftler. Was also tun? Zerst\u00f6rte St\u00e4dte und D\u00f6rfer k\u00f6nnten wieder aufgebaut werden \u2013 wenn denn ein gemeinsamer Wille best\u00fcnde. Doch was, wenn es einen solchen gemeinsamen Willen gar nicht gibt? Wenn Schmerz und Trauer anhalten, wenn die Verbrechen von Terroristen und Helfershelfern nicht geahndet werden, wenn Angst umgeht, Misstrauen und Hass das Miteinander bestimmen.<\/p>\n\n\n\n

\"SyrischeSoldaten in der irakischen Stadt Sindschar nach der R\u00fcckeroberung von der IS-Miliz Ende 2015. (dpa \/ MAXPPP \/ Arnaud Dumontier)<\/p>\n\n\n\n

Kamaran Palani stammt aus der Stadt Makhmour. Drei Tage nur sei der \u201eIS\u201c dort gewesen, sagt er, doch diese Tage h\u00e4tten alles ver\u00e4ndert. Der \u201eIS\u201c habe die Menschen in seiner Heimatstadt verrohen lassen, meint er, das Verh\u00e4ltnis zwischen Kurden und Arabern sei heute tot. Eine R\u00fcckkehr in alte Zeiten h\u00e4lt Palani f\u00fcr falsch.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch denke, es w\u00e4re nicht einfach, in das Jahr 2014 \u2013 also in die Zeit vor dem \u201aIS\u2018 \u2013 zur\u00fcckzukehren. Vor allem aber w\u00e4re es nicht die richtige Politik. Denn eben die hat ja erst zum Aufkommen, zur Existenz des \u201aIS\u2018 gef\u00fchrt.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n


Wie also in Ruinen Neues schaffen? Der Staat muss das Gewaltmonopol zur\u00fcckerlangen, fordert der Politikwissenschaftler. F\u00fcr ihn steht das an erster Stelle. Und dann m\u00fcsse der Staat dringend einen Kurswechsel vornehmen: Er m\u00fcsse integrativ wirken, alle einbinden, auch die Araber, in Sicherheitskr\u00e4fte, Verwaltung und Politik.<\/p>\n\n\n\n

Machtmonopol m\u00fcsste von Milizen zum Staat gehen<\/h2>\n\n\n\n

Die Realit\u00e4t sieht anders aus: Ein Staat Kurdistan, der neue Optionen m\u00f6glich gemacht h\u00e4tte, auch von den Minderheiten gew\u00fcnscht worden war, ist nicht entstanden. Bagdad aber ist fern, der Zentralstaat kaum existent, und wenn, dann ist er schiitisch dominiert. Es sind Milizen, die im Nord-Irak das Geschehen bestimmen, darum rivalisieren, das Machtvakuum zu f\u00fcllen, das durch die Vertreibung des \u201eIS\u201c entstanden ist. Einst im Kampf gegen die Terroristen geeint, sind die Milizen einander heute feind.<\/p>\n\n\n\n

Allen voran die \u201eHashd ash-Shaabi\u201c, schiitisch-irakische Milizen, deren Ausbilder und Kommandeure h\u00e4ufig Iraner sind. Bagdad hat die Haschd als regul\u00e4re Kraft im Kampf gegen den \u201eIS\u201c anerkannt \u2013 obwohl Menschenrechts-Organisationen schwere Vorw\u00fcrfe gegen sie erheben. Fest steht: Die schiitischen Milizen halten D\u00f6rfer besetzt, sind in Mosul f\u00fcr ihr herrisches Auftreten und ihre Willk\u00fcr bekannt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eTats\u00e4chlich sorgen die verschiedenen bewaffneten Gruppen daf\u00fcr, dass die Fl\u00fcchtlinge nicht zur\u00fcckkehren. Und weil sie nicht zur\u00fcckkehren, gibt es auch keinen Wiederaufbau. Die Menschen haben Angst vor den Milizen \u2013 auch davor, dass die einander bek\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die \u201eHashd\u201c m\u00fcssten mithin abziehen. Und mit ihnen die anderen Milizen. Das Machtmonopol m\u00fcsste an den Staat gehen. Doch der Irak ist auch Spielball der Regionalm\u00e4chte: Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien. Sie konkurrieren um Einfluss-Sph\u00e4ren, bedienen sich dabei verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Gruppen im Irak. Deswegen werden die Hashd nicht abziehen. Derzeit sind sie von der iranisch-irakischen Grenze im Osten \u00fcber Bagdad bis hoch zur irakisch-syrischen Grenze im Norden postiert. Einheiten Teherans k\u00f6nnten demnach auf dem Landweg vom Iran bis ans Mittelmeer durchmarschieren.<\/p>\n\n\n\n

Iran und Saudi-Arabien wollen Macht vergr\u00f6\u00dfern<\/h2>\n\n\n\n

Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n

In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n

Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3703,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:24:20","post_date_gmt":"2020-08-13 21:24:20","post_content":"\n

Deutschland str\u00e4ubt sich gegen die R\u00fcckkehr seiner eigenen Staatsb\u00fcrger, die zu IS-Terroristen wurden. Dabei hat die Bundesrepublik den Terror und die Terroristen einst exportiert. Und dies geschah wissentlich, sagt der Islamwissenschaftler Fabian Goldmann.<\/p>\n\n\n\n

Wann haben Sie sich eigentlich zuletzt von deutschen Terroristen distanziert? Zum Beispiel von Robert B.? Der Ex-Bundeswehrsoldat aus Solingen hat mutma\u00dflich bei einem Selbstmordattentat Anfang 2014 50 Menschen mit in den Tod gerissen. <\/p>\n\n\n\n

Oder von Yannik N.? Der junge Freiburger steuerte wahrscheinlich im Jahr 2015 einen mit anderthalb Tonnen Sprengstoff beladenen LKW in eine Menschenmenge und nahm so Dutzenden Personen das Leben.<\/p>\n\n\n\n

Oder von Yamin A.?. Im Sommer 2015 tauchte im Netz ein Video auf, das zeigte, wie der ehemalige Telekom-Azubi aus K\u00f6nigswinter zwei gefesselten Soldaten in den Kopf schoss.
Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Deutsche T\u00e4ter, aber kaum deutsche Opfer<\/h2>\n\n\n\n

Hauptsache nicht bei uns! Dies scheint auch dieser Tage wieder die Maxime zu sein, wenn Politiker und \u00d6ffentlichkeit \u00fcber den Umgang mit deutschen Terroristen diskutieren. Von potenziellen Bedrohungen und Anschlagsgefahren in Deutschland liest man dann. Vom ganz realen Terror, den Deutsche in den vergangenen Jahren \u00fcber die Menschen in Syrien und Irak gebracht haben, h\u00f6rt man hingegen kaum. Ein Terror, der kaum deutsche Opfer aber umso mehr deutsche T\u00e4ter kannte.<\/p>\n\n\n\n

1.050 \u2013 das ist laut Bundesinnenministerium die Anzahl der Dschihadisten, die in den letzten Jahren die Bundesrepublik in Richtung Nahost verlassen hat. Es f\u00e4llt schwer, sich umgekehrtes Szenario \u00fcberhaupt auszumalen. Was w\u00e4re wohl los, h\u00e4tte es nur ein Bruchteil arabischer Terroristen geschafft, bei uns Anschl\u00e4ge zu begehen? Europas \u201eMuslim Bann\u201c? \u00dcberwachungsstaat auf NSA-Niveau?<\/p>\n\n\n\n

Die CSU st\u00fcnde wom\u00f6glich am linken Ende des politischen Spektrums, und auf Twitter w\u00fcrde Trump deutsche Migrationspolitiker zur M\u00e4\u00dfigung aufrufen. Der deutsche Terror in Nahost kommt hingegen seit Jahren ganz ohne Sondersendungen, politische Debatten und Distanzierungsforderungen aus. <\/p>\n\n\n\n

Deutsche K\u00e4mpfer waren nicht nur willenloses Kanonenfutter<\/h2>\n\n\n\n

An fehlendem Wissen liegt das nicht. Von ganzen Einheiten des IS, in denen kein einziger K\u00e4mpfer Arabisch spreche, berichten syrische, irakische und kurdische Soldaten schon seit Jahren. Von Aleppo \u00fcber Raqqa bis Mossul haben Aktivisten und Politiker immer wieder darauf hingewiesen, dass viele der schlimmsten M\u00f6rder in den Reihen des IS Europ\u00e4er sind. Interessiert hat das hier kaum jemand.<\/p>\n\n\n\n

Dabei dienten Deutsche dem Islamischen Staats nicht nur als willenloses Kanonenfutter, wie es oft dargestellt wird. Viele haben seinen Terror mitgepr\u00e4gt. Wie Martin L., der derzeit in kurdischer Haft sitzt. Der Schwei\u00dfer aus Sachsen-Anhalt soll sich vom Folterknecht bis zum Geheimdienstler mit Kontakten bis in die F\u00fchrungsspitze der Terrororganisation hochgearbeitet haben.<\/p>\n\n\n\n

Oder Reda S., Der Prediger aus Berlin-Charlottenburg soll dem IS in Mossul als Bildungsminister gedient haben. Oder der Berliner Ex-Rapper Denis Cuspert, der zu den wichtigsten Personen in der IS-Medienorganisation Al-Hayat geh\u00f6rte. Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Beh\u00f6rden wussten gut Bescheid<\/h2>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich entstand der Islamische Staat nicht in deutschen Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen. Zur deutschen Verantwortung geh\u00f6rt aber auch, dass Politiker und Beh\u00f6rden lange wegschauten, solang nur die T\u00e4ter, aber nicht die Opfer Deutsche waren. Beh\u00f6rden wissen und wussten erschreckend gut Bescheid \u00fcber die Radikalisierung deutscher Islamisten. Ein Gro\u00dfteil der sp\u00e4teren IS-K\u00e4mpfer war polizeibekannt, stand auf Gef\u00e4hrderlisten oder hatte wegen islamistischer Straftaten bereits Haftstrafen verb\u00fc\u00dft. An der Ausreise gehindert wurden sie oftmals dennoch nicht. Die Gefahr, die von deutschen Terroristen ausgeht, interessierte Politik und \u00d6ffentlichkeit erst dann wieder, als ihre Einreise drohte.<\/p>\n\n\n\n

\"Fabian
Fabian Goldmann<\/strong> ist Journalist und Islamwissenschaftler. F\u00fcr verschiedene Magazine und Zeitungen berichtete er viele Jahre aus Nahost. Zurzeit widmet er sich vor allem dem Islam diesseits des Bosporus. Auf seinem Blog Schantall und die Scharia<\/a> bloggt er \u00fcber Islamophobie in Deutschland.<\/p>\n","post_title":"Es sind unsere Terroristen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"es-sind-unsere-terroristen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3703","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3700,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:19:36","post_date_gmt":"2020-08-13 21:19:36","post_content":"\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda? Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda t<\/p>\n\n\n\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda tritt an die Stelle der 2010 verabschiedeten Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014 (siehe IP\/10\/1535<\/a>). In der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda f\u00fcr den Zeitraum 2015-2020 skizziert die Europ\u00e4ische Kommission die Strategie der Union zur Bew\u00e4ltigung der Sicherheitsbedrohungen in der EU.<\/p>\n\n\n\n

Die EU und ihre Mitgliedstaaten sind mit betr\u00e4chtlichen Sicherheitsproblemen konfrontiert. Terrorismus, organisierte Kriminalit\u00e4t und Cyberkriminalit\u00e4t stellen eine zunehmende Gefahr f\u00fcr die europ\u00e4ische Gesellschaft dar, wobei sich Art und Ausma\u00df dieser Gefahr ver\u00e4ndert hat. Europa ist mit den Auswirkungen der politischen Instabilit\u00e4t in seiner unmittelbaren Nachbarschaft konfrontiert, die die Sicherheitsinteressen der EU gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n

Im Zuge der Krisen und Konflikte in Syrien, Irak und Libyen haben sich europ\u00e4ische B\u00fcrger terroristischen Gruppen angeschlossen, die bei ihrer R\u00fcckkehr eine erhebliche Bedrohung darstellen k\u00f6nnen. Die j\u00fcngsten terroristischen Anschl\u00e4ge in Europa zeugen von der zunehmenden Bedrohung durch einen gewaltt\u00e4tigen Extremismus und zeigen, in welchem Ausma\u00df weltweite Konflikte zur Radikalisierung der europ\u00e4ischen B\u00fcrger beitragen.<\/p>\n\n\n\n

Das Online-Umfeld hat sich zunehmend als Ziel f\u00fcr Kriminelle und Terroristen entwickelt. Unabh\u00e4ngig davon, ob es um die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und die Anwerbung von Menschen f\u00fcr terroristische Organisationen geht oder die Verbreitung von Hass oder einen Angriff auf die europ\u00e4ischen Werte und Institutionen, fest steht, dass wir unsere Reaktion auf diese Bedrohungen unbedingt abstimmen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Welcher Mehrwert entsteht durch die EU im Bereich der inneren Sicherheit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Gew\u00e4hrleistung der inneren Sicherheit f\u00e4llt weiterhin in erster Linie in die Zust\u00e4ndigkeit der Mitgliedstaaten. Allerdings werden die Bedrohungen f\u00fcr Europas B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger immer vielf\u00e4ltiger und betreffen in zunehmendem Ma\u00dfe mehrere Mitgliedstaaten. Einzelne Mitgliedstaaten haben die Verantwortung, die Sicherheit an den Au\u00dfengrenzen zu gew\u00e4hrleisten, sind aber nicht mehr in der Lage, diese Herausforderungen allein zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n

Kriminelle und terroristische Aktivit\u00e4ten machen nicht an den Grenzen der EU halt und beschr\u00e4nken sich auch nicht auf Nachbarregionen. Die innere Sicherheit der EU und die globale Sicherheit sind voneinander abh\u00e4ngig und miteinander verkn\u00fcpft. Die Sicherheit der Union h\u00e4ngt in hohem Ma\u00dfe von der Zusammenarbeit mit ihren internationalen Partnern und ihren Nachbarl\u00e4ndern ab.<\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t und des Terrorismus ist eine gemeinsame europ\u00e4ische Aufgabe. Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda sollte von den Mitgliedstaaten und den EU-Organen gemeinsam als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und gemeinsame Ma\u00dfnahmen der Union genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n

Mit Hilfe der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda werden die Polizei- und Strafverfolgungsdienste in verschiedenen Mitgliedstaaten Daten effektiver austauschen und bei der Bek\u00e4mpfung der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t besser zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Die Mitgliedstaaten k\u00f6nnen auf die Unterst\u00fctzung durch die Agenturen der EU z\u00e4hlen. Insbesondere in folgenden Punkten l\u00e4sst sich mit Hilfe der Sicherheitsagenda ein EU-Mehrwert erzielen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n

A) Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und den EU-Agenturen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1<\/strong>: Das Schengener Informationssystem<\/strong> (SIS) wird von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Abfrage von Ausschreibungen von gesuchten oder vermissten Personen und Gegenst\u00e4nden genutzt. Die Kommission wird an der Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Ausschreibungskategorien arbeiten und sich daf\u00fcr einsetzen, dass das SIS zusammen mit der Interpol-Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD)<\/strong> umfassender genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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\u201eIS\u201c entstand aus Widerstand gegen Schiiten-Herrschaft<\/h2>\n\n\n\n

Jetzt wurde der Spie\u00df umgedreht. Die Amerikaner sorgten daf\u00fcr, dass die Sunniten jegliche Machtposition verloren \u2013 so wurde die irakische Armee, wurde die baathistische Partei aufgel\u00f6st \u2013 ohne ein Pendant zu schaffen, das alle integrierte. Und: Washington unterst\u00fctzte Regierungschef Nouri al-Maliki, einen Schiiten. Maliki sah eine historische Chance gekommen, diskriminierte nun seinerseits seine sunnitischen Landsleute, verwehrte ihnen im \u201eNeuen Irak\u201c die Mitsprache. Im Regime Malikis wurden Sunniten inhaftiert, gefoltert und umgebracht.<\/p>\n\n\n\n

Was viele in den Widerstand trieb. Einige schlossen sich der Terror-Organisation \u201eAl-Qaida\u201c an, unter ihnen f\u00fchrende Milit\u00e4rs der aufgel\u00f6sten Armee Saddam Husseins \u2013 und aus \u201eAl-Qaida\u201c ging sp\u00e4ter der \u201eIS\u201c hervor.<\/p>\n\n\n\n

Als der \u201eIS\u201c dann im Sommer 2014 fast ohne Gegenwehr weite Landstriche in Syrien und im Irak \u00fcberrannte und seinen \u201eStaat\u201c ausrief, sahen auch gew\u00f6hnliche sunnitische Araber einen Wechsel nahen. Viele machten gemeinsame Sache mit den Terroristen, verhinderten die Flucht jesidischer Nachbarn, lieferten sie ihren Schl\u00e4chtern aus. Kamaran Palani:<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c-K\u00e4mpfer haben gesagt, es gehe darum, die W\u00fcrde der sunnitischen Araber wiederherzustellen. Ihre Macht. Ihre Geschichte. Tats\u00e4chlich konnten es die Araber nicht hinnehmen, dass sie ins Abseits gedr\u00e4ngt wurden. Und ich denke, dass sie auch in Zukunft so handeln werden. Wann immer sich die Gelegenheit bietet: Sie werden alles hinter sich lassen \u2013 sich nur darauf konzentrieren.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Misstrauen. Auch bei einem Politikwissenschaftler. Was also tun? Zerst\u00f6rte St\u00e4dte und D\u00f6rfer k\u00f6nnten wieder aufgebaut werden \u2013 wenn denn ein gemeinsamer Wille best\u00fcnde. Doch was, wenn es einen solchen gemeinsamen Willen gar nicht gibt? Wenn Schmerz und Trauer anhalten, wenn die Verbrechen von Terroristen und Helfershelfern nicht geahndet werden, wenn Angst umgeht, Misstrauen und Hass das Miteinander bestimmen.<\/p>\n\n\n\n

\"SyrischeSoldaten in der irakischen Stadt Sindschar nach der R\u00fcckeroberung von der IS-Miliz Ende 2015. (dpa \/ MAXPPP \/ Arnaud Dumontier)<\/p>\n\n\n\n

Kamaran Palani stammt aus der Stadt Makhmour. Drei Tage nur sei der \u201eIS\u201c dort gewesen, sagt er, doch diese Tage h\u00e4tten alles ver\u00e4ndert. Der \u201eIS\u201c habe die Menschen in seiner Heimatstadt verrohen lassen, meint er, das Verh\u00e4ltnis zwischen Kurden und Arabern sei heute tot. Eine R\u00fcckkehr in alte Zeiten h\u00e4lt Palani f\u00fcr falsch.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch denke, es w\u00e4re nicht einfach, in das Jahr 2014 \u2013 also in die Zeit vor dem \u201aIS\u2018 \u2013 zur\u00fcckzukehren. Vor allem aber w\u00e4re es nicht die richtige Politik. Denn eben die hat ja erst zum Aufkommen, zur Existenz des \u201aIS\u2018 gef\u00fchrt.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n


Wie also in Ruinen Neues schaffen? Der Staat muss das Gewaltmonopol zur\u00fcckerlangen, fordert der Politikwissenschaftler. F\u00fcr ihn steht das an erster Stelle. Und dann m\u00fcsse der Staat dringend einen Kurswechsel vornehmen: Er m\u00fcsse integrativ wirken, alle einbinden, auch die Araber, in Sicherheitskr\u00e4fte, Verwaltung und Politik.<\/p>\n\n\n\n

Machtmonopol m\u00fcsste von Milizen zum Staat gehen<\/h2>\n\n\n\n

Die Realit\u00e4t sieht anders aus: Ein Staat Kurdistan, der neue Optionen m\u00f6glich gemacht h\u00e4tte, auch von den Minderheiten gew\u00fcnscht worden war, ist nicht entstanden. Bagdad aber ist fern, der Zentralstaat kaum existent, und wenn, dann ist er schiitisch dominiert. Es sind Milizen, die im Nord-Irak das Geschehen bestimmen, darum rivalisieren, das Machtvakuum zu f\u00fcllen, das durch die Vertreibung des \u201eIS\u201c entstanden ist. Einst im Kampf gegen die Terroristen geeint, sind die Milizen einander heute feind.<\/p>\n\n\n\n

Allen voran die \u201eHashd ash-Shaabi\u201c, schiitisch-irakische Milizen, deren Ausbilder und Kommandeure h\u00e4ufig Iraner sind. Bagdad hat die Haschd als regul\u00e4re Kraft im Kampf gegen den \u201eIS\u201c anerkannt \u2013 obwohl Menschenrechts-Organisationen schwere Vorw\u00fcrfe gegen sie erheben. Fest steht: Die schiitischen Milizen halten D\u00f6rfer besetzt, sind in Mosul f\u00fcr ihr herrisches Auftreten und ihre Willk\u00fcr bekannt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eTats\u00e4chlich sorgen die verschiedenen bewaffneten Gruppen daf\u00fcr, dass die Fl\u00fcchtlinge nicht zur\u00fcckkehren. Und weil sie nicht zur\u00fcckkehren, gibt es auch keinen Wiederaufbau. Die Menschen haben Angst vor den Milizen \u2013 auch davor, dass die einander bek\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die \u201eHashd\u201c m\u00fcssten mithin abziehen. Und mit ihnen die anderen Milizen. Das Machtmonopol m\u00fcsste an den Staat gehen. Doch der Irak ist auch Spielball der Regionalm\u00e4chte: Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien. Sie konkurrieren um Einfluss-Sph\u00e4ren, bedienen sich dabei verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Gruppen im Irak. Deswegen werden die Hashd nicht abziehen. Derzeit sind sie von der iranisch-irakischen Grenze im Osten \u00fcber Bagdad bis hoch zur irakisch-syrischen Grenze im Norden postiert. Einheiten Teherans k\u00f6nnten demnach auf dem Landweg vom Iran bis ans Mittelmeer durchmarschieren.<\/p>\n\n\n\n

Iran und Saudi-Arabien wollen Macht vergr\u00f6\u00dfern<\/h2>\n\n\n\n

Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n

In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n

Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3703,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:24:20","post_date_gmt":"2020-08-13 21:24:20","post_content":"\n

Deutschland str\u00e4ubt sich gegen die R\u00fcckkehr seiner eigenen Staatsb\u00fcrger, die zu IS-Terroristen wurden. Dabei hat die Bundesrepublik den Terror und die Terroristen einst exportiert. Und dies geschah wissentlich, sagt der Islamwissenschaftler Fabian Goldmann.<\/p>\n\n\n\n

Wann haben Sie sich eigentlich zuletzt von deutschen Terroristen distanziert? Zum Beispiel von Robert B.? Der Ex-Bundeswehrsoldat aus Solingen hat mutma\u00dflich bei einem Selbstmordattentat Anfang 2014 50 Menschen mit in den Tod gerissen. <\/p>\n\n\n\n

Oder von Yannik N.? Der junge Freiburger steuerte wahrscheinlich im Jahr 2015 einen mit anderthalb Tonnen Sprengstoff beladenen LKW in eine Menschenmenge und nahm so Dutzenden Personen das Leben.<\/p>\n\n\n\n

Oder von Yamin A.?. Im Sommer 2015 tauchte im Netz ein Video auf, das zeigte, wie der ehemalige Telekom-Azubi aus K\u00f6nigswinter zwei gefesselten Soldaten in den Kopf schoss.
Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Deutsche T\u00e4ter, aber kaum deutsche Opfer<\/h2>\n\n\n\n

Hauptsache nicht bei uns! Dies scheint auch dieser Tage wieder die Maxime zu sein, wenn Politiker und \u00d6ffentlichkeit \u00fcber den Umgang mit deutschen Terroristen diskutieren. Von potenziellen Bedrohungen und Anschlagsgefahren in Deutschland liest man dann. Vom ganz realen Terror, den Deutsche in den vergangenen Jahren \u00fcber die Menschen in Syrien und Irak gebracht haben, h\u00f6rt man hingegen kaum. Ein Terror, der kaum deutsche Opfer aber umso mehr deutsche T\u00e4ter kannte.<\/p>\n\n\n\n

1.050 \u2013 das ist laut Bundesinnenministerium die Anzahl der Dschihadisten, die in den letzten Jahren die Bundesrepublik in Richtung Nahost verlassen hat. Es f\u00e4llt schwer, sich umgekehrtes Szenario \u00fcberhaupt auszumalen. Was w\u00e4re wohl los, h\u00e4tte es nur ein Bruchteil arabischer Terroristen geschafft, bei uns Anschl\u00e4ge zu begehen? Europas \u201eMuslim Bann\u201c? \u00dcberwachungsstaat auf NSA-Niveau?<\/p>\n\n\n\n

Die CSU st\u00fcnde wom\u00f6glich am linken Ende des politischen Spektrums, und auf Twitter w\u00fcrde Trump deutsche Migrationspolitiker zur M\u00e4\u00dfigung aufrufen. Der deutsche Terror in Nahost kommt hingegen seit Jahren ganz ohne Sondersendungen, politische Debatten und Distanzierungsforderungen aus. <\/p>\n\n\n\n

Deutsche K\u00e4mpfer waren nicht nur willenloses Kanonenfutter<\/h2>\n\n\n\n

An fehlendem Wissen liegt das nicht. Von ganzen Einheiten des IS, in denen kein einziger K\u00e4mpfer Arabisch spreche, berichten syrische, irakische und kurdische Soldaten schon seit Jahren. Von Aleppo \u00fcber Raqqa bis Mossul haben Aktivisten und Politiker immer wieder darauf hingewiesen, dass viele der schlimmsten M\u00f6rder in den Reihen des IS Europ\u00e4er sind. Interessiert hat das hier kaum jemand.<\/p>\n\n\n\n

Dabei dienten Deutsche dem Islamischen Staats nicht nur als willenloses Kanonenfutter, wie es oft dargestellt wird. Viele haben seinen Terror mitgepr\u00e4gt. Wie Martin L., der derzeit in kurdischer Haft sitzt. Der Schwei\u00dfer aus Sachsen-Anhalt soll sich vom Folterknecht bis zum Geheimdienstler mit Kontakten bis in die F\u00fchrungsspitze der Terrororganisation hochgearbeitet haben.<\/p>\n\n\n\n

Oder Reda S., Der Prediger aus Berlin-Charlottenburg soll dem IS in Mossul als Bildungsminister gedient haben. Oder der Berliner Ex-Rapper Denis Cuspert, der zu den wichtigsten Personen in der IS-Medienorganisation Al-Hayat geh\u00f6rte. Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Beh\u00f6rden wussten gut Bescheid<\/h2>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich entstand der Islamische Staat nicht in deutschen Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen. Zur deutschen Verantwortung geh\u00f6rt aber auch, dass Politiker und Beh\u00f6rden lange wegschauten, solang nur die T\u00e4ter, aber nicht die Opfer Deutsche waren. Beh\u00f6rden wissen und wussten erschreckend gut Bescheid \u00fcber die Radikalisierung deutscher Islamisten. Ein Gro\u00dfteil der sp\u00e4teren IS-K\u00e4mpfer war polizeibekannt, stand auf Gef\u00e4hrderlisten oder hatte wegen islamistischer Straftaten bereits Haftstrafen verb\u00fc\u00dft. An der Ausreise gehindert wurden sie oftmals dennoch nicht. Die Gefahr, die von deutschen Terroristen ausgeht, interessierte Politik und \u00d6ffentlichkeit erst dann wieder, als ihre Einreise drohte.<\/p>\n\n\n\n

\"Fabian
Fabian Goldmann<\/strong> ist Journalist und Islamwissenschaftler. F\u00fcr verschiedene Magazine und Zeitungen berichtete er viele Jahre aus Nahost. Zurzeit widmet er sich vor allem dem Islam diesseits des Bosporus. Auf seinem Blog Schantall und die Scharia<\/a> bloggt er \u00fcber Islamophobie in Deutschland.<\/p>\n","post_title":"Es sind unsere Terroristen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"es-sind-unsere-terroristen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3703","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3700,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:19:36","post_date_gmt":"2020-08-13 21:19:36","post_content":"\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda? Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda t<\/p>\n\n\n\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda tritt an die Stelle der 2010 verabschiedeten Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014 (siehe IP\/10\/1535<\/a>). In der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda f\u00fcr den Zeitraum 2015-2020 skizziert die Europ\u00e4ische Kommission die Strategie der Union zur Bew\u00e4ltigung der Sicherheitsbedrohungen in der EU.<\/p>\n\n\n\n

Die EU und ihre Mitgliedstaaten sind mit betr\u00e4chtlichen Sicherheitsproblemen konfrontiert. Terrorismus, organisierte Kriminalit\u00e4t und Cyberkriminalit\u00e4t stellen eine zunehmende Gefahr f\u00fcr die europ\u00e4ische Gesellschaft dar, wobei sich Art und Ausma\u00df dieser Gefahr ver\u00e4ndert hat. Europa ist mit den Auswirkungen der politischen Instabilit\u00e4t in seiner unmittelbaren Nachbarschaft konfrontiert, die die Sicherheitsinteressen der EU gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n

Im Zuge der Krisen und Konflikte in Syrien, Irak und Libyen haben sich europ\u00e4ische B\u00fcrger terroristischen Gruppen angeschlossen, die bei ihrer R\u00fcckkehr eine erhebliche Bedrohung darstellen k\u00f6nnen. Die j\u00fcngsten terroristischen Anschl\u00e4ge in Europa zeugen von der zunehmenden Bedrohung durch einen gewaltt\u00e4tigen Extremismus und zeigen, in welchem Ausma\u00df weltweite Konflikte zur Radikalisierung der europ\u00e4ischen B\u00fcrger beitragen.<\/p>\n\n\n\n

Das Online-Umfeld hat sich zunehmend als Ziel f\u00fcr Kriminelle und Terroristen entwickelt. Unabh\u00e4ngig davon, ob es um die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und die Anwerbung von Menschen f\u00fcr terroristische Organisationen geht oder die Verbreitung von Hass oder einen Angriff auf die europ\u00e4ischen Werte und Institutionen, fest steht, dass wir unsere Reaktion auf diese Bedrohungen unbedingt abstimmen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Welcher Mehrwert entsteht durch die EU im Bereich der inneren Sicherheit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Gew\u00e4hrleistung der inneren Sicherheit f\u00e4llt weiterhin in erster Linie in die Zust\u00e4ndigkeit der Mitgliedstaaten. Allerdings werden die Bedrohungen f\u00fcr Europas B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger immer vielf\u00e4ltiger und betreffen in zunehmendem Ma\u00dfe mehrere Mitgliedstaaten. Einzelne Mitgliedstaaten haben die Verantwortung, die Sicherheit an den Au\u00dfengrenzen zu gew\u00e4hrleisten, sind aber nicht mehr in der Lage, diese Herausforderungen allein zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n

Kriminelle und terroristische Aktivit\u00e4ten machen nicht an den Grenzen der EU halt und beschr\u00e4nken sich auch nicht auf Nachbarregionen. Die innere Sicherheit der EU und die globale Sicherheit sind voneinander abh\u00e4ngig und miteinander verkn\u00fcpft. Die Sicherheit der Union h\u00e4ngt in hohem Ma\u00dfe von der Zusammenarbeit mit ihren internationalen Partnern und ihren Nachbarl\u00e4ndern ab.<\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t und des Terrorismus ist eine gemeinsame europ\u00e4ische Aufgabe. Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda sollte von den Mitgliedstaaten und den EU-Organen gemeinsam als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und gemeinsame Ma\u00dfnahmen der Union genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n

Mit Hilfe der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda werden die Polizei- und Strafverfolgungsdienste in verschiedenen Mitgliedstaaten Daten effektiver austauschen und bei der Bek\u00e4mpfung der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t besser zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Die Mitgliedstaaten k\u00f6nnen auf die Unterst\u00fctzung durch die Agenturen der EU z\u00e4hlen. Insbesondere in folgenden Punkten l\u00e4sst sich mit Hilfe der Sicherheitsagenda ein EU-Mehrwert erzielen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n

A) Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und den EU-Agenturen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1<\/strong>: Das Schengener Informationssystem<\/strong> (SIS) wird von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Abfrage von Ausschreibungen von gesuchten oder vermissten Personen und Gegenst\u00e4nden genutzt. Die Kommission wird an der Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Ausschreibungskategorien arbeiten und sich daf\u00fcr einsetzen, dass das SIS zusammen mit der Interpol-Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD)<\/strong> umfassender genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Der Irak ist eine multi-ethnische und multi-religi\u00f6se Gesellschaft, in der die Schiiten die Mehrheit stellen. \u00dcber Jahrhunderte aber hatten die sunnitischen Araber das Sagen, sie missbrauchten die Macht, errichteten ein Schreckensregime \u2013 bis 2003, als Diktator Saddam Hussein von den USA gest\u00fcrzt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c entstand aus Widerstand gegen Schiiten-Herrschaft<\/h2>\n\n\n\n

Jetzt wurde der Spie\u00df umgedreht. Die Amerikaner sorgten daf\u00fcr, dass die Sunniten jegliche Machtposition verloren \u2013 so wurde die irakische Armee, wurde die baathistische Partei aufgel\u00f6st \u2013 ohne ein Pendant zu schaffen, das alle integrierte. Und: Washington unterst\u00fctzte Regierungschef Nouri al-Maliki, einen Schiiten. Maliki sah eine historische Chance gekommen, diskriminierte nun seinerseits seine sunnitischen Landsleute, verwehrte ihnen im \u201eNeuen Irak\u201c die Mitsprache. Im Regime Malikis wurden Sunniten inhaftiert, gefoltert und umgebracht.<\/p>\n\n\n\n

Was viele in den Widerstand trieb. Einige schlossen sich der Terror-Organisation \u201eAl-Qaida\u201c an, unter ihnen f\u00fchrende Milit\u00e4rs der aufgel\u00f6sten Armee Saddam Husseins \u2013 und aus \u201eAl-Qaida\u201c ging sp\u00e4ter der \u201eIS\u201c hervor.<\/p>\n\n\n\n

Als der \u201eIS\u201c dann im Sommer 2014 fast ohne Gegenwehr weite Landstriche in Syrien und im Irak \u00fcberrannte und seinen \u201eStaat\u201c ausrief, sahen auch gew\u00f6hnliche sunnitische Araber einen Wechsel nahen. Viele machten gemeinsame Sache mit den Terroristen, verhinderten die Flucht jesidischer Nachbarn, lieferten sie ihren Schl\u00e4chtern aus. Kamaran Palani:<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c-K\u00e4mpfer haben gesagt, es gehe darum, die W\u00fcrde der sunnitischen Araber wiederherzustellen. Ihre Macht. Ihre Geschichte. Tats\u00e4chlich konnten es die Araber nicht hinnehmen, dass sie ins Abseits gedr\u00e4ngt wurden. Und ich denke, dass sie auch in Zukunft so handeln werden. Wann immer sich die Gelegenheit bietet: Sie werden alles hinter sich lassen \u2013 sich nur darauf konzentrieren.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Misstrauen. Auch bei einem Politikwissenschaftler. Was also tun? Zerst\u00f6rte St\u00e4dte und D\u00f6rfer k\u00f6nnten wieder aufgebaut werden \u2013 wenn denn ein gemeinsamer Wille best\u00fcnde. Doch was, wenn es einen solchen gemeinsamen Willen gar nicht gibt? Wenn Schmerz und Trauer anhalten, wenn die Verbrechen von Terroristen und Helfershelfern nicht geahndet werden, wenn Angst umgeht, Misstrauen und Hass das Miteinander bestimmen.<\/p>\n\n\n\n

\"SyrischeSoldaten in der irakischen Stadt Sindschar nach der R\u00fcckeroberung von der IS-Miliz Ende 2015. (dpa \/ MAXPPP \/ Arnaud Dumontier)<\/p>\n\n\n\n

Kamaran Palani stammt aus der Stadt Makhmour. Drei Tage nur sei der \u201eIS\u201c dort gewesen, sagt er, doch diese Tage h\u00e4tten alles ver\u00e4ndert. Der \u201eIS\u201c habe die Menschen in seiner Heimatstadt verrohen lassen, meint er, das Verh\u00e4ltnis zwischen Kurden und Arabern sei heute tot. Eine R\u00fcckkehr in alte Zeiten h\u00e4lt Palani f\u00fcr falsch.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch denke, es w\u00e4re nicht einfach, in das Jahr 2014 \u2013 also in die Zeit vor dem \u201aIS\u2018 \u2013 zur\u00fcckzukehren. Vor allem aber w\u00e4re es nicht die richtige Politik. Denn eben die hat ja erst zum Aufkommen, zur Existenz des \u201aIS\u2018 gef\u00fchrt.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n


Wie also in Ruinen Neues schaffen? Der Staat muss das Gewaltmonopol zur\u00fcckerlangen, fordert der Politikwissenschaftler. F\u00fcr ihn steht das an erster Stelle. Und dann m\u00fcsse der Staat dringend einen Kurswechsel vornehmen: Er m\u00fcsse integrativ wirken, alle einbinden, auch die Araber, in Sicherheitskr\u00e4fte, Verwaltung und Politik.<\/p>\n\n\n\n

Machtmonopol m\u00fcsste von Milizen zum Staat gehen<\/h2>\n\n\n\n

Die Realit\u00e4t sieht anders aus: Ein Staat Kurdistan, der neue Optionen m\u00f6glich gemacht h\u00e4tte, auch von den Minderheiten gew\u00fcnscht worden war, ist nicht entstanden. Bagdad aber ist fern, der Zentralstaat kaum existent, und wenn, dann ist er schiitisch dominiert. Es sind Milizen, die im Nord-Irak das Geschehen bestimmen, darum rivalisieren, das Machtvakuum zu f\u00fcllen, das durch die Vertreibung des \u201eIS\u201c entstanden ist. Einst im Kampf gegen die Terroristen geeint, sind die Milizen einander heute feind.<\/p>\n\n\n\n

Allen voran die \u201eHashd ash-Shaabi\u201c, schiitisch-irakische Milizen, deren Ausbilder und Kommandeure h\u00e4ufig Iraner sind. Bagdad hat die Haschd als regul\u00e4re Kraft im Kampf gegen den \u201eIS\u201c anerkannt \u2013 obwohl Menschenrechts-Organisationen schwere Vorw\u00fcrfe gegen sie erheben. Fest steht: Die schiitischen Milizen halten D\u00f6rfer besetzt, sind in Mosul f\u00fcr ihr herrisches Auftreten und ihre Willk\u00fcr bekannt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eTats\u00e4chlich sorgen die verschiedenen bewaffneten Gruppen daf\u00fcr, dass die Fl\u00fcchtlinge nicht zur\u00fcckkehren. Und weil sie nicht zur\u00fcckkehren, gibt es auch keinen Wiederaufbau. Die Menschen haben Angst vor den Milizen \u2013 auch davor, dass die einander bek\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die \u201eHashd\u201c m\u00fcssten mithin abziehen. Und mit ihnen die anderen Milizen. Das Machtmonopol m\u00fcsste an den Staat gehen. Doch der Irak ist auch Spielball der Regionalm\u00e4chte: Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien. Sie konkurrieren um Einfluss-Sph\u00e4ren, bedienen sich dabei verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Gruppen im Irak. Deswegen werden die Hashd nicht abziehen. Derzeit sind sie von der iranisch-irakischen Grenze im Osten \u00fcber Bagdad bis hoch zur irakisch-syrischen Grenze im Norden postiert. Einheiten Teherans k\u00f6nnten demnach auf dem Landweg vom Iran bis ans Mittelmeer durchmarschieren.<\/p>\n\n\n\n

Iran und Saudi-Arabien wollen Macht vergr\u00f6\u00dfern<\/h2>\n\n\n\n

Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n

In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n

Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3703,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:24:20","post_date_gmt":"2020-08-13 21:24:20","post_content":"\n

Deutschland str\u00e4ubt sich gegen die R\u00fcckkehr seiner eigenen Staatsb\u00fcrger, die zu IS-Terroristen wurden. Dabei hat die Bundesrepublik den Terror und die Terroristen einst exportiert. Und dies geschah wissentlich, sagt der Islamwissenschaftler Fabian Goldmann.<\/p>\n\n\n\n

Wann haben Sie sich eigentlich zuletzt von deutschen Terroristen distanziert? Zum Beispiel von Robert B.? Der Ex-Bundeswehrsoldat aus Solingen hat mutma\u00dflich bei einem Selbstmordattentat Anfang 2014 50 Menschen mit in den Tod gerissen. <\/p>\n\n\n\n

Oder von Yannik N.? Der junge Freiburger steuerte wahrscheinlich im Jahr 2015 einen mit anderthalb Tonnen Sprengstoff beladenen LKW in eine Menschenmenge und nahm so Dutzenden Personen das Leben.<\/p>\n\n\n\n

Oder von Yamin A.?. Im Sommer 2015 tauchte im Netz ein Video auf, das zeigte, wie der ehemalige Telekom-Azubi aus K\u00f6nigswinter zwei gefesselten Soldaten in den Kopf schoss.
Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Deutsche T\u00e4ter, aber kaum deutsche Opfer<\/h2>\n\n\n\n

Hauptsache nicht bei uns! Dies scheint auch dieser Tage wieder die Maxime zu sein, wenn Politiker und \u00d6ffentlichkeit \u00fcber den Umgang mit deutschen Terroristen diskutieren. Von potenziellen Bedrohungen und Anschlagsgefahren in Deutschland liest man dann. Vom ganz realen Terror, den Deutsche in den vergangenen Jahren \u00fcber die Menschen in Syrien und Irak gebracht haben, h\u00f6rt man hingegen kaum. Ein Terror, der kaum deutsche Opfer aber umso mehr deutsche T\u00e4ter kannte.<\/p>\n\n\n\n

1.050 \u2013 das ist laut Bundesinnenministerium die Anzahl der Dschihadisten, die in den letzten Jahren die Bundesrepublik in Richtung Nahost verlassen hat. Es f\u00e4llt schwer, sich umgekehrtes Szenario \u00fcberhaupt auszumalen. Was w\u00e4re wohl los, h\u00e4tte es nur ein Bruchteil arabischer Terroristen geschafft, bei uns Anschl\u00e4ge zu begehen? Europas \u201eMuslim Bann\u201c? \u00dcberwachungsstaat auf NSA-Niveau?<\/p>\n\n\n\n

Die CSU st\u00fcnde wom\u00f6glich am linken Ende des politischen Spektrums, und auf Twitter w\u00fcrde Trump deutsche Migrationspolitiker zur M\u00e4\u00dfigung aufrufen. Der deutsche Terror in Nahost kommt hingegen seit Jahren ganz ohne Sondersendungen, politische Debatten und Distanzierungsforderungen aus. <\/p>\n\n\n\n

Deutsche K\u00e4mpfer waren nicht nur willenloses Kanonenfutter<\/h2>\n\n\n\n

An fehlendem Wissen liegt das nicht. Von ganzen Einheiten des IS, in denen kein einziger K\u00e4mpfer Arabisch spreche, berichten syrische, irakische und kurdische Soldaten schon seit Jahren. Von Aleppo \u00fcber Raqqa bis Mossul haben Aktivisten und Politiker immer wieder darauf hingewiesen, dass viele der schlimmsten M\u00f6rder in den Reihen des IS Europ\u00e4er sind. Interessiert hat das hier kaum jemand.<\/p>\n\n\n\n

Dabei dienten Deutsche dem Islamischen Staats nicht nur als willenloses Kanonenfutter, wie es oft dargestellt wird. Viele haben seinen Terror mitgepr\u00e4gt. Wie Martin L., der derzeit in kurdischer Haft sitzt. Der Schwei\u00dfer aus Sachsen-Anhalt soll sich vom Folterknecht bis zum Geheimdienstler mit Kontakten bis in die F\u00fchrungsspitze der Terrororganisation hochgearbeitet haben.<\/p>\n\n\n\n

Oder Reda S., Der Prediger aus Berlin-Charlottenburg soll dem IS in Mossul als Bildungsminister gedient haben. Oder der Berliner Ex-Rapper Denis Cuspert, der zu den wichtigsten Personen in der IS-Medienorganisation Al-Hayat geh\u00f6rte. Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Beh\u00f6rden wussten gut Bescheid<\/h2>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich entstand der Islamische Staat nicht in deutschen Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen. Zur deutschen Verantwortung geh\u00f6rt aber auch, dass Politiker und Beh\u00f6rden lange wegschauten, solang nur die T\u00e4ter, aber nicht die Opfer Deutsche waren. Beh\u00f6rden wissen und wussten erschreckend gut Bescheid \u00fcber die Radikalisierung deutscher Islamisten. Ein Gro\u00dfteil der sp\u00e4teren IS-K\u00e4mpfer war polizeibekannt, stand auf Gef\u00e4hrderlisten oder hatte wegen islamistischer Straftaten bereits Haftstrafen verb\u00fc\u00dft. An der Ausreise gehindert wurden sie oftmals dennoch nicht. Die Gefahr, die von deutschen Terroristen ausgeht, interessierte Politik und \u00d6ffentlichkeit erst dann wieder, als ihre Einreise drohte.<\/p>\n\n\n\n

\"Fabian
Fabian Goldmann<\/strong> ist Journalist und Islamwissenschaftler. F\u00fcr verschiedene Magazine und Zeitungen berichtete er viele Jahre aus Nahost. Zurzeit widmet er sich vor allem dem Islam diesseits des Bosporus. Auf seinem Blog Schantall und die Scharia<\/a> bloggt er \u00fcber Islamophobie in Deutschland.<\/p>\n","post_title":"Es sind unsere Terroristen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"es-sind-unsere-terroristen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3703","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3700,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:19:36","post_date_gmt":"2020-08-13 21:19:36","post_content":"\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda? Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda t<\/p>\n\n\n\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda tritt an die Stelle der 2010 verabschiedeten Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014 (siehe IP\/10\/1535<\/a>). In der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda f\u00fcr den Zeitraum 2015-2020 skizziert die Europ\u00e4ische Kommission die Strategie der Union zur Bew\u00e4ltigung der Sicherheitsbedrohungen in der EU.<\/p>\n\n\n\n

Die EU und ihre Mitgliedstaaten sind mit betr\u00e4chtlichen Sicherheitsproblemen konfrontiert. Terrorismus, organisierte Kriminalit\u00e4t und Cyberkriminalit\u00e4t stellen eine zunehmende Gefahr f\u00fcr die europ\u00e4ische Gesellschaft dar, wobei sich Art und Ausma\u00df dieser Gefahr ver\u00e4ndert hat. Europa ist mit den Auswirkungen der politischen Instabilit\u00e4t in seiner unmittelbaren Nachbarschaft konfrontiert, die die Sicherheitsinteressen der EU gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n

Im Zuge der Krisen und Konflikte in Syrien, Irak und Libyen haben sich europ\u00e4ische B\u00fcrger terroristischen Gruppen angeschlossen, die bei ihrer R\u00fcckkehr eine erhebliche Bedrohung darstellen k\u00f6nnen. Die j\u00fcngsten terroristischen Anschl\u00e4ge in Europa zeugen von der zunehmenden Bedrohung durch einen gewaltt\u00e4tigen Extremismus und zeigen, in welchem Ausma\u00df weltweite Konflikte zur Radikalisierung der europ\u00e4ischen B\u00fcrger beitragen.<\/p>\n\n\n\n

Das Online-Umfeld hat sich zunehmend als Ziel f\u00fcr Kriminelle und Terroristen entwickelt. Unabh\u00e4ngig davon, ob es um die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und die Anwerbung von Menschen f\u00fcr terroristische Organisationen geht oder die Verbreitung von Hass oder einen Angriff auf die europ\u00e4ischen Werte und Institutionen, fest steht, dass wir unsere Reaktion auf diese Bedrohungen unbedingt abstimmen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Welcher Mehrwert entsteht durch die EU im Bereich der inneren Sicherheit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Gew\u00e4hrleistung der inneren Sicherheit f\u00e4llt weiterhin in erster Linie in die Zust\u00e4ndigkeit der Mitgliedstaaten. Allerdings werden die Bedrohungen f\u00fcr Europas B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger immer vielf\u00e4ltiger und betreffen in zunehmendem Ma\u00dfe mehrere Mitgliedstaaten. Einzelne Mitgliedstaaten haben die Verantwortung, die Sicherheit an den Au\u00dfengrenzen zu gew\u00e4hrleisten, sind aber nicht mehr in der Lage, diese Herausforderungen allein zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n

Kriminelle und terroristische Aktivit\u00e4ten machen nicht an den Grenzen der EU halt und beschr\u00e4nken sich auch nicht auf Nachbarregionen. Die innere Sicherheit der EU und die globale Sicherheit sind voneinander abh\u00e4ngig und miteinander verkn\u00fcpft. Die Sicherheit der Union h\u00e4ngt in hohem Ma\u00dfe von der Zusammenarbeit mit ihren internationalen Partnern und ihren Nachbarl\u00e4ndern ab.<\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t und des Terrorismus ist eine gemeinsame europ\u00e4ische Aufgabe. Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda sollte von den Mitgliedstaaten und den EU-Organen gemeinsam als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und gemeinsame Ma\u00dfnahmen der Union genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n

Mit Hilfe der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda werden die Polizei- und Strafverfolgungsdienste in verschiedenen Mitgliedstaaten Daten effektiver austauschen und bei der Bek\u00e4mpfung der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t besser zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Die Mitgliedstaaten k\u00f6nnen auf die Unterst\u00fctzung durch die Agenturen der EU z\u00e4hlen. Insbesondere in folgenden Punkten l\u00e4sst sich mit Hilfe der Sicherheitsagenda ein EU-Mehrwert erzielen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n

A) Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und den EU-Agenturen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1<\/strong>: Das Schengener Informationssystem<\/strong> (SIS) wird von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Abfrage von Ausschreibungen von gesuchten oder vermissten Personen und Gegenst\u00e4nden genutzt. Die Kommission wird an der Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Ausschreibungskategorien arbeiten und sich daf\u00fcr einsetzen, dass das SIS zusammen mit der Interpol-Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD)<\/strong> umfassender genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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\u201eWir werden niemals wieder mit den Arabern zusammenleben k\u00f6nnen!\u201c \u2013 ein Satz, der heute h\u00e4ufig im Nord-Irak zu h\u00f6ren ist. Gemeint sind die Iraker, die Sunniten und Araber sind \u2013 die einstmals Nachbarn von Jesiden, Christen und Kurden waren \u2013 mit denen man Handel trieb und Hochzeiten feierte, die auch Freunde waren.<\/p>\n\n\n\n

Der Irak ist eine multi-ethnische und multi-religi\u00f6se Gesellschaft, in der die Schiiten die Mehrheit stellen. \u00dcber Jahrhunderte aber hatten die sunnitischen Araber das Sagen, sie missbrauchten die Macht, errichteten ein Schreckensregime \u2013 bis 2003, als Diktator Saddam Hussein von den USA gest\u00fcrzt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c entstand aus Widerstand gegen Schiiten-Herrschaft<\/h2>\n\n\n\n

Jetzt wurde der Spie\u00df umgedreht. Die Amerikaner sorgten daf\u00fcr, dass die Sunniten jegliche Machtposition verloren \u2013 so wurde die irakische Armee, wurde die baathistische Partei aufgel\u00f6st \u2013 ohne ein Pendant zu schaffen, das alle integrierte. Und: Washington unterst\u00fctzte Regierungschef Nouri al-Maliki, einen Schiiten. Maliki sah eine historische Chance gekommen, diskriminierte nun seinerseits seine sunnitischen Landsleute, verwehrte ihnen im \u201eNeuen Irak\u201c die Mitsprache. Im Regime Malikis wurden Sunniten inhaftiert, gefoltert und umgebracht.<\/p>\n\n\n\n

Was viele in den Widerstand trieb. Einige schlossen sich der Terror-Organisation \u201eAl-Qaida\u201c an, unter ihnen f\u00fchrende Milit\u00e4rs der aufgel\u00f6sten Armee Saddam Husseins \u2013 und aus \u201eAl-Qaida\u201c ging sp\u00e4ter der \u201eIS\u201c hervor.<\/p>\n\n\n\n

Als der \u201eIS\u201c dann im Sommer 2014 fast ohne Gegenwehr weite Landstriche in Syrien und im Irak \u00fcberrannte und seinen \u201eStaat\u201c ausrief, sahen auch gew\u00f6hnliche sunnitische Araber einen Wechsel nahen. Viele machten gemeinsame Sache mit den Terroristen, verhinderten die Flucht jesidischer Nachbarn, lieferten sie ihren Schl\u00e4chtern aus. Kamaran Palani:<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c-K\u00e4mpfer haben gesagt, es gehe darum, die W\u00fcrde der sunnitischen Araber wiederherzustellen. Ihre Macht. Ihre Geschichte. Tats\u00e4chlich konnten es die Araber nicht hinnehmen, dass sie ins Abseits gedr\u00e4ngt wurden. Und ich denke, dass sie auch in Zukunft so handeln werden. Wann immer sich die Gelegenheit bietet: Sie werden alles hinter sich lassen \u2013 sich nur darauf konzentrieren.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Misstrauen. Auch bei einem Politikwissenschaftler. Was also tun? Zerst\u00f6rte St\u00e4dte und D\u00f6rfer k\u00f6nnten wieder aufgebaut werden \u2013 wenn denn ein gemeinsamer Wille best\u00fcnde. Doch was, wenn es einen solchen gemeinsamen Willen gar nicht gibt? Wenn Schmerz und Trauer anhalten, wenn die Verbrechen von Terroristen und Helfershelfern nicht geahndet werden, wenn Angst umgeht, Misstrauen und Hass das Miteinander bestimmen.<\/p>\n\n\n\n

\"SyrischeSoldaten in der irakischen Stadt Sindschar nach der R\u00fcckeroberung von der IS-Miliz Ende 2015. (dpa \/ MAXPPP \/ Arnaud Dumontier)<\/p>\n\n\n\n

Kamaran Palani stammt aus der Stadt Makhmour. Drei Tage nur sei der \u201eIS\u201c dort gewesen, sagt er, doch diese Tage h\u00e4tten alles ver\u00e4ndert. Der \u201eIS\u201c habe die Menschen in seiner Heimatstadt verrohen lassen, meint er, das Verh\u00e4ltnis zwischen Kurden und Arabern sei heute tot. Eine R\u00fcckkehr in alte Zeiten h\u00e4lt Palani f\u00fcr falsch.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch denke, es w\u00e4re nicht einfach, in das Jahr 2014 \u2013 also in die Zeit vor dem \u201aIS\u2018 \u2013 zur\u00fcckzukehren. Vor allem aber w\u00e4re es nicht die richtige Politik. Denn eben die hat ja erst zum Aufkommen, zur Existenz des \u201aIS\u2018 gef\u00fchrt.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n


Wie also in Ruinen Neues schaffen? Der Staat muss das Gewaltmonopol zur\u00fcckerlangen, fordert der Politikwissenschaftler. F\u00fcr ihn steht das an erster Stelle. Und dann m\u00fcsse der Staat dringend einen Kurswechsel vornehmen: Er m\u00fcsse integrativ wirken, alle einbinden, auch die Araber, in Sicherheitskr\u00e4fte, Verwaltung und Politik.<\/p>\n\n\n\n

Machtmonopol m\u00fcsste von Milizen zum Staat gehen<\/h2>\n\n\n\n

Die Realit\u00e4t sieht anders aus: Ein Staat Kurdistan, der neue Optionen m\u00f6glich gemacht h\u00e4tte, auch von den Minderheiten gew\u00fcnscht worden war, ist nicht entstanden. Bagdad aber ist fern, der Zentralstaat kaum existent, und wenn, dann ist er schiitisch dominiert. Es sind Milizen, die im Nord-Irak das Geschehen bestimmen, darum rivalisieren, das Machtvakuum zu f\u00fcllen, das durch die Vertreibung des \u201eIS\u201c entstanden ist. Einst im Kampf gegen die Terroristen geeint, sind die Milizen einander heute feind.<\/p>\n\n\n\n

Allen voran die \u201eHashd ash-Shaabi\u201c, schiitisch-irakische Milizen, deren Ausbilder und Kommandeure h\u00e4ufig Iraner sind. Bagdad hat die Haschd als regul\u00e4re Kraft im Kampf gegen den \u201eIS\u201c anerkannt \u2013 obwohl Menschenrechts-Organisationen schwere Vorw\u00fcrfe gegen sie erheben. Fest steht: Die schiitischen Milizen halten D\u00f6rfer besetzt, sind in Mosul f\u00fcr ihr herrisches Auftreten und ihre Willk\u00fcr bekannt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eTats\u00e4chlich sorgen die verschiedenen bewaffneten Gruppen daf\u00fcr, dass die Fl\u00fcchtlinge nicht zur\u00fcckkehren. Und weil sie nicht zur\u00fcckkehren, gibt es auch keinen Wiederaufbau. Die Menschen haben Angst vor den Milizen \u2013 auch davor, dass die einander bek\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die \u201eHashd\u201c m\u00fcssten mithin abziehen. Und mit ihnen die anderen Milizen. Das Machtmonopol m\u00fcsste an den Staat gehen. Doch der Irak ist auch Spielball der Regionalm\u00e4chte: Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien. Sie konkurrieren um Einfluss-Sph\u00e4ren, bedienen sich dabei verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Gruppen im Irak. Deswegen werden die Hashd nicht abziehen. Derzeit sind sie von der iranisch-irakischen Grenze im Osten \u00fcber Bagdad bis hoch zur irakisch-syrischen Grenze im Norden postiert. Einheiten Teherans k\u00f6nnten demnach auf dem Landweg vom Iran bis ans Mittelmeer durchmarschieren.<\/p>\n\n\n\n

Iran und Saudi-Arabien wollen Macht vergr\u00f6\u00dfern<\/h2>\n\n\n\n

Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n

In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n

Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3703,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:24:20","post_date_gmt":"2020-08-13 21:24:20","post_content":"\n

Deutschland str\u00e4ubt sich gegen die R\u00fcckkehr seiner eigenen Staatsb\u00fcrger, die zu IS-Terroristen wurden. Dabei hat die Bundesrepublik den Terror und die Terroristen einst exportiert. Und dies geschah wissentlich, sagt der Islamwissenschaftler Fabian Goldmann.<\/p>\n\n\n\n

Wann haben Sie sich eigentlich zuletzt von deutschen Terroristen distanziert? Zum Beispiel von Robert B.? Der Ex-Bundeswehrsoldat aus Solingen hat mutma\u00dflich bei einem Selbstmordattentat Anfang 2014 50 Menschen mit in den Tod gerissen. <\/p>\n\n\n\n

Oder von Yannik N.? Der junge Freiburger steuerte wahrscheinlich im Jahr 2015 einen mit anderthalb Tonnen Sprengstoff beladenen LKW in eine Menschenmenge und nahm so Dutzenden Personen das Leben.<\/p>\n\n\n\n

Oder von Yamin A.?. Im Sommer 2015 tauchte im Netz ein Video auf, das zeigte, wie der ehemalige Telekom-Azubi aus K\u00f6nigswinter zwei gefesselten Soldaten in den Kopf schoss.
Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Deutsche T\u00e4ter, aber kaum deutsche Opfer<\/h2>\n\n\n\n

Hauptsache nicht bei uns! Dies scheint auch dieser Tage wieder die Maxime zu sein, wenn Politiker und \u00d6ffentlichkeit \u00fcber den Umgang mit deutschen Terroristen diskutieren. Von potenziellen Bedrohungen und Anschlagsgefahren in Deutschland liest man dann. Vom ganz realen Terror, den Deutsche in den vergangenen Jahren \u00fcber die Menschen in Syrien und Irak gebracht haben, h\u00f6rt man hingegen kaum. Ein Terror, der kaum deutsche Opfer aber umso mehr deutsche T\u00e4ter kannte.<\/p>\n\n\n\n

1.050 \u2013 das ist laut Bundesinnenministerium die Anzahl der Dschihadisten, die in den letzten Jahren die Bundesrepublik in Richtung Nahost verlassen hat. Es f\u00e4llt schwer, sich umgekehrtes Szenario \u00fcberhaupt auszumalen. Was w\u00e4re wohl los, h\u00e4tte es nur ein Bruchteil arabischer Terroristen geschafft, bei uns Anschl\u00e4ge zu begehen? Europas \u201eMuslim Bann\u201c? \u00dcberwachungsstaat auf NSA-Niveau?<\/p>\n\n\n\n

Die CSU st\u00fcnde wom\u00f6glich am linken Ende des politischen Spektrums, und auf Twitter w\u00fcrde Trump deutsche Migrationspolitiker zur M\u00e4\u00dfigung aufrufen. Der deutsche Terror in Nahost kommt hingegen seit Jahren ganz ohne Sondersendungen, politische Debatten und Distanzierungsforderungen aus. <\/p>\n\n\n\n

Deutsche K\u00e4mpfer waren nicht nur willenloses Kanonenfutter<\/h2>\n\n\n\n

An fehlendem Wissen liegt das nicht. Von ganzen Einheiten des IS, in denen kein einziger K\u00e4mpfer Arabisch spreche, berichten syrische, irakische und kurdische Soldaten schon seit Jahren. Von Aleppo \u00fcber Raqqa bis Mossul haben Aktivisten und Politiker immer wieder darauf hingewiesen, dass viele der schlimmsten M\u00f6rder in den Reihen des IS Europ\u00e4er sind. Interessiert hat das hier kaum jemand.<\/p>\n\n\n\n

Dabei dienten Deutsche dem Islamischen Staats nicht nur als willenloses Kanonenfutter, wie es oft dargestellt wird. Viele haben seinen Terror mitgepr\u00e4gt. Wie Martin L., der derzeit in kurdischer Haft sitzt. Der Schwei\u00dfer aus Sachsen-Anhalt soll sich vom Folterknecht bis zum Geheimdienstler mit Kontakten bis in die F\u00fchrungsspitze der Terrororganisation hochgearbeitet haben.<\/p>\n\n\n\n

Oder Reda S., Der Prediger aus Berlin-Charlottenburg soll dem IS in Mossul als Bildungsminister gedient haben. Oder der Berliner Ex-Rapper Denis Cuspert, der zu den wichtigsten Personen in der IS-Medienorganisation Al-Hayat geh\u00f6rte. Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Beh\u00f6rden wussten gut Bescheid<\/h2>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich entstand der Islamische Staat nicht in deutschen Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen. Zur deutschen Verantwortung geh\u00f6rt aber auch, dass Politiker und Beh\u00f6rden lange wegschauten, solang nur die T\u00e4ter, aber nicht die Opfer Deutsche waren. Beh\u00f6rden wissen und wussten erschreckend gut Bescheid \u00fcber die Radikalisierung deutscher Islamisten. Ein Gro\u00dfteil der sp\u00e4teren IS-K\u00e4mpfer war polizeibekannt, stand auf Gef\u00e4hrderlisten oder hatte wegen islamistischer Straftaten bereits Haftstrafen verb\u00fc\u00dft. An der Ausreise gehindert wurden sie oftmals dennoch nicht. Die Gefahr, die von deutschen Terroristen ausgeht, interessierte Politik und \u00d6ffentlichkeit erst dann wieder, als ihre Einreise drohte.<\/p>\n\n\n\n

\"Fabian
Fabian Goldmann<\/strong> ist Journalist und Islamwissenschaftler. F\u00fcr verschiedene Magazine und Zeitungen berichtete er viele Jahre aus Nahost. Zurzeit widmet er sich vor allem dem Islam diesseits des Bosporus. Auf seinem Blog Schantall und die Scharia<\/a> bloggt er \u00fcber Islamophobie in Deutschland.<\/p>\n","post_title":"Es sind unsere Terroristen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"es-sind-unsere-terroristen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3703","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3700,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:19:36","post_date_gmt":"2020-08-13 21:19:36","post_content":"\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda? Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda t<\/p>\n\n\n\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda tritt an die Stelle der 2010 verabschiedeten Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014 (siehe IP\/10\/1535<\/a>). In der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda f\u00fcr den Zeitraum 2015-2020 skizziert die Europ\u00e4ische Kommission die Strategie der Union zur Bew\u00e4ltigung der Sicherheitsbedrohungen in der EU.<\/p>\n\n\n\n

Die EU und ihre Mitgliedstaaten sind mit betr\u00e4chtlichen Sicherheitsproblemen konfrontiert. Terrorismus, organisierte Kriminalit\u00e4t und Cyberkriminalit\u00e4t stellen eine zunehmende Gefahr f\u00fcr die europ\u00e4ische Gesellschaft dar, wobei sich Art und Ausma\u00df dieser Gefahr ver\u00e4ndert hat. Europa ist mit den Auswirkungen der politischen Instabilit\u00e4t in seiner unmittelbaren Nachbarschaft konfrontiert, die die Sicherheitsinteressen der EU gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n

Im Zuge der Krisen und Konflikte in Syrien, Irak und Libyen haben sich europ\u00e4ische B\u00fcrger terroristischen Gruppen angeschlossen, die bei ihrer R\u00fcckkehr eine erhebliche Bedrohung darstellen k\u00f6nnen. Die j\u00fcngsten terroristischen Anschl\u00e4ge in Europa zeugen von der zunehmenden Bedrohung durch einen gewaltt\u00e4tigen Extremismus und zeigen, in welchem Ausma\u00df weltweite Konflikte zur Radikalisierung der europ\u00e4ischen B\u00fcrger beitragen.<\/p>\n\n\n\n

Das Online-Umfeld hat sich zunehmend als Ziel f\u00fcr Kriminelle und Terroristen entwickelt. Unabh\u00e4ngig davon, ob es um die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und die Anwerbung von Menschen f\u00fcr terroristische Organisationen geht oder die Verbreitung von Hass oder einen Angriff auf die europ\u00e4ischen Werte und Institutionen, fest steht, dass wir unsere Reaktion auf diese Bedrohungen unbedingt abstimmen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Welcher Mehrwert entsteht durch die EU im Bereich der inneren Sicherheit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Gew\u00e4hrleistung der inneren Sicherheit f\u00e4llt weiterhin in erster Linie in die Zust\u00e4ndigkeit der Mitgliedstaaten. Allerdings werden die Bedrohungen f\u00fcr Europas B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger immer vielf\u00e4ltiger und betreffen in zunehmendem Ma\u00dfe mehrere Mitgliedstaaten. Einzelne Mitgliedstaaten haben die Verantwortung, die Sicherheit an den Au\u00dfengrenzen zu gew\u00e4hrleisten, sind aber nicht mehr in der Lage, diese Herausforderungen allein zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n

Kriminelle und terroristische Aktivit\u00e4ten machen nicht an den Grenzen der EU halt und beschr\u00e4nken sich auch nicht auf Nachbarregionen. Die innere Sicherheit der EU und die globale Sicherheit sind voneinander abh\u00e4ngig und miteinander verkn\u00fcpft. Die Sicherheit der Union h\u00e4ngt in hohem Ma\u00dfe von der Zusammenarbeit mit ihren internationalen Partnern und ihren Nachbarl\u00e4ndern ab.<\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t und des Terrorismus ist eine gemeinsame europ\u00e4ische Aufgabe. Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda sollte von den Mitgliedstaaten und den EU-Organen gemeinsam als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und gemeinsame Ma\u00dfnahmen der Union genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n

Mit Hilfe der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda werden die Polizei- und Strafverfolgungsdienste in verschiedenen Mitgliedstaaten Daten effektiver austauschen und bei der Bek\u00e4mpfung der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t besser zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Die Mitgliedstaaten k\u00f6nnen auf die Unterst\u00fctzung durch die Agenturen der EU z\u00e4hlen. Insbesondere in folgenden Punkten l\u00e4sst sich mit Hilfe der Sicherheitsagenda ein EU-Mehrwert erzielen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n

A) Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und den EU-Agenturen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1<\/strong>: Das Schengener Informationssystem<\/strong> (SIS) wird von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Abfrage von Ausschreibungen von gesuchten oder vermissten Personen und Gegenst\u00e4nden genutzt. Die Kommission wird an der Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Ausschreibungskategorien arbeiten und sich daf\u00fcr einsetzen, dass das SIS zusammen mit der Interpol-Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD)<\/strong> umfassender genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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\u201e60 bis 65 Prozent der Christen wollen gehen. Das Gleiche gilt f\u00fcr andere Minderheiten: f\u00fcr Jesiden, Schabaks, Turkmenen, Kakais.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

\u201eWir werden niemals wieder mit den Arabern zusammenleben k\u00f6nnen!\u201c \u2013 ein Satz, der heute h\u00e4ufig im Nord-Irak zu h\u00f6ren ist. Gemeint sind die Iraker, die Sunniten und Araber sind \u2013 die einstmals Nachbarn von Jesiden, Christen und Kurden waren \u2013 mit denen man Handel trieb und Hochzeiten feierte, die auch Freunde waren.<\/p>\n\n\n\n

Der Irak ist eine multi-ethnische und multi-religi\u00f6se Gesellschaft, in der die Schiiten die Mehrheit stellen. \u00dcber Jahrhunderte aber hatten die sunnitischen Araber das Sagen, sie missbrauchten die Macht, errichteten ein Schreckensregime \u2013 bis 2003, als Diktator Saddam Hussein von den USA gest\u00fcrzt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c entstand aus Widerstand gegen Schiiten-Herrschaft<\/h2>\n\n\n\n

Jetzt wurde der Spie\u00df umgedreht. Die Amerikaner sorgten daf\u00fcr, dass die Sunniten jegliche Machtposition verloren \u2013 so wurde die irakische Armee, wurde die baathistische Partei aufgel\u00f6st \u2013 ohne ein Pendant zu schaffen, das alle integrierte. Und: Washington unterst\u00fctzte Regierungschef Nouri al-Maliki, einen Schiiten. Maliki sah eine historische Chance gekommen, diskriminierte nun seinerseits seine sunnitischen Landsleute, verwehrte ihnen im \u201eNeuen Irak\u201c die Mitsprache. Im Regime Malikis wurden Sunniten inhaftiert, gefoltert und umgebracht.<\/p>\n\n\n\n

Was viele in den Widerstand trieb. Einige schlossen sich der Terror-Organisation \u201eAl-Qaida\u201c an, unter ihnen f\u00fchrende Milit\u00e4rs der aufgel\u00f6sten Armee Saddam Husseins \u2013 und aus \u201eAl-Qaida\u201c ging sp\u00e4ter der \u201eIS\u201c hervor.<\/p>\n\n\n\n

Als der \u201eIS\u201c dann im Sommer 2014 fast ohne Gegenwehr weite Landstriche in Syrien und im Irak \u00fcberrannte und seinen \u201eStaat\u201c ausrief, sahen auch gew\u00f6hnliche sunnitische Araber einen Wechsel nahen. Viele machten gemeinsame Sache mit den Terroristen, verhinderten die Flucht jesidischer Nachbarn, lieferten sie ihren Schl\u00e4chtern aus. Kamaran Palani:<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c-K\u00e4mpfer haben gesagt, es gehe darum, die W\u00fcrde der sunnitischen Araber wiederherzustellen. Ihre Macht. Ihre Geschichte. Tats\u00e4chlich konnten es die Araber nicht hinnehmen, dass sie ins Abseits gedr\u00e4ngt wurden. Und ich denke, dass sie auch in Zukunft so handeln werden. Wann immer sich die Gelegenheit bietet: Sie werden alles hinter sich lassen \u2013 sich nur darauf konzentrieren.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Misstrauen. Auch bei einem Politikwissenschaftler. Was also tun? Zerst\u00f6rte St\u00e4dte und D\u00f6rfer k\u00f6nnten wieder aufgebaut werden \u2013 wenn denn ein gemeinsamer Wille best\u00fcnde. Doch was, wenn es einen solchen gemeinsamen Willen gar nicht gibt? Wenn Schmerz und Trauer anhalten, wenn die Verbrechen von Terroristen und Helfershelfern nicht geahndet werden, wenn Angst umgeht, Misstrauen und Hass das Miteinander bestimmen.<\/p>\n\n\n\n

\"SyrischeSoldaten in der irakischen Stadt Sindschar nach der R\u00fcckeroberung von der IS-Miliz Ende 2015. (dpa \/ MAXPPP \/ Arnaud Dumontier)<\/p>\n\n\n\n

Kamaran Palani stammt aus der Stadt Makhmour. Drei Tage nur sei der \u201eIS\u201c dort gewesen, sagt er, doch diese Tage h\u00e4tten alles ver\u00e4ndert. Der \u201eIS\u201c habe die Menschen in seiner Heimatstadt verrohen lassen, meint er, das Verh\u00e4ltnis zwischen Kurden und Arabern sei heute tot. Eine R\u00fcckkehr in alte Zeiten h\u00e4lt Palani f\u00fcr falsch.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch denke, es w\u00e4re nicht einfach, in das Jahr 2014 \u2013 also in die Zeit vor dem \u201aIS\u2018 \u2013 zur\u00fcckzukehren. Vor allem aber w\u00e4re es nicht die richtige Politik. Denn eben die hat ja erst zum Aufkommen, zur Existenz des \u201aIS\u2018 gef\u00fchrt.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n


Wie also in Ruinen Neues schaffen? Der Staat muss das Gewaltmonopol zur\u00fcckerlangen, fordert der Politikwissenschaftler. F\u00fcr ihn steht das an erster Stelle. Und dann m\u00fcsse der Staat dringend einen Kurswechsel vornehmen: Er m\u00fcsse integrativ wirken, alle einbinden, auch die Araber, in Sicherheitskr\u00e4fte, Verwaltung und Politik.<\/p>\n\n\n\n

Machtmonopol m\u00fcsste von Milizen zum Staat gehen<\/h2>\n\n\n\n

Die Realit\u00e4t sieht anders aus: Ein Staat Kurdistan, der neue Optionen m\u00f6glich gemacht h\u00e4tte, auch von den Minderheiten gew\u00fcnscht worden war, ist nicht entstanden. Bagdad aber ist fern, der Zentralstaat kaum existent, und wenn, dann ist er schiitisch dominiert. Es sind Milizen, die im Nord-Irak das Geschehen bestimmen, darum rivalisieren, das Machtvakuum zu f\u00fcllen, das durch die Vertreibung des \u201eIS\u201c entstanden ist. Einst im Kampf gegen die Terroristen geeint, sind die Milizen einander heute feind.<\/p>\n\n\n\n

Allen voran die \u201eHashd ash-Shaabi\u201c, schiitisch-irakische Milizen, deren Ausbilder und Kommandeure h\u00e4ufig Iraner sind. Bagdad hat die Haschd als regul\u00e4re Kraft im Kampf gegen den \u201eIS\u201c anerkannt \u2013 obwohl Menschenrechts-Organisationen schwere Vorw\u00fcrfe gegen sie erheben. Fest steht: Die schiitischen Milizen halten D\u00f6rfer besetzt, sind in Mosul f\u00fcr ihr herrisches Auftreten und ihre Willk\u00fcr bekannt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eTats\u00e4chlich sorgen die verschiedenen bewaffneten Gruppen daf\u00fcr, dass die Fl\u00fcchtlinge nicht zur\u00fcckkehren. Und weil sie nicht zur\u00fcckkehren, gibt es auch keinen Wiederaufbau. Die Menschen haben Angst vor den Milizen \u2013 auch davor, dass die einander bek\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die \u201eHashd\u201c m\u00fcssten mithin abziehen. Und mit ihnen die anderen Milizen. Das Machtmonopol m\u00fcsste an den Staat gehen. Doch der Irak ist auch Spielball der Regionalm\u00e4chte: Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien. Sie konkurrieren um Einfluss-Sph\u00e4ren, bedienen sich dabei verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Gruppen im Irak. Deswegen werden die Hashd nicht abziehen. Derzeit sind sie von der iranisch-irakischen Grenze im Osten \u00fcber Bagdad bis hoch zur irakisch-syrischen Grenze im Norden postiert. Einheiten Teherans k\u00f6nnten demnach auf dem Landweg vom Iran bis ans Mittelmeer durchmarschieren.<\/p>\n\n\n\n

Iran und Saudi-Arabien wollen Macht vergr\u00f6\u00dfern<\/h2>\n\n\n\n

Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n

In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n

Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3703,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:24:20","post_date_gmt":"2020-08-13 21:24:20","post_content":"\n

Deutschland str\u00e4ubt sich gegen die R\u00fcckkehr seiner eigenen Staatsb\u00fcrger, die zu IS-Terroristen wurden. Dabei hat die Bundesrepublik den Terror und die Terroristen einst exportiert. Und dies geschah wissentlich, sagt der Islamwissenschaftler Fabian Goldmann.<\/p>\n\n\n\n

Wann haben Sie sich eigentlich zuletzt von deutschen Terroristen distanziert? Zum Beispiel von Robert B.? Der Ex-Bundeswehrsoldat aus Solingen hat mutma\u00dflich bei einem Selbstmordattentat Anfang 2014 50 Menschen mit in den Tod gerissen. <\/p>\n\n\n\n

Oder von Yannik N.? Der junge Freiburger steuerte wahrscheinlich im Jahr 2015 einen mit anderthalb Tonnen Sprengstoff beladenen LKW in eine Menschenmenge und nahm so Dutzenden Personen das Leben.<\/p>\n\n\n\n

Oder von Yamin A.?. Im Sommer 2015 tauchte im Netz ein Video auf, das zeigte, wie der ehemalige Telekom-Azubi aus K\u00f6nigswinter zwei gefesselten Soldaten in den Kopf schoss.
Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Deutsche T\u00e4ter, aber kaum deutsche Opfer<\/h2>\n\n\n\n

Hauptsache nicht bei uns! Dies scheint auch dieser Tage wieder die Maxime zu sein, wenn Politiker und \u00d6ffentlichkeit \u00fcber den Umgang mit deutschen Terroristen diskutieren. Von potenziellen Bedrohungen und Anschlagsgefahren in Deutschland liest man dann. Vom ganz realen Terror, den Deutsche in den vergangenen Jahren \u00fcber die Menschen in Syrien und Irak gebracht haben, h\u00f6rt man hingegen kaum. Ein Terror, der kaum deutsche Opfer aber umso mehr deutsche T\u00e4ter kannte.<\/p>\n\n\n\n

1.050 \u2013 das ist laut Bundesinnenministerium die Anzahl der Dschihadisten, die in den letzten Jahren die Bundesrepublik in Richtung Nahost verlassen hat. Es f\u00e4llt schwer, sich umgekehrtes Szenario \u00fcberhaupt auszumalen. Was w\u00e4re wohl los, h\u00e4tte es nur ein Bruchteil arabischer Terroristen geschafft, bei uns Anschl\u00e4ge zu begehen? Europas \u201eMuslim Bann\u201c? \u00dcberwachungsstaat auf NSA-Niveau?<\/p>\n\n\n\n

Die CSU st\u00fcnde wom\u00f6glich am linken Ende des politischen Spektrums, und auf Twitter w\u00fcrde Trump deutsche Migrationspolitiker zur M\u00e4\u00dfigung aufrufen. Der deutsche Terror in Nahost kommt hingegen seit Jahren ganz ohne Sondersendungen, politische Debatten und Distanzierungsforderungen aus. <\/p>\n\n\n\n

Deutsche K\u00e4mpfer waren nicht nur willenloses Kanonenfutter<\/h2>\n\n\n\n

An fehlendem Wissen liegt das nicht. Von ganzen Einheiten des IS, in denen kein einziger K\u00e4mpfer Arabisch spreche, berichten syrische, irakische und kurdische Soldaten schon seit Jahren. Von Aleppo \u00fcber Raqqa bis Mossul haben Aktivisten und Politiker immer wieder darauf hingewiesen, dass viele der schlimmsten M\u00f6rder in den Reihen des IS Europ\u00e4er sind. Interessiert hat das hier kaum jemand.<\/p>\n\n\n\n

Dabei dienten Deutsche dem Islamischen Staats nicht nur als willenloses Kanonenfutter, wie es oft dargestellt wird. Viele haben seinen Terror mitgepr\u00e4gt. Wie Martin L., der derzeit in kurdischer Haft sitzt. Der Schwei\u00dfer aus Sachsen-Anhalt soll sich vom Folterknecht bis zum Geheimdienstler mit Kontakten bis in die F\u00fchrungsspitze der Terrororganisation hochgearbeitet haben.<\/p>\n\n\n\n

Oder Reda S., Der Prediger aus Berlin-Charlottenburg soll dem IS in Mossul als Bildungsminister gedient haben. Oder der Berliner Ex-Rapper Denis Cuspert, der zu den wichtigsten Personen in der IS-Medienorganisation Al-Hayat geh\u00f6rte. Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Beh\u00f6rden wussten gut Bescheid<\/h2>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich entstand der Islamische Staat nicht in deutschen Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen. Zur deutschen Verantwortung geh\u00f6rt aber auch, dass Politiker und Beh\u00f6rden lange wegschauten, solang nur die T\u00e4ter, aber nicht die Opfer Deutsche waren. Beh\u00f6rden wissen und wussten erschreckend gut Bescheid \u00fcber die Radikalisierung deutscher Islamisten. Ein Gro\u00dfteil der sp\u00e4teren IS-K\u00e4mpfer war polizeibekannt, stand auf Gef\u00e4hrderlisten oder hatte wegen islamistischer Straftaten bereits Haftstrafen verb\u00fc\u00dft. An der Ausreise gehindert wurden sie oftmals dennoch nicht. Die Gefahr, die von deutschen Terroristen ausgeht, interessierte Politik und \u00d6ffentlichkeit erst dann wieder, als ihre Einreise drohte.<\/p>\n\n\n\n

\"Fabian
Fabian Goldmann<\/strong> ist Journalist und Islamwissenschaftler. F\u00fcr verschiedene Magazine und Zeitungen berichtete er viele Jahre aus Nahost. Zurzeit widmet er sich vor allem dem Islam diesseits des Bosporus. Auf seinem Blog Schantall und die Scharia<\/a> bloggt er \u00fcber Islamophobie in Deutschland.<\/p>\n","post_title":"Es sind unsere Terroristen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"es-sind-unsere-terroristen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3703","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3700,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:19:36","post_date_gmt":"2020-08-13 21:19:36","post_content":"\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda? Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda t<\/p>\n\n\n\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda tritt an die Stelle der 2010 verabschiedeten Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014 (siehe IP\/10\/1535<\/a>). In der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda f\u00fcr den Zeitraum 2015-2020 skizziert die Europ\u00e4ische Kommission die Strategie der Union zur Bew\u00e4ltigung der Sicherheitsbedrohungen in der EU.<\/p>\n\n\n\n

Die EU und ihre Mitgliedstaaten sind mit betr\u00e4chtlichen Sicherheitsproblemen konfrontiert. Terrorismus, organisierte Kriminalit\u00e4t und Cyberkriminalit\u00e4t stellen eine zunehmende Gefahr f\u00fcr die europ\u00e4ische Gesellschaft dar, wobei sich Art und Ausma\u00df dieser Gefahr ver\u00e4ndert hat. Europa ist mit den Auswirkungen der politischen Instabilit\u00e4t in seiner unmittelbaren Nachbarschaft konfrontiert, die die Sicherheitsinteressen der EU gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n

Im Zuge der Krisen und Konflikte in Syrien, Irak und Libyen haben sich europ\u00e4ische B\u00fcrger terroristischen Gruppen angeschlossen, die bei ihrer R\u00fcckkehr eine erhebliche Bedrohung darstellen k\u00f6nnen. Die j\u00fcngsten terroristischen Anschl\u00e4ge in Europa zeugen von der zunehmenden Bedrohung durch einen gewaltt\u00e4tigen Extremismus und zeigen, in welchem Ausma\u00df weltweite Konflikte zur Radikalisierung der europ\u00e4ischen B\u00fcrger beitragen.<\/p>\n\n\n\n

Das Online-Umfeld hat sich zunehmend als Ziel f\u00fcr Kriminelle und Terroristen entwickelt. Unabh\u00e4ngig davon, ob es um die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und die Anwerbung von Menschen f\u00fcr terroristische Organisationen geht oder die Verbreitung von Hass oder einen Angriff auf die europ\u00e4ischen Werte und Institutionen, fest steht, dass wir unsere Reaktion auf diese Bedrohungen unbedingt abstimmen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Welcher Mehrwert entsteht durch die EU im Bereich der inneren Sicherheit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Gew\u00e4hrleistung der inneren Sicherheit f\u00e4llt weiterhin in erster Linie in die Zust\u00e4ndigkeit der Mitgliedstaaten. Allerdings werden die Bedrohungen f\u00fcr Europas B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger immer vielf\u00e4ltiger und betreffen in zunehmendem Ma\u00dfe mehrere Mitgliedstaaten. Einzelne Mitgliedstaaten haben die Verantwortung, die Sicherheit an den Au\u00dfengrenzen zu gew\u00e4hrleisten, sind aber nicht mehr in der Lage, diese Herausforderungen allein zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n

Kriminelle und terroristische Aktivit\u00e4ten machen nicht an den Grenzen der EU halt und beschr\u00e4nken sich auch nicht auf Nachbarregionen. Die innere Sicherheit der EU und die globale Sicherheit sind voneinander abh\u00e4ngig und miteinander verkn\u00fcpft. Die Sicherheit der Union h\u00e4ngt in hohem Ma\u00dfe von der Zusammenarbeit mit ihren internationalen Partnern und ihren Nachbarl\u00e4ndern ab.<\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t und des Terrorismus ist eine gemeinsame europ\u00e4ische Aufgabe. Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda sollte von den Mitgliedstaaten und den EU-Organen gemeinsam als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und gemeinsame Ma\u00dfnahmen der Union genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n

Mit Hilfe der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda werden die Polizei- und Strafverfolgungsdienste in verschiedenen Mitgliedstaaten Daten effektiver austauschen und bei der Bek\u00e4mpfung der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t besser zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Die Mitgliedstaaten k\u00f6nnen auf die Unterst\u00fctzung durch die Agenturen der EU z\u00e4hlen. Insbesondere in folgenden Punkten l\u00e4sst sich mit Hilfe der Sicherheitsagenda ein EU-Mehrwert erzielen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n

A) Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und den EU-Agenturen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1<\/strong>: Das Schengener Informationssystem<\/strong> (SIS) wird von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Abfrage von Ausschreibungen von gesuchten oder vermissten Personen und Gegenst\u00e4nden genutzt. Die Kommission wird an der Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Ausschreibungskategorien arbeiten und sich daf\u00fcr einsetzen, dass das SIS zusammen mit der Interpol-Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD)<\/strong> umfassender genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

\n

Palani forscht am \u201eMiddle East Research Institute\u201c, das seinen Sitz in Erbil hat, der Hauptstadt von Irakisch-Kurdistan. <\/p>\n\n\n\n

\u201e60 bis 65 Prozent der Christen wollen gehen. Das Gleiche gilt f\u00fcr andere Minderheiten: f\u00fcr Jesiden, Schabaks, Turkmenen, Kakais.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

\u201eWir werden niemals wieder mit den Arabern zusammenleben k\u00f6nnen!\u201c \u2013 ein Satz, der heute h\u00e4ufig im Nord-Irak zu h\u00f6ren ist. Gemeint sind die Iraker, die Sunniten und Araber sind \u2013 die einstmals Nachbarn von Jesiden, Christen und Kurden waren \u2013 mit denen man Handel trieb und Hochzeiten feierte, die auch Freunde waren.<\/p>\n\n\n\n

Der Irak ist eine multi-ethnische und multi-religi\u00f6se Gesellschaft, in der die Schiiten die Mehrheit stellen. \u00dcber Jahrhunderte aber hatten die sunnitischen Araber das Sagen, sie missbrauchten die Macht, errichteten ein Schreckensregime \u2013 bis 2003, als Diktator Saddam Hussein von den USA gest\u00fcrzt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c entstand aus Widerstand gegen Schiiten-Herrschaft<\/h2>\n\n\n\n

Jetzt wurde der Spie\u00df umgedreht. Die Amerikaner sorgten daf\u00fcr, dass die Sunniten jegliche Machtposition verloren \u2013 so wurde die irakische Armee, wurde die baathistische Partei aufgel\u00f6st \u2013 ohne ein Pendant zu schaffen, das alle integrierte. Und: Washington unterst\u00fctzte Regierungschef Nouri al-Maliki, einen Schiiten. Maliki sah eine historische Chance gekommen, diskriminierte nun seinerseits seine sunnitischen Landsleute, verwehrte ihnen im \u201eNeuen Irak\u201c die Mitsprache. Im Regime Malikis wurden Sunniten inhaftiert, gefoltert und umgebracht.<\/p>\n\n\n\n

Was viele in den Widerstand trieb. Einige schlossen sich der Terror-Organisation \u201eAl-Qaida\u201c an, unter ihnen f\u00fchrende Milit\u00e4rs der aufgel\u00f6sten Armee Saddam Husseins \u2013 und aus \u201eAl-Qaida\u201c ging sp\u00e4ter der \u201eIS\u201c hervor.<\/p>\n\n\n\n

Als der \u201eIS\u201c dann im Sommer 2014 fast ohne Gegenwehr weite Landstriche in Syrien und im Irak \u00fcberrannte und seinen \u201eStaat\u201c ausrief, sahen auch gew\u00f6hnliche sunnitische Araber einen Wechsel nahen. Viele machten gemeinsame Sache mit den Terroristen, verhinderten die Flucht jesidischer Nachbarn, lieferten sie ihren Schl\u00e4chtern aus. Kamaran Palani:<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c-K\u00e4mpfer haben gesagt, es gehe darum, die W\u00fcrde der sunnitischen Araber wiederherzustellen. Ihre Macht. Ihre Geschichte. Tats\u00e4chlich konnten es die Araber nicht hinnehmen, dass sie ins Abseits gedr\u00e4ngt wurden. Und ich denke, dass sie auch in Zukunft so handeln werden. Wann immer sich die Gelegenheit bietet: Sie werden alles hinter sich lassen \u2013 sich nur darauf konzentrieren.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Misstrauen. Auch bei einem Politikwissenschaftler. Was also tun? Zerst\u00f6rte St\u00e4dte und D\u00f6rfer k\u00f6nnten wieder aufgebaut werden \u2013 wenn denn ein gemeinsamer Wille best\u00fcnde. Doch was, wenn es einen solchen gemeinsamen Willen gar nicht gibt? Wenn Schmerz und Trauer anhalten, wenn die Verbrechen von Terroristen und Helfershelfern nicht geahndet werden, wenn Angst umgeht, Misstrauen und Hass das Miteinander bestimmen.<\/p>\n\n\n\n

\"SyrischeSoldaten in der irakischen Stadt Sindschar nach der R\u00fcckeroberung von der IS-Miliz Ende 2015. (dpa \/ MAXPPP \/ Arnaud Dumontier)<\/p>\n\n\n\n

Kamaran Palani stammt aus der Stadt Makhmour. Drei Tage nur sei der \u201eIS\u201c dort gewesen, sagt er, doch diese Tage h\u00e4tten alles ver\u00e4ndert. Der \u201eIS\u201c habe die Menschen in seiner Heimatstadt verrohen lassen, meint er, das Verh\u00e4ltnis zwischen Kurden und Arabern sei heute tot. Eine R\u00fcckkehr in alte Zeiten h\u00e4lt Palani f\u00fcr falsch.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch denke, es w\u00e4re nicht einfach, in das Jahr 2014 \u2013 also in die Zeit vor dem \u201aIS\u2018 \u2013 zur\u00fcckzukehren. Vor allem aber w\u00e4re es nicht die richtige Politik. Denn eben die hat ja erst zum Aufkommen, zur Existenz des \u201aIS\u2018 gef\u00fchrt.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n


Wie also in Ruinen Neues schaffen? Der Staat muss das Gewaltmonopol zur\u00fcckerlangen, fordert der Politikwissenschaftler. F\u00fcr ihn steht das an erster Stelle. Und dann m\u00fcsse der Staat dringend einen Kurswechsel vornehmen: Er m\u00fcsse integrativ wirken, alle einbinden, auch die Araber, in Sicherheitskr\u00e4fte, Verwaltung und Politik.<\/p>\n\n\n\n

Machtmonopol m\u00fcsste von Milizen zum Staat gehen<\/h2>\n\n\n\n

Die Realit\u00e4t sieht anders aus: Ein Staat Kurdistan, der neue Optionen m\u00f6glich gemacht h\u00e4tte, auch von den Minderheiten gew\u00fcnscht worden war, ist nicht entstanden. Bagdad aber ist fern, der Zentralstaat kaum existent, und wenn, dann ist er schiitisch dominiert. Es sind Milizen, die im Nord-Irak das Geschehen bestimmen, darum rivalisieren, das Machtvakuum zu f\u00fcllen, das durch die Vertreibung des \u201eIS\u201c entstanden ist. Einst im Kampf gegen die Terroristen geeint, sind die Milizen einander heute feind.<\/p>\n\n\n\n

Allen voran die \u201eHashd ash-Shaabi\u201c, schiitisch-irakische Milizen, deren Ausbilder und Kommandeure h\u00e4ufig Iraner sind. Bagdad hat die Haschd als regul\u00e4re Kraft im Kampf gegen den \u201eIS\u201c anerkannt \u2013 obwohl Menschenrechts-Organisationen schwere Vorw\u00fcrfe gegen sie erheben. Fest steht: Die schiitischen Milizen halten D\u00f6rfer besetzt, sind in Mosul f\u00fcr ihr herrisches Auftreten und ihre Willk\u00fcr bekannt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eTats\u00e4chlich sorgen die verschiedenen bewaffneten Gruppen daf\u00fcr, dass die Fl\u00fcchtlinge nicht zur\u00fcckkehren. Und weil sie nicht zur\u00fcckkehren, gibt es auch keinen Wiederaufbau. Die Menschen haben Angst vor den Milizen \u2013 auch davor, dass die einander bek\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die \u201eHashd\u201c m\u00fcssten mithin abziehen. Und mit ihnen die anderen Milizen. Das Machtmonopol m\u00fcsste an den Staat gehen. Doch der Irak ist auch Spielball der Regionalm\u00e4chte: Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien. Sie konkurrieren um Einfluss-Sph\u00e4ren, bedienen sich dabei verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Gruppen im Irak. Deswegen werden die Hashd nicht abziehen. Derzeit sind sie von der iranisch-irakischen Grenze im Osten \u00fcber Bagdad bis hoch zur irakisch-syrischen Grenze im Norden postiert. Einheiten Teherans k\u00f6nnten demnach auf dem Landweg vom Iran bis ans Mittelmeer durchmarschieren.<\/p>\n\n\n\n

Iran und Saudi-Arabien wollen Macht vergr\u00f6\u00dfern<\/h2>\n\n\n\n

Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n

In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n

Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3703,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:24:20","post_date_gmt":"2020-08-13 21:24:20","post_content":"\n

Deutschland str\u00e4ubt sich gegen die R\u00fcckkehr seiner eigenen Staatsb\u00fcrger, die zu IS-Terroristen wurden. Dabei hat die Bundesrepublik den Terror und die Terroristen einst exportiert. Und dies geschah wissentlich, sagt der Islamwissenschaftler Fabian Goldmann.<\/p>\n\n\n\n

Wann haben Sie sich eigentlich zuletzt von deutschen Terroristen distanziert? Zum Beispiel von Robert B.? Der Ex-Bundeswehrsoldat aus Solingen hat mutma\u00dflich bei einem Selbstmordattentat Anfang 2014 50 Menschen mit in den Tod gerissen. <\/p>\n\n\n\n

Oder von Yannik N.? Der junge Freiburger steuerte wahrscheinlich im Jahr 2015 einen mit anderthalb Tonnen Sprengstoff beladenen LKW in eine Menschenmenge und nahm so Dutzenden Personen das Leben.<\/p>\n\n\n\n

Oder von Yamin A.?. Im Sommer 2015 tauchte im Netz ein Video auf, das zeigte, wie der ehemalige Telekom-Azubi aus K\u00f6nigswinter zwei gefesselten Soldaten in den Kopf schoss.
Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Deutsche T\u00e4ter, aber kaum deutsche Opfer<\/h2>\n\n\n\n

Hauptsache nicht bei uns! Dies scheint auch dieser Tage wieder die Maxime zu sein, wenn Politiker und \u00d6ffentlichkeit \u00fcber den Umgang mit deutschen Terroristen diskutieren. Von potenziellen Bedrohungen und Anschlagsgefahren in Deutschland liest man dann. Vom ganz realen Terror, den Deutsche in den vergangenen Jahren \u00fcber die Menschen in Syrien und Irak gebracht haben, h\u00f6rt man hingegen kaum. Ein Terror, der kaum deutsche Opfer aber umso mehr deutsche T\u00e4ter kannte.<\/p>\n\n\n\n

1.050 \u2013 das ist laut Bundesinnenministerium die Anzahl der Dschihadisten, die in den letzten Jahren die Bundesrepublik in Richtung Nahost verlassen hat. Es f\u00e4llt schwer, sich umgekehrtes Szenario \u00fcberhaupt auszumalen. Was w\u00e4re wohl los, h\u00e4tte es nur ein Bruchteil arabischer Terroristen geschafft, bei uns Anschl\u00e4ge zu begehen? Europas \u201eMuslim Bann\u201c? \u00dcberwachungsstaat auf NSA-Niveau?<\/p>\n\n\n\n

Die CSU st\u00fcnde wom\u00f6glich am linken Ende des politischen Spektrums, und auf Twitter w\u00fcrde Trump deutsche Migrationspolitiker zur M\u00e4\u00dfigung aufrufen. Der deutsche Terror in Nahost kommt hingegen seit Jahren ganz ohne Sondersendungen, politische Debatten und Distanzierungsforderungen aus. <\/p>\n\n\n\n

Deutsche K\u00e4mpfer waren nicht nur willenloses Kanonenfutter<\/h2>\n\n\n\n

An fehlendem Wissen liegt das nicht. Von ganzen Einheiten des IS, in denen kein einziger K\u00e4mpfer Arabisch spreche, berichten syrische, irakische und kurdische Soldaten schon seit Jahren. Von Aleppo \u00fcber Raqqa bis Mossul haben Aktivisten und Politiker immer wieder darauf hingewiesen, dass viele der schlimmsten M\u00f6rder in den Reihen des IS Europ\u00e4er sind. Interessiert hat das hier kaum jemand.<\/p>\n\n\n\n

Dabei dienten Deutsche dem Islamischen Staats nicht nur als willenloses Kanonenfutter, wie es oft dargestellt wird. Viele haben seinen Terror mitgepr\u00e4gt. Wie Martin L., der derzeit in kurdischer Haft sitzt. Der Schwei\u00dfer aus Sachsen-Anhalt soll sich vom Folterknecht bis zum Geheimdienstler mit Kontakten bis in die F\u00fchrungsspitze der Terrororganisation hochgearbeitet haben.<\/p>\n\n\n\n

Oder Reda S., Der Prediger aus Berlin-Charlottenburg soll dem IS in Mossul als Bildungsminister gedient haben. Oder der Berliner Ex-Rapper Denis Cuspert, der zu den wichtigsten Personen in der IS-Medienorganisation Al-Hayat geh\u00f6rte. Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Beh\u00f6rden wussten gut Bescheid<\/h2>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich entstand der Islamische Staat nicht in deutschen Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen. Zur deutschen Verantwortung geh\u00f6rt aber auch, dass Politiker und Beh\u00f6rden lange wegschauten, solang nur die T\u00e4ter, aber nicht die Opfer Deutsche waren. Beh\u00f6rden wissen und wussten erschreckend gut Bescheid \u00fcber die Radikalisierung deutscher Islamisten. Ein Gro\u00dfteil der sp\u00e4teren IS-K\u00e4mpfer war polizeibekannt, stand auf Gef\u00e4hrderlisten oder hatte wegen islamistischer Straftaten bereits Haftstrafen verb\u00fc\u00dft. An der Ausreise gehindert wurden sie oftmals dennoch nicht. Die Gefahr, die von deutschen Terroristen ausgeht, interessierte Politik und \u00d6ffentlichkeit erst dann wieder, als ihre Einreise drohte.<\/p>\n\n\n\n

\"Fabian
Fabian Goldmann<\/strong> ist Journalist und Islamwissenschaftler. F\u00fcr verschiedene Magazine und Zeitungen berichtete er viele Jahre aus Nahost. Zurzeit widmet er sich vor allem dem Islam diesseits des Bosporus. Auf seinem Blog Schantall und die Scharia<\/a> bloggt er \u00fcber Islamophobie in Deutschland.<\/p>\n","post_title":"Es sind unsere Terroristen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"es-sind-unsere-terroristen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3703","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3700,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:19:36","post_date_gmt":"2020-08-13 21:19:36","post_content":"\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda? Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda t<\/p>\n\n\n\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda tritt an die Stelle der 2010 verabschiedeten Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014 (siehe IP\/10\/1535<\/a>). In der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda f\u00fcr den Zeitraum 2015-2020 skizziert die Europ\u00e4ische Kommission die Strategie der Union zur Bew\u00e4ltigung der Sicherheitsbedrohungen in der EU.<\/p>\n\n\n\n

Die EU und ihre Mitgliedstaaten sind mit betr\u00e4chtlichen Sicherheitsproblemen konfrontiert. Terrorismus, organisierte Kriminalit\u00e4t und Cyberkriminalit\u00e4t stellen eine zunehmende Gefahr f\u00fcr die europ\u00e4ische Gesellschaft dar, wobei sich Art und Ausma\u00df dieser Gefahr ver\u00e4ndert hat. Europa ist mit den Auswirkungen der politischen Instabilit\u00e4t in seiner unmittelbaren Nachbarschaft konfrontiert, die die Sicherheitsinteressen der EU gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n

Im Zuge der Krisen und Konflikte in Syrien, Irak und Libyen haben sich europ\u00e4ische B\u00fcrger terroristischen Gruppen angeschlossen, die bei ihrer R\u00fcckkehr eine erhebliche Bedrohung darstellen k\u00f6nnen. Die j\u00fcngsten terroristischen Anschl\u00e4ge in Europa zeugen von der zunehmenden Bedrohung durch einen gewaltt\u00e4tigen Extremismus und zeigen, in welchem Ausma\u00df weltweite Konflikte zur Radikalisierung der europ\u00e4ischen B\u00fcrger beitragen.<\/p>\n\n\n\n

Das Online-Umfeld hat sich zunehmend als Ziel f\u00fcr Kriminelle und Terroristen entwickelt. Unabh\u00e4ngig davon, ob es um die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und die Anwerbung von Menschen f\u00fcr terroristische Organisationen geht oder die Verbreitung von Hass oder einen Angriff auf die europ\u00e4ischen Werte und Institutionen, fest steht, dass wir unsere Reaktion auf diese Bedrohungen unbedingt abstimmen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Welcher Mehrwert entsteht durch die EU im Bereich der inneren Sicherheit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Gew\u00e4hrleistung der inneren Sicherheit f\u00e4llt weiterhin in erster Linie in die Zust\u00e4ndigkeit der Mitgliedstaaten. Allerdings werden die Bedrohungen f\u00fcr Europas B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger immer vielf\u00e4ltiger und betreffen in zunehmendem Ma\u00dfe mehrere Mitgliedstaaten. Einzelne Mitgliedstaaten haben die Verantwortung, die Sicherheit an den Au\u00dfengrenzen zu gew\u00e4hrleisten, sind aber nicht mehr in der Lage, diese Herausforderungen allein zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n

Kriminelle und terroristische Aktivit\u00e4ten machen nicht an den Grenzen der EU halt und beschr\u00e4nken sich auch nicht auf Nachbarregionen. Die innere Sicherheit der EU und die globale Sicherheit sind voneinander abh\u00e4ngig und miteinander verkn\u00fcpft. Die Sicherheit der Union h\u00e4ngt in hohem Ma\u00dfe von der Zusammenarbeit mit ihren internationalen Partnern und ihren Nachbarl\u00e4ndern ab.<\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t und des Terrorismus ist eine gemeinsame europ\u00e4ische Aufgabe. Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda sollte von den Mitgliedstaaten und den EU-Organen gemeinsam als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und gemeinsame Ma\u00dfnahmen der Union genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n

Mit Hilfe der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda werden die Polizei- und Strafverfolgungsdienste in verschiedenen Mitgliedstaaten Daten effektiver austauschen und bei der Bek\u00e4mpfung der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t besser zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Die Mitgliedstaaten k\u00f6nnen auf die Unterst\u00fctzung durch die Agenturen der EU z\u00e4hlen. Insbesondere in folgenden Punkten l\u00e4sst sich mit Hilfe der Sicherheitsagenda ein EU-Mehrwert erzielen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n

A) Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und den EU-Agenturen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1<\/strong>: Das Schengener Informationssystem<\/strong> (SIS) wird von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Abfrage von Ausschreibungen von gesuchten oder vermissten Personen und Gegenst\u00e4nden genutzt. Die Kommission wird an der Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Ausschreibungskategorien arbeiten und sich daf\u00fcr einsetzen, dass das SIS zusammen mit der Interpol-Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD)<\/strong> umfassender genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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\u201eSie wollen einfach nicht in diesem Land bleiben. Der IS hat sie dazu gebracht. Jeder hat heute Angst, dass eine andere Organisation kommen wird, Terroristen, die dasselbe anrichten wie zuvor.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Palani forscht am \u201eMiddle East Research Institute\u201c, das seinen Sitz in Erbil hat, der Hauptstadt von Irakisch-Kurdistan. <\/p>\n\n\n\n

\u201e60 bis 65 Prozent der Christen wollen gehen. Das Gleiche gilt f\u00fcr andere Minderheiten: f\u00fcr Jesiden, Schabaks, Turkmenen, Kakais.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

\u201eWir werden niemals wieder mit den Arabern zusammenleben k\u00f6nnen!\u201c \u2013 ein Satz, der heute h\u00e4ufig im Nord-Irak zu h\u00f6ren ist. Gemeint sind die Iraker, die Sunniten und Araber sind \u2013 die einstmals Nachbarn von Jesiden, Christen und Kurden waren \u2013 mit denen man Handel trieb und Hochzeiten feierte, die auch Freunde waren.<\/p>\n\n\n\n

Der Irak ist eine multi-ethnische und multi-religi\u00f6se Gesellschaft, in der die Schiiten die Mehrheit stellen. \u00dcber Jahrhunderte aber hatten die sunnitischen Araber das Sagen, sie missbrauchten die Macht, errichteten ein Schreckensregime \u2013 bis 2003, als Diktator Saddam Hussein von den USA gest\u00fcrzt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c entstand aus Widerstand gegen Schiiten-Herrschaft<\/h2>\n\n\n\n

Jetzt wurde der Spie\u00df umgedreht. Die Amerikaner sorgten daf\u00fcr, dass die Sunniten jegliche Machtposition verloren \u2013 so wurde die irakische Armee, wurde die baathistische Partei aufgel\u00f6st \u2013 ohne ein Pendant zu schaffen, das alle integrierte. Und: Washington unterst\u00fctzte Regierungschef Nouri al-Maliki, einen Schiiten. Maliki sah eine historische Chance gekommen, diskriminierte nun seinerseits seine sunnitischen Landsleute, verwehrte ihnen im \u201eNeuen Irak\u201c die Mitsprache. Im Regime Malikis wurden Sunniten inhaftiert, gefoltert und umgebracht.<\/p>\n\n\n\n

Was viele in den Widerstand trieb. Einige schlossen sich der Terror-Organisation \u201eAl-Qaida\u201c an, unter ihnen f\u00fchrende Milit\u00e4rs der aufgel\u00f6sten Armee Saddam Husseins \u2013 und aus \u201eAl-Qaida\u201c ging sp\u00e4ter der \u201eIS\u201c hervor.<\/p>\n\n\n\n

Als der \u201eIS\u201c dann im Sommer 2014 fast ohne Gegenwehr weite Landstriche in Syrien und im Irak \u00fcberrannte und seinen \u201eStaat\u201c ausrief, sahen auch gew\u00f6hnliche sunnitische Araber einen Wechsel nahen. Viele machten gemeinsame Sache mit den Terroristen, verhinderten die Flucht jesidischer Nachbarn, lieferten sie ihren Schl\u00e4chtern aus. Kamaran Palani:<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c-K\u00e4mpfer haben gesagt, es gehe darum, die W\u00fcrde der sunnitischen Araber wiederherzustellen. Ihre Macht. Ihre Geschichte. Tats\u00e4chlich konnten es die Araber nicht hinnehmen, dass sie ins Abseits gedr\u00e4ngt wurden. Und ich denke, dass sie auch in Zukunft so handeln werden. Wann immer sich die Gelegenheit bietet: Sie werden alles hinter sich lassen \u2013 sich nur darauf konzentrieren.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Misstrauen. Auch bei einem Politikwissenschaftler. Was also tun? Zerst\u00f6rte St\u00e4dte und D\u00f6rfer k\u00f6nnten wieder aufgebaut werden \u2013 wenn denn ein gemeinsamer Wille best\u00fcnde. Doch was, wenn es einen solchen gemeinsamen Willen gar nicht gibt? Wenn Schmerz und Trauer anhalten, wenn die Verbrechen von Terroristen und Helfershelfern nicht geahndet werden, wenn Angst umgeht, Misstrauen und Hass das Miteinander bestimmen.<\/p>\n\n\n\n

\"SyrischeSoldaten in der irakischen Stadt Sindschar nach der R\u00fcckeroberung von der IS-Miliz Ende 2015. (dpa \/ MAXPPP \/ Arnaud Dumontier)<\/p>\n\n\n\n

Kamaran Palani stammt aus der Stadt Makhmour. Drei Tage nur sei der \u201eIS\u201c dort gewesen, sagt er, doch diese Tage h\u00e4tten alles ver\u00e4ndert. Der \u201eIS\u201c habe die Menschen in seiner Heimatstadt verrohen lassen, meint er, das Verh\u00e4ltnis zwischen Kurden und Arabern sei heute tot. Eine R\u00fcckkehr in alte Zeiten h\u00e4lt Palani f\u00fcr falsch.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch denke, es w\u00e4re nicht einfach, in das Jahr 2014 \u2013 also in die Zeit vor dem \u201aIS\u2018 \u2013 zur\u00fcckzukehren. Vor allem aber w\u00e4re es nicht die richtige Politik. Denn eben die hat ja erst zum Aufkommen, zur Existenz des \u201aIS\u2018 gef\u00fchrt.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n


Wie also in Ruinen Neues schaffen? Der Staat muss das Gewaltmonopol zur\u00fcckerlangen, fordert der Politikwissenschaftler. F\u00fcr ihn steht das an erster Stelle. Und dann m\u00fcsse der Staat dringend einen Kurswechsel vornehmen: Er m\u00fcsse integrativ wirken, alle einbinden, auch die Araber, in Sicherheitskr\u00e4fte, Verwaltung und Politik.<\/p>\n\n\n\n

Machtmonopol m\u00fcsste von Milizen zum Staat gehen<\/h2>\n\n\n\n

Die Realit\u00e4t sieht anders aus: Ein Staat Kurdistan, der neue Optionen m\u00f6glich gemacht h\u00e4tte, auch von den Minderheiten gew\u00fcnscht worden war, ist nicht entstanden. Bagdad aber ist fern, der Zentralstaat kaum existent, und wenn, dann ist er schiitisch dominiert. Es sind Milizen, die im Nord-Irak das Geschehen bestimmen, darum rivalisieren, das Machtvakuum zu f\u00fcllen, das durch die Vertreibung des \u201eIS\u201c entstanden ist. Einst im Kampf gegen die Terroristen geeint, sind die Milizen einander heute feind.<\/p>\n\n\n\n

Allen voran die \u201eHashd ash-Shaabi\u201c, schiitisch-irakische Milizen, deren Ausbilder und Kommandeure h\u00e4ufig Iraner sind. Bagdad hat die Haschd als regul\u00e4re Kraft im Kampf gegen den \u201eIS\u201c anerkannt \u2013 obwohl Menschenrechts-Organisationen schwere Vorw\u00fcrfe gegen sie erheben. Fest steht: Die schiitischen Milizen halten D\u00f6rfer besetzt, sind in Mosul f\u00fcr ihr herrisches Auftreten und ihre Willk\u00fcr bekannt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eTats\u00e4chlich sorgen die verschiedenen bewaffneten Gruppen daf\u00fcr, dass die Fl\u00fcchtlinge nicht zur\u00fcckkehren. Und weil sie nicht zur\u00fcckkehren, gibt es auch keinen Wiederaufbau. Die Menschen haben Angst vor den Milizen \u2013 auch davor, dass die einander bek\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die \u201eHashd\u201c m\u00fcssten mithin abziehen. Und mit ihnen die anderen Milizen. Das Machtmonopol m\u00fcsste an den Staat gehen. Doch der Irak ist auch Spielball der Regionalm\u00e4chte: Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien. Sie konkurrieren um Einfluss-Sph\u00e4ren, bedienen sich dabei verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Gruppen im Irak. Deswegen werden die Hashd nicht abziehen. Derzeit sind sie von der iranisch-irakischen Grenze im Osten \u00fcber Bagdad bis hoch zur irakisch-syrischen Grenze im Norden postiert. Einheiten Teherans k\u00f6nnten demnach auf dem Landweg vom Iran bis ans Mittelmeer durchmarschieren.<\/p>\n\n\n\n

Iran und Saudi-Arabien wollen Macht vergr\u00f6\u00dfern<\/h2>\n\n\n\n

Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n

In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n

Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3703,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:24:20","post_date_gmt":"2020-08-13 21:24:20","post_content":"\n

Deutschland str\u00e4ubt sich gegen die R\u00fcckkehr seiner eigenen Staatsb\u00fcrger, die zu IS-Terroristen wurden. Dabei hat die Bundesrepublik den Terror und die Terroristen einst exportiert. Und dies geschah wissentlich, sagt der Islamwissenschaftler Fabian Goldmann.<\/p>\n\n\n\n

Wann haben Sie sich eigentlich zuletzt von deutschen Terroristen distanziert? Zum Beispiel von Robert B.? Der Ex-Bundeswehrsoldat aus Solingen hat mutma\u00dflich bei einem Selbstmordattentat Anfang 2014 50 Menschen mit in den Tod gerissen. <\/p>\n\n\n\n

Oder von Yannik N.? Der junge Freiburger steuerte wahrscheinlich im Jahr 2015 einen mit anderthalb Tonnen Sprengstoff beladenen LKW in eine Menschenmenge und nahm so Dutzenden Personen das Leben.<\/p>\n\n\n\n

Oder von Yamin A.?. Im Sommer 2015 tauchte im Netz ein Video auf, das zeigte, wie der ehemalige Telekom-Azubi aus K\u00f6nigswinter zwei gefesselten Soldaten in den Kopf schoss.
Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Deutsche T\u00e4ter, aber kaum deutsche Opfer<\/h2>\n\n\n\n

Hauptsache nicht bei uns! Dies scheint auch dieser Tage wieder die Maxime zu sein, wenn Politiker und \u00d6ffentlichkeit \u00fcber den Umgang mit deutschen Terroristen diskutieren. Von potenziellen Bedrohungen und Anschlagsgefahren in Deutschland liest man dann. Vom ganz realen Terror, den Deutsche in den vergangenen Jahren \u00fcber die Menschen in Syrien und Irak gebracht haben, h\u00f6rt man hingegen kaum. Ein Terror, der kaum deutsche Opfer aber umso mehr deutsche T\u00e4ter kannte.<\/p>\n\n\n\n

1.050 \u2013 das ist laut Bundesinnenministerium die Anzahl der Dschihadisten, die in den letzten Jahren die Bundesrepublik in Richtung Nahost verlassen hat. Es f\u00e4llt schwer, sich umgekehrtes Szenario \u00fcberhaupt auszumalen. Was w\u00e4re wohl los, h\u00e4tte es nur ein Bruchteil arabischer Terroristen geschafft, bei uns Anschl\u00e4ge zu begehen? Europas \u201eMuslim Bann\u201c? \u00dcberwachungsstaat auf NSA-Niveau?<\/p>\n\n\n\n

Die CSU st\u00fcnde wom\u00f6glich am linken Ende des politischen Spektrums, und auf Twitter w\u00fcrde Trump deutsche Migrationspolitiker zur M\u00e4\u00dfigung aufrufen. Der deutsche Terror in Nahost kommt hingegen seit Jahren ganz ohne Sondersendungen, politische Debatten und Distanzierungsforderungen aus. <\/p>\n\n\n\n

Deutsche K\u00e4mpfer waren nicht nur willenloses Kanonenfutter<\/h2>\n\n\n\n

An fehlendem Wissen liegt das nicht. Von ganzen Einheiten des IS, in denen kein einziger K\u00e4mpfer Arabisch spreche, berichten syrische, irakische und kurdische Soldaten schon seit Jahren. Von Aleppo \u00fcber Raqqa bis Mossul haben Aktivisten und Politiker immer wieder darauf hingewiesen, dass viele der schlimmsten M\u00f6rder in den Reihen des IS Europ\u00e4er sind. Interessiert hat das hier kaum jemand.<\/p>\n\n\n\n

Dabei dienten Deutsche dem Islamischen Staats nicht nur als willenloses Kanonenfutter, wie es oft dargestellt wird. Viele haben seinen Terror mitgepr\u00e4gt. Wie Martin L., der derzeit in kurdischer Haft sitzt. Der Schwei\u00dfer aus Sachsen-Anhalt soll sich vom Folterknecht bis zum Geheimdienstler mit Kontakten bis in die F\u00fchrungsspitze der Terrororganisation hochgearbeitet haben.<\/p>\n\n\n\n

Oder Reda S., Der Prediger aus Berlin-Charlottenburg soll dem IS in Mossul als Bildungsminister gedient haben. Oder der Berliner Ex-Rapper Denis Cuspert, der zu den wichtigsten Personen in der IS-Medienorganisation Al-Hayat geh\u00f6rte. Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Beh\u00f6rden wussten gut Bescheid<\/h2>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich entstand der Islamische Staat nicht in deutschen Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen. Zur deutschen Verantwortung geh\u00f6rt aber auch, dass Politiker und Beh\u00f6rden lange wegschauten, solang nur die T\u00e4ter, aber nicht die Opfer Deutsche waren. Beh\u00f6rden wissen und wussten erschreckend gut Bescheid \u00fcber die Radikalisierung deutscher Islamisten. Ein Gro\u00dfteil der sp\u00e4teren IS-K\u00e4mpfer war polizeibekannt, stand auf Gef\u00e4hrderlisten oder hatte wegen islamistischer Straftaten bereits Haftstrafen verb\u00fc\u00dft. An der Ausreise gehindert wurden sie oftmals dennoch nicht. Die Gefahr, die von deutschen Terroristen ausgeht, interessierte Politik und \u00d6ffentlichkeit erst dann wieder, als ihre Einreise drohte.<\/p>\n\n\n\n

\"Fabian
Fabian Goldmann<\/strong> ist Journalist und Islamwissenschaftler. F\u00fcr verschiedene Magazine und Zeitungen berichtete er viele Jahre aus Nahost. Zurzeit widmet er sich vor allem dem Islam diesseits des Bosporus. Auf seinem Blog Schantall und die Scharia<\/a> bloggt er \u00fcber Islamophobie in Deutschland.<\/p>\n","post_title":"Es sind unsere Terroristen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"es-sind-unsere-terroristen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3703","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3700,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:19:36","post_date_gmt":"2020-08-13 21:19:36","post_content":"\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda? Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda t<\/p>\n\n\n\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda tritt an die Stelle der 2010 verabschiedeten Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014 (siehe IP\/10\/1535<\/a>). In der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda f\u00fcr den Zeitraum 2015-2020 skizziert die Europ\u00e4ische Kommission die Strategie der Union zur Bew\u00e4ltigung der Sicherheitsbedrohungen in der EU.<\/p>\n\n\n\n

Die EU und ihre Mitgliedstaaten sind mit betr\u00e4chtlichen Sicherheitsproblemen konfrontiert. Terrorismus, organisierte Kriminalit\u00e4t und Cyberkriminalit\u00e4t stellen eine zunehmende Gefahr f\u00fcr die europ\u00e4ische Gesellschaft dar, wobei sich Art und Ausma\u00df dieser Gefahr ver\u00e4ndert hat. Europa ist mit den Auswirkungen der politischen Instabilit\u00e4t in seiner unmittelbaren Nachbarschaft konfrontiert, die die Sicherheitsinteressen der EU gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n

Im Zuge der Krisen und Konflikte in Syrien, Irak und Libyen haben sich europ\u00e4ische B\u00fcrger terroristischen Gruppen angeschlossen, die bei ihrer R\u00fcckkehr eine erhebliche Bedrohung darstellen k\u00f6nnen. Die j\u00fcngsten terroristischen Anschl\u00e4ge in Europa zeugen von der zunehmenden Bedrohung durch einen gewaltt\u00e4tigen Extremismus und zeigen, in welchem Ausma\u00df weltweite Konflikte zur Radikalisierung der europ\u00e4ischen B\u00fcrger beitragen.<\/p>\n\n\n\n

Das Online-Umfeld hat sich zunehmend als Ziel f\u00fcr Kriminelle und Terroristen entwickelt. Unabh\u00e4ngig davon, ob es um die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und die Anwerbung von Menschen f\u00fcr terroristische Organisationen geht oder die Verbreitung von Hass oder einen Angriff auf die europ\u00e4ischen Werte und Institutionen, fest steht, dass wir unsere Reaktion auf diese Bedrohungen unbedingt abstimmen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Welcher Mehrwert entsteht durch die EU im Bereich der inneren Sicherheit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Gew\u00e4hrleistung der inneren Sicherheit f\u00e4llt weiterhin in erster Linie in die Zust\u00e4ndigkeit der Mitgliedstaaten. Allerdings werden die Bedrohungen f\u00fcr Europas B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger immer vielf\u00e4ltiger und betreffen in zunehmendem Ma\u00dfe mehrere Mitgliedstaaten. Einzelne Mitgliedstaaten haben die Verantwortung, die Sicherheit an den Au\u00dfengrenzen zu gew\u00e4hrleisten, sind aber nicht mehr in der Lage, diese Herausforderungen allein zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n

Kriminelle und terroristische Aktivit\u00e4ten machen nicht an den Grenzen der EU halt und beschr\u00e4nken sich auch nicht auf Nachbarregionen. Die innere Sicherheit der EU und die globale Sicherheit sind voneinander abh\u00e4ngig und miteinander verkn\u00fcpft. Die Sicherheit der Union h\u00e4ngt in hohem Ma\u00dfe von der Zusammenarbeit mit ihren internationalen Partnern und ihren Nachbarl\u00e4ndern ab.<\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t und des Terrorismus ist eine gemeinsame europ\u00e4ische Aufgabe. Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda sollte von den Mitgliedstaaten und den EU-Organen gemeinsam als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und gemeinsame Ma\u00dfnahmen der Union genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n

Mit Hilfe der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda werden die Polizei- und Strafverfolgungsdienste in verschiedenen Mitgliedstaaten Daten effektiver austauschen und bei der Bek\u00e4mpfung der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t besser zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Die Mitgliedstaaten k\u00f6nnen auf die Unterst\u00fctzung durch die Agenturen der EU z\u00e4hlen. Insbesondere in folgenden Punkten l\u00e4sst sich mit Hilfe der Sicherheitsagenda ein EU-Mehrwert erzielen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n

A) Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und den EU-Agenturen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1<\/strong>: Das Schengener Informationssystem<\/strong> (SIS) wird von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Abfrage von Ausschreibungen von gesuchten oder vermissten Personen und Gegenst\u00e4nden genutzt. Die Kommission wird an der Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Ausschreibungskategorien arbeiten und sich daf\u00fcr einsetzen, dass das SIS zusammen mit der Interpol-Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD)<\/strong> umfassender genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Kamaran Palani spricht davon, dass viele Menschen immer noch gehen wollen, obwohl der \u201eIS\u201c als staats\u00e4hnliches Gebilde nicht mehr besteht. Seine Saat aber, so der Politikwissenschaftler, sei aufgegangen.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollen einfach nicht in diesem Land bleiben. Der IS hat sie dazu gebracht. Jeder hat heute Angst, dass eine andere Organisation kommen wird, Terroristen, die dasselbe anrichten wie zuvor.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Palani forscht am \u201eMiddle East Research Institute\u201c, das seinen Sitz in Erbil hat, der Hauptstadt von Irakisch-Kurdistan. <\/p>\n\n\n\n

\u201e60 bis 65 Prozent der Christen wollen gehen. Das Gleiche gilt f\u00fcr andere Minderheiten: f\u00fcr Jesiden, Schabaks, Turkmenen, Kakais.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

\u201eWir werden niemals wieder mit den Arabern zusammenleben k\u00f6nnen!\u201c \u2013 ein Satz, der heute h\u00e4ufig im Nord-Irak zu h\u00f6ren ist. Gemeint sind die Iraker, die Sunniten und Araber sind \u2013 die einstmals Nachbarn von Jesiden, Christen und Kurden waren \u2013 mit denen man Handel trieb und Hochzeiten feierte, die auch Freunde waren.<\/p>\n\n\n\n

Der Irak ist eine multi-ethnische und multi-religi\u00f6se Gesellschaft, in der die Schiiten die Mehrheit stellen. \u00dcber Jahrhunderte aber hatten die sunnitischen Araber das Sagen, sie missbrauchten die Macht, errichteten ein Schreckensregime \u2013 bis 2003, als Diktator Saddam Hussein von den USA gest\u00fcrzt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c entstand aus Widerstand gegen Schiiten-Herrschaft<\/h2>\n\n\n\n

Jetzt wurde der Spie\u00df umgedreht. Die Amerikaner sorgten daf\u00fcr, dass die Sunniten jegliche Machtposition verloren \u2013 so wurde die irakische Armee, wurde die baathistische Partei aufgel\u00f6st \u2013 ohne ein Pendant zu schaffen, das alle integrierte. Und: Washington unterst\u00fctzte Regierungschef Nouri al-Maliki, einen Schiiten. Maliki sah eine historische Chance gekommen, diskriminierte nun seinerseits seine sunnitischen Landsleute, verwehrte ihnen im \u201eNeuen Irak\u201c die Mitsprache. Im Regime Malikis wurden Sunniten inhaftiert, gefoltert und umgebracht.<\/p>\n\n\n\n

Was viele in den Widerstand trieb. Einige schlossen sich der Terror-Organisation \u201eAl-Qaida\u201c an, unter ihnen f\u00fchrende Milit\u00e4rs der aufgel\u00f6sten Armee Saddam Husseins \u2013 und aus \u201eAl-Qaida\u201c ging sp\u00e4ter der \u201eIS\u201c hervor.<\/p>\n\n\n\n

Als der \u201eIS\u201c dann im Sommer 2014 fast ohne Gegenwehr weite Landstriche in Syrien und im Irak \u00fcberrannte und seinen \u201eStaat\u201c ausrief, sahen auch gew\u00f6hnliche sunnitische Araber einen Wechsel nahen. Viele machten gemeinsame Sache mit den Terroristen, verhinderten die Flucht jesidischer Nachbarn, lieferten sie ihren Schl\u00e4chtern aus. Kamaran Palani:<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c-K\u00e4mpfer haben gesagt, es gehe darum, die W\u00fcrde der sunnitischen Araber wiederherzustellen. Ihre Macht. Ihre Geschichte. Tats\u00e4chlich konnten es die Araber nicht hinnehmen, dass sie ins Abseits gedr\u00e4ngt wurden. Und ich denke, dass sie auch in Zukunft so handeln werden. Wann immer sich die Gelegenheit bietet: Sie werden alles hinter sich lassen \u2013 sich nur darauf konzentrieren.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Misstrauen. Auch bei einem Politikwissenschaftler. Was also tun? Zerst\u00f6rte St\u00e4dte und D\u00f6rfer k\u00f6nnten wieder aufgebaut werden \u2013 wenn denn ein gemeinsamer Wille best\u00fcnde. Doch was, wenn es einen solchen gemeinsamen Willen gar nicht gibt? Wenn Schmerz und Trauer anhalten, wenn die Verbrechen von Terroristen und Helfershelfern nicht geahndet werden, wenn Angst umgeht, Misstrauen und Hass das Miteinander bestimmen.<\/p>\n\n\n\n

\"SyrischeSoldaten in der irakischen Stadt Sindschar nach der R\u00fcckeroberung von der IS-Miliz Ende 2015. (dpa \/ MAXPPP \/ Arnaud Dumontier)<\/p>\n\n\n\n

Kamaran Palani stammt aus der Stadt Makhmour. Drei Tage nur sei der \u201eIS\u201c dort gewesen, sagt er, doch diese Tage h\u00e4tten alles ver\u00e4ndert. Der \u201eIS\u201c habe die Menschen in seiner Heimatstadt verrohen lassen, meint er, das Verh\u00e4ltnis zwischen Kurden und Arabern sei heute tot. Eine R\u00fcckkehr in alte Zeiten h\u00e4lt Palani f\u00fcr falsch.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch denke, es w\u00e4re nicht einfach, in das Jahr 2014 \u2013 also in die Zeit vor dem \u201aIS\u2018 \u2013 zur\u00fcckzukehren. Vor allem aber w\u00e4re es nicht die richtige Politik. Denn eben die hat ja erst zum Aufkommen, zur Existenz des \u201aIS\u2018 gef\u00fchrt.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n


Wie also in Ruinen Neues schaffen? Der Staat muss das Gewaltmonopol zur\u00fcckerlangen, fordert der Politikwissenschaftler. F\u00fcr ihn steht das an erster Stelle. Und dann m\u00fcsse der Staat dringend einen Kurswechsel vornehmen: Er m\u00fcsse integrativ wirken, alle einbinden, auch die Araber, in Sicherheitskr\u00e4fte, Verwaltung und Politik.<\/p>\n\n\n\n

Machtmonopol m\u00fcsste von Milizen zum Staat gehen<\/h2>\n\n\n\n

Die Realit\u00e4t sieht anders aus: Ein Staat Kurdistan, der neue Optionen m\u00f6glich gemacht h\u00e4tte, auch von den Minderheiten gew\u00fcnscht worden war, ist nicht entstanden. Bagdad aber ist fern, der Zentralstaat kaum existent, und wenn, dann ist er schiitisch dominiert. Es sind Milizen, die im Nord-Irak das Geschehen bestimmen, darum rivalisieren, das Machtvakuum zu f\u00fcllen, das durch die Vertreibung des \u201eIS\u201c entstanden ist. Einst im Kampf gegen die Terroristen geeint, sind die Milizen einander heute feind.<\/p>\n\n\n\n

Allen voran die \u201eHashd ash-Shaabi\u201c, schiitisch-irakische Milizen, deren Ausbilder und Kommandeure h\u00e4ufig Iraner sind. Bagdad hat die Haschd als regul\u00e4re Kraft im Kampf gegen den \u201eIS\u201c anerkannt \u2013 obwohl Menschenrechts-Organisationen schwere Vorw\u00fcrfe gegen sie erheben. Fest steht: Die schiitischen Milizen halten D\u00f6rfer besetzt, sind in Mosul f\u00fcr ihr herrisches Auftreten und ihre Willk\u00fcr bekannt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eTats\u00e4chlich sorgen die verschiedenen bewaffneten Gruppen daf\u00fcr, dass die Fl\u00fcchtlinge nicht zur\u00fcckkehren. Und weil sie nicht zur\u00fcckkehren, gibt es auch keinen Wiederaufbau. Die Menschen haben Angst vor den Milizen \u2013 auch davor, dass die einander bek\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die \u201eHashd\u201c m\u00fcssten mithin abziehen. Und mit ihnen die anderen Milizen. Das Machtmonopol m\u00fcsste an den Staat gehen. Doch der Irak ist auch Spielball der Regionalm\u00e4chte: Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien. Sie konkurrieren um Einfluss-Sph\u00e4ren, bedienen sich dabei verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Gruppen im Irak. Deswegen werden die Hashd nicht abziehen. Derzeit sind sie von der iranisch-irakischen Grenze im Osten \u00fcber Bagdad bis hoch zur irakisch-syrischen Grenze im Norden postiert. Einheiten Teherans k\u00f6nnten demnach auf dem Landweg vom Iran bis ans Mittelmeer durchmarschieren.<\/p>\n\n\n\n

Iran und Saudi-Arabien wollen Macht vergr\u00f6\u00dfern<\/h2>\n\n\n\n

Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n

In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n

Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3703,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:24:20","post_date_gmt":"2020-08-13 21:24:20","post_content":"\n

Deutschland str\u00e4ubt sich gegen die R\u00fcckkehr seiner eigenen Staatsb\u00fcrger, die zu IS-Terroristen wurden. Dabei hat die Bundesrepublik den Terror und die Terroristen einst exportiert. Und dies geschah wissentlich, sagt der Islamwissenschaftler Fabian Goldmann.<\/p>\n\n\n\n

Wann haben Sie sich eigentlich zuletzt von deutschen Terroristen distanziert? Zum Beispiel von Robert B.? Der Ex-Bundeswehrsoldat aus Solingen hat mutma\u00dflich bei einem Selbstmordattentat Anfang 2014 50 Menschen mit in den Tod gerissen. <\/p>\n\n\n\n

Oder von Yannik N.? Der junge Freiburger steuerte wahrscheinlich im Jahr 2015 einen mit anderthalb Tonnen Sprengstoff beladenen LKW in eine Menschenmenge und nahm so Dutzenden Personen das Leben.<\/p>\n\n\n\n

Oder von Yamin A.?. Im Sommer 2015 tauchte im Netz ein Video auf, das zeigte, wie der ehemalige Telekom-Azubi aus K\u00f6nigswinter zwei gefesselten Soldaten in den Kopf schoss.
Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Deutsche T\u00e4ter, aber kaum deutsche Opfer<\/h2>\n\n\n\n

Hauptsache nicht bei uns! Dies scheint auch dieser Tage wieder die Maxime zu sein, wenn Politiker und \u00d6ffentlichkeit \u00fcber den Umgang mit deutschen Terroristen diskutieren. Von potenziellen Bedrohungen und Anschlagsgefahren in Deutschland liest man dann. Vom ganz realen Terror, den Deutsche in den vergangenen Jahren \u00fcber die Menschen in Syrien und Irak gebracht haben, h\u00f6rt man hingegen kaum. Ein Terror, der kaum deutsche Opfer aber umso mehr deutsche T\u00e4ter kannte.<\/p>\n\n\n\n

1.050 \u2013 das ist laut Bundesinnenministerium die Anzahl der Dschihadisten, die in den letzten Jahren die Bundesrepublik in Richtung Nahost verlassen hat. Es f\u00e4llt schwer, sich umgekehrtes Szenario \u00fcberhaupt auszumalen. Was w\u00e4re wohl los, h\u00e4tte es nur ein Bruchteil arabischer Terroristen geschafft, bei uns Anschl\u00e4ge zu begehen? Europas \u201eMuslim Bann\u201c? \u00dcberwachungsstaat auf NSA-Niveau?<\/p>\n\n\n\n

Die CSU st\u00fcnde wom\u00f6glich am linken Ende des politischen Spektrums, und auf Twitter w\u00fcrde Trump deutsche Migrationspolitiker zur M\u00e4\u00dfigung aufrufen. Der deutsche Terror in Nahost kommt hingegen seit Jahren ganz ohne Sondersendungen, politische Debatten und Distanzierungsforderungen aus. <\/p>\n\n\n\n

Deutsche K\u00e4mpfer waren nicht nur willenloses Kanonenfutter<\/h2>\n\n\n\n

An fehlendem Wissen liegt das nicht. Von ganzen Einheiten des IS, in denen kein einziger K\u00e4mpfer Arabisch spreche, berichten syrische, irakische und kurdische Soldaten schon seit Jahren. Von Aleppo \u00fcber Raqqa bis Mossul haben Aktivisten und Politiker immer wieder darauf hingewiesen, dass viele der schlimmsten M\u00f6rder in den Reihen des IS Europ\u00e4er sind. Interessiert hat das hier kaum jemand.<\/p>\n\n\n\n

Dabei dienten Deutsche dem Islamischen Staats nicht nur als willenloses Kanonenfutter, wie es oft dargestellt wird. Viele haben seinen Terror mitgepr\u00e4gt. Wie Martin L., der derzeit in kurdischer Haft sitzt. Der Schwei\u00dfer aus Sachsen-Anhalt soll sich vom Folterknecht bis zum Geheimdienstler mit Kontakten bis in die F\u00fchrungsspitze der Terrororganisation hochgearbeitet haben.<\/p>\n\n\n\n

Oder Reda S., Der Prediger aus Berlin-Charlottenburg soll dem IS in Mossul als Bildungsminister gedient haben. Oder der Berliner Ex-Rapper Denis Cuspert, der zu den wichtigsten Personen in der IS-Medienorganisation Al-Hayat geh\u00f6rte. Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Beh\u00f6rden wussten gut Bescheid<\/h2>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich entstand der Islamische Staat nicht in deutschen Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen. Zur deutschen Verantwortung geh\u00f6rt aber auch, dass Politiker und Beh\u00f6rden lange wegschauten, solang nur die T\u00e4ter, aber nicht die Opfer Deutsche waren. Beh\u00f6rden wissen und wussten erschreckend gut Bescheid \u00fcber die Radikalisierung deutscher Islamisten. Ein Gro\u00dfteil der sp\u00e4teren IS-K\u00e4mpfer war polizeibekannt, stand auf Gef\u00e4hrderlisten oder hatte wegen islamistischer Straftaten bereits Haftstrafen verb\u00fc\u00dft. An der Ausreise gehindert wurden sie oftmals dennoch nicht. Die Gefahr, die von deutschen Terroristen ausgeht, interessierte Politik und \u00d6ffentlichkeit erst dann wieder, als ihre Einreise drohte.<\/p>\n\n\n\n

\"Fabian
Fabian Goldmann<\/strong> ist Journalist und Islamwissenschaftler. F\u00fcr verschiedene Magazine und Zeitungen berichtete er viele Jahre aus Nahost. Zurzeit widmet er sich vor allem dem Islam diesseits des Bosporus. Auf seinem Blog Schantall und die Scharia<\/a> bloggt er \u00fcber Islamophobie in Deutschland.<\/p>\n","post_title":"Es sind unsere Terroristen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"es-sind-unsere-terroristen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3703","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3700,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:19:36","post_date_gmt":"2020-08-13 21:19:36","post_content":"\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda? Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda t<\/p>\n\n\n\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda tritt an die Stelle der 2010 verabschiedeten Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014 (siehe IP\/10\/1535<\/a>). In der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda f\u00fcr den Zeitraum 2015-2020 skizziert die Europ\u00e4ische Kommission die Strategie der Union zur Bew\u00e4ltigung der Sicherheitsbedrohungen in der EU.<\/p>\n\n\n\n

Die EU und ihre Mitgliedstaaten sind mit betr\u00e4chtlichen Sicherheitsproblemen konfrontiert. Terrorismus, organisierte Kriminalit\u00e4t und Cyberkriminalit\u00e4t stellen eine zunehmende Gefahr f\u00fcr die europ\u00e4ische Gesellschaft dar, wobei sich Art und Ausma\u00df dieser Gefahr ver\u00e4ndert hat. Europa ist mit den Auswirkungen der politischen Instabilit\u00e4t in seiner unmittelbaren Nachbarschaft konfrontiert, die die Sicherheitsinteressen der EU gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n

Im Zuge der Krisen und Konflikte in Syrien, Irak und Libyen haben sich europ\u00e4ische B\u00fcrger terroristischen Gruppen angeschlossen, die bei ihrer R\u00fcckkehr eine erhebliche Bedrohung darstellen k\u00f6nnen. Die j\u00fcngsten terroristischen Anschl\u00e4ge in Europa zeugen von der zunehmenden Bedrohung durch einen gewaltt\u00e4tigen Extremismus und zeigen, in welchem Ausma\u00df weltweite Konflikte zur Radikalisierung der europ\u00e4ischen B\u00fcrger beitragen.<\/p>\n\n\n\n

Das Online-Umfeld hat sich zunehmend als Ziel f\u00fcr Kriminelle und Terroristen entwickelt. Unabh\u00e4ngig davon, ob es um die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und die Anwerbung von Menschen f\u00fcr terroristische Organisationen geht oder die Verbreitung von Hass oder einen Angriff auf die europ\u00e4ischen Werte und Institutionen, fest steht, dass wir unsere Reaktion auf diese Bedrohungen unbedingt abstimmen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Welcher Mehrwert entsteht durch die EU im Bereich der inneren Sicherheit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Gew\u00e4hrleistung der inneren Sicherheit f\u00e4llt weiterhin in erster Linie in die Zust\u00e4ndigkeit der Mitgliedstaaten. Allerdings werden die Bedrohungen f\u00fcr Europas B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger immer vielf\u00e4ltiger und betreffen in zunehmendem Ma\u00dfe mehrere Mitgliedstaaten. Einzelne Mitgliedstaaten haben die Verantwortung, die Sicherheit an den Au\u00dfengrenzen zu gew\u00e4hrleisten, sind aber nicht mehr in der Lage, diese Herausforderungen allein zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n

Kriminelle und terroristische Aktivit\u00e4ten machen nicht an den Grenzen der EU halt und beschr\u00e4nken sich auch nicht auf Nachbarregionen. Die innere Sicherheit der EU und die globale Sicherheit sind voneinander abh\u00e4ngig und miteinander verkn\u00fcpft. Die Sicherheit der Union h\u00e4ngt in hohem Ma\u00dfe von der Zusammenarbeit mit ihren internationalen Partnern und ihren Nachbarl\u00e4ndern ab.<\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t und des Terrorismus ist eine gemeinsame europ\u00e4ische Aufgabe. Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda sollte von den Mitgliedstaaten und den EU-Organen gemeinsam als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und gemeinsame Ma\u00dfnahmen der Union genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n

Mit Hilfe der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda werden die Polizei- und Strafverfolgungsdienste in verschiedenen Mitgliedstaaten Daten effektiver austauschen und bei der Bek\u00e4mpfung der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t besser zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Die Mitgliedstaaten k\u00f6nnen auf die Unterst\u00fctzung durch die Agenturen der EU z\u00e4hlen. Insbesondere in folgenden Punkten l\u00e4sst sich mit Hilfe der Sicherheitsagenda ein EU-Mehrwert erzielen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n

A) Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und den EU-Agenturen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1<\/strong>: Das Schengener Informationssystem<\/strong> (SIS) wird von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Abfrage von Ausschreibungen von gesuchten oder vermissten Personen und Gegenst\u00e4nden genutzt. Die Kommission wird an der Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Ausschreibungskategorien arbeiten und sich daf\u00fcr einsetzen, dass das SIS zusammen mit der Interpol-Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD)<\/strong> umfassender genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

\n

Minderheiten haben Angst vor \u201eIS\u201c-Nachfolgern<\/h2>\n\n\n\n

Kamaran Palani spricht davon, dass viele Menschen immer noch gehen wollen, obwohl der \u201eIS\u201c als staats\u00e4hnliches Gebilde nicht mehr besteht. Seine Saat aber, so der Politikwissenschaftler, sei aufgegangen.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollen einfach nicht in diesem Land bleiben. Der IS hat sie dazu gebracht. Jeder hat heute Angst, dass eine andere Organisation kommen wird, Terroristen, die dasselbe anrichten wie zuvor.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Palani forscht am \u201eMiddle East Research Institute\u201c, das seinen Sitz in Erbil hat, der Hauptstadt von Irakisch-Kurdistan. <\/p>\n\n\n\n

\u201e60 bis 65 Prozent der Christen wollen gehen. Das Gleiche gilt f\u00fcr andere Minderheiten: f\u00fcr Jesiden, Schabaks, Turkmenen, Kakais.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

\u201eWir werden niemals wieder mit den Arabern zusammenleben k\u00f6nnen!\u201c \u2013 ein Satz, der heute h\u00e4ufig im Nord-Irak zu h\u00f6ren ist. Gemeint sind die Iraker, die Sunniten und Araber sind \u2013 die einstmals Nachbarn von Jesiden, Christen und Kurden waren \u2013 mit denen man Handel trieb und Hochzeiten feierte, die auch Freunde waren.<\/p>\n\n\n\n

Der Irak ist eine multi-ethnische und multi-religi\u00f6se Gesellschaft, in der die Schiiten die Mehrheit stellen. \u00dcber Jahrhunderte aber hatten die sunnitischen Araber das Sagen, sie missbrauchten die Macht, errichteten ein Schreckensregime \u2013 bis 2003, als Diktator Saddam Hussein von den USA gest\u00fcrzt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c entstand aus Widerstand gegen Schiiten-Herrschaft<\/h2>\n\n\n\n

Jetzt wurde der Spie\u00df umgedreht. Die Amerikaner sorgten daf\u00fcr, dass die Sunniten jegliche Machtposition verloren \u2013 so wurde die irakische Armee, wurde die baathistische Partei aufgel\u00f6st \u2013 ohne ein Pendant zu schaffen, das alle integrierte. Und: Washington unterst\u00fctzte Regierungschef Nouri al-Maliki, einen Schiiten. Maliki sah eine historische Chance gekommen, diskriminierte nun seinerseits seine sunnitischen Landsleute, verwehrte ihnen im \u201eNeuen Irak\u201c die Mitsprache. Im Regime Malikis wurden Sunniten inhaftiert, gefoltert und umgebracht.<\/p>\n\n\n\n

Was viele in den Widerstand trieb. Einige schlossen sich der Terror-Organisation \u201eAl-Qaida\u201c an, unter ihnen f\u00fchrende Milit\u00e4rs der aufgel\u00f6sten Armee Saddam Husseins \u2013 und aus \u201eAl-Qaida\u201c ging sp\u00e4ter der \u201eIS\u201c hervor.<\/p>\n\n\n\n

Als der \u201eIS\u201c dann im Sommer 2014 fast ohne Gegenwehr weite Landstriche in Syrien und im Irak \u00fcberrannte und seinen \u201eStaat\u201c ausrief, sahen auch gew\u00f6hnliche sunnitische Araber einen Wechsel nahen. Viele machten gemeinsame Sache mit den Terroristen, verhinderten die Flucht jesidischer Nachbarn, lieferten sie ihren Schl\u00e4chtern aus. Kamaran Palani:<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c-K\u00e4mpfer haben gesagt, es gehe darum, die W\u00fcrde der sunnitischen Araber wiederherzustellen. Ihre Macht. Ihre Geschichte. Tats\u00e4chlich konnten es die Araber nicht hinnehmen, dass sie ins Abseits gedr\u00e4ngt wurden. Und ich denke, dass sie auch in Zukunft so handeln werden. Wann immer sich die Gelegenheit bietet: Sie werden alles hinter sich lassen \u2013 sich nur darauf konzentrieren.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Misstrauen. Auch bei einem Politikwissenschaftler. Was also tun? Zerst\u00f6rte St\u00e4dte und D\u00f6rfer k\u00f6nnten wieder aufgebaut werden \u2013 wenn denn ein gemeinsamer Wille best\u00fcnde. Doch was, wenn es einen solchen gemeinsamen Willen gar nicht gibt? Wenn Schmerz und Trauer anhalten, wenn die Verbrechen von Terroristen und Helfershelfern nicht geahndet werden, wenn Angst umgeht, Misstrauen und Hass das Miteinander bestimmen.<\/p>\n\n\n\n

\"SyrischeSoldaten in der irakischen Stadt Sindschar nach der R\u00fcckeroberung von der IS-Miliz Ende 2015. (dpa \/ MAXPPP \/ Arnaud Dumontier)<\/p>\n\n\n\n

Kamaran Palani stammt aus der Stadt Makhmour. Drei Tage nur sei der \u201eIS\u201c dort gewesen, sagt er, doch diese Tage h\u00e4tten alles ver\u00e4ndert. Der \u201eIS\u201c habe die Menschen in seiner Heimatstadt verrohen lassen, meint er, das Verh\u00e4ltnis zwischen Kurden und Arabern sei heute tot. Eine R\u00fcckkehr in alte Zeiten h\u00e4lt Palani f\u00fcr falsch.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch denke, es w\u00e4re nicht einfach, in das Jahr 2014 \u2013 also in die Zeit vor dem \u201aIS\u2018 \u2013 zur\u00fcckzukehren. Vor allem aber w\u00e4re es nicht die richtige Politik. Denn eben die hat ja erst zum Aufkommen, zur Existenz des \u201aIS\u2018 gef\u00fchrt.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n


Wie also in Ruinen Neues schaffen? Der Staat muss das Gewaltmonopol zur\u00fcckerlangen, fordert der Politikwissenschaftler. F\u00fcr ihn steht das an erster Stelle. Und dann m\u00fcsse der Staat dringend einen Kurswechsel vornehmen: Er m\u00fcsse integrativ wirken, alle einbinden, auch die Araber, in Sicherheitskr\u00e4fte, Verwaltung und Politik.<\/p>\n\n\n\n

Machtmonopol m\u00fcsste von Milizen zum Staat gehen<\/h2>\n\n\n\n

Die Realit\u00e4t sieht anders aus: Ein Staat Kurdistan, der neue Optionen m\u00f6glich gemacht h\u00e4tte, auch von den Minderheiten gew\u00fcnscht worden war, ist nicht entstanden. Bagdad aber ist fern, der Zentralstaat kaum existent, und wenn, dann ist er schiitisch dominiert. Es sind Milizen, die im Nord-Irak das Geschehen bestimmen, darum rivalisieren, das Machtvakuum zu f\u00fcllen, das durch die Vertreibung des \u201eIS\u201c entstanden ist. Einst im Kampf gegen die Terroristen geeint, sind die Milizen einander heute feind.<\/p>\n\n\n\n

Allen voran die \u201eHashd ash-Shaabi\u201c, schiitisch-irakische Milizen, deren Ausbilder und Kommandeure h\u00e4ufig Iraner sind. Bagdad hat die Haschd als regul\u00e4re Kraft im Kampf gegen den \u201eIS\u201c anerkannt \u2013 obwohl Menschenrechts-Organisationen schwere Vorw\u00fcrfe gegen sie erheben. Fest steht: Die schiitischen Milizen halten D\u00f6rfer besetzt, sind in Mosul f\u00fcr ihr herrisches Auftreten und ihre Willk\u00fcr bekannt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eTats\u00e4chlich sorgen die verschiedenen bewaffneten Gruppen daf\u00fcr, dass die Fl\u00fcchtlinge nicht zur\u00fcckkehren. Und weil sie nicht zur\u00fcckkehren, gibt es auch keinen Wiederaufbau. Die Menschen haben Angst vor den Milizen \u2013 auch davor, dass die einander bek\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die \u201eHashd\u201c m\u00fcssten mithin abziehen. Und mit ihnen die anderen Milizen. Das Machtmonopol m\u00fcsste an den Staat gehen. Doch der Irak ist auch Spielball der Regionalm\u00e4chte: Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien. Sie konkurrieren um Einfluss-Sph\u00e4ren, bedienen sich dabei verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Gruppen im Irak. Deswegen werden die Hashd nicht abziehen. Derzeit sind sie von der iranisch-irakischen Grenze im Osten \u00fcber Bagdad bis hoch zur irakisch-syrischen Grenze im Norden postiert. Einheiten Teherans k\u00f6nnten demnach auf dem Landweg vom Iran bis ans Mittelmeer durchmarschieren.<\/p>\n\n\n\n

Iran und Saudi-Arabien wollen Macht vergr\u00f6\u00dfern<\/h2>\n\n\n\n

Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n

In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n

Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3703,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:24:20","post_date_gmt":"2020-08-13 21:24:20","post_content":"\n

Deutschland str\u00e4ubt sich gegen die R\u00fcckkehr seiner eigenen Staatsb\u00fcrger, die zu IS-Terroristen wurden. Dabei hat die Bundesrepublik den Terror und die Terroristen einst exportiert. Und dies geschah wissentlich, sagt der Islamwissenschaftler Fabian Goldmann.<\/p>\n\n\n\n

Wann haben Sie sich eigentlich zuletzt von deutschen Terroristen distanziert? Zum Beispiel von Robert B.? Der Ex-Bundeswehrsoldat aus Solingen hat mutma\u00dflich bei einem Selbstmordattentat Anfang 2014 50 Menschen mit in den Tod gerissen. <\/p>\n\n\n\n

Oder von Yannik N.? Der junge Freiburger steuerte wahrscheinlich im Jahr 2015 einen mit anderthalb Tonnen Sprengstoff beladenen LKW in eine Menschenmenge und nahm so Dutzenden Personen das Leben.<\/p>\n\n\n\n

Oder von Yamin A.?. Im Sommer 2015 tauchte im Netz ein Video auf, das zeigte, wie der ehemalige Telekom-Azubi aus K\u00f6nigswinter zwei gefesselten Soldaten in den Kopf schoss.
Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Deutsche T\u00e4ter, aber kaum deutsche Opfer<\/h2>\n\n\n\n

Hauptsache nicht bei uns! Dies scheint auch dieser Tage wieder die Maxime zu sein, wenn Politiker und \u00d6ffentlichkeit \u00fcber den Umgang mit deutschen Terroristen diskutieren. Von potenziellen Bedrohungen und Anschlagsgefahren in Deutschland liest man dann. Vom ganz realen Terror, den Deutsche in den vergangenen Jahren \u00fcber die Menschen in Syrien und Irak gebracht haben, h\u00f6rt man hingegen kaum. Ein Terror, der kaum deutsche Opfer aber umso mehr deutsche T\u00e4ter kannte.<\/p>\n\n\n\n

1.050 \u2013 das ist laut Bundesinnenministerium die Anzahl der Dschihadisten, die in den letzten Jahren die Bundesrepublik in Richtung Nahost verlassen hat. Es f\u00e4llt schwer, sich umgekehrtes Szenario \u00fcberhaupt auszumalen. Was w\u00e4re wohl los, h\u00e4tte es nur ein Bruchteil arabischer Terroristen geschafft, bei uns Anschl\u00e4ge zu begehen? Europas \u201eMuslim Bann\u201c? \u00dcberwachungsstaat auf NSA-Niveau?<\/p>\n\n\n\n

Die CSU st\u00fcnde wom\u00f6glich am linken Ende des politischen Spektrums, und auf Twitter w\u00fcrde Trump deutsche Migrationspolitiker zur M\u00e4\u00dfigung aufrufen. Der deutsche Terror in Nahost kommt hingegen seit Jahren ganz ohne Sondersendungen, politische Debatten und Distanzierungsforderungen aus. <\/p>\n\n\n\n

Deutsche K\u00e4mpfer waren nicht nur willenloses Kanonenfutter<\/h2>\n\n\n\n

An fehlendem Wissen liegt das nicht. Von ganzen Einheiten des IS, in denen kein einziger K\u00e4mpfer Arabisch spreche, berichten syrische, irakische und kurdische Soldaten schon seit Jahren. Von Aleppo \u00fcber Raqqa bis Mossul haben Aktivisten und Politiker immer wieder darauf hingewiesen, dass viele der schlimmsten M\u00f6rder in den Reihen des IS Europ\u00e4er sind. Interessiert hat das hier kaum jemand.<\/p>\n\n\n\n

Dabei dienten Deutsche dem Islamischen Staats nicht nur als willenloses Kanonenfutter, wie es oft dargestellt wird. Viele haben seinen Terror mitgepr\u00e4gt. Wie Martin L., der derzeit in kurdischer Haft sitzt. Der Schwei\u00dfer aus Sachsen-Anhalt soll sich vom Folterknecht bis zum Geheimdienstler mit Kontakten bis in die F\u00fchrungsspitze der Terrororganisation hochgearbeitet haben.<\/p>\n\n\n\n

Oder Reda S., Der Prediger aus Berlin-Charlottenburg soll dem IS in Mossul als Bildungsminister gedient haben. Oder der Berliner Ex-Rapper Denis Cuspert, der zu den wichtigsten Personen in der IS-Medienorganisation Al-Hayat geh\u00f6rte. Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Beh\u00f6rden wussten gut Bescheid<\/h2>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich entstand der Islamische Staat nicht in deutschen Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen. Zur deutschen Verantwortung geh\u00f6rt aber auch, dass Politiker und Beh\u00f6rden lange wegschauten, solang nur die T\u00e4ter, aber nicht die Opfer Deutsche waren. Beh\u00f6rden wissen und wussten erschreckend gut Bescheid \u00fcber die Radikalisierung deutscher Islamisten. Ein Gro\u00dfteil der sp\u00e4teren IS-K\u00e4mpfer war polizeibekannt, stand auf Gef\u00e4hrderlisten oder hatte wegen islamistischer Straftaten bereits Haftstrafen verb\u00fc\u00dft. An der Ausreise gehindert wurden sie oftmals dennoch nicht. Die Gefahr, die von deutschen Terroristen ausgeht, interessierte Politik und \u00d6ffentlichkeit erst dann wieder, als ihre Einreise drohte.<\/p>\n\n\n\n

\"Fabian
Fabian Goldmann<\/strong> ist Journalist und Islamwissenschaftler. F\u00fcr verschiedene Magazine und Zeitungen berichtete er viele Jahre aus Nahost. Zurzeit widmet er sich vor allem dem Islam diesseits des Bosporus. Auf seinem Blog Schantall und die Scharia<\/a> bloggt er \u00fcber Islamophobie in Deutschland.<\/p>\n","post_title":"Es sind unsere Terroristen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"es-sind-unsere-terroristen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3703","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3700,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:19:36","post_date_gmt":"2020-08-13 21:19:36","post_content":"\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda? Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda t<\/p>\n\n\n\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda tritt an die Stelle der 2010 verabschiedeten Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014 (siehe IP\/10\/1535<\/a>). In der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda f\u00fcr den Zeitraum 2015-2020 skizziert die Europ\u00e4ische Kommission die Strategie der Union zur Bew\u00e4ltigung der Sicherheitsbedrohungen in der EU.<\/p>\n\n\n\n

Die EU und ihre Mitgliedstaaten sind mit betr\u00e4chtlichen Sicherheitsproblemen konfrontiert. Terrorismus, organisierte Kriminalit\u00e4t und Cyberkriminalit\u00e4t stellen eine zunehmende Gefahr f\u00fcr die europ\u00e4ische Gesellschaft dar, wobei sich Art und Ausma\u00df dieser Gefahr ver\u00e4ndert hat. Europa ist mit den Auswirkungen der politischen Instabilit\u00e4t in seiner unmittelbaren Nachbarschaft konfrontiert, die die Sicherheitsinteressen der EU gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n

Im Zuge der Krisen und Konflikte in Syrien, Irak und Libyen haben sich europ\u00e4ische B\u00fcrger terroristischen Gruppen angeschlossen, die bei ihrer R\u00fcckkehr eine erhebliche Bedrohung darstellen k\u00f6nnen. Die j\u00fcngsten terroristischen Anschl\u00e4ge in Europa zeugen von der zunehmenden Bedrohung durch einen gewaltt\u00e4tigen Extremismus und zeigen, in welchem Ausma\u00df weltweite Konflikte zur Radikalisierung der europ\u00e4ischen B\u00fcrger beitragen.<\/p>\n\n\n\n

Das Online-Umfeld hat sich zunehmend als Ziel f\u00fcr Kriminelle und Terroristen entwickelt. Unabh\u00e4ngig davon, ob es um die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und die Anwerbung von Menschen f\u00fcr terroristische Organisationen geht oder die Verbreitung von Hass oder einen Angriff auf die europ\u00e4ischen Werte und Institutionen, fest steht, dass wir unsere Reaktion auf diese Bedrohungen unbedingt abstimmen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Welcher Mehrwert entsteht durch die EU im Bereich der inneren Sicherheit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Gew\u00e4hrleistung der inneren Sicherheit f\u00e4llt weiterhin in erster Linie in die Zust\u00e4ndigkeit der Mitgliedstaaten. Allerdings werden die Bedrohungen f\u00fcr Europas B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger immer vielf\u00e4ltiger und betreffen in zunehmendem Ma\u00dfe mehrere Mitgliedstaaten. Einzelne Mitgliedstaaten haben die Verantwortung, die Sicherheit an den Au\u00dfengrenzen zu gew\u00e4hrleisten, sind aber nicht mehr in der Lage, diese Herausforderungen allein zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n

Kriminelle und terroristische Aktivit\u00e4ten machen nicht an den Grenzen der EU halt und beschr\u00e4nken sich auch nicht auf Nachbarregionen. Die innere Sicherheit der EU und die globale Sicherheit sind voneinander abh\u00e4ngig und miteinander verkn\u00fcpft. Die Sicherheit der Union h\u00e4ngt in hohem Ma\u00dfe von der Zusammenarbeit mit ihren internationalen Partnern und ihren Nachbarl\u00e4ndern ab.<\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t und des Terrorismus ist eine gemeinsame europ\u00e4ische Aufgabe. Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda sollte von den Mitgliedstaaten und den EU-Organen gemeinsam als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und gemeinsame Ma\u00dfnahmen der Union genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n

Mit Hilfe der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda werden die Polizei- und Strafverfolgungsdienste in verschiedenen Mitgliedstaaten Daten effektiver austauschen und bei der Bek\u00e4mpfung der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t besser zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Die Mitgliedstaaten k\u00f6nnen auf die Unterst\u00fctzung durch die Agenturen der EU z\u00e4hlen. Insbesondere in folgenden Punkten l\u00e4sst sich mit Hilfe der Sicherheitsagenda ein EU-Mehrwert erzielen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n

A) Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und den EU-Agenturen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1<\/strong>: Das Schengener Informationssystem<\/strong> (SIS) wird von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Abfrage von Ausschreibungen von gesuchten oder vermissten Personen und Gegenst\u00e4nden genutzt. Die Kommission wird an der Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Ausschreibungskategorien arbeiten und sich daf\u00fcr einsetzen, dass das SIS zusammen mit der Interpol-Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD)<\/strong> umfassender genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Unklar ist, wie viele Kinder und Jugendliche im Irak und in Syrien zu Terroristen ausgebildet wurden, dabei noch in Geiselhaft sind oder bereits als \u201eSchl\u00e4fer\u201c darauf warten, zum Einsatz zu kommen. Sie gleichen \u201etickenden Zeitbomben\u201c, die jederzeit explodieren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

Minderheiten haben Angst vor \u201eIS\u201c-Nachfolgern<\/h2>\n\n\n\n

Kamaran Palani spricht davon, dass viele Menschen immer noch gehen wollen, obwohl der \u201eIS\u201c als staats\u00e4hnliches Gebilde nicht mehr besteht. Seine Saat aber, so der Politikwissenschaftler, sei aufgegangen.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollen einfach nicht in diesem Land bleiben. Der IS hat sie dazu gebracht. Jeder hat heute Angst, dass eine andere Organisation kommen wird, Terroristen, die dasselbe anrichten wie zuvor.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Palani forscht am \u201eMiddle East Research Institute\u201c, das seinen Sitz in Erbil hat, der Hauptstadt von Irakisch-Kurdistan. <\/p>\n\n\n\n

\u201e60 bis 65 Prozent der Christen wollen gehen. Das Gleiche gilt f\u00fcr andere Minderheiten: f\u00fcr Jesiden, Schabaks, Turkmenen, Kakais.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

\u201eWir werden niemals wieder mit den Arabern zusammenleben k\u00f6nnen!\u201c \u2013 ein Satz, der heute h\u00e4ufig im Nord-Irak zu h\u00f6ren ist. Gemeint sind die Iraker, die Sunniten und Araber sind \u2013 die einstmals Nachbarn von Jesiden, Christen und Kurden waren \u2013 mit denen man Handel trieb und Hochzeiten feierte, die auch Freunde waren.<\/p>\n\n\n\n

Der Irak ist eine multi-ethnische und multi-religi\u00f6se Gesellschaft, in der die Schiiten die Mehrheit stellen. \u00dcber Jahrhunderte aber hatten die sunnitischen Araber das Sagen, sie missbrauchten die Macht, errichteten ein Schreckensregime \u2013 bis 2003, als Diktator Saddam Hussein von den USA gest\u00fcrzt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c entstand aus Widerstand gegen Schiiten-Herrschaft<\/h2>\n\n\n\n

Jetzt wurde der Spie\u00df umgedreht. Die Amerikaner sorgten daf\u00fcr, dass die Sunniten jegliche Machtposition verloren \u2013 so wurde die irakische Armee, wurde die baathistische Partei aufgel\u00f6st \u2013 ohne ein Pendant zu schaffen, das alle integrierte. Und: Washington unterst\u00fctzte Regierungschef Nouri al-Maliki, einen Schiiten. Maliki sah eine historische Chance gekommen, diskriminierte nun seinerseits seine sunnitischen Landsleute, verwehrte ihnen im \u201eNeuen Irak\u201c die Mitsprache. Im Regime Malikis wurden Sunniten inhaftiert, gefoltert und umgebracht.<\/p>\n\n\n\n

Was viele in den Widerstand trieb. Einige schlossen sich der Terror-Organisation \u201eAl-Qaida\u201c an, unter ihnen f\u00fchrende Milit\u00e4rs der aufgel\u00f6sten Armee Saddam Husseins \u2013 und aus \u201eAl-Qaida\u201c ging sp\u00e4ter der \u201eIS\u201c hervor.<\/p>\n\n\n\n

Als der \u201eIS\u201c dann im Sommer 2014 fast ohne Gegenwehr weite Landstriche in Syrien und im Irak \u00fcberrannte und seinen \u201eStaat\u201c ausrief, sahen auch gew\u00f6hnliche sunnitische Araber einen Wechsel nahen. Viele machten gemeinsame Sache mit den Terroristen, verhinderten die Flucht jesidischer Nachbarn, lieferten sie ihren Schl\u00e4chtern aus. Kamaran Palani:<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c-K\u00e4mpfer haben gesagt, es gehe darum, die W\u00fcrde der sunnitischen Araber wiederherzustellen. Ihre Macht. Ihre Geschichte. Tats\u00e4chlich konnten es die Araber nicht hinnehmen, dass sie ins Abseits gedr\u00e4ngt wurden. Und ich denke, dass sie auch in Zukunft so handeln werden. Wann immer sich die Gelegenheit bietet: Sie werden alles hinter sich lassen \u2013 sich nur darauf konzentrieren.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Misstrauen. Auch bei einem Politikwissenschaftler. Was also tun? Zerst\u00f6rte St\u00e4dte und D\u00f6rfer k\u00f6nnten wieder aufgebaut werden \u2013 wenn denn ein gemeinsamer Wille best\u00fcnde. Doch was, wenn es einen solchen gemeinsamen Willen gar nicht gibt? Wenn Schmerz und Trauer anhalten, wenn die Verbrechen von Terroristen und Helfershelfern nicht geahndet werden, wenn Angst umgeht, Misstrauen und Hass das Miteinander bestimmen.<\/p>\n\n\n\n

\"SyrischeSoldaten in der irakischen Stadt Sindschar nach der R\u00fcckeroberung von der IS-Miliz Ende 2015. (dpa \/ MAXPPP \/ Arnaud Dumontier)<\/p>\n\n\n\n

Kamaran Palani stammt aus der Stadt Makhmour. Drei Tage nur sei der \u201eIS\u201c dort gewesen, sagt er, doch diese Tage h\u00e4tten alles ver\u00e4ndert. Der \u201eIS\u201c habe die Menschen in seiner Heimatstadt verrohen lassen, meint er, das Verh\u00e4ltnis zwischen Kurden und Arabern sei heute tot. Eine R\u00fcckkehr in alte Zeiten h\u00e4lt Palani f\u00fcr falsch.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch denke, es w\u00e4re nicht einfach, in das Jahr 2014 \u2013 also in die Zeit vor dem \u201aIS\u2018 \u2013 zur\u00fcckzukehren. Vor allem aber w\u00e4re es nicht die richtige Politik. Denn eben die hat ja erst zum Aufkommen, zur Existenz des \u201aIS\u2018 gef\u00fchrt.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n


Wie also in Ruinen Neues schaffen? Der Staat muss das Gewaltmonopol zur\u00fcckerlangen, fordert der Politikwissenschaftler. F\u00fcr ihn steht das an erster Stelle. Und dann m\u00fcsse der Staat dringend einen Kurswechsel vornehmen: Er m\u00fcsse integrativ wirken, alle einbinden, auch die Araber, in Sicherheitskr\u00e4fte, Verwaltung und Politik.<\/p>\n\n\n\n

Machtmonopol m\u00fcsste von Milizen zum Staat gehen<\/h2>\n\n\n\n

Die Realit\u00e4t sieht anders aus: Ein Staat Kurdistan, der neue Optionen m\u00f6glich gemacht h\u00e4tte, auch von den Minderheiten gew\u00fcnscht worden war, ist nicht entstanden. Bagdad aber ist fern, der Zentralstaat kaum existent, und wenn, dann ist er schiitisch dominiert. Es sind Milizen, die im Nord-Irak das Geschehen bestimmen, darum rivalisieren, das Machtvakuum zu f\u00fcllen, das durch die Vertreibung des \u201eIS\u201c entstanden ist. Einst im Kampf gegen die Terroristen geeint, sind die Milizen einander heute feind.<\/p>\n\n\n\n

Allen voran die \u201eHashd ash-Shaabi\u201c, schiitisch-irakische Milizen, deren Ausbilder und Kommandeure h\u00e4ufig Iraner sind. Bagdad hat die Haschd als regul\u00e4re Kraft im Kampf gegen den \u201eIS\u201c anerkannt \u2013 obwohl Menschenrechts-Organisationen schwere Vorw\u00fcrfe gegen sie erheben. Fest steht: Die schiitischen Milizen halten D\u00f6rfer besetzt, sind in Mosul f\u00fcr ihr herrisches Auftreten und ihre Willk\u00fcr bekannt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eTats\u00e4chlich sorgen die verschiedenen bewaffneten Gruppen daf\u00fcr, dass die Fl\u00fcchtlinge nicht zur\u00fcckkehren. Und weil sie nicht zur\u00fcckkehren, gibt es auch keinen Wiederaufbau. Die Menschen haben Angst vor den Milizen \u2013 auch davor, dass die einander bek\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die \u201eHashd\u201c m\u00fcssten mithin abziehen. Und mit ihnen die anderen Milizen. Das Machtmonopol m\u00fcsste an den Staat gehen. Doch der Irak ist auch Spielball der Regionalm\u00e4chte: Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien. Sie konkurrieren um Einfluss-Sph\u00e4ren, bedienen sich dabei verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Gruppen im Irak. Deswegen werden die Hashd nicht abziehen. Derzeit sind sie von der iranisch-irakischen Grenze im Osten \u00fcber Bagdad bis hoch zur irakisch-syrischen Grenze im Norden postiert. Einheiten Teherans k\u00f6nnten demnach auf dem Landweg vom Iran bis ans Mittelmeer durchmarschieren.<\/p>\n\n\n\n

Iran und Saudi-Arabien wollen Macht vergr\u00f6\u00dfern<\/h2>\n\n\n\n

Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n

In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n

Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3703,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:24:20","post_date_gmt":"2020-08-13 21:24:20","post_content":"\n

Deutschland str\u00e4ubt sich gegen die R\u00fcckkehr seiner eigenen Staatsb\u00fcrger, die zu IS-Terroristen wurden. Dabei hat die Bundesrepublik den Terror und die Terroristen einst exportiert. Und dies geschah wissentlich, sagt der Islamwissenschaftler Fabian Goldmann.<\/p>\n\n\n\n

Wann haben Sie sich eigentlich zuletzt von deutschen Terroristen distanziert? Zum Beispiel von Robert B.? Der Ex-Bundeswehrsoldat aus Solingen hat mutma\u00dflich bei einem Selbstmordattentat Anfang 2014 50 Menschen mit in den Tod gerissen. <\/p>\n\n\n\n

Oder von Yannik N.? Der junge Freiburger steuerte wahrscheinlich im Jahr 2015 einen mit anderthalb Tonnen Sprengstoff beladenen LKW in eine Menschenmenge und nahm so Dutzenden Personen das Leben.<\/p>\n\n\n\n

Oder von Yamin A.?. Im Sommer 2015 tauchte im Netz ein Video auf, das zeigte, wie der ehemalige Telekom-Azubi aus K\u00f6nigswinter zwei gefesselten Soldaten in den Kopf schoss.
Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Deutsche T\u00e4ter, aber kaum deutsche Opfer<\/h2>\n\n\n\n

Hauptsache nicht bei uns! Dies scheint auch dieser Tage wieder die Maxime zu sein, wenn Politiker und \u00d6ffentlichkeit \u00fcber den Umgang mit deutschen Terroristen diskutieren. Von potenziellen Bedrohungen und Anschlagsgefahren in Deutschland liest man dann. Vom ganz realen Terror, den Deutsche in den vergangenen Jahren \u00fcber die Menschen in Syrien und Irak gebracht haben, h\u00f6rt man hingegen kaum. Ein Terror, der kaum deutsche Opfer aber umso mehr deutsche T\u00e4ter kannte.<\/p>\n\n\n\n

1.050 \u2013 das ist laut Bundesinnenministerium die Anzahl der Dschihadisten, die in den letzten Jahren die Bundesrepublik in Richtung Nahost verlassen hat. Es f\u00e4llt schwer, sich umgekehrtes Szenario \u00fcberhaupt auszumalen. Was w\u00e4re wohl los, h\u00e4tte es nur ein Bruchteil arabischer Terroristen geschafft, bei uns Anschl\u00e4ge zu begehen? Europas \u201eMuslim Bann\u201c? \u00dcberwachungsstaat auf NSA-Niveau?<\/p>\n\n\n\n

Die CSU st\u00fcnde wom\u00f6glich am linken Ende des politischen Spektrums, und auf Twitter w\u00fcrde Trump deutsche Migrationspolitiker zur M\u00e4\u00dfigung aufrufen. Der deutsche Terror in Nahost kommt hingegen seit Jahren ganz ohne Sondersendungen, politische Debatten und Distanzierungsforderungen aus. <\/p>\n\n\n\n

Deutsche K\u00e4mpfer waren nicht nur willenloses Kanonenfutter<\/h2>\n\n\n\n

An fehlendem Wissen liegt das nicht. Von ganzen Einheiten des IS, in denen kein einziger K\u00e4mpfer Arabisch spreche, berichten syrische, irakische und kurdische Soldaten schon seit Jahren. Von Aleppo \u00fcber Raqqa bis Mossul haben Aktivisten und Politiker immer wieder darauf hingewiesen, dass viele der schlimmsten M\u00f6rder in den Reihen des IS Europ\u00e4er sind. Interessiert hat das hier kaum jemand.<\/p>\n\n\n\n

Dabei dienten Deutsche dem Islamischen Staats nicht nur als willenloses Kanonenfutter, wie es oft dargestellt wird. Viele haben seinen Terror mitgepr\u00e4gt. Wie Martin L., der derzeit in kurdischer Haft sitzt. Der Schwei\u00dfer aus Sachsen-Anhalt soll sich vom Folterknecht bis zum Geheimdienstler mit Kontakten bis in die F\u00fchrungsspitze der Terrororganisation hochgearbeitet haben.<\/p>\n\n\n\n

Oder Reda S., Der Prediger aus Berlin-Charlottenburg soll dem IS in Mossul als Bildungsminister gedient haben. Oder der Berliner Ex-Rapper Denis Cuspert, der zu den wichtigsten Personen in der IS-Medienorganisation Al-Hayat geh\u00f6rte. Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Beh\u00f6rden wussten gut Bescheid<\/h2>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich entstand der Islamische Staat nicht in deutschen Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen. Zur deutschen Verantwortung geh\u00f6rt aber auch, dass Politiker und Beh\u00f6rden lange wegschauten, solang nur die T\u00e4ter, aber nicht die Opfer Deutsche waren. Beh\u00f6rden wissen und wussten erschreckend gut Bescheid \u00fcber die Radikalisierung deutscher Islamisten. Ein Gro\u00dfteil der sp\u00e4teren IS-K\u00e4mpfer war polizeibekannt, stand auf Gef\u00e4hrderlisten oder hatte wegen islamistischer Straftaten bereits Haftstrafen verb\u00fc\u00dft. An der Ausreise gehindert wurden sie oftmals dennoch nicht. Die Gefahr, die von deutschen Terroristen ausgeht, interessierte Politik und \u00d6ffentlichkeit erst dann wieder, als ihre Einreise drohte.<\/p>\n\n\n\n

\"Fabian
Fabian Goldmann<\/strong> ist Journalist und Islamwissenschaftler. F\u00fcr verschiedene Magazine und Zeitungen berichtete er viele Jahre aus Nahost. Zurzeit widmet er sich vor allem dem Islam diesseits des Bosporus. Auf seinem Blog Schantall und die Scharia<\/a> bloggt er \u00fcber Islamophobie in Deutschland.<\/p>\n","post_title":"Es sind unsere Terroristen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"es-sind-unsere-terroristen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3703","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3700,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:19:36","post_date_gmt":"2020-08-13 21:19:36","post_content":"\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda? Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda t<\/p>\n\n\n\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda tritt an die Stelle der 2010 verabschiedeten Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014 (siehe IP\/10\/1535<\/a>). In der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda f\u00fcr den Zeitraum 2015-2020 skizziert die Europ\u00e4ische Kommission die Strategie der Union zur Bew\u00e4ltigung der Sicherheitsbedrohungen in der EU.<\/p>\n\n\n\n

Die EU und ihre Mitgliedstaaten sind mit betr\u00e4chtlichen Sicherheitsproblemen konfrontiert. Terrorismus, organisierte Kriminalit\u00e4t und Cyberkriminalit\u00e4t stellen eine zunehmende Gefahr f\u00fcr die europ\u00e4ische Gesellschaft dar, wobei sich Art und Ausma\u00df dieser Gefahr ver\u00e4ndert hat. Europa ist mit den Auswirkungen der politischen Instabilit\u00e4t in seiner unmittelbaren Nachbarschaft konfrontiert, die die Sicherheitsinteressen der EU gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n

Im Zuge der Krisen und Konflikte in Syrien, Irak und Libyen haben sich europ\u00e4ische B\u00fcrger terroristischen Gruppen angeschlossen, die bei ihrer R\u00fcckkehr eine erhebliche Bedrohung darstellen k\u00f6nnen. Die j\u00fcngsten terroristischen Anschl\u00e4ge in Europa zeugen von der zunehmenden Bedrohung durch einen gewaltt\u00e4tigen Extremismus und zeigen, in welchem Ausma\u00df weltweite Konflikte zur Radikalisierung der europ\u00e4ischen B\u00fcrger beitragen.<\/p>\n\n\n\n

Das Online-Umfeld hat sich zunehmend als Ziel f\u00fcr Kriminelle und Terroristen entwickelt. Unabh\u00e4ngig davon, ob es um die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und die Anwerbung von Menschen f\u00fcr terroristische Organisationen geht oder die Verbreitung von Hass oder einen Angriff auf die europ\u00e4ischen Werte und Institutionen, fest steht, dass wir unsere Reaktion auf diese Bedrohungen unbedingt abstimmen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Welcher Mehrwert entsteht durch die EU im Bereich der inneren Sicherheit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Gew\u00e4hrleistung der inneren Sicherheit f\u00e4llt weiterhin in erster Linie in die Zust\u00e4ndigkeit der Mitgliedstaaten. Allerdings werden die Bedrohungen f\u00fcr Europas B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger immer vielf\u00e4ltiger und betreffen in zunehmendem Ma\u00dfe mehrere Mitgliedstaaten. Einzelne Mitgliedstaaten haben die Verantwortung, die Sicherheit an den Au\u00dfengrenzen zu gew\u00e4hrleisten, sind aber nicht mehr in der Lage, diese Herausforderungen allein zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n

Kriminelle und terroristische Aktivit\u00e4ten machen nicht an den Grenzen der EU halt und beschr\u00e4nken sich auch nicht auf Nachbarregionen. Die innere Sicherheit der EU und die globale Sicherheit sind voneinander abh\u00e4ngig und miteinander verkn\u00fcpft. Die Sicherheit der Union h\u00e4ngt in hohem Ma\u00dfe von der Zusammenarbeit mit ihren internationalen Partnern und ihren Nachbarl\u00e4ndern ab.<\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t und des Terrorismus ist eine gemeinsame europ\u00e4ische Aufgabe. Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda sollte von den Mitgliedstaaten und den EU-Organen gemeinsam als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und gemeinsame Ma\u00dfnahmen der Union genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n

Mit Hilfe der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda werden die Polizei- und Strafverfolgungsdienste in verschiedenen Mitgliedstaaten Daten effektiver austauschen und bei der Bek\u00e4mpfung der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t besser zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Die Mitgliedstaaten k\u00f6nnen auf die Unterst\u00fctzung durch die Agenturen der EU z\u00e4hlen. Insbesondere in folgenden Punkten l\u00e4sst sich mit Hilfe der Sicherheitsagenda ein EU-Mehrwert erzielen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n

A) Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und den EU-Agenturen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1<\/strong>: Das Schengener Informationssystem<\/strong> (SIS) wird von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Abfrage von Ausschreibungen von gesuchten oder vermissten Personen und Gegenst\u00e4nden genutzt. Die Kommission wird an der Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Ausschreibungskategorien arbeiten und sich daf\u00fcr einsetzen, dass das SIS zusammen mit der Interpol-Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD)<\/strong> umfassender genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Immerhin: Die Jesiden k\u00f6nnen \u00fcber ihre vom \u201eIS\u201c indoktrinierten Kinder sprechen. Denn niemand zweifelt daran, dass sie Opfer der Tyrannei wurden. Bei den sunnitischen Arabern sieht das anders aus. Da sie derselben Religionsgruppe angeh\u00f6ren wie formal auch die Terroristen, stehen sie unter Generalverdacht, mit dem \u201eIS\u201c gemeinsame Sache gemacht zu haben. Sunnitische Araber trauen sich daher nicht, die Probleme ihrer Kinder \u00f6ffentlich zu machen \u2013 auch wenn sie selbst nichts mit dem \u201eIS\u201c zu tun hatten.<\/p>\n\n\n\n

Unklar ist, wie viele Kinder und Jugendliche im Irak und in Syrien zu Terroristen ausgebildet wurden, dabei noch in Geiselhaft sind oder bereits als \u201eSchl\u00e4fer\u201c darauf warten, zum Einsatz zu kommen. Sie gleichen \u201etickenden Zeitbomben\u201c, die jederzeit explodieren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

Minderheiten haben Angst vor \u201eIS\u201c-Nachfolgern<\/h2>\n\n\n\n

Kamaran Palani spricht davon, dass viele Menschen immer noch gehen wollen, obwohl der \u201eIS\u201c als staats\u00e4hnliches Gebilde nicht mehr besteht. Seine Saat aber, so der Politikwissenschaftler, sei aufgegangen.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollen einfach nicht in diesem Land bleiben. Der IS hat sie dazu gebracht. Jeder hat heute Angst, dass eine andere Organisation kommen wird, Terroristen, die dasselbe anrichten wie zuvor.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Palani forscht am \u201eMiddle East Research Institute\u201c, das seinen Sitz in Erbil hat, der Hauptstadt von Irakisch-Kurdistan. <\/p>\n\n\n\n

\u201e60 bis 65 Prozent der Christen wollen gehen. Das Gleiche gilt f\u00fcr andere Minderheiten: f\u00fcr Jesiden, Schabaks, Turkmenen, Kakais.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

\u201eWir werden niemals wieder mit den Arabern zusammenleben k\u00f6nnen!\u201c \u2013 ein Satz, der heute h\u00e4ufig im Nord-Irak zu h\u00f6ren ist. Gemeint sind die Iraker, die Sunniten und Araber sind \u2013 die einstmals Nachbarn von Jesiden, Christen und Kurden waren \u2013 mit denen man Handel trieb und Hochzeiten feierte, die auch Freunde waren.<\/p>\n\n\n\n

Der Irak ist eine multi-ethnische und multi-religi\u00f6se Gesellschaft, in der die Schiiten die Mehrheit stellen. \u00dcber Jahrhunderte aber hatten die sunnitischen Araber das Sagen, sie missbrauchten die Macht, errichteten ein Schreckensregime \u2013 bis 2003, als Diktator Saddam Hussein von den USA gest\u00fcrzt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c entstand aus Widerstand gegen Schiiten-Herrschaft<\/h2>\n\n\n\n

Jetzt wurde der Spie\u00df umgedreht. Die Amerikaner sorgten daf\u00fcr, dass die Sunniten jegliche Machtposition verloren \u2013 so wurde die irakische Armee, wurde die baathistische Partei aufgel\u00f6st \u2013 ohne ein Pendant zu schaffen, das alle integrierte. Und: Washington unterst\u00fctzte Regierungschef Nouri al-Maliki, einen Schiiten. Maliki sah eine historische Chance gekommen, diskriminierte nun seinerseits seine sunnitischen Landsleute, verwehrte ihnen im \u201eNeuen Irak\u201c die Mitsprache. Im Regime Malikis wurden Sunniten inhaftiert, gefoltert und umgebracht.<\/p>\n\n\n\n

Was viele in den Widerstand trieb. Einige schlossen sich der Terror-Organisation \u201eAl-Qaida\u201c an, unter ihnen f\u00fchrende Milit\u00e4rs der aufgel\u00f6sten Armee Saddam Husseins \u2013 und aus \u201eAl-Qaida\u201c ging sp\u00e4ter der \u201eIS\u201c hervor.<\/p>\n\n\n\n

Als der \u201eIS\u201c dann im Sommer 2014 fast ohne Gegenwehr weite Landstriche in Syrien und im Irak \u00fcberrannte und seinen \u201eStaat\u201c ausrief, sahen auch gew\u00f6hnliche sunnitische Araber einen Wechsel nahen. Viele machten gemeinsame Sache mit den Terroristen, verhinderten die Flucht jesidischer Nachbarn, lieferten sie ihren Schl\u00e4chtern aus. Kamaran Palani:<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c-K\u00e4mpfer haben gesagt, es gehe darum, die W\u00fcrde der sunnitischen Araber wiederherzustellen. Ihre Macht. Ihre Geschichte. Tats\u00e4chlich konnten es die Araber nicht hinnehmen, dass sie ins Abseits gedr\u00e4ngt wurden. Und ich denke, dass sie auch in Zukunft so handeln werden. Wann immer sich die Gelegenheit bietet: Sie werden alles hinter sich lassen \u2013 sich nur darauf konzentrieren.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Misstrauen. Auch bei einem Politikwissenschaftler. Was also tun? Zerst\u00f6rte St\u00e4dte und D\u00f6rfer k\u00f6nnten wieder aufgebaut werden \u2013 wenn denn ein gemeinsamer Wille best\u00fcnde. Doch was, wenn es einen solchen gemeinsamen Willen gar nicht gibt? Wenn Schmerz und Trauer anhalten, wenn die Verbrechen von Terroristen und Helfershelfern nicht geahndet werden, wenn Angst umgeht, Misstrauen und Hass das Miteinander bestimmen.<\/p>\n\n\n\n

\"SyrischeSoldaten in der irakischen Stadt Sindschar nach der R\u00fcckeroberung von der IS-Miliz Ende 2015. (dpa \/ MAXPPP \/ Arnaud Dumontier)<\/p>\n\n\n\n

Kamaran Palani stammt aus der Stadt Makhmour. Drei Tage nur sei der \u201eIS\u201c dort gewesen, sagt er, doch diese Tage h\u00e4tten alles ver\u00e4ndert. Der \u201eIS\u201c habe die Menschen in seiner Heimatstadt verrohen lassen, meint er, das Verh\u00e4ltnis zwischen Kurden und Arabern sei heute tot. Eine R\u00fcckkehr in alte Zeiten h\u00e4lt Palani f\u00fcr falsch.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch denke, es w\u00e4re nicht einfach, in das Jahr 2014 \u2013 also in die Zeit vor dem \u201aIS\u2018 \u2013 zur\u00fcckzukehren. Vor allem aber w\u00e4re es nicht die richtige Politik. Denn eben die hat ja erst zum Aufkommen, zur Existenz des \u201aIS\u2018 gef\u00fchrt.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n


Wie also in Ruinen Neues schaffen? Der Staat muss das Gewaltmonopol zur\u00fcckerlangen, fordert der Politikwissenschaftler. F\u00fcr ihn steht das an erster Stelle. Und dann m\u00fcsse der Staat dringend einen Kurswechsel vornehmen: Er m\u00fcsse integrativ wirken, alle einbinden, auch die Araber, in Sicherheitskr\u00e4fte, Verwaltung und Politik.<\/p>\n\n\n\n

Machtmonopol m\u00fcsste von Milizen zum Staat gehen<\/h2>\n\n\n\n

Die Realit\u00e4t sieht anders aus: Ein Staat Kurdistan, der neue Optionen m\u00f6glich gemacht h\u00e4tte, auch von den Minderheiten gew\u00fcnscht worden war, ist nicht entstanden. Bagdad aber ist fern, der Zentralstaat kaum existent, und wenn, dann ist er schiitisch dominiert. Es sind Milizen, die im Nord-Irak das Geschehen bestimmen, darum rivalisieren, das Machtvakuum zu f\u00fcllen, das durch die Vertreibung des \u201eIS\u201c entstanden ist. Einst im Kampf gegen die Terroristen geeint, sind die Milizen einander heute feind.<\/p>\n\n\n\n

Allen voran die \u201eHashd ash-Shaabi\u201c, schiitisch-irakische Milizen, deren Ausbilder und Kommandeure h\u00e4ufig Iraner sind. Bagdad hat die Haschd als regul\u00e4re Kraft im Kampf gegen den \u201eIS\u201c anerkannt \u2013 obwohl Menschenrechts-Organisationen schwere Vorw\u00fcrfe gegen sie erheben. Fest steht: Die schiitischen Milizen halten D\u00f6rfer besetzt, sind in Mosul f\u00fcr ihr herrisches Auftreten und ihre Willk\u00fcr bekannt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eTats\u00e4chlich sorgen die verschiedenen bewaffneten Gruppen daf\u00fcr, dass die Fl\u00fcchtlinge nicht zur\u00fcckkehren. Und weil sie nicht zur\u00fcckkehren, gibt es auch keinen Wiederaufbau. Die Menschen haben Angst vor den Milizen \u2013 auch davor, dass die einander bek\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die \u201eHashd\u201c m\u00fcssten mithin abziehen. Und mit ihnen die anderen Milizen. Das Machtmonopol m\u00fcsste an den Staat gehen. Doch der Irak ist auch Spielball der Regionalm\u00e4chte: Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien. Sie konkurrieren um Einfluss-Sph\u00e4ren, bedienen sich dabei verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Gruppen im Irak. Deswegen werden die Hashd nicht abziehen. Derzeit sind sie von der iranisch-irakischen Grenze im Osten \u00fcber Bagdad bis hoch zur irakisch-syrischen Grenze im Norden postiert. Einheiten Teherans k\u00f6nnten demnach auf dem Landweg vom Iran bis ans Mittelmeer durchmarschieren.<\/p>\n\n\n\n

Iran und Saudi-Arabien wollen Macht vergr\u00f6\u00dfern<\/h2>\n\n\n\n

Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n

In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n

Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3703,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:24:20","post_date_gmt":"2020-08-13 21:24:20","post_content":"\n

Deutschland str\u00e4ubt sich gegen die R\u00fcckkehr seiner eigenen Staatsb\u00fcrger, die zu IS-Terroristen wurden. Dabei hat die Bundesrepublik den Terror und die Terroristen einst exportiert. Und dies geschah wissentlich, sagt der Islamwissenschaftler Fabian Goldmann.<\/p>\n\n\n\n

Wann haben Sie sich eigentlich zuletzt von deutschen Terroristen distanziert? Zum Beispiel von Robert B.? Der Ex-Bundeswehrsoldat aus Solingen hat mutma\u00dflich bei einem Selbstmordattentat Anfang 2014 50 Menschen mit in den Tod gerissen. <\/p>\n\n\n\n

Oder von Yannik N.? Der junge Freiburger steuerte wahrscheinlich im Jahr 2015 einen mit anderthalb Tonnen Sprengstoff beladenen LKW in eine Menschenmenge und nahm so Dutzenden Personen das Leben.<\/p>\n\n\n\n

Oder von Yamin A.?. Im Sommer 2015 tauchte im Netz ein Video auf, das zeigte, wie der ehemalige Telekom-Azubi aus K\u00f6nigswinter zwei gefesselten Soldaten in den Kopf schoss.
Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Deutsche T\u00e4ter, aber kaum deutsche Opfer<\/h2>\n\n\n\n

Hauptsache nicht bei uns! Dies scheint auch dieser Tage wieder die Maxime zu sein, wenn Politiker und \u00d6ffentlichkeit \u00fcber den Umgang mit deutschen Terroristen diskutieren. Von potenziellen Bedrohungen und Anschlagsgefahren in Deutschland liest man dann. Vom ganz realen Terror, den Deutsche in den vergangenen Jahren \u00fcber die Menschen in Syrien und Irak gebracht haben, h\u00f6rt man hingegen kaum. Ein Terror, der kaum deutsche Opfer aber umso mehr deutsche T\u00e4ter kannte.<\/p>\n\n\n\n

1.050 \u2013 das ist laut Bundesinnenministerium die Anzahl der Dschihadisten, die in den letzten Jahren die Bundesrepublik in Richtung Nahost verlassen hat. Es f\u00e4llt schwer, sich umgekehrtes Szenario \u00fcberhaupt auszumalen. Was w\u00e4re wohl los, h\u00e4tte es nur ein Bruchteil arabischer Terroristen geschafft, bei uns Anschl\u00e4ge zu begehen? Europas \u201eMuslim Bann\u201c? \u00dcberwachungsstaat auf NSA-Niveau?<\/p>\n\n\n\n

Die CSU st\u00fcnde wom\u00f6glich am linken Ende des politischen Spektrums, und auf Twitter w\u00fcrde Trump deutsche Migrationspolitiker zur M\u00e4\u00dfigung aufrufen. Der deutsche Terror in Nahost kommt hingegen seit Jahren ganz ohne Sondersendungen, politische Debatten und Distanzierungsforderungen aus. <\/p>\n\n\n\n

Deutsche K\u00e4mpfer waren nicht nur willenloses Kanonenfutter<\/h2>\n\n\n\n

An fehlendem Wissen liegt das nicht. Von ganzen Einheiten des IS, in denen kein einziger K\u00e4mpfer Arabisch spreche, berichten syrische, irakische und kurdische Soldaten schon seit Jahren. Von Aleppo \u00fcber Raqqa bis Mossul haben Aktivisten und Politiker immer wieder darauf hingewiesen, dass viele der schlimmsten M\u00f6rder in den Reihen des IS Europ\u00e4er sind. Interessiert hat das hier kaum jemand.<\/p>\n\n\n\n

Dabei dienten Deutsche dem Islamischen Staats nicht nur als willenloses Kanonenfutter, wie es oft dargestellt wird. Viele haben seinen Terror mitgepr\u00e4gt. Wie Martin L., der derzeit in kurdischer Haft sitzt. Der Schwei\u00dfer aus Sachsen-Anhalt soll sich vom Folterknecht bis zum Geheimdienstler mit Kontakten bis in die F\u00fchrungsspitze der Terrororganisation hochgearbeitet haben.<\/p>\n\n\n\n

Oder Reda S., Der Prediger aus Berlin-Charlottenburg soll dem IS in Mossul als Bildungsminister gedient haben. Oder der Berliner Ex-Rapper Denis Cuspert, der zu den wichtigsten Personen in der IS-Medienorganisation Al-Hayat geh\u00f6rte. Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Beh\u00f6rden wussten gut Bescheid<\/h2>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich entstand der Islamische Staat nicht in deutschen Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen. Zur deutschen Verantwortung geh\u00f6rt aber auch, dass Politiker und Beh\u00f6rden lange wegschauten, solang nur die T\u00e4ter, aber nicht die Opfer Deutsche waren. Beh\u00f6rden wissen und wussten erschreckend gut Bescheid \u00fcber die Radikalisierung deutscher Islamisten. Ein Gro\u00dfteil der sp\u00e4teren IS-K\u00e4mpfer war polizeibekannt, stand auf Gef\u00e4hrderlisten oder hatte wegen islamistischer Straftaten bereits Haftstrafen verb\u00fc\u00dft. An der Ausreise gehindert wurden sie oftmals dennoch nicht. Die Gefahr, die von deutschen Terroristen ausgeht, interessierte Politik und \u00d6ffentlichkeit erst dann wieder, als ihre Einreise drohte.<\/p>\n\n\n\n

\"Fabian
Fabian Goldmann<\/strong> ist Journalist und Islamwissenschaftler. F\u00fcr verschiedene Magazine und Zeitungen berichtete er viele Jahre aus Nahost. Zurzeit widmet er sich vor allem dem Islam diesseits des Bosporus. Auf seinem Blog Schantall und die Scharia<\/a> bloggt er \u00fcber Islamophobie in Deutschland.<\/p>\n","post_title":"Es sind unsere Terroristen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"es-sind-unsere-terroristen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3703","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3700,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:19:36","post_date_gmt":"2020-08-13 21:19:36","post_content":"\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda? Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda t<\/p>\n\n\n\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda tritt an die Stelle der 2010 verabschiedeten Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014 (siehe IP\/10\/1535<\/a>). In der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda f\u00fcr den Zeitraum 2015-2020 skizziert die Europ\u00e4ische Kommission die Strategie der Union zur Bew\u00e4ltigung der Sicherheitsbedrohungen in der EU.<\/p>\n\n\n\n

Die EU und ihre Mitgliedstaaten sind mit betr\u00e4chtlichen Sicherheitsproblemen konfrontiert. Terrorismus, organisierte Kriminalit\u00e4t und Cyberkriminalit\u00e4t stellen eine zunehmende Gefahr f\u00fcr die europ\u00e4ische Gesellschaft dar, wobei sich Art und Ausma\u00df dieser Gefahr ver\u00e4ndert hat. Europa ist mit den Auswirkungen der politischen Instabilit\u00e4t in seiner unmittelbaren Nachbarschaft konfrontiert, die die Sicherheitsinteressen der EU gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n

Im Zuge der Krisen und Konflikte in Syrien, Irak und Libyen haben sich europ\u00e4ische B\u00fcrger terroristischen Gruppen angeschlossen, die bei ihrer R\u00fcckkehr eine erhebliche Bedrohung darstellen k\u00f6nnen. Die j\u00fcngsten terroristischen Anschl\u00e4ge in Europa zeugen von der zunehmenden Bedrohung durch einen gewaltt\u00e4tigen Extremismus und zeigen, in welchem Ausma\u00df weltweite Konflikte zur Radikalisierung der europ\u00e4ischen B\u00fcrger beitragen.<\/p>\n\n\n\n

Das Online-Umfeld hat sich zunehmend als Ziel f\u00fcr Kriminelle und Terroristen entwickelt. Unabh\u00e4ngig davon, ob es um die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und die Anwerbung von Menschen f\u00fcr terroristische Organisationen geht oder die Verbreitung von Hass oder einen Angriff auf die europ\u00e4ischen Werte und Institutionen, fest steht, dass wir unsere Reaktion auf diese Bedrohungen unbedingt abstimmen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Welcher Mehrwert entsteht durch die EU im Bereich der inneren Sicherheit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Gew\u00e4hrleistung der inneren Sicherheit f\u00e4llt weiterhin in erster Linie in die Zust\u00e4ndigkeit der Mitgliedstaaten. Allerdings werden die Bedrohungen f\u00fcr Europas B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger immer vielf\u00e4ltiger und betreffen in zunehmendem Ma\u00dfe mehrere Mitgliedstaaten. Einzelne Mitgliedstaaten haben die Verantwortung, die Sicherheit an den Au\u00dfengrenzen zu gew\u00e4hrleisten, sind aber nicht mehr in der Lage, diese Herausforderungen allein zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n

Kriminelle und terroristische Aktivit\u00e4ten machen nicht an den Grenzen der EU halt und beschr\u00e4nken sich auch nicht auf Nachbarregionen. Die innere Sicherheit der EU und die globale Sicherheit sind voneinander abh\u00e4ngig und miteinander verkn\u00fcpft. Die Sicherheit der Union h\u00e4ngt in hohem Ma\u00dfe von der Zusammenarbeit mit ihren internationalen Partnern und ihren Nachbarl\u00e4ndern ab.<\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t und des Terrorismus ist eine gemeinsame europ\u00e4ische Aufgabe. Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda sollte von den Mitgliedstaaten und den EU-Organen gemeinsam als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und gemeinsame Ma\u00dfnahmen der Union genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n

Mit Hilfe der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda werden die Polizei- und Strafverfolgungsdienste in verschiedenen Mitgliedstaaten Daten effektiver austauschen und bei der Bek\u00e4mpfung der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t besser zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Die Mitgliedstaaten k\u00f6nnen auf die Unterst\u00fctzung durch die Agenturen der EU z\u00e4hlen. Insbesondere in folgenden Punkten l\u00e4sst sich mit Hilfe der Sicherheitsagenda ein EU-Mehrwert erzielen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n

A) Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und den EU-Agenturen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1<\/strong>: Das Schengener Informationssystem<\/strong> (SIS) wird von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Abfrage von Ausschreibungen von gesuchten oder vermissten Personen und Gegenst\u00e4nden genutzt. Die Kommission wird an der Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Ausschreibungskategorien arbeiten und sich daf\u00fcr einsetzen, dass das SIS zusammen mit der Interpol-Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD)<\/strong> umfassender genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

\n

\u201eIn einem anderen Fall hat sich die Familie am Ende an die Sicherheitskr\u00e4fte gewandt. Doch die wussten auch nicht, wie sie damit umgehen sollten. Monate lang hat die Familie versucht, den Jungen umzuerziehen, zusammen mit Sozialarbeitern. Aber noch immer sehen wir den Hass in seinen Augen \u2013 gegen\u00fcber Kurden, Christen und Jesiden. Als blicke man in die Augen eines IS-Terroristen. Das ist das Problem.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Die Jesiden k\u00f6nnen \u00fcber ihre vom \u201eIS\u201c indoktrinierten Kinder sprechen. Denn niemand zweifelt daran, dass sie Opfer der Tyrannei wurden. Bei den sunnitischen Arabern sieht das anders aus. Da sie derselben Religionsgruppe angeh\u00f6ren wie formal auch die Terroristen, stehen sie unter Generalverdacht, mit dem \u201eIS\u201c gemeinsame Sache gemacht zu haben. Sunnitische Araber trauen sich daher nicht, die Probleme ihrer Kinder \u00f6ffentlich zu machen \u2013 auch wenn sie selbst nichts mit dem \u201eIS\u201c zu tun hatten.<\/p>\n\n\n\n

Unklar ist, wie viele Kinder und Jugendliche im Irak und in Syrien zu Terroristen ausgebildet wurden, dabei noch in Geiselhaft sind oder bereits als \u201eSchl\u00e4fer\u201c darauf warten, zum Einsatz zu kommen. Sie gleichen \u201etickenden Zeitbomben\u201c, die jederzeit explodieren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

Minderheiten haben Angst vor \u201eIS\u201c-Nachfolgern<\/h2>\n\n\n\n

Kamaran Palani spricht davon, dass viele Menschen immer noch gehen wollen, obwohl der \u201eIS\u201c als staats\u00e4hnliches Gebilde nicht mehr besteht. Seine Saat aber, so der Politikwissenschaftler, sei aufgegangen.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollen einfach nicht in diesem Land bleiben. Der IS hat sie dazu gebracht. Jeder hat heute Angst, dass eine andere Organisation kommen wird, Terroristen, die dasselbe anrichten wie zuvor.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Palani forscht am \u201eMiddle East Research Institute\u201c, das seinen Sitz in Erbil hat, der Hauptstadt von Irakisch-Kurdistan. <\/p>\n\n\n\n

\u201e60 bis 65 Prozent der Christen wollen gehen. Das Gleiche gilt f\u00fcr andere Minderheiten: f\u00fcr Jesiden, Schabaks, Turkmenen, Kakais.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

\u201eWir werden niemals wieder mit den Arabern zusammenleben k\u00f6nnen!\u201c \u2013 ein Satz, der heute h\u00e4ufig im Nord-Irak zu h\u00f6ren ist. Gemeint sind die Iraker, die Sunniten und Araber sind \u2013 die einstmals Nachbarn von Jesiden, Christen und Kurden waren \u2013 mit denen man Handel trieb und Hochzeiten feierte, die auch Freunde waren.<\/p>\n\n\n\n

Der Irak ist eine multi-ethnische und multi-religi\u00f6se Gesellschaft, in der die Schiiten die Mehrheit stellen. \u00dcber Jahrhunderte aber hatten die sunnitischen Araber das Sagen, sie missbrauchten die Macht, errichteten ein Schreckensregime \u2013 bis 2003, als Diktator Saddam Hussein von den USA gest\u00fcrzt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c entstand aus Widerstand gegen Schiiten-Herrschaft<\/h2>\n\n\n\n

Jetzt wurde der Spie\u00df umgedreht. Die Amerikaner sorgten daf\u00fcr, dass die Sunniten jegliche Machtposition verloren \u2013 so wurde die irakische Armee, wurde die baathistische Partei aufgel\u00f6st \u2013 ohne ein Pendant zu schaffen, das alle integrierte. Und: Washington unterst\u00fctzte Regierungschef Nouri al-Maliki, einen Schiiten. Maliki sah eine historische Chance gekommen, diskriminierte nun seinerseits seine sunnitischen Landsleute, verwehrte ihnen im \u201eNeuen Irak\u201c die Mitsprache. Im Regime Malikis wurden Sunniten inhaftiert, gefoltert und umgebracht.<\/p>\n\n\n\n

Was viele in den Widerstand trieb. Einige schlossen sich der Terror-Organisation \u201eAl-Qaida\u201c an, unter ihnen f\u00fchrende Milit\u00e4rs der aufgel\u00f6sten Armee Saddam Husseins \u2013 und aus \u201eAl-Qaida\u201c ging sp\u00e4ter der \u201eIS\u201c hervor.<\/p>\n\n\n\n

Als der \u201eIS\u201c dann im Sommer 2014 fast ohne Gegenwehr weite Landstriche in Syrien und im Irak \u00fcberrannte und seinen \u201eStaat\u201c ausrief, sahen auch gew\u00f6hnliche sunnitische Araber einen Wechsel nahen. Viele machten gemeinsame Sache mit den Terroristen, verhinderten die Flucht jesidischer Nachbarn, lieferten sie ihren Schl\u00e4chtern aus. Kamaran Palani:<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c-K\u00e4mpfer haben gesagt, es gehe darum, die W\u00fcrde der sunnitischen Araber wiederherzustellen. Ihre Macht. Ihre Geschichte. Tats\u00e4chlich konnten es die Araber nicht hinnehmen, dass sie ins Abseits gedr\u00e4ngt wurden. Und ich denke, dass sie auch in Zukunft so handeln werden. Wann immer sich die Gelegenheit bietet: Sie werden alles hinter sich lassen \u2013 sich nur darauf konzentrieren.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Misstrauen. Auch bei einem Politikwissenschaftler. Was also tun? Zerst\u00f6rte St\u00e4dte und D\u00f6rfer k\u00f6nnten wieder aufgebaut werden \u2013 wenn denn ein gemeinsamer Wille best\u00fcnde. Doch was, wenn es einen solchen gemeinsamen Willen gar nicht gibt? Wenn Schmerz und Trauer anhalten, wenn die Verbrechen von Terroristen und Helfershelfern nicht geahndet werden, wenn Angst umgeht, Misstrauen und Hass das Miteinander bestimmen.<\/p>\n\n\n\n

\"SyrischeSoldaten in der irakischen Stadt Sindschar nach der R\u00fcckeroberung von der IS-Miliz Ende 2015. (dpa \/ MAXPPP \/ Arnaud Dumontier)<\/p>\n\n\n\n

Kamaran Palani stammt aus der Stadt Makhmour. Drei Tage nur sei der \u201eIS\u201c dort gewesen, sagt er, doch diese Tage h\u00e4tten alles ver\u00e4ndert. Der \u201eIS\u201c habe die Menschen in seiner Heimatstadt verrohen lassen, meint er, das Verh\u00e4ltnis zwischen Kurden und Arabern sei heute tot. Eine R\u00fcckkehr in alte Zeiten h\u00e4lt Palani f\u00fcr falsch.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch denke, es w\u00e4re nicht einfach, in das Jahr 2014 \u2013 also in die Zeit vor dem \u201aIS\u2018 \u2013 zur\u00fcckzukehren. Vor allem aber w\u00e4re es nicht die richtige Politik. Denn eben die hat ja erst zum Aufkommen, zur Existenz des \u201aIS\u2018 gef\u00fchrt.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n


Wie also in Ruinen Neues schaffen? Der Staat muss das Gewaltmonopol zur\u00fcckerlangen, fordert der Politikwissenschaftler. F\u00fcr ihn steht das an erster Stelle. Und dann m\u00fcsse der Staat dringend einen Kurswechsel vornehmen: Er m\u00fcsse integrativ wirken, alle einbinden, auch die Araber, in Sicherheitskr\u00e4fte, Verwaltung und Politik.<\/p>\n\n\n\n

Machtmonopol m\u00fcsste von Milizen zum Staat gehen<\/h2>\n\n\n\n

Die Realit\u00e4t sieht anders aus: Ein Staat Kurdistan, der neue Optionen m\u00f6glich gemacht h\u00e4tte, auch von den Minderheiten gew\u00fcnscht worden war, ist nicht entstanden. Bagdad aber ist fern, der Zentralstaat kaum existent, und wenn, dann ist er schiitisch dominiert. Es sind Milizen, die im Nord-Irak das Geschehen bestimmen, darum rivalisieren, das Machtvakuum zu f\u00fcllen, das durch die Vertreibung des \u201eIS\u201c entstanden ist. Einst im Kampf gegen die Terroristen geeint, sind die Milizen einander heute feind.<\/p>\n\n\n\n

Allen voran die \u201eHashd ash-Shaabi\u201c, schiitisch-irakische Milizen, deren Ausbilder und Kommandeure h\u00e4ufig Iraner sind. Bagdad hat die Haschd als regul\u00e4re Kraft im Kampf gegen den \u201eIS\u201c anerkannt \u2013 obwohl Menschenrechts-Organisationen schwere Vorw\u00fcrfe gegen sie erheben. Fest steht: Die schiitischen Milizen halten D\u00f6rfer besetzt, sind in Mosul f\u00fcr ihr herrisches Auftreten und ihre Willk\u00fcr bekannt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eTats\u00e4chlich sorgen die verschiedenen bewaffneten Gruppen daf\u00fcr, dass die Fl\u00fcchtlinge nicht zur\u00fcckkehren. Und weil sie nicht zur\u00fcckkehren, gibt es auch keinen Wiederaufbau. Die Menschen haben Angst vor den Milizen \u2013 auch davor, dass die einander bek\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die \u201eHashd\u201c m\u00fcssten mithin abziehen. Und mit ihnen die anderen Milizen. Das Machtmonopol m\u00fcsste an den Staat gehen. Doch der Irak ist auch Spielball der Regionalm\u00e4chte: Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien. Sie konkurrieren um Einfluss-Sph\u00e4ren, bedienen sich dabei verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Gruppen im Irak. Deswegen werden die Hashd nicht abziehen. Derzeit sind sie von der iranisch-irakischen Grenze im Osten \u00fcber Bagdad bis hoch zur irakisch-syrischen Grenze im Norden postiert. Einheiten Teherans k\u00f6nnten demnach auf dem Landweg vom Iran bis ans Mittelmeer durchmarschieren.<\/p>\n\n\n\n

Iran und Saudi-Arabien wollen Macht vergr\u00f6\u00dfern<\/h2>\n\n\n\n

Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n

In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n

Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3703,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:24:20","post_date_gmt":"2020-08-13 21:24:20","post_content":"\n

Deutschland str\u00e4ubt sich gegen die R\u00fcckkehr seiner eigenen Staatsb\u00fcrger, die zu IS-Terroristen wurden. Dabei hat die Bundesrepublik den Terror und die Terroristen einst exportiert. Und dies geschah wissentlich, sagt der Islamwissenschaftler Fabian Goldmann.<\/p>\n\n\n\n

Wann haben Sie sich eigentlich zuletzt von deutschen Terroristen distanziert? Zum Beispiel von Robert B.? Der Ex-Bundeswehrsoldat aus Solingen hat mutma\u00dflich bei einem Selbstmordattentat Anfang 2014 50 Menschen mit in den Tod gerissen. <\/p>\n\n\n\n

Oder von Yannik N.? Der junge Freiburger steuerte wahrscheinlich im Jahr 2015 einen mit anderthalb Tonnen Sprengstoff beladenen LKW in eine Menschenmenge und nahm so Dutzenden Personen das Leben.<\/p>\n\n\n\n

Oder von Yamin A.?. Im Sommer 2015 tauchte im Netz ein Video auf, das zeigte, wie der ehemalige Telekom-Azubi aus K\u00f6nigswinter zwei gefesselten Soldaten in den Kopf schoss.
Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Deutsche T\u00e4ter, aber kaum deutsche Opfer<\/h2>\n\n\n\n

Hauptsache nicht bei uns! Dies scheint auch dieser Tage wieder die Maxime zu sein, wenn Politiker und \u00d6ffentlichkeit \u00fcber den Umgang mit deutschen Terroristen diskutieren. Von potenziellen Bedrohungen und Anschlagsgefahren in Deutschland liest man dann. Vom ganz realen Terror, den Deutsche in den vergangenen Jahren \u00fcber die Menschen in Syrien und Irak gebracht haben, h\u00f6rt man hingegen kaum. Ein Terror, der kaum deutsche Opfer aber umso mehr deutsche T\u00e4ter kannte.<\/p>\n\n\n\n

1.050 \u2013 das ist laut Bundesinnenministerium die Anzahl der Dschihadisten, die in den letzten Jahren die Bundesrepublik in Richtung Nahost verlassen hat. Es f\u00e4llt schwer, sich umgekehrtes Szenario \u00fcberhaupt auszumalen. Was w\u00e4re wohl los, h\u00e4tte es nur ein Bruchteil arabischer Terroristen geschafft, bei uns Anschl\u00e4ge zu begehen? Europas \u201eMuslim Bann\u201c? \u00dcberwachungsstaat auf NSA-Niveau?<\/p>\n\n\n\n

Die CSU st\u00fcnde wom\u00f6glich am linken Ende des politischen Spektrums, und auf Twitter w\u00fcrde Trump deutsche Migrationspolitiker zur M\u00e4\u00dfigung aufrufen. Der deutsche Terror in Nahost kommt hingegen seit Jahren ganz ohne Sondersendungen, politische Debatten und Distanzierungsforderungen aus. <\/p>\n\n\n\n

Deutsche K\u00e4mpfer waren nicht nur willenloses Kanonenfutter<\/h2>\n\n\n\n

An fehlendem Wissen liegt das nicht. Von ganzen Einheiten des IS, in denen kein einziger K\u00e4mpfer Arabisch spreche, berichten syrische, irakische und kurdische Soldaten schon seit Jahren. Von Aleppo \u00fcber Raqqa bis Mossul haben Aktivisten und Politiker immer wieder darauf hingewiesen, dass viele der schlimmsten M\u00f6rder in den Reihen des IS Europ\u00e4er sind. Interessiert hat das hier kaum jemand.<\/p>\n\n\n\n

Dabei dienten Deutsche dem Islamischen Staats nicht nur als willenloses Kanonenfutter, wie es oft dargestellt wird. Viele haben seinen Terror mitgepr\u00e4gt. Wie Martin L., der derzeit in kurdischer Haft sitzt. Der Schwei\u00dfer aus Sachsen-Anhalt soll sich vom Folterknecht bis zum Geheimdienstler mit Kontakten bis in die F\u00fchrungsspitze der Terrororganisation hochgearbeitet haben.<\/p>\n\n\n\n

Oder Reda S., Der Prediger aus Berlin-Charlottenburg soll dem IS in Mossul als Bildungsminister gedient haben. Oder der Berliner Ex-Rapper Denis Cuspert, der zu den wichtigsten Personen in der IS-Medienorganisation Al-Hayat geh\u00f6rte. Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Beh\u00f6rden wussten gut Bescheid<\/h2>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich entstand der Islamische Staat nicht in deutschen Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen. Zur deutschen Verantwortung geh\u00f6rt aber auch, dass Politiker und Beh\u00f6rden lange wegschauten, solang nur die T\u00e4ter, aber nicht die Opfer Deutsche waren. Beh\u00f6rden wissen und wussten erschreckend gut Bescheid \u00fcber die Radikalisierung deutscher Islamisten. Ein Gro\u00dfteil der sp\u00e4teren IS-K\u00e4mpfer war polizeibekannt, stand auf Gef\u00e4hrderlisten oder hatte wegen islamistischer Straftaten bereits Haftstrafen verb\u00fc\u00dft. An der Ausreise gehindert wurden sie oftmals dennoch nicht. Die Gefahr, die von deutschen Terroristen ausgeht, interessierte Politik und \u00d6ffentlichkeit erst dann wieder, als ihre Einreise drohte.<\/p>\n\n\n\n

\"Fabian
Fabian Goldmann<\/strong> ist Journalist und Islamwissenschaftler. F\u00fcr verschiedene Magazine und Zeitungen berichtete er viele Jahre aus Nahost. Zurzeit widmet er sich vor allem dem Islam diesseits des Bosporus. Auf seinem Blog Schantall und die Scharia<\/a> bloggt er \u00fcber Islamophobie in Deutschland.<\/p>\n","post_title":"Es sind unsere Terroristen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"es-sind-unsere-terroristen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3703","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3700,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:19:36","post_date_gmt":"2020-08-13 21:19:36","post_content":"\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda? Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda t<\/p>\n\n\n\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda tritt an die Stelle der 2010 verabschiedeten Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014 (siehe IP\/10\/1535<\/a>). In der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda f\u00fcr den Zeitraum 2015-2020 skizziert die Europ\u00e4ische Kommission die Strategie der Union zur Bew\u00e4ltigung der Sicherheitsbedrohungen in der EU.<\/p>\n\n\n\n

Die EU und ihre Mitgliedstaaten sind mit betr\u00e4chtlichen Sicherheitsproblemen konfrontiert. Terrorismus, organisierte Kriminalit\u00e4t und Cyberkriminalit\u00e4t stellen eine zunehmende Gefahr f\u00fcr die europ\u00e4ische Gesellschaft dar, wobei sich Art und Ausma\u00df dieser Gefahr ver\u00e4ndert hat. Europa ist mit den Auswirkungen der politischen Instabilit\u00e4t in seiner unmittelbaren Nachbarschaft konfrontiert, die die Sicherheitsinteressen der EU gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n

Im Zuge der Krisen und Konflikte in Syrien, Irak und Libyen haben sich europ\u00e4ische B\u00fcrger terroristischen Gruppen angeschlossen, die bei ihrer R\u00fcckkehr eine erhebliche Bedrohung darstellen k\u00f6nnen. Die j\u00fcngsten terroristischen Anschl\u00e4ge in Europa zeugen von der zunehmenden Bedrohung durch einen gewaltt\u00e4tigen Extremismus und zeigen, in welchem Ausma\u00df weltweite Konflikte zur Radikalisierung der europ\u00e4ischen B\u00fcrger beitragen.<\/p>\n\n\n\n

Das Online-Umfeld hat sich zunehmend als Ziel f\u00fcr Kriminelle und Terroristen entwickelt. Unabh\u00e4ngig davon, ob es um die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und die Anwerbung von Menschen f\u00fcr terroristische Organisationen geht oder die Verbreitung von Hass oder einen Angriff auf die europ\u00e4ischen Werte und Institutionen, fest steht, dass wir unsere Reaktion auf diese Bedrohungen unbedingt abstimmen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Welcher Mehrwert entsteht durch die EU im Bereich der inneren Sicherheit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Gew\u00e4hrleistung der inneren Sicherheit f\u00e4llt weiterhin in erster Linie in die Zust\u00e4ndigkeit der Mitgliedstaaten. Allerdings werden die Bedrohungen f\u00fcr Europas B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger immer vielf\u00e4ltiger und betreffen in zunehmendem Ma\u00dfe mehrere Mitgliedstaaten. Einzelne Mitgliedstaaten haben die Verantwortung, die Sicherheit an den Au\u00dfengrenzen zu gew\u00e4hrleisten, sind aber nicht mehr in der Lage, diese Herausforderungen allein zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n

Kriminelle und terroristische Aktivit\u00e4ten machen nicht an den Grenzen der EU halt und beschr\u00e4nken sich auch nicht auf Nachbarregionen. Die innere Sicherheit der EU und die globale Sicherheit sind voneinander abh\u00e4ngig und miteinander verkn\u00fcpft. Die Sicherheit der Union h\u00e4ngt in hohem Ma\u00dfe von der Zusammenarbeit mit ihren internationalen Partnern und ihren Nachbarl\u00e4ndern ab.<\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t und des Terrorismus ist eine gemeinsame europ\u00e4ische Aufgabe. Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda sollte von den Mitgliedstaaten und den EU-Organen gemeinsam als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und gemeinsame Ma\u00dfnahmen der Union genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n

Mit Hilfe der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda werden die Polizei- und Strafverfolgungsdienste in verschiedenen Mitgliedstaaten Daten effektiver austauschen und bei der Bek\u00e4mpfung der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t besser zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Die Mitgliedstaaten k\u00f6nnen auf die Unterst\u00fctzung durch die Agenturen der EU z\u00e4hlen. Insbesondere in folgenden Punkten l\u00e4sst sich mit Hilfe der Sicherheitsagenda ein EU-Mehrwert erzielen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n

A) Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und den EU-Agenturen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1<\/strong>: Das Schengener Informationssystem<\/strong> (SIS) wird von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Abfrage von Ausschreibungen von gesuchten oder vermissten Personen und Gegenst\u00e4nden genutzt. Die Kommission wird an der Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Ausschreibungskategorien arbeiten und sich daf\u00fcr einsetzen, dass das SIS zusammen mit der Interpol-Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD)<\/strong> umfassender genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

\n

Sara Hassan ist Sozialarbeiterin. Sie arbeitet in den Lagern, versucht M\u00e4dchen und Frauen, die jahrelang in Geiselhaft vergewaltigt wurden, zu helfen. Unz\u00e4hlige hatte der \u201eIS\u201c einst entf\u00fchrt. Sara arbeitet auch mit den sogenannten \u201eDschihadisten-Kindern\u201c. Sie erz\u00e4hlt, wie \u00fcberfordert alle seien: die Familien, die jesidische Gemeinschaft, die Gesellschaft des Nord-Irak.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIn einem anderen Fall hat sich die Familie am Ende an die Sicherheitskr\u00e4fte gewandt. Doch die wussten auch nicht, wie sie damit umgehen sollten. Monate lang hat die Familie versucht, den Jungen umzuerziehen, zusammen mit Sozialarbeitern. Aber noch immer sehen wir den Hass in seinen Augen \u2013 gegen\u00fcber Kurden, Christen und Jesiden. Als blicke man in die Augen eines IS-Terroristen. Das ist das Problem.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Die Jesiden k\u00f6nnen \u00fcber ihre vom \u201eIS\u201c indoktrinierten Kinder sprechen. Denn niemand zweifelt daran, dass sie Opfer der Tyrannei wurden. Bei den sunnitischen Arabern sieht das anders aus. Da sie derselben Religionsgruppe angeh\u00f6ren wie formal auch die Terroristen, stehen sie unter Generalverdacht, mit dem \u201eIS\u201c gemeinsame Sache gemacht zu haben. Sunnitische Araber trauen sich daher nicht, die Probleme ihrer Kinder \u00f6ffentlich zu machen \u2013 auch wenn sie selbst nichts mit dem \u201eIS\u201c zu tun hatten.<\/p>\n\n\n\n

Unklar ist, wie viele Kinder und Jugendliche im Irak und in Syrien zu Terroristen ausgebildet wurden, dabei noch in Geiselhaft sind oder bereits als \u201eSchl\u00e4fer\u201c darauf warten, zum Einsatz zu kommen. Sie gleichen \u201etickenden Zeitbomben\u201c, die jederzeit explodieren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

Minderheiten haben Angst vor \u201eIS\u201c-Nachfolgern<\/h2>\n\n\n\n

Kamaran Palani spricht davon, dass viele Menschen immer noch gehen wollen, obwohl der \u201eIS\u201c als staats\u00e4hnliches Gebilde nicht mehr besteht. Seine Saat aber, so der Politikwissenschaftler, sei aufgegangen.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollen einfach nicht in diesem Land bleiben. Der IS hat sie dazu gebracht. Jeder hat heute Angst, dass eine andere Organisation kommen wird, Terroristen, die dasselbe anrichten wie zuvor.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Palani forscht am \u201eMiddle East Research Institute\u201c, das seinen Sitz in Erbil hat, der Hauptstadt von Irakisch-Kurdistan. <\/p>\n\n\n\n

\u201e60 bis 65 Prozent der Christen wollen gehen. Das Gleiche gilt f\u00fcr andere Minderheiten: f\u00fcr Jesiden, Schabaks, Turkmenen, Kakais.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

\u201eWir werden niemals wieder mit den Arabern zusammenleben k\u00f6nnen!\u201c \u2013 ein Satz, der heute h\u00e4ufig im Nord-Irak zu h\u00f6ren ist. Gemeint sind die Iraker, die Sunniten und Araber sind \u2013 die einstmals Nachbarn von Jesiden, Christen und Kurden waren \u2013 mit denen man Handel trieb und Hochzeiten feierte, die auch Freunde waren.<\/p>\n\n\n\n

Der Irak ist eine multi-ethnische und multi-religi\u00f6se Gesellschaft, in der die Schiiten die Mehrheit stellen. \u00dcber Jahrhunderte aber hatten die sunnitischen Araber das Sagen, sie missbrauchten die Macht, errichteten ein Schreckensregime \u2013 bis 2003, als Diktator Saddam Hussein von den USA gest\u00fcrzt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c entstand aus Widerstand gegen Schiiten-Herrschaft<\/h2>\n\n\n\n

Jetzt wurde der Spie\u00df umgedreht. Die Amerikaner sorgten daf\u00fcr, dass die Sunniten jegliche Machtposition verloren \u2013 so wurde die irakische Armee, wurde die baathistische Partei aufgel\u00f6st \u2013 ohne ein Pendant zu schaffen, das alle integrierte. Und: Washington unterst\u00fctzte Regierungschef Nouri al-Maliki, einen Schiiten. Maliki sah eine historische Chance gekommen, diskriminierte nun seinerseits seine sunnitischen Landsleute, verwehrte ihnen im \u201eNeuen Irak\u201c die Mitsprache. Im Regime Malikis wurden Sunniten inhaftiert, gefoltert und umgebracht.<\/p>\n\n\n\n

Was viele in den Widerstand trieb. Einige schlossen sich der Terror-Organisation \u201eAl-Qaida\u201c an, unter ihnen f\u00fchrende Milit\u00e4rs der aufgel\u00f6sten Armee Saddam Husseins \u2013 und aus \u201eAl-Qaida\u201c ging sp\u00e4ter der \u201eIS\u201c hervor.<\/p>\n\n\n\n

Als der \u201eIS\u201c dann im Sommer 2014 fast ohne Gegenwehr weite Landstriche in Syrien und im Irak \u00fcberrannte und seinen \u201eStaat\u201c ausrief, sahen auch gew\u00f6hnliche sunnitische Araber einen Wechsel nahen. Viele machten gemeinsame Sache mit den Terroristen, verhinderten die Flucht jesidischer Nachbarn, lieferten sie ihren Schl\u00e4chtern aus. Kamaran Palani:<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c-K\u00e4mpfer haben gesagt, es gehe darum, die W\u00fcrde der sunnitischen Araber wiederherzustellen. Ihre Macht. Ihre Geschichte. Tats\u00e4chlich konnten es die Araber nicht hinnehmen, dass sie ins Abseits gedr\u00e4ngt wurden. Und ich denke, dass sie auch in Zukunft so handeln werden. Wann immer sich die Gelegenheit bietet: Sie werden alles hinter sich lassen \u2013 sich nur darauf konzentrieren.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Misstrauen. Auch bei einem Politikwissenschaftler. Was also tun? Zerst\u00f6rte St\u00e4dte und D\u00f6rfer k\u00f6nnten wieder aufgebaut werden \u2013 wenn denn ein gemeinsamer Wille best\u00fcnde. Doch was, wenn es einen solchen gemeinsamen Willen gar nicht gibt? Wenn Schmerz und Trauer anhalten, wenn die Verbrechen von Terroristen und Helfershelfern nicht geahndet werden, wenn Angst umgeht, Misstrauen und Hass das Miteinander bestimmen.<\/p>\n\n\n\n

\"SyrischeSoldaten in der irakischen Stadt Sindschar nach der R\u00fcckeroberung von der IS-Miliz Ende 2015. (dpa \/ MAXPPP \/ Arnaud Dumontier)<\/p>\n\n\n\n

Kamaran Palani stammt aus der Stadt Makhmour. Drei Tage nur sei der \u201eIS\u201c dort gewesen, sagt er, doch diese Tage h\u00e4tten alles ver\u00e4ndert. Der \u201eIS\u201c habe die Menschen in seiner Heimatstadt verrohen lassen, meint er, das Verh\u00e4ltnis zwischen Kurden und Arabern sei heute tot. Eine R\u00fcckkehr in alte Zeiten h\u00e4lt Palani f\u00fcr falsch.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch denke, es w\u00e4re nicht einfach, in das Jahr 2014 \u2013 also in die Zeit vor dem \u201aIS\u2018 \u2013 zur\u00fcckzukehren. Vor allem aber w\u00e4re es nicht die richtige Politik. Denn eben die hat ja erst zum Aufkommen, zur Existenz des \u201aIS\u2018 gef\u00fchrt.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n


Wie also in Ruinen Neues schaffen? Der Staat muss das Gewaltmonopol zur\u00fcckerlangen, fordert der Politikwissenschaftler. F\u00fcr ihn steht das an erster Stelle. Und dann m\u00fcsse der Staat dringend einen Kurswechsel vornehmen: Er m\u00fcsse integrativ wirken, alle einbinden, auch die Araber, in Sicherheitskr\u00e4fte, Verwaltung und Politik.<\/p>\n\n\n\n

Machtmonopol m\u00fcsste von Milizen zum Staat gehen<\/h2>\n\n\n\n

Die Realit\u00e4t sieht anders aus: Ein Staat Kurdistan, der neue Optionen m\u00f6glich gemacht h\u00e4tte, auch von den Minderheiten gew\u00fcnscht worden war, ist nicht entstanden. Bagdad aber ist fern, der Zentralstaat kaum existent, und wenn, dann ist er schiitisch dominiert. Es sind Milizen, die im Nord-Irak das Geschehen bestimmen, darum rivalisieren, das Machtvakuum zu f\u00fcllen, das durch die Vertreibung des \u201eIS\u201c entstanden ist. Einst im Kampf gegen die Terroristen geeint, sind die Milizen einander heute feind.<\/p>\n\n\n\n

Allen voran die \u201eHashd ash-Shaabi\u201c, schiitisch-irakische Milizen, deren Ausbilder und Kommandeure h\u00e4ufig Iraner sind. Bagdad hat die Haschd als regul\u00e4re Kraft im Kampf gegen den \u201eIS\u201c anerkannt \u2013 obwohl Menschenrechts-Organisationen schwere Vorw\u00fcrfe gegen sie erheben. Fest steht: Die schiitischen Milizen halten D\u00f6rfer besetzt, sind in Mosul f\u00fcr ihr herrisches Auftreten und ihre Willk\u00fcr bekannt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eTats\u00e4chlich sorgen die verschiedenen bewaffneten Gruppen daf\u00fcr, dass die Fl\u00fcchtlinge nicht zur\u00fcckkehren. Und weil sie nicht zur\u00fcckkehren, gibt es auch keinen Wiederaufbau. Die Menschen haben Angst vor den Milizen \u2013 auch davor, dass die einander bek\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die \u201eHashd\u201c m\u00fcssten mithin abziehen. Und mit ihnen die anderen Milizen. Das Machtmonopol m\u00fcsste an den Staat gehen. Doch der Irak ist auch Spielball der Regionalm\u00e4chte: Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien. Sie konkurrieren um Einfluss-Sph\u00e4ren, bedienen sich dabei verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Gruppen im Irak. Deswegen werden die Hashd nicht abziehen. Derzeit sind sie von der iranisch-irakischen Grenze im Osten \u00fcber Bagdad bis hoch zur irakisch-syrischen Grenze im Norden postiert. Einheiten Teherans k\u00f6nnten demnach auf dem Landweg vom Iran bis ans Mittelmeer durchmarschieren.<\/p>\n\n\n\n

Iran und Saudi-Arabien wollen Macht vergr\u00f6\u00dfern<\/h2>\n\n\n\n

Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n

In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n

Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3703,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:24:20","post_date_gmt":"2020-08-13 21:24:20","post_content":"\n

Deutschland str\u00e4ubt sich gegen die R\u00fcckkehr seiner eigenen Staatsb\u00fcrger, die zu IS-Terroristen wurden. Dabei hat die Bundesrepublik den Terror und die Terroristen einst exportiert. Und dies geschah wissentlich, sagt der Islamwissenschaftler Fabian Goldmann.<\/p>\n\n\n\n

Wann haben Sie sich eigentlich zuletzt von deutschen Terroristen distanziert? Zum Beispiel von Robert B.? Der Ex-Bundeswehrsoldat aus Solingen hat mutma\u00dflich bei einem Selbstmordattentat Anfang 2014 50 Menschen mit in den Tod gerissen. <\/p>\n\n\n\n

Oder von Yannik N.? Der junge Freiburger steuerte wahrscheinlich im Jahr 2015 einen mit anderthalb Tonnen Sprengstoff beladenen LKW in eine Menschenmenge und nahm so Dutzenden Personen das Leben.<\/p>\n\n\n\n

Oder von Yamin A.?. Im Sommer 2015 tauchte im Netz ein Video auf, das zeigte, wie der ehemalige Telekom-Azubi aus K\u00f6nigswinter zwei gefesselten Soldaten in den Kopf schoss.
Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Deutsche T\u00e4ter, aber kaum deutsche Opfer<\/h2>\n\n\n\n

Hauptsache nicht bei uns! Dies scheint auch dieser Tage wieder die Maxime zu sein, wenn Politiker und \u00d6ffentlichkeit \u00fcber den Umgang mit deutschen Terroristen diskutieren. Von potenziellen Bedrohungen und Anschlagsgefahren in Deutschland liest man dann. Vom ganz realen Terror, den Deutsche in den vergangenen Jahren \u00fcber die Menschen in Syrien und Irak gebracht haben, h\u00f6rt man hingegen kaum. Ein Terror, der kaum deutsche Opfer aber umso mehr deutsche T\u00e4ter kannte.<\/p>\n\n\n\n

1.050 \u2013 das ist laut Bundesinnenministerium die Anzahl der Dschihadisten, die in den letzten Jahren die Bundesrepublik in Richtung Nahost verlassen hat. Es f\u00e4llt schwer, sich umgekehrtes Szenario \u00fcberhaupt auszumalen. Was w\u00e4re wohl los, h\u00e4tte es nur ein Bruchteil arabischer Terroristen geschafft, bei uns Anschl\u00e4ge zu begehen? Europas \u201eMuslim Bann\u201c? \u00dcberwachungsstaat auf NSA-Niveau?<\/p>\n\n\n\n

Die CSU st\u00fcnde wom\u00f6glich am linken Ende des politischen Spektrums, und auf Twitter w\u00fcrde Trump deutsche Migrationspolitiker zur M\u00e4\u00dfigung aufrufen. Der deutsche Terror in Nahost kommt hingegen seit Jahren ganz ohne Sondersendungen, politische Debatten und Distanzierungsforderungen aus. <\/p>\n\n\n\n

Deutsche K\u00e4mpfer waren nicht nur willenloses Kanonenfutter<\/h2>\n\n\n\n

An fehlendem Wissen liegt das nicht. Von ganzen Einheiten des IS, in denen kein einziger K\u00e4mpfer Arabisch spreche, berichten syrische, irakische und kurdische Soldaten schon seit Jahren. Von Aleppo \u00fcber Raqqa bis Mossul haben Aktivisten und Politiker immer wieder darauf hingewiesen, dass viele der schlimmsten M\u00f6rder in den Reihen des IS Europ\u00e4er sind. Interessiert hat das hier kaum jemand.<\/p>\n\n\n\n

Dabei dienten Deutsche dem Islamischen Staats nicht nur als willenloses Kanonenfutter, wie es oft dargestellt wird. Viele haben seinen Terror mitgepr\u00e4gt. Wie Martin L., der derzeit in kurdischer Haft sitzt. Der Schwei\u00dfer aus Sachsen-Anhalt soll sich vom Folterknecht bis zum Geheimdienstler mit Kontakten bis in die F\u00fchrungsspitze der Terrororganisation hochgearbeitet haben.<\/p>\n\n\n\n

Oder Reda S., Der Prediger aus Berlin-Charlottenburg soll dem IS in Mossul als Bildungsminister gedient haben. Oder der Berliner Ex-Rapper Denis Cuspert, der zu den wichtigsten Personen in der IS-Medienorganisation Al-Hayat geh\u00f6rte. Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Beh\u00f6rden wussten gut Bescheid<\/h2>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich entstand der Islamische Staat nicht in deutschen Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen. Zur deutschen Verantwortung geh\u00f6rt aber auch, dass Politiker und Beh\u00f6rden lange wegschauten, solang nur die T\u00e4ter, aber nicht die Opfer Deutsche waren. Beh\u00f6rden wissen und wussten erschreckend gut Bescheid \u00fcber die Radikalisierung deutscher Islamisten. Ein Gro\u00dfteil der sp\u00e4teren IS-K\u00e4mpfer war polizeibekannt, stand auf Gef\u00e4hrderlisten oder hatte wegen islamistischer Straftaten bereits Haftstrafen verb\u00fc\u00dft. An der Ausreise gehindert wurden sie oftmals dennoch nicht. Die Gefahr, die von deutschen Terroristen ausgeht, interessierte Politik und \u00d6ffentlichkeit erst dann wieder, als ihre Einreise drohte.<\/p>\n\n\n\n

\"Fabian
Fabian Goldmann<\/strong> ist Journalist und Islamwissenschaftler. F\u00fcr verschiedene Magazine und Zeitungen berichtete er viele Jahre aus Nahost. Zurzeit widmet er sich vor allem dem Islam diesseits des Bosporus. Auf seinem Blog Schantall und die Scharia<\/a> bloggt er \u00fcber Islamophobie in Deutschland.<\/p>\n","post_title":"Es sind unsere Terroristen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"es-sind-unsere-terroristen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3703","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3700,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:19:36","post_date_gmt":"2020-08-13 21:19:36","post_content":"\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda? Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda t<\/p>\n\n\n\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda tritt an die Stelle der 2010 verabschiedeten Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014 (siehe IP\/10\/1535<\/a>). In der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda f\u00fcr den Zeitraum 2015-2020 skizziert die Europ\u00e4ische Kommission die Strategie der Union zur Bew\u00e4ltigung der Sicherheitsbedrohungen in der EU.<\/p>\n\n\n\n

Die EU und ihre Mitgliedstaaten sind mit betr\u00e4chtlichen Sicherheitsproblemen konfrontiert. Terrorismus, organisierte Kriminalit\u00e4t und Cyberkriminalit\u00e4t stellen eine zunehmende Gefahr f\u00fcr die europ\u00e4ische Gesellschaft dar, wobei sich Art und Ausma\u00df dieser Gefahr ver\u00e4ndert hat. Europa ist mit den Auswirkungen der politischen Instabilit\u00e4t in seiner unmittelbaren Nachbarschaft konfrontiert, die die Sicherheitsinteressen der EU gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n

Im Zuge der Krisen und Konflikte in Syrien, Irak und Libyen haben sich europ\u00e4ische B\u00fcrger terroristischen Gruppen angeschlossen, die bei ihrer R\u00fcckkehr eine erhebliche Bedrohung darstellen k\u00f6nnen. Die j\u00fcngsten terroristischen Anschl\u00e4ge in Europa zeugen von der zunehmenden Bedrohung durch einen gewaltt\u00e4tigen Extremismus und zeigen, in welchem Ausma\u00df weltweite Konflikte zur Radikalisierung der europ\u00e4ischen B\u00fcrger beitragen.<\/p>\n\n\n\n

Das Online-Umfeld hat sich zunehmend als Ziel f\u00fcr Kriminelle und Terroristen entwickelt. Unabh\u00e4ngig davon, ob es um die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und die Anwerbung von Menschen f\u00fcr terroristische Organisationen geht oder die Verbreitung von Hass oder einen Angriff auf die europ\u00e4ischen Werte und Institutionen, fest steht, dass wir unsere Reaktion auf diese Bedrohungen unbedingt abstimmen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Welcher Mehrwert entsteht durch die EU im Bereich der inneren Sicherheit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Gew\u00e4hrleistung der inneren Sicherheit f\u00e4llt weiterhin in erster Linie in die Zust\u00e4ndigkeit der Mitgliedstaaten. Allerdings werden die Bedrohungen f\u00fcr Europas B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger immer vielf\u00e4ltiger und betreffen in zunehmendem Ma\u00dfe mehrere Mitgliedstaaten. Einzelne Mitgliedstaaten haben die Verantwortung, die Sicherheit an den Au\u00dfengrenzen zu gew\u00e4hrleisten, sind aber nicht mehr in der Lage, diese Herausforderungen allein zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n

Kriminelle und terroristische Aktivit\u00e4ten machen nicht an den Grenzen der EU halt und beschr\u00e4nken sich auch nicht auf Nachbarregionen. Die innere Sicherheit der EU und die globale Sicherheit sind voneinander abh\u00e4ngig und miteinander verkn\u00fcpft. Die Sicherheit der Union h\u00e4ngt in hohem Ma\u00dfe von der Zusammenarbeit mit ihren internationalen Partnern und ihren Nachbarl\u00e4ndern ab.<\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t und des Terrorismus ist eine gemeinsame europ\u00e4ische Aufgabe. Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda sollte von den Mitgliedstaaten und den EU-Organen gemeinsam als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und gemeinsame Ma\u00dfnahmen der Union genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n

Mit Hilfe der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda werden die Polizei- und Strafverfolgungsdienste in verschiedenen Mitgliedstaaten Daten effektiver austauschen und bei der Bek\u00e4mpfung der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t besser zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Die Mitgliedstaaten k\u00f6nnen auf die Unterst\u00fctzung durch die Agenturen der EU z\u00e4hlen. Insbesondere in folgenden Punkten l\u00e4sst sich mit Hilfe der Sicherheitsagenda ein EU-Mehrwert erzielen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n

A) Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und den EU-Agenturen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1<\/strong>: Das Schengener Informationssystem<\/strong> (SIS) wird von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Abfrage von Ausschreibungen von gesuchten oder vermissten Personen und Gegenst\u00e4nden genutzt. Die Kommission wird an der Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Ausschreibungskategorien arbeiten und sich daf\u00fcr einsetzen, dass das SIS zusammen mit der Interpol-Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD)<\/strong> umfassender genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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\u201eSie sind eine gro\u00dfe Gefahr f\u00fcr andere Kinder. Sie leben in Lagern, in einem Zelt, auf sechs mal vier Metern, oder noch weniger! Acht Geschwister, sie spielen zusammen, reden, sie indoktrinieren die anderen! Das ist ein Problem, das wir nicht l\u00f6sen k\u00f6nnen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Sara Hassan ist Sozialarbeiterin. Sie arbeitet in den Lagern, versucht M\u00e4dchen und Frauen, die jahrelang in Geiselhaft vergewaltigt wurden, zu helfen. Unz\u00e4hlige hatte der \u201eIS\u201c einst entf\u00fchrt. Sara arbeitet auch mit den sogenannten \u201eDschihadisten-Kindern\u201c. Sie erz\u00e4hlt, wie \u00fcberfordert alle seien: die Familien, die jesidische Gemeinschaft, die Gesellschaft des Nord-Irak.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIn einem anderen Fall hat sich die Familie am Ende an die Sicherheitskr\u00e4fte gewandt. Doch die wussten auch nicht, wie sie damit umgehen sollten. Monate lang hat die Familie versucht, den Jungen umzuerziehen, zusammen mit Sozialarbeitern. Aber noch immer sehen wir den Hass in seinen Augen \u2013 gegen\u00fcber Kurden, Christen und Jesiden. Als blicke man in die Augen eines IS-Terroristen. Das ist das Problem.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Die Jesiden k\u00f6nnen \u00fcber ihre vom \u201eIS\u201c indoktrinierten Kinder sprechen. Denn niemand zweifelt daran, dass sie Opfer der Tyrannei wurden. Bei den sunnitischen Arabern sieht das anders aus. Da sie derselben Religionsgruppe angeh\u00f6ren wie formal auch die Terroristen, stehen sie unter Generalverdacht, mit dem \u201eIS\u201c gemeinsame Sache gemacht zu haben. Sunnitische Araber trauen sich daher nicht, die Probleme ihrer Kinder \u00f6ffentlich zu machen \u2013 auch wenn sie selbst nichts mit dem \u201eIS\u201c zu tun hatten.<\/p>\n\n\n\n

Unklar ist, wie viele Kinder und Jugendliche im Irak und in Syrien zu Terroristen ausgebildet wurden, dabei noch in Geiselhaft sind oder bereits als \u201eSchl\u00e4fer\u201c darauf warten, zum Einsatz zu kommen. Sie gleichen \u201etickenden Zeitbomben\u201c, die jederzeit explodieren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

Minderheiten haben Angst vor \u201eIS\u201c-Nachfolgern<\/h2>\n\n\n\n

Kamaran Palani spricht davon, dass viele Menschen immer noch gehen wollen, obwohl der \u201eIS\u201c als staats\u00e4hnliches Gebilde nicht mehr besteht. Seine Saat aber, so der Politikwissenschaftler, sei aufgegangen.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollen einfach nicht in diesem Land bleiben. Der IS hat sie dazu gebracht. Jeder hat heute Angst, dass eine andere Organisation kommen wird, Terroristen, die dasselbe anrichten wie zuvor.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Palani forscht am \u201eMiddle East Research Institute\u201c, das seinen Sitz in Erbil hat, der Hauptstadt von Irakisch-Kurdistan. <\/p>\n\n\n\n

\u201e60 bis 65 Prozent der Christen wollen gehen. Das Gleiche gilt f\u00fcr andere Minderheiten: f\u00fcr Jesiden, Schabaks, Turkmenen, Kakais.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

\u201eWir werden niemals wieder mit den Arabern zusammenleben k\u00f6nnen!\u201c \u2013 ein Satz, der heute h\u00e4ufig im Nord-Irak zu h\u00f6ren ist. Gemeint sind die Iraker, die Sunniten und Araber sind \u2013 die einstmals Nachbarn von Jesiden, Christen und Kurden waren \u2013 mit denen man Handel trieb und Hochzeiten feierte, die auch Freunde waren.<\/p>\n\n\n\n

Der Irak ist eine multi-ethnische und multi-religi\u00f6se Gesellschaft, in der die Schiiten die Mehrheit stellen. \u00dcber Jahrhunderte aber hatten die sunnitischen Araber das Sagen, sie missbrauchten die Macht, errichteten ein Schreckensregime \u2013 bis 2003, als Diktator Saddam Hussein von den USA gest\u00fcrzt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c entstand aus Widerstand gegen Schiiten-Herrschaft<\/h2>\n\n\n\n

Jetzt wurde der Spie\u00df umgedreht. Die Amerikaner sorgten daf\u00fcr, dass die Sunniten jegliche Machtposition verloren \u2013 so wurde die irakische Armee, wurde die baathistische Partei aufgel\u00f6st \u2013 ohne ein Pendant zu schaffen, das alle integrierte. Und: Washington unterst\u00fctzte Regierungschef Nouri al-Maliki, einen Schiiten. Maliki sah eine historische Chance gekommen, diskriminierte nun seinerseits seine sunnitischen Landsleute, verwehrte ihnen im \u201eNeuen Irak\u201c die Mitsprache. Im Regime Malikis wurden Sunniten inhaftiert, gefoltert und umgebracht.<\/p>\n\n\n\n

Was viele in den Widerstand trieb. Einige schlossen sich der Terror-Organisation \u201eAl-Qaida\u201c an, unter ihnen f\u00fchrende Milit\u00e4rs der aufgel\u00f6sten Armee Saddam Husseins \u2013 und aus \u201eAl-Qaida\u201c ging sp\u00e4ter der \u201eIS\u201c hervor.<\/p>\n\n\n\n

Als der \u201eIS\u201c dann im Sommer 2014 fast ohne Gegenwehr weite Landstriche in Syrien und im Irak \u00fcberrannte und seinen \u201eStaat\u201c ausrief, sahen auch gew\u00f6hnliche sunnitische Araber einen Wechsel nahen. Viele machten gemeinsame Sache mit den Terroristen, verhinderten die Flucht jesidischer Nachbarn, lieferten sie ihren Schl\u00e4chtern aus. Kamaran Palani:<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c-K\u00e4mpfer haben gesagt, es gehe darum, die W\u00fcrde der sunnitischen Araber wiederherzustellen. Ihre Macht. Ihre Geschichte. Tats\u00e4chlich konnten es die Araber nicht hinnehmen, dass sie ins Abseits gedr\u00e4ngt wurden. Und ich denke, dass sie auch in Zukunft so handeln werden. Wann immer sich die Gelegenheit bietet: Sie werden alles hinter sich lassen \u2013 sich nur darauf konzentrieren.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Misstrauen. Auch bei einem Politikwissenschaftler. Was also tun? Zerst\u00f6rte St\u00e4dte und D\u00f6rfer k\u00f6nnten wieder aufgebaut werden \u2013 wenn denn ein gemeinsamer Wille best\u00fcnde. Doch was, wenn es einen solchen gemeinsamen Willen gar nicht gibt? Wenn Schmerz und Trauer anhalten, wenn die Verbrechen von Terroristen und Helfershelfern nicht geahndet werden, wenn Angst umgeht, Misstrauen und Hass das Miteinander bestimmen.<\/p>\n\n\n\n

\"SyrischeSoldaten in der irakischen Stadt Sindschar nach der R\u00fcckeroberung von der IS-Miliz Ende 2015. (dpa \/ MAXPPP \/ Arnaud Dumontier)<\/p>\n\n\n\n

Kamaran Palani stammt aus der Stadt Makhmour. Drei Tage nur sei der \u201eIS\u201c dort gewesen, sagt er, doch diese Tage h\u00e4tten alles ver\u00e4ndert. Der \u201eIS\u201c habe die Menschen in seiner Heimatstadt verrohen lassen, meint er, das Verh\u00e4ltnis zwischen Kurden und Arabern sei heute tot. Eine R\u00fcckkehr in alte Zeiten h\u00e4lt Palani f\u00fcr falsch.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch denke, es w\u00e4re nicht einfach, in das Jahr 2014 \u2013 also in die Zeit vor dem \u201aIS\u2018 \u2013 zur\u00fcckzukehren. Vor allem aber w\u00e4re es nicht die richtige Politik. Denn eben die hat ja erst zum Aufkommen, zur Existenz des \u201aIS\u2018 gef\u00fchrt.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n


Wie also in Ruinen Neues schaffen? Der Staat muss das Gewaltmonopol zur\u00fcckerlangen, fordert der Politikwissenschaftler. F\u00fcr ihn steht das an erster Stelle. Und dann m\u00fcsse der Staat dringend einen Kurswechsel vornehmen: Er m\u00fcsse integrativ wirken, alle einbinden, auch die Araber, in Sicherheitskr\u00e4fte, Verwaltung und Politik.<\/p>\n\n\n\n

Machtmonopol m\u00fcsste von Milizen zum Staat gehen<\/h2>\n\n\n\n

Die Realit\u00e4t sieht anders aus: Ein Staat Kurdistan, der neue Optionen m\u00f6glich gemacht h\u00e4tte, auch von den Minderheiten gew\u00fcnscht worden war, ist nicht entstanden. Bagdad aber ist fern, der Zentralstaat kaum existent, und wenn, dann ist er schiitisch dominiert. Es sind Milizen, die im Nord-Irak das Geschehen bestimmen, darum rivalisieren, das Machtvakuum zu f\u00fcllen, das durch die Vertreibung des \u201eIS\u201c entstanden ist. Einst im Kampf gegen die Terroristen geeint, sind die Milizen einander heute feind.<\/p>\n\n\n\n

Allen voran die \u201eHashd ash-Shaabi\u201c, schiitisch-irakische Milizen, deren Ausbilder und Kommandeure h\u00e4ufig Iraner sind. Bagdad hat die Haschd als regul\u00e4re Kraft im Kampf gegen den \u201eIS\u201c anerkannt \u2013 obwohl Menschenrechts-Organisationen schwere Vorw\u00fcrfe gegen sie erheben. Fest steht: Die schiitischen Milizen halten D\u00f6rfer besetzt, sind in Mosul f\u00fcr ihr herrisches Auftreten und ihre Willk\u00fcr bekannt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eTats\u00e4chlich sorgen die verschiedenen bewaffneten Gruppen daf\u00fcr, dass die Fl\u00fcchtlinge nicht zur\u00fcckkehren. Und weil sie nicht zur\u00fcckkehren, gibt es auch keinen Wiederaufbau. Die Menschen haben Angst vor den Milizen \u2013 auch davor, dass die einander bek\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die \u201eHashd\u201c m\u00fcssten mithin abziehen. Und mit ihnen die anderen Milizen. Das Machtmonopol m\u00fcsste an den Staat gehen. Doch der Irak ist auch Spielball der Regionalm\u00e4chte: Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien. Sie konkurrieren um Einfluss-Sph\u00e4ren, bedienen sich dabei verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Gruppen im Irak. Deswegen werden die Hashd nicht abziehen. Derzeit sind sie von der iranisch-irakischen Grenze im Osten \u00fcber Bagdad bis hoch zur irakisch-syrischen Grenze im Norden postiert. Einheiten Teherans k\u00f6nnten demnach auf dem Landweg vom Iran bis ans Mittelmeer durchmarschieren.<\/p>\n\n\n\n

Iran und Saudi-Arabien wollen Macht vergr\u00f6\u00dfern<\/h2>\n\n\n\n

Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n

In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n

Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3703,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:24:20","post_date_gmt":"2020-08-13 21:24:20","post_content":"\n

Deutschland str\u00e4ubt sich gegen die R\u00fcckkehr seiner eigenen Staatsb\u00fcrger, die zu IS-Terroristen wurden. Dabei hat die Bundesrepublik den Terror und die Terroristen einst exportiert. Und dies geschah wissentlich, sagt der Islamwissenschaftler Fabian Goldmann.<\/p>\n\n\n\n

Wann haben Sie sich eigentlich zuletzt von deutschen Terroristen distanziert? Zum Beispiel von Robert B.? Der Ex-Bundeswehrsoldat aus Solingen hat mutma\u00dflich bei einem Selbstmordattentat Anfang 2014 50 Menschen mit in den Tod gerissen. <\/p>\n\n\n\n

Oder von Yannik N.? Der junge Freiburger steuerte wahrscheinlich im Jahr 2015 einen mit anderthalb Tonnen Sprengstoff beladenen LKW in eine Menschenmenge und nahm so Dutzenden Personen das Leben.<\/p>\n\n\n\n

Oder von Yamin A.?. Im Sommer 2015 tauchte im Netz ein Video auf, das zeigte, wie der ehemalige Telekom-Azubi aus K\u00f6nigswinter zwei gefesselten Soldaten in den Kopf schoss.
Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Deutsche T\u00e4ter, aber kaum deutsche Opfer<\/h2>\n\n\n\n

Hauptsache nicht bei uns! Dies scheint auch dieser Tage wieder die Maxime zu sein, wenn Politiker und \u00d6ffentlichkeit \u00fcber den Umgang mit deutschen Terroristen diskutieren. Von potenziellen Bedrohungen und Anschlagsgefahren in Deutschland liest man dann. Vom ganz realen Terror, den Deutsche in den vergangenen Jahren \u00fcber die Menschen in Syrien und Irak gebracht haben, h\u00f6rt man hingegen kaum. Ein Terror, der kaum deutsche Opfer aber umso mehr deutsche T\u00e4ter kannte.<\/p>\n\n\n\n

1.050 \u2013 das ist laut Bundesinnenministerium die Anzahl der Dschihadisten, die in den letzten Jahren die Bundesrepublik in Richtung Nahost verlassen hat. Es f\u00e4llt schwer, sich umgekehrtes Szenario \u00fcberhaupt auszumalen. Was w\u00e4re wohl los, h\u00e4tte es nur ein Bruchteil arabischer Terroristen geschafft, bei uns Anschl\u00e4ge zu begehen? Europas \u201eMuslim Bann\u201c? \u00dcberwachungsstaat auf NSA-Niveau?<\/p>\n\n\n\n

Die CSU st\u00fcnde wom\u00f6glich am linken Ende des politischen Spektrums, und auf Twitter w\u00fcrde Trump deutsche Migrationspolitiker zur M\u00e4\u00dfigung aufrufen. Der deutsche Terror in Nahost kommt hingegen seit Jahren ganz ohne Sondersendungen, politische Debatten und Distanzierungsforderungen aus. <\/p>\n\n\n\n

Deutsche K\u00e4mpfer waren nicht nur willenloses Kanonenfutter<\/h2>\n\n\n\n

An fehlendem Wissen liegt das nicht. Von ganzen Einheiten des IS, in denen kein einziger K\u00e4mpfer Arabisch spreche, berichten syrische, irakische und kurdische Soldaten schon seit Jahren. Von Aleppo \u00fcber Raqqa bis Mossul haben Aktivisten und Politiker immer wieder darauf hingewiesen, dass viele der schlimmsten M\u00f6rder in den Reihen des IS Europ\u00e4er sind. Interessiert hat das hier kaum jemand.<\/p>\n\n\n\n

Dabei dienten Deutsche dem Islamischen Staats nicht nur als willenloses Kanonenfutter, wie es oft dargestellt wird. Viele haben seinen Terror mitgepr\u00e4gt. Wie Martin L., der derzeit in kurdischer Haft sitzt. Der Schwei\u00dfer aus Sachsen-Anhalt soll sich vom Folterknecht bis zum Geheimdienstler mit Kontakten bis in die F\u00fchrungsspitze der Terrororganisation hochgearbeitet haben.<\/p>\n\n\n\n

Oder Reda S., Der Prediger aus Berlin-Charlottenburg soll dem IS in Mossul als Bildungsminister gedient haben. Oder der Berliner Ex-Rapper Denis Cuspert, der zu den wichtigsten Personen in der IS-Medienorganisation Al-Hayat geh\u00f6rte. Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Beh\u00f6rden wussten gut Bescheid<\/h2>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich entstand der Islamische Staat nicht in deutschen Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen. Zur deutschen Verantwortung geh\u00f6rt aber auch, dass Politiker und Beh\u00f6rden lange wegschauten, solang nur die T\u00e4ter, aber nicht die Opfer Deutsche waren. Beh\u00f6rden wissen und wussten erschreckend gut Bescheid \u00fcber die Radikalisierung deutscher Islamisten. Ein Gro\u00dfteil der sp\u00e4teren IS-K\u00e4mpfer war polizeibekannt, stand auf Gef\u00e4hrderlisten oder hatte wegen islamistischer Straftaten bereits Haftstrafen verb\u00fc\u00dft. An der Ausreise gehindert wurden sie oftmals dennoch nicht. Die Gefahr, die von deutschen Terroristen ausgeht, interessierte Politik und \u00d6ffentlichkeit erst dann wieder, als ihre Einreise drohte.<\/p>\n\n\n\n

\"Fabian
Fabian Goldmann<\/strong> ist Journalist und Islamwissenschaftler. F\u00fcr verschiedene Magazine und Zeitungen berichtete er viele Jahre aus Nahost. Zurzeit widmet er sich vor allem dem Islam diesseits des Bosporus. Auf seinem Blog Schantall und die Scharia<\/a> bloggt er \u00fcber Islamophobie in Deutschland.<\/p>\n","post_title":"Es sind unsere Terroristen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"es-sind-unsere-terroristen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3703","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3700,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:19:36","post_date_gmt":"2020-08-13 21:19:36","post_content":"\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda? Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda t<\/p>\n\n\n\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda tritt an die Stelle der 2010 verabschiedeten Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014 (siehe IP\/10\/1535<\/a>). In der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda f\u00fcr den Zeitraum 2015-2020 skizziert die Europ\u00e4ische Kommission die Strategie der Union zur Bew\u00e4ltigung der Sicherheitsbedrohungen in der EU.<\/p>\n\n\n\n

Die EU und ihre Mitgliedstaaten sind mit betr\u00e4chtlichen Sicherheitsproblemen konfrontiert. Terrorismus, organisierte Kriminalit\u00e4t und Cyberkriminalit\u00e4t stellen eine zunehmende Gefahr f\u00fcr die europ\u00e4ische Gesellschaft dar, wobei sich Art und Ausma\u00df dieser Gefahr ver\u00e4ndert hat. Europa ist mit den Auswirkungen der politischen Instabilit\u00e4t in seiner unmittelbaren Nachbarschaft konfrontiert, die die Sicherheitsinteressen der EU gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n

Im Zuge der Krisen und Konflikte in Syrien, Irak und Libyen haben sich europ\u00e4ische B\u00fcrger terroristischen Gruppen angeschlossen, die bei ihrer R\u00fcckkehr eine erhebliche Bedrohung darstellen k\u00f6nnen. Die j\u00fcngsten terroristischen Anschl\u00e4ge in Europa zeugen von der zunehmenden Bedrohung durch einen gewaltt\u00e4tigen Extremismus und zeigen, in welchem Ausma\u00df weltweite Konflikte zur Radikalisierung der europ\u00e4ischen B\u00fcrger beitragen.<\/p>\n\n\n\n

Das Online-Umfeld hat sich zunehmend als Ziel f\u00fcr Kriminelle und Terroristen entwickelt. Unabh\u00e4ngig davon, ob es um die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und die Anwerbung von Menschen f\u00fcr terroristische Organisationen geht oder die Verbreitung von Hass oder einen Angriff auf die europ\u00e4ischen Werte und Institutionen, fest steht, dass wir unsere Reaktion auf diese Bedrohungen unbedingt abstimmen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Welcher Mehrwert entsteht durch die EU im Bereich der inneren Sicherheit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Gew\u00e4hrleistung der inneren Sicherheit f\u00e4llt weiterhin in erster Linie in die Zust\u00e4ndigkeit der Mitgliedstaaten. Allerdings werden die Bedrohungen f\u00fcr Europas B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger immer vielf\u00e4ltiger und betreffen in zunehmendem Ma\u00dfe mehrere Mitgliedstaaten. Einzelne Mitgliedstaaten haben die Verantwortung, die Sicherheit an den Au\u00dfengrenzen zu gew\u00e4hrleisten, sind aber nicht mehr in der Lage, diese Herausforderungen allein zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n

Kriminelle und terroristische Aktivit\u00e4ten machen nicht an den Grenzen der EU halt und beschr\u00e4nken sich auch nicht auf Nachbarregionen. Die innere Sicherheit der EU und die globale Sicherheit sind voneinander abh\u00e4ngig und miteinander verkn\u00fcpft. Die Sicherheit der Union h\u00e4ngt in hohem Ma\u00dfe von der Zusammenarbeit mit ihren internationalen Partnern und ihren Nachbarl\u00e4ndern ab.<\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t und des Terrorismus ist eine gemeinsame europ\u00e4ische Aufgabe. Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda sollte von den Mitgliedstaaten und den EU-Organen gemeinsam als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und gemeinsame Ma\u00dfnahmen der Union genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n

Mit Hilfe der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda werden die Polizei- und Strafverfolgungsdienste in verschiedenen Mitgliedstaaten Daten effektiver austauschen und bei der Bek\u00e4mpfung der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t besser zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Die Mitgliedstaaten k\u00f6nnen auf die Unterst\u00fctzung durch die Agenturen der EU z\u00e4hlen. Insbesondere in folgenden Punkten l\u00e4sst sich mit Hilfe der Sicherheitsagenda ein EU-Mehrwert erzielen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n

A) Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und den EU-Agenturen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1<\/strong>: Das Schengener Informationssystem<\/strong> (SIS) wird von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Abfrage von Ausschreibungen von gesuchten oder vermissten Personen und Gegenst\u00e4nden genutzt. Die Kommission wird an der Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Ausschreibungskategorien arbeiten und sich daf\u00fcr einsetzen, dass das SIS zusammen mit der Interpol-Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD)<\/strong> umfassender genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Die \u00e4u\u00dferen Wunden sind heute verheilt. Doch wie sieht es aus mit den inneren, den seelischen Verletzungen? Thomas wurde von seiner Familie aufgenommen und bekommt Hilfe. Andere Kinder konnten nicht aufgefangen werden. Bis heute betrachten sie Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c \u2013 so wie es ihnen in der Geiselhaft eingeh\u00e4mmert wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie sind eine gro\u00dfe Gefahr f\u00fcr andere Kinder. Sie leben in Lagern, in einem Zelt, auf sechs mal vier Metern, oder noch weniger! Acht Geschwister, sie spielen zusammen, reden, sie indoktrinieren die anderen! Das ist ein Problem, das wir nicht l\u00f6sen k\u00f6nnen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Sara Hassan ist Sozialarbeiterin. Sie arbeitet in den Lagern, versucht M\u00e4dchen und Frauen, die jahrelang in Geiselhaft vergewaltigt wurden, zu helfen. Unz\u00e4hlige hatte der \u201eIS\u201c einst entf\u00fchrt. Sara arbeitet auch mit den sogenannten \u201eDschihadisten-Kindern\u201c. Sie erz\u00e4hlt, wie \u00fcberfordert alle seien: die Familien, die jesidische Gemeinschaft, die Gesellschaft des Nord-Irak.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIn einem anderen Fall hat sich die Familie am Ende an die Sicherheitskr\u00e4fte gewandt. Doch die wussten auch nicht, wie sie damit umgehen sollten. Monate lang hat die Familie versucht, den Jungen umzuerziehen, zusammen mit Sozialarbeitern. Aber noch immer sehen wir den Hass in seinen Augen \u2013 gegen\u00fcber Kurden, Christen und Jesiden. Als blicke man in die Augen eines IS-Terroristen. Das ist das Problem.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Die Jesiden k\u00f6nnen \u00fcber ihre vom \u201eIS\u201c indoktrinierten Kinder sprechen. Denn niemand zweifelt daran, dass sie Opfer der Tyrannei wurden. Bei den sunnitischen Arabern sieht das anders aus. Da sie derselben Religionsgruppe angeh\u00f6ren wie formal auch die Terroristen, stehen sie unter Generalverdacht, mit dem \u201eIS\u201c gemeinsame Sache gemacht zu haben. Sunnitische Araber trauen sich daher nicht, die Probleme ihrer Kinder \u00f6ffentlich zu machen \u2013 auch wenn sie selbst nichts mit dem \u201eIS\u201c zu tun hatten.<\/p>\n\n\n\n

Unklar ist, wie viele Kinder und Jugendliche im Irak und in Syrien zu Terroristen ausgebildet wurden, dabei noch in Geiselhaft sind oder bereits als \u201eSchl\u00e4fer\u201c darauf warten, zum Einsatz zu kommen. Sie gleichen \u201etickenden Zeitbomben\u201c, die jederzeit explodieren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

Minderheiten haben Angst vor \u201eIS\u201c-Nachfolgern<\/h2>\n\n\n\n

Kamaran Palani spricht davon, dass viele Menschen immer noch gehen wollen, obwohl der \u201eIS\u201c als staats\u00e4hnliches Gebilde nicht mehr besteht. Seine Saat aber, so der Politikwissenschaftler, sei aufgegangen.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollen einfach nicht in diesem Land bleiben. Der IS hat sie dazu gebracht. Jeder hat heute Angst, dass eine andere Organisation kommen wird, Terroristen, die dasselbe anrichten wie zuvor.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Palani forscht am \u201eMiddle East Research Institute\u201c, das seinen Sitz in Erbil hat, der Hauptstadt von Irakisch-Kurdistan. <\/p>\n\n\n\n

\u201e60 bis 65 Prozent der Christen wollen gehen. Das Gleiche gilt f\u00fcr andere Minderheiten: f\u00fcr Jesiden, Schabaks, Turkmenen, Kakais.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

\u201eWir werden niemals wieder mit den Arabern zusammenleben k\u00f6nnen!\u201c \u2013 ein Satz, der heute h\u00e4ufig im Nord-Irak zu h\u00f6ren ist. Gemeint sind die Iraker, die Sunniten und Araber sind \u2013 die einstmals Nachbarn von Jesiden, Christen und Kurden waren \u2013 mit denen man Handel trieb und Hochzeiten feierte, die auch Freunde waren.<\/p>\n\n\n\n

Der Irak ist eine multi-ethnische und multi-religi\u00f6se Gesellschaft, in der die Schiiten die Mehrheit stellen. \u00dcber Jahrhunderte aber hatten die sunnitischen Araber das Sagen, sie missbrauchten die Macht, errichteten ein Schreckensregime \u2013 bis 2003, als Diktator Saddam Hussein von den USA gest\u00fcrzt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c entstand aus Widerstand gegen Schiiten-Herrschaft<\/h2>\n\n\n\n

Jetzt wurde der Spie\u00df umgedreht. Die Amerikaner sorgten daf\u00fcr, dass die Sunniten jegliche Machtposition verloren \u2013 so wurde die irakische Armee, wurde die baathistische Partei aufgel\u00f6st \u2013 ohne ein Pendant zu schaffen, das alle integrierte. Und: Washington unterst\u00fctzte Regierungschef Nouri al-Maliki, einen Schiiten. Maliki sah eine historische Chance gekommen, diskriminierte nun seinerseits seine sunnitischen Landsleute, verwehrte ihnen im \u201eNeuen Irak\u201c die Mitsprache. Im Regime Malikis wurden Sunniten inhaftiert, gefoltert und umgebracht.<\/p>\n\n\n\n

Was viele in den Widerstand trieb. Einige schlossen sich der Terror-Organisation \u201eAl-Qaida\u201c an, unter ihnen f\u00fchrende Milit\u00e4rs der aufgel\u00f6sten Armee Saddam Husseins \u2013 und aus \u201eAl-Qaida\u201c ging sp\u00e4ter der \u201eIS\u201c hervor.<\/p>\n\n\n\n

Als der \u201eIS\u201c dann im Sommer 2014 fast ohne Gegenwehr weite Landstriche in Syrien und im Irak \u00fcberrannte und seinen \u201eStaat\u201c ausrief, sahen auch gew\u00f6hnliche sunnitische Araber einen Wechsel nahen. Viele machten gemeinsame Sache mit den Terroristen, verhinderten die Flucht jesidischer Nachbarn, lieferten sie ihren Schl\u00e4chtern aus. Kamaran Palani:<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c-K\u00e4mpfer haben gesagt, es gehe darum, die W\u00fcrde der sunnitischen Araber wiederherzustellen. Ihre Macht. Ihre Geschichte. Tats\u00e4chlich konnten es die Araber nicht hinnehmen, dass sie ins Abseits gedr\u00e4ngt wurden. Und ich denke, dass sie auch in Zukunft so handeln werden. Wann immer sich die Gelegenheit bietet: Sie werden alles hinter sich lassen \u2013 sich nur darauf konzentrieren.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Misstrauen. Auch bei einem Politikwissenschaftler. Was also tun? Zerst\u00f6rte St\u00e4dte und D\u00f6rfer k\u00f6nnten wieder aufgebaut werden \u2013 wenn denn ein gemeinsamer Wille best\u00fcnde. Doch was, wenn es einen solchen gemeinsamen Willen gar nicht gibt? Wenn Schmerz und Trauer anhalten, wenn die Verbrechen von Terroristen und Helfershelfern nicht geahndet werden, wenn Angst umgeht, Misstrauen und Hass das Miteinander bestimmen.<\/p>\n\n\n\n

\"SyrischeSoldaten in der irakischen Stadt Sindschar nach der R\u00fcckeroberung von der IS-Miliz Ende 2015. (dpa \/ MAXPPP \/ Arnaud Dumontier)<\/p>\n\n\n\n

Kamaran Palani stammt aus der Stadt Makhmour. Drei Tage nur sei der \u201eIS\u201c dort gewesen, sagt er, doch diese Tage h\u00e4tten alles ver\u00e4ndert. Der \u201eIS\u201c habe die Menschen in seiner Heimatstadt verrohen lassen, meint er, das Verh\u00e4ltnis zwischen Kurden und Arabern sei heute tot. Eine R\u00fcckkehr in alte Zeiten h\u00e4lt Palani f\u00fcr falsch.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch denke, es w\u00e4re nicht einfach, in das Jahr 2014 \u2013 also in die Zeit vor dem \u201aIS\u2018 \u2013 zur\u00fcckzukehren. Vor allem aber w\u00e4re es nicht die richtige Politik. Denn eben die hat ja erst zum Aufkommen, zur Existenz des \u201aIS\u2018 gef\u00fchrt.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n


Wie also in Ruinen Neues schaffen? Der Staat muss das Gewaltmonopol zur\u00fcckerlangen, fordert der Politikwissenschaftler. F\u00fcr ihn steht das an erster Stelle. Und dann m\u00fcsse der Staat dringend einen Kurswechsel vornehmen: Er m\u00fcsse integrativ wirken, alle einbinden, auch die Araber, in Sicherheitskr\u00e4fte, Verwaltung und Politik.<\/p>\n\n\n\n

Machtmonopol m\u00fcsste von Milizen zum Staat gehen<\/h2>\n\n\n\n

Die Realit\u00e4t sieht anders aus: Ein Staat Kurdistan, der neue Optionen m\u00f6glich gemacht h\u00e4tte, auch von den Minderheiten gew\u00fcnscht worden war, ist nicht entstanden. Bagdad aber ist fern, der Zentralstaat kaum existent, und wenn, dann ist er schiitisch dominiert. Es sind Milizen, die im Nord-Irak das Geschehen bestimmen, darum rivalisieren, das Machtvakuum zu f\u00fcllen, das durch die Vertreibung des \u201eIS\u201c entstanden ist. Einst im Kampf gegen die Terroristen geeint, sind die Milizen einander heute feind.<\/p>\n\n\n\n

Allen voran die \u201eHashd ash-Shaabi\u201c, schiitisch-irakische Milizen, deren Ausbilder und Kommandeure h\u00e4ufig Iraner sind. Bagdad hat die Haschd als regul\u00e4re Kraft im Kampf gegen den \u201eIS\u201c anerkannt \u2013 obwohl Menschenrechts-Organisationen schwere Vorw\u00fcrfe gegen sie erheben. Fest steht: Die schiitischen Milizen halten D\u00f6rfer besetzt, sind in Mosul f\u00fcr ihr herrisches Auftreten und ihre Willk\u00fcr bekannt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eTats\u00e4chlich sorgen die verschiedenen bewaffneten Gruppen daf\u00fcr, dass die Fl\u00fcchtlinge nicht zur\u00fcckkehren. Und weil sie nicht zur\u00fcckkehren, gibt es auch keinen Wiederaufbau. Die Menschen haben Angst vor den Milizen \u2013 auch davor, dass die einander bek\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die \u201eHashd\u201c m\u00fcssten mithin abziehen. Und mit ihnen die anderen Milizen. Das Machtmonopol m\u00fcsste an den Staat gehen. Doch der Irak ist auch Spielball der Regionalm\u00e4chte: Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien. Sie konkurrieren um Einfluss-Sph\u00e4ren, bedienen sich dabei verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Gruppen im Irak. Deswegen werden die Hashd nicht abziehen. Derzeit sind sie von der iranisch-irakischen Grenze im Osten \u00fcber Bagdad bis hoch zur irakisch-syrischen Grenze im Norden postiert. Einheiten Teherans k\u00f6nnten demnach auf dem Landweg vom Iran bis ans Mittelmeer durchmarschieren.<\/p>\n\n\n\n

Iran und Saudi-Arabien wollen Macht vergr\u00f6\u00dfern<\/h2>\n\n\n\n

Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n

In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n

Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3703,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:24:20","post_date_gmt":"2020-08-13 21:24:20","post_content":"\n

Deutschland str\u00e4ubt sich gegen die R\u00fcckkehr seiner eigenen Staatsb\u00fcrger, die zu IS-Terroristen wurden. Dabei hat die Bundesrepublik den Terror und die Terroristen einst exportiert. Und dies geschah wissentlich, sagt der Islamwissenschaftler Fabian Goldmann.<\/p>\n\n\n\n

Wann haben Sie sich eigentlich zuletzt von deutschen Terroristen distanziert? Zum Beispiel von Robert B.? Der Ex-Bundeswehrsoldat aus Solingen hat mutma\u00dflich bei einem Selbstmordattentat Anfang 2014 50 Menschen mit in den Tod gerissen. <\/p>\n\n\n\n

Oder von Yannik N.? Der junge Freiburger steuerte wahrscheinlich im Jahr 2015 einen mit anderthalb Tonnen Sprengstoff beladenen LKW in eine Menschenmenge und nahm so Dutzenden Personen das Leben.<\/p>\n\n\n\n

Oder von Yamin A.?. Im Sommer 2015 tauchte im Netz ein Video auf, das zeigte, wie der ehemalige Telekom-Azubi aus K\u00f6nigswinter zwei gefesselten Soldaten in den Kopf schoss.
Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Deutsche T\u00e4ter, aber kaum deutsche Opfer<\/h2>\n\n\n\n

Hauptsache nicht bei uns! Dies scheint auch dieser Tage wieder die Maxime zu sein, wenn Politiker und \u00d6ffentlichkeit \u00fcber den Umgang mit deutschen Terroristen diskutieren. Von potenziellen Bedrohungen und Anschlagsgefahren in Deutschland liest man dann. Vom ganz realen Terror, den Deutsche in den vergangenen Jahren \u00fcber die Menschen in Syrien und Irak gebracht haben, h\u00f6rt man hingegen kaum. Ein Terror, der kaum deutsche Opfer aber umso mehr deutsche T\u00e4ter kannte.<\/p>\n\n\n\n

1.050 \u2013 das ist laut Bundesinnenministerium die Anzahl der Dschihadisten, die in den letzten Jahren die Bundesrepublik in Richtung Nahost verlassen hat. Es f\u00e4llt schwer, sich umgekehrtes Szenario \u00fcberhaupt auszumalen. Was w\u00e4re wohl los, h\u00e4tte es nur ein Bruchteil arabischer Terroristen geschafft, bei uns Anschl\u00e4ge zu begehen? Europas \u201eMuslim Bann\u201c? \u00dcberwachungsstaat auf NSA-Niveau?<\/p>\n\n\n\n

Die CSU st\u00fcnde wom\u00f6glich am linken Ende des politischen Spektrums, und auf Twitter w\u00fcrde Trump deutsche Migrationspolitiker zur M\u00e4\u00dfigung aufrufen. Der deutsche Terror in Nahost kommt hingegen seit Jahren ganz ohne Sondersendungen, politische Debatten und Distanzierungsforderungen aus. <\/p>\n\n\n\n

Deutsche K\u00e4mpfer waren nicht nur willenloses Kanonenfutter<\/h2>\n\n\n\n

An fehlendem Wissen liegt das nicht. Von ganzen Einheiten des IS, in denen kein einziger K\u00e4mpfer Arabisch spreche, berichten syrische, irakische und kurdische Soldaten schon seit Jahren. Von Aleppo \u00fcber Raqqa bis Mossul haben Aktivisten und Politiker immer wieder darauf hingewiesen, dass viele der schlimmsten M\u00f6rder in den Reihen des IS Europ\u00e4er sind. Interessiert hat das hier kaum jemand.<\/p>\n\n\n\n

Dabei dienten Deutsche dem Islamischen Staats nicht nur als willenloses Kanonenfutter, wie es oft dargestellt wird. Viele haben seinen Terror mitgepr\u00e4gt. Wie Martin L., der derzeit in kurdischer Haft sitzt. Der Schwei\u00dfer aus Sachsen-Anhalt soll sich vom Folterknecht bis zum Geheimdienstler mit Kontakten bis in die F\u00fchrungsspitze der Terrororganisation hochgearbeitet haben.<\/p>\n\n\n\n

Oder Reda S., Der Prediger aus Berlin-Charlottenburg soll dem IS in Mossul als Bildungsminister gedient haben. Oder der Berliner Ex-Rapper Denis Cuspert, der zu den wichtigsten Personen in der IS-Medienorganisation Al-Hayat geh\u00f6rte. Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Beh\u00f6rden wussten gut Bescheid<\/h2>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich entstand der Islamische Staat nicht in deutschen Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen. Zur deutschen Verantwortung geh\u00f6rt aber auch, dass Politiker und Beh\u00f6rden lange wegschauten, solang nur die T\u00e4ter, aber nicht die Opfer Deutsche waren. Beh\u00f6rden wissen und wussten erschreckend gut Bescheid \u00fcber die Radikalisierung deutscher Islamisten. Ein Gro\u00dfteil der sp\u00e4teren IS-K\u00e4mpfer war polizeibekannt, stand auf Gef\u00e4hrderlisten oder hatte wegen islamistischer Straftaten bereits Haftstrafen verb\u00fc\u00dft. An der Ausreise gehindert wurden sie oftmals dennoch nicht. Die Gefahr, die von deutschen Terroristen ausgeht, interessierte Politik und \u00d6ffentlichkeit erst dann wieder, als ihre Einreise drohte.<\/p>\n\n\n\n

\"Fabian
Fabian Goldmann<\/strong> ist Journalist und Islamwissenschaftler. F\u00fcr verschiedene Magazine und Zeitungen berichtete er viele Jahre aus Nahost. Zurzeit widmet er sich vor allem dem Islam diesseits des Bosporus. Auf seinem Blog Schantall und die Scharia<\/a> bloggt er \u00fcber Islamophobie in Deutschland.<\/p>\n","post_title":"Es sind unsere Terroristen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"es-sind-unsere-terroristen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3703","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3700,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:19:36","post_date_gmt":"2020-08-13 21:19:36","post_content":"\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda? Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda t<\/p>\n\n\n\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda tritt an die Stelle der 2010 verabschiedeten Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014 (siehe IP\/10\/1535<\/a>). In der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda f\u00fcr den Zeitraum 2015-2020 skizziert die Europ\u00e4ische Kommission die Strategie der Union zur Bew\u00e4ltigung der Sicherheitsbedrohungen in der EU.<\/p>\n\n\n\n

Die EU und ihre Mitgliedstaaten sind mit betr\u00e4chtlichen Sicherheitsproblemen konfrontiert. Terrorismus, organisierte Kriminalit\u00e4t und Cyberkriminalit\u00e4t stellen eine zunehmende Gefahr f\u00fcr die europ\u00e4ische Gesellschaft dar, wobei sich Art und Ausma\u00df dieser Gefahr ver\u00e4ndert hat. Europa ist mit den Auswirkungen der politischen Instabilit\u00e4t in seiner unmittelbaren Nachbarschaft konfrontiert, die die Sicherheitsinteressen der EU gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n

Im Zuge der Krisen und Konflikte in Syrien, Irak und Libyen haben sich europ\u00e4ische B\u00fcrger terroristischen Gruppen angeschlossen, die bei ihrer R\u00fcckkehr eine erhebliche Bedrohung darstellen k\u00f6nnen. Die j\u00fcngsten terroristischen Anschl\u00e4ge in Europa zeugen von der zunehmenden Bedrohung durch einen gewaltt\u00e4tigen Extremismus und zeigen, in welchem Ausma\u00df weltweite Konflikte zur Radikalisierung der europ\u00e4ischen B\u00fcrger beitragen.<\/p>\n\n\n\n

Das Online-Umfeld hat sich zunehmend als Ziel f\u00fcr Kriminelle und Terroristen entwickelt. Unabh\u00e4ngig davon, ob es um die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und die Anwerbung von Menschen f\u00fcr terroristische Organisationen geht oder die Verbreitung von Hass oder einen Angriff auf die europ\u00e4ischen Werte und Institutionen, fest steht, dass wir unsere Reaktion auf diese Bedrohungen unbedingt abstimmen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Welcher Mehrwert entsteht durch die EU im Bereich der inneren Sicherheit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Gew\u00e4hrleistung der inneren Sicherheit f\u00e4llt weiterhin in erster Linie in die Zust\u00e4ndigkeit der Mitgliedstaaten. Allerdings werden die Bedrohungen f\u00fcr Europas B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger immer vielf\u00e4ltiger und betreffen in zunehmendem Ma\u00dfe mehrere Mitgliedstaaten. Einzelne Mitgliedstaaten haben die Verantwortung, die Sicherheit an den Au\u00dfengrenzen zu gew\u00e4hrleisten, sind aber nicht mehr in der Lage, diese Herausforderungen allein zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n

Kriminelle und terroristische Aktivit\u00e4ten machen nicht an den Grenzen der EU halt und beschr\u00e4nken sich auch nicht auf Nachbarregionen. Die innere Sicherheit der EU und die globale Sicherheit sind voneinander abh\u00e4ngig und miteinander verkn\u00fcpft. Die Sicherheit der Union h\u00e4ngt in hohem Ma\u00dfe von der Zusammenarbeit mit ihren internationalen Partnern und ihren Nachbarl\u00e4ndern ab.<\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t und des Terrorismus ist eine gemeinsame europ\u00e4ische Aufgabe. Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda sollte von den Mitgliedstaaten und den EU-Organen gemeinsam als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und gemeinsame Ma\u00dfnahmen der Union genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n

Mit Hilfe der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda werden die Polizei- und Strafverfolgungsdienste in verschiedenen Mitgliedstaaten Daten effektiver austauschen und bei der Bek\u00e4mpfung der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t besser zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Die Mitgliedstaaten k\u00f6nnen auf die Unterst\u00fctzung durch die Agenturen der EU z\u00e4hlen. Insbesondere in folgenden Punkten l\u00e4sst sich mit Hilfe der Sicherheitsagenda ein EU-Mehrwert erzielen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n

A) Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und den EU-Agenturen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1<\/strong>: Das Schengener Informationssystem<\/strong> (SIS) wird von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Abfrage von Ausschreibungen von gesuchten oder vermissten Personen und Gegenst\u00e4nden genutzt. Die Kommission wird an der Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Ausschreibungskategorien arbeiten und sich daf\u00fcr einsetzen, dass das SIS zusammen mit der Interpol-Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD)<\/strong> umfassender genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Arbeit mit \u201eDschihadisten-Kindern\u201c<\/h2>\n\n\n\n

Die \u00e4u\u00dferen Wunden sind heute verheilt. Doch wie sieht es aus mit den inneren, den seelischen Verletzungen? Thomas wurde von seiner Familie aufgenommen und bekommt Hilfe. Andere Kinder konnten nicht aufgefangen werden. Bis heute betrachten sie Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c \u2013 so wie es ihnen in der Geiselhaft eingeh\u00e4mmert wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie sind eine gro\u00dfe Gefahr f\u00fcr andere Kinder. Sie leben in Lagern, in einem Zelt, auf sechs mal vier Metern, oder noch weniger! Acht Geschwister, sie spielen zusammen, reden, sie indoktrinieren die anderen! Das ist ein Problem, das wir nicht l\u00f6sen k\u00f6nnen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Sara Hassan ist Sozialarbeiterin. Sie arbeitet in den Lagern, versucht M\u00e4dchen und Frauen, die jahrelang in Geiselhaft vergewaltigt wurden, zu helfen. Unz\u00e4hlige hatte der \u201eIS\u201c einst entf\u00fchrt. Sara arbeitet auch mit den sogenannten \u201eDschihadisten-Kindern\u201c. Sie erz\u00e4hlt, wie \u00fcberfordert alle seien: die Familien, die jesidische Gemeinschaft, die Gesellschaft des Nord-Irak.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIn einem anderen Fall hat sich die Familie am Ende an die Sicherheitskr\u00e4fte gewandt. Doch die wussten auch nicht, wie sie damit umgehen sollten. Monate lang hat die Familie versucht, den Jungen umzuerziehen, zusammen mit Sozialarbeitern. Aber noch immer sehen wir den Hass in seinen Augen \u2013 gegen\u00fcber Kurden, Christen und Jesiden. Als blicke man in die Augen eines IS-Terroristen. Das ist das Problem.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Die Jesiden k\u00f6nnen \u00fcber ihre vom \u201eIS\u201c indoktrinierten Kinder sprechen. Denn niemand zweifelt daran, dass sie Opfer der Tyrannei wurden. Bei den sunnitischen Arabern sieht das anders aus. Da sie derselben Religionsgruppe angeh\u00f6ren wie formal auch die Terroristen, stehen sie unter Generalverdacht, mit dem \u201eIS\u201c gemeinsame Sache gemacht zu haben. Sunnitische Araber trauen sich daher nicht, die Probleme ihrer Kinder \u00f6ffentlich zu machen \u2013 auch wenn sie selbst nichts mit dem \u201eIS\u201c zu tun hatten.<\/p>\n\n\n\n

Unklar ist, wie viele Kinder und Jugendliche im Irak und in Syrien zu Terroristen ausgebildet wurden, dabei noch in Geiselhaft sind oder bereits als \u201eSchl\u00e4fer\u201c darauf warten, zum Einsatz zu kommen. Sie gleichen \u201etickenden Zeitbomben\u201c, die jederzeit explodieren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

Minderheiten haben Angst vor \u201eIS\u201c-Nachfolgern<\/h2>\n\n\n\n

Kamaran Palani spricht davon, dass viele Menschen immer noch gehen wollen, obwohl der \u201eIS\u201c als staats\u00e4hnliches Gebilde nicht mehr besteht. Seine Saat aber, so der Politikwissenschaftler, sei aufgegangen.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollen einfach nicht in diesem Land bleiben. Der IS hat sie dazu gebracht. Jeder hat heute Angst, dass eine andere Organisation kommen wird, Terroristen, die dasselbe anrichten wie zuvor.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Palani forscht am \u201eMiddle East Research Institute\u201c, das seinen Sitz in Erbil hat, der Hauptstadt von Irakisch-Kurdistan. <\/p>\n\n\n\n

\u201e60 bis 65 Prozent der Christen wollen gehen. Das Gleiche gilt f\u00fcr andere Minderheiten: f\u00fcr Jesiden, Schabaks, Turkmenen, Kakais.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

\u201eWir werden niemals wieder mit den Arabern zusammenleben k\u00f6nnen!\u201c \u2013 ein Satz, der heute h\u00e4ufig im Nord-Irak zu h\u00f6ren ist. Gemeint sind die Iraker, die Sunniten und Araber sind \u2013 die einstmals Nachbarn von Jesiden, Christen und Kurden waren \u2013 mit denen man Handel trieb und Hochzeiten feierte, die auch Freunde waren.<\/p>\n\n\n\n

Der Irak ist eine multi-ethnische und multi-religi\u00f6se Gesellschaft, in der die Schiiten die Mehrheit stellen. \u00dcber Jahrhunderte aber hatten die sunnitischen Araber das Sagen, sie missbrauchten die Macht, errichteten ein Schreckensregime \u2013 bis 2003, als Diktator Saddam Hussein von den USA gest\u00fcrzt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c entstand aus Widerstand gegen Schiiten-Herrschaft<\/h2>\n\n\n\n

Jetzt wurde der Spie\u00df umgedreht. Die Amerikaner sorgten daf\u00fcr, dass die Sunniten jegliche Machtposition verloren \u2013 so wurde die irakische Armee, wurde die baathistische Partei aufgel\u00f6st \u2013 ohne ein Pendant zu schaffen, das alle integrierte. Und: Washington unterst\u00fctzte Regierungschef Nouri al-Maliki, einen Schiiten. Maliki sah eine historische Chance gekommen, diskriminierte nun seinerseits seine sunnitischen Landsleute, verwehrte ihnen im \u201eNeuen Irak\u201c die Mitsprache. Im Regime Malikis wurden Sunniten inhaftiert, gefoltert und umgebracht.<\/p>\n\n\n\n

Was viele in den Widerstand trieb. Einige schlossen sich der Terror-Organisation \u201eAl-Qaida\u201c an, unter ihnen f\u00fchrende Milit\u00e4rs der aufgel\u00f6sten Armee Saddam Husseins \u2013 und aus \u201eAl-Qaida\u201c ging sp\u00e4ter der \u201eIS\u201c hervor.<\/p>\n\n\n\n

Als der \u201eIS\u201c dann im Sommer 2014 fast ohne Gegenwehr weite Landstriche in Syrien und im Irak \u00fcberrannte und seinen \u201eStaat\u201c ausrief, sahen auch gew\u00f6hnliche sunnitische Araber einen Wechsel nahen. Viele machten gemeinsame Sache mit den Terroristen, verhinderten die Flucht jesidischer Nachbarn, lieferten sie ihren Schl\u00e4chtern aus. Kamaran Palani:<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c-K\u00e4mpfer haben gesagt, es gehe darum, die W\u00fcrde der sunnitischen Araber wiederherzustellen. Ihre Macht. Ihre Geschichte. Tats\u00e4chlich konnten es die Araber nicht hinnehmen, dass sie ins Abseits gedr\u00e4ngt wurden. Und ich denke, dass sie auch in Zukunft so handeln werden. Wann immer sich die Gelegenheit bietet: Sie werden alles hinter sich lassen \u2013 sich nur darauf konzentrieren.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Misstrauen. Auch bei einem Politikwissenschaftler. Was also tun? Zerst\u00f6rte St\u00e4dte und D\u00f6rfer k\u00f6nnten wieder aufgebaut werden \u2013 wenn denn ein gemeinsamer Wille best\u00fcnde. Doch was, wenn es einen solchen gemeinsamen Willen gar nicht gibt? Wenn Schmerz und Trauer anhalten, wenn die Verbrechen von Terroristen und Helfershelfern nicht geahndet werden, wenn Angst umgeht, Misstrauen und Hass das Miteinander bestimmen.<\/p>\n\n\n\n

\"SyrischeSoldaten in der irakischen Stadt Sindschar nach der R\u00fcckeroberung von der IS-Miliz Ende 2015. (dpa \/ MAXPPP \/ Arnaud Dumontier)<\/p>\n\n\n\n

Kamaran Palani stammt aus der Stadt Makhmour. Drei Tage nur sei der \u201eIS\u201c dort gewesen, sagt er, doch diese Tage h\u00e4tten alles ver\u00e4ndert. Der \u201eIS\u201c habe die Menschen in seiner Heimatstadt verrohen lassen, meint er, das Verh\u00e4ltnis zwischen Kurden und Arabern sei heute tot. Eine R\u00fcckkehr in alte Zeiten h\u00e4lt Palani f\u00fcr falsch.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch denke, es w\u00e4re nicht einfach, in das Jahr 2014 \u2013 also in die Zeit vor dem \u201aIS\u2018 \u2013 zur\u00fcckzukehren. Vor allem aber w\u00e4re es nicht die richtige Politik. Denn eben die hat ja erst zum Aufkommen, zur Existenz des \u201aIS\u2018 gef\u00fchrt.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n


Wie also in Ruinen Neues schaffen? Der Staat muss das Gewaltmonopol zur\u00fcckerlangen, fordert der Politikwissenschaftler. F\u00fcr ihn steht das an erster Stelle. Und dann m\u00fcsse der Staat dringend einen Kurswechsel vornehmen: Er m\u00fcsse integrativ wirken, alle einbinden, auch die Araber, in Sicherheitskr\u00e4fte, Verwaltung und Politik.<\/p>\n\n\n\n

Machtmonopol m\u00fcsste von Milizen zum Staat gehen<\/h2>\n\n\n\n

Die Realit\u00e4t sieht anders aus: Ein Staat Kurdistan, der neue Optionen m\u00f6glich gemacht h\u00e4tte, auch von den Minderheiten gew\u00fcnscht worden war, ist nicht entstanden. Bagdad aber ist fern, der Zentralstaat kaum existent, und wenn, dann ist er schiitisch dominiert. Es sind Milizen, die im Nord-Irak das Geschehen bestimmen, darum rivalisieren, das Machtvakuum zu f\u00fcllen, das durch die Vertreibung des \u201eIS\u201c entstanden ist. Einst im Kampf gegen die Terroristen geeint, sind die Milizen einander heute feind.<\/p>\n\n\n\n

Allen voran die \u201eHashd ash-Shaabi\u201c, schiitisch-irakische Milizen, deren Ausbilder und Kommandeure h\u00e4ufig Iraner sind. Bagdad hat die Haschd als regul\u00e4re Kraft im Kampf gegen den \u201eIS\u201c anerkannt \u2013 obwohl Menschenrechts-Organisationen schwere Vorw\u00fcrfe gegen sie erheben. Fest steht: Die schiitischen Milizen halten D\u00f6rfer besetzt, sind in Mosul f\u00fcr ihr herrisches Auftreten und ihre Willk\u00fcr bekannt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eTats\u00e4chlich sorgen die verschiedenen bewaffneten Gruppen daf\u00fcr, dass die Fl\u00fcchtlinge nicht zur\u00fcckkehren. Und weil sie nicht zur\u00fcckkehren, gibt es auch keinen Wiederaufbau. Die Menschen haben Angst vor den Milizen \u2013 auch davor, dass die einander bek\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die \u201eHashd\u201c m\u00fcssten mithin abziehen. Und mit ihnen die anderen Milizen. Das Machtmonopol m\u00fcsste an den Staat gehen. Doch der Irak ist auch Spielball der Regionalm\u00e4chte: Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien. Sie konkurrieren um Einfluss-Sph\u00e4ren, bedienen sich dabei verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Gruppen im Irak. Deswegen werden die Hashd nicht abziehen. Derzeit sind sie von der iranisch-irakischen Grenze im Osten \u00fcber Bagdad bis hoch zur irakisch-syrischen Grenze im Norden postiert. Einheiten Teherans k\u00f6nnten demnach auf dem Landweg vom Iran bis ans Mittelmeer durchmarschieren.<\/p>\n\n\n\n

Iran und Saudi-Arabien wollen Macht vergr\u00f6\u00dfern<\/h2>\n\n\n\n

Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n

In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n

Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3703,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:24:20","post_date_gmt":"2020-08-13 21:24:20","post_content":"\n

Deutschland str\u00e4ubt sich gegen die R\u00fcckkehr seiner eigenen Staatsb\u00fcrger, die zu IS-Terroristen wurden. Dabei hat die Bundesrepublik den Terror und die Terroristen einst exportiert. Und dies geschah wissentlich, sagt der Islamwissenschaftler Fabian Goldmann.<\/p>\n\n\n\n

Wann haben Sie sich eigentlich zuletzt von deutschen Terroristen distanziert? Zum Beispiel von Robert B.? Der Ex-Bundeswehrsoldat aus Solingen hat mutma\u00dflich bei einem Selbstmordattentat Anfang 2014 50 Menschen mit in den Tod gerissen. <\/p>\n\n\n\n

Oder von Yannik N.? Der junge Freiburger steuerte wahrscheinlich im Jahr 2015 einen mit anderthalb Tonnen Sprengstoff beladenen LKW in eine Menschenmenge und nahm so Dutzenden Personen das Leben.<\/p>\n\n\n\n

Oder von Yamin A.?. Im Sommer 2015 tauchte im Netz ein Video auf, das zeigte, wie der ehemalige Telekom-Azubi aus K\u00f6nigswinter zwei gefesselten Soldaten in den Kopf schoss.
Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Deutsche T\u00e4ter, aber kaum deutsche Opfer<\/h2>\n\n\n\n

Hauptsache nicht bei uns! Dies scheint auch dieser Tage wieder die Maxime zu sein, wenn Politiker und \u00d6ffentlichkeit \u00fcber den Umgang mit deutschen Terroristen diskutieren. Von potenziellen Bedrohungen und Anschlagsgefahren in Deutschland liest man dann. Vom ganz realen Terror, den Deutsche in den vergangenen Jahren \u00fcber die Menschen in Syrien und Irak gebracht haben, h\u00f6rt man hingegen kaum. Ein Terror, der kaum deutsche Opfer aber umso mehr deutsche T\u00e4ter kannte.<\/p>\n\n\n\n

1.050 \u2013 das ist laut Bundesinnenministerium die Anzahl der Dschihadisten, die in den letzten Jahren die Bundesrepublik in Richtung Nahost verlassen hat. Es f\u00e4llt schwer, sich umgekehrtes Szenario \u00fcberhaupt auszumalen. Was w\u00e4re wohl los, h\u00e4tte es nur ein Bruchteil arabischer Terroristen geschafft, bei uns Anschl\u00e4ge zu begehen? Europas \u201eMuslim Bann\u201c? \u00dcberwachungsstaat auf NSA-Niveau?<\/p>\n\n\n\n

Die CSU st\u00fcnde wom\u00f6glich am linken Ende des politischen Spektrums, und auf Twitter w\u00fcrde Trump deutsche Migrationspolitiker zur M\u00e4\u00dfigung aufrufen. Der deutsche Terror in Nahost kommt hingegen seit Jahren ganz ohne Sondersendungen, politische Debatten und Distanzierungsforderungen aus. <\/p>\n\n\n\n

Deutsche K\u00e4mpfer waren nicht nur willenloses Kanonenfutter<\/h2>\n\n\n\n

An fehlendem Wissen liegt das nicht. Von ganzen Einheiten des IS, in denen kein einziger K\u00e4mpfer Arabisch spreche, berichten syrische, irakische und kurdische Soldaten schon seit Jahren. Von Aleppo \u00fcber Raqqa bis Mossul haben Aktivisten und Politiker immer wieder darauf hingewiesen, dass viele der schlimmsten M\u00f6rder in den Reihen des IS Europ\u00e4er sind. Interessiert hat das hier kaum jemand.<\/p>\n\n\n\n

Dabei dienten Deutsche dem Islamischen Staats nicht nur als willenloses Kanonenfutter, wie es oft dargestellt wird. Viele haben seinen Terror mitgepr\u00e4gt. Wie Martin L., der derzeit in kurdischer Haft sitzt. Der Schwei\u00dfer aus Sachsen-Anhalt soll sich vom Folterknecht bis zum Geheimdienstler mit Kontakten bis in die F\u00fchrungsspitze der Terrororganisation hochgearbeitet haben.<\/p>\n\n\n\n

Oder Reda S., Der Prediger aus Berlin-Charlottenburg soll dem IS in Mossul als Bildungsminister gedient haben. Oder der Berliner Ex-Rapper Denis Cuspert, der zu den wichtigsten Personen in der IS-Medienorganisation Al-Hayat geh\u00f6rte. Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Beh\u00f6rden wussten gut Bescheid<\/h2>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich entstand der Islamische Staat nicht in deutschen Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen. Zur deutschen Verantwortung geh\u00f6rt aber auch, dass Politiker und Beh\u00f6rden lange wegschauten, solang nur die T\u00e4ter, aber nicht die Opfer Deutsche waren. Beh\u00f6rden wissen und wussten erschreckend gut Bescheid \u00fcber die Radikalisierung deutscher Islamisten. Ein Gro\u00dfteil der sp\u00e4teren IS-K\u00e4mpfer war polizeibekannt, stand auf Gef\u00e4hrderlisten oder hatte wegen islamistischer Straftaten bereits Haftstrafen verb\u00fc\u00dft. An der Ausreise gehindert wurden sie oftmals dennoch nicht. Die Gefahr, die von deutschen Terroristen ausgeht, interessierte Politik und \u00d6ffentlichkeit erst dann wieder, als ihre Einreise drohte.<\/p>\n\n\n\n

\"Fabian
Fabian Goldmann<\/strong> ist Journalist und Islamwissenschaftler. F\u00fcr verschiedene Magazine und Zeitungen berichtete er viele Jahre aus Nahost. Zurzeit widmet er sich vor allem dem Islam diesseits des Bosporus. Auf seinem Blog Schantall und die Scharia<\/a> bloggt er \u00fcber Islamophobie in Deutschland.<\/p>\n","post_title":"Es sind unsere Terroristen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"es-sind-unsere-terroristen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3703","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3700,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:19:36","post_date_gmt":"2020-08-13 21:19:36","post_content":"\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda? Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda t<\/p>\n\n\n\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda tritt an die Stelle der 2010 verabschiedeten Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014 (siehe IP\/10\/1535<\/a>). In der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda f\u00fcr den Zeitraum 2015-2020 skizziert die Europ\u00e4ische Kommission die Strategie der Union zur Bew\u00e4ltigung der Sicherheitsbedrohungen in der EU.<\/p>\n\n\n\n

Die EU und ihre Mitgliedstaaten sind mit betr\u00e4chtlichen Sicherheitsproblemen konfrontiert. Terrorismus, organisierte Kriminalit\u00e4t und Cyberkriminalit\u00e4t stellen eine zunehmende Gefahr f\u00fcr die europ\u00e4ische Gesellschaft dar, wobei sich Art und Ausma\u00df dieser Gefahr ver\u00e4ndert hat. Europa ist mit den Auswirkungen der politischen Instabilit\u00e4t in seiner unmittelbaren Nachbarschaft konfrontiert, die die Sicherheitsinteressen der EU gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n

Im Zuge der Krisen und Konflikte in Syrien, Irak und Libyen haben sich europ\u00e4ische B\u00fcrger terroristischen Gruppen angeschlossen, die bei ihrer R\u00fcckkehr eine erhebliche Bedrohung darstellen k\u00f6nnen. Die j\u00fcngsten terroristischen Anschl\u00e4ge in Europa zeugen von der zunehmenden Bedrohung durch einen gewaltt\u00e4tigen Extremismus und zeigen, in welchem Ausma\u00df weltweite Konflikte zur Radikalisierung der europ\u00e4ischen B\u00fcrger beitragen.<\/p>\n\n\n\n

Das Online-Umfeld hat sich zunehmend als Ziel f\u00fcr Kriminelle und Terroristen entwickelt. Unabh\u00e4ngig davon, ob es um die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und die Anwerbung von Menschen f\u00fcr terroristische Organisationen geht oder die Verbreitung von Hass oder einen Angriff auf die europ\u00e4ischen Werte und Institutionen, fest steht, dass wir unsere Reaktion auf diese Bedrohungen unbedingt abstimmen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Welcher Mehrwert entsteht durch die EU im Bereich der inneren Sicherheit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Gew\u00e4hrleistung der inneren Sicherheit f\u00e4llt weiterhin in erster Linie in die Zust\u00e4ndigkeit der Mitgliedstaaten. Allerdings werden die Bedrohungen f\u00fcr Europas B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger immer vielf\u00e4ltiger und betreffen in zunehmendem Ma\u00dfe mehrere Mitgliedstaaten. Einzelne Mitgliedstaaten haben die Verantwortung, die Sicherheit an den Au\u00dfengrenzen zu gew\u00e4hrleisten, sind aber nicht mehr in der Lage, diese Herausforderungen allein zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n

Kriminelle und terroristische Aktivit\u00e4ten machen nicht an den Grenzen der EU halt und beschr\u00e4nken sich auch nicht auf Nachbarregionen. Die innere Sicherheit der EU und die globale Sicherheit sind voneinander abh\u00e4ngig und miteinander verkn\u00fcpft. Die Sicherheit der Union h\u00e4ngt in hohem Ma\u00dfe von der Zusammenarbeit mit ihren internationalen Partnern und ihren Nachbarl\u00e4ndern ab.<\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t und des Terrorismus ist eine gemeinsame europ\u00e4ische Aufgabe. Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda sollte von den Mitgliedstaaten und den EU-Organen gemeinsam als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und gemeinsame Ma\u00dfnahmen der Union genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n

Mit Hilfe der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda werden die Polizei- und Strafverfolgungsdienste in verschiedenen Mitgliedstaaten Daten effektiver austauschen und bei der Bek\u00e4mpfung der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t besser zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Die Mitgliedstaaten k\u00f6nnen auf die Unterst\u00fctzung durch die Agenturen der EU z\u00e4hlen. Insbesondere in folgenden Punkten l\u00e4sst sich mit Hilfe der Sicherheitsagenda ein EU-Mehrwert erzielen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n

A) Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und den EU-Agenturen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1<\/strong>: Das Schengener Informationssystem<\/strong> (SIS) wird von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Abfrage von Ausschreibungen von gesuchten oder vermissten Personen und Gegenst\u00e4nden genutzt. Die Kommission wird an der Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Ausschreibungskategorien arbeiten und sich daf\u00fcr einsetzen, dass das SIS zusammen mit der Interpol-Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD)<\/strong> umfassender genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

\n

\"ThomasThomas erholt sich von drei Jahren IS-Gefangenschaft. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

Arbeit mit \u201eDschihadisten-Kindern\u201c<\/h2>\n\n\n\n

Die \u00e4u\u00dferen Wunden sind heute verheilt. Doch wie sieht es aus mit den inneren, den seelischen Verletzungen? Thomas wurde von seiner Familie aufgenommen und bekommt Hilfe. Andere Kinder konnten nicht aufgefangen werden. Bis heute betrachten sie Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c \u2013 so wie es ihnen in der Geiselhaft eingeh\u00e4mmert wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie sind eine gro\u00dfe Gefahr f\u00fcr andere Kinder. Sie leben in Lagern, in einem Zelt, auf sechs mal vier Metern, oder noch weniger! Acht Geschwister, sie spielen zusammen, reden, sie indoktrinieren die anderen! Das ist ein Problem, das wir nicht l\u00f6sen k\u00f6nnen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Sara Hassan ist Sozialarbeiterin. Sie arbeitet in den Lagern, versucht M\u00e4dchen und Frauen, die jahrelang in Geiselhaft vergewaltigt wurden, zu helfen. Unz\u00e4hlige hatte der \u201eIS\u201c einst entf\u00fchrt. Sara arbeitet auch mit den sogenannten \u201eDschihadisten-Kindern\u201c. Sie erz\u00e4hlt, wie \u00fcberfordert alle seien: die Familien, die jesidische Gemeinschaft, die Gesellschaft des Nord-Irak.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIn einem anderen Fall hat sich die Familie am Ende an die Sicherheitskr\u00e4fte gewandt. Doch die wussten auch nicht, wie sie damit umgehen sollten. Monate lang hat die Familie versucht, den Jungen umzuerziehen, zusammen mit Sozialarbeitern. Aber noch immer sehen wir den Hass in seinen Augen \u2013 gegen\u00fcber Kurden, Christen und Jesiden. Als blicke man in die Augen eines IS-Terroristen. Das ist das Problem.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Die Jesiden k\u00f6nnen \u00fcber ihre vom \u201eIS\u201c indoktrinierten Kinder sprechen. Denn niemand zweifelt daran, dass sie Opfer der Tyrannei wurden. Bei den sunnitischen Arabern sieht das anders aus. Da sie derselben Religionsgruppe angeh\u00f6ren wie formal auch die Terroristen, stehen sie unter Generalverdacht, mit dem \u201eIS\u201c gemeinsame Sache gemacht zu haben. Sunnitische Araber trauen sich daher nicht, die Probleme ihrer Kinder \u00f6ffentlich zu machen \u2013 auch wenn sie selbst nichts mit dem \u201eIS\u201c zu tun hatten.<\/p>\n\n\n\n

Unklar ist, wie viele Kinder und Jugendliche im Irak und in Syrien zu Terroristen ausgebildet wurden, dabei noch in Geiselhaft sind oder bereits als \u201eSchl\u00e4fer\u201c darauf warten, zum Einsatz zu kommen. Sie gleichen \u201etickenden Zeitbomben\u201c, die jederzeit explodieren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

Minderheiten haben Angst vor \u201eIS\u201c-Nachfolgern<\/h2>\n\n\n\n

Kamaran Palani spricht davon, dass viele Menschen immer noch gehen wollen, obwohl der \u201eIS\u201c als staats\u00e4hnliches Gebilde nicht mehr besteht. Seine Saat aber, so der Politikwissenschaftler, sei aufgegangen.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollen einfach nicht in diesem Land bleiben. Der IS hat sie dazu gebracht. Jeder hat heute Angst, dass eine andere Organisation kommen wird, Terroristen, die dasselbe anrichten wie zuvor.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Palani forscht am \u201eMiddle East Research Institute\u201c, das seinen Sitz in Erbil hat, der Hauptstadt von Irakisch-Kurdistan. <\/p>\n\n\n\n

\u201e60 bis 65 Prozent der Christen wollen gehen. Das Gleiche gilt f\u00fcr andere Minderheiten: f\u00fcr Jesiden, Schabaks, Turkmenen, Kakais.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

\u201eWir werden niemals wieder mit den Arabern zusammenleben k\u00f6nnen!\u201c \u2013 ein Satz, der heute h\u00e4ufig im Nord-Irak zu h\u00f6ren ist. Gemeint sind die Iraker, die Sunniten und Araber sind \u2013 die einstmals Nachbarn von Jesiden, Christen und Kurden waren \u2013 mit denen man Handel trieb und Hochzeiten feierte, die auch Freunde waren.<\/p>\n\n\n\n

Der Irak ist eine multi-ethnische und multi-religi\u00f6se Gesellschaft, in der die Schiiten die Mehrheit stellen. \u00dcber Jahrhunderte aber hatten die sunnitischen Araber das Sagen, sie missbrauchten die Macht, errichteten ein Schreckensregime \u2013 bis 2003, als Diktator Saddam Hussein von den USA gest\u00fcrzt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c entstand aus Widerstand gegen Schiiten-Herrschaft<\/h2>\n\n\n\n

Jetzt wurde der Spie\u00df umgedreht. Die Amerikaner sorgten daf\u00fcr, dass die Sunniten jegliche Machtposition verloren \u2013 so wurde die irakische Armee, wurde die baathistische Partei aufgel\u00f6st \u2013 ohne ein Pendant zu schaffen, das alle integrierte. Und: Washington unterst\u00fctzte Regierungschef Nouri al-Maliki, einen Schiiten. Maliki sah eine historische Chance gekommen, diskriminierte nun seinerseits seine sunnitischen Landsleute, verwehrte ihnen im \u201eNeuen Irak\u201c die Mitsprache. Im Regime Malikis wurden Sunniten inhaftiert, gefoltert und umgebracht.<\/p>\n\n\n\n

Was viele in den Widerstand trieb. Einige schlossen sich der Terror-Organisation \u201eAl-Qaida\u201c an, unter ihnen f\u00fchrende Milit\u00e4rs der aufgel\u00f6sten Armee Saddam Husseins \u2013 und aus \u201eAl-Qaida\u201c ging sp\u00e4ter der \u201eIS\u201c hervor.<\/p>\n\n\n\n

Als der \u201eIS\u201c dann im Sommer 2014 fast ohne Gegenwehr weite Landstriche in Syrien und im Irak \u00fcberrannte und seinen \u201eStaat\u201c ausrief, sahen auch gew\u00f6hnliche sunnitische Araber einen Wechsel nahen. Viele machten gemeinsame Sache mit den Terroristen, verhinderten die Flucht jesidischer Nachbarn, lieferten sie ihren Schl\u00e4chtern aus. Kamaran Palani:<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c-K\u00e4mpfer haben gesagt, es gehe darum, die W\u00fcrde der sunnitischen Araber wiederherzustellen. Ihre Macht. Ihre Geschichte. Tats\u00e4chlich konnten es die Araber nicht hinnehmen, dass sie ins Abseits gedr\u00e4ngt wurden. Und ich denke, dass sie auch in Zukunft so handeln werden. Wann immer sich die Gelegenheit bietet: Sie werden alles hinter sich lassen \u2013 sich nur darauf konzentrieren.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Misstrauen. Auch bei einem Politikwissenschaftler. Was also tun? Zerst\u00f6rte St\u00e4dte und D\u00f6rfer k\u00f6nnten wieder aufgebaut werden \u2013 wenn denn ein gemeinsamer Wille best\u00fcnde. Doch was, wenn es einen solchen gemeinsamen Willen gar nicht gibt? Wenn Schmerz und Trauer anhalten, wenn die Verbrechen von Terroristen und Helfershelfern nicht geahndet werden, wenn Angst umgeht, Misstrauen und Hass das Miteinander bestimmen.<\/p>\n\n\n\n

\"SyrischeSoldaten in der irakischen Stadt Sindschar nach der R\u00fcckeroberung von der IS-Miliz Ende 2015. (dpa \/ MAXPPP \/ Arnaud Dumontier)<\/p>\n\n\n\n

Kamaran Palani stammt aus der Stadt Makhmour. Drei Tage nur sei der \u201eIS\u201c dort gewesen, sagt er, doch diese Tage h\u00e4tten alles ver\u00e4ndert. Der \u201eIS\u201c habe die Menschen in seiner Heimatstadt verrohen lassen, meint er, das Verh\u00e4ltnis zwischen Kurden und Arabern sei heute tot. Eine R\u00fcckkehr in alte Zeiten h\u00e4lt Palani f\u00fcr falsch.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch denke, es w\u00e4re nicht einfach, in das Jahr 2014 \u2013 also in die Zeit vor dem \u201aIS\u2018 \u2013 zur\u00fcckzukehren. Vor allem aber w\u00e4re es nicht die richtige Politik. Denn eben die hat ja erst zum Aufkommen, zur Existenz des \u201aIS\u2018 gef\u00fchrt.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n


Wie also in Ruinen Neues schaffen? Der Staat muss das Gewaltmonopol zur\u00fcckerlangen, fordert der Politikwissenschaftler. F\u00fcr ihn steht das an erster Stelle. Und dann m\u00fcsse der Staat dringend einen Kurswechsel vornehmen: Er m\u00fcsse integrativ wirken, alle einbinden, auch die Araber, in Sicherheitskr\u00e4fte, Verwaltung und Politik.<\/p>\n\n\n\n

Machtmonopol m\u00fcsste von Milizen zum Staat gehen<\/h2>\n\n\n\n

Die Realit\u00e4t sieht anders aus: Ein Staat Kurdistan, der neue Optionen m\u00f6glich gemacht h\u00e4tte, auch von den Minderheiten gew\u00fcnscht worden war, ist nicht entstanden. Bagdad aber ist fern, der Zentralstaat kaum existent, und wenn, dann ist er schiitisch dominiert. Es sind Milizen, die im Nord-Irak das Geschehen bestimmen, darum rivalisieren, das Machtvakuum zu f\u00fcllen, das durch die Vertreibung des \u201eIS\u201c entstanden ist. Einst im Kampf gegen die Terroristen geeint, sind die Milizen einander heute feind.<\/p>\n\n\n\n

Allen voran die \u201eHashd ash-Shaabi\u201c, schiitisch-irakische Milizen, deren Ausbilder und Kommandeure h\u00e4ufig Iraner sind. Bagdad hat die Haschd als regul\u00e4re Kraft im Kampf gegen den \u201eIS\u201c anerkannt \u2013 obwohl Menschenrechts-Organisationen schwere Vorw\u00fcrfe gegen sie erheben. Fest steht: Die schiitischen Milizen halten D\u00f6rfer besetzt, sind in Mosul f\u00fcr ihr herrisches Auftreten und ihre Willk\u00fcr bekannt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eTats\u00e4chlich sorgen die verschiedenen bewaffneten Gruppen daf\u00fcr, dass die Fl\u00fcchtlinge nicht zur\u00fcckkehren. Und weil sie nicht zur\u00fcckkehren, gibt es auch keinen Wiederaufbau. Die Menschen haben Angst vor den Milizen \u2013 auch davor, dass die einander bek\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die \u201eHashd\u201c m\u00fcssten mithin abziehen. Und mit ihnen die anderen Milizen. Das Machtmonopol m\u00fcsste an den Staat gehen. Doch der Irak ist auch Spielball der Regionalm\u00e4chte: Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien. Sie konkurrieren um Einfluss-Sph\u00e4ren, bedienen sich dabei verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Gruppen im Irak. Deswegen werden die Hashd nicht abziehen. Derzeit sind sie von der iranisch-irakischen Grenze im Osten \u00fcber Bagdad bis hoch zur irakisch-syrischen Grenze im Norden postiert. Einheiten Teherans k\u00f6nnten demnach auf dem Landweg vom Iran bis ans Mittelmeer durchmarschieren.<\/p>\n\n\n\n

Iran und Saudi-Arabien wollen Macht vergr\u00f6\u00dfern<\/h2>\n\n\n\n

Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n

In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n

Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3703,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:24:20","post_date_gmt":"2020-08-13 21:24:20","post_content":"\n

Deutschland str\u00e4ubt sich gegen die R\u00fcckkehr seiner eigenen Staatsb\u00fcrger, die zu IS-Terroristen wurden. Dabei hat die Bundesrepublik den Terror und die Terroristen einst exportiert. Und dies geschah wissentlich, sagt der Islamwissenschaftler Fabian Goldmann.<\/p>\n\n\n\n

Wann haben Sie sich eigentlich zuletzt von deutschen Terroristen distanziert? Zum Beispiel von Robert B.? Der Ex-Bundeswehrsoldat aus Solingen hat mutma\u00dflich bei einem Selbstmordattentat Anfang 2014 50 Menschen mit in den Tod gerissen. <\/p>\n\n\n\n

Oder von Yannik N.? Der junge Freiburger steuerte wahrscheinlich im Jahr 2015 einen mit anderthalb Tonnen Sprengstoff beladenen LKW in eine Menschenmenge und nahm so Dutzenden Personen das Leben.<\/p>\n\n\n\n

Oder von Yamin A.?. Im Sommer 2015 tauchte im Netz ein Video auf, das zeigte, wie der ehemalige Telekom-Azubi aus K\u00f6nigswinter zwei gefesselten Soldaten in den Kopf schoss.
Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Deutsche T\u00e4ter, aber kaum deutsche Opfer<\/h2>\n\n\n\n

Hauptsache nicht bei uns! Dies scheint auch dieser Tage wieder die Maxime zu sein, wenn Politiker und \u00d6ffentlichkeit \u00fcber den Umgang mit deutschen Terroristen diskutieren. Von potenziellen Bedrohungen und Anschlagsgefahren in Deutschland liest man dann. Vom ganz realen Terror, den Deutsche in den vergangenen Jahren \u00fcber die Menschen in Syrien und Irak gebracht haben, h\u00f6rt man hingegen kaum. Ein Terror, der kaum deutsche Opfer aber umso mehr deutsche T\u00e4ter kannte.<\/p>\n\n\n\n

1.050 \u2013 das ist laut Bundesinnenministerium die Anzahl der Dschihadisten, die in den letzten Jahren die Bundesrepublik in Richtung Nahost verlassen hat. Es f\u00e4llt schwer, sich umgekehrtes Szenario \u00fcberhaupt auszumalen. Was w\u00e4re wohl los, h\u00e4tte es nur ein Bruchteil arabischer Terroristen geschafft, bei uns Anschl\u00e4ge zu begehen? Europas \u201eMuslim Bann\u201c? \u00dcberwachungsstaat auf NSA-Niveau?<\/p>\n\n\n\n

Die CSU st\u00fcnde wom\u00f6glich am linken Ende des politischen Spektrums, und auf Twitter w\u00fcrde Trump deutsche Migrationspolitiker zur M\u00e4\u00dfigung aufrufen. Der deutsche Terror in Nahost kommt hingegen seit Jahren ganz ohne Sondersendungen, politische Debatten und Distanzierungsforderungen aus. <\/p>\n\n\n\n

Deutsche K\u00e4mpfer waren nicht nur willenloses Kanonenfutter<\/h2>\n\n\n\n

An fehlendem Wissen liegt das nicht. Von ganzen Einheiten des IS, in denen kein einziger K\u00e4mpfer Arabisch spreche, berichten syrische, irakische und kurdische Soldaten schon seit Jahren. Von Aleppo \u00fcber Raqqa bis Mossul haben Aktivisten und Politiker immer wieder darauf hingewiesen, dass viele der schlimmsten M\u00f6rder in den Reihen des IS Europ\u00e4er sind. Interessiert hat das hier kaum jemand.<\/p>\n\n\n\n

Dabei dienten Deutsche dem Islamischen Staats nicht nur als willenloses Kanonenfutter, wie es oft dargestellt wird. Viele haben seinen Terror mitgepr\u00e4gt. Wie Martin L., der derzeit in kurdischer Haft sitzt. Der Schwei\u00dfer aus Sachsen-Anhalt soll sich vom Folterknecht bis zum Geheimdienstler mit Kontakten bis in die F\u00fchrungsspitze der Terrororganisation hochgearbeitet haben.<\/p>\n\n\n\n

Oder Reda S., Der Prediger aus Berlin-Charlottenburg soll dem IS in Mossul als Bildungsminister gedient haben. Oder der Berliner Ex-Rapper Denis Cuspert, der zu den wichtigsten Personen in der IS-Medienorganisation Al-Hayat geh\u00f6rte. Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Beh\u00f6rden wussten gut Bescheid<\/h2>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich entstand der Islamische Staat nicht in deutschen Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen. Zur deutschen Verantwortung geh\u00f6rt aber auch, dass Politiker und Beh\u00f6rden lange wegschauten, solang nur die T\u00e4ter, aber nicht die Opfer Deutsche waren. Beh\u00f6rden wissen und wussten erschreckend gut Bescheid \u00fcber die Radikalisierung deutscher Islamisten. Ein Gro\u00dfteil der sp\u00e4teren IS-K\u00e4mpfer war polizeibekannt, stand auf Gef\u00e4hrderlisten oder hatte wegen islamistischer Straftaten bereits Haftstrafen verb\u00fc\u00dft. An der Ausreise gehindert wurden sie oftmals dennoch nicht. Die Gefahr, die von deutschen Terroristen ausgeht, interessierte Politik und \u00d6ffentlichkeit erst dann wieder, als ihre Einreise drohte.<\/p>\n\n\n\n

\"Fabian
Fabian Goldmann<\/strong> ist Journalist und Islamwissenschaftler. F\u00fcr verschiedene Magazine und Zeitungen berichtete er viele Jahre aus Nahost. Zurzeit widmet er sich vor allem dem Islam diesseits des Bosporus. Auf seinem Blog Schantall und die Scharia<\/a> bloggt er \u00fcber Islamophobie in Deutschland.<\/p>\n","post_title":"Es sind unsere Terroristen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"es-sind-unsere-terroristen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3703","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3700,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:19:36","post_date_gmt":"2020-08-13 21:19:36","post_content":"\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda? Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda t<\/p>\n\n\n\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda tritt an die Stelle der 2010 verabschiedeten Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014 (siehe IP\/10\/1535<\/a>). In der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda f\u00fcr den Zeitraum 2015-2020 skizziert die Europ\u00e4ische Kommission die Strategie der Union zur Bew\u00e4ltigung der Sicherheitsbedrohungen in der EU.<\/p>\n\n\n\n

Die EU und ihre Mitgliedstaaten sind mit betr\u00e4chtlichen Sicherheitsproblemen konfrontiert. Terrorismus, organisierte Kriminalit\u00e4t und Cyberkriminalit\u00e4t stellen eine zunehmende Gefahr f\u00fcr die europ\u00e4ische Gesellschaft dar, wobei sich Art und Ausma\u00df dieser Gefahr ver\u00e4ndert hat. Europa ist mit den Auswirkungen der politischen Instabilit\u00e4t in seiner unmittelbaren Nachbarschaft konfrontiert, die die Sicherheitsinteressen der EU gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n

Im Zuge der Krisen und Konflikte in Syrien, Irak und Libyen haben sich europ\u00e4ische B\u00fcrger terroristischen Gruppen angeschlossen, die bei ihrer R\u00fcckkehr eine erhebliche Bedrohung darstellen k\u00f6nnen. Die j\u00fcngsten terroristischen Anschl\u00e4ge in Europa zeugen von der zunehmenden Bedrohung durch einen gewaltt\u00e4tigen Extremismus und zeigen, in welchem Ausma\u00df weltweite Konflikte zur Radikalisierung der europ\u00e4ischen B\u00fcrger beitragen.<\/p>\n\n\n\n

Das Online-Umfeld hat sich zunehmend als Ziel f\u00fcr Kriminelle und Terroristen entwickelt. Unabh\u00e4ngig davon, ob es um die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und die Anwerbung von Menschen f\u00fcr terroristische Organisationen geht oder die Verbreitung von Hass oder einen Angriff auf die europ\u00e4ischen Werte und Institutionen, fest steht, dass wir unsere Reaktion auf diese Bedrohungen unbedingt abstimmen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Welcher Mehrwert entsteht durch die EU im Bereich der inneren Sicherheit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Gew\u00e4hrleistung der inneren Sicherheit f\u00e4llt weiterhin in erster Linie in die Zust\u00e4ndigkeit der Mitgliedstaaten. Allerdings werden die Bedrohungen f\u00fcr Europas B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger immer vielf\u00e4ltiger und betreffen in zunehmendem Ma\u00dfe mehrere Mitgliedstaaten. Einzelne Mitgliedstaaten haben die Verantwortung, die Sicherheit an den Au\u00dfengrenzen zu gew\u00e4hrleisten, sind aber nicht mehr in der Lage, diese Herausforderungen allein zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n

Kriminelle und terroristische Aktivit\u00e4ten machen nicht an den Grenzen der EU halt und beschr\u00e4nken sich auch nicht auf Nachbarregionen. Die innere Sicherheit der EU und die globale Sicherheit sind voneinander abh\u00e4ngig und miteinander verkn\u00fcpft. Die Sicherheit der Union h\u00e4ngt in hohem Ma\u00dfe von der Zusammenarbeit mit ihren internationalen Partnern und ihren Nachbarl\u00e4ndern ab.<\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t und des Terrorismus ist eine gemeinsame europ\u00e4ische Aufgabe. Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda sollte von den Mitgliedstaaten und den EU-Organen gemeinsam als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und gemeinsame Ma\u00dfnahmen der Union genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n

Mit Hilfe der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda werden die Polizei- und Strafverfolgungsdienste in verschiedenen Mitgliedstaaten Daten effektiver austauschen und bei der Bek\u00e4mpfung der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t besser zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Die Mitgliedstaaten k\u00f6nnen auf die Unterst\u00fctzung durch die Agenturen der EU z\u00e4hlen. Insbesondere in folgenden Punkten l\u00e4sst sich mit Hilfe der Sicherheitsagenda ein EU-Mehrwert erzielen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n

A) Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und den EU-Agenturen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1<\/strong>: Das Schengener Informationssystem<\/strong> (SIS) wird von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Abfrage von Ausschreibungen von gesuchten oder vermissten Personen und Gegenst\u00e4nden genutzt. Die Kommission wird an der Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Ausschreibungskategorien arbeiten und sich daf\u00fcr einsetzen, dass das SIS zusammen mit der Interpol-Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD)<\/strong> umfassender genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Thomas hat heute einen modernen Haarschnitt; der Nacken ist ausrasiert; der lange Pony in die Stirn gek\u00e4mmt. Im Sommer sah er noch anders aus, kurz nachdem Mosul befreit worden war. Bei einem Luftangriff der Anti-\u201eIS\u201c-Koalition wurde Thomas schwer verletzt aus Tr\u00fcmmern geborgen, dann operiert.<\/p>\n\n\n\n

\"ThomasThomas erholt sich von drei Jahren IS-Gefangenschaft. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

Arbeit mit \u201eDschihadisten-Kindern\u201c<\/h2>\n\n\n\n

Die \u00e4u\u00dferen Wunden sind heute verheilt. Doch wie sieht es aus mit den inneren, den seelischen Verletzungen? Thomas wurde von seiner Familie aufgenommen und bekommt Hilfe. Andere Kinder konnten nicht aufgefangen werden. Bis heute betrachten sie Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c \u2013 so wie es ihnen in der Geiselhaft eingeh\u00e4mmert wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie sind eine gro\u00dfe Gefahr f\u00fcr andere Kinder. Sie leben in Lagern, in einem Zelt, auf sechs mal vier Metern, oder noch weniger! Acht Geschwister, sie spielen zusammen, reden, sie indoktrinieren die anderen! Das ist ein Problem, das wir nicht l\u00f6sen k\u00f6nnen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Sara Hassan ist Sozialarbeiterin. Sie arbeitet in den Lagern, versucht M\u00e4dchen und Frauen, die jahrelang in Geiselhaft vergewaltigt wurden, zu helfen. Unz\u00e4hlige hatte der \u201eIS\u201c einst entf\u00fchrt. Sara arbeitet auch mit den sogenannten \u201eDschihadisten-Kindern\u201c. Sie erz\u00e4hlt, wie \u00fcberfordert alle seien: die Familien, die jesidische Gemeinschaft, die Gesellschaft des Nord-Irak.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIn einem anderen Fall hat sich die Familie am Ende an die Sicherheitskr\u00e4fte gewandt. Doch die wussten auch nicht, wie sie damit umgehen sollten. Monate lang hat die Familie versucht, den Jungen umzuerziehen, zusammen mit Sozialarbeitern. Aber noch immer sehen wir den Hass in seinen Augen \u2013 gegen\u00fcber Kurden, Christen und Jesiden. Als blicke man in die Augen eines IS-Terroristen. Das ist das Problem.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Die Jesiden k\u00f6nnen \u00fcber ihre vom \u201eIS\u201c indoktrinierten Kinder sprechen. Denn niemand zweifelt daran, dass sie Opfer der Tyrannei wurden. Bei den sunnitischen Arabern sieht das anders aus. Da sie derselben Religionsgruppe angeh\u00f6ren wie formal auch die Terroristen, stehen sie unter Generalverdacht, mit dem \u201eIS\u201c gemeinsame Sache gemacht zu haben. Sunnitische Araber trauen sich daher nicht, die Probleme ihrer Kinder \u00f6ffentlich zu machen \u2013 auch wenn sie selbst nichts mit dem \u201eIS\u201c zu tun hatten.<\/p>\n\n\n\n

Unklar ist, wie viele Kinder und Jugendliche im Irak und in Syrien zu Terroristen ausgebildet wurden, dabei noch in Geiselhaft sind oder bereits als \u201eSchl\u00e4fer\u201c darauf warten, zum Einsatz zu kommen. Sie gleichen \u201etickenden Zeitbomben\u201c, die jederzeit explodieren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

Minderheiten haben Angst vor \u201eIS\u201c-Nachfolgern<\/h2>\n\n\n\n

Kamaran Palani spricht davon, dass viele Menschen immer noch gehen wollen, obwohl der \u201eIS\u201c als staats\u00e4hnliches Gebilde nicht mehr besteht. Seine Saat aber, so der Politikwissenschaftler, sei aufgegangen.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollen einfach nicht in diesem Land bleiben. Der IS hat sie dazu gebracht. Jeder hat heute Angst, dass eine andere Organisation kommen wird, Terroristen, die dasselbe anrichten wie zuvor.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Palani forscht am \u201eMiddle East Research Institute\u201c, das seinen Sitz in Erbil hat, der Hauptstadt von Irakisch-Kurdistan. <\/p>\n\n\n\n

\u201e60 bis 65 Prozent der Christen wollen gehen. Das Gleiche gilt f\u00fcr andere Minderheiten: f\u00fcr Jesiden, Schabaks, Turkmenen, Kakais.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

\u201eWir werden niemals wieder mit den Arabern zusammenleben k\u00f6nnen!\u201c \u2013 ein Satz, der heute h\u00e4ufig im Nord-Irak zu h\u00f6ren ist. Gemeint sind die Iraker, die Sunniten und Araber sind \u2013 die einstmals Nachbarn von Jesiden, Christen und Kurden waren \u2013 mit denen man Handel trieb und Hochzeiten feierte, die auch Freunde waren.<\/p>\n\n\n\n

Der Irak ist eine multi-ethnische und multi-religi\u00f6se Gesellschaft, in der die Schiiten die Mehrheit stellen. \u00dcber Jahrhunderte aber hatten die sunnitischen Araber das Sagen, sie missbrauchten die Macht, errichteten ein Schreckensregime \u2013 bis 2003, als Diktator Saddam Hussein von den USA gest\u00fcrzt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c entstand aus Widerstand gegen Schiiten-Herrschaft<\/h2>\n\n\n\n

Jetzt wurde der Spie\u00df umgedreht. Die Amerikaner sorgten daf\u00fcr, dass die Sunniten jegliche Machtposition verloren \u2013 so wurde die irakische Armee, wurde die baathistische Partei aufgel\u00f6st \u2013 ohne ein Pendant zu schaffen, das alle integrierte. Und: Washington unterst\u00fctzte Regierungschef Nouri al-Maliki, einen Schiiten. Maliki sah eine historische Chance gekommen, diskriminierte nun seinerseits seine sunnitischen Landsleute, verwehrte ihnen im \u201eNeuen Irak\u201c die Mitsprache. Im Regime Malikis wurden Sunniten inhaftiert, gefoltert und umgebracht.<\/p>\n\n\n\n

Was viele in den Widerstand trieb. Einige schlossen sich der Terror-Organisation \u201eAl-Qaida\u201c an, unter ihnen f\u00fchrende Milit\u00e4rs der aufgel\u00f6sten Armee Saddam Husseins \u2013 und aus \u201eAl-Qaida\u201c ging sp\u00e4ter der \u201eIS\u201c hervor.<\/p>\n\n\n\n

Als der \u201eIS\u201c dann im Sommer 2014 fast ohne Gegenwehr weite Landstriche in Syrien und im Irak \u00fcberrannte und seinen \u201eStaat\u201c ausrief, sahen auch gew\u00f6hnliche sunnitische Araber einen Wechsel nahen. Viele machten gemeinsame Sache mit den Terroristen, verhinderten die Flucht jesidischer Nachbarn, lieferten sie ihren Schl\u00e4chtern aus. Kamaran Palani:<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c-K\u00e4mpfer haben gesagt, es gehe darum, die W\u00fcrde der sunnitischen Araber wiederherzustellen. Ihre Macht. Ihre Geschichte. Tats\u00e4chlich konnten es die Araber nicht hinnehmen, dass sie ins Abseits gedr\u00e4ngt wurden. Und ich denke, dass sie auch in Zukunft so handeln werden. Wann immer sich die Gelegenheit bietet: Sie werden alles hinter sich lassen \u2013 sich nur darauf konzentrieren.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Misstrauen. Auch bei einem Politikwissenschaftler. Was also tun? Zerst\u00f6rte St\u00e4dte und D\u00f6rfer k\u00f6nnten wieder aufgebaut werden \u2013 wenn denn ein gemeinsamer Wille best\u00fcnde. Doch was, wenn es einen solchen gemeinsamen Willen gar nicht gibt? Wenn Schmerz und Trauer anhalten, wenn die Verbrechen von Terroristen und Helfershelfern nicht geahndet werden, wenn Angst umgeht, Misstrauen und Hass das Miteinander bestimmen.<\/p>\n\n\n\n

\"SyrischeSoldaten in der irakischen Stadt Sindschar nach der R\u00fcckeroberung von der IS-Miliz Ende 2015. (dpa \/ MAXPPP \/ Arnaud Dumontier)<\/p>\n\n\n\n

Kamaran Palani stammt aus der Stadt Makhmour. Drei Tage nur sei der \u201eIS\u201c dort gewesen, sagt er, doch diese Tage h\u00e4tten alles ver\u00e4ndert. Der \u201eIS\u201c habe die Menschen in seiner Heimatstadt verrohen lassen, meint er, das Verh\u00e4ltnis zwischen Kurden und Arabern sei heute tot. Eine R\u00fcckkehr in alte Zeiten h\u00e4lt Palani f\u00fcr falsch.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch denke, es w\u00e4re nicht einfach, in das Jahr 2014 \u2013 also in die Zeit vor dem \u201aIS\u2018 \u2013 zur\u00fcckzukehren. Vor allem aber w\u00e4re es nicht die richtige Politik. Denn eben die hat ja erst zum Aufkommen, zur Existenz des \u201aIS\u2018 gef\u00fchrt.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n


Wie also in Ruinen Neues schaffen? Der Staat muss das Gewaltmonopol zur\u00fcckerlangen, fordert der Politikwissenschaftler. F\u00fcr ihn steht das an erster Stelle. Und dann m\u00fcsse der Staat dringend einen Kurswechsel vornehmen: Er m\u00fcsse integrativ wirken, alle einbinden, auch die Araber, in Sicherheitskr\u00e4fte, Verwaltung und Politik.<\/p>\n\n\n\n

Machtmonopol m\u00fcsste von Milizen zum Staat gehen<\/h2>\n\n\n\n

Die Realit\u00e4t sieht anders aus: Ein Staat Kurdistan, der neue Optionen m\u00f6glich gemacht h\u00e4tte, auch von den Minderheiten gew\u00fcnscht worden war, ist nicht entstanden. Bagdad aber ist fern, der Zentralstaat kaum existent, und wenn, dann ist er schiitisch dominiert. Es sind Milizen, die im Nord-Irak das Geschehen bestimmen, darum rivalisieren, das Machtvakuum zu f\u00fcllen, das durch die Vertreibung des \u201eIS\u201c entstanden ist. Einst im Kampf gegen die Terroristen geeint, sind die Milizen einander heute feind.<\/p>\n\n\n\n

Allen voran die \u201eHashd ash-Shaabi\u201c, schiitisch-irakische Milizen, deren Ausbilder und Kommandeure h\u00e4ufig Iraner sind. Bagdad hat die Haschd als regul\u00e4re Kraft im Kampf gegen den \u201eIS\u201c anerkannt \u2013 obwohl Menschenrechts-Organisationen schwere Vorw\u00fcrfe gegen sie erheben. Fest steht: Die schiitischen Milizen halten D\u00f6rfer besetzt, sind in Mosul f\u00fcr ihr herrisches Auftreten und ihre Willk\u00fcr bekannt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eTats\u00e4chlich sorgen die verschiedenen bewaffneten Gruppen daf\u00fcr, dass die Fl\u00fcchtlinge nicht zur\u00fcckkehren. Und weil sie nicht zur\u00fcckkehren, gibt es auch keinen Wiederaufbau. Die Menschen haben Angst vor den Milizen \u2013 auch davor, dass die einander bek\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die \u201eHashd\u201c m\u00fcssten mithin abziehen. Und mit ihnen die anderen Milizen. Das Machtmonopol m\u00fcsste an den Staat gehen. Doch der Irak ist auch Spielball der Regionalm\u00e4chte: Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien. Sie konkurrieren um Einfluss-Sph\u00e4ren, bedienen sich dabei verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Gruppen im Irak. Deswegen werden die Hashd nicht abziehen. Derzeit sind sie von der iranisch-irakischen Grenze im Osten \u00fcber Bagdad bis hoch zur irakisch-syrischen Grenze im Norden postiert. Einheiten Teherans k\u00f6nnten demnach auf dem Landweg vom Iran bis ans Mittelmeer durchmarschieren.<\/p>\n\n\n\n

Iran und Saudi-Arabien wollen Macht vergr\u00f6\u00dfern<\/h2>\n\n\n\n

Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n

In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n

Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3703,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:24:20","post_date_gmt":"2020-08-13 21:24:20","post_content":"\n

Deutschland str\u00e4ubt sich gegen die R\u00fcckkehr seiner eigenen Staatsb\u00fcrger, die zu IS-Terroristen wurden. Dabei hat die Bundesrepublik den Terror und die Terroristen einst exportiert. Und dies geschah wissentlich, sagt der Islamwissenschaftler Fabian Goldmann.<\/p>\n\n\n\n

Wann haben Sie sich eigentlich zuletzt von deutschen Terroristen distanziert? Zum Beispiel von Robert B.? Der Ex-Bundeswehrsoldat aus Solingen hat mutma\u00dflich bei einem Selbstmordattentat Anfang 2014 50 Menschen mit in den Tod gerissen. <\/p>\n\n\n\n

Oder von Yannik N.? Der junge Freiburger steuerte wahrscheinlich im Jahr 2015 einen mit anderthalb Tonnen Sprengstoff beladenen LKW in eine Menschenmenge und nahm so Dutzenden Personen das Leben.<\/p>\n\n\n\n

Oder von Yamin A.?. Im Sommer 2015 tauchte im Netz ein Video auf, das zeigte, wie der ehemalige Telekom-Azubi aus K\u00f6nigswinter zwei gefesselten Soldaten in den Kopf schoss.
Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Deutsche T\u00e4ter, aber kaum deutsche Opfer<\/h2>\n\n\n\n

Hauptsache nicht bei uns! Dies scheint auch dieser Tage wieder die Maxime zu sein, wenn Politiker und \u00d6ffentlichkeit \u00fcber den Umgang mit deutschen Terroristen diskutieren. Von potenziellen Bedrohungen und Anschlagsgefahren in Deutschland liest man dann. Vom ganz realen Terror, den Deutsche in den vergangenen Jahren \u00fcber die Menschen in Syrien und Irak gebracht haben, h\u00f6rt man hingegen kaum. Ein Terror, der kaum deutsche Opfer aber umso mehr deutsche T\u00e4ter kannte.<\/p>\n\n\n\n

1.050 \u2013 das ist laut Bundesinnenministerium die Anzahl der Dschihadisten, die in den letzten Jahren die Bundesrepublik in Richtung Nahost verlassen hat. Es f\u00e4llt schwer, sich umgekehrtes Szenario \u00fcberhaupt auszumalen. Was w\u00e4re wohl los, h\u00e4tte es nur ein Bruchteil arabischer Terroristen geschafft, bei uns Anschl\u00e4ge zu begehen? Europas \u201eMuslim Bann\u201c? \u00dcberwachungsstaat auf NSA-Niveau?<\/p>\n\n\n\n

Die CSU st\u00fcnde wom\u00f6glich am linken Ende des politischen Spektrums, und auf Twitter w\u00fcrde Trump deutsche Migrationspolitiker zur M\u00e4\u00dfigung aufrufen. Der deutsche Terror in Nahost kommt hingegen seit Jahren ganz ohne Sondersendungen, politische Debatten und Distanzierungsforderungen aus. <\/p>\n\n\n\n

Deutsche K\u00e4mpfer waren nicht nur willenloses Kanonenfutter<\/h2>\n\n\n\n

An fehlendem Wissen liegt das nicht. Von ganzen Einheiten des IS, in denen kein einziger K\u00e4mpfer Arabisch spreche, berichten syrische, irakische und kurdische Soldaten schon seit Jahren. Von Aleppo \u00fcber Raqqa bis Mossul haben Aktivisten und Politiker immer wieder darauf hingewiesen, dass viele der schlimmsten M\u00f6rder in den Reihen des IS Europ\u00e4er sind. Interessiert hat das hier kaum jemand.<\/p>\n\n\n\n

Dabei dienten Deutsche dem Islamischen Staats nicht nur als willenloses Kanonenfutter, wie es oft dargestellt wird. Viele haben seinen Terror mitgepr\u00e4gt. Wie Martin L., der derzeit in kurdischer Haft sitzt. Der Schwei\u00dfer aus Sachsen-Anhalt soll sich vom Folterknecht bis zum Geheimdienstler mit Kontakten bis in die F\u00fchrungsspitze der Terrororganisation hochgearbeitet haben.<\/p>\n\n\n\n

Oder Reda S., Der Prediger aus Berlin-Charlottenburg soll dem IS in Mossul als Bildungsminister gedient haben. Oder der Berliner Ex-Rapper Denis Cuspert, der zu den wichtigsten Personen in der IS-Medienorganisation Al-Hayat geh\u00f6rte. Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Beh\u00f6rden wussten gut Bescheid<\/h2>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich entstand der Islamische Staat nicht in deutschen Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen. Zur deutschen Verantwortung geh\u00f6rt aber auch, dass Politiker und Beh\u00f6rden lange wegschauten, solang nur die T\u00e4ter, aber nicht die Opfer Deutsche waren. Beh\u00f6rden wissen und wussten erschreckend gut Bescheid \u00fcber die Radikalisierung deutscher Islamisten. Ein Gro\u00dfteil der sp\u00e4teren IS-K\u00e4mpfer war polizeibekannt, stand auf Gef\u00e4hrderlisten oder hatte wegen islamistischer Straftaten bereits Haftstrafen verb\u00fc\u00dft. An der Ausreise gehindert wurden sie oftmals dennoch nicht. Die Gefahr, die von deutschen Terroristen ausgeht, interessierte Politik und \u00d6ffentlichkeit erst dann wieder, als ihre Einreise drohte.<\/p>\n\n\n\n

\"Fabian
Fabian Goldmann<\/strong> ist Journalist und Islamwissenschaftler. F\u00fcr verschiedene Magazine und Zeitungen berichtete er viele Jahre aus Nahost. Zurzeit widmet er sich vor allem dem Islam diesseits des Bosporus. Auf seinem Blog Schantall und die Scharia<\/a> bloggt er \u00fcber Islamophobie in Deutschland.<\/p>\n","post_title":"Es sind unsere Terroristen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"es-sind-unsere-terroristen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3703","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3700,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:19:36","post_date_gmt":"2020-08-13 21:19:36","post_content":"\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda? Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda t<\/p>\n\n\n\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda tritt an die Stelle der 2010 verabschiedeten Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014 (siehe IP\/10\/1535<\/a>). In der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda f\u00fcr den Zeitraum 2015-2020 skizziert die Europ\u00e4ische Kommission die Strategie der Union zur Bew\u00e4ltigung der Sicherheitsbedrohungen in der EU.<\/p>\n\n\n\n

Die EU und ihre Mitgliedstaaten sind mit betr\u00e4chtlichen Sicherheitsproblemen konfrontiert. Terrorismus, organisierte Kriminalit\u00e4t und Cyberkriminalit\u00e4t stellen eine zunehmende Gefahr f\u00fcr die europ\u00e4ische Gesellschaft dar, wobei sich Art und Ausma\u00df dieser Gefahr ver\u00e4ndert hat. Europa ist mit den Auswirkungen der politischen Instabilit\u00e4t in seiner unmittelbaren Nachbarschaft konfrontiert, die die Sicherheitsinteressen der EU gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n

Im Zuge der Krisen und Konflikte in Syrien, Irak und Libyen haben sich europ\u00e4ische B\u00fcrger terroristischen Gruppen angeschlossen, die bei ihrer R\u00fcckkehr eine erhebliche Bedrohung darstellen k\u00f6nnen. Die j\u00fcngsten terroristischen Anschl\u00e4ge in Europa zeugen von der zunehmenden Bedrohung durch einen gewaltt\u00e4tigen Extremismus und zeigen, in welchem Ausma\u00df weltweite Konflikte zur Radikalisierung der europ\u00e4ischen B\u00fcrger beitragen.<\/p>\n\n\n\n

Das Online-Umfeld hat sich zunehmend als Ziel f\u00fcr Kriminelle und Terroristen entwickelt. Unabh\u00e4ngig davon, ob es um die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und die Anwerbung von Menschen f\u00fcr terroristische Organisationen geht oder die Verbreitung von Hass oder einen Angriff auf die europ\u00e4ischen Werte und Institutionen, fest steht, dass wir unsere Reaktion auf diese Bedrohungen unbedingt abstimmen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Welcher Mehrwert entsteht durch die EU im Bereich der inneren Sicherheit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Gew\u00e4hrleistung der inneren Sicherheit f\u00e4llt weiterhin in erster Linie in die Zust\u00e4ndigkeit der Mitgliedstaaten. Allerdings werden die Bedrohungen f\u00fcr Europas B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger immer vielf\u00e4ltiger und betreffen in zunehmendem Ma\u00dfe mehrere Mitgliedstaaten. Einzelne Mitgliedstaaten haben die Verantwortung, die Sicherheit an den Au\u00dfengrenzen zu gew\u00e4hrleisten, sind aber nicht mehr in der Lage, diese Herausforderungen allein zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n

Kriminelle und terroristische Aktivit\u00e4ten machen nicht an den Grenzen der EU halt und beschr\u00e4nken sich auch nicht auf Nachbarregionen. Die innere Sicherheit der EU und die globale Sicherheit sind voneinander abh\u00e4ngig und miteinander verkn\u00fcpft. Die Sicherheit der Union h\u00e4ngt in hohem Ma\u00dfe von der Zusammenarbeit mit ihren internationalen Partnern und ihren Nachbarl\u00e4ndern ab.<\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t und des Terrorismus ist eine gemeinsame europ\u00e4ische Aufgabe. Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda sollte von den Mitgliedstaaten und den EU-Organen gemeinsam als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und gemeinsame Ma\u00dfnahmen der Union genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n

Mit Hilfe der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda werden die Polizei- und Strafverfolgungsdienste in verschiedenen Mitgliedstaaten Daten effektiver austauschen und bei der Bek\u00e4mpfung der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t besser zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Die Mitgliedstaaten k\u00f6nnen auf die Unterst\u00fctzung durch die Agenturen der EU z\u00e4hlen. Insbesondere in folgenden Punkten l\u00e4sst sich mit Hilfe der Sicherheitsagenda ein EU-Mehrwert erzielen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n

A) Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und den EU-Agenturen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1<\/strong>: Das Schengener Informationssystem<\/strong> (SIS) wird von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Abfrage von Ausschreibungen von gesuchten oder vermissten Personen und Gegenst\u00e4nden genutzt. Die Kommission wird an der Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Ausschreibungskategorien arbeiten und sich daf\u00fcr einsetzen, dass das SIS zusammen mit der Interpol-Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD)<\/strong> umfassender genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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\u201eSie haben uns st\u00e4ndig geschlagen. Wir mussten Schie\u00dfen \u00fcben. Zwei meiner Freunde haben sich in die Luft gesprengt. Sie sind zum Training. Doch sie kamen nicht zur\u00fcck. Ich war nicht traurig. Sie wollten sich ja in die Luft sprengen. Die \u201aIS\u2018-Leute hatten es nicht von ihnen verlangt. Sie sind freiwillig gegangen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas hat heute einen modernen Haarschnitt; der Nacken ist ausrasiert; der lange Pony in die Stirn gek\u00e4mmt. Im Sommer sah er noch anders aus, kurz nachdem Mosul befreit worden war. Bei einem Luftangriff der Anti-\u201eIS\u201c-Koalition wurde Thomas schwer verletzt aus Tr\u00fcmmern geborgen, dann operiert.<\/p>\n\n\n\n

\"ThomasThomas erholt sich von drei Jahren IS-Gefangenschaft. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

Arbeit mit \u201eDschihadisten-Kindern\u201c<\/h2>\n\n\n\n

Die \u00e4u\u00dferen Wunden sind heute verheilt. Doch wie sieht es aus mit den inneren, den seelischen Verletzungen? Thomas wurde von seiner Familie aufgenommen und bekommt Hilfe. Andere Kinder konnten nicht aufgefangen werden. Bis heute betrachten sie Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c \u2013 so wie es ihnen in der Geiselhaft eingeh\u00e4mmert wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie sind eine gro\u00dfe Gefahr f\u00fcr andere Kinder. Sie leben in Lagern, in einem Zelt, auf sechs mal vier Metern, oder noch weniger! Acht Geschwister, sie spielen zusammen, reden, sie indoktrinieren die anderen! Das ist ein Problem, das wir nicht l\u00f6sen k\u00f6nnen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Sara Hassan ist Sozialarbeiterin. Sie arbeitet in den Lagern, versucht M\u00e4dchen und Frauen, die jahrelang in Geiselhaft vergewaltigt wurden, zu helfen. Unz\u00e4hlige hatte der \u201eIS\u201c einst entf\u00fchrt. Sara arbeitet auch mit den sogenannten \u201eDschihadisten-Kindern\u201c. Sie erz\u00e4hlt, wie \u00fcberfordert alle seien: die Familien, die jesidische Gemeinschaft, die Gesellschaft des Nord-Irak.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIn einem anderen Fall hat sich die Familie am Ende an die Sicherheitskr\u00e4fte gewandt. Doch die wussten auch nicht, wie sie damit umgehen sollten. Monate lang hat die Familie versucht, den Jungen umzuerziehen, zusammen mit Sozialarbeitern. Aber noch immer sehen wir den Hass in seinen Augen \u2013 gegen\u00fcber Kurden, Christen und Jesiden. Als blicke man in die Augen eines IS-Terroristen. Das ist das Problem.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Die Jesiden k\u00f6nnen \u00fcber ihre vom \u201eIS\u201c indoktrinierten Kinder sprechen. Denn niemand zweifelt daran, dass sie Opfer der Tyrannei wurden. Bei den sunnitischen Arabern sieht das anders aus. Da sie derselben Religionsgruppe angeh\u00f6ren wie formal auch die Terroristen, stehen sie unter Generalverdacht, mit dem \u201eIS\u201c gemeinsame Sache gemacht zu haben. Sunnitische Araber trauen sich daher nicht, die Probleme ihrer Kinder \u00f6ffentlich zu machen \u2013 auch wenn sie selbst nichts mit dem \u201eIS\u201c zu tun hatten.<\/p>\n\n\n\n

Unklar ist, wie viele Kinder und Jugendliche im Irak und in Syrien zu Terroristen ausgebildet wurden, dabei noch in Geiselhaft sind oder bereits als \u201eSchl\u00e4fer\u201c darauf warten, zum Einsatz zu kommen. Sie gleichen \u201etickenden Zeitbomben\u201c, die jederzeit explodieren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

Minderheiten haben Angst vor \u201eIS\u201c-Nachfolgern<\/h2>\n\n\n\n

Kamaran Palani spricht davon, dass viele Menschen immer noch gehen wollen, obwohl der \u201eIS\u201c als staats\u00e4hnliches Gebilde nicht mehr besteht. Seine Saat aber, so der Politikwissenschaftler, sei aufgegangen.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollen einfach nicht in diesem Land bleiben. Der IS hat sie dazu gebracht. Jeder hat heute Angst, dass eine andere Organisation kommen wird, Terroristen, die dasselbe anrichten wie zuvor.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Palani forscht am \u201eMiddle East Research Institute\u201c, das seinen Sitz in Erbil hat, der Hauptstadt von Irakisch-Kurdistan. <\/p>\n\n\n\n

\u201e60 bis 65 Prozent der Christen wollen gehen. Das Gleiche gilt f\u00fcr andere Minderheiten: f\u00fcr Jesiden, Schabaks, Turkmenen, Kakais.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

\u201eWir werden niemals wieder mit den Arabern zusammenleben k\u00f6nnen!\u201c \u2013 ein Satz, der heute h\u00e4ufig im Nord-Irak zu h\u00f6ren ist. Gemeint sind die Iraker, die Sunniten und Araber sind \u2013 die einstmals Nachbarn von Jesiden, Christen und Kurden waren \u2013 mit denen man Handel trieb und Hochzeiten feierte, die auch Freunde waren.<\/p>\n\n\n\n

Der Irak ist eine multi-ethnische und multi-religi\u00f6se Gesellschaft, in der die Schiiten die Mehrheit stellen. \u00dcber Jahrhunderte aber hatten die sunnitischen Araber das Sagen, sie missbrauchten die Macht, errichteten ein Schreckensregime \u2013 bis 2003, als Diktator Saddam Hussein von den USA gest\u00fcrzt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c entstand aus Widerstand gegen Schiiten-Herrschaft<\/h2>\n\n\n\n

Jetzt wurde der Spie\u00df umgedreht. Die Amerikaner sorgten daf\u00fcr, dass die Sunniten jegliche Machtposition verloren \u2013 so wurde die irakische Armee, wurde die baathistische Partei aufgel\u00f6st \u2013 ohne ein Pendant zu schaffen, das alle integrierte. Und: Washington unterst\u00fctzte Regierungschef Nouri al-Maliki, einen Schiiten. Maliki sah eine historische Chance gekommen, diskriminierte nun seinerseits seine sunnitischen Landsleute, verwehrte ihnen im \u201eNeuen Irak\u201c die Mitsprache. Im Regime Malikis wurden Sunniten inhaftiert, gefoltert und umgebracht.<\/p>\n\n\n\n

Was viele in den Widerstand trieb. Einige schlossen sich der Terror-Organisation \u201eAl-Qaida\u201c an, unter ihnen f\u00fchrende Milit\u00e4rs der aufgel\u00f6sten Armee Saddam Husseins \u2013 und aus \u201eAl-Qaida\u201c ging sp\u00e4ter der \u201eIS\u201c hervor.<\/p>\n\n\n\n

Als der \u201eIS\u201c dann im Sommer 2014 fast ohne Gegenwehr weite Landstriche in Syrien und im Irak \u00fcberrannte und seinen \u201eStaat\u201c ausrief, sahen auch gew\u00f6hnliche sunnitische Araber einen Wechsel nahen. Viele machten gemeinsame Sache mit den Terroristen, verhinderten die Flucht jesidischer Nachbarn, lieferten sie ihren Schl\u00e4chtern aus. Kamaran Palani:<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c-K\u00e4mpfer haben gesagt, es gehe darum, die W\u00fcrde der sunnitischen Araber wiederherzustellen. Ihre Macht. Ihre Geschichte. Tats\u00e4chlich konnten es die Araber nicht hinnehmen, dass sie ins Abseits gedr\u00e4ngt wurden. Und ich denke, dass sie auch in Zukunft so handeln werden. Wann immer sich die Gelegenheit bietet: Sie werden alles hinter sich lassen \u2013 sich nur darauf konzentrieren.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Misstrauen. Auch bei einem Politikwissenschaftler. Was also tun? Zerst\u00f6rte St\u00e4dte und D\u00f6rfer k\u00f6nnten wieder aufgebaut werden \u2013 wenn denn ein gemeinsamer Wille best\u00fcnde. Doch was, wenn es einen solchen gemeinsamen Willen gar nicht gibt? Wenn Schmerz und Trauer anhalten, wenn die Verbrechen von Terroristen und Helfershelfern nicht geahndet werden, wenn Angst umgeht, Misstrauen und Hass das Miteinander bestimmen.<\/p>\n\n\n\n

\"SyrischeSoldaten in der irakischen Stadt Sindschar nach der R\u00fcckeroberung von der IS-Miliz Ende 2015. (dpa \/ MAXPPP \/ Arnaud Dumontier)<\/p>\n\n\n\n

Kamaran Palani stammt aus der Stadt Makhmour. Drei Tage nur sei der \u201eIS\u201c dort gewesen, sagt er, doch diese Tage h\u00e4tten alles ver\u00e4ndert. Der \u201eIS\u201c habe die Menschen in seiner Heimatstadt verrohen lassen, meint er, das Verh\u00e4ltnis zwischen Kurden und Arabern sei heute tot. Eine R\u00fcckkehr in alte Zeiten h\u00e4lt Palani f\u00fcr falsch.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch denke, es w\u00e4re nicht einfach, in das Jahr 2014 \u2013 also in die Zeit vor dem \u201aIS\u2018 \u2013 zur\u00fcckzukehren. Vor allem aber w\u00e4re es nicht die richtige Politik. Denn eben die hat ja erst zum Aufkommen, zur Existenz des \u201aIS\u2018 gef\u00fchrt.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n


Wie also in Ruinen Neues schaffen? Der Staat muss das Gewaltmonopol zur\u00fcckerlangen, fordert der Politikwissenschaftler. F\u00fcr ihn steht das an erster Stelle. Und dann m\u00fcsse der Staat dringend einen Kurswechsel vornehmen: Er m\u00fcsse integrativ wirken, alle einbinden, auch die Araber, in Sicherheitskr\u00e4fte, Verwaltung und Politik.<\/p>\n\n\n\n

Machtmonopol m\u00fcsste von Milizen zum Staat gehen<\/h2>\n\n\n\n

Die Realit\u00e4t sieht anders aus: Ein Staat Kurdistan, der neue Optionen m\u00f6glich gemacht h\u00e4tte, auch von den Minderheiten gew\u00fcnscht worden war, ist nicht entstanden. Bagdad aber ist fern, der Zentralstaat kaum existent, und wenn, dann ist er schiitisch dominiert. Es sind Milizen, die im Nord-Irak das Geschehen bestimmen, darum rivalisieren, das Machtvakuum zu f\u00fcllen, das durch die Vertreibung des \u201eIS\u201c entstanden ist. Einst im Kampf gegen die Terroristen geeint, sind die Milizen einander heute feind.<\/p>\n\n\n\n

Allen voran die \u201eHashd ash-Shaabi\u201c, schiitisch-irakische Milizen, deren Ausbilder und Kommandeure h\u00e4ufig Iraner sind. Bagdad hat die Haschd als regul\u00e4re Kraft im Kampf gegen den \u201eIS\u201c anerkannt \u2013 obwohl Menschenrechts-Organisationen schwere Vorw\u00fcrfe gegen sie erheben. Fest steht: Die schiitischen Milizen halten D\u00f6rfer besetzt, sind in Mosul f\u00fcr ihr herrisches Auftreten und ihre Willk\u00fcr bekannt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eTats\u00e4chlich sorgen die verschiedenen bewaffneten Gruppen daf\u00fcr, dass die Fl\u00fcchtlinge nicht zur\u00fcckkehren. Und weil sie nicht zur\u00fcckkehren, gibt es auch keinen Wiederaufbau. Die Menschen haben Angst vor den Milizen \u2013 auch davor, dass die einander bek\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die \u201eHashd\u201c m\u00fcssten mithin abziehen. Und mit ihnen die anderen Milizen. Das Machtmonopol m\u00fcsste an den Staat gehen. Doch der Irak ist auch Spielball der Regionalm\u00e4chte: Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien. Sie konkurrieren um Einfluss-Sph\u00e4ren, bedienen sich dabei verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Gruppen im Irak. Deswegen werden die Hashd nicht abziehen. Derzeit sind sie von der iranisch-irakischen Grenze im Osten \u00fcber Bagdad bis hoch zur irakisch-syrischen Grenze im Norden postiert. Einheiten Teherans k\u00f6nnten demnach auf dem Landweg vom Iran bis ans Mittelmeer durchmarschieren.<\/p>\n\n\n\n

Iran und Saudi-Arabien wollen Macht vergr\u00f6\u00dfern<\/h2>\n\n\n\n

Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n

In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n

Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3703,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:24:20","post_date_gmt":"2020-08-13 21:24:20","post_content":"\n

Deutschland str\u00e4ubt sich gegen die R\u00fcckkehr seiner eigenen Staatsb\u00fcrger, die zu IS-Terroristen wurden. Dabei hat die Bundesrepublik den Terror und die Terroristen einst exportiert. Und dies geschah wissentlich, sagt der Islamwissenschaftler Fabian Goldmann.<\/p>\n\n\n\n

Wann haben Sie sich eigentlich zuletzt von deutschen Terroristen distanziert? Zum Beispiel von Robert B.? Der Ex-Bundeswehrsoldat aus Solingen hat mutma\u00dflich bei einem Selbstmordattentat Anfang 2014 50 Menschen mit in den Tod gerissen. <\/p>\n\n\n\n

Oder von Yannik N.? Der junge Freiburger steuerte wahrscheinlich im Jahr 2015 einen mit anderthalb Tonnen Sprengstoff beladenen LKW in eine Menschenmenge und nahm so Dutzenden Personen das Leben.<\/p>\n\n\n\n

Oder von Yamin A.?. Im Sommer 2015 tauchte im Netz ein Video auf, das zeigte, wie der ehemalige Telekom-Azubi aus K\u00f6nigswinter zwei gefesselten Soldaten in den Kopf schoss.
Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Deutsche T\u00e4ter, aber kaum deutsche Opfer<\/h2>\n\n\n\n

Hauptsache nicht bei uns! Dies scheint auch dieser Tage wieder die Maxime zu sein, wenn Politiker und \u00d6ffentlichkeit \u00fcber den Umgang mit deutschen Terroristen diskutieren. Von potenziellen Bedrohungen und Anschlagsgefahren in Deutschland liest man dann. Vom ganz realen Terror, den Deutsche in den vergangenen Jahren \u00fcber die Menschen in Syrien und Irak gebracht haben, h\u00f6rt man hingegen kaum. Ein Terror, der kaum deutsche Opfer aber umso mehr deutsche T\u00e4ter kannte.<\/p>\n\n\n\n

1.050 \u2013 das ist laut Bundesinnenministerium die Anzahl der Dschihadisten, die in den letzten Jahren die Bundesrepublik in Richtung Nahost verlassen hat. Es f\u00e4llt schwer, sich umgekehrtes Szenario \u00fcberhaupt auszumalen. Was w\u00e4re wohl los, h\u00e4tte es nur ein Bruchteil arabischer Terroristen geschafft, bei uns Anschl\u00e4ge zu begehen? Europas \u201eMuslim Bann\u201c? \u00dcberwachungsstaat auf NSA-Niveau?<\/p>\n\n\n\n

Die CSU st\u00fcnde wom\u00f6glich am linken Ende des politischen Spektrums, und auf Twitter w\u00fcrde Trump deutsche Migrationspolitiker zur M\u00e4\u00dfigung aufrufen. Der deutsche Terror in Nahost kommt hingegen seit Jahren ganz ohne Sondersendungen, politische Debatten und Distanzierungsforderungen aus. <\/p>\n\n\n\n

Deutsche K\u00e4mpfer waren nicht nur willenloses Kanonenfutter<\/h2>\n\n\n\n

An fehlendem Wissen liegt das nicht. Von ganzen Einheiten des IS, in denen kein einziger K\u00e4mpfer Arabisch spreche, berichten syrische, irakische und kurdische Soldaten schon seit Jahren. Von Aleppo \u00fcber Raqqa bis Mossul haben Aktivisten und Politiker immer wieder darauf hingewiesen, dass viele der schlimmsten M\u00f6rder in den Reihen des IS Europ\u00e4er sind. Interessiert hat das hier kaum jemand.<\/p>\n\n\n\n

Dabei dienten Deutsche dem Islamischen Staats nicht nur als willenloses Kanonenfutter, wie es oft dargestellt wird. Viele haben seinen Terror mitgepr\u00e4gt. Wie Martin L., der derzeit in kurdischer Haft sitzt. Der Schwei\u00dfer aus Sachsen-Anhalt soll sich vom Folterknecht bis zum Geheimdienstler mit Kontakten bis in die F\u00fchrungsspitze der Terrororganisation hochgearbeitet haben.<\/p>\n\n\n\n

Oder Reda S., Der Prediger aus Berlin-Charlottenburg soll dem IS in Mossul als Bildungsminister gedient haben. Oder der Berliner Ex-Rapper Denis Cuspert, der zu den wichtigsten Personen in der IS-Medienorganisation Al-Hayat geh\u00f6rte. Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Beh\u00f6rden wussten gut Bescheid<\/h2>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich entstand der Islamische Staat nicht in deutschen Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen. Zur deutschen Verantwortung geh\u00f6rt aber auch, dass Politiker und Beh\u00f6rden lange wegschauten, solang nur die T\u00e4ter, aber nicht die Opfer Deutsche waren. Beh\u00f6rden wissen und wussten erschreckend gut Bescheid \u00fcber die Radikalisierung deutscher Islamisten. Ein Gro\u00dfteil der sp\u00e4teren IS-K\u00e4mpfer war polizeibekannt, stand auf Gef\u00e4hrderlisten oder hatte wegen islamistischer Straftaten bereits Haftstrafen verb\u00fc\u00dft. An der Ausreise gehindert wurden sie oftmals dennoch nicht. Die Gefahr, die von deutschen Terroristen ausgeht, interessierte Politik und \u00d6ffentlichkeit erst dann wieder, als ihre Einreise drohte.<\/p>\n\n\n\n

\"Fabian
Fabian Goldmann<\/strong> ist Journalist und Islamwissenschaftler. F\u00fcr verschiedene Magazine und Zeitungen berichtete er viele Jahre aus Nahost. Zurzeit widmet er sich vor allem dem Islam diesseits des Bosporus. Auf seinem Blog Schantall und die Scharia<\/a> bloggt er \u00fcber Islamophobie in Deutschland.<\/p>\n","post_title":"Es sind unsere Terroristen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"es-sind-unsere-terroristen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3703","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3700,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:19:36","post_date_gmt":"2020-08-13 21:19:36","post_content":"\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda? Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda t<\/p>\n\n\n\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda tritt an die Stelle der 2010 verabschiedeten Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014 (siehe IP\/10\/1535<\/a>). In der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda f\u00fcr den Zeitraum 2015-2020 skizziert die Europ\u00e4ische Kommission die Strategie der Union zur Bew\u00e4ltigung der Sicherheitsbedrohungen in der EU.<\/p>\n\n\n\n

Die EU und ihre Mitgliedstaaten sind mit betr\u00e4chtlichen Sicherheitsproblemen konfrontiert. Terrorismus, organisierte Kriminalit\u00e4t und Cyberkriminalit\u00e4t stellen eine zunehmende Gefahr f\u00fcr die europ\u00e4ische Gesellschaft dar, wobei sich Art und Ausma\u00df dieser Gefahr ver\u00e4ndert hat. Europa ist mit den Auswirkungen der politischen Instabilit\u00e4t in seiner unmittelbaren Nachbarschaft konfrontiert, die die Sicherheitsinteressen der EU gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n

Im Zuge der Krisen und Konflikte in Syrien, Irak und Libyen haben sich europ\u00e4ische B\u00fcrger terroristischen Gruppen angeschlossen, die bei ihrer R\u00fcckkehr eine erhebliche Bedrohung darstellen k\u00f6nnen. Die j\u00fcngsten terroristischen Anschl\u00e4ge in Europa zeugen von der zunehmenden Bedrohung durch einen gewaltt\u00e4tigen Extremismus und zeigen, in welchem Ausma\u00df weltweite Konflikte zur Radikalisierung der europ\u00e4ischen B\u00fcrger beitragen.<\/p>\n\n\n\n

Das Online-Umfeld hat sich zunehmend als Ziel f\u00fcr Kriminelle und Terroristen entwickelt. Unabh\u00e4ngig davon, ob es um die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und die Anwerbung von Menschen f\u00fcr terroristische Organisationen geht oder die Verbreitung von Hass oder einen Angriff auf die europ\u00e4ischen Werte und Institutionen, fest steht, dass wir unsere Reaktion auf diese Bedrohungen unbedingt abstimmen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Welcher Mehrwert entsteht durch die EU im Bereich der inneren Sicherheit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Gew\u00e4hrleistung der inneren Sicherheit f\u00e4llt weiterhin in erster Linie in die Zust\u00e4ndigkeit der Mitgliedstaaten. Allerdings werden die Bedrohungen f\u00fcr Europas B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger immer vielf\u00e4ltiger und betreffen in zunehmendem Ma\u00dfe mehrere Mitgliedstaaten. Einzelne Mitgliedstaaten haben die Verantwortung, die Sicherheit an den Au\u00dfengrenzen zu gew\u00e4hrleisten, sind aber nicht mehr in der Lage, diese Herausforderungen allein zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n

Kriminelle und terroristische Aktivit\u00e4ten machen nicht an den Grenzen der EU halt und beschr\u00e4nken sich auch nicht auf Nachbarregionen. Die innere Sicherheit der EU und die globale Sicherheit sind voneinander abh\u00e4ngig und miteinander verkn\u00fcpft. Die Sicherheit der Union h\u00e4ngt in hohem Ma\u00dfe von der Zusammenarbeit mit ihren internationalen Partnern und ihren Nachbarl\u00e4ndern ab.<\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t und des Terrorismus ist eine gemeinsame europ\u00e4ische Aufgabe. Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda sollte von den Mitgliedstaaten und den EU-Organen gemeinsam als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und gemeinsame Ma\u00dfnahmen der Union genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n

Mit Hilfe der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda werden die Polizei- und Strafverfolgungsdienste in verschiedenen Mitgliedstaaten Daten effektiver austauschen und bei der Bek\u00e4mpfung der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t besser zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Die Mitgliedstaaten k\u00f6nnen auf die Unterst\u00fctzung durch die Agenturen der EU z\u00e4hlen. Insbesondere in folgenden Punkten l\u00e4sst sich mit Hilfe der Sicherheitsagenda ein EU-Mehrwert erzielen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n

A) Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und den EU-Agenturen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1<\/strong>: Das Schengener Informationssystem<\/strong> (SIS) wird von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Abfrage von Ausschreibungen von gesuchten oder vermissten Personen und Gegenst\u00e4nden genutzt. Die Kommission wird an der Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Ausschreibungskategorien arbeiten und sich daf\u00fcr einsetzen, dass das SIS zusammen mit der Interpol-Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD)<\/strong> umfassender genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Thomas musste seinem eigenen, dem jesidischen Glauben abschw\u00f6ren. Weil der \u201eIS\u201c die Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c betrachtet. Und \u201eUngl\u00e4ubige\u201c, so die Auffassung der Terroristen, m\u00fcssen zwangsbekehrt werden. Oder get\u00f6tet. Die Terroristen hatten dementsprechend die Jesiden entweder an Ort und Stelle ermordet, die meisten im Sinjar, im alten Siedlungsgebiet der Jesiden im Nord-Irak. Tausende. 47 Massengr\u00e4ber sollen mittlerweile gefunden worden sein. Oder aber die Terroristen lie\u00dfen die Jesiden am Leben und nahmen sie in Geiselhaft. Sie machten aus ihnen Sexsklavinnen oder sie bildeten sie aus \u2013 zu Selbstmordattent\u00e4tern. Wie Thomas.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie haben uns st\u00e4ndig geschlagen. Wir mussten Schie\u00dfen \u00fcben. Zwei meiner Freunde haben sich in die Luft gesprengt. Sie sind zum Training. Doch sie kamen nicht zur\u00fcck. Ich war nicht traurig. Sie wollten sich ja in die Luft sprengen. Die \u201aIS\u2018-Leute hatten es nicht von ihnen verlangt. Sie sind freiwillig gegangen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas hat heute einen modernen Haarschnitt; der Nacken ist ausrasiert; der lange Pony in die Stirn gek\u00e4mmt. Im Sommer sah er noch anders aus, kurz nachdem Mosul befreit worden war. Bei einem Luftangriff der Anti-\u201eIS\u201c-Koalition wurde Thomas schwer verletzt aus Tr\u00fcmmern geborgen, dann operiert.<\/p>\n\n\n\n

\"ThomasThomas erholt sich von drei Jahren IS-Gefangenschaft. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

Arbeit mit \u201eDschihadisten-Kindern\u201c<\/h2>\n\n\n\n

Die \u00e4u\u00dferen Wunden sind heute verheilt. Doch wie sieht es aus mit den inneren, den seelischen Verletzungen? Thomas wurde von seiner Familie aufgenommen und bekommt Hilfe. Andere Kinder konnten nicht aufgefangen werden. Bis heute betrachten sie Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c \u2013 so wie es ihnen in der Geiselhaft eingeh\u00e4mmert wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie sind eine gro\u00dfe Gefahr f\u00fcr andere Kinder. Sie leben in Lagern, in einem Zelt, auf sechs mal vier Metern, oder noch weniger! Acht Geschwister, sie spielen zusammen, reden, sie indoktrinieren die anderen! Das ist ein Problem, das wir nicht l\u00f6sen k\u00f6nnen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Sara Hassan ist Sozialarbeiterin. Sie arbeitet in den Lagern, versucht M\u00e4dchen und Frauen, die jahrelang in Geiselhaft vergewaltigt wurden, zu helfen. Unz\u00e4hlige hatte der \u201eIS\u201c einst entf\u00fchrt. Sara arbeitet auch mit den sogenannten \u201eDschihadisten-Kindern\u201c. Sie erz\u00e4hlt, wie \u00fcberfordert alle seien: die Familien, die jesidische Gemeinschaft, die Gesellschaft des Nord-Irak.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIn einem anderen Fall hat sich die Familie am Ende an die Sicherheitskr\u00e4fte gewandt. Doch die wussten auch nicht, wie sie damit umgehen sollten. Monate lang hat die Familie versucht, den Jungen umzuerziehen, zusammen mit Sozialarbeitern. Aber noch immer sehen wir den Hass in seinen Augen \u2013 gegen\u00fcber Kurden, Christen und Jesiden. Als blicke man in die Augen eines IS-Terroristen. Das ist das Problem.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Die Jesiden k\u00f6nnen \u00fcber ihre vom \u201eIS\u201c indoktrinierten Kinder sprechen. Denn niemand zweifelt daran, dass sie Opfer der Tyrannei wurden. Bei den sunnitischen Arabern sieht das anders aus. Da sie derselben Religionsgruppe angeh\u00f6ren wie formal auch die Terroristen, stehen sie unter Generalverdacht, mit dem \u201eIS\u201c gemeinsame Sache gemacht zu haben. Sunnitische Araber trauen sich daher nicht, die Probleme ihrer Kinder \u00f6ffentlich zu machen \u2013 auch wenn sie selbst nichts mit dem \u201eIS\u201c zu tun hatten.<\/p>\n\n\n\n

Unklar ist, wie viele Kinder und Jugendliche im Irak und in Syrien zu Terroristen ausgebildet wurden, dabei noch in Geiselhaft sind oder bereits als \u201eSchl\u00e4fer\u201c darauf warten, zum Einsatz zu kommen. Sie gleichen \u201etickenden Zeitbomben\u201c, die jederzeit explodieren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

Minderheiten haben Angst vor \u201eIS\u201c-Nachfolgern<\/h2>\n\n\n\n

Kamaran Palani spricht davon, dass viele Menschen immer noch gehen wollen, obwohl der \u201eIS\u201c als staats\u00e4hnliches Gebilde nicht mehr besteht. Seine Saat aber, so der Politikwissenschaftler, sei aufgegangen.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollen einfach nicht in diesem Land bleiben. Der IS hat sie dazu gebracht. Jeder hat heute Angst, dass eine andere Organisation kommen wird, Terroristen, die dasselbe anrichten wie zuvor.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Palani forscht am \u201eMiddle East Research Institute\u201c, das seinen Sitz in Erbil hat, der Hauptstadt von Irakisch-Kurdistan. <\/p>\n\n\n\n

\u201e60 bis 65 Prozent der Christen wollen gehen. Das Gleiche gilt f\u00fcr andere Minderheiten: f\u00fcr Jesiden, Schabaks, Turkmenen, Kakais.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

\u201eWir werden niemals wieder mit den Arabern zusammenleben k\u00f6nnen!\u201c \u2013 ein Satz, der heute h\u00e4ufig im Nord-Irak zu h\u00f6ren ist. Gemeint sind die Iraker, die Sunniten und Araber sind \u2013 die einstmals Nachbarn von Jesiden, Christen und Kurden waren \u2013 mit denen man Handel trieb und Hochzeiten feierte, die auch Freunde waren.<\/p>\n\n\n\n

Der Irak ist eine multi-ethnische und multi-religi\u00f6se Gesellschaft, in der die Schiiten die Mehrheit stellen. \u00dcber Jahrhunderte aber hatten die sunnitischen Araber das Sagen, sie missbrauchten die Macht, errichteten ein Schreckensregime \u2013 bis 2003, als Diktator Saddam Hussein von den USA gest\u00fcrzt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c entstand aus Widerstand gegen Schiiten-Herrschaft<\/h2>\n\n\n\n

Jetzt wurde der Spie\u00df umgedreht. Die Amerikaner sorgten daf\u00fcr, dass die Sunniten jegliche Machtposition verloren \u2013 so wurde die irakische Armee, wurde die baathistische Partei aufgel\u00f6st \u2013 ohne ein Pendant zu schaffen, das alle integrierte. Und: Washington unterst\u00fctzte Regierungschef Nouri al-Maliki, einen Schiiten. Maliki sah eine historische Chance gekommen, diskriminierte nun seinerseits seine sunnitischen Landsleute, verwehrte ihnen im \u201eNeuen Irak\u201c die Mitsprache. Im Regime Malikis wurden Sunniten inhaftiert, gefoltert und umgebracht.<\/p>\n\n\n\n

Was viele in den Widerstand trieb. Einige schlossen sich der Terror-Organisation \u201eAl-Qaida\u201c an, unter ihnen f\u00fchrende Milit\u00e4rs der aufgel\u00f6sten Armee Saddam Husseins \u2013 und aus \u201eAl-Qaida\u201c ging sp\u00e4ter der \u201eIS\u201c hervor.<\/p>\n\n\n\n

Als der \u201eIS\u201c dann im Sommer 2014 fast ohne Gegenwehr weite Landstriche in Syrien und im Irak \u00fcberrannte und seinen \u201eStaat\u201c ausrief, sahen auch gew\u00f6hnliche sunnitische Araber einen Wechsel nahen. Viele machten gemeinsame Sache mit den Terroristen, verhinderten die Flucht jesidischer Nachbarn, lieferten sie ihren Schl\u00e4chtern aus. Kamaran Palani:<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c-K\u00e4mpfer haben gesagt, es gehe darum, die W\u00fcrde der sunnitischen Araber wiederherzustellen. Ihre Macht. Ihre Geschichte. Tats\u00e4chlich konnten es die Araber nicht hinnehmen, dass sie ins Abseits gedr\u00e4ngt wurden. Und ich denke, dass sie auch in Zukunft so handeln werden. Wann immer sich die Gelegenheit bietet: Sie werden alles hinter sich lassen \u2013 sich nur darauf konzentrieren.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Misstrauen. Auch bei einem Politikwissenschaftler. Was also tun? Zerst\u00f6rte St\u00e4dte und D\u00f6rfer k\u00f6nnten wieder aufgebaut werden \u2013 wenn denn ein gemeinsamer Wille best\u00fcnde. Doch was, wenn es einen solchen gemeinsamen Willen gar nicht gibt? Wenn Schmerz und Trauer anhalten, wenn die Verbrechen von Terroristen und Helfershelfern nicht geahndet werden, wenn Angst umgeht, Misstrauen und Hass das Miteinander bestimmen.<\/p>\n\n\n\n

\"SyrischeSoldaten in der irakischen Stadt Sindschar nach der R\u00fcckeroberung von der IS-Miliz Ende 2015. (dpa \/ MAXPPP \/ Arnaud Dumontier)<\/p>\n\n\n\n

Kamaran Palani stammt aus der Stadt Makhmour. Drei Tage nur sei der \u201eIS\u201c dort gewesen, sagt er, doch diese Tage h\u00e4tten alles ver\u00e4ndert. Der \u201eIS\u201c habe die Menschen in seiner Heimatstadt verrohen lassen, meint er, das Verh\u00e4ltnis zwischen Kurden und Arabern sei heute tot. Eine R\u00fcckkehr in alte Zeiten h\u00e4lt Palani f\u00fcr falsch.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch denke, es w\u00e4re nicht einfach, in das Jahr 2014 \u2013 also in die Zeit vor dem \u201aIS\u2018 \u2013 zur\u00fcckzukehren. Vor allem aber w\u00e4re es nicht die richtige Politik. Denn eben die hat ja erst zum Aufkommen, zur Existenz des \u201aIS\u2018 gef\u00fchrt.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n


Wie also in Ruinen Neues schaffen? Der Staat muss das Gewaltmonopol zur\u00fcckerlangen, fordert der Politikwissenschaftler. F\u00fcr ihn steht das an erster Stelle. Und dann m\u00fcsse der Staat dringend einen Kurswechsel vornehmen: Er m\u00fcsse integrativ wirken, alle einbinden, auch die Araber, in Sicherheitskr\u00e4fte, Verwaltung und Politik.<\/p>\n\n\n\n

Machtmonopol m\u00fcsste von Milizen zum Staat gehen<\/h2>\n\n\n\n

Die Realit\u00e4t sieht anders aus: Ein Staat Kurdistan, der neue Optionen m\u00f6glich gemacht h\u00e4tte, auch von den Minderheiten gew\u00fcnscht worden war, ist nicht entstanden. Bagdad aber ist fern, der Zentralstaat kaum existent, und wenn, dann ist er schiitisch dominiert. Es sind Milizen, die im Nord-Irak das Geschehen bestimmen, darum rivalisieren, das Machtvakuum zu f\u00fcllen, das durch die Vertreibung des \u201eIS\u201c entstanden ist. Einst im Kampf gegen die Terroristen geeint, sind die Milizen einander heute feind.<\/p>\n\n\n\n

Allen voran die \u201eHashd ash-Shaabi\u201c, schiitisch-irakische Milizen, deren Ausbilder und Kommandeure h\u00e4ufig Iraner sind. Bagdad hat die Haschd als regul\u00e4re Kraft im Kampf gegen den \u201eIS\u201c anerkannt \u2013 obwohl Menschenrechts-Organisationen schwere Vorw\u00fcrfe gegen sie erheben. Fest steht: Die schiitischen Milizen halten D\u00f6rfer besetzt, sind in Mosul f\u00fcr ihr herrisches Auftreten und ihre Willk\u00fcr bekannt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eTats\u00e4chlich sorgen die verschiedenen bewaffneten Gruppen daf\u00fcr, dass die Fl\u00fcchtlinge nicht zur\u00fcckkehren. Und weil sie nicht zur\u00fcckkehren, gibt es auch keinen Wiederaufbau. Die Menschen haben Angst vor den Milizen \u2013 auch davor, dass die einander bek\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die \u201eHashd\u201c m\u00fcssten mithin abziehen. Und mit ihnen die anderen Milizen. Das Machtmonopol m\u00fcsste an den Staat gehen. Doch der Irak ist auch Spielball der Regionalm\u00e4chte: Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien. Sie konkurrieren um Einfluss-Sph\u00e4ren, bedienen sich dabei verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Gruppen im Irak. Deswegen werden die Hashd nicht abziehen. Derzeit sind sie von der iranisch-irakischen Grenze im Osten \u00fcber Bagdad bis hoch zur irakisch-syrischen Grenze im Norden postiert. Einheiten Teherans k\u00f6nnten demnach auf dem Landweg vom Iran bis ans Mittelmeer durchmarschieren.<\/p>\n\n\n\n

Iran und Saudi-Arabien wollen Macht vergr\u00f6\u00dfern<\/h2>\n\n\n\n

Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n

In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n

Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3703,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:24:20","post_date_gmt":"2020-08-13 21:24:20","post_content":"\n

Deutschland str\u00e4ubt sich gegen die R\u00fcckkehr seiner eigenen Staatsb\u00fcrger, die zu IS-Terroristen wurden. Dabei hat die Bundesrepublik den Terror und die Terroristen einst exportiert. Und dies geschah wissentlich, sagt der Islamwissenschaftler Fabian Goldmann.<\/p>\n\n\n\n

Wann haben Sie sich eigentlich zuletzt von deutschen Terroristen distanziert? Zum Beispiel von Robert B.? Der Ex-Bundeswehrsoldat aus Solingen hat mutma\u00dflich bei einem Selbstmordattentat Anfang 2014 50 Menschen mit in den Tod gerissen. <\/p>\n\n\n\n

Oder von Yannik N.? Der junge Freiburger steuerte wahrscheinlich im Jahr 2015 einen mit anderthalb Tonnen Sprengstoff beladenen LKW in eine Menschenmenge und nahm so Dutzenden Personen das Leben.<\/p>\n\n\n\n

Oder von Yamin A.?. Im Sommer 2015 tauchte im Netz ein Video auf, das zeigte, wie der ehemalige Telekom-Azubi aus K\u00f6nigswinter zwei gefesselten Soldaten in den Kopf schoss.
Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Deutsche T\u00e4ter, aber kaum deutsche Opfer<\/h2>\n\n\n\n

Hauptsache nicht bei uns! Dies scheint auch dieser Tage wieder die Maxime zu sein, wenn Politiker und \u00d6ffentlichkeit \u00fcber den Umgang mit deutschen Terroristen diskutieren. Von potenziellen Bedrohungen und Anschlagsgefahren in Deutschland liest man dann. Vom ganz realen Terror, den Deutsche in den vergangenen Jahren \u00fcber die Menschen in Syrien und Irak gebracht haben, h\u00f6rt man hingegen kaum. Ein Terror, der kaum deutsche Opfer aber umso mehr deutsche T\u00e4ter kannte.<\/p>\n\n\n\n

1.050 \u2013 das ist laut Bundesinnenministerium die Anzahl der Dschihadisten, die in den letzten Jahren die Bundesrepublik in Richtung Nahost verlassen hat. Es f\u00e4llt schwer, sich umgekehrtes Szenario \u00fcberhaupt auszumalen. Was w\u00e4re wohl los, h\u00e4tte es nur ein Bruchteil arabischer Terroristen geschafft, bei uns Anschl\u00e4ge zu begehen? Europas \u201eMuslim Bann\u201c? \u00dcberwachungsstaat auf NSA-Niveau?<\/p>\n\n\n\n

Die CSU st\u00fcnde wom\u00f6glich am linken Ende des politischen Spektrums, und auf Twitter w\u00fcrde Trump deutsche Migrationspolitiker zur M\u00e4\u00dfigung aufrufen. Der deutsche Terror in Nahost kommt hingegen seit Jahren ganz ohne Sondersendungen, politische Debatten und Distanzierungsforderungen aus. <\/p>\n\n\n\n

Deutsche K\u00e4mpfer waren nicht nur willenloses Kanonenfutter<\/h2>\n\n\n\n

An fehlendem Wissen liegt das nicht. Von ganzen Einheiten des IS, in denen kein einziger K\u00e4mpfer Arabisch spreche, berichten syrische, irakische und kurdische Soldaten schon seit Jahren. Von Aleppo \u00fcber Raqqa bis Mossul haben Aktivisten und Politiker immer wieder darauf hingewiesen, dass viele der schlimmsten M\u00f6rder in den Reihen des IS Europ\u00e4er sind. Interessiert hat das hier kaum jemand.<\/p>\n\n\n\n

Dabei dienten Deutsche dem Islamischen Staats nicht nur als willenloses Kanonenfutter, wie es oft dargestellt wird. Viele haben seinen Terror mitgepr\u00e4gt. Wie Martin L., der derzeit in kurdischer Haft sitzt. Der Schwei\u00dfer aus Sachsen-Anhalt soll sich vom Folterknecht bis zum Geheimdienstler mit Kontakten bis in die F\u00fchrungsspitze der Terrororganisation hochgearbeitet haben.<\/p>\n\n\n\n

Oder Reda S., Der Prediger aus Berlin-Charlottenburg soll dem IS in Mossul als Bildungsminister gedient haben. Oder der Berliner Ex-Rapper Denis Cuspert, der zu den wichtigsten Personen in der IS-Medienorganisation Al-Hayat geh\u00f6rte. Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Beh\u00f6rden wussten gut Bescheid<\/h2>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich entstand der Islamische Staat nicht in deutschen Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen. Zur deutschen Verantwortung geh\u00f6rt aber auch, dass Politiker und Beh\u00f6rden lange wegschauten, solang nur die T\u00e4ter, aber nicht die Opfer Deutsche waren. Beh\u00f6rden wissen und wussten erschreckend gut Bescheid \u00fcber die Radikalisierung deutscher Islamisten. Ein Gro\u00dfteil der sp\u00e4teren IS-K\u00e4mpfer war polizeibekannt, stand auf Gef\u00e4hrderlisten oder hatte wegen islamistischer Straftaten bereits Haftstrafen verb\u00fc\u00dft. An der Ausreise gehindert wurden sie oftmals dennoch nicht. Die Gefahr, die von deutschen Terroristen ausgeht, interessierte Politik und \u00d6ffentlichkeit erst dann wieder, als ihre Einreise drohte.<\/p>\n\n\n\n

\"Fabian
Fabian Goldmann<\/strong> ist Journalist und Islamwissenschaftler. F\u00fcr verschiedene Magazine und Zeitungen berichtete er viele Jahre aus Nahost. Zurzeit widmet er sich vor allem dem Islam diesseits des Bosporus. Auf seinem Blog Schantall und die Scharia<\/a> bloggt er \u00fcber Islamophobie in Deutschland.<\/p>\n","post_title":"Es sind unsere Terroristen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"es-sind-unsere-terroristen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3703","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3700,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:19:36","post_date_gmt":"2020-08-13 21:19:36","post_content":"\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda? Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda t<\/p>\n\n\n\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda tritt an die Stelle der 2010 verabschiedeten Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014 (siehe IP\/10\/1535<\/a>). In der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda f\u00fcr den Zeitraum 2015-2020 skizziert die Europ\u00e4ische Kommission die Strategie der Union zur Bew\u00e4ltigung der Sicherheitsbedrohungen in der EU.<\/p>\n\n\n\n

Die EU und ihre Mitgliedstaaten sind mit betr\u00e4chtlichen Sicherheitsproblemen konfrontiert. Terrorismus, organisierte Kriminalit\u00e4t und Cyberkriminalit\u00e4t stellen eine zunehmende Gefahr f\u00fcr die europ\u00e4ische Gesellschaft dar, wobei sich Art und Ausma\u00df dieser Gefahr ver\u00e4ndert hat. Europa ist mit den Auswirkungen der politischen Instabilit\u00e4t in seiner unmittelbaren Nachbarschaft konfrontiert, die die Sicherheitsinteressen der EU gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n

Im Zuge der Krisen und Konflikte in Syrien, Irak und Libyen haben sich europ\u00e4ische B\u00fcrger terroristischen Gruppen angeschlossen, die bei ihrer R\u00fcckkehr eine erhebliche Bedrohung darstellen k\u00f6nnen. Die j\u00fcngsten terroristischen Anschl\u00e4ge in Europa zeugen von der zunehmenden Bedrohung durch einen gewaltt\u00e4tigen Extremismus und zeigen, in welchem Ausma\u00df weltweite Konflikte zur Radikalisierung der europ\u00e4ischen B\u00fcrger beitragen.<\/p>\n\n\n\n

Das Online-Umfeld hat sich zunehmend als Ziel f\u00fcr Kriminelle und Terroristen entwickelt. Unabh\u00e4ngig davon, ob es um die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und die Anwerbung von Menschen f\u00fcr terroristische Organisationen geht oder die Verbreitung von Hass oder einen Angriff auf die europ\u00e4ischen Werte und Institutionen, fest steht, dass wir unsere Reaktion auf diese Bedrohungen unbedingt abstimmen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Welcher Mehrwert entsteht durch die EU im Bereich der inneren Sicherheit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Gew\u00e4hrleistung der inneren Sicherheit f\u00e4llt weiterhin in erster Linie in die Zust\u00e4ndigkeit der Mitgliedstaaten. Allerdings werden die Bedrohungen f\u00fcr Europas B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger immer vielf\u00e4ltiger und betreffen in zunehmendem Ma\u00dfe mehrere Mitgliedstaaten. Einzelne Mitgliedstaaten haben die Verantwortung, die Sicherheit an den Au\u00dfengrenzen zu gew\u00e4hrleisten, sind aber nicht mehr in der Lage, diese Herausforderungen allein zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n

Kriminelle und terroristische Aktivit\u00e4ten machen nicht an den Grenzen der EU halt und beschr\u00e4nken sich auch nicht auf Nachbarregionen. Die innere Sicherheit der EU und die globale Sicherheit sind voneinander abh\u00e4ngig und miteinander verkn\u00fcpft. Die Sicherheit der Union h\u00e4ngt in hohem Ma\u00dfe von der Zusammenarbeit mit ihren internationalen Partnern und ihren Nachbarl\u00e4ndern ab.<\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t und des Terrorismus ist eine gemeinsame europ\u00e4ische Aufgabe. Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda sollte von den Mitgliedstaaten und den EU-Organen gemeinsam als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und gemeinsame Ma\u00dfnahmen der Union genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n

Mit Hilfe der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda werden die Polizei- und Strafverfolgungsdienste in verschiedenen Mitgliedstaaten Daten effektiver austauschen und bei der Bek\u00e4mpfung der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t besser zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Die Mitgliedstaaten k\u00f6nnen auf die Unterst\u00fctzung durch die Agenturen der EU z\u00e4hlen. Insbesondere in folgenden Punkten l\u00e4sst sich mit Hilfe der Sicherheitsagenda ein EU-Mehrwert erzielen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n

A) Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und den EU-Agenturen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1<\/strong>: Das Schengener Informationssystem<\/strong> (SIS) wird von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Abfrage von Ausschreibungen von gesuchten oder vermissten Personen und Gegenst\u00e4nden genutzt. Die Kommission wird an der Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Ausschreibungskategorien arbeiten und sich daf\u00fcr einsetzen, dass das SIS zusammen mit der Interpol-Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD)<\/strong> umfassender genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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\u201eSie wollten nicht, dass wir spielen. Sie mochten es nicht. Ich habe keine Schule besucht, aber sie gaben uns Koran-Unterricht. Jeden Tag.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas musste seinem eigenen, dem jesidischen Glauben abschw\u00f6ren. Weil der \u201eIS\u201c die Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c betrachtet. Und \u201eUngl\u00e4ubige\u201c, so die Auffassung der Terroristen, m\u00fcssen zwangsbekehrt werden. Oder get\u00f6tet. Die Terroristen hatten dementsprechend die Jesiden entweder an Ort und Stelle ermordet, die meisten im Sinjar, im alten Siedlungsgebiet der Jesiden im Nord-Irak. Tausende. 47 Massengr\u00e4ber sollen mittlerweile gefunden worden sein. Oder aber die Terroristen lie\u00dfen die Jesiden am Leben und nahmen sie in Geiselhaft. Sie machten aus ihnen Sexsklavinnen oder sie bildeten sie aus \u2013 zu Selbstmordattent\u00e4tern. Wie Thomas.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie haben uns st\u00e4ndig geschlagen. Wir mussten Schie\u00dfen \u00fcben. Zwei meiner Freunde haben sich in die Luft gesprengt. Sie sind zum Training. Doch sie kamen nicht zur\u00fcck. Ich war nicht traurig. Sie wollten sich ja in die Luft sprengen. Die \u201aIS\u2018-Leute hatten es nicht von ihnen verlangt. Sie sind freiwillig gegangen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas hat heute einen modernen Haarschnitt; der Nacken ist ausrasiert; der lange Pony in die Stirn gek\u00e4mmt. Im Sommer sah er noch anders aus, kurz nachdem Mosul befreit worden war. Bei einem Luftangriff der Anti-\u201eIS\u201c-Koalition wurde Thomas schwer verletzt aus Tr\u00fcmmern geborgen, dann operiert.<\/p>\n\n\n\n

\"ThomasThomas erholt sich von drei Jahren IS-Gefangenschaft. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

Arbeit mit \u201eDschihadisten-Kindern\u201c<\/h2>\n\n\n\n

Die \u00e4u\u00dferen Wunden sind heute verheilt. Doch wie sieht es aus mit den inneren, den seelischen Verletzungen? Thomas wurde von seiner Familie aufgenommen und bekommt Hilfe. Andere Kinder konnten nicht aufgefangen werden. Bis heute betrachten sie Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c \u2013 so wie es ihnen in der Geiselhaft eingeh\u00e4mmert wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie sind eine gro\u00dfe Gefahr f\u00fcr andere Kinder. Sie leben in Lagern, in einem Zelt, auf sechs mal vier Metern, oder noch weniger! Acht Geschwister, sie spielen zusammen, reden, sie indoktrinieren die anderen! Das ist ein Problem, das wir nicht l\u00f6sen k\u00f6nnen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Sara Hassan ist Sozialarbeiterin. Sie arbeitet in den Lagern, versucht M\u00e4dchen und Frauen, die jahrelang in Geiselhaft vergewaltigt wurden, zu helfen. Unz\u00e4hlige hatte der \u201eIS\u201c einst entf\u00fchrt. Sara arbeitet auch mit den sogenannten \u201eDschihadisten-Kindern\u201c. Sie erz\u00e4hlt, wie \u00fcberfordert alle seien: die Familien, die jesidische Gemeinschaft, die Gesellschaft des Nord-Irak.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIn einem anderen Fall hat sich die Familie am Ende an die Sicherheitskr\u00e4fte gewandt. Doch die wussten auch nicht, wie sie damit umgehen sollten. Monate lang hat die Familie versucht, den Jungen umzuerziehen, zusammen mit Sozialarbeitern. Aber noch immer sehen wir den Hass in seinen Augen \u2013 gegen\u00fcber Kurden, Christen und Jesiden. Als blicke man in die Augen eines IS-Terroristen. Das ist das Problem.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Die Jesiden k\u00f6nnen \u00fcber ihre vom \u201eIS\u201c indoktrinierten Kinder sprechen. Denn niemand zweifelt daran, dass sie Opfer der Tyrannei wurden. Bei den sunnitischen Arabern sieht das anders aus. Da sie derselben Religionsgruppe angeh\u00f6ren wie formal auch die Terroristen, stehen sie unter Generalverdacht, mit dem \u201eIS\u201c gemeinsame Sache gemacht zu haben. Sunnitische Araber trauen sich daher nicht, die Probleme ihrer Kinder \u00f6ffentlich zu machen \u2013 auch wenn sie selbst nichts mit dem \u201eIS\u201c zu tun hatten.<\/p>\n\n\n\n

Unklar ist, wie viele Kinder und Jugendliche im Irak und in Syrien zu Terroristen ausgebildet wurden, dabei noch in Geiselhaft sind oder bereits als \u201eSchl\u00e4fer\u201c darauf warten, zum Einsatz zu kommen. Sie gleichen \u201etickenden Zeitbomben\u201c, die jederzeit explodieren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

Minderheiten haben Angst vor \u201eIS\u201c-Nachfolgern<\/h2>\n\n\n\n

Kamaran Palani spricht davon, dass viele Menschen immer noch gehen wollen, obwohl der \u201eIS\u201c als staats\u00e4hnliches Gebilde nicht mehr besteht. Seine Saat aber, so der Politikwissenschaftler, sei aufgegangen.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollen einfach nicht in diesem Land bleiben. Der IS hat sie dazu gebracht. Jeder hat heute Angst, dass eine andere Organisation kommen wird, Terroristen, die dasselbe anrichten wie zuvor.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Palani forscht am \u201eMiddle East Research Institute\u201c, das seinen Sitz in Erbil hat, der Hauptstadt von Irakisch-Kurdistan. <\/p>\n\n\n\n

\u201e60 bis 65 Prozent der Christen wollen gehen. Das Gleiche gilt f\u00fcr andere Minderheiten: f\u00fcr Jesiden, Schabaks, Turkmenen, Kakais.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

\u201eWir werden niemals wieder mit den Arabern zusammenleben k\u00f6nnen!\u201c \u2013 ein Satz, der heute h\u00e4ufig im Nord-Irak zu h\u00f6ren ist. Gemeint sind die Iraker, die Sunniten und Araber sind \u2013 die einstmals Nachbarn von Jesiden, Christen und Kurden waren \u2013 mit denen man Handel trieb und Hochzeiten feierte, die auch Freunde waren.<\/p>\n\n\n\n

Der Irak ist eine multi-ethnische und multi-religi\u00f6se Gesellschaft, in der die Schiiten die Mehrheit stellen. \u00dcber Jahrhunderte aber hatten die sunnitischen Araber das Sagen, sie missbrauchten die Macht, errichteten ein Schreckensregime \u2013 bis 2003, als Diktator Saddam Hussein von den USA gest\u00fcrzt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c entstand aus Widerstand gegen Schiiten-Herrschaft<\/h2>\n\n\n\n

Jetzt wurde der Spie\u00df umgedreht. Die Amerikaner sorgten daf\u00fcr, dass die Sunniten jegliche Machtposition verloren \u2013 so wurde die irakische Armee, wurde die baathistische Partei aufgel\u00f6st \u2013 ohne ein Pendant zu schaffen, das alle integrierte. Und: Washington unterst\u00fctzte Regierungschef Nouri al-Maliki, einen Schiiten. Maliki sah eine historische Chance gekommen, diskriminierte nun seinerseits seine sunnitischen Landsleute, verwehrte ihnen im \u201eNeuen Irak\u201c die Mitsprache. Im Regime Malikis wurden Sunniten inhaftiert, gefoltert und umgebracht.<\/p>\n\n\n\n

Was viele in den Widerstand trieb. Einige schlossen sich der Terror-Organisation \u201eAl-Qaida\u201c an, unter ihnen f\u00fchrende Milit\u00e4rs der aufgel\u00f6sten Armee Saddam Husseins \u2013 und aus \u201eAl-Qaida\u201c ging sp\u00e4ter der \u201eIS\u201c hervor.<\/p>\n\n\n\n

Als der \u201eIS\u201c dann im Sommer 2014 fast ohne Gegenwehr weite Landstriche in Syrien und im Irak \u00fcberrannte und seinen \u201eStaat\u201c ausrief, sahen auch gew\u00f6hnliche sunnitische Araber einen Wechsel nahen. Viele machten gemeinsame Sache mit den Terroristen, verhinderten die Flucht jesidischer Nachbarn, lieferten sie ihren Schl\u00e4chtern aus. Kamaran Palani:<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c-K\u00e4mpfer haben gesagt, es gehe darum, die W\u00fcrde der sunnitischen Araber wiederherzustellen. Ihre Macht. Ihre Geschichte. Tats\u00e4chlich konnten es die Araber nicht hinnehmen, dass sie ins Abseits gedr\u00e4ngt wurden. Und ich denke, dass sie auch in Zukunft so handeln werden. Wann immer sich die Gelegenheit bietet: Sie werden alles hinter sich lassen \u2013 sich nur darauf konzentrieren.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Misstrauen. Auch bei einem Politikwissenschaftler. Was also tun? Zerst\u00f6rte St\u00e4dte und D\u00f6rfer k\u00f6nnten wieder aufgebaut werden \u2013 wenn denn ein gemeinsamer Wille best\u00fcnde. Doch was, wenn es einen solchen gemeinsamen Willen gar nicht gibt? Wenn Schmerz und Trauer anhalten, wenn die Verbrechen von Terroristen und Helfershelfern nicht geahndet werden, wenn Angst umgeht, Misstrauen und Hass das Miteinander bestimmen.<\/p>\n\n\n\n

\"SyrischeSoldaten in der irakischen Stadt Sindschar nach der R\u00fcckeroberung von der IS-Miliz Ende 2015. (dpa \/ MAXPPP \/ Arnaud Dumontier)<\/p>\n\n\n\n

Kamaran Palani stammt aus der Stadt Makhmour. Drei Tage nur sei der \u201eIS\u201c dort gewesen, sagt er, doch diese Tage h\u00e4tten alles ver\u00e4ndert. Der \u201eIS\u201c habe die Menschen in seiner Heimatstadt verrohen lassen, meint er, das Verh\u00e4ltnis zwischen Kurden und Arabern sei heute tot. Eine R\u00fcckkehr in alte Zeiten h\u00e4lt Palani f\u00fcr falsch.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch denke, es w\u00e4re nicht einfach, in das Jahr 2014 \u2013 also in die Zeit vor dem \u201aIS\u2018 \u2013 zur\u00fcckzukehren. Vor allem aber w\u00e4re es nicht die richtige Politik. Denn eben die hat ja erst zum Aufkommen, zur Existenz des \u201aIS\u2018 gef\u00fchrt.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n


Wie also in Ruinen Neues schaffen? Der Staat muss das Gewaltmonopol zur\u00fcckerlangen, fordert der Politikwissenschaftler. F\u00fcr ihn steht das an erster Stelle. Und dann m\u00fcsse der Staat dringend einen Kurswechsel vornehmen: Er m\u00fcsse integrativ wirken, alle einbinden, auch die Araber, in Sicherheitskr\u00e4fte, Verwaltung und Politik.<\/p>\n\n\n\n

Machtmonopol m\u00fcsste von Milizen zum Staat gehen<\/h2>\n\n\n\n

Die Realit\u00e4t sieht anders aus: Ein Staat Kurdistan, der neue Optionen m\u00f6glich gemacht h\u00e4tte, auch von den Minderheiten gew\u00fcnscht worden war, ist nicht entstanden. Bagdad aber ist fern, der Zentralstaat kaum existent, und wenn, dann ist er schiitisch dominiert. Es sind Milizen, die im Nord-Irak das Geschehen bestimmen, darum rivalisieren, das Machtvakuum zu f\u00fcllen, das durch die Vertreibung des \u201eIS\u201c entstanden ist. Einst im Kampf gegen die Terroristen geeint, sind die Milizen einander heute feind.<\/p>\n\n\n\n

Allen voran die \u201eHashd ash-Shaabi\u201c, schiitisch-irakische Milizen, deren Ausbilder und Kommandeure h\u00e4ufig Iraner sind. Bagdad hat die Haschd als regul\u00e4re Kraft im Kampf gegen den \u201eIS\u201c anerkannt \u2013 obwohl Menschenrechts-Organisationen schwere Vorw\u00fcrfe gegen sie erheben. Fest steht: Die schiitischen Milizen halten D\u00f6rfer besetzt, sind in Mosul f\u00fcr ihr herrisches Auftreten und ihre Willk\u00fcr bekannt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eTats\u00e4chlich sorgen die verschiedenen bewaffneten Gruppen daf\u00fcr, dass die Fl\u00fcchtlinge nicht zur\u00fcckkehren. Und weil sie nicht zur\u00fcckkehren, gibt es auch keinen Wiederaufbau. Die Menschen haben Angst vor den Milizen \u2013 auch davor, dass die einander bek\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die \u201eHashd\u201c m\u00fcssten mithin abziehen. Und mit ihnen die anderen Milizen. Das Machtmonopol m\u00fcsste an den Staat gehen. Doch der Irak ist auch Spielball der Regionalm\u00e4chte: Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien. Sie konkurrieren um Einfluss-Sph\u00e4ren, bedienen sich dabei verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Gruppen im Irak. Deswegen werden die Hashd nicht abziehen. Derzeit sind sie von der iranisch-irakischen Grenze im Osten \u00fcber Bagdad bis hoch zur irakisch-syrischen Grenze im Norden postiert. Einheiten Teherans k\u00f6nnten demnach auf dem Landweg vom Iran bis ans Mittelmeer durchmarschieren.<\/p>\n\n\n\n

Iran und Saudi-Arabien wollen Macht vergr\u00f6\u00dfern<\/h2>\n\n\n\n

Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n

In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n

Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3703,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:24:20","post_date_gmt":"2020-08-13 21:24:20","post_content":"\n

Deutschland str\u00e4ubt sich gegen die R\u00fcckkehr seiner eigenen Staatsb\u00fcrger, die zu IS-Terroristen wurden. Dabei hat die Bundesrepublik den Terror und die Terroristen einst exportiert. Und dies geschah wissentlich, sagt der Islamwissenschaftler Fabian Goldmann.<\/p>\n\n\n\n

Wann haben Sie sich eigentlich zuletzt von deutschen Terroristen distanziert? Zum Beispiel von Robert B.? Der Ex-Bundeswehrsoldat aus Solingen hat mutma\u00dflich bei einem Selbstmordattentat Anfang 2014 50 Menschen mit in den Tod gerissen. <\/p>\n\n\n\n

Oder von Yannik N.? Der junge Freiburger steuerte wahrscheinlich im Jahr 2015 einen mit anderthalb Tonnen Sprengstoff beladenen LKW in eine Menschenmenge und nahm so Dutzenden Personen das Leben.<\/p>\n\n\n\n

Oder von Yamin A.?. Im Sommer 2015 tauchte im Netz ein Video auf, das zeigte, wie der ehemalige Telekom-Azubi aus K\u00f6nigswinter zwei gefesselten Soldaten in den Kopf schoss.
Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Deutsche T\u00e4ter, aber kaum deutsche Opfer<\/h2>\n\n\n\n

Hauptsache nicht bei uns! Dies scheint auch dieser Tage wieder die Maxime zu sein, wenn Politiker und \u00d6ffentlichkeit \u00fcber den Umgang mit deutschen Terroristen diskutieren. Von potenziellen Bedrohungen und Anschlagsgefahren in Deutschland liest man dann. Vom ganz realen Terror, den Deutsche in den vergangenen Jahren \u00fcber die Menschen in Syrien und Irak gebracht haben, h\u00f6rt man hingegen kaum. Ein Terror, der kaum deutsche Opfer aber umso mehr deutsche T\u00e4ter kannte.<\/p>\n\n\n\n

1.050 \u2013 das ist laut Bundesinnenministerium die Anzahl der Dschihadisten, die in den letzten Jahren die Bundesrepublik in Richtung Nahost verlassen hat. Es f\u00e4llt schwer, sich umgekehrtes Szenario \u00fcberhaupt auszumalen. Was w\u00e4re wohl los, h\u00e4tte es nur ein Bruchteil arabischer Terroristen geschafft, bei uns Anschl\u00e4ge zu begehen? Europas \u201eMuslim Bann\u201c? \u00dcberwachungsstaat auf NSA-Niveau?<\/p>\n\n\n\n

Die CSU st\u00fcnde wom\u00f6glich am linken Ende des politischen Spektrums, und auf Twitter w\u00fcrde Trump deutsche Migrationspolitiker zur M\u00e4\u00dfigung aufrufen. Der deutsche Terror in Nahost kommt hingegen seit Jahren ganz ohne Sondersendungen, politische Debatten und Distanzierungsforderungen aus. <\/p>\n\n\n\n

Deutsche K\u00e4mpfer waren nicht nur willenloses Kanonenfutter<\/h2>\n\n\n\n

An fehlendem Wissen liegt das nicht. Von ganzen Einheiten des IS, in denen kein einziger K\u00e4mpfer Arabisch spreche, berichten syrische, irakische und kurdische Soldaten schon seit Jahren. Von Aleppo \u00fcber Raqqa bis Mossul haben Aktivisten und Politiker immer wieder darauf hingewiesen, dass viele der schlimmsten M\u00f6rder in den Reihen des IS Europ\u00e4er sind. Interessiert hat das hier kaum jemand.<\/p>\n\n\n\n

Dabei dienten Deutsche dem Islamischen Staats nicht nur als willenloses Kanonenfutter, wie es oft dargestellt wird. Viele haben seinen Terror mitgepr\u00e4gt. Wie Martin L., der derzeit in kurdischer Haft sitzt. Der Schwei\u00dfer aus Sachsen-Anhalt soll sich vom Folterknecht bis zum Geheimdienstler mit Kontakten bis in die F\u00fchrungsspitze der Terrororganisation hochgearbeitet haben.<\/p>\n\n\n\n

Oder Reda S., Der Prediger aus Berlin-Charlottenburg soll dem IS in Mossul als Bildungsminister gedient haben. Oder der Berliner Ex-Rapper Denis Cuspert, der zu den wichtigsten Personen in der IS-Medienorganisation Al-Hayat geh\u00f6rte. Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Beh\u00f6rden wussten gut Bescheid<\/h2>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich entstand der Islamische Staat nicht in deutschen Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen. Zur deutschen Verantwortung geh\u00f6rt aber auch, dass Politiker und Beh\u00f6rden lange wegschauten, solang nur die T\u00e4ter, aber nicht die Opfer Deutsche waren. Beh\u00f6rden wissen und wussten erschreckend gut Bescheid \u00fcber die Radikalisierung deutscher Islamisten. Ein Gro\u00dfteil der sp\u00e4teren IS-K\u00e4mpfer war polizeibekannt, stand auf Gef\u00e4hrderlisten oder hatte wegen islamistischer Straftaten bereits Haftstrafen verb\u00fc\u00dft. An der Ausreise gehindert wurden sie oftmals dennoch nicht. Die Gefahr, die von deutschen Terroristen ausgeht, interessierte Politik und \u00d6ffentlichkeit erst dann wieder, als ihre Einreise drohte.<\/p>\n\n\n\n

\"Fabian
Fabian Goldmann<\/strong> ist Journalist und Islamwissenschaftler. F\u00fcr verschiedene Magazine und Zeitungen berichtete er viele Jahre aus Nahost. Zurzeit widmet er sich vor allem dem Islam diesseits des Bosporus. Auf seinem Blog Schantall und die Scharia<\/a> bloggt er \u00fcber Islamophobie in Deutschland.<\/p>\n","post_title":"Es sind unsere Terroristen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"es-sind-unsere-terroristen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3703","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3700,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:19:36","post_date_gmt":"2020-08-13 21:19:36","post_content":"\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda? Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda t<\/p>\n\n\n\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda tritt an die Stelle der 2010 verabschiedeten Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014 (siehe IP\/10\/1535<\/a>). In der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda f\u00fcr den Zeitraum 2015-2020 skizziert die Europ\u00e4ische Kommission die Strategie der Union zur Bew\u00e4ltigung der Sicherheitsbedrohungen in der EU.<\/p>\n\n\n\n

Die EU und ihre Mitgliedstaaten sind mit betr\u00e4chtlichen Sicherheitsproblemen konfrontiert. Terrorismus, organisierte Kriminalit\u00e4t und Cyberkriminalit\u00e4t stellen eine zunehmende Gefahr f\u00fcr die europ\u00e4ische Gesellschaft dar, wobei sich Art und Ausma\u00df dieser Gefahr ver\u00e4ndert hat. Europa ist mit den Auswirkungen der politischen Instabilit\u00e4t in seiner unmittelbaren Nachbarschaft konfrontiert, die die Sicherheitsinteressen der EU gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n

Im Zuge der Krisen und Konflikte in Syrien, Irak und Libyen haben sich europ\u00e4ische B\u00fcrger terroristischen Gruppen angeschlossen, die bei ihrer R\u00fcckkehr eine erhebliche Bedrohung darstellen k\u00f6nnen. Die j\u00fcngsten terroristischen Anschl\u00e4ge in Europa zeugen von der zunehmenden Bedrohung durch einen gewaltt\u00e4tigen Extremismus und zeigen, in welchem Ausma\u00df weltweite Konflikte zur Radikalisierung der europ\u00e4ischen B\u00fcrger beitragen.<\/p>\n\n\n\n

Das Online-Umfeld hat sich zunehmend als Ziel f\u00fcr Kriminelle und Terroristen entwickelt. Unabh\u00e4ngig davon, ob es um die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und die Anwerbung von Menschen f\u00fcr terroristische Organisationen geht oder die Verbreitung von Hass oder einen Angriff auf die europ\u00e4ischen Werte und Institutionen, fest steht, dass wir unsere Reaktion auf diese Bedrohungen unbedingt abstimmen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Welcher Mehrwert entsteht durch die EU im Bereich der inneren Sicherheit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Gew\u00e4hrleistung der inneren Sicherheit f\u00e4llt weiterhin in erster Linie in die Zust\u00e4ndigkeit der Mitgliedstaaten. Allerdings werden die Bedrohungen f\u00fcr Europas B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger immer vielf\u00e4ltiger und betreffen in zunehmendem Ma\u00dfe mehrere Mitgliedstaaten. Einzelne Mitgliedstaaten haben die Verantwortung, die Sicherheit an den Au\u00dfengrenzen zu gew\u00e4hrleisten, sind aber nicht mehr in der Lage, diese Herausforderungen allein zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n

Kriminelle und terroristische Aktivit\u00e4ten machen nicht an den Grenzen der EU halt und beschr\u00e4nken sich auch nicht auf Nachbarregionen. Die innere Sicherheit der EU und die globale Sicherheit sind voneinander abh\u00e4ngig und miteinander verkn\u00fcpft. Die Sicherheit der Union h\u00e4ngt in hohem Ma\u00dfe von der Zusammenarbeit mit ihren internationalen Partnern und ihren Nachbarl\u00e4ndern ab.<\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t und des Terrorismus ist eine gemeinsame europ\u00e4ische Aufgabe. Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda sollte von den Mitgliedstaaten und den EU-Organen gemeinsam als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und gemeinsame Ma\u00dfnahmen der Union genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n

Mit Hilfe der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda werden die Polizei- und Strafverfolgungsdienste in verschiedenen Mitgliedstaaten Daten effektiver austauschen und bei der Bek\u00e4mpfung der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t besser zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Die Mitgliedstaaten k\u00f6nnen auf die Unterst\u00fctzung durch die Agenturen der EU z\u00e4hlen. Insbesondere in folgenden Punkten l\u00e4sst sich mit Hilfe der Sicherheitsagenda ein EU-Mehrwert erzielen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n

A) Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und den EU-Agenturen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1<\/strong>: Das Schengener Informationssystem<\/strong> (SIS) wird von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Abfrage von Ausschreibungen von gesuchten oder vermissten Personen und Gegenst\u00e4nden genutzt. Die Kommission wird an der Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Ausschreibungskategorien arbeiten und sich daf\u00fcr einsetzen, dass das SIS zusammen mit der Interpol-Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD)<\/strong> umfassender genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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2014, als der \u201eIS\u201c den Nord-Irak \u00fcberfiel. In einem der Zelte lebt auch die Familie von Thomas Abdallah Hammou. Thomas war auf der Flucht von seiner Familie getrennt und von den Dschihadisten verschleppt worden. Damals war er acht Jahre alt. Ein Kind. Drei Jahre blieb er in Geiselhaft, lebte in Mosul.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollten nicht, dass wir spielen. Sie mochten es nicht. Ich habe keine Schule besucht, aber sie gaben uns Koran-Unterricht. Jeden Tag.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas musste seinem eigenen, dem jesidischen Glauben abschw\u00f6ren. Weil der \u201eIS\u201c die Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c betrachtet. Und \u201eUngl\u00e4ubige\u201c, so die Auffassung der Terroristen, m\u00fcssen zwangsbekehrt werden. Oder get\u00f6tet. Die Terroristen hatten dementsprechend die Jesiden entweder an Ort und Stelle ermordet, die meisten im Sinjar, im alten Siedlungsgebiet der Jesiden im Nord-Irak. Tausende. 47 Massengr\u00e4ber sollen mittlerweile gefunden worden sein. Oder aber die Terroristen lie\u00dfen die Jesiden am Leben und nahmen sie in Geiselhaft. Sie machten aus ihnen Sexsklavinnen oder sie bildeten sie aus \u2013 zu Selbstmordattent\u00e4tern. Wie Thomas.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie haben uns st\u00e4ndig geschlagen. Wir mussten Schie\u00dfen \u00fcben. Zwei meiner Freunde haben sich in die Luft gesprengt. Sie sind zum Training. Doch sie kamen nicht zur\u00fcck. Ich war nicht traurig. Sie wollten sich ja in die Luft sprengen. Die \u201aIS\u2018-Leute hatten es nicht von ihnen verlangt. Sie sind freiwillig gegangen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas hat heute einen modernen Haarschnitt; der Nacken ist ausrasiert; der lange Pony in die Stirn gek\u00e4mmt. Im Sommer sah er noch anders aus, kurz nachdem Mosul befreit worden war. Bei einem Luftangriff der Anti-\u201eIS\u201c-Koalition wurde Thomas schwer verletzt aus Tr\u00fcmmern geborgen, dann operiert.<\/p>\n\n\n\n

\"ThomasThomas erholt sich von drei Jahren IS-Gefangenschaft. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

Arbeit mit \u201eDschihadisten-Kindern\u201c<\/h2>\n\n\n\n

Die \u00e4u\u00dferen Wunden sind heute verheilt. Doch wie sieht es aus mit den inneren, den seelischen Verletzungen? Thomas wurde von seiner Familie aufgenommen und bekommt Hilfe. Andere Kinder konnten nicht aufgefangen werden. Bis heute betrachten sie Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c \u2013 so wie es ihnen in der Geiselhaft eingeh\u00e4mmert wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie sind eine gro\u00dfe Gefahr f\u00fcr andere Kinder. Sie leben in Lagern, in einem Zelt, auf sechs mal vier Metern, oder noch weniger! Acht Geschwister, sie spielen zusammen, reden, sie indoktrinieren die anderen! Das ist ein Problem, das wir nicht l\u00f6sen k\u00f6nnen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Sara Hassan ist Sozialarbeiterin. Sie arbeitet in den Lagern, versucht M\u00e4dchen und Frauen, die jahrelang in Geiselhaft vergewaltigt wurden, zu helfen. Unz\u00e4hlige hatte der \u201eIS\u201c einst entf\u00fchrt. Sara arbeitet auch mit den sogenannten \u201eDschihadisten-Kindern\u201c. Sie erz\u00e4hlt, wie \u00fcberfordert alle seien: die Familien, die jesidische Gemeinschaft, die Gesellschaft des Nord-Irak.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIn einem anderen Fall hat sich die Familie am Ende an die Sicherheitskr\u00e4fte gewandt. Doch die wussten auch nicht, wie sie damit umgehen sollten. Monate lang hat die Familie versucht, den Jungen umzuerziehen, zusammen mit Sozialarbeitern. Aber noch immer sehen wir den Hass in seinen Augen \u2013 gegen\u00fcber Kurden, Christen und Jesiden. Als blicke man in die Augen eines IS-Terroristen. Das ist das Problem.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Die Jesiden k\u00f6nnen \u00fcber ihre vom \u201eIS\u201c indoktrinierten Kinder sprechen. Denn niemand zweifelt daran, dass sie Opfer der Tyrannei wurden. Bei den sunnitischen Arabern sieht das anders aus. Da sie derselben Religionsgruppe angeh\u00f6ren wie formal auch die Terroristen, stehen sie unter Generalverdacht, mit dem \u201eIS\u201c gemeinsame Sache gemacht zu haben. Sunnitische Araber trauen sich daher nicht, die Probleme ihrer Kinder \u00f6ffentlich zu machen \u2013 auch wenn sie selbst nichts mit dem \u201eIS\u201c zu tun hatten.<\/p>\n\n\n\n

Unklar ist, wie viele Kinder und Jugendliche im Irak und in Syrien zu Terroristen ausgebildet wurden, dabei noch in Geiselhaft sind oder bereits als \u201eSchl\u00e4fer\u201c darauf warten, zum Einsatz zu kommen. Sie gleichen \u201etickenden Zeitbomben\u201c, die jederzeit explodieren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

Minderheiten haben Angst vor \u201eIS\u201c-Nachfolgern<\/h2>\n\n\n\n

Kamaran Palani spricht davon, dass viele Menschen immer noch gehen wollen, obwohl der \u201eIS\u201c als staats\u00e4hnliches Gebilde nicht mehr besteht. Seine Saat aber, so der Politikwissenschaftler, sei aufgegangen.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollen einfach nicht in diesem Land bleiben. Der IS hat sie dazu gebracht. Jeder hat heute Angst, dass eine andere Organisation kommen wird, Terroristen, die dasselbe anrichten wie zuvor.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Palani forscht am \u201eMiddle East Research Institute\u201c, das seinen Sitz in Erbil hat, der Hauptstadt von Irakisch-Kurdistan. <\/p>\n\n\n\n

\u201e60 bis 65 Prozent der Christen wollen gehen. Das Gleiche gilt f\u00fcr andere Minderheiten: f\u00fcr Jesiden, Schabaks, Turkmenen, Kakais.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

\u201eWir werden niemals wieder mit den Arabern zusammenleben k\u00f6nnen!\u201c \u2013 ein Satz, der heute h\u00e4ufig im Nord-Irak zu h\u00f6ren ist. Gemeint sind die Iraker, die Sunniten und Araber sind \u2013 die einstmals Nachbarn von Jesiden, Christen und Kurden waren \u2013 mit denen man Handel trieb und Hochzeiten feierte, die auch Freunde waren.<\/p>\n\n\n\n

Der Irak ist eine multi-ethnische und multi-religi\u00f6se Gesellschaft, in der die Schiiten die Mehrheit stellen. \u00dcber Jahrhunderte aber hatten die sunnitischen Araber das Sagen, sie missbrauchten die Macht, errichteten ein Schreckensregime \u2013 bis 2003, als Diktator Saddam Hussein von den USA gest\u00fcrzt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c entstand aus Widerstand gegen Schiiten-Herrschaft<\/h2>\n\n\n\n

Jetzt wurde der Spie\u00df umgedreht. Die Amerikaner sorgten daf\u00fcr, dass die Sunniten jegliche Machtposition verloren \u2013 so wurde die irakische Armee, wurde die baathistische Partei aufgel\u00f6st \u2013 ohne ein Pendant zu schaffen, das alle integrierte. Und: Washington unterst\u00fctzte Regierungschef Nouri al-Maliki, einen Schiiten. Maliki sah eine historische Chance gekommen, diskriminierte nun seinerseits seine sunnitischen Landsleute, verwehrte ihnen im \u201eNeuen Irak\u201c die Mitsprache. Im Regime Malikis wurden Sunniten inhaftiert, gefoltert und umgebracht.<\/p>\n\n\n\n

Was viele in den Widerstand trieb. Einige schlossen sich der Terror-Organisation \u201eAl-Qaida\u201c an, unter ihnen f\u00fchrende Milit\u00e4rs der aufgel\u00f6sten Armee Saddam Husseins \u2013 und aus \u201eAl-Qaida\u201c ging sp\u00e4ter der \u201eIS\u201c hervor.<\/p>\n\n\n\n

Als der \u201eIS\u201c dann im Sommer 2014 fast ohne Gegenwehr weite Landstriche in Syrien und im Irak \u00fcberrannte und seinen \u201eStaat\u201c ausrief, sahen auch gew\u00f6hnliche sunnitische Araber einen Wechsel nahen. Viele machten gemeinsame Sache mit den Terroristen, verhinderten die Flucht jesidischer Nachbarn, lieferten sie ihren Schl\u00e4chtern aus. Kamaran Palani:<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c-K\u00e4mpfer haben gesagt, es gehe darum, die W\u00fcrde der sunnitischen Araber wiederherzustellen. Ihre Macht. Ihre Geschichte. Tats\u00e4chlich konnten es die Araber nicht hinnehmen, dass sie ins Abseits gedr\u00e4ngt wurden. Und ich denke, dass sie auch in Zukunft so handeln werden. Wann immer sich die Gelegenheit bietet: Sie werden alles hinter sich lassen \u2013 sich nur darauf konzentrieren.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Misstrauen. Auch bei einem Politikwissenschaftler. Was also tun? Zerst\u00f6rte St\u00e4dte und D\u00f6rfer k\u00f6nnten wieder aufgebaut werden \u2013 wenn denn ein gemeinsamer Wille best\u00fcnde. Doch was, wenn es einen solchen gemeinsamen Willen gar nicht gibt? Wenn Schmerz und Trauer anhalten, wenn die Verbrechen von Terroristen und Helfershelfern nicht geahndet werden, wenn Angst umgeht, Misstrauen und Hass das Miteinander bestimmen.<\/p>\n\n\n\n

\"SyrischeSoldaten in der irakischen Stadt Sindschar nach der R\u00fcckeroberung von der IS-Miliz Ende 2015. (dpa \/ MAXPPP \/ Arnaud Dumontier)<\/p>\n\n\n\n

Kamaran Palani stammt aus der Stadt Makhmour. Drei Tage nur sei der \u201eIS\u201c dort gewesen, sagt er, doch diese Tage h\u00e4tten alles ver\u00e4ndert. Der \u201eIS\u201c habe die Menschen in seiner Heimatstadt verrohen lassen, meint er, das Verh\u00e4ltnis zwischen Kurden und Arabern sei heute tot. Eine R\u00fcckkehr in alte Zeiten h\u00e4lt Palani f\u00fcr falsch.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch denke, es w\u00e4re nicht einfach, in das Jahr 2014 \u2013 also in die Zeit vor dem \u201aIS\u2018 \u2013 zur\u00fcckzukehren. Vor allem aber w\u00e4re es nicht die richtige Politik. Denn eben die hat ja erst zum Aufkommen, zur Existenz des \u201aIS\u2018 gef\u00fchrt.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n


Wie also in Ruinen Neues schaffen? Der Staat muss das Gewaltmonopol zur\u00fcckerlangen, fordert der Politikwissenschaftler. F\u00fcr ihn steht das an erster Stelle. Und dann m\u00fcsse der Staat dringend einen Kurswechsel vornehmen: Er m\u00fcsse integrativ wirken, alle einbinden, auch die Araber, in Sicherheitskr\u00e4fte, Verwaltung und Politik.<\/p>\n\n\n\n

Machtmonopol m\u00fcsste von Milizen zum Staat gehen<\/h2>\n\n\n\n

Die Realit\u00e4t sieht anders aus: Ein Staat Kurdistan, der neue Optionen m\u00f6glich gemacht h\u00e4tte, auch von den Minderheiten gew\u00fcnscht worden war, ist nicht entstanden. Bagdad aber ist fern, der Zentralstaat kaum existent, und wenn, dann ist er schiitisch dominiert. Es sind Milizen, die im Nord-Irak das Geschehen bestimmen, darum rivalisieren, das Machtvakuum zu f\u00fcllen, das durch die Vertreibung des \u201eIS\u201c entstanden ist. Einst im Kampf gegen die Terroristen geeint, sind die Milizen einander heute feind.<\/p>\n\n\n\n

Allen voran die \u201eHashd ash-Shaabi\u201c, schiitisch-irakische Milizen, deren Ausbilder und Kommandeure h\u00e4ufig Iraner sind. Bagdad hat die Haschd als regul\u00e4re Kraft im Kampf gegen den \u201eIS\u201c anerkannt \u2013 obwohl Menschenrechts-Organisationen schwere Vorw\u00fcrfe gegen sie erheben. Fest steht: Die schiitischen Milizen halten D\u00f6rfer besetzt, sind in Mosul f\u00fcr ihr herrisches Auftreten und ihre Willk\u00fcr bekannt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eTats\u00e4chlich sorgen die verschiedenen bewaffneten Gruppen daf\u00fcr, dass die Fl\u00fcchtlinge nicht zur\u00fcckkehren. Und weil sie nicht zur\u00fcckkehren, gibt es auch keinen Wiederaufbau. Die Menschen haben Angst vor den Milizen \u2013 auch davor, dass die einander bek\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die \u201eHashd\u201c m\u00fcssten mithin abziehen. Und mit ihnen die anderen Milizen. Das Machtmonopol m\u00fcsste an den Staat gehen. Doch der Irak ist auch Spielball der Regionalm\u00e4chte: Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien. Sie konkurrieren um Einfluss-Sph\u00e4ren, bedienen sich dabei verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Gruppen im Irak. Deswegen werden die Hashd nicht abziehen. Derzeit sind sie von der iranisch-irakischen Grenze im Osten \u00fcber Bagdad bis hoch zur irakisch-syrischen Grenze im Norden postiert. Einheiten Teherans k\u00f6nnten demnach auf dem Landweg vom Iran bis ans Mittelmeer durchmarschieren.<\/p>\n\n\n\n

Iran und Saudi-Arabien wollen Macht vergr\u00f6\u00dfern<\/h2>\n\n\n\n

Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n

In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n

Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3703,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:24:20","post_date_gmt":"2020-08-13 21:24:20","post_content":"\n

Deutschland str\u00e4ubt sich gegen die R\u00fcckkehr seiner eigenen Staatsb\u00fcrger, die zu IS-Terroristen wurden. Dabei hat die Bundesrepublik den Terror und die Terroristen einst exportiert. Und dies geschah wissentlich, sagt der Islamwissenschaftler Fabian Goldmann.<\/p>\n\n\n\n

Wann haben Sie sich eigentlich zuletzt von deutschen Terroristen distanziert? Zum Beispiel von Robert B.? Der Ex-Bundeswehrsoldat aus Solingen hat mutma\u00dflich bei einem Selbstmordattentat Anfang 2014 50 Menschen mit in den Tod gerissen. <\/p>\n\n\n\n

Oder von Yannik N.? Der junge Freiburger steuerte wahrscheinlich im Jahr 2015 einen mit anderthalb Tonnen Sprengstoff beladenen LKW in eine Menschenmenge und nahm so Dutzenden Personen das Leben.<\/p>\n\n\n\n

Oder von Yamin A.?. Im Sommer 2015 tauchte im Netz ein Video auf, das zeigte, wie der ehemalige Telekom-Azubi aus K\u00f6nigswinter zwei gefesselten Soldaten in den Kopf schoss.
Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Deutsche T\u00e4ter, aber kaum deutsche Opfer<\/h2>\n\n\n\n

Hauptsache nicht bei uns! Dies scheint auch dieser Tage wieder die Maxime zu sein, wenn Politiker und \u00d6ffentlichkeit \u00fcber den Umgang mit deutschen Terroristen diskutieren. Von potenziellen Bedrohungen und Anschlagsgefahren in Deutschland liest man dann. Vom ganz realen Terror, den Deutsche in den vergangenen Jahren \u00fcber die Menschen in Syrien und Irak gebracht haben, h\u00f6rt man hingegen kaum. Ein Terror, der kaum deutsche Opfer aber umso mehr deutsche T\u00e4ter kannte.<\/p>\n\n\n\n

1.050 \u2013 das ist laut Bundesinnenministerium die Anzahl der Dschihadisten, die in den letzten Jahren die Bundesrepublik in Richtung Nahost verlassen hat. Es f\u00e4llt schwer, sich umgekehrtes Szenario \u00fcberhaupt auszumalen. Was w\u00e4re wohl los, h\u00e4tte es nur ein Bruchteil arabischer Terroristen geschafft, bei uns Anschl\u00e4ge zu begehen? Europas \u201eMuslim Bann\u201c? \u00dcberwachungsstaat auf NSA-Niveau?<\/p>\n\n\n\n

Die CSU st\u00fcnde wom\u00f6glich am linken Ende des politischen Spektrums, und auf Twitter w\u00fcrde Trump deutsche Migrationspolitiker zur M\u00e4\u00dfigung aufrufen. Der deutsche Terror in Nahost kommt hingegen seit Jahren ganz ohne Sondersendungen, politische Debatten und Distanzierungsforderungen aus. <\/p>\n\n\n\n

Deutsche K\u00e4mpfer waren nicht nur willenloses Kanonenfutter<\/h2>\n\n\n\n

An fehlendem Wissen liegt das nicht. Von ganzen Einheiten des IS, in denen kein einziger K\u00e4mpfer Arabisch spreche, berichten syrische, irakische und kurdische Soldaten schon seit Jahren. Von Aleppo \u00fcber Raqqa bis Mossul haben Aktivisten und Politiker immer wieder darauf hingewiesen, dass viele der schlimmsten M\u00f6rder in den Reihen des IS Europ\u00e4er sind. Interessiert hat das hier kaum jemand.<\/p>\n\n\n\n

Dabei dienten Deutsche dem Islamischen Staats nicht nur als willenloses Kanonenfutter, wie es oft dargestellt wird. Viele haben seinen Terror mitgepr\u00e4gt. Wie Martin L., der derzeit in kurdischer Haft sitzt. Der Schwei\u00dfer aus Sachsen-Anhalt soll sich vom Folterknecht bis zum Geheimdienstler mit Kontakten bis in die F\u00fchrungsspitze der Terrororganisation hochgearbeitet haben.<\/p>\n\n\n\n

Oder Reda S., Der Prediger aus Berlin-Charlottenburg soll dem IS in Mossul als Bildungsminister gedient haben. Oder der Berliner Ex-Rapper Denis Cuspert, der zu den wichtigsten Personen in der IS-Medienorganisation Al-Hayat geh\u00f6rte. Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Beh\u00f6rden wussten gut Bescheid<\/h2>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich entstand der Islamische Staat nicht in deutschen Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen. Zur deutschen Verantwortung geh\u00f6rt aber auch, dass Politiker und Beh\u00f6rden lange wegschauten, solang nur die T\u00e4ter, aber nicht die Opfer Deutsche waren. Beh\u00f6rden wissen und wussten erschreckend gut Bescheid \u00fcber die Radikalisierung deutscher Islamisten. Ein Gro\u00dfteil der sp\u00e4teren IS-K\u00e4mpfer war polizeibekannt, stand auf Gef\u00e4hrderlisten oder hatte wegen islamistischer Straftaten bereits Haftstrafen verb\u00fc\u00dft. An der Ausreise gehindert wurden sie oftmals dennoch nicht. Die Gefahr, die von deutschen Terroristen ausgeht, interessierte Politik und \u00d6ffentlichkeit erst dann wieder, als ihre Einreise drohte.<\/p>\n\n\n\n

\"Fabian
Fabian Goldmann<\/strong> ist Journalist und Islamwissenschaftler. F\u00fcr verschiedene Magazine und Zeitungen berichtete er viele Jahre aus Nahost. Zurzeit widmet er sich vor allem dem Islam diesseits des Bosporus. Auf seinem Blog Schantall und die Scharia<\/a> bloggt er \u00fcber Islamophobie in Deutschland.<\/p>\n","post_title":"Es sind unsere Terroristen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"es-sind-unsere-terroristen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3703","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3700,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:19:36","post_date_gmt":"2020-08-13 21:19:36","post_content":"\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda? Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda t<\/p>\n\n\n\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda tritt an die Stelle der 2010 verabschiedeten Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014 (siehe IP\/10\/1535<\/a>). In der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda f\u00fcr den Zeitraum 2015-2020 skizziert die Europ\u00e4ische Kommission die Strategie der Union zur Bew\u00e4ltigung der Sicherheitsbedrohungen in der EU.<\/p>\n\n\n\n

Die EU und ihre Mitgliedstaaten sind mit betr\u00e4chtlichen Sicherheitsproblemen konfrontiert. Terrorismus, organisierte Kriminalit\u00e4t und Cyberkriminalit\u00e4t stellen eine zunehmende Gefahr f\u00fcr die europ\u00e4ische Gesellschaft dar, wobei sich Art und Ausma\u00df dieser Gefahr ver\u00e4ndert hat. Europa ist mit den Auswirkungen der politischen Instabilit\u00e4t in seiner unmittelbaren Nachbarschaft konfrontiert, die die Sicherheitsinteressen der EU gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n

Im Zuge der Krisen und Konflikte in Syrien, Irak und Libyen haben sich europ\u00e4ische B\u00fcrger terroristischen Gruppen angeschlossen, die bei ihrer R\u00fcckkehr eine erhebliche Bedrohung darstellen k\u00f6nnen. Die j\u00fcngsten terroristischen Anschl\u00e4ge in Europa zeugen von der zunehmenden Bedrohung durch einen gewaltt\u00e4tigen Extremismus und zeigen, in welchem Ausma\u00df weltweite Konflikte zur Radikalisierung der europ\u00e4ischen B\u00fcrger beitragen.<\/p>\n\n\n\n

Das Online-Umfeld hat sich zunehmend als Ziel f\u00fcr Kriminelle und Terroristen entwickelt. Unabh\u00e4ngig davon, ob es um die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und die Anwerbung von Menschen f\u00fcr terroristische Organisationen geht oder die Verbreitung von Hass oder einen Angriff auf die europ\u00e4ischen Werte und Institutionen, fest steht, dass wir unsere Reaktion auf diese Bedrohungen unbedingt abstimmen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Welcher Mehrwert entsteht durch die EU im Bereich der inneren Sicherheit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Gew\u00e4hrleistung der inneren Sicherheit f\u00e4llt weiterhin in erster Linie in die Zust\u00e4ndigkeit der Mitgliedstaaten. Allerdings werden die Bedrohungen f\u00fcr Europas B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger immer vielf\u00e4ltiger und betreffen in zunehmendem Ma\u00dfe mehrere Mitgliedstaaten. Einzelne Mitgliedstaaten haben die Verantwortung, die Sicherheit an den Au\u00dfengrenzen zu gew\u00e4hrleisten, sind aber nicht mehr in der Lage, diese Herausforderungen allein zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n

Kriminelle und terroristische Aktivit\u00e4ten machen nicht an den Grenzen der EU halt und beschr\u00e4nken sich auch nicht auf Nachbarregionen. Die innere Sicherheit der EU und die globale Sicherheit sind voneinander abh\u00e4ngig und miteinander verkn\u00fcpft. Die Sicherheit der Union h\u00e4ngt in hohem Ma\u00dfe von der Zusammenarbeit mit ihren internationalen Partnern und ihren Nachbarl\u00e4ndern ab.<\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t und des Terrorismus ist eine gemeinsame europ\u00e4ische Aufgabe. Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda sollte von den Mitgliedstaaten und den EU-Organen gemeinsam als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und gemeinsame Ma\u00dfnahmen der Union genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n

Mit Hilfe der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda werden die Polizei- und Strafverfolgungsdienste in verschiedenen Mitgliedstaaten Daten effektiver austauschen und bei der Bek\u00e4mpfung der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t besser zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Die Mitgliedstaaten k\u00f6nnen auf die Unterst\u00fctzung durch die Agenturen der EU z\u00e4hlen. Insbesondere in folgenden Punkten l\u00e4sst sich mit Hilfe der Sicherheitsagenda ein EU-Mehrwert erzielen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n

A) Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und den EU-Agenturen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1<\/strong>: Das Schengener Informationssystem<\/strong> (SIS) wird von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Abfrage von Ausschreibungen von gesuchten oder vermissten Personen und Gegenst\u00e4nden genutzt. Die Kommission wird an der Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Ausschreibungskategorien arbeiten und sich daf\u00fcr einsetzen, dass das SIS zusammen mit der Interpol-Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD)<\/strong> umfassender genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

\n

\"DasDas Lager Khabartu f\u00fcr irakische Binnenfl\u00fcchtlinge. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

2014, als der \u201eIS\u201c den Nord-Irak \u00fcberfiel. In einem der Zelte lebt auch die Familie von Thomas Abdallah Hammou. Thomas war auf der Flucht von seiner Familie getrennt und von den Dschihadisten verschleppt worden. Damals war er acht Jahre alt. Ein Kind. Drei Jahre blieb er in Geiselhaft, lebte in Mosul.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollten nicht, dass wir spielen. Sie mochten es nicht. Ich habe keine Schule besucht, aber sie gaben uns Koran-Unterricht. Jeden Tag.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas musste seinem eigenen, dem jesidischen Glauben abschw\u00f6ren. Weil der \u201eIS\u201c die Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c betrachtet. Und \u201eUngl\u00e4ubige\u201c, so die Auffassung der Terroristen, m\u00fcssen zwangsbekehrt werden. Oder get\u00f6tet. Die Terroristen hatten dementsprechend die Jesiden entweder an Ort und Stelle ermordet, die meisten im Sinjar, im alten Siedlungsgebiet der Jesiden im Nord-Irak. Tausende. 47 Massengr\u00e4ber sollen mittlerweile gefunden worden sein. Oder aber die Terroristen lie\u00dfen die Jesiden am Leben und nahmen sie in Geiselhaft. Sie machten aus ihnen Sexsklavinnen oder sie bildeten sie aus \u2013 zu Selbstmordattent\u00e4tern. Wie Thomas.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie haben uns st\u00e4ndig geschlagen. Wir mussten Schie\u00dfen \u00fcben. Zwei meiner Freunde haben sich in die Luft gesprengt. Sie sind zum Training. Doch sie kamen nicht zur\u00fcck. Ich war nicht traurig. Sie wollten sich ja in die Luft sprengen. Die \u201aIS\u2018-Leute hatten es nicht von ihnen verlangt. Sie sind freiwillig gegangen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas hat heute einen modernen Haarschnitt; der Nacken ist ausrasiert; der lange Pony in die Stirn gek\u00e4mmt. Im Sommer sah er noch anders aus, kurz nachdem Mosul befreit worden war. Bei einem Luftangriff der Anti-\u201eIS\u201c-Koalition wurde Thomas schwer verletzt aus Tr\u00fcmmern geborgen, dann operiert.<\/p>\n\n\n\n

\"ThomasThomas erholt sich von drei Jahren IS-Gefangenschaft. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

Arbeit mit \u201eDschihadisten-Kindern\u201c<\/h2>\n\n\n\n

Die \u00e4u\u00dferen Wunden sind heute verheilt. Doch wie sieht es aus mit den inneren, den seelischen Verletzungen? Thomas wurde von seiner Familie aufgenommen und bekommt Hilfe. Andere Kinder konnten nicht aufgefangen werden. Bis heute betrachten sie Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c \u2013 so wie es ihnen in der Geiselhaft eingeh\u00e4mmert wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie sind eine gro\u00dfe Gefahr f\u00fcr andere Kinder. Sie leben in Lagern, in einem Zelt, auf sechs mal vier Metern, oder noch weniger! Acht Geschwister, sie spielen zusammen, reden, sie indoktrinieren die anderen! Das ist ein Problem, das wir nicht l\u00f6sen k\u00f6nnen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Sara Hassan ist Sozialarbeiterin. Sie arbeitet in den Lagern, versucht M\u00e4dchen und Frauen, die jahrelang in Geiselhaft vergewaltigt wurden, zu helfen. Unz\u00e4hlige hatte der \u201eIS\u201c einst entf\u00fchrt. Sara arbeitet auch mit den sogenannten \u201eDschihadisten-Kindern\u201c. Sie erz\u00e4hlt, wie \u00fcberfordert alle seien: die Familien, die jesidische Gemeinschaft, die Gesellschaft des Nord-Irak.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIn einem anderen Fall hat sich die Familie am Ende an die Sicherheitskr\u00e4fte gewandt. Doch die wussten auch nicht, wie sie damit umgehen sollten. Monate lang hat die Familie versucht, den Jungen umzuerziehen, zusammen mit Sozialarbeitern. Aber noch immer sehen wir den Hass in seinen Augen \u2013 gegen\u00fcber Kurden, Christen und Jesiden. Als blicke man in die Augen eines IS-Terroristen. Das ist das Problem.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Die Jesiden k\u00f6nnen \u00fcber ihre vom \u201eIS\u201c indoktrinierten Kinder sprechen. Denn niemand zweifelt daran, dass sie Opfer der Tyrannei wurden. Bei den sunnitischen Arabern sieht das anders aus. Da sie derselben Religionsgruppe angeh\u00f6ren wie formal auch die Terroristen, stehen sie unter Generalverdacht, mit dem \u201eIS\u201c gemeinsame Sache gemacht zu haben. Sunnitische Araber trauen sich daher nicht, die Probleme ihrer Kinder \u00f6ffentlich zu machen \u2013 auch wenn sie selbst nichts mit dem \u201eIS\u201c zu tun hatten.<\/p>\n\n\n\n

Unklar ist, wie viele Kinder und Jugendliche im Irak und in Syrien zu Terroristen ausgebildet wurden, dabei noch in Geiselhaft sind oder bereits als \u201eSchl\u00e4fer\u201c darauf warten, zum Einsatz zu kommen. Sie gleichen \u201etickenden Zeitbomben\u201c, die jederzeit explodieren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

Minderheiten haben Angst vor \u201eIS\u201c-Nachfolgern<\/h2>\n\n\n\n

Kamaran Palani spricht davon, dass viele Menschen immer noch gehen wollen, obwohl der \u201eIS\u201c als staats\u00e4hnliches Gebilde nicht mehr besteht. Seine Saat aber, so der Politikwissenschaftler, sei aufgegangen.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollen einfach nicht in diesem Land bleiben. Der IS hat sie dazu gebracht. Jeder hat heute Angst, dass eine andere Organisation kommen wird, Terroristen, die dasselbe anrichten wie zuvor.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Palani forscht am \u201eMiddle East Research Institute\u201c, das seinen Sitz in Erbil hat, der Hauptstadt von Irakisch-Kurdistan. <\/p>\n\n\n\n

\u201e60 bis 65 Prozent der Christen wollen gehen. Das Gleiche gilt f\u00fcr andere Minderheiten: f\u00fcr Jesiden, Schabaks, Turkmenen, Kakais.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

\u201eWir werden niemals wieder mit den Arabern zusammenleben k\u00f6nnen!\u201c \u2013 ein Satz, der heute h\u00e4ufig im Nord-Irak zu h\u00f6ren ist. Gemeint sind die Iraker, die Sunniten und Araber sind \u2013 die einstmals Nachbarn von Jesiden, Christen und Kurden waren \u2013 mit denen man Handel trieb und Hochzeiten feierte, die auch Freunde waren.<\/p>\n\n\n\n

Der Irak ist eine multi-ethnische und multi-religi\u00f6se Gesellschaft, in der die Schiiten die Mehrheit stellen. \u00dcber Jahrhunderte aber hatten die sunnitischen Araber das Sagen, sie missbrauchten die Macht, errichteten ein Schreckensregime \u2013 bis 2003, als Diktator Saddam Hussein von den USA gest\u00fcrzt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c entstand aus Widerstand gegen Schiiten-Herrschaft<\/h2>\n\n\n\n

Jetzt wurde der Spie\u00df umgedreht. Die Amerikaner sorgten daf\u00fcr, dass die Sunniten jegliche Machtposition verloren \u2013 so wurde die irakische Armee, wurde die baathistische Partei aufgel\u00f6st \u2013 ohne ein Pendant zu schaffen, das alle integrierte. Und: Washington unterst\u00fctzte Regierungschef Nouri al-Maliki, einen Schiiten. Maliki sah eine historische Chance gekommen, diskriminierte nun seinerseits seine sunnitischen Landsleute, verwehrte ihnen im \u201eNeuen Irak\u201c die Mitsprache. Im Regime Malikis wurden Sunniten inhaftiert, gefoltert und umgebracht.<\/p>\n\n\n\n

Was viele in den Widerstand trieb. Einige schlossen sich der Terror-Organisation \u201eAl-Qaida\u201c an, unter ihnen f\u00fchrende Milit\u00e4rs der aufgel\u00f6sten Armee Saddam Husseins \u2013 und aus \u201eAl-Qaida\u201c ging sp\u00e4ter der \u201eIS\u201c hervor.<\/p>\n\n\n\n

Als der \u201eIS\u201c dann im Sommer 2014 fast ohne Gegenwehr weite Landstriche in Syrien und im Irak \u00fcberrannte und seinen \u201eStaat\u201c ausrief, sahen auch gew\u00f6hnliche sunnitische Araber einen Wechsel nahen. Viele machten gemeinsame Sache mit den Terroristen, verhinderten die Flucht jesidischer Nachbarn, lieferten sie ihren Schl\u00e4chtern aus. Kamaran Palani:<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c-K\u00e4mpfer haben gesagt, es gehe darum, die W\u00fcrde der sunnitischen Araber wiederherzustellen. Ihre Macht. Ihre Geschichte. Tats\u00e4chlich konnten es die Araber nicht hinnehmen, dass sie ins Abseits gedr\u00e4ngt wurden. Und ich denke, dass sie auch in Zukunft so handeln werden. Wann immer sich die Gelegenheit bietet: Sie werden alles hinter sich lassen \u2013 sich nur darauf konzentrieren.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Misstrauen. Auch bei einem Politikwissenschaftler. Was also tun? Zerst\u00f6rte St\u00e4dte und D\u00f6rfer k\u00f6nnten wieder aufgebaut werden \u2013 wenn denn ein gemeinsamer Wille best\u00fcnde. Doch was, wenn es einen solchen gemeinsamen Willen gar nicht gibt? Wenn Schmerz und Trauer anhalten, wenn die Verbrechen von Terroristen und Helfershelfern nicht geahndet werden, wenn Angst umgeht, Misstrauen und Hass das Miteinander bestimmen.<\/p>\n\n\n\n

\"SyrischeSoldaten in der irakischen Stadt Sindschar nach der R\u00fcckeroberung von der IS-Miliz Ende 2015. (dpa \/ MAXPPP \/ Arnaud Dumontier)<\/p>\n\n\n\n

Kamaran Palani stammt aus der Stadt Makhmour. Drei Tage nur sei der \u201eIS\u201c dort gewesen, sagt er, doch diese Tage h\u00e4tten alles ver\u00e4ndert. Der \u201eIS\u201c habe die Menschen in seiner Heimatstadt verrohen lassen, meint er, das Verh\u00e4ltnis zwischen Kurden und Arabern sei heute tot. Eine R\u00fcckkehr in alte Zeiten h\u00e4lt Palani f\u00fcr falsch.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch denke, es w\u00e4re nicht einfach, in das Jahr 2014 \u2013 also in die Zeit vor dem \u201aIS\u2018 \u2013 zur\u00fcckzukehren. Vor allem aber w\u00e4re es nicht die richtige Politik. Denn eben die hat ja erst zum Aufkommen, zur Existenz des \u201aIS\u2018 gef\u00fchrt.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n


Wie also in Ruinen Neues schaffen? Der Staat muss das Gewaltmonopol zur\u00fcckerlangen, fordert der Politikwissenschaftler. F\u00fcr ihn steht das an erster Stelle. Und dann m\u00fcsse der Staat dringend einen Kurswechsel vornehmen: Er m\u00fcsse integrativ wirken, alle einbinden, auch die Araber, in Sicherheitskr\u00e4fte, Verwaltung und Politik.<\/p>\n\n\n\n

Machtmonopol m\u00fcsste von Milizen zum Staat gehen<\/h2>\n\n\n\n

Die Realit\u00e4t sieht anders aus: Ein Staat Kurdistan, der neue Optionen m\u00f6glich gemacht h\u00e4tte, auch von den Minderheiten gew\u00fcnscht worden war, ist nicht entstanden. Bagdad aber ist fern, der Zentralstaat kaum existent, und wenn, dann ist er schiitisch dominiert. Es sind Milizen, die im Nord-Irak das Geschehen bestimmen, darum rivalisieren, das Machtvakuum zu f\u00fcllen, das durch die Vertreibung des \u201eIS\u201c entstanden ist. Einst im Kampf gegen die Terroristen geeint, sind die Milizen einander heute feind.<\/p>\n\n\n\n

Allen voran die \u201eHashd ash-Shaabi\u201c, schiitisch-irakische Milizen, deren Ausbilder und Kommandeure h\u00e4ufig Iraner sind. Bagdad hat die Haschd als regul\u00e4re Kraft im Kampf gegen den \u201eIS\u201c anerkannt \u2013 obwohl Menschenrechts-Organisationen schwere Vorw\u00fcrfe gegen sie erheben. Fest steht: Die schiitischen Milizen halten D\u00f6rfer besetzt, sind in Mosul f\u00fcr ihr herrisches Auftreten und ihre Willk\u00fcr bekannt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eTats\u00e4chlich sorgen die verschiedenen bewaffneten Gruppen daf\u00fcr, dass die Fl\u00fcchtlinge nicht zur\u00fcckkehren. Und weil sie nicht zur\u00fcckkehren, gibt es auch keinen Wiederaufbau. Die Menschen haben Angst vor den Milizen \u2013 auch davor, dass die einander bek\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die \u201eHashd\u201c m\u00fcssten mithin abziehen. Und mit ihnen die anderen Milizen. Das Machtmonopol m\u00fcsste an den Staat gehen. Doch der Irak ist auch Spielball der Regionalm\u00e4chte: Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien. Sie konkurrieren um Einfluss-Sph\u00e4ren, bedienen sich dabei verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Gruppen im Irak. Deswegen werden die Hashd nicht abziehen. Derzeit sind sie von der iranisch-irakischen Grenze im Osten \u00fcber Bagdad bis hoch zur irakisch-syrischen Grenze im Norden postiert. Einheiten Teherans k\u00f6nnten demnach auf dem Landweg vom Iran bis ans Mittelmeer durchmarschieren.<\/p>\n\n\n\n

Iran und Saudi-Arabien wollen Macht vergr\u00f6\u00dfern<\/h2>\n\n\n\n

Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n

In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n

Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3703,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:24:20","post_date_gmt":"2020-08-13 21:24:20","post_content":"\n

Deutschland str\u00e4ubt sich gegen die R\u00fcckkehr seiner eigenen Staatsb\u00fcrger, die zu IS-Terroristen wurden. Dabei hat die Bundesrepublik den Terror und die Terroristen einst exportiert. Und dies geschah wissentlich, sagt der Islamwissenschaftler Fabian Goldmann.<\/p>\n\n\n\n

Wann haben Sie sich eigentlich zuletzt von deutschen Terroristen distanziert? Zum Beispiel von Robert B.? Der Ex-Bundeswehrsoldat aus Solingen hat mutma\u00dflich bei einem Selbstmordattentat Anfang 2014 50 Menschen mit in den Tod gerissen. <\/p>\n\n\n\n

Oder von Yannik N.? Der junge Freiburger steuerte wahrscheinlich im Jahr 2015 einen mit anderthalb Tonnen Sprengstoff beladenen LKW in eine Menschenmenge und nahm so Dutzenden Personen das Leben.<\/p>\n\n\n\n

Oder von Yamin A.?. Im Sommer 2015 tauchte im Netz ein Video auf, das zeigte, wie der ehemalige Telekom-Azubi aus K\u00f6nigswinter zwei gefesselten Soldaten in den Kopf schoss.
Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Deutsche T\u00e4ter, aber kaum deutsche Opfer<\/h2>\n\n\n\n

Hauptsache nicht bei uns! Dies scheint auch dieser Tage wieder die Maxime zu sein, wenn Politiker und \u00d6ffentlichkeit \u00fcber den Umgang mit deutschen Terroristen diskutieren. Von potenziellen Bedrohungen und Anschlagsgefahren in Deutschland liest man dann. Vom ganz realen Terror, den Deutsche in den vergangenen Jahren \u00fcber die Menschen in Syrien und Irak gebracht haben, h\u00f6rt man hingegen kaum. Ein Terror, der kaum deutsche Opfer aber umso mehr deutsche T\u00e4ter kannte.<\/p>\n\n\n\n

1.050 \u2013 das ist laut Bundesinnenministerium die Anzahl der Dschihadisten, die in den letzten Jahren die Bundesrepublik in Richtung Nahost verlassen hat. Es f\u00e4llt schwer, sich umgekehrtes Szenario \u00fcberhaupt auszumalen. Was w\u00e4re wohl los, h\u00e4tte es nur ein Bruchteil arabischer Terroristen geschafft, bei uns Anschl\u00e4ge zu begehen? Europas \u201eMuslim Bann\u201c? \u00dcberwachungsstaat auf NSA-Niveau?<\/p>\n\n\n\n

Die CSU st\u00fcnde wom\u00f6glich am linken Ende des politischen Spektrums, und auf Twitter w\u00fcrde Trump deutsche Migrationspolitiker zur M\u00e4\u00dfigung aufrufen. Der deutsche Terror in Nahost kommt hingegen seit Jahren ganz ohne Sondersendungen, politische Debatten und Distanzierungsforderungen aus. <\/p>\n\n\n\n

Deutsche K\u00e4mpfer waren nicht nur willenloses Kanonenfutter<\/h2>\n\n\n\n

An fehlendem Wissen liegt das nicht. Von ganzen Einheiten des IS, in denen kein einziger K\u00e4mpfer Arabisch spreche, berichten syrische, irakische und kurdische Soldaten schon seit Jahren. Von Aleppo \u00fcber Raqqa bis Mossul haben Aktivisten und Politiker immer wieder darauf hingewiesen, dass viele der schlimmsten M\u00f6rder in den Reihen des IS Europ\u00e4er sind. Interessiert hat das hier kaum jemand.<\/p>\n\n\n\n

Dabei dienten Deutsche dem Islamischen Staats nicht nur als willenloses Kanonenfutter, wie es oft dargestellt wird. Viele haben seinen Terror mitgepr\u00e4gt. Wie Martin L., der derzeit in kurdischer Haft sitzt. Der Schwei\u00dfer aus Sachsen-Anhalt soll sich vom Folterknecht bis zum Geheimdienstler mit Kontakten bis in die F\u00fchrungsspitze der Terrororganisation hochgearbeitet haben.<\/p>\n\n\n\n

Oder Reda S., Der Prediger aus Berlin-Charlottenburg soll dem IS in Mossul als Bildungsminister gedient haben. Oder der Berliner Ex-Rapper Denis Cuspert, der zu den wichtigsten Personen in der IS-Medienorganisation Al-Hayat geh\u00f6rte. Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Beh\u00f6rden wussten gut Bescheid<\/h2>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich entstand der Islamische Staat nicht in deutschen Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen. Zur deutschen Verantwortung geh\u00f6rt aber auch, dass Politiker und Beh\u00f6rden lange wegschauten, solang nur die T\u00e4ter, aber nicht die Opfer Deutsche waren. Beh\u00f6rden wissen und wussten erschreckend gut Bescheid \u00fcber die Radikalisierung deutscher Islamisten. Ein Gro\u00dfteil der sp\u00e4teren IS-K\u00e4mpfer war polizeibekannt, stand auf Gef\u00e4hrderlisten oder hatte wegen islamistischer Straftaten bereits Haftstrafen verb\u00fc\u00dft. An der Ausreise gehindert wurden sie oftmals dennoch nicht. Die Gefahr, die von deutschen Terroristen ausgeht, interessierte Politik und \u00d6ffentlichkeit erst dann wieder, als ihre Einreise drohte.<\/p>\n\n\n\n

\"Fabian
Fabian Goldmann<\/strong> ist Journalist und Islamwissenschaftler. F\u00fcr verschiedene Magazine und Zeitungen berichtete er viele Jahre aus Nahost. Zurzeit widmet er sich vor allem dem Islam diesseits des Bosporus. Auf seinem Blog Schantall und die Scharia<\/a> bloggt er \u00fcber Islamophobie in Deutschland.<\/p>\n","post_title":"Es sind unsere Terroristen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"es-sind-unsere-terroristen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3703","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3700,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:19:36","post_date_gmt":"2020-08-13 21:19:36","post_content":"\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda? Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda t<\/p>\n\n\n\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda tritt an die Stelle der 2010 verabschiedeten Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014 (siehe IP\/10\/1535<\/a>). In der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda f\u00fcr den Zeitraum 2015-2020 skizziert die Europ\u00e4ische Kommission die Strategie der Union zur Bew\u00e4ltigung der Sicherheitsbedrohungen in der EU.<\/p>\n\n\n\n

Die EU und ihre Mitgliedstaaten sind mit betr\u00e4chtlichen Sicherheitsproblemen konfrontiert. Terrorismus, organisierte Kriminalit\u00e4t und Cyberkriminalit\u00e4t stellen eine zunehmende Gefahr f\u00fcr die europ\u00e4ische Gesellschaft dar, wobei sich Art und Ausma\u00df dieser Gefahr ver\u00e4ndert hat. Europa ist mit den Auswirkungen der politischen Instabilit\u00e4t in seiner unmittelbaren Nachbarschaft konfrontiert, die die Sicherheitsinteressen der EU gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n

Im Zuge der Krisen und Konflikte in Syrien, Irak und Libyen haben sich europ\u00e4ische B\u00fcrger terroristischen Gruppen angeschlossen, die bei ihrer R\u00fcckkehr eine erhebliche Bedrohung darstellen k\u00f6nnen. Die j\u00fcngsten terroristischen Anschl\u00e4ge in Europa zeugen von der zunehmenden Bedrohung durch einen gewaltt\u00e4tigen Extremismus und zeigen, in welchem Ausma\u00df weltweite Konflikte zur Radikalisierung der europ\u00e4ischen B\u00fcrger beitragen.<\/p>\n\n\n\n

Das Online-Umfeld hat sich zunehmend als Ziel f\u00fcr Kriminelle und Terroristen entwickelt. Unabh\u00e4ngig davon, ob es um die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und die Anwerbung von Menschen f\u00fcr terroristische Organisationen geht oder die Verbreitung von Hass oder einen Angriff auf die europ\u00e4ischen Werte und Institutionen, fest steht, dass wir unsere Reaktion auf diese Bedrohungen unbedingt abstimmen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Welcher Mehrwert entsteht durch die EU im Bereich der inneren Sicherheit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Gew\u00e4hrleistung der inneren Sicherheit f\u00e4llt weiterhin in erster Linie in die Zust\u00e4ndigkeit der Mitgliedstaaten. Allerdings werden die Bedrohungen f\u00fcr Europas B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger immer vielf\u00e4ltiger und betreffen in zunehmendem Ma\u00dfe mehrere Mitgliedstaaten. Einzelne Mitgliedstaaten haben die Verantwortung, die Sicherheit an den Au\u00dfengrenzen zu gew\u00e4hrleisten, sind aber nicht mehr in der Lage, diese Herausforderungen allein zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n

Kriminelle und terroristische Aktivit\u00e4ten machen nicht an den Grenzen der EU halt und beschr\u00e4nken sich auch nicht auf Nachbarregionen. Die innere Sicherheit der EU und die globale Sicherheit sind voneinander abh\u00e4ngig und miteinander verkn\u00fcpft. Die Sicherheit der Union h\u00e4ngt in hohem Ma\u00dfe von der Zusammenarbeit mit ihren internationalen Partnern und ihren Nachbarl\u00e4ndern ab.<\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t und des Terrorismus ist eine gemeinsame europ\u00e4ische Aufgabe. Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda sollte von den Mitgliedstaaten und den EU-Organen gemeinsam als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und gemeinsame Ma\u00dfnahmen der Union genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n

Mit Hilfe der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda werden die Polizei- und Strafverfolgungsdienste in verschiedenen Mitgliedstaaten Daten effektiver austauschen und bei der Bek\u00e4mpfung der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t besser zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Die Mitgliedstaaten k\u00f6nnen auf die Unterst\u00fctzung durch die Agenturen der EU z\u00e4hlen. Insbesondere in folgenden Punkten l\u00e4sst sich mit Hilfe der Sicherheitsagenda ein EU-Mehrwert erzielen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n

A) Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und den EU-Agenturen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1<\/strong>: Das Schengener Informationssystem<\/strong> (SIS) wird von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Abfrage von Ausschreibungen von gesuchten oder vermissten Personen und Gegenst\u00e4nden genutzt. Die Kommission wird an der Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Ausschreibungskategorien arbeiten und sich daf\u00fcr einsetzen, dass das SIS zusammen mit der Interpol-Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD)<\/strong> umfassender genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Zelte soweit das Auge reicht. Abertausende. Inmitten von Steppe. Das Leben der Menschen ist hart. Sie darben, frieren und verdorren \u2013 wenn im Winter der kalte Wind durch die Steppe fegt und im Sommer die Sonne niederbrennt. Doch sie harren aus, haben wenig Hoffnung auf baldige R\u00fcckkehr. Die meisten kamen 2014 \u2013 hierher, ins Lager Khabartu in Irakisch-Kurdistan.<\/p>\n\n\n\n

\"DasDas Lager Khabartu f\u00fcr irakische Binnenfl\u00fcchtlinge. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

2014, als der \u201eIS\u201c den Nord-Irak \u00fcberfiel. In einem der Zelte lebt auch die Familie von Thomas Abdallah Hammou. Thomas war auf der Flucht von seiner Familie getrennt und von den Dschihadisten verschleppt worden. Damals war er acht Jahre alt. Ein Kind. Drei Jahre blieb er in Geiselhaft, lebte in Mosul.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollten nicht, dass wir spielen. Sie mochten es nicht. Ich habe keine Schule besucht, aber sie gaben uns Koran-Unterricht. Jeden Tag.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas musste seinem eigenen, dem jesidischen Glauben abschw\u00f6ren. Weil der \u201eIS\u201c die Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c betrachtet. Und \u201eUngl\u00e4ubige\u201c, so die Auffassung der Terroristen, m\u00fcssen zwangsbekehrt werden. Oder get\u00f6tet. Die Terroristen hatten dementsprechend die Jesiden entweder an Ort und Stelle ermordet, die meisten im Sinjar, im alten Siedlungsgebiet der Jesiden im Nord-Irak. Tausende. 47 Massengr\u00e4ber sollen mittlerweile gefunden worden sein. Oder aber die Terroristen lie\u00dfen die Jesiden am Leben und nahmen sie in Geiselhaft. Sie machten aus ihnen Sexsklavinnen oder sie bildeten sie aus \u2013 zu Selbstmordattent\u00e4tern. Wie Thomas.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie haben uns st\u00e4ndig geschlagen. Wir mussten Schie\u00dfen \u00fcben. Zwei meiner Freunde haben sich in die Luft gesprengt. Sie sind zum Training. Doch sie kamen nicht zur\u00fcck. Ich war nicht traurig. Sie wollten sich ja in die Luft sprengen. Die \u201aIS\u2018-Leute hatten es nicht von ihnen verlangt. Sie sind freiwillig gegangen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas hat heute einen modernen Haarschnitt; der Nacken ist ausrasiert; der lange Pony in die Stirn gek\u00e4mmt. Im Sommer sah er noch anders aus, kurz nachdem Mosul befreit worden war. Bei einem Luftangriff der Anti-\u201eIS\u201c-Koalition wurde Thomas schwer verletzt aus Tr\u00fcmmern geborgen, dann operiert.<\/p>\n\n\n\n

\"ThomasThomas erholt sich von drei Jahren IS-Gefangenschaft. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

Arbeit mit \u201eDschihadisten-Kindern\u201c<\/h2>\n\n\n\n

Die \u00e4u\u00dferen Wunden sind heute verheilt. Doch wie sieht es aus mit den inneren, den seelischen Verletzungen? Thomas wurde von seiner Familie aufgenommen und bekommt Hilfe. Andere Kinder konnten nicht aufgefangen werden. Bis heute betrachten sie Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c \u2013 so wie es ihnen in der Geiselhaft eingeh\u00e4mmert wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie sind eine gro\u00dfe Gefahr f\u00fcr andere Kinder. Sie leben in Lagern, in einem Zelt, auf sechs mal vier Metern, oder noch weniger! Acht Geschwister, sie spielen zusammen, reden, sie indoktrinieren die anderen! Das ist ein Problem, das wir nicht l\u00f6sen k\u00f6nnen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Sara Hassan ist Sozialarbeiterin. Sie arbeitet in den Lagern, versucht M\u00e4dchen und Frauen, die jahrelang in Geiselhaft vergewaltigt wurden, zu helfen. Unz\u00e4hlige hatte der \u201eIS\u201c einst entf\u00fchrt. Sara arbeitet auch mit den sogenannten \u201eDschihadisten-Kindern\u201c. Sie erz\u00e4hlt, wie \u00fcberfordert alle seien: die Familien, die jesidische Gemeinschaft, die Gesellschaft des Nord-Irak.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIn einem anderen Fall hat sich die Familie am Ende an die Sicherheitskr\u00e4fte gewandt. Doch die wussten auch nicht, wie sie damit umgehen sollten. Monate lang hat die Familie versucht, den Jungen umzuerziehen, zusammen mit Sozialarbeitern. Aber noch immer sehen wir den Hass in seinen Augen \u2013 gegen\u00fcber Kurden, Christen und Jesiden. Als blicke man in die Augen eines IS-Terroristen. Das ist das Problem.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Die Jesiden k\u00f6nnen \u00fcber ihre vom \u201eIS\u201c indoktrinierten Kinder sprechen. Denn niemand zweifelt daran, dass sie Opfer der Tyrannei wurden. Bei den sunnitischen Arabern sieht das anders aus. Da sie derselben Religionsgruppe angeh\u00f6ren wie formal auch die Terroristen, stehen sie unter Generalverdacht, mit dem \u201eIS\u201c gemeinsame Sache gemacht zu haben. Sunnitische Araber trauen sich daher nicht, die Probleme ihrer Kinder \u00f6ffentlich zu machen \u2013 auch wenn sie selbst nichts mit dem \u201eIS\u201c zu tun hatten.<\/p>\n\n\n\n

Unklar ist, wie viele Kinder und Jugendliche im Irak und in Syrien zu Terroristen ausgebildet wurden, dabei noch in Geiselhaft sind oder bereits als \u201eSchl\u00e4fer\u201c darauf warten, zum Einsatz zu kommen. Sie gleichen \u201etickenden Zeitbomben\u201c, die jederzeit explodieren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

Minderheiten haben Angst vor \u201eIS\u201c-Nachfolgern<\/h2>\n\n\n\n

Kamaran Palani spricht davon, dass viele Menschen immer noch gehen wollen, obwohl der \u201eIS\u201c als staats\u00e4hnliches Gebilde nicht mehr besteht. Seine Saat aber, so der Politikwissenschaftler, sei aufgegangen.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollen einfach nicht in diesem Land bleiben. Der IS hat sie dazu gebracht. Jeder hat heute Angst, dass eine andere Organisation kommen wird, Terroristen, die dasselbe anrichten wie zuvor.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Palani forscht am \u201eMiddle East Research Institute\u201c, das seinen Sitz in Erbil hat, der Hauptstadt von Irakisch-Kurdistan. <\/p>\n\n\n\n

\u201e60 bis 65 Prozent der Christen wollen gehen. Das Gleiche gilt f\u00fcr andere Minderheiten: f\u00fcr Jesiden, Schabaks, Turkmenen, Kakais.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

\u201eWir werden niemals wieder mit den Arabern zusammenleben k\u00f6nnen!\u201c \u2013 ein Satz, der heute h\u00e4ufig im Nord-Irak zu h\u00f6ren ist. Gemeint sind die Iraker, die Sunniten und Araber sind \u2013 die einstmals Nachbarn von Jesiden, Christen und Kurden waren \u2013 mit denen man Handel trieb und Hochzeiten feierte, die auch Freunde waren.<\/p>\n\n\n\n

Der Irak ist eine multi-ethnische und multi-religi\u00f6se Gesellschaft, in der die Schiiten die Mehrheit stellen. \u00dcber Jahrhunderte aber hatten die sunnitischen Araber das Sagen, sie missbrauchten die Macht, errichteten ein Schreckensregime \u2013 bis 2003, als Diktator Saddam Hussein von den USA gest\u00fcrzt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c entstand aus Widerstand gegen Schiiten-Herrschaft<\/h2>\n\n\n\n

Jetzt wurde der Spie\u00df umgedreht. Die Amerikaner sorgten daf\u00fcr, dass die Sunniten jegliche Machtposition verloren \u2013 so wurde die irakische Armee, wurde die baathistische Partei aufgel\u00f6st \u2013 ohne ein Pendant zu schaffen, das alle integrierte. Und: Washington unterst\u00fctzte Regierungschef Nouri al-Maliki, einen Schiiten. Maliki sah eine historische Chance gekommen, diskriminierte nun seinerseits seine sunnitischen Landsleute, verwehrte ihnen im \u201eNeuen Irak\u201c die Mitsprache. Im Regime Malikis wurden Sunniten inhaftiert, gefoltert und umgebracht.<\/p>\n\n\n\n

Was viele in den Widerstand trieb. Einige schlossen sich der Terror-Organisation \u201eAl-Qaida\u201c an, unter ihnen f\u00fchrende Milit\u00e4rs der aufgel\u00f6sten Armee Saddam Husseins \u2013 und aus \u201eAl-Qaida\u201c ging sp\u00e4ter der \u201eIS\u201c hervor.<\/p>\n\n\n\n

Als der \u201eIS\u201c dann im Sommer 2014 fast ohne Gegenwehr weite Landstriche in Syrien und im Irak \u00fcberrannte und seinen \u201eStaat\u201c ausrief, sahen auch gew\u00f6hnliche sunnitische Araber einen Wechsel nahen. Viele machten gemeinsame Sache mit den Terroristen, verhinderten die Flucht jesidischer Nachbarn, lieferten sie ihren Schl\u00e4chtern aus. Kamaran Palani:<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c-K\u00e4mpfer haben gesagt, es gehe darum, die W\u00fcrde der sunnitischen Araber wiederherzustellen. Ihre Macht. Ihre Geschichte. Tats\u00e4chlich konnten es die Araber nicht hinnehmen, dass sie ins Abseits gedr\u00e4ngt wurden. Und ich denke, dass sie auch in Zukunft so handeln werden. Wann immer sich die Gelegenheit bietet: Sie werden alles hinter sich lassen \u2013 sich nur darauf konzentrieren.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Misstrauen. Auch bei einem Politikwissenschaftler. Was also tun? Zerst\u00f6rte St\u00e4dte und D\u00f6rfer k\u00f6nnten wieder aufgebaut werden \u2013 wenn denn ein gemeinsamer Wille best\u00fcnde. Doch was, wenn es einen solchen gemeinsamen Willen gar nicht gibt? Wenn Schmerz und Trauer anhalten, wenn die Verbrechen von Terroristen und Helfershelfern nicht geahndet werden, wenn Angst umgeht, Misstrauen und Hass das Miteinander bestimmen.<\/p>\n\n\n\n

\"SyrischeSoldaten in der irakischen Stadt Sindschar nach der R\u00fcckeroberung von der IS-Miliz Ende 2015. (dpa \/ MAXPPP \/ Arnaud Dumontier)<\/p>\n\n\n\n

Kamaran Palani stammt aus der Stadt Makhmour. Drei Tage nur sei der \u201eIS\u201c dort gewesen, sagt er, doch diese Tage h\u00e4tten alles ver\u00e4ndert. Der \u201eIS\u201c habe die Menschen in seiner Heimatstadt verrohen lassen, meint er, das Verh\u00e4ltnis zwischen Kurden und Arabern sei heute tot. Eine R\u00fcckkehr in alte Zeiten h\u00e4lt Palani f\u00fcr falsch.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch denke, es w\u00e4re nicht einfach, in das Jahr 2014 \u2013 also in die Zeit vor dem \u201aIS\u2018 \u2013 zur\u00fcckzukehren. Vor allem aber w\u00e4re es nicht die richtige Politik. Denn eben die hat ja erst zum Aufkommen, zur Existenz des \u201aIS\u2018 gef\u00fchrt.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n


Wie also in Ruinen Neues schaffen? Der Staat muss das Gewaltmonopol zur\u00fcckerlangen, fordert der Politikwissenschaftler. F\u00fcr ihn steht das an erster Stelle. Und dann m\u00fcsse der Staat dringend einen Kurswechsel vornehmen: Er m\u00fcsse integrativ wirken, alle einbinden, auch die Araber, in Sicherheitskr\u00e4fte, Verwaltung und Politik.<\/p>\n\n\n\n

Machtmonopol m\u00fcsste von Milizen zum Staat gehen<\/h2>\n\n\n\n

Die Realit\u00e4t sieht anders aus: Ein Staat Kurdistan, der neue Optionen m\u00f6glich gemacht h\u00e4tte, auch von den Minderheiten gew\u00fcnscht worden war, ist nicht entstanden. Bagdad aber ist fern, der Zentralstaat kaum existent, und wenn, dann ist er schiitisch dominiert. Es sind Milizen, die im Nord-Irak das Geschehen bestimmen, darum rivalisieren, das Machtvakuum zu f\u00fcllen, das durch die Vertreibung des \u201eIS\u201c entstanden ist. Einst im Kampf gegen die Terroristen geeint, sind die Milizen einander heute feind.<\/p>\n\n\n\n

Allen voran die \u201eHashd ash-Shaabi\u201c, schiitisch-irakische Milizen, deren Ausbilder und Kommandeure h\u00e4ufig Iraner sind. Bagdad hat die Haschd als regul\u00e4re Kraft im Kampf gegen den \u201eIS\u201c anerkannt \u2013 obwohl Menschenrechts-Organisationen schwere Vorw\u00fcrfe gegen sie erheben. Fest steht: Die schiitischen Milizen halten D\u00f6rfer besetzt, sind in Mosul f\u00fcr ihr herrisches Auftreten und ihre Willk\u00fcr bekannt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eTats\u00e4chlich sorgen die verschiedenen bewaffneten Gruppen daf\u00fcr, dass die Fl\u00fcchtlinge nicht zur\u00fcckkehren. Und weil sie nicht zur\u00fcckkehren, gibt es auch keinen Wiederaufbau. Die Menschen haben Angst vor den Milizen \u2013 auch davor, dass die einander bek\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die \u201eHashd\u201c m\u00fcssten mithin abziehen. Und mit ihnen die anderen Milizen. Das Machtmonopol m\u00fcsste an den Staat gehen. Doch der Irak ist auch Spielball der Regionalm\u00e4chte: Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien. Sie konkurrieren um Einfluss-Sph\u00e4ren, bedienen sich dabei verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Gruppen im Irak. Deswegen werden die Hashd nicht abziehen. Derzeit sind sie von der iranisch-irakischen Grenze im Osten \u00fcber Bagdad bis hoch zur irakisch-syrischen Grenze im Norden postiert. Einheiten Teherans k\u00f6nnten demnach auf dem Landweg vom Iran bis ans Mittelmeer durchmarschieren.<\/p>\n\n\n\n

Iran und Saudi-Arabien wollen Macht vergr\u00f6\u00dfern<\/h2>\n\n\n\n

Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n

In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n

Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3703,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:24:20","post_date_gmt":"2020-08-13 21:24:20","post_content":"\n

Deutschland str\u00e4ubt sich gegen die R\u00fcckkehr seiner eigenen Staatsb\u00fcrger, die zu IS-Terroristen wurden. Dabei hat die Bundesrepublik den Terror und die Terroristen einst exportiert. Und dies geschah wissentlich, sagt der Islamwissenschaftler Fabian Goldmann.<\/p>\n\n\n\n

Wann haben Sie sich eigentlich zuletzt von deutschen Terroristen distanziert? Zum Beispiel von Robert B.? Der Ex-Bundeswehrsoldat aus Solingen hat mutma\u00dflich bei einem Selbstmordattentat Anfang 2014 50 Menschen mit in den Tod gerissen. <\/p>\n\n\n\n

Oder von Yannik N.? Der junge Freiburger steuerte wahrscheinlich im Jahr 2015 einen mit anderthalb Tonnen Sprengstoff beladenen LKW in eine Menschenmenge und nahm so Dutzenden Personen das Leben.<\/p>\n\n\n\n

Oder von Yamin A.?. Im Sommer 2015 tauchte im Netz ein Video auf, das zeigte, wie der ehemalige Telekom-Azubi aus K\u00f6nigswinter zwei gefesselten Soldaten in den Kopf schoss.
Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Deutsche T\u00e4ter, aber kaum deutsche Opfer<\/h2>\n\n\n\n

Hauptsache nicht bei uns! Dies scheint auch dieser Tage wieder die Maxime zu sein, wenn Politiker und \u00d6ffentlichkeit \u00fcber den Umgang mit deutschen Terroristen diskutieren. Von potenziellen Bedrohungen und Anschlagsgefahren in Deutschland liest man dann. Vom ganz realen Terror, den Deutsche in den vergangenen Jahren \u00fcber die Menschen in Syrien und Irak gebracht haben, h\u00f6rt man hingegen kaum. Ein Terror, der kaum deutsche Opfer aber umso mehr deutsche T\u00e4ter kannte.<\/p>\n\n\n\n

1.050 \u2013 das ist laut Bundesinnenministerium die Anzahl der Dschihadisten, die in den letzten Jahren die Bundesrepublik in Richtung Nahost verlassen hat. Es f\u00e4llt schwer, sich umgekehrtes Szenario \u00fcberhaupt auszumalen. Was w\u00e4re wohl los, h\u00e4tte es nur ein Bruchteil arabischer Terroristen geschafft, bei uns Anschl\u00e4ge zu begehen? Europas \u201eMuslim Bann\u201c? \u00dcberwachungsstaat auf NSA-Niveau?<\/p>\n\n\n\n

Die CSU st\u00fcnde wom\u00f6glich am linken Ende des politischen Spektrums, und auf Twitter w\u00fcrde Trump deutsche Migrationspolitiker zur M\u00e4\u00dfigung aufrufen. Der deutsche Terror in Nahost kommt hingegen seit Jahren ganz ohne Sondersendungen, politische Debatten und Distanzierungsforderungen aus. <\/p>\n\n\n\n

Deutsche K\u00e4mpfer waren nicht nur willenloses Kanonenfutter<\/h2>\n\n\n\n

An fehlendem Wissen liegt das nicht. Von ganzen Einheiten des IS, in denen kein einziger K\u00e4mpfer Arabisch spreche, berichten syrische, irakische und kurdische Soldaten schon seit Jahren. Von Aleppo \u00fcber Raqqa bis Mossul haben Aktivisten und Politiker immer wieder darauf hingewiesen, dass viele der schlimmsten M\u00f6rder in den Reihen des IS Europ\u00e4er sind. Interessiert hat das hier kaum jemand.<\/p>\n\n\n\n

Dabei dienten Deutsche dem Islamischen Staats nicht nur als willenloses Kanonenfutter, wie es oft dargestellt wird. Viele haben seinen Terror mitgepr\u00e4gt. Wie Martin L., der derzeit in kurdischer Haft sitzt. Der Schwei\u00dfer aus Sachsen-Anhalt soll sich vom Folterknecht bis zum Geheimdienstler mit Kontakten bis in die F\u00fchrungsspitze der Terrororganisation hochgearbeitet haben.<\/p>\n\n\n\n

Oder Reda S., Der Prediger aus Berlin-Charlottenburg soll dem IS in Mossul als Bildungsminister gedient haben. Oder der Berliner Ex-Rapper Denis Cuspert, der zu den wichtigsten Personen in der IS-Medienorganisation Al-Hayat geh\u00f6rte. Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Beh\u00f6rden wussten gut Bescheid<\/h2>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich entstand der Islamische Staat nicht in deutschen Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen. Zur deutschen Verantwortung geh\u00f6rt aber auch, dass Politiker und Beh\u00f6rden lange wegschauten, solang nur die T\u00e4ter, aber nicht die Opfer Deutsche waren. Beh\u00f6rden wissen und wussten erschreckend gut Bescheid \u00fcber die Radikalisierung deutscher Islamisten. Ein Gro\u00dfteil der sp\u00e4teren IS-K\u00e4mpfer war polizeibekannt, stand auf Gef\u00e4hrderlisten oder hatte wegen islamistischer Straftaten bereits Haftstrafen verb\u00fc\u00dft. An der Ausreise gehindert wurden sie oftmals dennoch nicht. Die Gefahr, die von deutschen Terroristen ausgeht, interessierte Politik und \u00d6ffentlichkeit erst dann wieder, als ihre Einreise drohte.<\/p>\n\n\n\n

\"Fabian
Fabian Goldmann<\/strong> ist Journalist und Islamwissenschaftler. F\u00fcr verschiedene Magazine und Zeitungen berichtete er viele Jahre aus Nahost. Zurzeit widmet er sich vor allem dem Islam diesseits des Bosporus. Auf seinem Blog Schantall und die Scharia<\/a> bloggt er \u00fcber Islamophobie in Deutschland.<\/p>\n","post_title":"Es sind unsere Terroristen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"es-sind-unsere-terroristen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3703","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3700,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:19:36","post_date_gmt":"2020-08-13 21:19:36","post_content":"\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda? Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda t<\/p>\n\n\n\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda tritt an die Stelle der 2010 verabschiedeten Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014 (siehe IP\/10\/1535<\/a>). In der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda f\u00fcr den Zeitraum 2015-2020 skizziert die Europ\u00e4ische Kommission die Strategie der Union zur Bew\u00e4ltigung der Sicherheitsbedrohungen in der EU.<\/p>\n\n\n\n

Die EU und ihre Mitgliedstaaten sind mit betr\u00e4chtlichen Sicherheitsproblemen konfrontiert. Terrorismus, organisierte Kriminalit\u00e4t und Cyberkriminalit\u00e4t stellen eine zunehmende Gefahr f\u00fcr die europ\u00e4ische Gesellschaft dar, wobei sich Art und Ausma\u00df dieser Gefahr ver\u00e4ndert hat. Europa ist mit den Auswirkungen der politischen Instabilit\u00e4t in seiner unmittelbaren Nachbarschaft konfrontiert, die die Sicherheitsinteressen der EU gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n

Im Zuge der Krisen und Konflikte in Syrien, Irak und Libyen haben sich europ\u00e4ische B\u00fcrger terroristischen Gruppen angeschlossen, die bei ihrer R\u00fcckkehr eine erhebliche Bedrohung darstellen k\u00f6nnen. Die j\u00fcngsten terroristischen Anschl\u00e4ge in Europa zeugen von der zunehmenden Bedrohung durch einen gewaltt\u00e4tigen Extremismus und zeigen, in welchem Ausma\u00df weltweite Konflikte zur Radikalisierung der europ\u00e4ischen B\u00fcrger beitragen.<\/p>\n\n\n\n

Das Online-Umfeld hat sich zunehmend als Ziel f\u00fcr Kriminelle und Terroristen entwickelt. Unabh\u00e4ngig davon, ob es um die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und die Anwerbung von Menschen f\u00fcr terroristische Organisationen geht oder die Verbreitung von Hass oder einen Angriff auf die europ\u00e4ischen Werte und Institutionen, fest steht, dass wir unsere Reaktion auf diese Bedrohungen unbedingt abstimmen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Welcher Mehrwert entsteht durch die EU im Bereich der inneren Sicherheit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Gew\u00e4hrleistung der inneren Sicherheit f\u00e4llt weiterhin in erster Linie in die Zust\u00e4ndigkeit der Mitgliedstaaten. Allerdings werden die Bedrohungen f\u00fcr Europas B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger immer vielf\u00e4ltiger und betreffen in zunehmendem Ma\u00dfe mehrere Mitgliedstaaten. Einzelne Mitgliedstaaten haben die Verantwortung, die Sicherheit an den Au\u00dfengrenzen zu gew\u00e4hrleisten, sind aber nicht mehr in der Lage, diese Herausforderungen allein zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n

Kriminelle und terroristische Aktivit\u00e4ten machen nicht an den Grenzen der EU halt und beschr\u00e4nken sich auch nicht auf Nachbarregionen. Die innere Sicherheit der EU und die globale Sicherheit sind voneinander abh\u00e4ngig und miteinander verkn\u00fcpft. Die Sicherheit der Union h\u00e4ngt in hohem Ma\u00dfe von der Zusammenarbeit mit ihren internationalen Partnern und ihren Nachbarl\u00e4ndern ab.<\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t und des Terrorismus ist eine gemeinsame europ\u00e4ische Aufgabe. Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda sollte von den Mitgliedstaaten und den EU-Organen gemeinsam als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und gemeinsame Ma\u00dfnahmen der Union genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n

Mit Hilfe der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda werden die Polizei- und Strafverfolgungsdienste in verschiedenen Mitgliedstaaten Daten effektiver austauschen und bei der Bek\u00e4mpfung der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t besser zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Die Mitgliedstaaten k\u00f6nnen auf die Unterst\u00fctzung durch die Agenturen der EU z\u00e4hlen. Insbesondere in folgenden Punkten l\u00e4sst sich mit Hilfe der Sicherheitsagenda ein EU-Mehrwert erzielen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n

A) Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und den EU-Agenturen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1<\/strong>: Das Schengener Informationssystem<\/strong> (SIS) wird von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Abfrage von Ausschreibungen von gesuchten oder vermissten Personen und Gegenst\u00e4nden genutzt. Die Kommission wird an der Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Ausschreibungskategorien arbeiten und sich daf\u00fcr einsetzen, dass das SIS zusammen mit der Interpol-Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD)<\/strong> umfassender genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Binnenfl\u00fcchtlinge im Lager Khabartu<\/h2>\n\n\n\n

Zelte soweit das Auge reicht. Abertausende. Inmitten von Steppe. Das Leben der Menschen ist hart. Sie darben, frieren und verdorren \u2013 wenn im Winter der kalte Wind durch die Steppe fegt und im Sommer die Sonne niederbrennt. Doch sie harren aus, haben wenig Hoffnung auf baldige R\u00fcckkehr. Die meisten kamen 2014 \u2013 hierher, ins Lager Khabartu in Irakisch-Kurdistan.<\/p>\n\n\n\n

\"DasDas Lager Khabartu f\u00fcr irakische Binnenfl\u00fcchtlinge. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

2014, als der \u201eIS\u201c den Nord-Irak \u00fcberfiel. In einem der Zelte lebt auch die Familie von Thomas Abdallah Hammou. Thomas war auf der Flucht von seiner Familie getrennt und von den Dschihadisten verschleppt worden. Damals war er acht Jahre alt. Ein Kind. Drei Jahre blieb er in Geiselhaft, lebte in Mosul.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollten nicht, dass wir spielen. Sie mochten es nicht. Ich habe keine Schule besucht, aber sie gaben uns Koran-Unterricht. Jeden Tag.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas musste seinem eigenen, dem jesidischen Glauben abschw\u00f6ren. Weil der \u201eIS\u201c die Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c betrachtet. Und \u201eUngl\u00e4ubige\u201c, so die Auffassung der Terroristen, m\u00fcssen zwangsbekehrt werden. Oder get\u00f6tet. Die Terroristen hatten dementsprechend die Jesiden entweder an Ort und Stelle ermordet, die meisten im Sinjar, im alten Siedlungsgebiet der Jesiden im Nord-Irak. Tausende. 47 Massengr\u00e4ber sollen mittlerweile gefunden worden sein. Oder aber die Terroristen lie\u00dfen die Jesiden am Leben und nahmen sie in Geiselhaft. Sie machten aus ihnen Sexsklavinnen oder sie bildeten sie aus \u2013 zu Selbstmordattent\u00e4tern. Wie Thomas.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie haben uns st\u00e4ndig geschlagen. Wir mussten Schie\u00dfen \u00fcben. Zwei meiner Freunde haben sich in die Luft gesprengt. Sie sind zum Training. Doch sie kamen nicht zur\u00fcck. Ich war nicht traurig. Sie wollten sich ja in die Luft sprengen. Die \u201aIS\u2018-Leute hatten es nicht von ihnen verlangt. Sie sind freiwillig gegangen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas hat heute einen modernen Haarschnitt; der Nacken ist ausrasiert; der lange Pony in die Stirn gek\u00e4mmt. Im Sommer sah er noch anders aus, kurz nachdem Mosul befreit worden war. Bei einem Luftangriff der Anti-\u201eIS\u201c-Koalition wurde Thomas schwer verletzt aus Tr\u00fcmmern geborgen, dann operiert.<\/p>\n\n\n\n

\"ThomasThomas erholt sich von drei Jahren IS-Gefangenschaft. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

Arbeit mit \u201eDschihadisten-Kindern\u201c<\/h2>\n\n\n\n

Die \u00e4u\u00dferen Wunden sind heute verheilt. Doch wie sieht es aus mit den inneren, den seelischen Verletzungen? Thomas wurde von seiner Familie aufgenommen und bekommt Hilfe. Andere Kinder konnten nicht aufgefangen werden. Bis heute betrachten sie Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c \u2013 so wie es ihnen in der Geiselhaft eingeh\u00e4mmert wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie sind eine gro\u00dfe Gefahr f\u00fcr andere Kinder. Sie leben in Lagern, in einem Zelt, auf sechs mal vier Metern, oder noch weniger! Acht Geschwister, sie spielen zusammen, reden, sie indoktrinieren die anderen! Das ist ein Problem, das wir nicht l\u00f6sen k\u00f6nnen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Sara Hassan ist Sozialarbeiterin. Sie arbeitet in den Lagern, versucht M\u00e4dchen und Frauen, die jahrelang in Geiselhaft vergewaltigt wurden, zu helfen. Unz\u00e4hlige hatte der \u201eIS\u201c einst entf\u00fchrt. Sara arbeitet auch mit den sogenannten \u201eDschihadisten-Kindern\u201c. Sie erz\u00e4hlt, wie \u00fcberfordert alle seien: die Familien, die jesidische Gemeinschaft, die Gesellschaft des Nord-Irak.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIn einem anderen Fall hat sich die Familie am Ende an die Sicherheitskr\u00e4fte gewandt. Doch die wussten auch nicht, wie sie damit umgehen sollten. Monate lang hat die Familie versucht, den Jungen umzuerziehen, zusammen mit Sozialarbeitern. Aber noch immer sehen wir den Hass in seinen Augen \u2013 gegen\u00fcber Kurden, Christen und Jesiden. Als blicke man in die Augen eines IS-Terroristen. Das ist das Problem.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Die Jesiden k\u00f6nnen \u00fcber ihre vom \u201eIS\u201c indoktrinierten Kinder sprechen. Denn niemand zweifelt daran, dass sie Opfer der Tyrannei wurden. Bei den sunnitischen Arabern sieht das anders aus. Da sie derselben Religionsgruppe angeh\u00f6ren wie formal auch die Terroristen, stehen sie unter Generalverdacht, mit dem \u201eIS\u201c gemeinsame Sache gemacht zu haben. Sunnitische Araber trauen sich daher nicht, die Probleme ihrer Kinder \u00f6ffentlich zu machen \u2013 auch wenn sie selbst nichts mit dem \u201eIS\u201c zu tun hatten.<\/p>\n\n\n\n

Unklar ist, wie viele Kinder und Jugendliche im Irak und in Syrien zu Terroristen ausgebildet wurden, dabei noch in Geiselhaft sind oder bereits als \u201eSchl\u00e4fer\u201c darauf warten, zum Einsatz zu kommen. Sie gleichen \u201etickenden Zeitbomben\u201c, die jederzeit explodieren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

Minderheiten haben Angst vor \u201eIS\u201c-Nachfolgern<\/h2>\n\n\n\n

Kamaran Palani spricht davon, dass viele Menschen immer noch gehen wollen, obwohl der \u201eIS\u201c als staats\u00e4hnliches Gebilde nicht mehr besteht. Seine Saat aber, so der Politikwissenschaftler, sei aufgegangen.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollen einfach nicht in diesem Land bleiben. Der IS hat sie dazu gebracht. Jeder hat heute Angst, dass eine andere Organisation kommen wird, Terroristen, die dasselbe anrichten wie zuvor.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Palani forscht am \u201eMiddle East Research Institute\u201c, das seinen Sitz in Erbil hat, der Hauptstadt von Irakisch-Kurdistan. <\/p>\n\n\n\n

\u201e60 bis 65 Prozent der Christen wollen gehen. Das Gleiche gilt f\u00fcr andere Minderheiten: f\u00fcr Jesiden, Schabaks, Turkmenen, Kakais.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

\u201eWir werden niemals wieder mit den Arabern zusammenleben k\u00f6nnen!\u201c \u2013 ein Satz, der heute h\u00e4ufig im Nord-Irak zu h\u00f6ren ist. Gemeint sind die Iraker, die Sunniten und Araber sind \u2013 die einstmals Nachbarn von Jesiden, Christen und Kurden waren \u2013 mit denen man Handel trieb und Hochzeiten feierte, die auch Freunde waren.<\/p>\n\n\n\n

Der Irak ist eine multi-ethnische und multi-religi\u00f6se Gesellschaft, in der die Schiiten die Mehrheit stellen. \u00dcber Jahrhunderte aber hatten die sunnitischen Araber das Sagen, sie missbrauchten die Macht, errichteten ein Schreckensregime \u2013 bis 2003, als Diktator Saddam Hussein von den USA gest\u00fcrzt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c entstand aus Widerstand gegen Schiiten-Herrschaft<\/h2>\n\n\n\n

Jetzt wurde der Spie\u00df umgedreht. Die Amerikaner sorgten daf\u00fcr, dass die Sunniten jegliche Machtposition verloren \u2013 so wurde die irakische Armee, wurde die baathistische Partei aufgel\u00f6st \u2013 ohne ein Pendant zu schaffen, das alle integrierte. Und: Washington unterst\u00fctzte Regierungschef Nouri al-Maliki, einen Schiiten. Maliki sah eine historische Chance gekommen, diskriminierte nun seinerseits seine sunnitischen Landsleute, verwehrte ihnen im \u201eNeuen Irak\u201c die Mitsprache. Im Regime Malikis wurden Sunniten inhaftiert, gefoltert und umgebracht.<\/p>\n\n\n\n

Was viele in den Widerstand trieb. Einige schlossen sich der Terror-Organisation \u201eAl-Qaida\u201c an, unter ihnen f\u00fchrende Milit\u00e4rs der aufgel\u00f6sten Armee Saddam Husseins \u2013 und aus \u201eAl-Qaida\u201c ging sp\u00e4ter der \u201eIS\u201c hervor.<\/p>\n\n\n\n

Als der \u201eIS\u201c dann im Sommer 2014 fast ohne Gegenwehr weite Landstriche in Syrien und im Irak \u00fcberrannte und seinen \u201eStaat\u201c ausrief, sahen auch gew\u00f6hnliche sunnitische Araber einen Wechsel nahen. Viele machten gemeinsame Sache mit den Terroristen, verhinderten die Flucht jesidischer Nachbarn, lieferten sie ihren Schl\u00e4chtern aus. Kamaran Palani:<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c-K\u00e4mpfer haben gesagt, es gehe darum, die W\u00fcrde der sunnitischen Araber wiederherzustellen. Ihre Macht. Ihre Geschichte. Tats\u00e4chlich konnten es die Araber nicht hinnehmen, dass sie ins Abseits gedr\u00e4ngt wurden. Und ich denke, dass sie auch in Zukunft so handeln werden. Wann immer sich die Gelegenheit bietet: Sie werden alles hinter sich lassen \u2013 sich nur darauf konzentrieren.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Misstrauen. Auch bei einem Politikwissenschaftler. Was also tun? Zerst\u00f6rte St\u00e4dte und D\u00f6rfer k\u00f6nnten wieder aufgebaut werden \u2013 wenn denn ein gemeinsamer Wille best\u00fcnde. Doch was, wenn es einen solchen gemeinsamen Willen gar nicht gibt? Wenn Schmerz und Trauer anhalten, wenn die Verbrechen von Terroristen und Helfershelfern nicht geahndet werden, wenn Angst umgeht, Misstrauen und Hass das Miteinander bestimmen.<\/p>\n\n\n\n

\"SyrischeSoldaten in der irakischen Stadt Sindschar nach der R\u00fcckeroberung von der IS-Miliz Ende 2015. (dpa \/ MAXPPP \/ Arnaud Dumontier)<\/p>\n\n\n\n

Kamaran Palani stammt aus der Stadt Makhmour. Drei Tage nur sei der \u201eIS\u201c dort gewesen, sagt er, doch diese Tage h\u00e4tten alles ver\u00e4ndert. Der \u201eIS\u201c habe die Menschen in seiner Heimatstadt verrohen lassen, meint er, das Verh\u00e4ltnis zwischen Kurden und Arabern sei heute tot. Eine R\u00fcckkehr in alte Zeiten h\u00e4lt Palani f\u00fcr falsch.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch denke, es w\u00e4re nicht einfach, in das Jahr 2014 \u2013 also in die Zeit vor dem \u201aIS\u2018 \u2013 zur\u00fcckzukehren. Vor allem aber w\u00e4re es nicht die richtige Politik. Denn eben die hat ja erst zum Aufkommen, zur Existenz des \u201aIS\u2018 gef\u00fchrt.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n


Wie also in Ruinen Neues schaffen? Der Staat muss das Gewaltmonopol zur\u00fcckerlangen, fordert der Politikwissenschaftler. F\u00fcr ihn steht das an erster Stelle. Und dann m\u00fcsse der Staat dringend einen Kurswechsel vornehmen: Er m\u00fcsse integrativ wirken, alle einbinden, auch die Araber, in Sicherheitskr\u00e4fte, Verwaltung und Politik.<\/p>\n\n\n\n

Machtmonopol m\u00fcsste von Milizen zum Staat gehen<\/h2>\n\n\n\n

Die Realit\u00e4t sieht anders aus: Ein Staat Kurdistan, der neue Optionen m\u00f6glich gemacht h\u00e4tte, auch von den Minderheiten gew\u00fcnscht worden war, ist nicht entstanden. Bagdad aber ist fern, der Zentralstaat kaum existent, und wenn, dann ist er schiitisch dominiert. Es sind Milizen, die im Nord-Irak das Geschehen bestimmen, darum rivalisieren, das Machtvakuum zu f\u00fcllen, das durch die Vertreibung des \u201eIS\u201c entstanden ist. Einst im Kampf gegen die Terroristen geeint, sind die Milizen einander heute feind.<\/p>\n\n\n\n

Allen voran die \u201eHashd ash-Shaabi\u201c, schiitisch-irakische Milizen, deren Ausbilder und Kommandeure h\u00e4ufig Iraner sind. Bagdad hat die Haschd als regul\u00e4re Kraft im Kampf gegen den \u201eIS\u201c anerkannt \u2013 obwohl Menschenrechts-Organisationen schwere Vorw\u00fcrfe gegen sie erheben. Fest steht: Die schiitischen Milizen halten D\u00f6rfer besetzt, sind in Mosul f\u00fcr ihr herrisches Auftreten und ihre Willk\u00fcr bekannt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eTats\u00e4chlich sorgen die verschiedenen bewaffneten Gruppen daf\u00fcr, dass die Fl\u00fcchtlinge nicht zur\u00fcckkehren. Und weil sie nicht zur\u00fcckkehren, gibt es auch keinen Wiederaufbau. Die Menschen haben Angst vor den Milizen \u2013 auch davor, dass die einander bek\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die \u201eHashd\u201c m\u00fcssten mithin abziehen. Und mit ihnen die anderen Milizen. Das Machtmonopol m\u00fcsste an den Staat gehen. Doch der Irak ist auch Spielball der Regionalm\u00e4chte: Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien. Sie konkurrieren um Einfluss-Sph\u00e4ren, bedienen sich dabei verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Gruppen im Irak. Deswegen werden die Hashd nicht abziehen. Derzeit sind sie von der iranisch-irakischen Grenze im Osten \u00fcber Bagdad bis hoch zur irakisch-syrischen Grenze im Norden postiert. Einheiten Teherans k\u00f6nnten demnach auf dem Landweg vom Iran bis ans Mittelmeer durchmarschieren.<\/p>\n\n\n\n

Iran und Saudi-Arabien wollen Macht vergr\u00f6\u00dfern<\/h2>\n\n\n\n

Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n

In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n

Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3703,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:24:20","post_date_gmt":"2020-08-13 21:24:20","post_content":"\n

Deutschland str\u00e4ubt sich gegen die R\u00fcckkehr seiner eigenen Staatsb\u00fcrger, die zu IS-Terroristen wurden. Dabei hat die Bundesrepublik den Terror und die Terroristen einst exportiert. Und dies geschah wissentlich, sagt der Islamwissenschaftler Fabian Goldmann.<\/p>\n\n\n\n

Wann haben Sie sich eigentlich zuletzt von deutschen Terroristen distanziert? Zum Beispiel von Robert B.? Der Ex-Bundeswehrsoldat aus Solingen hat mutma\u00dflich bei einem Selbstmordattentat Anfang 2014 50 Menschen mit in den Tod gerissen. <\/p>\n\n\n\n

Oder von Yannik N.? Der junge Freiburger steuerte wahrscheinlich im Jahr 2015 einen mit anderthalb Tonnen Sprengstoff beladenen LKW in eine Menschenmenge und nahm so Dutzenden Personen das Leben.<\/p>\n\n\n\n

Oder von Yamin A.?. Im Sommer 2015 tauchte im Netz ein Video auf, das zeigte, wie der ehemalige Telekom-Azubi aus K\u00f6nigswinter zwei gefesselten Soldaten in den Kopf schoss.
Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Deutsche T\u00e4ter, aber kaum deutsche Opfer<\/h2>\n\n\n\n

Hauptsache nicht bei uns! Dies scheint auch dieser Tage wieder die Maxime zu sein, wenn Politiker und \u00d6ffentlichkeit \u00fcber den Umgang mit deutschen Terroristen diskutieren. Von potenziellen Bedrohungen und Anschlagsgefahren in Deutschland liest man dann. Vom ganz realen Terror, den Deutsche in den vergangenen Jahren \u00fcber die Menschen in Syrien und Irak gebracht haben, h\u00f6rt man hingegen kaum. Ein Terror, der kaum deutsche Opfer aber umso mehr deutsche T\u00e4ter kannte.<\/p>\n\n\n\n

1.050 \u2013 das ist laut Bundesinnenministerium die Anzahl der Dschihadisten, die in den letzten Jahren die Bundesrepublik in Richtung Nahost verlassen hat. Es f\u00e4llt schwer, sich umgekehrtes Szenario \u00fcberhaupt auszumalen. Was w\u00e4re wohl los, h\u00e4tte es nur ein Bruchteil arabischer Terroristen geschafft, bei uns Anschl\u00e4ge zu begehen? Europas \u201eMuslim Bann\u201c? \u00dcberwachungsstaat auf NSA-Niveau?<\/p>\n\n\n\n

Die CSU st\u00fcnde wom\u00f6glich am linken Ende des politischen Spektrums, und auf Twitter w\u00fcrde Trump deutsche Migrationspolitiker zur M\u00e4\u00dfigung aufrufen. Der deutsche Terror in Nahost kommt hingegen seit Jahren ganz ohne Sondersendungen, politische Debatten und Distanzierungsforderungen aus. <\/p>\n\n\n\n

Deutsche K\u00e4mpfer waren nicht nur willenloses Kanonenfutter<\/h2>\n\n\n\n

An fehlendem Wissen liegt das nicht. Von ganzen Einheiten des IS, in denen kein einziger K\u00e4mpfer Arabisch spreche, berichten syrische, irakische und kurdische Soldaten schon seit Jahren. Von Aleppo \u00fcber Raqqa bis Mossul haben Aktivisten und Politiker immer wieder darauf hingewiesen, dass viele der schlimmsten M\u00f6rder in den Reihen des IS Europ\u00e4er sind. Interessiert hat das hier kaum jemand.<\/p>\n\n\n\n

Dabei dienten Deutsche dem Islamischen Staats nicht nur als willenloses Kanonenfutter, wie es oft dargestellt wird. Viele haben seinen Terror mitgepr\u00e4gt. Wie Martin L., der derzeit in kurdischer Haft sitzt. Der Schwei\u00dfer aus Sachsen-Anhalt soll sich vom Folterknecht bis zum Geheimdienstler mit Kontakten bis in die F\u00fchrungsspitze der Terrororganisation hochgearbeitet haben.<\/p>\n\n\n\n

Oder Reda S., Der Prediger aus Berlin-Charlottenburg soll dem IS in Mossul als Bildungsminister gedient haben. Oder der Berliner Ex-Rapper Denis Cuspert, der zu den wichtigsten Personen in der IS-Medienorganisation Al-Hayat geh\u00f6rte. Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Beh\u00f6rden wussten gut Bescheid<\/h2>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich entstand der Islamische Staat nicht in deutschen Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen. Zur deutschen Verantwortung geh\u00f6rt aber auch, dass Politiker und Beh\u00f6rden lange wegschauten, solang nur die T\u00e4ter, aber nicht die Opfer Deutsche waren. Beh\u00f6rden wissen und wussten erschreckend gut Bescheid \u00fcber die Radikalisierung deutscher Islamisten. Ein Gro\u00dfteil der sp\u00e4teren IS-K\u00e4mpfer war polizeibekannt, stand auf Gef\u00e4hrderlisten oder hatte wegen islamistischer Straftaten bereits Haftstrafen verb\u00fc\u00dft. An der Ausreise gehindert wurden sie oftmals dennoch nicht. Die Gefahr, die von deutschen Terroristen ausgeht, interessierte Politik und \u00d6ffentlichkeit erst dann wieder, als ihre Einreise drohte.<\/p>\n\n\n\n

\"Fabian
Fabian Goldmann<\/strong> ist Journalist und Islamwissenschaftler. F\u00fcr verschiedene Magazine und Zeitungen berichtete er viele Jahre aus Nahost. Zurzeit widmet er sich vor allem dem Islam diesseits des Bosporus. Auf seinem Blog Schantall und die Scharia<\/a> bloggt er \u00fcber Islamophobie in Deutschland.<\/p>\n","post_title":"Es sind unsere Terroristen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"es-sind-unsere-terroristen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3703","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3700,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:19:36","post_date_gmt":"2020-08-13 21:19:36","post_content":"\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda? Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda t<\/p>\n\n\n\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda tritt an die Stelle der 2010 verabschiedeten Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014 (siehe IP\/10\/1535<\/a>). In der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda f\u00fcr den Zeitraum 2015-2020 skizziert die Europ\u00e4ische Kommission die Strategie der Union zur Bew\u00e4ltigung der Sicherheitsbedrohungen in der EU.<\/p>\n\n\n\n

Die EU und ihre Mitgliedstaaten sind mit betr\u00e4chtlichen Sicherheitsproblemen konfrontiert. Terrorismus, organisierte Kriminalit\u00e4t und Cyberkriminalit\u00e4t stellen eine zunehmende Gefahr f\u00fcr die europ\u00e4ische Gesellschaft dar, wobei sich Art und Ausma\u00df dieser Gefahr ver\u00e4ndert hat. Europa ist mit den Auswirkungen der politischen Instabilit\u00e4t in seiner unmittelbaren Nachbarschaft konfrontiert, die die Sicherheitsinteressen der EU gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n

Im Zuge der Krisen und Konflikte in Syrien, Irak und Libyen haben sich europ\u00e4ische B\u00fcrger terroristischen Gruppen angeschlossen, die bei ihrer R\u00fcckkehr eine erhebliche Bedrohung darstellen k\u00f6nnen. Die j\u00fcngsten terroristischen Anschl\u00e4ge in Europa zeugen von der zunehmenden Bedrohung durch einen gewaltt\u00e4tigen Extremismus und zeigen, in welchem Ausma\u00df weltweite Konflikte zur Radikalisierung der europ\u00e4ischen B\u00fcrger beitragen.<\/p>\n\n\n\n

Das Online-Umfeld hat sich zunehmend als Ziel f\u00fcr Kriminelle und Terroristen entwickelt. Unabh\u00e4ngig davon, ob es um die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und die Anwerbung von Menschen f\u00fcr terroristische Organisationen geht oder die Verbreitung von Hass oder einen Angriff auf die europ\u00e4ischen Werte und Institutionen, fest steht, dass wir unsere Reaktion auf diese Bedrohungen unbedingt abstimmen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Welcher Mehrwert entsteht durch die EU im Bereich der inneren Sicherheit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Gew\u00e4hrleistung der inneren Sicherheit f\u00e4llt weiterhin in erster Linie in die Zust\u00e4ndigkeit der Mitgliedstaaten. Allerdings werden die Bedrohungen f\u00fcr Europas B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger immer vielf\u00e4ltiger und betreffen in zunehmendem Ma\u00dfe mehrere Mitgliedstaaten. Einzelne Mitgliedstaaten haben die Verantwortung, die Sicherheit an den Au\u00dfengrenzen zu gew\u00e4hrleisten, sind aber nicht mehr in der Lage, diese Herausforderungen allein zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n

Kriminelle und terroristische Aktivit\u00e4ten machen nicht an den Grenzen der EU halt und beschr\u00e4nken sich auch nicht auf Nachbarregionen. Die innere Sicherheit der EU und die globale Sicherheit sind voneinander abh\u00e4ngig und miteinander verkn\u00fcpft. Die Sicherheit der Union h\u00e4ngt in hohem Ma\u00dfe von der Zusammenarbeit mit ihren internationalen Partnern und ihren Nachbarl\u00e4ndern ab.<\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t und des Terrorismus ist eine gemeinsame europ\u00e4ische Aufgabe. Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda sollte von den Mitgliedstaaten und den EU-Organen gemeinsam als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und gemeinsame Ma\u00dfnahmen der Union genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n

Mit Hilfe der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda werden die Polizei- und Strafverfolgungsdienste in verschiedenen Mitgliedstaaten Daten effektiver austauschen und bei der Bek\u00e4mpfung der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t besser zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Die Mitgliedstaaten k\u00f6nnen auf die Unterst\u00fctzung durch die Agenturen der EU z\u00e4hlen. Insbesondere in folgenden Punkten l\u00e4sst sich mit Hilfe der Sicherheitsagenda ein EU-Mehrwert erzielen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n

A) Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und den EU-Agenturen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1<\/strong>: Das Schengener Informationssystem<\/strong> (SIS) wird von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Abfrage von Ausschreibungen von gesuchten oder vermissten Personen und Gegenst\u00e4nden genutzt. Die Kommission wird an der Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Ausschreibungskategorien arbeiten und sich daf\u00fcr einsetzen, dass das SIS zusammen mit der Interpol-Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD)<\/strong> umfassender genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Abu Mohammed stammt aus dem zerst\u00f6rten Westen der Stadt. Er wohnt heute im Osten. Verwandte haben ihn und seine Familie aufgenommen. So wie ihm ergeht es auch anderen Vertriebenen. Sie leben bei Verwandten und Freunden. Oder in einem der vielen Lager. 700.000 Menschen haben ihr Zuhause verloren \u2013 eine Zahl, die f\u00fcr West-Mosul gilt. Insgesamt gehen die Vereinten Nationen von fast sechs Millionen Menschen aus, die im Irak vor dem \u201aIS\u2018 geflohen sind \u2013 die H\u00e4lfte von ihnen bis heute fern von ihrem Zuhause.<\/p>\n\n\n\n

Binnenfl\u00fcchtlinge im Lager Khabartu<\/h2>\n\n\n\n

Zelte soweit das Auge reicht. Abertausende. Inmitten von Steppe. Das Leben der Menschen ist hart. Sie darben, frieren und verdorren \u2013 wenn im Winter der kalte Wind durch die Steppe fegt und im Sommer die Sonne niederbrennt. Doch sie harren aus, haben wenig Hoffnung auf baldige R\u00fcckkehr. Die meisten kamen 2014 \u2013 hierher, ins Lager Khabartu in Irakisch-Kurdistan.<\/p>\n\n\n\n

\"DasDas Lager Khabartu f\u00fcr irakische Binnenfl\u00fcchtlinge. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

2014, als der \u201eIS\u201c den Nord-Irak \u00fcberfiel. In einem der Zelte lebt auch die Familie von Thomas Abdallah Hammou. Thomas war auf der Flucht von seiner Familie getrennt und von den Dschihadisten verschleppt worden. Damals war er acht Jahre alt. Ein Kind. Drei Jahre blieb er in Geiselhaft, lebte in Mosul.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollten nicht, dass wir spielen. Sie mochten es nicht. Ich habe keine Schule besucht, aber sie gaben uns Koran-Unterricht. Jeden Tag.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas musste seinem eigenen, dem jesidischen Glauben abschw\u00f6ren. Weil der \u201eIS\u201c die Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c betrachtet. Und \u201eUngl\u00e4ubige\u201c, so die Auffassung der Terroristen, m\u00fcssen zwangsbekehrt werden. Oder get\u00f6tet. Die Terroristen hatten dementsprechend die Jesiden entweder an Ort und Stelle ermordet, die meisten im Sinjar, im alten Siedlungsgebiet der Jesiden im Nord-Irak. Tausende. 47 Massengr\u00e4ber sollen mittlerweile gefunden worden sein. Oder aber die Terroristen lie\u00dfen die Jesiden am Leben und nahmen sie in Geiselhaft. Sie machten aus ihnen Sexsklavinnen oder sie bildeten sie aus \u2013 zu Selbstmordattent\u00e4tern. Wie Thomas.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie haben uns st\u00e4ndig geschlagen. Wir mussten Schie\u00dfen \u00fcben. Zwei meiner Freunde haben sich in die Luft gesprengt. Sie sind zum Training. Doch sie kamen nicht zur\u00fcck. Ich war nicht traurig. Sie wollten sich ja in die Luft sprengen. Die \u201aIS\u2018-Leute hatten es nicht von ihnen verlangt. Sie sind freiwillig gegangen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas hat heute einen modernen Haarschnitt; der Nacken ist ausrasiert; der lange Pony in die Stirn gek\u00e4mmt. Im Sommer sah er noch anders aus, kurz nachdem Mosul befreit worden war. Bei einem Luftangriff der Anti-\u201eIS\u201c-Koalition wurde Thomas schwer verletzt aus Tr\u00fcmmern geborgen, dann operiert.<\/p>\n\n\n\n

\"ThomasThomas erholt sich von drei Jahren IS-Gefangenschaft. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

Arbeit mit \u201eDschihadisten-Kindern\u201c<\/h2>\n\n\n\n

Die \u00e4u\u00dferen Wunden sind heute verheilt. Doch wie sieht es aus mit den inneren, den seelischen Verletzungen? Thomas wurde von seiner Familie aufgenommen und bekommt Hilfe. Andere Kinder konnten nicht aufgefangen werden. Bis heute betrachten sie Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c \u2013 so wie es ihnen in der Geiselhaft eingeh\u00e4mmert wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie sind eine gro\u00dfe Gefahr f\u00fcr andere Kinder. Sie leben in Lagern, in einem Zelt, auf sechs mal vier Metern, oder noch weniger! Acht Geschwister, sie spielen zusammen, reden, sie indoktrinieren die anderen! Das ist ein Problem, das wir nicht l\u00f6sen k\u00f6nnen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Sara Hassan ist Sozialarbeiterin. Sie arbeitet in den Lagern, versucht M\u00e4dchen und Frauen, die jahrelang in Geiselhaft vergewaltigt wurden, zu helfen. Unz\u00e4hlige hatte der \u201eIS\u201c einst entf\u00fchrt. Sara arbeitet auch mit den sogenannten \u201eDschihadisten-Kindern\u201c. Sie erz\u00e4hlt, wie \u00fcberfordert alle seien: die Familien, die jesidische Gemeinschaft, die Gesellschaft des Nord-Irak.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIn einem anderen Fall hat sich die Familie am Ende an die Sicherheitskr\u00e4fte gewandt. Doch die wussten auch nicht, wie sie damit umgehen sollten. Monate lang hat die Familie versucht, den Jungen umzuerziehen, zusammen mit Sozialarbeitern. Aber noch immer sehen wir den Hass in seinen Augen \u2013 gegen\u00fcber Kurden, Christen und Jesiden. Als blicke man in die Augen eines IS-Terroristen. Das ist das Problem.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Die Jesiden k\u00f6nnen \u00fcber ihre vom \u201eIS\u201c indoktrinierten Kinder sprechen. Denn niemand zweifelt daran, dass sie Opfer der Tyrannei wurden. Bei den sunnitischen Arabern sieht das anders aus. Da sie derselben Religionsgruppe angeh\u00f6ren wie formal auch die Terroristen, stehen sie unter Generalverdacht, mit dem \u201eIS\u201c gemeinsame Sache gemacht zu haben. Sunnitische Araber trauen sich daher nicht, die Probleme ihrer Kinder \u00f6ffentlich zu machen \u2013 auch wenn sie selbst nichts mit dem \u201eIS\u201c zu tun hatten.<\/p>\n\n\n\n

Unklar ist, wie viele Kinder und Jugendliche im Irak und in Syrien zu Terroristen ausgebildet wurden, dabei noch in Geiselhaft sind oder bereits als \u201eSchl\u00e4fer\u201c darauf warten, zum Einsatz zu kommen. Sie gleichen \u201etickenden Zeitbomben\u201c, die jederzeit explodieren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

Minderheiten haben Angst vor \u201eIS\u201c-Nachfolgern<\/h2>\n\n\n\n

Kamaran Palani spricht davon, dass viele Menschen immer noch gehen wollen, obwohl der \u201eIS\u201c als staats\u00e4hnliches Gebilde nicht mehr besteht. Seine Saat aber, so der Politikwissenschaftler, sei aufgegangen.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollen einfach nicht in diesem Land bleiben. Der IS hat sie dazu gebracht. Jeder hat heute Angst, dass eine andere Organisation kommen wird, Terroristen, die dasselbe anrichten wie zuvor.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Palani forscht am \u201eMiddle East Research Institute\u201c, das seinen Sitz in Erbil hat, der Hauptstadt von Irakisch-Kurdistan. <\/p>\n\n\n\n

\u201e60 bis 65 Prozent der Christen wollen gehen. Das Gleiche gilt f\u00fcr andere Minderheiten: f\u00fcr Jesiden, Schabaks, Turkmenen, Kakais.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

\u201eWir werden niemals wieder mit den Arabern zusammenleben k\u00f6nnen!\u201c \u2013 ein Satz, der heute h\u00e4ufig im Nord-Irak zu h\u00f6ren ist. Gemeint sind die Iraker, die Sunniten und Araber sind \u2013 die einstmals Nachbarn von Jesiden, Christen und Kurden waren \u2013 mit denen man Handel trieb und Hochzeiten feierte, die auch Freunde waren.<\/p>\n\n\n\n

Der Irak ist eine multi-ethnische und multi-religi\u00f6se Gesellschaft, in der die Schiiten die Mehrheit stellen. \u00dcber Jahrhunderte aber hatten die sunnitischen Araber das Sagen, sie missbrauchten die Macht, errichteten ein Schreckensregime \u2013 bis 2003, als Diktator Saddam Hussein von den USA gest\u00fcrzt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c entstand aus Widerstand gegen Schiiten-Herrschaft<\/h2>\n\n\n\n

Jetzt wurde der Spie\u00df umgedreht. Die Amerikaner sorgten daf\u00fcr, dass die Sunniten jegliche Machtposition verloren \u2013 so wurde die irakische Armee, wurde die baathistische Partei aufgel\u00f6st \u2013 ohne ein Pendant zu schaffen, das alle integrierte. Und: Washington unterst\u00fctzte Regierungschef Nouri al-Maliki, einen Schiiten. Maliki sah eine historische Chance gekommen, diskriminierte nun seinerseits seine sunnitischen Landsleute, verwehrte ihnen im \u201eNeuen Irak\u201c die Mitsprache. Im Regime Malikis wurden Sunniten inhaftiert, gefoltert und umgebracht.<\/p>\n\n\n\n

Was viele in den Widerstand trieb. Einige schlossen sich der Terror-Organisation \u201eAl-Qaida\u201c an, unter ihnen f\u00fchrende Milit\u00e4rs der aufgel\u00f6sten Armee Saddam Husseins \u2013 und aus \u201eAl-Qaida\u201c ging sp\u00e4ter der \u201eIS\u201c hervor.<\/p>\n\n\n\n

Als der \u201eIS\u201c dann im Sommer 2014 fast ohne Gegenwehr weite Landstriche in Syrien und im Irak \u00fcberrannte und seinen \u201eStaat\u201c ausrief, sahen auch gew\u00f6hnliche sunnitische Araber einen Wechsel nahen. Viele machten gemeinsame Sache mit den Terroristen, verhinderten die Flucht jesidischer Nachbarn, lieferten sie ihren Schl\u00e4chtern aus. Kamaran Palani:<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c-K\u00e4mpfer haben gesagt, es gehe darum, die W\u00fcrde der sunnitischen Araber wiederherzustellen. Ihre Macht. Ihre Geschichte. Tats\u00e4chlich konnten es die Araber nicht hinnehmen, dass sie ins Abseits gedr\u00e4ngt wurden. Und ich denke, dass sie auch in Zukunft so handeln werden. Wann immer sich die Gelegenheit bietet: Sie werden alles hinter sich lassen \u2013 sich nur darauf konzentrieren.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Misstrauen. Auch bei einem Politikwissenschaftler. Was also tun? Zerst\u00f6rte St\u00e4dte und D\u00f6rfer k\u00f6nnten wieder aufgebaut werden \u2013 wenn denn ein gemeinsamer Wille best\u00fcnde. Doch was, wenn es einen solchen gemeinsamen Willen gar nicht gibt? Wenn Schmerz und Trauer anhalten, wenn die Verbrechen von Terroristen und Helfershelfern nicht geahndet werden, wenn Angst umgeht, Misstrauen und Hass das Miteinander bestimmen.<\/p>\n\n\n\n

\"SyrischeSoldaten in der irakischen Stadt Sindschar nach der R\u00fcckeroberung von der IS-Miliz Ende 2015. (dpa \/ MAXPPP \/ Arnaud Dumontier)<\/p>\n\n\n\n

Kamaran Palani stammt aus der Stadt Makhmour. Drei Tage nur sei der \u201eIS\u201c dort gewesen, sagt er, doch diese Tage h\u00e4tten alles ver\u00e4ndert. Der \u201eIS\u201c habe die Menschen in seiner Heimatstadt verrohen lassen, meint er, das Verh\u00e4ltnis zwischen Kurden und Arabern sei heute tot. Eine R\u00fcckkehr in alte Zeiten h\u00e4lt Palani f\u00fcr falsch.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch denke, es w\u00e4re nicht einfach, in das Jahr 2014 \u2013 also in die Zeit vor dem \u201aIS\u2018 \u2013 zur\u00fcckzukehren. Vor allem aber w\u00e4re es nicht die richtige Politik. Denn eben die hat ja erst zum Aufkommen, zur Existenz des \u201aIS\u2018 gef\u00fchrt.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n


Wie also in Ruinen Neues schaffen? Der Staat muss das Gewaltmonopol zur\u00fcckerlangen, fordert der Politikwissenschaftler. F\u00fcr ihn steht das an erster Stelle. Und dann m\u00fcsse der Staat dringend einen Kurswechsel vornehmen: Er m\u00fcsse integrativ wirken, alle einbinden, auch die Araber, in Sicherheitskr\u00e4fte, Verwaltung und Politik.<\/p>\n\n\n\n

Machtmonopol m\u00fcsste von Milizen zum Staat gehen<\/h2>\n\n\n\n

Die Realit\u00e4t sieht anders aus: Ein Staat Kurdistan, der neue Optionen m\u00f6glich gemacht h\u00e4tte, auch von den Minderheiten gew\u00fcnscht worden war, ist nicht entstanden. Bagdad aber ist fern, der Zentralstaat kaum existent, und wenn, dann ist er schiitisch dominiert. Es sind Milizen, die im Nord-Irak das Geschehen bestimmen, darum rivalisieren, das Machtvakuum zu f\u00fcllen, das durch die Vertreibung des \u201eIS\u201c entstanden ist. Einst im Kampf gegen die Terroristen geeint, sind die Milizen einander heute feind.<\/p>\n\n\n\n

Allen voran die \u201eHashd ash-Shaabi\u201c, schiitisch-irakische Milizen, deren Ausbilder und Kommandeure h\u00e4ufig Iraner sind. Bagdad hat die Haschd als regul\u00e4re Kraft im Kampf gegen den \u201eIS\u201c anerkannt \u2013 obwohl Menschenrechts-Organisationen schwere Vorw\u00fcrfe gegen sie erheben. Fest steht: Die schiitischen Milizen halten D\u00f6rfer besetzt, sind in Mosul f\u00fcr ihr herrisches Auftreten und ihre Willk\u00fcr bekannt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eTats\u00e4chlich sorgen die verschiedenen bewaffneten Gruppen daf\u00fcr, dass die Fl\u00fcchtlinge nicht zur\u00fcckkehren. Und weil sie nicht zur\u00fcckkehren, gibt es auch keinen Wiederaufbau. Die Menschen haben Angst vor den Milizen \u2013 auch davor, dass die einander bek\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die \u201eHashd\u201c m\u00fcssten mithin abziehen. Und mit ihnen die anderen Milizen. Das Machtmonopol m\u00fcsste an den Staat gehen. Doch der Irak ist auch Spielball der Regionalm\u00e4chte: Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien. Sie konkurrieren um Einfluss-Sph\u00e4ren, bedienen sich dabei verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Gruppen im Irak. Deswegen werden die Hashd nicht abziehen. Derzeit sind sie von der iranisch-irakischen Grenze im Osten \u00fcber Bagdad bis hoch zur irakisch-syrischen Grenze im Norden postiert. Einheiten Teherans k\u00f6nnten demnach auf dem Landweg vom Iran bis ans Mittelmeer durchmarschieren.<\/p>\n\n\n\n

Iran und Saudi-Arabien wollen Macht vergr\u00f6\u00dfern<\/h2>\n\n\n\n

Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n

In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n

Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3703,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:24:20","post_date_gmt":"2020-08-13 21:24:20","post_content":"\n

Deutschland str\u00e4ubt sich gegen die R\u00fcckkehr seiner eigenen Staatsb\u00fcrger, die zu IS-Terroristen wurden. Dabei hat die Bundesrepublik den Terror und die Terroristen einst exportiert. Und dies geschah wissentlich, sagt der Islamwissenschaftler Fabian Goldmann.<\/p>\n\n\n\n

Wann haben Sie sich eigentlich zuletzt von deutschen Terroristen distanziert? Zum Beispiel von Robert B.? Der Ex-Bundeswehrsoldat aus Solingen hat mutma\u00dflich bei einem Selbstmordattentat Anfang 2014 50 Menschen mit in den Tod gerissen. <\/p>\n\n\n\n

Oder von Yannik N.? Der junge Freiburger steuerte wahrscheinlich im Jahr 2015 einen mit anderthalb Tonnen Sprengstoff beladenen LKW in eine Menschenmenge und nahm so Dutzenden Personen das Leben.<\/p>\n\n\n\n

Oder von Yamin A.?. Im Sommer 2015 tauchte im Netz ein Video auf, das zeigte, wie der ehemalige Telekom-Azubi aus K\u00f6nigswinter zwei gefesselten Soldaten in den Kopf schoss.
Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Deutsche T\u00e4ter, aber kaum deutsche Opfer<\/h2>\n\n\n\n

Hauptsache nicht bei uns! Dies scheint auch dieser Tage wieder die Maxime zu sein, wenn Politiker und \u00d6ffentlichkeit \u00fcber den Umgang mit deutschen Terroristen diskutieren. Von potenziellen Bedrohungen und Anschlagsgefahren in Deutschland liest man dann. Vom ganz realen Terror, den Deutsche in den vergangenen Jahren \u00fcber die Menschen in Syrien und Irak gebracht haben, h\u00f6rt man hingegen kaum. Ein Terror, der kaum deutsche Opfer aber umso mehr deutsche T\u00e4ter kannte.<\/p>\n\n\n\n

1.050 \u2013 das ist laut Bundesinnenministerium die Anzahl der Dschihadisten, die in den letzten Jahren die Bundesrepublik in Richtung Nahost verlassen hat. Es f\u00e4llt schwer, sich umgekehrtes Szenario \u00fcberhaupt auszumalen. Was w\u00e4re wohl los, h\u00e4tte es nur ein Bruchteil arabischer Terroristen geschafft, bei uns Anschl\u00e4ge zu begehen? Europas \u201eMuslim Bann\u201c? \u00dcberwachungsstaat auf NSA-Niveau?<\/p>\n\n\n\n

Die CSU st\u00fcnde wom\u00f6glich am linken Ende des politischen Spektrums, und auf Twitter w\u00fcrde Trump deutsche Migrationspolitiker zur M\u00e4\u00dfigung aufrufen. Der deutsche Terror in Nahost kommt hingegen seit Jahren ganz ohne Sondersendungen, politische Debatten und Distanzierungsforderungen aus. <\/p>\n\n\n\n

Deutsche K\u00e4mpfer waren nicht nur willenloses Kanonenfutter<\/h2>\n\n\n\n

An fehlendem Wissen liegt das nicht. Von ganzen Einheiten des IS, in denen kein einziger K\u00e4mpfer Arabisch spreche, berichten syrische, irakische und kurdische Soldaten schon seit Jahren. Von Aleppo \u00fcber Raqqa bis Mossul haben Aktivisten und Politiker immer wieder darauf hingewiesen, dass viele der schlimmsten M\u00f6rder in den Reihen des IS Europ\u00e4er sind. Interessiert hat das hier kaum jemand.<\/p>\n\n\n\n

Dabei dienten Deutsche dem Islamischen Staats nicht nur als willenloses Kanonenfutter, wie es oft dargestellt wird. Viele haben seinen Terror mitgepr\u00e4gt. Wie Martin L., der derzeit in kurdischer Haft sitzt. Der Schwei\u00dfer aus Sachsen-Anhalt soll sich vom Folterknecht bis zum Geheimdienstler mit Kontakten bis in die F\u00fchrungsspitze der Terrororganisation hochgearbeitet haben.<\/p>\n\n\n\n

Oder Reda S., Der Prediger aus Berlin-Charlottenburg soll dem IS in Mossul als Bildungsminister gedient haben. Oder der Berliner Ex-Rapper Denis Cuspert, der zu den wichtigsten Personen in der IS-Medienorganisation Al-Hayat geh\u00f6rte. Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Beh\u00f6rden wussten gut Bescheid<\/h2>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich entstand der Islamische Staat nicht in deutschen Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen. Zur deutschen Verantwortung geh\u00f6rt aber auch, dass Politiker und Beh\u00f6rden lange wegschauten, solang nur die T\u00e4ter, aber nicht die Opfer Deutsche waren. Beh\u00f6rden wissen und wussten erschreckend gut Bescheid \u00fcber die Radikalisierung deutscher Islamisten. Ein Gro\u00dfteil der sp\u00e4teren IS-K\u00e4mpfer war polizeibekannt, stand auf Gef\u00e4hrderlisten oder hatte wegen islamistischer Straftaten bereits Haftstrafen verb\u00fc\u00dft. An der Ausreise gehindert wurden sie oftmals dennoch nicht. Die Gefahr, die von deutschen Terroristen ausgeht, interessierte Politik und \u00d6ffentlichkeit erst dann wieder, als ihre Einreise drohte.<\/p>\n\n\n\n

\"Fabian
Fabian Goldmann<\/strong> ist Journalist und Islamwissenschaftler. F\u00fcr verschiedene Magazine und Zeitungen berichtete er viele Jahre aus Nahost. Zurzeit widmet er sich vor allem dem Islam diesseits des Bosporus. Auf seinem Blog Schantall und die Scharia<\/a> bloggt er \u00fcber Islamophobie in Deutschland.<\/p>\n","post_title":"Es sind unsere Terroristen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"es-sind-unsere-terroristen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3703","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3700,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:19:36","post_date_gmt":"2020-08-13 21:19:36","post_content":"\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda? Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda t<\/p>\n\n\n\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda tritt an die Stelle der 2010 verabschiedeten Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014 (siehe IP\/10\/1535<\/a>). In der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda f\u00fcr den Zeitraum 2015-2020 skizziert die Europ\u00e4ische Kommission die Strategie der Union zur Bew\u00e4ltigung der Sicherheitsbedrohungen in der EU.<\/p>\n\n\n\n

Die EU und ihre Mitgliedstaaten sind mit betr\u00e4chtlichen Sicherheitsproblemen konfrontiert. Terrorismus, organisierte Kriminalit\u00e4t und Cyberkriminalit\u00e4t stellen eine zunehmende Gefahr f\u00fcr die europ\u00e4ische Gesellschaft dar, wobei sich Art und Ausma\u00df dieser Gefahr ver\u00e4ndert hat. Europa ist mit den Auswirkungen der politischen Instabilit\u00e4t in seiner unmittelbaren Nachbarschaft konfrontiert, die die Sicherheitsinteressen der EU gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n

Im Zuge der Krisen und Konflikte in Syrien, Irak und Libyen haben sich europ\u00e4ische B\u00fcrger terroristischen Gruppen angeschlossen, die bei ihrer R\u00fcckkehr eine erhebliche Bedrohung darstellen k\u00f6nnen. Die j\u00fcngsten terroristischen Anschl\u00e4ge in Europa zeugen von der zunehmenden Bedrohung durch einen gewaltt\u00e4tigen Extremismus und zeigen, in welchem Ausma\u00df weltweite Konflikte zur Radikalisierung der europ\u00e4ischen B\u00fcrger beitragen.<\/p>\n\n\n\n

Das Online-Umfeld hat sich zunehmend als Ziel f\u00fcr Kriminelle und Terroristen entwickelt. Unabh\u00e4ngig davon, ob es um die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und die Anwerbung von Menschen f\u00fcr terroristische Organisationen geht oder die Verbreitung von Hass oder einen Angriff auf die europ\u00e4ischen Werte und Institutionen, fest steht, dass wir unsere Reaktion auf diese Bedrohungen unbedingt abstimmen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Welcher Mehrwert entsteht durch die EU im Bereich der inneren Sicherheit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Gew\u00e4hrleistung der inneren Sicherheit f\u00e4llt weiterhin in erster Linie in die Zust\u00e4ndigkeit der Mitgliedstaaten. Allerdings werden die Bedrohungen f\u00fcr Europas B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger immer vielf\u00e4ltiger und betreffen in zunehmendem Ma\u00dfe mehrere Mitgliedstaaten. Einzelne Mitgliedstaaten haben die Verantwortung, die Sicherheit an den Au\u00dfengrenzen zu gew\u00e4hrleisten, sind aber nicht mehr in der Lage, diese Herausforderungen allein zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n

Kriminelle und terroristische Aktivit\u00e4ten machen nicht an den Grenzen der EU halt und beschr\u00e4nken sich auch nicht auf Nachbarregionen. Die innere Sicherheit der EU und die globale Sicherheit sind voneinander abh\u00e4ngig und miteinander verkn\u00fcpft. Die Sicherheit der Union h\u00e4ngt in hohem Ma\u00dfe von der Zusammenarbeit mit ihren internationalen Partnern und ihren Nachbarl\u00e4ndern ab.<\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t und des Terrorismus ist eine gemeinsame europ\u00e4ische Aufgabe. Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda sollte von den Mitgliedstaaten und den EU-Organen gemeinsam als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und gemeinsame Ma\u00dfnahmen der Union genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n

Mit Hilfe der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda werden die Polizei- und Strafverfolgungsdienste in verschiedenen Mitgliedstaaten Daten effektiver austauschen und bei der Bek\u00e4mpfung der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t besser zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Die Mitgliedstaaten k\u00f6nnen auf die Unterst\u00fctzung durch die Agenturen der EU z\u00e4hlen. Insbesondere in folgenden Punkten l\u00e4sst sich mit Hilfe der Sicherheitsagenda ein EU-Mehrwert erzielen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n

A) Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und den EU-Agenturen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1<\/strong>: Das Schengener Informationssystem<\/strong> (SIS) wird von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Abfrage von Ausschreibungen von gesuchten oder vermissten Personen und Gegenst\u00e4nden genutzt. Die Kommission wird an der Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Ausschreibungskategorien arbeiten und sich daf\u00fcr einsetzen, dass das SIS zusammen mit der Interpol-Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD)<\/strong> umfassender genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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\u201eWir haben uns gef\u00fchlt wie zwischen Leben und Tod. Irgendwo dazwischen. Sie haben vom \u201aIS\u2018 geh\u00f6rt; wir haben ihn erlebt: Wir haben erlebt, wie sie mordeten, wie sie Leute aufh\u00e4ngten, wir haben den Krieg erlebt. Wir haben alles gesehen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Mohammed stammt aus dem zerst\u00f6rten Westen der Stadt. Er wohnt heute im Osten. Verwandte haben ihn und seine Familie aufgenommen. So wie ihm ergeht es auch anderen Vertriebenen. Sie leben bei Verwandten und Freunden. Oder in einem der vielen Lager. 700.000 Menschen haben ihr Zuhause verloren \u2013 eine Zahl, die f\u00fcr West-Mosul gilt. Insgesamt gehen die Vereinten Nationen von fast sechs Millionen Menschen aus, die im Irak vor dem \u201aIS\u2018 geflohen sind \u2013 die H\u00e4lfte von ihnen bis heute fern von ihrem Zuhause.<\/p>\n\n\n\n

Binnenfl\u00fcchtlinge im Lager Khabartu<\/h2>\n\n\n\n

Zelte soweit das Auge reicht. Abertausende. Inmitten von Steppe. Das Leben der Menschen ist hart. Sie darben, frieren und verdorren \u2013 wenn im Winter der kalte Wind durch die Steppe fegt und im Sommer die Sonne niederbrennt. Doch sie harren aus, haben wenig Hoffnung auf baldige R\u00fcckkehr. Die meisten kamen 2014 \u2013 hierher, ins Lager Khabartu in Irakisch-Kurdistan.<\/p>\n\n\n\n

\"DasDas Lager Khabartu f\u00fcr irakische Binnenfl\u00fcchtlinge. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

2014, als der \u201eIS\u201c den Nord-Irak \u00fcberfiel. In einem der Zelte lebt auch die Familie von Thomas Abdallah Hammou. Thomas war auf der Flucht von seiner Familie getrennt und von den Dschihadisten verschleppt worden. Damals war er acht Jahre alt. Ein Kind. Drei Jahre blieb er in Geiselhaft, lebte in Mosul.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollten nicht, dass wir spielen. Sie mochten es nicht. Ich habe keine Schule besucht, aber sie gaben uns Koran-Unterricht. Jeden Tag.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas musste seinem eigenen, dem jesidischen Glauben abschw\u00f6ren. Weil der \u201eIS\u201c die Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c betrachtet. Und \u201eUngl\u00e4ubige\u201c, so die Auffassung der Terroristen, m\u00fcssen zwangsbekehrt werden. Oder get\u00f6tet. Die Terroristen hatten dementsprechend die Jesiden entweder an Ort und Stelle ermordet, die meisten im Sinjar, im alten Siedlungsgebiet der Jesiden im Nord-Irak. Tausende. 47 Massengr\u00e4ber sollen mittlerweile gefunden worden sein. Oder aber die Terroristen lie\u00dfen die Jesiden am Leben und nahmen sie in Geiselhaft. Sie machten aus ihnen Sexsklavinnen oder sie bildeten sie aus \u2013 zu Selbstmordattent\u00e4tern. Wie Thomas.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie haben uns st\u00e4ndig geschlagen. Wir mussten Schie\u00dfen \u00fcben. Zwei meiner Freunde haben sich in die Luft gesprengt. Sie sind zum Training. Doch sie kamen nicht zur\u00fcck. Ich war nicht traurig. Sie wollten sich ja in die Luft sprengen. Die \u201aIS\u2018-Leute hatten es nicht von ihnen verlangt. Sie sind freiwillig gegangen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas hat heute einen modernen Haarschnitt; der Nacken ist ausrasiert; der lange Pony in die Stirn gek\u00e4mmt. Im Sommer sah er noch anders aus, kurz nachdem Mosul befreit worden war. Bei einem Luftangriff der Anti-\u201eIS\u201c-Koalition wurde Thomas schwer verletzt aus Tr\u00fcmmern geborgen, dann operiert.<\/p>\n\n\n\n

\"ThomasThomas erholt sich von drei Jahren IS-Gefangenschaft. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

Arbeit mit \u201eDschihadisten-Kindern\u201c<\/h2>\n\n\n\n

Die \u00e4u\u00dferen Wunden sind heute verheilt. Doch wie sieht es aus mit den inneren, den seelischen Verletzungen? Thomas wurde von seiner Familie aufgenommen und bekommt Hilfe. Andere Kinder konnten nicht aufgefangen werden. Bis heute betrachten sie Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c \u2013 so wie es ihnen in der Geiselhaft eingeh\u00e4mmert wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie sind eine gro\u00dfe Gefahr f\u00fcr andere Kinder. Sie leben in Lagern, in einem Zelt, auf sechs mal vier Metern, oder noch weniger! Acht Geschwister, sie spielen zusammen, reden, sie indoktrinieren die anderen! Das ist ein Problem, das wir nicht l\u00f6sen k\u00f6nnen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Sara Hassan ist Sozialarbeiterin. Sie arbeitet in den Lagern, versucht M\u00e4dchen und Frauen, die jahrelang in Geiselhaft vergewaltigt wurden, zu helfen. Unz\u00e4hlige hatte der \u201eIS\u201c einst entf\u00fchrt. Sara arbeitet auch mit den sogenannten \u201eDschihadisten-Kindern\u201c. Sie erz\u00e4hlt, wie \u00fcberfordert alle seien: die Familien, die jesidische Gemeinschaft, die Gesellschaft des Nord-Irak.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIn einem anderen Fall hat sich die Familie am Ende an die Sicherheitskr\u00e4fte gewandt. Doch die wussten auch nicht, wie sie damit umgehen sollten. Monate lang hat die Familie versucht, den Jungen umzuerziehen, zusammen mit Sozialarbeitern. Aber noch immer sehen wir den Hass in seinen Augen \u2013 gegen\u00fcber Kurden, Christen und Jesiden. Als blicke man in die Augen eines IS-Terroristen. Das ist das Problem.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Die Jesiden k\u00f6nnen \u00fcber ihre vom \u201eIS\u201c indoktrinierten Kinder sprechen. Denn niemand zweifelt daran, dass sie Opfer der Tyrannei wurden. Bei den sunnitischen Arabern sieht das anders aus. Da sie derselben Religionsgruppe angeh\u00f6ren wie formal auch die Terroristen, stehen sie unter Generalverdacht, mit dem \u201eIS\u201c gemeinsame Sache gemacht zu haben. Sunnitische Araber trauen sich daher nicht, die Probleme ihrer Kinder \u00f6ffentlich zu machen \u2013 auch wenn sie selbst nichts mit dem \u201eIS\u201c zu tun hatten.<\/p>\n\n\n\n

Unklar ist, wie viele Kinder und Jugendliche im Irak und in Syrien zu Terroristen ausgebildet wurden, dabei noch in Geiselhaft sind oder bereits als \u201eSchl\u00e4fer\u201c darauf warten, zum Einsatz zu kommen. Sie gleichen \u201etickenden Zeitbomben\u201c, die jederzeit explodieren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

Minderheiten haben Angst vor \u201eIS\u201c-Nachfolgern<\/h2>\n\n\n\n

Kamaran Palani spricht davon, dass viele Menschen immer noch gehen wollen, obwohl der \u201eIS\u201c als staats\u00e4hnliches Gebilde nicht mehr besteht. Seine Saat aber, so der Politikwissenschaftler, sei aufgegangen.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollen einfach nicht in diesem Land bleiben. Der IS hat sie dazu gebracht. Jeder hat heute Angst, dass eine andere Organisation kommen wird, Terroristen, die dasselbe anrichten wie zuvor.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Palani forscht am \u201eMiddle East Research Institute\u201c, das seinen Sitz in Erbil hat, der Hauptstadt von Irakisch-Kurdistan. <\/p>\n\n\n\n

\u201e60 bis 65 Prozent der Christen wollen gehen. Das Gleiche gilt f\u00fcr andere Minderheiten: f\u00fcr Jesiden, Schabaks, Turkmenen, Kakais.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

\u201eWir werden niemals wieder mit den Arabern zusammenleben k\u00f6nnen!\u201c \u2013 ein Satz, der heute h\u00e4ufig im Nord-Irak zu h\u00f6ren ist. Gemeint sind die Iraker, die Sunniten und Araber sind \u2013 die einstmals Nachbarn von Jesiden, Christen und Kurden waren \u2013 mit denen man Handel trieb und Hochzeiten feierte, die auch Freunde waren.<\/p>\n\n\n\n

Der Irak ist eine multi-ethnische und multi-religi\u00f6se Gesellschaft, in der die Schiiten die Mehrheit stellen. \u00dcber Jahrhunderte aber hatten die sunnitischen Araber das Sagen, sie missbrauchten die Macht, errichteten ein Schreckensregime \u2013 bis 2003, als Diktator Saddam Hussein von den USA gest\u00fcrzt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c entstand aus Widerstand gegen Schiiten-Herrschaft<\/h2>\n\n\n\n

Jetzt wurde der Spie\u00df umgedreht. Die Amerikaner sorgten daf\u00fcr, dass die Sunniten jegliche Machtposition verloren \u2013 so wurde die irakische Armee, wurde die baathistische Partei aufgel\u00f6st \u2013 ohne ein Pendant zu schaffen, das alle integrierte. Und: Washington unterst\u00fctzte Regierungschef Nouri al-Maliki, einen Schiiten. Maliki sah eine historische Chance gekommen, diskriminierte nun seinerseits seine sunnitischen Landsleute, verwehrte ihnen im \u201eNeuen Irak\u201c die Mitsprache. Im Regime Malikis wurden Sunniten inhaftiert, gefoltert und umgebracht.<\/p>\n\n\n\n

Was viele in den Widerstand trieb. Einige schlossen sich der Terror-Organisation \u201eAl-Qaida\u201c an, unter ihnen f\u00fchrende Milit\u00e4rs der aufgel\u00f6sten Armee Saddam Husseins \u2013 und aus \u201eAl-Qaida\u201c ging sp\u00e4ter der \u201eIS\u201c hervor.<\/p>\n\n\n\n

Als der \u201eIS\u201c dann im Sommer 2014 fast ohne Gegenwehr weite Landstriche in Syrien und im Irak \u00fcberrannte und seinen \u201eStaat\u201c ausrief, sahen auch gew\u00f6hnliche sunnitische Araber einen Wechsel nahen. Viele machten gemeinsame Sache mit den Terroristen, verhinderten die Flucht jesidischer Nachbarn, lieferten sie ihren Schl\u00e4chtern aus. Kamaran Palani:<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c-K\u00e4mpfer haben gesagt, es gehe darum, die W\u00fcrde der sunnitischen Araber wiederherzustellen. Ihre Macht. Ihre Geschichte. Tats\u00e4chlich konnten es die Araber nicht hinnehmen, dass sie ins Abseits gedr\u00e4ngt wurden. Und ich denke, dass sie auch in Zukunft so handeln werden. Wann immer sich die Gelegenheit bietet: Sie werden alles hinter sich lassen \u2013 sich nur darauf konzentrieren.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Misstrauen. Auch bei einem Politikwissenschaftler. Was also tun? Zerst\u00f6rte St\u00e4dte und D\u00f6rfer k\u00f6nnten wieder aufgebaut werden \u2013 wenn denn ein gemeinsamer Wille best\u00fcnde. Doch was, wenn es einen solchen gemeinsamen Willen gar nicht gibt? Wenn Schmerz und Trauer anhalten, wenn die Verbrechen von Terroristen und Helfershelfern nicht geahndet werden, wenn Angst umgeht, Misstrauen und Hass das Miteinander bestimmen.<\/p>\n\n\n\n

\"SyrischeSoldaten in der irakischen Stadt Sindschar nach der R\u00fcckeroberung von der IS-Miliz Ende 2015. (dpa \/ MAXPPP \/ Arnaud Dumontier)<\/p>\n\n\n\n

Kamaran Palani stammt aus der Stadt Makhmour. Drei Tage nur sei der \u201eIS\u201c dort gewesen, sagt er, doch diese Tage h\u00e4tten alles ver\u00e4ndert. Der \u201eIS\u201c habe die Menschen in seiner Heimatstadt verrohen lassen, meint er, das Verh\u00e4ltnis zwischen Kurden und Arabern sei heute tot. Eine R\u00fcckkehr in alte Zeiten h\u00e4lt Palani f\u00fcr falsch.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch denke, es w\u00e4re nicht einfach, in das Jahr 2014 \u2013 also in die Zeit vor dem \u201aIS\u2018 \u2013 zur\u00fcckzukehren. Vor allem aber w\u00e4re es nicht die richtige Politik. Denn eben die hat ja erst zum Aufkommen, zur Existenz des \u201aIS\u2018 gef\u00fchrt.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n


Wie also in Ruinen Neues schaffen? Der Staat muss das Gewaltmonopol zur\u00fcckerlangen, fordert der Politikwissenschaftler. F\u00fcr ihn steht das an erster Stelle. Und dann m\u00fcsse der Staat dringend einen Kurswechsel vornehmen: Er m\u00fcsse integrativ wirken, alle einbinden, auch die Araber, in Sicherheitskr\u00e4fte, Verwaltung und Politik.<\/p>\n\n\n\n

Machtmonopol m\u00fcsste von Milizen zum Staat gehen<\/h2>\n\n\n\n

Die Realit\u00e4t sieht anders aus: Ein Staat Kurdistan, der neue Optionen m\u00f6glich gemacht h\u00e4tte, auch von den Minderheiten gew\u00fcnscht worden war, ist nicht entstanden. Bagdad aber ist fern, der Zentralstaat kaum existent, und wenn, dann ist er schiitisch dominiert. Es sind Milizen, die im Nord-Irak das Geschehen bestimmen, darum rivalisieren, das Machtvakuum zu f\u00fcllen, das durch die Vertreibung des \u201eIS\u201c entstanden ist. Einst im Kampf gegen die Terroristen geeint, sind die Milizen einander heute feind.<\/p>\n\n\n\n

Allen voran die \u201eHashd ash-Shaabi\u201c, schiitisch-irakische Milizen, deren Ausbilder und Kommandeure h\u00e4ufig Iraner sind. Bagdad hat die Haschd als regul\u00e4re Kraft im Kampf gegen den \u201eIS\u201c anerkannt \u2013 obwohl Menschenrechts-Organisationen schwere Vorw\u00fcrfe gegen sie erheben. Fest steht: Die schiitischen Milizen halten D\u00f6rfer besetzt, sind in Mosul f\u00fcr ihr herrisches Auftreten und ihre Willk\u00fcr bekannt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eTats\u00e4chlich sorgen die verschiedenen bewaffneten Gruppen daf\u00fcr, dass die Fl\u00fcchtlinge nicht zur\u00fcckkehren. Und weil sie nicht zur\u00fcckkehren, gibt es auch keinen Wiederaufbau. Die Menschen haben Angst vor den Milizen \u2013 auch davor, dass die einander bek\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die \u201eHashd\u201c m\u00fcssten mithin abziehen. Und mit ihnen die anderen Milizen. Das Machtmonopol m\u00fcsste an den Staat gehen. Doch der Irak ist auch Spielball der Regionalm\u00e4chte: Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien. Sie konkurrieren um Einfluss-Sph\u00e4ren, bedienen sich dabei verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Gruppen im Irak. Deswegen werden die Hashd nicht abziehen. Derzeit sind sie von der iranisch-irakischen Grenze im Osten \u00fcber Bagdad bis hoch zur irakisch-syrischen Grenze im Norden postiert. Einheiten Teherans k\u00f6nnten demnach auf dem Landweg vom Iran bis ans Mittelmeer durchmarschieren.<\/p>\n\n\n\n

Iran und Saudi-Arabien wollen Macht vergr\u00f6\u00dfern<\/h2>\n\n\n\n

Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n

In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n

Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3703,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:24:20","post_date_gmt":"2020-08-13 21:24:20","post_content":"\n

Deutschland str\u00e4ubt sich gegen die R\u00fcckkehr seiner eigenen Staatsb\u00fcrger, die zu IS-Terroristen wurden. Dabei hat die Bundesrepublik den Terror und die Terroristen einst exportiert. Und dies geschah wissentlich, sagt der Islamwissenschaftler Fabian Goldmann.<\/p>\n\n\n\n

Wann haben Sie sich eigentlich zuletzt von deutschen Terroristen distanziert? Zum Beispiel von Robert B.? Der Ex-Bundeswehrsoldat aus Solingen hat mutma\u00dflich bei einem Selbstmordattentat Anfang 2014 50 Menschen mit in den Tod gerissen. <\/p>\n\n\n\n

Oder von Yannik N.? Der junge Freiburger steuerte wahrscheinlich im Jahr 2015 einen mit anderthalb Tonnen Sprengstoff beladenen LKW in eine Menschenmenge und nahm so Dutzenden Personen das Leben.<\/p>\n\n\n\n

Oder von Yamin A.?. Im Sommer 2015 tauchte im Netz ein Video auf, das zeigte, wie der ehemalige Telekom-Azubi aus K\u00f6nigswinter zwei gefesselten Soldaten in den Kopf schoss.
Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Deutsche T\u00e4ter, aber kaum deutsche Opfer<\/h2>\n\n\n\n

Hauptsache nicht bei uns! Dies scheint auch dieser Tage wieder die Maxime zu sein, wenn Politiker und \u00d6ffentlichkeit \u00fcber den Umgang mit deutschen Terroristen diskutieren. Von potenziellen Bedrohungen und Anschlagsgefahren in Deutschland liest man dann. Vom ganz realen Terror, den Deutsche in den vergangenen Jahren \u00fcber die Menschen in Syrien und Irak gebracht haben, h\u00f6rt man hingegen kaum. Ein Terror, der kaum deutsche Opfer aber umso mehr deutsche T\u00e4ter kannte.<\/p>\n\n\n\n

1.050 \u2013 das ist laut Bundesinnenministerium die Anzahl der Dschihadisten, die in den letzten Jahren die Bundesrepublik in Richtung Nahost verlassen hat. Es f\u00e4llt schwer, sich umgekehrtes Szenario \u00fcberhaupt auszumalen. Was w\u00e4re wohl los, h\u00e4tte es nur ein Bruchteil arabischer Terroristen geschafft, bei uns Anschl\u00e4ge zu begehen? Europas \u201eMuslim Bann\u201c? \u00dcberwachungsstaat auf NSA-Niveau?<\/p>\n\n\n\n

Die CSU st\u00fcnde wom\u00f6glich am linken Ende des politischen Spektrums, und auf Twitter w\u00fcrde Trump deutsche Migrationspolitiker zur M\u00e4\u00dfigung aufrufen. Der deutsche Terror in Nahost kommt hingegen seit Jahren ganz ohne Sondersendungen, politische Debatten und Distanzierungsforderungen aus. <\/p>\n\n\n\n

Deutsche K\u00e4mpfer waren nicht nur willenloses Kanonenfutter<\/h2>\n\n\n\n

An fehlendem Wissen liegt das nicht. Von ganzen Einheiten des IS, in denen kein einziger K\u00e4mpfer Arabisch spreche, berichten syrische, irakische und kurdische Soldaten schon seit Jahren. Von Aleppo \u00fcber Raqqa bis Mossul haben Aktivisten und Politiker immer wieder darauf hingewiesen, dass viele der schlimmsten M\u00f6rder in den Reihen des IS Europ\u00e4er sind. Interessiert hat das hier kaum jemand.<\/p>\n\n\n\n

Dabei dienten Deutsche dem Islamischen Staats nicht nur als willenloses Kanonenfutter, wie es oft dargestellt wird. Viele haben seinen Terror mitgepr\u00e4gt. Wie Martin L., der derzeit in kurdischer Haft sitzt. Der Schwei\u00dfer aus Sachsen-Anhalt soll sich vom Folterknecht bis zum Geheimdienstler mit Kontakten bis in die F\u00fchrungsspitze der Terrororganisation hochgearbeitet haben.<\/p>\n\n\n\n

Oder Reda S., Der Prediger aus Berlin-Charlottenburg soll dem IS in Mossul als Bildungsminister gedient haben. Oder der Berliner Ex-Rapper Denis Cuspert, der zu den wichtigsten Personen in der IS-Medienorganisation Al-Hayat geh\u00f6rte. Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Beh\u00f6rden wussten gut Bescheid<\/h2>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich entstand der Islamische Staat nicht in deutschen Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen. Zur deutschen Verantwortung geh\u00f6rt aber auch, dass Politiker und Beh\u00f6rden lange wegschauten, solang nur die T\u00e4ter, aber nicht die Opfer Deutsche waren. Beh\u00f6rden wissen und wussten erschreckend gut Bescheid \u00fcber die Radikalisierung deutscher Islamisten. Ein Gro\u00dfteil der sp\u00e4teren IS-K\u00e4mpfer war polizeibekannt, stand auf Gef\u00e4hrderlisten oder hatte wegen islamistischer Straftaten bereits Haftstrafen verb\u00fc\u00dft. An der Ausreise gehindert wurden sie oftmals dennoch nicht. Die Gefahr, die von deutschen Terroristen ausgeht, interessierte Politik und \u00d6ffentlichkeit erst dann wieder, als ihre Einreise drohte.<\/p>\n\n\n\n

\"Fabian
Fabian Goldmann<\/strong> ist Journalist und Islamwissenschaftler. F\u00fcr verschiedene Magazine und Zeitungen berichtete er viele Jahre aus Nahost. Zurzeit widmet er sich vor allem dem Islam diesseits des Bosporus. Auf seinem Blog Schantall und die Scharia<\/a> bloggt er \u00fcber Islamophobie in Deutschland.<\/p>\n","post_title":"Es sind unsere Terroristen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"es-sind-unsere-terroristen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3703","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3700,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:19:36","post_date_gmt":"2020-08-13 21:19:36","post_content":"\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda? Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda t<\/p>\n\n\n\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda tritt an die Stelle der 2010 verabschiedeten Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014 (siehe IP\/10\/1535<\/a>). In der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda f\u00fcr den Zeitraum 2015-2020 skizziert die Europ\u00e4ische Kommission die Strategie der Union zur Bew\u00e4ltigung der Sicherheitsbedrohungen in der EU.<\/p>\n\n\n\n

Die EU und ihre Mitgliedstaaten sind mit betr\u00e4chtlichen Sicherheitsproblemen konfrontiert. Terrorismus, organisierte Kriminalit\u00e4t und Cyberkriminalit\u00e4t stellen eine zunehmende Gefahr f\u00fcr die europ\u00e4ische Gesellschaft dar, wobei sich Art und Ausma\u00df dieser Gefahr ver\u00e4ndert hat. Europa ist mit den Auswirkungen der politischen Instabilit\u00e4t in seiner unmittelbaren Nachbarschaft konfrontiert, die die Sicherheitsinteressen der EU gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n

Im Zuge der Krisen und Konflikte in Syrien, Irak und Libyen haben sich europ\u00e4ische B\u00fcrger terroristischen Gruppen angeschlossen, die bei ihrer R\u00fcckkehr eine erhebliche Bedrohung darstellen k\u00f6nnen. Die j\u00fcngsten terroristischen Anschl\u00e4ge in Europa zeugen von der zunehmenden Bedrohung durch einen gewaltt\u00e4tigen Extremismus und zeigen, in welchem Ausma\u00df weltweite Konflikte zur Radikalisierung der europ\u00e4ischen B\u00fcrger beitragen.<\/p>\n\n\n\n

Das Online-Umfeld hat sich zunehmend als Ziel f\u00fcr Kriminelle und Terroristen entwickelt. Unabh\u00e4ngig davon, ob es um die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und die Anwerbung von Menschen f\u00fcr terroristische Organisationen geht oder die Verbreitung von Hass oder einen Angriff auf die europ\u00e4ischen Werte und Institutionen, fest steht, dass wir unsere Reaktion auf diese Bedrohungen unbedingt abstimmen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Welcher Mehrwert entsteht durch die EU im Bereich der inneren Sicherheit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Gew\u00e4hrleistung der inneren Sicherheit f\u00e4llt weiterhin in erster Linie in die Zust\u00e4ndigkeit der Mitgliedstaaten. Allerdings werden die Bedrohungen f\u00fcr Europas B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger immer vielf\u00e4ltiger und betreffen in zunehmendem Ma\u00dfe mehrere Mitgliedstaaten. Einzelne Mitgliedstaaten haben die Verantwortung, die Sicherheit an den Au\u00dfengrenzen zu gew\u00e4hrleisten, sind aber nicht mehr in der Lage, diese Herausforderungen allein zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n

Kriminelle und terroristische Aktivit\u00e4ten machen nicht an den Grenzen der EU halt und beschr\u00e4nken sich auch nicht auf Nachbarregionen. Die innere Sicherheit der EU und die globale Sicherheit sind voneinander abh\u00e4ngig und miteinander verkn\u00fcpft. Die Sicherheit der Union h\u00e4ngt in hohem Ma\u00dfe von der Zusammenarbeit mit ihren internationalen Partnern und ihren Nachbarl\u00e4ndern ab.<\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t und des Terrorismus ist eine gemeinsame europ\u00e4ische Aufgabe. Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda sollte von den Mitgliedstaaten und den EU-Organen gemeinsam als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und gemeinsame Ma\u00dfnahmen der Union genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n

Mit Hilfe der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda werden die Polizei- und Strafverfolgungsdienste in verschiedenen Mitgliedstaaten Daten effektiver austauschen und bei der Bek\u00e4mpfung der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t besser zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Die Mitgliedstaaten k\u00f6nnen auf die Unterst\u00fctzung durch die Agenturen der EU z\u00e4hlen. Insbesondere in folgenden Punkten l\u00e4sst sich mit Hilfe der Sicherheitsagenda ein EU-Mehrwert erzielen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n

A) Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und den EU-Agenturen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1<\/strong>: Das Schengener Informationssystem<\/strong> (SIS) wird von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Abfrage von Ausschreibungen von gesuchten oder vermissten Personen und Gegenst\u00e4nden genutzt. Die Kommission wird an der Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Ausschreibungskategorien arbeiten und sich daf\u00fcr einsetzen, dass das SIS zusammen mit der Interpol-Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD)<\/strong> umfassender genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Im Osten findet sich heute all das wieder, was die Terror-Miliz unterdr\u00fcckt hatte und bei Missachtung grausam ahndete: Musik in Restaurants und Caf\u00e9s; Sim-Karten f\u00fcr Handys; Internet; Fris\u00f6re, die Haare schneiden, B\u00e4rte stutzen oder gar abrasieren. Und doch: Trotz des lebendigen Treibens wirken Angst und Schrecken nach. Abu Muhammad, fr\u00fch ergraut, erinnert sich:<\/p>\n\n\n\n

\u201eWir haben uns gef\u00fchlt wie zwischen Leben und Tod. Irgendwo dazwischen. Sie haben vom \u201aIS\u2018 geh\u00f6rt; wir haben ihn erlebt: Wir haben erlebt, wie sie mordeten, wie sie Leute aufh\u00e4ngten, wir haben den Krieg erlebt. Wir haben alles gesehen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Mohammed stammt aus dem zerst\u00f6rten Westen der Stadt. Er wohnt heute im Osten. Verwandte haben ihn und seine Familie aufgenommen. So wie ihm ergeht es auch anderen Vertriebenen. Sie leben bei Verwandten und Freunden. Oder in einem der vielen Lager. 700.000 Menschen haben ihr Zuhause verloren \u2013 eine Zahl, die f\u00fcr West-Mosul gilt. Insgesamt gehen die Vereinten Nationen von fast sechs Millionen Menschen aus, die im Irak vor dem \u201aIS\u2018 geflohen sind \u2013 die H\u00e4lfte von ihnen bis heute fern von ihrem Zuhause.<\/p>\n\n\n\n

Binnenfl\u00fcchtlinge im Lager Khabartu<\/h2>\n\n\n\n

Zelte soweit das Auge reicht. Abertausende. Inmitten von Steppe. Das Leben der Menschen ist hart. Sie darben, frieren und verdorren \u2013 wenn im Winter der kalte Wind durch die Steppe fegt und im Sommer die Sonne niederbrennt. Doch sie harren aus, haben wenig Hoffnung auf baldige R\u00fcckkehr. Die meisten kamen 2014 \u2013 hierher, ins Lager Khabartu in Irakisch-Kurdistan.<\/p>\n\n\n\n

\"DasDas Lager Khabartu f\u00fcr irakische Binnenfl\u00fcchtlinge. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

2014, als der \u201eIS\u201c den Nord-Irak \u00fcberfiel. In einem der Zelte lebt auch die Familie von Thomas Abdallah Hammou. Thomas war auf der Flucht von seiner Familie getrennt und von den Dschihadisten verschleppt worden. Damals war er acht Jahre alt. Ein Kind. Drei Jahre blieb er in Geiselhaft, lebte in Mosul.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollten nicht, dass wir spielen. Sie mochten es nicht. Ich habe keine Schule besucht, aber sie gaben uns Koran-Unterricht. Jeden Tag.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas musste seinem eigenen, dem jesidischen Glauben abschw\u00f6ren. Weil der \u201eIS\u201c die Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c betrachtet. Und \u201eUngl\u00e4ubige\u201c, so die Auffassung der Terroristen, m\u00fcssen zwangsbekehrt werden. Oder get\u00f6tet. Die Terroristen hatten dementsprechend die Jesiden entweder an Ort und Stelle ermordet, die meisten im Sinjar, im alten Siedlungsgebiet der Jesiden im Nord-Irak. Tausende. 47 Massengr\u00e4ber sollen mittlerweile gefunden worden sein. Oder aber die Terroristen lie\u00dfen die Jesiden am Leben und nahmen sie in Geiselhaft. Sie machten aus ihnen Sexsklavinnen oder sie bildeten sie aus \u2013 zu Selbstmordattent\u00e4tern. Wie Thomas.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie haben uns st\u00e4ndig geschlagen. Wir mussten Schie\u00dfen \u00fcben. Zwei meiner Freunde haben sich in die Luft gesprengt. Sie sind zum Training. Doch sie kamen nicht zur\u00fcck. Ich war nicht traurig. Sie wollten sich ja in die Luft sprengen. Die \u201aIS\u2018-Leute hatten es nicht von ihnen verlangt. Sie sind freiwillig gegangen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas hat heute einen modernen Haarschnitt; der Nacken ist ausrasiert; der lange Pony in die Stirn gek\u00e4mmt. Im Sommer sah er noch anders aus, kurz nachdem Mosul befreit worden war. Bei einem Luftangriff der Anti-\u201eIS\u201c-Koalition wurde Thomas schwer verletzt aus Tr\u00fcmmern geborgen, dann operiert.<\/p>\n\n\n\n

\"ThomasThomas erholt sich von drei Jahren IS-Gefangenschaft. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

Arbeit mit \u201eDschihadisten-Kindern\u201c<\/h2>\n\n\n\n

Die \u00e4u\u00dferen Wunden sind heute verheilt. Doch wie sieht es aus mit den inneren, den seelischen Verletzungen? Thomas wurde von seiner Familie aufgenommen und bekommt Hilfe. Andere Kinder konnten nicht aufgefangen werden. Bis heute betrachten sie Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c \u2013 so wie es ihnen in der Geiselhaft eingeh\u00e4mmert wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie sind eine gro\u00dfe Gefahr f\u00fcr andere Kinder. Sie leben in Lagern, in einem Zelt, auf sechs mal vier Metern, oder noch weniger! Acht Geschwister, sie spielen zusammen, reden, sie indoktrinieren die anderen! Das ist ein Problem, das wir nicht l\u00f6sen k\u00f6nnen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Sara Hassan ist Sozialarbeiterin. Sie arbeitet in den Lagern, versucht M\u00e4dchen und Frauen, die jahrelang in Geiselhaft vergewaltigt wurden, zu helfen. Unz\u00e4hlige hatte der \u201eIS\u201c einst entf\u00fchrt. Sara arbeitet auch mit den sogenannten \u201eDschihadisten-Kindern\u201c. Sie erz\u00e4hlt, wie \u00fcberfordert alle seien: die Familien, die jesidische Gemeinschaft, die Gesellschaft des Nord-Irak.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIn einem anderen Fall hat sich die Familie am Ende an die Sicherheitskr\u00e4fte gewandt. Doch die wussten auch nicht, wie sie damit umgehen sollten. Monate lang hat die Familie versucht, den Jungen umzuerziehen, zusammen mit Sozialarbeitern. Aber noch immer sehen wir den Hass in seinen Augen \u2013 gegen\u00fcber Kurden, Christen und Jesiden. Als blicke man in die Augen eines IS-Terroristen. Das ist das Problem.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Die Jesiden k\u00f6nnen \u00fcber ihre vom \u201eIS\u201c indoktrinierten Kinder sprechen. Denn niemand zweifelt daran, dass sie Opfer der Tyrannei wurden. Bei den sunnitischen Arabern sieht das anders aus. Da sie derselben Religionsgruppe angeh\u00f6ren wie formal auch die Terroristen, stehen sie unter Generalverdacht, mit dem \u201eIS\u201c gemeinsame Sache gemacht zu haben. Sunnitische Araber trauen sich daher nicht, die Probleme ihrer Kinder \u00f6ffentlich zu machen \u2013 auch wenn sie selbst nichts mit dem \u201eIS\u201c zu tun hatten.<\/p>\n\n\n\n

Unklar ist, wie viele Kinder und Jugendliche im Irak und in Syrien zu Terroristen ausgebildet wurden, dabei noch in Geiselhaft sind oder bereits als \u201eSchl\u00e4fer\u201c darauf warten, zum Einsatz zu kommen. Sie gleichen \u201etickenden Zeitbomben\u201c, die jederzeit explodieren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

Minderheiten haben Angst vor \u201eIS\u201c-Nachfolgern<\/h2>\n\n\n\n

Kamaran Palani spricht davon, dass viele Menschen immer noch gehen wollen, obwohl der \u201eIS\u201c als staats\u00e4hnliches Gebilde nicht mehr besteht. Seine Saat aber, so der Politikwissenschaftler, sei aufgegangen.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollen einfach nicht in diesem Land bleiben. Der IS hat sie dazu gebracht. Jeder hat heute Angst, dass eine andere Organisation kommen wird, Terroristen, die dasselbe anrichten wie zuvor.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Palani forscht am \u201eMiddle East Research Institute\u201c, das seinen Sitz in Erbil hat, der Hauptstadt von Irakisch-Kurdistan. <\/p>\n\n\n\n

\u201e60 bis 65 Prozent der Christen wollen gehen. Das Gleiche gilt f\u00fcr andere Minderheiten: f\u00fcr Jesiden, Schabaks, Turkmenen, Kakais.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

\u201eWir werden niemals wieder mit den Arabern zusammenleben k\u00f6nnen!\u201c \u2013 ein Satz, der heute h\u00e4ufig im Nord-Irak zu h\u00f6ren ist. Gemeint sind die Iraker, die Sunniten und Araber sind \u2013 die einstmals Nachbarn von Jesiden, Christen und Kurden waren \u2013 mit denen man Handel trieb und Hochzeiten feierte, die auch Freunde waren.<\/p>\n\n\n\n

Der Irak ist eine multi-ethnische und multi-religi\u00f6se Gesellschaft, in der die Schiiten die Mehrheit stellen. \u00dcber Jahrhunderte aber hatten die sunnitischen Araber das Sagen, sie missbrauchten die Macht, errichteten ein Schreckensregime \u2013 bis 2003, als Diktator Saddam Hussein von den USA gest\u00fcrzt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c entstand aus Widerstand gegen Schiiten-Herrschaft<\/h2>\n\n\n\n

Jetzt wurde der Spie\u00df umgedreht. Die Amerikaner sorgten daf\u00fcr, dass die Sunniten jegliche Machtposition verloren \u2013 so wurde die irakische Armee, wurde die baathistische Partei aufgel\u00f6st \u2013 ohne ein Pendant zu schaffen, das alle integrierte. Und: Washington unterst\u00fctzte Regierungschef Nouri al-Maliki, einen Schiiten. Maliki sah eine historische Chance gekommen, diskriminierte nun seinerseits seine sunnitischen Landsleute, verwehrte ihnen im \u201eNeuen Irak\u201c die Mitsprache. Im Regime Malikis wurden Sunniten inhaftiert, gefoltert und umgebracht.<\/p>\n\n\n\n

Was viele in den Widerstand trieb. Einige schlossen sich der Terror-Organisation \u201eAl-Qaida\u201c an, unter ihnen f\u00fchrende Milit\u00e4rs der aufgel\u00f6sten Armee Saddam Husseins \u2013 und aus \u201eAl-Qaida\u201c ging sp\u00e4ter der \u201eIS\u201c hervor.<\/p>\n\n\n\n

Als der \u201eIS\u201c dann im Sommer 2014 fast ohne Gegenwehr weite Landstriche in Syrien und im Irak \u00fcberrannte und seinen \u201eStaat\u201c ausrief, sahen auch gew\u00f6hnliche sunnitische Araber einen Wechsel nahen. Viele machten gemeinsame Sache mit den Terroristen, verhinderten die Flucht jesidischer Nachbarn, lieferten sie ihren Schl\u00e4chtern aus. Kamaran Palani:<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c-K\u00e4mpfer haben gesagt, es gehe darum, die W\u00fcrde der sunnitischen Araber wiederherzustellen. Ihre Macht. Ihre Geschichte. Tats\u00e4chlich konnten es die Araber nicht hinnehmen, dass sie ins Abseits gedr\u00e4ngt wurden. Und ich denke, dass sie auch in Zukunft so handeln werden. Wann immer sich die Gelegenheit bietet: Sie werden alles hinter sich lassen \u2013 sich nur darauf konzentrieren.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Misstrauen. Auch bei einem Politikwissenschaftler. Was also tun? Zerst\u00f6rte St\u00e4dte und D\u00f6rfer k\u00f6nnten wieder aufgebaut werden \u2013 wenn denn ein gemeinsamer Wille best\u00fcnde. Doch was, wenn es einen solchen gemeinsamen Willen gar nicht gibt? Wenn Schmerz und Trauer anhalten, wenn die Verbrechen von Terroristen und Helfershelfern nicht geahndet werden, wenn Angst umgeht, Misstrauen und Hass das Miteinander bestimmen.<\/p>\n\n\n\n

\"SyrischeSoldaten in der irakischen Stadt Sindschar nach der R\u00fcckeroberung von der IS-Miliz Ende 2015. (dpa \/ MAXPPP \/ Arnaud Dumontier)<\/p>\n\n\n\n

Kamaran Palani stammt aus der Stadt Makhmour. Drei Tage nur sei der \u201eIS\u201c dort gewesen, sagt er, doch diese Tage h\u00e4tten alles ver\u00e4ndert. Der \u201eIS\u201c habe die Menschen in seiner Heimatstadt verrohen lassen, meint er, das Verh\u00e4ltnis zwischen Kurden und Arabern sei heute tot. Eine R\u00fcckkehr in alte Zeiten h\u00e4lt Palani f\u00fcr falsch.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch denke, es w\u00e4re nicht einfach, in das Jahr 2014 \u2013 also in die Zeit vor dem \u201aIS\u2018 \u2013 zur\u00fcckzukehren. Vor allem aber w\u00e4re es nicht die richtige Politik. Denn eben die hat ja erst zum Aufkommen, zur Existenz des \u201aIS\u2018 gef\u00fchrt.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n


Wie also in Ruinen Neues schaffen? Der Staat muss das Gewaltmonopol zur\u00fcckerlangen, fordert der Politikwissenschaftler. F\u00fcr ihn steht das an erster Stelle. Und dann m\u00fcsse der Staat dringend einen Kurswechsel vornehmen: Er m\u00fcsse integrativ wirken, alle einbinden, auch die Araber, in Sicherheitskr\u00e4fte, Verwaltung und Politik.<\/p>\n\n\n\n

Machtmonopol m\u00fcsste von Milizen zum Staat gehen<\/h2>\n\n\n\n

Die Realit\u00e4t sieht anders aus: Ein Staat Kurdistan, der neue Optionen m\u00f6glich gemacht h\u00e4tte, auch von den Minderheiten gew\u00fcnscht worden war, ist nicht entstanden. Bagdad aber ist fern, der Zentralstaat kaum existent, und wenn, dann ist er schiitisch dominiert. Es sind Milizen, die im Nord-Irak das Geschehen bestimmen, darum rivalisieren, das Machtvakuum zu f\u00fcllen, das durch die Vertreibung des \u201eIS\u201c entstanden ist. Einst im Kampf gegen die Terroristen geeint, sind die Milizen einander heute feind.<\/p>\n\n\n\n

Allen voran die \u201eHashd ash-Shaabi\u201c, schiitisch-irakische Milizen, deren Ausbilder und Kommandeure h\u00e4ufig Iraner sind. Bagdad hat die Haschd als regul\u00e4re Kraft im Kampf gegen den \u201eIS\u201c anerkannt \u2013 obwohl Menschenrechts-Organisationen schwere Vorw\u00fcrfe gegen sie erheben. Fest steht: Die schiitischen Milizen halten D\u00f6rfer besetzt, sind in Mosul f\u00fcr ihr herrisches Auftreten und ihre Willk\u00fcr bekannt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eTats\u00e4chlich sorgen die verschiedenen bewaffneten Gruppen daf\u00fcr, dass die Fl\u00fcchtlinge nicht zur\u00fcckkehren. Und weil sie nicht zur\u00fcckkehren, gibt es auch keinen Wiederaufbau. Die Menschen haben Angst vor den Milizen \u2013 auch davor, dass die einander bek\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die \u201eHashd\u201c m\u00fcssten mithin abziehen. Und mit ihnen die anderen Milizen. Das Machtmonopol m\u00fcsste an den Staat gehen. Doch der Irak ist auch Spielball der Regionalm\u00e4chte: Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien. Sie konkurrieren um Einfluss-Sph\u00e4ren, bedienen sich dabei verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Gruppen im Irak. Deswegen werden die Hashd nicht abziehen. Derzeit sind sie von der iranisch-irakischen Grenze im Osten \u00fcber Bagdad bis hoch zur irakisch-syrischen Grenze im Norden postiert. Einheiten Teherans k\u00f6nnten demnach auf dem Landweg vom Iran bis ans Mittelmeer durchmarschieren.<\/p>\n\n\n\n

Iran und Saudi-Arabien wollen Macht vergr\u00f6\u00dfern<\/h2>\n\n\n\n

Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n

In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n

Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3703,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:24:20","post_date_gmt":"2020-08-13 21:24:20","post_content":"\n

Deutschland str\u00e4ubt sich gegen die R\u00fcckkehr seiner eigenen Staatsb\u00fcrger, die zu IS-Terroristen wurden. Dabei hat die Bundesrepublik den Terror und die Terroristen einst exportiert. Und dies geschah wissentlich, sagt der Islamwissenschaftler Fabian Goldmann.<\/p>\n\n\n\n

Wann haben Sie sich eigentlich zuletzt von deutschen Terroristen distanziert? Zum Beispiel von Robert B.? Der Ex-Bundeswehrsoldat aus Solingen hat mutma\u00dflich bei einem Selbstmordattentat Anfang 2014 50 Menschen mit in den Tod gerissen. <\/p>\n\n\n\n

Oder von Yannik N.? Der junge Freiburger steuerte wahrscheinlich im Jahr 2015 einen mit anderthalb Tonnen Sprengstoff beladenen LKW in eine Menschenmenge und nahm so Dutzenden Personen das Leben.<\/p>\n\n\n\n

Oder von Yamin A.?. Im Sommer 2015 tauchte im Netz ein Video auf, das zeigte, wie der ehemalige Telekom-Azubi aus K\u00f6nigswinter zwei gefesselten Soldaten in den Kopf schoss.
Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Deutsche T\u00e4ter, aber kaum deutsche Opfer<\/h2>\n\n\n\n

Hauptsache nicht bei uns! Dies scheint auch dieser Tage wieder die Maxime zu sein, wenn Politiker und \u00d6ffentlichkeit \u00fcber den Umgang mit deutschen Terroristen diskutieren. Von potenziellen Bedrohungen und Anschlagsgefahren in Deutschland liest man dann. Vom ganz realen Terror, den Deutsche in den vergangenen Jahren \u00fcber die Menschen in Syrien und Irak gebracht haben, h\u00f6rt man hingegen kaum. Ein Terror, der kaum deutsche Opfer aber umso mehr deutsche T\u00e4ter kannte.<\/p>\n\n\n\n

1.050 \u2013 das ist laut Bundesinnenministerium die Anzahl der Dschihadisten, die in den letzten Jahren die Bundesrepublik in Richtung Nahost verlassen hat. Es f\u00e4llt schwer, sich umgekehrtes Szenario \u00fcberhaupt auszumalen. Was w\u00e4re wohl los, h\u00e4tte es nur ein Bruchteil arabischer Terroristen geschafft, bei uns Anschl\u00e4ge zu begehen? Europas \u201eMuslim Bann\u201c? \u00dcberwachungsstaat auf NSA-Niveau?<\/p>\n\n\n\n

Die CSU st\u00fcnde wom\u00f6glich am linken Ende des politischen Spektrums, und auf Twitter w\u00fcrde Trump deutsche Migrationspolitiker zur M\u00e4\u00dfigung aufrufen. Der deutsche Terror in Nahost kommt hingegen seit Jahren ganz ohne Sondersendungen, politische Debatten und Distanzierungsforderungen aus. <\/p>\n\n\n\n

Deutsche K\u00e4mpfer waren nicht nur willenloses Kanonenfutter<\/h2>\n\n\n\n

An fehlendem Wissen liegt das nicht. Von ganzen Einheiten des IS, in denen kein einziger K\u00e4mpfer Arabisch spreche, berichten syrische, irakische und kurdische Soldaten schon seit Jahren. Von Aleppo \u00fcber Raqqa bis Mossul haben Aktivisten und Politiker immer wieder darauf hingewiesen, dass viele der schlimmsten M\u00f6rder in den Reihen des IS Europ\u00e4er sind. Interessiert hat das hier kaum jemand.<\/p>\n\n\n\n

Dabei dienten Deutsche dem Islamischen Staats nicht nur als willenloses Kanonenfutter, wie es oft dargestellt wird. Viele haben seinen Terror mitgepr\u00e4gt. Wie Martin L., der derzeit in kurdischer Haft sitzt. Der Schwei\u00dfer aus Sachsen-Anhalt soll sich vom Folterknecht bis zum Geheimdienstler mit Kontakten bis in die F\u00fchrungsspitze der Terrororganisation hochgearbeitet haben.<\/p>\n\n\n\n

Oder Reda S., Der Prediger aus Berlin-Charlottenburg soll dem IS in Mossul als Bildungsminister gedient haben. Oder der Berliner Ex-Rapper Denis Cuspert, der zu den wichtigsten Personen in der IS-Medienorganisation Al-Hayat geh\u00f6rte. Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Beh\u00f6rden wussten gut Bescheid<\/h2>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich entstand der Islamische Staat nicht in deutschen Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen. Zur deutschen Verantwortung geh\u00f6rt aber auch, dass Politiker und Beh\u00f6rden lange wegschauten, solang nur die T\u00e4ter, aber nicht die Opfer Deutsche waren. Beh\u00f6rden wissen und wussten erschreckend gut Bescheid \u00fcber die Radikalisierung deutscher Islamisten. Ein Gro\u00dfteil der sp\u00e4teren IS-K\u00e4mpfer war polizeibekannt, stand auf Gef\u00e4hrderlisten oder hatte wegen islamistischer Straftaten bereits Haftstrafen verb\u00fc\u00dft. An der Ausreise gehindert wurden sie oftmals dennoch nicht. Die Gefahr, die von deutschen Terroristen ausgeht, interessierte Politik und \u00d6ffentlichkeit erst dann wieder, als ihre Einreise drohte.<\/p>\n\n\n\n

\"Fabian
Fabian Goldmann<\/strong> ist Journalist und Islamwissenschaftler. F\u00fcr verschiedene Magazine und Zeitungen berichtete er viele Jahre aus Nahost. Zurzeit widmet er sich vor allem dem Islam diesseits des Bosporus. Auf seinem Blog Schantall und die Scharia<\/a> bloggt er \u00fcber Islamophobie in Deutschland.<\/p>\n","post_title":"Es sind unsere Terroristen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"es-sind-unsere-terroristen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3703","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3700,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:19:36","post_date_gmt":"2020-08-13 21:19:36","post_content":"\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda? Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda t<\/p>\n\n\n\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda tritt an die Stelle der 2010 verabschiedeten Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014 (siehe IP\/10\/1535<\/a>). In der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda f\u00fcr den Zeitraum 2015-2020 skizziert die Europ\u00e4ische Kommission die Strategie der Union zur Bew\u00e4ltigung der Sicherheitsbedrohungen in der EU.<\/p>\n\n\n\n

Die EU und ihre Mitgliedstaaten sind mit betr\u00e4chtlichen Sicherheitsproblemen konfrontiert. Terrorismus, organisierte Kriminalit\u00e4t und Cyberkriminalit\u00e4t stellen eine zunehmende Gefahr f\u00fcr die europ\u00e4ische Gesellschaft dar, wobei sich Art und Ausma\u00df dieser Gefahr ver\u00e4ndert hat. Europa ist mit den Auswirkungen der politischen Instabilit\u00e4t in seiner unmittelbaren Nachbarschaft konfrontiert, die die Sicherheitsinteressen der EU gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n

Im Zuge der Krisen und Konflikte in Syrien, Irak und Libyen haben sich europ\u00e4ische B\u00fcrger terroristischen Gruppen angeschlossen, die bei ihrer R\u00fcckkehr eine erhebliche Bedrohung darstellen k\u00f6nnen. Die j\u00fcngsten terroristischen Anschl\u00e4ge in Europa zeugen von der zunehmenden Bedrohung durch einen gewaltt\u00e4tigen Extremismus und zeigen, in welchem Ausma\u00df weltweite Konflikte zur Radikalisierung der europ\u00e4ischen B\u00fcrger beitragen.<\/p>\n\n\n\n

Das Online-Umfeld hat sich zunehmend als Ziel f\u00fcr Kriminelle und Terroristen entwickelt. Unabh\u00e4ngig davon, ob es um die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und die Anwerbung von Menschen f\u00fcr terroristische Organisationen geht oder die Verbreitung von Hass oder einen Angriff auf die europ\u00e4ischen Werte und Institutionen, fest steht, dass wir unsere Reaktion auf diese Bedrohungen unbedingt abstimmen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Welcher Mehrwert entsteht durch die EU im Bereich der inneren Sicherheit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Gew\u00e4hrleistung der inneren Sicherheit f\u00e4llt weiterhin in erster Linie in die Zust\u00e4ndigkeit der Mitgliedstaaten. Allerdings werden die Bedrohungen f\u00fcr Europas B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger immer vielf\u00e4ltiger und betreffen in zunehmendem Ma\u00dfe mehrere Mitgliedstaaten. Einzelne Mitgliedstaaten haben die Verantwortung, die Sicherheit an den Au\u00dfengrenzen zu gew\u00e4hrleisten, sind aber nicht mehr in der Lage, diese Herausforderungen allein zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n

Kriminelle und terroristische Aktivit\u00e4ten machen nicht an den Grenzen der EU halt und beschr\u00e4nken sich auch nicht auf Nachbarregionen. Die innere Sicherheit der EU und die globale Sicherheit sind voneinander abh\u00e4ngig und miteinander verkn\u00fcpft. Die Sicherheit der Union h\u00e4ngt in hohem Ma\u00dfe von der Zusammenarbeit mit ihren internationalen Partnern und ihren Nachbarl\u00e4ndern ab.<\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t und des Terrorismus ist eine gemeinsame europ\u00e4ische Aufgabe. Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda sollte von den Mitgliedstaaten und den EU-Organen gemeinsam als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und gemeinsame Ma\u00dfnahmen der Union genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n

Mit Hilfe der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda werden die Polizei- und Strafverfolgungsdienste in verschiedenen Mitgliedstaaten Daten effektiver austauschen und bei der Bek\u00e4mpfung der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t besser zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Die Mitgliedstaaten k\u00f6nnen auf die Unterst\u00fctzung durch die Agenturen der EU z\u00e4hlen. Insbesondere in folgenden Punkten l\u00e4sst sich mit Hilfe der Sicherheitsagenda ein EU-Mehrwert erzielen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n

A) Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und den EU-Agenturen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1<\/strong>: Das Schengener Informationssystem<\/strong> (SIS) wird von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Abfrage von Ausschreibungen von gesuchten oder vermissten Personen und Gegenst\u00e4nden genutzt. Die Kommission wird an der Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Ausschreibungskategorien arbeiten und sich daf\u00fcr einsetzen, dass das SIS zusammen mit der Interpol-Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD)<\/strong> umfassender genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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\u201eDas Leben hatte nie aufgeh\u00f6rt in Mosul. Wir haben weitergelebt. Drei Jahre wurden wir vom \u201aIS\u2018 beherrscht, doch die normalen Leute hatten nichts damit zu tun. Daher kam der Alltag schnell zur\u00fcck. Die Soldaten sind gekommen, haben den Basar wieder aufgemacht und das Leben ging weiter.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Im Osten findet sich heute all das wieder, was die Terror-Miliz unterdr\u00fcckt hatte und bei Missachtung grausam ahndete: Musik in Restaurants und Caf\u00e9s; Sim-Karten f\u00fcr Handys; Internet; Fris\u00f6re, die Haare schneiden, B\u00e4rte stutzen oder gar abrasieren. Und doch: Trotz des lebendigen Treibens wirken Angst und Schrecken nach. Abu Muhammad, fr\u00fch ergraut, erinnert sich:<\/p>\n\n\n\n

\u201eWir haben uns gef\u00fchlt wie zwischen Leben und Tod. Irgendwo dazwischen. Sie haben vom \u201aIS\u2018 geh\u00f6rt; wir haben ihn erlebt: Wir haben erlebt, wie sie mordeten, wie sie Leute aufh\u00e4ngten, wir haben den Krieg erlebt. Wir haben alles gesehen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Mohammed stammt aus dem zerst\u00f6rten Westen der Stadt. Er wohnt heute im Osten. Verwandte haben ihn und seine Familie aufgenommen. So wie ihm ergeht es auch anderen Vertriebenen. Sie leben bei Verwandten und Freunden. Oder in einem der vielen Lager. 700.000 Menschen haben ihr Zuhause verloren \u2013 eine Zahl, die f\u00fcr West-Mosul gilt. Insgesamt gehen die Vereinten Nationen von fast sechs Millionen Menschen aus, die im Irak vor dem \u201aIS\u2018 geflohen sind \u2013 die H\u00e4lfte von ihnen bis heute fern von ihrem Zuhause.<\/p>\n\n\n\n

Binnenfl\u00fcchtlinge im Lager Khabartu<\/h2>\n\n\n\n

Zelte soweit das Auge reicht. Abertausende. Inmitten von Steppe. Das Leben der Menschen ist hart. Sie darben, frieren und verdorren \u2013 wenn im Winter der kalte Wind durch die Steppe fegt und im Sommer die Sonne niederbrennt. Doch sie harren aus, haben wenig Hoffnung auf baldige R\u00fcckkehr. Die meisten kamen 2014 \u2013 hierher, ins Lager Khabartu in Irakisch-Kurdistan.<\/p>\n\n\n\n

\"DasDas Lager Khabartu f\u00fcr irakische Binnenfl\u00fcchtlinge. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

2014, als der \u201eIS\u201c den Nord-Irak \u00fcberfiel. In einem der Zelte lebt auch die Familie von Thomas Abdallah Hammou. Thomas war auf der Flucht von seiner Familie getrennt und von den Dschihadisten verschleppt worden. Damals war er acht Jahre alt. Ein Kind. Drei Jahre blieb er in Geiselhaft, lebte in Mosul.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollten nicht, dass wir spielen. Sie mochten es nicht. Ich habe keine Schule besucht, aber sie gaben uns Koran-Unterricht. Jeden Tag.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas musste seinem eigenen, dem jesidischen Glauben abschw\u00f6ren. Weil der \u201eIS\u201c die Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c betrachtet. Und \u201eUngl\u00e4ubige\u201c, so die Auffassung der Terroristen, m\u00fcssen zwangsbekehrt werden. Oder get\u00f6tet. Die Terroristen hatten dementsprechend die Jesiden entweder an Ort und Stelle ermordet, die meisten im Sinjar, im alten Siedlungsgebiet der Jesiden im Nord-Irak. Tausende. 47 Massengr\u00e4ber sollen mittlerweile gefunden worden sein. Oder aber die Terroristen lie\u00dfen die Jesiden am Leben und nahmen sie in Geiselhaft. Sie machten aus ihnen Sexsklavinnen oder sie bildeten sie aus \u2013 zu Selbstmordattent\u00e4tern. Wie Thomas.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie haben uns st\u00e4ndig geschlagen. Wir mussten Schie\u00dfen \u00fcben. Zwei meiner Freunde haben sich in die Luft gesprengt. Sie sind zum Training. Doch sie kamen nicht zur\u00fcck. Ich war nicht traurig. Sie wollten sich ja in die Luft sprengen. Die \u201aIS\u2018-Leute hatten es nicht von ihnen verlangt. Sie sind freiwillig gegangen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas hat heute einen modernen Haarschnitt; der Nacken ist ausrasiert; der lange Pony in die Stirn gek\u00e4mmt. Im Sommer sah er noch anders aus, kurz nachdem Mosul befreit worden war. Bei einem Luftangriff der Anti-\u201eIS\u201c-Koalition wurde Thomas schwer verletzt aus Tr\u00fcmmern geborgen, dann operiert.<\/p>\n\n\n\n

\"ThomasThomas erholt sich von drei Jahren IS-Gefangenschaft. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

Arbeit mit \u201eDschihadisten-Kindern\u201c<\/h2>\n\n\n\n

Die \u00e4u\u00dferen Wunden sind heute verheilt. Doch wie sieht es aus mit den inneren, den seelischen Verletzungen? Thomas wurde von seiner Familie aufgenommen und bekommt Hilfe. Andere Kinder konnten nicht aufgefangen werden. Bis heute betrachten sie Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c \u2013 so wie es ihnen in der Geiselhaft eingeh\u00e4mmert wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie sind eine gro\u00dfe Gefahr f\u00fcr andere Kinder. Sie leben in Lagern, in einem Zelt, auf sechs mal vier Metern, oder noch weniger! Acht Geschwister, sie spielen zusammen, reden, sie indoktrinieren die anderen! Das ist ein Problem, das wir nicht l\u00f6sen k\u00f6nnen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Sara Hassan ist Sozialarbeiterin. Sie arbeitet in den Lagern, versucht M\u00e4dchen und Frauen, die jahrelang in Geiselhaft vergewaltigt wurden, zu helfen. Unz\u00e4hlige hatte der \u201eIS\u201c einst entf\u00fchrt. Sara arbeitet auch mit den sogenannten \u201eDschihadisten-Kindern\u201c. Sie erz\u00e4hlt, wie \u00fcberfordert alle seien: die Familien, die jesidische Gemeinschaft, die Gesellschaft des Nord-Irak.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIn einem anderen Fall hat sich die Familie am Ende an die Sicherheitskr\u00e4fte gewandt. Doch die wussten auch nicht, wie sie damit umgehen sollten. Monate lang hat die Familie versucht, den Jungen umzuerziehen, zusammen mit Sozialarbeitern. Aber noch immer sehen wir den Hass in seinen Augen \u2013 gegen\u00fcber Kurden, Christen und Jesiden. Als blicke man in die Augen eines IS-Terroristen. Das ist das Problem.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Die Jesiden k\u00f6nnen \u00fcber ihre vom \u201eIS\u201c indoktrinierten Kinder sprechen. Denn niemand zweifelt daran, dass sie Opfer der Tyrannei wurden. Bei den sunnitischen Arabern sieht das anders aus. Da sie derselben Religionsgruppe angeh\u00f6ren wie formal auch die Terroristen, stehen sie unter Generalverdacht, mit dem \u201eIS\u201c gemeinsame Sache gemacht zu haben. Sunnitische Araber trauen sich daher nicht, die Probleme ihrer Kinder \u00f6ffentlich zu machen \u2013 auch wenn sie selbst nichts mit dem \u201eIS\u201c zu tun hatten.<\/p>\n\n\n\n

Unklar ist, wie viele Kinder und Jugendliche im Irak und in Syrien zu Terroristen ausgebildet wurden, dabei noch in Geiselhaft sind oder bereits als \u201eSchl\u00e4fer\u201c darauf warten, zum Einsatz zu kommen. Sie gleichen \u201etickenden Zeitbomben\u201c, die jederzeit explodieren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

Minderheiten haben Angst vor \u201eIS\u201c-Nachfolgern<\/h2>\n\n\n\n

Kamaran Palani spricht davon, dass viele Menschen immer noch gehen wollen, obwohl der \u201eIS\u201c als staats\u00e4hnliches Gebilde nicht mehr besteht. Seine Saat aber, so der Politikwissenschaftler, sei aufgegangen.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollen einfach nicht in diesem Land bleiben. Der IS hat sie dazu gebracht. Jeder hat heute Angst, dass eine andere Organisation kommen wird, Terroristen, die dasselbe anrichten wie zuvor.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Palani forscht am \u201eMiddle East Research Institute\u201c, das seinen Sitz in Erbil hat, der Hauptstadt von Irakisch-Kurdistan. <\/p>\n\n\n\n

\u201e60 bis 65 Prozent der Christen wollen gehen. Das Gleiche gilt f\u00fcr andere Minderheiten: f\u00fcr Jesiden, Schabaks, Turkmenen, Kakais.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

\u201eWir werden niemals wieder mit den Arabern zusammenleben k\u00f6nnen!\u201c \u2013 ein Satz, der heute h\u00e4ufig im Nord-Irak zu h\u00f6ren ist. Gemeint sind die Iraker, die Sunniten und Araber sind \u2013 die einstmals Nachbarn von Jesiden, Christen und Kurden waren \u2013 mit denen man Handel trieb und Hochzeiten feierte, die auch Freunde waren.<\/p>\n\n\n\n

Der Irak ist eine multi-ethnische und multi-religi\u00f6se Gesellschaft, in der die Schiiten die Mehrheit stellen. \u00dcber Jahrhunderte aber hatten die sunnitischen Araber das Sagen, sie missbrauchten die Macht, errichteten ein Schreckensregime \u2013 bis 2003, als Diktator Saddam Hussein von den USA gest\u00fcrzt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c entstand aus Widerstand gegen Schiiten-Herrschaft<\/h2>\n\n\n\n

Jetzt wurde der Spie\u00df umgedreht. Die Amerikaner sorgten daf\u00fcr, dass die Sunniten jegliche Machtposition verloren \u2013 so wurde die irakische Armee, wurde die baathistische Partei aufgel\u00f6st \u2013 ohne ein Pendant zu schaffen, das alle integrierte. Und: Washington unterst\u00fctzte Regierungschef Nouri al-Maliki, einen Schiiten. Maliki sah eine historische Chance gekommen, diskriminierte nun seinerseits seine sunnitischen Landsleute, verwehrte ihnen im \u201eNeuen Irak\u201c die Mitsprache. Im Regime Malikis wurden Sunniten inhaftiert, gefoltert und umgebracht.<\/p>\n\n\n\n

Was viele in den Widerstand trieb. Einige schlossen sich der Terror-Organisation \u201eAl-Qaida\u201c an, unter ihnen f\u00fchrende Milit\u00e4rs der aufgel\u00f6sten Armee Saddam Husseins \u2013 und aus \u201eAl-Qaida\u201c ging sp\u00e4ter der \u201eIS\u201c hervor.<\/p>\n\n\n\n

Als der \u201eIS\u201c dann im Sommer 2014 fast ohne Gegenwehr weite Landstriche in Syrien und im Irak \u00fcberrannte und seinen \u201eStaat\u201c ausrief, sahen auch gew\u00f6hnliche sunnitische Araber einen Wechsel nahen. Viele machten gemeinsame Sache mit den Terroristen, verhinderten die Flucht jesidischer Nachbarn, lieferten sie ihren Schl\u00e4chtern aus. Kamaran Palani:<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c-K\u00e4mpfer haben gesagt, es gehe darum, die W\u00fcrde der sunnitischen Araber wiederherzustellen. Ihre Macht. Ihre Geschichte. Tats\u00e4chlich konnten es die Araber nicht hinnehmen, dass sie ins Abseits gedr\u00e4ngt wurden. Und ich denke, dass sie auch in Zukunft so handeln werden. Wann immer sich die Gelegenheit bietet: Sie werden alles hinter sich lassen \u2013 sich nur darauf konzentrieren.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Misstrauen. Auch bei einem Politikwissenschaftler. Was also tun? Zerst\u00f6rte St\u00e4dte und D\u00f6rfer k\u00f6nnten wieder aufgebaut werden \u2013 wenn denn ein gemeinsamer Wille best\u00fcnde. Doch was, wenn es einen solchen gemeinsamen Willen gar nicht gibt? Wenn Schmerz und Trauer anhalten, wenn die Verbrechen von Terroristen und Helfershelfern nicht geahndet werden, wenn Angst umgeht, Misstrauen und Hass das Miteinander bestimmen.<\/p>\n\n\n\n

\"SyrischeSoldaten in der irakischen Stadt Sindschar nach der R\u00fcckeroberung von der IS-Miliz Ende 2015. (dpa \/ MAXPPP \/ Arnaud Dumontier)<\/p>\n\n\n\n

Kamaran Palani stammt aus der Stadt Makhmour. Drei Tage nur sei der \u201eIS\u201c dort gewesen, sagt er, doch diese Tage h\u00e4tten alles ver\u00e4ndert. Der \u201eIS\u201c habe die Menschen in seiner Heimatstadt verrohen lassen, meint er, das Verh\u00e4ltnis zwischen Kurden und Arabern sei heute tot. Eine R\u00fcckkehr in alte Zeiten h\u00e4lt Palani f\u00fcr falsch.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch denke, es w\u00e4re nicht einfach, in das Jahr 2014 \u2013 also in die Zeit vor dem \u201aIS\u2018 \u2013 zur\u00fcckzukehren. Vor allem aber w\u00e4re es nicht die richtige Politik. Denn eben die hat ja erst zum Aufkommen, zur Existenz des \u201aIS\u2018 gef\u00fchrt.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n


Wie also in Ruinen Neues schaffen? Der Staat muss das Gewaltmonopol zur\u00fcckerlangen, fordert der Politikwissenschaftler. F\u00fcr ihn steht das an erster Stelle. Und dann m\u00fcsse der Staat dringend einen Kurswechsel vornehmen: Er m\u00fcsse integrativ wirken, alle einbinden, auch die Araber, in Sicherheitskr\u00e4fte, Verwaltung und Politik.<\/p>\n\n\n\n

Machtmonopol m\u00fcsste von Milizen zum Staat gehen<\/h2>\n\n\n\n

Die Realit\u00e4t sieht anders aus: Ein Staat Kurdistan, der neue Optionen m\u00f6glich gemacht h\u00e4tte, auch von den Minderheiten gew\u00fcnscht worden war, ist nicht entstanden. Bagdad aber ist fern, der Zentralstaat kaum existent, und wenn, dann ist er schiitisch dominiert. Es sind Milizen, die im Nord-Irak das Geschehen bestimmen, darum rivalisieren, das Machtvakuum zu f\u00fcllen, das durch die Vertreibung des \u201eIS\u201c entstanden ist. Einst im Kampf gegen die Terroristen geeint, sind die Milizen einander heute feind.<\/p>\n\n\n\n

Allen voran die \u201eHashd ash-Shaabi\u201c, schiitisch-irakische Milizen, deren Ausbilder und Kommandeure h\u00e4ufig Iraner sind. Bagdad hat die Haschd als regul\u00e4re Kraft im Kampf gegen den \u201eIS\u201c anerkannt \u2013 obwohl Menschenrechts-Organisationen schwere Vorw\u00fcrfe gegen sie erheben. Fest steht: Die schiitischen Milizen halten D\u00f6rfer besetzt, sind in Mosul f\u00fcr ihr herrisches Auftreten und ihre Willk\u00fcr bekannt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eTats\u00e4chlich sorgen die verschiedenen bewaffneten Gruppen daf\u00fcr, dass die Fl\u00fcchtlinge nicht zur\u00fcckkehren. Und weil sie nicht zur\u00fcckkehren, gibt es auch keinen Wiederaufbau. Die Menschen haben Angst vor den Milizen \u2013 auch davor, dass die einander bek\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die \u201eHashd\u201c m\u00fcssten mithin abziehen. Und mit ihnen die anderen Milizen. Das Machtmonopol m\u00fcsste an den Staat gehen. Doch der Irak ist auch Spielball der Regionalm\u00e4chte: Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien. Sie konkurrieren um Einfluss-Sph\u00e4ren, bedienen sich dabei verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Gruppen im Irak. Deswegen werden die Hashd nicht abziehen. Derzeit sind sie von der iranisch-irakischen Grenze im Osten \u00fcber Bagdad bis hoch zur irakisch-syrischen Grenze im Norden postiert. Einheiten Teherans k\u00f6nnten demnach auf dem Landweg vom Iran bis ans Mittelmeer durchmarschieren.<\/p>\n\n\n\n

Iran und Saudi-Arabien wollen Macht vergr\u00f6\u00dfern<\/h2>\n\n\n\n

Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n

In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n

Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3703,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:24:20","post_date_gmt":"2020-08-13 21:24:20","post_content":"\n

Deutschland str\u00e4ubt sich gegen die R\u00fcckkehr seiner eigenen Staatsb\u00fcrger, die zu IS-Terroristen wurden. Dabei hat die Bundesrepublik den Terror und die Terroristen einst exportiert. Und dies geschah wissentlich, sagt der Islamwissenschaftler Fabian Goldmann.<\/p>\n\n\n\n

Wann haben Sie sich eigentlich zuletzt von deutschen Terroristen distanziert? Zum Beispiel von Robert B.? Der Ex-Bundeswehrsoldat aus Solingen hat mutma\u00dflich bei einem Selbstmordattentat Anfang 2014 50 Menschen mit in den Tod gerissen. <\/p>\n\n\n\n

Oder von Yannik N.? Der junge Freiburger steuerte wahrscheinlich im Jahr 2015 einen mit anderthalb Tonnen Sprengstoff beladenen LKW in eine Menschenmenge und nahm so Dutzenden Personen das Leben.<\/p>\n\n\n\n

Oder von Yamin A.?. Im Sommer 2015 tauchte im Netz ein Video auf, das zeigte, wie der ehemalige Telekom-Azubi aus K\u00f6nigswinter zwei gefesselten Soldaten in den Kopf schoss.
Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Deutsche T\u00e4ter, aber kaum deutsche Opfer<\/h2>\n\n\n\n

Hauptsache nicht bei uns! Dies scheint auch dieser Tage wieder die Maxime zu sein, wenn Politiker und \u00d6ffentlichkeit \u00fcber den Umgang mit deutschen Terroristen diskutieren. Von potenziellen Bedrohungen und Anschlagsgefahren in Deutschland liest man dann. Vom ganz realen Terror, den Deutsche in den vergangenen Jahren \u00fcber die Menschen in Syrien und Irak gebracht haben, h\u00f6rt man hingegen kaum. Ein Terror, der kaum deutsche Opfer aber umso mehr deutsche T\u00e4ter kannte.<\/p>\n\n\n\n

1.050 \u2013 das ist laut Bundesinnenministerium die Anzahl der Dschihadisten, die in den letzten Jahren die Bundesrepublik in Richtung Nahost verlassen hat. Es f\u00e4llt schwer, sich umgekehrtes Szenario \u00fcberhaupt auszumalen. Was w\u00e4re wohl los, h\u00e4tte es nur ein Bruchteil arabischer Terroristen geschafft, bei uns Anschl\u00e4ge zu begehen? Europas \u201eMuslim Bann\u201c? \u00dcberwachungsstaat auf NSA-Niveau?<\/p>\n\n\n\n

Die CSU st\u00fcnde wom\u00f6glich am linken Ende des politischen Spektrums, und auf Twitter w\u00fcrde Trump deutsche Migrationspolitiker zur M\u00e4\u00dfigung aufrufen. Der deutsche Terror in Nahost kommt hingegen seit Jahren ganz ohne Sondersendungen, politische Debatten und Distanzierungsforderungen aus. <\/p>\n\n\n\n

Deutsche K\u00e4mpfer waren nicht nur willenloses Kanonenfutter<\/h2>\n\n\n\n

An fehlendem Wissen liegt das nicht. Von ganzen Einheiten des IS, in denen kein einziger K\u00e4mpfer Arabisch spreche, berichten syrische, irakische und kurdische Soldaten schon seit Jahren. Von Aleppo \u00fcber Raqqa bis Mossul haben Aktivisten und Politiker immer wieder darauf hingewiesen, dass viele der schlimmsten M\u00f6rder in den Reihen des IS Europ\u00e4er sind. Interessiert hat das hier kaum jemand.<\/p>\n\n\n\n

Dabei dienten Deutsche dem Islamischen Staats nicht nur als willenloses Kanonenfutter, wie es oft dargestellt wird. Viele haben seinen Terror mitgepr\u00e4gt. Wie Martin L., der derzeit in kurdischer Haft sitzt. Der Schwei\u00dfer aus Sachsen-Anhalt soll sich vom Folterknecht bis zum Geheimdienstler mit Kontakten bis in die F\u00fchrungsspitze der Terrororganisation hochgearbeitet haben.<\/p>\n\n\n\n

Oder Reda S., Der Prediger aus Berlin-Charlottenburg soll dem IS in Mossul als Bildungsminister gedient haben. Oder der Berliner Ex-Rapper Denis Cuspert, der zu den wichtigsten Personen in der IS-Medienorganisation Al-Hayat geh\u00f6rte. Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Beh\u00f6rden wussten gut Bescheid<\/h2>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich entstand der Islamische Staat nicht in deutschen Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen. Zur deutschen Verantwortung geh\u00f6rt aber auch, dass Politiker und Beh\u00f6rden lange wegschauten, solang nur die T\u00e4ter, aber nicht die Opfer Deutsche waren. Beh\u00f6rden wissen und wussten erschreckend gut Bescheid \u00fcber die Radikalisierung deutscher Islamisten. Ein Gro\u00dfteil der sp\u00e4teren IS-K\u00e4mpfer war polizeibekannt, stand auf Gef\u00e4hrderlisten oder hatte wegen islamistischer Straftaten bereits Haftstrafen verb\u00fc\u00dft. An der Ausreise gehindert wurden sie oftmals dennoch nicht. Die Gefahr, die von deutschen Terroristen ausgeht, interessierte Politik und \u00d6ffentlichkeit erst dann wieder, als ihre Einreise drohte.<\/p>\n\n\n\n

\"Fabian
Fabian Goldmann<\/strong> ist Journalist und Islamwissenschaftler. F\u00fcr verschiedene Magazine und Zeitungen berichtete er viele Jahre aus Nahost. Zurzeit widmet er sich vor allem dem Islam diesseits des Bosporus. Auf seinem Blog Schantall und die Scharia<\/a> bloggt er \u00fcber Islamophobie in Deutschland.<\/p>\n","post_title":"Es sind unsere Terroristen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"es-sind-unsere-terroristen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3703","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3700,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:19:36","post_date_gmt":"2020-08-13 21:19:36","post_content":"\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda? Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda t<\/p>\n\n\n\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda tritt an die Stelle der 2010 verabschiedeten Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014 (siehe IP\/10\/1535<\/a>). In der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda f\u00fcr den Zeitraum 2015-2020 skizziert die Europ\u00e4ische Kommission die Strategie der Union zur Bew\u00e4ltigung der Sicherheitsbedrohungen in der EU.<\/p>\n\n\n\n

Die EU und ihre Mitgliedstaaten sind mit betr\u00e4chtlichen Sicherheitsproblemen konfrontiert. Terrorismus, organisierte Kriminalit\u00e4t und Cyberkriminalit\u00e4t stellen eine zunehmende Gefahr f\u00fcr die europ\u00e4ische Gesellschaft dar, wobei sich Art und Ausma\u00df dieser Gefahr ver\u00e4ndert hat. Europa ist mit den Auswirkungen der politischen Instabilit\u00e4t in seiner unmittelbaren Nachbarschaft konfrontiert, die die Sicherheitsinteressen der EU gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n

Im Zuge der Krisen und Konflikte in Syrien, Irak und Libyen haben sich europ\u00e4ische B\u00fcrger terroristischen Gruppen angeschlossen, die bei ihrer R\u00fcckkehr eine erhebliche Bedrohung darstellen k\u00f6nnen. Die j\u00fcngsten terroristischen Anschl\u00e4ge in Europa zeugen von der zunehmenden Bedrohung durch einen gewaltt\u00e4tigen Extremismus und zeigen, in welchem Ausma\u00df weltweite Konflikte zur Radikalisierung der europ\u00e4ischen B\u00fcrger beitragen.<\/p>\n\n\n\n

Das Online-Umfeld hat sich zunehmend als Ziel f\u00fcr Kriminelle und Terroristen entwickelt. Unabh\u00e4ngig davon, ob es um die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und die Anwerbung von Menschen f\u00fcr terroristische Organisationen geht oder die Verbreitung von Hass oder einen Angriff auf die europ\u00e4ischen Werte und Institutionen, fest steht, dass wir unsere Reaktion auf diese Bedrohungen unbedingt abstimmen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Welcher Mehrwert entsteht durch die EU im Bereich der inneren Sicherheit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Gew\u00e4hrleistung der inneren Sicherheit f\u00e4llt weiterhin in erster Linie in die Zust\u00e4ndigkeit der Mitgliedstaaten. Allerdings werden die Bedrohungen f\u00fcr Europas B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger immer vielf\u00e4ltiger und betreffen in zunehmendem Ma\u00dfe mehrere Mitgliedstaaten. Einzelne Mitgliedstaaten haben die Verantwortung, die Sicherheit an den Au\u00dfengrenzen zu gew\u00e4hrleisten, sind aber nicht mehr in der Lage, diese Herausforderungen allein zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n

Kriminelle und terroristische Aktivit\u00e4ten machen nicht an den Grenzen der EU halt und beschr\u00e4nken sich auch nicht auf Nachbarregionen. Die innere Sicherheit der EU und die globale Sicherheit sind voneinander abh\u00e4ngig und miteinander verkn\u00fcpft. Die Sicherheit der Union h\u00e4ngt in hohem Ma\u00dfe von der Zusammenarbeit mit ihren internationalen Partnern und ihren Nachbarl\u00e4ndern ab.<\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t und des Terrorismus ist eine gemeinsame europ\u00e4ische Aufgabe. Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda sollte von den Mitgliedstaaten und den EU-Organen gemeinsam als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und gemeinsame Ma\u00dfnahmen der Union genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n

Mit Hilfe der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda werden die Polizei- und Strafverfolgungsdienste in verschiedenen Mitgliedstaaten Daten effektiver austauschen und bei der Bek\u00e4mpfung der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t besser zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Die Mitgliedstaaten k\u00f6nnen auf die Unterst\u00fctzung durch die Agenturen der EU z\u00e4hlen. Insbesondere in folgenden Punkten l\u00e4sst sich mit Hilfe der Sicherheitsagenda ein EU-Mehrwert erzielen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n

A) Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und den EU-Agenturen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1<\/strong>: Das Schengener Informationssystem<\/strong> (SIS) wird von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Abfrage von Ausschreibungen von gesuchten oder vermissten Personen und Gegenst\u00e4nden genutzt. Die Kommission wird an der Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Ausschreibungskategorien arbeiten und sich daf\u00fcr einsetzen, dass das SIS zusammen mit der Interpol-Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD)<\/strong> umfassender genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Die Zerst\u00f6rungen beschr\u00e4nken sich auf strategisch-wichtige Punkte oder Geb\u00e4ude, in denen sich die Terroristen verschanzt hatten: Br\u00fccken, Moscheen, Krankenh\u00e4user. Doch im Basar herrscht fast so etwas wie Normalit\u00e4t. An St\u00e4nden kaufen Menschen ein \u2013 Obst, Gem\u00fcse, Reis und Nudeln, Backwaren. Kinder schlecken ein Eis. Abu Muhammad, ein ehemaliger Physiklehrer, erkl\u00e4rt, warum der Basar so anders ist als erwartet:<\/p>\n\n\n\n

\u201eDas Leben hatte nie aufgeh\u00f6rt in Mosul. Wir haben weitergelebt. Drei Jahre wurden wir vom \u201aIS\u2018 beherrscht, doch die normalen Leute hatten nichts damit zu tun. Daher kam der Alltag schnell zur\u00fcck. Die Soldaten sind gekommen, haben den Basar wieder aufgemacht und das Leben ging weiter.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Im Osten findet sich heute all das wieder, was die Terror-Miliz unterdr\u00fcckt hatte und bei Missachtung grausam ahndete: Musik in Restaurants und Caf\u00e9s; Sim-Karten f\u00fcr Handys; Internet; Fris\u00f6re, die Haare schneiden, B\u00e4rte stutzen oder gar abrasieren. Und doch: Trotz des lebendigen Treibens wirken Angst und Schrecken nach. Abu Muhammad, fr\u00fch ergraut, erinnert sich:<\/p>\n\n\n\n

\u201eWir haben uns gef\u00fchlt wie zwischen Leben und Tod. Irgendwo dazwischen. Sie haben vom \u201aIS\u2018 geh\u00f6rt; wir haben ihn erlebt: Wir haben erlebt, wie sie mordeten, wie sie Leute aufh\u00e4ngten, wir haben den Krieg erlebt. Wir haben alles gesehen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Mohammed stammt aus dem zerst\u00f6rten Westen der Stadt. Er wohnt heute im Osten. Verwandte haben ihn und seine Familie aufgenommen. So wie ihm ergeht es auch anderen Vertriebenen. Sie leben bei Verwandten und Freunden. Oder in einem der vielen Lager. 700.000 Menschen haben ihr Zuhause verloren \u2013 eine Zahl, die f\u00fcr West-Mosul gilt. Insgesamt gehen die Vereinten Nationen von fast sechs Millionen Menschen aus, die im Irak vor dem \u201aIS\u2018 geflohen sind \u2013 die H\u00e4lfte von ihnen bis heute fern von ihrem Zuhause.<\/p>\n\n\n\n

Binnenfl\u00fcchtlinge im Lager Khabartu<\/h2>\n\n\n\n

Zelte soweit das Auge reicht. Abertausende. Inmitten von Steppe. Das Leben der Menschen ist hart. Sie darben, frieren und verdorren \u2013 wenn im Winter der kalte Wind durch die Steppe fegt und im Sommer die Sonne niederbrennt. Doch sie harren aus, haben wenig Hoffnung auf baldige R\u00fcckkehr. Die meisten kamen 2014 \u2013 hierher, ins Lager Khabartu in Irakisch-Kurdistan.<\/p>\n\n\n\n

\"DasDas Lager Khabartu f\u00fcr irakische Binnenfl\u00fcchtlinge. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

2014, als der \u201eIS\u201c den Nord-Irak \u00fcberfiel. In einem der Zelte lebt auch die Familie von Thomas Abdallah Hammou. Thomas war auf der Flucht von seiner Familie getrennt und von den Dschihadisten verschleppt worden. Damals war er acht Jahre alt. Ein Kind. Drei Jahre blieb er in Geiselhaft, lebte in Mosul.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollten nicht, dass wir spielen. Sie mochten es nicht. Ich habe keine Schule besucht, aber sie gaben uns Koran-Unterricht. Jeden Tag.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas musste seinem eigenen, dem jesidischen Glauben abschw\u00f6ren. Weil der \u201eIS\u201c die Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c betrachtet. Und \u201eUngl\u00e4ubige\u201c, so die Auffassung der Terroristen, m\u00fcssen zwangsbekehrt werden. Oder get\u00f6tet. Die Terroristen hatten dementsprechend die Jesiden entweder an Ort und Stelle ermordet, die meisten im Sinjar, im alten Siedlungsgebiet der Jesiden im Nord-Irak. Tausende. 47 Massengr\u00e4ber sollen mittlerweile gefunden worden sein. Oder aber die Terroristen lie\u00dfen die Jesiden am Leben und nahmen sie in Geiselhaft. Sie machten aus ihnen Sexsklavinnen oder sie bildeten sie aus \u2013 zu Selbstmordattent\u00e4tern. Wie Thomas.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie haben uns st\u00e4ndig geschlagen. Wir mussten Schie\u00dfen \u00fcben. Zwei meiner Freunde haben sich in die Luft gesprengt. Sie sind zum Training. Doch sie kamen nicht zur\u00fcck. Ich war nicht traurig. Sie wollten sich ja in die Luft sprengen. Die \u201aIS\u2018-Leute hatten es nicht von ihnen verlangt. Sie sind freiwillig gegangen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas hat heute einen modernen Haarschnitt; der Nacken ist ausrasiert; der lange Pony in die Stirn gek\u00e4mmt. Im Sommer sah er noch anders aus, kurz nachdem Mosul befreit worden war. Bei einem Luftangriff der Anti-\u201eIS\u201c-Koalition wurde Thomas schwer verletzt aus Tr\u00fcmmern geborgen, dann operiert.<\/p>\n\n\n\n

\"ThomasThomas erholt sich von drei Jahren IS-Gefangenschaft. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

Arbeit mit \u201eDschihadisten-Kindern\u201c<\/h2>\n\n\n\n

Die \u00e4u\u00dferen Wunden sind heute verheilt. Doch wie sieht es aus mit den inneren, den seelischen Verletzungen? Thomas wurde von seiner Familie aufgenommen und bekommt Hilfe. Andere Kinder konnten nicht aufgefangen werden. Bis heute betrachten sie Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c \u2013 so wie es ihnen in der Geiselhaft eingeh\u00e4mmert wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie sind eine gro\u00dfe Gefahr f\u00fcr andere Kinder. Sie leben in Lagern, in einem Zelt, auf sechs mal vier Metern, oder noch weniger! Acht Geschwister, sie spielen zusammen, reden, sie indoktrinieren die anderen! Das ist ein Problem, das wir nicht l\u00f6sen k\u00f6nnen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Sara Hassan ist Sozialarbeiterin. Sie arbeitet in den Lagern, versucht M\u00e4dchen und Frauen, die jahrelang in Geiselhaft vergewaltigt wurden, zu helfen. Unz\u00e4hlige hatte der \u201eIS\u201c einst entf\u00fchrt. Sara arbeitet auch mit den sogenannten \u201eDschihadisten-Kindern\u201c. Sie erz\u00e4hlt, wie \u00fcberfordert alle seien: die Familien, die jesidische Gemeinschaft, die Gesellschaft des Nord-Irak.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIn einem anderen Fall hat sich die Familie am Ende an die Sicherheitskr\u00e4fte gewandt. Doch die wussten auch nicht, wie sie damit umgehen sollten. Monate lang hat die Familie versucht, den Jungen umzuerziehen, zusammen mit Sozialarbeitern. Aber noch immer sehen wir den Hass in seinen Augen \u2013 gegen\u00fcber Kurden, Christen und Jesiden. Als blicke man in die Augen eines IS-Terroristen. Das ist das Problem.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Die Jesiden k\u00f6nnen \u00fcber ihre vom \u201eIS\u201c indoktrinierten Kinder sprechen. Denn niemand zweifelt daran, dass sie Opfer der Tyrannei wurden. Bei den sunnitischen Arabern sieht das anders aus. Da sie derselben Religionsgruppe angeh\u00f6ren wie formal auch die Terroristen, stehen sie unter Generalverdacht, mit dem \u201eIS\u201c gemeinsame Sache gemacht zu haben. Sunnitische Araber trauen sich daher nicht, die Probleme ihrer Kinder \u00f6ffentlich zu machen \u2013 auch wenn sie selbst nichts mit dem \u201eIS\u201c zu tun hatten.<\/p>\n\n\n\n

Unklar ist, wie viele Kinder und Jugendliche im Irak und in Syrien zu Terroristen ausgebildet wurden, dabei noch in Geiselhaft sind oder bereits als \u201eSchl\u00e4fer\u201c darauf warten, zum Einsatz zu kommen. Sie gleichen \u201etickenden Zeitbomben\u201c, die jederzeit explodieren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

Minderheiten haben Angst vor \u201eIS\u201c-Nachfolgern<\/h2>\n\n\n\n

Kamaran Palani spricht davon, dass viele Menschen immer noch gehen wollen, obwohl der \u201eIS\u201c als staats\u00e4hnliches Gebilde nicht mehr besteht. Seine Saat aber, so der Politikwissenschaftler, sei aufgegangen.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollen einfach nicht in diesem Land bleiben. Der IS hat sie dazu gebracht. Jeder hat heute Angst, dass eine andere Organisation kommen wird, Terroristen, die dasselbe anrichten wie zuvor.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Palani forscht am \u201eMiddle East Research Institute\u201c, das seinen Sitz in Erbil hat, der Hauptstadt von Irakisch-Kurdistan. <\/p>\n\n\n\n

\u201e60 bis 65 Prozent der Christen wollen gehen. Das Gleiche gilt f\u00fcr andere Minderheiten: f\u00fcr Jesiden, Schabaks, Turkmenen, Kakais.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

\u201eWir werden niemals wieder mit den Arabern zusammenleben k\u00f6nnen!\u201c \u2013 ein Satz, der heute h\u00e4ufig im Nord-Irak zu h\u00f6ren ist. Gemeint sind die Iraker, die Sunniten und Araber sind \u2013 die einstmals Nachbarn von Jesiden, Christen und Kurden waren \u2013 mit denen man Handel trieb und Hochzeiten feierte, die auch Freunde waren.<\/p>\n\n\n\n

Der Irak ist eine multi-ethnische und multi-religi\u00f6se Gesellschaft, in der die Schiiten die Mehrheit stellen. \u00dcber Jahrhunderte aber hatten die sunnitischen Araber das Sagen, sie missbrauchten die Macht, errichteten ein Schreckensregime \u2013 bis 2003, als Diktator Saddam Hussein von den USA gest\u00fcrzt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c entstand aus Widerstand gegen Schiiten-Herrschaft<\/h2>\n\n\n\n

Jetzt wurde der Spie\u00df umgedreht. Die Amerikaner sorgten daf\u00fcr, dass die Sunniten jegliche Machtposition verloren \u2013 so wurde die irakische Armee, wurde die baathistische Partei aufgel\u00f6st \u2013 ohne ein Pendant zu schaffen, das alle integrierte. Und: Washington unterst\u00fctzte Regierungschef Nouri al-Maliki, einen Schiiten. Maliki sah eine historische Chance gekommen, diskriminierte nun seinerseits seine sunnitischen Landsleute, verwehrte ihnen im \u201eNeuen Irak\u201c die Mitsprache. Im Regime Malikis wurden Sunniten inhaftiert, gefoltert und umgebracht.<\/p>\n\n\n\n

Was viele in den Widerstand trieb. Einige schlossen sich der Terror-Organisation \u201eAl-Qaida\u201c an, unter ihnen f\u00fchrende Milit\u00e4rs der aufgel\u00f6sten Armee Saddam Husseins \u2013 und aus \u201eAl-Qaida\u201c ging sp\u00e4ter der \u201eIS\u201c hervor.<\/p>\n\n\n\n

Als der \u201eIS\u201c dann im Sommer 2014 fast ohne Gegenwehr weite Landstriche in Syrien und im Irak \u00fcberrannte und seinen \u201eStaat\u201c ausrief, sahen auch gew\u00f6hnliche sunnitische Araber einen Wechsel nahen. Viele machten gemeinsame Sache mit den Terroristen, verhinderten die Flucht jesidischer Nachbarn, lieferten sie ihren Schl\u00e4chtern aus. Kamaran Palani:<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c-K\u00e4mpfer haben gesagt, es gehe darum, die W\u00fcrde der sunnitischen Araber wiederherzustellen. Ihre Macht. Ihre Geschichte. Tats\u00e4chlich konnten es die Araber nicht hinnehmen, dass sie ins Abseits gedr\u00e4ngt wurden. Und ich denke, dass sie auch in Zukunft so handeln werden. Wann immer sich die Gelegenheit bietet: Sie werden alles hinter sich lassen \u2013 sich nur darauf konzentrieren.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Misstrauen. Auch bei einem Politikwissenschaftler. Was also tun? Zerst\u00f6rte St\u00e4dte und D\u00f6rfer k\u00f6nnten wieder aufgebaut werden \u2013 wenn denn ein gemeinsamer Wille best\u00fcnde. Doch was, wenn es einen solchen gemeinsamen Willen gar nicht gibt? Wenn Schmerz und Trauer anhalten, wenn die Verbrechen von Terroristen und Helfershelfern nicht geahndet werden, wenn Angst umgeht, Misstrauen und Hass das Miteinander bestimmen.<\/p>\n\n\n\n

\"SyrischeSoldaten in der irakischen Stadt Sindschar nach der R\u00fcckeroberung von der IS-Miliz Ende 2015. (dpa \/ MAXPPP \/ Arnaud Dumontier)<\/p>\n\n\n\n

Kamaran Palani stammt aus der Stadt Makhmour. Drei Tage nur sei der \u201eIS\u201c dort gewesen, sagt er, doch diese Tage h\u00e4tten alles ver\u00e4ndert. Der \u201eIS\u201c habe die Menschen in seiner Heimatstadt verrohen lassen, meint er, das Verh\u00e4ltnis zwischen Kurden und Arabern sei heute tot. Eine R\u00fcckkehr in alte Zeiten h\u00e4lt Palani f\u00fcr falsch.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch denke, es w\u00e4re nicht einfach, in das Jahr 2014 \u2013 also in die Zeit vor dem \u201aIS\u2018 \u2013 zur\u00fcckzukehren. Vor allem aber w\u00e4re es nicht die richtige Politik. Denn eben die hat ja erst zum Aufkommen, zur Existenz des \u201aIS\u2018 gef\u00fchrt.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n


Wie also in Ruinen Neues schaffen? Der Staat muss das Gewaltmonopol zur\u00fcckerlangen, fordert der Politikwissenschaftler. F\u00fcr ihn steht das an erster Stelle. Und dann m\u00fcsse der Staat dringend einen Kurswechsel vornehmen: Er m\u00fcsse integrativ wirken, alle einbinden, auch die Araber, in Sicherheitskr\u00e4fte, Verwaltung und Politik.<\/p>\n\n\n\n

Machtmonopol m\u00fcsste von Milizen zum Staat gehen<\/h2>\n\n\n\n

Die Realit\u00e4t sieht anders aus: Ein Staat Kurdistan, der neue Optionen m\u00f6glich gemacht h\u00e4tte, auch von den Minderheiten gew\u00fcnscht worden war, ist nicht entstanden. Bagdad aber ist fern, der Zentralstaat kaum existent, und wenn, dann ist er schiitisch dominiert. Es sind Milizen, die im Nord-Irak das Geschehen bestimmen, darum rivalisieren, das Machtvakuum zu f\u00fcllen, das durch die Vertreibung des \u201eIS\u201c entstanden ist. Einst im Kampf gegen die Terroristen geeint, sind die Milizen einander heute feind.<\/p>\n\n\n\n

Allen voran die \u201eHashd ash-Shaabi\u201c, schiitisch-irakische Milizen, deren Ausbilder und Kommandeure h\u00e4ufig Iraner sind. Bagdad hat die Haschd als regul\u00e4re Kraft im Kampf gegen den \u201eIS\u201c anerkannt \u2013 obwohl Menschenrechts-Organisationen schwere Vorw\u00fcrfe gegen sie erheben. Fest steht: Die schiitischen Milizen halten D\u00f6rfer besetzt, sind in Mosul f\u00fcr ihr herrisches Auftreten und ihre Willk\u00fcr bekannt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eTats\u00e4chlich sorgen die verschiedenen bewaffneten Gruppen daf\u00fcr, dass die Fl\u00fcchtlinge nicht zur\u00fcckkehren. Und weil sie nicht zur\u00fcckkehren, gibt es auch keinen Wiederaufbau. Die Menschen haben Angst vor den Milizen \u2013 auch davor, dass die einander bek\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die \u201eHashd\u201c m\u00fcssten mithin abziehen. Und mit ihnen die anderen Milizen. Das Machtmonopol m\u00fcsste an den Staat gehen. Doch der Irak ist auch Spielball der Regionalm\u00e4chte: Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien. Sie konkurrieren um Einfluss-Sph\u00e4ren, bedienen sich dabei verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Gruppen im Irak. Deswegen werden die Hashd nicht abziehen. Derzeit sind sie von der iranisch-irakischen Grenze im Osten \u00fcber Bagdad bis hoch zur irakisch-syrischen Grenze im Norden postiert. Einheiten Teherans k\u00f6nnten demnach auf dem Landweg vom Iran bis ans Mittelmeer durchmarschieren.<\/p>\n\n\n\n

Iran und Saudi-Arabien wollen Macht vergr\u00f6\u00dfern<\/h2>\n\n\n\n

Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n

In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n

Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3703,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:24:20","post_date_gmt":"2020-08-13 21:24:20","post_content":"\n

Deutschland str\u00e4ubt sich gegen die R\u00fcckkehr seiner eigenen Staatsb\u00fcrger, die zu IS-Terroristen wurden. Dabei hat die Bundesrepublik den Terror und die Terroristen einst exportiert. Und dies geschah wissentlich, sagt der Islamwissenschaftler Fabian Goldmann.<\/p>\n\n\n\n

Wann haben Sie sich eigentlich zuletzt von deutschen Terroristen distanziert? Zum Beispiel von Robert B.? Der Ex-Bundeswehrsoldat aus Solingen hat mutma\u00dflich bei einem Selbstmordattentat Anfang 2014 50 Menschen mit in den Tod gerissen. <\/p>\n\n\n\n

Oder von Yannik N.? Der junge Freiburger steuerte wahrscheinlich im Jahr 2015 einen mit anderthalb Tonnen Sprengstoff beladenen LKW in eine Menschenmenge und nahm so Dutzenden Personen das Leben.<\/p>\n\n\n\n

Oder von Yamin A.?. Im Sommer 2015 tauchte im Netz ein Video auf, das zeigte, wie der ehemalige Telekom-Azubi aus K\u00f6nigswinter zwei gefesselten Soldaten in den Kopf schoss.
Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Deutsche T\u00e4ter, aber kaum deutsche Opfer<\/h2>\n\n\n\n

Hauptsache nicht bei uns! Dies scheint auch dieser Tage wieder die Maxime zu sein, wenn Politiker und \u00d6ffentlichkeit \u00fcber den Umgang mit deutschen Terroristen diskutieren. Von potenziellen Bedrohungen und Anschlagsgefahren in Deutschland liest man dann. Vom ganz realen Terror, den Deutsche in den vergangenen Jahren \u00fcber die Menschen in Syrien und Irak gebracht haben, h\u00f6rt man hingegen kaum. Ein Terror, der kaum deutsche Opfer aber umso mehr deutsche T\u00e4ter kannte.<\/p>\n\n\n\n

1.050 \u2013 das ist laut Bundesinnenministerium die Anzahl der Dschihadisten, die in den letzten Jahren die Bundesrepublik in Richtung Nahost verlassen hat. Es f\u00e4llt schwer, sich umgekehrtes Szenario \u00fcberhaupt auszumalen. Was w\u00e4re wohl los, h\u00e4tte es nur ein Bruchteil arabischer Terroristen geschafft, bei uns Anschl\u00e4ge zu begehen? Europas \u201eMuslim Bann\u201c? \u00dcberwachungsstaat auf NSA-Niveau?<\/p>\n\n\n\n

Die CSU st\u00fcnde wom\u00f6glich am linken Ende des politischen Spektrums, und auf Twitter w\u00fcrde Trump deutsche Migrationspolitiker zur M\u00e4\u00dfigung aufrufen. Der deutsche Terror in Nahost kommt hingegen seit Jahren ganz ohne Sondersendungen, politische Debatten und Distanzierungsforderungen aus. <\/p>\n\n\n\n

Deutsche K\u00e4mpfer waren nicht nur willenloses Kanonenfutter<\/h2>\n\n\n\n

An fehlendem Wissen liegt das nicht. Von ganzen Einheiten des IS, in denen kein einziger K\u00e4mpfer Arabisch spreche, berichten syrische, irakische und kurdische Soldaten schon seit Jahren. Von Aleppo \u00fcber Raqqa bis Mossul haben Aktivisten und Politiker immer wieder darauf hingewiesen, dass viele der schlimmsten M\u00f6rder in den Reihen des IS Europ\u00e4er sind. Interessiert hat das hier kaum jemand.<\/p>\n\n\n\n

Dabei dienten Deutsche dem Islamischen Staats nicht nur als willenloses Kanonenfutter, wie es oft dargestellt wird. Viele haben seinen Terror mitgepr\u00e4gt. Wie Martin L., der derzeit in kurdischer Haft sitzt. Der Schwei\u00dfer aus Sachsen-Anhalt soll sich vom Folterknecht bis zum Geheimdienstler mit Kontakten bis in die F\u00fchrungsspitze der Terrororganisation hochgearbeitet haben.<\/p>\n\n\n\n

Oder Reda S., Der Prediger aus Berlin-Charlottenburg soll dem IS in Mossul als Bildungsminister gedient haben. Oder der Berliner Ex-Rapper Denis Cuspert, der zu den wichtigsten Personen in der IS-Medienorganisation Al-Hayat geh\u00f6rte. Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Beh\u00f6rden wussten gut Bescheid<\/h2>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich entstand der Islamische Staat nicht in deutschen Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen. Zur deutschen Verantwortung geh\u00f6rt aber auch, dass Politiker und Beh\u00f6rden lange wegschauten, solang nur die T\u00e4ter, aber nicht die Opfer Deutsche waren. Beh\u00f6rden wissen und wussten erschreckend gut Bescheid \u00fcber die Radikalisierung deutscher Islamisten. Ein Gro\u00dfteil der sp\u00e4teren IS-K\u00e4mpfer war polizeibekannt, stand auf Gef\u00e4hrderlisten oder hatte wegen islamistischer Straftaten bereits Haftstrafen verb\u00fc\u00dft. An der Ausreise gehindert wurden sie oftmals dennoch nicht. Die Gefahr, die von deutschen Terroristen ausgeht, interessierte Politik und \u00d6ffentlichkeit erst dann wieder, als ihre Einreise drohte.<\/p>\n\n\n\n

\"Fabian
Fabian Goldmann<\/strong> ist Journalist und Islamwissenschaftler. F\u00fcr verschiedene Magazine und Zeitungen berichtete er viele Jahre aus Nahost. Zurzeit widmet er sich vor allem dem Islam diesseits des Bosporus. Auf seinem Blog Schantall und die Scharia<\/a> bloggt er \u00fcber Islamophobie in Deutschland.<\/p>\n","post_title":"Es sind unsere Terroristen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"es-sind-unsere-terroristen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3703","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3700,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:19:36","post_date_gmt":"2020-08-13 21:19:36","post_content":"\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda? Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda t<\/p>\n\n\n\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda tritt an die Stelle der 2010 verabschiedeten Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014 (siehe IP\/10\/1535<\/a>). In der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda f\u00fcr den Zeitraum 2015-2020 skizziert die Europ\u00e4ische Kommission die Strategie der Union zur Bew\u00e4ltigung der Sicherheitsbedrohungen in der EU.<\/p>\n\n\n\n

Die EU und ihre Mitgliedstaaten sind mit betr\u00e4chtlichen Sicherheitsproblemen konfrontiert. Terrorismus, organisierte Kriminalit\u00e4t und Cyberkriminalit\u00e4t stellen eine zunehmende Gefahr f\u00fcr die europ\u00e4ische Gesellschaft dar, wobei sich Art und Ausma\u00df dieser Gefahr ver\u00e4ndert hat. Europa ist mit den Auswirkungen der politischen Instabilit\u00e4t in seiner unmittelbaren Nachbarschaft konfrontiert, die die Sicherheitsinteressen der EU gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n

Im Zuge der Krisen und Konflikte in Syrien, Irak und Libyen haben sich europ\u00e4ische B\u00fcrger terroristischen Gruppen angeschlossen, die bei ihrer R\u00fcckkehr eine erhebliche Bedrohung darstellen k\u00f6nnen. Die j\u00fcngsten terroristischen Anschl\u00e4ge in Europa zeugen von der zunehmenden Bedrohung durch einen gewaltt\u00e4tigen Extremismus und zeigen, in welchem Ausma\u00df weltweite Konflikte zur Radikalisierung der europ\u00e4ischen B\u00fcrger beitragen.<\/p>\n\n\n\n

Das Online-Umfeld hat sich zunehmend als Ziel f\u00fcr Kriminelle und Terroristen entwickelt. Unabh\u00e4ngig davon, ob es um die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und die Anwerbung von Menschen f\u00fcr terroristische Organisationen geht oder die Verbreitung von Hass oder einen Angriff auf die europ\u00e4ischen Werte und Institutionen, fest steht, dass wir unsere Reaktion auf diese Bedrohungen unbedingt abstimmen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Welcher Mehrwert entsteht durch die EU im Bereich der inneren Sicherheit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Gew\u00e4hrleistung der inneren Sicherheit f\u00e4llt weiterhin in erster Linie in die Zust\u00e4ndigkeit der Mitgliedstaaten. Allerdings werden die Bedrohungen f\u00fcr Europas B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger immer vielf\u00e4ltiger und betreffen in zunehmendem Ma\u00dfe mehrere Mitgliedstaaten. Einzelne Mitgliedstaaten haben die Verantwortung, die Sicherheit an den Au\u00dfengrenzen zu gew\u00e4hrleisten, sind aber nicht mehr in der Lage, diese Herausforderungen allein zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n

Kriminelle und terroristische Aktivit\u00e4ten machen nicht an den Grenzen der EU halt und beschr\u00e4nken sich auch nicht auf Nachbarregionen. Die innere Sicherheit der EU und die globale Sicherheit sind voneinander abh\u00e4ngig und miteinander verkn\u00fcpft. Die Sicherheit der Union h\u00e4ngt in hohem Ma\u00dfe von der Zusammenarbeit mit ihren internationalen Partnern und ihren Nachbarl\u00e4ndern ab.<\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t und des Terrorismus ist eine gemeinsame europ\u00e4ische Aufgabe. Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda sollte von den Mitgliedstaaten und den EU-Organen gemeinsam als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und gemeinsame Ma\u00dfnahmen der Union genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n

Mit Hilfe der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda werden die Polizei- und Strafverfolgungsdienste in verschiedenen Mitgliedstaaten Daten effektiver austauschen und bei der Bek\u00e4mpfung der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t besser zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Die Mitgliedstaaten k\u00f6nnen auf die Unterst\u00fctzung durch die Agenturen der EU z\u00e4hlen. Insbesondere in folgenden Punkten l\u00e4sst sich mit Hilfe der Sicherheitsagenda ein EU-Mehrwert erzielen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n

A) Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und den EU-Agenturen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1<\/strong>: Das Schengener Informationssystem<\/strong> (SIS) wird von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Abfrage von Ausschreibungen von gesuchten oder vermissten Personen und Gegenst\u00e4nden genutzt. Die Kommission wird an der Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Ausschreibungskategorien arbeiten und sich daf\u00fcr einsetzen, dass das SIS zusammen mit der Interpol-Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD)<\/strong> umfassender genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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\"ImIm Osten Mossuls gibt es weniger Zerst\u00f6rungen als im Westteil. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

Die Zerst\u00f6rungen beschr\u00e4nken sich auf strategisch-wichtige Punkte oder Geb\u00e4ude, in denen sich die Terroristen verschanzt hatten: Br\u00fccken, Moscheen, Krankenh\u00e4user. Doch im Basar herrscht fast so etwas wie Normalit\u00e4t. An St\u00e4nden kaufen Menschen ein \u2013 Obst, Gem\u00fcse, Reis und Nudeln, Backwaren. Kinder schlecken ein Eis. Abu Muhammad, ein ehemaliger Physiklehrer, erkl\u00e4rt, warum der Basar so anders ist als erwartet:<\/p>\n\n\n\n

\u201eDas Leben hatte nie aufgeh\u00f6rt in Mosul. Wir haben weitergelebt. Drei Jahre wurden wir vom \u201aIS\u2018 beherrscht, doch die normalen Leute hatten nichts damit zu tun. Daher kam der Alltag schnell zur\u00fcck. Die Soldaten sind gekommen, haben den Basar wieder aufgemacht und das Leben ging weiter.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Im Osten findet sich heute all das wieder, was die Terror-Miliz unterdr\u00fcckt hatte und bei Missachtung grausam ahndete: Musik in Restaurants und Caf\u00e9s; Sim-Karten f\u00fcr Handys; Internet; Fris\u00f6re, die Haare schneiden, B\u00e4rte stutzen oder gar abrasieren. Und doch: Trotz des lebendigen Treibens wirken Angst und Schrecken nach. Abu Muhammad, fr\u00fch ergraut, erinnert sich:<\/p>\n\n\n\n

\u201eWir haben uns gef\u00fchlt wie zwischen Leben und Tod. Irgendwo dazwischen. Sie haben vom \u201aIS\u2018 geh\u00f6rt; wir haben ihn erlebt: Wir haben erlebt, wie sie mordeten, wie sie Leute aufh\u00e4ngten, wir haben den Krieg erlebt. Wir haben alles gesehen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Mohammed stammt aus dem zerst\u00f6rten Westen der Stadt. Er wohnt heute im Osten. Verwandte haben ihn und seine Familie aufgenommen. So wie ihm ergeht es auch anderen Vertriebenen. Sie leben bei Verwandten und Freunden. Oder in einem der vielen Lager. 700.000 Menschen haben ihr Zuhause verloren \u2013 eine Zahl, die f\u00fcr West-Mosul gilt. Insgesamt gehen die Vereinten Nationen von fast sechs Millionen Menschen aus, die im Irak vor dem \u201aIS\u2018 geflohen sind \u2013 die H\u00e4lfte von ihnen bis heute fern von ihrem Zuhause.<\/p>\n\n\n\n

Binnenfl\u00fcchtlinge im Lager Khabartu<\/h2>\n\n\n\n

Zelte soweit das Auge reicht. Abertausende. Inmitten von Steppe. Das Leben der Menschen ist hart. Sie darben, frieren und verdorren \u2013 wenn im Winter der kalte Wind durch die Steppe fegt und im Sommer die Sonne niederbrennt. Doch sie harren aus, haben wenig Hoffnung auf baldige R\u00fcckkehr. Die meisten kamen 2014 \u2013 hierher, ins Lager Khabartu in Irakisch-Kurdistan.<\/p>\n\n\n\n

\"DasDas Lager Khabartu f\u00fcr irakische Binnenfl\u00fcchtlinge. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

2014, als der \u201eIS\u201c den Nord-Irak \u00fcberfiel. In einem der Zelte lebt auch die Familie von Thomas Abdallah Hammou. Thomas war auf der Flucht von seiner Familie getrennt und von den Dschihadisten verschleppt worden. Damals war er acht Jahre alt. Ein Kind. Drei Jahre blieb er in Geiselhaft, lebte in Mosul.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollten nicht, dass wir spielen. Sie mochten es nicht. Ich habe keine Schule besucht, aber sie gaben uns Koran-Unterricht. Jeden Tag.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas musste seinem eigenen, dem jesidischen Glauben abschw\u00f6ren. Weil der \u201eIS\u201c die Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c betrachtet. Und \u201eUngl\u00e4ubige\u201c, so die Auffassung der Terroristen, m\u00fcssen zwangsbekehrt werden. Oder get\u00f6tet. Die Terroristen hatten dementsprechend die Jesiden entweder an Ort und Stelle ermordet, die meisten im Sinjar, im alten Siedlungsgebiet der Jesiden im Nord-Irak. Tausende. 47 Massengr\u00e4ber sollen mittlerweile gefunden worden sein. Oder aber die Terroristen lie\u00dfen die Jesiden am Leben und nahmen sie in Geiselhaft. Sie machten aus ihnen Sexsklavinnen oder sie bildeten sie aus \u2013 zu Selbstmordattent\u00e4tern. Wie Thomas.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie haben uns st\u00e4ndig geschlagen. Wir mussten Schie\u00dfen \u00fcben. Zwei meiner Freunde haben sich in die Luft gesprengt. Sie sind zum Training. Doch sie kamen nicht zur\u00fcck. Ich war nicht traurig. Sie wollten sich ja in die Luft sprengen. Die \u201aIS\u2018-Leute hatten es nicht von ihnen verlangt. Sie sind freiwillig gegangen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas hat heute einen modernen Haarschnitt; der Nacken ist ausrasiert; der lange Pony in die Stirn gek\u00e4mmt. Im Sommer sah er noch anders aus, kurz nachdem Mosul befreit worden war. Bei einem Luftangriff der Anti-\u201eIS\u201c-Koalition wurde Thomas schwer verletzt aus Tr\u00fcmmern geborgen, dann operiert.<\/p>\n\n\n\n

\"ThomasThomas erholt sich von drei Jahren IS-Gefangenschaft. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

Arbeit mit \u201eDschihadisten-Kindern\u201c<\/h2>\n\n\n\n

Die \u00e4u\u00dferen Wunden sind heute verheilt. Doch wie sieht es aus mit den inneren, den seelischen Verletzungen? Thomas wurde von seiner Familie aufgenommen und bekommt Hilfe. Andere Kinder konnten nicht aufgefangen werden. Bis heute betrachten sie Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c \u2013 so wie es ihnen in der Geiselhaft eingeh\u00e4mmert wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie sind eine gro\u00dfe Gefahr f\u00fcr andere Kinder. Sie leben in Lagern, in einem Zelt, auf sechs mal vier Metern, oder noch weniger! Acht Geschwister, sie spielen zusammen, reden, sie indoktrinieren die anderen! Das ist ein Problem, das wir nicht l\u00f6sen k\u00f6nnen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Sara Hassan ist Sozialarbeiterin. Sie arbeitet in den Lagern, versucht M\u00e4dchen und Frauen, die jahrelang in Geiselhaft vergewaltigt wurden, zu helfen. Unz\u00e4hlige hatte der \u201eIS\u201c einst entf\u00fchrt. Sara arbeitet auch mit den sogenannten \u201eDschihadisten-Kindern\u201c. Sie erz\u00e4hlt, wie \u00fcberfordert alle seien: die Familien, die jesidische Gemeinschaft, die Gesellschaft des Nord-Irak.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIn einem anderen Fall hat sich die Familie am Ende an die Sicherheitskr\u00e4fte gewandt. Doch die wussten auch nicht, wie sie damit umgehen sollten. Monate lang hat die Familie versucht, den Jungen umzuerziehen, zusammen mit Sozialarbeitern. Aber noch immer sehen wir den Hass in seinen Augen \u2013 gegen\u00fcber Kurden, Christen und Jesiden. Als blicke man in die Augen eines IS-Terroristen. Das ist das Problem.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Die Jesiden k\u00f6nnen \u00fcber ihre vom \u201eIS\u201c indoktrinierten Kinder sprechen. Denn niemand zweifelt daran, dass sie Opfer der Tyrannei wurden. Bei den sunnitischen Arabern sieht das anders aus. Da sie derselben Religionsgruppe angeh\u00f6ren wie formal auch die Terroristen, stehen sie unter Generalverdacht, mit dem \u201eIS\u201c gemeinsame Sache gemacht zu haben. Sunnitische Araber trauen sich daher nicht, die Probleme ihrer Kinder \u00f6ffentlich zu machen \u2013 auch wenn sie selbst nichts mit dem \u201eIS\u201c zu tun hatten.<\/p>\n\n\n\n

Unklar ist, wie viele Kinder und Jugendliche im Irak und in Syrien zu Terroristen ausgebildet wurden, dabei noch in Geiselhaft sind oder bereits als \u201eSchl\u00e4fer\u201c darauf warten, zum Einsatz zu kommen. Sie gleichen \u201etickenden Zeitbomben\u201c, die jederzeit explodieren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

Minderheiten haben Angst vor \u201eIS\u201c-Nachfolgern<\/h2>\n\n\n\n

Kamaran Palani spricht davon, dass viele Menschen immer noch gehen wollen, obwohl der \u201eIS\u201c als staats\u00e4hnliches Gebilde nicht mehr besteht. Seine Saat aber, so der Politikwissenschaftler, sei aufgegangen.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollen einfach nicht in diesem Land bleiben. Der IS hat sie dazu gebracht. Jeder hat heute Angst, dass eine andere Organisation kommen wird, Terroristen, die dasselbe anrichten wie zuvor.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Palani forscht am \u201eMiddle East Research Institute\u201c, das seinen Sitz in Erbil hat, der Hauptstadt von Irakisch-Kurdistan. <\/p>\n\n\n\n

\u201e60 bis 65 Prozent der Christen wollen gehen. Das Gleiche gilt f\u00fcr andere Minderheiten: f\u00fcr Jesiden, Schabaks, Turkmenen, Kakais.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

\u201eWir werden niemals wieder mit den Arabern zusammenleben k\u00f6nnen!\u201c \u2013 ein Satz, der heute h\u00e4ufig im Nord-Irak zu h\u00f6ren ist. Gemeint sind die Iraker, die Sunniten und Araber sind \u2013 die einstmals Nachbarn von Jesiden, Christen und Kurden waren \u2013 mit denen man Handel trieb und Hochzeiten feierte, die auch Freunde waren.<\/p>\n\n\n\n

Der Irak ist eine multi-ethnische und multi-religi\u00f6se Gesellschaft, in der die Schiiten die Mehrheit stellen. \u00dcber Jahrhunderte aber hatten die sunnitischen Araber das Sagen, sie missbrauchten die Macht, errichteten ein Schreckensregime \u2013 bis 2003, als Diktator Saddam Hussein von den USA gest\u00fcrzt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c entstand aus Widerstand gegen Schiiten-Herrschaft<\/h2>\n\n\n\n

Jetzt wurde der Spie\u00df umgedreht. Die Amerikaner sorgten daf\u00fcr, dass die Sunniten jegliche Machtposition verloren \u2013 so wurde die irakische Armee, wurde die baathistische Partei aufgel\u00f6st \u2013 ohne ein Pendant zu schaffen, das alle integrierte. Und: Washington unterst\u00fctzte Regierungschef Nouri al-Maliki, einen Schiiten. Maliki sah eine historische Chance gekommen, diskriminierte nun seinerseits seine sunnitischen Landsleute, verwehrte ihnen im \u201eNeuen Irak\u201c die Mitsprache. Im Regime Malikis wurden Sunniten inhaftiert, gefoltert und umgebracht.<\/p>\n\n\n\n

Was viele in den Widerstand trieb. Einige schlossen sich der Terror-Organisation \u201eAl-Qaida\u201c an, unter ihnen f\u00fchrende Milit\u00e4rs der aufgel\u00f6sten Armee Saddam Husseins \u2013 und aus \u201eAl-Qaida\u201c ging sp\u00e4ter der \u201eIS\u201c hervor.<\/p>\n\n\n\n

Als der \u201eIS\u201c dann im Sommer 2014 fast ohne Gegenwehr weite Landstriche in Syrien und im Irak \u00fcberrannte und seinen \u201eStaat\u201c ausrief, sahen auch gew\u00f6hnliche sunnitische Araber einen Wechsel nahen. Viele machten gemeinsame Sache mit den Terroristen, verhinderten die Flucht jesidischer Nachbarn, lieferten sie ihren Schl\u00e4chtern aus. Kamaran Palani:<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c-K\u00e4mpfer haben gesagt, es gehe darum, die W\u00fcrde der sunnitischen Araber wiederherzustellen. Ihre Macht. Ihre Geschichte. Tats\u00e4chlich konnten es die Araber nicht hinnehmen, dass sie ins Abseits gedr\u00e4ngt wurden. Und ich denke, dass sie auch in Zukunft so handeln werden. Wann immer sich die Gelegenheit bietet: Sie werden alles hinter sich lassen \u2013 sich nur darauf konzentrieren.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Misstrauen. Auch bei einem Politikwissenschaftler. Was also tun? Zerst\u00f6rte St\u00e4dte und D\u00f6rfer k\u00f6nnten wieder aufgebaut werden \u2013 wenn denn ein gemeinsamer Wille best\u00fcnde. Doch was, wenn es einen solchen gemeinsamen Willen gar nicht gibt? Wenn Schmerz und Trauer anhalten, wenn die Verbrechen von Terroristen und Helfershelfern nicht geahndet werden, wenn Angst umgeht, Misstrauen und Hass das Miteinander bestimmen.<\/p>\n\n\n\n

\"SyrischeSoldaten in der irakischen Stadt Sindschar nach der R\u00fcckeroberung von der IS-Miliz Ende 2015. (dpa \/ MAXPPP \/ Arnaud Dumontier)<\/p>\n\n\n\n

Kamaran Palani stammt aus der Stadt Makhmour. Drei Tage nur sei der \u201eIS\u201c dort gewesen, sagt er, doch diese Tage h\u00e4tten alles ver\u00e4ndert. Der \u201eIS\u201c habe die Menschen in seiner Heimatstadt verrohen lassen, meint er, das Verh\u00e4ltnis zwischen Kurden und Arabern sei heute tot. Eine R\u00fcckkehr in alte Zeiten h\u00e4lt Palani f\u00fcr falsch.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch denke, es w\u00e4re nicht einfach, in das Jahr 2014 \u2013 also in die Zeit vor dem \u201aIS\u2018 \u2013 zur\u00fcckzukehren. Vor allem aber w\u00e4re es nicht die richtige Politik. Denn eben die hat ja erst zum Aufkommen, zur Existenz des \u201aIS\u2018 gef\u00fchrt.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n


Wie also in Ruinen Neues schaffen? Der Staat muss das Gewaltmonopol zur\u00fcckerlangen, fordert der Politikwissenschaftler. F\u00fcr ihn steht das an erster Stelle. Und dann m\u00fcsse der Staat dringend einen Kurswechsel vornehmen: Er m\u00fcsse integrativ wirken, alle einbinden, auch die Araber, in Sicherheitskr\u00e4fte, Verwaltung und Politik.<\/p>\n\n\n\n

Machtmonopol m\u00fcsste von Milizen zum Staat gehen<\/h2>\n\n\n\n

Die Realit\u00e4t sieht anders aus: Ein Staat Kurdistan, der neue Optionen m\u00f6glich gemacht h\u00e4tte, auch von den Minderheiten gew\u00fcnscht worden war, ist nicht entstanden. Bagdad aber ist fern, der Zentralstaat kaum existent, und wenn, dann ist er schiitisch dominiert. Es sind Milizen, die im Nord-Irak das Geschehen bestimmen, darum rivalisieren, das Machtvakuum zu f\u00fcllen, das durch die Vertreibung des \u201eIS\u201c entstanden ist. Einst im Kampf gegen die Terroristen geeint, sind die Milizen einander heute feind.<\/p>\n\n\n\n

Allen voran die \u201eHashd ash-Shaabi\u201c, schiitisch-irakische Milizen, deren Ausbilder und Kommandeure h\u00e4ufig Iraner sind. Bagdad hat die Haschd als regul\u00e4re Kraft im Kampf gegen den \u201eIS\u201c anerkannt \u2013 obwohl Menschenrechts-Organisationen schwere Vorw\u00fcrfe gegen sie erheben. Fest steht: Die schiitischen Milizen halten D\u00f6rfer besetzt, sind in Mosul f\u00fcr ihr herrisches Auftreten und ihre Willk\u00fcr bekannt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eTats\u00e4chlich sorgen die verschiedenen bewaffneten Gruppen daf\u00fcr, dass die Fl\u00fcchtlinge nicht zur\u00fcckkehren. Und weil sie nicht zur\u00fcckkehren, gibt es auch keinen Wiederaufbau. Die Menschen haben Angst vor den Milizen \u2013 auch davor, dass die einander bek\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die \u201eHashd\u201c m\u00fcssten mithin abziehen. Und mit ihnen die anderen Milizen. Das Machtmonopol m\u00fcsste an den Staat gehen. Doch der Irak ist auch Spielball der Regionalm\u00e4chte: Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien. Sie konkurrieren um Einfluss-Sph\u00e4ren, bedienen sich dabei verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Gruppen im Irak. Deswegen werden die Hashd nicht abziehen. Derzeit sind sie von der iranisch-irakischen Grenze im Osten \u00fcber Bagdad bis hoch zur irakisch-syrischen Grenze im Norden postiert. Einheiten Teherans k\u00f6nnten demnach auf dem Landweg vom Iran bis ans Mittelmeer durchmarschieren.<\/p>\n\n\n\n

Iran und Saudi-Arabien wollen Macht vergr\u00f6\u00dfern<\/h2>\n\n\n\n

Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n

In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n

Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3703,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:24:20","post_date_gmt":"2020-08-13 21:24:20","post_content":"\n

Deutschland str\u00e4ubt sich gegen die R\u00fcckkehr seiner eigenen Staatsb\u00fcrger, die zu IS-Terroristen wurden. Dabei hat die Bundesrepublik den Terror und die Terroristen einst exportiert. Und dies geschah wissentlich, sagt der Islamwissenschaftler Fabian Goldmann.<\/p>\n\n\n\n

Wann haben Sie sich eigentlich zuletzt von deutschen Terroristen distanziert? Zum Beispiel von Robert B.? Der Ex-Bundeswehrsoldat aus Solingen hat mutma\u00dflich bei einem Selbstmordattentat Anfang 2014 50 Menschen mit in den Tod gerissen. <\/p>\n\n\n\n

Oder von Yannik N.? Der junge Freiburger steuerte wahrscheinlich im Jahr 2015 einen mit anderthalb Tonnen Sprengstoff beladenen LKW in eine Menschenmenge und nahm so Dutzenden Personen das Leben.<\/p>\n\n\n\n

Oder von Yamin A.?. Im Sommer 2015 tauchte im Netz ein Video auf, das zeigte, wie der ehemalige Telekom-Azubi aus K\u00f6nigswinter zwei gefesselten Soldaten in den Kopf schoss.
Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Deutsche T\u00e4ter, aber kaum deutsche Opfer<\/h2>\n\n\n\n

Hauptsache nicht bei uns! Dies scheint auch dieser Tage wieder die Maxime zu sein, wenn Politiker und \u00d6ffentlichkeit \u00fcber den Umgang mit deutschen Terroristen diskutieren. Von potenziellen Bedrohungen und Anschlagsgefahren in Deutschland liest man dann. Vom ganz realen Terror, den Deutsche in den vergangenen Jahren \u00fcber die Menschen in Syrien und Irak gebracht haben, h\u00f6rt man hingegen kaum. Ein Terror, der kaum deutsche Opfer aber umso mehr deutsche T\u00e4ter kannte.<\/p>\n\n\n\n

1.050 \u2013 das ist laut Bundesinnenministerium die Anzahl der Dschihadisten, die in den letzten Jahren die Bundesrepublik in Richtung Nahost verlassen hat. Es f\u00e4llt schwer, sich umgekehrtes Szenario \u00fcberhaupt auszumalen. Was w\u00e4re wohl los, h\u00e4tte es nur ein Bruchteil arabischer Terroristen geschafft, bei uns Anschl\u00e4ge zu begehen? Europas \u201eMuslim Bann\u201c? \u00dcberwachungsstaat auf NSA-Niveau?<\/p>\n\n\n\n

Die CSU st\u00fcnde wom\u00f6glich am linken Ende des politischen Spektrums, und auf Twitter w\u00fcrde Trump deutsche Migrationspolitiker zur M\u00e4\u00dfigung aufrufen. Der deutsche Terror in Nahost kommt hingegen seit Jahren ganz ohne Sondersendungen, politische Debatten und Distanzierungsforderungen aus. <\/p>\n\n\n\n

Deutsche K\u00e4mpfer waren nicht nur willenloses Kanonenfutter<\/h2>\n\n\n\n

An fehlendem Wissen liegt das nicht. Von ganzen Einheiten des IS, in denen kein einziger K\u00e4mpfer Arabisch spreche, berichten syrische, irakische und kurdische Soldaten schon seit Jahren. Von Aleppo \u00fcber Raqqa bis Mossul haben Aktivisten und Politiker immer wieder darauf hingewiesen, dass viele der schlimmsten M\u00f6rder in den Reihen des IS Europ\u00e4er sind. Interessiert hat das hier kaum jemand.<\/p>\n\n\n\n

Dabei dienten Deutsche dem Islamischen Staats nicht nur als willenloses Kanonenfutter, wie es oft dargestellt wird. Viele haben seinen Terror mitgepr\u00e4gt. Wie Martin L., der derzeit in kurdischer Haft sitzt. Der Schwei\u00dfer aus Sachsen-Anhalt soll sich vom Folterknecht bis zum Geheimdienstler mit Kontakten bis in die F\u00fchrungsspitze der Terrororganisation hochgearbeitet haben.<\/p>\n\n\n\n

Oder Reda S., Der Prediger aus Berlin-Charlottenburg soll dem IS in Mossul als Bildungsminister gedient haben. Oder der Berliner Ex-Rapper Denis Cuspert, der zu den wichtigsten Personen in der IS-Medienorganisation Al-Hayat geh\u00f6rte. Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Beh\u00f6rden wussten gut Bescheid<\/h2>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich entstand der Islamische Staat nicht in deutschen Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen. Zur deutschen Verantwortung geh\u00f6rt aber auch, dass Politiker und Beh\u00f6rden lange wegschauten, solang nur die T\u00e4ter, aber nicht die Opfer Deutsche waren. Beh\u00f6rden wissen und wussten erschreckend gut Bescheid \u00fcber die Radikalisierung deutscher Islamisten. Ein Gro\u00dfteil der sp\u00e4teren IS-K\u00e4mpfer war polizeibekannt, stand auf Gef\u00e4hrderlisten oder hatte wegen islamistischer Straftaten bereits Haftstrafen verb\u00fc\u00dft. An der Ausreise gehindert wurden sie oftmals dennoch nicht. Die Gefahr, die von deutschen Terroristen ausgeht, interessierte Politik und \u00d6ffentlichkeit erst dann wieder, als ihre Einreise drohte.<\/p>\n\n\n\n

\"Fabian
Fabian Goldmann<\/strong> ist Journalist und Islamwissenschaftler. F\u00fcr verschiedene Magazine und Zeitungen berichtete er viele Jahre aus Nahost. Zurzeit widmet er sich vor allem dem Islam diesseits des Bosporus. Auf seinem Blog Schantall und die Scharia<\/a> bloggt er \u00fcber Islamophobie in Deutschland.<\/p>\n","post_title":"Es sind unsere Terroristen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"es-sind-unsere-terroristen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3703","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3700,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:19:36","post_date_gmt":"2020-08-13 21:19:36","post_content":"\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda? Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda t<\/p>\n\n\n\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda tritt an die Stelle der 2010 verabschiedeten Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014 (siehe IP\/10\/1535<\/a>). In der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda f\u00fcr den Zeitraum 2015-2020 skizziert die Europ\u00e4ische Kommission die Strategie der Union zur Bew\u00e4ltigung der Sicherheitsbedrohungen in der EU.<\/p>\n\n\n\n

Die EU und ihre Mitgliedstaaten sind mit betr\u00e4chtlichen Sicherheitsproblemen konfrontiert. Terrorismus, organisierte Kriminalit\u00e4t und Cyberkriminalit\u00e4t stellen eine zunehmende Gefahr f\u00fcr die europ\u00e4ische Gesellschaft dar, wobei sich Art und Ausma\u00df dieser Gefahr ver\u00e4ndert hat. Europa ist mit den Auswirkungen der politischen Instabilit\u00e4t in seiner unmittelbaren Nachbarschaft konfrontiert, die die Sicherheitsinteressen der EU gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n

Im Zuge der Krisen und Konflikte in Syrien, Irak und Libyen haben sich europ\u00e4ische B\u00fcrger terroristischen Gruppen angeschlossen, die bei ihrer R\u00fcckkehr eine erhebliche Bedrohung darstellen k\u00f6nnen. Die j\u00fcngsten terroristischen Anschl\u00e4ge in Europa zeugen von der zunehmenden Bedrohung durch einen gewaltt\u00e4tigen Extremismus und zeigen, in welchem Ausma\u00df weltweite Konflikte zur Radikalisierung der europ\u00e4ischen B\u00fcrger beitragen.<\/p>\n\n\n\n

Das Online-Umfeld hat sich zunehmend als Ziel f\u00fcr Kriminelle und Terroristen entwickelt. Unabh\u00e4ngig davon, ob es um die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und die Anwerbung von Menschen f\u00fcr terroristische Organisationen geht oder die Verbreitung von Hass oder einen Angriff auf die europ\u00e4ischen Werte und Institutionen, fest steht, dass wir unsere Reaktion auf diese Bedrohungen unbedingt abstimmen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Welcher Mehrwert entsteht durch die EU im Bereich der inneren Sicherheit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Gew\u00e4hrleistung der inneren Sicherheit f\u00e4llt weiterhin in erster Linie in die Zust\u00e4ndigkeit der Mitgliedstaaten. Allerdings werden die Bedrohungen f\u00fcr Europas B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger immer vielf\u00e4ltiger und betreffen in zunehmendem Ma\u00dfe mehrere Mitgliedstaaten. Einzelne Mitgliedstaaten haben die Verantwortung, die Sicherheit an den Au\u00dfengrenzen zu gew\u00e4hrleisten, sind aber nicht mehr in der Lage, diese Herausforderungen allein zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n

Kriminelle und terroristische Aktivit\u00e4ten machen nicht an den Grenzen der EU halt und beschr\u00e4nken sich auch nicht auf Nachbarregionen. Die innere Sicherheit der EU und die globale Sicherheit sind voneinander abh\u00e4ngig und miteinander verkn\u00fcpft. Die Sicherheit der Union h\u00e4ngt in hohem Ma\u00dfe von der Zusammenarbeit mit ihren internationalen Partnern und ihren Nachbarl\u00e4ndern ab.<\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t und des Terrorismus ist eine gemeinsame europ\u00e4ische Aufgabe. Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda sollte von den Mitgliedstaaten und den EU-Organen gemeinsam als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und gemeinsame Ma\u00dfnahmen der Union genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n

Mit Hilfe der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda werden die Polizei- und Strafverfolgungsdienste in verschiedenen Mitgliedstaaten Daten effektiver austauschen und bei der Bek\u00e4mpfung der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t besser zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Die Mitgliedstaaten k\u00f6nnen auf die Unterst\u00fctzung durch die Agenturen der EU z\u00e4hlen. Insbesondere in folgenden Punkten l\u00e4sst sich mit Hilfe der Sicherheitsagenda ein EU-Mehrwert erzielen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n

A) Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und den EU-Agenturen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1<\/strong>: Das Schengener Informationssystem<\/strong> (SIS) wird von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Abfrage von Ausschreibungen von gesuchten oder vermissten Personen und Gegenst\u00e4nden genutzt. Die Kommission wird an der Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Ausschreibungskategorien arbeiten und sich daf\u00fcr einsetzen, dass das SIS zusammen mit der Interpol-Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD)<\/strong> umfassender genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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J\u00fcngste Sch\u00e4tzungen der Vereinten Nationen besagen, dass es noch Jahre dauern wird, bis alle Minen ger\u00e4umt sind. Solange werden die einstigen Bewohner nicht zur\u00fcckkehren k\u00f6nnen. Manche von ihnen haben Gl\u00fcck im Ungl\u00fcck: Sie haben \u00fcberlebt und sind auf der anderen Seite des Tigris untergekommen, im Osten der Stadt. Der war schon im Januar 2017 von den Terroristen befreit worden. Erstaunlich ist: Dieser Teil Mosuls wirkt fast so, als w\u00e4re der \u201eIS\u201c niemals hier gewesen und als h\u00e4tte es keinen Krieg gegeben.<\/p>\n\n\n\n

\"ImIm Osten Mossuls gibt es weniger Zerst\u00f6rungen als im Westteil. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

Die Zerst\u00f6rungen beschr\u00e4nken sich auf strategisch-wichtige Punkte oder Geb\u00e4ude, in denen sich die Terroristen verschanzt hatten: Br\u00fccken, Moscheen, Krankenh\u00e4user. Doch im Basar herrscht fast so etwas wie Normalit\u00e4t. An St\u00e4nden kaufen Menschen ein \u2013 Obst, Gem\u00fcse, Reis und Nudeln, Backwaren. Kinder schlecken ein Eis. Abu Muhammad, ein ehemaliger Physiklehrer, erkl\u00e4rt, warum der Basar so anders ist als erwartet:<\/p>\n\n\n\n

\u201eDas Leben hatte nie aufgeh\u00f6rt in Mosul. Wir haben weitergelebt. Drei Jahre wurden wir vom \u201aIS\u2018 beherrscht, doch die normalen Leute hatten nichts damit zu tun. Daher kam der Alltag schnell zur\u00fcck. Die Soldaten sind gekommen, haben den Basar wieder aufgemacht und das Leben ging weiter.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Im Osten findet sich heute all das wieder, was die Terror-Miliz unterdr\u00fcckt hatte und bei Missachtung grausam ahndete: Musik in Restaurants und Caf\u00e9s; Sim-Karten f\u00fcr Handys; Internet; Fris\u00f6re, die Haare schneiden, B\u00e4rte stutzen oder gar abrasieren. Und doch: Trotz des lebendigen Treibens wirken Angst und Schrecken nach. Abu Muhammad, fr\u00fch ergraut, erinnert sich:<\/p>\n\n\n\n

\u201eWir haben uns gef\u00fchlt wie zwischen Leben und Tod. Irgendwo dazwischen. Sie haben vom \u201aIS\u2018 geh\u00f6rt; wir haben ihn erlebt: Wir haben erlebt, wie sie mordeten, wie sie Leute aufh\u00e4ngten, wir haben den Krieg erlebt. Wir haben alles gesehen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Mohammed stammt aus dem zerst\u00f6rten Westen der Stadt. Er wohnt heute im Osten. Verwandte haben ihn und seine Familie aufgenommen. So wie ihm ergeht es auch anderen Vertriebenen. Sie leben bei Verwandten und Freunden. Oder in einem der vielen Lager. 700.000 Menschen haben ihr Zuhause verloren \u2013 eine Zahl, die f\u00fcr West-Mosul gilt. Insgesamt gehen die Vereinten Nationen von fast sechs Millionen Menschen aus, die im Irak vor dem \u201aIS\u2018 geflohen sind \u2013 die H\u00e4lfte von ihnen bis heute fern von ihrem Zuhause.<\/p>\n\n\n\n

Binnenfl\u00fcchtlinge im Lager Khabartu<\/h2>\n\n\n\n

Zelte soweit das Auge reicht. Abertausende. Inmitten von Steppe. Das Leben der Menschen ist hart. Sie darben, frieren und verdorren \u2013 wenn im Winter der kalte Wind durch die Steppe fegt und im Sommer die Sonne niederbrennt. Doch sie harren aus, haben wenig Hoffnung auf baldige R\u00fcckkehr. Die meisten kamen 2014 \u2013 hierher, ins Lager Khabartu in Irakisch-Kurdistan.<\/p>\n\n\n\n

\"DasDas Lager Khabartu f\u00fcr irakische Binnenfl\u00fcchtlinge. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

2014, als der \u201eIS\u201c den Nord-Irak \u00fcberfiel. In einem der Zelte lebt auch die Familie von Thomas Abdallah Hammou. Thomas war auf der Flucht von seiner Familie getrennt und von den Dschihadisten verschleppt worden. Damals war er acht Jahre alt. Ein Kind. Drei Jahre blieb er in Geiselhaft, lebte in Mosul.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollten nicht, dass wir spielen. Sie mochten es nicht. Ich habe keine Schule besucht, aber sie gaben uns Koran-Unterricht. Jeden Tag.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas musste seinem eigenen, dem jesidischen Glauben abschw\u00f6ren. Weil der \u201eIS\u201c die Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c betrachtet. Und \u201eUngl\u00e4ubige\u201c, so die Auffassung der Terroristen, m\u00fcssen zwangsbekehrt werden. Oder get\u00f6tet. Die Terroristen hatten dementsprechend die Jesiden entweder an Ort und Stelle ermordet, die meisten im Sinjar, im alten Siedlungsgebiet der Jesiden im Nord-Irak. Tausende. 47 Massengr\u00e4ber sollen mittlerweile gefunden worden sein. Oder aber die Terroristen lie\u00dfen die Jesiden am Leben und nahmen sie in Geiselhaft. Sie machten aus ihnen Sexsklavinnen oder sie bildeten sie aus \u2013 zu Selbstmordattent\u00e4tern. Wie Thomas.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie haben uns st\u00e4ndig geschlagen. Wir mussten Schie\u00dfen \u00fcben. Zwei meiner Freunde haben sich in die Luft gesprengt. Sie sind zum Training. Doch sie kamen nicht zur\u00fcck. Ich war nicht traurig. Sie wollten sich ja in die Luft sprengen. Die \u201aIS\u2018-Leute hatten es nicht von ihnen verlangt. Sie sind freiwillig gegangen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas hat heute einen modernen Haarschnitt; der Nacken ist ausrasiert; der lange Pony in die Stirn gek\u00e4mmt. Im Sommer sah er noch anders aus, kurz nachdem Mosul befreit worden war. Bei einem Luftangriff der Anti-\u201eIS\u201c-Koalition wurde Thomas schwer verletzt aus Tr\u00fcmmern geborgen, dann operiert.<\/p>\n\n\n\n

\"ThomasThomas erholt sich von drei Jahren IS-Gefangenschaft. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

Arbeit mit \u201eDschihadisten-Kindern\u201c<\/h2>\n\n\n\n

Die \u00e4u\u00dferen Wunden sind heute verheilt. Doch wie sieht es aus mit den inneren, den seelischen Verletzungen? Thomas wurde von seiner Familie aufgenommen und bekommt Hilfe. Andere Kinder konnten nicht aufgefangen werden. Bis heute betrachten sie Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c \u2013 so wie es ihnen in der Geiselhaft eingeh\u00e4mmert wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie sind eine gro\u00dfe Gefahr f\u00fcr andere Kinder. Sie leben in Lagern, in einem Zelt, auf sechs mal vier Metern, oder noch weniger! Acht Geschwister, sie spielen zusammen, reden, sie indoktrinieren die anderen! Das ist ein Problem, das wir nicht l\u00f6sen k\u00f6nnen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Sara Hassan ist Sozialarbeiterin. Sie arbeitet in den Lagern, versucht M\u00e4dchen und Frauen, die jahrelang in Geiselhaft vergewaltigt wurden, zu helfen. Unz\u00e4hlige hatte der \u201eIS\u201c einst entf\u00fchrt. Sara arbeitet auch mit den sogenannten \u201eDschihadisten-Kindern\u201c. Sie erz\u00e4hlt, wie \u00fcberfordert alle seien: die Familien, die jesidische Gemeinschaft, die Gesellschaft des Nord-Irak.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIn einem anderen Fall hat sich die Familie am Ende an die Sicherheitskr\u00e4fte gewandt. Doch die wussten auch nicht, wie sie damit umgehen sollten. Monate lang hat die Familie versucht, den Jungen umzuerziehen, zusammen mit Sozialarbeitern. Aber noch immer sehen wir den Hass in seinen Augen \u2013 gegen\u00fcber Kurden, Christen und Jesiden. Als blicke man in die Augen eines IS-Terroristen. Das ist das Problem.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Die Jesiden k\u00f6nnen \u00fcber ihre vom \u201eIS\u201c indoktrinierten Kinder sprechen. Denn niemand zweifelt daran, dass sie Opfer der Tyrannei wurden. Bei den sunnitischen Arabern sieht das anders aus. Da sie derselben Religionsgruppe angeh\u00f6ren wie formal auch die Terroristen, stehen sie unter Generalverdacht, mit dem \u201eIS\u201c gemeinsame Sache gemacht zu haben. Sunnitische Araber trauen sich daher nicht, die Probleme ihrer Kinder \u00f6ffentlich zu machen \u2013 auch wenn sie selbst nichts mit dem \u201eIS\u201c zu tun hatten.<\/p>\n\n\n\n

Unklar ist, wie viele Kinder und Jugendliche im Irak und in Syrien zu Terroristen ausgebildet wurden, dabei noch in Geiselhaft sind oder bereits als \u201eSchl\u00e4fer\u201c darauf warten, zum Einsatz zu kommen. Sie gleichen \u201etickenden Zeitbomben\u201c, die jederzeit explodieren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

Minderheiten haben Angst vor \u201eIS\u201c-Nachfolgern<\/h2>\n\n\n\n

Kamaran Palani spricht davon, dass viele Menschen immer noch gehen wollen, obwohl der \u201eIS\u201c als staats\u00e4hnliches Gebilde nicht mehr besteht. Seine Saat aber, so der Politikwissenschaftler, sei aufgegangen.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollen einfach nicht in diesem Land bleiben. Der IS hat sie dazu gebracht. Jeder hat heute Angst, dass eine andere Organisation kommen wird, Terroristen, die dasselbe anrichten wie zuvor.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Palani forscht am \u201eMiddle East Research Institute\u201c, das seinen Sitz in Erbil hat, der Hauptstadt von Irakisch-Kurdistan. <\/p>\n\n\n\n

\u201e60 bis 65 Prozent der Christen wollen gehen. Das Gleiche gilt f\u00fcr andere Minderheiten: f\u00fcr Jesiden, Schabaks, Turkmenen, Kakais.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

\u201eWir werden niemals wieder mit den Arabern zusammenleben k\u00f6nnen!\u201c \u2013 ein Satz, der heute h\u00e4ufig im Nord-Irak zu h\u00f6ren ist. Gemeint sind die Iraker, die Sunniten und Araber sind \u2013 die einstmals Nachbarn von Jesiden, Christen und Kurden waren \u2013 mit denen man Handel trieb und Hochzeiten feierte, die auch Freunde waren.<\/p>\n\n\n\n

Der Irak ist eine multi-ethnische und multi-religi\u00f6se Gesellschaft, in der die Schiiten die Mehrheit stellen. \u00dcber Jahrhunderte aber hatten die sunnitischen Araber das Sagen, sie missbrauchten die Macht, errichteten ein Schreckensregime \u2013 bis 2003, als Diktator Saddam Hussein von den USA gest\u00fcrzt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c entstand aus Widerstand gegen Schiiten-Herrschaft<\/h2>\n\n\n\n

Jetzt wurde der Spie\u00df umgedreht. Die Amerikaner sorgten daf\u00fcr, dass die Sunniten jegliche Machtposition verloren \u2013 so wurde die irakische Armee, wurde die baathistische Partei aufgel\u00f6st \u2013 ohne ein Pendant zu schaffen, das alle integrierte. Und: Washington unterst\u00fctzte Regierungschef Nouri al-Maliki, einen Schiiten. Maliki sah eine historische Chance gekommen, diskriminierte nun seinerseits seine sunnitischen Landsleute, verwehrte ihnen im \u201eNeuen Irak\u201c die Mitsprache. Im Regime Malikis wurden Sunniten inhaftiert, gefoltert und umgebracht.<\/p>\n\n\n\n

Was viele in den Widerstand trieb. Einige schlossen sich der Terror-Organisation \u201eAl-Qaida\u201c an, unter ihnen f\u00fchrende Milit\u00e4rs der aufgel\u00f6sten Armee Saddam Husseins \u2013 und aus \u201eAl-Qaida\u201c ging sp\u00e4ter der \u201eIS\u201c hervor.<\/p>\n\n\n\n

Als der \u201eIS\u201c dann im Sommer 2014 fast ohne Gegenwehr weite Landstriche in Syrien und im Irak \u00fcberrannte und seinen \u201eStaat\u201c ausrief, sahen auch gew\u00f6hnliche sunnitische Araber einen Wechsel nahen. Viele machten gemeinsame Sache mit den Terroristen, verhinderten die Flucht jesidischer Nachbarn, lieferten sie ihren Schl\u00e4chtern aus. Kamaran Palani:<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c-K\u00e4mpfer haben gesagt, es gehe darum, die W\u00fcrde der sunnitischen Araber wiederherzustellen. Ihre Macht. Ihre Geschichte. Tats\u00e4chlich konnten es die Araber nicht hinnehmen, dass sie ins Abseits gedr\u00e4ngt wurden. Und ich denke, dass sie auch in Zukunft so handeln werden. Wann immer sich die Gelegenheit bietet: Sie werden alles hinter sich lassen \u2013 sich nur darauf konzentrieren.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Misstrauen. Auch bei einem Politikwissenschaftler. Was also tun? Zerst\u00f6rte St\u00e4dte und D\u00f6rfer k\u00f6nnten wieder aufgebaut werden \u2013 wenn denn ein gemeinsamer Wille best\u00fcnde. Doch was, wenn es einen solchen gemeinsamen Willen gar nicht gibt? Wenn Schmerz und Trauer anhalten, wenn die Verbrechen von Terroristen und Helfershelfern nicht geahndet werden, wenn Angst umgeht, Misstrauen und Hass das Miteinander bestimmen.<\/p>\n\n\n\n

\"SyrischeSoldaten in der irakischen Stadt Sindschar nach der R\u00fcckeroberung von der IS-Miliz Ende 2015. (dpa \/ MAXPPP \/ Arnaud Dumontier)<\/p>\n\n\n\n

Kamaran Palani stammt aus der Stadt Makhmour. Drei Tage nur sei der \u201eIS\u201c dort gewesen, sagt er, doch diese Tage h\u00e4tten alles ver\u00e4ndert. Der \u201eIS\u201c habe die Menschen in seiner Heimatstadt verrohen lassen, meint er, das Verh\u00e4ltnis zwischen Kurden und Arabern sei heute tot. Eine R\u00fcckkehr in alte Zeiten h\u00e4lt Palani f\u00fcr falsch.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch denke, es w\u00e4re nicht einfach, in das Jahr 2014 \u2013 also in die Zeit vor dem \u201aIS\u2018 \u2013 zur\u00fcckzukehren. Vor allem aber w\u00e4re es nicht die richtige Politik. Denn eben die hat ja erst zum Aufkommen, zur Existenz des \u201aIS\u2018 gef\u00fchrt.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n


Wie also in Ruinen Neues schaffen? Der Staat muss das Gewaltmonopol zur\u00fcckerlangen, fordert der Politikwissenschaftler. F\u00fcr ihn steht das an erster Stelle. Und dann m\u00fcsse der Staat dringend einen Kurswechsel vornehmen: Er m\u00fcsse integrativ wirken, alle einbinden, auch die Araber, in Sicherheitskr\u00e4fte, Verwaltung und Politik.<\/p>\n\n\n\n

Machtmonopol m\u00fcsste von Milizen zum Staat gehen<\/h2>\n\n\n\n

Die Realit\u00e4t sieht anders aus: Ein Staat Kurdistan, der neue Optionen m\u00f6glich gemacht h\u00e4tte, auch von den Minderheiten gew\u00fcnscht worden war, ist nicht entstanden. Bagdad aber ist fern, der Zentralstaat kaum existent, und wenn, dann ist er schiitisch dominiert. Es sind Milizen, die im Nord-Irak das Geschehen bestimmen, darum rivalisieren, das Machtvakuum zu f\u00fcllen, das durch die Vertreibung des \u201eIS\u201c entstanden ist. Einst im Kampf gegen die Terroristen geeint, sind die Milizen einander heute feind.<\/p>\n\n\n\n

Allen voran die \u201eHashd ash-Shaabi\u201c, schiitisch-irakische Milizen, deren Ausbilder und Kommandeure h\u00e4ufig Iraner sind. Bagdad hat die Haschd als regul\u00e4re Kraft im Kampf gegen den \u201eIS\u201c anerkannt \u2013 obwohl Menschenrechts-Organisationen schwere Vorw\u00fcrfe gegen sie erheben. Fest steht: Die schiitischen Milizen halten D\u00f6rfer besetzt, sind in Mosul f\u00fcr ihr herrisches Auftreten und ihre Willk\u00fcr bekannt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eTats\u00e4chlich sorgen die verschiedenen bewaffneten Gruppen daf\u00fcr, dass die Fl\u00fcchtlinge nicht zur\u00fcckkehren. Und weil sie nicht zur\u00fcckkehren, gibt es auch keinen Wiederaufbau. Die Menschen haben Angst vor den Milizen \u2013 auch davor, dass die einander bek\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die \u201eHashd\u201c m\u00fcssten mithin abziehen. Und mit ihnen die anderen Milizen. Das Machtmonopol m\u00fcsste an den Staat gehen. Doch der Irak ist auch Spielball der Regionalm\u00e4chte: Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien. Sie konkurrieren um Einfluss-Sph\u00e4ren, bedienen sich dabei verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Gruppen im Irak. Deswegen werden die Hashd nicht abziehen. Derzeit sind sie von der iranisch-irakischen Grenze im Osten \u00fcber Bagdad bis hoch zur irakisch-syrischen Grenze im Norden postiert. Einheiten Teherans k\u00f6nnten demnach auf dem Landweg vom Iran bis ans Mittelmeer durchmarschieren.<\/p>\n\n\n\n

Iran und Saudi-Arabien wollen Macht vergr\u00f6\u00dfern<\/h2>\n\n\n\n

Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n

In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n

Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3703,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:24:20","post_date_gmt":"2020-08-13 21:24:20","post_content":"\n

Deutschland str\u00e4ubt sich gegen die R\u00fcckkehr seiner eigenen Staatsb\u00fcrger, die zu IS-Terroristen wurden. Dabei hat die Bundesrepublik den Terror und die Terroristen einst exportiert. Und dies geschah wissentlich, sagt der Islamwissenschaftler Fabian Goldmann.<\/p>\n\n\n\n

Wann haben Sie sich eigentlich zuletzt von deutschen Terroristen distanziert? Zum Beispiel von Robert B.? Der Ex-Bundeswehrsoldat aus Solingen hat mutma\u00dflich bei einem Selbstmordattentat Anfang 2014 50 Menschen mit in den Tod gerissen. <\/p>\n\n\n\n

Oder von Yannik N.? Der junge Freiburger steuerte wahrscheinlich im Jahr 2015 einen mit anderthalb Tonnen Sprengstoff beladenen LKW in eine Menschenmenge und nahm so Dutzenden Personen das Leben.<\/p>\n\n\n\n

Oder von Yamin A.?. Im Sommer 2015 tauchte im Netz ein Video auf, das zeigte, wie der ehemalige Telekom-Azubi aus K\u00f6nigswinter zwei gefesselten Soldaten in den Kopf schoss.
Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Deutsche T\u00e4ter, aber kaum deutsche Opfer<\/h2>\n\n\n\n

Hauptsache nicht bei uns! Dies scheint auch dieser Tage wieder die Maxime zu sein, wenn Politiker und \u00d6ffentlichkeit \u00fcber den Umgang mit deutschen Terroristen diskutieren. Von potenziellen Bedrohungen und Anschlagsgefahren in Deutschland liest man dann. Vom ganz realen Terror, den Deutsche in den vergangenen Jahren \u00fcber die Menschen in Syrien und Irak gebracht haben, h\u00f6rt man hingegen kaum. Ein Terror, der kaum deutsche Opfer aber umso mehr deutsche T\u00e4ter kannte.<\/p>\n\n\n\n

1.050 \u2013 das ist laut Bundesinnenministerium die Anzahl der Dschihadisten, die in den letzten Jahren die Bundesrepublik in Richtung Nahost verlassen hat. Es f\u00e4llt schwer, sich umgekehrtes Szenario \u00fcberhaupt auszumalen. Was w\u00e4re wohl los, h\u00e4tte es nur ein Bruchteil arabischer Terroristen geschafft, bei uns Anschl\u00e4ge zu begehen? Europas \u201eMuslim Bann\u201c? \u00dcberwachungsstaat auf NSA-Niveau?<\/p>\n\n\n\n

Die CSU st\u00fcnde wom\u00f6glich am linken Ende des politischen Spektrums, und auf Twitter w\u00fcrde Trump deutsche Migrationspolitiker zur M\u00e4\u00dfigung aufrufen. Der deutsche Terror in Nahost kommt hingegen seit Jahren ganz ohne Sondersendungen, politische Debatten und Distanzierungsforderungen aus. <\/p>\n\n\n\n

Deutsche K\u00e4mpfer waren nicht nur willenloses Kanonenfutter<\/h2>\n\n\n\n

An fehlendem Wissen liegt das nicht. Von ganzen Einheiten des IS, in denen kein einziger K\u00e4mpfer Arabisch spreche, berichten syrische, irakische und kurdische Soldaten schon seit Jahren. Von Aleppo \u00fcber Raqqa bis Mossul haben Aktivisten und Politiker immer wieder darauf hingewiesen, dass viele der schlimmsten M\u00f6rder in den Reihen des IS Europ\u00e4er sind. Interessiert hat das hier kaum jemand.<\/p>\n\n\n\n

Dabei dienten Deutsche dem Islamischen Staats nicht nur als willenloses Kanonenfutter, wie es oft dargestellt wird. Viele haben seinen Terror mitgepr\u00e4gt. Wie Martin L., der derzeit in kurdischer Haft sitzt. Der Schwei\u00dfer aus Sachsen-Anhalt soll sich vom Folterknecht bis zum Geheimdienstler mit Kontakten bis in die F\u00fchrungsspitze der Terrororganisation hochgearbeitet haben.<\/p>\n\n\n\n

Oder Reda S., Der Prediger aus Berlin-Charlottenburg soll dem IS in Mossul als Bildungsminister gedient haben. Oder der Berliner Ex-Rapper Denis Cuspert, der zu den wichtigsten Personen in der IS-Medienorganisation Al-Hayat geh\u00f6rte. Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Beh\u00f6rden wussten gut Bescheid<\/h2>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich entstand der Islamische Staat nicht in deutschen Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen. Zur deutschen Verantwortung geh\u00f6rt aber auch, dass Politiker und Beh\u00f6rden lange wegschauten, solang nur die T\u00e4ter, aber nicht die Opfer Deutsche waren. Beh\u00f6rden wissen und wussten erschreckend gut Bescheid \u00fcber die Radikalisierung deutscher Islamisten. Ein Gro\u00dfteil der sp\u00e4teren IS-K\u00e4mpfer war polizeibekannt, stand auf Gef\u00e4hrderlisten oder hatte wegen islamistischer Straftaten bereits Haftstrafen verb\u00fc\u00dft. An der Ausreise gehindert wurden sie oftmals dennoch nicht. Die Gefahr, die von deutschen Terroristen ausgeht, interessierte Politik und \u00d6ffentlichkeit erst dann wieder, als ihre Einreise drohte.<\/p>\n\n\n\n

\"Fabian
Fabian Goldmann<\/strong> ist Journalist und Islamwissenschaftler. F\u00fcr verschiedene Magazine und Zeitungen berichtete er viele Jahre aus Nahost. Zurzeit widmet er sich vor allem dem Islam diesseits des Bosporus. Auf seinem Blog Schantall und die Scharia<\/a> bloggt er \u00fcber Islamophobie in Deutschland.<\/p>\n","post_title":"Es sind unsere Terroristen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"es-sind-unsere-terroristen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3703","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3700,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:19:36","post_date_gmt":"2020-08-13 21:19:36","post_content":"\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda? Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda t<\/p>\n\n\n\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda tritt an die Stelle der 2010 verabschiedeten Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014 (siehe IP\/10\/1535<\/a>). In der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda f\u00fcr den Zeitraum 2015-2020 skizziert die Europ\u00e4ische Kommission die Strategie der Union zur Bew\u00e4ltigung der Sicherheitsbedrohungen in der EU.<\/p>\n\n\n\n

Die EU und ihre Mitgliedstaaten sind mit betr\u00e4chtlichen Sicherheitsproblemen konfrontiert. Terrorismus, organisierte Kriminalit\u00e4t und Cyberkriminalit\u00e4t stellen eine zunehmende Gefahr f\u00fcr die europ\u00e4ische Gesellschaft dar, wobei sich Art und Ausma\u00df dieser Gefahr ver\u00e4ndert hat. Europa ist mit den Auswirkungen der politischen Instabilit\u00e4t in seiner unmittelbaren Nachbarschaft konfrontiert, die die Sicherheitsinteressen der EU gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n

Im Zuge der Krisen und Konflikte in Syrien, Irak und Libyen haben sich europ\u00e4ische B\u00fcrger terroristischen Gruppen angeschlossen, die bei ihrer R\u00fcckkehr eine erhebliche Bedrohung darstellen k\u00f6nnen. Die j\u00fcngsten terroristischen Anschl\u00e4ge in Europa zeugen von der zunehmenden Bedrohung durch einen gewaltt\u00e4tigen Extremismus und zeigen, in welchem Ausma\u00df weltweite Konflikte zur Radikalisierung der europ\u00e4ischen B\u00fcrger beitragen.<\/p>\n\n\n\n

Das Online-Umfeld hat sich zunehmend als Ziel f\u00fcr Kriminelle und Terroristen entwickelt. Unabh\u00e4ngig davon, ob es um die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und die Anwerbung von Menschen f\u00fcr terroristische Organisationen geht oder die Verbreitung von Hass oder einen Angriff auf die europ\u00e4ischen Werte und Institutionen, fest steht, dass wir unsere Reaktion auf diese Bedrohungen unbedingt abstimmen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Welcher Mehrwert entsteht durch die EU im Bereich der inneren Sicherheit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Gew\u00e4hrleistung der inneren Sicherheit f\u00e4llt weiterhin in erster Linie in die Zust\u00e4ndigkeit der Mitgliedstaaten. Allerdings werden die Bedrohungen f\u00fcr Europas B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger immer vielf\u00e4ltiger und betreffen in zunehmendem Ma\u00dfe mehrere Mitgliedstaaten. Einzelne Mitgliedstaaten haben die Verantwortung, die Sicherheit an den Au\u00dfengrenzen zu gew\u00e4hrleisten, sind aber nicht mehr in der Lage, diese Herausforderungen allein zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n

Kriminelle und terroristische Aktivit\u00e4ten machen nicht an den Grenzen der EU halt und beschr\u00e4nken sich auch nicht auf Nachbarregionen. Die innere Sicherheit der EU und die globale Sicherheit sind voneinander abh\u00e4ngig und miteinander verkn\u00fcpft. Die Sicherheit der Union h\u00e4ngt in hohem Ma\u00dfe von der Zusammenarbeit mit ihren internationalen Partnern und ihren Nachbarl\u00e4ndern ab.<\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t und des Terrorismus ist eine gemeinsame europ\u00e4ische Aufgabe. Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda sollte von den Mitgliedstaaten und den EU-Organen gemeinsam als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und gemeinsame Ma\u00dfnahmen der Union genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n

Mit Hilfe der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda werden die Polizei- und Strafverfolgungsdienste in verschiedenen Mitgliedstaaten Daten effektiver austauschen und bei der Bek\u00e4mpfung der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t besser zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Die Mitgliedstaaten k\u00f6nnen auf die Unterst\u00fctzung durch die Agenturen der EU z\u00e4hlen. Insbesondere in folgenden Punkten l\u00e4sst sich mit Hilfe der Sicherheitsagenda ein EU-Mehrwert erzielen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n

A) Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und den EU-Agenturen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1<\/strong>: Das Schengener Informationssystem<\/strong> (SIS) wird von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Abfrage von Ausschreibungen von gesuchten oder vermissten Personen und Gegenst\u00e4nden genutzt. Die Kommission wird an der Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Ausschreibungskategorien arbeiten und sich daf\u00fcr einsetzen, dass das SIS zusammen mit der Interpol-Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD)<\/strong> umfassender genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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In Ost-Mossul gibt es weniger Zerst\u00f6rungen<\/h2>\n\n\n\n

J\u00fcngste Sch\u00e4tzungen der Vereinten Nationen besagen, dass es noch Jahre dauern wird, bis alle Minen ger\u00e4umt sind. Solange werden die einstigen Bewohner nicht zur\u00fcckkehren k\u00f6nnen. Manche von ihnen haben Gl\u00fcck im Ungl\u00fcck: Sie haben \u00fcberlebt und sind auf der anderen Seite des Tigris untergekommen, im Osten der Stadt. Der war schon im Januar 2017 von den Terroristen befreit worden. Erstaunlich ist: Dieser Teil Mosuls wirkt fast so, als w\u00e4re der \u201eIS\u201c niemals hier gewesen und als h\u00e4tte es keinen Krieg gegeben.<\/p>\n\n\n\n

\"ImIm Osten Mossuls gibt es weniger Zerst\u00f6rungen als im Westteil. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

Die Zerst\u00f6rungen beschr\u00e4nken sich auf strategisch-wichtige Punkte oder Geb\u00e4ude, in denen sich die Terroristen verschanzt hatten: Br\u00fccken, Moscheen, Krankenh\u00e4user. Doch im Basar herrscht fast so etwas wie Normalit\u00e4t. An St\u00e4nden kaufen Menschen ein \u2013 Obst, Gem\u00fcse, Reis und Nudeln, Backwaren. Kinder schlecken ein Eis. Abu Muhammad, ein ehemaliger Physiklehrer, erkl\u00e4rt, warum der Basar so anders ist als erwartet:<\/p>\n\n\n\n

\u201eDas Leben hatte nie aufgeh\u00f6rt in Mosul. Wir haben weitergelebt. Drei Jahre wurden wir vom \u201aIS\u2018 beherrscht, doch die normalen Leute hatten nichts damit zu tun. Daher kam der Alltag schnell zur\u00fcck. Die Soldaten sind gekommen, haben den Basar wieder aufgemacht und das Leben ging weiter.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Im Osten findet sich heute all das wieder, was die Terror-Miliz unterdr\u00fcckt hatte und bei Missachtung grausam ahndete: Musik in Restaurants und Caf\u00e9s; Sim-Karten f\u00fcr Handys; Internet; Fris\u00f6re, die Haare schneiden, B\u00e4rte stutzen oder gar abrasieren. Und doch: Trotz des lebendigen Treibens wirken Angst und Schrecken nach. Abu Muhammad, fr\u00fch ergraut, erinnert sich:<\/p>\n\n\n\n

\u201eWir haben uns gef\u00fchlt wie zwischen Leben und Tod. Irgendwo dazwischen. Sie haben vom \u201aIS\u2018 geh\u00f6rt; wir haben ihn erlebt: Wir haben erlebt, wie sie mordeten, wie sie Leute aufh\u00e4ngten, wir haben den Krieg erlebt. Wir haben alles gesehen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Mohammed stammt aus dem zerst\u00f6rten Westen der Stadt. Er wohnt heute im Osten. Verwandte haben ihn und seine Familie aufgenommen. So wie ihm ergeht es auch anderen Vertriebenen. Sie leben bei Verwandten und Freunden. Oder in einem der vielen Lager. 700.000 Menschen haben ihr Zuhause verloren \u2013 eine Zahl, die f\u00fcr West-Mosul gilt. Insgesamt gehen die Vereinten Nationen von fast sechs Millionen Menschen aus, die im Irak vor dem \u201aIS\u2018 geflohen sind \u2013 die H\u00e4lfte von ihnen bis heute fern von ihrem Zuhause.<\/p>\n\n\n\n

Binnenfl\u00fcchtlinge im Lager Khabartu<\/h2>\n\n\n\n

Zelte soweit das Auge reicht. Abertausende. Inmitten von Steppe. Das Leben der Menschen ist hart. Sie darben, frieren und verdorren \u2013 wenn im Winter der kalte Wind durch die Steppe fegt und im Sommer die Sonne niederbrennt. Doch sie harren aus, haben wenig Hoffnung auf baldige R\u00fcckkehr. Die meisten kamen 2014 \u2013 hierher, ins Lager Khabartu in Irakisch-Kurdistan.<\/p>\n\n\n\n

\"DasDas Lager Khabartu f\u00fcr irakische Binnenfl\u00fcchtlinge. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

2014, als der \u201eIS\u201c den Nord-Irak \u00fcberfiel. In einem der Zelte lebt auch die Familie von Thomas Abdallah Hammou. Thomas war auf der Flucht von seiner Familie getrennt und von den Dschihadisten verschleppt worden. Damals war er acht Jahre alt. Ein Kind. Drei Jahre blieb er in Geiselhaft, lebte in Mosul.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollten nicht, dass wir spielen. Sie mochten es nicht. Ich habe keine Schule besucht, aber sie gaben uns Koran-Unterricht. Jeden Tag.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas musste seinem eigenen, dem jesidischen Glauben abschw\u00f6ren. Weil der \u201eIS\u201c die Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c betrachtet. Und \u201eUngl\u00e4ubige\u201c, so die Auffassung der Terroristen, m\u00fcssen zwangsbekehrt werden. Oder get\u00f6tet. Die Terroristen hatten dementsprechend die Jesiden entweder an Ort und Stelle ermordet, die meisten im Sinjar, im alten Siedlungsgebiet der Jesiden im Nord-Irak. Tausende. 47 Massengr\u00e4ber sollen mittlerweile gefunden worden sein. Oder aber die Terroristen lie\u00dfen die Jesiden am Leben und nahmen sie in Geiselhaft. Sie machten aus ihnen Sexsklavinnen oder sie bildeten sie aus \u2013 zu Selbstmordattent\u00e4tern. Wie Thomas.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie haben uns st\u00e4ndig geschlagen. Wir mussten Schie\u00dfen \u00fcben. Zwei meiner Freunde haben sich in die Luft gesprengt. Sie sind zum Training. Doch sie kamen nicht zur\u00fcck. Ich war nicht traurig. Sie wollten sich ja in die Luft sprengen. Die \u201aIS\u2018-Leute hatten es nicht von ihnen verlangt. Sie sind freiwillig gegangen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas hat heute einen modernen Haarschnitt; der Nacken ist ausrasiert; der lange Pony in die Stirn gek\u00e4mmt. Im Sommer sah er noch anders aus, kurz nachdem Mosul befreit worden war. Bei einem Luftangriff der Anti-\u201eIS\u201c-Koalition wurde Thomas schwer verletzt aus Tr\u00fcmmern geborgen, dann operiert.<\/p>\n\n\n\n

\"ThomasThomas erholt sich von drei Jahren IS-Gefangenschaft. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

Arbeit mit \u201eDschihadisten-Kindern\u201c<\/h2>\n\n\n\n

Die \u00e4u\u00dferen Wunden sind heute verheilt. Doch wie sieht es aus mit den inneren, den seelischen Verletzungen? Thomas wurde von seiner Familie aufgenommen und bekommt Hilfe. Andere Kinder konnten nicht aufgefangen werden. Bis heute betrachten sie Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c \u2013 so wie es ihnen in der Geiselhaft eingeh\u00e4mmert wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie sind eine gro\u00dfe Gefahr f\u00fcr andere Kinder. Sie leben in Lagern, in einem Zelt, auf sechs mal vier Metern, oder noch weniger! Acht Geschwister, sie spielen zusammen, reden, sie indoktrinieren die anderen! Das ist ein Problem, das wir nicht l\u00f6sen k\u00f6nnen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Sara Hassan ist Sozialarbeiterin. Sie arbeitet in den Lagern, versucht M\u00e4dchen und Frauen, die jahrelang in Geiselhaft vergewaltigt wurden, zu helfen. Unz\u00e4hlige hatte der \u201eIS\u201c einst entf\u00fchrt. Sara arbeitet auch mit den sogenannten \u201eDschihadisten-Kindern\u201c. Sie erz\u00e4hlt, wie \u00fcberfordert alle seien: die Familien, die jesidische Gemeinschaft, die Gesellschaft des Nord-Irak.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIn einem anderen Fall hat sich die Familie am Ende an die Sicherheitskr\u00e4fte gewandt. Doch die wussten auch nicht, wie sie damit umgehen sollten. Monate lang hat die Familie versucht, den Jungen umzuerziehen, zusammen mit Sozialarbeitern. Aber noch immer sehen wir den Hass in seinen Augen \u2013 gegen\u00fcber Kurden, Christen und Jesiden. Als blicke man in die Augen eines IS-Terroristen. Das ist das Problem.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Die Jesiden k\u00f6nnen \u00fcber ihre vom \u201eIS\u201c indoktrinierten Kinder sprechen. Denn niemand zweifelt daran, dass sie Opfer der Tyrannei wurden. Bei den sunnitischen Arabern sieht das anders aus. Da sie derselben Religionsgruppe angeh\u00f6ren wie formal auch die Terroristen, stehen sie unter Generalverdacht, mit dem \u201eIS\u201c gemeinsame Sache gemacht zu haben. Sunnitische Araber trauen sich daher nicht, die Probleme ihrer Kinder \u00f6ffentlich zu machen \u2013 auch wenn sie selbst nichts mit dem \u201eIS\u201c zu tun hatten.<\/p>\n\n\n\n

Unklar ist, wie viele Kinder und Jugendliche im Irak und in Syrien zu Terroristen ausgebildet wurden, dabei noch in Geiselhaft sind oder bereits als \u201eSchl\u00e4fer\u201c darauf warten, zum Einsatz zu kommen. Sie gleichen \u201etickenden Zeitbomben\u201c, die jederzeit explodieren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

Minderheiten haben Angst vor \u201eIS\u201c-Nachfolgern<\/h2>\n\n\n\n

Kamaran Palani spricht davon, dass viele Menschen immer noch gehen wollen, obwohl der \u201eIS\u201c als staats\u00e4hnliches Gebilde nicht mehr besteht. Seine Saat aber, so der Politikwissenschaftler, sei aufgegangen.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollen einfach nicht in diesem Land bleiben. Der IS hat sie dazu gebracht. Jeder hat heute Angst, dass eine andere Organisation kommen wird, Terroristen, die dasselbe anrichten wie zuvor.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Palani forscht am \u201eMiddle East Research Institute\u201c, das seinen Sitz in Erbil hat, der Hauptstadt von Irakisch-Kurdistan. <\/p>\n\n\n\n

\u201e60 bis 65 Prozent der Christen wollen gehen. Das Gleiche gilt f\u00fcr andere Minderheiten: f\u00fcr Jesiden, Schabaks, Turkmenen, Kakais.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

\u201eWir werden niemals wieder mit den Arabern zusammenleben k\u00f6nnen!\u201c \u2013 ein Satz, der heute h\u00e4ufig im Nord-Irak zu h\u00f6ren ist. Gemeint sind die Iraker, die Sunniten und Araber sind \u2013 die einstmals Nachbarn von Jesiden, Christen und Kurden waren \u2013 mit denen man Handel trieb und Hochzeiten feierte, die auch Freunde waren.<\/p>\n\n\n\n

Der Irak ist eine multi-ethnische und multi-religi\u00f6se Gesellschaft, in der die Schiiten die Mehrheit stellen. \u00dcber Jahrhunderte aber hatten die sunnitischen Araber das Sagen, sie missbrauchten die Macht, errichteten ein Schreckensregime \u2013 bis 2003, als Diktator Saddam Hussein von den USA gest\u00fcrzt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c entstand aus Widerstand gegen Schiiten-Herrschaft<\/h2>\n\n\n\n

Jetzt wurde der Spie\u00df umgedreht. Die Amerikaner sorgten daf\u00fcr, dass die Sunniten jegliche Machtposition verloren \u2013 so wurde die irakische Armee, wurde die baathistische Partei aufgel\u00f6st \u2013 ohne ein Pendant zu schaffen, das alle integrierte. Und: Washington unterst\u00fctzte Regierungschef Nouri al-Maliki, einen Schiiten. Maliki sah eine historische Chance gekommen, diskriminierte nun seinerseits seine sunnitischen Landsleute, verwehrte ihnen im \u201eNeuen Irak\u201c die Mitsprache. Im Regime Malikis wurden Sunniten inhaftiert, gefoltert und umgebracht.<\/p>\n\n\n\n

Was viele in den Widerstand trieb. Einige schlossen sich der Terror-Organisation \u201eAl-Qaida\u201c an, unter ihnen f\u00fchrende Milit\u00e4rs der aufgel\u00f6sten Armee Saddam Husseins \u2013 und aus \u201eAl-Qaida\u201c ging sp\u00e4ter der \u201eIS\u201c hervor.<\/p>\n\n\n\n

Als der \u201eIS\u201c dann im Sommer 2014 fast ohne Gegenwehr weite Landstriche in Syrien und im Irak \u00fcberrannte und seinen \u201eStaat\u201c ausrief, sahen auch gew\u00f6hnliche sunnitische Araber einen Wechsel nahen. Viele machten gemeinsame Sache mit den Terroristen, verhinderten die Flucht jesidischer Nachbarn, lieferten sie ihren Schl\u00e4chtern aus. Kamaran Palani:<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c-K\u00e4mpfer haben gesagt, es gehe darum, die W\u00fcrde der sunnitischen Araber wiederherzustellen. Ihre Macht. Ihre Geschichte. Tats\u00e4chlich konnten es die Araber nicht hinnehmen, dass sie ins Abseits gedr\u00e4ngt wurden. Und ich denke, dass sie auch in Zukunft so handeln werden. Wann immer sich die Gelegenheit bietet: Sie werden alles hinter sich lassen \u2013 sich nur darauf konzentrieren.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Misstrauen. Auch bei einem Politikwissenschaftler. Was also tun? Zerst\u00f6rte St\u00e4dte und D\u00f6rfer k\u00f6nnten wieder aufgebaut werden \u2013 wenn denn ein gemeinsamer Wille best\u00fcnde. Doch was, wenn es einen solchen gemeinsamen Willen gar nicht gibt? Wenn Schmerz und Trauer anhalten, wenn die Verbrechen von Terroristen und Helfershelfern nicht geahndet werden, wenn Angst umgeht, Misstrauen und Hass das Miteinander bestimmen.<\/p>\n\n\n\n

\"SyrischeSoldaten in der irakischen Stadt Sindschar nach der R\u00fcckeroberung von der IS-Miliz Ende 2015. (dpa \/ MAXPPP \/ Arnaud Dumontier)<\/p>\n\n\n\n

Kamaran Palani stammt aus der Stadt Makhmour. Drei Tage nur sei der \u201eIS\u201c dort gewesen, sagt er, doch diese Tage h\u00e4tten alles ver\u00e4ndert. Der \u201eIS\u201c habe die Menschen in seiner Heimatstadt verrohen lassen, meint er, das Verh\u00e4ltnis zwischen Kurden und Arabern sei heute tot. Eine R\u00fcckkehr in alte Zeiten h\u00e4lt Palani f\u00fcr falsch.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch denke, es w\u00e4re nicht einfach, in das Jahr 2014 \u2013 also in die Zeit vor dem \u201aIS\u2018 \u2013 zur\u00fcckzukehren. Vor allem aber w\u00e4re es nicht die richtige Politik. Denn eben die hat ja erst zum Aufkommen, zur Existenz des \u201aIS\u2018 gef\u00fchrt.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n


Wie also in Ruinen Neues schaffen? Der Staat muss das Gewaltmonopol zur\u00fcckerlangen, fordert der Politikwissenschaftler. F\u00fcr ihn steht das an erster Stelle. Und dann m\u00fcsse der Staat dringend einen Kurswechsel vornehmen: Er m\u00fcsse integrativ wirken, alle einbinden, auch die Araber, in Sicherheitskr\u00e4fte, Verwaltung und Politik.<\/p>\n\n\n\n

Machtmonopol m\u00fcsste von Milizen zum Staat gehen<\/h2>\n\n\n\n

Die Realit\u00e4t sieht anders aus: Ein Staat Kurdistan, der neue Optionen m\u00f6glich gemacht h\u00e4tte, auch von den Minderheiten gew\u00fcnscht worden war, ist nicht entstanden. Bagdad aber ist fern, der Zentralstaat kaum existent, und wenn, dann ist er schiitisch dominiert. Es sind Milizen, die im Nord-Irak das Geschehen bestimmen, darum rivalisieren, das Machtvakuum zu f\u00fcllen, das durch die Vertreibung des \u201eIS\u201c entstanden ist. Einst im Kampf gegen die Terroristen geeint, sind die Milizen einander heute feind.<\/p>\n\n\n\n

Allen voran die \u201eHashd ash-Shaabi\u201c, schiitisch-irakische Milizen, deren Ausbilder und Kommandeure h\u00e4ufig Iraner sind. Bagdad hat die Haschd als regul\u00e4re Kraft im Kampf gegen den \u201eIS\u201c anerkannt \u2013 obwohl Menschenrechts-Organisationen schwere Vorw\u00fcrfe gegen sie erheben. Fest steht: Die schiitischen Milizen halten D\u00f6rfer besetzt, sind in Mosul f\u00fcr ihr herrisches Auftreten und ihre Willk\u00fcr bekannt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eTats\u00e4chlich sorgen die verschiedenen bewaffneten Gruppen daf\u00fcr, dass die Fl\u00fcchtlinge nicht zur\u00fcckkehren. Und weil sie nicht zur\u00fcckkehren, gibt es auch keinen Wiederaufbau. Die Menschen haben Angst vor den Milizen \u2013 auch davor, dass die einander bek\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die \u201eHashd\u201c m\u00fcssten mithin abziehen. Und mit ihnen die anderen Milizen. Das Machtmonopol m\u00fcsste an den Staat gehen. Doch der Irak ist auch Spielball der Regionalm\u00e4chte: Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien. Sie konkurrieren um Einfluss-Sph\u00e4ren, bedienen sich dabei verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Gruppen im Irak. Deswegen werden die Hashd nicht abziehen. Derzeit sind sie von der iranisch-irakischen Grenze im Osten \u00fcber Bagdad bis hoch zur irakisch-syrischen Grenze im Norden postiert. Einheiten Teherans k\u00f6nnten demnach auf dem Landweg vom Iran bis ans Mittelmeer durchmarschieren.<\/p>\n\n\n\n

Iran und Saudi-Arabien wollen Macht vergr\u00f6\u00dfern<\/h2>\n\n\n\n

Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n

In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n

Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3703,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:24:20","post_date_gmt":"2020-08-13 21:24:20","post_content":"\n

Deutschland str\u00e4ubt sich gegen die R\u00fcckkehr seiner eigenen Staatsb\u00fcrger, die zu IS-Terroristen wurden. Dabei hat die Bundesrepublik den Terror und die Terroristen einst exportiert. Und dies geschah wissentlich, sagt der Islamwissenschaftler Fabian Goldmann.<\/p>\n\n\n\n

Wann haben Sie sich eigentlich zuletzt von deutschen Terroristen distanziert? Zum Beispiel von Robert B.? Der Ex-Bundeswehrsoldat aus Solingen hat mutma\u00dflich bei einem Selbstmordattentat Anfang 2014 50 Menschen mit in den Tod gerissen. <\/p>\n\n\n\n

Oder von Yannik N.? Der junge Freiburger steuerte wahrscheinlich im Jahr 2015 einen mit anderthalb Tonnen Sprengstoff beladenen LKW in eine Menschenmenge und nahm so Dutzenden Personen das Leben.<\/p>\n\n\n\n

Oder von Yamin A.?. Im Sommer 2015 tauchte im Netz ein Video auf, das zeigte, wie der ehemalige Telekom-Azubi aus K\u00f6nigswinter zwei gefesselten Soldaten in den Kopf schoss.
Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Deutsche T\u00e4ter, aber kaum deutsche Opfer<\/h2>\n\n\n\n

Hauptsache nicht bei uns! Dies scheint auch dieser Tage wieder die Maxime zu sein, wenn Politiker und \u00d6ffentlichkeit \u00fcber den Umgang mit deutschen Terroristen diskutieren. Von potenziellen Bedrohungen und Anschlagsgefahren in Deutschland liest man dann. Vom ganz realen Terror, den Deutsche in den vergangenen Jahren \u00fcber die Menschen in Syrien und Irak gebracht haben, h\u00f6rt man hingegen kaum. Ein Terror, der kaum deutsche Opfer aber umso mehr deutsche T\u00e4ter kannte.<\/p>\n\n\n\n

1.050 \u2013 das ist laut Bundesinnenministerium die Anzahl der Dschihadisten, die in den letzten Jahren die Bundesrepublik in Richtung Nahost verlassen hat. Es f\u00e4llt schwer, sich umgekehrtes Szenario \u00fcberhaupt auszumalen. Was w\u00e4re wohl los, h\u00e4tte es nur ein Bruchteil arabischer Terroristen geschafft, bei uns Anschl\u00e4ge zu begehen? Europas \u201eMuslim Bann\u201c? \u00dcberwachungsstaat auf NSA-Niveau?<\/p>\n\n\n\n

Die CSU st\u00fcnde wom\u00f6glich am linken Ende des politischen Spektrums, und auf Twitter w\u00fcrde Trump deutsche Migrationspolitiker zur M\u00e4\u00dfigung aufrufen. Der deutsche Terror in Nahost kommt hingegen seit Jahren ganz ohne Sondersendungen, politische Debatten und Distanzierungsforderungen aus. <\/p>\n\n\n\n

Deutsche K\u00e4mpfer waren nicht nur willenloses Kanonenfutter<\/h2>\n\n\n\n

An fehlendem Wissen liegt das nicht. Von ganzen Einheiten des IS, in denen kein einziger K\u00e4mpfer Arabisch spreche, berichten syrische, irakische und kurdische Soldaten schon seit Jahren. Von Aleppo \u00fcber Raqqa bis Mossul haben Aktivisten und Politiker immer wieder darauf hingewiesen, dass viele der schlimmsten M\u00f6rder in den Reihen des IS Europ\u00e4er sind. Interessiert hat das hier kaum jemand.<\/p>\n\n\n\n

Dabei dienten Deutsche dem Islamischen Staats nicht nur als willenloses Kanonenfutter, wie es oft dargestellt wird. Viele haben seinen Terror mitgepr\u00e4gt. Wie Martin L., der derzeit in kurdischer Haft sitzt. Der Schwei\u00dfer aus Sachsen-Anhalt soll sich vom Folterknecht bis zum Geheimdienstler mit Kontakten bis in die F\u00fchrungsspitze der Terrororganisation hochgearbeitet haben.<\/p>\n\n\n\n

Oder Reda S., Der Prediger aus Berlin-Charlottenburg soll dem IS in Mossul als Bildungsminister gedient haben. Oder der Berliner Ex-Rapper Denis Cuspert, der zu den wichtigsten Personen in der IS-Medienorganisation Al-Hayat geh\u00f6rte. Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Beh\u00f6rden wussten gut Bescheid<\/h2>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich entstand der Islamische Staat nicht in deutschen Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen. Zur deutschen Verantwortung geh\u00f6rt aber auch, dass Politiker und Beh\u00f6rden lange wegschauten, solang nur die T\u00e4ter, aber nicht die Opfer Deutsche waren. Beh\u00f6rden wissen und wussten erschreckend gut Bescheid \u00fcber die Radikalisierung deutscher Islamisten. Ein Gro\u00dfteil der sp\u00e4teren IS-K\u00e4mpfer war polizeibekannt, stand auf Gef\u00e4hrderlisten oder hatte wegen islamistischer Straftaten bereits Haftstrafen verb\u00fc\u00dft. An der Ausreise gehindert wurden sie oftmals dennoch nicht. Die Gefahr, die von deutschen Terroristen ausgeht, interessierte Politik und \u00d6ffentlichkeit erst dann wieder, als ihre Einreise drohte.<\/p>\n\n\n\n

\"Fabian
Fabian Goldmann<\/strong> ist Journalist und Islamwissenschaftler. F\u00fcr verschiedene Magazine und Zeitungen berichtete er viele Jahre aus Nahost. Zurzeit widmet er sich vor allem dem Islam diesseits des Bosporus. Auf seinem Blog Schantall und die Scharia<\/a> bloggt er \u00fcber Islamophobie in Deutschland.<\/p>\n","post_title":"Es sind unsere Terroristen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"es-sind-unsere-terroristen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3703","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3700,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:19:36","post_date_gmt":"2020-08-13 21:19:36","post_content":"\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda? Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda t<\/p>\n\n\n\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda tritt an die Stelle der 2010 verabschiedeten Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014 (siehe IP\/10\/1535<\/a>). In der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda f\u00fcr den Zeitraum 2015-2020 skizziert die Europ\u00e4ische Kommission die Strategie der Union zur Bew\u00e4ltigung der Sicherheitsbedrohungen in der EU.<\/p>\n\n\n\n

Die EU und ihre Mitgliedstaaten sind mit betr\u00e4chtlichen Sicherheitsproblemen konfrontiert. Terrorismus, organisierte Kriminalit\u00e4t und Cyberkriminalit\u00e4t stellen eine zunehmende Gefahr f\u00fcr die europ\u00e4ische Gesellschaft dar, wobei sich Art und Ausma\u00df dieser Gefahr ver\u00e4ndert hat. Europa ist mit den Auswirkungen der politischen Instabilit\u00e4t in seiner unmittelbaren Nachbarschaft konfrontiert, die die Sicherheitsinteressen der EU gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n

Im Zuge der Krisen und Konflikte in Syrien, Irak und Libyen haben sich europ\u00e4ische B\u00fcrger terroristischen Gruppen angeschlossen, die bei ihrer R\u00fcckkehr eine erhebliche Bedrohung darstellen k\u00f6nnen. Die j\u00fcngsten terroristischen Anschl\u00e4ge in Europa zeugen von der zunehmenden Bedrohung durch einen gewaltt\u00e4tigen Extremismus und zeigen, in welchem Ausma\u00df weltweite Konflikte zur Radikalisierung der europ\u00e4ischen B\u00fcrger beitragen.<\/p>\n\n\n\n

Das Online-Umfeld hat sich zunehmend als Ziel f\u00fcr Kriminelle und Terroristen entwickelt. Unabh\u00e4ngig davon, ob es um die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und die Anwerbung von Menschen f\u00fcr terroristische Organisationen geht oder die Verbreitung von Hass oder einen Angriff auf die europ\u00e4ischen Werte und Institutionen, fest steht, dass wir unsere Reaktion auf diese Bedrohungen unbedingt abstimmen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Welcher Mehrwert entsteht durch die EU im Bereich der inneren Sicherheit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Gew\u00e4hrleistung der inneren Sicherheit f\u00e4llt weiterhin in erster Linie in die Zust\u00e4ndigkeit der Mitgliedstaaten. Allerdings werden die Bedrohungen f\u00fcr Europas B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger immer vielf\u00e4ltiger und betreffen in zunehmendem Ma\u00dfe mehrere Mitgliedstaaten. Einzelne Mitgliedstaaten haben die Verantwortung, die Sicherheit an den Au\u00dfengrenzen zu gew\u00e4hrleisten, sind aber nicht mehr in der Lage, diese Herausforderungen allein zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n

Kriminelle und terroristische Aktivit\u00e4ten machen nicht an den Grenzen der EU halt und beschr\u00e4nken sich auch nicht auf Nachbarregionen. Die innere Sicherheit der EU und die globale Sicherheit sind voneinander abh\u00e4ngig und miteinander verkn\u00fcpft. Die Sicherheit der Union h\u00e4ngt in hohem Ma\u00dfe von der Zusammenarbeit mit ihren internationalen Partnern und ihren Nachbarl\u00e4ndern ab.<\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t und des Terrorismus ist eine gemeinsame europ\u00e4ische Aufgabe. Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda sollte von den Mitgliedstaaten und den EU-Organen gemeinsam als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und gemeinsame Ma\u00dfnahmen der Union genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n

Mit Hilfe der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda werden die Polizei- und Strafverfolgungsdienste in verschiedenen Mitgliedstaaten Daten effektiver austauschen und bei der Bek\u00e4mpfung der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t besser zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Die Mitgliedstaaten k\u00f6nnen auf die Unterst\u00fctzung durch die Agenturen der EU z\u00e4hlen. Insbesondere in folgenden Punkten l\u00e4sst sich mit Hilfe der Sicherheitsagenda ein EU-Mehrwert erzielen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n

A) Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und den EU-Agenturen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1<\/strong>: Das Schengener Informationssystem<\/strong> (SIS) wird von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Abfrage von Ausschreibungen von gesuchten oder vermissten Personen und Gegenst\u00e4nden genutzt. Die Kommission wird an der Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Ausschreibungskategorien arbeiten und sich daf\u00fcr einsetzen, dass das SIS zusammen mit der Interpol-Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD)<\/strong> umfassender genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Es ist fraglich, ob die Altstadt dem Original getreu wieder aufgebaut werden kann. Bagdad will demn\u00e4chst \u2013 im Rahmen einer gro\u00dfen Wiederaufbau-Konferenz \u2013 bekannt geben, welche Pl\u00e4ne es hat. Derzeit gilt als gro\u00dfer Fortschritt, dass die Tr\u00fcmmerlandschaft in Teilen wieder begehbar ist \u2013 nachdem mit internationaler Hilfe zahllose Sprengs\u00e4tze beseitigt wurden.<\/p>\n\n\n\n

In Ost-Mossul gibt es weniger Zerst\u00f6rungen<\/h2>\n\n\n\n

J\u00fcngste Sch\u00e4tzungen der Vereinten Nationen besagen, dass es noch Jahre dauern wird, bis alle Minen ger\u00e4umt sind. Solange werden die einstigen Bewohner nicht zur\u00fcckkehren k\u00f6nnen. Manche von ihnen haben Gl\u00fcck im Ungl\u00fcck: Sie haben \u00fcberlebt und sind auf der anderen Seite des Tigris untergekommen, im Osten der Stadt. Der war schon im Januar 2017 von den Terroristen befreit worden. Erstaunlich ist: Dieser Teil Mosuls wirkt fast so, als w\u00e4re der \u201eIS\u201c niemals hier gewesen und als h\u00e4tte es keinen Krieg gegeben.<\/p>\n\n\n\n

\"ImIm Osten Mossuls gibt es weniger Zerst\u00f6rungen als im Westteil. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

Die Zerst\u00f6rungen beschr\u00e4nken sich auf strategisch-wichtige Punkte oder Geb\u00e4ude, in denen sich die Terroristen verschanzt hatten: Br\u00fccken, Moscheen, Krankenh\u00e4user. Doch im Basar herrscht fast so etwas wie Normalit\u00e4t. An St\u00e4nden kaufen Menschen ein \u2013 Obst, Gem\u00fcse, Reis und Nudeln, Backwaren. Kinder schlecken ein Eis. Abu Muhammad, ein ehemaliger Physiklehrer, erkl\u00e4rt, warum der Basar so anders ist als erwartet:<\/p>\n\n\n\n

\u201eDas Leben hatte nie aufgeh\u00f6rt in Mosul. Wir haben weitergelebt. Drei Jahre wurden wir vom \u201aIS\u2018 beherrscht, doch die normalen Leute hatten nichts damit zu tun. Daher kam der Alltag schnell zur\u00fcck. Die Soldaten sind gekommen, haben den Basar wieder aufgemacht und das Leben ging weiter.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Im Osten findet sich heute all das wieder, was die Terror-Miliz unterdr\u00fcckt hatte und bei Missachtung grausam ahndete: Musik in Restaurants und Caf\u00e9s; Sim-Karten f\u00fcr Handys; Internet; Fris\u00f6re, die Haare schneiden, B\u00e4rte stutzen oder gar abrasieren. Und doch: Trotz des lebendigen Treibens wirken Angst und Schrecken nach. Abu Muhammad, fr\u00fch ergraut, erinnert sich:<\/p>\n\n\n\n

\u201eWir haben uns gef\u00fchlt wie zwischen Leben und Tod. Irgendwo dazwischen. Sie haben vom \u201aIS\u2018 geh\u00f6rt; wir haben ihn erlebt: Wir haben erlebt, wie sie mordeten, wie sie Leute aufh\u00e4ngten, wir haben den Krieg erlebt. Wir haben alles gesehen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Mohammed stammt aus dem zerst\u00f6rten Westen der Stadt. Er wohnt heute im Osten. Verwandte haben ihn und seine Familie aufgenommen. So wie ihm ergeht es auch anderen Vertriebenen. Sie leben bei Verwandten und Freunden. Oder in einem der vielen Lager. 700.000 Menschen haben ihr Zuhause verloren \u2013 eine Zahl, die f\u00fcr West-Mosul gilt. Insgesamt gehen die Vereinten Nationen von fast sechs Millionen Menschen aus, die im Irak vor dem \u201aIS\u2018 geflohen sind \u2013 die H\u00e4lfte von ihnen bis heute fern von ihrem Zuhause.<\/p>\n\n\n\n

Binnenfl\u00fcchtlinge im Lager Khabartu<\/h2>\n\n\n\n

Zelte soweit das Auge reicht. Abertausende. Inmitten von Steppe. Das Leben der Menschen ist hart. Sie darben, frieren und verdorren \u2013 wenn im Winter der kalte Wind durch die Steppe fegt und im Sommer die Sonne niederbrennt. Doch sie harren aus, haben wenig Hoffnung auf baldige R\u00fcckkehr. Die meisten kamen 2014 \u2013 hierher, ins Lager Khabartu in Irakisch-Kurdistan.<\/p>\n\n\n\n

\"DasDas Lager Khabartu f\u00fcr irakische Binnenfl\u00fcchtlinge. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

2014, als der \u201eIS\u201c den Nord-Irak \u00fcberfiel. In einem der Zelte lebt auch die Familie von Thomas Abdallah Hammou. Thomas war auf der Flucht von seiner Familie getrennt und von den Dschihadisten verschleppt worden. Damals war er acht Jahre alt. Ein Kind. Drei Jahre blieb er in Geiselhaft, lebte in Mosul.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollten nicht, dass wir spielen. Sie mochten es nicht. Ich habe keine Schule besucht, aber sie gaben uns Koran-Unterricht. Jeden Tag.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas musste seinem eigenen, dem jesidischen Glauben abschw\u00f6ren. Weil der \u201eIS\u201c die Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c betrachtet. Und \u201eUngl\u00e4ubige\u201c, so die Auffassung der Terroristen, m\u00fcssen zwangsbekehrt werden. Oder get\u00f6tet. Die Terroristen hatten dementsprechend die Jesiden entweder an Ort und Stelle ermordet, die meisten im Sinjar, im alten Siedlungsgebiet der Jesiden im Nord-Irak. Tausende. 47 Massengr\u00e4ber sollen mittlerweile gefunden worden sein. Oder aber die Terroristen lie\u00dfen die Jesiden am Leben und nahmen sie in Geiselhaft. Sie machten aus ihnen Sexsklavinnen oder sie bildeten sie aus \u2013 zu Selbstmordattent\u00e4tern. Wie Thomas.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie haben uns st\u00e4ndig geschlagen. Wir mussten Schie\u00dfen \u00fcben. Zwei meiner Freunde haben sich in die Luft gesprengt. Sie sind zum Training. Doch sie kamen nicht zur\u00fcck. Ich war nicht traurig. Sie wollten sich ja in die Luft sprengen. Die \u201aIS\u2018-Leute hatten es nicht von ihnen verlangt. Sie sind freiwillig gegangen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas hat heute einen modernen Haarschnitt; der Nacken ist ausrasiert; der lange Pony in die Stirn gek\u00e4mmt. Im Sommer sah er noch anders aus, kurz nachdem Mosul befreit worden war. Bei einem Luftangriff der Anti-\u201eIS\u201c-Koalition wurde Thomas schwer verletzt aus Tr\u00fcmmern geborgen, dann operiert.<\/p>\n\n\n\n

\"ThomasThomas erholt sich von drei Jahren IS-Gefangenschaft. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

Arbeit mit \u201eDschihadisten-Kindern\u201c<\/h2>\n\n\n\n

Die \u00e4u\u00dferen Wunden sind heute verheilt. Doch wie sieht es aus mit den inneren, den seelischen Verletzungen? Thomas wurde von seiner Familie aufgenommen und bekommt Hilfe. Andere Kinder konnten nicht aufgefangen werden. Bis heute betrachten sie Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c \u2013 so wie es ihnen in der Geiselhaft eingeh\u00e4mmert wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie sind eine gro\u00dfe Gefahr f\u00fcr andere Kinder. Sie leben in Lagern, in einem Zelt, auf sechs mal vier Metern, oder noch weniger! Acht Geschwister, sie spielen zusammen, reden, sie indoktrinieren die anderen! Das ist ein Problem, das wir nicht l\u00f6sen k\u00f6nnen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Sara Hassan ist Sozialarbeiterin. Sie arbeitet in den Lagern, versucht M\u00e4dchen und Frauen, die jahrelang in Geiselhaft vergewaltigt wurden, zu helfen. Unz\u00e4hlige hatte der \u201eIS\u201c einst entf\u00fchrt. Sara arbeitet auch mit den sogenannten \u201eDschihadisten-Kindern\u201c. Sie erz\u00e4hlt, wie \u00fcberfordert alle seien: die Familien, die jesidische Gemeinschaft, die Gesellschaft des Nord-Irak.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIn einem anderen Fall hat sich die Familie am Ende an die Sicherheitskr\u00e4fte gewandt. Doch die wussten auch nicht, wie sie damit umgehen sollten. Monate lang hat die Familie versucht, den Jungen umzuerziehen, zusammen mit Sozialarbeitern. Aber noch immer sehen wir den Hass in seinen Augen \u2013 gegen\u00fcber Kurden, Christen und Jesiden. Als blicke man in die Augen eines IS-Terroristen. Das ist das Problem.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Die Jesiden k\u00f6nnen \u00fcber ihre vom \u201eIS\u201c indoktrinierten Kinder sprechen. Denn niemand zweifelt daran, dass sie Opfer der Tyrannei wurden. Bei den sunnitischen Arabern sieht das anders aus. Da sie derselben Religionsgruppe angeh\u00f6ren wie formal auch die Terroristen, stehen sie unter Generalverdacht, mit dem \u201eIS\u201c gemeinsame Sache gemacht zu haben. Sunnitische Araber trauen sich daher nicht, die Probleme ihrer Kinder \u00f6ffentlich zu machen \u2013 auch wenn sie selbst nichts mit dem \u201eIS\u201c zu tun hatten.<\/p>\n\n\n\n

Unklar ist, wie viele Kinder und Jugendliche im Irak und in Syrien zu Terroristen ausgebildet wurden, dabei noch in Geiselhaft sind oder bereits als \u201eSchl\u00e4fer\u201c darauf warten, zum Einsatz zu kommen. Sie gleichen \u201etickenden Zeitbomben\u201c, die jederzeit explodieren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

Minderheiten haben Angst vor \u201eIS\u201c-Nachfolgern<\/h2>\n\n\n\n

Kamaran Palani spricht davon, dass viele Menschen immer noch gehen wollen, obwohl der \u201eIS\u201c als staats\u00e4hnliches Gebilde nicht mehr besteht. Seine Saat aber, so der Politikwissenschaftler, sei aufgegangen.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollen einfach nicht in diesem Land bleiben. Der IS hat sie dazu gebracht. Jeder hat heute Angst, dass eine andere Organisation kommen wird, Terroristen, die dasselbe anrichten wie zuvor.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Palani forscht am \u201eMiddle East Research Institute\u201c, das seinen Sitz in Erbil hat, der Hauptstadt von Irakisch-Kurdistan. <\/p>\n\n\n\n

\u201e60 bis 65 Prozent der Christen wollen gehen. Das Gleiche gilt f\u00fcr andere Minderheiten: f\u00fcr Jesiden, Schabaks, Turkmenen, Kakais.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

\u201eWir werden niemals wieder mit den Arabern zusammenleben k\u00f6nnen!\u201c \u2013 ein Satz, der heute h\u00e4ufig im Nord-Irak zu h\u00f6ren ist. Gemeint sind die Iraker, die Sunniten und Araber sind \u2013 die einstmals Nachbarn von Jesiden, Christen und Kurden waren \u2013 mit denen man Handel trieb und Hochzeiten feierte, die auch Freunde waren.<\/p>\n\n\n\n

Der Irak ist eine multi-ethnische und multi-religi\u00f6se Gesellschaft, in der die Schiiten die Mehrheit stellen. \u00dcber Jahrhunderte aber hatten die sunnitischen Araber das Sagen, sie missbrauchten die Macht, errichteten ein Schreckensregime \u2013 bis 2003, als Diktator Saddam Hussein von den USA gest\u00fcrzt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c entstand aus Widerstand gegen Schiiten-Herrschaft<\/h2>\n\n\n\n

Jetzt wurde der Spie\u00df umgedreht. Die Amerikaner sorgten daf\u00fcr, dass die Sunniten jegliche Machtposition verloren \u2013 so wurde die irakische Armee, wurde die baathistische Partei aufgel\u00f6st \u2013 ohne ein Pendant zu schaffen, das alle integrierte. Und: Washington unterst\u00fctzte Regierungschef Nouri al-Maliki, einen Schiiten. Maliki sah eine historische Chance gekommen, diskriminierte nun seinerseits seine sunnitischen Landsleute, verwehrte ihnen im \u201eNeuen Irak\u201c die Mitsprache. Im Regime Malikis wurden Sunniten inhaftiert, gefoltert und umgebracht.<\/p>\n\n\n\n

Was viele in den Widerstand trieb. Einige schlossen sich der Terror-Organisation \u201eAl-Qaida\u201c an, unter ihnen f\u00fchrende Milit\u00e4rs der aufgel\u00f6sten Armee Saddam Husseins \u2013 und aus \u201eAl-Qaida\u201c ging sp\u00e4ter der \u201eIS\u201c hervor.<\/p>\n\n\n\n

Als der \u201eIS\u201c dann im Sommer 2014 fast ohne Gegenwehr weite Landstriche in Syrien und im Irak \u00fcberrannte und seinen \u201eStaat\u201c ausrief, sahen auch gew\u00f6hnliche sunnitische Araber einen Wechsel nahen. Viele machten gemeinsame Sache mit den Terroristen, verhinderten die Flucht jesidischer Nachbarn, lieferten sie ihren Schl\u00e4chtern aus. Kamaran Palani:<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c-K\u00e4mpfer haben gesagt, es gehe darum, die W\u00fcrde der sunnitischen Araber wiederherzustellen. Ihre Macht. Ihre Geschichte. Tats\u00e4chlich konnten es die Araber nicht hinnehmen, dass sie ins Abseits gedr\u00e4ngt wurden. Und ich denke, dass sie auch in Zukunft so handeln werden. Wann immer sich die Gelegenheit bietet: Sie werden alles hinter sich lassen \u2013 sich nur darauf konzentrieren.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Misstrauen. Auch bei einem Politikwissenschaftler. Was also tun? Zerst\u00f6rte St\u00e4dte und D\u00f6rfer k\u00f6nnten wieder aufgebaut werden \u2013 wenn denn ein gemeinsamer Wille best\u00fcnde. Doch was, wenn es einen solchen gemeinsamen Willen gar nicht gibt? Wenn Schmerz und Trauer anhalten, wenn die Verbrechen von Terroristen und Helfershelfern nicht geahndet werden, wenn Angst umgeht, Misstrauen und Hass das Miteinander bestimmen.<\/p>\n\n\n\n

\"SyrischeSoldaten in der irakischen Stadt Sindschar nach der R\u00fcckeroberung von der IS-Miliz Ende 2015. (dpa \/ MAXPPP \/ Arnaud Dumontier)<\/p>\n\n\n\n

Kamaran Palani stammt aus der Stadt Makhmour. Drei Tage nur sei der \u201eIS\u201c dort gewesen, sagt er, doch diese Tage h\u00e4tten alles ver\u00e4ndert. Der \u201eIS\u201c habe die Menschen in seiner Heimatstadt verrohen lassen, meint er, das Verh\u00e4ltnis zwischen Kurden und Arabern sei heute tot. Eine R\u00fcckkehr in alte Zeiten h\u00e4lt Palani f\u00fcr falsch.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch denke, es w\u00e4re nicht einfach, in das Jahr 2014 \u2013 also in die Zeit vor dem \u201aIS\u2018 \u2013 zur\u00fcckzukehren. Vor allem aber w\u00e4re es nicht die richtige Politik. Denn eben die hat ja erst zum Aufkommen, zur Existenz des \u201aIS\u2018 gef\u00fchrt.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n


Wie also in Ruinen Neues schaffen? Der Staat muss das Gewaltmonopol zur\u00fcckerlangen, fordert der Politikwissenschaftler. F\u00fcr ihn steht das an erster Stelle. Und dann m\u00fcsse der Staat dringend einen Kurswechsel vornehmen: Er m\u00fcsse integrativ wirken, alle einbinden, auch die Araber, in Sicherheitskr\u00e4fte, Verwaltung und Politik.<\/p>\n\n\n\n

Machtmonopol m\u00fcsste von Milizen zum Staat gehen<\/h2>\n\n\n\n

Die Realit\u00e4t sieht anders aus: Ein Staat Kurdistan, der neue Optionen m\u00f6glich gemacht h\u00e4tte, auch von den Minderheiten gew\u00fcnscht worden war, ist nicht entstanden. Bagdad aber ist fern, der Zentralstaat kaum existent, und wenn, dann ist er schiitisch dominiert. Es sind Milizen, die im Nord-Irak das Geschehen bestimmen, darum rivalisieren, das Machtvakuum zu f\u00fcllen, das durch die Vertreibung des \u201eIS\u201c entstanden ist. Einst im Kampf gegen die Terroristen geeint, sind die Milizen einander heute feind.<\/p>\n\n\n\n

Allen voran die \u201eHashd ash-Shaabi\u201c, schiitisch-irakische Milizen, deren Ausbilder und Kommandeure h\u00e4ufig Iraner sind. Bagdad hat die Haschd als regul\u00e4re Kraft im Kampf gegen den \u201eIS\u201c anerkannt \u2013 obwohl Menschenrechts-Organisationen schwere Vorw\u00fcrfe gegen sie erheben. Fest steht: Die schiitischen Milizen halten D\u00f6rfer besetzt, sind in Mosul f\u00fcr ihr herrisches Auftreten und ihre Willk\u00fcr bekannt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eTats\u00e4chlich sorgen die verschiedenen bewaffneten Gruppen daf\u00fcr, dass die Fl\u00fcchtlinge nicht zur\u00fcckkehren. Und weil sie nicht zur\u00fcckkehren, gibt es auch keinen Wiederaufbau. Die Menschen haben Angst vor den Milizen \u2013 auch davor, dass die einander bek\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die \u201eHashd\u201c m\u00fcssten mithin abziehen. Und mit ihnen die anderen Milizen. Das Machtmonopol m\u00fcsste an den Staat gehen. Doch der Irak ist auch Spielball der Regionalm\u00e4chte: Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien. Sie konkurrieren um Einfluss-Sph\u00e4ren, bedienen sich dabei verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Gruppen im Irak. Deswegen werden die Hashd nicht abziehen. Derzeit sind sie von der iranisch-irakischen Grenze im Osten \u00fcber Bagdad bis hoch zur irakisch-syrischen Grenze im Norden postiert. Einheiten Teherans k\u00f6nnten demnach auf dem Landweg vom Iran bis ans Mittelmeer durchmarschieren.<\/p>\n\n\n\n

Iran und Saudi-Arabien wollen Macht vergr\u00f6\u00dfern<\/h2>\n\n\n\n

Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n

In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n

Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3703,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:24:20","post_date_gmt":"2020-08-13 21:24:20","post_content":"\n

Deutschland str\u00e4ubt sich gegen die R\u00fcckkehr seiner eigenen Staatsb\u00fcrger, die zu IS-Terroristen wurden. Dabei hat die Bundesrepublik den Terror und die Terroristen einst exportiert. Und dies geschah wissentlich, sagt der Islamwissenschaftler Fabian Goldmann.<\/p>\n\n\n\n

Wann haben Sie sich eigentlich zuletzt von deutschen Terroristen distanziert? Zum Beispiel von Robert B.? Der Ex-Bundeswehrsoldat aus Solingen hat mutma\u00dflich bei einem Selbstmordattentat Anfang 2014 50 Menschen mit in den Tod gerissen. <\/p>\n\n\n\n

Oder von Yannik N.? Der junge Freiburger steuerte wahrscheinlich im Jahr 2015 einen mit anderthalb Tonnen Sprengstoff beladenen LKW in eine Menschenmenge und nahm so Dutzenden Personen das Leben.<\/p>\n\n\n\n

Oder von Yamin A.?. Im Sommer 2015 tauchte im Netz ein Video auf, das zeigte, wie der ehemalige Telekom-Azubi aus K\u00f6nigswinter zwei gefesselten Soldaten in den Kopf schoss.
Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Deutsche T\u00e4ter, aber kaum deutsche Opfer<\/h2>\n\n\n\n

Hauptsache nicht bei uns! Dies scheint auch dieser Tage wieder die Maxime zu sein, wenn Politiker und \u00d6ffentlichkeit \u00fcber den Umgang mit deutschen Terroristen diskutieren. Von potenziellen Bedrohungen und Anschlagsgefahren in Deutschland liest man dann. Vom ganz realen Terror, den Deutsche in den vergangenen Jahren \u00fcber die Menschen in Syrien und Irak gebracht haben, h\u00f6rt man hingegen kaum. Ein Terror, der kaum deutsche Opfer aber umso mehr deutsche T\u00e4ter kannte.<\/p>\n\n\n\n

1.050 \u2013 das ist laut Bundesinnenministerium die Anzahl der Dschihadisten, die in den letzten Jahren die Bundesrepublik in Richtung Nahost verlassen hat. Es f\u00e4llt schwer, sich umgekehrtes Szenario \u00fcberhaupt auszumalen. Was w\u00e4re wohl los, h\u00e4tte es nur ein Bruchteil arabischer Terroristen geschafft, bei uns Anschl\u00e4ge zu begehen? Europas \u201eMuslim Bann\u201c? \u00dcberwachungsstaat auf NSA-Niveau?<\/p>\n\n\n\n

Die CSU st\u00fcnde wom\u00f6glich am linken Ende des politischen Spektrums, und auf Twitter w\u00fcrde Trump deutsche Migrationspolitiker zur M\u00e4\u00dfigung aufrufen. Der deutsche Terror in Nahost kommt hingegen seit Jahren ganz ohne Sondersendungen, politische Debatten und Distanzierungsforderungen aus. <\/p>\n\n\n\n

Deutsche K\u00e4mpfer waren nicht nur willenloses Kanonenfutter<\/h2>\n\n\n\n

An fehlendem Wissen liegt das nicht. Von ganzen Einheiten des IS, in denen kein einziger K\u00e4mpfer Arabisch spreche, berichten syrische, irakische und kurdische Soldaten schon seit Jahren. Von Aleppo \u00fcber Raqqa bis Mossul haben Aktivisten und Politiker immer wieder darauf hingewiesen, dass viele der schlimmsten M\u00f6rder in den Reihen des IS Europ\u00e4er sind. Interessiert hat das hier kaum jemand.<\/p>\n\n\n\n

Dabei dienten Deutsche dem Islamischen Staats nicht nur als willenloses Kanonenfutter, wie es oft dargestellt wird. Viele haben seinen Terror mitgepr\u00e4gt. Wie Martin L., der derzeit in kurdischer Haft sitzt. Der Schwei\u00dfer aus Sachsen-Anhalt soll sich vom Folterknecht bis zum Geheimdienstler mit Kontakten bis in die F\u00fchrungsspitze der Terrororganisation hochgearbeitet haben.<\/p>\n\n\n\n

Oder Reda S., Der Prediger aus Berlin-Charlottenburg soll dem IS in Mossul als Bildungsminister gedient haben. Oder der Berliner Ex-Rapper Denis Cuspert, der zu den wichtigsten Personen in der IS-Medienorganisation Al-Hayat geh\u00f6rte. Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Beh\u00f6rden wussten gut Bescheid<\/h2>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich entstand der Islamische Staat nicht in deutschen Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen. Zur deutschen Verantwortung geh\u00f6rt aber auch, dass Politiker und Beh\u00f6rden lange wegschauten, solang nur die T\u00e4ter, aber nicht die Opfer Deutsche waren. Beh\u00f6rden wissen und wussten erschreckend gut Bescheid \u00fcber die Radikalisierung deutscher Islamisten. Ein Gro\u00dfteil der sp\u00e4teren IS-K\u00e4mpfer war polizeibekannt, stand auf Gef\u00e4hrderlisten oder hatte wegen islamistischer Straftaten bereits Haftstrafen verb\u00fc\u00dft. An der Ausreise gehindert wurden sie oftmals dennoch nicht. Die Gefahr, die von deutschen Terroristen ausgeht, interessierte Politik und \u00d6ffentlichkeit erst dann wieder, als ihre Einreise drohte.<\/p>\n\n\n\n

\"Fabian
Fabian Goldmann<\/strong> ist Journalist und Islamwissenschaftler. F\u00fcr verschiedene Magazine und Zeitungen berichtete er viele Jahre aus Nahost. Zurzeit widmet er sich vor allem dem Islam diesseits des Bosporus. Auf seinem Blog Schantall und die Scharia<\/a> bloggt er \u00fcber Islamophobie in Deutschland.<\/p>\n","post_title":"Es sind unsere Terroristen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"es-sind-unsere-terroristen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3703","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3700,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:19:36","post_date_gmt":"2020-08-13 21:19:36","post_content":"\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda? Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda t<\/p>\n\n\n\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda tritt an die Stelle der 2010 verabschiedeten Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014 (siehe IP\/10\/1535<\/a>). In der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda f\u00fcr den Zeitraum 2015-2020 skizziert die Europ\u00e4ische Kommission die Strategie der Union zur Bew\u00e4ltigung der Sicherheitsbedrohungen in der EU.<\/p>\n\n\n\n

Die EU und ihre Mitgliedstaaten sind mit betr\u00e4chtlichen Sicherheitsproblemen konfrontiert. Terrorismus, organisierte Kriminalit\u00e4t und Cyberkriminalit\u00e4t stellen eine zunehmende Gefahr f\u00fcr die europ\u00e4ische Gesellschaft dar, wobei sich Art und Ausma\u00df dieser Gefahr ver\u00e4ndert hat. Europa ist mit den Auswirkungen der politischen Instabilit\u00e4t in seiner unmittelbaren Nachbarschaft konfrontiert, die die Sicherheitsinteressen der EU gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n

Im Zuge der Krisen und Konflikte in Syrien, Irak und Libyen haben sich europ\u00e4ische B\u00fcrger terroristischen Gruppen angeschlossen, die bei ihrer R\u00fcckkehr eine erhebliche Bedrohung darstellen k\u00f6nnen. Die j\u00fcngsten terroristischen Anschl\u00e4ge in Europa zeugen von der zunehmenden Bedrohung durch einen gewaltt\u00e4tigen Extremismus und zeigen, in welchem Ausma\u00df weltweite Konflikte zur Radikalisierung der europ\u00e4ischen B\u00fcrger beitragen.<\/p>\n\n\n\n

Das Online-Umfeld hat sich zunehmend als Ziel f\u00fcr Kriminelle und Terroristen entwickelt. Unabh\u00e4ngig davon, ob es um die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und die Anwerbung von Menschen f\u00fcr terroristische Organisationen geht oder die Verbreitung von Hass oder einen Angriff auf die europ\u00e4ischen Werte und Institutionen, fest steht, dass wir unsere Reaktion auf diese Bedrohungen unbedingt abstimmen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Welcher Mehrwert entsteht durch die EU im Bereich der inneren Sicherheit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Gew\u00e4hrleistung der inneren Sicherheit f\u00e4llt weiterhin in erster Linie in die Zust\u00e4ndigkeit der Mitgliedstaaten. Allerdings werden die Bedrohungen f\u00fcr Europas B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger immer vielf\u00e4ltiger und betreffen in zunehmendem Ma\u00dfe mehrere Mitgliedstaaten. Einzelne Mitgliedstaaten haben die Verantwortung, die Sicherheit an den Au\u00dfengrenzen zu gew\u00e4hrleisten, sind aber nicht mehr in der Lage, diese Herausforderungen allein zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n

Kriminelle und terroristische Aktivit\u00e4ten machen nicht an den Grenzen der EU halt und beschr\u00e4nken sich auch nicht auf Nachbarregionen. Die innere Sicherheit der EU und die globale Sicherheit sind voneinander abh\u00e4ngig und miteinander verkn\u00fcpft. Die Sicherheit der Union h\u00e4ngt in hohem Ma\u00dfe von der Zusammenarbeit mit ihren internationalen Partnern und ihren Nachbarl\u00e4ndern ab.<\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t und des Terrorismus ist eine gemeinsame europ\u00e4ische Aufgabe. Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda sollte von den Mitgliedstaaten und den EU-Organen gemeinsam als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und gemeinsame Ma\u00dfnahmen der Union genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n

Mit Hilfe der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda werden die Polizei- und Strafverfolgungsdienste in verschiedenen Mitgliedstaaten Daten effektiver austauschen und bei der Bek\u00e4mpfung der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t besser zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Die Mitgliedstaaten k\u00f6nnen auf die Unterst\u00fctzung durch die Agenturen der EU z\u00e4hlen. Insbesondere in folgenden Punkten l\u00e4sst sich mit Hilfe der Sicherheitsagenda ein EU-Mehrwert erzielen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n

A) Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und den EU-Agenturen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1<\/strong>: Das Schengener Informationssystem<\/strong> (SIS) wird von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Abfrage von Ausschreibungen von gesuchten oder vermissten Personen und Gegenst\u00e4nden genutzt. Die Kommission wird an der Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Ausschreibungskategorien arbeiten und sich daf\u00fcr einsetzen, dass das SIS zusammen mit der Interpol-Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD)<\/strong> umfassender genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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\"ImIm Juli 2017 erobert die irakische Armee Mossul zur\u00fcck. Ruinen sind zu sehen. Ein K\u00e4mpfer der IS-Miliz hat sich ergeben. (Imago \/ Carol Guzy)<\/p>\n\n\n\n

Es ist fraglich, ob die Altstadt dem Original getreu wieder aufgebaut werden kann. Bagdad will demn\u00e4chst \u2013 im Rahmen einer gro\u00dfen Wiederaufbau-Konferenz \u2013 bekannt geben, welche Pl\u00e4ne es hat. Derzeit gilt als gro\u00dfer Fortschritt, dass die Tr\u00fcmmerlandschaft in Teilen wieder begehbar ist \u2013 nachdem mit internationaler Hilfe zahllose Sprengs\u00e4tze beseitigt wurden.<\/p>\n\n\n\n

In Ost-Mossul gibt es weniger Zerst\u00f6rungen<\/h2>\n\n\n\n

J\u00fcngste Sch\u00e4tzungen der Vereinten Nationen besagen, dass es noch Jahre dauern wird, bis alle Minen ger\u00e4umt sind. Solange werden die einstigen Bewohner nicht zur\u00fcckkehren k\u00f6nnen. Manche von ihnen haben Gl\u00fcck im Ungl\u00fcck: Sie haben \u00fcberlebt und sind auf der anderen Seite des Tigris untergekommen, im Osten der Stadt. Der war schon im Januar 2017 von den Terroristen befreit worden. Erstaunlich ist: Dieser Teil Mosuls wirkt fast so, als w\u00e4re der \u201eIS\u201c niemals hier gewesen und als h\u00e4tte es keinen Krieg gegeben.<\/p>\n\n\n\n

\"ImIm Osten Mossuls gibt es weniger Zerst\u00f6rungen als im Westteil. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

Die Zerst\u00f6rungen beschr\u00e4nken sich auf strategisch-wichtige Punkte oder Geb\u00e4ude, in denen sich die Terroristen verschanzt hatten: Br\u00fccken, Moscheen, Krankenh\u00e4user. Doch im Basar herrscht fast so etwas wie Normalit\u00e4t. An St\u00e4nden kaufen Menschen ein \u2013 Obst, Gem\u00fcse, Reis und Nudeln, Backwaren. Kinder schlecken ein Eis. Abu Muhammad, ein ehemaliger Physiklehrer, erkl\u00e4rt, warum der Basar so anders ist als erwartet:<\/p>\n\n\n\n

\u201eDas Leben hatte nie aufgeh\u00f6rt in Mosul. Wir haben weitergelebt. Drei Jahre wurden wir vom \u201aIS\u2018 beherrscht, doch die normalen Leute hatten nichts damit zu tun. Daher kam der Alltag schnell zur\u00fcck. Die Soldaten sind gekommen, haben den Basar wieder aufgemacht und das Leben ging weiter.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Im Osten findet sich heute all das wieder, was die Terror-Miliz unterdr\u00fcckt hatte und bei Missachtung grausam ahndete: Musik in Restaurants und Caf\u00e9s; Sim-Karten f\u00fcr Handys; Internet; Fris\u00f6re, die Haare schneiden, B\u00e4rte stutzen oder gar abrasieren. Und doch: Trotz des lebendigen Treibens wirken Angst und Schrecken nach. Abu Muhammad, fr\u00fch ergraut, erinnert sich:<\/p>\n\n\n\n

\u201eWir haben uns gef\u00fchlt wie zwischen Leben und Tod. Irgendwo dazwischen. Sie haben vom \u201aIS\u2018 geh\u00f6rt; wir haben ihn erlebt: Wir haben erlebt, wie sie mordeten, wie sie Leute aufh\u00e4ngten, wir haben den Krieg erlebt. Wir haben alles gesehen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Mohammed stammt aus dem zerst\u00f6rten Westen der Stadt. Er wohnt heute im Osten. Verwandte haben ihn und seine Familie aufgenommen. So wie ihm ergeht es auch anderen Vertriebenen. Sie leben bei Verwandten und Freunden. Oder in einem der vielen Lager. 700.000 Menschen haben ihr Zuhause verloren \u2013 eine Zahl, die f\u00fcr West-Mosul gilt. Insgesamt gehen die Vereinten Nationen von fast sechs Millionen Menschen aus, die im Irak vor dem \u201aIS\u2018 geflohen sind \u2013 die H\u00e4lfte von ihnen bis heute fern von ihrem Zuhause.<\/p>\n\n\n\n

Binnenfl\u00fcchtlinge im Lager Khabartu<\/h2>\n\n\n\n

Zelte soweit das Auge reicht. Abertausende. Inmitten von Steppe. Das Leben der Menschen ist hart. Sie darben, frieren und verdorren \u2013 wenn im Winter der kalte Wind durch die Steppe fegt und im Sommer die Sonne niederbrennt. Doch sie harren aus, haben wenig Hoffnung auf baldige R\u00fcckkehr. Die meisten kamen 2014 \u2013 hierher, ins Lager Khabartu in Irakisch-Kurdistan.<\/p>\n\n\n\n

\"DasDas Lager Khabartu f\u00fcr irakische Binnenfl\u00fcchtlinge. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

2014, als der \u201eIS\u201c den Nord-Irak \u00fcberfiel. In einem der Zelte lebt auch die Familie von Thomas Abdallah Hammou. Thomas war auf der Flucht von seiner Familie getrennt und von den Dschihadisten verschleppt worden. Damals war er acht Jahre alt. Ein Kind. Drei Jahre blieb er in Geiselhaft, lebte in Mosul.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollten nicht, dass wir spielen. Sie mochten es nicht. Ich habe keine Schule besucht, aber sie gaben uns Koran-Unterricht. Jeden Tag.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas musste seinem eigenen, dem jesidischen Glauben abschw\u00f6ren. Weil der \u201eIS\u201c die Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c betrachtet. Und \u201eUngl\u00e4ubige\u201c, so die Auffassung der Terroristen, m\u00fcssen zwangsbekehrt werden. Oder get\u00f6tet. Die Terroristen hatten dementsprechend die Jesiden entweder an Ort und Stelle ermordet, die meisten im Sinjar, im alten Siedlungsgebiet der Jesiden im Nord-Irak. Tausende. 47 Massengr\u00e4ber sollen mittlerweile gefunden worden sein. Oder aber die Terroristen lie\u00dfen die Jesiden am Leben und nahmen sie in Geiselhaft. Sie machten aus ihnen Sexsklavinnen oder sie bildeten sie aus \u2013 zu Selbstmordattent\u00e4tern. Wie Thomas.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie haben uns st\u00e4ndig geschlagen. Wir mussten Schie\u00dfen \u00fcben. Zwei meiner Freunde haben sich in die Luft gesprengt. Sie sind zum Training. Doch sie kamen nicht zur\u00fcck. Ich war nicht traurig. Sie wollten sich ja in die Luft sprengen. Die \u201aIS\u2018-Leute hatten es nicht von ihnen verlangt. Sie sind freiwillig gegangen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas hat heute einen modernen Haarschnitt; der Nacken ist ausrasiert; der lange Pony in die Stirn gek\u00e4mmt. Im Sommer sah er noch anders aus, kurz nachdem Mosul befreit worden war. Bei einem Luftangriff der Anti-\u201eIS\u201c-Koalition wurde Thomas schwer verletzt aus Tr\u00fcmmern geborgen, dann operiert.<\/p>\n\n\n\n

\"ThomasThomas erholt sich von drei Jahren IS-Gefangenschaft. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

Arbeit mit \u201eDschihadisten-Kindern\u201c<\/h2>\n\n\n\n

Die \u00e4u\u00dferen Wunden sind heute verheilt. Doch wie sieht es aus mit den inneren, den seelischen Verletzungen? Thomas wurde von seiner Familie aufgenommen und bekommt Hilfe. Andere Kinder konnten nicht aufgefangen werden. Bis heute betrachten sie Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c \u2013 so wie es ihnen in der Geiselhaft eingeh\u00e4mmert wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie sind eine gro\u00dfe Gefahr f\u00fcr andere Kinder. Sie leben in Lagern, in einem Zelt, auf sechs mal vier Metern, oder noch weniger! Acht Geschwister, sie spielen zusammen, reden, sie indoktrinieren die anderen! Das ist ein Problem, das wir nicht l\u00f6sen k\u00f6nnen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Sara Hassan ist Sozialarbeiterin. Sie arbeitet in den Lagern, versucht M\u00e4dchen und Frauen, die jahrelang in Geiselhaft vergewaltigt wurden, zu helfen. Unz\u00e4hlige hatte der \u201eIS\u201c einst entf\u00fchrt. Sara arbeitet auch mit den sogenannten \u201eDschihadisten-Kindern\u201c. Sie erz\u00e4hlt, wie \u00fcberfordert alle seien: die Familien, die jesidische Gemeinschaft, die Gesellschaft des Nord-Irak.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIn einem anderen Fall hat sich die Familie am Ende an die Sicherheitskr\u00e4fte gewandt. Doch die wussten auch nicht, wie sie damit umgehen sollten. Monate lang hat die Familie versucht, den Jungen umzuerziehen, zusammen mit Sozialarbeitern. Aber noch immer sehen wir den Hass in seinen Augen \u2013 gegen\u00fcber Kurden, Christen und Jesiden. Als blicke man in die Augen eines IS-Terroristen. Das ist das Problem.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Die Jesiden k\u00f6nnen \u00fcber ihre vom \u201eIS\u201c indoktrinierten Kinder sprechen. Denn niemand zweifelt daran, dass sie Opfer der Tyrannei wurden. Bei den sunnitischen Arabern sieht das anders aus. Da sie derselben Religionsgruppe angeh\u00f6ren wie formal auch die Terroristen, stehen sie unter Generalverdacht, mit dem \u201eIS\u201c gemeinsame Sache gemacht zu haben. Sunnitische Araber trauen sich daher nicht, die Probleme ihrer Kinder \u00f6ffentlich zu machen \u2013 auch wenn sie selbst nichts mit dem \u201eIS\u201c zu tun hatten.<\/p>\n\n\n\n

Unklar ist, wie viele Kinder und Jugendliche im Irak und in Syrien zu Terroristen ausgebildet wurden, dabei noch in Geiselhaft sind oder bereits als \u201eSchl\u00e4fer\u201c darauf warten, zum Einsatz zu kommen. Sie gleichen \u201etickenden Zeitbomben\u201c, die jederzeit explodieren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

Minderheiten haben Angst vor \u201eIS\u201c-Nachfolgern<\/h2>\n\n\n\n

Kamaran Palani spricht davon, dass viele Menschen immer noch gehen wollen, obwohl der \u201eIS\u201c als staats\u00e4hnliches Gebilde nicht mehr besteht. Seine Saat aber, so der Politikwissenschaftler, sei aufgegangen.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollen einfach nicht in diesem Land bleiben. Der IS hat sie dazu gebracht. Jeder hat heute Angst, dass eine andere Organisation kommen wird, Terroristen, die dasselbe anrichten wie zuvor.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Palani forscht am \u201eMiddle East Research Institute\u201c, das seinen Sitz in Erbil hat, der Hauptstadt von Irakisch-Kurdistan. <\/p>\n\n\n\n

\u201e60 bis 65 Prozent der Christen wollen gehen. Das Gleiche gilt f\u00fcr andere Minderheiten: f\u00fcr Jesiden, Schabaks, Turkmenen, Kakais.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

\u201eWir werden niemals wieder mit den Arabern zusammenleben k\u00f6nnen!\u201c \u2013 ein Satz, der heute h\u00e4ufig im Nord-Irak zu h\u00f6ren ist. Gemeint sind die Iraker, die Sunniten und Araber sind \u2013 die einstmals Nachbarn von Jesiden, Christen und Kurden waren \u2013 mit denen man Handel trieb und Hochzeiten feierte, die auch Freunde waren.<\/p>\n\n\n\n

Der Irak ist eine multi-ethnische und multi-religi\u00f6se Gesellschaft, in der die Schiiten die Mehrheit stellen. \u00dcber Jahrhunderte aber hatten die sunnitischen Araber das Sagen, sie missbrauchten die Macht, errichteten ein Schreckensregime \u2013 bis 2003, als Diktator Saddam Hussein von den USA gest\u00fcrzt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c entstand aus Widerstand gegen Schiiten-Herrschaft<\/h2>\n\n\n\n

Jetzt wurde der Spie\u00df umgedreht. Die Amerikaner sorgten daf\u00fcr, dass die Sunniten jegliche Machtposition verloren \u2013 so wurde die irakische Armee, wurde die baathistische Partei aufgel\u00f6st \u2013 ohne ein Pendant zu schaffen, das alle integrierte. Und: Washington unterst\u00fctzte Regierungschef Nouri al-Maliki, einen Schiiten. Maliki sah eine historische Chance gekommen, diskriminierte nun seinerseits seine sunnitischen Landsleute, verwehrte ihnen im \u201eNeuen Irak\u201c die Mitsprache. Im Regime Malikis wurden Sunniten inhaftiert, gefoltert und umgebracht.<\/p>\n\n\n\n

Was viele in den Widerstand trieb. Einige schlossen sich der Terror-Organisation \u201eAl-Qaida\u201c an, unter ihnen f\u00fchrende Milit\u00e4rs der aufgel\u00f6sten Armee Saddam Husseins \u2013 und aus \u201eAl-Qaida\u201c ging sp\u00e4ter der \u201eIS\u201c hervor.<\/p>\n\n\n\n

Als der \u201eIS\u201c dann im Sommer 2014 fast ohne Gegenwehr weite Landstriche in Syrien und im Irak \u00fcberrannte und seinen \u201eStaat\u201c ausrief, sahen auch gew\u00f6hnliche sunnitische Araber einen Wechsel nahen. Viele machten gemeinsame Sache mit den Terroristen, verhinderten die Flucht jesidischer Nachbarn, lieferten sie ihren Schl\u00e4chtern aus. Kamaran Palani:<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c-K\u00e4mpfer haben gesagt, es gehe darum, die W\u00fcrde der sunnitischen Araber wiederherzustellen. Ihre Macht. Ihre Geschichte. Tats\u00e4chlich konnten es die Araber nicht hinnehmen, dass sie ins Abseits gedr\u00e4ngt wurden. Und ich denke, dass sie auch in Zukunft so handeln werden. Wann immer sich die Gelegenheit bietet: Sie werden alles hinter sich lassen \u2013 sich nur darauf konzentrieren.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Misstrauen. Auch bei einem Politikwissenschaftler. Was also tun? Zerst\u00f6rte St\u00e4dte und D\u00f6rfer k\u00f6nnten wieder aufgebaut werden \u2013 wenn denn ein gemeinsamer Wille best\u00fcnde. Doch was, wenn es einen solchen gemeinsamen Willen gar nicht gibt? Wenn Schmerz und Trauer anhalten, wenn die Verbrechen von Terroristen und Helfershelfern nicht geahndet werden, wenn Angst umgeht, Misstrauen und Hass das Miteinander bestimmen.<\/p>\n\n\n\n

\"SyrischeSoldaten in der irakischen Stadt Sindschar nach der R\u00fcckeroberung von der IS-Miliz Ende 2015. (dpa \/ MAXPPP \/ Arnaud Dumontier)<\/p>\n\n\n\n

Kamaran Palani stammt aus der Stadt Makhmour. Drei Tage nur sei der \u201eIS\u201c dort gewesen, sagt er, doch diese Tage h\u00e4tten alles ver\u00e4ndert. Der \u201eIS\u201c habe die Menschen in seiner Heimatstadt verrohen lassen, meint er, das Verh\u00e4ltnis zwischen Kurden und Arabern sei heute tot. Eine R\u00fcckkehr in alte Zeiten h\u00e4lt Palani f\u00fcr falsch.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch denke, es w\u00e4re nicht einfach, in das Jahr 2014 \u2013 also in die Zeit vor dem \u201aIS\u2018 \u2013 zur\u00fcckzukehren. Vor allem aber w\u00e4re es nicht die richtige Politik. Denn eben die hat ja erst zum Aufkommen, zur Existenz des \u201aIS\u2018 gef\u00fchrt.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n


Wie also in Ruinen Neues schaffen? Der Staat muss das Gewaltmonopol zur\u00fcckerlangen, fordert der Politikwissenschaftler. F\u00fcr ihn steht das an erster Stelle. Und dann m\u00fcsse der Staat dringend einen Kurswechsel vornehmen: Er m\u00fcsse integrativ wirken, alle einbinden, auch die Araber, in Sicherheitskr\u00e4fte, Verwaltung und Politik.<\/p>\n\n\n\n

Machtmonopol m\u00fcsste von Milizen zum Staat gehen<\/h2>\n\n\n\n

Die Realit\u00e4t sieht anders aus: Ein Staat Kurdistan, der neue Optionen m\u00f6glich gemacht h\u00e4tte, auch von den Minderheiten gew\u00fcnscht worden war, ist nicht entstanden. Bagdad aber ist fern, der Zentralstaat kaum existent, und wenn, dann ist er schiitisch dominiert. Es sind Milizen, die im Nord-Irak das Geschehen bestimmen, darum rivalisieren, das Machtvakuum zu f\u00fcllen, das durch die Vertreibung des \u201eIS\u201c entstanden ist. Einst im Kampf gegen die Terroristen geeint, sind die Milizen einander heute feind.<\/p>\n\n\n\n

Allen voran die \u201eHashd ash-Shaabi\u201c, schiitisch-irakische Milizen, deren Ausbilder und Kommandeure h\u00e4ufig Iraner sind. Bagdad hat die Haschd als regul\u00e4re Kraft im Kampf gegen den \u201eIS\u201c anerkannt \u2013 obwohl Menschenrechts-Organisationen schwere Vorw\u00fcrfe gegen sie erheben. Fest steht: Die schiitischen Milizen halten D\u00f6rfer besetzt, sind in Mosul f\u00fcr ihr herrisches Auftreten und ihre Willk\u00fcr bekannt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eTats\u00e4chlich sorgen die verschiedenen bewaffneten Gruppen daf\u00fcr, dass die Fl\u00fcchtlinge nicht zur\u00fcckkehren. Und weil sie nicht zur\u00fcckkehren, gibt es auch keinen Wiederaufbau. Die Menschen haben Angst vor den Milizen \u2013 auch davor, dass die einander bek\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die \u201eHashd\u201c m\u00fcssten mithin abziehen. Und mit ihnen die anderen Milizen. Das Machtmonopol m\u00fcsste an den Staat gehen. Doch der Irak ist auch Spielball der Regionalm\u00e4chte: Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien. Sie konkurrieren um Einfluss-Sph\u00e4ren, bedienen sich dabei verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Gruppen im Irak. Deswegen werden die Hashd nicht abziehen. Derzeit sind sie von der iranisch-irakischen Grenze im Osten \u00fcber Bagdad bis hoch zur irakisch-syrischen Grenze im Norden postiert. Einheiten Teherans k\u00f6nnten demnach auf dem Landweg vom Iran bis ans Mittelmeer durchmarschieren.<\/p>\n\n\n\n

Iran und Saudi-Arabien wollen Macht vergr\u00f6\u00dfern<\/h2>\n\n\n\n

Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n

In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n

Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3703,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:24:20","post_date_gmt":"2020-08-13 21:24:20","post_content":"\n

Deutschland str\u00e4ubt sich gegen die R\u00fcckkehr seiner eigenen Staatsb\u00fcrger, die zu IS-Terroristen wurden. Dabei hat die Bundesrepublik den Terror und die Terroristen einst exportiert. Und dies geschah wissentlich, sagt der Islamwissenschaftler Fabian Goldmann.<\/p>\n\n\n\n

Wann haben Sie sich eigentlich zuletzt von deutschen Terroristen distanziert? Zum Beispiel von Robert B.? Der Ex-Bundeswehrsoldat aus Solingen hat mutma\u00dflich bei einem Selbstmordattentat Anfang 2014 50 Menschen mit in den Tod gerissen. <\/p>\n\n\n\n

Oder von Yannik N.? Der junge Freiburger steuerte wahrscheinlich im Jahr 2015 einen mit anderthalb Tonnen Sprengstoff beladenen LKW in eine Menschenmenge und nahm so Dutzenden Personen das Leben.<\/p>\n\n\n\n

Oder von Yamin A.?. Im Sommer 2015 tauchte im Netz ein Video auf, das zeigte, wie der ehemalige Telekom-Azubi aus K\u00f6nigswinter zwei gefesselten Soldaten in den Kopf schoss.
Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Deutsche T\u00e4ter, aber kaum deutsche Opfer<\/h2>\n\n\n\n

Hauptsache nicht bei uns! Dies scheint auch dieser Tage wieder die Maxime zu sein, wenn Politiker und \u00d6ffentlichkeit \u00fcber den Umgang mit deutschen Terroristen diskutieren. Von potenziellen Bedrohungen und Anschlagsgefahren in Deutschland liest man dann. Vom ganz realen Terror, den Deutsche in den vergangenen Jahren \u00fcber die Menschen in Syrien und Irak gebracht haben, h\u00f6rt man hingegen kaum. Ein Terror, der kaum deutsche Opfer aber umso mehr deutsche T\u00e4ter kannte.<\/p>\n\n\n\n

1.050 \u2013 das ist laut Bundesinnenministerium die Anzahl der Dschihadisten, die in den letzten Jahren die Bundesrepublik in Richtung Nahost verlassen hat. Es f\u00e4llt schwer, sich umgekehrtes Szenario \u00fcberhaupt auszumalen. Was w\u00e4re wohl los, h\u00e4tte es nur ein Bruchteil arabischer Terroristen geschafft, bei uns Anschl\u00e4ge zu begehen? Europas \u201eMuslim Bann\u201c? \u00dcberwachungsstaat auf NSA-Niveau?<\/p>\n\n\n\n

Die CSU st\u00fcnde wom\u00f6glich am linken Ende des politischen Spektrums, und auf Twitter w\u00fcrde Trump deutsche Migrationspolitiker zur M\u00e4\u00dfigung aufrufen. Der deutsche Terror in Nahost kommt hingegen seit Jahren ganz ohne Sondersendungen, politische Debatten und Distanzierungsforderungen aus. <\/p>\n\n\n\n

Deutsche K\u00e4mpfer waren nicht nur willenloses Kanonenfutter<\/h2>\n\n\n\n

An fehlendem Wissen liegt das nicht. Von ganzen Einheiten des IS, in denen kein einziger K\u00e4mpfer Arabisch spreche, berichten syrische, irakische und kurdische Soldaten schon seit Jahren. Von Aleppo \u00fcber Raqqa bis Mossul haben Aktivisten und Politiker immer wieder darauf hingewiesen, dass viele der schlimmsten M\u00f6rder in den Reihen des IS Europ\u00e4er sind. Interessiert hat das hier kaum jemand.<\/p>\n\n\n\n

Dabei dienten Deutsche dem Islamischen Staats nicht nur als willenloses Kanonenfutter, wie es oft dargestellt wird. Viele haben seinen Terror mitgepr\u00e4gt. Wie Martin L., der derzeit in kurdischer Haft sitzt. Der Schwei\u00dfer aus Sachsen-Anhalt soll sich vom Folterknecht bis zum Geheimdienstler mit Kontakten bis in die F\u00fchrungsspitze der Terrororganisation hochgearbeitet haben.<\/p>\n\n\n\n

Oder Reda S., Der Prediger aus Berlin-Charlottenburg soll dem IS in Mossul als Bildungsminister gedient haben. Oder der Berliner Ex-Rapper Denis Cuspert, der zu den wichtigsten Personen in der IS-Medienorganisation Al-Hayat geh\u00f6rte. Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Beh\u00f6rden wussten gut Bescheid<\/h2>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich entstand der Islamische Staat nicht in deutschen Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen. Zur deutschen Verantwortung geh\u00f6rt aber auch, dass Politiker und Beh\u00f6rden lange wegschauten, solang nur die T\u00e4ter, aber nicht die Opfer Deutsche waren. Beh\u00f6rden wissen und wussten erschreckend gut Bescheid \u00fcber die Radikalisierung deutscher Islamisten. Ein Gro\u00dfteil der sp\u00e4teren IS-K\u00e4mpfer war polizeibekannt, stand auf Gef\u00e4hrderlisten oder hatte wegen islamistischer Straftaten bereits Haftstrafen verb\u00fc\u00dft. An der Ausreise gehindert wurden sie oftmals dennoch nicht. Die Gefahr, die von deutschen Terroristen ausgeht, interessierte Politik und \u00d6ffentlichkeit erst dann wieder, als ihre Einreise drohte.<\/p>\n\n\n\n

\"Fabian
Fabian Goldmann<\/strong> ist Journalist und Islamwissenschaftler. F\u00fcr verschiedene Magazine und Zeitungen berichtete er viele Jahre aus Nahost. Zurzeit widmet er sich vor allem dem Islam diesseits des Bosporus. Auf seinem Blog Schantall und die Scharia<\/a> bloggt er \u00fcber Islamophobie in Deutschland.<\/p>\n","post_title":"Es sind unsere Terroristen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"es-sind-unsere-terroristen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3703","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3700,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:19:36","post_date_gmt":"2020-08-13 21:19:36","post_content":"\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda? Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda t<\/p>\n\n\n\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda tritt an die Stelle der 2010 verabschiedeten Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014 (siehe IP\/10\/1535<\/a>). In der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda f\u00fcr den Zeitraum 2015-2020 skizziert die Europ\u00e4ische Kommission die Strategie der Union zur Bew\u00e4ltigung der Sicherheitsbedrohungen in der EU.<\/p>\n\n\n\n

Die EU und ihre Mitgliedstaaten sind mit betr\u00e4chtlichen Sicherheitsproblemen konfrontiert. Terrorismus, organisierte Kriminalit\u00e4t und Cyberkriminalit\u00e4t stellen eine zunehmende Gefahr f\u00fcr die europ\u00e4ische Gesellschaft dar, wobei sich Art und Ausma\u00df dieser Gefahr ver\u00e4ndert hat. Europa ist mit den Auswirkungen der politischen Instabilit\u00e4t in seiner unmittelbaren Nachbarschaft konfrontiert, die die Sicherheitsinteressen der EU gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n

Im Zuge der Krisen und Konflikte in Syrien, Irak und Libyen haben sich europ\u00e4ische B\u00fcrger terroristischen Gruppen angeschlossen, die bei ihrer R\u00fcckkehr eine erhebliche Bedrohung darstellen k\u00f6nnen. Die j\u00fcngsten terroristischen Anschl\u00e4ge in Europa zeugen von der zunehmenden Bedrohung durch einen gewaltt\u00e4tigen Extremismus und zeigen, in welchem Ausma\u00df weltweite Konflikte zur Radikalisierung der europ\u00e4ischen B\u00fcrger beitragen.<\/p>\n\n\n\n

Das Online-Umfeld hat sich zunehmend als Ziel f\u00fcr Kriminelle und Terroristen entwickelt. Unabh\u00e4ngig davon, ob es um die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und die Anwerbung von Menschen f\u00fcr terroristische Organisationen geht oder die Verbreitung von Hass oder einen Angriff auf die europ\u00e4ischen Werte und Institutionen, fest steht, dass wir unsere Reaktion auf diese Bedrohungen unbedingt abstimmen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Welcher Mehrwert entsteht durch die EU im Bereich der inneren Sicherheit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Gew\u00e4hrleistung der inneren Sicherheit f\u00e4llt weiterhin in erster Linie in die Zust\u00e4ndigkeit der Mitgliedstaaten. Allerdings werden die Bedrohungen f\u00fcr Europas B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger immer vielf\u00e4ltiger und betreffen in zunehmendem Ma\u00dfe mehrere Mitgliedstaaten. Einzelne Mitgliedstaaten haben die Verantwortung, die Sicherheit an den Au\u00dfengrenzen zu gew\u00e4hrleisten, sind aber nicht mehr in der Lage, diese Herausforderungen allein zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n

Kriminelle und terroristische Aktivit\u00e4ten machen nicht an den Grenzen der EU halt und beschr\u00e4nken sich auch nicht auf Nachbarregionen. Die innere Sicherheit der EU und die globale Sicherheit sind voneinander abh\u00e4ngig und miteinander verkn\u00fcpft. Die Sicherheit der Union h\u00e4ngt in hohem Ma\u00dfe von der Zusammenarbeit mit ihren internationalen Partnern und ihren Nachbarl\u00e4ndern ab.<\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t und des Terrorismus ist eine gemeinsame europ\u00e4ische Aufgabe. Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda sollte von den Mitgliedstaaten und den EU-Organen gemeinsam als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und gemeinsame Ma\u00dfnahmen der Union genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n

Mit Hilfe der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda werden die Polizei- und Strafverfolgungsdienste in verschiedenen Mitgliedstaaten Daten effektiver austauschen und bei der Bek\u00e4mpfung der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t besser zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Die Mitgliedstaaten k\u00f6nnen auf die Unterst\u00fctzung durch die Agenturen der EU z\u00e4hlen. Insbesondere in folgenden Punkten l\u00e4sst sich mit Hilfe der Sicherheitsagenda ein EU-Mehrwert erzielen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n

A) Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und den EU-Agenturen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1<\/strong>: Das Schengener Informationssystem<\/strong> (SIS) wird von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Abfrage von Ausschreibungen von gesuchten oder vermissten Personen und Gegenst\u00e4nden genutzt. Die Kommission wird an der Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Ausschreibungskategorien arbeiten und sich daf\u00fcr einsetzen, dass das SIS zusammen mit der Interpol-Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD)<\/strong> umfassender genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Die Nouri-Moschee, von deren Kanzel Abu Bakr al-Baghdadi im Juli 2014 sein Kalifat ausrief, hatte die IS-Miliz auf ihrem R\u00fcckzug vorsorglich selbst in die Luft gesprengt, um den Gegnern diesen besonderen Triumph zu verwehren.<\/p>\n\n\n\n

\"ImIm Juli 2017 erobert die irakische Armee Mossul zur\u00fcck. Ruinen sind zu sehen. Ein K\u00e4mpfer der IS-Miliz hat sich ergeben. (Imago \/ Carol Guzy)<\/p>\n\n\n\n

Es ist fraglich, ob die Altstadt dem Original getreu wieder aufgebaut werden kann. Bagdad will demn\u00e4chst \u2013 im Rahmen einer gro\u00dfen Wiederaufbau-Konferenz \u2013 bekannt geben, welche Pl\u00e4ne es hat. Derzeit gilt als gro\u00dfer Fortschritt, dass die Tr\u00fcmmerlandschaft in Teilen wieder begehbar ist \u2013 nachdem mit internationaler Hilfe zahllose Sprengs\u00e4tze beseitigt wurden.<\/p>\n\n\n\n

In Ost-Mossul gibt es weniger Zerst\u00f6rungen<\/h2>\n\n\n\n

J\u00fcngste Sch\u00e4tzungen der Vereinten Nationen besagen, dass es noch Jahre dauern wird, bis alle Minen ger\u00e4umt sind. Solange werden die einstigen Bewohner nicht zur\u00fcckkehren k\u00f6nnen. Manche von ihnen haben Gl\u00fcck im Ungl\u00fcck: Sie haben \u00fcberlebt und sind auf der anderen Seite des Tigris untergekommen, im Osten der Stadt. Der war schon im Januar 2017 von den Terroristen befreit worden. Erstaunlich ist: Dieser Teil Mosuls wirkt fast so, als w\u00e4re der \u201eIS\u201c niemals hier gewesen und als h\u00e4tte es keinen Krieg gegeben.<\/p>\n\n\n\n

\"ImIm Osten Mossuls gibt es weniger Zerst\u00f6rungen als im Westteil. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

Die Zerst\u00f6rungen beschr\u00e4nken sich auf strategisch-wichtige Punkte oder Geb\u00e4ude, in denen sich die Terroristen verschanzt hatten: Br\u00fccken, Moscheen, Krankenh\u00e4user. Doch im Basar herrscht fast so etwas wie Normalit\u00e4t. An St\u00e4nden kaufen Menschen ein \u2013 Obst, Gem\u00fcse, Reis und Nudeln, Backwaren. Kinder schlecken ein Eis. Abu Muhammad, ein ehemaliger Physiklehrer, erkl\u00e4rt, warum der Basar so anders ist als erwartet:<\/p>\n\n\n\n

\u201eDas Leben hatte nie aufgeh\u00f6rt in Mosul. Wir haben weitergelebt. Drei Jahre wurden wir vom \u201aIS\u2018 beherrscht, doch die normalen Leute hatten nichts damit zu tun. Daher kam der Alltag schnell zur\u00fcck. Die Soldaten sind gekommen, haben den Basar wieder aufgemacht und das Leben ging weiter.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Im Osten findet sich heute all das wieder, was die Terror-Miliz unterdr\u00fcckt hatte und bei Missachtung grausam ahndete: Musik in Restaurants und Caf\u00e9s; Sim-Karten f\u00fcr Handys; Internet; Fris\u00f6re, die Haare schneiden, B\u00e4rte stutzen oder gar abrasieren. Und doch: Trotz des lebendigen Treibens wirken Angst und Schrecken nach. Abu Muhammad, fr\u00fch ergraut, erinnert sich:<\/p>\n\n\n\n

\u201eWir haben uns gef\u00fchlt wie zwischen Leben und Tod. Irgendwo dazwischen. Sie haben vom \u201aIS\u2018 geh\u00f6rt; wir haben ihn erlebt: Wir haben erlebt, wie sie mordeten, wie sie Leute aufh\u00e4ngten, wir haben den Krieg erlebt. Wir haben alles gesehen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Mohammed stammt aus dem zerst\u00f6rten Westen der Stadt. Er wohnt heute im Osten. Verwandte haben ihn und seine Familie aufgenommen. So wie ihm ergeht es auch anderen Vertriebenen. Sie leben bei Verwandten und Freunden. Oder in einem der vielen Lager. 700.000 Menschen haben ihr Zuhause verloren \u2013 eine Zahl, die f\u00fcr West-Mosul gilt. Insgesamt gehen die Vereinten Nationen von fast sechs Millionen Menschen aus, die im Irak vor dem \u201aIS\u2018 geflohen sind \u2013 die H\u00e4lfte von ihnen bis heute fern von ihrem Zuhause.<\/p>\n\n\n\n

Binnenfl\u00fcchtlinge im Lager Khabartu<\/h2>\n\n\n\n

Zelte soweit das Auge reicht. Abertausende. Inmitten von Steppe. Das Leben der Menschen ist hart. Sie darben, frieren und verdorren \u2013 wenn im Winter der kalte Wind durch die Steppe fegt und im Sommer die Sonne niederbrennt. Doch sie harren aus, haben wenig Hoffnung auf baldige R\u00fcckkehr. Die meisten kamen 2014 \u2013 hierher, ins Lager Khabartu in Irakisch-Kurdistan.<\/p>\n\n\n\n

\"DasDas Lager Khabartu f\u00fcr irakische Binnenfl\u00fcchtlinge. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

2014, als der \u201eIS\u201c den Nord-Irak \u00fcberfiel. In einem der Zelte lebt auch die Familie von Thomas Abdallah Hammou. Thomas war auf der Flucht von seiner Familie getrennt und von den Dschihadisten verschleppt worden. Damals war er acht Jahre alt. Ein Kind. Drei Jahre blieb er in Geiselhaft, lebte in Mosul.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollten nicht, dass wir spielen. Sie mochten es nicht. Ich habe keine Schule besucht, aber sie gaben uns Koran-Unterricht. Jeden Tag.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas musste seinem eigenen, dem jesidischen Glauben abschw\u00f6ren. Weil der \u201eIS\u201c die Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c betrachtet. Und \u201eUngl\u00e4ubige\u201c, so die Auffassung der Terroristen, m\u00fcssen zwangsbekehrt werden. Oder get\u00f6tet. Die Terroristen hatten dementsprechend die Jesiden entweder an Ort und Stelle ermordet, die meisten im Sinjar, im alten Siedlungsgebiet der Jesiden im Nord-Irak. Tausende. 47 Massengr\u00e4ber sollen mittlerweile gefunden worden sein. Oder aber die Terroristen lie\u00dfen die Jesiden am Leben und nahmen sie in Geiselhaft. Sie machten aus ihnen Sexsklavinnen oder sie bildeten sie aus \u2013 zu Selbstmordattent\u00e4tern. Wie Thomas.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie haben uns st\u00e4ndig geschlagen. Wir mussten Schie\u00dfen \u00fcben. Zwei meiner Freunde haben sich in die Luft gesprengt. Sie sind zum Training. Doch sie kamen nicht zur\u00fcck. Ich war nicht traurig. Sie wollten sich ja in die Luft sprengen. Die \u201aIS\u2018-Leute hatten es nicht von ihnen verlangt. Sie sind freiwillig gegangen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas hat heute einen modernen Haarschnitt; der Nacken ist ausrasiert; der lange Pony in die Stirn gek\u00e4mmt. Im Sommer sah er noch anders aus, kurz nachdem Mosul befreit worden war. Bei einem Luftangriff der Anti-\u201eIS\u201c-Koalition wurde Thomas schwer verletzt aus Tr\u00fcmmern geborgen, dann operiert.<\/p>\n\n\n\n

\"ThomasThomas erholt sich von drei Jahren IS-Gefangenschaft. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

Arbeit mit \u201eDschihadisten-Kindern\u201c<\/h2>\n\n\n\n

Die \u00e4u\u00dferen Wunden sind heute verheilt. Doch wie sieht es aus mit den inneren, den seelischen Verletzungen? Thomas wurde von seiner Familie aufgenommen und bekommt Hilfe. Andere Kinder konnten nicht aufgefangen werden. Bis heute betrachten sie Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c \u2013 so wie es ihnen in der Geiselhaft eingeh\u00e4mmert wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie sind eine gro\u00dfe Gefahr f\u00fcr andere Kinder. Sie leben in Lagern, in einem Zelt, auf sechs mal vier Metern, oder noch weniger! Acht Geschwister, sie spielen zusammen, reden, sie indoktrinieren die anderen! Das ist ein Problem, das wir nicht l\u00f6sen k\u00f6nnen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Sara Hassan ist Sozialarbeiterin. Sie arbeitet in den Lagern, versucht M\u00e4dchen und Frauen, die jahrelang in Geiselhaft vergewaltigt wurden, zu helfen. Unz\u00e4hlige hatte der \u201eIS\u201c einst entf\u00fchrt. Sara arbeitet auch mit den sogenannten \u201eDschihadisten-Kindern\u201c. Sie erz\u00e4hlt, wie \u00fcberfordert alle seien: die Familien, die jesidische Gemeinschaft, die Gesellschaft des Nord-Irak.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIn einem anderen Fall hat sich die Familie am Ende an die Sicherheitskr\u00e4fte gewandt. Doch die wussten auch nicht, wie sie damit umgehen sollten. Monate lang hat die Familie versucht, den Jungen umzuerziehen, zusammen mit Sozialarbeitern. Aber noch immer sehen wir den Hass in seinen Augen \u2013 gegen\u00fcber Kurden, Christen und Jesiden. Als blicke man in die Augen eines IS-Terroristen. Das ist das Problem.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Die Jesiden k\u00f6nnen \u00fcber ihre vom \u201eIS\u201c indoktrinierten Kinder sprechen. Denn niemand zweifelt daran, dass sie Opfer der Tyrannei wurden. Bei den sunnitischen Arabern sieht das anders aus. Da sie derselben Religionsgruppe angeh\u00f6ren wie formal auch die Terroristen, stehen sie unter Generalverdacht, mit dem \u201eIS\u201c gemeinsame Sache gemacht zu haben. Sunnitische Araber trauen sich daher nicht, die Probleme ihrer Kinder \u00f6ffentlich zu machen \u2013 auch wenn sie selbst nichts mit dem \u201eIS\u201c zu tun hatten.<\/p>\n\n\n\n

Unklar ist, wie viele Kinder und Jugendliche im Irak und in Syrien zu Terroristen ausgebildet wurden, dabei noch in Geiselhaft sind oder bereits als \u201eSchl\u00e4fer\u201c darauf warten, zum Einsatz zu kommen. Sie gleichen \u201etickenden Zeitbomben\u201c, die jederzeit explodieren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

Minderheiten haben Angst vor \u201eIS\u201c-Nachfolgern<\/h2>\n\n\n\n

Kamaran Palani spricht davon, dass viele Menschen immer noch gehen wollen, obwohl der \u201eIS\u201c als staats\u00e4hnliches Gebilde nicht mehr besteht. Seine Saat aber, so der Politikwissenschaftler, sei aufgegangen.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollen einfach nicht in diesem Land bleiben. Der IS hat sie dazu gebracht. Jeder hat heute Angst, dass eine andere Organisation kommen wird, Terroristen, die dasselbe anrichten wie zuvor.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Palani forscht am \u201eMiddle East Research Institute\u201c, das seinen Sitz in Erbil hat, der Hauptstadt von Irakisch-Kurdistan. <\/p>\n\n\n\n

\u201e60 bis 65 Prozent der Christen wollen gehen. Das Gleiche gilt f\u00fcr andere Minderheiten: f\u00fcr Jesiden, Schabaks, Turkmenen, Kakais.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

\u201eWir werden niemals wieder mit den Arabern zusammenleben k\u00f6nnen!\u201c \u2013 ein Satz, der heute h\u00e4ufig im Nord-Irak zu h\u00f6ren ist. Gemeint sind die Iraker, die Sunniten und Araber sind \u2013 die einstmals Nachbarn von Jesiden, Christen und Kurden waren \u2013 mit denen man Handel trieb und Hochzeiten feierte, die auch Freunde waren.<\/p>\n\n\n\n

Der Irak ist eine multi-ethnische und multi-religi\u00f6se Gesellschaft, in der die Schiiten die Mehrheit stellen. \u00dcber Jahrhunderte aber hatten die sunnitischen Araber das Sagen, sie missbrauchten die Macht, errichteten ein Schreckensregime \u2013 bis 2003, als Diktator Saddam Hussein von den USA gest\u00fcrzt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c entstand aus Widerstand gegen Schiiten-Herrschaft<\/h2>\n\n\n\n

Jetzt wurde der Spie\u00df umgedreht. Die Amerikaner sorgten daf\u00fcr, dass die Sunniten jegliche Machtposition verloren \u2013 so wurde die irakische Armee, wurde die baathistische Partei aufgel\u00f6st \u2013 ohne ein Pendant zu schaffen, das alle integrierte. Und: Washington unterst\u00fctzte Regierungschef Nouri al-Maliki, einen Schiiten. Maliki sah eine historische Chance gekommen, diskriminierte nun seinerseits seine sunnitischen Landsleute, verwehrte ihnen im \u201eNeuen Irak\u201c die Mitsprache. Im Regime Malikis wurden Sunniten inhaftiert, gefoltert und umgebracht.<\/p>\n\n\n\n

Was viele in den Widerstand trieb. Einige schlossen sich der Terror-Organisation \u201eAl-Qaida\u201c an, unter ihnen f\u00fchrende Milit\u00e4rs der aufgel\u00f6sten Armee Saddam Husseins \u2013 und aus \u201eAl-Qaida\u201c ging sp\u00e4ter der \u201eIS\u201c hervor.<\/p>\n\n\n\n

Als der \u201eIS\u201c dann im Sommer 2014 fast ohne Gegenwehr weite Landstriche in Syrien und im Irak \u00fcberrannte und seinen \u201eStaat\u201c ausrief, sahen auch gew\u00f6hnliche sunnitische Araber einen Wechsel nahen. Viele machten gemeinsame Sache mit den Terroristen, verhinderten die Flucht jesidischer Nachbarn, lieferten sie ihren Schl\u00e4chtern aus. Kamaran Palani:<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c-K\u00e4mpfer haben gesagt, es gehe darum, die W\u00fcrde der sunnitischen Araber wiederherzustellen. Ihre Macht. Ihre Geschichte. Tats\u00e4chlich konnten es die Araber nicht hinnehmen, dass sie ins Abseits gedr\u00e4ngt wurden. Und ich denke, dass sie auch in Zukunft so handeln werden. Wann immer sich die Gelegenheit bietet: Sie werden alles hinter sich lassen \u2013 sich nur darauf konzentrieren.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Misstrauen. Auch bei einem Politikwissenschaftler. Was also tun? Zerst\u00f6rte St\u00e4dte und D\u00f6rfer k\u00f6nnten wieder aufgebaut werden \u2013 wenn denn ein gemeinsamer Wille best\u00fcnde. Doch was, wenn es einen solchen gemeinsamen Willen gar nicht gibt? Wenn Schmerz und Trauer anhalten, wenn die Verbrechen von Terroristen und Helfershelfern nicht geahndet werden, wenn Angst umgeht, Misstrauen und Hass das Miteinander bestimmen.<\/p>\n\n\n\n

\"SyrischeSoldaten in der irakischen Stadt Sindschar nach der R\u00fcckeroberung von der IS-Miliz Ende 2015. (dpa \/ MAXPPP \/ Arnaud Dumontier)<\/p>\n\n\n\n

Kamaran Palani stammt aus der Stadt Makhmour. Drei Tage nur sei der \u201eIS\u201c dort gewesen, sagt er, doch diese Tage h\u00e4tten alles ver\u00e4ndert. Der \u201eIS\u201c habe die Menschen in seiner Heimatstadt verrohen lassen, meint er, das Verh\u00e4ltnis zwischen Kurden und Arabern sei heute tot. Eine R\u00fcckkehr in alte Zeiten h\u00e4lt Palani f\u00fcr falsch.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch denke, es w\u00e4re nicht einfach, in das Jahr 2014 \u2013 also in die Zeit vor dem \u201aIS\u2018 \u2013 zur\u00fcckzukehren. Vor allem aber w\u00e4re es nicht die richtige Politik. Denn eben die hat ja erst zum Aufkommen, zur Existenz des \u201aIS\u2018 gef\u00fchrt.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n


Wie also in Ruinen Neues schaffen? Der Staat muss das Gewaltmonopol zur\u00fcckerlangen, fordert der Politikwissenschaftler. F\u00fcr ihn steht das an erster Stelle. Und dann m\u00fcsse der Staat dringend einen Kurswechsel vornehmen: Er m\u00fcsse integrativ wirken, alle einbinden, auch die Araber, in Sicherheitskr\u00e4fte, Verwaltung und Politik.<\/p>\n\n\n\n

Machtmonopol m\u00fcsste von Milizen zum Staat gehen<\/h2>\n\n\n\n

Die Realit\u00e4t sieht anders aus: Ein Staat Kurdistan, der neue Optionen m\u00f6glich gemacht h\u00e4tte, auch von den Minderheiten gew\u00fcnscht worden war, ist nicht entstanden. Bagdad aber ist fern, der Zentralstaat kaum existent, und wenn, dann ist er schiitisch dominiert. Es sind Milizen, die im Nord-Irak das Geschehen bestimmen, darum rivalisieren, das Machtvakuum zu f\u00fcllen, das durch die Vertreibung des \u201eIS\u201c entstanden ist. Einst im Kampf gegen die Terroristen geeint, sind die Milizen einander heute feind.<\/p>\n\n\n\n

Allen voran die \u201eHashd ash-Shaabi\u201c, schiitisch-irakische Milizen, deren Ausbilder und Kommandeure h\u00e4ufig Iraner sind. Bagdad hat die Haschd als regul\u00e4re Kraft im Kampf gegen den \u201eIS\u201c anerkannt \u2013 obwohl Menschenrechts-Organisationen schwere Vorw\u00fcrfe gegen sie erheben. Fest steht: Die schiitischen Milizen halten D\u00f6rfer besetzt, sind in Mosul f\u00fcr ihr herrisches Auftreten und ihre Willk\u00fcr bekannt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eTats\u00e4chlich sorgen die verschiedenen bewaffneten Gruppen daf\u00fcr, dass die Fl\u00fcchtlinge nicht zur\u00fcckkehren. Und weil sie nicht zur\u00fcckkehren, gibt es auch keinen Wiederaufbau. Die Menschen haben Angst vor den Milizen \u2013 auch davor, dass die einander bek\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die \u201eHashd\u201c m\u00fcssten mithin abziehen. Und mit ihnen die anderen Milizen. Das Machtmonopol m\u00fcsste an den Staat gehen. Doch der Irak ist auch Spielball der Regionalm\u00e4chte: Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien. Sie konkurrieren um Einfluss-Sph\u00e4ren, bedienen sich dabei verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Gruppen im Irak. Deswegen werden die Hashd nicht abziehen. Derzeit sind sie von der iranisch-irakischen Grenze im Osten \u00fcber Bagdad bis hoch zur irakisch-syrischen Grenze im Norden postiert. Einheiten Teherans k\u00f6nnten demnach auf dem Landweg vom Iran bis ans Mittelmeer durchmarschieren.<\/p>\n\n\n\n

Iran und Saudi-Arabien wollen Macht vergr\u00f6\u00dfern<\/h2>\n\n\n\n

Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n

In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n

Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3703,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:24:20","post_date_gmt":"2020-08-13 21:24:20","post_content":"\n

Deutschland str\u00e4ubt sich gegen die R\u00fcckkehr seiner eigenen Staatsb\u00fcrger, die zu IS-Terroristen wurden. Dabei hat die Bundesrepublik den Terror und die Terroristen einst exportiert. Und dies geschah wissentlich, sagt der Islamwissenschaftler Fabian Goldmann.<\/p>\n\n\n\n

Wann haben Sie sich eigentlich zuletzt von deutschen Terroristen distanziert? Zum Beispiel von Robert B.? Der Ex-Bundeswehrsoldat aus Solingen hat mutma\u00dflich bei einem Selbstmordattentat Anfang 2014 50 Menschen mit in den Tod gerissen. <\/p>\n\n\n\n

Oder von Yannik N.? Der junge Freiburger steuerte wahrscheinlich im Jahr 2015 einen mit anderthalb Tonnen Sprengstoff beladenen LKW in eine Menschenmenge und nahm so Dutzenden Personen das Leben.<\/p>\n\n\n\n

Oder von Yamin A.?. Im Sommer 2015 tauchte im Netz ein Video auf, das zeigte, wie der ehemalige Telekom-Azubi aus K\u00f6nigswinter zwei gefesselten Soldaten in den Kopf schoss.
Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Deutsche T\u00e4ter, aber kaum deutsche Opfer<\/h2>\n\n\n\n

Hauptsache nicht bei uns! Dies scheint auch dieser Tage wieder die Maxime zu sein, wenn Politiker und \u00d6ffentlichkeit \u00fcber den Umgang mit deutschen Terroristen diskutieren. Von potenziellen Bedrohungen und Anschlagsgefahren in Deutschland liest man dann. Vom ganz realen Terror, den Deutsche in den vergangenen Jahren \u00fcber die Menschen in Syrien und Irak gebracht haben, h\u00f6rt man hingegen kaum. Ein Terror, der kaum deutsche Opfer aber umso mehr deutsche T\u00e4ter kannte.<\/p>\n\n\n\n

1.050 \u2013 das ist laut Bundesinnenministerium die Anzahl der Dschihadisten, die in den letzten Jahren die Bundesrepublik in Richtung Nahost verlassen hat. Es f\u00e4llt schwer, sich umgekehrtes Szenario \u00fcberhaupt auszumalen. Was w\u00e4re wohl los, h\u00e4tte es nur ein Bruchteil arabischer Terroristen geschafft, bei uns Anschl\u00e4ge zu begehen? Europas \u201eMuslim Bann\u201c? \u00dcberwachungsstaat auf NSA-Niveau?<\/p>\n\n\n\n

Die CSU st\u00fcnde wom\u00f6glich am linken Ende des politischen Spektrums, und auf Twitter w\u00fcrde Trump deutsche Migrationspolitiker zur M\u00e4\u00dfigung aufrufen. Der deutsche Terror in Nahost kommt hingegen seit Jahren ganz ohne Sondersendungen, politische Debatten und Distanzierungsforderungen aus. <\/p>\n\n\n\n

Deutsche K\u00e4mpfer waren nicht nur willenloses Kanonenfutter<\/h2>\n\n\n\n

An fehlendem Wissen liegt das nicht. Von ganzen Einheiten des IS, in denen kein einziger K\u00e4mpfer Arabisch spreche, berichten syrische, irakische und kurdische Soldaten schon seit Jahren. Von Aleppo \u00fcber Raqqa bis Mossul haben Aktivisten und Politiker immer wieder darauf hingewiesen, dass viele der schlimmsten M\u00f6rder in den Reihen des IS Europ\u00e4er sind. Interessiert hat das hier kaum jemand.<\/p>\n\n\n\n

Dabei dienten Deutsche dem Islamischen Staats nicht nur als willenloses Kanonenfutter, wie es oft dargestellt wird. Viele haben seinen Terror mitgepr\u00e4gt. Wie Martin L., der derzeit in kurdischer Haft sitzt. Der Schwei\u00dfer aus Sachsen-Anhalt soll sich vom Folterknecht bis zum Geheimdienstler mit Kontakten bis in die F\u00fchrungsspitze der Terrororganisation hochgearbeitet haben.<\/p>\n\n\n\n

Oder Reda S., Der Prediger aus Berlin-Charlottenburg soll dem IS in Mossul als Bildungsminister gedient haben. Oder der Berliner Ex-Rapper Denis Cuspert, der zu den wichtigsten Personen in der IS-Medienorganisation Al-Hayat geh\u00f6rte. Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Beh\u00f6rden wussten gut Bescheid<\/h2>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich entstand der Islamische Staat nicht in deutschen Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen. Zur deutschen Verantwortung geh\u00f6rt aber auch, dass Politiker und Beh\u00f6rden lange wegschauten, solang nur die T\u00e4ter, aber nicht die Opfer Deutsche waren. Beh\u00f6rden wissen und wussten erschreckend gut Bescheid \u00fcber die Radikalisierung deutscher Islamisten. Ein Gro\u00dfteil der sp\u00e4teren IS-K\u00e4mpfer war polizeibekannt, stand auf Gef\u00e4hrderlisten oder hatte wegen islamistischer Straftaten bereits Haftstrafen verb\u00fc\u00dft. An der Ausreise gehindert wurden sie oftmals dennoch nicht. Die Gefahr, die von deutschen Terroristen ausgeht, interessierte Politik und \u00d6ffentlichkeit erst dann wieder, als ihre Einreise drohte.<\/p>\n\n\n\n

\"Fabian
Fabian Goldmann<\/strong> ist Journalist und Islamwissenschaftler. F\u00fcr verschiedene Magazine und Zeitungen berichtete er viele Jahre aus Nahost. Zurzeit widmet er sich vor allem dem Islam diesseits des Bosporus. Auf seinem Blog Schantall und die Scharia<\/a> bloggt er \u00fcber Islamophobie in Deutschland.<\/p>\n","post_title":"Es sind unsere Terroristen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"es-sind-unsere-terroristen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3703","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3700,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:19:36","post_date_gmt":"2020-08-13 21:19:36","post_content":"\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda? Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda t<\/p>\n\n\n\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda tritt an die Stelle der 2010 verabschiedeten Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014 (siehe IP\/10\/1535<\/a>). In der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda f\u00fcr den Zeitraum 2015-2020 skizziert die Europ\u00e4ische Kommission die Strategie der Union zur Bew\u00e4ltigung der Sicherheitsbedrohungen in der EU.<\/p>\n\n\n\n

Die EU und ihre Mitgliedstaaten sind mit betr\u00e4chtlichen Sicherheitsproblemen konfrontiert. Terrorismus, organisierte Kriminalit\u00e4t und Cyberkriminalit\u00e4t stellen eine zunehmende Gefahr f\u00fcr die europ\u00e4ische Gesellschaft dar, wobei sich Art und Ausma\u00df dieser Gefahr ver\u00e4ndert hat. Europa ist mit den Auswirkungen der politischen Instabilit\u00e4t in seiner unmittelbaren Nachbarschaft konfrontiert, die die Sicherheitsinteressen der EU gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n

Im Zuge der Krisen und Konflikte in Syrien, Irak und Libyen haben sich europ\u00e4ische B\u00fcrger terroristischen Gruppen angeschlossen, die bei ihrer R\u00fcckkehr eine erhebliche Bedrohung darstellen k\u00f6nnen. Die j\u00fcngsten terroristischen Anschl\u00e4ge in Europa zeugen von der zunehmenden Bedrohung durch einen gewaltt\u00e4tigen Extremismus und zeigen, in welchem Ausma\u00df weltweite Konflikte zur Radikalisierung der europ\u00e4ischen B\u00fcrger beitragen.<\/p>\n\n\n\n

Das Online-Umfeld hat sich zunehmend als Ziel f\u00fcr Kriminelle und Terroristen entwickelt. Unabh\u00e4ngig davon, ob es um die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und die Anwerbung von Menschen f\u00fcr terroristische Organisationen geht oder die Verbreitung von Hass oder einen Angriff auf die europ\u00e4ischen Werte und Institutionen, fest steht, dass wir unsere Reaktion auf diese Bedrohungen unbedingt abstimmen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Welcher Mehrwert entsteht durch die EU im Bereich der inneren Sicherheit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Gew\u00e4hrleistung der inneren Sicherheit f\u00e4llt weiterhin in erster Linie in die Zust\u00e4ndigkeit der Mitgliedstaaten. Allerdings werden die Bedrohungen f\u00fcr Europas B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger immer vielf\u00e4ltiger und betreffen in zunehmendem Ma\u00dfe mehrere Mitgliedstaaten. Einzelne Mitgliedstaaten haben die Verantwortung, die Sicherheit an den Au\u00dfengrenzen zu gew\u00e4hrleisten, sind aber nicht mehr in der Lage, diese Herausforderungen allein zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n

Kriminelle und terroristische Aktivit\u00e4ten machen nicht an den Grenzen der EU halt und beschr\u00e4nken sich auch nicht auf Nachbarregionen. Die innere Sicherheit der EU und die globale Sicherheit sind voneinander abh\u00e4ngig und miteinander verkn\u00fcpft. Die Sicherheit der Union h\u00e4ngt in hohem Ma\u00dfe von der Zusammenarbeit mit ihren internationalen Partnern und ihren Nachbarl\u00e4ndern ab.<\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t und des Terrorismus ist eine gemeinsame europ\u00e4ische Aufgabe. Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda sollte von den Mitgliedstaaten und den EU-Organen gemeinsam als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und gemeinsame Ma\u00dfnahmen der Union genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n

Mit Hilfe der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda werden die Polizei- und Strafverfolgungsdienste in verschiedenen Mitgliedstaaten Daten effektiver austauschen und bei der Bek\u00e4mpfung der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t besser zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Die Mitgliedstaaten k\u00f6nnen auf die Unterst\u00fctzung durch die Agenturen der EU z\u00e4hlen. Insbesondere in folgenden Punkten l\u00e4sst sich mit Hilfe der Sicherheitsagenda ein EU-Mehrwert erzielen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n

A) Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und den EU-Agenturen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1<\/strong>: Das Schengener Informationssystem<\/strong> (SIS) wird von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Abfrage von Ausschreibungen von gesuchten oder vermissten Personen und Gegenst\u00e4nden genutzt. Die Kommission wird an der Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Ausschreibungskategorien arbeiten und sich daf\u00fcr einsetzen, dass das SIS zusammen mit der Interpol-Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD)<\/strong> umfassender genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Der Fluss Tigris durchzieht die zweitgr\u00f6\u00dfte Stadt des Iraks und teilt Mosul in Ost und West. Das Westufer ist von Zerst\u00f6rung gezeichnet, die Altstadt nicht mehr als eine einzige graue Tr\u00fcmmerlandschaft. Seit den letzten Bombardements im Juli 2017 kann hier niemand mehr wohnen.<\/p>\n\n\n\n

Die Nouri-Moschee, von deren Kanzel Abu Bakr al-Baghdadi im Juli 2014 sein Kalifat ausrief, hatte die IS-Miliz auf ihrem R\u00fcckzug vorsorglich selbst in die Luft gesprengt, um den Gegnern diesen besonderen Triumph zu verwehren.<\/p>\n\n\n\n

\"ImIm Juli 2017 erobert die irakische Armee Mossul zur\u00fcck. Ruinen sind zu sehen. Ein K\u00e4mpfer der IS-Miliz hat sich ergeben. (Imago \/ Carol Guzy)<\/p>\n\n\n\n

Es ist fraglich, ob die Altstadt dem Original getreu wieder aufgebaut werden kann. Bagdad will demn\u00e4chst \u2013 im Rahmen einer gro\u00dfen Wiederaufbau-Konferenz \u2013 bekannt geben, welche Pl\u00e4ne es hat. Derzeit gilt als gro\u00dfer Fortschritt, dass die Tr\u00fcmmerlandschaft in Teilen wieder begehbar ist \u2013 nachdem mit internationaler Hilfe zahllose Sprengs\u00e4tze beseitigt wurden.<\/p>\n\n\n\n

In Ost-Mossul gibt es weniger Zerst\u00f6rungen<\/h2>\n\n\n\n

J\u00fcngste Sch\u00e4tzungen der Vereinten Nationen besagen, dass es noch Jahre dauern wird, bis alle Minen ger\u00e4umt sind. Solange werden die einstigen Bewohner nicht zur\u00fcckkehren k\u00f6nnen. Manche von ihnen haben Gl\u00fcck im Ungl\u00fcck: Sie haben \u00fcberlebt und sind auf der anderen Seite des Tigris untergekommen, im Osten der Stadt. Der war schon im Januar 2017 von den Terroristen befreit worden. Erstaunlich ist: Dieser Teil Mosuls wirkt fast so, als w\u00e4re der \u201eIS\u201c niemals hier gewesen und als h\u00e4tte es keinen Krieg gegeben.<\/p>\n\n\n\n

\"ImIm Osten Mossuls gibt es weniger Zerst\u00f6rungen als im Westteil. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

Die Zerst\u00f6rungen beschr\u00e4nken sich auf strategisch-wichtige Punkte oder Geb\u00e4ude, in denen sich die Terroristen verschanzt hatten: Br\u00fccken, Moscheen, Krankenh\u00e4user. Doch im Basar herrscht fast so etwas wie Normalit\u00e4t. An St\u00e4nden kaufen Menschen ein \u2013 Obst, Gem\u00fcse, Reis und Nudeln, Backwaren. Kinder schlecken ein Eis. Abu Muhammad, ein ehemaliger Physiklehrer, erkl\u00e4rt, warum der Basar so anders ist als erwartet:<\/p>\n\n\n\n

\u201eDas Leben hatte nie aufgeh\u00f6rt in Mosul. Wir haben weitergelebt. Drei Jahre wurden wir vom \u201aIS\u2018 beherrscht, doch die normalen Leute hatten nichts damit zu tun. Daher kam der Alltag schnell zur\u00fcck. Die Soldaten sind gekommen, haben den Basar wieder aufgemacht und das Leben ging weiter.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Im Osten findet sich heute all das wieder, was die Terror-Miliz unterdr\u00fcckt hatte und bei Missachtung grausam ahndete: Musik in Restaurants und Caf\u00e9s; Sim-Karten f\u00fcr Handys; Internet; Fris\u00f6re, die Haare schneiden, B\u00e4rte stutzen oder gar abrasieren. Und doch: Trotz des lebendigen Treibens wirken Angst und Schrecken nach. Abu Muhammad, fr\u00fch ergraut, erinnert sich:<\/p>\n\n\n\n

\u201eWir haben uns gef\u00fchlt wie zwischen Leben und Tod. Irgendwo dazwischen. Sie haben vom \u201aIS\u2018 geh\u00f6rt; wir haben ihn erlebt: Wir haben erlebt, wie sie mordeten, wie sie Leute aufh\u00e4ngten, wir haben den Krieg erlebt. Wir haben alles gesehen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Mohammed stammt aus dem zerst\u00f6rten Westen der Stadt. Er wohnt heute im Osten. Verwandte haben ihn und seine Familie aufgenommen. So wie ihm ergeht es auch anderen Vertriebenen. Sie leben bei Verwandten und Freunden. Oder in einem der vielen Lager. 700.000 Menschen haben ihr Zuhause verloren \u2013 eine Zahl, die f\u00fcr West-Mosul gilt. Insgesamt gehen die Vereinten Nationen von fast sechs Millionen Menschen aus, die im Irak vor dem \u201aIS\u2018 geflohen sind \u2013 die H\u00e4lfte von ihnen bis heute fern von ihrem Zuhause.<\/p>\n\n\n\n

Binnenfl\u00fcchtlinge im Lager Khabartu<\/h2>\n\n\n\n

Zelte soweit das Auge reicht. Abertausende. Inmitten von Steppe. Das Leben der Menschen ist hart. Sie darben, frieren und verdorren \u2013 wenn im Winter der kalte Wind durch die Steppe fegt und im Sommer die Sonne niederbrennt. Doch sie harren aus, haben wenig Hoffnung auf baldige R\u00fcckkehr. Die meisten kamen 2014 \u2013 hierher, ins Lager Khabartu in Irakisch-Kurdistan.<\/p>\n\n\n\n

\"DasDas Lager Khabartu f\u00fcr irakische Binnenfl\u00fcchtlinge. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

2014, als der \u201eIS\u201c den Nord-Irak \u00fcberfiel. In einem der Zelte lebt auch die Familie von Thomas Abdallah Hammou. Thomas war auf der Flucht von seiner Familie getrennt und von den Dschihadisten verschleppt worden. Damals war er acht Jahre alt. Ein Kind. Drei Jahre blieb er in Geiselhaft, lebte in Mosul.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollten nicht, dass wir spielen. Sie mochten es nicht. Ich habe keine Schule besucht, aber sie gaben uns Koran-Unterricht. Jeden Tag.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas musste seinem eigenen, dem jesidischen Glauben abschw\u00f6ren. Weil der \u201eIS\u201c die Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c betrachtet. Und \u201eUngl\u00e4ubige\u201c, so die Auffassung der Terroristen, m\u00fcssen zwangsbekehrt werden. Oder get\u00f6tet. Die Terroristen hatten dementsprechend die Jesiden entweder an Ort und Stelle ermordet, die meisten im Sinjar, im alten Siedlungsgebiet der Jesiden im Nord-Irak. Tausende. 47 Massengr\u00e4ber sollen mittlerweile gefunden worden sein. Oder aber die Terroristen lie\u00dfen die Jesiden am Leben und nahmen sie in Geiselhaft. Sie machten aus ihnen Sexsklavinnen oder sie bildeten sie aus \u2013 zu Selbstmordattent\u00e4tern. Wie Thomas.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie haben uns st\u00e4ndig geschlagen. Wir mussten Schie\u00dfen \u00fcben. Zwei meiner Freunde haben sich in die Luft gesprengt. Sie sind zum Training. Doch sie kamen nicht zur\u00fcck. Ich war nicht traurig. Sie wollten sich ja in die Luft sprengen. Die \u201aIS\u2018-Leute hatten es nicht von ihnen verlangt. Sie sind freiwillig gegangen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas hat heute einen modernen Haarschnitt; der Nacken ist ausrasiert; der lange Pony in die Stirn gek\u00e4mmt. Im Sommer sah er noch anders aus, kurz nachdem Mosul befreit worden war. Bei einem Luftangriff der Anti-\u201eIS\u201c-Koalition wurde Thomas schwer verletzt aus Tr\u00fcmmern geborgen, dann operiert.<\/p>\n\n\n\n

\"ThomasThomas erholt sich von drei Jahren IS-Gefangenschaft. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

Arbeit mit \u201eDschihadisten-Kindern\u201c<\/h2>\n\n\n\n

Die \u00e4u\u00dferen Wunden sind heute verheilt. Doch wie sieht es aus mit den inneren, den seelischen Verletzungen? Thomas wurde von seiner Familie aufgenommen und bekommt Hilfe. Andere Kinder konnten nicht aufgefangen werden. Bis heute betrachten sie Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c \u2013 so wie es ihnen in der Geiselhaft eingeh\u00e4mmert wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie sind eine gro\u00dfe Gefahr f\u00fcr andere Kinder. Sie leben in Lagern, in einem Zelt, auf sechs mal vier Metern, oder noch weniger! Acht Geschwister, sie spielen zusammen, reden, sie indoktrinieren die anderen! Das ist ein Problem, das wir nicht l\u00f6sen k\u00f6nnen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Sara Hassan ist Sozialarbeiterin. Sie arbeitet in den Lagern, versucht M\u00e4dchen und Frauen, die jahrelang in Geiselhaft vergewaltigt wurden, zu helfen. Unz\u00e4hlige hatte der \u201eIS\u201c einst entf\u00fchrt. Sara arbeitet auch mit den sogenannten \u201eDschihadisten-Kindern\u201c. Sie erz\u00e4hlt, wie \u00fcberfordert alle seien: die Familien, die jesidische Gemeinschaft, die Gesellschaft des Nord-Irak.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIn einem anderen Fall hat sich die Familie am Ende an die Sicherheitskr\u00e4fte gewandt. Doch die wussten auch nicht, wie sie damit umgehen sollten. Monate lang hat die Familie versucht, den Jungen umzuerziehen, zusammen mit Sozialarbeitern. Aber noch immer sehen wir den Hass in seinen Augen \u2013 gegen\u00fcber Kurden, Christen und Jesiden. Als blicke man in die Augen eines IS-Terroristen. Das ist das Problem.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Die Jesiden k\u00f6nnen \u00fcber ihre vom \u201eIS\u201c indoktrinierten Kinder sprechen. Denn niemand zweifelt daran, dass sie Opfer der Tyrannei wurden. Bei den sunnitischen Arabern sieht das anders aus. Da sie derselben Religionsgruppe angeh\u00f6ren wie formal auch die Terroristen, stehen sie unter Generalverdacht, mit dem \u201eIS\u201c gemeinsame Sache gemacht zu haben. Sunnitische Araber trauen sich daher nicht, die Probleme ihrer Kinder \u00f6ffentlich zu machen \u2013 auch wenn sie selbst nichts mit dem \u201eIS\u201c zu tun hatten.<\/p>\n\n\n\n

Unklar ist, wie viele Kinder und Jugendliche im Irak und in Syrien zu Terroristen ausgebildet wurden, dabei noch in Geiselhaft sind oder bereits als \u201eSchl\u00e4fer\u201c darauf warten, zum Einsatz zu kommen. Sie gleichen \u201etickenden Zeitbomben\u201c, die jederzeit explodieren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

Minderheiten haben Angst vor \u201eIS\u201c-Nachfolgern<\/h2>\n\n\n\n

Kamaran Palani spricht davon, dass viele Menschen immer noch gehen wollen, obwohl der \u201eIS\u201c als staats\u00e4hnliches Gebilde nicht mehr besteht. Seine Saat aber, so der Politikwissenschaftler, sei aufgegangen.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollen einfach nicht in diesem Land bleiben. Der IS hat sie dazu gebracht. Jeder hat heute Angst, dass eine andere Organisation kommen wird, Terroristen, die dasselbe anrichten wie zuvor.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Palani forscht am \u201eMiddle East Research Institute\u201c, das seinen Sitz in Erbil hat, der Hauptstadt von Irakisch-Kurdistan. <\/p>\n\n\n\n

\u201e60 bis 65 Prozent der Christen wollen gehen. Das Gleiche gilt f\u00fcr andere Minderheiten: f\u00fcr Jesiden, Schabaks, Turkmenen, Kakais.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

\u201eWir werden niemals wieder mit den Arabern zusammenleben k\u00f6nnen!\u201c \u2013 ein Satz, der heute h\u00e4ufig im Nord-Irak zu h\u00f6ren ist. Gemeint sind die Iraker, die Sunniten und Araber sind \u2013 die einstmals Nachbarn von Jesiden, Christen und Kurden waren \u2013 mit denen man Handel trieb und Hochzeiten feierte, die auch Freunde waren.<\/p>\n\n\n\n

Der Irak ist eine multi-ethnische und multi-religi\u00f6se Gesellschaft, in der die Schiiten die Mehrheit stellen. \u00dcber Jahrhunderte aber hatten die sunnitischen Araber das Sagen, sie missbrauchten die Macht, errichteten ein Schreckensregime \u2013 bis 2003, als Diktator Saddam Hussein von den USA gest\u00fcrzt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c entstand aus Widerstand gegen Schiiten-Herrschaft<\/h2>\n\n\n\n

Jetzt wurde der Spie\u00df umgedreht. Die Amerikaner sorgten daf\u00fcr, dass die Sunniten jegliche Machtposition verloren \u2013 so wurde die irakische Armee, wurde die baathistische Partei aufgel\u00f6st \u2013 ohne ein Pendant zu schaffen, das alle integrierte. Und: Washington unterst\u00fctzte Regierungschef Nouri al-Maliki, einen Schiiten. Maliki sah eine historische Chance gekommen, diskriminierte nun seinerseits seine sunnitischen Landsleute, verwehrte ihnen im \u201eNeuen Irak\u201c die Mitsprache. Im Regime Malikis wurden Sunniten inhaftiert, gefoltert und umgebracht.<\/p>\n\n\n\n

Was viele in den Widerstand trieb. Einige schlossen sich der Terror-Organisation \u201eAl-Qaida\u201c an, unter ihnen f\u00fchrende Milit\u00e4rs der aufgel\u00f6sten Armee Saddam Husseins \u2013 und aus \u201eAl-Qaida\u201c ging sp\u00e4ter der \u201eIS\u201c hervor.<\/p>\n\n\n\n

Als der \u201eIS\u201c dann im Sommer 2014 fast ohne Gegenwehr weite Landstriche in Syrien und im Irak \u00fcberrannte und seinen \u201eStaat\u201c ausrief, sahen auch gew\u00f6hnliche sunnitische Araber einen Wechsel nahen. Viele machten gemeinsame Sache mit den Terroristen, verhinderten die Flucht jesidischer Nachbarn, lieferten sie ihren Schl\u00e4chtern aus. Kamaran Palani:<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c-K\u00e4mpfer haben gesagt, es gehe darum, die W\u00fcrde der sunnitischen Araber wiederherzustellen. Ihre Macht. Ihre Geschichte. Tats\u00e4chlich konnten es die Araber nicht hinnehmen, dass sie ins Abseits gedr\u00e4ngt wurden. Und ich denke, dass sie auch in Zukunft so handeln werden. Wann immer sich die Gelegenheit bietet: Sie werden alles hinter sich lassen \u2013 sich nur darauf konzentrieren.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Misstrauen. Auch bei einem Politikwissenschaftler. Was also tun? Zerst\u00f6rte St\u00e4dte und D\u00f6rfer k\u00f6nnten wieder aufgebaut werden \u2013 wenn denn ein gemeinsamer Wille best\u00fcnde. Doch was, wenn es einen solchen gemeinsamen Willen gar nicht gibt? Wenn Schmerz und Trauer anhalten, wenn die Verbrechen von Terroristen und Helfershelfern nicht geahndet werden, wenn Angst umgeht, Misstrauen und Hass das Miteinander bestimmen.<\/p>\n\n\n\n

\"SyrischeSoldaten in der irakischen Stadt Sindschar nach der R\u00fcckeroberung von der IS-Miliz Ende 2015. (dpa \/ MAXPPP \/ Arnaud Dumontier)<\/p>\n\n\n\n

Kamaran Palani stammt aus der Stadt Makhmour. Drei Tage nur sei der \u201eIS\u201c dort gewesen, sagt er, doch diese Tage h\u00e4tten alles ver\u00e4ndert. Der \u201eIS\u201c habe die Menschen in seiner Heimatstadt verrohen lassen, meint er, das Verh\u00e4ltnis zwischen Kurden und Arabern sei heute tot. Eine R\u00fcckkehr in alte Zeiten h\u00e4lt Palani f\u00fcr falsch.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch denke, es w\u00e4re nicht einfach, in das Jahr 2014 \u2013 also in die Zeit vor dem \u201aIS\u2018 \u2013 zur\u00fcckzukehren. Vor allem aber w\u00e4re es nicht die richtige Politik. Denn eben die hat ja erst zum Aufkommen, zur Existenz des \u201aIS\u2018 gef\u00fchrt.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n


Wie also in Ruinen Neues schaffen? Der Staat muss das Gewaltmonopol zur\u00fcckerlangen, fordert der Politikwissenschaftler. F\u00fcr ihn steht das an erster Stelle. Und dann m\u00fcsse der Staat dringend einen Kurswechsel vornehmen: Er m\u00fcsse integrativ wirken, alle einbinden, auch die Araber, in Sicherheitskr\u00e4fte, Verwaltung und Politik.<\/p>\n\n\n\n

Machtmonopol m\u00fcsste von Milizen zum Staat gehen<\/h2>\n\n\n\n

Die Realit\u00e4t sieht anders aus: Ein Staat Kurdistan, der neue Optionen m\u00f6glich gemacht h\u00e4tte, auch von den Minderheiten gew\u00fcnscht worden war, ist nicht entstanden. Bagdad aber ist fern, der Zentralstaat kaum existent, und wenn, dann ist er schiitisch dominiert. Es sind Milizen, die im Nord-Irak das Geschehen bestimmen, darum rivalisieren, das Machtvakuum zu f\u00fcllen, das durch die Vertreibung des \u201eIS\u201c entstanden ist. Einst im Kampf gegen die Terroristen geeint, sind die Milizen einander heute feind.<\/p>\n\n\n\n

Allen voran die \u201eHashd ash-Shaabi\u201c, schiitisch-irakische Milizen, deren Ausbilder und Kommandeure h\u00e4ufig Iraner sind. Bagdad hat die Haschd als regul\u00e4re Kraft im Kampf gegen den \u201eIS\u201c anerkannt \u2013 obwohl Menschenrechts-Organisationen schwere Vorw\u00fcrfe gegen sie erheben. Fest steht: Die schiitischen Milizen halten D\u00f6rfer besetzt, sind in Mosul f\u00fcr ihr herrisches Auftreten und ihre Willk\u00fcr bekannt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eTats\u00e4chlich sorgen die verschiedenen bewaffneten Gruppen daf\u00fcr, dass die Fl\u00fcchtlinge nicht zur\u00fcckkehren. Und weil sie nicht zur\u00fcckkehren, gibt es auch keinen Wiederaufbau. Die Menschen haben Angst vor den Milizen \u2013 auch davor, dass die einander bek\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die \u201eHashd\u201c m\u00fcssten mithin abziehen. Und mit ihnen die anderen Milizen. Das Machtmonopol m\u00fcsste an den Staat gehen. Doch der Irak ist auch Spielball der Regionalm\u00e4chte: Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien. Sie konkurrieren um Einfluss-Sph\u00e4ren, bedienen sich dabei verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Gruppen im Irak. Deswegen werden die Hashd nicht abziehen. Derzeit sind sie von der iranisch-irakischen Grenze im Osten \u00fcber Bagdad bis hoch zur irakisch-syrischen Grenze im Norden postiert. Einheiten Teherans k\u00f6nnten demnach auf dem Landweg vom Iran bis ans Mittelmeer durchmarschieren.<\/p>\n\n\n\n

Iran und Saudi-Arabien wollen Macht vergr\u00f6\u00dfern<\/h2>\n\n\n\n

Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n

In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n

Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3703,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:24:20","post_date_gmt":"2020-08-13 21:24:20","post_content":"\n

Deutschland str\u00e4ubt sich gegen die R\u00fcckkehr seiner eigenen Staatsb\u00fcrger, die zu IS-Terroristen wurden. Dabei hat die Bundesrepublik den Terror und die Terroristen einst exportiert. Und dies geschah wissentlich, sagt der Islamwissenschaftler Fabian Goldmann.<\/p>\n\n\n\n

Wann haben Sie sich eigentlich zuletzt von deutschen Terroristen distanziert? Zum Beispiel von Robert B.? Der Ex-Bundeswehrsoldat aus Solingen hat mutma\u00dflich bei einem Selbstmordattentat Anfang 2014 50 Menschen mit in den Tod gerissen. <\/p>\n\n\n\n

Oder von Yannik N.? Der junge Freiburger steuerte wahrscheinlich im Jahr 2015 einen mit anderthalb Tonnen Sprengstoff beladenen LKW in eine Menschenmenge und nahm so Dutzenden Personen das Leben.<\/p>\n\n\n\n

Oder von Yamin A.?. Im Sommer 2015 tauchte im Netz ein Video auf, das zeigte, wie der ehemalige Telekom-Azubi aus K\u00f6nigswinter zwei gefesselten Soldaten in den Kopf schoss.
Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Deutsche T\u00e4ter, aber kaum deutsche Opfer<\/h2>\n\n\n\n

Hauptsache nicht bei uns! Dies scheint auch dieser Tage wieder die Maxime zu sein, wenn Politiker und \u00d6ffentlichkeit \u00fcber den Umgang mit deutschen Terroristen diskutieren. Von potenziellen Bedrohungen und Anschlagsgefahren in Deutschland liest man dann. Vom ganz realen Terror, den Deutsche in den vergangenen Jahren \u00fcber die Menschen in Syrien und Irak gebracht haben, h\u00f6rt man hingegen kaum. Ein Terror, der kaum deutsche Opfer aber umso mehr deutsche T\u00e4ter kannte.<\/p>\n\n\n\n

1.050 \u2013 das ist laut Bundesinnenministerium die Anzahl der Dschihadisten, die in den letzten Jahren die Bundesrepublik in Richtung Nahost verlassen hat. Es f\u00e4llt schwer, sich umgekehrtes Szenario \u00fcberhaupt auszumalen. Was w\u00e4re wohl los, h\u00e4tte es nur ein Bruchteil arabischer Terroristen geschafft, bei uns Anschl\u00e4ge zu begehen? Europas \u201eMuslim Bann\u201c? \u00dcberwachungsstaat auf NSA-Niveau?<\/p>\n\n\n\n

Die CSU st\u00fcnde wom\u00f6glich am linken Ende des politischen Spektrums, und auf Twitter w\u00fcrde Trump deutsche Migrationspolitiker zur M\u00e4\u00dfigung aufrufen. Der deutsche Terror in Nahost kommt hingegen seit Jahren ganz ohne Sondersendungen, politische Debatten und Distanzierungsforderungen aus. <\/p>\n\n\n\n

Deutsche K\u00e4mpfer waren nicht nur willenloses Kanonenfutter<\/h2>\n\n\n\n

An fehlendem Wissen liegt das nicht. Von ganzen Einheiten des IS, in denen kein einziger K\u00e4mpfer Arabisch spreche, berichten syrische, irakische und kurdische Soldaten schon seit Jahren. Von Aleppo \u00fcber Raqqa bis Mossul haben Aktivisten und Politiker immer wieder darauf hingewiesen, dass viele der schlimmsten M\u00f6rder in den Reihen des IS Europ\u00e4er sind. Interessiert hat das hier kaum jemand.<\/p>\n\n\n\n

Dabei dienten Deutsche dem Islamischen Staats nicht nur als willenloses Kanonenfutter, wie es oft dargestellt wird. Viele haben seinen Terror mitgepr\u00e4gt. Wie Martin L., der derzeit in kurdischer Haft sitzt. Der Schwei\u00dfer aus Sachsen-Anhalt soll sich vom Folterknecht bis zum Geheimdienstler mit Kontakten bis in die F\u00fchrungsspitze der Terrororganisation hochgearbeitet haben.<\/p>\n\n\n\n

Oder Reda S., Der Prediger aus Berlin-Charlottenburg soll dem IS in Mossul als Bildungsminister gedient haben. Oder der Berliner Ex-Rapper Denis Cuspert, der zu den wichtigsten Personen in der IS-Medienorganisation Al-Hayat geh\u00f6rte. Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Beh\u00f6rden wussten gut Bescheid<\/h2>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich entstand der Islamische Staat nicht in deutschen Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen. Zur deutschen Verantwortung geh\u00f6rt aber auch, dass Politiker und Beh\u00f6rden lange wegschauten, solang nur die T\u00e4ter, aber nicht die Opfer Deutsche waren. Beh\u00f6rden wissen und wussten erschreckend gut Bescheid \u00fcber die Radikalisierung deutscher Islamisten. Ein Gro\u00dfteil der sp\u00e4teren IS-K\u00e4mpfer war polizeibekannt, stand auf Gef\u00e4hrderlisten oder hatte wegen islamistischer Straftaten bereits Haftstrafen verb\u00fc\u00dft. An der Ausreise gehindert wurden sie oftmals dennoch nicht. Die Gefahr, die von deutschen Terroristen ausgeht, interessierte Politik und \u00d6ffentlichkeit erst dann wieder, als ihre Einreise drohte.<\/p>\n\n\n\n

\"Fabian
Fabian Goldmann<\/strong> ist Journalist und Islamwissenschaftler. F\u00fcr verschiedene Magazine und Zeitungen berichtete er viele Jahre aus Nahost. Zurzeit widmet er sich vor allem dem Islam diesseits des Bosporus. Auf seinem Blog Schantall und die Scharia<\/a> bloggt er \u00fcber Islamophobie in Deutschland.<\/p>\n","post_title":"Es sind unsere Terroristen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"es-sind-unsere-terroristen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3703","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3700,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:19:36","post_date_gmt":"2020-08-13 21:19:36","post_content":"\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda? Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda t<\/p>\n\n\n\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda tritt an die Stelle der 2010 verabschiedeten Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014 (siehe IP\/10\/1535<\/a>). In der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda f\u00fcr den Zeitraum 2015-2020 skizziert die Europ\u00e4ische Kommission die Strategie der Union zur Bew\u00e4ltigung der Sicherheitsbedrohungen in der EU.<\/p>\n\n\n\n

Die EU und ihre Mitgliedstaaten sind mit betr\u00e4chtlichen Sicherheitsproblemen konfrontiert. Terrorismus, organisierte Kriminalit\u00e4t und Cyberkriminalit\u00e4t stellen eine zunehmende Gefahr f\u00fcr die europ\u00e4ische Gesellschaft dar, wobei sich Art und Ausma\u00df dieser Gefahr ver\u00e4ndert hat. Europa ist mit den Auswirkungen der politischen Instabilit\u00e4t in seiner unmittelbaren Nachbarschaft konfrontiert, die die Sicherheitsinteressen der EU gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n

Im Zuge der Krisen und Konflikte in Syrien, Irak und Libyen haben sich europ\u00e4ische B\u00fcrger terroristischen Gruppen angeschlossen, die bei ihrer R\u00fcckkehr eine erhebliche Bedrohung darstellen k\u00f6nnen. Die j\u00fcngsten terroristischen Anschl\u00e4ge in Europa zeugen von der zunehmenden Bedrohung durch einen gewaltt\u00e4tigen Extremismus und zeigen, in welchem Ausma\u00df weltweite Konflikte zur Radikalisierung der europ\u00e4ischen B\u00fcrger beitragen.<\/p>\n\n\n\n

Das Online-Umfeld hat sich zunehmend als Ziel f\u00fcr Kriminelle und Terroristen entwickelt. Unabh\u00e4ngig davon, ob es um die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und die Anwerbung von Menschen f\u00fcr terroristische Organisationen geht oder die Verbreitung von Hass oder einen Angriff auf die europ\u00e4ischen Werte und Institutionen, fest steht, dass wir unsere Reaktion auf diese Bedrohungen unbedingt abstimmen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Welcher Mehrwert entsteht durch die EU im Bereich der inneren Sicherheit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Gew\u00e4hrleistung der inneren Sicherheit f\u00e4llt weiterhin in erster Linie in die Zust\u00e4ndigkeit der Mitgliedstaaten. Allerdings werden die Bedrohungen f\u00fcr Europas B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger immer vielf\u00e4ltiger und betreffen in zunehmendem Ma\u00dfe mehrere Mitgliedstaaten. Einzelne Mitgliedstaaten haben die Verantwortung, die Sicherheit an den Au\u00dfengrenzen zu gew\u00e4hrleisten, sind aber nicht mehr in der Lage, diese Herausforderungen allein zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n

Kriminelle und terroristische Aktivit\u00e4ten machen nicht an den Grenzen der EU halt und beschr\u00e4nken sich auch nicht auf Nachbarregionen. Die innere Sicherheit der EU und die globale Sicherheit sind voneinander abh\u00e4ngig und miteinander verkn\u00fcpft. Die Sicherheit der Union h\u00e4ngt in hohem Ma\u00dfe von der Zusammenarbeit mit ihren internationalen Partnern und ihren Nachbarl\u00e4ndern ab.<\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t und des Terrorismus ist eine gemeinsame europ\u00e4ische Aufgabe. Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda sollte von den Mitgliedstaaten und den EU-Organen gemeinsam als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und gemeinsame Ma\u00dfnahmen der Union genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n

Mit Hilfe der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda werden die Polizei- und Strafverfolgungsdienste in verschiedenen Mitgliedstaaten Daten effektiver austauschen und bei der Bek\u00e4mpfung der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t besser zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Die Mitgliedstaaten k\u00f6nnen auf die Unterst\u00fctzung durch die Agenturen der EU z\u00e4hlen. Insbesondere in folgenden Punkten l\u00e4sst sich mit Hilfe der Sicherheitsagenda ein EU-Mehrwert erzielen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n

A) Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und den EU-Agenturen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1<\/strong>: Das Schengener Informationssystem<\/strong> (SIS) wird von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Abfrage von Ausschreibungen von gesuchten oder vermissten Personen und Gegenst\u00e4nden genutzt. Die Kommission wird an der Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Ausschreibungskategorien arbeiten und sich daf\u00fcr einsetzen, dass das SIS zusammen mit der Interpol-Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD)<\/strong> umfassender genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Kinder, Frauen, Jesiden \u2013 wer \u00fcberlebt hat, berichtet von Folter, Vergewaltigungen und Gehirnw\u00e4sche. Rund drei Jahre dauerte die Schreckensherrschaft der IS-Miliz in Syrien und Irak. Der Wiederaufbau wird l\u00e4nger dauern und mehr umfassen als H\u00e4user.<\/p>\n\n\n\n

Der Fluss Tigris durchzieht die zweitgr\u00f6\u00dfte Stadt des Iraks und teilt Mosul in Ost und West. Das Westufer ist von Zerst\u00f6rung gezeichnet, die Altstadt nicht mehr als eine einzige graue Tr\u00fcmmerlandschaft. Seit den letzten Bombardements im Juli 2017 kann hier niemand mehr wohnen.<\/p>\n\n\n\n

Die Nouri-Moschee, von deren Kanzel Abu Bakr al-Baghdadi im Juli 2014 sein Kalifat ausrief, hatte die IS-Miliz auf ihrem R\u00fcckzug vorsorglich selbst in die Luft gesprengt, um den Gegnern diesen besonderen Triumph zu verwehren.<\/p>\n\n\n\n

\"ImIm Juli 2017 erobert die irakische Armee Mossul zur\u00fcck. Ruinen sind zu sehen. Ein K\u00e4mpfer der IS-Miliz hat sich ergeben. (Imago \/ Carol Guzy)<\/p>\n\n\n\n

Es ist fraglich, ob die Altstadt dem Original getreu wieder aufgebaut werden kann. Bagdad will demn\u00e4chst \u2013 im Rahmen einer gro\u00dfen Wiederaufbau-Konferenz \u2013 bekannt geben, welche Pl\u00e4ne es hat. Derzeit gilt als gro\u00dfer Fortschritt, dass die Tr\u00fcmmerlandschaft in Teilen wieder begehbar ist \u2013 nachdem mit internationaler Hilfe zahllose Sprengs\u00e4tze beseitigt wurden.<\/p>\n\n\n\n

In Ost-Mossul gibt es weniger Zerst\u00f6rungen<\/h2>\n\n\n\n

J\u00fcngste Sch\u00e4tzungen der Vereinten Nationen besagen, dass es noch Jahre dauern wird, bis alle Minen ger\u00e4umt sind. Solange werden die einstigen Bewohner nicht zur\u00fcckkehren k\u00f6nnen. Manche von ihnen haben Gl\u00fcck im Ungl\u00fcck: Sie haben \u00fcberlebt und sind auf der anderen Seite des Tigris untergekommen, im Osten der Stadt. Der war schon im Januar 2017 von den Terroristen befreit worden. Erstaunlich ist: Dieser Teil Mosuls wirkt fast so, als w\u00e4re der \u201eIS\u201c niemals hier gewesen und als h\u00e4tte es keinen Krieg gegeben.<\/p>\n\n\n\n

\"ImIm Osten Mossuls gibt es weniger Zerst\u00f6rungen als im Westteil. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

Die Zerst\u00f6rungen beschr\u00e4nken sich auf strategisch-wichtige Punkte oder Geb\u00e4ude, in denen sich die Terroristen verschanzt hatten: Br\u00fccken, Moscheen, Krankenh\u00e4user. Doch im Basar herrscht fast so etwas wie Normalit\u00e4t. An St\u00e4nden kaufen Menschen ein \u2013 Obst, Gem\u00fcse, Reis und Nudeln, Backwaren. Kinder schlecken ein Eis. Abu Muhammad, ein ehemaliger Physiklehrer, erkl\u00e4rt, warum der Basar so anders ist als erwartet:<\/p>\n\n\n\n

\u201eDas Leben hatte nie aufgeh\u00f6rt in Mosul. Wir haben weitergelebt. Drei Jahre wurden wir vom \u201aIS\u2018 beherrscht, doch die normalen Leute hatten nichts damit zu tun. Daher kam der Alltag schnell zur\u00fcck. Die Soldaten sind gekommen, haben den Basar wieder aufgemacht und das Leben ging weiter.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Im Osten findet sich heute all das wieder, was die Terror-Miliz unterdr\u00fcckt hatte und bei Missachtung grausam ahndete: Musik in Restaurants und Caf\u00e9s; Sim-Karten f\u00fcr Handys; Internet; Fris\u00f6re, die Haare schneiden, B\u00e4rte stutzen oder gar abrasieren. Und doch: Trotz des lebendigen Treibens wirken Angst und Schrecken nach. Abu Muhammad, fr\u00fch ergraut, erinnert sich:<\/p>\n\n\n\n

\u201eWir haben uns gef\u00fchlt wie zwischen Leben und Tod. Irgendwo dazwischen. Sie haben vom \u201aIS\u2018 geh\u00f6rt; wir haben ihn erlebt: Wir haben erlebt, wie sie mordeten, wie sie Leute aufh\u00e4ngten, wir haben den Krieg erlebt. Wir haben alles gesehen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Mohammed stammt aus dem zerst\u00f6rten Westen der Stadt. Er wohnt heute im Osten. Verwandte haben ihn und seine Familie aufgenommen. So wie ihm ergeht es auch anderen Vertriebenen. Sie leben bei Verwandten und Freunden. Oder in einem der vielen Lager. 700.000 Menschen haben ihr Zuhause verloren \u2013 eine Zahl, die f\u00fcr West-Mosul gilt. Insgesamt gehen die Vereinten Nationen von fast sechs Millionen Menschen aus, die im Irak vor dem \u201aIS\u2018 geflohen sind \u2013 die H\u00e4lfte von ihnen bis heute fern von ihrem Zuhause.<\/p>\n\n\n\n

Binnenfl\u00fcchtlinge im Lager Khabartu<\/h2>\n\n\n\n

Zelte soweit das Auge reicht. Abertausende. Inmitten von Steppe. Das Leben der Menschen ist hart. Sie darben, frieren und verdorren \u2013 wenn im Winter der kalte Wind durch die Steppe fegt und im Sommer die Sonne niederbrennt. Doch sie harren aus, haben wenig Hoffnung auf baldige R\u00fcckkehr. Die meisten kamen 2014 \u2013 hierher, ins Lager Khabartu in Irakisch-Kurdistan.<\/p>\n\n\n\n

\"DasDas Lager Khabartu f\u00fcr irakische Binnenfl\u00fcchtlinge. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

2014, als der \u201eIS\u201c den Nord-Irak \u00fcberfiel. In einem der Zelte lebt auch die Familie von Thomas Abdallah Hammou. Thomas war auf der Flucht von seiner Familie getrennt und von den Dschihadisten verschleppt worden. Damals war er acht Jahre alt. Ein Kind. Drei Jahre blieb er in Geiselhaft, lebte in Mosul.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollten nicht, dass wir spielen. Sie mochten es nicht. Ich habe keine Schule besucht, aber sie gaben uns Koran-Unterricht. Jeden Tag.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas musste seinem eigenen, dem jesidischen Glauben abschw\u00f6ren. Weil der \u201eIS\u201c die Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c betrachtet. Und \u201eUngl\u00e4ubige\u201c, so die Auffassung der Terroristen, m\u00fcssen zwangsbekehrt werden. Oder get\u00f6tet. Die Terroristen hatten dementsprechend die Jesiden entweder an Ort und Stelle ermordet, die meisten im Sinjar, im alten Siedlungsgebiet der Jesiden im Nord-Irak. Tausende. 47 Massengr\u00e4ber sollen mittlerweile gefunden worden sein. Oder aber die Terroristen lie\u00dfen die Jesiden am Leben und nahmen sie in Geiselhaft. Sie machten aus ihnen Sexsklavinnen oder sie bildeten sie aus \u2013 zu Selbstmordattent\u00e4tern. Wie Thomas.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie haben uns st\u00e4ndig geschlagen. Wir mussten Schie\u00dfen \u00fcben. Zwei meiner Freunde haben sich in die Luft gesprengt. Sie sind zum Training. Doch sie kamen nicht zur\u00fcck. Ich war nicht traurig. Sie wollten sich ja in die Luft sprengen. Die \u201aIS\u2018-Leute hatten es nicht von ihnen verlangt. Sie sind freiwillig gegangen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas hat heute einen modernen Haarschnitt; der Nacken ist ausrasiert; der lange Pony in die Stirn gek\u00e4mmt. Im Sommer sah er noch anders aus, kurz nachdem Mosul befreit worden war. Bei einem Luftangriff der Anti-\u201eIS\u201c-Koalition wurde Thomas schwer verletzt aus Tr\u00fcmmern geborgen, dann operiert.<\/p>\n\n\n\n

\"ThomasThomas erholt sich von drei Jahren IS-Gefangenschaft. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

Arbeit mit \u201eDschihadisten-Kindern\u201c<\/h2>\n\n\n\n

Die \u00e4u\u00dferen Wunden sind heute verheilt. Doch wie sieht es aus mit den inneren, den seelischen Verletzungen? Thomas wurde von seiner Familie aufgenommen und bekommt Hilfe. Andere Kinder konnten nicht aufgefangen werden. Bis heute betrachten sie Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c \u2013 so wie es ihnen in der Geiselhaft eingeh\u00e4mmert wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie sind eine gro\u00dfe Gefahr f\u00fcr andere Kinder. Sie leben in Lagern, in einem Zelt, auf sechs mal vier Metern, oder noch weniger! Acht Geschwister, sie spielen zusammen, reden, sie indoktrinieren die anderen! Das ist ein Problem, das wir nicht l\u00f6sen k\u00f6nnen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Sara Hassan ist Sozialarbeiterin. Sie arbeitet in den Lagern, versucht M\u00e4dchen und Frauen, die jahrelang in Geiselhaft vergewaltigt wurden, zu helfen. Unz\u00e4hlige hatte der \u201eIS\u201c einst entf\u00fchrt. Sara arbeitet auch mit den sogenannten \u201eDschihadisten-Kindern\u201c. Sie erz\u00e4hlt, wie \u00fcberfordert alle seien: die Familien, die jesidische Gemeinschaft, die Gesellschaft des Nord-Irak.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIn einem anderen Fall hat sich die Familie am Ende an die Sicherheitskr\u00e4fte gewandt. Doch die wussten auch nicht, wie sie damit umgehen sollten. Monate lang hat die Familie versucht, den Jungen umzuerziehen, zusammen mit Sozialarbeitern. Aber noch immer sehen wir den Hass in seinen Augen \u2013 gegen\u00fcber Kurden, Christen und Jesiden. Als blicke man in die Augen eines IS-Terroristen. Das ist das Problem.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Die Jesiden k\u00f6nnen \u00fcber ihre vom \u201eIS\u201c indoktrinierten Kinder sprechen. Denn niemand zweifelt daran, dass sie Opfer der Tyrannei wurden. Bei den sunnitischen Arabern sieht das anders aus. Da sie derselben Religionsgruppe angeh\u00f6ren wie formal auch die Terroristen, stehen sie unter Generalverdacht, mit dem \u201eIS\u201c gemeinsame Sache gemacht zu haben. Sunnitische Araber trauen sich daher nicht, die Probleme ihrer Kinder \u00f6ffentlich zu machen \u2013 auch wenn sie selbst nichts mit dem \u201eIS\u201c zu tun hatten.<\/p>\n\n\n\n

Unklar ist, wie viele Kinder und Jugendliche im Irak und in Syrien zu Terroristen ausgebildet wurden, dabei noch in Geiselhaft sind oder bereits als \u201eSchl\u00e4fer\u201c darauf warten, zum Einsatz zu kommen. Sie gleichen \u201etickenden Zeitbomben\u201c, die jederzeit explodieren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

Minderheiten haben Angst vor \u201eIS\u201c-Nachfolgern<\/h2>\n\n\n\n

Kamaran Palani spricht davon, dass viele Menschen immer noch gehen wollen, obwohl der \u201eIS\u201c als staats\u00e4hnliches Gebilde nicht mehr besteht. Seine Saat aber, so der Politikwissenschaftler, sei aufgegangen.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollen einfach nicht in diesem Land bleiben. Der IS hat sie dazu gebracht. Jeder hat heute Angst, dass eine andere Organisation kommen wird, Terroristen, die dasselbe anrichten wie zuvor.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Palani forscht am \u201eMiddle East Research Institute\u201c, das seinen Sitz in Erbil hat, der Hauptstadt von Irakisch-Kurdistan. <\/p>\n\n\n\n

\u201e60 bis 65 Prozent der Christen wollen gehen. Das Gleiche gilt f\u00fcr andere Minderheiten: f\u00fcr Jesiden, Schabaks, Turkmenen, Kakais.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

\u201eWir werden niemals wieder mit den Arabern zusammenleben k\u00f6nnen!\u201c \u2013 ein Satz, der heute h\u00e4ufig im Nord-Irak zu h\u00f6ren ist. Gemeint sind die Iraker, die Sunniten und Araber sind \u2013 die einstmals Nachbarn von Jesiden, Christen und Kurden waren \u2013 mit denen man Handel trieb und Hochzeiten feierte, die auch Freunde waren.<\/p>\n\n\n\n

Der Irak ist eine multi-ethnische und multi-religi\u00f6se Gesellschaft, in der die Schiiten die Mehrheit stellen. \u00dcber Jahrhunderte aber hatten die sunnitischen Araber das Sagen, sie missbrauchten die Macht, errichteten ein Schreckensregime \u2013 bis 2003, als Diktator Saddam Hussein von den USA gest\u00fcrzt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c entstand aus Widerstand gegen Schiiten-Herrschaft<\/h2>\n\n\n\n

Jetzt wurde der Spie\u00df umgedreht. Die Amerikaner sorgten daf\u00fcr, dass die Sunniten jegliche Machtposition verloren \u2013 so wurde die irakische Armee, wurde die baathistische Partei aufgel\u00f6st \u2013 ohne ein Pendant zu schaffen, das alle integrierte. Und: Washington unterst\u00fctzte Regierungschef Nouri al-Maliki, einen Schiiten. Maliki sah eine historische Chance gekommen, diskriminierte nun seinerseits seine sunnitischen Landsleute, verwehrte ihnen im \u201eNeuen Irak\u201c die Mitsprache. Im Regime Malikis wurden Sunniten inhaftiert, gefoltert und umgebracht.<\/p>\n\n\n\n

Was viele in den Widerstand trieb. Einige schlossen sich der Terror-Organisation \u201eAl-Qaida\u201c an, unter ihnen f\u00fchrende Milit\u00e4rs der aufgel\u00f6sten Armee Saddam Husseins \u2013 und aus \u201eAl-Qaida\u201c ging sp\u00e4ter der \u201eIS\u201c hervor.<\/p>\n\n\n\n

Als der \u201eIS\u201c dann im Sommer 2014 fast ohne Gegenwehr weite Landstriche in Syrien und im Irak \u00fcberrannte und seinen \u201eStaat\u201c ausrief, sahen auch gew\u00f6hnliche sunnitische Araber einen Wechsel nahen. Viele machten gemeinsame Sache mit den Terroristen, verhinderten die Flucht jesidischer Nachbarn, lieferten sie ihren Schl\u00e4chtern aus. Kamaran Palani:<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c-K\u00e4mpfer haben gesagt, es gehe darum, die W\u00fcrde der sunnitischen Araber wiederherzustellen. Ihre Macht. Ihre Geschichte. Tats\u00e4chlich konnten es die Araber nicht hinnehmen, dass sie ins Abseits gedr\u00e4ngt wurden. Und ich denke, dass sie auch in Zukunft so handeln werden. Wann immer sich die Gelegenheit bietet: Sie werden alles hinter sich lassen \u2013 sich nur darauf konzentrieren.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Misstrauen. Auch bei einem Politikwissenschaftler. Was also tun? Zerst\u00f6rte St\u00e4dte und D\u00f6rfer k\u00f6nnten wieder aufgebaut werden \u2013 wenn denn ein gemeinsamer Wille best\u00fcnde. Doch was, wenn es einen solchen gemeinsamen Willen gar nicht gibt? Wenn Schmerz und Trauer anhalten, wenn die Verbrechen von Terroristen und Helfershelfern nicht geahndet werden, wenn Angst umgeht, Misstrauen und Hass das Miteinander bestimmen.<\/p>\n\n\n\n

\"SyrischeSoldaten in der irakischen Stadt Sindschar nach der R\u00fcckeroberung von der IS-Miliz Ende 2015. (dpa \/ MAXPPP \/ Arnaud Dumontier)<\/p>\n\n\n\n

Kamaran Palani stammt aus der Stadt Makhmour. Drei Tage nur sei der \u201eIS\u201c dort gewesen, sagt er, doch diese Tage h\u00e4tten alles ver\u00e4ndert. Der \u201eIS\u201c habe die Menschen in seiner Heimatstadt verrohen lassen, meint er, das Verh\u00e4ltnis zwischen Kurden und Arabern sei heute tot. Eine R\u00fcckkehr in alte Zeiten h\u00e4lt Palani f\u00fcr falsch.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch denke, es w\u00e4re nicht einfach, in das Jahr 2014 \u2013 also in die Zeit vor dem \u201aIS\u2018 \u2013 zur\u00fcckzukehren. Vor allem aber w\u00e4re es nicht die richtige Politik. Denn eben die hat ja erst zum Aufkommen, zur Existenz des \u201aIS\u2018 gef\u00fchrt.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n


Wie also in Ruinen Neues schaffen? Der Staat muss das Gewaltmonopol zur\u00fcckerlangen, fordert der Politikwissenschaftler. F\u00fcr ihn steht das an erster Stelle. Und dann m\u00fcsse der Staat dringend einen Kurswechsel vornehmen: Er m\u00fcsse integrativ wirken, alle einbinden, auch die Araber, in Sicherheitskr\u00e4fte, Verwaltung und Politik.<\/p>\n\n\n\n

Machtmonopol m\u00fcsste von Milizen zum Staat gehen<\/h2>\n\n\n\n

Die Realit\u00e4t sieht anders aus: Ein Staat Kurdistan, der neue Optionen m\u00f6glich gemacht h\u00e4tte, auch von den Minderheiten gew\u00fcnscht worden war, ist nicht entstanden. Bagdad aber ist fern, der Zentralstaat kaum existent, und wenn, dann ist er schiitisch dominiert. Es sind Milizen, die im Nord-Irak das Geschehen bestimmen, darum rivalisieren, das Machtvakuum zu f\u00fcllen, das durch die Vertreibung des \u201eIS\u201c entstanden ist. Einst im Kampf gegen die Terroristen geeint, sind die Milizen einander heute feind.<\/p>\n\n\n\n

Allen voran die \u201eHashd ash-Shaabi\u201c, schiitisch-irakische Milizen, deren Ausbilder und Kommandeure h\u00e4ufig Iraner sind. Bagdad hat die Haschd als regul\u00e4re Kraft im Kampf gegen den \u201eIS\u201c anerkannt \u2013 obwohl Menschenrechts-Organisationen schwere Vorw\u00fcrfe gegen sie erheben. Fest steht: Die schiitischen Milizen halten D\u00f6rfer besetzt, sind in Mosul f\u00fcr ihr herrisches Auftreten und ihre Willk\u00fcr bekannt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eTats\u00e4chlich sorgen die verschiedenen bewaffneten Gruppen daf\u00fcr, dass die Fl\u00fcchtlinge nicht zur\u00fcckkehren. Und weil sie nicht zur\u00fcckkehren, gibt es auch keinen Wiederaufbau. Die Menschen haben Angst vor den Milizen \u2013 auch davor, dass die einander bek\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die \u201eHashd\u201c m\u00fcssten mithin abziehen. Und mit ihnen die anderen Milizen. Das Machtmonopol m\u00fcsste an den Staat gehen. Doch der Irak ist auch Spielball der Regionalm\u00e4chte: Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien. Sie konkurrieren um Einfluss-Sph\u00e4ren, bedienen sich dabei verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Gruppen im Irak. Deswegen werden die Hashd nicht abziehen. Derzeit sind sie von der iranisch-irakischen Grenze im Osten \u00fcber Bagdad bis hoch zur irakisch-syrischen Grenze im Norden postiert. Einheiten Teherans k\u00f6nnten demnach auf dem Landweg vom Iran bis ans Mittelmeer durchmarschieren.<\/p>\n\n\n\n

Iran und Saudi-Arabien wollen Macht vergr\u00f6\u00dfern<\/h2>\n\n\n\n

Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n

In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n

Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3703,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:24:20","post_date_gmt":"2020-08-13 21:24:20","post_content":"\n

Deutschland str\u00e4ubt sich gegen die R\u00fcckkehr seiner eigenen Staatsb\u00fcrger, die zu IS-Terroristen wurden. Dabei hat die Bundesrepublik den Terror und die Terroristen einst exportiert. Und dies geschah wissentlich, sagt der Islamwissenschaftler Fabian Goldmann.<\/p>\n\n\n\n

Wann haben Sie sich eigentlich zuletzt von deutschen Terroristen distanziert? Zum Beispiel von Robert B.? Der Ex-Bundeswehrsoldat aus Solingen hat mutma\u00dflich bei einem Selbstmordattentat Anfang 2014 50 Menschen mit in den Tod gerissen. <\/p>\n\n\n\n

Oder von Yannik N.? Der junge Freiburger steuerte wahrscheinlich im Jahr 2015 einen mit anderthalb Tonnen Sprengstoff beladenen LKW in eine Menschenmenge und nahm so Dutzenden Personen das Leben.<\/p>\n\n\n\n

Oder von Yamin A.?. Im Sommer 2015 tauchte im Netz ein Video auf, das zeigte, wie der ehemalige Telekom-Azubi aus K\u00f6nigswinter zwei gefesselten Soldaten in den Kopf schoss.
Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Deutsche T\u00e4ter, aber kaum deutsche Opfer<\/h2>\n\n\n\n

Hauptsache nicht bei uns! Dies scheint auch dieser Tage wieder die Maxime zu sein, wenn Politiker und \u00d6ffentlichkeit \u00fcber den Umgang mit deutschen Terroristen diskutieren. Von potenziellen Bedrohungen und Anschlagsgefahren in Deutschland liest man dann. Vom ganz realen Terror, den Deutsche in den vergangenen Jahren \u00fcber die Menschen in Syrien und Irak gebracht haben, h\u00f6rt man hingegen kaum. Ein Terror, der kaum deutsche Opfer aber umso mehr deutsche T\u00e4ter kannte.<\/p>\n\n\n\n

1.050 \u2013 das ist laut Bundesinnenministerium die Anzahl der Dschihadisten, die in den letzten Jahren die Bundesrepublik in Richtung Nahost verlassen hat. Es f\u00e4llt schwer, sich umgekehrtes Szenario \u00fcberhaupt auszumalen. Was w\u00e4re wohl los, h\u00e4tte es nur ein Bruchteil arabischer Terroristen geschafft, bei uns Anschl\u00e4ge zu begehen? Europas \u201eMuslim Bann\u201c? \u00dcberwachungsstaat auf NSA-Niveau?<\/p>\n\n\n\n

Die CSU st\u00fcnde wom\u00f6glich am linken Ende des politischen Spektrums, und auf Twitter w\u00fcrde Trump deutsche Migrationspolitiker zur M\u00e4\u00dfigung aufrufen. Der deutsche Terror in Nahost kommt hingegen seit Jahren ganz ohne Sondersendungen, politische Debatten und Distanzierungsforderungen aus. <\/p>\n\n\n\n

Deutsche K\u00e4mpfer waren nicht nur willenloses Kanonenfutter<\/h2>\n\n\n\n

An fehlendem Wissen liegt das nicht. Von ganzen Einheiten des IS, in denen kein einziger K\u00e4mpfer Arabisch spreche, berichten syrische, irakische und kurdische Soldaten schon seit Jahren. Von Aleppo \u00fcber Raqqa bis Mossul haben Aktivisten und Politiker immer wieder darauf hingewiesen, dass viele der schlimmsten M\u00f6rder in den Reihen des IS Europ\u00e4er sind. Interessiert hat das hier kaum jemand.<\/p>\n\n\n\n

Dabei dienten Deutsche dem Islamischen Staats nicht nur als willenloses Kanonenfutter, wie es oft dargestellt wird. Viele haben seinen Terror mitgepr\u00e4gt. Wie Martin L., der derzeit in kurdischer Haft sitzt. Der Schwei\u00dfer aus Sachsen-Anhalt soll sich vom Folterknecht bis zum Geheimdienstler mit Kontakten bis in die F\u00fchrungsspitze der Terrororganisation hochgearbeitet haben.<\/p>\n\n\n\n

Oder Reda S., Der Prediger aus Berlin-Charlottenburg soll dem IS in Mossul als Bildungsminister gedient haben. Oder der Berliner Ex-Rapper Denis Cuspert, der zu den wichtigsten Personen in der IS-Medienorganisation Al-Hayat geh\u00f6rte. Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Beh\u00f6rden wussten gut Bescheid<\/h2>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich entstand der Islamische Staat nicht in deutschen Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen. Zur deutschen Verantwortung geh\u00f6rt aber auch, dass Politiker und Beh\u00f6rden lange wegschauten, solang nur die T\u00e4ter, aber nicht die Opfer Deutsche waren. Beh\u00f6rden wissen und wussten erschreckend gut Bescheid \u00fcber die Radikalisierung deutscher Islamisten. Ein Gro\u00dfteil der sp\u00e4teren IS-K\u00e4mpfer war polizeibekannt, stand auf Gef\u00e4hrderlisten oder hatte wegen islamistischer Straftaten bereits Haftstrafen verb\u00fc\u00dft. An der Ausreise gehindert wurden sie oftmals dennoch nicht. Die Gefahr, die von deutschen Terroristen ausgeht, interessierte Politik und \u00d6ffentlichkeit erst dann wieder, als ihre Einreise drohte.<\/p>\n\n\n\n

\"Fabian
Fabian Goldmann<\/strong> ist Journalist und Islamwissenschaftler. F\u00fcr verschiedene Magazine und Zeitungen berichtete er viele Jahre aus Nahost. Zurzeit widmet er sich vor allem dem Islam diesseits des Bosporus. Auf seinem Blog Schantall und die Scharia<\/a> bloggt er \u00fcber Islamophobie in Deutschland.<\/p>\n","post_title":"Es sind unsere Terroristen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"es-sind-unsere-terroristen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3703","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3700,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:19:36","post_date_gmt":"2020-08-13 21:19:36","post_content":"\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda? Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda t<\/p>\n\n\n\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda tritt an die Stelle der 2010 verabschiedeten Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014 (siehe IP\/10\/1535<\/a>). In der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda f\u00fcr den Zeitraum 2015-2020 skizziert die Europ\u00e4ische Kommission die Strategie der Union zur Bew\u00e4ltigung der Sicherheitsbedrohungen in der EU.<\/p>\n\n\n\n

Die EU und ihre Mitgliedstaaten sind mit betr\u00e4chtlichen Sicherheitsproblemen konfrontiert. Terrorismus, organisierte Kriminalit\u00e4t und Cyberkriminalit\u00e4t stellen eine zunehmende Gefahr f\u00fcr die europ\u00e4ische Gesellschaft dar, wobei sich Art und Ausma\u00df dieser Gefahr ver\u00e4ndert hat. Europa ist mit den Auswirkungen der politischen Instabilit\u00e4t in seiner unmittelbaren Nachbarschaft konfrontiert, die die Sicherheitsinteressen der EU gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n

Im Zuge der Krisen und Konflikte in Syrien, Irak und Libyen haben sich europ\u00e4ische B\u00fcrger terroristischen Gruppen angeschlossen, die bei ihrer R\u00fcckkehr eine erhebliche Bedrohung darstellen k\u00f6nnen. Die j\u00fcngsten terroristischen Anschl\u00e4ge in Europa zeugen von der zunehmenden Bedrohung durch einen gewaltt\u00e4tigen Extremismus und zeigen, in welchem Ausma\u00df weltweite Konflikte zur Radikalisierung der europ\u00e4ischen B\u00fcrger beitragen.<\/p>\n\n\n\n

Das Online-Umfeld hat sich zunehmend als Ziel f\u00fcr Kriminelle und Terroristen entwickelt. Unabh\u00e4ngig davon, ob es um die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und die Anwerbung von Menschen f\u00fcr terroristische Organisationen geht oder die Verbreitung von Hass oder einen Angriff auf die europ\u00e4ischen Werte und Institutionen, fest steht, dass wir unsere Reaktion auf diese Bedrohungen unbedingt abstimmen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Welcher Mehrwert entsteht durch die EU im Bereich der inneren Sicherheit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Gew\u00e4hrleistung der inneren Sicherheit f\u00e4llt weiterhin in erster Linie in die Zust\u00e4ndigkeit der Mitgliedstaaten. Allerdings werden die Bedrohungen f\u00fcr Europas B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger immer vielf\u00e4ltiger und betreffen in zunehmendem Ma\u00dfe mehrere Mitgliedstaaten. Einzelne Mitgliedstaaten haben die Verantwortung, die Sicherheit an den Au\u00dfengrenzen zu gew\u00e4hrleisten, sind aber nicht mehr in der Lage, diese Herausforderungen allein zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n

Kriminelle und terroristische Aktivit\u00e4ten machen nicht an den Grenzen der EU halt und beschr\u00e4nken sich auch nicht auf Nachbarregionen. Die innere Sicherheit der EU und die globale Sicherheit sind voneinander abh\u00e4ngig und miteinander verkn\u00fcpft. Die Sicherheit der Union h\u00e4ngt in hohem Ma\u00dfe von der Zusammenarbeit mit ihren internationalen Partnern und ihren Nachbarl\u00e4ndern ab.<\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t und des Terrorismus ist eine gemeinsame europ\u00e4ische Aufgabe. Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda sollte von den Mitgliedstaaten und den EU-Organen gemeinsam als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und gemeinsame Ma\u00dfnahmen der Union genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n

Mit Hilfe der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda werden die Polizei- und Strafverfolgungsdienste in verschiedenen Mitgliedstaaten Daten effektiver austauschen und bei der Bek\u00e4mpfung der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t besser zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Die Mitgliedstaaten k\u00f6nnen auf die Unterst\u00fctzung durch die Agenturen der EU z\u00e4hlen. Insbesondere in folgenden Punkten l\u00e4sst sich mit Hilfe der Sicherheitsagenda ein EU-Mehrwert erzielen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n

A) Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und den EU-Agenturen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1<\/strong>: Das Schengener Informationssystem<\/strong> (SIS) wird von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Abfrage von Ausschreibungen von gesuchten oder vermissten Personen und Gegenst\u00e4nden genutzt. Die Kommission wird an der Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Ausschreibungskategorien arbeiten und sich daf\u00fcr einsetzen, dass das SIS zusammen mit der Interpol-Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD)<\/strong> umfassender genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

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Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

Source<\/a><\/p>\n","post_title":"Warum Afghanen in Syrien f\u00fcr Assad k\u00e4mpfen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"warum-afghanen-in-syrien-fur-assad-kampfen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3709","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3706,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:27:40","post_date_gmt":"2020-08-13 21:27:40","post_content":"\n

Kinder, Frauen, Jesiden \u2013 wer \u00fcberlebt hat, berichtet von Folter, Vergewaltigungen und Gehirnw\u00e4sche. Rund drei Jahre dauerte die Schreckensherrschaft der IS-Miliz in Syrien und Irak. Der Wiederaufbau wird l\u00e4nger dauern und mehr umfassen als H\u00e4user.<\/p>\n\n\n\n

Der Fluss Tigris durchzieht die zweitgr\u00f6\u00dfte Stadt des Iraks und teilt Mosul in Ost und West. Das Westufer ist von Zerst\u00f6rung gezeichnet, die Altstadt nicht mehr als eine einzige graue Tr\u00fcmmerlandschaft. Seit den letzten Bombardements im Juli 2017 kann hier niemand mehr wohnen.<\/p>\n\n\n\n

Die Nouri-Moschee, von deren Kanzel Abu Bakr al-Baghdadi im Juli 2014 sein Kalifat ausrief, hatte die IS-Miliz auf ihrem R\u00fcckzug vorsorglich selbst in die Luft gesprengt, um den Gegnern diesen besonderen Triumph zu verwehren.<\/p>\n\n\n\n

\"ImIm Juli 2017 erobert die irakische Armee Mossul zur\u00fcck. Ruinen sind zu sehen. Ein K\u00e4mpfer der IS-Miliz hat sich ergeben. (Imago \/ Carol Guzy)<\/p>\n\n\n\n

Es ist fraglich, ob die Altstadt dem Original getreu wieder aufgebaut werden kann. Bagdad will demn\u00e4chst \u2013 im Rahmen einer gro\u00dfen Wiederaufbau-Konferenz \u2013 bekannt geben, welche Pl\u00e4ne es hat. Derzeit gilt als gro\u00dfer Fortschritt, dass die Tr\u00fcmmerlandschaft in Teilen wieder begehbar ist \u2013 nachdem mit internationaler Hilfe zahllose Sprengs\u00e4tze beseitigt wurden.<\/p>\n\n\n\n

In Ost-Mossul gibt es weniger Zerst\u00f6rungen<\/h2>\n\n\n\n

J\u00fcngste Sch\u00e4tzungen der Vereinten Nationen besagen, dass es noch Jahre dauern wird, bis alle Minen ger\u00e4umt sind. Solange werden die einstigen Bewohner nicht zur\u00fcckkehren k\u00f6nnen. Manche von ihnen haben Gl\u00fcck im Ungl\u00fcck: Sie haben \u00fcberlebt und sind auf der anderen Seite des Tigris untergekommen, im Osten der Stadt. Der war schon im Januar 2017 von den Terroristen befreit worden. Erstaunlich ist: Dieser Teil Mosuls wirkt fast so, als w\u00e4re der \u201eIS\u201c niemals hier gewesen und als h\u00e4tte es keinen Krieg gegeben.<\/p>\n\n\n\n

\"ImIm Osten Mossuls gibt es weniger Zerst\u00f6rungen als im Westteil. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

Die Zerst\u00f6rungen beschr\u00e4nken sich auf strategisch-wichtige Punkte oder Geb\u00e4ude, in denen sich die Terroristen verschanzt hatten: Br\u00fccken, Moscheen, Krankenh\u00e4user. Doch im Basar herrscht fast so etwas wie Normalit\u00e4t. An St\u00e4nden kaufen Menschen ein \u2013 Obst, Gem\u00fcse, Reis und Nudeln, Backwaren. Kinder schlecken ein Eis. Abu Muhammad, ein ehemaliger Physiklehrer, erkl\u00e4rt, warum der Basar so anders ist als erwartet:<\/p>\n\n\n\n

\u201eDas Leben hatte nie aufgeh\u00f6rt in Mosul. Wir haben weitergelebt. Drei Jahre wurden wir vom \u201aIS\u2018 beherrscht, doch die normalen Leute hatten nichts damit zu tun. Daher kam der Alltag schnell zur\u00fcck. Die Soldaten sind gekommen, haben den Basar wieder aufgemacht und das Leben ging weiter.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Im Osten findet sich heute all das wieder, was die Terror-Miliz unterdr\u00fcckt hatte und bei Missachtung grausam ahndete: Musik in Restaurants und Caf\u00e9s; Sim-Karten f\u00fcr Handys; Internet; Fris\u00f6re, die Haare schneiden, B\u00e4rte stutzen oder gar abrasieren. Und doch: Trotz des lebendigen Treibens wirken Angst und Schrecken nach. Abu Muhammad, fr\u00fch ergraut, erinnert sich:<\/p>\n\n\n\n

\u201eWir haben uns gef\u00fchlt wie zwischen Leben und Tod. Irgendwo dazwischen. Sie haben vom \u201aIS\u2018 geh\u00f6rt; wir haben ihn erlebt: Wir haben erlebt, wie sie mordeten, wie sie Leute aufh\u00e4ngten, wir haben den Krieg erlebt. Wir haben alles gesehen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Mohammed stammt aus dem zerst\u00f6rten Westen der Stadt. Er wohnt heute im Osten. Verwandte haben ihn und seine Familie aufgenommen. So wie ihm ergeht es auch anderen Vertriebenen. Sie leben bei Verwandten und Freunden. Oder in einem der vielen Lager. 700.000 Menschen haben ihr Zuhause verloren \u2013 eine Zahl, die f\u00fcr West-Mosul gilt. Insgesamt gehen die Vereinten Nationen von fast sechs Millionen Menschen aus, die im Irak vor dem \u201aIS\u2018 geflohen sind \u2013 die H\u00e4lfte von ihnen bis heute fern von ihrem Zuhause.<\/p>\n\n\n\n

Binnenfl\u00fcchtlinge im Lager Khabartu<\/h2>\n\n\n\n

Zelte soweit das Auge reicht. Abertausende. Inmitten von Steppe. Das Leben der Menschen ist hart. Sie darben, frieren und verdorren \u2013 wenn im Winter der kalte Wind durch die Steppe fegt und im Sommer die Sonne niederbrennt. Doch sie harren aus, haben wenig Hoffnung auf baldige R\u00fcckkehr. Die meisten kamen 2014 \u2013 hierher, ins Lager Khabartu in Irakisch-Kurdistan.<\/p>\n\n\n\n

\"DasDas Lager Khabartu f\u00fcr irakische Binnenfl\u00fcchtlinge. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

2014, als der \u201eIS\u201c den Nord-Irak \u00fcberfiel. In einem der Zelte lebt auch die Familie von Thomas Abdallah Hammou. Thomas war auf der Flucht von seiner Familie getrennt und von den Dschihadisten verschleppt worden. Damals war er acht Jahre alt. Ein Kind. Drei Jahre blieb er in Geiselhaft, lebte in Mosul.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollten nicht, dass wir spielen. Sie mochten es nicht. Ich habe keine Schule besucht, aber sie gaben uns Koran-Unterricht. Jeden Tag.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas musste seinem eigenen, dem jesidischen Glauben abschw\u00f6ren. Weil der \u201eIS\u201c die Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c betrachtet. Und \u201eUngl\u00e4ubige\u201c, so die Auffassung der Terroristen, m\u00fcssen zwangsbekehrt werden. Oder get\u00f6tet. Die Terroristen hatten dementsprechend die Jesiden entweder an Ort und Stelle ermordet, die meisten im Sinjar, im alten Siedlungsgebiet der Jesiden im Nord-Irak. Tausende. 47 Massengr\u00e4ber sollen mittlerweile gefunden worden sein. Oder aber die Terroristen lie\u00dfen die Jesiden am Leben und nahmen sie in Geiselhaft. Sie machten aus ihnen Sexsklavinnen oder sie bildeten sie aus \u2013 zu Selbstmordattent\u00e4tern. Wie Thomas.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie haben uns st\u00e4ndig geschlagen. Wir mussten Schie\u00dfen \u00fcben. Zwei meiner Freunde haben sich in die Luft gesprengt. Sie sind zum Training. Doch sie kamen nicht zur\u00fcck. Ich war nicht traurig. Sie wollten sich ja in die Luft sprengen. Die \u201aIS\u2018-Leute hatten es nicht von ihnen verlangt. Sie sind freiwillig gegangen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas hat heute einen modernen Haarschnitt; der Nacken ist ausrasiert; der lange Pony in die Stirn gek\u00e4mmt. Im Sommer sah er noch anders aus, kurz nachdem Mosul befreit worden war. Bei einem Luftangriff der Anti-\u201eIS\u201c-Koalition wurde Thomas schwer verletzt aus Tr\u00fcmmern geborgen, dann operiert.<\/p>\n\n\n\n

\"ThomasThomas erholt sich von drei Jahren IS-Gefangenschaft. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

Arbeit mit \u201eDschihadisten-Kindern\u201c<\/h2>\n\n\n\n

Die \u00e4u\u00dferen Wunden sind heute verheilt. Doch wie sieht es aus mit den inneren, den seelischen Verletzungen? Thomas wurde von seiner Familie aufgenommen und bekommt Hilfe. Andere Kinder konnten nicht aufgefangen werden. Bis heute betrachten sie Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c \u2013 so wie es ihnen in der Geiselhaft eingeh\u00e4mmert wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie sind eine gro\u00dfe Gefahr f\u00fcr andere Kinder. Sie leben in Lagern, in einem Zelt, auf sechs mal vier Metern, oder noch weniger! Acht Geschwister, sie spielen zusammen, reden, sie indoktrinieren die anderen! Das ist ein Problem, das wir nicht l\u00f6sen k\u00f6nnen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Sara Hassan ist Sozialarbeiterin. Sie arbeitet in den Lagern, versucht M\u00e4dchen und Frauen, die jahrelang in Geiselhaft vergewaltigt wurden, zu helfen. Unz\u00e4hlige hatte der \u201eIS\u201c einst entf\u00fchrt. Sara arbeitet auch mit den sogenannten \u201eDschihadisten-Kindern\u201c. Sie erz\u00e4hlt, wie \u00fcberfordert alle seien: die Familien, die jesidische Gemeinschaft, die Gesellschaft des Nord-Irak.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIn einem anderen Fall hat sich die Familie am Ende an die Sicherheitskr\u00e4fte gewandt. Doch die wussten auch nicht, wie sie damit umgehen sollten. Monate lang hat die Familie versucht, den Jungen umzuerziehen, zusammen mit Sozialarbeitern. Aber noch immer sehen wir den Hass in seinen Augen \u2013 gegen\u00fcber Kurden, Christen und Jesiden. Als blicke man in die Augen eines IS-Terroristen. Das ist das Problem.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Die Jesiden k\u00f6nnen \u00fcber ihre vom \u201eIS\u201c indoktrinierten Kinder sprechen. Denn niemand zweifelt daran, dass sie Opfer der Tyrannei wurden. Bei den sunnitischen Arabern sieht das anders aus. Da sie derselben Religionsgruppe angeh\u00f6ren wie formal auch die Terroristen, stehen sie unter Generalverdacht, mit dem \u201eIS\u201c gemeinsame Sache gemacht zu haben. Sunnitische Araber trauen sich daher nicht, die Probleme ihrer Kinder \u00f6ffentlich zu machen \u2013 auch wenn sie selbst nichts mit dem \u201eIS\u201c zu tun hatten.<\/p>\n\n\n\n

Unklar ist, wie viele Kinder und Jugendliche im Irak und in Syrien zu Terroristen ausgebildet wurden, dabei noch in Geiselhaft sind oder bereits als \u201eSchl\u00e4fer\u201c darauf warten, zum Einsatz zu kommen. Sie gleichen \u201etickenden Zeitbomben\u201c, die jederzeit explodieren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

Minderheiten haben Angst vor \u201eIS\u201c-Nachfolgern<\/h2>\n\n\n\n

Kamaran Palani spricht davon, dass viele Menschen immer noch gehen wollen, obwohl der \u201eIS\u201c als staats\u00e4hnliches Gebilde nicht mehr besteht. Seine Saat aber, so der Politikwissenschaftler, sei aufgegangen.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollen einfach nicht in diesem Land bleiben. Der IS hat sie dazu gebracht. Jeder hat heute Angst, dass eine andere Organisation kommen wird, Terroristen, die dasselbe anrichten wie zuvor.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Palani forscht am \u201eMiddle East Research Institute\u201c, das seinen Sitz in Erbil hat, der Hauptstadt von Irakisch-Kurdistan. <\/p>\n\n\n\n

\u201e60 bis 65 Prozent der Christen wollen gehen. Das Gleiche gilt f\u00fcr andere Minderheiten: f\u00fcr Jesiden, Schabaks, Turkmenen, Kakais.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

\u201eWir werden niemals wieder mit den Arabern zusammenleben k\u00f6nnen!\u201c \u2013 ein Satz, der heute h\u00e4ufig im Nord-Irak zu h\u00f6ren ist. Gemeint sind die Iraker, die Sunniten und Araber sind \u2013 die einstmals Nachbarn von Jesiden, Christen und Kurden waren \u2013 mit denen man Handel trieb und Hochzeiten feierte, die auch Freunde waren.<\/p>\n\n\n\n

Der Irak ist eine multi-ethnische und multi-religi\u00f6se Gesellschaft, in der die Schiiten die Mehrheit stellen. \u00dcber Jahrhunderte aber hatten die sunnitischen Araber das Sagen, sie missbrauchten die Macht, errichteten ein Schreckensregime \u2013 bis 2003, als Diktator Saddam Hussein von den USA gest\u00fcrzt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c entstand aus Widerstand gegen Schiiten-Herrschaft<\/h2>\n\n\n\n

Jetzt wurde der Spie\u00df umgedreht. Die Amerikaner sorgten daf\u00fcr, dass die Sunniten jegliche Machtposition verloren \u2013 so wurde die irakische Armee, wurde die baathistische Partei aufgel\u00f6st \u2013 ohne ein Pendant zu schaffen, das alle integrierte. Und: Washington unterst\u00fctzte Regierungschef Nouri al-Maliki, einen Schiiten. Maliki sah eine historische Chance gekommen, diskriminierte nun seinerseits seine sunnitischen Landsleute, verwehrte ihnen im \u201eNeuen Irak\u201c die Mitsprache. Im Regime Malikis wurden Sunniten inhaftiert, gefoltert und umgebracht.<\/p>\n\n\n\n

Was viele in den Widerstand trieb. Einige schlossen sich der Terror-Organisation \u201eAl-Qaida\u201c an, unter ihnen f\u00fchrende Milit\u00e4rs der aufgel\u00f6sten Armee Saddam Husseins \u2013 und aus \u201eAl-Qaida\u201c ging sp\u00e4ter der \u201eIS\u201c hervor.<\/p>\n\n\n\n

Als der \u201eIS\u201c dann im Sommer 2014 fast ohne Gegenwehr weite Landstriche in Syrien und im Irak \u00fcberrannte und seinen \u201eStaat\u201c ausrief, sahen auch gew\u00f6hnliche sunnitische Araber einen Wechsel nahen. Viele machten gemeinsame Sache mit den Terroristen, verhinderten die Flucht jesidischer Nachbarn, lieferten sie ihren Schl\u00e4chtern aus. Kamaran Palani:<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c-K\u00e4mpfer haben gesagt, es gehe darum, die W\u00fcrde der sunnitischen Araber wiederherzustellen. Ihre Macht. Ihre Geschichte. Tats\u00e4chlich konnten es die Araber nicht hinnehmen, dass sie ins Abseits gedr\u00e4ngt wurden. Und ich denke, dass sie auch in Zukunft so handeln werden. Wann immer sich die Gelegenheit bietet: Sie werden alles hinter sich lassen \u2013 sich nur darauf konzentrieren.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Misstrauen. Auch bei einem Politikwissenschaftler. Was also tun? Zerst\u00f6rte St\u00e4dte und D\u00f6rfer k\u00f6nnten wieder aufgebaut werden \u2013 wenn denn ein gemeinsamer Wille best\u00fcnde. Doch was, wenn es einen solchen gemeinsamen Willen gar nicht gibt? Wenn Schmerz und Trauer anhalten, wenn die Verbrechen von Terroristen und Helfershelfern nicht geahndet werden, wenn Angst umgeht, Misstrauen und Hass das Miteinander bestimmen.<\/p>\n\n\n\n

\"SyrischeSoldaten in der irakischen Stadt Sindschar nach der R\u00fcckeroberung von der IS-Miliz Ende 2015. (dpa \/ MAXPPP \/ Arnaud Dumontier)<\/p>\n\n\n\n

Kamaran Palani stammt aus der Stadt Makhmour. Drei Tage nur sei der \u201eIS\u201c dort gewesen, sagt er, doch diese Tage h\u00e4tten alles ver\u00e4ndert. Der \u201eIS\u201c habe die Menschen in seiner Heimatstadt verrohen lassen, meint er, das Verh\u00e4ltnis zwischen Kurden und Arabern sei heute tot. Eine R\u00fcckkehr in alte Zeiten h\u00e4lt Palani f\u00fcr falsch.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch denke, es w\u00e4re nicht einfach, in das Jahr 2014 \u2013 also in die Zeit vor dem \u201aIS\u2018 \u2013 zur\u00fcckzukehren. Vor allem aber w\u00e4re es nicht die richtige Politik. Denn eben die hat ja erst zum Aufkommen, zur Existenz des \u201aIS\u2018 gef\u00fchrt.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n


Wie also in Ruinen Neues schaffen? Der Staat muss das Gewaltmonopol zur\u00fcckerlangen, fordert der Politikwissenschaftler. F\u00fcr ihn steht das an erster Stelle. Und dann m\u00fcsse der Staat dringend einen Kurswechsel vornehmen: Er m\u00fcsse integrativ wirken, alle einbinden, auch die Araber, in Sicherheitskr\u00e4fte, Verwaltung und Politik.<\/p>\n\n\n\n

Machtmonopol m\u00fcsste von Milizen zum Staat gehen<\/h2>\n\n\n\n

Die Realit\u00e4t sieht anders aus: Ein Staat Kurdistan, der neue Optionen m\u00f6glich gemacht h\u00e4tte, auch von den Minderheiten gew\u00fcnscht worden war, ist nicht entstanden. Bagdad aber ist fern, der Zentralstaat kaum existent, und wenn, dann ist er schiitisch dominiert. Es sind Milizen, die im Nord-Irak das Geschehen bestimmen, darum rivalisieren, das Machtvakuum zu f\u00fcllen, das durch die Vertreibung des \u201eIS\u201c entstanden ist. Einst im Kampf gegen die Terroristen geeint, sind die Milizen einander heute feind.<\/p>\n\n\n\n

Allen voran die \u201eHashd ash-Shaabi\u201c, schiitisch-irakische Milizen, deren Ausbilder und Kommandeure h\u00e4ufig Iraner sind. Bagdad hat die Haschd als regul\u00e4re Kraft im Kampf gegen den \u201eIS\u201c anerkannt \u2013 obwohl Menschenrechts-Organisationen schwere Vorw\u00fcrfe gegen sie erheben. Fest steht: Die schiitischen Milizen halten D\u00f6rfer besetzt, sind in Mosul f\u00fcr ihr herrisches Auftreten und ihre Willk\u00fcr bekannt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eTats\u00e4chlich sorgen die verschiedenen bewaffneten Gruppen daf\u00fcr, dass die Fl\u00fcchtlinge nicht zur\u00fcckkehren. Und weil sie nicht zur\u00fcckkehren, gibt es auch keinen Wiederaufbau. Die Menschen haben Angst vor den Milizen \u2013 auch davor, dass die einander bek\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die \u201eHashd\u201c m\u00fcssten mithin abziehen. Und mit ihnen die anderen Milizen. Das Machtmonopol m\u00fcsste an den Staat gehen. Doch der Irak ist auch Spielball der Regionalm\u00e4chte: Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien. Sie konkurrieren um Einfluss-Sph\u00e4ren, bedienen sich dabei verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Gruppen im Irak. Deswegen werden die Hashd nicht abziehen. Derzeit sind sie von der iranisch-irakischen Grenze im Osten \u00fcber Bagdad bis hoch zur irakisch-syrischen Grenze im Norden postiert. Einheiten Teherans k\u00f6nnten demnach auf dem Landweg vom Iran bis ans Mittelmeer durchmarschieren.<\/p>\n\n\n\n

Iran und Saudi-Arabien wollen Macht vergr\u00f6\u00dfern<\/h2>\n\n\n\n

Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n

In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n

Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3703,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:24:20","post_date_gmt":"2020-08-13 21:24:20","post_content":"\n

Deutschland str\u00e4ubt sich gegen die R\u00fcckkehr seiner eigenen Staatsb\u00fcrger, die zu IS-Terroristen wurden. Dabei hat die Bundesrepublik den Terror und die Terroristen einst exportiert. Und dies geschah wissentlich, sagt der Islamwissenschaftler Fabian Goldmann.<\/p>\n\n\n\n

Wann haben Sie sich eigentlich zuletzt von deutschen Terroristen distanziert? Zum Beispiel von Robert B.? Der Ex-Bundeswehrsoldat aus Solingen hat mutma\u00dflich bei einem Selbstmordattentat Anfang 2014 50 Menschen mit in den Tod gerissen. <\/p>\n\n\n\n

Oder von Yannik N.? Der junge Freiburger steuerte wahrscheinlich im Jahr 2015 einen mit anderthalb Tonnen Sprengstoff beladenen LKW in eine Menschenmenge und nahm so Dutzenden Personen das Leben.<\/p>\n\n\n\n

Oder von Yamin A.?. Im Sommer 2015 tauchte im Netz ein Video auf, das zeigte, wie der ehemalige Telekom-Azubi aus K\u00f6nigswinter zwei gefesselten Soldaten in den Kopf schoss.
Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Deutsche T\u00e4ter, aber kaum deutsche Opfer<\/h2>\n\n\n\n

Hauptsache nicht bei uns! Dies scheint auch dieser Tage wieder die Maxime zu sein, wenn Politiker und \u00d6ffentlichkeit \u00fcber den Umgang mit deutschen Terroristen diskutieren. Von potenziellen Bedrohungen und Anschlagsgefahren in Deutschland liest man dann. Vom ganz realen Terror, den Deutsche in den vergangenen Jahren \u00fcber die Menschen in Syrien und Irak gebracht haben, h\u00f6rt man hingegen kaum. Ein Terror, der kaum deutsche Opfer aber umso mehr deutsche T\u00e4ter kannte.<\/p>\n\n\n\n

1.050 \u2013 das ist laut Bundesinnenministerium die Anzahl der Dschihadisten, die in den letzten Jahren die Bundesrepublik in Richtung Nahost verlassen hat. Es f\u00e4llt schwer, sich umgekehrtes Szenario \u00fcberhaupt auszumalen. Was w\u00e4re wohl los, h\u00e4tte es nur ein Bruchteil arabischer Terroristen geschafft, bei uns Anschl\u00e4ge zu begehen? Europas \u201eMuslim Bann\u201c? \u00dcberwachungsstaat auf NSA-Niveau?<\/p>\n\n\n\n

Die CSU st\u00fcnde wom\u00f6glich am linken Ende des politischen Spektrums, und auf Twitter w\u00fcrde Trump deutsche Migrationspolitiker zur M\u00e4\u00dfigung aufrufen. Der deutsche Terror in Nahost kommt hingegen seit Jahren ganz ohne Sondersendungen, politische Debatten und Distanzierungsforderungen aus. <\/p>\n\n\n\n

Deutsche K\u00e4mpfer waren nicht nur willenloses Kanonenfutter<\/h2>\n\n\n\n

An fehlendem Wissen liegt das nicht. Von ganzen Einheiten des IS, in denen kein einziger K\u00e4mpfer Arabisch spreche, berichten syrische, irakische und kurdische Soldaten schon seit Jahren. Von Aleppo \u00fcber Raqqa bis Mossul haben Aktivisten und Politiker immer wieder darauf hingewiesen, dass viele der schlimmsten M\u00f6rder in den Reihen des IS Europ\u00e4er sind. Interessiert hat das hier kaum jemand.<\/p>\n\n\n\n

Dabei dienten Deutsche dem Islamischen Staats nicht nur als willenloses Kanonenfutter, wie es oft dargestellt wird. Viele haben seinen Terror mitgepr\u00e4gt. Wie Martin L., der derzeit in kurdischer Haft sitzt. Der Schwei\u00dfer aus Sachsen-Anhalt soll sich vom Folterknecht bis zum Geheimdienstler mit Kontakten bis in die F\u00fchrungsspitze der Terrororganisation hochgearbeitet haben.<\/p>\n\n\n\n

Oder Reda S., Der Prediger aus Berlin-Charlottenburg soll dem IS in Mossul als Bildungsminister gedient haben. Oder der Berliner Ex-Rapper Denis Cuspert, der zu den wichtigsten Personen in der IS-Medienorganisation Al-Hayat geh\u00f6rte. Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Beh\u00f6rden wussten gut Bescheid<\/h2>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich entstand der Islamische Staat nicht in deutschen Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen. Zur deutschen Verantwortung geh\u00f6rt aber auch, dass Politiker und Beh\u00f6rden lange wegschauten, solang nur die T\u00e4ter, aber nicht die Opfer Deutsche waren. Beh\u00f6rden wissen und wussten erschreckend gut Bescheid \u00fcber die Radikalisierung deutscher Islamisten. Ein Gro\u00dfteil der sp\u00e4teren IS-K\u00e4mpfer war polizeibekannt, stand auf Gef\u00e4hrderlisten oder hatte wegen islamistischer Straftaten bereits Haftstrafen verb\u00fc\u00dft. An der Ausreise gehindert wurden sie oftmals dennoch nicht. Die Gefahr, die von deutschen Terroristen ausgeht, interessierte Politik und \u00d6ffentlichkeit erst dann wieder, als ihre Einreise drohte.<\/p>\n\n\n\n

\"Fabian
Fabian Goldmann<\/strong> ist Journalist und Islamwissenschaftler. F\u00fcr verschiedene Magazine und Zeitungen berichtete er viele Jahre aus Nahost. Zurzeit widmet er sich vor allem dem Islam diesseits des Bosporus. Auf seinem Blog Schantall und die Scharia<\/a> bloggt er \u00fcber Islamophobie in Deutschland.<\/p>\n","post_title":"Es sind unsere Terroristen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"es-sind-unsere-terroristen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3703","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3700,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:19:36","post_date_gmt":"2020-08-13 21:19:36","post_content":"\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda? Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda t<\/p>\n\n\n\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda tritt an die Stelle der 2010 verabschiedeten Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014 (siehe IP\/10\/1535<\/a>). In der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda f\u00fcr den Zeitraum 2015-2020 skizziert die Europ\u00e4ische Kommission die Strategie der Union zur Bew\u00e4ltigung der Sicherheitsbedrohungen in der EU.<\/p>\n\n\n\n

Die EU und ihre Mitgliedstaaten sind mit betr\u00e4chtlichen Sicherheitsproblemen konfrontiert. Terrorismus, organisierte Kriminalit\u00e4t und Cyberkriminalit\u00e4t stellen eine zunehmende Gefahr f\u00fcr die europ\u00e4ische Gesellschaft dar, wobei sich Art und Ausma\u00df dieser Gefahr ver\u00e4ndert hat. Europa ist mit den Auswirkungen der politischen Instabilit\u00e4t in seiner unmittelbaren Nachbarschaft konfrontiert, die die Sicherheitsinteressen der EU gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n

Im Zuge der Krisen und Konflikte in Syrien, Irak und Libyen haben sich europ\u00e4ische B\u00fcrger terroristischen Gruppen angeschlossen, die bei ihrer R\u00fcckkehr eine erhebliche Bedrohung darstellen k\u00f6nnen. Die j\u00fcngsten terroristischen Anschl\u00e4ge in Europa zeugen von der zunehmenden Bedrohung durch einen gewaltt\u00e4tigen Extremismus und zeigen, in welchem Ausma\u00df weltweite Konflikte zur Radikalisierung der europ\u00e4ischen B\u00fcrger beitragen.<\/p>\n\n\n\n

Das Online-Umfeld hat sich zunehmend als Ziel f\u00fcr Kriminelle und Terroristen entwickelt. Unabh\u00e4ngig davon, ob es um die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und die Anwerbung von Menschen f\u00fcr terroristische Organisationen geht oder die Verbreitung von Hass oder einen Angriff auf die europ\u00e4ischen Werte und Institutionen, fest steht, dass wir unsere Reaktion auf diese Bedrohungen unbedingt abstimmen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Welcher Mehrwert entsteht durch die EU im Bereich der inneren Sicherheit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Gew\u00e4hrleistung der inneren Sicherheit f\u00e4llt weiterhin in erster Linie in die Zust\u00e4ndigkeit der Mitgliedstaaten. Allerdings werden die Bedrohungen f\u00fcr Europas B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger immer vielf\u00e4ltiger und betreffen in zunehmendem Ma\u00dfe mehrere Mitgliedstaaten. Einzelne Mitgliedstaaten haben die Verantwortung, die Sicherheit an den Au\u00dfengrenzen zu gew\u00e4hrleisten, sind aber nicht mehr in der Lage, diese Herausforderungen allein zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n

Kriminelle und terroristische Aktivit\u00e4ten machen nicht an den Grenzen der EU halt und beschr\u00e4nken sich auch nicht auf Nachbarregionen. Die innere Sicherheit der EU und die globale Sicherheit sind voneinander abh\u00e4ngig und miteinander verkn\u00fcpft. Die Sicherheit der Union h\u00e4ngt in hohem Ma\u00dfe von der Zusammenarbeit mit ihren internationalen Partnern und ihren Nachbarl\u00e4ndern ab.<\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t und des Terrorismus ist eine gemeinsame europ\u00e4ische Aufgabe. Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda sollte von den Mitgliedstaaten und den EU-Organen gemeinsam als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und gemeinsame Ma\u00dfnahmen der Union genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n

Mit Hilfe der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda werden die Polizei- und Strafverfolgungsdienste in verschiedenen Mitgliedstaaten Daten effektiver austauschen und bei der Bek\u00e4mpfung der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t besser zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Die Mitgliedstaaten k\u00f6nnen auf die Unterst\u00fctzung durch die Agenturen der EU z\u00e4hlen. Insbesondere in folgenden Punkten l\u00e4sst sich mit Hilfe der Sicherheitsagenda ein EU-Mehrwert erzielen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n

A) Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und den EU-Agenturen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1<\/strong>: Das Schengener Informationssystem<\/strong> (SIS) wird von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Abfrage von Ausschreibungen von gesuchten oder vermissten Personen und Gegenst\u00e4nden genutzt. Die Kommission wird an der Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Ausschreibungskategorien arbeiten und sich daf\u00fcr einsetzen, dass das SIS zusammen mit der Interpol-Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD)<\/strong> umfassender genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

Source<\/a><\/p>\n","post_title":"Warum Afghanen in Syrien f\u00fcr Assad k\u00e4mpfen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"warum-afghanen-in-syrien-fur-assad-kampfen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3709","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3706,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:27:40","post_date_gmt":"2020-08-13 21:27:40","post_content":"\n

Kinder, Frauen, Jesiden \u2013 wer \u00fcberlebt hat, berichtet von Folter, Vergewaltigungen und Gehirnw\u00e4sche. Rund drei Jahre dauerte die Schreckensherrschaft der IS-Miliz in Syrien und Irak. Der Wiederaufbau wird l\u00e4nger dauern und mehr umfassen als H\u00e4user.<\/p>\n\n\n\n

Der Fluss Tigris durchzieht die zweitgr\u00f6\u00dfte Stadt des Iraks und teilt Mosul in Ost und West. Das Westufer ist von Zerst\u00f6rung gezeichnet, die Altstadt nicht mehr als eine einzige graue Tr\u00fcmmerlandschaft. Seit den letzten Bombardements im Juli 2017 kann hier niemand mehr wohnen.<\/p>\n\n\n\n

Die Nouri-Moschee, von deren Kanzel Abu Bakr al-Baghdadi im Juli 2014 sein Kalifat ausrief, hatte die IS-Miliz auf ihrem R\u00fcckzug vorsorglich selbst in die Luft gesprengt, um den Gegnern diesen besonderen Triumph zu verwehren.<\/p>\n\n\n\n

\"ImIm Juli 2017 erobert die irakische Armee Mossul zur\u00fcck. Ruinen sind zu sehen. Ein K\u00e4mpfer der IS-Miliz hat sich ergeben. (Imago \/ Carol Guzy)<\/p>\n\n\n\n

Es ist fraglich, ob die Altstadt dem Original getreu wieder aufgebaut werden kann. Bagdad will demn\u00e4chst \u2013 im Rahmen einer gro\u00dfen Wiederaufbau-Konferenz \u2013 bekannt geben, welche Pl\u00e4ne es hat. Derzeit gilt als gro\u00dfer Fortschritt, dass die Tr\u00fcmmerlandschaft in Teilen wieder begehbar ist \u2013 nachdem mit internationaler Hilfe zahllose Sprengs\u00e4tze beseitigt wurden.<\/p>\n\n\n\n

In Ost-Mossul gibt es weniger Zerst\u00f6rungen<\/h2>\n\n\n\n

J\u00fcngste Sch\u00e4tzungen der Vereinten Nationen besagen, dass es noch Jahre dauern wird, bis alle Minen ger\u00e4umt sind. Solange werden die einstigen Bewohner nicht zur\u00fcckkehren k\u00f6nnen. Manche von ihnen haben Gl\u00fcck im Ungl\u00fcck: Sie haben \u00fcberlebt und sind auf der anderen Seite des Tigris untergekommen, im Osten der Stadt. Der war schon im Januar 2017 von den Terroristen befreit worden. Erstaunlich ist: Dieser Teil Mosuls wirkt fast so, als w\u00e4re der \u201eIS\u201c niemals hier gewesen und als h\u00e4tte es keinen Krieg gegeben.<\/p>\n\n\n\n

\"ImIm Osten Mossuls gibt es weniger Zerst\u00f6rungen als im Westteil. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

Die Zerst\u00f6rungen beschr\u00e4nken sich auf strategisch-wichtige Punkte oder Geb\u00e4ude, in denen sich die Terroristen verschanzt hatten: Br\u00fccken, Moscheen, Krankenh\u00e4user. Doch im Basar herrscht fast so etwas wie Normalit\u00e4t. An St\u00e4nden kaufen Menschen ein \u2013 Obst, Gem\u00fcse, Reis und Nudeln, Backwaren. Kinder schlecken ein Eis. Abu Muhammad, ein ehemaliger Physiklehrer, erkl\u00e4rt, warum der Basar so anders ist als erwartet:<\/p>\n\n\n\n

\u201eDas Leben hatte nie aufgeh\u00f6rt in Mosul. Wir haben weitergelebt. Drei Jahre wurden wir vom \u201aIS\u2018 beherrscht, doch die normalen Leute hatten nichts damit zu tun. Daher kam der Alltag schnell zur\u00fcck. Die Soldaten sind gekommen, haben den Basar wieder aufgemacht und das Leben ging weiter.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Im Osten findet sich heute all das wieder, was die Terror-Miliz unterdr\u00fcckt hatte und bei Missachtung grausam ahndete: Musik in Restaurants und Caf\u00e9s; Sim-Karten f\u00fcr Handys; Internet; Fris\u00f6re, die Haare schneiden, B\u00e4rte stutzen oder gar abrasieren. Und doch: Trotz des lebendigen Treibens wirken Angst und Schrecken nach. Abu Muhammad, fr\u00fch ergraut, erinnert sich:<\/p>\n\n\n\n

\u201eWir haben uns gef\u00fchlt wie zwischen Leben und Tod. Irgendwo dazwischen. Sie haben vom \u201aIS\u2018 geh\u00f6rt; wir haben ihn erlebt: Wir haben erlebt, wie sie mordeten, wie sie Leute aufh\u00e4ngten, wir haben den Krieg erlebt. Wir haben alles gesehen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Mohammed stammt aus dem zerst\u00f6rten Westen der Stadt. Er wohnt heute im Osten. Verwandte haben ihn und seine Familie aufgenommen. So wie ihm ergeht es auch anderen Vertriebenen. Sie leben bei Verwandten und Freunden. Oder in einem der vielen Lager. 700.000 Menschen haben ihr Zuhause verloren \u2013 eine Zahl, die f\u00fcr West-Mosul gilt. Insgesamt gehen die Vereinten Nationen von fast sechs Millionen Menschen aus, die im Irak vor dem \u201aIS\u2018 geflohen sind \u2013 die H\u00e4lfte von ihnen bis heute fern von ihrem Zuhause.<\/p>\n\n\n\n

Binnenfl\u00fcchtlinge im Lager Khabartu<\/h2>\n\n\n\n

Zelte soweit das Auge reicht. Abertausende. Inmitten von Steppe. Das Leben der Menschen ist hart. Sie darben, frieren und verdorren \u2013 wenn im Winter der kalte Wind durch die Steppe fegt und im Sommer die Sonne niederbrennt. Doch sie harren aus, haben wenig Hoffnung auf baldige R\u00fcckkehr. Die meisten kamen 2014 \u2013 hierher, ins Lager Khabartu in Irakisch-Kurdistan.<\/p>\n\n\n\n

\"DasDas Lager Khabartu f\u00fcr irakische Binnenfl\u00fcchtlinge. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

2014, als der \u201eIS\u201c den Nord-Irak \u00fcberfiel. In einem der Zelte lebt auch die Familie von Thomas Abdallah Hammou. Thomas war auf der Flucht von seiner Familie getrennt und von den Dschihadisten verschleppt worden. Damals war er acht Jahre alt. Ein Kind. Drei Jahre blieb er in Geiselhaft, lebte in Mosul.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollten nicht, dass wir spielen. Sie mochten es nicht. Ich habe keine Schule besucht, aber sie gaben uns Koran-Unterricht. Jeden Tag.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas musste seinem eigenen, dem jesidischen Glauben abschw\u00f6ren. Weil der \u201eIS\u201c die Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c betrachtet. Und \u201eUngl\u00e4ubige\u201c, so die Auffassung der Terroristen, m\u00fcssen zwangsbekehrt werden. Oder get\u00f6tet. Die Terroristen hatten dementsprechend die Jesiden entweder an Ort und Stelle ermordet, die meisten im Sinjar, im alten Siedlungsgebiet der Jesiden im Nord-Irak. Tausende. 47 Massengr\u00e4ber sollen mittlerweile gefunden worden sein. Oder aber die Terroristen lie\u00dfen die Jesiden am Leben und nahmen sie in Geiselhaft. Sie machten aus ihnen Sexsklavinnen oder sie bildeten sie aus \u2013 zu Selbstmordattent\u00e4tern. Wie Thomas.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie haben uns st\u00e4ndig geschlagen. Wir mussten Schie\u00dfen \u00fcben. Zwei meiner Freunde haben sich in die Luft gesprengt. Sie sind zum Training. Doch sie kamen nicht zur\u00fcck. Ich war nicht traurig. Sie wollten sich ja in die Luft sprengen. Die \u201aIS\u2018-Leute hatten es nicht von ihnen verlangt. Sie sind freiwillig gegangen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas hat heute einen modernen Haarschnitt; der Nacken ist ausrasiert; der lange Pony in die Stirn gek\u00e4mmt. Im Sommer sah er noch anders aus, kurz nachdem Mosul befreit worden war. Bei einem Luftangriff der Anti-\u201eIS\u201c-Koalition wurde Thomas schwer verletzt aus Tr\u00fcmmern geborgen, dann operiert.<\/p>\n\n\n\n

\"ThomasThomas erholt sich von drei Jahren IS-Gefangenschaft. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

Arbeit mit \u201eDschihadisten-Kindern\u201c<\/h2>\n\n\n\n

Die \u00e4u\u00dferen Wunden sind heute verheilt. Doch wie sieht es aus mit den inneren, den seelischen Verletzungen? Thomas wurde von seiner Familie aufgenommen und bekommt Hilfe. Andere Kinder konnten nicht aufgefangen werden. Bis heute betrachten sie Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c \u2013 so wie es ihnen in der Geiselhaft eingeh\u00e4mmert wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie sind eine gro\u00dfe Gefahr f\u00fcr andere Kinder. Sie leben in Lagern, in einem Zelt, auf sechs mal vier Metern, oder noch weniger! Acht Geschwister, sie spielen zusammen, reden, sie indoktrinieren die anderen! Das ist ein Problem, das wir nicht l\u00f6sen k\u00f6nnen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Sara Hassan ist Sozialarbeiterin. Sie arbeitet in den Lagern, versucht M\u00e4dchen und Frauen, die jahrelang in Geiselhaft vergewaltigt wurden, zu helfen. Unz\u00e4hlige hatte der \u201eIS\u201c einst entf\u00fchrt. Sara arbeitet auch mit den sogenannten \u201eDschihadisten-Kindern\u201c. Sie erz\u00e4hlt, wie \u00fcberfordert alle seien: die Familien, die jesidische Gemeinschaft, die Gesellschaft des Nord-Irak.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIn einem anderen Fall hat sich die Familie am Ende an die Sicherheitskr\u00e4fte gewandt. Doch die wussten auch nicht, wie sie damit umgehen sollten. Monate lang hat die Familie versucht, den Jungen umzuerziehen, zusammen mit Sozialarbeitern. Aber noch immer sehen wir den Hass in seinen Augen \u2013 gegen\u00fcber Kurden, Christen und Jesiden. Als blicke man in die Augen eines IS-Terroristen. Das ist das Problem.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Die Jesiden k\u00f6nnen \u00fcber ihre vom \u201eIS\u201c indoktrinierten Kinder sprechen. Denn niemand zweifelt daran, dass sie Opfer der Tyrannei wurden. Bei den sunnitischen Arabern sieht das anders aus. Da sie derselben Religionsgruppe angeh\u00f6ren wie formal auch die Terroristen, stehen sie unter Generalverdacht, mit dem \u201eIS\u201c gemeinsame Sache gemacht zu haben. Sunnitische Araber trauen sich daher nicht, die Probleme ihrer Kinder \u00f6ffentlich zu machen \u2013 auch wenn sie selbst nichts mit dem \u201eIS\u201c zu tun hatten.<\/p>\n\n\n\n

Unklar ist, wie viele Kinder und Jugendliche im Irak und in Syrien zu Terroristen ausgebildet wurden, dabei noch in Geiselhaft sind oder bereits als \u201eSchl\u00e4fer\u201c darauf warten, zum Einsatz zu kommen. Sie gleichen \u201etickenden Zeitbomben\u201c, die jederzeit explodieren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

Minderheiten haben Angst vor \u201eIS\u201c-Nachfolgern<\/h2>\n\n\n\n

Kamaran Palani spricht davon, dass viele Menschen immer noch gehen wollen, obwohl der \u201eIS\u201c als staats\u00e4hnliches Gebilde nicht mehr besteht. Seine Saat aber, so der Politikwissenschaftler, sei aufgegangen.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollen einfach nicht in diesem Land bleiben. Der IS hat sie dazu gebracht. Jeder hat heute Angst, dass eine andere Organisation kommen wird, Terroristen, die dasselbe anrichten wie zuvor.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Palani forscht am \u201eMiddle East Research Institute\u201c, das seinen Sitz in Erbil hat, der Hauptstadt von Irakisch-Kurdistan. <\/p>\n\n\n\n

\u201e60 bis 65 Prozent der Christen wollen gehen. Das Gleiche gilt f\u00fcr andere Minderheiten: f\u00fcr Jesiden, Schabaks, Turkmenen, Kakais.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

\u201eWir werden niemals wieder mit den Arabern zusammenleben k\u00f6nnen!\u201c \u2013 ein Satz, der heute h\u00e4ufig im Nord-Irak zu h\u00f6ren ist. Gemeint sind die Iraker, die Sunniten und Araber sind \u2013 die einstmals Nachbarn von Jesiden, Christen und Kurden waren \u2013 mit denen man Handel trieb und Hochzeiten feierte, die auch Freunde waren.<\/p>\n\n\n\n

Der Irak ist eine multi-ethnische und multi-religi\u00f6se Gesellschaft, in der die Schiiten die Mehrheit stellen. \u00dcber Jahrhunderte aber hatten die sunnitischen Araber das Sagen, sie missbrauchten die Macht, errichteten ein Schreckensregime \u2013 bis 2003, als Diktator Saddam Hussein von den USA gest\u00fcrzt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c entstand aus Widerstand gegen Schiiten-Herrschaft<\/h2>\n\n\n\n

Jetzt wurde der Spie\u00df umgedreht. Die Amerikaner sorgten daf\u00fcr, dass die Sunniten jegliche Machtposition verloren \u2013 so wurde die irakische Armee, wurde die baathistische Partei aufgel\u00f6st \u2013 ohne ein Pendant zu schaffen, das alle integrierte. Und: Washington unterst\u00fctzte Regierungschef Nouri al-Maliki, einen Schiiten. Maliki sah eine historische Chance gekommen, diskriminierte nun seinerseits seine sunnitischen Landsleute, verwehrte ihnen im \u201eNeuen Irak\u201c die Mitsprache. Im Regime Malikis wurden Sunniten inhaftiert, gefoltert und umgebracht.<\/p>\n\n\n\n

Was viele in den Widerstand trieb. Einige schlossen sich der Terror-Organisation \u201eAl-Qaida\u201c an, unter ihnen f\u00fchrende Milit\u00e4rs der aufgel\u00f6sten Armee Saddam Husseins \u2013 und aus \u201eAl-Qaida\u201c ging sp\u00e4ter der \u201eIS\u201c hervor.<\/p>\n\n\n\n

Als der \u201eIS\u201c dann im Sommer 2014 fast ohne Gegenwehr weite Landstriche in Syrien und im Irak \u00fcberrannte und seinen \u201eStaat\u201c ausrief, sahen auch gew\u00f6hnliche sunnitische Araber einen Wechsel nahen. Viele machten gemeinsame Sache mit den Terroristen, verhinderten die Flucht jesidischer Nachbarn, lieferten sie ihren Schl\u00e4chtern aus. Kamaran Palani:<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c-K\u00e4mpfer haben gesagt, es gehe darum, die W\u00fcrde der sunnitischen Araber wiederherzustellen. Ihre Macht. Ihre Geschichte. Tats\u00e4chlich konnten es die Araber nicht hinnehmen, dass sie ins Abseits gedr\u00e4ngt wurden. Und ich denke, dass sie auch in Zukunft so handeln werden. Wann immer sich die Gelegenheit bietet: Sie werden alles hinter sich lassen \u2013 sich nur darauf konzentrieren.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Misstrauen. Auch bei einem Politikwissenschaftler. Was also tun? Zerst\u00f6rte St\u00e4dte und D\u00f6rfer k\u00f6nnten wieder aufgebaut werden \u2013 wenn denn ein gemeinsamer Wille best\u00fcnde. Doch was, wenn es einen solchen gemeinsamen Willen gar nicht gibt? Wenn Schmerz und Trauer anhalten, wenn die Verbrechen von Terroristen und Helfershelfern nicht geahndet werden, wenn Angst umgeht, Misstrauen und Hass das Miteinander bestimmen.<\/p>\n\n\n\n

\"SyrischeSoldaten in der irakischen Stadt Sindschar nach der R\u00fcckeroberung von der IS-Miliz Ende 2015. (dpa \/ MAXPPP \/ Arnaud Dumontier)<\/p>\n\n\n\n

Kamaran Palani stammt aus der Stadt Makhmour. Drei Tage nur sei der \u201eIS\u201c dort gewesen, sagt er, doch diese Tage h\u00e4tten alles ver\u00e4ndert. Der \u201eIS\u201c habe die Menschen in seiner Heimatstadt verrohen lassen, meint er, das Verh\u00e4ltnis zwischen Kurden und Arabern sei heute tot. Eine R\u00fcckkehr in alte Zeiten h\u00e4lt Palani f\u00fcr falsch.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch denke, es w\u00e4re nicht einfach, in das Jahr 2014 \u2013 also in die Zeit vor dem \u201aIS\u2018 \u2013 zur\u00fcckzukehren. Vor allem aber w\u00e4re es nicht die richtige Politik. Denn eben die hat ja erst zum Aufkommen, zur Existenz des \u201aIS\u2018 gef\u00fchrt.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n


Wie also in Ruinen Neues schaffen? Der Staat muss das Gewaltmonopol zur\u00fcckerlangen, fordert der Politikwissenschaftler. F\u00fcr ihn steht das an erster Stelle. Und dann m\u00fcsse der Staat dringend einen Kurswechsel vornehmen: Er m\u00fcsse integrativ wirken, alle einbinden, auch die Araber, in Sicherheitskr\u00e4fte, Verwaltung und Politik.<\/p>\n\n\n\n

Machtmonopol m\u00fcsste von Milizen zum Staat gehen<\/h2>\n\n\n\n

Die Realit\u00e4t sieht anders aus: Ein Staat Kurdistan, der neue Optionen m\u00f6glich gemacht h\u00e4tte, auch von den Minderheiten gew\u00fcnscht worden war, ist nicht entstanden. Bagdad aber ist fern, der Zentralstaat kaum existent, und wenn, dann ist er schiitisch dominiert. Es sind Milizen, die im Nord-Irak das Geschehen bestimmen, darum rivalisieren, das Machtvakuum zu f\u00fcllen, das durch die Vertreibung des \u201eIS\u201c entstanden ist. Einst im Kampf gegen die Terroristen geeint, sind die Milizen einander heute feind.<\/p>\n\n\n\n

Allen voran die \u201eHashd ash-Shaabi\u201c, schiitisch-irakische Milizen, deren Ausbilder und Kommandeure h\u00e4ufig Iraner sind. Bagdad hat die Haschd als regul\u00e4re Kraft im Kampf gegen den \u201eIS\u201c anerkannt \u2013 obwohl Menschenrechts-Organisationen schwere Vorw\u00fcrfe gegen sie erheben. Fest steht: Die schiitischen Milizen halten D\u00f6rfer besetzt, sind in Mosul f\u00fcr ihr herrisches Auftreten und ihre Willk\u00fcr bekannt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eTats\u00e4chlich sorgen die verschiedenen bewaffneten Gruppen daf\u00fcr, dass die Fl\u00fcchtlinge nicht zur\u00fcckkehren. Und weil sie nicht zur\u00fcckkehren, gibt es auch keinen Wiederaufbau. Die Menschen haben Angst vor den Milizen \u2013 auch davor, dass die einander bek\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die \u201eHashd\u201c m\u00fcssten mithin abziehen. Und mit ihnen die anderen Milizen. Das Machtmonopol m\u00fcsste an den Staat gehen. Doch der Irak ist auch Spielball der Regionalm\u00e4chte: Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien. Sie konkurrieren um Einfluss-Sph\u00e4ren, bedienen sich dabei verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Gruppen im Irak. Deswegen werden die Hashd nicht abziehen. Derzeit sind sie von der iranisch-irakischen Grenze im Osten \u00fcber Bagdad bis hoch zur irakisch-syrischen Grenze im Norden postiert. Einheiten Teherans k\u00f6nnten demnach auf dem Landweg vom Iran bis ans Mittelmeer durchmarschieren.<\/p>\n\n\n\n

Iran und Saudi-Arabien wollen Macht vergr\u00f6\u00dfern<\/h2>\n\n\n\n

Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n

In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n

Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3703,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:24:20","post_date_gmt":"2020-08-13 21:24:20","post_content":"\n

Deutschland str\u00e4ubt sich gegen die R\u00fcckkehr seiner eigenen Staatsb\u00fcrger, die zu IS-Terroristen wurden. Dabei hat die Bundesrepublik den Terror und die Terroristen einst exportiert. Und dies geschah wissentlich, sagt der Islamwissenschaftler Fabian Goldmann.<\/p>\n\n\n\n

Wann haben Sie sich eigentlich zuletzt von deutschen Terroristen distanziert? Zum Beispiel von Robert B.? Der Ex-Bundeswehrsoldat aus Solingen hat mutma\u00dflich bei einem Selbstmordattentat Anfang 2014 50 Menschen mit in den Tod gerissen. <\/p>\n\n\n\n

Oder von Yannik N.? Der junge Freiburger steuerte wahrscheinlich im Jahr 2015 einen mit anderthalb Tonnen Sprengstoff beladenen LKW in eine Menschenmenge und nahm so Dutzenden Personen das Leben.<\/p>\n\n\n\n

Oder von Yamin A.?. Im Sommer 2015 tauchte im Netz ein Video auf, das zeigte, wie der ehemalige Telekom-Azubi aus K\u00f6nigswinter zwei gefesselten Soldaten in den Kopf schoss.
Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Deutsche T\u00e4ter, aber kaum deutsche Opfer<\/h2>\n\n\n\n

Hauptsache nicht bei uns! Dies scheint auch dieser Tage wieder die Maxime zu sein, wenn Politiker und \u00d6ffentlichkeit \u00fcber den Umgang mit deutschen Terroristen diskutieren. Von potenziellen Bedrohungen und Anschlagsgefahren in Deutschland liest man dann. Vom ganz realen Terror, den Deutsche in den vergangenen Jahren \u00fcber die Menschen in Syrien und Irak gebracht haben, h\u00f6rt man hingegen kaum. Ein Terror, der kaum deutsche Opfer aber umso mehr deutsche T\u00e4ter kannte.<\/p>\n\n\n\n

1.050 \u2013 das ist laut Bundesinnenministerium die Anzahl der Dschihadisten, die in den letzten Jahren die Bundesrepublik in Richtung Nahost verlassen hat. Es f\u00e4llt schwer, sich umgekehrtes Szenario \u00fcberhaupt auszumalen. Was w\u00e4re wohl los, h\u00e4tte es nur ein Bruchteil arabischer Terroristen geschafft, bei uns Anschl\u00e4ge zu begehen? Europas \u201eMuslim Bann\u201c? \u00dcberwachungsstaat auf NSA-Niveau?<\/p>\n\n\n\n

Die CSU st\u00fcnde wom\u00f6glich am linken Ende des politischen Spektrums, und auf Twitter w\u00fcrde Trump deutsche Migrationspolitiker zur M\u00e4\u00dfigung aufrufen. Der deutsche Terror in Nahost kommt hingegen seit Jahren ganz ohne Sondersendungen, politische Debatten und Distanzierungsforderungen aus. <\/p>\n\n\n\n

Deutsche K\u00e4mpfer waren nicht nur willenloses Kanonenfutter<\/h2>\n\n\n\n

An fehlendem Wissen liegt das nicht. Von ganzen Einheiten des IS, in denen kein einziger K\u00e4mpfer Arabisch spreche, berichten syrische, irakische und kurdische Soldaten schon seit Jahren. Von Aleppo \u00fcber Raqqa bis Mossul haben Aktivisten und Politiker immer wieder darauf hingewiesen, dass viele der schlimmsten M\u00f6rder in den Reihen des IS Europ\u00e4er sind. Interessiert hat das hier kaum jemand.<\/p>\n\n\n\n

Dabei dienten Deutsche dem Islamischen Staats nicht nur als willenloses Kanonenfutter, wie es oft dargestellt wird. Viele haben seinen Terror mitgepr\u00e4gt. Wie Martin L., der derzeit in kurdischer Haft sitzt. Der Schwei\u00dfer aus Sachsen-Anhalt soll sich vom Folterknecht bis zum Geheimdienstler mit Kontakten bis in die F\u00fchrungsspitze der Terrororganisation hochgearbeitet haben.<\/p>\n\n\n\n

Oder Reda S., Der Prediger aus Berlin-Charlottenburg soll dem IS in Mossul als Bildungsminister gedient haben. Oder der Berliner Ex-Rapper Denis Cuspert, der zu den wichtigsten Personen in der IS-Medienorganisation Al-Hayat geh\u00f6rte. Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Beh\u00f6rden wussten gut Bescheid<\/h2>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich entstand der Islamische Staat nicht in deutschen Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen. Zur deutschen Verantwortung geh\u00f6rt aber auch, dass Politiker und Beh\u00f6rden lange wegschauten, solang nur die T\u00e4ter, aber nicht die Opfer Deutsche waren. Beh\u00f6rden wissen und wussten erschreckend gut Bescheid \u00fcber die Radikalisierung deutscher Islamisten. Ein Gro\u00dfteil der sp\u00e4teren IS-K\u00e4mpfer war polizeibekannt, stand auf Gef\u00e4hrderlisten oder hatte wegen islamistischer Straftaten bereits Haftstrafen verb\u00fc\u00dft. An der Ausreise gehindert wurden sie oftmals dennoch nicht. Die Gefahr, die von deutschen Terroristen ausgeht, interessierte Politik und \u00d6ffentlichkeit erst dann wieder, als ihre Einreise drohte.<\/p>\n\n\n\n

\"Fabian
Fabian Goldmann<\/strong> ist Journalist und Islamwissenschaftler. F\u00fcr verschiedene Magazine und Zeitungen berichtete er viele Jahre aus Nahost. Zurzeit widmet er sich vor allem dem Islam diesseits des Bosporus. Auf seinem Blog Schantall und die Scharia<\/a> bloggt er \u00fcber Islamophobie in Deutschland.<\/p>\n","post_title":"Es sind unsere Terroristen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"es-sind-unsere-terroristen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3703","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3700,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:19:36","post_date_gmt":"2020-08-13 21:19:36","post_content":"\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda? Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda t<\/p>\n\n\n\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda tritt an die Stelle der 2010 verabschiedeten Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014 (siehe IP\/10\/1535<\/a>). In der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda f\u00fcr den Zeitraum 2015-2020 skizziert die Europ\u00e4ische Kommission die Strategie der Union zur Bew\u00e4ltigung der Sicherheitsbedrohungen in der EU.<\/p>\n\n\n\n

Die EU und ihre Mitgliedstaaten sind mit betr\u00e4chtlichen Sicherheitsproblemen konfrontiert. Terrorismus, organisierte Kriminalit\u00e4t und Cyberkriminalit\u00e4t stellen eine zunehmende Gefahr f\u00fcr die europ\u00e4ische Gesellschaft dar, wobei sich Art und Ausma\u00df dieser Gefahr ver\u00e4ndert hat. Europa ist mit den Auswirkungen der politischen Instabilit\u00e4t in seiner unmittelbaren Nachbarschaft konfrontiert, die die Sicherheitsinteressen der EU gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n

Im Zuge der Krisen und Konflikte in Syrien, Irak und Libyen haben sich europ\u00e4ische B\u00fcrger terroristischen Gruppen angeschlossen, die bei ihrer R\u00fcckkehr eine erhebliche Bedrohung darstellen k\u00f6nnen. Die j\u00fcngsten terroristischen Anschl\u00e4ge in Europa zeugen von der zunehmenden Bedrohung durch einen gewaltt\u00e4tigen Extremismus und zeigen, in welchem Ausma\u00df weltweite Konflikte zur Radikalisierung der europ\u00e4ischen B\u00fcrger beitragen.<\/p>\n\n\n\n

Das Online-Umfeld hat sich zunehmend als Ziel f\u00fcr Kriminelle und Terroristen entwickelt. Unabh\u00e4ngig davon, ob es um die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und die Anwerbung von Menschen f\u00fcr terroristische Organisationen geht oder die Verbreitung von Hass oder einen Angriff auf die europ\u00e4ischen Werte und Institutionen, fest steht, dass wir unsere Reaktion auf diese Bedrohungen unbedingt abstimmen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Welcher Mehrwert entsteht durch die EU im Bereich der inneren Sicherheit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Gew\u00e4hrleistung der inneren Sicherheit f\u00e4llt weiterhin in erster Linie in die Zust\u00e4ndigkeit der Mitgliedstaaten. Allerdings werden die Bedrohungen f\u00fcr Europas B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger immer vielf\u00e4ltiger und betreffen in zunehmendem Ma\u00dfe mehrere Mitgliedstaaten. Einzelne Mitgliedstaaten haben die Verantwortung, die Sicherheit an den Au\u00dfengrenzen zu gew\u00e4hrleisten, sind aber nicht mehr in der Lage, diese Herausforderungen allein zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n

Kriminelle und terroristische Aktivit\u00e4ten machen nicht an den Grenzen der EU halt und beschr\u00e4nken sich auch nicht auf Nachbarregionen. Die innere Sicherheit der EU und die globale Sicherheit sind voneinander abh\u00e4ngig und miteinander verkn\u00fcpft. Die Sicherheit der Union h\u00e4ngt in hohem Ma\u00dfe von der Zusammenarbeit mit ihren internationalen Partnern und ihren Nachbarl\u00e4ndern ab.<\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t und des Terrorismus ist eine gemeinsame europ\u00e4ische Aufgabe. Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda sollte von den Mitgliedstaaten und den EU-Organen gemeinsam als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und gemeinsame Ma\u00dfnahmen der Union genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n

Mit Hilfe der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda werden die Polizei- und Strafverfolgungsdienste in verschiedenen Mitgliedstaaten Daten effektiver austauschen und bei der Bek\u00e4mpfung der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t besser zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Die Mitgliedstaaten k\u00f6nnen auf die Unterst\u00fctzung durch die Agenturen der EU z\u00e4hlen. Insbesondere in folgenden Punkten l\u00e4sst sich mit Hilfe der Sicherheitsagenda ein EU-Mehrwert erzielen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n

A) Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und den EU-Agenturen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1<\/strong>: Das Schengener Informationssystem<\/strong> (SIS) wird von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Abfrage von Ausschreibungen von gesuchten oder vermissten Personen und Gegenst\u00e4nden genutzt. Die Kommission wird an der Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Ausschreibungskategorien arbeiten und sich daf\u00fcr einsetzen, dass das SIS zusammen mit der Interpol-Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD)<\/strong> umfassender genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

Source<\/a><\/p>\n","post_title":"Warum Afghanen in Syrien f\u00fcr Assad k\u00e4mpfen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"warum-afghanen-in-syrien-fur-assad-kampfen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3709","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3706,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:27:40","post_date_gmt":"2020-08-13 21:27:40","post_content":"\n

Kinder, Frauen, Jesiden \u2013 wer \u00fcberlebt hat, berichtet von Folter, Vergewaltigungen und Gehirnw\u00e4sche. Rund drei Jahre dauerte die Schreckensherrschaft der IS-Miliz in Syrien und Irak. Der Wiederaufbau wird l\u00e4nger dauern und mehr umfassen als H\u00e4user.<\/p>\n\n\n\n

Der Fluss Tigris durchzieht die zweitgr\u00f6\u00dfte Stadt des Iraks und teilt Mosul in Ost und West. Das Westufer ist von Zerst\u00f6rung gezeichnet, die Altstadt nicht mehr als eine einzige graue Tr\u00fcmmerlandschaft. Seit den letzten Bombardements im Juli 2017 kann hier niemand mehr wohnen.<\/p>\n\n\n\n

Die Nouri-Moschee, von deren Kanzel Abu Bakr al-Baghdadi im Juli 2014 sein Kalifat ausrief, hatte die IS-Miliz auf ihrem R\u00fcckzug vorsorglich selbst in die Luft gesprengt, um den Gegnern diesen besonderen Triumph zu verwehren.<\/p>\n\n\n\n

\"ImIm Juli 2017 erobert die irakische Armee Mossul zur\u00fcck. Ruinen sind zu sehen. Ein K\u00e4mpfer der IS-Miliz hat sich ergeben. (Imago \/ Carol Guzy)<\/p>\n\n\n\n

Es ist fraglich, ob die Altstadt dem Original getreu wieder aufgebaut werden kann. Bagdad will demn\u00e4chst \u2013 im Rahmen einer gro\u00dfen Wiederaufbau-Konferenz \u2013 bekannt geben, welche Pl\u00e4ne es hat. Derzeit gilt als gro\u00dfer Fortschritt, dass die Tr\u00fcmmerlandschaft in Teilen wieder begehbar ist \u2013 nachdem mit internationaler Hilfe zahllose Sprengs\u00e4tze beseitigt wurden.<\/p>\n\n\n\n

In Ost-Mossul gibt es weniger Zerst\u00f6rungen<\/h2>\n\n\n\n

J\u00fcngste Sch\u00e4tzungen der Vereinten Nationen besagen, dass es noch Jahre dauern wird, bis alle Minen ger\u00e4umt sind. Solange werden die einstigen Bewohner nicht zur\u00fcckkehren k\u00f6nnen. Manche von ihnen haben Gl\u00fcck im Ungl\u00fcck: Sie haben \u00fcberlebt und sind auf der anderen Seite des Tigris untergekommen, im Osten der Stadt. Der war schon im Januar 2017 von den Terroristen befreit worden. Erstaunlich ist: Dieser Teil Mosuls wirkt fast so, als w\u00e4re der \u201eIS\u201c niemals hier gewesen und als h\u00e4tte es keinen Krieg gegeben.<\/p>\n\n\n\n

\"ImIm Osten Mossuls gibt es weniger Zerst\u00f6rungen als im Westteil. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

Die Zerst\u00f6rungen beschr\u00e4nken sich auf strategisch-wichtige Punkte oder Geb\u00e4ude, in denen sich die Terroristen verschanzt hatten: Br\u00fccken, Moscheen, Krankenh\u00e4user. Doch im Basar herrscht fast so etwas wie Normalit\u00e4t. An St\u00e4nden kaufen Menschen ein \u2013 Obst, Gem\u00fcse, Reis und Nudeln, Backwaren. Kinder schlecken ein Eis. Abu Muhammad, ein ehemaliger Physiklehrer, erkl\u00e4rt, warum der Basar so anders ist als erwartet:<\/p>\n\n\n\n

\u201eDas Leben hatte nie aufgeh\u00f6rt in Mosul. Wir haben weitergelebt. Drei Jahre wurden wir vom \u201aIS\u2018 beherrscht, doch die normalen Leute hatten nichts damit zu tun. Daher kam der Alltag schnell zur\u00fcck. Die Soldaten sind gekommen, haben den Basar wieder aufgemacht und das Leben ging weiter.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Im Osten findet sich heute all das wieder, was die Terror-Miliz unterdr\u00fcckt hatte und bei Missachtung grausam ahndete: Musik in Restaurants und Caf\u00e9s; Sim-Karten f\u00fcr Handys; Internet; Fris\u00f6re, die Haare schneiden, B\u00e4rte stutzen oder gar abrasieren. Und doch: Trotz des lebendigen Treibens wirken Angst und Schrecken nach. Abu Muhammad, fr\u00fch ergraut, erinnert sich:<\/p>\n\n\n\n

\u201eWir haben uns gef\u00fchlt wie zwischen Leben und Tod. Irgendwo dazwischen. Sie haben vom \u201aIS\u2018 geh\u00f6rt; wir haben ihn erlebt: Wir haben erlebt, wie sie mordeten, wie sie Leute aufh\u00e4ngten, wir haben den Krieg erlebt. Wir haben alles gesehen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Mohammed stammt aus dem zerst\u00f6rten Westen der Stadt. Er wohnt heute im Osten. Verwandte haben ihn und seine Familie aufgenommen. So wie ihm ergeht es auch anderen Vertriebenen. Sie leben bei Verwandten und Freunden. Oder in einem der vielen Lager. 700.000 Menschen haben ihr Zuhause verloren \u2013 eine Zahl, die f\u00fcr West-Mosul gilt. Insgesamt gehen die Vereinten Nationen von fast sechs Millionen Menschen aus, die im Irak vor dem \u201aIS\u2018 geflohen sind \u2013 die H\u00e4lfte von ihnen bis heute fern von ihrem Zuhause.<\/p>\n\n\n\n

Binnenfl\u00fcchtlinge im Lager Khabartu<\/h2>\n\n\n\n

Zelte soweit das Auge reicht. Abertausende. Inmitten von Steppe. Das Leben der Menschen ist hart. Sie darben, frieren und verdorren \u2013 wenn im Winter der kalte Wind durch die Steppe fegt und im Sommer die Sonne niederbrennt. Doch sie harren aus, haben wenig Hoffnung auf baldige R\u00fcckkehr. Die meisten kamen 2014 \u2013 hierher, ins Lager Khabartu in Irakisch-Kurdistan.<\/p>\n\n\n\n

\"DasDas Lager Khabartu f\u00fcr irakische Binnenfl\u00fcchtlinge. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

2014, als der \u201eIS\u201c den Nord-Irak \u00fcberfiel. In einem der Zelte lebt auch die Familie von Thomas Abdallah Hammou. Thomas war auf der Flucht von seiner Familie getrennt und von den Dschihadisten verschleppt worden. Damals war er acht Jahre alt. Ein Kind. Drei Jahre blieb er in Geiselhaft, lebte in Mosul.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollten nicht, dass wir spielen. Sie mochten es nicht. Ich habe keine Schule besucht, aber sie gaben uns Koran-Unterricht. Jeden Tag.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas musste seinem eigenen, dem jesidischen Glauben abschw\u00f6ren. Weil der \u201eIS\u201c die Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c betrachtet. Und \u201eUngl\u00e4ubige\u201c, so die Auffassung der Terroristen, m\u00fcssen zwangsbekehrt werden. Oder get\u00f6tet. Die Terroristen hatten dementsprechend die Jesiden entweder an Ort und Stelle ermordet, die meisten im Sinjar, im alten Siedlungsgebiet der Jesiden im Nord-Irak. Tausende. 47 Massengr\u00e4ber sollen mittlerweile gefunden worden sein. Oder aber die Terroristen lie\u00dfen die Jesiden am Leben und nahmen sie in Geiselhaft. Sie machten aus ihnen Sexsklavinnen oder sie bildeten sie aus \u2013 zu Selbstmordattent\u00e4tern. Wie Thomas.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie haben uns st\u00e4ndig geschlagen. Wir mussten Schie\u00dfen \u00fcben. Zwei meiner Freunde haben sich in die Luft gesprengt. Sie sind zum Training. Doch sie kamen nicht zur\u00fcck. Ich war nicht traurig. Sie wollten sich ja in die Luft sprengen. Die \u201aIS\u2018-Leute hatten es nicht von ihnen verlangt. Sie sind freiwillig gegangen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas hat heute einen modernen Haarschnitt; der Nacken ist ausrasiert; der lange Pony in die Stirn gek\u00e4mmt. Im Sommer sah er noch anders aus, kurz nachdem Mosul befreit worden war. Bei einem Luftangriff der Anti-\u201eIS\u201c-Koalition wurde Thomas schwer verletzt aus Tr\u00fcmmern geborgen, dann operiert.<\/p>\n\n\n\n

\"ThomasThomas erholt sich von drei Jahren IS-Gefangenschaft. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

Arbeit mit \u201eDschihadisten-Kindern\u201c<\/h2>\n\n\n\n

Die \u00e4u\u00dferen Wunden sind heute verheilt. Doch wie sieht es aus mit den inneren, den seelischen Verletzungen? Thomas wurde von seiner Familie aufgenommen und bekommt Hilfe. Andere Kinder konnten nicht aufgefangen werden. Bis heute betrachten sie Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c \u2013 so wie es ihnen in der Geiselhaft eingeh\u00e4mmert wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie sind eine gro\u00dfe Gefahr f\u00fcr andere Kinder. Sie leben in Lagern, in einem Zelt, auf sechs mal vier Metern, oder noch weniger! Acht Geschwister, sie spielen zusammen, reden, sie indoktrinieren die anderen! Das ist ein Problem, das wir nicht l\u00f6sen k\u00f6nnen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Sara Hassan ist Sozialarbeiterin. Sie arbeitet in den Lagern, versucht M\u00e4dchen und Frauen, die jahrelang in Geiselhaft vergewaltigt wurden, zu helfen. Unz\u00e4hlige hatte der \u201eIS\u201c einst entf\u00fchrt. Sara arbeitet auch mit den sogenannten \u201eDschihadisten-Kindern\u201c. Sie erz\u00e4hlt, wie \u00fcberfordert alle seien: die Familien, die jesidische Gemeinschaft, die Gesellschaft des Nord-Irak.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIn einem anderen Fall hat sich die Familie am Ende an die Sicherheitskr\u00e4fte gewandt. Doch die wussten auch nicht, wie sie damit umgehen sollten. Monate lang hat die Familie versucht, den Jungen umzuerziehen, zusammen mit Sozialarbeitern. Aber noch immer sehen wir den Hass in seinen Augen \u2013 gegen\u00fcber Kurden, Christen und Jesiden. Als blicke man in die Augen eines IS-Terroristen. Das ist das Problem.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Die Jesiden k\u00f6nnen \u00fcber ihre vom \u201eIS\u201c indoktrinierten Kinder sprechen. Denn niemand zweifelt daran, dass sie Opfer der Tyrannei wurden. Bei den sunnitischen Arabern sieht das anders aus. Da sie derselben Religionsgruppe angeh\u00f6ren wie formal auch die Terroristen, stehen sie unter Generalverdacht, mit dem \u201eIS\u201c gemeinsame Sache gemacht zu haben. Sunnitische Araber trauen sich daher nicht, die Probleme ihrer Kinder \u00f6ffentlich zu machen \u2013 auch wenn sie selbst nichts mit dem \u201eIS\u201c zu tun hatten.<\/p>\n\n\n\n

Unklar ist, wie viele Kinder und Jugendliche im Irak und in Syrien zu Terroristen ausgebildet wurden, dabei noch in Geiselhaft sind oder bereits als \u201eSchl\u00e4fer\u201c darauf warten, zum Einsatz zu kommen. Sie gleichen \u201etickenden Zeitbomben\u201c, die jederzeit explodieren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

Minderheiten haben Angst vor \u201eIS\u201c-Nachfolgern<\/h2>\n\n\n\n

Kamaran Palani spricht davon, dass viele Menschen immer noch gehen wollen, obwohl der \u201eIS\u201c als staats\u00e4hnliches Gebilde nicht mehr besteht. Seine Saat aber, so der Politikwissenschaftler, sei aufgegangen.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollen einfach nicht in diesem Land bleiben. Der IS hat sie dazu gebracht. Jeder hat heute Angst, dass eine andere Organisation kommen wird, Terroristen, die dasselbe anrichten wie zuvor.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Palani forscht am \u201eMiddle East Research Institute\u201c, das seinen Sitz in Erbil hat, der Hauptstadt von Irakisch-Kurdistan. <\/p>\n\n\n\n

\u201e60 bis 65 Prozent der Christen wollen gehen. Das Gleiche gilt f\u00fcr andere Minderheiten: f\u00fcr Jesiden, Schabaks, Turkmenen, Kakais.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

\u201eWir werden niemals wieder mit den Arabern zusammenleben k\u00f6nnen!\u201c \u2013 ein Satz, der heute h\u00e4ufig im Nord-Irak zu h\u00f6ren ist. Gemeint sind die Iraker, die Sunniten und Araber sind \u2013 die einstmals Nachbarn von Jesiden, Christen und Kurden waren \u2013 mit denen man Handel trieb und Hochzeiten feierte, die auch Freunde waren.<\/p>\n\n\n\n

Der Irak ist eine multi-ethnische und multi-religi\u00f6se Gesellschaft, in der die Schiiten die Mehrheit stellen. \u00dcber Jahrhunderte aber hatten die sunnitischen Araber das Sagen, sie missbrauchten die Macht, errichteten ein Schreckensregime \u2013 bis 2003, als Diktator Saddam Hussein von den USA gest\u00fcrzt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c entstand aus Widerstand gegen Schiiten-Herrschaft<\/h2>\n\n\n\n

Jetzt wurde der Spie\u00df umgedreht. Die Amerikaner sorgten daf\u00fcr, dass die Sunniten jegliche Machtposition verloren \u2013 so wurde die irakische Armee, wurde die baathistische Partei aufgel\u00f6st \u2013 ohne ein Pendant zu schaffen, das alle integrierte. Und: Washington unterst\u00fctzte Regierungschef Nouri al-Maliki, einen Schiiten. Maliki sah eine historische Chance gekommen, diskriminierte nun seinerseits seine sunnitischen Landsleute, verwehrte ihnen im \u201eNeuen Irak\u201c die Mitsprache. Im Regime Malikis wurden Sunniten inhaftiert, gefoltert und umgebracht.<\/p>\n\n\n\n

Was viele in den Widerstand trieb. Einige schlossen sich der Terror-Organisation \u201eAl-Qaida\u201c an, unter ihnen f\u00fchrende Milit\u00e4rs der aufgel\u00f6sten Armee Saddam Husseins \u2013 und aus \u201eAl-Qaida\u201c ging sp\u00e4ter der \u201eIS\u201c hervor.<\/p>\n\n\n\n

Als der \u201eIS\u201c dann im Sommer 2014 fast ohne Gegenwehr weite Landstriche in Syrien und im Irak \u00fcberrannte und seinen \u201eStaat\u201c ausrief, sahen auch gew\u00f6hnliche sunnitische Araber einen Wechsel nahen. Viele machten gemeinsame Sache mit den Terroristen, verhinderten die Flucht jesidischer Nachbarn, lieferten sie ihren Schl\u00e4chtern aus. Kamaran Palani:<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c-K\u00e4mpfer haben gesagt, es gehe darum, die W\u00fcrde der sunnitischen Araber wiederherzustellen. Ihre Macht. Ihre Geschichte. Tats\u00e4chlich konnten es die Araber nicht hinnehmen, dass sie ins Abseits gedr\u00e4ngt wurden. Und ich denke, dass sie auch in Zukunft so handeln werden. Wann immer sich die Gelegenheit bietet: Sie werden alles hinter sich lassen \u2013 sich nur darauf konzentrieren.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Misstrauen. Auch bei einem Politikwissenschaftler. Was also tun? Zerst\u00f6rte St\u00e4dte und D\u00f6rfer k\u00f6nnten wieder aufgebaut werden \u2013 wenn denn ein gemeinsamer Wille best\u00fcnde. Doch was, wenn es einen solchen gemeinsamen Willen gar nicht gibt? Wenn Schmerz und Trauer anhalten, wenn die Verbrechen von Terroristen und Helfershelfern nicht geahndet werden, wenn Angst umgeht, Misstrauen und Hass das Miteinander bestimmen.<\/p>\n\n\n\n

\"SyrischeSoldaten in der irakischen Stadt Sindschar nach der R\u00fcckeroberung von der IS-Miliz Ende 2015. (dpa \/ MAXPPP \/ Arnaud Dumontier)<\/p>\n\n\n\n

Kamaran Palani stammt aus der Stadt Makhmour. Drei Tage nur sei der \u201eIS\u201c dort gewesen, sagt er, doch diese Tage h\u00e4tten alles ver\u00e4ndert. Der \u201eIS\u201c habe die Menschen in seiner Heimatstadt verrohen lassen, meint er, das Verh\u00e4ltnis zwischen Kurden und Arabern sei heute tot. Eine R\u00fcckkehr in alte Zeiten h\u00e4lt Palani f\u00fcr falsch.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch denke, es w\u00e4re nicht einfach, in das Jahr 2014 \u2013 also in die Zeit vor dem \u201aIS\u2018 \u2013 zur\u00fcckzukehren. Vor allem aber w\u00e4re es nicht die richtige Politik. Denn eben die hat ja erst zum Aufkommen, zur Existenz des \u201aIS\u2018 gef\u00fchrt.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n


Wie also in Ruinen Neues schaffen? Der Staat muss das Gewaltmonopol zur\u00fcckerlangen, fordert der Politikwissenschaftler. F\u00fcr ihn steht das an erster Stelle. Und dann m\u00fcsse der Staat dringend einen Kurswechsel vornehmen: Er m\u00fcsse integrativ wirken, alle einbinden, auch die Araber, in Sicherheitskr\u00e4fte, Verwaltung und Politik.<\/p>\n\n\n\n

Machtmonopol m\u00fcsste von Milizen zum Staat gehen<\/h2>\n\n\n\n

Die Realit\u00e4t sieht anders aus: Ein Staat Kurdistan, der neue Optionen m\u00f6glich gemacht h\u00e4tte, auch von den Minderheiten gew\u00fcnscht worden war, ist nicht entstanden. Bagdad aber ist fern, der Zentralstaat kaum existent, und wenn, dann ist er schiitisch dominiert. Es sind Milizen, die im Nord-Irak das Geschehen bestimmen, darum rivalisieren, das Machtvakuum zu f\u00fcllen, das durch die Vertreibung des \u201eIS\u201c entstanden ist. Einst im Kampf gegen die Terroristen geeint, sind die Milizen einander heute feind.<\/p>\n\n\n\n

Allen voran die \u201eHashd ash-Shaabi\u201c, schiitisch-irakische Milizen, deren Ausbilder und Kommandeure h\u00e4ufig Iraner sind. Bagdad hat die Haschd als regul\u00e4re Kraft im Kampf gegen den \u201eIS\u201c anerkannt \u2013 obwohl Menschenrechts-Organisationen schwere Vorw\u00fcrfe gegen sie erheben. Fest steht: Die schiitischen Milizen halten D\u00f6rfer besetzt, sind in Mosul f\u00fcr ihr herrisches Auftreten und ihre Willk\u00fcr bekannt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eTats\u00e4chlich sorgen die verschiedenen bewaffneten Gruppen daf\u00fcr, dass die Fl\u00fcchtlinge nicht zur\u00fcckkehren. Und weil sie nicht zur\u00fcckkehren, gibt es auch keinen Wiederaufbau. Die Menschen haben Angst vor den Milizen \u2013 auch davor, dass die einander bek\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die \u201eHashd\u201c m\u00fcssten mithin abziehen. Und mit ihnen die anderen Milizen. Das Machtmonopol m\u00fcsste an den Staat gehen. Doch der Irak ist auch Spielball der Regionalm\u00e4chte: Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien. Sie konkurrieren um Einfluss-Sph\u00e4ren, bedienen sich dabei verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Gruppen im Irak. Deswegen werden die Hashd nicht abziehen. Derzeit sind sie von der iranisch-irakischen Grenze im Osten \u00fcber Bagdad bis hoch zur irakisch-syrischen Grenze im Norden postiert. Einheiten Teherans k\u00f6nnten demnach auf dem Landweg vom Iran bis ans Mittelmeer durchmarschieren.<\/p>\n\n\n\n

Iran und Saudi-Arabien wollen Macht vergr\u00f6\u00dfern<\/h2>\n\n\n\n

Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n

In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n

Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3703,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:24:20","post_date_gmt":"2020-08-13 21:24:20","post_content":"\n

Deutschland str\u00e4ubt sich gegen die R\u00fcckkehr seiner eigenen Staatsb\u00fcrger, die zu IS-Terroristen wurden. Dabei hat die Bundesrepublik den Terror und die Terroristen einst exportiert. Und dies geschah wissentlich, sagt der Islamwissenschaftler Fabian Goldmann.<\/p>\n\n\n\n

Wann haben Sie sich eigentlich zuletzt von deutschen Terroristen distanziert? Zum Beispiel von Robert B.? Der Ex-Bundeswehrsoldat aus Solingen hat mutma\u00dflich bei einem Selbstmordattentat Anfang 2014 50 Menschen mit in den Tod gerissen. <\/p>\n\n\n\n

Oder von Yannik N.? Der junge Freiburger steuerte wahrscheinlich im Jahr 2015 einen mit anderthalb Tonnen Sprengstoff beladenen LKW in eine Menschenmenge und nahm so Dutzenden Personen das Leben.<\/p>\n\n\n\n

Oder von Yamin A.?. Im Sommer 2015 tauchte im Netz ein Video auf, das zeigte, wie der ehemalige Telekom-Azubi aus K\u00f6nigswinter zwei gefesselten Soldaten in den Kopf schoss.
Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Deutsche T\u00e4ter, aber kaum deutsche Opfer<\/h2>\n\n\n\n

Hauptsache nicht bei uns! Dies scheint auch dieser Tage wieder die Maxime zu sein, wenn Politiker und \u00d6ffentlichkeit \u00fcber den Umgang mit deutschen Terroristen diskutieren. Von potenziellen Bedrohungen und Anschlagsgefahren in Deutschland liest man dann. Vom ganz realen Terror, den Deutsche in den vergangenen Jahren \u00fcber die Menschen in Syrien und Irak gebracht haben, h\u00f6rt man hingegen kaum. Ein Terror, der kaum deutsche Opfer aber umso mehr deutsche T\u00e4ter kannte.<\/p>\n\n\n\n

1.050 \u2013 das ist laut Bundesinnenministerium die Anzahl der Dschihadisten, die in den letzten Jahren die Bundesrepublik in Richtung Nahost verlassen hat. Es f\u00e4llt schwer, sich umgekehrtes Szenario \u00fcberhaupt auszumalen. Was w\u00e4re wohl los, h\u00e4tte es nur ein Bruchteil arabischer Terroristen geschafft, bei uns Anschl\u00e4ge zu begehen? Europas \u201eMuslim Bann\u201c? \u00dcberwachungsstaat auf NSA-Niveau?<\/p>\n\n\n\n

Die CSU st\u00fcnde wom\u00f6glich am linken Ende des politischen Spektrums, und auf Twitter w\u00fcrde Trump deutsche Migrationspolitiker zur M\u00e4\u00dfigung aufrufen. Der deutsche Terror in Nahost kommt hingegen seit Jahren ganz ohne Sondersendungen, politische Debatten und Distanzierungsforderungen aus. <\/p>\n\n\n\n

Deutsche K\u00e4mpfer waren nicht nur willenloses Kanonenfutter<\/h2>\n\n\n\n

An fehlendem Wissen liegt das nicht. Von ganzen Einheiten des IS, in denen kein einziger K\u00e4mpfer Arabisch spreche, berichten syrische, irakische und kurdische Soldaten schon seit Jahren. Von Aleppo \u00fcber Raqqa bis Mossul haben Aktivisten und Politiker immer wieder darauf hingewiesen, dass viele der schlimmsten M\u00f6rder in den Reihen des IS Europ\u00e4er sind. Interessiert hat das hier kaum jemand.<\/p>\n\n\n\n

Dabei dienten Deutsche dem Islamischen Staats nicht nur als willenloses Kanonenfutter, wie es oft dargestellt wird. Viele haben seinen Terror mitgepr\u00e4gt. Wie Martin L., der derzeit in kurdischer Haft sitzt. Der Schwei\u00dfer aus Sachsen-Anhalt soll sich vom Folterknecht bis zum Geheimdienstler mit Kontakten bis in die F\u00fchrungsspitze der Terrororganisation hochgearbeitet haben.<\/p>\n\n\n\n

Oder Reda S., Der Prediger aus Berlin-Charlottenburg soll dem IS in Mossul als Bildungsminister gedient haben. Oder der Berliner Ex-Rapper Denis Cuspert, der zu den wichtigsten Personen in der IS-Medienorganisation Al-Hayat geh\u00f6rte. Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Beh\u00f6rden wussten gut Bescheid<\/h2>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich entstand der Islamische Staat nicht in deutschen Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen. Zur deutschen Verantwortung geh\u00f6rt aber auch, dass Politiker und Beh\u00f6rden lange wegschauten, solang nur die T\u00e4ter, aber nicht die Opfer Deutsche waren. Beh\u00f6rden wissen und wussten erschreckend gut Bescheid \u00fcber die Radikalisierung deutscher Islamisten. Ein Gro\u00dfteil der sp\u00e4teren IS-K\u00e4mpfer war polizeibekannt, stand auf Gef\u00e4hrderlisten oder hatte wegen islamistischer Straftaten bereits Haftstrafen verb\u00fc\u00dft. An der Ausreise gehindert wurden sie oftmals dennoch nicht. Die Gefahr, die von deutschen Terroristen ausgeht, interessierte Politik und \u00d6ffentlichkeit erst dann wieder, als ihre Einreise drohte.<\/p>\n\n\n\n

\"Fabian
Fabian Goldmann<\/strong> ist Journalist und Islamwissenschaftler. F\u00fcr verschiedene Magazine und Zeitungen berichtete er viele Jahre aus Nahost. Zurzeit widmet er sich vor allem dem Islam diesseits des Bosporus. Auf seinem Blog Schantall und die Scharia<\/a> bloggt er \u00fcber Islamophobie in Deutschland.<\/p>\n","post_title":"Es sind unsere Terroristen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"es-sind-unsere-terroristen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3703","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3700,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:19:36","post_date_gmt":"2020-08-13 21:19:36","post_content":"\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda? Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda t<\/p>\n\n\n\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda tritt an die Stelle der 2010 verabschiedeten Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014 (siehe IP\/10\/1535<\/a>). In der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda f\u00fcr den Zeitraum 2015-2020 skizziert die Europ\u00e4ische Kommission die Strategie der Union zur Bew\u00e4ltigung der Sicherheitsbedrohungen in der EU.<\/p>\n\n\n\n

Die EU und ihre Mitgliedstaaten sind mit betr\u00e4chtlichen Sicherheitsproblemen konfrontiert. Terrorismus, organisierte Kriminalit\u00e4t und Cyberkriminalit\u00e4t stellen eine zunehmende Gefahr f\u00fcr die europ\u00e4ische Gesellschaft dar, wobei sich Art und Ausma\u00df dieser Gefahr ver\u00e4ndert hat. Europa ist mit den Auswirkungen der politischen Instabilit\u00e4t in seiner unmittelbaren Nachbarschaft konfrontiert, die die Sicherheitsinteressen der EU gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n

Im Zuge der Krisen und Konflikte in Syrien, Irak und Libyen haben sich europ\u00e4ische B\u00fcrger terroristischen Gruppen angeschlossen, die bei ihrer R\u00fcckkehr eine erhebliche Bedrohung darstellen k\u00f6nnen. Die j\u00fcngsten terroristischen Anschl\u00e4ge in Europa zeugen von der zunehmenden Bedrohung durch einen gewaltt\u00e4tigen Extremismus und zeigen, in welchem Ausma\u00df weltweite Konflikte zur Radikalisierung der europ\u00e4ischen B\u00fcrger beitragen.<\/p>\n\n\n\n

Das Online-Umfeld hat sich zunehmend als Ziel f\u00fcr Kriminelle und Terroristen entwickelt. Unabh\u00e4ngig davon, ob es um die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und die Anwerbung von Menschen f\u00fcr terroristische Organisationen geht oder die Verbreitung von Hass oder einen Angriff auf die europ\u00e4ischen Werte und Institutionen, fest steht, dass wir unsere Reaktion auf diese Bedrohungen unbedingt abstimmen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Welcher Mehrwert entsteht durch die EU im Bereich der inneren Sicherheit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Gew\u00e4hrleistung der inneren Sicherheit f\u00e4llt weiterhin in erster Linie in die Zust\u00e4ndigkeit der Mitgliedstaaten. Allerdings werden die Bedrohungen f\u00fcr Europas B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger immer vielf\u00e4ltiger und betreffen in zunehmendem Ma\u00dfe mehrere Mitgliedstaaten. Einzelne Mitgliedstaaten haben die Verantwortung, die Sicherheit an den Au\u00dfengrenzen zu gew\u00e4hrleisten, sind aber nicht mehr in der Lage, diese Herausforderungen allein zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n

Kriminelle und terroristische Aktivit\u00e4ten machen nicht an den Grenzen der EU halt und beschr\u00e4nken sich auch nicht auf Nachbarregionen. Die innere Sicherheit der EU und die globale Sicherheit sind voneinander abh\u00e4ngig und miteinander verkn\u00fcpft. Die Sicherheit der Union h\u00e4ngt in hohem Ma\u00dfe von der Zusammenarbeit mit ihren internationalen Partnern und ihren Nachbarl\u00e4ndern ab.<\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t und des Terrorismus ist eine gemeinsame europ\u00e4ische Aufgabe. Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda sollte von den Mitgliedstaaten und den EU-Organen gemeinsam als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und gemeinsame Ma\u00dfnahmen der Union genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n

Mit Hilfe der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda werden die Polizei- und Strafverfolgungsdienste in verschiedenen Mitgliedstaaten Daten effektiver austauschen und bei der Bek\u00e4mpfung der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t besser zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Die Mitgliedstaaten k\u00f6nnen auf die Unterst\u00fctzung durch die Agenturen der EU z\u00e4hlen. Insbesondere in folgenden Punkten l\u00e4sst sich mit Hilfe der Sicherheitsagenda ein EU-Mehrwert erzielen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n

A) Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und den EU-Agenturen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1<\/strong>: Das Schengener Informationssystem<\/strong> (SIS) wird von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Abfrage von Ausschreibungen von gesuchten oder vermissten Personen und Gegenst\u00e4nden genutzt. Die Kommission wird an der Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Ausschreibungskategorien arbeiten und sich daf\u00fcr einsetzen, dass das SIS zusammen mit der Interpol-Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD)<\/strong> umfassender genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

Source<\/a><\/p>\n","post_title":"Warum Afghanen in Syrien f\u00fcr Assad k\u00e4mpfen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"warum-afghanen-in-syrien-fur-assad-kampfen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3709","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3706,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:27:40","post_date_gmt":"2020-08-13 21:27:40","post_content":"\n

Kinder, Frauen, Jesiden \u2013 wer \u00fcberlebt hat, berichtet von Folter, Vergewaltigungen und Gehirnw\u00e4sche. Rund drei Jahre dauerte die Schreckensherrschaft der IS-Miliz in Syrien und Irak. Der Wiederaufbau wird l\u00e4nger dauern und mehr umfassen als H\u00e4user.<\/p>\n\n\n\n

Der Fluss Tigris durchzieht die zweitgr\u00f6\u00dfte Stadt des Iraks und teilt Mosul in Ost und West. Das Westufer ist von Zerst\u00f6rung gezeichnet, die Altstadt nicht mehr als eine einzige graue Tr\u00fcmmerlandschaft. Seit den letzten Bombardements im Juli 2017 kann hier niemand mehr wohnen.<\/p>\n\n\n\n

Die Nouri-Moschee, von deren Kanzel Abu Bakr al-Baghdadi im Juli 2014 sein Kalifat ausrief, hatte die IS-Miliz auf ihrem R\u00fcckzug vorsorglich selbst in die Luft gesprengt, um den Gegnern diesen besonderen Triumph zu verwehren.<\/p>\n\n\n\n

\"ImIm Juli 2017 erobert die irakische Armee Mossul zur\u00fcck. Ruinen sind zu sehen. Ein K\u00e4mpfer der IS-Miliz hat sich ergeben. (Imago \/ Carol Guzy)<\/p>\n\n\n\n

Es ist fraglich, ob die Altstadt dem Original getreu wieder aufgebaut werden kann. Bagdad will demn\u00e4chst \u2013 im Rahmen einer gro\u00dfen Wiederaufbau-Konferenz \u2013 bekannt geben, welche Pl\u00e4ne es hat. Derzeit gilt als gro\u00dfer Fortschritt, dass die Tr\u00fcmmerlandschaft in Teilen wieder begehbar ist \u2013 nachdem mit internationaler Hilfe zahllose Sprengs\u00e4tze beseitigt wurden.<\/p>\n\n\n\n

In Ost-Mossul gibt es weniger Zerst\u00f6rungen<\/h2>\n\n\n\n

J\u00fcngste Sch\u00e4tzungen der Vereinten Nationen besagen, dass es noch Jahre dauern wird, bis alle Minen ger\u00e4umt sind. Solange werden die einstigen Bewohner nicht zur\u00fcckkehren k\u00f6nnen. Manche von ihnen haben Gl\u00fcck im Ungl\u00fcck: Sie haben \u00fcberlebt und sind auf der anderen Seite des Tigris untergekommen, im Osten der Stadt. Der war schon im Januar 2017 von den Terroristen befreit worden. Erstaunlich ist: Dieser Teil Mosuls wirkt fast so, als w\u00e4re der \u201eIS\u201c niemals hier gewesen und als h\u00e4tte es keinen Krieg gegeben.<\/p>\n\n\n\n

\"ImIm Osten Mossuls gibt es weniger Zerst\u00f6rungen als im Westteil. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

Die Zerst\u00f6rungen beschr\u00e4nken sich auf strategisch-wichtige Punkte oder Geb\u00e4ude, in denen sich die Terroristen verschanzt hatten: Br\u00fccken, Moscheen, Krankenh\u00e4user. Doch im Basar herrscht fast so etwas wie Normalit\u00e4t. An St\u00e4nden kaufen Menschen ein \u2013 Obst, Gem\u00fcse, Reis und Nudeln, Backwaren. Kinder schlecken ein Eis. Abu Muhammad, ein ehemaliger Physiklehrer, erkl\u00e4rt, warum der Basar so anders ist als erwartet:<\/p>\n\n\n\n

\u201eDas Leben hatte nie aufgeh\u00f6rt in Mosul. Wir haben weitergelebt. Drei Jahre wurden wir vom \u201aIS\u2018 beherrscht, doch die normalen Leute hatten nichts damit zu tun. Daher kam der Alltag schnell zur\u00fcck. Die Soldaten sind gekommen, haben den Basar wieder aufgemacht und das Leben ging weiter.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Im Osten findet sich heute all das wieder, was die Terror-Miliz unterdr\u00fcckt hatte und bei Missachtung grausam ahndete: Musik in Restaurants und Caf\u00e9s; Sim-Karten f\u00fcr Handys; Internet; Fris\u00f6re, die Haare schneiden, B\u00e4rte stutzen oder gar abrasieren. Und doch: Trotz des lebendigen Treibens wirken Angst und Schrecken nach. Abu Muhammad, fr\u00fch ergraut, erinnert sich:<\/p>\n\n\n\n

\u201eWir haben uns gef\u00fchlt wie zwischen Leben und Tod. Irgendwo dazwischen. Sie haben vom \u201aIS\u2018 geh\u00f6rt; wir haben ihn erlebt: Wir haben erlebt, wie sie mordeten, wie sie Leute aufh\u00e4ngten, wir haben den Krieg erlebt. Wir haben alles gesehen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Mohammed stammt aus dem zerst\u00f6rten Westen der Stadt. Er wohnt heute im Osten. Verwandte haben ihn und seine Familie aufgenommen. So wie ihm ergeht es auch anderen Vertriebenen. Sie leben bei Verwandten und Freunden. Oder in einem der vielen Lager. 700.000 Menschen haben ihr Zuhause verloren \u2013 eine Zahl, die f\u00fcr West-Mosul gilt. Insgesamt gehen die Vereinten Nationen von fast sechs Millionen Menschen aus, die im Irak vor dem \u201aIS\u2018 geflohen sind \u2013 die H\u00e4lfte von ihnen bis heute fern von ihrem Zuhause.<\/p>\n\n\n\n

Binnenfl\u00fcchtlinge im Lager Khabartu<\/h2>\n\n\n\n

Zelte soweit das Auge reicht. Abertausende. Inmitten von Steppe. Das Leben der Menschen ist hart. Sie darben, frieren und verdorren \u2013 wenn im Winter der kalte Wind durch die Steppe fegt und im Sommer die Sonne niederbrennt. Doch sie harren aus, haben wenig Hoffnung auf baldige R\u00fcckkehr. Die meisten kamen 2014 \u2013 hierher, ins Lager Khabartu in Irakisch-Kurdistan.<\/p>\n\n\n\n

\"DasDas Lager Khabartu f\u00fcr irakische Binnenfl\u00fcchtlinge. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

2014, als der \u201eIS\u201c den Nord-Irak \u00fcberfiel. In einem der Zelte lebt auch die Familie von Thomas Abdallah Hammou. Thomas war auf der Flucht von seiner Familie getrennt und von den Dschihadisten verschleppt worden. Damals war er acht Jahre alt. Ein Kind. Drei Jahre blieb er in Geiselhaft, lebte in Mosul.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollten nicht, dass wir spielen. Sie mochten es nicht. Ich habe keine Schule besucht, aber sie gaben uns Koran-Unterricht. Jeden Tag.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas musste seinem eigenen, dem jesidischen Glauben abschw\u00f6ren. Weil der \u201eIS\u201c die Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c betrachtet. Und \u201eUngl\u00e4ubige\u201c, so die Auffassung der Terroristen, m\u00fcssen zwangsbekehrt werden. Oder get\u00f6tet. Die Terroristen hatten dementsprechend die Jesiden entweder an Ort und Stelle ermordet, die meisten im Sinjar, im alten Siedlungsgebiet der Jesiden im Nord-Irak. Tausende. 47 Massengr\u00e4ber sollen mittlerweile gefunden worden sein. Oder aber die Terroristen lie\u00dfen die Jesiden am Leben und nahmen sie in Geiselhaft. Sie machten aus ihnen Sexsklavinnen oder sie bildeten sie aus \u2013 zu Selbstmordattent\u00e4tern. Wie Thomas.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie haben uns st\u00e4ndig geschlagen. Wir mussten Schie\u00dfen \u00fcben. Zwei meiner Freunde haben sich in die Luft gesprengt. Sie sind zum Training. Doch sie kamen nicht zur\u00fcck. Ich war nicht traurig. Sie wollten sich ja in die Luft sprengen. Die \u201aIS\u2018-Leute hatten es nicht von ihnen verlangt. Sie sind freiwillig gegangen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas hat heute einen modernen Haarschnitt; der Nacken ist ausrasiert; der lange Pony in die Stirn gek\u00e4mmt. Im Sommer sah er noch anders aus, kurz nachdem Mosul befreit worden war. Bei einem Luftangriff der Anti-\u201eIS\u201c-Koalition wurde Thomas schwer verletzt aus Tr\u00fcmmern geborgen, dann operiert.<\/p>\n\n\n\n

\"ThomasThomas erholt sich von drei Jahren IS-Gefangenschaft. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

Arbeit mit \u201eDschihadisten-Kindern\u201c<\/h2>\n\n\n\n

Die \u00e4u\u00dferen Wunden sind heute verheilt. Doch wie sieht es aus mit den inneren, den seelischen Verletzungen? Thomas wurde von seiner Familie aufgenommen und bekommt Hilfe. Andere Kinder konnten nicht aufgefangen werden. Bis heute betrachten sie Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c \u2013 so wie es ihnen in der Geiselhaft eingeh\u00e4mmert wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie sind eine gro\u00dfe Gefahr f\u00fcr andere Kinder. Sie leben in Lagern, in einem Zelt, auf sechs mal vier Metern, oder noch weniger! Acht Geschwister, sie spielen zusammen, reden, sie indoktrinieren die anderen! Das ist ein Problem, das wir nicht l\u00f6sen k\u00f6nnen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Sara Hassan ist Sozialarbeiterin. Sie arbeitet in den Lagern, versucht M\u00e4dchen und Frauen, die jahrelang in Geiselhaft vergewaltigt wurden, zu helfen. Unz\u00e4hlige hatte der \u201eIS\u201c einst entf\u00fchrt. Sara arbeitet auch mit den sogenannten \u201eDschihadisten-Kindern\u201c. Sie erz\u00e4hlt, wie \u00fcberfordert alle seien: die Familien, die jesidische Gemeinschaft, die Gesellschaft des Nord-Irak.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIn einem anderen Fall hat sich die Familie am Ende an die Sicherheitskr\u00e4fte gewandt. Doch die wussten auch nicht, wie sie damit umgehen sollten. Monate lang hat die Familie versucht, den Jungen umzuerziehen, zusammen mit Sozialarbeitern. Aber noch immer sehen wir den Hass in seinen Augen \u2013 gegen\u00fcber Kurden, Christen und Jesiden. Als blicke man in die Augen eines IS-Terroristen. Das ist das Problem.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Die Jesiden k\u00f6nnen \u00fcber ihre vom \u201eIS\u201c indoktrinierten Kinder sprechen. Denn niemand zweifelt daran, dass sie Opfer der Tyrannei wurden. Bei den sunnitischen Arabern sieht das anders aus. Da sie derselben Religionsgruppe angeh\u00f6ren wie formal auch die Terroristen, stehen sie unter Generalverdacht, mit dem \u201eIS\u201c gemeinsame Sache gemacht zu haben. Sunnitische Araber trauen sich daher nicht, die Probleme ihrer Kinder \u00f6ffentlich zu machen \u2013 auch wenn sie selbst nichts mit dem \u201eIS\u201c zu tun hatten.<\/p>\n\n\n\n

Unklar ist, wie viele Kinder und Jugendliche im Irak und in Syrien zu Terroristen ausgebildet wurden, dabei noch in Geiselhaft sind oder bereits als \u201eSchl\u00e4fer\u201c darauf warten, zum Einsatz zu kommen. Sie gleichen \u201etickenden Zeitbomben\u201c, die jederzeit explodieren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

Minderheiten haben Angst vor \u201eIS\u201c-Nachfolgern<\/h2>\n\n\n\n

Kamaran Palani spricht davon, dass viele Menschen immer noch gehen wollen, obwohl der \u201eIS\u201c als staats\u00e4hnliches Gebilde nicht mehr besteht. Seine Saat aber, so der Politikwissenschaftler, sei aufgegangen.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollen einfach nicht in diesem Land bleiben. Der IS hat sie dazu gebracht. Jeder hat heute Angst, dass eine andere Organisation kommen wird, Terroristen, die dasselbe anrichten wie zuvor.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Palani forscht am \u201eMiddle East Research Institute\u201c, das seinen Sitz in Erbil hat, der Hauptstadt von Irakisch-Kurdistan. <\/p>\n\n\n\n

\u201e60 bis 65 Prozent der Christen wollen gehen. Das Gleiche gilt f\u00fcr andere Minderheiten: f\u00fcr Jesiden, Schabaks, Turkmenen, Kakais.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

\u201eWir werden niemals wieder mit den Arabern zusammenleben k\u00f6nnen!\u201c \u2013 ein Satz, der heute h\u00e4ufig im Nord-Irak zu h\u00f6ren ist. Gemeint sind die Iraker, die Sunniten und Araber sind \u2013 die einstmals Nachbarn von Jesiden, Christen und Kurden waren \u2013 mit denen man Handel trieb und Hochzeiten feierte, die auch Freunde waren.<\/p>\n\n\n\n

Der Irak ist eine multi-ethnische und multi-religi\u00f6se Gesellschaft, in der die Schiiten die Mehrheit stellen. \u00dcber Jahrhunderte aber hatten die sunnitischen Araber das Sagen, sie missbrauchten die Macht, errichteten ein Schreckensregime \u2013 bis 2003, als Diktator Saddam Hussein von den USA gest\u00fcrzt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c entstand aus Widerstand gegen Schiiten-Herrschaft<\/h2>\n\n\n\n

Jetzt wurde der Spie\u00df umgedreht. Die Amerikaner sorgten daf\u00fcr, dass die Sunniten jegliche Machtposition verloren \u2013 so wurde die irakische Armee, wurde die baathistische Partei aufgel\u00f6st \u2013 ohne ein Pendant zu schaffen, das alle integrierte. Und: Washington unterst\u00fctzte Regierungschef Nouri al-Maliki, einen Schiiten. Maliki sah eine historische Chance gekommen, diskriminierte nun seinerseits seine sunnitischen Landsleute, verwehrte ihnen im \u201eNeuen Irak\u201c die Mitsprache. Im Regime Malikis wurden Sunniten inhaftiert, gefoltert und umgebracht.<\/p>\n\n\n\n

Was viele in den Widerstand trieb. Einige schlossen sich der Terror-Organisation \u201eAl-Qaida\u201c an, unter ihnen f\u00fchrende Milit\u00e4rs der aufgel\u00f6sten Armee Saddam Husseins \u2013 und aus \u201eAl-Qaida\u201c ging sp\u00e4ter der \u201eIS\u201c hervor.<\/p>\n\n\n\n

Als der \u201eIS\u201c dann im Sommer 2014 fast ohne Gegenwehr weite Landstriche in Syrien und im Irak \u00fcberrannte und seinen \u201eStaat\u201c ausrief, sahen auch gew\u00f6hnliche sunnitische Araber einen Wechsel nahen. Viele machten gemeinsame Sache mit den Terroristen, verhinderten die Flucht jesidischer Nachbarn, lieferten sie ihren Schl\u00e4chtern aus. Kamaran Palani:<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c-K\u00e4mpfer haben gesagt, es gehe darum, die W\u00fcrde der sunnitischen Araber wiederherzustellen. Ihre Macht. Ihre Geschichte. Tats\u00e4chlich konnten es die Araber nicht hinnehmen, dass sie ins Abseits gedr\u00e4ngt wurden. Und ich denke, dass sie auch in Zukunft so handeln werden. Wann immer sich die Gelegenheit bietet: Sie werden alles hinter sich lassen \u2013 sich nur darauf konzentrieren.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Misstrauen. Auch bei einem Politikwissenschaftler. Was also tun? Zerst\u00f6rte St\u00e4dte und D\u00f6rfer k\u00f6nnten wieder aufgebaut werden \u2013 wenn denn ein gemeinsamer Wille best\u00fcnde. Doch was, wenn es einen solchen gemeinsamen Willen gar nicht gibt? Wenn Schmerz und Trauer anhalten, wenn die Verbrechen von Terroristen und Helfershelfern nicht geahndet werden, wenn Angst umgeht, Misstrauen und Hass das Miteinander bestimmen.<\/p>\n\n\n\n

\"SyrischeSoldaten in der irakischen Stadt Sindschar nach der R\u00fcckeroberung von der IS-Miliz Ende 2015. (dpa \/ MAXPPP \/ Arnaud Dumontier)<\/p>\n\n\n\n

Kamaran Palani stammt aus der Stadt Makhmour. Drei Tage nur sei der \u201eIS\u201c dort gewesen, sagt er, doch diese Tage h\u00e4tten alles ver\u00e4ndert. Der \u201eIS\u201c habe die Menschen in seiner Heimatstadt verrohen lassen, meint er, das Verh\u00e4ltnis zwischen Kurden und Arabern sei heute tot. Eine R\u00fcckkehr in alte Zeiten h\u00e4lt Palani f\u00fcr falsch.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch denke, es w\u00e4re nicht einfach, in das Jahr 2014 \u2013 also in die Zeit vor dem \u201aIS\u2018 \u2013 zur\u00fcckzukehren. Vor allem aber w\u00e4re es nicht die richtige Politik. Denn eben die hat ja erst zum Aufkommen, zur Existenz des \u201aIS\u2018 gef\u00fchrt.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n


Wie also in Ruinen Neues schaffen? Der Staat muss das Gewaltmonopol zur\u00fcckerlangen, fordert der Politikwissenschaftler. F\u00fcr ihn steht das an erster Stelle. Und dann m\u00fcsse der Staat dringend einen Kurswechsel vornehmen: Er m\u00fcsse integrativ wirken, alle einbinden, auch die Araber, in Sicherheitskr\u00e4fte, Verwaltung und Politik.<\/p>\n\n\n\n

Machtmonopol m\u00fcsste von Milizen zum Staat gehen<\/h2>\n\n\n\n

Die Realit\u00e4t sieht anders aus: Ein Staat Kurdistan, der neue Optionen m\u00f6glich gemacht h\u00e4tte, auch von den Minderheiten gew\u00fcnscht worden war, ist nicht entstanden. Bagdad aber ist fern, der Zentralstaat kaum existent, und wenn, dann ist er schiitisch dominiert. Es sind Milizen, die im Nord-Irak das Geschehen bestimmen, darum rivalisieren, das Machtvakuum zu f\u00fcllen, das durch die Vertreibung des \u201eIS\u201c entstanden ist. Einst im Kampf gegen die Terroristen geeint, sind die Milizen einander heute feind.<\/p>\n\n\n\n

Allen voran die \u201eHashd ash-Shaabi\u201c, schiitisch-irakische Milizen, deren Ausbilder und Kommandeure h\u00e4ufig Iraner sind. Bagdad hat die Haschd als regul\u00e4re Kraft im Kampf gegen den \u201eIS\u201c anerkannt \u2013 obwohl Menschenrechts-Organisationen schwere Vorw\u00fcrfe gegen sie erheben. Fest steht: Die schiitischen Milizen halten D\u00f6rfer besetzt, sind in Mosul f\u00fcr ihr herrisches Auftreten und ihre Willk\u00fcr bekannt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eTats\u00e4chlich sorgen die verschiedenen bewaffneten Gruppen daf\u00fcr, dass die Fl\u00fcchtlinge nicht zur\u00fcckkehren. Und weil sie nicht zur\u00fcckkehren, gibt es auch keinen Wiederaufbau. Die Menschen haben Angst vor den Milizen \u2013 auch davor, dass die einander bek\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die \u201eHashd\u201c m\u00fcssten mithin abziehen. Und mit ihnen die anderen Milizen. Das Machtmonopol m\u00fcsste an den Staat gehen. Doch der Irak ist auch Spielball der Regionalm\u00e4chte: Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien. Sie konkurrieren um Einfluss-Sph\u00e4ren, bedienen sich dabei verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Gruppen im Irak. Deswegen werden die Hashd nicht abziehen. Derzeit sind sie von der iranisch-irakischen Grenze im Osten \u00fcber Bagdad bis hoch zur irakisch-syrischen Grenze im Norden postiert. Einheiten Teherans k\u00f6nnten demnach auf dem Landweg vom Iran bis ans Mittelmeer durchmarschieren.<\/p>\n\n\n\n

Iran und Saudi-Arabien wollen Macht vergr\u00f6\u00dfern<\/h2>\n\n\n\n

Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n

In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n

Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3703,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:24:20","post_date_gmt":"2020-08-13 21:24:20","post_content":"\n

Deutschland str\u00e4ubt sich gegen die R\u00fcckkehr seiner eigenen Staatsb\u00fcrger, die zu IS-Terroristen wurden. Dabei hat die Bundesrepublik den Terror und die Terroristen einst exportiert. Und dies geschah wissentlich, sagt der Islamwissenschaftler Fabian Goldmann.<\/p>\n\n\n\n

Wann haben Sie sich eigentlich zuletzt von deutschen Terroristen distanziert? Zum Beispiel von Robert B.? Der Ex-Bundeswehrsoldat aus Solingen hat mutma\u00dflich bei einem Selbstmordattentat Anfang 2014 50 Menschen mit in den Tod gerissen. <\/p>\n\n\n\n

Oder von Yannik N.? Der junge Freiburger steuerte wahrscheinlich im Jahr 2015 einen mit anderthalb Tonnen Sprengstoff beladenen LKW in eine Menschenmenge und nahm so Dutzenden Personen das Leben.<\/p>\n\n\n\n

Oder von Yamin A.?. Im Sommer 2015 tauchte im Netz ein Video auf, das zeigte, wie der ehemalige Telekom-Azubi aus K\u00f6nigswinter zwei gefesselten Soldaten in den Kopf schoss.
Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Deutsche T\u00e4ter, aber kaum deutsche Opfer<\/h2>\n\n\n\n

Hauptsache nicht bei uns! Dies scheint auch dieser Tage wieder die Maxime zu sein, wenn Politiker und \u00d6ffentlichkeit \u00fcber den Umgang mit deutschen Terroristen diskutieren. Von potenziellen Bedrohungen und Anschlagsgefahren in Deutschland liest man dann. Vom ganz realen Terror, den Deutsche in den vergangenen Jahren \u00fcber die Menschen in Syrien und Irak gebracht haben, h\u00f6rt man hingegen kaum. Ein Terror, der kaum deutsche Opfer aber umso mehr deutsche T\u00e4ter kannte.<\/p>\n\n\n\n

1.050 \u2013 das ist laut Bundesinnenministerium die Anzahl der Dschihadisten, die in den letzten Jahren die Bundesrepublik in Richtung Nahost verlassen hat. Es f\u00e4llt schwer, sich umgekehrtes Szenario \u00fcberhaupt auszumalen. Was w\u00e4re wohl los, h\u00e4tte es nur ein Bruchteil arabischer Terroristen geschafft, bei uns Anschl\u00e4ge zu begehen? Europas \u201eMuslim Bann\u201c? \u00dcberwachungsstaat auf NSA-Niveau?<\/p>\n\n\n\n

Die CSU st\u00fcnde wom\u00f6glich am linken Ende des politischen Spektrums, und auf Twitter w\u00fcrde Trump deutsche Migrationspolitiker zur M\u00e4\u00dfigung aufrufen. Der deutsche Terror in Nahost kommt hingegen seit Jahren ganz ohne Sondersendungen, politische Debatten und Distanzierungsforderungen aus. <\/p>\n\n\n\n

Deutsche K\u00e4mpfer waren nicht nur willenloses Kanonenfutter<\/h2>\n\n\n\n

An fehlendem Wissen liegt das nicht. Von ganzen Einheiten des IS, in denen kein einziger K\u00e4mpfer Arabisch spreche, berichten syrische, irakische und kurdische Soldaten schon seit Jahren. Von Aleppo \u00fcber Raqqa bis Mossul haben Aktivisten und Politiker immer wieder darauf hingewiesen, dass viele der schlimmsten M\u00f6rder in den Reihen des IS Europ\u00e4er sind. Interessiert hat das hier kaum jemand.<\/p>\n\n\n\n

Dabei dienten Deutsche dem Islamischen Staats nicht nur als willenloses Kanonenfutter, wie es oft dargestellt wird. Viele haben seinen Terror mitgepr\u00e4gt. Wie Martin L., der derzeit in kurdischer Haft sitzt. Der Schwei\u00dfer aus Sachsen-Anhalt soll sich vom Folterknecht bis zum Geheimdienstler mit Kontakten bis in die F\u00fchrungsspitze der Terrororganisation hochgearbeitet haben.<\/p>\n\n\n\n

Oder Reda S., Der Prediger aus Berlin-Charlottenburg soll dem IS in Mossul als Bildungsminister gedient haben. Oder der Berliner Ex-Rapper Denis Cuspert, der zu den wichtigsten Personen in der IS-Medienorganisation Al-Hayat geh\u00f6rte. Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Beh\u00f6rden wussten gut Bescheid<\/h2>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich entstand der Islamische Staat nicht in deutschen Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen. Zur deutschen Verantwortung geh\u00f6rt aber auch, dass Politiker und Beh\u00f6rden lange wegschauten, solang nur die T\u00e4ter, aber nicht die Opfer Deutsche waren. Beh\u00f6rden wissen und wussten erschreckend gut Bescheid \u00fcber die Radikalisierung deutscher Islamisten. Ein Gro\u00dfteil der sp\u00e4teren IS-K\u00e4mpfer war polizeibekannt, stand auf Gef\u00e4hrderlisten oder hatte wegen islamistischer Straftaten bereits Haftstrafen verb\u00fc\u00dft. An der Ausreise gehindert wurden sie oftmals dennoch nicht. Die Gefahr, die von deutschen Terroristen ausgeht, interessierte Politik und \u00d6ffentlichkeit erst dann wieder, als ihre Einreise drohte.<\/p>\n\n\n\n

\"Fabian
Fabian Goldmann<\/strong> ist Journalist und Islamwissenschaftler. F\u00fcr verschiedene Magazine und Zeitungen berichtete er viele Jahre aus Nahost. Zurzeit widmet er sich vor allem dem Islam diesseits des Bosporus. Auf seinem Blog Schantall und die Scharia<\/a> bloggt er \u00fcber Islamophobie in Deutschland.<\/p>\n","post_title":"Es sind unsere Terroristen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"es-sind-unsere-terroristen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3703","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3700,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:19:36","post_date_gmt":"2020-08-13 21:19:36","post_content":"\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda? Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda t<\/p>\n\n\n\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda tritt an die Stelle der 2010 verabschiedeten Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014 (siehe IP\/10\/1535<\/a>). In der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda f\u00fcr den Zeitraum 2015-2020 skizziert die Europ\u00e4ische Kommission die Strategie der Union zur Bew\u00e4ltigung der Sicherheitsbedrohungen in der EU.<\/p>\n\n\n\n

Die EU und ihre Mitgliedstaaten sind mit betr\u00e4chtlichen Sicherheitsproblemen konfrontiert. Terrorismus, organisierte Kriminalit\u00e4t und Cyberkriminalit\u00e4t stellen eine zunehmende Gefahr f\u00fcr die europ\u00e4ische Gesellschaft dar, wobei sich Art und Ausma\u00df dieser Gefahr ver\u00e4ndert hat. Europa ist mit den Auswirkungen der politischen Instabilit\u00e4t in seiner unmittelbaren Nachbarschaft konfrontiert, die die Sicherheitsinteressen der EU gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n

Im Zuge der Krisen und Konflikte in Syrien, Irak und Libyen haben sich europ\u00e4ische B\u00fcrger terroristischen Gruppen angeschlossen, die bei ihrer R\u00fcckkehr eine erhebliche Bedrohung darstellen k\u00f6nnen. Die j\u00fcngsten terroristischen Anschl\u00e4ge in Europa zeugen von der zunehmenden Bedrohung durch einen gewaltt\u00e4tigen Extremismus und zeigen, in welchem Ausma\u00df weltweite Konflikte zur Radikalisierung der europ\u00e4ischen B\u00fcrger beitragen.<\/p>\n\n\n\n

Das Online-Umfeld hat sich zunehmend als Ziel f\u00fcr Kriminelle und Terroristen entwickelt. Unabh\u00e4ngig davon, ob es um die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und die Anwerbung von Menschen f\u00fcr terroristische Organisationen geht oder die Verbreitung von Hass oder einen Angriff auf die europ\u00e4ischen Werte und Institutionen, fest steht, dass wir unsere Reaktion auf diese Bedrohungen unbedingt abstimmen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Welcher Mehrwert entsteht durch die EU im Bereich der inneren Sicherheit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Gew\u00e4hrleistung der inneren Sicherheit f\u00e4llt weiterhin in erster Linie in die Zust\u00e4ndigkeit der Mitgliedstaaten. Allerdings werden die Bedrohungen f\u00fcr Europas B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger immer vielf\u00e4ltiger und betreffen in zunehmendem Ma\u00dfe mehrere Mitgliedstaaten. Einzelne Mitgliedstaaten haben die Verantwortung, die Sicherheit an den Au\u00dfengrenzen zu gew\u00e4hrleisten, sind aber nicht mehr in der Lage, diese Herausforderungen allein zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n

Kriminelle und terroristische Aktivit\u00e4ten machen nicht an den Grenzen der EU halt und beschr\u00e4nken sich auch nicht auf Nachbarregionen. Die innere Sicherheit der EU und die globale Sicherheit sind voneinander abh\u00e4ngig und miteinander verkn\u00fcpft. Die Sicherheit der Union h\u00e4ngt in hohem Ma\u00dfe von der Zusammenarbeit mit ihren internationalen Partnern und ihren Nachbarl\u00e4ndern ab.<\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t und des Terrorismus ist eine gemeinsame europ\u00e4ische Aufgabe. Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda sollte von den Mitgliedstaaten und den EU-Organen gemeinsam als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und gemeinsame Ma\u00dfnahmen der Union genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n

Mit Hilfe der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda werden die Polizei- und Strafverfolgungsdienste in verschiedenen Mitgliedstaaten Daten effektiver austauschen und bei der Bek\u00e4mpfung der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t besser zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Die Mitgliedstaaten k\u00f6nnen auf die Unterst\u00fctzung durch die Agenturen der EU z\u00e4hlen. Insbesondere in folgenden Punkten l\u00e4sst sich mit Hilfe der Sicherheitsagenda ein EU-Mehrwert erzielen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n

A) Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und den EU-Agenturen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1<\/strong>: Das Schengener Informationssystem<\/strong> (SIS) wird von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Abfrage von Ausschreibungen von gesuchten oder vermissten Personen und Gegenst\u00e4nden genutzt. Die Kommission wird an der Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Ausschreibungskategorien arbeiten und sich daf\u00fcr einsetzen, dass das SIS zusammen mit der Interpol-Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD)<\/strong> umfassender genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

Source<\/a><\/p>\n","post_title":"Warum Afghanen in Syrien f\u00fcr Assad k\u00e4mpfen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"warum-afghanen-in-syrien-fur-assad-kampfen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3709","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3706,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:27:40","post_date_gmt":"2020-08-13 21:27:40","post_content":"\n

Kinder, Frauen, Jesiden \u2013 wer \u00fcberlebt hat, berichtet von Folter, Vergewaltigungen und Gehirnw\u00e4sche. Rund drei Jahre dauerte die Schreckensherrschaft der IS-Miliz in Syrien und Irak. Der Wiederaufbau wird l\u00e4nger dauern und mehr umfassen als H\u00e4user.<\/p>\n\n\n\n

Der Fluss Tigris durchzieht die zweitgr\u00f6\u00dfte Stadt des Iraks und teilt Mosul in Ost und West. Das Westufer ist von Zerst\u00f6rung gezeichnet, die Altstadt nicht mehr als eine einzige graue Tr\u00fcmmerlandschaft. Seit den letzten Bombardements im Juli 2017 kann hier niemand mehr wohnen.<\/p>\n\n\n\n

Die Nouri-Moschee, von deren Kanzel Abu Bakr al-Baghdadi im Juli 2014 sein Kalifat ausrief, hatte die IS-Miliz auf ihrem R\u00fcckzug vorsorglich selbst in die Luft gesprengt, um den Gegnern diesen besonderen Triumph zu verwehren.<\/p>\n\n\n\n

\"ImIm Juli 2017 erobert die irakische Armee Mossul zur\u00fcck. Ruinen sind zu sehen. Ein K\u00e4mpfer der IS-Miliz hat sich ergeben. (Imago \/ Carol Guzy)<\/p>\n\n\n\n

Es ist fraglich, ob die Altstadt dem Original getreu wieder aufgebaut werden kann. Bagdad will demn\u00e4chst \u2013 im Rahmen einer gro\u00dfen Wiederaufbau-Konferenz \u2013 bekannt geben, welche Pl\u00e4ne es hat. Derzeit gilt als gro\u00dfer Fortschritt, dass die Tr\u00fcmmerlandschaft in Teilen wieder begehbar ist \u2013 nachdem mit internationaler Hilfe zahllose Sprengs\u00e4tze beseitigt wurden.<\/p>\n\n\n\n

In Ost-Mossul gibt es weniger Zerst\u00f6rungen<\/h2>\n\n\n\n

J\u00fcngste Sch\u00e4tzungen der Vereinten Nationen besagen, dass es noch Jahre dauern wird, bis alle Minen ger\u00e4umt sind. Solange werden die einstigen Bewohner nicht zur\u00fcckkehren k\u00f6nnen. Manche von ihnen haben Gl\u00fcck im Ungl\u00fcck: Sie haben \u00fcberlebt und sind auf der anderen Seite des Tigris untergekommen, im Osten der Stadt. Der war schon im Januar 2017 von den Terroristen befreit worden. Erstaunlich ist: Dieser Teil Mosuls wirkt fast so, als w\u00e4re der \u201eIS\u201c niemals hier gewesen und als h\u00e4tte es keinen Krieg gegeben.<\/p>\n\n\n\n

\"ImIm Osten Mossuls gibt es weniger Zerst\u00f6rungen als im Westteil. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

Die Zerst\u00f6rungen beschr\u00e4nken sich auf strategisch-wichtige Punkte oder Geb\u00e4ude, in denen sich die Terroristen verschanzt hatten: Br\u00fccken, Moscheen, Krankenh\u00e4user. Doch im Basar herrscht fast so etwas wie Normalit\u00e4t. An St\u00e4nden kaufen Menschen ein \u2013 Obst, Gem\u00fcse, Reis und Nudeln, Backwaren. Kinder schlecken ein Eis. Abu Muhammad, ein ehemaliger Physiklehrer, erkl\u00e4rt, warum der Basar so anders ist als erwartet:<\/p>\n\n\n\n

\u201eDas Leben hatte nie aufgeh\u00f6rt in Mosul. Wir haben weitergelebt. Drei Jahre wurden wir vom \u201aIS\u2018 beherrscht, doch die normalen Leute hatten nichts damit zu tun. Daher kam der Alltag schnell zur\u00fcck. Die Soldaten sind gekommen, haben den Basar wieder aufgemacht und das Leben ging weiter.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Im Osten findet sich heute all das wieder, was die Terror-Miliz unterdr\u00fcckt hatte und bei Missachtung grausam ahndete: Musik in Restaurants und Caf\u00e9s; Sim-Karten f\u00fcr Handys; Internet; Fris\u00f6re, die Haare schneiden, B\u00e4rte stutzen oder gar abrasieren. Und doch: Trotz des lebendigen Treibens wirken Angst und Schrecken nach. Abu Muhammad, fr\u00fch ergraut, erinnert sich:<\/p>\n\n\n\n

\u201eWir haben uns gef\u00fchlt wie zwischen Leben und Tod. Irgendwo dazwischen. Sie haben vom \u201aIS\u2018 geh\u00f6rt; wir haben ihn erlebt: Wir haben erlebt, wie sie mordeten, wie sie Leute aufh\u00e4ngten, wir haben den Krieg erlebt. Wir haben alles gesehen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Mohammed stammt aus dem zerst\u00f6rten Westen der Stadt. Er wohnt heute im Osten. Verwandte haben ihn und seine Familie aufgenommen. So wie ihm ergeht es auch anderen Vertriebenen. Sie leben bei Verwandten und Freunden. Oder in einem der vielen Lager. 700.000 Menschen haben ihr Zuhause verloren \u2013 eine Zahl, die f\u00fcr West-Mosul gilt. Insgesamt gehen die Vereinten Nationen von fast sechs Millionen Menschen aus, die im Irak vor dem \u201aIS\u2018 geflohen sind \u2013 die H\u00e4lfte von ihnen bis heute fern von ihrem Zuhause.<\/p>\n\n\n\n

Binnenfl\u00fcchtlinge im Lager Khabartu<\/h2>\n\n\n\n

Zelte soweit das Auge reicht. Abertausende. Inmitten von Steppe. Das Leben der Menschen ist hart. Sie darben, frieren und verdorren \u2013 wenn im Winter der kalte Wind durch die Steppe fegt und im Sommer die Sonne niederbrennt. Doch sie harren aus, haben wenig Hoffnung auf baldige R\u00fcckkehr. Die meisten kamen 2014 \u2013 hierher, ins Lager Khabartu in Irakisch-Kurdistan.<\/p>\n\n\n\n

\"DasDas Lager Khabartu f\u00fcr irakische Binnenfl\u00fcchtlinge. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

2014, als der \u201eIS\u201c den Nord-Irak \u00fcberfiel. In einem der Zelte lebt auch die Familie von Thomas Abdallah Hammou. Thomas war auf der Flucht von seiner Familie getrennt und von den Dschihadisten verschleppt worden. Damals war er acht Jahre alt. Ein Kind. Drei Jahre blieb er in Geiselhaft, lebte in Mosul.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollten nicht, dass wir spielen. Sie mochten es nicht. Ich habe keine Schule besucht, aber sie gaben uns Koran-Unterricht. Jeden Tag.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas musste seinem eigenen, dem jesidischen Glauben abschw\u00f6ren. Weil der \u201eIS\u201c die Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c betrachtet. Und \u201eUngl\u00e4ubige\u201c, so die Auffassung der Terroristen, m\u00fcssen zwangsbekehrt werden. Oder get\u00f6tet. Die Terroristen hatten dementsprechend die Jesiden entweder an Ort und Stelle ermordet, die meisten im Sinjar, im alten Siedlungsgebiet der Jesiden im Nord-Irak. Tausende. 47 Massengr\u00e4ber sollen mittlerweile gefunden worden sein. Oder aber die Terroristen lie\u00dfen die Jesiden am Leben und nahmen sie in Geiselhaft. Sie machten aus ihnen Sexsklavinnen oder sie bildeten sie aus \u2013 zu Selbstmordattent\u00e4tern. Wie Thomas.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie haben uns st\u00e4ndig geschlagen. Wir mussten Schie\u00dfen \u00fcben. Zwei meiner Freunde haben sich in die Luft gesprengt. Sie sind zum Training. Doch sie kamen nicht zur\u00fcck. Ich war nicht traurig. Sie wollten sich ja in die Luft sprengen. Die \u201aIS\u2018-Leute hatten es nicht von ihnen verlangt. Sie sind freiwillig gegangen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas hat heute einen modernen Haarschnitt; der Nacken ist ausrasiert; der lange Pony in die Stirn gek\u00e4mmt. Im Sommer sah er noch anders aus, kurz nachdem Mosul befreit worden war. Bei einem Luftangriff der Anti-\u201eIS\u201c-Koalition wurde Thomas schwer verletzt aus Tr\u00fcmmern geborgen, dann operiert.<\/p>\n\n\n\n

\"ThomasThomas erholt sich von drei Jahren IS-Gefangenschaft. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

Arbeit mit \u201eDschihadisten-Kindern\u201c<\/h2>\n\n\n\n

Die \u00e4u\u00dferen Wunden sind heute verheilt. Doch wie sieht es aus mit den inneren, den seelischen Verletzungen? Thomas wurde von seiner Familie aufgenommen und bekommt Hilfe. Andere Kinder konnten nicht aufgefangen werden. Bis heute betrachten sie Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c \u2013 so wie es ihnen in der Geiselhaft eingeh\u00e4mmert wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie sind eine gro\u00dfe Gefahr f\u00fcr andere Kinder. Sie leben in Lagern, in einem Zelt, auf sechs mal vier Metern, oder noch weniger! Acht Geschwister, sie spielen zusammen, reden, sie indoktrinieren die anderen! Das ist ein Problem, das wir nicht l\u00f6sen k\u00f6nnen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Sara Hassan ist Sozialarbeiterin. Sie arbeitet in den Lagern, versucht M\u00e4dchen und Frauen, die jahrelang in Geiselhaft vergewaltigt wurden, zu helfen. Unz\u00e4hlige hatte der \u201eIS\u201c einst entf\u00fchrt. Sara arbeitet auch mit den sogenannten \u201eDschihadisten-Kindern\u201c. Sie erz\u00e4hlt, wie \u00fcberfordert alle seien: die Familien, die jesidische Gemeinschaft, die Gesellschaft des Nord-Irak.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIn einem anderen Fall hat sich die Familie am Ende an die Sicherheitskr\u00e4fte gewandt. Doch die wussten auch nicht, wie sie damit umgehen sollten. Monate lang hat die Familie versucht, den Jungen umzuerziehen, zusammen mit Sozialarbeitern. Aber noch immer sehen wir den Hass in seinen Augen \u2013 gegen\u00fcber Kurden, Christen und Jesiden. Als blicke man in die Augen eines IS-Terroristen. Das ist das Problem.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Die Jesiden k\u00f6nnen \u00fcber ihre vom \u201eIS\u201c indoktrinierten Kinder sprechen. Denn niemand zweifelt daran, dass sie Opfer der Tyrannei wurden. Bei den sunnitischen Arabern sieht das anders aus. Da sie derselben Religionsgruppe angeh\u00f6ren wie formal auch die Terroristen, stehen sie unter Generalverdacht, mit dem \u201eIS\u201c gemeinsame Sache gemacht zu haben. Sunnitische Araber trauen sich daher nicht, die Probleme ihrer Kinder \u00f6ffentlich zu machen \u2013 auch wenn sie selbst nichts mit dem \u201eIS\u201c zu tun hatten.<\/p>\n\n\n\n

Unklar ist, wie viele Kinder und Jugendliche im Irak und in Syrien zu Terroristen ausgebildet wurden, dabei noch in Geiselhaft sind oder bereits als \u201eSchl\u00e4fer\u201c darauf warten, zum Einsatz zu kommen. Sie gleichen \u201etickenden Zeitbomben\u201c, die jederzeit explodieren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

Minderheiten haben Angst vor \u201eIS\u201c-Nachfolgern<\/h2>\n\n\n\n

Kamaran Palani spricht davon, dass viele Menschen immer noch gehen wollen, obwohl der \u201eIS\u201c als staats\u00e4hnliches Gebilde nicht mehr besteht. Seine Saat aber, so der Politikwissenschaftler, sei aufgegangen.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollen einfach nicht in diesem Land bleiben. Der IS hat sie dazu gebracht. Jeder hat heute Angst, dass eine andere Organisation kommen wird, Terroristen, die dasselbe anrichten wie zuvor.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Palani forscht am \u201eMiddle East Research Institute\u201c, das seinen Sitz in Erbil hat, der Hauptstadt von Irakisch-Kurdistan. <\/p>\n\n\n\n

\u201e60 bis 65 Prozent der Christen wollen gehen. Das Gleiche gilt f\u00fcr andere Minderheiten: f\u00fcr Jesiden, Schabaks, Turkmenen, Kakais.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

\u201eWir werden niemals wieder mit den Arabern zusammenleben k\u00f6nnen!\u201c \u2013 ein Satz, der heute h\u00e4ufig im Nord-Irak zu h\u00f6ren ist. Gemeint sind die Iraker, die Sunniten und Araber sind \u2013 die einstmals Nachbarn von Jesiden, Christen und Kurden waren \u2013 mit denen man Handel trieb und Hochzeiten feierte, die auch Freunde waren.<\/p>\n\n\n\n

Der Irak ist eine multi-ethnische und multi-religi\u00f6se Gesellschaft, in der die Schiiten die Mehrheit stellen. \u00dcber Jahrhunderte aber hatten die sunnitischen Araber das Sagen, sie missbrauchten die Macht, errichteten ein Schreckensregime \u2013 bis 2003, als Diktator Saddam Hussein von den USA gest\u00fcrzt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c entstand aus Widerstand gegen Schiiten-Herrschaft<\/h2>\n\n\n\n

Jetzt wurde der Spie\u00df umgedreht. Die Amerikaner sorgten daf\u00fcr, dass die Sunniten jegliche Machtposition verloren \u2013 so wurde die irakische Armee, wurde die baathistische Partei aufgel\u00f6st \u2013 ohne ein Pendant zu schaffen, das alle integrierte. Und: Washington unterst\u00fctzte Regierungschef Nouri al-Maliki, einen Schiiten. Maliki sah eine historische Chance gekommen, diskriminierte nun seinerseits seine sunnitischen Landsleute, verwehrte ihnen im \u201eNeuen Irak\u201c die Mitsprache. Im Regime Malikis wurden Sunniten inhaftiert, gefoltert und umgebracht.<\/p>\n\n\n\n

Was viele in den Widerstand trieb. Einige schlossen sich der Terror-Organisation \u201eAl-Qaida\u201c an, unter ihnen f\u00fchrende Milit\u00e4rs der aufgel\u00f6sten Armee Saddam Husseins \u2013 und aus \u201eAl-Qaida\u201c ging sp\u00e4ter der \u201eIS\u201c hervor.<\/p>\n\n\n\n

Als der \u201eIS\u201c dann im Sommer 2014 fast ohne Gegenwehr weite Landstriche in Syrien und im Irak \u00fcberrannte und seinen \u201eStaat\u201c ausrief, sahen auch gew\u00f6hnliche sunnitische Araber einen Wechsel nahen. Viele machten gemeinsame Sache mit den Terroristen, verhinderten die Flucht jesidischer Nachbarn, lieferten sie ihren Schl\u00e4chtern aus. Kamaran Palani:<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c-K\u00e4mpfer haben gesagt, es gehe darum, die W\u00fcrde der sunnitischen Araber wiederherzustellen. Ihre Macht. Ihre Geschichte. Tats\u00e4chlich konnten es die Araber nicht hinnehmen, dass sie ins Abseits gedr\u00e4ngt wurden. Und ich denke, dass sie auch in Zukunft so handeln werden. Wann immer sich die Gelegenheit bietet: Sie werden alles hinter sich lassen \u2013 sich nur darauf konzentrieren.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Misstrauen. Auch bei einem Politikwissenschaftler. Was also tun? Zerst\u00f6rte St\u00e4dte und D\u00f6rfer k\u00f6nnten wieder aufgebaut werden \u2013 wenn denn ein gemeinsamer Wille best\u00fcnde. Doch was, wenn es einen solchen gemeinsamen Willen gar nicht gibt? Wenn Schmerz und Trauer anhalten, wenn die Verbrechen von Terroristen und Helfershelfern nicht geahndet werden, wenn Angst umgeht, Misstrauen und Hass das Miteinander bestimmen.<\/p>\n\n\n\n

\"SyrischeSoldaten in der irakischen Stadt Sindschar nach der R\u00fcckeroberung von der IS-Miliz Ende 2015. (dpa \/ MAXPPP \/ Arnaud Dumontier)<\/p>\n\n\n\n

Kamaran Palani stammt aus der Stadt Makhmour. Drei Tage nur sei der \u201eIS\u201c dort gewesen, sagt er, doch diese Tage h\u00e4tten alles ver\u00e4ndert. Der \u201eIS\u201c habe die Menschen in seiner Heimatstadt verrohen lassen, meint er, das Verh\u00e4ltnis zwischen Kurden und Arabern sei heute tot. Eine R\u00fcckkehr in alte Zeiten h\u00e4lt Palani f\u00fcr falsch.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch denke, es w\u00e4re nicht einfach, in das Jahr 2014 \u2013 also in die Zeit vor dem \u201aIS\u2018 \u2013 zur\u00fcckzukehren. Vor allem aber w\u00e4re es nicht die richtige Politik. Denn eben die hat ja erst zum Aufkommen, zur Existenz des \u201aIS\u2018 gef\u00fchrt.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n


Wie also in Ruinen Neues schaffen? Der Staat muss das Gewaltmonopol zur\u00fcckerlangen, fordert der Politikwissenschaftler. F\u00fcr ihn steht das an erster Stelle. Und dann m\u00fcsse der Staat dringend einen Kurswechsel vornehmen: Er m\u00fcsse integrativ wirken, alle einbinden, auch die Araber, in Sicherheitskr\u00e4fte, Verwaltung und Politik.<\/p>\n\n\n\n

Machtmonopol m\u00fcsste von Milizen zum Staat gehen<\/h2>\n\n\n\n

Die Realit\u00e4t sieht anders aus: Ein Staat Kurdistan, der neue Optionen m\u00f6glich gemacht h\u00e4tte, auch von den Minderheiten gew\u00fcnscht worden war, ist nicht entstanden. Bagdad aber ist fern, der Zentralstaat kaum existent, und wenn, dann ist er schiitisch dominiert. Es sind Milizen, die im Nord-Irak das Geschehen bestimmen, darum rivalisieren, das Machtvakuum zu f\u00fcllen, das durch die Vertreibung des \u201eIS\u201c entstanden ist. Einst im Kampf gegen die Terroristen geeint, sind die Milizen einander heute feind.<\/p>\n\n\n\n

Allen voran die \u201eHashd ash-Shaabi\u201c, schiitisch-irakische Milizen, deren Ausbilder und Kommandeure h\u00e4ufig Iraner sind. Bagdad hat die Haschd als regul\u00e4re Kraft im Kampf gegen den \u201eIS\u201c anerkannt \u2013 obwohl Menschenrechts-Organisationen schwere Vorw\u00fcrfe gegen sie erheben. Fest steht: Die schiitischen Milizen halten D\u00f6rfer besetzt, sind in Mosul f\u00fcr ihr herrisches Auftreten und ihre Willk\u00fcr bekannt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eTats\u00e4chlich sorgen die verschiedenen bewaffneten Gruppen daf\u00fcr, dass die Fl\u00fcchtlinge nicht zur\u00fcckkehren. Und weil sie nicht zur\u00fcckkehren, gibt es auch keinen Wiederaufbau. Die Menschen haben Angst vor den Milizen \u2013 auch davor, dass die einander bek\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die \u201eHashd\u201c m\u00fcssten mithin abziehen. Und mit ihnen die anderen Milizen. Das Machtmonopol m\u00fcsste an den Staat gehen. Doch der Irak ist auch Spielball der Regionalm\u00e4chte: Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien. Sie konkurrieren um Einfluss-Sph\u00e4ren, bedienen sich dabei verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Gruppen im Irak. Deswegen werden die Hashd nicht abziehen. Derzeit sind sie von der iranisch-irakischen Grenze im Osten \u00fcber Bagdad bis hoch zur irakisch-syrischen Grenze im Norden postiert. Einheiten Teherans k\u00f6nnten demnach auf dem Landweg vom Iran bis ans Mittelmeer durchmarschieren.<\/p>\n\n\n\n

Iran und Saudi-Arabien wollen Macht vergr\u00f6\u00dfern<\/h2>\n\n\n\n

Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n

In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n

Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3703,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:24:20","post_date_gmt":"2020-08-13 21:24:20","post_content":"\n

Deutschland str\u00e4ubt sich gegen die R\u00fcckkehr seiner eigenen Staatsb\u00fcrger, die zu IS-Terroristen wurden. Dabei hat die Bundesrepublik den Terror und die Terroristen einst exportiert. Und dies geschah wissentlich, sagt der Islamwissenschaftler Fabian Goldmann.<\/p>\n\n\n\n

Wann haben Sie sich eigentlich zuletzt von deutschen Terroristen distanziert? Zum Beispiel von Robert B.? Der Ex-Bundeswehrsoldat aus Solingen hat mutma\u00dflich bei einem Selbstmordattentat Anfang 2014 50 Menschen mit in den Tod gerissen. <\/p>\n\n\n\n

Oder von Yannik N.? Der junge Freiburger steuerte wahrscheinlich im Jahr 2015 einen mit anderthalb Tonnen Sprengstoff beladenen LKW in eine Menschenmenge und nahm so Dutzenden Personen das Leben.<\/p>\n\n\n\n

Oder von Yamin A.?. Im Sommer 2015 tauchte im Netz ein Video auf, das zeigte, wie der ehemalige Telekom-Azubi aus K\u00f6nigswinter zwei gefesselten Soldaten in den Kopf schoss.
Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Deutsche T\u00e4ter, aber kaum deutsche Opfer<\/h2>\n\n\n\n

Hauptsache nicht bei uns! Dies scheint auch dieser Tage wieder die Maxime zu sein, wenn Politiker und \u00d6ffentlichkeit \u00fcber den Umgang mit deutschen Terroristen diskutieren. Von potenziellen Bedrohungen und Anschlagsgefahren in Deutschland liest man dann. Vom ganz realen Terror, den Deutsche in den vergangenen Jahren \u00fcber die Menschen in Syrien und Irak gebracht haben, h\u00f6rt man hingegen kaum. Ein Terror, der kaum deutsche Opfer aber umso mehr deutsche T\u00e4ter kannte.<\/p>\n\n\n\n

1.050 \u2013 das ist laut Bundesinnenministerium die Anzahl der Dschihadisten, die in den letzten Jahren die Bundesrepublik in Richtung Nahost verlassen hat. Es f\u00e4llt schwer, sich umgekehrtes Szenario \u00fcberhaupt auszumalen. Was w\u00e4re wohl los, h\u00e4tte es nur ein Bruchteil arabischer Terroristen geschafft, bei uns Anschl\u00e4ge zu begehen? Europas \u201eMuslim Bann\u201c? \u00dcberwachungsstaat auf NSA-Niveau?<\/p>\n\n\n\n

Die CSU st\u00fcnde wom\u00f6glich am linken Ende des politischen Spektrums, und auf Twitter w\u00fcrde Trump deutsche Migrationspolitiker zur M\u00e4\u00dfigung aufrufen. Der deutsche Terror in Nahost kommt hingegen seit Jahren ganz ohne Sondersendungen, politische Debatten und Distanzierungsforderungen aus. <\/p>\n\n\n\n

Deutsche K\u00e4mpfer waren nicht nur willenloses Kanonenfutter<\/h2>\n\n\n\n

An fehlendem Wissen liegt das nicht. Von ganzen Einheiten des IS, in denen kein einziger K\u00e4mpfer Arabisch spreche, berichten syrische, irakische und kurdische Soldaten schon seit Jahren. Von Aleppo \u00fcber Raqqa bis Mossul haben Aktivisten und Politiker immer wieder darauf hingewiesen, dass viele der schlimmsten M\u00f6rder in den Reihen des IS Europ\u00e4er sind. Interessiert hat das hier kaum jemand.<\/p>\n\n\n\n

Dabei dienten Deutsche dem Islamischen Staats nicht nur als willenloses Kanonenfutter, wie es oft dargestellt wird. Viele haben seinen Terror mitgepr\u00e4gt. Wie Martin L., der derzeit in kurdischer Haft sitzt. Der Schwei\u00dfer aus Sachsen-Anhalt soll sich vom Folterknecht bis zum Geheimdienstler mit Kontakten bis in die F\u00fchrungsspitze der Terrororganisation hochgearbeitet haben.<\/p>\n\n\n\n

Oder Reda S., Der Prediger aus Berlin-Charlottenburg soll dem IS in Mossul als Bildungsminister gedient haben. Oder der Berliner Ex-Rapper Denis Cuspert, der zu den wichtigsten Personen in der IS-Medienorganisation Al-Hayat geh\u00f6rte. Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Beh\u00f6rden wussten gut Bescheid<\/h2>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich entstand der Islamische Staat nicht in deutschen Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen. Zur deutschen Verantwortung geh\u00f6rt aber auch, dass Politiker und Beh\u00f6rden lange wegschauten, solang nur die T\u00e4ter, aber nicht die Opfer Deutsche waren. Beh\u00f6rden wissen und wussten erschreckend gut Bescheid \u00fcber die Radikalisierung deutscher Islamisten. Ein Gro\u00dfteil der sp\u00e4teren IS-K\u00e4mpfer war polizeibekannt, stand auf Gef\u00e4hrderlisten oder hatte wegen islamistischer Straftaten bereits Haftstrafen verb\u00fc\u00dft. An der Ausreise gehindert wurden sie oftmals dennoch nicht. Die Gefahr, die von deutschen Terroristen ausgeht, interessierte Politik und \u00d6ffentlichkeit erst dann wieder, als ihre Einreise drohte.<\/p>\n\n\n\n

\"Fabian
Fabian Goldmann<\/strong> ist Journalist und Islamwissenschaftler. F\u00fcr verschiedene Magazine und Zeitungen berichtete er viele Jahre aus Nahost. Zurzeit widmet er sich vor allem dem Islam diesseits des Bosporus. Auf seinem Blog Schantall und die Scharia<\/a> bloggt er \u00fcber Islamophobie in Deutschland.<\/p>\n","post_title":"Es sind unsere Terroristen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"es-sind-unsere-terroristen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3703","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3700,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:19:36","post_date_gmt":"2020-08-13 21:19:36","post_content":"\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda? Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda t<\/p>\n\n\n\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda tritt an die Stelle der 2010 verabschiedeten Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014 (siehe IP\/10\/1535<\/a>). In der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda f\u00fcr den Zeitraum 2015-2020 skizziert die Europ\u00e4ische Kommission die Strategie der Union zur Bew\u00e4ltigung der Sicherheitsbedrohungen in der EU.<\/p>\n\n\n\n

Die EU und ihre Mitgliedstaaten sind mit betr\u00e4chtlichen Sicherheitsproblemen konfrontiert. Terrorismus, organisierte Kriminalit\u00e4t und Cyberkriminalit\u00e4t stellen eine zunehmende Gefahr f\u00fcr die europ\u00e4ische Gesellschaft dar, wobei sich Art und Ausma\u00df dieser Gefahr ver\u00e4ndert hat. Europa ist mit den Auswirkungen der politischen Instabilit\u00e4t in seiner unmittelbaren Nachbarschaft konfrontiert, die die Sicherheitsinteressen der EU gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n

Im Zuge der Krisen und Konflikte in Syrien, Irak und Libyen haben sich europ\u00e4ische B\u00fcrger terroristischen Gruppen angeschlossen, die bei ihrer R\u00fcckkehr eine erhebliche Bedrohung darstellen k\u00f6nnen. Die j\u00fcngsten terroristischen Anschl\u00e4ge in Europa zeugen von der zunehmenden Bedrohung durch einen gewaltt\u00e4tigen Extremismus und zeigen, in welchem Ausma\u00df weltweite Konflikte zur Radikalisierung der europ\u00e4ischen B\u00fcrger beitragen.<\/p>\n\n\n\n

Das Online-Umfeld hat sich zunehmend als Ziel f\u00fcr Kriminelle und Terroristen entwickelt. Unabh\u00e4ngig davon, ob es um die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und die Anwerbung von Menschen f\u00fcr terroristische Organisationen geht oder die Verbreitung von Hass oder einen Angriff auf die europ\u00e4ischen Werte und Institutionen, fest steht, dass wir unsere Reaktion auf diese Bedrohungen unbedingt abstimmen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Welcher Mehrwert entsteht durch die EU im Bereich der inneren Sicherheit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Gew\u00e4hrleistung der inneren Sicherheit f\u00e4llt weiterhin in erster Linie in die Zust\u00e4ndigkeit der Mitgliedstaaten. Allerdings werden die Bedrohungen f\u00fcr Europas B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger immer vielf\u00e4ltiger und betreffen in zunehmendem Ma\u00dfe mehrere Mitgliedstaaten. Einzelne Mitgliedstaaten haben die Verantwortung, die Sicherheit an den Au\u00dfengrenzen zu gew\u00e4hrleisten, sind aber nicht mehr in der Lage, diese Herausforderungen allein zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n

Kriminelle und terroristische Aktivit\u00e4ten machen nicht an den Grenzen der EU halt und beschr\u00e4nken sich auch nicht auf Nachbarregionen. Die innere Sicherheit der EU und die globale Sicherheit sind voneinander abh\u00e4ngig und miteinander verkn\u00fcpft. Die Sicherheit der Union h\u00e4ngt in hohem Ma\u00dfe von der Zusammenarbeit mit ihren internationalen Partnern und ihren Nachbarl\u00e4ndern ab.<\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t und des Terrorismus ist eine gemeinsame europ\u00e4ische Aufgabe. Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda sollte von den Mitgliedstaaten und den EU-Organen gemeinsam als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und gemeinsame Ma\u00dfnahmen der Union genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n

Mit Hilfe der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda werden die Polizei- und Strafverfolgungsdienste in verschiedenen Mitgliedstaaten Daten effektiver austauschen und bei der Bek\u00e4mpfung der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t besser zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Die Mitgliedstaaten k\u00f6nnen auf die Unterst\u00fctzung durch die Agenturen der EU z\u00e4hlen. Insbesondere in folgenden Punkten l\u00e4sst sich mit Hilfe der Sicherheitsagenda ein EU-Mehrwert erzielen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n

A) Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und den EU-Agenturen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1<\/strong>: Das Schengener Informationssystem<\/strong> (SIS) wird von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Abfrage von Ausschreibungen von gesuchten oder vermissten Personen und Gegenst\u00e4nden genutzt. Die Kommission wird an der Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Ausschreibungskategorien arbeiten und sich daf\u00fcr einsetzen, dass das SIS zusammen mit der Interpol-Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD)<\/strong> umfassender genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

\n

Den Kontakt zu seinem Vater hat der Afghane mittlerweile verloren. W\u00e4hrenddessen schickt ihm sein Onkel, der in Aleppo stationiert ist, hin und wieder Bilder \u00fcber den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ali denkt, dass nur sehr wenige Afghanen der Propaganda der iranischen Regierung glauben und in Syrien f\u00fcr eine \u201egute Sache\u201c k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

Source<\/a><\/p>\n","post_title":"Warum Afghanen in Syrien f\u00fcr Assad k\u00e4mpfen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"warum-afghanen-in-syrien-fur-assad-kampfen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3709","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3706,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:27:40","post_date_gmt":"2020-08-13 21:27:40","post_content":"\n

Kinder, Frauen, Jesiden \u2013 wer \u00fcberlebt hat, berichtet von Folter, Vergewaltigungen und Gehirnw\u00e4sche. Rund drei Jahre dauerte die Schreckensherrschaft der IS-Miliz in Syrien und Irak. Der Wiederaufbau wird l\u00e4nger dauern und mehr umfassen als H\u00e4user.<\/p>\n\n\n\n

Der Fluss Tigris durchzieht die zweitgr\u00f6\u00dfte Stadt des Iraks und teilt Mosul in Ost und West. Das Westufer ist von Zerst\u00f6rung gezeichnet, die Altstadt nicht mehr als eine einzige graue Tr\u00fcmmerlandschaft. Seit den letzten Bombardements im Juli 2017 kann hier niemand mehr wohnen.<\/p>\n\n\n\n

Die Nouri-Moschee, von deren Kanzel Abu Bakr al-Baghdadi im Juli 2014 sein Kalifat ausrief, hatte die IS-Miliz auf ihrem R\u00fcckzug vorsorglich selbst in die Luft gesprengt, um den Gegnern diesen besonderen Triumph zu verwehren.<\/p>\n\n\n\n

\"ImIm Juli 2017 erobert die irakische Armee Mossul zur\u00fcck. Ruinen sind zu sehen. Ein K\u00e4mpfer der IS-Miliz hat sich ergeben. (Imago \/ Carol Guzy)<\/p>\n\n\n\n

Es ist fraglich, ob die Altstadt dem Original getreu wieder aufgebaut werden kann. Bagdad will demn\u00e4chst \u2013 im Rahmen einer gro\u00dfen Wiederaufbau-Konferenz \u2013 bekannt geben, welche Pl\u00e4ne es hat. Derzeit gilt als gro\u00dfer Fortschritt, dass die Tr\u00fcmmerlandschaft in Teilen wieder begehbar ist \u2013 nachdem mit internationaler Hilfe zahllose Sprengs\u00e4tze beseitigt wurden.<\/p>\n\n\n\n

In Ost-Mossul gibt es weniger Zerst\u00f6rungen<\/h2>\n\n\n\n

J\u00fcngste Sch\u00e4tzungen der Vereinten Nationen besagen, dass es noch Jahre dauern wird, bis alle Minen ger\u00e4umt sind. Solange werden die einstigen Bewohner nicht zur\u00fcckkehren k\u00f6nnen. Manche von ihnen haben Gl\u00fcck im Ungl\u00fcck: Sie haben \u00fcberlebt und sind auf der anderen Seite des Tigris untergekommen, im Osten der Stadt. Der war schon im Januar 2017 von den Terroristen befreit worden. Erstaunlich ist: Dieser Teil Mosuls wirkt fast so, als w\u00e4re der \u201eIS\u201c niemals hier gewesen und als h\u00e4tte es keinen Krieg gegeben.<\/p>\n\n\n\n

\"ImIm Osten Mossuls gibt es weniger Zerst\u00f6rungen als im Westteil. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

Die Zerst\u00f6rungen beschr\u00e4nken sich auf strategisch-wichtige Punkte oder Geb\u00e4ude, in denen sich die Terroristen verschanzt hatten: Br\u00fccken, Moscheen, Krankenh\u00e4user. Doch im Basar herrscht fast so etwas wie Normalit\u00e4t. An St\u00e4nden kaufen Menschen ein \u2013 Obst, Gem\u00fcse, Reis und Nudeln, Backwaren. Kinder schlecken ein Eis. Abu Muhammad, ein ehemaliger Physiklehrer, erkl\u00e4rt, warum der Basar so anders ist als erwartet:<\/p>\n\n\n\n

\u201eDas Leben hatte nie aufgeh\u00f6rt in Mosul. Wir haben weitergelebt. Drei Jahre wurden wir vom \u201aIS\u2018 beherrscht, doch die normalen Leute hatten nichts damit zu tun. Daher kam der Alltag schnell zur\u00fcck. Die Soldaten sind gekommen, haben den Basar wieder aufgemacht und das Leben ging weiter.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Im Osten findet sich heute all das wieder, was die Terror-Miliz unterdr\u00fcckt hatte und bei Missachtung grausam ahndete: Musik in Restaurants und Caf\u00e9s; Sim-Karten f\u00fcr Handys; Internet; Fris\u00f6re, die Haare schneiden, B\u00e4rte stutzen oder gar abrasieren. Und doch: Trotz des lebendigen Treibens wirken Angst und Schrecken nach. Abu Muhammad, fr\u00fch ergraut, erinnert sich:<\/p>\n\n\n\n

\u201eWir haben uns gef\u00fchlt wie zwischen Leben und Tod. Irgendwo dazwischen. Sie haben vom \u201aIS\u2018 geh\u00f6rt; wir haben ihn erlebt: Wir haben erlebt, wie sie mordeten, wie sie Leute aufh\u00e4ngten, wir haben den Krieg erlebt. Wir haben alles gesehen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Mohammed stammt aus dem zerst\u00f6rten Westen der Stadt. Er wohnt heute im Osten. Verwandte haben ihn und seine Familie aufgenommen. So wie ihm ergeht es auch anderen Vertriebenen. Sie leben bei Verwandten und Freunden. Oder in einem der vielen Lager. 700.000 Menschen haben ihr Zuhause verloren \u2013 eine Zahl, die f\u00fcr West-Mosul gilt. Insgesamt gehen die Vereinten Nationen von fast sechs Millionen Menschen aus, die im Irak vor dem \u201aIS\u2018 geflohen sind \u2013 die H\u00e4lfte von ihnen bis heute fern von ihrem Zuhause.<\/p>\n\n\n\n

Binnenfl\u00fcchtlinge im Lager Khabartu<\/h2>\n\n\n\n

Zelte soweit das Auge reicht. Abertausende. Inmitten von Steppe. Das Leben der Menschen ist hart. Sie darben, frieren und verdorren \u2013 wenn im Winter der kalte Wind durch die Steppe fegt und im Sommer die Sonne niederbrennt. Doch sie harren aus, haben wenig Hoffnung auf baldige R\u00fcckkehr. Die meisten kamen 2014 \u2013 hierher, ins Lager Khabartu in Irakisch-Kurdistan.<\/p>\n\n\n\n

\"DasDas Lager Khabartu f\u00fcr irakische Binnenfl\u00fcchtlinge. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

2014, als der \u201eIS\u201c den Nord-Irak \u00fcberfiel. In einem der Zelte lebt auch die Familie von Thomas Abdallah Hammou. Thomas war auf der Flucht von seiner Familie getrennt und von den Dschihadisten verschleppt worden. Damals war er acht Jahre alt. Ein Kind. Drei Jahre blieb er in Geiselhaft, lebte in Mosul.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollten nicht, dass wir spielen. Sie mochten es nicht. Ich habe keine Schule besucht, aber sie gaben uns Koran-Unterricht. Jeden Tag.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas musste seinem eigenen, dem jesidischen Glauben abschw\u00f6ren. Weil der \u201eIS\u201c die Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c betrachtet. Und \u201eUngl\u00e4ubige\u201c, so die Auffassung der Terroristen, m\u00fcssen zwangsbekehrt werden. Oder get\u00f6tet. Die Terroristen hatten dementsprechend die Jesiden entweder an Ort und Stelle ermordet, die meisten im Sinjar, im alten Siedlungsgebiet der Jesiden im Nord-Irak. Tausende. 47 Massengr\u00e4ber sollen mittlerweile gefunden worden sein. Oder aber die Terroristen lie\u00dfen die Jesiden am Leben und nahmen sie in Geiselhaft. Sie machten aus ihnen Sexsklavinnen oder sie bildeten sie aus \u2013 zu Selbstmordattent\u00e4tern. Wie Thomas.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie haben uns st\u00e4ndig geschlagen. Wir mussten Schie\u00dfen \u00fcben. Zwei meiner Freunde haben sich in die Luft gesprengt. Sie sind zum Training. Doch sie kamen nicht zur\u00fcck. Ich war nicht traurig. Sie wollten sich ja in die Luft sprengen. Die \u201aIS\u2018-Leute hatten es nicht von ihnen verlangt. Sie sind freiwillig gegangen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas hat heute einen modernen Haarschnitt; der Nacken ist ausrasiert; der lange Pony in die Stirn gek\u00e4mmt. Im Sommer sah er noch anders aus, kurz nachdem Mosul befreit worden war. Bei einem Luftangriff der Anti-\u201eIS\u201c-Koalition wurde Thomas schwer verletzt aus Tr\u00fcmmern geborgen, dann operiert.<\/p>\n\n\n\n

\"ThomasThomas erholt sich von drei Jahren IS-Gefangenschaft. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

Arbeit mit \u201eDschihadisten-Kindern\u201c<\/h2>\n\n\n\n

Die \u00e4u\u00dferen Wunden sind heute verheilt. Doch wie sieht es aus mit den inneren, den seelischen Verletzungen? Thomas wurde von seiner Familie aufgenommen und bekommt Hilfe. Andere Kinder konnten nicht aufgefangen werden. Bis heute betrachten sie Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c \u2013 so wie es ihnen in der Geiselhaft eingeh\u00e4mmert wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie sind eine gro\u00dfe Gefahr f\u00fcr andere Kinder. Sie leben in Lagern, in einem Zelt, auf sechs mal vier Metern, oder noch weniger! Acht Geschwister, sie spielen zusammen, reden, sie indoktrinieren die anderen! Das ist ein Problem, das wir nicht l\u00f6sen k\u00f6nnen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Sara Hassan ist Sozialarbeiterin. Sie arbeitet in den Lagern, versucht M\u00e4dchen und Frauen, die jahrelang in Geiselhaft vergewaltigt wurden, zu helfen. Unz\u00e4hlige hatte der \u201eIS\u201c einst entf\u00fchrt. Sara arbeitet auch mit den sogenannten \u201eDschihadisten-Kindern\u201c. Sie erz\u00e4hlt, wie \u00fcberfordert alle seien: die Familien, die jesidische Gemeinschaft, die Gesellschaft des Nord-Irak.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIn einem anderen Fall hat sich die Familie am Ende an die Sicherheitskr\u00e4fte gewandt. Doch die wussten auch nicht, wie sie damit umgehen sollten. Monate lang hat die Familie versucht, den Jungen umzuerziehen, zusammen mit Sozialarbeitern. Aber noch immer sehen wir den Hass in seinen Augen \u2013 gegen\u00fcber Kurden, Christen und Jesiden. Als blicke man in die Augen eines IS-Terroristen. Das ist das Problem.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Die Jesiden k\u00f6nnen \u00fcber ihre vom \u201eIS\u201c indoktrinierten Kinder sprechen. Denn niemand zweifelt daran, dass sie Opfer der Tyrannei wurden. Bei den sunnitischen Arabern sieht das anders aus. Da sie derselben Religionsgruppe angeh\u00f6ren wie formal auch die Terroristen, stehen sie unter Generalverdacht, mit dem \u201eIS\u201c gemeinsame Sache gemacht zu haben. Sunnitische Araber trauen sich daher nicht, die Probleme ihrer Kinder \u00f6ffentlich zu machen \u2013 auch wenn sie selbst nichts mit dem \u201eIS\u201c zu tun hatten.<\/p>\n\n\n\n

Unklar ist, wie viele Kinder und Jugendliche im Irak und in Syrien zu Terroristen ausgebildet wurden, dabei noch in Geiselhaft sind oder bereits als \u201eSchl\u00e4fer\u201c darauf warten, zum Einsatz zu kommen. Sie gleichen \u201etickenden Zeitbomben\u201c, die jederzeit explodieren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

Minderheiten haben Angst vor \u201eIS\u201c-Nachfolgern<\/h2>\n\n\n\n

Kamaran Palani spricht davon, dass viele Menschen immer noch gehen wollen, obwohl der \u201eIS\u201c als staats\u00e4hnliches Gebilde nicht mehr besteht. Seine Saat aber, so der Politikwissenschaftler, sei aufgegangen.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollen einfach nicht in diesem Land bleiben. Der IS hat sie dazu gebracht. Jeder hat heute Angst, dass eine andere Organisation kommen wird, Terroristen, die dasselbe anrichten wie zuvor.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Palani forscht am \u201eMiddle East Research Institute\u201c, das seinen Sitz in Erbil hat, der Hauptstadt von Irakisch-Kurdistan. <\/p>\n\n\n\n

\u201e60 bis 65 Prozent der Christen wollen gehen. Das Gleiche gilt f\u00fcr andere Minderheiten: f\u00fcr Jesiden, Schabaks, Turkmenen, Kakais.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

\u201eWir werden niemals wieder mit den Arabern zusammenleben k\u00f6nnen!\u201c \u2013 ein Satz, der heute h\u00e4ufig im Nord-Irak zu h\u00f6ren ist. Gemeint sind die Iraker, die Sunniten und Araber sind \u2013 die einstmals Nachbarn von Jesiden, Christen und Kurden waren \u2013 mit denen man Handel trieb und Hochzeiten feierte, die auch Freunde waren.<\/p>\n\n\n\n

Der Irak ist eine multi-ethnische und multi-religi\u00f6se Gesellschaft, in der die Schiiten die Mehrheit stellen. \u00dcber Jahrhunderte aber hatten die sunnitischen Araber das Sagen, sie missbrauchten die Macht, errichteten ein Schreckensregime \u2013 bis 2003, als Diktator Saddam Hussein von den USA gest\u00fcrzt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c entstand aus Widerstand gegen Schiiten-Herrschaft<\/h2>\n\n\n\n

Jetzt wurde der Spie\u00df umgedreht. Die Amerikaner sorgten daf\u00fcr, dass die Sunniten jegliche Machtposition verloren \u2013 so wurde die irakische Armee, wurde die baathistische Partei aufgel\u00f6st \u2013 ohne ein Pendant zu schaffen, das alle integrierte. Und: Washington unterst\u00fctzte Regierungschef Nouri al-Maliki, einen Schiiten. Maliki sah eine historische Chance gekommen, diskriminierte nun seinerseits seine sunnitischen Landsleute, verwehrte ihnen im \u201eNeuen Irak\u201c die Mitsprache. Im Regime Malikis wurden Sunniten inhaftiert, gefoltert und umgebracht.<\/p>\n\n\n\n

Was viele in den Widerstand trieb. Einige schlossen sich der Terror-Organisation \u201eAl-Qaida\u201c an, unter ihnen f\u00fchrende Milit\u00e4rs der aufgel\u00f6sten Armee Saddam Husseins \u2013 und aus \u201eAl-Qaida\u201c ging sp\u00e4ter der \u201eIS\u201c hervor.<\/p>\n\n\n\n

Als der \u201eIS\u201c dann im Sommer 2014 fast ohne Gegenwehr weite Landstriche in Syrien und im Irak \u00fcberrannte und seinen \u201eStaat\u201c ausrief, sahen auch gew\u00f6hnliche sunnitische Araber einen Wechsel nahen. Viele machten gemeinsame Sache mit den Terroristen, verhinderten die Flucht jesidischer Nachbarn, lieferten sie ihren Schl\u00e4chtern aus. Kamaran Palani:<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c-K\u00e4mpfer haben gesagt, es gehe darum, die W\u00fcrde der sunnitischen Araber wiederherzustellen. Ihre Macht. Ihre Geschichte. Tats\u00e4chlich konnten es die Araber nicht hinnehmen, dass sie ins Abseits gedr\u00e4ngt wurden. Und ich denke, dass sie auch in Zukunft so handeln werden. Wann immer sich die Gelegenheit bietet: Sie werden alles hinter sich lassen \u2013 sich nur darauf konzentrieren.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Misstrauen. Auch bei einem Politikwissenschaftler. Was also tun? Zerst\u00f6rte St\u00e4dte und D\u00f6rfer k\u00f6nnten wieder aufgebaut werden \u2013 wenn denn ein gemeinsamer Wille best\u00fcnde. Doch was, wenn es einen solchen gemeinsamen Willen gar nicht gibt? Wenn Schmerz und Trauer anhalten, wenn die Verbrechen von Terroristen und Helfershelfern nicht geahndet werden, wenn Angst umgeht, Misstrauen und Hass das Miteinander bestimmen.<\/p>\n\n\n\n

\"SyrischeSoldaten in der irakischen Stadt Sindschar nach der R\u00fcckeroberung von der IS-Miliz Ende 2015. (dpa \/ MAXPPP \/ Arnaud Dumontier)<\/p>\n\n\n\n

Kamaran Palani stammt aus der Stadt Makhmour. Drei Tage nur sei der \u201eIS\u201c dort gewesen, sagt er, doch diese Tage h\u00e4tten alles ver\u00e4ndert. Der \u201eIS\u201c habe die Menschen in seiner Heimatstadt verrohen lassen, meint er, das Verh\u00e4ltnis zwischen Kurden und Arabern sei heute tot. Eine R\u00fcckkehr in alte Zeiten h\u00e4lt Palani f\u00fcr falsch.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch denke, es w\u00e4re nicht einfach, in das Jahr 2014 \u2013 also in die Zeit vor dem \u201aIS\u2018 \u2013 zur\u00fcckzukehren. Vor allem aber w\u00e4re es nicht die richtige Politik. Denn eben die hat ja erst zum Aufkommen, zur Existenz des \u201aIS\u2018 gef\u00fchrt.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n


Wie also in Ruinen Neues schaffen? Der Staat muss das Gewaltmonopol zur\u00fcckerlangen, fordert der Politikwissenschaftler. F\u00fcr ihn steht das an erster Stelle. Und dann m\u00fcsse der Staat dringend einen Kurswechsel vornehmen: Er m\u00fcsse integrativ wirken, alle einbinden, auch die Araber, in Sicherheitskr\u00e4fte, Verwaltung und Politik.<\/p>\n\n\n\n

Machtmonopol m\u00fcsste von Milizen zum Staat gehen<\/h2>\n\n\n\n

Die Realit\u00e4t sieht anders aus: Ein Staat Kurdistan, der neue Optionen m\u00f6glich gemacht h\u00e4tte, auch von den Minderheiten gew\u00fcnscht worden war, ist nicht entstanden. Bagdad aber ist fern, der Zentralstaat kaum existent, und wenn, dann ist er schiitisch dominiert. Es sind Milizen, die im Nord-Irak das Geschehen bestimmen, darum rivalisieren, das Machtvakuum zu f\u00fcllen, das durch die Vertreibung des \u201eIS\u201c entstanden ist. Einst im Kampf gegen die Terroristen geeint, sind die Milizen einander heute feind.<\/p>\n\n\n\n

Allen voran die \u201eHashd ash-Shaabi\u201c, schiitisch-irakische Milizen, deren Ausbilder und Kommandeure h\u00e4ufig Iraner sind. Bagdad hat die Haschd als regul\u00e4re Kraft im Kampf gegen den \u201eIS\u201c anerkannt \u2013 obwohl Menschenrechts-Organisationen schwere Vorw\u00fcrfe gegen sie erheben. Fest steht: Die schiitischen Milizen halten D\u00f6rfer besetzt, sind in Mosul f\u00fcr ihr herrisches Auftreten und ihre Willk\u00fcr bekannt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eTats\u00e4chlich sorgen die verschiedenen bewaffneten Gruppen daf\u00fcr, dass die Fl\u00fcchtlinge nicht zur\u00fcckkehren. Und weil sie nicht zur\u00fcckkehren, gibt es auch keinen Wiederaufbau. Die Menschen haben Angst vor den Milizen \u2013 auch davor, dass die einander bek\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die \u201eHashd\u201c m\u00fcssten mithin abziehen. Und mit ihnen die anderen Milizen. Das Machtmonopol m\u00fcsste an den Staat gehen. Doch der Irak ist auch Spielball der Regionalm\u00e4chte: Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien. Sie konkurrieren um Einfluss-Sph\u00e4ren, bedienen sich dabei verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Gruppen im Irak. Deswegen werden die Hashd nicht abziehen. Derzeit sind sie von der iranisch-irakischen Grenze im Osten \u00fcber Bagdad bis hoch zur irakisch-syrischen Grenze im Norden postiert. Einheiten Teherans k\u00f6nnten demnach auf dem Landweg vom Iran bis ans Mittelmeer durchmarschieren.<\/p>\n\n\n\n

Iran und Saudi-Arabien wollen Macht vergr\u00f6\u00dfern<\/h2>\n\n\n\n

Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n

In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n

Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3703,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:24:20","post_date_gmt":"2020-08-13 21:24:20","post_content":"\n

Deutschland str\u00e4ubt sich gegen die R\u00fcckkehr seiner eigenen Staatsb\u00fcrger, die zu IS-Terroristen wurden. Dabei hat die Bundesrepublik den Terror und die Terroristen einst exportiert. Und dies geschah wissentlich, sagt der Islamwissenschaftler Fabian Goldmann.<\/p>\n\n\n\n

Wann haben Sie sich eigentlich zuletzt von deutschen Terroristen distanziert? Zum Beispiel von Robert B.? Der Ex-Bundeswehrsoldat aus Solingen hat mutma\u00dflich bei einem Selbstmordattentat Anfang 2014 50 Menschen mit in den Tod gerissen. <\/p>\n\n\n\n

Oder von Yannik N.? Der junge Freiburger steuerte wahrscheinlich im Jahr 2015 einen mit anderthalb Tonnen Sprengstoff beladenen LKW in eine Menschenmenge und nahm so Dutzenden Personen das Leben.<\/p>\n\n\n\n

Oder von Yamin A.?. Im Sommer 2015 tauchte im Netz ein Video auf, das zeigte, wie der ehemalige Telekom-Azubi aus K\u00f6nigswinter zwei gefesselten Soldaten in den Kopf schoss.
Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Deutsche T\u00e4ter, aber kaum deutsche Opfer<\/h2>\n\n\n\n

Hauptsache nicht bei uns! Dies scheint auch dieser Tage wieder die Maxime zu sein, wenn Politiker und \u00d6ffentlichkeit \u00fcber den Umgang mit deutschen Terroristen diskutieren. Von potenziellen Bedrohungen und Anschlagsgefahren in Deutschland liest man dann. Vom ganz realen Terror, den Deutsche in den vergangenen Jahren \u00fcber die Menschen in Syrien und Irak gebracht haben, h\u00f6rt man hingegen kaum. Ein Terror, der kaum deutsche Opfer aber umso mehr deutsche T\u00e4ter kannte.<\/p>\n\n\n\n

1.050 \u2013 das ist laut Bundesinnenministerium die Anzahl der Dschihadisten, die in den letzten Jahren die Bundesrepublik in Richtung Nahost verlassen hat. Es f\u00e4llt schwer, sich umgekehrtes Szenario \u00fcberhaupt auszumalen. Was w\u00e4re wohl los, h\u00e4tte es nur ein Bruchteil arabischer Terroristen geschafft, bei uns Anschl\u00e4ge zu begehen? Europas \u201eMuslim Bann\u201c? \u00dcberwachungsstaat auf NSA-Niveau?<\/p>\n\n\n\n

Die CSU st\u00fcnde wom\u00f6glich am linken Ende des politischen Spektrums, und auf Twitter w\u00fcrde Trump deutsche Migrationspolitiker zur M\u00e4\u00dfigung aufrufen. Der deutsche Terror in Nahost kommt hingegen seit Jahren ganz ohne Sondersendungen, politische Debatten und Distanzierungsforderungen aus. <\/p>\n\n\n\n

Deutsche K\u00e4mpfer waren nicht nur willenloses Kanonenfutter<\/h2>\n\n\n\n

An fehlendem Wissen liegt das nicht. Von ganzen Einheiten des IS, in denen kein einziger K\u00e4mpfer Arabisch spreche, berichten syrische, irakische und kurdische Soldaten schon seit Jahren. Von Aleppo \u00fcber Raqqa bis Mossul haben Aktivisten und Politiker immer wieder darauf hingewiesen, dass viele der schlimmsten M\u00f6rder in den Reihen des IS Europ\u00e4er sind. Interessiert hat das hier kaum jemand.<\/p>\n\n\n\n

Dabei dienten Deutsche dem Islamischen Staats nicht nur als willenloses Kanonenfutter, wie es oft dargestellt wird. Viele haben seinen Terror mitgepr\u00e4gt. Wie Martin L., der derzeit in kurdischer Haft sitzt. Der Schwei\u00dfer aus Sachsen-Anhalt soll sich vom Folterknecht bis zum Geheimdienstler mit Kontakten bis in die F\u00fchrungsspitze der Terrororganisation hochgearbeitet haben.<\/p>\n\n\n\n

Oder Reda S., Der Prediger aus Berlin-Charlottenburg soll dem IS in Mossul als Bildungsminister gedient haben. Oder der Berliner Ex-Rapper Denis Cuspert, der zu den wichtigsten Personen in der IS-Medienorganisation Al-Hayat geh\u00f6rte. Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Beh\u00f6rden wussten gut Bescheid<\/h2>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich entstand der Islamische Staat nicht in deutschen Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen. Zur deutschen Verantwortung geh\u00f6rt aber auch, dass Politiker und Beh\u00f6rden lange wegschauten, solang nur die T\u00e4ter, aber nicht die Opfer Deutsche waren. Beh\u00f6rden wissen und wussten erschreckend gut Bescheid \u00fcber die Radikalisierung deutscher Islamisten. Ein Gro\u00dfteil der sp\u00e4teren IS-K\u00e4mpfer war polizeibekannt, stand auf Gef\u00e4hrderlisten oder hatte wegen islamistischer Straftaten bereits Haftstrafen verb\u00fc\u00dft. An der Ausreise gehindert wurden sie oftmals dennoch nicht. Die Gefahr, die von deutschen Terroristen ausgeht, interessierte Politik und \u00d6ffentlichkeit erst dann wieder, als ihre Einreise drohte.<\/p>\n\n\n\n

\"Fabian
Fabian Goldmann<\/strong> ist Journalist und Islamwissenschaftler. F\u00fcr verschiedene Magazine und Zeitungen berichtete er viele Jahre aus Nahost. Zurzeit widmet er sich vor allem dem Islam diesseits des Bosporus. Auf seinem Blog Schantall und die Scharia<\/a> bloggt er \u00fcber Islamophobie in Deutschland.<\/p>\n","post_title":"Es sind unsere Terroristen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"es-sind-unsere-terroristen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3703","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3700,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:19:36","post_date_gmt":"2020-08-13 21:19:36","post_content":"\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda? Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda t<\/p>\n\n\n\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda tritt an die Stelle der 2010 verabschiedeten Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014 (siehe IP\/10\/1535<\/a>). In der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda f\u00fcr den Zeitraum 2015-2020 skizziert die Europ\u00e4ische Kommission die Strategie der Union zur Bew\u00e4ltigung der Sicherheitsbedrohungen in der EU.<\/p>\n\n\n\n

Die EU und ihre Mitgliedstaaten sind mit betr\u00e4chtlichen Sicherheitsproblemen konfrontiert. Terrorismus, organisierte Kriminalit\u00e4t und Cyberkriminalit\u00e4t stellen eine zunehmende Gefahr f\u00fcr die europ\u00e4ische Gesellschaft dar, wobei sich Art und Ausma\u00df dieser Gefahr ver\u00e4ndert hat. Europa ist mit den Auswirkungen der politischen Instabilit\u00e4t in seiner unmittelbaren Nachbarschaft konfrontiert, die die Sicherheitsinteressen der EU gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n

Im Zuge der Krisen und Konflikte in Syrien, Irak und Libyen haben sich europ\u00e4ische B\u00fcrger terroristischen Gruppen angeschlossen, die bei ihrer R\u00fcckkehr eine erhebliche Bedrohung darstellen k\u00f6nnen. Die j\u00fcngsten terroristischen Anschl\u00e4ge in Europa zeugen von der zunehmenden Bedrohung durch einen gewaltt\u00e4tigen Extremismus und zeigen, in welchem Ausma\u00df weltweite Konflikte zur Radikalisierung der europ\u00e4ischen B\u00fcrger beitragen.<\/p>\n\n\n\n

Das Online-Umfeld hat sich zunehmend als Ziel f\u00fcr Kriminelle und Terroristen entwickelt. Unabh\u00e4ngig davon, ob es um die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und die Anwerbung von Menschen f\u00fcr terroristische Organisationen geht oder die Verbreitung von Hass oder einen Angriff auf die europ\u00e4ischen Werte und Institutionen, fest steht, dass wir unsere Reaktion auf diese Bedrohungen unbedingt abstimmen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Welcher Mehrwert entsteht durch die EU im Bereich der inneren Sicherheit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Gew\u00e4hrleistung der inneren Sicherheit f\u00e4llt weiterhin in erster Linie in die Zust\u00e4ndigkeit der Mitgliedstaaten. Allerdings werden die Bedrohungen f\u00fcr Europas B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger immer vielf\u00e4ltiger und betreffen in zunehmendem Ma\u00dfe mehrere Mitgliedstaaten. Einzelne Mitgliedstaaten haben die Verantwortung, die Sicherheit an den Au\u00dfengrenzen zu gew\u00e4hrleisten, sind aber nicht mehr in der Lage, diese Herausforderungen allein zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n

Kriminelle und terroristische Aktivit\u00e4ten machen nicht an den Grenzen der EU halt und beschr\u00e4nken sich auch nicht auf Nachbarregionen. Die innere Sicherheit der EU und die globale Sicherheit sind voneinander abh\u00e4ngig und miteinander verkn\u00fcpft. Die Sicherheit der Union h\u00e4ngt in hohem Ma\u00dfe von der Zusammenarbeit mit ihren internationalen Partnern und ihren Nachbarl\u00e4ndern ab.<\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t und des Terrorismus ist eine gemeinsame europ\u00e4ische Aufgabe. Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda sollte von den Mitgliedstaaten und den EU-Organen gemeinsam als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und gemeinsame Ma\u00dfnahmen der Union genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n

Mit Hilfe der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda werden die Polizei- und Strafverfolgungsdienste in verschiedenen Mitgliedstaaten Daten effektiver austauschen und bei der Bek\u00e4mpfung der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t besser zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Die Mitgliedstaaten k\u00f6nnen auf die Unterst\u00fctzung durch die Agenturen der EU z\u00e4hlen. Insbesondere in folgenden Punkten l\u00e4sst sich mit Hilfe der Sicherheitsagenda ein EU-Mehrwert erzielen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n

A) Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und den EU-Agenturen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1<\/strong>: Das Schengener Informationssystem<\/strong> (SIS) wird von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Abfrage von Ausschreibungen von gesuchten oder vermissten Personen und Gegenst\u00e4nden genutzt. Die Kommission wird an der Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Ausschreibungskategorien arbeiten und sich daf\u00fcr einsetzen, dass das SIS zusammen mit der Interpol-Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD)<\/strong> umfassender genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Anfangs gab es Papiere f\u00fcr K\u00e4mpfer-Familien<\/h2>\n\n\n\n

Den Kontakt zu seinem Vater hat der Afghane mittlerweile verloren. W\u00e4hrenddessen schickt ihm sein Onkel, der in Aleppo stationiert ist, hin und wieder Bilder \u00fcber den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ali denkt, dass nur sehr wenige Afghanen der Propaganda der iranischen Regierung glauben und in Syrien f\u00fcr eine \u201egute Sache\u201c k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

Source<\/a><\/p>\n","post_title":"Warum Afghanen in Syrien f\u00fcr Assad k\u00e4mpfen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"warum-afghanen-in-syrien-fur-assad-kampfen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3709","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3706,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:27:40","post_date_gmt":"2020-08-13 21:27:40","post_content":"\n

Kinder, Frauen, Jesiden \u2013 wer \u00fcberlebt hat, berichtet von Folter, Vergewaltigungen und Gehirnw\u00e4sche. Rund drei Jahre dauerte die Schreckensherrschaft der IS-Miliz in Syrien und Irak. Der Wiederaufbau wird l\u00e4nger dauern und mehr umfassen als H\u00e4user.<\/p>\n\n\n\n

Der Fluss Tigris durchzieht die zweitgr\u00f6\u00dfte Stadt des Iraks und teilt Mosul in Ost und West. Das Westufer ist von Zerst\u00f6rung gezeichnet, die Altstadt nicht mehr als eine einzige graue Tr\u00fcmmerlandschaft. Seit den letzten Bombardements im Juli 2017 kann hier niemand mehr wohnen.<\/p>\n\n\n\n

Die Nouri-Moschee, von deren Kanzel Abu Bakr al-Baghdadi im Juli 2014 sein Kalifat ausrief, hatte die IS-Miliz auf ihrem R\u00fcckzug vorsorglich selbst in die Luft gesprengt, um den Gegnern diesen besonderen Triumph zu verwehren.<\/p>\n\n\n\n

\"ImIm Juli 2017 erobert die irakische Armee Mossul zur\u00fcck. Ruinen sind zu sehen. Ein K\u00e4mpfer der IS-Miliz hat sich ergeben. (Imago \/ Carol Guzy)<\/p>\n\n\n\n

Es ist fraglich, ob die Altstadt dem Original getreu wieder aufgebaut werden kann. Bagdad will demn\u00e4chst \u2013 im Rahmen einer gro\u00dfen Wiederaufbau-Konferenz \u2013 bekannt geben, welche Pl\u00e4ne es hat. Derzeit gilt als gro\u00dfer Fortschritt, dass die Tr\u00fcmmerlandschaft in Teilen wieder begehbar ist \u2013 nachdem mit internationaler Hilfe zahllose Sprengs\u00e4tze beseitigt wurden.<\/p>\n\n\n\n

In Ost-Mossul gibt es weniger Zerst\u00f6rungen<\/h2>\n\n\n\n

J\u00fcngste Sch\u00e4tzungen der Vereinten Nationen besagen, dass es noch Jahre dauern wird, bis alle Minen ger\u00e4umt sind. Solange werden die einstigen Bewohner nicht zur\u00fcckkehren k\u00f6nnen. Manche von ihnen haben Gl\u00fcck im Ungl\u00fcck: Sie haben \u00fcberlebt und sind auf der anderen Seite des Tigris untergekommen, im Osten der Stadt. Der war schon im Januar 2017 von den Terroristen befreit worden. Erstaunlich ist: Dieser Teil Mosuls wirkt fast so, als w\u00e4re der \u201eIS\u201c niemals hier gewesen und als h\u00e4tte es keinen Krieg gegeben.<\/p>\n\n\n\n

\"ImIm Osten Mossuls gibt es weniger Zerst\u00f6rungen als im Westteil. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

Die Zerst\u00f6rungen beschr\u00e4nken sich auf strategisch-wichtige Punkte oder Geb\u00e4ude, in denen sich die Terroristen verschanzt hatten: Br\u00fccken, Moscheen, Krankenh\u00e4user. Doch im Basar herrscht fast so etwas wie Normalit\u00e4t. An St\u00e4nden kaufen Menschen ein \u2013 Obst, Gem\u00fcse, Reis und Nudeln, Backwaren. Kinder schlecken ein Eis. Abu Muhammad, ein ehemaliger Physiklehrer, erkl\u00e4rt, warum der Basar so anders ist als erwartet:<\/p>\n\n\n\n

\u201eDas Leben hatte nie aufgeh\u00f6rt in Mosul. Wir haben weitergelebt. Drei Jahre wurden wir vom \u201aIS\u2018 beherrscht, doch die normalen Leute hatten nichts damit zu tun. Daher kam der Alltag schnell zur\u00fcck. Die Soldaten sind gekommen, haben den Basar wieder aufgemacht und das Leben ging weiter.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Im Osten findet sich heute all das wieder, was die Terror-Miliz unterdr\u00fcckt hatte und bei Missachtung grausam ahndete: Musik in Restaurants und Caf\u00e9s; Sim-Karten f\u00fcr Handys; Internet; Fris\u00f6re, die Haare schneiden, B\u00e4rte stutzen oder gar abrasieren. Und doch: Trotz des lebendigen Treibens wirken Angst und Schrecken nach. Abu Muhammad, fr\u00fch ergraut, erinnert sich:<\/p>\n\n\n\n

\u201eWir haben uns gef\u00fchlt wie zwischen Leben und Tod. Irgendwo dazwischen. Sie haben vom \u201aIS\u2018 geh\u00f6rt; wir haben ihn erlebt: Wir haben erlebt, wie sie mordeten, wie sie Leute aufh\u00e4ngten, wir haben den Krieg erlebt. Wir haben alles gesehen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Mohammed stammt aus dem zerst\u00f6rten Westen der Stadt. Er wohnt heute im Osten. Verwandte haben ihn und seine Familie aufgenommen. So wie ihm ergeht es auch anderen Vertriebenen. Sie leben bei Verwandten und Freunden. Oder in einem der vielen Lager. 700.000 Menschen haben ihr Zuhause verloren \u2013 eine Zahl, die f\u00fcr West-Mosul gilt. Insgesamt gehen die Vereinten Nationen von fast sechs Millionen Menschen aus, die im Irak vor dem \u201aIS\u2018 geflohen sind \u2013 die H\u00e4lfte von ihnen bis heute fern von ihrem Zuhause.<\/p>\n\n\n\n

Binnenfl\u00fcchtlinge im Lager Khabartu<\/h2>\n\n\n\n

Zelte soweit das Auge reicht. Abertausende. Inmitten von Steppe. Das Leben der Menschen ist hart. Sie darben, frieren und verdorren \u2013 wenn im Winter der kalte Wind durch die Steppe fegt und im Sommer die Sonne niederbrennt. Doch sie harren aus, haben wenig Hoffnung auf baldige R\u00fcckkehr. Die meisten kamen 2014 \u2013 hierher, ins Lager Khabartu in Irakisch-Kurdistan.<\/p>\n\n\n\n

\"DasDas Lager Khabartu f\u00fcr irakische Binnenfl\u00fcchtlinge. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

2014, als der \u201eIS\u201c den Nord-Irak \u00fcberfiel. In einem der Zelte lebt auch die Familie von Thomas Abdallah Hammou. Thomas war auf der Flucht von seiner Familie getrennt und von den Dschihadisten verschleppt worden. Damals war er acht Jahre alt. Ein Kind. Drei Jahre blieb er in Geiselhaft, lebte in Mosul.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollten nicht, dass wir spielen. Sie mochten es nicht. Ich habe keine Schule besucht, aber sie gaben uns Koran-Unterricht. Jeden Tag.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas musste seinem eigenen, dem jesidischen Glauben abschw\u00f6ren. Weil der \u201eIS\u201c die Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c betrachtet. Und \u201eUngl\u00e4ubige\u201c, so die Auffassung der Terroristen, m\u00fcssen zwangsbekehrt werden. Oder get\u00f6tet. Die Terroristen hatten dementsprechend die Jesiden entweder an Ort und Stelle ermordet, die meisten im Sinjar, im alten Siedlungsgebiet der Jesiden im Nord-Irak. Tausende. 47 Massengr\u00e4ber sollen mittlerweile gefunden worden sein. Oder aber die Terroristen lie\u00dfen die Jesiden am Leben und nahmen sie in Geiselhaft. Sie machten aus ihnen Sexsklavinnen oder sie bildeten sie aus \u2013 zu Selbstmordattent\u00e4tern. Wie Thomas.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie haben uns st\u00e4ndig geschlagen. Wir mussten Schie\u00dfen \u00fcben. Zwei meiner Freunde haben sich in die Luft gesprengt. Sie sind zum Training. Doch sie kamen nicht zur\u00fcck. Ich war nicht traurig. Sie wollten sich ja in die Luft sprengen. Die \u201aIS\u2018-Leute hatten es nicht von ihnen verlangt. Sie sind freiwillig gegangen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas hat heute einen modernen Haarschnitt; der Nacken ist ausrasiert; der lange Pony in die Stirn gek\u00e4mmt. Im Sommer sah er noch anders aus, kurz nachdem Mosul befreit worden war. Bei einem Luftangriff der Anti-\u201eIS\u201c-Koalition wurde Thomas schwer verletzt aus Tr\u00fcmmern geborgen, dann operiert.<\/p>\n\n\n\n

\"ThomasThomas erholt sich von drei Jahren IS-Gefangenschaft. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

Arbeit mit \u201eDschihadisten-Kindern\u201c<\/h2>\n\n\n\n

Die \u00e4u\u00dferen Wunden sind heute verheilt. Doch wie sieht es aus mit den inneren, den seelischen Verletzungen? Thomas wurde von seiner Familie aufgenommen und bekommt Hilfe. Andere Kinder konnten nicht aufgefangen werden. Bis heute betrachten sie Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c \u2013 so wie es ihnen in der Geiselhaft eingeh\u00e4mmert wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie sind eine gro\u00dfe Gefahr f\u00fcr andere Kinder. Sie leben in Lagern, in einem Zelt, auf sechs mal vier Metern, oder noch weniger! Acht Geschwister, sie spielen zusammen, reden, sie indoktrinieren die anderen! Das ist ein Problem, das wir nicht l\u00f6sen k\u00f6nnen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Sara Hassan ist Sozialarbeiterin. Sie arbeitet in den Lagern, versucht M\u00e4dchen und Frauen, die jahrelang in Geiselhaft vergewaltigt wurden, zu helfen. Unz\u00e4hlige hatte der \u201eIS\u201c einst entf\u00fchrt. Sara arbeitet auch mit den sogenannten \u201eDschihadisten-Kindern\u201c. Sie erz\u00e4hlt, wie \u00fcberfordert alle seien: die Familien, die jesidische Gemeinschaft, die Gesellschaft des Nord-Irak.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIn einem anderen Fall hat sich die Familie am Ende an die Sicherheitskr\u00e4fte gewandt. Doch die wussten auch nicht, wie sie damit umgehen sollten. Monate lang hat die Familie versucht, den Jungen umzuerziehen, zusammen mit Sozialarbeitern. Aber noch immer sehen wir den Hass in seinen Augen \u2013 gegen\u00fcber Kurden, Christen und Jesiden. Als blicke man in die Augen eines IS-Terroristen. Das ist das Problem.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Die Jesiden k\u00f6nnen \u00fcber ihre vom \u201eIS\u201c indoktrinierten Kinder sprechen. Denn niemand zweifelt daran, dass sie Opfer der Tyrannei wurden. Bei den sunnitischen Arabern sieht das anders aus. Da sie derselben Religionsgruppe angeh\u00f6ren wie formal auch die Terroristen, stehen sie unter Generalverdacht, mit dem \u201eIS\u201c gemeinsame Sache gemacht zu haben. Sunnitische Araber trauen sich daher nicht, die Probleme ihrer Kinder \u00f6ffentlich zu machen \u2013 auch wenn sie selbst nichts mit dem \u201eIS\u201c zu tun hatten.<\/p>\n\n\n\n

Unklar ist, wie viele Kinder und Jugendliche im Irak und in Syrien zu Terroristen ausgebildet wurden, dabei noch in Geiselhaft sind oder bereits als \u201eSchl\u00e4fer\u201c darauf warten, zum Einsatz zu kommen. Sie gleichen \u201etickenden Zeitbomben\u201c, die jederzeit explodieren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

Minderheiten haben Angst vor \u201eIS\u201c-Nachfolgern<\/h2>\n\n\n\n

Kamaran Palani spricht davon, dass viele Menschen immer noch gehen wollen, obwohl der \u201eIS\u201c als staats\u00e4hnliches Gebilde nicht mehr besteht. Seine Saat aber, so der Politikwissenschaftler, sei aufgegangen.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollen einfach nicht in diesem Land bleiben. Der IS hat sie dazu gebracht. Jeder hat heute Angst, dass eine andere Organisation kommen wird, Terroristen, die dasselbe anrichten wie zuvor.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Palani forscht am \u201eMiddle East Research Institute\u201c, das seinen Sitz in Erbil hat, der Hauptstadt von Irakisch-Kurdistan. <\/p>\n\n\n\n

\u201e60 bis 65 Prozent der Christen wollen gehen. Das Gleiche gilt f\u00fcr andere Minderheiten: f\u00fcr Jesiden, Schabaks, Turkmenen, Kakais.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

\u201eWir werden niemals wieder mit den Arabern zusammenleben k\u00f6nnen!\u201c \u2013 ein Satz, der heute h\u00e4ufig im Nord-Irak zu h\u00f6ren ist. Gemeint sind die Iraker, die Sunniten und Araber sind \u2013 die einstmals Nachbarn von Jesiden, Christen und Kurden waren \u2013 mit denen man Handel trieb und Hochzeiten feierte, die auch Freunde waren.<\/p>\n\n\n\n

Der Irak ist eine multi-ethnische und multi-religi\u00f6se Gesellschaft, in der die Schiiten die Mehrheit stellen. \u00dcber Jahrhunderte aber hatten die sunnitischen Araber das Sagen, sie missbrauchten die Macht, errichteten ein Schreckensregime \u2013 bis 2003, als Diktator Saddam Hussein von den USA gest\u00fcrzt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c entstand aus Widerstand gegen Schiiten-Herrschaft<\/h2>\n\n\n\n

Jetzt wurde der Spie\u00df umgedreht. Die Amerikaner sorgten daf\u00fcr, dass die Sunniten jegliche Machtposition verloren \u2013 so wurde die irakische Armee, wurde die baathistische Partei aufgel\u00f6st \u2013 ohne ein Pendant zu schaffen, das alle integrierte. Und: Washington unterst\u00fctzte Regierungschef Nouri al-Maliki, einen Schiiten. Maliki sah eine historische Chance gekommen, diskriminierte nun seinerseits seine sunnitischen Landsleute, verwehrte ihnen im \u201eNeuen Irak\u201c die Mitsprache. Im Regime Malikis wurden Sunniten inhaftiert, gefoltert und umgebracht.<\/p>\n\n\n\n

Was viele in den Widerstand trieb. Einige schlossen sich der Terror-Organisation \u201eAl-Qaida\u201c an, unter ihnen f\u00fchrende Milit\u00e4rs der aufgel\u00f6sten Armee Saddam Husseins \u2013 und aus \u201eAl-Qaida\u201c ging sp\u00e4ter der \u201eIS\u201c hervor.<\/p>\n\n\n\n

Als der \u201eIS\u201c dann im Sommer 2014 fast ohne Gegenwehr weite Landstriche in Syrien und im Irak \u00fcberrannte und seinen \u201eStaat\u201c ausrief, sahen auch gew\u00f6hnliche sunnitische Araber einen Wechsel nahen. Viele machten gemeinsame Sache mit den Terroristen, verhinderten die Flucht jesidischer Nachbarn, lieferten sie ihren Schl\u00e4chtern aus. Kamaran Palani:<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c-K\u00e4mpfer haben gesagt, es gehe darum, die W\u00fcrde der sunnitischen Araber wiederherzustellen. Ihre Macht. Ihre Geschichte. Tats\u00e4chlich konnten es die Araber nicht hinnehmen, dass sie ins Abseits gedr\u00e4ngt wurden. Und ich denke, dass sie auch in Zukunft so handeln werden. Wann immer sich die Gelegenheit bietet: Sie werden alles hinter sich lassen \u2013 sich nur darauf konzentrieren.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Misstrauen. Auch bei einem Politikwissenschaftler. Was also tun? Zerst\u00f6rte St\u00e4dte und D\u00f6rfer k\u00f6nnten wieder aufgebaut werden \u2013 wenn denn ein gemeinsamer Wille best\u00fcnde. Doch was, wenn es einen solchen gemeinsamen Willen gar nicht gibt? Wenn Schmerz und Trauer anhalten, wenn die Verbrechen von Terroristen und Helfershelfern nicht geahndet werden, wenn Angst umgeht, Misstrauen und Hass das Miteinander bestimmen.<\/p>\n\n\n\n

\"SyrischeSoldaten in der irakischen Stadt Sindschar nach der R\u00fcckeroberung von der IS-Miliz Ende 2015. (dpa \/ MAXPPP \/ Arnaud Dumontier)<\/p>\n\n\n\n

Kamaran Palani stammt aus der Stadt Makhmour. Drei Tage nur sei der \u201eIS\u201c dort gewesen, sagt er, doch diese Tage h\u00e4tten alles ver\u00e4ndert. Der \u201eIS\u201c habe die Menschen in seiner Heimatstadt verrohen lassen, meint er, das Verh\u00e4ltnis zwischen Kurden und Arabern sei heute tot. Eine R\u00fcckkehr in alte Zeiten h\u00e4lt Palani f\u00fcr falsch.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch denke, es w\u00e4re nicht einfach, in das Jahr 2014 \u2013 also in die Zeit vor dem \u201aIS\u2018 \u2013 zur\u00fcckzukehren. Vor allem aber w\u00e4re es nicht die richtige Politik. Denn eben die hat ja erst zum Aufkommen, zur Existenz des \u201aIS\u2018 gef\u00fchrt.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n


Wie also in Ruinen Neues schaffen? Der Staat muss das Gewaltmonopol zur\u00fcckerlangen, fordert der Politikwissenschaftler. F\u00fcr ihn steht das an erster Stelle. Und dann m\u00fcsse der Staat dringend einen Kurswechsel vornehmen: Er m\u00fcsse integrativ wirken, alle einbinden, auch die Araber, in Sicherheitskr\u00e4fte, Verwaltung und Politik.<\/p>\n\n\n\n

Machtmonopol m\u00fcsste von Milizen zum Staat gehen<\/h2>\n\n\n\n

Die Realit\u00e4t sieht anders aus: Ein Staat Kurdistan, der neue Optionen m\u00f6glich gemacht h\u00e4tte, auch von den Minderheiten gew\u00fcnscht worden war, ist nicht entstanden. Bagdad aber ist fern, der Zentralstaat kaum existent, und wenn, dann ist er schiitisch dominiert. Es sind Milizen, die im Nord-Irak das Geschehen bestimmen, darum rivalisieren, das Machtvakuum zu f\u00fcllen, das durch die Vertreibung des \u201eIS\u201c entstanden ist. Einst im Kampf gegen die Terroristen geeint, sind die Milizen einander heute feind.<\/p>\n\n\n\n

Allen voran die \u201eHashd ash-Shaabi\u201c, schiitisch-irakische Milizen, deren Ausbilder und Kommandeure h\u00e4ufig Iraner sind. Bagdad hat die Haschd als regul\u00e4re Kraft im Kampf gegen den \u201eIS\u201c anerkannt \u2013 obwohl Menschenrechts-Organisationen schwere Vorw\u00fcrfe gegen sie erheben. Fest steht: Die schiitischen Milizen halten D\u00f6rfer besetzt, sind in Mosul f\u00fcr ihr herrisches Auftreten und ihre Willk\u00fcr bekannt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eTats\u00e4chlich sorgen die verschiedenen bewaffneten Gruppen daf\u00fcr, dass die Fl\u00fcchtlinge nicht zur\u00fcckkehren. Und weil sie nicht zur\u00fcckkehren, gibt es auch keinen Wiederaufbau. Die Menschen haben Angst vor den Milizen \u2013 auch davor, dass die einander bek\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die \u201eHashd\u201c m\u00fcssten mithin abziehen. Und mit ihnen die anderen Milizen. Das Machtmonopol m\u00fcsste an den Staat gehen. Doch der Irak ist auch Spielball der Regionalm\u00e4chte: Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien. Sie konkurrieren um Einfluss-Sph\u00e4ren, bedienen sich dabei verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Gruppen im Irak. Deswegen werden die Hashd nicht abziehen. Derzeit sind sie von der iranisch-irakischen Grenze im Osten \u00fcber Bagdad bis hoch zur irakisch-syrischen Grenze im Norden postiert. Einheiten Teherans k\u00f6nnten demnach auf dem Landweg vom Iran bis ans Mittelmeer durchmarschieren.<\/p>\n\n\n\n

Iran und Saudi-Arabien wollen Macht vergr\u00f6\u00dfern<\/h2>\n\n\n\n

Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n

In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n

Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3703,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:24:20","post_date_gmt":"2020-08-13 21:24:20","post_content":"\n

Deutschland str\u00e4ubt sich gegen die R\u00fcckkehr seiner eigenen Staatsb\u00fcrger, die zu IS-Terroristen wurden. Dabei hat die Bundesrepublik den Terror und die Terroristen einst exportiert. Und dies geschah wissentlich, sagt der Islamwissenschaftler Fabian Goldmann.<\/p>\n\n\n\n

Wann haben Sie sich eigentlich zuletzt von deutschen Terroristen distanziert? Zum Beispiel von Robert B.? Der Ex-Bundeswehrsoldat aus Solingen hat mutma\u00dflich bei einem Selbstmordattentat Anfang 2014 50 Menschen mit in den Tod gerissen. <\/p>\n\n\n\n

Oder von Yannik N.? Der junge Freiburger steuerte wahrscheinlich im Jahr 2015 einen mit anderthalb Tonnen Sprengstoff beladenen LKW in eine Menschenmenge und nahm so Dutzenden Personen das Leben.<\/p>\n\n\n\n

Oder von Yamin A.?. Im Sommer 2015 tauchte im Netz ein Video auf, das zeigte, wie der ehemalige Telekom-Azubi aus K\u00f6nigswinter zwei gefesselten Soldaten in den Kopf schoss.
Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Deutsche T\u00e4ter, aber kaum deutsche Opfer<\/h2>\n\n\n\n

Hauptsache nicht bei uns! Dies scheint auch dieser Tage wieder die Maxime zu sein, wenn Politiker und \u00d6ffentlichkeit \u00fcber den Umgang mit deutschen Terroristen diskutieren. Von potenziellen Bedrohungen und Anschlagsgefahren in Deutschland liest man dann. Vom ganz realen Terror, den Deutsche in den vergangenen Jahren \u00fcber die Menschen in Syrien und Irak gebracht haben, h\u00f6rt man hingegen kaum. Ein Terror, der kaum deutsche Opfer aber umso mehr deutsche T\u00e4ter kannte.<\/p>\n\n\n\n

1.050 \u2013 das ist laut Bundesinnenministerium die Anzahl der Dschihadisten, die in den letzten Jahren die Bundesrepublik in Richtung Nahost verlassen hat. Es f\u00e4llt schwer, sich umgekehrtes Szenario \u00fcberhaupt auszumalen. Was w\u00e4re wohl los, h\u00e4tte es nur ein Bruchteil arabischer Terroristen geschafft, bei uns Anschl\u00e4ge zu begehen? Europas \u201eMuslim Bann\u201c? \u00dcberwachungsstaat auf NSA-Niveau?<\/p>\n\n\n\n

Die CSU st\u00fcnde wom\u00f6glich am linken Ende des politischen Spektrums, und auf Twitter w\u00fcrde Trump deutsche Migrationspolitiker zur M\u00e4\u00dfigung aufrufen. Der deutsche Terror in Nahost kommt hingegen seit Jahren ganz ohne Sondersendungen, politische Debatten und Distanzierungsforderungen aus. <\/p>\n\n\n\n

Deutsche K\u00e4mpfer waren nicht nur willenloses Kanonenfutter<\/h2>\n\n\n\n

An fehlendem Wissen liegt das nicht. Von ganzen Einheiten des IS, in denen kein einziger K\u00e4mpfer Arabisch spreche, berichten syrische, irakische und kurdische Soldaten schon seit Jahren. Von Aleppo \u00fcber Raqqa bis Mossul haben Aktivisten und Politiker immer wieder darauf hingewiesen, dass viele der schlimmsten M\u00f6rder in den Reihen des IS Europ\u00e4er sind. Interessiert hat das hier kaum jemand.<\/p>\n\n\n\n

Dabei dienten Deutsche dem Islamischen Staats nicht nur als willenloses Kanonenfutter, wie es oft dargestellt wird. Viele haben seinen Terror mitgepr\u00e4gt. Wie Martin L., der derzeit in kurdischer Haft sitzt. Der Schwei\u00dfer aus Sachsen-Anhalt soll sich vom Folterknecht bis zum Geheimdienstler mit Kontakten bis in die F\u00fchrungsspitze der Terrororganisation hochgearbeitet haben.<\/p>\n\n\n\n

Oder Reda S., Der Prediger aus Berlin-Charlottenburg soll dem IS in Mossul als Bildungsminister gedient haben. Oder der Berliner Ex-Rapper Denis Cuspert, der zu den wichtigsten Personen in der IS-Medienorganisation Al-Hayat geh\u00f6rte. Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Beh\u00f6rden wussten gut Bescheid<\/h2>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich entstand der Islamische Staat nicht in deutschen Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen. Zur deutschen Verantwortung geh\u00f6rt aber auch, dass Politiker und Beh\u00f6rden lange wegschauten, solang nur die T\u00e4ter, aber nicht die Opfer Deutsche waren. Beh\u00f6rden wissen und wussten erschreckend gut Bescheid \u00fcber die Radikalisierung deutscher Islamisten. Ein Gro\u00dfteil der sp\u00e4teren IS-K\u00e4mpfer war polizeibekannt, stand auf Gef\u00e4hrderlisten oder hatte wegen islamistischer Straftaten bereits Haftstrafen verb\u00fc\u00dft. An der Ausreise gehindert wurden sie oftmals dennoch nicht. Die Gefahr, die von deutschen Terroristen ausgeht, interessierte Politik und \u00d6ffentlichkeit erst dann wieder, als ihre Einreise drohte.<\/p>\n\n\n\n

\"Fabian
Fabian Goldmann<\/strong> ist Journalist und Islamwissenschaftler. F\u00fcr verschiedene Magazine und Zeitungen berichtete er viele Jahre aus Nahost. Zurzeit widmet er sich vor allem dem Islam diesseits des Bosporus. Auf seinem Blog Schantall und die Scharia<\/a> bloggt er \u00fcber Islamophobie in Deutschland.<\/p>\n","post_title":"Es sind unsere Terroristen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"es-sind-unsere-terroristen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3703","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3700,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:19:36","post_date_gmt":"2020-08-13 21:19:36","post_content":"\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda? Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda t<\/p>\n\n\n\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda tritt an die Stelle der 2010 verabschiedeten Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014 (siehe IP\/10\/1535<\/a>). In der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda f\u00fcr den Zeitraum 2015-2020 skizziert die Europ\u00e4ische Kommission die Strategie der Union zur Bew\u00e4ltigung der Sicherheitsbedrohungen in der EU.<\/p>\n\n\n\n

Die EU und ihre Mitgliedstaaten sind mit betr\u00e4chtlichen Sicherheitsproblemen konfrontiert. Terrorismus, organisierte Kriminalit\u00e4t und Cyberkriminalit\u00e4t stellen eine zunehmende Gefahr f\u00fcr die europ\u00e4ische Gesellschaft dar, wobei sich Art und Ausma\u00df dieser Gefahr ver\u00e4ndert hat. Europa ist mit den Auswirkungen der politischen Instabilit\u00e4t in seiner unmittelbaren Nachbarschaft konfrontiert, die die Sicherheitsinteressen der EU gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n

Im Zuge der Krisen und Konflikte in Syrien, Irak und Libyen haben sich europ\u00e4ische B\u00fcrger terroristischen Gruppen angeschlossen, die bei ihrer R\u00fcckkehr eine erhebliche Bedrohung darstellen k\u00f6nnen. Die j\u00fcngsten terroristischen Anschl\u00e4ge in Europa zeugen von der zunehmenden Bedrohung durch einen gewaltt\u00e4tigen Extremismus und zeigen, in welchem Ausma\u00df weltweite Konflikte zur Radikalisierung der europ\u00e4ischen B\u00fcrger beitragen.<\/p>\n\n\n\n

Das Online-Umfeld hat sich zunehmend als Ziel f\u00fcr Kriminelle und Terroristen entwickelt. Unabh\u00e4ngig davon, ob es um die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und die Anwerbung von Menschen f\u00fcr terroristische Organisationen geht oder die Verbreitung von Hass oder einen Angriff auf die europ\u00e4ischen Werte und Institutionen, fest steht, dass wir unsere Reaktion auf diese Bedrohungen unbedingt abstimmen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Welcher Mehrwert entsteht durch die EU im Bereich der inneren Sicherheit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Gew\u00e4hrleistung der inneren Sicherheit f\u00e4llt weiterhin in erster Linie in die Zust\u00e4ndigkeit der Mitgliedstaaten. Allerdings werden die Bedrohungen f\u00fcr Europas B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger immer vielf\u00e4ltiger und betreffen in zunehmendem Ma\u00dfe mehrere Mitgliedstaaten. Einzelne Mitgliedstaaten haben die Verantwortung, die Sicherheit an den Au\u00dfengrenzen zu gew\u00e4hrleisten, sind aber nicht mehr in der Lage, diese Herausforderungen allein zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n

Kriminelle und terroristische Aktivit\u00e4ten machen nicht an den Grenzen der EU halt und beschr\u00e4nken sich auch nicht auf Nachbarregionen. Die innere Sicherheit der EU und die globale Sicherheit sind voneinander abh\u00e4ngig und miteinander verkn\u00fcpft. Die Sicherheit der Union h\u00e4ngt in hohem Ma\u00dfe von der Zusammenarbeit mit ihren internationalen Partnern und ihren Nachbarl\u00e4ndern ab.<\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t und des Terrorismus ist eine gemeinsame europ\u00e4ische Aufgabe. Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda sollte von den Mitgliedstaaten und den EU-Organen gemeinsam als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und gemeinsame Ma\u00dfnahmen der Union genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n

Mit Hilfe der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda werden die Polizei- und Strafverfolgungsdienste in verschiedenen Mitgliedstaaten Daten effektiver austauschen und bei der Bek\u00e4mpfung der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t besser zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Die Mitgliedstaaten k\u00f6nnen auf die Unterst\u00fctzung durch die Agenturen der EU z\u00e4hlen. Insbesondere in folgenden Punkten l\u00e4sst sich mit Hilfe der Sicherheitsagenda ein EU-Mehrwert erzielen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n

A) Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und den EU-Agenturen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1<\/strong>: Das Schengener Informationssystem<\/strong> (SIS) wird von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Abfrage von Ausschreibungen von gesuchten oder vermissten Personen und Gegenst\u00e4nden genutzt. Die Kommission wird an der Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Ausschreibungskategorien arbeiten und sich daf\u00fcr einsetzen, dass das SIS zusammen mit der Interpol-Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD)<\/strong> umfassender genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Mittlerweile k\u00e4mpfen Alis Vater und sein Onkel seit \u00fcber einem Jahr in Syrien. Am Aufenthaltsstatus seiner Familienmitglieder hat sich bis heute allerdings nichts ge\u00e4ndert. F\u00fcr Ali ist klar, dass dies nur eine Falle gewesen ist, um noch mehr Afghanen als Kanonenfutter zu missbrauchen.<\/p>\n\n\n\n

Anfangs gab es Papiere f\u00fcr K\u00e4mpfer-Familien<\/h2>\n\n\n\n

Den Kontakt zu seinem Vater hat der Afghane mittlerweile verloren. W\u00e4hrenddessen schickt ihm sein Onkel, der in Aleppo stationiert ist, hin und wieder Bilder \u00fcber den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ali denkt, dass nur sehr wenige Afghanen der Propaganda der iranischen Regierung glauben und in Syrien f\u00fcr eine \u201egute Sache\u201c k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

Source<\/a><\/p>\n","post_title":"Warum Afghanen in Syrien f\u00fcr Assad k\u00e4mpfen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"warum-afghanen-in-syrien-fur-assad-kampfen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3709","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3706,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:27:40","post_date_gmt":"2020-08-13 21:27:40","post_content":"\n

Kinder, Frauen, Jesiden \u2013 wer \u00fcberlebt hat, berichtet von Folter, Vergewaltigungen und Gehirnw\u00e4sche. Rund drei Jahre dauerte die Schreckensherrschaft der IS-Miliz in Syrien und Irak. Der Wiederaufbau wird l\u00e4nger dauern und mehr umfassen als H\u00e4user.<\/p>\n\n\n\n

Der Fluss Tigris durchzieht die zweitgr\u00f6\u00dfte Stadt des Iraks und teilt Mosul in Ost und West. Das Westufer ist von Zerst\u00f6rung gezeichnet, die Altstadt nicht mehr als eine einzige graue Tr\u00fcmmerlandschaft. Seit den letzten Bombardements im Juli 2017 kann hier niemand mehr wohnen.<\/p>\n\n\n\n

Die Nouri-Moschee, von deren Kanzel Abu Bakr al-Baghdadi im Juli 2014 sein Kalifat ausrief, hatte die IS-Miliz auf ihrem R\u00fcckzug vorsorglich selbst in die Luft gesprengt, um den Gegnern diesen besonderen Triumph zu verwehren.<\/p>\n\n\n\n

\"ImIm Juli 2017 erobert die irakische Armee Mossul zur\u00fcck. Ruinen sind zu sehen. Ein K\u00e4mpfer der IS-Miliz hat sich ergeben. (Imago \/ Carol Guzy)<\/p>\n\n\n\n

Es ist fraglich, ob die Altstadt dem Original getreu wieder aufgebaut werden kann. Bagdad will demn\u00e4chst \u2013 im Rahmen einer gro\u00dfen Wiederaufbau-Konferenz \u2013 bekannt geben, welche Pl\u00e4ne es hat. Derzeit gilt als gro\u00dfer Fortschritt, dass die Tr\u00fcmmerlandschaft in Teilen wieder begehbar ist \u2013 nachdem mit internationaler Hilfe zahllose Sprengs\u00e4tze beseitigt wurden.<\/p>\n\n\n\n

In Ost-Mossul gibt es weniger Zerst\u00f6rungen<\/h2>\n\n\n\n

J\u00fcngste Sch\u00e4tzungen der Vereinten Nationen besagen, dass es noch Jahre dauern wird, bis alle Minen ger\u00e4umt sind. Solange werden die einstigen Bewohner nicht zur\u00fcckkehren k\u00f6nnen. Manche von ihnen haben Gl\u00fcck im Ungl\u00fcck: Sie haben \u00fcberlebt und sind auf der anderen Seite des Tigris untergekommen, im Osten der Stadt. Der war schon im Januar 2017 von den Terroristen befreit worden. Erstaunlich ist: Dieser Teil Mosuls wirkt fast so, als w\u00e4re der \u201eIS\u201c niemals hier gewesen und als h\u00e4tte es keinen Krieg gegeben.<\/p>\n\n\n\n

\"ImIm Osten Mossuls gibt es weniger Zerst\u00f6rungen als im Westteil. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

Die Zerst\u00f6rungen beschr\u00e4nken sich auf strategisch-wichtige Punkte oder Geb\u00e4ude, in denen sich die Terroristen verschanzt hatten: Br\u00fccken, Moscheen, Krankenh\u00e4user. Doch im Basar herrscht fast so etwas wie Normalit\u00e4t. An St\u00e4nden kaufen Menschen ein \u2013 Obst, Gem\u00fcse, Reis und Nudeln, Backwaren. Kinder schlecken ein Eis. Abu Muhammad, ein ehemaliger Physiklehrer, erkl\u00e4rt, warum der Basar so anders ist als erwartet:<\/p>\n\n\n\n

\u201eDas Leben hatte nie aufgeh\u00f6rt in Mosul. Wir haben weitergelebt. Drei Jahre wurden wir vom \u201aIS\u2018 beherrscht, doch die normalen Leute hatten nichts damit zu tun. Daher kam der Alltag schnell zur\u00fcck. Die Soldaten sind gekommen, haben den Basar wieder aufgemacht und das Leben ging weiter.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Im Osten findet sich heute all das wieder, was die Terror-Miliz unterdr\u00fcckt hatte und bei Missachtung grausam ahndete: Musik in Restaurants und Caf\u00e9s; Sim-Karten f\u00fcr Handys; Internet; Fris\u00f6re, die Haare schneiden, B\u00e4rte stutzen oder gar abrasieren. Und doch: Trotz des lebendigen Treibens wirken Angst und Schrecken nach. Abu Muhammad, fr\u00fch ergraut, erinnert sich:<\/p>\n\n\n\n

\u201eWir haben uns gef\u00fchlt wie zwischen Leben und Tod. Irgendwo dazwischen. Sie haben vom \u201aIS\u2018 geh\u00f6rt; wir haben ihn erlebt: Wir haben erlebt, wie sie mordeten, wie sie Leute aufh\u00e4ngten, wir haben den Krieg erlebt. Wir haben alles gesehen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Mohammed stammt aus dem zerst\u00f6rten Westen der Stadt. Er wohnt heute im Osten. Verwandte haben ihn und seine Familie aufgenommen. So wie ihm ergeht es auch anderen Vertriebenen. Sie leben bei Verwandten und Freunden. Oder in einem der vielen Lager. 700.000 Menschen haben ihr Zuhause verloren \u2013 eine Zahl, die f\u00fcr West-Mosul gilt. Insgesamt gehen die Vereinten Nationen von fast sechs Millionen Menschen aus, die im Irak vor dem \u201aIS\u2018 geflohen sind \u2013 die H\u00e4lfte von ihnen bis heute fern von ihrem Zuhause.<\/p>\n\n\n\n

Binnenfl\u00fcchtlinge im Lager Khabartu<\/h2>\n\n\n\n

Zelte soweit das Auge reicht. Abertausende. Inmitten von Steppe. Das Leben der Menschen ist hart. Sie darben, frieren und verdorren \u2013 wenn im Winter der kalte Wind durch die Steppe fegt und im Sommer die Sonne niederbrennt. Doch sie harren aus, haben wenig Hoffnung auf baldige R\u00fcckkehr. Die meisten kamen 2014 \u2013 hierher, ins Lager Khabartu in Irakisch-Kurdistan.<\/p>\n\n\n\n

\"DasDas Lager Khabartu f\u00fcr irakische Binnenfl\u00fcchtlinge. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

2014, als der \u201eIS\u201c den Nord-Irak \u00fcberfiel. In einem der Zelte lebt auch die Familie von Thomas Abdallah Hammou. Thomas war auf der Flucht von seiner Familie getrennt und von den Dschihadisten verschleppt worden. Damals war er acht Jahre alt. Ein Kind. Drei Jahre blieb er in Geiselhaft, lebte in Mosul.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollten nicht, dass wir spielen. Sie mochten es nicht. Ich habe keine Schule besucht, aber sie gaben uns Koran-Unterricht. Jeden Tag.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas musste seinem eigenen, dem jesidischen Glauben abschw\u00f6ren. Weil der \u201eIS\u201c die Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c betrachtet. Und \u201eUngl\u00e4ubige\u201c, so die Auffassung der Terroristen, m\u00fcssen zwangsbekehrt werden. Oder get\u00f6tet. Die Terroristen hatten dementsprechend die Jesiden entweder an Ort und Stelle ermordet, die meisten im Sinjar, im alten Siedlungsgebiet der Jesiden im Nord-Irak. Tausende. 47 Massengr\u00e4ber sollen mittlerweile gefunden worden sein. Oder aber die Terroristen lie\u00dfen die Jesiden am Leben und nahmen sie in Geiselhaft. Sie machten aus ihnen Sexsklavinnen oder sie bildeten sie aus \u2013 zu Selbstmordattent\u00e4tern. Wie Thomas.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie haben uns st\u00e4ndig geschlagen. Wir mussten Schie\u00dfen \u00fcben. Zwei meiner Freunde haben sich in die Luft gesprengt. Sie sind zum Training. Doch sie kamen nicht zur\u00fcck. Ich war nicht traurig. Sie wollten sich ja in die Luft sprengen. Die \u201aIS\u2018-Leute hatten es nicht von ihnen verlangt. Sie sind freiwillig gegangen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas hat heute einen modernen Haarschnitt; der Nacken ist ausrasiert; der lange Pony in die Stirn gek\u00e4mmt. Im Sommer sah er noch anders aus, kurz nachdem Mosul befreit worden war. Bei einem Luftangriff der Anti-\u201eIS\u201c-Koalition wurde Thomas schwer verletzt aus Tr\u00fcmmern geborgen, dann operiert.<\/p>\n\n\n\n

\"ThomasThomas erholt sich von drei Jahren IS-Gefangenschaft. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

Arbeit mit \u201eDschihadisten-Kindern\u201c<\/h2>\n\n\n\n

Die \u00e4u\u00dferen Wunden sind heute verheilt. Doch wie sieht es aus mit den inneren, den seelischen Verletzungen? Thomas wurde von seiner Familie aufgenommen und bekommt Hilfe. Andere Kinder konnten nicht aufgefangen werden. Bis heute betrachten sie Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c \u2013 so wie es ihnen in der Geiselhaft eingeh\u00e4mmert wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie sind eine gro\u00dfe Gefahr f\u00fcr andere Kinder. Sie leben in Lagern, in einem Zelt, auf sechs mal vier Metern, oder noch weniger! Acht Geschwister, sie spielen zusammen, reden, sie indoktrinieren die anderen! Das ist ein Problem, das wir nicht l\u00f6sen k\u00f6nnen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Sara Hassan ist Sozialarbeiterin. Sie arbeitet in den Lagern, versucht M\u00e4dchen und Frauen, die jahrelang in Geiselhaft vergewaltigt wurden, zu helfen. Unz\u00e4hlige hatte der \u201eIS\u201c einst entf\u00fchrt. Sara arbeitet auch mit den sogenannten \u201eDschihadisten-Kindern\u201c. Sie erz\u00e4hlt, wie \u00fcberfordert alle seien: die Familien, die jesidische Gemeinschaft, die Gesellschaft des Nord-Irak.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIn einem anderen Fall hat sich die Familie am Ende an die Sicherheitskr\u00e4fte gewandt. Doch die wussten auch nicht, wie sie damit umgehen sollten. Monate lang hat die Familie versucht, den Jungen umzuerziehen, zusammen mit Sozialarbeitern. Aber noch immer sehen wir den Hass in seinen Augen \u2013 gegen\u00fcber Kurden, Christen und Jesiden. Als blicke man in die Augen eines IS-Terroristen. Das ist das Problem.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Die Jesiden k\u00f6nnen \u00fcber ihre vom \u201eIS\u201c indoktrinierten Kinder sprechen. Denn niemand zweifelt daran, dass sie Opfer der Tyrannei wurden. Bei den sunnitischen Arabern sieht das anders aus. Da sie derselben Religionsgruppe angeh\u00f6ren wie formal auch die Terroristen, stehen sie unter Generalverdacht, mit dem \u201eIS\u201c gemeinsame Sache gemacht zu haben. Sunnitische Araber trauen sich daher nicht, die Probleme ihrer Kinder \u00f6ffentlich zu machen \u2013 auch wenn sie selbst nichts mit dem \u201eIS\u201c zu tun hatten.<\/p>\n\n\n\n

Unklar ist, wie viele Kinder und Jugendliche im Irak und in Syrien zu Terroristen ausgebildet wurden, dabei noch in Geiselhaft sind oder bereits als \u201eSchl\u00e4fer\u201c darauf warten, zum Einsatz zu kommen. Sie gleichen \u201etickenden Zeitbomben\u201c, die jederzeit explodieren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

Minderheiten haben Angst vor \u201eIS\u201c-Nachfolgern<\/h2>\n\n\n\n

Kamaran Palani spricht davon, dass viele Menschen immer noch gehen wollen, obwohl der \u201eIS\u201c als staats\u00e4hnliches Gebilde nicht mehr besteht. Seine Saat aber, so der Politikwissenschaftler, sei aufgegangen.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollen einfach nicht in diesem Land bleiben. Der IS hat sie dazu gebracht. Jeder hat heute Angst, dass eine andere Organisation kommen wird, Terroristen, die dasselbe anrichten wie zuvor.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Palani forscht am \u201eMiddle East Research Institute\u201c, das seinen Sitz in Erbil hat, der Hauptstadt von Irakisch-Kurdistan. <\/p>\n\n\n\n

\u201e60 bis 65 Prozent der Christen wollen gehen. Das Gleiche gilt f\u00fcr andere Minderheiten: f\u00fcr Jesiden, Schabaks, Turkmenen, Kakais.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

\u201eWir werden niemals wieder mit den Arabern zusammenleben k\u00f6nnen!\u201c \u2013 ein Satz, der heute h\u00e4ufig im Nord-Irak zu h\u00f6ren ist. Gemeint sind die Iraker, die Sunniten und Araber sind \u2013 die einstmals Nachbarn von Jesiden, Christen und Kurden waren \u2013 mit denen man Handel trieb und Hochzeiten feierte, die auch Freunde waren.<\/p>\n\n\n\n

Der Irak ist eine multi-ethnische und multi-religi\u00f6se Gesellschaft, in der die Schiiten die Mehrheit stellen. \u00dcber Jahrhunderte aber hatten die sunnitischen Araber das Sagen, sie missbrauchten die Macht, errichteten ein Schreckensregime \u2013 bis 2003, als Diktator Saddam Hussein von den USA gest\u00fcrzt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c entstand aus Widerstand gegen Schiiten-Herrschaft<\/h2>\n\n\n\n

Jetzt wurde der Spie\u00df umgedreht. Die Amerikaner sorgten daf\u00fcr, dass die Sunniten jegliche Machtposition verloren \u2013 so wurde die irakische Armee, wurde die baathistische Partei aufgel\u00f6st \u2013 ohne ein Pendant zu schaffen, das alle integrierte. Und: Washington unterst\u00fctzte Regierungschef Nouri al-Maliki, einen Schiiten. Maliki sah eine historische Chance gekommen, diskriminierte nun seinerseits seine sunnitischen Landsleute, verwehrte ihnen im \u201eNeuen Irak\u201c die Mitsprache. Im Regime Malikis wurden Sunniten inhaftiert, gefoltert und umgebracht.<\/p>\n\n\n\n

Was viele in den Widerstand trieb. Einige schlossen sich der Terror-Organisation \u201eAl-Qaida\u201c an, unter ihnen f\u00fchrende Milit\u00e4rs der aufgel\u00f6sten Armee Saddam Husseins \u2013 und aus \u201eAl-Qaida\u201c ging sp\u00e4ter der \u201eIS\u201c hervor.<\/p>\n\n\n\n

Als der \u201eIS\u201c dann im Sommer 2014 fast ohne Gegenwehr weite Landstriche in Syrien und im Irak \u00fcberrannte und seinen \u201eStaat\u201c ausrief, sahen auch gew\u00f6hnliche sunnitische Araber einen Wechsel nahen. Viele machten gemeinsame Sache mit den Terroristen, verhinderten die Flucht jesidischer Nachbarn, lieferten sie ihren Schl\u00e4chtern aus. Kamaran Palani:<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c-K\u00e4mpfer haben gesagt, es gehe darum, die W\u00fcrde der sunnitischen Araber wiederherzustellen. Ihre Macht. Ihre Geschichte. Tats\u00e4chlich konnten es die Araber nicht hinnehmen, dass sie ins Abseits gedr\u00e4ngt wurden. Und ich denke, dass sie auch in Zukunft so handeln werden. Wann immer sich die Gelegenheit bietet: Sie werden alles hinter sich lassen \u2013 sich nur darauf konzentrieren.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Misstrauen. Auch bei einem Politikwissenschaftler. Was also tun? Zerst\u00f6rte St\u00e4dte und D\u00f6rfer k\u00f6nnten wieder aufgebaut werden \u2013 wenn denn ein gemeinsamer Wille best\u00fcnde. Doch was, wenn es einen solchen gemeinsamen Willen gar nicht gibt? Wenn Schmerz und Trauer anhalten, wenn die Verbrechen von Terroristen und Helfershelfern nicht geahndet werden, wenn Angst umgeht, Misstrauen und Hass das Miteinander bestimmen.<\/p>\n\n\n\n

\"SyrischeSoldaten in der irakischen Stadt Sindschar nach der R\u00fcckeroberung von der IS-Miliz Ende 2015. (dpa \/ MAXPPP \/ Arnaud Dumontier)<\/p>\n\n\n\n

Kamaran Palani stammt aus der Stadt Makhmour. Drei Tage nur sei der \u201eIS\u201c dort gewesen, sagt er, doch diese Tage h\u00e4tten alles ver\u00e4ndert. Der \u201eIS\u201c habe die Menschen in seiner Heimatstadt verrohen lassen, meint er, das Verh\u00e4ltnis zwischen Kurden und Arabern sei heute tot. Eine R\u00fcckkehr in alte Zeiten h\u00e4lt Palani f\u00fcr falsch.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch denke, es w\u00e4re nicht einfach, in das Jahr 2014 \u2013 also in die Zeit vor dem \u201aIS\u2018 \u2013 zur\u00fcckzukehren. Vor allem aber w\u00e4re es nicht die richtige Politik. Denn eben die hat ja erst zum Aufkommen, zur Existenz des \u201aIS\u2018 gef\u00fchrt.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n


Wie also in Ruinen Neues schaffen? Der Staat muss das Gewaltmonopol zur\u00fcckerlangen, fordert der Politikwissenschaftler. F\u00fcr ihn steht das an erster Stelle. Und dann m\u00fcsse der Staat dringend einen Kurswechsel vornehmen: Er m\u00fcsse integrativ wirken, alle einbinden, auch die Araber, in Sicherheitskr\u00e4fte, Verwaltung und Politik.<\/p>\n\n\n\n

Machtmonopol m\u00fcsste von Milizen zum Staat gehen<\/h2>\n\n\n\n

Die Realit\u00e4t sieht anders aus: Ein Staat Kurdistan, der neue Optionen m\u00f6glich gemacht h\u00e4tte, auch von den Minderheiten gew\u00fcnscht worden war, ist nicht entstanden. Bagdad aber ist fern, der Zentralstaat kaum existent, und wenn, dann ist er schiitisch dominiert. Es sind Milizen, die im Nord-Irak das Geschehen bestimmen, darum rivalisieren, das Machtvakuum zu f\u00fcllen, das durch die Vertreibung des \u201eIS\u201c entstanden ist. Einst im Kampf gegen die Terroristen geeint, sind die Milizen einander heute feind.<\/p>\n\n\n\n

Allen voran die \u201eHashd ash-Shaabi\u201c, schiitisch-irakische Milizen, deren Ausbilder und Kommandeure h\u00e4ufig Iraner sind. Bagdad hat die Haschd als regul\u00e4re Kraft im Kampf gegen den \u201eIS\u201c anerkannt \u2013 obwohl Menschenrechts-Organisationen schwere Vorw\u00fcrfe gegen sie erheben. Fest steht: Die schiitischen Milizen halten D\u00f6rfer besetzt, sind in Mosul f\u00fcr ihr herrisches Auftreten und ihre Willk\u00fcr bekannt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eTats\u00e4chlich sorgen die verschiedenen bewaffneten Gruppen daf\u00fcr, dass die Fl\u00fcchtlinge nicht zur\u00fcckkehren. Und weil sie nicht zur\u00fcckkehren, gibt es auch keinen Wiederaufbau. Die Menschen haben Angst vor den Milizen \u2013 auch davor, dass die einander bek\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die \u201eHashd\u201c m\u00fcssten mithin abziehen. Und mit ihnen die anderen Milizen. Das Machtmonopol m\u00fcsste an den Staat gehen. Doch der Irak ist auch Spielball der Regionalm\u00e4chte: Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien. Sie konkurrieren um Einfluss-Sph\u00e4ren, bedienen sich dabei verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Gruppen im Irak. Deswegen werden die Hashd nicht abziehen. Derzeit sind sie von der iranisch-irakischen Grenze im Osten \u00fcber Bagdad bis hoch zur irakisch-syrischen Grenze im Norden postiert. Einheiten Teherans k\u00f6nnten demnach auf dem Landweg vom Iran bis ans Mittelmeer durchmarschieren.<\/p>\n\n\n\n

Iran und Saudi-Arabien wollen Macht vergr\u00f6\u00dfern<\/h2>\n\n\n\n

Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n

In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n

Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3703,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:24:20","post_date_gmt":"2020-08-13 21:24:20","post_content":"\n

Deutschland str\u00e4ubt sich gegen die R\u00fcckkehr seiner eigenen Staatsb\u00fcrger, die zu IS-Terroristen wurden. Dabei hat die Bundesrepublik den Terror und die Terroristen einst exportiert. Und dies geschah wissentlich, sagt der Islamwissenschaftler Fabian Goldmann.<\/p>\n\n\n\n

Wann haben Sie sich eigentlich zuletzt von deutschen Terroristen distanziert? Zum Beispiel von Robert B.? Der Ex-Bundeswehrsoldat aus Solingen hat mutma\u00dflich bei einem Selbstmordattentat Anfang 2014 50 Menschen mit in den Tod gerissen. <\/p>\n\n\n\n

Oder von Yannik N.? Der junge Freiburger steuerte wahrscheinlich im Jahr 2015 einen mit anderthalb Tonnen Sprengstoff beladenen LKW in eine Menschenmenge und nahm so Dutzenden Personen das Leben.<\/p>\n\n\n\n

Oder von Yamin A.?. Im Sommer 2015 tauchte im Netz ein Video auf, das zeigte, wie der ehemalige Telekom-Azubi aus K\u00f6nigswinter zwei gefesselten Soldaten in den Kopf schoss.
Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Deutsche T\u00e4ter, aber kaum deutsche Opfer<\/h2>\n\n\n\n

Hauptsache nicht bei uns! Dies scheint auch dieser Tage wieder die Maxime zu sein, wenn Politiker und \u00d6ffentlichkeit \u00fcber den Umgang mit deutschen Terroristen diskutieren. Von potenziellen Bedrohungen und Anschlagsgefahren in Deutschland liest man dann. Vom ganz realen Terror, den Deutsche in den vergangenen Jahren \u00fcber die Menschen in Syrien und Irak gebracht haben, h\u00f6rt man hingegen kaum. Ein Terror, der kaum deutsche Opfer aber umso mehr deutsche T\u00e4ter kannte.<\/p>\n\n\n\n

1.050 \u2013 das ist laut Bundesinnenministerium die Anzahl der Dschihadisten, die in den letzten Jahren die Bundesrepublik in Richtung Nahost verlassen hat. Es f\u00e4llt schwer, sich umgekehrtes Szenario \u00fcberhaupt auszumalen. Was w\u00e4re wohl los, h\u00e4tte es nur ein Bruchteil arabischer Terroristen geschafft, bei uns Anschl\u00e4ge zu begehen? Europas \u201eMuslim Bann\u201c? \u00dcberwachungsstaat auf NSA-Niveau?<\/p>\n\n\n\n

Die CSU st\u00fcnde wom\u00f6glich am linken Ende des politischen Spektrums, und auf Twitter w\u00fcrde Trump deutsche Migrationspolitiker zur M\u00e4\u00dfigung aufrufen. Der deutsche Terror in Nahost kommt hingegen seit Jahren ganz ohne Sondersendungen, politische Debatten und Distanzierungsforderungen aus. <\/p>\n\n\n\n

Deutsche K\u00e4mpfer waren nicht nur willenloses Kanonenfutter<\/h2>\n\n\n\n

An fehlendem Wissen liegt das nicht. Von ganzen Einheiten des IS, in denen kein einziger K\u00e4mpfer Arabisch spreche, berichten syrische, irakische und kurdische Soldaten schon seit Jahren. Von Aleppo \u00fcber Raqqa bis Mossul haben Aktivisten und Politiker immer wieder darauf hingewiesen, dass viele der schlimmsten M\u00f6rder in den Reihen des IS Europ\u00e4er sind. Interessiert hat das hier kaum jemand.<\/p>\n\n\n\n

Dabei dienten Deutsche dem Islamischen Staats nicht nur als willenloses Kanonenfutter, wie es oft dargestellt wird. Viele haben seinen Terror mitgepr\u00e4gt. Wie Martin L., der derzeit in kurdischer Haft sitzt. Der Schwei\u00dfer aus Sachsen-Anhalt soll sich vom Folterknecht bis zum Geheimdienstler mit Kontakten bis in die F\u00fchrungsspitze der Terrororganisation hochgearbeitet haben.<\/p>\n\n\n\n

Oder Reda S., Der Prediger aus Berlin-Charlottenburg soll dem IS in Mossul als Bildungsminister gedient haben. Oder der Berliner Ex-Rapper Denis Cuspert, der zu den wichtigsten Personen in der IS-Medienorganisation Al-Hayat geh\u00f6rte. Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Beh\u00f6rden wussten gut Bescheid<\/h2>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich entstand der Islamische Staat nicht in deutschen Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen. Zur deutschen Verantwortung geh\u00f6rt aber auch, dass Politiker und Beh\u00f6rden lange wegschauten, solang nur die T\u00e4ter, aber nicht die Opfer Deutsche waren. Beh\u00f6rden wissen und wussten erschreckend gut Bescheid \u00fcber die Radikalisierung deutscher Islamisten. Ein Gro\u00dfteil der sp\u00e4teren IS-K\u00e4mpfer war polizeibekannt, stand auf Gef\u00e4hrderlisten oder hatte wegen islamistischer Straftaten bereits Haftstrafen verb\u00fc\u00dft. An der Ausreise gehindert wurden sie oftmals dennoch nicht. Die Gefahr, die von deutschen Terroristen ausgeht, interessierte Politik und \u00d6ffentlichkeit erst dann wieder, als ihre Einreise drohte.<\/p>\n\n\n\n

\"Fabian
Fabian Goldmann<\/strong> ist Journalist und Islamwissenschaftler. F\u00fcr verschiedene Magazine und Zeitungen berichtete er viele Jahre aus Nahost. Zurzeit widmet er sich vor allem dem Islam diesseits des Bosporus. Auf seinem Blog Schantall und die Scharia<\/a> bloggt er \u00fcber Islamophobie in Deutschland.<\/p>\n","post_title":"Es sind unsere Terroristen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"es-sind-unsere-terroristen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3703","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3700,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:19:36","post_date_gmt":"2020-08-13 21:19:36","post_content":"\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda? Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda t<\/p>\n\n\n\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda tritt an die Stelle der 2010 verabschiedeten Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014 (siehe IP\/10\/1535<\/a>). In der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda f\u00fcr den Zeitraum 2015-2020 skizziert die Europ\u00e4ische Kommission die Strategie der Union zur Bew\u00e4ltigung der Sicherheitsbedrohungen in der EU.<\/p>\n\n\n\n

Die EU und ihre Mitgliedstaaten sind mit betr\u00e4chtlichen Sicherheitsproblemen konfrontiert. Terrorismus, organisierte Kriminalit\u00e4t und Cyberkriminalit\u00e4t stellen eine zunehmende Gefahr f\u00fcr die europ\u00e4ische Gesellschaft dar, wobei sich Art und Ausma\u00df dieser Gefahr ver\u00e4ndert hat. Europa ist mit den Auswirkungen der politischen Instabilit\u00e4t in seiner unmittelbaren Nachbarschaft konfrontiert, die die Sicherheitsinteressen der EU gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n

Im Zuge der Krisen und Konflikte in Syrien, Irak und Libyen haben sich europ\u00e4ische B\u00fcrger terroristischen Gruppen angeschlossen, die bei ihrer R\u00fcckkehr eine erhebliche Bedrohung darstellen k\u00f6nnen. Die j\u00fcngsten terroristischen Anschl\u00e4ge in Europa zeugen von der zunehmenden Bedrohung durch einen gewaltt\u00e4tigen Extremismus und zeigen, in welchem Ausma\u00df weltweite Konflikte zur Radikalisierung der europ\u00e4ischen B\u00fcrger beitragen.<\/p>\n\n\n\n

Das Online-Umfeld hat sich zunehmend als Ziel f\u00fcr Kriminelle und Terroristen entwickelt. Unabh\u00e4ngig davon, ob es um die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und die Anwerbung von Menschen f\u00fcr terroristische Organisationen geht oder die Verbreitung von Hass oder einen Angriff auf die europ\u00e4ischen Werte und Institutionen, fest steht, dass wir unsere Reaktion auf diese Bedrohungen unbedingt abstimmen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Welcher Mehrwert entsteht durch die EU im Bereich der inneren Sicherheit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Gew\u00e4hrleistung der inneren Sicherheit f\u00e4llt weiterhin in erster Linie in die Zust\u00e4ndigkeit der Mitgliedstaaten. Allerdings werden die Bedrohungen f\u00fcr Europas B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger immer vielf\u00e4ltiger und betreffen in zunehmendem Ma\u00dfe mehrere Mitgliedstaaten. Einzelne Mitgliedstaaten haben die Verantwortung, die Sicherheit an den Au\u00dfengrenzen zu gew\u00e4hrleisten, sind aber nicht mehr in der Lage, diese Herausforderungen allein zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n

Kriminelle und terroristische Aktivit\u00e4ten machen nicht an den Grenzen der EU halt und beschr\u00e4nken sich auch nicht auf Nachbarregionen. Die innere Sicherheit der EU und die globale Sicherheit sind voneinander abh\u00e4ngig und miteinander verkn\u00fcpft. Die Sicherheit der Union h\u00e4ngt in hohem Ma\u00dfe von der Zusammenarbeit mit ihren internationalen Partnern und ihren Nachbarl\u00e4ndern ab.<\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t und des Terrorismus ist eine gemeinsame europ\u00e4ische Aufgabe. Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda sollte von den Mitgliedstaaten und den EU-Organen gemeinsam als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und gemeinsame Ma\u00dfnahmen der Union genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n

Mit Hilfe der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda werden die Polizei- und Strafverfolgungsdienste in verschiedenen Mitgliedstaaten Daten effektiver austauschen und bei der Bek\u00e4mpfung der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t besser zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Die Mitgliedstaaten k\u00f6nnen auf die Unterst\u00fctzung durch die Agenturen der EU z\u00e4hlen. Insbesondere in folgenden Punkten l\u00e4sst sich mit Hilfe der Sicherheitsagenda ein EU-Mehrwert erzielen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n

A) Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und den EU-Agenturen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1<\/strong>: Das Schengener Informationssystem<\/strong> (SIS) wird von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Abfrage von Ausschreibungen von gesuchten oder vermissten Personen und Gegenst\u00e4nden genutzt. Die Kommission wird an der Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Ausschreibungskategorien arbeiten und sich daf\u00fcr einsetzen, dass das SIS zusammen mit der Interpol-Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD)<\/strong> umfassender genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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\u201eDie Beh\u00f6rden sagten ihm, dass die Rekrutierung f\u00fcr den Krieg in Syrien eine M\u00f6glichkeit darstellen k\u00f6nnte, um Papiere f\u00fcr uns alle zu erhalten. Andernfalls w\u00fcrde man uns sehr bald nach Afghanistan abschieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Mittlerweile k\u00e4mpfen Alis Vater und sein Onkel seit \u00fcber einem Jahr in Syrien. Am Aufenthaltsstatus seiner Familienmitglieder hat sich bis heute allerdings nichts ge\u00e4ndert. F\u00fcr Ali ist klar, dass dies nur eine Falle gewesen ist, um noch mehr Afghanen als Kanonenfutter zu missbrauchen.<\/p>\n\n\n\n

Anfangs gab es Papiere f\u00fcr K\u00e4mpfer-Familien<\/h2>\n\n\n\n

Den Kontakt zu seinem Vater hat der Afghane mittlerweile verloren. W\u00e4hrenddessen schickt ihm sein Onkel, der in Aleppo stationiert ist, hin und wieder Bilder \u00fcber den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ali denkt, dass nur sehr wenige Afghanen der Propaganda der iranischen Regierung glauben und in Syrien f\u00fcr eine \u201egute Sache\u201c k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

Source<\/a><\/p>\n","post_title":"Warum Afghanen in Syrien f\u00fcr Assad k\u00e4mpfen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"warum-afghanen-in-syrien-fur-assad-kampfen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3709","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3706,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:27:40","post_date_gmt":"2020-08-13 21:27:40","post_content":"\n

Kinder, Frauen, Jesiden \u2013 wer \u00fcberlebt hat, berichtet von Folter, Vergewaltigungen und Gehirnw\u00e4sche. Rund drei Jahre dauerte die Schreckensherrschaft der IS-Miliz in Syrien und Irak. Der Wiederaufbau wird l\u00e4nger dauern und mehr umfassen als H\u00e4user.<\/p>\n\n\n\n

Der Fluss Tigris durchzieht die zweitgr\u00f6\u00dfte Stadt des Iraks und teilt Mosul in Ost und West. Das Westufer ist von Zerst\u00f6rung gezeichnet, die Altstadt nicht mehr als eine einzige graue Tr\u00fcmmerlandschaft. Seit den letzten Bombardements im Juli 2017 kann hier niemand mehr wohnen.<\/p>\n\n\n\n

Die Nouri-Moschee, von deren Kanzel Abu Bakr al-Baghdadi im Juli 2014 sein Kalifat ausrief, hatte die IS-Miliz auf ihrem R\u00fcckzug vorsorglich selbst in die Luft gesprengt, um den Gegnern diesen besonderen Triumph zu verwehren.<\/p>\n\n\n\n

\"ImIm Juli 2017 erobert die irakische Armee Mossul zur\u00fcck. Ruinen sind zu sehen. Ein K\u00e4mpfer der IS-Miliz hat sich ergeben. (Imago \/ Carol Guzy)<\/p>\n\n\n\n

Es ist fraglich, ob die Altstadt dem Original getreu wieder aufgebaut werden kann. Bagdad will demn\u00e4chst \u2013 im Rahmen einer gro\u00dfen Wiederaufbau-Konferenz \u2013 bekannt geben, welche Pl\u00e4ne es hat. Derzeit gilt als gro\u00dfer Fortschritt, dass die Tr\u00fcmmerlandschaft in Teilen wieder begehbar ist \u2013 nachdem mit internationaler Hilfe zahllose Sprengs\u00e4tze beseitigt wurden.<\/p>\n\n\n\n

In Ost-Mossul gibt es weniger Zerst\u00f6rungen<\/h2>\n\n\n\n

J\u00fcngste Sch\u00e4tzungen der Vereinten Nationen besagen, dass es noch Jahre dauern wird, bis alle Minen ger\u00e4umt sind. Solange werden die einstigen Bewohner nicht zur\u00fcckkehren k\u00f6nnen. Manche von ihnen haben Gl\u00fcck im Ungl\u00fcck: Sie haben \u00fcberlebt und sind auf der anderen Seite des Tigris untergekommen, im Osten der Stadt. Der war schon im Januar 2017 von den Terroristen befreit worden. Erstaunlich ist: Dieser Teil Mosuls wirkt fast so, als w\u00e4re der \u201eIS\u201c niemals hier gewesen und als h\u00e4tte es keinen Krieg gegeben.<\/p>\n\n\n\n

\"ImIm Osten Mossuls gibt es weniger Zerst\u00f6rungen als im Westteil. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

Die Zerst\u00f6rungen beschr\u00e4nken sich auf strategisch-wichtige Punkte oder Geb\u00e4ude, in denen sich die Terroristen verschanzt hatten: Br\u00fccken, Moscheen, Krankenh\u00e4user. Doch im Basar herrscht fast so etwas wie Normalit\u00e4t. An St\u00e4nden kaufen Menschen ein \u2013 Obst, Gem\u00fcse, Reis und Nudeln, Backwaren. Kinder schlecken ein Eis. Abu Muhammad, ein ehemaliger Physiklehrer, erkl\u00e4rt, warum der Basar so anders ist als erwartet:<\/p>\n\n\n\n

\u201eDas Leben hatte nie aufgeh\u00f6rt in Mosul. Wir haben weitergelebt. Drei Jahre wurden wir vom \u201aIS\u2018 beherrscht, doch die normalen Leute hatten nichts damit zu tun. Daher kam der Alltag schnell zur\u00fcck. Die Soldaten sind gekommen, haben den Basar wieder aufgemacht und das Leben ging weiter.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Im Osten findet sich heute all das wieder, was die Terror-Miliz unterdr\u00fcckt hatte und bei Missachtung grausam ahndete: Musik in Restaurants und Caf\u00e9s; Sim-Karten f\u00fcr Handys; Internet; Fris\u00f6re, die Haare schneiden, B\u00e4rte stutzen oder gar abrasieren. Und doch: Trotz des lebendigen Treibens wirken Angst und Schrecken nach. Abu Muhammad, fr\u00fch ergraut, erinnert sich:<\/p>\n\n\n\n

\u201eWir haben uns gef\u00fchlt wie zwischen Leben und Tod. Irgendwo dazwischen. Sie haben vom \u201aIS\u2018 geh\u00f6rt; wir haben ihn erlebt: Wir haben erlebt, wie sie mordeten, wie sie Leute aufh\u00e4ngten, wir haben den Krieg erlebt. Wir haben alles gesehen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Mohammed stammt aus dem zerst\u00f6rten Westen der Stadt. Er wohnt heute im Osten. Verwandte haben ihn und seine Familie aufgenommen. So wie ihm ergeht es auch anderen Vertriebenen. Sie leben bei Verwandten und Freunden. Oder in einem der vielen Lager. 700.000 Menschen haben ihr Zuhause verloren \u2013 eine Zahl, die f\u00fcr West-Mosul gilt. Insgesamt gehen die Vereinten Nationen von fast sechs Millionen Menschen aus, die im Irak vor dem \u201aIS\u2018 geflohen sind \u2013 die H\u00e4lfte von ihnen bis heute fern von ihrem Zuhause.<\/p>\n\n\n\n

Binnenfl\u00fcchtlinge im Lager Khabartu<\/h2>\n\n\n\n

Zelte soweit das Auge reicht. Abertausende. Inmitten von Steppe. Das Leben der Menschen ist hart. Sie darben, frieren und verdorren \u2013 wenn im Winter der kalte Wind durch die Steppe fegt und im Sommer die Sonne niederbrennt. Doch sie harren aus, haben wenig Hoffnung auf baldige R\u00fcckkehr. Die meisten kamen 2014 \u2013 hierher, ins Lager Khabartu in Irakisch-Kurdistan.<\/p>\n\n\n\n

\"DasDas Lager Khabartu f\u00fcr irakische Binnenfl\u00fcchtlinge. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

2014, als der \u201eIS\u201c den Nord-Irak \u00fcberfiel. In einem der Zelte lebt auch die Familie von Thomas Abdallah Hammou. Thomas war auf der Flucht von seiner Familie getrennt und von den Dschihadisten verschleppt worden. Damals war er acht Jahre alt. Ein Kind. Drei Jahre blieb er in Geiselhaft, lebte in Mosul.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollten nicht, dass wir spielen. Sie mochten es nicht. Ich habe keine Schule besucht, aber sie gaben uns Koran-Unterricht. Jeden Tag.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas musste seinem eigenen, dem jesidischen Glauben abschw\u00f6ren. Weil der \u201eIS\u201c die Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c betrachtet. Und \u201eUngl\u00e4ubige\u201c, so die Auffassung der Terroristen, m\u00fcssen zwangsbekehrt werden. Oder get\u00f6tet. Die Terroristen hatten dementsprechend die Jesiden entweder an Ort und Stelle ermordet, die meisten im Sinjar, im alten Siedlungsgebiet der Jesiden im Nord-Irak. Tausende. 47 Massengr\u00e4ber sollen mittlerweile gefunden worden sein. Oder aber die Terroristen lie\u00dfen die Jesiden am Leben und nahmen sie in Geiselhaft. Sie machten aus ihnen Sexsklavinnen oder sie bildeten sie aus \u2013 zu Selbstmordattent\u00e4tern. Wie Thomas.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie haben uns st\u00e4ndig geschlagen. Wir mussten Schie\u00dfen \u00fcben. Zwei meiner Freunde haben sich in die Luft gesprengt. Sie sind zum Training. Doch sie kamen nicht zur\u00fcck. Ich war nicht traurig. Sie wollten sich ja in die Luft sprengen. Die \u201aIS\u2018-Leute hatten es nicht von ihnen verlangt. Sie sind freiwillig gegangen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas hat heute einen modernen Haarschnitt; der Nacken ist ausrasiert; der lange Pony in die Stirn gek\u00e4mmt. Im Sommer sah er noch anders aus, kurz nachdem Mosul befreit worden war. Bei einem Luftangriff der Anti-\u201eIS\u201c-Koalition wurde Thomas schwer verletzt aus Tr\u00fcmmern geborgen, dann operiert.<\/p>\n\n\n\n

\"ThomasThomas erholt sich von drei Jahren IS-Gefangenschaft. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

Arbeit mit \u201eDschihadisten-Kindern\u201c<\/h2>\n\n\n\n

Die \u00e4u\u00dferen Wunden sind heute verheilt. Doch wie sieht es aus mit den inneren, den seelischen Verletzungen? Thomas wurde von seiner Familie aufgenommen und bekommt Hilfe. Andere Kinder konnten nicht aufgefangen werden. Bis heute betrachten sie Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c \u2013 so wie es ihnen in der Geiselhaft eingeh\u00e4mmert wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie sind eine gro\u00dfe Gefahr f\u00fcr andere Kinder. Sie leben in Lagern, in einem Zelt, auf sechs mal vier Metern, oder noch weniger! Acht Geschwister, sie spielen zusammen, reden, sie indoktrinieren die anderen! Das ist ein Problem, das wir nicht l\u00f6sen k\u00f6nnen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Sara Hassan ist Sozialarbeiterin. Sie arbeitet in den Lagern, versucht M\u00e4dchen und Frauen, die jahrelang in Geiselhaft vergewaltigt wurden, zu helfen. Unz\u00e4hlige hatte der \u201eIS\u201c einst entf\u00fchrt. Sara arbeitet auch mit den sogenannten \u201eDschihadisten-Kindern\u201c. Sie erz\u00e4hlt, wie \u00fcberfordert alle seien: die Familien, die jesidische Gemeinschaft, die Gesellschaft des Nord-Irak.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIn einem anderen Fall hat sich die Familie am Ende an die Sicherheitskr\u00e4fte gewandt. Doch die wussten auch nicht, wie sie damit umgehen sollten. Monate lang hat die Familie versucht, den Jungen umzuerziehen, zusammen mit Sozialarbeitern. Aber noch immer sehen wir den Hass in seinen Augen \u2013 gegen\u00fcber Kurden, Christen und Jesiden. Als blicke man in die Augen eines IS-Terroristen. Das ist das Problem.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Die Jesiden k\u00f6nnen \u00fcber ihre vom \u201eIS\u201c indoktrinierten Kinder sprechen. Denn niemand zweifelt daran, dass sie Opfer der Tyrannei wurden. Bei den sunnitischen Arabern sieht das anders aus. Da sie derselben Religionsgruppe angeh\u00f6ren wie formal auch die Terroristen, stehen sie unter Generalverdacht, mit dem \u201eIS\u201c gemeinsame Sache gemacht zu haben. Sunnitische Araber trauen sich daher nicht, die Probleme ihrer Kinder \u00f6ffentlich zu machen \u2013 auch wenn sie selbst nichts mit dem \u201eIS\u201c zu tun hatten.<\/p>\n\n\n\n

Unklar ist, wie viele Kinder und Jugendliche im Irak und in Syrien zu Terroristen ausgebildet wurden, dabei noch in Geiselhaft sind oder bereits als \u201eSchl\u00e4fer\u201c darauf warten, zum Einsatz zu kommen. Sie gleichen \u201etickenden Zeitbomben\u201c, die jederzeit explodieren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

Minderheiten haben Angst vor \u201eIS\u201c-Nachfolgern<\/h2>\n\n\n\n

Kamaran Palani spricht davon, dass viele Menschen immer noch gehen wollen, obwohl der \u201eIS\u201c als staats\u00e4hnliches Gebilde nicht mehr besteht. Seine Saat aber, so der Politikwissenschaftler, sei aufgegangen.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollen einfach nicht in diesem Land bleiben. Der IS hat sie dazu gebracht. Jeder hat heute Angst, dass eine andere Organisation kommen wird, Terroristen, die dasselbe anrichten wie zuvor.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Palani forscht am \u201eMiddle East Research Institute\u201c, das seinen Sitz in Erbil hat, der Hauptstadt von Irakisch-Kurdistan. <\/p>\n\n\n\n

\u201e60 bis 65 Prozent der Christen wollen gehen. Das Gleiche gilt f\u00fcr andere Minderheiten: f\u00fcr Jesiden, Schabaks, Turkmenen, Kakais.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

\u201eWir werden niemals wieder mit den Arabern zusammenleben k\u00f6nnen!\u201c \u2013 ein Satz, der heute h\u00e4ufig im Nord-Irak zu h\u00f6ren ist. Gemeint sind die Iraker, die Sunniten und Araber sind \u2013 die einstmals Nachbarn von Jesiden, Christen und Kurden waren \u2013 mit denen man Handel trieb und Hochzeiten feierte, die auch Freunde waren.<\/p>\n\n\n\n

Der Irak ist eine multi-ethnische und multi-religi\u00f6se Gesellschaft, in der die Schiiten die Mehrheit stellen. \u00dcber Jahrhunderte aber hatten die sunnitischen Araber das Sagen, sie missbrauchten die Macht, errichteten ein Schreckensregime \u2013 bis 2003, als Diktator Saddam Hussein von den USA gest\u00fcrzt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c entstand aus Widerstand gegen Schiiten-Herrschaft<\/h2>\n\n\n\n

Jetzt wurde der Spie\u00df umgedreht. Die Amerikaner sorgten daf\u00fcr, dass die Sunniten jegliche Machtposition verloren \u2013 so wurde die irakische Armee, wurde die baathistische Partei aufgel\u00f6st \u2013 ohne ein Pendant zu schaffen, das alle integrierte. Und: Washington unterst\u00fctzte Regierungschef Nouri al-Maliki, einen Schiiten. Maliki sah eine historische Chance gekommen, diskriminierte nun seinerseits seine sunnitischen Landsleute, verwehrte ihnen im \u201eNeuen Irak\u201c die Mitsprache. Im Regime Malikis wurden Sunniten inhaftiert, gefoltert und umgebracht.<\/p>\n\n\n\n

Was viele in den Widerstand trieb. Einige schlossen sich der Terror-Organisation \u201eAl-Qaida\u201c an, unter ihnen f\u00fchrende Milit\u00e4rs der aufgel\u00f6sten Armee Saddam Husseins \u2013 und aus \u201eAl-Qaida\u201c ging sp\u00e4ter der \u201eIS\u201c hervor.<\/p>\n\n\n\n

Als der \u201eIS\u201c dann im Sommer 2014 fast ohne Gegenwehr weite Landstriche in Syrien und im Irak \u00fcberrannte und seinen \u201eStaat\u201c ausrief, sahen auch gew\u00f6hnliche sunnitische Araber einen Wechsel nahen. Viele machten gemeinsame Sache mit den Terroristen, verhinderten die Flucht jesidischer Nachbarn, lieferten sie ihren Schl\u00e4chtern aus. Kamaran Palani:<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c-K\u00e4mpfer haben gesagt, es gehe darum, die W\u00fcrde der sunnitischen Araber wiederherzustellen. Ihre Macht. Ihre Geschichte. Tats\u00e4chlich konnten es die Araber nicht hinnehmen, dass sie ins Abseits gedr\u00e4ngt wurden. Und ich denke, dass sie auch in Zukunft so handeln werden. Wann immer sich die Gelegenheit bietet: Sie werden alles hinter sich lassen \u2013 sich nur darauf konzentrieren.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Misstrauen. Auch bei einem Politikwissenschaftler. Was also tun? Zerst\u00f6rte St\u00e4dte und D\u00f6rfer k\u00f6nnten wieder aufgebaut werden \u2013 wenn denn ein gemeinsamer Wille best\u00fcnde. Doch was, wenn es einen solchen gemeinsamen Willen gar nicht gibt? Wenn Schmerz und Trauer anhalten, wenn die Verbrechen von Terroristen und Helfershelfern nicht geahndet werden, wenn Angst umgeht, Misstrauen und Hass das Miteinander bestimmen.<\/p>\n\n\n\n

\"SyrischeSoldaten in der irakischen Stadt Sindschar nach der R\u00fcckeroberung von der IS-Miliz Ende 2015. (dpa \/ MAXPPP \/ Arnaud Dumontier)<\/p>\n\n\n\n

Kamaran Palani stammt aus der Stadt Makhmour. Drei Tage nur sei der \u201eIS\u201c dort gewesen, sagt er, doch diese Tage h\u00e4tten alles ver\u00e4ndert. Der \u201eIS\u201c habe die Menschen in seiner Heimatstadt verrohen lassen, meint er, das Verh\u00e4ltnis zwischen Kurden und Arabern sei heute tot. Eine R\u00fcckkehr in alte Zeiten h\u00e4lt Palani f\u00fcr falsch.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch denke, es w\u00e4re nicht einfach, in das Jahr 2014 \u2013 also in die Zeit vor dem \u201aIS\u2018 \u2013 zur\u00fcckzukehren. Vor allem aber w\u00e4re es nicht die richtige Politik. Denn eben die hat ja erst zum Aufkommen, zur Existenz des \u201aIS\u2018 gef\u00fchrt.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n


Wie also in Ruinen Neues schaffen? Der Staat muss das Gewaltmonopol zur\u00fcckerlangen, fordert der Politikwissenschaftler. F\u00fcr ihn steht das an erster Stelle. Und dann m\u00fcsse der Staat dringend einen Kurswechsel vornehmen: Er m\u00fcsse integrativ wirken, alle einbinden, auch die Araber, in Sicherheitskr\u00e4fte, Verwaltung und Politik.<\/p>\n\n\n\n

Machtmonopol m\u00fcsste von Milizen zum Staat gehen<\/h2>\n\n\n\n

Die Realit\u00e4t sieht anders aus: Ein Staat Kurdistan, der neue Optionen m\u00f6glich gemacht h\u00e4tte, auch von den Minderheiten gew\u00fcnscht worden war, ist nicht entstanden. Bagdad aber ist fern, der Zentralstaat kaum existent, und wenn, dann ist er schiitisch dominiert. Es sind Milizen, die im Nord-Irak das Geschehen bestimmen, darum rivalisieren, das Machtvakuum zu f\u00fcllen, das durch die Vertreibung des \u201eIS\u201c entstanden ist. Einst im Kampf gegen die Terroristen geeint, sind die Milizen einander heute feind.<\/p>\n\n\n\n

Allen voran die \u201eHashd ash-Shaabi\u201c, schiitisch-irakische Milizen, deren Ausbilder und Kommandeure h\u00e4ufig Iraner sind. Bagdad hat die Haschd als regul\u00e4re Kraft im Kampf gegen den \u201eIS\u201c anerkannt \u2013 obwohl Menschenrechts-Organisationen schwere Vorw\u00fcrfe gegen sie erheben. Fest steht: Die schiitischen Milizen halten D\u00f6rfer besetzt, sind in Mosul f\u00fcr ihr herrisches Auftreten und ihre Willk\u00fcr bekannt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eTats\u00e4chlich sorgen die verschiedenen bewaffneten Gruppen daf\u00fcr, dass die Fl\u00fcchtlinge nicht zur\u00fcckkehren. Und weil sie nicht zur\u00fcckkehren, gibt es auch keinen Wiederaufbau. Die Menschen haben Angst vor den Milizen \u2013 auch davor, dass die einander bek\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die \u201eHashd\u201c m\u00fcssten mithin abziehen. Und mit ihnen die anderen Milizen. Das Machtmonopol m\u00fcsste an den Staat gehen. Doch der Irak ist auch Spielball der Regionalm\u00e4chte: Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien. Sie konkurrieren um Einfluss-Sph\u00e4ren, bedienen sich dabei verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Gruppen im Irak. Deswegen werden die Hashd nicht abziehen. Derzeit sind sie von der iranisch-irakischen Grenze im Osten \u00fcber Bagdad bis hoch zur irakisch-syrischen Grenze im Norden postiert. Einheiten Teherans k\u00f6nnten demnach auf dem Landweg vom Iran bis ans Mittelmeer durchmarschieren.<\/p>\n\n\n\n

Iran und Saudi-Arabien wollen Macht vergr\u00f6\u00dfern<\/h2>\n\n\n\n

Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n

In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n

Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3703,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:24:20","post_date_gmt":"2020-08-13 21:24:20","post_content":"\n

Deutschland str\u00e4ubt sich gegen die R\u00fcckkehr seiner eigenen Staatsb\u00fcrger, die zu IS-Terroristen wurden. Dabei hat die Bundesrepublik den Terror und die Terroristen einst exportiert. Und dies geschah wissentlich, sagt der Islamwissenschaftler Fabian Goldmann.<\/p>\n\n\n\n

Wann haben Sie sich eigentlich zuletzt von deutschen Terroristen distanziert? Zum Beispiel von Robert B.? Der Ex-Bundeswehrsoldat aus Solingen hat mutma\u00dflich bei einem Selbstmordattentat Anfang 2014 50 Menschen mit in den Tod gerissen. <\/p>\n\n\n\n

Oder von Yannik N.? Der junge Freiburger steuerte wahrscheinlich im Jahr 2015 einen mit anderthalb Tonnen Sprengstoff beladenen LKW in eine Menschenmenge und nahm so Dutzenden Personen das Leben.<\/p>\n\n\n\n

Oder von Yamin A.?. Im Sommer 2015 tauchte im Netz ein Video auf, das zeigte, wie der ehemalige Telekom-Azubi aus K\u00f6nigswinter zwei gefesselten Soldaten in den Kopf schoss.
Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Deutsche T\u00e4ter, aber kaum deutsche Opfer<\/h2>\n\n\n\n

Hauptsache nicht bei uns! Dies scheint auch dieser Tage wieder die Maxime zu sein, wenn Politiker und \u00d6ffentlichkeit \u00fcber den Umgang mit deutschen Terroristen diskutieren. Von potenziellen Bedrohungen und Anschlagsgefahren in Deutschland liest man dann. Vom ganz realen Terror, den Deutsche in den vergangenen Jahren \u00fcber die Menschen in Syrien und Irak gebracht haben, h\u00f6rt man hingegen kaum. Ein Terror, der kaum deutsche Opfer aber umso mehr deutsche T\u00e4ter kannte.<\/p>\n\n\n\n

1.050 \u2013 das ist laut Bundesinnenministerium die Anzahl der Dschihadisten, die in den letzten Jahren die Bundesrepublik in Richtung Nahost verlassen hat. Es f\u00e4llt schwer, sich umgekehrtes Szenario \u00fcberhaupt auszumalen. Was w\u00e4re wohl los, h\u00e4tte es nur ein Bruchteil arabischer Terroristen geschafft, bei uns Anschl\u00e4ge zu begehen? Europas \u201eMuslim Bann\u201c? \u00dcberwachungsstaat auf NSA-Niveau?<\/p>\n\n\n\n

Die CSU st\u00fcnde wom\u00f6glich am linken Ende des politischen Spektrums, und auf Twitter w\u00fcrde Trump deutsche Migrationspolitiker zur M\u00e4\u00dfigung aufrufen. Der deutsche Terror in Nahost kommt hingegen seit Jahren ganz ohne Sondersendungen, politische Debatten und Distanzierungsforderungen aus. <\/p>\n\n\n\n

Deutsche K\u00e4mpfer waren nicht nur willenloses Kanonenfutter<\/h2>\n\n\n\n

An fehlendem Wissen liegt das nicht. Von ganzen Einheiten des IS, in denen kein einziger K\u00e4mpfer Arabisch spreche, berichten syrische, irakische und kurdische Soldaten schon seit Jahren. Von Aleppo \u00fcber Raqqa bis Mossul haben Aktivisten und Politiker immer wieder darauf hingewiesen, dass viele der schlimmsten M\u00f6rder in den Reihen des IS Europ\u00e4er sind. Interessiert hat das hier kaum jemand.<\/p>\n\n\n\n

Dabei dienten Deutsche dem Islamischen Staats nicht nur als willenloses Kanonenfutter, wie es oft dargestellt wird. Viele haben seinen Terror mitgepr\u00e4gt. Wie Martin L., der derzeit in kurdischer Haft sitzt. Der Schwei\u00dfer aus Sachsen-Anhalt soll sich vom Folterknecht bis zum Geheimdienstler mit Kontakten bis in die F\u00fchrungsspitze der Terrororganisation hochgearbeitet haben.<\/p>\n\n\n\n

Oder Reda S., Der Prediger aus Berlin-Charlottenburg soll dem IS in Mossul als Bildungsminister gedient haben. Oder der Berliner Ex-Rapper Denis Cuspert, der zu den wichtigsten Personen in der IS-Medienorganisation Al-Hayat geh\u00f6rte. Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Beh\u00f6rden wussten gut Bescheid<\/h2>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich entstand der Islamische Staat nicht in deutschen Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen. Zur deutschen Verantwortung geh\u00f6rt aber auch, dass Politiker und Beh\u00f6rden lange wegschauten, solang nur die T\u00e4ter, aber nicht die Opfer Deutsche waren. Beh\u00f6rden wissen und wussten erschreckend gut Bescheid \u00fcber die Radikalisierung deutscher Islamisten. Ein Gro\u00dfteil der sp\u00e4teren IS-K\u00e4mpfer war polizeibekannt, stand auf Gef\u00e4hrderlisten oder hatte wegen islamistischer Straftaten bereits Haftstrafen verb\u00fc\u00dft. An der Ausreise gehindert wurden sie oftmals dennoch nicht. Die Gefahr, die von deutschen Terroristen ausgeht, interessierte Politik und \u00d6ffentlichkeit erst dann wieder, als ihre Einreise drohte.<\/p>\n\n\n\n

\"Fabian
Fabian Goldmann<\/strong> ist Journalist und Islamwissenschaftler. F\u00fcr verschiedene Magazine und Zeitungen berichtete er viele Jahre aus Nahost. Zurzeit widmet er sich vor allem dem Islam diesseits des Bosporus. Auf seinem Blog Schantall und die Scharia<\/a> bloggt er \u00fcber Islamophobie in Deutschland.<\/p>\n","post_title":"Es sind unsere Terroristen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"es-sind-unsere-terroristen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3703","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3700,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:19:36","post_date_gmt":"2020-08-13 21:19:36","post_content":"\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda? Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda t<\/p>\n\n\n\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda tritt an die Stelle der 2010 verabschiedeten Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014 (siehe IP\/10\/1535<\/a>). In der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda f\u00fcr den Zeitraum 2015-2020 skizziert die Europ\u00e4ische Kommission die Strategie der Union zur Bew\u00e4ltigung der Sicherheitsbedrohungen in der EU.<\/p>\n\n\n\n

Die EU und ihre Mitgliedstaaten sind mit betr\u00e4chtlichen Sicherheitsproblemen konfrontiert. Terrorismus, organisierte Kriminalit\u00e4t und Cyberkriminalit\u00e4t stellen eine zunehmende Gefahr f\u00fcr die europ\u00e4ische Gesellschaft dar, wobei sich Art und Ausma\u00df dieser Gefahr ver\u00e4ndert hat. Europa ist mit den Auswirkungen der politischen Instabilit\u00e4t in seiner unmittelbaren Nachbarschaft konfrontiert, die die Sicherheitsinteressen der EU gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n

Im Zuge der Krisen und Konflikte in Syrien, Irak und Libyen haben sich europ\u00e4ische B\u00fcrger terroristischen Gruppen angeschlossen, die bei ihrer R\u00fcckkehr eine erhebliche Bedrohung darstellen k\u00f6nnen. Die j\u00fcngsten terroristischen Anschl\u00e4ge in Europa zeugen von der zunehmenden Bedrohung durch einen gewaltt\u00e4tigen Extremismus und zeigen, in welchem Ausma\u00df weltweite Konflikte zur Radikalisierung der europ\u00e4ischen B\u00fcrger beitragen.<\/p>\n\n\n\n

Das Online-Umfeld hat sich zunehmend als Ziel f\u00fcr Kriminelle und Terroristen entwickelt. Unabh\u00e4ngig davon, ob es um die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und die Anwerbung von Menschen f\u00fcr terroristische Organisationen geht oder die Verbreitung von Hass oder einen Angriff auf die europ\u00e4ischen Werte und Institutionen, fest steht, dass wir unsere Reaktion auf diese Bedrohungen unbedingt abstimmen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Welcher Mehrwert entsteht durch die EU im Bereich der inneren Sicherheit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Gew\u00e4hrleistung der inneren Sicherheit f\u00e4llt weiterhin in erster Linie in die Zust\u00e4ndigkeit der Mitgliedstaaten. Allerdings werden die Bedrohungen f\u00fcr Europas B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger immer vielf\u00e4ltiger und betreffen in zunehmendem Ma\u00dfe mehrere Mitgliedstaaten. Einzelne Mitgliedstaaten haben die Verantwortung, die Sicherheit an den Au\u00dfengrenzen zu gew\u00e4hrleisten, sind aber nicht mehr in der Lage, diese Herausforderungen allein zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n

Kriminelle und terroristische Aktivit\u00e4ten machen nicht an den Grenzen der EU halt und beschr\u00e4nken sich auch nicht auf Nachbarregionen. Die innere Sicherheit der EU und die globale Sicherheit sind voneinander abh\u00e4ngig und miteinander verkn\u00fcpft. Die Sicherheit der Union h\u00e4ngt in hohem Ma\u00dfe von der Zusammenarbeit mit ihren internationalen Partnern und ihren Nachbarl\u00e4ndern ab.<\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t und des Terrorismus ist eine gemeinsame europ\u00e4ische Aufgabe. Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda sollte von den Mitgliedstaaten und den EU-Organen gemeinsam als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und gemeinsame Ma\u00dfnahmen der Union genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n

Mit Hilfe der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda werden die Polizei- und Strafverfolgungsdienste in verschiedenen Mitgliedstaaten Daten effektiver austauschen und bei der Bek\u00e4mpfung der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t besser zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Die Mitgliedstaaten k\u00f6nnen auf die Unterst\u00fctzung durch die Agenturen der EU z\u00e4hlen. Insbesondere in folgenden Punkten l\u00e4sst sich mit Hilfe der Sicherheitsagenda ein EU-Mehrwert erzielen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n

A) Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und den EU-Agenturen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1<\/strong>: Das Schengener Informationssystem<\/strong> (SIS) wird von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Abfrage von Ausschreibungen von gesuchten oder vermissten Personen und Gegenst\u00e4nden genutzt. Die Kommission wird an der Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Ausschreibungskategorien arbeiten und sich daf\u00fcr einsetzen, dass das SIS zusammen mit der Interpol-Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD)<\/strong> umfassender genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

\n

Seit jeher lebt die Familie in der iranischen Gro\u00dfstadt Maschhad. Als der Krieg in Syrien ausbrach, erreichte sie ein Konflikt, mit dem sie nicht gerechnet hatten. Im Juli 2015 reiste Alis Vater nach Teheran. Er wollte einen Weg finden, um f\u00fcr seine Familie Aufenthaltspapiere zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Beh\u00f6rden sagten ihm, dass die Rekrutierung f\u00fcr den Krieg in Syrien eine M\u00f6glichkeit darstellen k\u00f6nnte, um Papiere f\u00fcr uns alle zu erhalten. Andernfalls w\u00fcrde man uns sehr bald nach Afghanistan abschieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Mittlerweile k\u00e4mpfen Alis Vater und sein Onkel seit \u00fcber einem Jahr in Syrien. Am Aufenthaltsstatus seiner Familienmitglieder hat sich bis heute allerdings nichts ge\u00e4ndert. F\u00fcr Ali ist klar, dass dies nur eine Falle gewesen ist, um noch mehr Afghanen als Kanonenfutter zu missbrauchen.<\/p>\n\n\n\n

Anfangs gab es Papiere f\u00fcr K\u00e4mpfer-Familien<\/h2>\n\n\n\n

Den Kontakt zu seinem Vater hat der Afghane mittlerweile verloren. W\u00e4hrenddessen schickt ihm sein Onkel, der in Aleppo stationiert ist, hin und wieder Bilder \u00fcber den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ali denkt, dass nur sehr wenige Afghanen der Propaganda der iranischen Regierung glauben und in Syrien f\u00fcr eine \u201egute Sache\u201c k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

Source<\/a><\/p>\n","post_title":"Warum Afghanen in Syrien f\u00fcr Assad k\u00e4mpfen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"warum-afghanen-in-syrien-fur-assad-kampfen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3709","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3706,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:27:40","post_date_gmt":"2020-08-13 21:27:40","post_content":"\n

Kinder, Frauen, Jesiden \u2013 wer \u00fcberlebt hat, berichtet von Folter, Vergewaltigungen und Gehirnw\u00e4sche. Rund drei Jahre dauerte die Schreckensherrschaft der IS-Miliz in Syrien und Irak. Der Wiederaufbau wird l\u00e4nger dauern und mehr umfassen als H\u00e4user.<\/p>\n\n\n\n

Der Fluss Tigris durchzieht die zweitgr\u00f6\u00dfte Stadt des Iraks und teilt Mosul in Ost und West. Das Westufer ist von Zerst\u00f6rung gezeichnet, die Altstadt nicht mehr als eine einzige graue Tr\u00fcmmerlandschaft. Seit den letzten Bombardements im Juli 2017 kann hier niemand mehr wohnen.<\/p>\n\n\n\n

Die Nouri-Moschee, von deren Kanzel Abu Bakr al-Baghdadi im Juli 2014 sein Kalifat ausrief, hatte die IS-Miliz auf ihrem R\u00fcckzug vorsorglich selbst in die Luft gesprengt, um den Gegnern diesen besonderen Triumph zu verwehren.<\/p>\n\n\n\n

\"ImIm Juli 2017 erobert die irakische Armee Mossul zur\u00fcck. Ruinen sind zu sehen. Ein K\u00e4mpfer der IS-Miliz hat sich ergeben. (Imago \/ Carol Guzy)<\/p>\n\n\n\n

Es ist fraglich, ob die Altstadt dem Original getreu wieder aufgebaut werden kann. Bagdad will demn\u00e4chst \u2013 im Rahmen einer gro\u00dfen Wiederaufbau-Konferenz \u2013 bekannt geben, welche Pl\u00e4ne es hat. Derzeit gilt als gro\u00dfer Fortschritt, dass die Tr\u00fcmmerlandschaft in Teilen wieder begehbar ist \u2013 nachdem mit internationaler Hilfe zahllose Sprengs\u00e4tze beseitigt wurden.<\/p>\n\n\n\n

In Ost-Mossul gibt es weniger Zerst\u00f6rungen<\/h2>\n\n\n\n

J\u00fcngste Sch\u00e4tzungen der Vereinten Nationen besagen, dass es noch Jahre dauern wird, bis alle Minen ger\u00e4umt sind. Solange werden die einstigen Bewohner nicht zur\u00fcckkehren k\u00f6nnen. Manche von ihnen haben Gl\u00fcck im Ungl\u00fcck: Sie haben \u00fcberlebt und sind auf der anderen Seite des Tigris untergekommen, im Osten der Stadt. Der war schon im Januar 2017 von den Terroristen befreit worden. Erstaunlich ist: Dieser Teil Mosuls wirkt fast so, als w\u00e4re der \u201eIS\u201c niemals hier gewesen und als h\u00e4tte es keinen Krieg gegeben.<\/p>\n\n\n\n

\"ImIm Osten Mossuls gibt es weniger Zerst\u00f6rungen als im Westteil. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

Die Zerst\u00f6rungen beschr\u00e4nken sich auf strategisch-wichtige Punkte oder Geb\u00e4ude, in denen sich die Terroristen verschanzt hatten: Br\u00fccken, Moscheen, Krankenh\u00e4user. Doch im Basar herrscht fast so etwas wie Normalit\u00e4t. An St\u00e4nden kaufen Menschen ein \u2013 Obst, Gem\u00fcse, Reis und Nudeln, Backwaren. Kinder schlecken ein Eis. Abu Muhammad, ein ehemaliger Physiklehrer, erkl\u00e4rt, warum der Basar so anders ist als erwartet:<\/p>\n\n\n\n

\u201eDas Leben hatte nie aufgeh\u00f6rt in Mosul. Wir haben weitergelebt. Drei Jahre wurden wir vom \u201aIS\u2018 beherrscht, doch die normalen Leute hatten nichts damit zu tun. Daher kam der Alltag schnell zur\u00fcck. Die Soldaten sind gekommen, haben den Basar wieder aufgemacht und das Leben ging weiter.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Im Osten findet sich heute all das wieder, was die Terror-Miliz unterdr\u00fcckt hatte und bei Missachtung grausam ahndete: Musik in Restaurants und Caf\u00e9s; Sim-Karten f\u00fcr Handys; Internet; Fris\u00f6re, die Haare schneiden, B\u00e4rte stutzen oder gar abrasieren. Und doch: Trotz des lebendigen Treibens wirken Angst und Schrecken nach. Abu Muhammad, fr\u00fch ergraut, erinnert sich:<\/p>\n\n\n\n

\u201eWir haben uns gef\u00fchlt wie zwischen Leben und Tod. Irgendwo dazwischen. Sie haben vom \u201aIS\u2018 geh\u00f6rt; wir haben ihn erlebt: Wir haben erlebt, wie sie mordeten, wie sie Leute aufh\u00e4ngten, wir haben den Krieg erlebt. Wir haben alles gesehen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Mohammed stammt aus dem zerst\u00f6rten Westen der Stadt. Er wohnt heute im Osten. Verwandte haben ihn und seine Familie aufgenommen. So wie ihm ergeht es auch anderen Vertriebenen. Sie leben bei Verwandten und Freunden. Oder in einem der vielen Lager. 700.000 Menschen haben ihr Zuhause verloren \u2013 eine Zahl, die f\u00fcr West-Mosul gilt. Insgesamt gehen die Vereinten Nationen von fast sechs Millionen Menschen aus, die im Irak vor dem \u201aIS\u2018 geflohen sind \u2013 die H\u00e4lfte von ihnen bis heute fern von ihrem Zuhause.<\/p>\n\n\n\n

Binnenfl\u00fcchtlinge im Lager Khabartu<\/h2>\n\n\n\n

Zelte soweit das Auge reicht. Abertausende. Inmitten von Steppe. Das Leben der Menschen ist hart. Sie darben, frieren und verdorren \u2013 wenn im Winter der kalte Wind durch die Steppe fegt und im Sommer die Sonne niederbrennt. Doch sie harren aus, haben wenig Hoffnung auf baldige R\u00fcckkehr. Die meisten kamen 2014 \u2013 hierher, ins Lager Khabartu in Irakisch-Kurdistan.<\/p>\n\n\n\n

\"DasDas Lager Khabartu f\u00fcr irakische Binnenfl\u00fcchtlinge. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

2014, als der \u201eIS\u201c den Nord-Irak \u00fcberfiel. In einem der Zelte lebt auch die Familie von Thomas Abdallah Hammou. Thomas war auf der Flucht von seiner Familie getrennt und von den Dschihadisten verschleppt worden. Damals war er acht Jahre alt. Ein Kind. Drei Jahre blieb er in Geiselhaft, lebte in Mosul.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollten nicht, dass wir spielen. Sie mochten es nicht. Ich habe keine Schule besucht, aber sie gaben uns Koran-Unterricht. Jeden Tag.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas musste seinem eigenen, dem jesidischen Glauben abschw\u00f6ren. Weil der \u201eIS\u201c die Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c betrachtet. Und \u201eUngl\u00e4ubige\u201c, so die Auffassung der Terroristen, m\u00fcssen zwangsbekehrt werden. Oder get\u00f6tet. Die Terroristen hatten dementsprechend die Jesiden entweder an Ort und Stelle ermordet, die meisten im Sinjar, im alten Siedlungsgebiet der Jesiden im Nord-Irak. Tausende. 47 Massengr\u00e4ber sollen mittlerweile gefunden worden sein. Oder aber die Terroristen lie\u00dfen die Jesiden am Leben und nahmen sie in Geiselhaft. Sie machten aus ihnen Sexsklavinnen oder sie bildeten sie aus \u2013 zu Selbstmordattent\u00e4tern. Wie Thomas.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie haben uns st\u00e4ndig geschlagen. Wir mussten Schie\u00dfen \u00fcben. Zwei meiner Freunde haben sich in die Luft gesprengt. Sie sind zum Training. Doch sie kamen nicht zur\u00fcck. Ich war nicht traurig. Sie wollten sich ja in die Luft sprengen. Die \u201aIS\u2018-Leute hatten es nicht von ihnen verlangt. Sie sind freiwillig gegangen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas hat heute einen modernen Haarschnitt; der Nacken ist ausrasiert; der lange Pony in die Stirn gek\u00e4mmt. Im Sommer sah er noch anders aus, kurz nachdem Mosul befreit worden war. Bei einem Luftangriff der Anti-\u201eIS\u201c-Koalition wurde Thomas schwer verletzt aus Tr\u00fcmmern geborgen, dann operiert.<\/p>\n\n\n\n

\"ThomasThomas erholt sich von drei Jahren IS-Gefangenschaft. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

Arbeit mit \u201eDschihadisten-Kindern\u201c<\/h2>\n\n\n\n

Die \u00e4u\u00dferen Wunden sind heute verheilt. Doch wie sieht es aus mit den inneren, den seelischen Verletzungen? Thomas wurde von seiner Familie aufgenommen und bekommt Hilfe. Andere Kinder konnten nicht aufgefangen werden. Bis heute betrachten sie Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c \u2013 so wie es ihnen in der Geiselhaft eingeh\u00e4mmert wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie sind eine gro\u00dfe Gefahr f\u00fcr andere Kinder. Sie leben in Lagern, in einem Zelt, auf sechs mal vier Metern, oder noch weniger! Acht Geschwister, sie spielen zusammen, reden, sie indoktrinieren die anderen! Das ist ein Problem, das wir nicht l\u00f6sen k\u00f6nnen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Sara Hassan ist Sozialarbeiterin. Sie arbeitet in den Lagern, versucht M\u00e4dchen und Frauen, die jahrelang in Geiselhaft vergewaltigt wurden, zu helfen. Unz\u00e4hlige hatte der \u201eIS\u201c einst entf\u00fchrt. Sara arbeitet auch mit den sogenannten \u201eDschihadisten-Kindern\u201c. Sie erz\u00e4hlt, wie \u00fcberfordert alle seien: die Familien, die jesidische Gemeinschaft, die Gesellschaft des Nord-Irak.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIn einem anderen Fall hat sich die Familie am Ende an die Sicherheitskr\u00e4fte gewandt. Doch die wussten auch nicht, wie sie damit umgehen sollten. Monate lang hat die Familie versucht, den Jungen umzuerziehen, zusammen mit Sozialarbeitern. Aber noch immer sehen wir den Hass in seinen Augen \u2013 gegen\u00fcber Kurden, Christen und Jesiden. Als blicke man in die Augen eines IS-Terroristen. Das ist das Problem.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Die Jesiden k\u00f6nnen \u00fcber ihre vom \u201eIS\u201c indoktrinierten Kinder sprechen. Denn niemand zweifelt daran, dass sie Opfer der Tyrannei wurden. Bei den sunnitischen Arabern sieht das anders aus. Da sie derselben Religionsgruppe angeh\u00f6ren wie formal auch die Terroristen, stehen sie unter Generalverdacht, mit dem \u201eIS\u201c gemeinsame Sache gemacht zu haben. Sunnitische Araber trauen sich daher nicht, die Probleme ihrer Kinder \u00f6ffentlich zu machen \u2013 auch wenn sie selbst nichts mit dem \u201eIS\u201c zu tun hatten.<\/p>\n\n\n\n

Unklar ist, wie viele Kinder und Jugendliche im Irak und in Syrien zu Terroristen ausgebildet wurden, dabei noch in Geiselhaft sind oder bereits als \u201eSchl\u00e4fer\u201c darauf warten, zum Einsatz zu kommen. Sie gleichen \u201etickenden Zeitbomben\u201c, die jederzeit explodieren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

Minderheiten haben Angst vor \u201eIS\u201c-Nachfolgern<\/h2>\n\n\n\n

Kamaran Palani spricht davon, dass viele Menschen immer noch gehen wollen, obwohl der \u201eIS\u201c als staats\u00e4hnliches Gebilde nicht mehr besteht. Seine Saat aber, so der Politikwissenschaftler, sei aufgegangen.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollen einfach nicht in diesem Land bleiben. Der IS hat sie dazu gebracht. Jeder hat heute Angst, dass eine andere Organisation kommen wird, Terroristen, die dasselbe anrichten wie zuvor.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Palani forscht am \u201eMiddle East Research Institute\u201c, das seinen Sitz in Erbil hat, der Hauptstadt von Irakisch-Kurdistan. <\/p>\n\n\n\n

\u201e60 bis 65 Prozent der Christen wollen gehen. Das Gleiche gilt f\u00fcr andere Minderheiten: f\u00fcr Jesiden, Schabaks, Turkmenen, Kakais.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

\u201eWir werden niemals wieder mit den Arabern zusammenleben k\u00f6nnen!\u201c \u2013 ein Satz, der heute h\u00e4ufig im Nord-Irak zu h\u00f6ren ist. Gemeint sind die Iraker, die Sunniten und Araber sind \u2013 die einstmals Nachbarn von Jesiden, Christen und Kurden waren \u2013 mit denen man Handel trieb und Hochzeiten feierte, die auch Freunde waren.<\/p>\n\n\n\n

Der Irak ist eine multi-ethnische und multi-religi\u00f6se Gesellschaft, in der die Schiiten die Mehrheit stellen. \u00dcber Jahrhunderte aber hatten die sunnitischen Araber das Sagen, sie missbrauchten die Macht, errichteten ein Schreckensregime \u2013 bis 2003, als Diktator Saddam Hussein von den USA gest\u00fcrzt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c entstand aus Widerstand gegen Schiiten-Herrschaft<\/h2>\n\n\n\n

Jetzt wurde der Spie\u00df umgedreht. Die Amerikaner sorgten daf\u00fcr, dass die Sunniten jegliche Machtposition verloren \u2013 so wurde die irakische Armee, wurde die baathistische Partei aufgel\u00f6st \u2013 ohne ein Pendant zu schaffen, das alle integrierte. Und: Washington unterst\u00fctzte Regierungschef Nouri al-Maliki, einen Schiiten. Maliki sah eine historische Chance gekommen, diskriminierte nun seinerseits seine sunnitischen Landsleute, verwehrte ihnen im \u201eNeuen Irak\u201c die Mitsprache. Im Regime Malikis wurden Sunniten inhaftiert, gefoltert und umgebracht.<\/p>\n\n\n\n

Was viele in den Widerstand trieb. Einige schlossen sich der Terror-Organisation \u201eAl-Qaida\u201c an, unter ihnen f\u00fchrende Milit\u00e4rs der aufgel\u00f6sten Armee Saddam Husseins \u2013 und aus \u201eAl-Qaida\u201c ging sp\u00e4ter der \u201eIS\u201c hervor.<\/p>\n\n\n\n

Als der \u201eIS\u201c dann im Sommer 2014 fast ohne Gegenwehr weite Landstriche in Syrien und im Irak \u00fcberrannte und seinen \u201eStaat\u201c ausrief, sahen auch gew\u00f6hnliche sunnitische Araber einen Wechsel nahen. Viele machten gemeinsame Sache mit den Terroristen, verhinderten die Flucht jesidischer Nachbarn, lieferten sie ihren Schl\u00e4chtern aus. Kamaran Palani:<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c-K\u00e4mpfer haben gesagt, es gehe darum, die W\u00fcrde der sunnitischen Araber wiederherzustellen. Ihre Macht. Ihre Geschichte. Tats\u00e4chlich konnten es die Araber nicht hinnehmen, dass sie ins Abseits gedr\u00e4ngt wurden. Und ich denke, dass sie auch in Zukunft so handeln werden. Wann immer sich die Gelegenheit bietet: Sie werden alles hinter sich lassen \u2013 sich nur darauf konzentrieren.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Misstrauen. Auch bei einem Politikwissenschaftler. Was also tun? Zerst\u00f6rte St\u00e4dte und D\u00f6rfer k\u00f6nnten wieder aufgebaut werden \u2013 wenn denn ein gemeinsamer Wille best\u00fcnde. Doch was, wenn es einen solchen gemeinsamen Willen gar nicht gibt? Wenn Schmerz und Trauer anhalten, wenn die Verbrechen von Terroristen und Helfershelfern nicht geahndet werden, wenn Angst umgeht, Misstrauen und Hass das Miteinander bestimmen.<\/p>\n\n\n\n

\"SyrischeSoldaten in der irakischen Stadt Sindschar nach der R\u00fcckeroberung von der IS-Miliz Ende 2015. (dpa \/ MAXPPP \/ Arnaud Dumontier)<\/p>\n\n\n\n

Kamaran Palani stammt aus der Stadt Makhmour. Drei Tage nur sei der \u201eIS\u201c dort gewesen, sagt er, doch diese Tage h\u00e4tten alles ver\u00e4ndert. Der \u201eIS\u201c habe die Menschen in seiner Heimatstadt verrohen lassen, meint er, das Verh\u00e4ltnis zwischen Kurden und Arabern sei heute tot. Eine R\u00fcckkehr in alte Zeiten h\u00e4lt Palani f\u00fcr falsch.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch denke, es w\u00e4re nicht einfach, in das Jahr 2014 \u2013 also in die Zeit vor dem \u201aIS\u2018 \u2013 zur\u00fcckzukehren. Vor allem aber w\u00e4re es nicht die richtige Politik. Denn eben die hat ja erst zum Aufkommen, zur Existenz des \u201aIS\u2018 gef\u00fchrt.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n


Wie also in Ruinen Neues schaffen? Der Staat muss das Gewaltmonopol zur\u00fcckerlangen, fordert der Politikwissenschaftler. F\u00fcr ihn steht das an erster Stelle. Und dann m\u00fcsse der Staat dringend einen Kurswechsel vornehmen: Er m\u00fcsse integrativ wirken, alle einbinden, auch die Araber, in Sicherheitskr\u00e4fte, Verwaltung und Politik.<\/p>\n\n\n\n

Machtmonopol m\u00fcsste von Milizen zum Staat gehen<\/h2>\n\n\n\n

Die Realit\u00e4t sieht anders aus: Ein Staat Kurdistan, der neue Optionen m\u00f6glich gemacht h\u00e4tte, auch von den Minderheiten gew\u00fcnscht worden war, ist nicht entstanden. Bagdad aber ist fern, der Zentralstaat kaum existent, und wenn, dann ist er schiitisch dominiert. Es sind Milizen, die im Nord-Irak das Geschehen bestimmen, darum rivalisieren, das Machtvakuum zu f\u00fcllen, das durch die Vertreibung des \u201eIS\u201c entstanden ist. Einst im Kampf gegen die Terroristen geeint, sind die Milizen einander heute feind.<\/p>\n\n\n\n

Allen voran die \u201eHashd ash-Shaabi\u201c, schiitisch-irakische Milizen, deren Ausbilder und Kommandeure h\u00e4ufig Iraner sind. Bagdad hat die Haschd als regul\u00e4re Kraft im Kampf gegen den \u201eIS\u201c anerkannt \u2013 obwohl Menschenrechts-Organisationen schwere Vorw\u00fcrfe gegen sie erheben. Fest steht: Die schiitischen Milizen halten D\u00f6rfer besetzt, sind in Mosul f\u00fcr ihr herrisches Auftreten und ihre Willk\u00fcr bekannt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eTats\u00e4chlich sorgen die verschiedenen bewaffneten Gruppen daf\u00fcr, dass die Fl\u00fcchtlinge nicht zur\u00fcckkehren. Und weil sie nicht zur\u00fcckkehren, gibt es auch keinen Wiederaufbau. Die Menschen haben Angst vor den Milizen \u2013 auch davor, dass die einander bek\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die \u201eHashd\u201c m\u00fcssten mithin abziehen. Und mit ihnen die anderen Milizen. Das Machtmonopol m\u00fcsste an den Staat gehen. Doch der Irak ist auch Spielball der Regionalm\u00e4chte: Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien. Sie konkurrieren um Einfluss-Sph\u00e4ren, bedienen sich dabei verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Gruppen im Irak. Deswegen werden die Hashd nicht abziehen. Derzeit sind sie von der iranisch-irakischen Grenze im Osten \u00fcber Bagdad bis hoch zur irakisch-syrischen Grenze im Norden postiert. Einheiten Teherans k\u00f6nnten demnach auf dem Landweg vom Iran bis ans Mittelmeer durchmarschieren.<\/p>\n\n\n\n

Iran und Saudi-Arabien wollen Macht vergr\u00f6\u00dfern<\/h2>\n\n\n\n

Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n

In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n

Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3703,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:24:20","post_date_gmt":"2020-08-13 21:24:20","post_content":"\n

Deutschland str\u00e4ubt sich gegen die R\u00fcckkehr seiner eigenen Staatsb\u00fcrger, die zu IS-Terroristen wurden. Dabei hat die Bundesrepublik den Terror und die Terroristen einst exportiert. Und dies geschah wissentlich, sagt der Islamwissenschaftler Fabian Goldmann.<\/p>\n\n\n\n

Wann haben Sie sich eigentlich zuletzt von deutschen Terroristen distanziert? Zum Beispiel von Robert B.? Der Ex-Bundeswehrsoldat aus Solingen hat mutma\u00dflich bei einem Selbstmordattentat Anfang 2014 50 Menschen mit in den Tod gerissen. <\/p>\n\n\n\n

Oder von Yannik N.? Der junge Freiburger steuerte wahrscheinlich im Jahr 2015 einen mit anderthalb Tonnen Sprengstoff beladenen LKW in eine Menschenmenge und nahm so Dutzenden Personen das Leben.<\/p>\n\n\n\n

Oder von Yamin A.?. Im Sommer 2015 tauchte im Netz ein Video auf, das zeigte, wie der ehemalige Telekom-Azubi aus K\u00f6nigswinter zwei gefesselten Soldaten in den Kopf schoss.
Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Deutsche T\u00e4ter, aber kaum deutsche Opfer<\/h2>\n\n\n\n

Hauptsache nicht bei uns! Dies scheint auch dieser Tage wieder die Maxime zu sein, wenn Politiker und \u00d6ffentlichkeit \u00fcber den Umgang mit deutschen Terroristen diskutieren. Von potenziellen Bedrohungen und Anschlagsgefahren in Deutschland liest man dann. Vom ganz realen Terror, den Deutsche in den vergangenen Jahren \u00fcber die Menschen in Syrien und Irak gebracht haben, h\u00f6rt man hingegen kaum. Ein Terror, der kaum deutsche Opfer aber umso mehr deutsche T\u00e4ter kannte.<\/p>\n\n\n\n

1.050 \u2013 das ist laut Bundesinnenministerium die Anzahl der Dschihadisten, die in den letzten Jahren die Bundesrepublik in Richtung Nahost verlassen hat. Es f\u00e4llt schwer, sich umgekehrtes Szenario \u00fcberhaupt auszumalen. Was w\u00e4re wohl los, h\u00e4tte es nur ein Bruchteil arabischer Terroristen geschafft, bei uns Anschl\u00e4ge zu begehen? Europas \u201eMuslim Bann\u201c? \u00dcberwachungsstaat auf NSA-Niveau?<\/p>\n\n\n\n

Die CSU st\u00fcnde wom\u00f6glich am linken Ende des politischen Spektrums, und auf Twitter w\u00fcrde Trump deutsche Migrationspolitiker zur M\u00e4\u00dfigung aufrufen. Der deutsche Terror in Nahost kommt hingegen seit Jahren ganz ohne Sondersendungen, politische Debatten und Distanzierungsforderungen aus. <\/p>\n\n\n\n

Deutsche K\u00e4mpfer waren nicht nur willenloses Kanonenfutter<\/h2>\n\n\n\n

An fehlendem Wissen liegt das nicht. Von ganzen Einheiten des IS, in denen kein einziger K\u00e4mpfer Arabisch spreche, berichten syrische, irakische und kurdische Soldaten schon seit Jahren. Von Aleppo \u00fcber Raqqa bis Mossul haben Aktivisten und Politiker immer wieder darauf hingewiesen, dass viele der schlimmsten M\u00f6rder in den Reihen des IS Europ\u00e4er sind. Interessiert hat das hier kaum jemand.<\/p>\n\n\n\n

Dabei dienten Deutsche dem Islamischen Staats nicht nur als willenloses Kanonenfutter, wie es oft dargestellt wird. Viele haben seinen Terror mitgepr\u00e4gt. Wie Martin L., der derzeit in kurdischer Haft sitzt. Der Schwei\u00dfer aus Sachsen-Anhalt soll sich vom Folterknecht bis zum Geheimdienstler mit Kontakten bis in die F\u00fchrungsspitze der Terrororganisation hochgearbeitet haben.<\/p>\n\n\n\n

Oder Reda S., Der Prediger aus Berlin-Charlottenburg soll dem IS in Mossul als Bildungsminister gedient haben. Oder der Berliner Ex-Rapper Denis Cuspert, der zu den wichtigsten Personen in der IS-Medienorganisation Al-Hayat geh\u00f6rte. Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Beh\u00f6rden wussten gut Bescheid<\/h2>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich entstand der Islamische Staat nicht in deutschen Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen. Zur deutschen Verantwortung geh\u00f6rt aber auch, dass Politiker und Beh\u00f6rden lange wegschauten, solang nur die T\u00e4ter, aber nicht die Opfer Deutsche waren. Beh\u00f6rden wissen und wussten erschreckend gut Bescheid \u00fcber die Radikalisierung deutscher Islamisten. Ein Gro\u00dfteil der sp\u00e4teren IS-K\u00e4mpfer war polizeibekannt, stand auf Gef\u00e4hrderlisten oder hatte wegen islamistischer Straftaten bereits Haftstrafen verb\u00fc\u00dft. An der Ausreise gehindert wurden sie oftmals dennoch nicht. Die Gefahr, die von deutschen Terroristen ausgeht, interessierte Politik und \u00d6ffentlichkeit erst dann wieder, als ihre Einreise drohte.<\/p>\n\n\n\n

\"Fabian
Fabian Goldmann<\/strong> ist Journalist und Islamwissenschaftler. F\u00fcr verschiedene Magazine und Zeitungen berichtete er viele Jahre aus Nahost. Zurzeit widmet er sich vor allem dem Islam diesseits des Bosporus. Auf seinem Blog Schantall und die Scharia<\/a> bloggt er \u00fcber Islamophobie in Deutschland.<\/p>\n","post_title":"Es sind unsere Terroristen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"es-sind-unsere-terroristen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3703","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3700,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:19:36","post_date_gmt":"2020-08-13 21:19:36","post_content":"\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda? Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda t<\/p>\n\n\n\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda tritt an die Stelle der 2010 verabschiedeten Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014 (siehe IP\/10\/1535<\/a>). In der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda f\u00fcr den Zeitraum 2015-2020 skizziert die Europ\u00e4ische Kommission die Strategie der Union zur Bew\u00e4ltigung der Sicherheitsbedrohungen in der EU.<\/p>\n\n\n\n

Die EU und ihre Mitgliedstaaten sind mit betr\u00e4chtlichen Sicherheitsproblemen konfrontiert. Terrorismus, organisierte Kriminalit\u00e4t und Cyberkriminalit\u00e4t stellen eine zunehmende Gefahr f\u00fcr die europ\u00e4ische Gesellschaft dar, wobei sich Art und Ausma\u00df dieser Gefahr ver\u00e4ndert hat. Europa ist mit den Auswirkungen der politischen Instabilit\u00e4t in seiner unmittelbaren Nachbarschaft konfrontiert, die die Sicherheitsinteressen der EU gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n

Im Zuge der Krisen und Konflikte in Syrien, Irak und Libyen haben sich europ\u00e4ische B\u00fcrger terroristischen Gruppen angeschlossen, die bei ihrer R\u00fcckkehr eine erhebliche Bedrohung darstellen k\u00f6nnen. Die j\u00fcngsten terroristischen Anschl\u00e4ge in Europa zeugen von der zunehmenden Bedrohung durch einen gewaltt\u00e4tigen Extremismus und zeigen, in welchem Ausma\u00df weltweite Konflikte zur Radikalisierung der europ\u00e4ischen B\u00fcrger beitragen.<\/p>\n\n\n\n

Das Online-Umfeld hat sich zunehmend als Ziel f\u00fcr Kriminelle und Terroristen entwickelt. Unabh\u00e4ngig davon, ob es um die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und die Anwerbung von Menschen f\u00fcr terroristische Organisationen geht oder die Verbreitung von Hass oder einen Angriff auf die europ\u00e4ischen Werte und Institutionen, fest steht, dass wir unsere Reaktion auf diese Bedrohungen unbedingt abstimmen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Welcher Mehrwert entsteht durch die EU im Bereich der inneren Sicherheit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Gew\u00e4hrleistung der inneren Sicherheit f\u00e4llt weiterhin in erster Linie in die Zust\u00e4ndigkeit der Mitgliedstaaten. Allerdings werden die Bedrohungen f\u00fcr Europas B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger immer vielf\u00e4ltiger und betreffen in zunehmendem Ma\u00dfe mehrere Mitgliedstaaten. Einzelne Mitgliedstaaten haben die Verantwortung, die Sicherheit an den Au\u00dfengrenzen zu gew\u00e4hrleisten, sind aber nicht mehr in der Lage, diese Herausforderungen allein zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n

Kriminelle und terroristische Aktivit\u00e4ten machen nicht an den Grenzen der EU halt und beschr\u00e4nken sich auch nicht auf Nachbarregionen. Die innere Sicherheit der EU und die globale Sicherheit sind voneinander abh\u00e4ngig und miteinander verkn\u00fcpft. Die Sicherheit der Union h\u00e4ngt in hohem Ma\u00dfe von der Zusammenarbeit mit ihren internationalen Partnern und ihren Nachbarl\u00e4ndern ab.<\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t und des Terrorismus ist eine gemeinsame europ\u00e4ische Aufgabe. Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda sollte von den Mitgliedstaaten und den EU-Organen gemeinsam als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und gemeinsame Ma\u00dfnahmen der Union genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n

Mit Hilfe der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda werden die Polizei- und Strafverfolgungsdienste in verschiedenen Mitgliedstaaten Daten effektiver austauschen und bei der Bek\u00e4mpfung der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t besser zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Die Mitgliedstaaten k\u00f6nnen auf die Unterst\u00fctzung durch die Agenturen der EU z\u00e4hlen. Insbesondere in folgenden Punkten l\u00e4sst sich mit Hilfe der Sicherheitsagenda ein EU-Mehrwert erzielen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n

A) Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und den EU-Agenturen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1<\/strong>: Das Schengener Informationssystem<\/strong> (SIS) wird von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Abfrage von Ausschreibungen von gesuchten oder vermissten Personen und Gegenst\u00e4nden genutzt. Die Kommission wird an der Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Ausschreibungskategorien arbeiten und sich daf\u00fcr einsetzen, dass das SIS zusammen mit der Interpol-Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD)<\/strong> umfassender genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Alis Familie, ebenfalls Angeh\u00f6rige der Hazara-Minderheit, stammt urspr\u00fcnglich aus der Provinz Ghor im Nordosten Afghanistans. Ihre Heimat verlie\u00dfen sie w\u00e4hrend der sowjetischen Besatzung in den 1980er-Jahren.<\/p>\n\n\n\n

Seit jeher lebt die Familie in der iranischen Gro\u00dfstadt Maschhad. Als der Krieg in Syrien ausbrach, erreichte sie ein Konflikt, mit dem sie nicht gerechnet hatten. Im Juli 2015 reiste Alis Vater nach Teheran. Er wollte einen Weg finden, um f\u00fcr seine Familie Aufenthaltspapiere zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Beh\u00f6rden sagten ihm, dass die Rekrutierung f\u00fcr den Krieg in Syrien eine M\u00f6glichkeit darstellen k\u00f6nnte, um Papiere f\u00fcr uns alle zu erhalten. Andernfalls w\u00fcrde man uns sehr bald nach Afghanistan abschieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Mittlerweile k\u00e4mpfen Alis Vater und sein Onkel seit \u00fcber einem Jahr in Syrien. Am Aufenthaltsstatus seiner Familienmitglieder hat sich bis heute allerdings nichts ge\u00e4ndert. F\u00fcr Ali ist klar, dass dies nur eine Falle gewesen ist, um noch mehr Afghanen als Kanonenfutter zu missbrauchen.<\/p>\n\n\n\n

Anfangs gab es Papiere f\u00fcr K\u00e4mpfer-Familien<\/h2>\n\n\n\n

Den Kontakt zu seinem Vater hat der Afghane mittlerweile verloren. W\u00e4hrenddessen schickt ihm sein Onkel, der in Aleppo stationiert ist, hin und wieder Bilder \u00fcber den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ali denkt, dass nur sehr wenige Afghanen der Propaganda der iranischen Regierung glauben und in Syrien f\u00fcr eine \u201egute Sache\u201c k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

Source<\/a><\/p>\n","post_title":"Warum Afghanen in Syrien f\u00fcr Assad k\u00e4mpfen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"warum-afghanen-in-syrien-fur-assad-kampfen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3709","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3706,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:27:40","post_date_gmt":"2020-08-13 21:27:40","post_content":"\n

Kinder, Frauen, Jesiden \u2013 wer \u00fcberlebt hat, berichtet von Folter, Vergewaltigungen und Gehirnw\u00e4sche. Rund drei Jahre dauerte die Schreckensherrschaft der IS-Miliz in Syrien und Irak. Der Wiederaufbau wird l\u00e4nger dauern und mehr umfassen als H\u00e4user.<\/p>\n\n\n\n

Der Fluss Tigris durchzieht die zweitgr\u00f6\u00dfte Stadt des Iraks und teilt Mosul in Ost und West. Das Westufer ist von Zerst\u00f6rung gezeichnet, die Altstadt nicht mehr als eine einzige graue Tr\u00fcmmerlandschaft. Seit den letzten Bombardements im Juli 2017 kann hier niemand mehr wohnen.<\/p>\n\n\n\n

Die Nouri-Moschee, von deren Kanzel Abu Bakr al-Baghdadi im Juli 2014 sein Kalifat ausrief, hatte die IS-Miliz auf ihrem R\u00fcckzug vorsorglich selbst in die Luft gesprengt, um den Gegnern diesen besonderen Triumph zu verwehren.<\/p>\n\n\n\n

\"ImIm Juli 2017 erobert die irakische Armee Mossul zur\u00fcck. Ruinen sind zu sehen. Ein K\u00e4mpfer der IS-Miliz hat sich ergeben. (Imago \/ Carol Guzy)<\/p>\n\n\n\n

Es ist fraglich, ob die Altstadt dem Original getreu wieder aufgebaut werden kann. Bagdad will demn\u00e4chst \u2013 im Rahmen einer gro\u00dfen Wiederaufbau-Konferenz \u2013 bekannt geben, welche Pl\u00e4ne es hat. Derzeit gilt als gro\u00dfer Fortschritt, dass die Tr\u00fcmmerlandschaft in Teilen wieder begehbar ist \u2013 nachdem mit internationaler Hilfe zahllose Sprengs\u00e4tze beseitigt wurden.<\/p>\n\n\n\n

In Ost-Mossul gibt es weniger Zerst\u00f6rungen<\/h2>\n\n\n\n

J\u00fcngste Sch\u00e4tzungen der Vereinten Nationen besagen, dass es noch Jahre dauern wird, bis alle Minen ger\u00e4umt sind. Solange werden die einstigen Bewohner nicht zur\u00fcckkehren k\u00f6nnen. Manche von ihnen haben Gl\u00fcck im Ungl\u00fcck: Sie haben \u00fcberlebt und sind auf der anderen Seite des Tigris untergekommen, im Osten der Stadt. Der war schon im Januar 2017 von den Terroristen befreit worden. Erstaunlich ist: Dieser Teil Mosuls wirkt fast so, als w\u00e4re der \u201eIS\u201c niemals hier gewesen und als h\u00e4tte es keinen Krieg gegeben.<\/p>\n\n\n\n

\"ImIm Osten Mossuls gibt es weniger Zerst\u00f6rungen als im Westteil. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

Die Zerst\u00f6rungen beschr\u00e4nken sich auf strategisch-wichtige Punkte oder Geb\u00e4ude, in denen sich die Terroristen verschanzt hatten: Br\u00fccken, Moscheen, Krankenh\u00e4user. Doch im Basar herrscht fast so etwas wie Normalit\u00e4t. An St\u00e4nden kaufen Menschen ein \u2013 Obst, Gem\u00fcse, Reis und Nudeln, Backwaren. Kinder schlecken ein Eis. Abu Muhammad, ein ehemaliger Physiklehrer, erkl\u00e4rt, warum der Basar so anders ist als erwartet:<\/p>\n\n\n\n

\u201eDas Leben hatte nie aufgeh\u00f6rt in Mosul. Wir haben weitergelebt. Drei Jahre wurden wir vom \u201aIS\u2018 beherrscht, doch die normalen Leute hatten nichts damit zu tun. Daher kam der Alltag schnell zur\u00fcck. Die Soldaten sind gekommen, haben den Basar wieder aufgemacht und das Leben ging weiter.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Im Osten findet sich heute all das wieder, was die Terror-Miliz unterdr\u00fcckt hatte und bei Missachtung grausam ahndete: Musik in Restaurants und Caf\u00e9s; Sim-Karten f\u00fcr Handys; Internet; Fris\u00f6re, die Haare schneiden, B\u00e4rte stutzen oder gar abrasieren. Und doch: Trotz des lebendigen Treibens wirken Angst und Schrecken nach. Abu Muhammad, fr\u00fch ergraut, erinnert sich:<\/p>\n\n\n\n

\u201eWir haben uns gef\u00fchlt wie zwischen Leben und Tod. Irgendwo dazwischen. Sie haben vom \u201aIS\u2018 geh\u00f6rt; wir haben ihn erlebt: Wir haben erlebt, wie sie mordeten, wie sie Leute aufh\u00e4ngten, wir haben den Krieg erlebt. Wir haben alles gesehen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Mohammed stammt aus dem zerst\u00f6rten Westen der Stadt. Er wohnt heute im Osten. Verwandte haben ihn und seine Familie aufgenommen. So wie ihm ergeht es auch anderen Vertriebenen. Sie leben bei Verwandten und Freunden. Oder in einem der vielen Lager. 700.000 Menschen haben ihr Zuhause verloren \u2013 eine Zahl, die f\u00fcr West-Mosul gilt. Insgesamt gehen die Vereinten Nationen von fast sechs Millionen Menschen aus, die im Irak vor dem \u201aIS\u2018 geflohen sind \u2013 die H\u00e4lfte von ihnen bis heute fern von ihrem Zuhause.<\/p>\n\n\n\n

Binnenfl\u00fcchtlinge im Lager Khabartu<\/h2>\n\n\n\n

Zelte soweit das Auge reicht. Abertausende. Inmitten von Steppe. Das Leben der Menschen ist hart. Sie darben, frieren und verdorren \u2013 wenn im Winter der kalte Wind durch die Steppe fegt und im Sommer die Sonne niederbrennt. Doch sie harren aus, haben wenig Hoffnung auf baldige R\u00fcckkehr. Die meisten kamen 2014 \u2013 hierher, ins Lager Khabartu in Irakisch-Kurdistan.<\/p>\n\n\n\n

\"DasDas Lager Khabartu f\u00fcr irakische Binnenfl\u00fcchtlinge. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

2014, als der \u201eIS\u201c den Nord-Irak \u00fcberfiel. In einem der Zelte lebt auch die Familie von Thomas Abdallah Hammou. Thomas war auf der Flucht von seiner Familie getrennt und von den Dschihadisten verschleppt worden. Damals war er acht Jahre alt. Ein Kind. Drei Jahre blieb er in Geiselhaft, lebte in Mosul.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollten nicht, dass wir spielen. Sie mochten es nicht. Ich habe keine Schule besucht, aber sie gaben uns Koran-Unterricht. Jeden Tag.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas musste seinem eigenen, dem jesidischen Glauben abschw\u00f6ren. Weil der \u201eIS\u201c die Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c betrachtet. Und \u201eUngl\u00e4ubige\u201c, so die Auffassung der Terroristen, m\u00fcssen zwangsbekehrt werden. Oder get\u00f6tet. Die Terroristen hatten dementsprechend die Jesiden entweder an Ort und Stelle ermordet, die meisten im Sinjar, im alten Siedlungsgebiet der Jesiden im Nord-Irak. Tausende. 47 Massengr\u00e4ber sollen mittlerweile gefunden worden sein. Oder aber die Terroristen lie\u00dfen die Jesiden am Leben und nahmen sie in Geiselhaft. Sie machten aus ihnen Sexsklavinnen oder sie bildeten sie aus \u2013 zu Selbstmordattent\u00e4tern. Wie Thomas.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie haben uns st\u00e4ndig geschlagen. Wir mussten Schie\u00dfen \u00fcben. Zwei meiner Freunde haben sich in die Luft gesprengt. Sie sind zum Training. Doch sie kamen nicht zur\u00fcck. Ich war nicht traurig. Sie wollten sich ja in die Luft sprengen. Die \u201aIS\u2018-Leute hatten es nicht von ihnen verlangt. Sie sind freiwillig gegangen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas hat heute einen modernen Haarschnitt; der Nacken ist ausrasiert; der lange Pony in die Stirn gek\u00e4mmt. Im Sommer sah er noch anders aus, kurz nachdem Mosul befreit worden war. Bei einem Luftangriff der Anti-\u201eIS\u201c-Koalition wurde Thomas schwer verletzt aus Tr\u00fcmmern geborgen, dann operiert.<\/p>\n\n\n\n

\"ThomasThomas erholt sich von drei Jahren IS-Gefangenschaft. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

Arbeit mit \u201eDschihadisten-Kindern\u201c<\/h2>\n\n\n\n

Die \u00e4u\u00dferen Wunden sind heute verheilt. Doch wie sieht es aus mit den inneren, den seelischen Verletzungen? Thomas wurde von seiner Familie aufgenommen und bekommt Hilfe. Andere Kinder konnten nicht aufgefangen werden. Bis heute betrachten sie Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c \u2013 so wie es ihnen in der Geiselhaft eingeh\u00e4mmert wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie sind eine gro\u00dfe Gefahr f\u00fcr andere Kinder. Sie leben in Lagern, in einem Zelt, auf sechs mal vier Metern, oder noch weniger! Acht Geschwister, sie spielen zusammen, reden, sie indoktrinieren die anderen! Das ist ein Problem, das wir nicht l\u00f6sen k\u00f6nnen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Sara Hassan ist Sozialarbeiterin. Sie arbeitet in den Lagern, versucht M\u00e4dchen und Frauen, die jahrelang in Geiselhaft vergewaltigt wurden, zu helfen. Unz\u00e4hlige hatte der \u201eIS\u201c einst entf\u00fchrt. Sara arbeitet auch mit den sogenannten \u201eDschihadisten-Kindern\u201c. Sie erz\u00e4hlt, wie \u00fcberfordert alle seien: die Familien, die jesidische Gemeinschaft, die Gesellschaft des Nord-Irak.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIn einem anderen Fall hat sich die Familie am Ende an die Sicherheitskr\u00e4fte gewandt. Doch die wussten auch nicht, wie sie damit umgehen sollten. Monate lang hat die Familie versucht, den Jungen umzuerziehen, zusammen mit Sozialarbeitern. Aber noch immer sehen wir den Hass in seinen Augen \u2013 gegen\u00fcber Kurden, Christen und Jesiden. Als blicke man in die Augen eines IS-Terroristen. Das ist das Problem.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Die Jesiden k\u00f6nnen \u00fcber ihre vom \u201eIS\u201c indoktrinierten Kinder sprechen. Denn niemand zweifelt daran, dass sie Opfer der Tyrannei wurden. Bei den sunnitischen Arabern sieht das anders aus. Da sie derselben Religionsgruppe angeh\u00f6ren wie formal auch die Terroristen, stehen sie unter Generalverdacht, mit dem \u201eIS\u201c gemeinsame Sache gemacht zu haben. Sunnitische Araber trauen sich daher nicht, die Probleme ihrer Kinder \u00f6ffentlich zu machen \u2013 auch wenn sie selbst nichts mit dem \u201eIS\u201c zu tun hatten.<\/p>\n\n\n\n

Unklar ist, wie viele Kinder und Jugendliche im Irak und in Syrien zu Terroristen ausgebildet wurden, dabei noch in Geiselhaft sind oder bereits als \u201eSchl\u00e4fer\u201c darauf warten, zum Einsatz zu kommen. Sie gleichen \u201etickenden Zeitbomben\u201c, die jederzeit explodieren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

Minderheiten haben Angst vor \u201eIS\u201c-Nachfolgern<\/h2>\n\n\n\n

Kamaran Palani spricht davon, dass viele Menschen immer noch gehen wollen, obwohl der \u201eIS\u201c als staats\u00e4hnliches Gebilde nicht mehr besteht. Seine Saat aber, so der Politikwissenschaftler, sei aufgegangen.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollen einfach nicht in diesem Land bleiben. Der IS hat sie dazu gebracht. Jeder hat heute Angst, dass eine andere Organisation kommen wird, Terroristen, die dasselbe anrichten wie zuvor.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Palani forscht am \u201eMiddle East Research Institute\u201c, das seinen Sitz in Erbil hat, der Hauptstadt von Irakisch-Kurdistan. <\/p>\n\n\n\n

\u201e60 bis 65 Prozent der Christen wollen gehen. Das Gleiche gilt f\u00fcr andere Minderheiten: f\u00fcr Jesiden, Schabaks, Turkmenen, Kakais.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

\u201eWir werden niemals wieder mit den Arabern zusammenleben k\u00f6nnen!\u201c \u2013 ein Satz, der heute h\u00e4ufig im Nord-Irak zu h\u00f6ren ist. Gemeint sind die Iraker, die Sunniten und Araber sind \u2013 die einstmals Nachbarn von Jesiden, Christen und Kurden waren \u2013 mit denen man Handel trieb und Hochzeiten feierte, die auch Freunde waren.<\/p>\n\n\n\n

Der Irak ist eine multi-ethnische und multi-religi\u00f6se Gesellschaft, in der die Schiiten die Mehrheit stellen. \u00dcber Jahrhunderte aber hatten die sunnitischen Araber das Sagen, sie missbrauchten die Macht, errichteten ein Schreckensregime \u2013 bis 2003, als Diktator Saddam Hussein von den USA gest\u00fcrzt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c entstand aus Widerstand gegen Schiiten-Herrschaft<\/h2>\n\n\n\n

Jetzt wurde der Spie\u00df umgedreht. Die Amerikaner sorgten daf\u00fcr, dass die Sunniten jegliche Machtposition verloren \u2013 so wurde die irakische Armee, wurde die baathistische Partei aufgel\u00f6st \u2013 ohne ein Pendant zu schaffen, das alle integrierte. Und: Washington unterst\u00fctzte Regierungschef Nouri al-Maliki, einen Schiiten. Maliki sah eine historische Chance gekommen, diskriminierte nun seinerseits seine sunnitischen Landsleute, verwehrte ihnen im \u201eNeuen Irak\u201c die Mitsprache. Im Regime Malikis wurden Sunniten inhaftiert, gefoltert und umgebracht.<\/p>\n\n\n\n

Was viele in den Widerstand trieb. Einige schlossen sich der Terror-Organisation \u201eAl-Qaida\u201c an, unter ihnen f\u00fchrende Milit\u00e4rs der aufgel\u00f6sten Armee Saddam Husseins \u2013 und aus \u201eAl-Qaida\u201c ging sp\u00e4ter der \u201eIS\u201c hervor.<\/p>\n\n\n\n

Als der \u201eIS\u201c dann im Sommer 2014 fast ohne Gegenwehr weite Landstriche in Syrien und im Irak \u00fcberrannte und seinen \u201eStaat\u201c ausrief, sahen auch gew\u00f6hnliche sunnitische Araber einen Wechsel nahen. Viele machten gemeinsame Sache mit den Terroristen, verhinderten die Flucht jesidischer Nachbarn, lieferten sie ihren Schl\u00e4chtern aus. Kamaran Palani:<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c-K\u00e4mpfer haben gesagt, es gehe darum, die W\u00fcrde der sunnitischen Araber wiederherzustellen. Ihre Macht. Ihre Geschichte. Tats\u00e4chlich konnten es die Araber nicht hinnehmen, dass sie ins Abseits gedr\u00e4ngt wurden. Und ich denke, dass sie auch in Zukunft so handeln werden. Wann immer sich die Gelegenheit bietet: Sie werden alles hinter sich lassen \u2013 sich nur darauf konzentrieren.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Misstrauen. Auch bei einem Politikwissenschaftler. Was also tun? Zerst\u00f6rte St\u00e4dte und D\u00f6rfer k\u00f6nnten wieder aufgebaut werden \u2013 wenn denn ein gemeinsamer Wille best\u00fcnde. Doch was, wenn es einen solchen gemeinsamen Willen gar nicht gibt? Wenn Schmerz und Trauer anhalten, wenn die Verbrechen von Terroristen und Helfershelfern nicht geahndet werden, wenn Angst umgeht, Misstrauen und Hass das Miteinander bestimmen.<\/p>\n\n\n\n

\"SyrischeSoldaten in der irakischen Stadt Sindschar nach der R\u00fcckeroberung von der IS-Miliz Ende 2015. (dpa \/ MAXPPP \/ Arnaud Dumontier)<\/p>\n\n\n\n

Kamaran Palani stammt aus der Stadt Makhmour. Drei Tage nur sei der \u201eIS\u201c dort gewesen, sagt er, doch diese Tage h\u00e4tten alles ver\u00e4ndert. Der \u201eIS\u201c habe die Menschen in seiner Heimatstadt verrohen lassen, meint er, das Verh\u00e4ltnis zwischen Kurden und Arabern sei heute tot. Eine R\u00fcckkehr in alte Zeiten h\u00e4lt Palani f\u00fcr falsch.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch denke, es w\u00e4re nicht einfach, in das Jahr 2014 \u2013 also in die Zeit vor dem \u201aIS\u2018 \u2013 zur\u00fcckzukehren. Vor allem aber w\u00e4re es nicht die richtige Politik. Denn eben die hat ja erst zum Aufkommen, zur Existenz des \u201aIS\u2018 gef\u00fchrt.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n


Wie also in Ruinen Neues schaffen? Der Staat muss das Gewaltmonopol zur\u00fcckerlangen, fordert der Politikwissenschaftler. F\u00fcr ihn steht das an erster Stelle. Und dann m\u00fcsse der Staat dringend einen Kurswechsel vornehmen: Er m\u00fcsse integrativ wirken, alle einbinden, auch die Araber, in Sicherheitskr\u00e4fte, Verwaltung und Politik.<\/p>\n\n\n\n

Machtmonopol m\u00fcsste von Milizen zum Staat gehen<\/h2>\n\n\n\n

Die Realit\u00e4t sieht anders aus: Ein Staat Kurdistan, der neue Optionen m\u00f6glich gemacht h\u00e4tte, auch von den Minderheiten gew\u00fcnscht worden war, ist nicht entstanden. Bagdad aber ist fern, der Zentralstaat kaum existent, und wenn, dann ist er schiitisch dominiert. Es sind Milizen, die im Nord-Irak das Geschehen bestimmen, darum rivalisieren, das Machtvakuum zu f\u00fcllen, das durch die Vertreibung des \u201eIS\u201c entstanden ist. Einst im Kampf gegen die Terroristen geeint, sind die Milizen einander heute feind.<\/p>\n\n\n\n

Allen voran die \u201eHashd ash-Shaabi\u201c, schiitisch-irakische Milizen, deren Ausbilder und Kommandeure h\u00e4ufig Iraner sind. Bagdad hat die Haschd als regul\u00e4re Kraft im Kampf gegen den \u201eIS\u201c anerkannt \u2013 obwohl Menschenrechts-Organisationen schwere Vorw\u00fcrfe gegen sie erheben. Fest steht: Die schiitischen Milizen halten D\u00f6rfer besetzt, sind in Mosul f\u00fcr ihr herrisches Auftreten und ihre Willk\u00fcr bekannt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eTats\u00e4chlich sorgen die verschiedenen bewaffneten Gruppen daf\u00fcr, dass die Fl\u00fcchtlinge nicht zur\u00fcckkehren. Und weil sie nicht zur\u00fcckkehren, gibt es auch keinen Wiederaufbau. Die Menschen haben Angst vor den Milizen \u2013 auch davor, dass die einander bek\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die \u201eHashd\u201c m\u00fcssten mithin abziehen. Und mit ihnen die anderen Milizen. Das Machtmonopol m\u00fcsste an den Staat gehen. Doch der Irak ist auch Spielball der Regionalm\u00e4chte: Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien. Sie konkurrieren um Einfluss-Sph\u00e4ren, bedienen sich dabei verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Gruppen im Irak. Deswegen werden die Hashd nicht abziehen. Derzeit sind sie von der iranisch-irakischen Grenze im Osten \u00fcber Bagdad bis hoch zur irakisch-syrischen Grenze im Norden postiert. Einheiten Teherans k\u00f6nnten demnach auf dem Landweg vom Iran bis ans Mittelmeer durchmarschieren.<\/p>\n\n\n\n

Iran und Saudi-Arabien wollen Macht vergr\u00f6\u00dfern<\/h2>\n\n\n\n

Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n

In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n

Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3703,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:24:20","post_date_gmt":"2020-08-13 21:24:20","post_content":"\n

Deutschland str\u00e4ubt sich gegen die R\u00fcckkehr seiner eigenen Staatsb\u00fcrger, die zu IS-Terroristen wurden. Dabei hat die Bundesrepublik den Terror und die Terroristen einst exportiert. Und dies geschah wissentlich, sagt der Islamwissenschaftler Fabian Goldmann.<\/p>\n\n\n\n

Wann haben Sie sich eigentlich zuletzt von deutschen Terroristen distanziert? Zum Beispiel von Robert B.? Der Ex-Bundeswehrsoldat aus Solingen hat mutma\u00dflich bei einem Selbstmordattentat Anfang 2014 50 Menschen mit in den Tod gerissen. <\/p>\n\n\n\n

Oder von Yannik N.? Der junge Freiburger steuerte wahrscheinlich im Jahr 2015 einen mit anderthalb Tonnen Sprengstoff beladenen LKW in eine Menschenmenge und nahm so Dutzenden Personen das Leben.<\/p>\n\n\n\n

Oder von Yamin A.?. Im Sommer 2015 tauchte im Netz ein Video auf, das zeigte, wie der ehemalige Telekom-Azubi aus K\u00f6nigswinter zwei gefesselten Soldaten in den Kopf schoss.
Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Deutsche T\u00e4ter, aber kaum deutsche Opfer<\/h2>\n\n\n\n

Hauptsache nicht bei uns! Dies scheint auch dieser Tage wieder die Maxime zu sein, wenn Politiker und \u00d6ffentlichkeit \u00fcber den Umgang mit deutschen Terroristen diskutieren. Von potenziellen Bedrohungen und Anschlagsgefahren in Deutschland liest man dann. Vom ganz realen Terror, den Deutsche in den vergangenen Jahren \u00fcber die Menschen in Syrien und Irak gebracht haben, h\u00f6rt man hingegen kaum. Ein Terror, der kaum deutsche Opfer aber umso mehr deutsche T\u00e4ter kannte.<\/p>\n\n\n\n

1.050 \u2013 das ist laut Bundesinnenministerium die Anzahl der Dschihadisten, die in den letzten Jahren die Bundesrepublik in Richtung Nahost verlassen hat. Es f\u00e4llt schwer, sich umgekehrtes Szenario \u00fcberhaupt auszumalen. Was w\u00e4re wohl los, h\u00e4tte es nur ein Bruchteil arabischer Terroristen geschafft, bei uns Anschl\u00e4ge zu begehen? Europas \u201eMuslim Bann\u201c? \u00dcberwachungsstaat auf NSA-Niveau?<\/p>\n\n\n\n

Die CSU st\u00fcnde wom\u00f6glich am linken Ende des politischen Spektrums, und auf Twitter w\u00fcrde Trump deutsche Migrationspolitiker zur M\u00e4\u00dfigung aufrufen. Der deutsche Terror in Nahost kommt hingegen seit Jahren ganz ohne Sondersendungen, politische Debatten und Distanzierungsforderungen aus. <\/p>\n\n\n\n

Deutsche K\u00e4mpfer waren nicht nur willenloses Kanonenfutter<\/h2>\n\n\n\n

An fehlendem Wissen liegt das nicht. Von ganzen Einheiten des IS, in denen kein einziger K\u00e4mpfer Arabisch spreche, berichten syrische, irakische und kurdische Soldaten schon seit Jahren. Von Aleppo \u00fcber Raqqa bis Mossul haben Aktivisten und Politiker immer wieder darauf hingewiesen, dass viele der schlimmsten M\u00f6rder in den Reihen des IS Europ\u00e4er sind. Interessiert hat das hier kaum jemand.<\/p>\n\n\n\n

Dabei dienten Deutsche dem Islamischen Staats nicht nur als willenloses Kanonenfutter, wie es oft dargestellt wird. Viele haben seinen Terror mitgepr\u00e4gt. Wie Martin L., der derzeit in kurdischer Haft sitzt. Der Schwei\u00dfer aus Sachsen-Anhalt soll sich vom Folterknecht bis zum Geheimdienstler mit Kontakten bis in die F\u00fchrungsspitze der Terrororganisation hochgearbeitet haben.<\/p>\n\n\n\n

Oder Reda S., Der Prediger aus Berlin-Charlottenburg soll dem IS in Mossul als Bildungsminister gedient haben. Oder der Berliner Ex-Rapper Denis Cuspert, der zu den wichtigsten Personen in der IS-Medienorganisation Al-Hayat geh\u00f6rte. Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Beh\u00f6rden wussten gut Bescheid<\/h2>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich entstand der Islamische Staat nicht in deutschen Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen. Zur deutschen Verantwortung geh\u00f6rt aber auch, dass Politiker und Beh\u00f6rden lange wegschauten, solang nur die T\u00e4ter, aber nicht die Opfer Deutsche waren. Beh\u00f6rden wissen und wussten erschreckend gut Bescheid \u00fcber die Radikalisierung deutscher Islamisten. Ein Gro\u00dfteil der sp\u00e4teren IS-K\u00e4mpfer war polizeibekannt, stand auf Gef\u00e4hrderlisten oder hatte wegen islamistischer Straftaten bereits Haftstrafen verb\u00fc\u00dft. An der Ausreise gehindert wurden sie oftmals dennoch nicht. Die Gefahr, die von deutschen Terroristen ausgeht, interessierte Politik und \u00d6ffentlichkeit erst dann wieder, als ihre Einreise drohte.<\/p>\n\n\n\n

\"Fabian
Fabian Goldmann<\/strong> ist Journalist und Islamwissenschaftler. F\u00fcr verschiedene Magazine und Zeitungen berichtete er viele Jahre aus Nahost. Zurzeit widmet er sich vor allem dem Islam diesseits des Bosporus. Auf seinem Blog Schantall und die Scharia<\/a> bloggt er \u00fcber Islamophobie in Deutschland.<\/p>\n","post_title":"Es sind unsere Terroristen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"es-sind-unsere-terroristen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3703","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3700,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:19:36","post_date_gmt":"2020-08-13 21:19:36","post_content":"\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda? Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda t<\/p>\n\n\n\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda tritt an die Stelle der 2010 verabschiedeten Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014 (siehe IP\/10\/1535<\/a>). In der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda f\u00fcr den Zeitraum 2015-2020 skizziert die Europ\u00e4ische Kommission die Strategie der Union zur Bew\u00e4ltigung der Sicherheitsbedrohungen in der EU.<\/p>\n\n\n\n

Die EU und ihre Mitgliedstaaten sind mit betr\u00e4chtlichen Sicherheitsproblemen konfrontiert. Terrorismus, organisierte Kriminalit\u00e4t und Cyberkriminalit\u00e4t stellen eine zunehmende Gefahr f\u00fcr die europ\u00e4ische Gesellschaft dar, wobei sich Art und Ausma\u00df dieser Gefahr ver\u00e4ndert hat. Europa ist mit den Auswirkungen der politischen Instabilit\u00e4t in seiner unmittelbaren Nachbarschaft konfrontiert, die die Sicherheitsinteressen der EU gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n

Im Zuge der Krisen und Konflikte in Syrien, Irak und Libyen haben sich europ\u00e4ische B\u00fcrger terroristischen Gruppen angeschlossen, die bei ihrer R\u00fcckkehr eine erhebliche Bedrohung darstellen k\u00f6nnen. Die j\u00fcngsten terroristischen Anschl\u00e4ge in Europa zeugen von der zunehmenden Bedrohung durch einen gewaltt\u00e4tigen Extremismus und zeigen, in welchem Ausma\u00df weltweite Konflikte zur Radikalisierung der europ\u00e4ischen B\u00fcrger beitragen.<\/p>\n\n\n\n

Das Online-Umfeld hat sich zunehmend als Ziel f\u00fcr Kriminelle und Terroristen entwickelt. Unabh\u00e4ngig davon, ob es um die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und die Anwerbung von Menschen f\u00fcr terroristische Organisationen geht oder die Verbreitung von Hass oder einen Angriff auf die europ\u00e4ischen Werte und Institutionen, fest steht, dass wir unsere Reaktion auf diese Bedrohungen unbedingt abstimmen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Welcher Mehrwert entsteht durch die EU im Bereich der inneren Sicherheit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Gew\u00e4hrleistung der inneren Sicherheit f\u00e4llt weiterhin in erster Linie in die Zust\u00e4ndigkeit der Mitgliedstaaten. Allerdings werden die Bedrohungen f\u00fcr Europas B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger immer vielf\u00e4ltiger und betreffen in zunehmendem Ma\u00dfe mehrere Mitgliedstaaten. Einzelne Mitgliedstaaten haben die Verantwortung, die Sicherheit an den Au\u00dfengrenzen zu gew\u00e4hrleisten, sind aber nicht mehr in der Lage, diese Herausforderungen allein zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n

Kriminelle und terroristische Aktivit\u00e4ten machen nicht an den Grenzen der EU halt und beschr\u00e4nken sich auch nicht auf Nachbarregionen. Die innere Sicherheit der EU und die globale Sicherheit sind voneinander abh\u00e4ngig und miteinander verkn\u00fcpft. Die Sicherheit der Union h\u00e4ngt in hohem Ma\u00dfe von der Zusammenarbeit mit ihren internationalen Partnern und ihren Nachbarl\u00e4ndern ab.<\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t und des Terrorismus ist eine gemeinsame europ\u00e4ische Aufgabe. Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda sollte von den Mitgliedstaaten und den EU-Organen gemeinsam als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und gemeinsame Ma\u00dfnahmen der Union genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n

Mit Hilfe der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda werden die Polizei- und Strafverfolgungsdienste in verschiedenen Mitgliedstaaten Daten effektiver austauschen und bei der Bek\u00e4mpfung der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t besser zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Die Mitgliedstaaten k\u00f6nnen auf die Unterst\u00fctzung durch die Agenturen der EU z\u00e4hlen. Insbesondere in folgenden Punkten l\u00e4sst sich mit Hilfe der Sicherheitsagenda ein EU-Mehrwert erzielen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n

A) Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und den EU-Agenturen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1<\/strong>: Das Schengener Informationssystem<\/strong> (SIS) wird von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Abfrage von Ausschreibungen von gesuchten oder vermissten Personen und Gegenst\u00e4nden genutzt. Die Kommission wird an der Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Ausschreibungskategorien arbeiten und sich daf\u00fcr einsetzen, dass das SIS zusammen mit der Interpol-Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD)<\/strong> umfassender genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Ein \u00e4hnliches Schicksal wie Abu Fazel erlitt der 18-j\u00e4hrige Ali (Namen ge\u00e4ndert). Auch er floh aus dem Iran nach Deutschland, um der Rekrutierung f\u00fcr Assads Milizen zu entgehen. Viele seiner afghanischen Freunde sind bereits nach Syrien gezogen \u2013 und kamen niemals zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Alis Familie, ebenfalls Angeh\u00f6rige der Hazara-Minderheit, stammt urspr\u00fcnglich aus der Provinz Ghor im Nordosten Afghanistans. Ihre Heimat verlie\u00dfen sie w\u00e4hrend der sowjetischen Besatzung in den 1980er-Jahren.<\/p>\n\n\n\n

Seit jeher lebt die Familie in der iranischen Gro\u00dfstadt Maschhad. Als der Krieg in Syrien ausbrach, erreichte sie ein Konflikt, mit dem sie nicht gerechnet hatten. Im Juli 2015 reiste Alis Vater nach Teheran. Er wollte einen Weg finden, um f\u00fcr seine Familie Aufenthaltspapiere zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Beh\u00f6rden sagten ihm, dass die Rekrutierung f\u00fcr den Krieg in Syrien eine M\u00f6glichkeit darstellen k\u00f6nnte, um Papiere f\u00fcr uns alle zu erhalten. Andernfalls w\u00fcrde man uns sehr bald nach Afghanistan abschieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Mittlerweile k\u00e4mpfen Alis Vater und sein Onkel seit \u00fcber einem Jahr in Syrien. Am Aufenthaltsstatus seiner Familienmitglieder hat sich bis heute allerdings nichts ge\u00e4ndert. F\u00fcr Ali ist klar, dass dies nur eine Falle gewesen ist, um noch mehr Afghanen als Kanonenfutter zu missbrauchen.<\/p>\n\n\n\n

Anfangs gab es Papiere f\u00fcr K\u00e4mpfer-Familien<\/h2>\n\n\n\n

Den Kontakt zu seinem Vater hat der Afghane mittlerweile verloren. W\u00e4hrenddessen schickt ihm sein Onkel, der in Aleppo stationiert ist, hin und wieder Bilder \u00fcber den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ali denkt, dass nur sehr wenige Afghanen der Propaganda der iranischen Regierung glauben und in Syrien f\u00fcr eine \u201egute Sache\u201c k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

Source<\/a><\/p>\n","post_title":"Warum Afghanen in Syrien f\u00fcr Assad k\u00e4mpfen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"warum-afghanen-in-syrien-fur-assad-kampfen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3709","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3706,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:27:40","post_date_gmt":"2020-08-13 21:27:40","post_content":"\n

Kinder, Frauen, Jesiden \u2013 wer \u00fcberlebt hat, berichtet von Folter, Vergewaltigungen und Gehirnw\u00e4sche. Rund drei Jahre dauerte die Schreckensherrschaft der IS-Miliz in Syrien und Irak. Der Wiederaufbau wird l\u00e4nger dauern und mehr umfassen als H\u00e4user.<\/p>\n\n\n\n

Der Fluss Tigris durchzieht die zweitgr\u00f6\u00dfte Stadt des Iraks und teilt Mosul in Ost und West. Das Westufer ist von Zerst\u00f6rung gezeichnet, die Altstadt nicht mehr als eine einzige graue Tr\u00fcmmerlandschaft. Seit den letzten Bombardements im Juli 2017 kann hier niemand mehr wohnen.<\/p>\n\n\n\n

Die Nouri-Moschee, von deren Kanzel Abu Bakr al-Baghdadi im Juli 2014 sein Kalifat ausrief, hatte die IS-Miliz auf ihrem R\u00fcckzug vorsorglich selbst in die Luft gesprengt, um den Gegnern diesen besonderen Triumph zu verwehren.<\/p>\n\n\n\n

\"ImIm Juli 2017 erobert die irakische Armee Mossul zur\u00fcck. Ruinen sind zu sehen. Ein K\u00e4mpfer der IS-Miliz hat sich ergeben. (Imago \/ Carol Guzy)<\/p>\n\n\n\n

Es ist fraglich, ob die Altstadt dem Original getreu wieder aufgebaut werden kann. Bagdad will demn\u00e4chst \u2013 im Rahmen einer gro\u00dfen Wiederaufbau-Konferenz \u2013 bekannt geben, welche Pl\u00e4ne es hat. Derzeit gilt als gro\u00dfer Fortschritt, dass die Tr\u00fcmmerlandschaft in Teilen wieder begehbar ist \u2013 nachdem mit internationaler Hilfe zahllose Sprengs\u00e4tze beseitigt wurden.<\/p>\n\n\n\n

In Ost-Mossul gibt es weniger Zerst\u00f6rungen<\/h2>\n\n\n\n

J\u00fcngste Sch\u00e4tzungen der Vereinten Nationen besagen, dass es noch Jahre dauern wird, bis alle Minen ger\u00e4umt sind. Solange werden die einstigen Bewohner nicht zur\u00fcckkehren k\u00f6nnen. Manche von ihnen haben Gl\u00fcck im Ungl\u00fcck: Sie haben \u00fcberlebt und sind auf der anderen Seite des Tigris untergekommen, im Osten der Stadt. Der war schon im Januar 2017 von den Terroristen befreit worden. Erstaunlich ist: Dieser Teil Mosuls wirkt fast so, als w\u00e4re der \u201eIS\u201c niemals hier gewesen und als h\u00e4tte es keinen Krieg gegeben.<\/p>\n\n\n\n

\"ImIm Osten Mossuls gibt es weniger Zerst\u00f6rungen als im Westteil. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

Die Zerst\u00f6rungen beschr\u00e4nken sich auf strategisch-wichtige Punkte oder Geb\u00e4ude, in denen sich die Terroristen verschanzt hatten: Br\u00fccken, Moscheen, Krankenh\u00e4user. Doch im Basar herrscht fast so etwas wie Normalit\u00e4t. An St\u00e4nden kaufen Menschen ein \u2013 Obst, Gem\u00fcse, Reis und Nudeln, Backwaren. Kinder schlecken ein Eis. Abu Muhammad, ein ehemaliger Physiklehrer, erkl\u00e4rt, warum der Basar so anders ist als erwartet:<\/p>\n\n\n\n

\u201eDas Leben hatte nie aufgeh\u00f6rt in Mosul. Wir haben weitergelebt. Drei Jahre wurden wir vom \u201aIS\u2018 beherrscht, doch die normalen Leute hatten nichts damit zu tun. Daher kam der Alltag schnell zur\u00fcck. Die Soldaten sind gekommen, haben den Basar wieder aufgemacht und das Leben ging weiter.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Im Osten findet sich heute all das wieder, was die Terror-Miliz unterdr\u00fcckt hatte und bei Missachtung grausam ahndete: Musik in Restaurants und Caf\u00e9s; Sim-Karten f\u00fcr Handys; Internet; Fris\u00f6re, die Haare schneiden, B\u00e4rte stutzen oder gar abrasieren. Und doch: Trotz des lebendigen Treibens wirken Angst und Schrecken nach. Abu Muhammad, fr\u00fch ergraut, erinnert sich:<\/p>\n\n\n\n

\u201eWir haben uns gef\u00fchlt wie zwischen Leben und Tod. Irgendwo dazwischen. Sie haben vom \u201aIS\u2018 geh\u00f6rt; wir haben ihn erlebt: Wir haben erlebt, wie sie mordeten, wie sie Leute aufh\u00e4ngten, wir haben den Krieg erlebt. Wir haben alles gesehen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Mohammed stammt aus dem zerst\u00f6rten Westen der Stadt. Er wohnt heute im Osten. Verwandte haben ihn und seine Familie aufgenommen. So wie ihm ergeht es auch anderen Vertriebenen. Sie leben bei Verwandten und Freunden. Oder in einem der vielen Lager. 700.000 Menschen haben ihr Zuhause verloren \u2013 eine Zahl, die f\u00fcr West-Mosul gilt. Insgesamt gehen die Vereinten Nationen von fast sechs Millionen Menschen aus, die im Irak vor dem \u201aIS\u2018 geflohen sind \u2013 die H\u00e4lfte von ihnen bis heute fern von ihrem Zuhause.<\/p>\n\n\n\n

Binnenfl\u00fcchtlinge im Lager Khabartu<\/h2>\n\n\n\n

Zelte soweit das Auge reicht. Abertausende. Inmitten von Steppe. Das Leben der Menschen ist hart. Sie darben, frieren und verdorren \u2013 wenn im Winter der kalte Wind durch die Steppe fegt und im Sommer die Sonne niederbrennt. Doch sie harren aus, haben wenig Hoffnung auf baldige R\u00fcckkehr. Die meisten kamen 2014 \u2013 hierher, ins Lager Khabartu in Irakisch-Kurdistan.<\/p>\n\n\n\n

\"DasDas Lager Khabartu f\u00fcr irakische Binnenfl\u00fcchtlinge. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

2014, als der \u201eIS\u201c den Nord-Irak \u00fcberfiel. In einem der Zelte lebt auch die Familie von Thomas Abdallah Hammou. Thomas war auf der Flucht von seiner Familie getrennt und von den Dschihadisten verschleppt worden. Damals war er acht Jahre alt. Ein Kind. Drei Jahre blieb er in Geiselhaft, lebte in Mosul.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollten nicht, dass wir spielen. Sie mochten es nicht. Ich habe keine Schule besucht, aber sie gaben uns Koran-Unterricht. Jeden Tag.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas musste seinem eigenen, dem jesidischen Glauben abschw\u00f6ren. Weil der \u201eIS\u201c die Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c betrachtet. Und \u201eUngl\u00e4ubige\u201c, so die Auffassung der Terroristen, m\u00fcssen zwangsbekehrt werden. Oder get\u00f6tet. Die Terroristen hatten dementsprechend die Jesiden entweder an Ort und Stelle ermordet, die meisten im Sinjar, im alten Siedlungsgebiet der Jesiden im Nord-Irak. Tausende. 47 Massengr\u00e4ber sollen mittlerweile gefunden worden sein. Oder aber die Terroristen lie\u00dfen die Jesiden am Leben und nahmen sie in Geiselhaft. Sie machten aus ihnen Sexsklavinnen oder sie bildeten sie aus \u2013 zu Selbstmordattent\u00e4tern. Wie Thomas.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie haben uns st\u00e4ndig geschlagen. Wir mussten Schie\u00dfen \u00fcben. Zwei meiner Freunde haben sich in die Luft gesprengt. Sie sind zum Training. Doch sie kamen nicht zur\u00fcck. Ich war nicht traurig. Sie wollten sich ja in die Luft sprengen. Die \u201aIS\u2018-Leute hatten es nicht von ihnen verlangt. Sie sind freiwillig gegangen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas hat heute einen modernen Haarschnitt; der Nacken ist ausrasiert; der lange Pony in die Stirn gek\u00e4mmt. Im Sommer sah er noch anders aus, kurz nachdem Mosul befreit worden war. Bei einem Luftangriff der Anti-\u201eIS\u201c-Koalition wurde Thomas schwer verletzt aus Tr\u00fcmmern geborgen, dann operiert.<\/p>\n\n\n\n

\"ThomasThomas erholt sich von drei Jahren IS-Gefangenschaft. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

Arbeit mit \u201eDschihadisten-Kindern\u201c<\/h2>\n\n\n\n

Die \u00e4u\u00dferen Wunden sind heute verheilt. Doch wie sieht es aus mit den inneren, den seelischen Verletzungen? Thomas wurde von seiner Familie aufgenommen und bekommt Hilfe. Andere Kinder konnten nicht aufgefangen werden. Bis heute betrachten sie Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c \u2013 so wie es ihnen in der Geiselhaft eingeh\u00e4mmert wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie sind eine gro\u00dfe Gefahr f\u00fcr andere Kinder. Sie leben in Lagern, in einem Zelt, auf sechs mal vier Metern, oder noch weniger! Acht Geschwister, sie spielen zusammen, reden, sie indoktrinieren die anderen! Das ist ein Problem, das wir nicht l\u00f6sen k\u00f6nnen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Sara Hassan ist Sozialarbeiterin. Sie arbeitet in den Lagern, versucht M\u00e4dchen und Frauen, die jahrelang in Geiselhaft vergewaltigt wurden, zu helfen. Unz\u00e4hlige hatte der \u201eIS\u201c einst entf\u00fchrt. Sara arbeitet auch mit den sogenannten \u201eDschihadisten-Kindern\u201c. Sie erz\u00e4hlt, wie \u00fcberfordert alle seien: die Familien, die jesidische Gemeinschaft, die Gesellschaft des Nord-Irak.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIn einem anderen Fall hat sich die Familie am Ende an die Sicherheitskr\u00e4fte gewandt. Doch die wussten auch nicht, wie sie damit umgehen sollten. Monate lang hat die Familie versucht, den Jungen umzuerziehen, zusammen mit Sozialarbeitern. Aber noch immer sehen wir den Hass in seinen Augen \u2013 gegen\u00fcber Kurden, Christen und Jesiden. Als blicke man in die Augen eines IS-Terroristen. Das ist das Problem.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Die Jesiden k\u00f6nnen \u00fcber ihre vom \u201eIS\u201c indoktrinierten Kinder sprechen. Denn niemand zweifelt daran, dass sie Opfer der Tyrannei wurden. Bei den sunnitischen Arabern sieht das anders aus. Da sie derselben Religionsgruppe angeh\u00f6ren wie formal auch die Terroristen, stehen sie unter Generalverdacht, mit dem \u201eIS\u201c gemeinsame Sache gemacht zu haben. Sunnitische Araber trauen sich daher nicht, die Probleme ihrer Kinder \u00f6ffentlich zu machen \u2013 auch wenn sie selbst nichts mit dem \u201eIS\u201c zu tun hatten.<\/p>\n\n\n\n

Unklar ist, wie viele Kinder und Jugendliche im Irak und in Syrien zu Terroristen ausgebildet wurden, dabei noch in Geiselhaft sind oder bereits als \u201eSchl\u00e4fer\u201c darauf warten, zum Einsatz zu kommen. Sie gleichen \u201etickenden Zeitbomben\u201c, die jederzeit explodieren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

Minderheiten haben Angst vor \u201eIS\u201c-Nachfolgern<\/h2>\n\n\n\n

Kamaran Palani spricht davon, dass viele Menschen immer noch gehen wollen, obwohl der \u201eIS\u201c als staats\u00e4hnliches Gebilde nicht mehr besteht. Seine Saat aber, so der Politikwissenschaftler, sei aufgegangen.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollen einfach nicht in diesem Land bleiben. Der IS hat sie dazu gebracht. Jeder hat heute Angst, dass eine andere Organisation kommen wird, Terroristen, die dasselbe anrichten wie zuvor.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Palani forscht am \u201eMiddle East Research Institute\u201c, das seinen Sitz in Erbil hat, der Hauptstadt von Irakisch-Kurdistan. <\/p>\n\n\n\n

\u201e60 bis 65 Prozent der Christen wollen gehen. Das Gleiche gilt f\u00fcr andere Minderheiten: f\u00fcr Jesiden, Schabaks, Turkmenen, Kakais.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

\u201eWir werden niemals wieder mit den Arabern zusammenleben k\u00f6nnen!\u201c \u2013 ein Satz, der heute h\u00e4ufig im Nord-Irak zu h\u00f6ren ist. Gemeint sind die Iraker, die Sunniten und Araber sind \u2013 die einstmals Nachbarn von Jesiden, Christen und Kurden waren \u2013 mit denen man Handel trieb und Hochzeiten feierte, die auch Freunde waren.<\/p>\n\n\n\n

Der Irak ist eine multi-ethnische und multi-religi\u00f6se Gesellschaft, in der die Schiiten die Mehrheit stellen. \u00dcber Jahrhunderte aber hatten die sunnitischen Araber das Sagen, sie missbrauchten die Macht, errichteten ein Schreckensregime \u2013 bis 2003, als Diktator Saddam Hussein von den USA gest\u00fcrzt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c entstand aus Widerstand gegen Schiiten-Herrschaft<\/h2>\n\n\n\n

Jetzt wurde der Spie\u00df umgedreht. Die Amerikaner sorgten daf\u00fcr, dass die Sunniten jegliche Machtposition verloren \u2013 so wurde die irakische Armee, wurde die baathistische Partei aufgel\u00f6st \u2013 ohne ein Pendant zu schaffen, das alle integrierte. Und: Washington unterst\u00fctzte Regierungschef Nouri al-Maliki, einen Schiiten. Maliki sah eine historische Chance gekommen, diskriminierte nun seinerseits seine sunnitischen Landsleute, verwehrte ihnen im \u201eNeuen Irak\u201c die Mitsprache. Im Regime Malikis wurden Sunniten inhaftiert, gefoltert und umgebracht.<\/p>\n\n\n\n

Was viele in den Widerstand trieb. Einige schlossen sich der Terror-Organisation \u201eAl-Qaida\u201c an, unter ihnen f\u00fchrende Milit\u00e4rs der aufgel\u00f6sten Armee Saddam Husseins \u2013 und aus \u201eAl-Qaida\u201c ging sp\u00e4ter der \u201eIS\u201c hervor.<\/p>\n\n\n\n

Als der \u201eIS\u201c dann im Sommer 2014 fast ohne Gegenwehr weite Landstriche in Syrien und im Irak \u00fcberrannte und seinen \u201eStaat\u201c ausrief, sahen auch gew\u00f6hnliche sunnitische Araber einen Wechsel nahen. Viele machten gemeinsame Sache mit den Terroristen, verhinderten die Flucht jesidischer Nachbarn, lieferten sie ihren Schl\u00e4chtern aus. Kamaran Palani:<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c-K\u00e4mpfer haben gesagt, es gehe darum, die W\u00fcrde der sunnitischen Araber wiederherzustellen. Ihre Macht. Ihre Geschichte. Tats\u00e4chlich konnten es die Araber nicht hinnehmen, dass sie ins Abseits gedr\u00e4ngt wurden. Und ich denke, dass sie auch in Zukunft so handeln werden. Wann immer sich die Gelegenheit bietet: Sie werden alles hinter sich lassen \u2013 sich nur darauf konzentrieren.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Misstrauen. Auch bei einem Politikwissenschaftler. Was also tun? Zerst\u00f6rte St\u00e4dte und D\u00f6rfer k\u00f6nnten wieder aufgebaut werden \u2013 wenn denn ein gemeinsamer Wille best\u00fcnde. Doch was, wenn es einen solchen gemeinsamen Willen gar nicht gibt? Wenn Schmerz und Trauer anhalten, wenn die Verbrechen von Terroristen und Helfershelfern nicht geahndet werden, wenn Angst umgeht, Misstrauen und Hass das Miteinander bestimmen.<\/p>\n\n\n\n

\"SyrischeSoldaten in der irakischen Stadt Sindschar nach der R\u00fcckeroberung von der IS-Miliz Ende 2015. (dpa \/ MAXPPP \/ Arnaud Dumontier)<\/p>\n\n\n\n

Kamaran Palani stammt aus der Stadt Makhmour. Drei Tage nur sei der \u201eIS\u201c dort gewesen, sagt er, doch diese Tage h\u00e4tten alles ver\u00e4ndert. Der \u201eIS\u201c habe die Menschen in seiner Heimatstadt verrohen lassen, meint er, das Verh\u00e4ltnis zwischen Kurden und Arabern sei heute tot. Eine R\u00fcckkehr in alte Zeiten h\u00e4lt Palani f\u00fcr falsch.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch denke, es w\u00e4re nicht einfach, in das Jahr 2014 \u2013 also in die Zeit vor dem \u201aIS\u2018 \u2013 zur\u00fcckzukehren. Vor allem aber w\u00e4re es nicht die richtige Politik. Denn eben die hat ja erst zum Aufkommen, zur Existenz des \u201aIS\u2018 gef\u00fchrt.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n


Wie also in Ruinen Neues schaffen? Der Staat muss das Gewaltmonopol zur\u00fcckerlangen, fordert der Politikwissenschaftler. F\u00fcr ihn steht das an erster Stelle. Und dann m\u00fcsse der Staat dringend einen Kurswechsel vornehmen: Er m\u00fcsse integrativ wirken, alle einbinden, auch die Araber, in Sicherheitskr\u00e4fte, Verwaltung und Politik.<\/p>\n\n\n\n

Machtmonopol m\u00fcsste von Milizen zum Staat gehen<\/h2>\n\n\n\n

Die Realit\u00e4t sieht anders aus: Ein Staat Kurdistan, der neue Optionen m\u00f6glich gemacht h\u00e4tte, auch von den Minderheiten gew\u00fcnscht worden war, ist nicht entstanden. Bagdad aber ist fern, der Zentralstaat kaum existent, und wenn, dann ist er schiitisch dominiert. Es sind Milizen, die im Nord-Irak das Geschehen bestimmen, darum rivalisieren, das Machtvakuum zu f\u00fcllen, das durch die Vertreibung des \u201eIS\u201c entstanden ist. Einst im Kampf gegen die Terroristen geeint, sind die Milizen einander heute feind.<\/p>\n\n\n\n

Allen voran die \u201eHashd ash-Shaabi\u201c, schiitisch-irakische Milizen, deren Ausbilder und Kommandeure h\u00e4ufig Iraner sind. Bagdad hat die Haschd als regul\u00e4re Kraft im Kampf gegen den \u201eIS\u201c anerkannt \u2013 obwohl Menschenrechts-Organisationen schwere Vorw\u00fcrfe gegen sie erheben. Fest steht: Die schiitischen Milizen halten D\u00f6rfer besetzt, sind in Mosul f\u00fcr ihr herrisches Auftreten und ihre Willk\u00fcr bekannt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eTats\u00e4chlich sorgen die verschiedenen bewaffneten Gruppen daf\u00fcr, dass die Fl\u00fcchtlinge nicht zur\u00fcckkehren. Und weil sie nicht zur\u00fcckkehren, gibt es auch keinen Wiederaufbau. Die Menschen haben Angst vor den Milizen \u2013 auch davor, dass die einander bek\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die \u201eHashd\u201c m\u00fcssten mithin abziehen. Und mit ihnen die anderen Milizen. Das Machtmonopol m\u00fcsste an den Staat gehen. Doch der Irak ist auch Spielball der Regionalm\u00e4chte: Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien. Sie konkurrieren um Einfluss-Sph\u00e4ren, bedienen sich dabei verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Gruppen im Irak. Deswegen werden die Hashd nicht abziehen. Derzeit sind sie von der iranisch-irakischen Grenze im Osten \u00fcber Bagdad bis hoch zur irakisch-syrischen Grenze im Norden postiert. Einheiten Teherans k\u00f6nnten demnach auf dem Landweg vom Iran bis ans Mittelmeer durchmarschieren.<\/p>\n\n\n\n

Iran und Saudi-Arabien wollen Macht vergr\u00f6\u00dfern<\/h2>\n\n\n\n

Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n

In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n

Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3703,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:24:20","post_date_gmt":"2020-08-13 21:24:20","post_content":"\n

Deutschland str\u00e4ubt sich gegen die R\u00fcckkehr seiner eigenen Staatsb\u00fcrger, die zu IS-Terroristen wurden. Dabei hat die Bundesrepublik den Terror und die Terroristen einst exportiert. Und dies geschah wissentlich, sagt der Islamwissenschaftler Fabian Goldmann.<\/p>\n\n\n\n

Wann haben Sie sich eigentlich zuletzt von deutschen Terroristen distanziert? Zum Beispiel von Robert B.? Der Ex-Bundeswehrsoldat aus Solingen hat mutma\u00dflich bei einem Selbstmordattentat Anfang 2014 50 Menschen mit in den Tod gerissen. <\/p>\n\n\n\n

Oder von Yannik N.? Der junge Freiburger steuerte wahrscheinlich im Jahr 2015 einen mit anderthalb Tonnen Sprengstoff beladenen LKW in eine Menschenmenge und nahm so Dutzenden Personen das Leben.<\/p>\n\n\n\n

Oder von Yamin A.?. Im Sommer 2015 tauchte im Netz ein Video auf, das zeigte, wie der ehemalige Telekom-Azubi aus K\u00f6nigswinter zwei gefesselten Soldaten in den Kopf schoss.
Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Deutsche T\u00e4ter, aber kaum deutsche Opfer<\/h2>\n\n\n\n

Hauptsache nicht bei uns! Dies scheint auch dieser Tage wieder die Maxime zu sein, wenn Politiker und \u00d6ffentlichkeit \u00fcber den Umgang mit deutschen Terroristen diskutieren. Von potenziellen Bedrohungen und Anschlagsgefahren in Deutschland liest man dann. Vom ganz realen Terror, den Deutsche in den vergangenen Jahren \u00fcber die Menschen in Syrien und Irak gebracht haben, h\u00f6rt man hingegen kaum. Ein Terror, der kaum deutsche Opfer aber umso mehr deutsche T\u00e4ter kannte.<\/p>\n\n\n\n

1.050 \u2013 das ist laut Bundesinnenministerium die Anzahl der Dschihadisten, die in den letzten Jahren die Bundesrepublik in Richtung Nahost verlassen hat. Es f\u00e4llt schwer, sich umgekehrtes Szenario \u00fcberhaupt auszumalen. Was w\u00e4re wohl los, h\u00e4tte es nur ein Bruchteil arabischer Terroristen geschafft, bei uns Anschl\u00e4ge zu begehen? Europas \u201eMuslim Bann\u201c? \u00dcberwachungsstaat auf NSA-Niveau?<\/p>\n\n\n\n

Die CSU st\u00fcnde wom\u00f6glich am linken Ende des politischen Spektrums, und auf Twitter w\u00fcrde Trump deutsche Migrationspolitiker zur M\u00e4\u00dfigung aufrufen. Der deutsche Terror in Nahost kommt hingegen seit Jahren ganz ohne Sondersendungen, politische Debatten und Distanzierungsforderungen aus. <\/p>\n\n\n\n

Deutsche K\u00e4mpfer waren nicht nur willenloses Kanonenfutter<\/h2>\n\n\n\n

An fehlendem Wissen liegt das nicht. Von ganzen Einheiten des IS, in denen kein einziger K\u00e4mpfer Arabisch spreche, berichten syrische, irakische und kurdische Soldaten schon seit Jahren. Von Aleppo \u00fcber Raqqa bis Mossul haben Aktivisten und Politiker immer wieder darauf hingewiesen, dass viele der schlimmsten M\u00f6rder in den Reihen des IS Europ\u00e4er sind. Interessiert hat das hier kaum jemand.<\/p>\n\n\n\n

Dabei dienten Deutsche dem Islamischen Staats nicht nur als willenloses Kanonenfutter, wie es oft dargestellt wird. Viele haben seinen Terror mitgepr\u00e4gt. Wie Martin L., der derzeit in kurdischer Haft sitzt. Der Schwei\u00dfer aus Sachsen-Anhalt soll sich vom Folterknecht bis zum Geheimdienstler mit Kontakten bis in die F\u00fchrungsspitze der Terrororganisation hochgearbeitet haben.<\/p>\n\n\n\n

Oder Reda S., Der Prediger aus Berlin-Charlottenburg soll dem IS in Mossul als Bildungsminister gedient haben. Oder der Berliner Ex-Rapper Denis Cuspert, der zu den wichtigsten Personen in der IS-Medienorganisation Al-Hayat geh\u00f6rte. Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Beh\u00f6rden wussten gut Bescheid<\/h2>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich entstand der Islamische Staat nicht in deutschen Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen. Zur deutschen Verantwortung geh\u00f6rt aber auch, dass Politiker und Beh\u00f6rden lange wegschauten, solang nur die T\u00e4ter, aber nicht die Opfer Deutsche waren. Beh\u00f6rden wissen und wussten erschreckend gut Bescheid \u00fcber die Radikalisierung deutscher Islamisten. Ein Gro\u00dfteil der sp\u00e4teren IS-K\u00e4mpfer war polizeibekannt, stand auf Gef\u00e4hrderlisten oder hatte wegen islamistischer Straftaten bereits Haftstrafen verb\u00fc\u00dft. An der Ausreise gehindert wurden sie oftmals dennoch nicht. Die Gefahr, die von deutschen Terroristen ausgeht, interessierte Politik und \u00d6ffentlichkeit erst dann wieder, als ihre Einreise drohte.<\/p>\n\n\n\n

\"Fabian
Fabian Goldmann<\/strong> ist Journalist und Islamwissenschaftler. F\u00fcr verschiedene Magazine und Zeitungen berichtete er viele Jahre aus Nahost. Zurzeit widmet er sich vor allem dem Islam diesseits des Bosporus. Auf seinem Blog Schantall und die Scharia<\/a> bloggt er \u00fcber Islamophobie in Deutschland.<\/p>\n","post_title":"Es sind unsere Terroristen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"es-sind-unsere-terroristen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3703","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3700,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:19:36","post_date_gmt":"2020-08-13 21:19:36","post_content":"\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda? Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda t<\/p>\n\n\n\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda tritt an die Stelle der 2010 verabschiedeten Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014 (siehe IP\/10\/1535<\/a>). In der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda f\u00fcr den Zeitraum 2015-2020 skizziert die Europ\u00e4ische Kommission die Strategie der Union zur Bew\u00e4ltigung der Sicherheitsbedrohungen in der EU.<\/p>\n\n\n\n

Die EU und ihre Mitgliedstaaten sind mit betr\u00e4chtlichen Sicherheitsproblemen konfrontiert. Terrorismus, organisierte Kriminalit\u00e4t und Cyberkriminalit\u00e4t stellen eine zunehmende Gefahr f\u00fcr die europ\u00e4ische Gesellschaft dar, wobei sich Art und Ausma\u00df dieser Gefahr ver\u00e4ndert hat. Europa ist mit den Auswirkungen der politischen Instabilit\u00e4t in seiner unmittelbaren Nachbarschaft konfrontiert, die die Sicherheitsinteressen der EU gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n

Im Zuge der Krisen und Konflikte in Syrien, Irak und Libyen haben sich europ\u00e4ische B\u00fcrger terroristischen Gruppen angeschlossen, die bei ihrer R\u00fcckkehr eine erhebliche Bedrohung darstellen k\u00f6nnen. Die j\u00fcngsten terroristischen Anschl\u00e4ge in Europa zeugen von der zunehmenden Bedrohung durch einen gewaltt\u00e4tigen Extremismus und zeigen, in welchem Ausma\u00df weltweite Konflikte zur Radikalisierung der europ\u00e4ischen B\u00fcrger beitragen.<\/p>\n\n\n\n

Das Online-Umfeld hat sich zunehmend als Ziel f\u00fcr Kriminelle und Terroristen entwickelt. Unabh\u00e4ngig davon, ob es um die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und die Anwerbung von Menschen f\u00fcr terroristische Organisationen geht oder die Verbreitung von Hass oder einen Angriff auf die europ\u00e4ischen Werte und Institutionen, fest steht, dass wir unsere Reaktion auf diese Bedrohungen unbedingt abstimmen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Welcher Mehrwert entsteht durch die EU im Bereich der inneren Sicherheit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Gew\u00e4hrleistung der inneren Sicherheit f\u00e4llt weiterhin in erster Linie in die Zust\u00e4ndigkeit der Mitgliedstaaten. Allerdings werden die Bedrohungen f\u00fcr Europas B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger immer vielf\u00e4ltiger und betreffen in zunehmendem Ma\u00dfe mehrere Mitgliedstaaten. Einzelne Mitgliedstaaten haben die Verantwortung, die Sicherheit an den Au\u00dfengrenzen zu gew\u00e4hrleisten, sind aber nicht mehr in der Lage, diese Herausforderungen allein zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n

Kriminelle und terroristische Aktivit\u00e4ten machen nicht an den Grenzen der EU halt und beschr\u00e4nken sich auch nicht auf Nachbarregionen. Die innere Sicherheit der EU und die globale Sicherheit sind voneinander abh\u00e4ngig und miteinander verkn\u00fcpft. Die Sicherheit der Union h\u00e4ngt in hohem Ma\u00dfe von der Zusammenarbeit mit ihren internationalen Partnern und ihren Nachbarl\u00e4ndern ab.<\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t und des Terrorismus ist eine gemeinsame europ\u00e4ische Aufgabe. Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda sollte von den Mitgliedstaaten und den EU-Organen gemeinsam als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und gemeinsame Ma\u00dfnahmen der Union genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n

Mit Hilfe der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda werden die Polizei- und Strafverfolgungsdienste in verschiedenen Mitgliedstaaten Daten effektiver austauschen und bei der Bek\u00e4mpfung der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t besser zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Die Mitgliedstaaten k\u00f6nnen auf die Unterst\u00fctzung durch die Agenturen der EU z\u00e4hlen. Insbesondere in folgenden Punkten l\u00e4sst sich mit Hilfe der Sicherheitsagenda ein EU-Mehrwert erzielen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n

A) Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und den EU-Agenturen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1<\/strong>: Das Schengener Informationssystem<\/strong> (SIS) wird von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Abfrage von Ausschreibungen von gesuchten oder vermissten Personen und Gegenst\u00e4nden genutzt. Die Kommission wird an der Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Ausschreibungskategorien arbeiten und sich daf\u00fcr einsetzen, dass das SIS zusammen mit der Interpol-Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD)<\/strong> umfassender genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Alis Vater und Onkel k\u00e4mpfen in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein \u00e4hnliches Schicksal wie Abu Fazel erlitt der 18-j\u00e4hrige Ali (Namen ge\u00e4ndert). Auch er floh aus dem Iran nach Deutschland, um der Rekrutierung f\u00fcr Assads Milizen zu entgehen. Viele seiner afghanischen Freunde sind bereits nach Syrien gezogen \u2013 und kamen niemals zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Alis Familie, ebenfalls Angeh\u00f6rige der Hazara-Minderheit, stammt urspr\u00fcnglich aus der Provinz Ghor im Nordosten Afghanistans. Ihre Heimat verlie\u00dfen sie w\u00e4hrend der sowjetischen Besatzung in den 1980er-Jahren.<\/p>\n\n\n\n

Seit jeher lebt die Familie in der iranischen Gro\u00dfstadt Maschhad. Als der Krieg in Syrien ausbrach, erreichte sie ein Konflikt, mit dem sie nicht gerechnet hatten. Im Juli 2015 reiste Alis Vater nach Teheran. Er wollte einen Weg finden, um f\u00fcr seine Familie Aufenthaltspapiere zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Beh\u00f6rden sagten ihm, dass die Rekrutierung f\u00fcr den Krieg in Syrien eine M\u00f6glichkeit darstellen k\u00f6nnte, um Papiere f\u00fcr uns alle zu erhalten. Andernfalls w\u00fcrde man uns sehr bald nach Afghanistan abschieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Mittlerweile k\u00e4mpfen Alis Vater und sein Onkel seit \u00fcber einem Jahr in Syrien. Am Aufenthaltsstatus seiner Familienmitglieder hat sich bis heute allerdings nichts ge\u00e4ndert. F\u00fcr Ali ist klar, dass dies nur eine Falle gewesen ist, um noch mehr Afghanen als Kanonenfutter zu missbrauchen.<\/p>\n\n\n\n

Anfangs gab es Papiere f\u00fcr K\u00e4mpfer-Familien<\/h2>\n\n\n\n

Den Kontakt zu seinem Vater hat der Afghane mittlerweile verloren. W\u00e4hrenddessen schickt ihm sein Onkel, der in Aleppo stationiert ist, hin und wieder Bilder \u00fcber den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ali denkt, dass nur sehr wenige Afghanen der Propaganda der iranischen Regierung glauben und in Syrien f\u00fcr eine \u201egute Sache\u201c k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

Source<\/a><\/p>\n","post_title":"Warum Afghanen in Syrien f\u00fcr Assad k\u00e4mpfen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"warum-afghanen-in-syrien-fur-assad-kampfen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3709","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3706,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:27:40","post_date_gmt":"2020-08-13 21:27:40","post_content":"\n

Kinder, Frauen, Jesiden \u2013 wer \u00fcberlebt hat, berichtet von Folter, Vergewaltigungen und Gehirnw\u00e4sche. Rund drei Jahre dauerte die Schreckensherrschaft der IS-Miliz in Syrien und Irak. Der Wiederaufbau wird l\u00e4nger dauern und mehr umfassen als H\u00e4user.<\/p>\n\n\n\n

Der Fluss Tigris durchzieht die zweitgr\u00f6\u00dfte Stadt des Iraks und teilt Mosul in Ost und West. Das Westufer ist von Zerst\u00f6rung gezeichnet, die Altstadt nicht mehr als eine einzige graue Tr\u00fcmmerlandschaft. Seit den letzten Bombardements im Juli 2017 kann hier niemand mehr wohnen.<\/p>\n\n\n\n

Die Nouri-Moschee, von deren Kanzel Abu Bakr al-Baghdadi im Juli 2014 sein Kalifat ausrief, hatte die IS-Miliz auf ihrem R\u00fcckzug vorsorglich selbst in die Luft gesprengt, um den Gegnern diesen besonderen Triumph zu verwehren.<\/p>\n\n\n\n

\"ImIm Juli 2017 erobert die irakische Armee Mossul zur\u00fcck. Ruinen sind zu sehen. Ein K\u00e4mpfer der IS-Miliz hat sich ergeben. (Imago \/ Carol Guzy)<\/p>\n\n\n\n

Es ist fraglich, ob die Altstadt dem Original getreu wieder aufgebaut werden kann. Bagdad will demn\u00e4chst \u2013 im Rahmen einer gro\u00dfen Wiederaufbau-Konferenz \u2013 bekannt geben, welche Pl\u00e4ne es hat. Derzeit gilt als gro\u00dfer Fortschritt, dass die Tr\u00fcmmerlandschaft in Teilen wieder begehbar ist \u2013 nachdem mit internationaler Hilfe zahllose Sprengs\u00e4tze beseitigt wurden.<\/p>\n\n\n\n

In Ost-Mossul gibt es weniger Zerst\u00f6rungen<\/h2>\n\n\n\n

J\u00fcngste Sch\u00e4tzungen der Vereinten Nationen besagen, dass es noch Jahre dauern wird, bis alle Minen ger\u00e4umt sind. Solange werden die einstigen Bewohner nicht zur\u00fcckkehren k\u00f6nnen. Manche von ihnen haben Gl\u00fcck im Ungl\u00fcck: Sie haben \u00fcberlebt und sind auf der anderen Seite des Tigris untergekommen, im Osten der Stadt. Der war schon im Januar 2017 von den Terroristen befreit worden. Erstaunlich ist: Dieser Teil Mosuls wirkt fast so, als w\u00e4re der \u201eIS\u201c niemals hier gewesen und als h\u00e4tte es keinen Krieg gegeben.<\/p>\n\n\n\n

\"ImIm Osten Mossuls gibt es weniger Zerst\u00f6rungen als im Westteil. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

Die Zerst\u00f6rungen beschr\u00e4nken sich auf strategisch-wichtige Punkte oder Geb\u00e4ude, in denen sich die Terroristen verschanzt hatten: Br\u00fccken, Moscheen, Krankenh\u00e4user. Doch im Basar herrscht fast so etwas wie Normalit\u00e4t. An St\u00e4nden kaufen Menschen ein \u2013 Obst, Gem\u00fcse, Reis und Nudeln, Backwaren. Kinder schlecken ein Eis. Abu Muhammad, ein ehemaliger Physiklehrer, erkl\u00e4rt, warum der Basar so anders ist als erwartet:<\/p>\n\n\n\n

\u201eDas Leben hatte nie aufgeh\u00f6rt in Mosul. Wir haben weitergelebt. Drei Jahre wurden wir vom \u201aIS\u2018 beherrscht, doch die normalen Leute hatten nichts damit zu tun. Daher kam der Alltag schnell zur\u00fcck. Die Soldaten sind gekommen, haben den Basar wieder aufgemacht und das Leben ging weiter.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Im Osten findet sich heute all das wieder, was die Terror-Miliz unterdr\u00fcckt hatte und bei Missachtung grausam ahndete: Musik in Restaurants und Caf\u00e9s; Sim-Karten f\u00fcr Handys; Internet; Fris\u00f6re, die Haare schneiden, B\u00e4rte stutzen oder gar abrasieren. Und doch: Trotz des lebendigen Treibens wirken Angst und Schrecken nach. Abu Muhammad, fr\u00fch ergraut, erinnert sich:<\/p>\n\n\n\n

\u201eWir haben uns gef\u00fchlt wie zwischen Leben und Tod. Irgendwo dazwischen. Sie haben vom \u201aIS\u2018 geh\u00f6rt; wir haben ihn erlebt: Wir haben erlebt, wie sie mordeten, wie sie Leute aufh\u00e4ngten, wir haben den Krieg erlebt. Wir haben alles gesehen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Mohammed stammt aus dem zerst\u00f6rten Westen der Stadt. Er wohnt heute im Osten. Verwandte haben ihn und seine Familie aufgenommen. So wie ihm ergeht es auch anderen Vertriebenen. Sie leben bei Verwandten und Freunden. Oder in einem der vielen Lager. 700.000 Menschen haben ihr Zuhause verloren \u2013 eine Zahl, die f\u00fcr West-Mosul gilt. Insgesamt gehen die Vereinten Nationen von fast sechs Millionen Menschen aus, die im Irak vor dem \u201aIS\u2018 geflohen sind \u2013 die H\u00e4lfte von ihnen bis heute fern von ihrem Zuhause.<\/p>\n\n\n\n

Binnenfl\u00fcchtlinge im Lager Khabartu<\/h2>\n\n\n\n

Zelte soweit das Auge reicht. Abertausende. Inmitten von Steppe. Das Leben der Menschen ist hart. Sie darben, frieren und verdorren \u2013 wenn im Winter der kalte Wind durch die Steppe fegt und im Sommer die Sonne niederbrennt. Doch sie harren aus, haben wenig Hoffnung auf baldige R\u00fcckkehr. Die meisten kamen 2014 \u2013 hierher, ins Lager Khabartu in Irakisch-Kurdistan.<\/p>\n\n\n\n

\"DasDas Lager Khabartu f\u00fcr irakische Binnenfl\u00fcchtlinge. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

2014, als der \u201eIS\u201c den Nord-Irak \u00fcberfiel. In einem der Zelte lebt auch die Familie von Thomas Abdallah Hammou. Thomas war auf der Flucht von seiner Familie getrennt und von den Dschihadisten verschleppt worden. Damals war er acht Jahre alt. Ein Kind. Drei Jahre blieb er in Geiselhaft, lebte in Mosul.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollten nicht, dass wir spielen. Sie mochten es nicht. Ich habe keine Schule besucht, aber sie gaben uns Koran-Unterricht. Jeden Tag.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas musste seinem eigenen, dem jesidischen Glauben abschw\u00f6ren. Weil der \u201eIS\u201c die Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c betrachtet. Und \u201eUngl\u00e4ubige\u201c, so die Auffassung der Terroristen, m\u00fcssen zwangsbekehrt werden. Oder get\u00f6tet. Die Terroristen hatten dementsprechend die Jesiden entweder an Ort und Stelle ermordet, die meisten im Sinjar, im alten Siedlungsgebiet der Jesiden im Nord-Irak. Tausende. 47 Massengr\u00e4ber sollen mittlerweile gefunden worden sein. Oder aber die Terroristen lie\u00dfen die Jesiden am Leben und nahmen sie in Geiselhaft. Sie machten aus ihnen Sexsklavinnen oder sie bildeten sie aus \u2013 zu Selbstmordattent\u00e4tern. Wie Thomas.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie haben uns st\u00e4ndig geschlagen. Wir mussten Schie\u00dfen \u00fcben. Zwei meiner Freunde haben sich in die Luft gesprengt. Sie sind zum Training. Doch sie kamen nicht zur\u00fcck. Ich war nicht traurig. Sie wollten sich ja in die Luft sprengen. Die \u201aIS\u2018-Leute hatten es nicht von ihnen verlangt. Sie sind freiwillig gegangen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas hat heute einen modernen Haarschnitt; der Nacken ist ausrasiert; der lange Pony in die Stirn gek\u00e4mmt. Im Sommer sah er noch anders aus, kurz nachdem Mosul befreit worden war. Bei einem Luftangriff der Anti-\u201eIS\u201c-Koalition wurde Thomas schwer verletzt aus Tr\u00fcmmern geborgen, dann operiert.<\/p>\n\n\n\n

\"ThomasThomas erholt sich von drei Jahren IS-Gefangenschaft. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

Arbeit mit \u201eDschihadisten-Kindern\u201c<\/h2>\n\n\n\n

Die \u00e4u\u00dferen Wunden sind heute verheilt. Doch wie sieht es aus mit den inneren, den seelischen Verletzungen? Thomas wurde von seiner Familie aufgenommen und bekommt Hilfe. Andere Kinder konnten nicht aufgefangen werden. Bis heute betrachten sie Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c \u2013 so wie es ihnen in der Geiselhaft eingeh\u00e4mmert wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie sind eine gro\u00dfe Gefahr f\u00fcr andere Kinder. Sie leben in Lagern, in einem Zelt, auf sechs mal vier Metern, oder noch weniger! Acht Geschwister, sie spielen zusammen, reden, sie indoktrinieren die anderen! Das ist ein Problem, das wir nicht l\u00f6sen k\u00f6nnen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Sara Hassan ist Sozialarbeiterin. Sie arbeitet in den Lagern, versucht M\u00e4dchen und Frauen, die jahrelang in Geiselhaft vergewaltigt wurden, zu helfen. Unz\u00e4hlige hatte der \u201eIS\u201c einst entf\u00fchrt. Sara arbeitet auch mit den sogenannten \u201eDschihadisten-Kindern\u201c. Sie erz\u00e4hlt, wie \u00fcberfordert alle seien: die Familien, die jesidische Gemeinschaft, die Gesellschaft des Nord-Irak.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIn einem anderen Fall hat sich die Familie am Ende an die Sicherheitskr\u00e4fte gewandt. Doch die wussten auch nicht, wie sie damit umgehen sollten. Monate lang hat die Familie versucht, den Jungen umzuerziehen, zusammen mit Sozialarbeitern. Aber noch immer sehen wir den Hass in seinen Augen \u2013 gegen\u00fcber Kurden, Christen und Jesiden. Als blicke man in die Augen eines IS-Terroristen. Das ist das Problem.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Die Jesiden k\u00f6nnen \u00fcber ihre vom \u201eIS\u201c indoktrinierten Kinder sprechen. Denn niemand zweifelt daran, dass sie Opfer der Tyrannei wurden. Bei den sunnitischen Arabern sieht das anders aus. Da sie derselben Religionsgruppe angeh\u00f6ren wie formal auch die Terroristen, stehen sie unter Generalverdacht, mit dem \u201eIS\u201c gemeinsame Sache gemacht zu haben. Sunnitische Araber trauen sich daher nicht, die Probleme ihrer Kinder \u00f6ffentlich zu machen \u2013 auch wenn sie selbst nichts mit dem \u201eIS\u201c zu tun hatten.<\/p>\n\n\n\n

Unklar ist, wie viele Kinder und Jugendliche im Irak und in Syrien zu Terroristen ausgebildet wurden, dabei noch in Geiselhaft sind oder bereits als \u201eSchl\u00e4fer\u201c darauf warten, zum Einsatz zu kommen. Sie gleichen \u201etickenden Zeitbomben\u201c, die jederzeit explodieren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

Minderheiten haben Angst vor \u201eIS\u201c-Nachfolgern<\/h2>\n\n\n\n

Kamaran Palani spricht davon, dass viele Menschen immer noch gehen wollen, obwohl der \u201eIS\u201c als staats\u00e4hnliches Gebilde nicht mehr besteht. Seine Saat aber, so der Politikwissenschaftler, sei aufgegangen.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollen einfach nicht in diesem Land bleiben. Der IS hat sie dazu gebracht. Jeder hat heute Angst, dass eine andere Organisation kommen wird, Terroristen, die dasselbe anrichten wie zuvor.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Palani forscht am \u201eMiddle East Research Institute\u201c, das seinen Sitz in Erbil hat, der Hauptstadt von Irakisch-Kurdistan. <\/p>\n\n\n\n

\u201e60 bis 65 Prozent der Christen wollen gehen. Das Gleiche gilt f\u00fcr andere Minderheiten: f\u00fcr Jesiden, Schabaks, Turkmenen, Kakais.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

\u201eWir werden niemals wieder mit den Arabern zusammenleben k\u00f6nnen!\u201c \u2013 ein Satz, der heute h\u00e4ufig im Nord-Irak zu h\u00f6ren ist. Gemeint sind die Iraker, die Sunniten und Araber sind \u2013 die einstmals Nachbarn von Jesiden, Christen und Kurden waren \u2013 mit denen man Handel trieb und Hochzeiten feierte, die auch Freunde waren.<\/p>\n\n\n\n

Der Irak ist eine multi-ethnische und multi-religi\u00f6se Gesellschaft, in der die Schiiten die Mehrheit stellen. \u00dcber Jahrhunderte aber hatten die sunnitischen Araber das Sagen, sie missbrauchten die Macht, errichteten ein Schreckensregime \u2013 bis 2003, als Diktator Saddam Hussein von den USA gest\u00fcrzt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c entstand aus Widerstand gegen Schiiten-Herrschaft<\/h2>\n\n\n\n

Jetzt wurde der Spie\u00df umgedreht. Die Amerikaner sorgten daf\u00fcr, dass die Sunniten jegliche Machtposition verloren \u2013 so wurde die irakische Armee, wurde die baathistische Partei aufgel\u00f6st \u2013 ohne ein Pendant zu schaffen, das alle integrierte. Und: Washington unterst\u00fctzte Regierungschef Nouri al-Maliki, einen Schiiten. Maliki sah eine historische Chance gekommen, diskriminierte nun seinerseits seine sunnitischen Landsleute, verwehrte ihnen im \u201eNeuen Irak\u201c die Mitsprache. Im Regime Malikis wurden Sunniten inhaftiert, gefoltert und umgebracht.<\/p>\n\n\n\n

Was viele in den Widerstand trieb. Einige schlossen sich der Terror-Organisation \u201eAl-Qaida\u201c an, unter ihnen f\u00fchrende Milit\u00e4rs der aufgel\u00f6sten Armee Saddam Husseins \u2013 und aus \u201eAl-Qaida\u201c ging sp\u00e4ter der \u201eIS\u201c hervor.<\/p>\n\n\n\n

Als der \u201eIS\u201c dann im Sommer 2014 fast ohne Gegenwehr weite Landstriche in Syrien und im Irak \u00fcberrannte und seinen \u201eStaat\u201c ausrief, sahen auch gew\u00f6hnliche sunnitische Araber einen Wechsel nahen. Viele machten gemeinsame Sache mit den Terroristen, verhinderten die Flucht jesidischer Nachbarn, lieferten sie ihren Schl\u00e4chtern aus. Kamaran Palani:<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c-K\u00e4mpfer haben gesagt, es gehe darum, die W\u00fcrde der sunnitischen Araber wiederherzustellen. Ihre Macht. Ihre Geschichte. Tats\u00e4chlich konnten es die Araber nicht hinnehmen, dass sie ins Abseits gedr\u00e4ngt wurden. Und ich denke, dass sie auch in Zukunft so handeln werden. Wann immer sich die Gelegenheit bietet: Sie werden alles hinter sich lassen \u2013 sich nur darauf konzentrieren.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Misstrauen. Auch bei einem Politikwissenschaftler. Was also tun? Zerst\u00f6rte St\u00e4dte und D\u00f6rfer k\u00f6nnten wieder aufgebaut werden \u2013 wenn denn ein gemeinsamer Wille best\u00fcnde. Doch was, wenn es einen solchen gemeinsamen Willen gar nicht gibt? Wenn Schmerz und Trauer anhalten, wenn die Verbrechen von Terroristen und Helfershelfern nicht geahndet werden, wenn Angst umgeht, Misstrauen und Hass das Miteinander bestimmen.<\/p>\n\n\n\n

\"SyrischeSoldaten in der irakischen Stadt Sindschar nach der R\u00fcckeroberung von der IS-Miliz Ende 2015. (dpa \/ MAXPPP \/ Arnaud Dumontier)<\/p>\n\n\n\n

Kamaran Palani stammt aus der Stadt Makhmour. Drei Tage nur sei der \u201eIS\u201c dort gewesen, sagt er, doch diese Tage h\u00e4tten alles ver\u00e4ndert. Der \u201eIS\u201c habe die Menschen in seiner Heimatstadt verrohen lassen, meint er, das Verh\u00e4ltnis zwischen Kurden und Arabern sei heute tot. Eine R\u00fcckkehr in alte Zeiten h\u00e4lt Palani f\u00fcr falsch.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch denke, es w\u00e4re nicht einfach, in das Jahr 2014 \u2013 also in die Zeit vor dem \u201aIS\u2018 \u2013 zur\u00fcckzukehren. Vor allem aber w\u00e4re es nicht die richtige Politik. Denn eben die hat ja erst zum Aufkommen, zur Existenz des \u201aIS\u2018 gef\u00fchrt.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n


Wie also in Ruinen Neues schaffen? Der Staat muss das Gewaltmonopol zur\u00fcckerlangen, fordert der Politikwissenschaftler. F\u00fcr ihn steht das an erster Stelle. Und dann m\u00fcsse der Staat dringend einen Kurswechsel vornehmen: Er m\u00fcsse integrativ wirken, alle einbinden, auch die Araber, in Sicherheitskr\u00e4fte, Verwaltung und Politik.<\/p>\n\n\n\n

Machtmonopol m\u00fcsste von Milizen zum Staat gehen<\/h2>\n\n\n\n

Die Realit\u00e4t sieht anders aus: Ein Staat Kurdistan, der neue Optionen m\u00f6glich gemacht h\u00e4tte, auch von den Minderheiten gew\u00fcnscht worden war, ist nicht entstanden. Bagdad aber ist fern, der Zentralstaat kaum existent, und wenn, dann ist er schiitisch dominiert. Es sind Milizen, die im Nord-Irak das Geschehen bestimmen, darum rivalisieren, das Machtvakuum zu f\u00fcllen, das durch die Vertreibung des \u201eIS\u201c entstanden ist. Einst im Kampf gegen die Terroristen geeint, sind die Milizen einander heute feind.<\/p>\n\n\n\n

Allen voran die \u201eHashd ash-Shaabi\u201c, schiitisch-irakische Milizen, deren Ausbilder und Kommandeure h\u00e4ufig Iraner sind. Bagdad hat die Haschd als regul\u00e4re Kraft im Kampf gegen den \u201eIS\u201c anerkannt \u2013 obwohl Menschenrechts-Organisationen schwere Vorw\u00fcrfe gegen sie erheben. Fest steht: Die schiitischen Milizen halten D\u00f6rfer besetzt, sind in Mosul f\u00fcr ihr herrisches Auftreten und ihre Willk\u00fcr bekannt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eTats\u00e4chlich sorgen die verschiedenen bewaffneten Gruppen daf\u00fcr, dass die Fl\u00fcchtlinge nicht zur\u00fcckkehren. Und weil sie nicht zur\u00fcckkehren, gibt es auch keinen Wiederaufbau. Die Menschen haben Angst vor den Milizen \u2013 auch davor, dass die einander bek\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die \u201eHashd\u201c m\u00fcssten mithin abziehen. Und mit ihnen die anderen Milizen. Das Machtmonopol m\u00fcsste an den Staat gehen. Doch der Irak ist auch Spielball der Regionalm\u00e4chte: Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien. Sie konkurrieren um Einfluss-Sph\u00e4ren, bedienen sich dabei verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Gruppen im Irak. Deswegen werden die Hashd nicht abziehen. Derzeit sind sie von der iranisch-irakischen Grenze im Osten \u00fcber Bagdad bis hoch zur irakisch-syrischen Grenze im Norden postiert. Einheiten Teherans k\u00f6nnten demnach auf dem Landweg vom Iran bis ans Mittelmeer durchmarschieren.<\/p>\n\n\n\n

Iran und Saudi-Arabien wollen Macht vergr\u00f6\u00dfern<\/h2>\n\n\n\n

Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n

In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n

Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3703,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:24:20","post_date_gmt":"2020-08-13 21:24:20","post_content":"\n

Deutschland str\u00e4ubt sich gegen die R\u00fcckkehr seiner eigenen Staatsb\u00fcrger, die zu IS-Terroristen wurden. Dabei hat die Bundesrepublik den Terror und die Terroristen einst exportiert. Und dies geschah wissentlich, sagt der Islamwissenschaftler Fabian Goldmann.<\/p>\n\n\n\n

Wann haben Sie sich eigentlich zuletzt von deutschen Terroristen distanziert? Zum Beispiel von Robert B.? Der Ex-Bundeswehrsoldat aus Solingen hat mutma\u00dflich bei einem Selbstmordattentat Anfang 2014 50 Menschen mit in den Tod gerissen. <\/p>\n\n\n\n

Oder von Yannik N.? Der junge Freiburger steuerte wahrscheinlich im Jahr 2015 einen mit anderthalb Tonnen Sprengstoff beladenen LKW in eine Menschenmenge und nahm so Dutzenden Personen das Leben.<\/p>\n\n\n\n

Oder von Yamin A.?. Im Sommer 2015 tauchte im Netz ein Video auf, das zeigte, wie der ehemalige Telekom-Azubi aus K\u00f6nigswinter zwei gefesselten Soldaten in den Kopf schoss.
Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Deutsche T\u00e4ter, aber kaum deutsche Opfer<\/h2>\n\n\n\n

Hauptsache nicht bei uns! Dies scheint auch dieser Tage wieder die Maxime zu sein, wenn Politiker und \u00d6ffentlichkeit \u00fcber den Umgang mit deutschen Terroristen diskutieren. Von potenziellen Bedrohungen und Anschlagsgefahren in Deutschland liest man dann. Vom ganz realen Terror, den Deutsche in den vergangenen Jahren \u00fcber die Menschen in Syrien und Irak gebracht haben, h\u00f6rt man hingegen kaum. Ein Terror, der kaum deutsche Opfer aber umso mehr deutsche T\u00e4ter kannte.<\/p>\n\n\n\n

1.050 \u2013 das ist laut Bundesinnenministerium die Anzahl der Dschihadisten, die in den letzten Jahren die Bundesrepublik in Richtung Nahost verlassen hat. Es f\u00e4llt schwer, sich umgekehrtes Szenario \u00fcberhaupt auszumalen. Was w\u00e4re wohl los, h\u00e4tte es nur ein Bruchteil arabischer Terroristen geschafft, bei uns Anschl\u00e4ge zu begehen? Europas \u201eMuslim Bann\u201c? \u00dcberwachungsstaat auf NSA-Niveau?<\/p>\n\n\n\n

Die CSU st\u00fcnde wom\u00f6glich am linken Ende des politischen Spektrums, und auf Twitter w\u00fcrde Trump deutsche Migrationspolitiker zur M\u00e4\u00dfigung aufrufen. Der deutsche Terror in Nahost kommt hingegen seit Jahren ganz ohne Sondersendungen, politische Debatten und Distanzierungsforderungen aus. <\/p>\n\n\n\n

Deutsche K\u00e4mpfer waren nicht nur willenloses Kanonenfutter<\/h2>\n\n\n\n

An fehlendem Wissen liegt das nicht. Von ganzen Einheiten des IS, in denen kein einziger K\u00e4mpfer Arabisch spreche, berichten syrische, irakische und kurdische Soldaten schon seit Jahren. Von Aleppo \u00fcber Raqqa bis Mossul haben Aktivisten und Politiker immer wieder darauf hingewiesen, dass viele der schlimmsten M\u00f6rder in den Reihen des IS Europ\u00e4er sind. Interessiert hat das hier kaum jemand.<\/p>\n\n\n\n

Dabei dienten Deutsche dem Islamischen Staats nicht nur als willenloses Kanonenfutter, wie es oft dargestellt wird. Viele haben seinen Terror mitgepr\u00e4gt. Wie Martin L., der derzeit in kurdischer Haft sitzt. Der Schwei\u00dfer aus Sachsen-Anhalt soll sich vom Folterknecht bis zum Geheimdienstler mit Kontakten bis in die F\u00fchrungsspitze der Terrororganisation hochgearbeitet haben.<\/p>\n\n\n\n

Oder Reda S., Der Prediger aus Berlin-Charlottenburg soll dem IS in Mossul als Bildungsminister gedient haben. Oder der Berliner Ex-Rapper Denis Cuspert, der zu den wichtigsten Personen in der IS-Medienorganisation Al-Hayat geh\u00f6rte. Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Beh\u00f6rden wussten gut Bescheid<\/h2>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich entstand der Islamische Staat nicht in deutschen Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen. Zur deutschen Verantwortung geh\u00f6rt aber auch, dass Politiker und Beh\u00f6rden lange wegschauten, solang nur die T\u00e4ter, aber nicht die Opfer Deutsche waren. Beh\u00f6rden wissen und wussten erschreckend gut Bescheid \u00fcber die Radikalisierung deutscher Islamisten. Ein Gro\u00dfteil der sp\u00e4teren IS-K\u00e4mpfer war polizeibekannt, stand auf Gef\u00e4hrderlisten oder hatte wegen islamistischer Straftaten bereits Haftstrafen verb\u00fc\u00dft. An der Ausreise gehindert wurden sie oftmals dennoch nicht. Die Gefahr, die von deutschen Terroristen ausgeht, interessierte Politik und \u00d6ffentlichkeit erst dann wieder, als ihre Einreise drohte.<\/p>\n\n\n\n

\"Fabian
Fabian Goldmann<\/strong> ist Journalist und Islamwissenschaftler. F\u00fcr verschiedene Magazine und Zeitungen berichtete er viele Jahre aus Nahost. Zurzeit widmet er sich vor allem dem Islam diesseits des Bosporus. Auf seinem Blog Schantall und die Scharia<\/a> bloggt er \u00fcber Islamophobie in Deutschland.<\/p>\n","post_title":"Es sind unsere Terroristen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"es-sind-unsere-terroristen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3703","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3700,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:19:36","post_date_gmt":"2020-08-13 21:19:36","post_content":"\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda? Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda t<\/p>\n\n\n\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda tritt an die Stelle der 2010 verabschiedeten Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014 (siehe IP\/10\/1535<\/a>). In der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda f\u00fcr den Zeitraum 2015-2020 skizziert die Europ\u00e4ische Kommission die Strategie der Union zur Bew\u00e4ltigung der Sicherheitsbedrohungen in der EU.<\/p>\n\n\n\n

Die EU und ihre Mitgliedstaaten sind mit betr\u00e4chtlichen Sicherheitsproblemen konfrontiert. Terrorismus, organisierte Kriminalit\u00e4t und Cyberkriminalit\u00e4t stellen eine zunehmende Gefahr f\u00fcr die europ\u00e4ische Gesellschaft dar, wobei sich Art und Ausma\u00df dieser Gefahr ver\u00e4ndert hat. Europa ist mit den Auswirkungen der politischen Instabilit\u00e4t in seiner unmittelbaren Nachbarschaft konfrontiert, die die Sicherheitsinteressen der EU gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n

Im Zuge der Krisen und Konflikte in Syrien, Irak und Libyen haben sich europ\u00e4ische B\u00fcrger terroristischen Gruppen angeschlossen, die bei ihrer R\u00fcckkehr eine erhebliche Bedrohung darstellen k\u00f6nnen. Die j\u00fcngsten terroristischen Anschl\u00e4ge in Europa zeugen von der zunehmenden Bedrohung durch einen gewaltt\u00e4tigen Extremismus und zeigen, in welchem Ausma\u00df weltweite Konflikte zur Radikalisierung der europ\u00e4ischen B\u00fcrger beitragen.<\/p>\n\n\n\n

Das Online-Umfeld hat sich zunehmend als Ziel f\u00fcr Kriminelle und Terroristen entwickelt. Unabh\u00e4ngig davon, ob es um die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und die Anwerbung von Menschen f\u00fcr terroristische Organisationen geht oder die Verbreitung von Hass oder einen Angriff auf die europ\u00e4ischen Werte und Institutionen, fest steht, dass wir unsere Reaktion auf diese Bedrohungen unbedingt abstimmen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Welcher Mehrwert entsteht durch die EU im Bereich der inneren Sicherheit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Gew\u00e4hrleistung der inneren Sicherheit f\u00e4llt weiterhin in erster Linie in die Zust\u00e4ndigkeit der Mitgliedstaaten. Allerdings werden die Bedrohungen f\u00fcr Europas B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger immer vielf\u00e4ltiger und betreffen in zunehmendem Ma\u00dfe mehrere Mitgliedstaaten. Einzelne Mitgliedstaaten haben die Verantwortung, die Sicherheit an den Au\u00dfengrenzen zu gew\u00e4hrleisten, sind aber nicht mehr in der Lage, diese Herausforderungen allein zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n

Kriminelle und terroristische Aktivit\u00e4ten machen nicht an den Grenzen der EU halt und beschr\u00e4nken sich auch nicht auf Nachbarregionen. Die innere Sicherheit der EU und die globale Sicherheit sind voneinander abh\u00e4ngig und miteinander verkn\u00fcpft. Die Sicherheit der Union h\u00e4ngt in hohem Ma\u00dfe von der Zusammenarbeit mit ihren internationalen Partnern und ihren Nachbarl\u00e4ndern ab.<\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t und des Terrorismus ist eine gemeinsame europ\u00e4ische Aufgabe. Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda sollte von den Mitgliedstaaten und den EU-Organen gemeinsam als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und gemeinsame Ma\u00dfnahmen der Union genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n

Mit Hilfe der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda werden die Polizei- und Strafverfolgungsdienste in verschiedenen Mitgliedstaaten Daten effektiver austauschen und bei der Bek\u00e4mpfung der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t besser zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Die Mitgliedstaaten k\u00f6nnen auf die Unterst\u00fctzung durch die Agenturen der EU z\u00e4hlen. Insbesondere in folgenden Punkten l\u00e4sst sich mit Hilfe der Sicherheitsagenda ein EU-Mehrwert erzielen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n

A) Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und den EU-Agenturen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1<\/strong>: Das Schengener Informationssystem<\/strong> (SIS) wird von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Abfrage von Ausschreibungen von gesuchten oder vermissten Personen und Gegenst\u00e4nden genutzt. Die Kommission wird an der Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Ausschreibungskategorien arbeiten und sich daf\u00fcr einsetzen, dass das SIS zusammen mit der Interpol-Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD)<\/strong> umfassender genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

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\"SieDemonstranten protestieren in Frankfurt am Main gegen die Abschiebung von Afghanen. Auf einem der Transparente steht \u201eAfghanistan is not safe\u201c. (AFP \/ Daniel Roland)<\/p>\n\n\n\n

Alis Vater und Onkel k\u00e4mpfen in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein \u00e4hnliches Schicksal wie Abu Fazel erlitt der 18-j\u00e4hrige Ali (Namen ge\u00e4ndert). Auch er floh aus dem Iran nach Deutschland, um der Rekrutierung f\u00fcr Assads Milizen zu entgehen. Viele seiner afghanischen Freunde sind bereits nach Syrien gezogen \u2013 und kamen niemals zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Alis Familie, ebenfalls Angeh\u00f6rige der Hazara-Minderheit, stammt urspr\u00fcnglich aus der Provinz Ghor im Nordosten Afghanistans. Ihre Heimat verlie\u00dfen sie w\u00e4hrend der sowjetischen Besatzung in den 1980er-Jahren.<\/p>\n\n\n\n

Seit jeher lebt die Familie in der iranischen Gro\u00dfstadt Maschhad. Als der Krieg in Syrien ausbrach, erreichte sie ein Konflikt, mit dem sie nicht gerechnet hatten. Im Juli 2015 reiste Alis Vater nach Teheran. Er wollte einen Weg finden, um f\u00fcr seine Familie Aufenthaltspapiere zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Beh\u00f6rden sagten ihm, dass die Rekrutierung f\u00fcr den Krieg in Syrien eine M\u00f6glichkeit darstellen k\u00f6nnte, um Papiere f\u00fcr uns alle zu erhalten. Andernfalls w\u00fcrde man uns sehr bald nach Afghanistan abschieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Mittlerweile k\u00e4mpfen Alis Vater und sein Onkel seit \u00fcber einem Jahr in Syrien. Am Aufenthaltsstatus seiner Familienmitglieder hat sich bis heute allerdings nichts ge\u00e4ndert. F\u00fcr Ali ist klar, dass dies nur eine Falle gewesen ist, um noch mehr Afghanen als Kanonenfutter zu missbrauchen.<\/p>\n\n\n\n

Anfangs gab es Papiere f\u00fcr K\u00e4mpfer-Familien<\/h2>\n\n\n\n

Den Kontakt zu seinem Vater hat der Afghane mittlerweile verloren. W\u00e4hrenddessen schickt ihm sein Onkel, der in Aleppo stationiert ist, hin und wieder Bilder \u00fcber den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ali denkt, dass nur sehr wenige Afghanen der Propaganda der iranischen Regierung glauben und in Syrien f\u00fcr eine \u201egute Sache\u201c k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

Source<\/a><\/p>\n","post_title":"Warum Afghanen in Syrien f\u00fcr Assad k\u00e4mpfen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"warum-afghanen-in-syrien-fur-assad-kampfen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3709","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3706,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:27:40","post_date_gmt":"2020-08-13 21:27:40","post_content":"\n

Kinder, Frauen, Jesiden \u2013 wer \u00fcberlebt hat, berichtet von Folter, Vergewaltigungen und Gehirnw\u00e4sche. Rund drei Jahre dauerte die Schreckensherrschaft der IS-Miliz in Syrien und Irak. Der Wiederaufbau wird l\u00e4nger dauern und mehr umfassen als H\u00e4user.<\/p>\n\n\n\n

Der Fluss Tigris durchzieht die zweitgr\u00f6\u00dfte Stadt des Iraks und teilt Mosul in Ost und West. Das Westufer ist von Zerst\u00f6rung gezeichnet, die Altstadt nicht mehr als eine einzige graue Tr\u00fcmmerlandschaft. Seit den letzten Bombardements im Juli 2017 kann hier niemand mehr wohnen.<\/p>\n\n\n\n

Die Nouri-Moschee, von deren Kanzel Abu Bakr al-Baghdadi im Juli 2014 sein Kalifat ausrief, hatte die IS-Miliz auf ihrem R\u00fcckzug vorsorglich selbst in die Luft gesprengt, um den Gegnern diesen besonderen Triumph zu verwehren.<\/p>\n\n\n\n

\"ImIm Juli 2017 erobert die irakische Armee Mossul zur\u00fcck. Ruinen sind zu sehen. Ein K\u00e4mpfer der IS-Miliz hat sich ergeben. (Imago \/ Carol Guzy)<\/p>\n\n\n\n

Es ist fraglich, ob die Altstadt dem Original getreu wieder aufgebaut werden kann. Bagdad will demn\u00e4chst \u2013 im Rahmen einer gro\u00dfen Wiederaufbau-Konferenz \u2013 bekannt geben, welche Pl\u00e4ne es hat. Derzeit gilt als gro\u00dfer Fortschritt, dass die Tr\u00fcmmerlandschaft in Teilen wieder begehbar ist \u2013 nachdem mit internationaler Hilfe zahllose Sprengs\u00e4tze beseitigt wurden.<\/p>\n\n\n\n

In Ost-Mossul gibt es weniger Zerst\u00f6rungen<\/h2>\n\n\n\n

J\u00fcngste Sch\u00e4tzungen der Vereinten Nationen besagen, dass es noch Jahre dauern wird, bis alle Minen ger\u00e4umt sind. Solange werden die einstigen Bewohner nicht zur\u00fcckkehren k\u00f6nnen. Manche von ihnen haben Gl\u00fcck im Ungl\u00fcck: Sie haben \u00fcberlebt und sind auf der anderen Seite des Tigris untergekommen, im Osten der Stadt. Der war schon im Januar 2017 von den Terroristen befreit worden. Erstaunlich ist: Dieser Teil Mosuls wirkt fast so, als w\u00e4re der \u201eIS\u201c niemals hier gewesen und als h\u00e4tte es keinen Krieg gegeben.<\/p>\n\n\n\n

\"ImIm Osten Mossuls gibt es weniger Zerst\u00f6rungen als im Westteil. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

Die Zerst\u00f6rungen beschr\u00e4nken sich auf strategisch-wichtige Punkte oder Geb\u00e4ude, in denen sich die Terroristen verschanzt hatten: Br\u00fccken, Moscheen, Krankenh\u00e4user. Doch im Basar herrscht fast so etwas wie Normalit\u00e4t. An St\u00e4nden kaufen Menschen ein \u2013 Obst, Gem\u00fcse, Reis und Nudeln, Backwaren. Kinder schlecken ein Eis. Abu Muhammad, ein ehemaliger Physiklehrer, erkl\u00e4rt, warum der Basar so anders ist als erwartet:<\/p>\n\n\n\n

\u201eDas Leben hatte nie aufgeh\u00f6rt in Mosul. Wir haben weitergelebt. Drei Jahre wurden wir vom \u201aIS\u2018 beherrscht, doch die normalen Leute hatten nichts damit zu tun. Daher kam der Alltag schnell zur\u00fcck. Die Soldaten sind gekommen, haben den Basar wieder aufgemacht und das Leben ging weiter.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Im Osten findet sich heute all das wieder, was die Terror-Miliz unterdr\u00fcckt hatte und bei Missachtung grausam ahndete: Musik in Restaurants und Caf\u00e9s; Sim-Karten f\u00fcr Handys; Internet; Fris\u00f6re, die Haare schneiden, B\u00e4rte stutzen oder gar abrasieren. Und doch: Trotz des lebendigen Treibens wirken Angst und Schrecken nach. Abu Muhammad, fr\u00fch ergraut, erinnert sich:<\/p>\n\n\n\n

\u201eWir haben uns gef\u00fchlt wie zwischen Leben und Tod. Irgendwo dazwischen. Sie haben vom \u201aIS\u2018 geh\u00f6rt; wir haben ihn erlebt: Wir haben erlebt, wie sie mordeten, wie sie Leute aufh\u00e4ngten, wir haben den Krieg erlebt. Wir haben alles gesehen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Mohammed stammt aus dem zerst\u00f6rten Westen der Stadt. Er wohnt heute im Osten. Verwandte haben ihn und seine Familie aufgenommen. So wie ihm ergeht es auch anderen Vertriebenen. Sie leben bei Verwandten und Freunden. Oder in einem der vielen Lager. 700.000 Menschen haben ihr Zuhause verloren \u2013 eine Zahl, die f\u00fcr West-Mosul gilt. Insgesamt gehen die Vereinten Nationen von fast sechs Millionen Menschen aus, die im Irak vor dem \u201aIS\u2018 geflohen sind \u2013 die H\u00e4lfte von ihnen bis heute fern von ihrem Zuhause.<\/p>\n\n\n\n

Binnenfl\u00fcchtlinge im Lager Khabartu<\/h2>\n\n\n\n

Zelte soweit das Auge reicht. Abertausende. Inmitten von Steppe. Das Leben der Menschen ist hart. Sie darben, frieren und verdorren \u2013 wenn im Winter der kalte Wind durch die Steppe fegt und im Sommer die Sonne niederbrennt. Doch sie harren aus, haben wenig Hoffnung auf baldige R\u00fcckkehr. Die meisten kamen 2014 \u2013 hierher, ins Lager Khabartu in Irakisch-Kurdistan.<\/p>\n\n\n\n

\"DasDas Lager Khabartu f\u00fcr irakische Binnenfl\u00fcchtlinge. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

2014, als der \u201eIS\u201c den Nord-Irak \u00fcberfiel. In einem der Zelte lebt auch die Familie von Thomas Abdallah Hammou. Thomas war auf der Flucht von seiner Familie getrennt und von den Dschihadisten verschleppt worden. Damals war er acht Jahre alt. Ein Kind. Drei Jahre blieb er in Geiselhaft, lebte in Mosul.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollten nicht, dass wir spielen. Sie mochten es nicht. Ich habe keine Schule besucht, aber sie gaben uns Koran-Unterricht. Jeden Tag.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas musste seinem eigenen, dem jesidischen Glauben abschw\u00f6ren. Weil der \u201eIS\u201c die Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c betrachtet. Und \u201eUngl\u00e4ubige\u201c, so die Auffassung der Terroristen, m\u00fcssen zwangsbekehrt werden. Oder get\u00f6tet. Die Terroristen hatten dementsprechend die Jesiden entweder an Ort und Stelle ermordet, die meisten im Sinjar, im alten Siedlungsgebiet der Jesiden im Nord-Irak. Tausende. 47 Massengr\u00e4ber sollen mittlerweile gefunden worden sein. Oder aber die Terroristen lie\u00dfen die Jesiden am Leben und nahmen sie in Geiselhaft. Sie machten aus ihnen Sexsklavinnen oder sie bildeten sie aus \u2013 zu Selbstmordattent\u00e4tern. Wie Thomas.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie haben uns st\u00e4ndig geschlagen. Wir mussten Schie\u00dfen \u00fcben. Zwei meiner Freunde haben sich in die Luft gesprengt. Sie sind zum Training. Doch sie kamen nicht zur\u00fcck. Ich war nicht traurig. Sie wollten sich ja in die Luft sprengen. Die \u201aIS\u2018-Leute hatten es nicht von ihnen verlangt. Sie sind freiwillig gegangen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas hat heute einen modernen Haarschnitt; der Nacken ist ausrasiert; der lange Pony in die Stirn gek\u00e4mmt. Im Sommer sah er noch anders aus, kurz nachdem Mosul befreit worden war. Bei einem Luftangriff der Anti-\u201eIS\u201c-Koalition wurde Thomas schwer verletzt aus Tr\u00fcmmern geborgen, dann operiert.<\/p>\n\n\n\n

\"ThomasThomas erholt sich von drei Jahren IS-Gefangenschaft. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

Arbeit mit \u201eDschihadisten-Kindern\u201c<\/h2>\n\n\n\n

Die \u00e4u\u00dferen Wunden sind heute verheilt. Doch wie sieht es aus mit den inneren, den seelischen Verletzungen? Thomas wurde von seiner Familie aufgenommen und bekommt Hilfe. Andere Kinder konnten nicht aufgefangen werden. Bis heute betrachten sie Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c \u2013 so wie es ihnen in der Geiselhaft eingeh\u00e4mmert wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie sind eine gro\u00dfe Gefahr f\u00fcr andere Kinder. Sie leben in Lagern, in einem Zelt, auf sechs mal vier Metern, oder noch weniger! Acht Geschwister, sie spielen zusammen, reden, sie indoktrinieren die anderen! Das ist ein Problem, das wir nicht l\u00f6sen k\u00f6nnen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Sara Hassan ist Sozialarbeiterin. Sie arbeitet in den Lagern, versucht M\u00e4dchen und Frauen, die jahrelang in Geiselhaft vergewaltigt wurden, zu helfen. Unz\u00e4hlige hatte der \u201eIS\u201c einst entf\u00fchrt. Sara arbeitet auch mit den sogenannten \u201eDschihadisten-Kindern\u201c. Sie erz\u00e4hlt, wie \u00fcberfordert alle seien: die Familien, die jesidische Gemeinschaft, die Gesellschaft des Nord-Irak.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIn einem anderen Fall hat sich die Familie am Ende an die Sicherheitskr\u00e4fte gewandt. Doch die wussten auch nicht, wie sie damit umgehen sollten. Monate lang hat die Familie versucht, den Jungen umzuerziehen, zusammen mit Sozialarbeitern. Aber noch immer sehen wir den Hass in seinen Augen \u2013 gegen\u00fcber Kurden, Christen und Jesiden. Als blicke man in die Augen eines IS-Terroristen. Das ist das Problem.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Die Jesiden k\u00f6nnen \u00fcber ihre vom \u201eIS\u201c indoktrinierten Kinder sprechen. Denn niemand zweifelt daran, dass sie Opfer der Tyrannei wurden. Bei den sunnitischen Arabern sieht das anders aus. Da sie derselben Religionsgruppe angeh\u00f6ren wie formal auch die Terroristen, stehen sie unter Generalverdacht, mit dem \u201eIS\u201c gemeinsame Sache gemacht zu haben. Sunnitische Araber trauen sich daher nicht, die Probleme ihrer Kinder \u00f6ffentlich zu machen \u2013 auch wenn sie selbst nichts mit dem \u201eIS\u201c zu tun hatten.<\/p>\n\n\n\n

Unklar ist, wie viele Kinder und Jugendliche im Irak und in Syrien zu Terroristen ausgebildet wurden, dabei noch in Geiselhaft sind oder bereits als \u201eSchl\u00e4fer\u201c darauf warten, zum Einsatz zu kommen. Sie gleichen \u201etickenden Zeitbomben\u201c, die jederzeit explodieren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

Minderheiten haben Angst vor \u201eIS\u201c-Nachfolgern<\/h2>\n\n\n\n

Kamaran Palani spricht davon, dass viele Menschen immer noch gehen wollen, obwohl der \u201eIS\u201c als staats\u00e4hnliches Gebilde nicht mehr besteht. Seine Saat aber, so der Politikwissenschaftler, sei aufgegangen.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollen einfach nicht in diesem Land bleiben. Der IS hat sie dazu gebracht. Jeder hat heute Angst, dass eine andere Organisation kommen wird, Terroristen, die dasselbe anrichten wie zuvor.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Palani forscht am \u201eMiddle East Research Institute\u201c, das seinen Sitz in Erbil hat, der Hauptstadt von Irakisch-Kurdistan. <\/p>\n\n\n\n

\u201e60 bis 65 Prozent der Christen wollen gehen. Das Gleiche gilt f\u00fcr andere Minderheiten: f\u00fcr Jesiden, Schabaks, Turkmenen, Kakais.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

\u201eWir werden niemals wieder mit den Arabern zusammenleben k\u00f6nnen!\u201c \u2013 ein Satz, der heute h\u00e4ufig im Nord-Irak zu h\u00f6ren ist. Gemeint sind die Iraker, die Sunniten und Araber sind \u2013 die einstmals Nachbarn von Jesiden, Christen und Kurden waren \u2013 mit denen man Handel trieb und Hochzeiten feierte, die auch Freunde waren.<\/p>\n\n\n\n

Der Irak ist eine multi-ethnische und multi-religi\u00f6se Gesellschaft, in der die Schiiten die Mehrheit stellen. \u00dcber Jahrhunderte aber hatten die sunnitischen Araber das Sagen, sie missbrauchten die Macht, errichteten ein Schreckensregime \u2013 bis 2003, als Diktator Saddam Hussein von den USA gest\u00fcrzt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c entstand aus Widerstand gegen Schiiten-Herrschaft<\/h2>\n\n\n\n

Jetzt wurde der Spie\u00df umgedreht. Die Amerikaner sorgten daf\u00fcr, dass die Sunniten jegliche Machtposition verloren \u2013 so wurde die irakische Armee, wurde die baathistische Partei aufgel\u00f6st \u2013 ohne ein Pendant zu schaffen, das alle integrierte. Und: Washington unterst\u00fctzte Regierungschef Nouri al-Maliki, einen Schiiten. Maliki sah eine historische Chance gekommen, diskriminierte nun seinerseits seine sunnitischen Landsleute, verwehrte ihnen im \u201eNeuen Irak\u201c die Mitsprache. Im Regime Malikis wurden Sunniten inhaftiert, gefoltert und umgebracht.<\/p>\n\n\n\n

Was viele in den Widerstand trieb. Einige schlossen sich der Terror-Organisation \u201eAl-Qaida\u201c an, unter ihnen f\u00fchrende Milit\u00e4rs der aufgel\u00f6sten Armee Saddam Husseins \u2013 und aus \u201eAl-Qaida\u201c ging sp\u00e4ter der \u201eIS\u201c hervor.<\/p>\n\n\n\n

Als der \u201eIS\u201c dann im Sommer 2014 fast ohne Gegenwehr weite Landstriche in Syrien und im Irak \u00fcberrannte und seinen \u201eStaat\u201c ausrief, sahen auch gew\u00f6hnliche sunnitische Araber einen Wechsel nahen. Viele machten gemeinsame Sache mit den Terroristen, verhinderten die Flucht jesidischer Nachbarn, lieferten sie ihren Schl\u00e4chtern aus. Kamaran Palani:<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c-K\u00e4mpfer haben gesagt, es gehe darum, die W\u00fcrde der sunnitischen Araber wiederherzustellen. Ihre Macht. Ihre Geschichte. Tats\u00e4chlich konnten es die Araber nicht hinnehmen, dass sie ins Abseits gedr\u00e4ngt wurden. Und ich denke, dass sie auch in Zukunft so handeln werden. Wann immer sich die Gelegenheit bietet: Sie werden alles hinter sich lassen \u2013 sich nur darauf konzentrieren.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Misstrauen. Auch bei einem Politikwissenschaftler. Was also tun? Zerst\u00f6rte St\u00e4dte und D\u00f6rfer k\u00f6nnten wieder aufgebaut werden \u2013 wenn denn ein gemeinsamer Wille best\u00fcnde. Doch was, wenn es einen solchen gemeinsamen Willen gar nicht gibt? Wenn Schmerz und Trauer anhalten, wenn die Verbrechen von Terroristen und Helfershelfern nicht geahndet werden, wenn Angst umgeht, Misstrauen und Hass das Miteinander bestimmen.<\/p>\n\n\n\n

\"SyrischeSoldaten in der irakischen Stadt Sindschar nach der R\u00fcckeroberung von der IS-Miliz Ende 2015. (dpa \/ MAXPPP \/ Arnaud Dumontier)<\/p>\n\n\n\n

Kamaran Palani stammt aus der Stadt Makhmour. Drei Tage nur sei der \u201eIS\u201c dort gewesen, sagt er, doch diese Tage h\u00e4tten alles ver\u00e4ndert. Der \u201eIS\u201c habe die Menschen in seiner Heimatstadt verrohen lassen, meint er, das Verh\u00e4ltnis zwischen Kurden und Arabern sei heute tot. Eine R\u00fcckkehr in alte Zeiten h\u00e4lt Palani f\u00fcr falsch.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch denke, es w\u00e4re nicht einfach, in das Jahr 2014 \u2013 also in die Zeit vor dem \u201aIS\u2018 \u2013 zur\u00fcckzukehren. Vor allem aber w\u00e4re es nicht die richtige Politik. Denn eben die hat ja erst zum Aufkommen, zur Existenz des \u201aIS\u2018 gef\u00fchrt.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n


Wie also in Ruinen Neues schaffen? Der Staat muss das Gewaltmonopol zur\u00fcckerlangen, fordert der Politikwissenschaftler. F\u00fcr ihn steht das an erster Stelle. Und dann m\u00fcsse der Staat dringend einen Kurswechsel vornehmen: Er m\u00fcsse integrativ wirken, alle einbinden, auch die Araber, in Sicherheitskr\u00e4fte, Verwaltung und Politik.<\/p>\n\n\n\n

Machtmonopol m\u00fcsste von Milizen zum Staat gehen<\/h2>\n\n\n\n

Die Realit\u00e4t sieht anders aus: Ein Staat Kurdistan, der neue Optionen m\u00f6glich gemacht h\u00e4tte, auch von den Minderheiten gew\u00fcnscht worden war, ist nicht entstanden. Bagdad aber ist fern, der Zentralstaat kaum existent, und wenn, dann ist er schiitisch dominiert. Es sind Milizen, die im Nord-Irak das Geschehen bestimmen, darum rivalisieren, das Machtvakuum zu f\u00fcllen, das durch die Vertreibung des \u201eIS\u201c entstanden ist. Einst im Kampf gegen die Terroristen geeint, sind die Milizen einander heute feind.<\/p>\n\n\n\n

Allen voran die \u201eHashd ash-Shaabi\u201c, schiitisch-irakische Milizen, deren Ausbilder und Kommandeure h\u00e4ufig Iraner sind. Bagdad hat die Haschd als regul\u00e4re Kraft im Kampf gegen den \u201eIS\u201c anerkannt \u2013 obwohl Menschenrechts-Organisationen schwere Vorw\u00fcrfe gegen sie erheben. Fest steht: Die schiitischen Milizen halten D\u00f6rfer besetzt, sind in Mosul f\u00fcr ihr herrisches Auftreten und ihre Willk\u00fcr bekannt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eTats\u00e4chlich sorgen die verschiedenen bewaffneten Gruppen daf\u00fcr, dass die Fl\u00fcchtlinge nicht zur\u00fcckkehren. Und weil sie nicht zur\u00fcckkehren, gibt es auch keinen Wiederaufbau. Die Menschen haben Angst vor den Milizen \u2013 auch davor, dass die einander bek\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die \u201eHashd\u201c m\u00fcssten mithin abziehen. Und mit ihnen die anderen Milizen. Das Machtmonopol m\u00fcsste an den Staat gehen. Doch der Irak ist auch Spielball der Regionalm\u00e4chte: Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien. Sie konkurrieren um Einfluss-Sph\u00e4ren, bedienen sich dabei verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Gruppen im Irak. Deswegen werden die Hashd nicht abziehen. Derzeit sind sie von der iranisch-irakischen Grenze im Osten \u00fcber Bagdad bis hoch zur irakisch-syrischen Grenze im Norden postiert. Einheiten Teherans k\u00f6nnten demnach auf dem Landweg vom Iran bis ans Mittelmeer durchmarschieren.<\/p>\n\n\n\n

Iran und Saudi-Arabien wollen Macht vergr\u00f6\u00dfern<\/h2>\n\n\n\n

Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n

In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n

Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3703,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:24:20","post_date_gmt":"2020-08-13 21:24:20","post_content":"\n

Deutschland str\u00e4ubt sich gegen die R\u00fcckkehr seiner eigenen Staatsb\u00fcrger, die zu IS-Terroristen wurden. Dabei hat die Bundesrepublik den Terror und die Terroristen einst exportiert. Und dies geschah wissentlich, sagt der Islamwissenschaftler Fabian Goldmann.<\/p>\n\n\n\n

Wann haben Sie sich eigentlich zuletzt von deutschen Terroristen distanziert? Zum Beispiel von Robert B.? Der Ex-Bundeswehrsoldat aus Solingen hat mutma\u00dflich bei einem Selbstmordattentat Anfang 2014 50 Menschen mit in den Tod gerissen. <\/p>\n\n\n\n

Oder von Yannik N.? Der junge Freiburger steuerte wahrscheinlich im Jahr 2015 einen mit anderthalb Tonnen Sprengstoff beladenen LKW in eine Menschenmenge und nahm so Dutzenden Personen das Leben.<\/p>\n\n\n\n

Oder von Yamin A.?. Im Sommer 2015 tauchte im Netz ein Video auf, das zeigte, wie der ehemalige Telekom-Azubi aus K\u00f6nigswinter zwei gefesselten Soldaten in den Kopf schoss.
Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Deutsche T\u00e4ter, aber kaum deutsche Opfer<\/h2>\n\n\n\n

Hauptsache nicht bei uns! Dies scheint auch dieser Tage wieder die Maxime zu sein, wenn Politiker und \u00d6ffentlichkeit \u00fcber den Umgang mit deutschen Terroristen diskutieren. Von potenziellen Bedrohungen und Anschlagsgefahren in Deutschland liest man dann. Vom ganz realen Terror, den Deutsche in den vergangenen Jahren \u00fcber die Menschen in Syrien und Irak gebracht haben, h\u00f6rt man hingegen kaum. Ein Terror, der kaum deutsche Opfer aber umso mehr deutsche T\u00e4ter kannte.<\/p>\n\n\n\n

1.050 \u2013 das ist laut Bundesinnenministerium die Anzahl der Dschihadisten, die in den letzten Jahren die Bundesrepublik in Richtung Nahost verlassen hat. Es f\u00e4llt schwer, sich umgekehrtes Szenario \u00fcberhaupt auszumalen. Was w\u00e4re wohl los, h\u00e4tte es nur ein Bruchteil arabischer Terroristen geschafft, bei uns Anschl\u00e4ge zu begehen? Europas \u201eMuslim Bann\u201c? \u00dcberwachungsstaat auf NSA-Niveau?<\/p>\n\n\n\n

Die CSU st\u00fcnde wom\u00f6glich am linken Ende des politischen Spektrums, und auf Twitter w\u00fcrde Trump deutsche Migrationspolitiker zur M\u00e4\u00dfigung aufrufen. Der deutsche Terror in Nahost kommt hingegen seit Jahren ganz ohne Sondersendungen, politische Debatten und Distanzierungsforderungen aus. <\/p>\n\n\n\n

Deutsche K\u00e4mpfer waren nicht nur willenloses Kanonenfutter<\/h2>\n\n\n\n

An fehlendem Wissen liegt das nicht. Von ganzen Einheiten des IS, in denen kein einziger K\u00e4mpfer Arabisch spreche, berichten syrische, irakische und kurdische Soldaten schon seit Jahren. Von Aleppo \u00fcber Raqqa bis Mossul haben Aktivisten und Politiker immer wieder darauf hingewiesen, dass viele der schlimmsten M\u00f6rder in den Reihen des IS Europ\u00e4er sind. Interessiert hat das hier kaum jemand.<\/p>\n\n\n\n

Dabei dienten Deutsche dem Islamischen Staats nicht nur als willenloses Kanonenfutter, wie es oft dargestellt wird. Viele haben seinen Terror mitgepr\u00e4gt. Wie Martin L., der derzeit in kurdischer Haft sitzt. Der Schwei\u00dfer aus Sachsen-Anhalt soll sich vom Folterknecht bis zum Geheimdienstler mit Kontakten bis in die F\u00fchrungsspitze der Terrororganisation hochgearbeitet haben.<\/p>\n\n\n\n

Oder Reda S., Der Prediger aus Berlin-Charlottenburg soll dem IS in Mossul als Bildungsminister gedient haben. Oder der Berliner Ex-Rapper Denis Cuspert, der zu den wichtigsten Personen in der IS-Medienorganisation Al-Hayat geh\u00f6rte. Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Beh\u00f6rden wussten gut Bescheid<\/h2>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich entstand der Islamische Staat nicht in deutschen Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen. Zur deutschen Verantwortung geh\u00f6rt aber auch, dass Politiker und Beh\u00f6rden lange wegschauten, solang nur die T\u00e4ter, aber nicht die Opfer Deutsche waren. Beh\u00f6rden wissen und wussten erschreckend gut Bescheid \u00fcber die Radikalisierung deutscher Islamisten. Ein Gro\u00dfteil der sp\u00e4teren IS-K\u00e4mpfer war polizeibekannt, stand auf Gef\u00e4hrderlisten oder hatte wegen islamistischer Straftaten bereits Haftstrafen verb\u00fc\u00dft. An der Ausreise gehindert wurden sie oftmals dennoch nicht. Die Gefahr, die von deutschen Terroristen ausgeht, interessierte Politik und \u00d6ffentlichkeit erst dann wieder, als ihre Einreise drohte.<\/p>\n\n\n\n

\"Fabian
Fabian Goldmann<\/strong> ist Journalist und Islamwissenschaftler. F\u00fcr verschiedene Magazine und Zeitungen berichtete er viele Jahre aus Nahost. Zurzeit widmet er sich vor allem dem Islam diesseits des Bosporus. Auf seinem Blog Schantall und die Scharia<\/a> bloggt er \u00fcber Islamophobie in Deutschland.<\/p>\n","post_title":"Es sind unsere Terroristen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"es-sind-unsere-terroristen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3703","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3700,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:19:36","post_date_gmt":"2020-08-13 21:19:36","post_content":"\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda? Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda t<\/p>\n\n\n\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda tritt an die Stelle der 2010 verabschiedeten Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014 (siehe IP\/10\/1535<\/a>). In der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda f\u00fcr den Zeitraum 2015-2020 skizziert die Europ\u00e4ische Kommission die Strategie der Union zur Bew\u00e4ltigung der Sicherheitsbedrohungen in der EU.<\/p>\n\n\n\n

Die EU und ihre Mitgliedstaaten sind mit betr\u00e4chtlichen Sicherheitsproblemen konfrontiert. Terrorismus, organisierte Kriminalit\u00e4t und Cyberkriminalit\u00e4t stellen eine zunehmende Gefahr f\u00fcr die europ\u00e4ische Gesellschaft dar, wobei sich Art und Ausma\u00df dieser Gefahr ver\u00e4ndert hat. Europa ist mit den Auswirkungen der politischen Instabilit\u00e4t in seiner unmittelbaren Nachbarschaft konfrontiert, die die Sicherheitsinteressen der EU gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n

Im Zuge der Krisen und Konflikte in Syrien, Irak und Libyen haben sich europ\u00e4ische B\u00fcrger terroristischen Gruppen angeschlossen, die bei ihrer R\u00fcckkehr eine erhebliche Bedrohung darstellen k\u00f6nnen. Die j\u00fcngsten terroristischen Anschl\u00e4ge in Europa zeugen von der zunehmenden Bedrohung durch einen gewaltt\u00e4tigen Extremismus und zeigen, in welchem Ausma\u00df weltweite Konflikte zur Radikalisierung der europ\u00e4ischen B\u00fcrger beitragen.<\/p>\n\n\n\n

Das Online-Umfeld hat sich zunehmend als Ziel f\u00fcr Kriminelle und Terroristen entwickelt. Unabh\u00e4ngig davon, ob es um die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und die Anwerbung von Menschen f\u00fcr terroristische Organisationen geht oder die Verbreitung von Hass oder einen Angriff auf die europ\u00e4ischen Werte und Institutionen, fest steht, dass wir unsere Reaktion auf diese Bedrohungen unbedingt abstimmen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Welcher Mehrwert entsteht durch die EU im Bereich der inneren Sicherheit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Gew\u00e4hrleistung der inneren Sicherheit f\u00e4llt weiterhin in erster Linie in die Zust\u00e4ndigkeit der Mitgliedstaaten. Allerdings werden die Bedrohungen f\u00fcr Europas B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger immer vielf\u00e4ltiger und betreffen in zunehmendem Ma\u00dfe mehrere Mitgliedstaaten. Einzelne Mitgliedstaaten haben die Verantwortung, die Sicherheit an den Au\u00dfengrenzen zu gew\u00e4hrleisten, sind aber nicht mehr in der Lage, diese Herausforderungen allein zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n

Kriminelle und terroristische Aktivit\u00e4ten machen nicht an den Grenzen der EU halt und beschr\u00e4nken sich auch nicht auf Nachbarregionen. Die innere Sicherheit der EU und die globale Sicherheit sind voneinander abh\u00e4ngig und miteinander verkn\u00fcpft. Die Sicherheit der Union h\u00e4ngt in hohem Ma\u00dfe von der Zusammenarbeit mit ihren internationalen Partnern und ihren Nachbarl\u00e4ndern ab.<\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t und des Terrorismus ist eine gemeinsame europ\u00e4ische Aufgabe. Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda sollte von den Mitgliedstaaten und den EU-Organen gemeinsam als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und gemeinsame Ma\u00dfnahmen der Union genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n

Mit Hilfe der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda werden die Polizei- und Strafverfolgungsdienste in verschiedenen Mitgliedstaaten Daten effektiver austauschen und bei der Bek\u00e4mpfung der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t besser zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Die Mitgliedstaaten k\u00f6nnen auf die Unterst\u00fctzung durch die Agenturen der EU z\u00e4hlen. Insbesondere in folgenden Punkten l\u00e4sst sich mit Hilfe der Sicherheitsagenda ein EU-Mehrwert erzielen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n

A) Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und den EU-Agenturen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1<\/strong>: Das Schengener Informationssystem<\/strong> (SIS) wird von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Abfrage von Ausschreibungen von gesuchten oder vermissten Personen und Gegenst\u00e4nden genutzt. Die Kommission wird an der Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Ausschreibungskategorien arbeiten und sich daf\u00fcr einsetzen, dass das SIS zusammen mit der Interpol-Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD)<\/strong> umfassender genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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W\u00e4hrenddessen machen Menschenrechtsorganisationen regelm\u00e4\u00dfig darauf aufmerksam, dass keine Region am Hindukusch sicher ist. Stattdessen wird in manchen Gebieten nur weniger Krieg gef\u00fchrt als in anderen.<\/p>\n\n\n\n

\"SieDemonstranten protestieren in Frankfurt am Main gegen die Abschiebung von Afghanen. Auf einem der Transparente steht \u201eAfghanistan is not safe\u201c. (AFP \/ Daniel Roland)<\/p>\n\n\n\n

Alis Vater und Onkel k\u00e4mpfen in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein \u00e4hnliches Schicksal wie Abu Fazel erlitt der 18-j\u00e4hrige Ali (Namen ge\u00e4ndert). Auch er floh aus dem Iran nach Deutschland, um der Rekrutierung f\u00fcr Assads Milizen zu entgehen. Viele seiner afghanischen Freunde sind bereits nach Syrien gezogen \u2013 und kamen niemals zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Alis Familie, ebenfalls Angeh\u00f6rige der Hazara-Minderheit, stammt urspr\u00fcnglich aus der Provinz Ghor im Nordosten Afghanistans. Ihre Heimat verlie\u00dfen sie w\u00e4hrend der sowjetischen Besatzung in den 1980er-Jahren.<\/p>\n\n\n\n

Seit jeher lebt die Familie in der iranischen Gro\u00dfstadt Maschhad. Als der Krieg in Syrien ausbrach, erreichte sie ein Konflikt, mit dem sie nicht gerechnet hatten. Im Juli 2015 reiste Alis Vater nach Teheran. Er wollte einen Weg finden, um f\u00fcr seine Familie Aufenthaltspapiere zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Beh\u00f6rden sagten ihm, dass die Rekrutierung f\u00fcr den Krieg in Syrien eine M\u00f6glichkeit darstellen k\u00f6nnte, um Papiere f\u00fcr uns alle zu erhalten. Andernfalls w\u00fcrde man uns sehr bald nach Afghanistan abschieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Mittlerweile k\u00e4mpfen Alis Vater und sein Onkel seit \u00fcber einem Jahr in Syrien. Am Aufenthaltsstatus seiner Familienmitglieder hat sich bis heute allerdings nichts ge\u00e4ndert. F\u00fcr Ali ist klar, dass dies nur eine Falle gewesen ist, um noch mehr Afghanen als Kanonenfutter zu missbrauchen.<\/p>\n\n\n\n

Anfangs gab es Papiere f\u00fcr K\u00e4mpfer-Familien<\/h2>\n\n\n\n

Den Kontakt zu seinem Vater hat der Afghane mittlerweile verloren. W\u00e4hrenddessen schickt ihm sein Onkel, der in Aleppo stationiert ist, hin und wieder Bilder \u00fcber den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ali denkt, dass nur sehr wenige Afghanen der Propaganda der iranischen Regierung glauben und in Syrien f\u00fcr eine \u201egute Sache\u201c k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

Source<\/a><\/p>\n","post_title":"Warum Afghanen in Syrien f\u00fcr Assad k\u00e4mpfen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"warum-afghanen-in-syrien-fur-assad-kampfen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3709","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3706,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:27:40","post_date_gmt":"2020-08-13 21:27:40","post_content":"\n

Kinder, Frauen, Jesiden \u2013 wer \u00fcberlebt hat, berichtet von Folter, Vergewaltigungen und Gehirnw\u00e4sche. Rund drei Jahre dauerte die Schreckensherrschaft der IS-Miliz in Syrien und Irak. Der Wiederaufbau wird l\u00e4nger dauern und mehr umfassen als H\u00e4user.<\/p>\n\n\n\n

Der Fluss Tigris durchzieht die zweitgr\u00f6\u00dfte Stadt des Iraks und teilt Mosul in Ost und West. Das Westufer ist von Zerst\u00f6rung gezeichnet, die Altstadt nicht mehr als eine einzige graue Tr\u00fcmmerlandschaft. Seit den letzten Bombardements im Juli 2017 kann hier niemand mehr wohnen.<\/p>\n\n\n\n

Die Nouri-Moschee, von deren Kanzel Abu Bakr al-Baghdadi im Juli 2014 sein Kalifat ausrief, hatte die IS-Miliz auf ihrem R\u00fcckzug vorsorglich selbst in die Luft gesprengt, um den Gegnern diesen besonderen Triumph zu verwehren.<\/p>\n\n\n\n

\"ImIm Juli 2017 erobert die irakische Armee Mossul zur\u00fcck. Ruinen sind zu sehen. Ein K\u00e4mpfer der IS-Miliz hat sich ergeben. (Imago \/ Carol Guzy)<\/p>\n\n\n\n

Es ist fraglich, ob die Altstadt dem Original getreu wieder aufgebaut werden kann. Bagdad will demn\u00e4chst \u2013 im Rahmen einer gro\u00dfen Wiederaufbau-Konferenz \u2013 bekannt geben, welche Pl\u00e4ne es hat. Derzeit gilt als gro\u00dfer Fortschritt, dass die Tr\u00fcmmerlandschaft in Teilen wieder begehbar ist \u2013 nachdem mit internationaler Hilfe zahllose Sprengs\u00e4tze beseitigt wurden.<\/p>\n\n\n\n

In Ost-Mossul gibt es weniger Zerst\u00f6rungen<\/h2>\n\n\n\n

J\u00fcngste Sch\u00e4tzungen der Vereinten Nationen besagen, dass es noch Jahre dauern wird, bis alle Minen ger\u00e4umt sind. Solange werden die einstigen Bewohner nicht zur\u00fcckkehren k\u00f6nnen. Manche von ihnen haben Gl\u00fcck im Ungl\u00fcck: Sie haben \u00fcberlebt und sind auf der anderen Seite des Tigris untergekommen, im Osten der Stadt. Der war schon im Januar 2017 von den Terroristen befreit worden. Erstaunlich ist: Dieser Teil Mosuls wirkt fast so, als w\u00e4re der \u201eIS\u201c niemals hier gewesen und als h\u00e4tte es keinen Krieg gegeben.<\/p>\n\n\n\n

\"ImIm Osten Mossuls gibt es weniger Zerst\u00f6rungen als im Westteil. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

Die Zerst\u00f6rungen beschr\u00e4nken sich auf strategisch-wichtige Punkte oder Geb\u00e4ude, in denen sich die Terroristen verschanzt hatten: Br\u00fccken, Moscheen, Krankenh\u00e4user. Doch im Basar herrscht fast so etwas wie Normalit\u00e4t. An St\u00e4nden kaufen Menschen ein \u2013 Obst, Gem\u00fcse, Reis und Nudeln, Backwaren. Kinder schlecken ein Eis. Abu Muhammad, ein ehemaliger Physiklehrer, erkl\u00e4rt, warum der Basar so anders ist als erwartet:<\/p>\n\n\n\n

\u201eDas Leben hatte nie aufgeh\u00f6rt in Mosul. Wir haben weitergelebt. Drei Jahre wurden wir vom \u201aIS\u2018 beherrscht, doch die normalen Leute hatten nichts damit zu tun. Daher kam der Alltag schnell zur\u00fcck. Die Soldaten sind gekommen, haben den Basar wieder aufgemacht und das Leben ging weiter.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Im Osten findet sich heute all das wieder, was die Terror-Miliz unterdr\u00fcckt hatte und bei Missachtung grausam ahndete: Musik in Restaurants und Caf\u00e9s; Sim-Karten f\u00fcr Handys; Internet; Fris\u00f6re, die Haare schneiden, B\u00e4rte stutzen oder gar abrasieren. Und doch: Trotz des lebendigen Treibens wirken Angst und Schrecken nach. Abu Muhammad, fr\u00fch ergraut, erinnert sich:<\/p>\n\n\n\n

\u201eWir haben uns gef\u00fchlt wie zwischen Leben und Tod. Irgendwo dazwischen. Sie haben vom \u201aIS\u2018 geh\u00f6rt; wir haben ihn erlebt: Wir haben erlebt, wie sie mordeten, wie sie Leute aufh\u00e4ngten, wir haben den Krieg erlebt. Wir haben alles gesehen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Mohammed stammt aus dem zerst\u00f6rten Westen der Stadt. Er wohnt heute im Osten. Verwandte haben ihn und seine Familie aufgenommen. So wie ihm ergeht es auch anderen Vertriebenen. Sie leben bei Verwandten und Freunden. Oder in einem der vielen Lager. 700.000 Menschen haben ihr Zuhause verloren \u2013 eine Zahl, die f\u00fcr West-Mosul gilt. Insgesamt gehen die Vereinten Nationen von fast sechs Millionen Menschen aus, die im Irak vor dem \u201aIS\u2018 geflohen sind \u2013 die H\u00e4lfte von ihnen bis heute fern von ihrem Zuhause.<\/p>\n\n\n\n

Binnenfl\u00fcchtlinge im Lager Khabartu<\/h2>\n\n\n\n

Zelte soweit das Auge reicht. Abertausende. Inmitten von Steppe. Das Leben der Menschen ist hart. Sie darben, frieren und verdorren \u2013 wenn im Winter der kalte Wind durch die Steppe fegt und im Sommer die Sonne niederbrennt. Doch sie harren aus, haben wenig Hoffnung auf baldige R\u00fcckkehr. Die meisten kamen 2014 \u2013 hierher, ins Lager Khabartu in Irakisch-Kurdistan.<\/p>\n\n\n\n

\"DasDas Lager Khabartu f\u00fcr irakische Binnenfl\u00fcchtlinge. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

2014, als der \u201eIS\u201c den Nord-Irak \u00fcberfiel. In einem der Zelte lebt auch die Familie von Thomas Abdallah Hammou. Thomas war auf der Flucht von seiner Familie getrennt und von den Dschihadisten verschleppt worden. Damals war er acht Jahre alt. Ein Kind. Drei Jahre blieb er in Geiselhaft, lebte in Mosul.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollten nicht, dass wir spielen. Sie mochten es nicht. Ich habe keine Schule besucht, aber sie gaben uns Koran-Unterricht. Jeden Tag.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas musste seinem eigenen, dem jesidischen Glauben abschw\u00f6ren. Weil der \u201eIS\u201c die Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c betrachtet. Und \u201eUngl\u00e4ubige\u201c, so die Auffassung der Terroristen, m\u00fcssen zwangsbekehrt werden. Oder get\u00f6tet. Die Terroristen hatten dementsprechend die Jesiden entweder an Ort und Stelle ermordet, die meisten im Sinjar, im alten Siedlungsgebiet der Jesiden im Nord-Irak. Tausende. 47 Massengr\u00e4ber sollen mittlerweile gefunden worden sein. Oder aber die Terroristen lie\u00dfen die Jesiden am Leben und nahmen sie in Geiselhaft. Sie machten aus ihnen Sexsklavinnen oder sie bildeten sie aus \u2013 zu Selbstmordattent\u00e4tern. Wie Thomas.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie haben uns st\u00e4ndig geschlagen. Wir mussten Schie\u00dfen \u00fcben. Zwei meiner Freunde haben sich in die Luft gesprengt. Sie sind zum Training. Doch sie kamen nicht zur\u00fcck. Ich war nicht traurig. Sie wollten sich ja in die Luft sprengen. Die \u201aIS\u2018-Leute hatten es nicht von ihnen verlangt. Sie sind freiwillig gegangen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas hat heute einen modernen Haarschnitt; der Nacken ist ausrasiert; der lange Pony in die Stirn gek\u00e4mmt. Im Sommer sah er noch anders aus, kurz nachdem Mosul befreit worden war. Bei einem Luftangriff der Anti-\u201eIS\u201c-Koalition wurde Thomas schwer verletzt aus Tr\u00fcmmern geborgen, dann operiert.<\/p>\n\n\n\n

\"ThomasThomas erholt sich von drei Jahren IS-Gefangenschaft. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

Arbeit mit \u201eDschihadisten-Kindern\u201c<\/h2>\n\n\n\n

Die \u00e4u\u00dferen Wunden sind heute verheilt. Doch wie sieht es aus mit den inneren, den seelischen Verletzungen? Thomas wurde von seiner Familie aufgenommen und bekommt Hilfe. Andere Kinder konnten nicht aufgefangen werden. Bis heute betrachten sie Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c \u2013 so wie es ihnen in der Geiselhaft eingeh\u00e4mmert wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie sind eine gro\u00dfe Gefahr f\u00fcr andere Kinder. Sie leben in Lagern, in einem Zelt, auf sechs mal vier Metern, oder noch weniger! Acht Geschwister, sie spielen zusammen, reden, sie indoktrinieren die anderen! Das ist ein Problem, das wir nicht l\u00f6sen k\u00f6nnen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Sara Hassan ist Sozialarbeiterin. Sie arbeitet in den Lagern, versucht M\u00e4dchen und Frauen, die jahrelang in Geiselhaft vergewaltigt wurden, zu helfen. Unz\u00e4hlige hatte der \u201eIS\u201c einst entf\u00fchrt. Sara arbeitet auch mit den sogenannten \u201eDschihadisten-Kindern\u201c. Sie erz\u00e4hlt, wie \u00fcberfordert alle seien: die Familien, die jesidische Gemeinschaft, die Gesellschaft des Nord-Irak.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIn einem anderen Fall hat sich die Familie am Ende an die Sicherheitskr\u00e4fte gewandt. Doch die wussten auch nicht, wie sie damit umgehen sollten. Monate lang hat die Familie versucht, den Jungen umzuerziehen, zusammen mit Sozialarbeitern. Aber noch immer sehen wir den Hass in seinen Augen \u2013 gegen\u00fcber Kurden, Christen und Jesiden. Als blicke man in die Augen eines IS-Terroristen. Das ist das Problem.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Die Jesiden k\u00f6nnen \u00fcber ihre vom \u201eIS\u201c indoktrinierten Kinder sprechen. Denn niemand zweifelt daran, dass sie Opfer der Tyrannei wurden. Bei den sunnitischen Arabern sieht das anders aus. Da sie derselben Religionsgruppe angeh\u00f6ren wie formal auch die Terroristen, stehen sie unter Generalverdacht, mit dem \u201eIS\u201c gemeinsame Sache gemacht zu haben. Sunnitische Araber trauen sich daher nicht, die Probleme ihrer Kinder \u00f6ffentlich zu machen \u2013 auch wenn sie selbst nichts mit dem \u201eIS\u201c zu tun hatten.<\/p>\n\n\n\n

Unklar ist, wie viele Kinder und Jugendliche im Irak und in Syrien zu Terroristen ausgebildet wurden, dabei noch in Geiselhaft sind oder bereits als \u201eSchl\u00e4fer\u201c darauf warten, zum Einsatz zu kommen. Sie gleichen \u201etickenden Zeitbomben\u201c, die jederzeit explodieren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

Minderheiten haben Angst vor \u201eIS\u201c-Nachfolgern<\/h2>\n\n\n\n

Kamaran Palani spricht davon, dass viele Menschen immer noch gehen wollen, obwohl der \u201eIS\u201c als staats\u00e4hnliches Gebilde nicht mehr besteht. Seine Saat aber, so der Politikwissenschaftler, sei aufgegangen.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollen einfach nicht in diesem Land bleiben. Der IS hat sie dazu gebracht. Jeder hat heute Angst, dass eine andere Organisation kommen wird, Terroristen, die dasselbe anrichten wie zuvor.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Palani forscht am \u201eMiddle East Research Institute\u201c, das seinen Sitz in Erbil hat, der Hauptstadt von Irakisch-Kurdistan. <\/p>\n\n\n\n

\u201e60 bis 65 Prozent der Christen wollen gehen. Das Gleiche gilt f\u00fcr andere Minderheiten: f\u00fcr Jesiden, Schabaks, Turkmenen, Kakais.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

\u201eWir werden niemals wieder mit den Arabern zusammenleben k\u00f6nnen!\u201c \u2013 ein Satz, der heute h\u00e4ufig im Nord-Irak zu h\u00f6ren ist. Gemeint sind die Iraker, die Sunniten und Araber sind \u2013 die einstmals Nachbarn von Jesiden, Christen und Kurden waren \u2013 mit denen man Handel trieb und Hochzeiten feierte, die auch Freunde waren.<\/p>\n\n\n\n

Der Irak ist eine multi-ethnische und multi-religi\u00f6se Gesellschaft, in der die Schiiten die Mehrheit stellen. \u00dcber Jahrhunderte aber hatten die sunnitischen Araber das Sagen, sie missbrauchten die Macht, errichteten ein Schreckensregime \u2013 bis 2003, als Diktator Saddam Hussein von den USA gest\u00fcrzt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c entstand aus Widerstand gegen Schiiten-Herrschaft<\/h2>\n\n\n\n

Jetzt wurde der Spie\u00df umgedreht. Die Amerikaner sorgten daf\u00fcr, dass die Sunniten jegliche Machtposition verloren \u2013 so wurde die irakische Armee, wurde die baathistische Partei aufgel\u00f6st \u2013 ohne ein Pendant zu schaffen, das alle integrierte. Und: Washington unterst\u00fctzte Regierungschef Nouri al-Maliki, einen Schiiten. Maliki sah eine historische Chance gekommen, diskriminierte nun seinerseits seine sunnitischen Landsleute, verwehrte ihnen im \u201eNeuen Irak\u201c die Mitsprache. Im Regime Malikis wurden Sunniten inhaftiert, gefoltert und umgebracht.<\/p>\n\n\n\n

Was viele in den Widerstand trieb. Einige schlossen sich der Terror-Organisation \u201eAl-Qaida\u201c an, unter ihnen f\u00fchrende Milit\u00e4rs der aufgel\u00f6sten Armee Saddam Husseins \u2013 und aus \u201eAl-Qaida\u201c ging sp\u00e4ter der \u201eIS\u201c hervor.<\/p>\n\n\n\n

Als der \u201eIS\u201c dann im Sommer 2014 fast ohne Gegenwehr weite Landstriche in Syrien und im Irak \u00fcberrannte und seinen \u201eStaat\u201c ausrief, sahen auch gew\u00f6hnliche sunnitische Araber einen Wechsel nahen. Viele machten gemeinsame Sache mit den Terroristen, verhinderten die Flucht jesidischer Nachbarn, lieferten sie ihren Schl\u00e4chtern aus. Kamaran Palani:<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c-K\u00e4mpfer haben gesagt, es gehe darum, die W\u00fcrde der sunnitischen Araber wiederherzustellen. Ihre Macht. Ihre Geschichte. Tats\u00e4chlich konnten es die Araber nicht hinnehmen, dass sie ins Abseits gedr\u00e4ngt wurden. Und ich denke, dass sie auch in Zukunft so handeln werden. Wann immer sich die Gelegenheit bietet: Sie werden alles hinter sich lassen \u2013 sich nur darauf konzentrieren.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Misstrauen. Auch bei einem Politikwissenschaftler. Was also tun? Zerst\u00f6rte St\u00e4dte und D\u00f6rfer k\u00f6nnten wieder aufgebaut werden \u2013 wenn denn ein gemeinsamer Wille best\u00fcnde. Doch was, wenn es einen solchen gemeinsamen Willen gar nicht gibt? Wenn Schmerz und Trauer anhalten, wenn die Verbrechen von Terroristen und Helfershelfern nicht geahndet werden, wenn Angst umgeht, Misstrauen und Hass das Miteinander bestimmen.<\/p>\n\n\n\n

\"SyrischeSoldaten in der irakischen Stadt Sindschar nach der R\u00fcckeroberung von der IS-Miliz Ende 2015. (dpa \/ MAXPPP \/ Arnaud Dumontier)<\/p>\n\n\n\n

Kamaran Palani stammt aus der Stadt Makhmour. Drei Tage nur sei der \u201eIS\u201c dort gewesen, sagt er, doch diese Tage h\u00e4tten alles ver\u00e4ndert. Der \u201eIS\u201c habe die Menschen in seiner Heimatstadt verrohen lassen, meint er, das Verh\u00e4ltnis zwischen Kurden und Arabern sei heute tot. Eine R\u00fcckkehr in alte Zeiten h\u00e4lt Palani f\u00fcr falsch.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch denke, es w\u00e4re nicht einfach, in das Jahr 2014 \u2013 also in die Zeit vor dem \u201aIS\u2018 \u2013 zur\u00fcckzukehren. Vor allem aber w\u00e4re es nicht die richtige Politik. Denn eben die hat ja erst zum Aufkommen, zur Existenz des \u201aIS\u2018 gef\u00fchrt.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n


Wie also in Ruinen Neues schaffen? Der Staat muss das Gewaltmonopol zur\u00fcckerlangen, fordert der Politikwissenschaftler. F\u00fcr ihn steht das an erster Stelle. Und dann m\u00fcsse der Staat dringend einen Kurswechsel vornehmen: Er m\u00fcsse integrativ wirken, alle einbinden, auch die Araber, in Sicherheitskr\u00e4fte, Verwaltung und Politik.<\/p>\n\n\n\n

Machtmonopol m\u00fcsste von Milizen zum Staat gehen<\/h2>\n\n\n\n

Die Realit\u00e4t sieht anders aus: Ein Staat Kurdistan, der neue Optionen m\u00f6glich gemacht h\u00e4tte, auch von den Minderheiten gew\u00fcnscht worden war, ist nicht entstanden. Bagdad aber ist fern, der Zentralstaat kaum existent, und wenn, dann ist er schiitisch dominiert. Es sind Milizen, die im Nord-Irak das Geschehen bestimmen, darum rivalisieren, das Machtvakuum zu f\u00fcllen, das durch die Vertreibung des \u201eIS\u201c entstanden ist. Einst im Kampf gegen die Terroristen geeint, sind die Milizen einander heute feind.<\/p>\n\n\n\n

Allen voran die \u201eHashd ash-Shaabi\u201c, schiitisch-irakische Milizen, deren Ausbilder und Kommandeure h\u00e4ufig Iraner sind. Bagdad hat die Haschd als regul\u00e4re Kraft im Kampf gegen den \u201eIS\u201c anerkannt \u2013 obwohl Menschenrechts-Organisationen schwere Vorw\u00fcrfe gegen sie erheben. Fest steht: Die schiitischen Milizen halten D\u00f6rfer besetzt, sind in Mosul f\u00fcr ihr herrisches Auftreten und ihre Willk\u00fcr bekannt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eTats\u00e4chlich sorgen die verschiedenen bewaffneten Gruppen daf\u00fcr, dass die Fl\u00fcchtlinge nicht zur\u00fcckkehren. Und weil sie nicht zur\u00fcckkehren, gibt es auch keinen Wiederaufbau. Die Menschen haben Angst vor den Milizen \u2013 auch davor, dass die einander bek\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die \u201eHashd\u201c m\u00fcssten mithin abziehen. Und mit ihnen die anderen Milizen. Das Machtmonopol m\u00fcsste an den Staat gehen. Doch der Irak ist auch Spielball der Regionalm\u00e4chte: Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien. Sie konkurrieren um Einfluss-Sph\u00e4ren, bedienen sich dabei verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Gruppen im Irak. Deswegen werden die Hashd nicht abziehen. Derzeit sind sie von der iranisch-irakischen Grenze im Osten \u00fcber Bagdad bis hoch zur irakisch-syrischen Grenze im Norden postiert. Einheiten Teherans k\u00f6nnten demnach auf dem Landweg vom Iran bis ans Mittelmeer durchmarschieren.<\/p>\n\n\n\n

Iran und Saudi-Arabien wollen Macht vergr\u00f6\u00dfern<\/h2>\n\n\n\n

Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n

In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n

Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3703,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:24:20","post_date_gmt":"2020-08-13 21:24:20","post_content":"\n

Deutschland str\u00e4ubt sich gegen die R\u00fcckkehr seiner eigenen Staatsb\u00fcrger, die zu IS-Terroristen wurden. Dabei hat die Bundesrepublik den Terror und die Terroristen einst exportiert. Und dies geschah wissentlich, sagt der Islamwissenschaftler Fabian Goldmann.<\/p>\n\n\n\n

Wann haben Sie sich eigentlich zuletzt von deutschen Terroristen distanziert? Zum Beispiel von Robert B.? Der Ex-Bundeswehrsoldat aus Solingen hat mutma\u00dflich bei einem Selbstmordattentat Anfang 2014 50 Menschen mit in den Tod gerissen. <\/p>\n\n\n\n

Oder von Yannik N.? Der junge Freiburger steuerte wahrscheinlich im Jahr 2015 einen mit anderthalb Tonnen Sprengstoff beladenen LKW in eine Menschenmenge und nahm so Dutzenden Personen das Leben.<\/p>\n\n\n\n

Oder von Yamin A.?. Im Sommer 2015 tauchte im Netz ein Video auf, das zeigte, wie der ehemalige Telekom-Azubi aus K\u00f6nigswinter zwei gefesselten Soldaten in den Kopf schoss.
Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Deutsche T\u00e4ter, aber kaum deutsche Opfer<\/h2>\n\n\n\n

Hauptsache nicht bei uns! Dies scheint auch dieser Tage wieder die Maxime zu sein, wenn Politiker und \u00d6ffentlichkeit \u00fcber den Umgang mit deutschen Terroristen diskutieren. Von potenziellen Bedrohungen und Anschlagsgefahren in Deutschland liest man dann. Vom ganz realen Terror, den Deutsche in den vergangenen Jahren \u00fcber die Menschen in Syrien und Irak gebracht haben, h\u00f6rt man hingegen kaum. Ein Terror, der kaum deutsche Opfer aber umso mehr deutsche T\u00e4ter kannte.<\/p>\n\n\n\n

1.050 \u2013 das ist laut Bundesinnenministerium die Anzahl der Dschihadisten, die in den letzten Jahren die Bundesrepublik in Richtung Nahost verlassen hat. Es f\u00e4llt schwer, sich umgekehrtes Szenario \u00fcberhaupt auszumalen. Was w\u00e4re wohl los, h\u00e4tte es nur ein Bruchteil arabischer Terroristen geschafft, bei uns Anschl\u00e4ge zu begehen? Europas \u201eMuslim Bann\u201c? \u00dcberwachungsstaat auf NSA-Niveau?<\/p>\n\n\n\n

Die CSU st\u00fcnde wom\u00f6glich am linken Ende des politischen Spektrums, und auf Twitter w\u00fcrde Trump deutsche Migrationspolitiker zur M\u00e4\u00dfigung aufrufen. Der deutsche Terror in Nahost kommt hingegen seit Jahren ganz ohne Sondersendungen, politische Debatten und Distanzierungsforderungen aus. <\/p>\n\n\n\n

Deutsche K\u00e4mpfer waren nicht nur willenloses Kanonenfutter<\/h2>\n\n\n\n

An fehlendem Wissen liegt das nicht. Von ganzen Einheiten des IS, in denen kein einziger K\u00e4mpfer Arabisch spreche, berichten syrische, irakische und kurdische Soldaten schon seit Jahren. Von Aleppo \u00fcber Raqqa bis Mossul haben Aktivisten und Politiker immer wieder darauf hingewiesen, dass viele der schlimmsten M\u00f6rder in den Reihen des IS Europ\u00e4er sind. Interessiert hat das hier kaum jemand.<\/p>\n\n\n\n

Dabei dienten Deutsche dem Islamischen Staats nicht nur als willenloses Kanonenfutter, wie es oft dargestellt wird. Viele haben seinen Terror mitgepr\u00e4gt. Wie Martin L., der derzeit in kurdischer Haft sitzt. Der Schwei\u00dfer aus Sachsen-Anhalt soll sich vom Folterknecht bis zum Geheimdienstler mit Kontakten bis in die F\u00fchrungsspitze der Terrororganisation hochgearbeitet haben.<\/p>\n\n\n\n

Oder Reda S., Der Prediger aus Berlin-Charlottenburg soll dem IS in Mossul als Bildungsminister gedient haben. Oder der Berliner Ex-Rapper Denis Cuspert, der zu den wichtigsten Personen in der IS-Medienorganisation Al-Hayat geh\u00f6rte. Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Beh\u00f6rden wussten gut Bescheid<\/h2>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich entstand der Islamische Staat nicht in deutschen Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen. Zur deutschen Verantwortung geh\u00f6rt aber auch, dass Politiker und Beh\u00f6rden lange wegschauten, solang nur die T\u00e4ter, aber nicht die Opfer Deutsche waren. Beh\u00f6rden wissen und wussten erschreckend gut Bescheid \u00fcber die Radikalisierung deutscher Islamisten. Ein Gro\u00dfteil der sp\u00e4teren IS-K\u00e4mpfer war polizeibekannt, stand auf Gef\u00e4hrderlisten oder hatte wegen islamistischer Straftaten bereits Haftstrafen verb\u00fc\u00dft. An der Ausreise gehindert wurden sie oftmals dennoch nicht. Die Gefahr, die von deutschen Terroristen ausgeht, interessierte Politik und \u00d6ffentlichkeit erst dann wieder, als ihre Einreise drohte.<\/p>\n\n\n\n

\"Fabian
Fabian Goldmann<\/strong> ist Journalist und Islamwissenschaftler. F\u00fcr verschiedene Magazine und Zeitungen berichtete er viele Jahre aus Nahost. Zurzeit widmet er sich vor allem dem Islam diesseits des Bosporus. Auf seinem Blog Schantall und die Scharia<\/a> bloggt er \u00fcber Islamophobie in Deutschland.<\/p>\n","post_title":"Es sind unsere Terroristen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"es-sind-unsere-terroristen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3703","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3700,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:19:36","post_date_gmt":"2020-08-13 21:19:36","post_content":"\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda? Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda t<\/p>\n\n\n\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda tritt an die Stelle der 2010 verabschiedeten Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014 (siehe IP\/10\/1535<\/a>). In der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda f\u00fcr den Zeitraum 2015-2020 skizziert die Europ\u00e4ische Kommission die Strategie der Union zur Bew\u00e4ltigung der Sicherheitsbedrohungen in der EU.<\/p>\n\n\n\n

Die EU und ihre Mitgliedstaaten sind mit betr\u00e4chtlichen Sicherheitsproblemen konfrontiert. Terrorismus, organisierte Kriminalit\u00e4t und Cyberkriminalit\u00e4t stellen eine zunehmende Gefahr f\u00fcr die europ\u00e4ische Gesellschaft dar, wobei sich Art und Ausma\u00df dieser Gefahr ver\u00e4ndert hat. Europa ist mit den Auswirkungen der politischen Instabilit\u00e4t in seiner unmittelbaren Nachbarschaft konfrontiert, die die Sicherheitsinteressen der EU gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n

Im Zuge der Krisen und Konflikte in Syrien, Irak und Libyen haben sich europ\u00e4ische B\u00fcrger terroristischen Gruppen angeschlossen, die bei ihrer R\u00fcckkehr eine erhebliche Bedrohung darstellen k\u00f6nnen. Die j\u00fcngsten terroristischen Anschl\u00e4ge in Europa zeugen von der zunehmenden Bedrohung durch einen gewaltt\u00e4tigen Extremismus und zeigen, in welchem Ausma\u00df weltweite Konflikte zur Radikalisierung der europ\u00e4ischen B\u00fcrger beitragen.<\/p>\n\n\n\n

Das Online-Umfeld hat sich zunehmend als Ziel f\u00fcr Kriminelle und Terroristen entwickelt. Unabh\u00e4ngig davon, ob es um die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und die Anwerbung von Menschen f\u00fcr terroristische Organisationen geht oder die Verbreitung von Hass oder einen Angriff auf die europ\u00e4ischen Werte und Institutionen, fest steht, dass wir unsere Reaktion auf diese Bedrohungen unbedingt abstimmen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Welcher Mehrwert entsteht durch die EU im Bereich der inneren Sicherheit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Gew\u00e4hrleistung der inneren Sicherheit f\u00e4llt weiterhin in erster Linie in die Zust\u00e4ndigkeit der Mitgliedstaaten. Allerdings werden die Bedrohungen f\u00fcr Europas B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger immer vielf\u00e4ltiger und betreffen in zunehmendem Ma\u00dfe mehrere Mitgliedstaaten. Einzelne Mitgliedstaaten haben die Verantwortung, die Sicherheit an den Au\u00dfengrenzen zu gew\u00e4hrleisten, sind aber nicht mehr in der Lage, diese Herausforderungen allein zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n

Kriminelle und terroristische Aktivit\u00e4ten machen nicht an den Grenzen der EU halt und beschr\u00e4nken sich auch nicht auf Nachbarregionen. Die innere Sicherheit der EU und die globale Sicherheit sind voneinander abh\u00e4ngig und miteinander verkn\u00fcpft. Die Sicherheit der Union h\u00e4ngt in hohem Ma\u00dfe von der Zusammenarbeit mit ihren internationalen Partnern und ihren Nachbarl\u00e4ndern ab.<\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t und des Terrorismus ist eine gemeinsame europ\u00e4ische Aufgabe. Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda sollte von den Mitgliedstaaten und den EU-Organen gemeinsam als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und gemeinsame Ma\u00dfnahmen der Union genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n

Mit Hilfe der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda werden die Polizei- und Strafverfolgungsdienste in verschiedenen Mitgliedstaaten Daten effektiver austauschen und bei der Bek\u00e4mpfung der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t besser zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Die Mitgliedstaaten k\u00f6nnen auf die Unterst\u00fctzung durch die Agenturen der EU z\u00e4hlen. Insbesondere in folgenden Punkten l\u00e4sst sich mit Hilfe der Sicherheitsagenda ein EU-Mehrwert erzielen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n

A) Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und den EU-Agenturen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1<\/strong>: Das Schengener Informationssystem<\/strong> (SIS) wird von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Abfrage von Ausschreibungen von gesuchten oder vermissten Personen und Gegenst\u00e4nden genutzt. Die Kommission wird an der Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Ausschreibungskategorien arbeiten und sich daf\u00fcr einsetzen, dass das SIS zusammen mit der Interpol-Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD)<\/strong> umfassender genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

\n

Die Verantwortlichen weisen in diesem Kontext immer wieder auf vermeintlich \u201esichere Gebiete\u201c im Land, die nicht n\u00e4her benannt werden.<\/p>\n\n\n\n

W\u00e4hrenddessen machen Menschenrechtsorganisationen regelm\u00e4\u00dfig darauf aufmerksam, dass keine Region am Hindukusch sicher ist. Stattdessen wird in manchen Gebieten nur weniger Krieg gef\u00fchrt als in anderen.<\/p>\n\n\n\n

\"SieDemonstranten protestieren in Frankfurt am Main gegen die Abschiebung von Afghanen. Auf einem der Transparente steht \u201eAfghanistan is not safe\u201c. (AFP \/ Daniel Roland)<\/p>\n\n\n\n

Alis Vater und Onkel k\u00e4mpfen in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein \u00e4hnliches Schicksal wie Abu Fazel erlitt der 18-j\u00e4hrige Ali (Namen ge\u00e4ndert). Auch er floh aus dem Iran nach Deutschland, um der Rekrutierung f\u00fcr Assads Milizen zu entgehen. Viele seiner afghanischen Freunde sind bereits nach Syrien gezogen \u2013 und kamen niemals zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Alis Familie, ebenfalls Angeh\u00f6rige der Hazara-Minderheit, stammt urspr\u00fcnglich aus der Provinz Ghor im Nordosten Afghanistans. Ihre Heimat verlie\u00dfen sie w\u00e4hrend der sowjetischen Besatzung in den 1980er-Jahren.<\/p>\n\n\n\n

Seit jeher lebt die Familie in der iranischen Gro\u00dfstadt Maschhad. Als der Krieg in Syrien ausbrach, erreichte sie ein Konflikt, mit dem sie nicht gerechnet hatten. Im Juli 2015 reiste Alis Vater nach Teheran. Er wollte einen Weg finden, um f\u00fcr seine Familie Aufenthaltspapiere zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Beh\u00f6rden sagten ihm, dass die Rekrutierung f\u00fcr den Krieg in Syrien eine M\u00f6glichkeit darstellen k\u00f6nnte, um Papiere f\u00fcr uns alle zu erhalten. Andernfalls w\u00fcrde man uns sehr bald nach Afghanistan abschieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Mittlerweile k\u00e4mpfen Alis Vater und sein Onkel seit \u00fcber einem Jahr in Syrien. Am Aufenthaltsstatus seiner Familienmitglieder hat sich bis heute allerdings nichts ge\u00e4ndert. F\u00fcr Ali ist klar, dass dies nur eine Falle gewesen ist, um noch mehr Afghanen als Kanonenfutter zu missbrauchen.<\/p>\n\n\n\n

Anfangs gab es Papiere f\u00fcr K\u00e4mpfer-Familien<\/h2>\n\n\n\n

Den Kontakt zu seinem Vater hat der Afghane mittlerweile verloren. W\u00e4hrenddessen schickt ihm sein Onkel, der in Aleppo stationiert ist, hin und wieder Bilder \u00fcber den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ali denkt, dass nur sehr wenige Afghanen der Propaganda der iranischen Regierung glauben und in Syrien f\u00fcr eine \u201egute Sache\u201c k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

Source<\/a><\/p>\n","post_title":"Warum Afghanen in Syrien f\u00fcr Assad k\u00e4mpfen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"warum-afghanen-in-syrien-fur-assad-kampfen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3709","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3706,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:27:40","post_date_gmt":"2020-08-13 21:27:40","post_content":"\n

Kinder, Frauen, Jesiden \u2013 wer \u00fcberlebt hat, berichtet von Folter, Vergewaltigungen und Gehirnw\u00e4sche. Rund drei Jahre dauerte die Schreckensherrschaft der IS-Miliz in Syrien und Irak. Der Wiederaufbau wird l\u00e4nger dauern und mehr umfassen als H\u00e4user.<\/p>\n\n\n\n

Der Fluss Tigris durchzieht die zweitgr\u00f6\u00dfte Stadt des Iraks und teilt Mosul in Ost und West. Das Westufer ist von Zerst\u00f6rung gezeichnet, die Altstadt nicht mehr als eine einzige graue Tr\u00fcmmerlandschaft. Seit den letzten Bombardements im Juli 2017 kann hier niemand mehr wohnen.<\/p>\n\n\n\n

Die Nouri-Moschee, von deren Kanzel Abu Bakr al-Baghdadi im Juli 2014 sein Kalifat ausrief, hatte die IS-Miliz auf ihrem R\u00fcckzug vorsorglich selbst in die Luft gesprengt, um den Gegnern diesen besonderen Triumph zu verwehren.<\/p>\n\n\n\n

\"ImIm Juli 2017 erobert die irakische Armee Mossul zur\u00fcck. Ruinen sind zu sehen. Ein K\u00e4mpfer der IS-Miliz hat sich ergeben. (Imago \/ Carol Guzy)<\/p>\n\n\n\n

Es ist fraglich, ob die Altstadt dem Original getreu wieder aufgebaut werden kann. Bagdad will demn\u00e4chst \u2013 im Rahmen einer gro\u00dfen Wiederaufbau-Konferenz \u2013 bekannt geben, welche Pl\u00e4ne es hat. Derzeit gilt als gro\u00dfer Fortschritt, dass die Tr\u00fcmmerlandschaft in Teilen wieder begehbar ist \u2013 nachdem mit internationaler Hilfe zahllose Sprengs\u00e4tze beseitigt wurden.<\/p>\n\n\n\n

In Ost-Mossul gibt es weniger Zerst\u00f6rungen<\/h2>\n\n\n\n

J\u00fcngste Sch\u00e4tzungen der Vereinten Nationen besagen, dass es noch Jahre dauern wird, bis alle Minen ger\u00e4umt sind. Solange werden die einstigen Bewohner nicht zur\u00fcckkehren k\u00f6nnen. Manche von ihnen haben Gl\u00fcck im Ungl\u00fcck: Sie haben \u00fcberlebt und sind auf der anderen Seite des Tigris untergekommen, im Osten der Stadt. Der war schon im Januar 2017 von den Terroristen befreit worden. Erstaunlich ist: Dieser Teil Mosuls wirkt fast so, als w\u00e4re der \u201eIS\u201c niemals hier gewesen und als h\u00e4tte es keinen Krieg gegeben.<\/p>\n\n\n\n

\"ImIm Osten Mossuls gibt es weniger Zerst\u00f6rungen als im Westteil. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

Die Zerst\u00f6rungen beschr\u00e4nken sich auf strategisch-wichtige Punkte oder Geb\u00e4ude, in denen sich die Terroristen verschanzt hatten: Br\u00fccken, Moscheen, Krankenh\u00e4user. Doch im Basar herrscht fast so etwas wie Normalit\u00e4t. An St\u00e4nden kaufen Menschen ein \u2013 Obst, Gem\u00fcse, Reis und Nudeln, Backwaren. Kinder schlecken ein Eis. Abu Muhammad, ein ehemaliger Physiklehrer, erkl\u00e4rt, warum der Basar so anders ist als erwartet:<\/p>\n\n\n\n

\u201eDas Leben hatte nie aufgeh\u00f6rt in Mosul. Wir haben weitergelebt. Drei Jahre wurden wir vom \u201aIS\u2018 beherrscht, doch die normalen Leute hatten nichts damit zu tun. Daher kam der Alltag schnell zur\u00fcck. Die Soldaten sind gekommen, haben den Basar wieder aufgemacht und das Leben ging weiter.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Im Osten findet sich heute all das wieder, was die Terror-Miliz unterdr\u00fcckt hatte und bei Missachtung grausam ahndete: Musik in Restaurants und Caf\u00e9s; Sim-Karten f\u00fcr Handys; Internet; Fris\u00f6re, die Haare schneiden, B\u00e4rte stutzen oder gar abrasieren. Und doch: Trotz des lebendigen Treibens wirken Angst und Schrecken nach. Abu Muhammad, fr\u00fch ergraut, erinnert sich:<\/p>\n\n\n\n

\u201eWir haben uns gef\u00fchlt wie zwischen Leben und Tod. Irgendwo dazwischen. Sie haben vom \u201aIS\u2018 geh\u00f6rt; wir haben ihn erlebt: Wir haben erlebt, wie sie mordeten, wie sie Leute aufh\u00e4ngten, wir haben den Krieg erlebt. Wir haben alles gesehen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Mohammed stammt aus dem zerst\u00f6rten Westen der Stadt. Er wohnt heute im Osten. Verwandte haben ihn und seine Familie aufgenommen. So wie ihm ergeht es auch anderen Vertriebenen. Sie leben bei Verwandten und Freunden. Oder in einem der vielen Lager. 700.000 Menschen haben ihr Zuhause verloren \u2013 eine Zahl, die f\u00fcr West-Mosul gilt. Insgesamt gehen die Vereinten Nationen von fast sechs Millionen Menschen aus, die im Irak vor dem \u201aIS\u2018 geflohen sind \u2013 die H\u00e4lfte von ihnen bis heute fern von ihrem Zuhause.<\/p>\n\n\n\n

Binnenfl\u00fcchtlinge im Lager Khabartu<\/h2>\n\n\n\n

Zelte soweit das Auge reicht. Abertausende. Inmitten von Steppe. Das Leben der Menschen ist hart. Sie darben, frieren und verdorren \u2013 wenn im Winter der kalte Wind durch die Steppe fegt und im Sommer die Sonne niederbrennt. Doch sie harren aus, haben wenig Hoffnung auf baldige R\u00fcckkehr. Die meisten kamen 2014 \u2013 hierher, ins Lager Khabartu in Irakisch-Kurdistan.<\/p>\n\n\n\n

\"DasDas Lager Khabartu f\u00fcr irakische Binnenfl\u00fcchtlinge. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

2014, als der \u201eIS\u201c den Nord-Irak \u00fcberfiel. In einem der Zelte lebt auch die Familie von Thomas Abdallah Hammou. Thomas war auf der Flucht von seiner Familie getrennt und von den Dschihadisten verschleppt worden. Damals war er acht Jahre alt. Ein Kind. Drei Jahre blieb er in Geiselhaft, lebte in Mosul.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollten nicht, dass wir spielen. Sie mochten es nicht. Ich habe keine Schule besucht, aber sie gaben uns Koran-Unterricht. Jeden Tag.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas musste seinem eigenen, dem jesidischen Glauben abschw\u00f6ren. Weil der \u201eIS\u201c die Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c betrachtet. Und \u201eUngl\u00e4ubige\u201c, so die Auffassung der Terroristen, m\u00fcssen zwangsbekehrt werden. Oder get\u00f6tet. Die Terroristen hatten dementsprechend die Jesiden entweder an Ort und Stelle ermordet, die meisten im Sinjar, im alten Siedlungsgebiet der Jesiden im Nord-Irak. Tausende. 47 Massengr\u00e4ber sollen mittlerweile gefunden worden sein. Oder aber die Terroristen lie\u00dfen die Jesiden am Leben und nahmen sie in Geiselhaft. Sie machten aus ihnen Sexsklavinnen oder sie bildeten sie aus \u2013 zu Selbstmordattent\u00e4tern. Wie Thomas.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie haben uns st\u00e4ndig geschlagen. Wir mussten Schie\u00dfen \u00fcben. Zwei meiner Freunde haben sich in die Luft gesprengt. Sie sind zum Training. Doch sie kamen nicht zur\u00fcck. Ich war nicht traurig. Sie wollten sich ja in die Luft sprengen. Die \u201aIS\u2018-Leute hatten es nicht von ihnen verlangt. Sie sind freiwillig gegangen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas hat heute einen modernen Haarschnitt; der Nacken ist ausrasiert; der lange Pony in die Stirn gek\u00e4mmt. Im Sommer sah er noch anders aus, kurz nachdem Mosul befreit worden war. Bei einem Luftangriff der Anti-\u201eIS\u201c-Koalition wurde Thomas schwer verletzt aus Tr\u00fcmmern geborgen, dann operiert.<\/p>\n\n\n\n

\"ThomasThomas erholt sich von drei Jahren IS-Gefangenschaft. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

Arbeit mit \u201eDschihadisten-Kindern\u201c<\/h2>\n\n\n\n

Die \u00e4u\u00dferen Wunden sind heute verheilt. Doch wie sieht es aus mit den inneren, den seelischen Verletzungen? Thomas wurde von seiner Familie aufgenommen und bekommt Hilfe. Andere Kinder konnten nicht aufgefangen werden. Bis heute betrachten sie Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c \u2013 so wie es ihnen in der Geiselhaft eingeh\u00e4mmert wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie sind eine gro\u00dfe Gefahr f\u00fcr andere Kinder. Sie leben in Lagern, in einem Zelt, auf sechs mal vier Metern, oder noch weniger! Acht Geschwister, sie spielen zusammen, reden, sie indoktrinieren die anderen! Das ist ein Problem, das wir nicht l\u00f6sen k\u00f6nnen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Sara Hassan ist Sozialarbeiterin. Sie arbeitet in den Lagern, versucht M\u00e4dchen und Frauen, die jahrelang in Geiselhaft vergewaltigt wurden, zu helfen. Unz\u00e4hlige hatte der \u201eIS\u201c einst entf\u00fchrt. Sara arbeitet auch mit den sogenannten \u201eDschihadisten-Kindern\u201c. Sie erz\u00e4hlt, wie \u00fcberfordert alle seien: die Familien, die jesidische Gemeinschaft, die Gesellschaft des Nord-Irak.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIn einem anderen Fall hat sich die Familie am Ende an die Sicherheitskr\u00e4fte gewandt. Doch die wussten auch nicht, wie sie damit umgehen sollten. Monate lang hat die Familie versucht, den Jungen umzuerziehen, zusammen mit Sozialarbeitern. Aber noch immer sehen wir den Hass in seinen Augen \u2013 gegen\u00fcber Kurden, Christen und Jesiden. Als blicke man in die Augen eines IS-Terroristen. Das ist das Problem.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Die Jesiden k\u00f6nnen \u00fcber ihre vom \u201eIS\u201c indoktrinierten Kinder sprechen. Denn niemand zweifelt daran, dass sie Opfer der Tyrannei wurden. Bei den sunnitischen Arabern sieht das anders aus. Da sie derselben Religionsgruppe angeh\u00f6ren wie formal auch die Terroristen, stehen sie unter Generalverdacht, mit dem \u201eIS\u201c gemeinsame Sache gemacht zu haben. Sunnitische Araber trauen sich daher nicht, die Probleme ihrer Kinder \u00f6ffentlich zu machen \u2013 auch wenn sie selbst nichts mit dem \u201eIS\u201c zu tun hatten.<\/p>\n\n\n\n

Unklar ist, wie viele Kinder und Jugendliche im Irak und in Syrien zu Terroristen ausgebildet wurden, dabei noch in Geiselhaft sind oder bereits als \u201eSchl\u00e4fer\u201c darauf warten, zum Einsatz zu kommen. Sie gleichen \u201etickenden Zeitbomben\u201c, die jederzeit explodieren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

Minderheiten haben Angst vor \u201eIS\u201c-Nachfolgern<\/h2>\n\n\n\n

Kamaran Palani spricht davon, dass viele Menschen immer noch gehen wollen, obwohl der \u201eIS\u201c als staats\u00e4hnliches Gebilde nicht mehr besteht. Seine Saat aber, so der Politikwissenschaftler, sei aufgegangen.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollen einfach nicht in diesem Land bleiben. Der IS hat sie dazu gebracht. Jeder hat heute Angst, dass eine andere Organisation kommen wird, Terroristen, die dasselbe anrichten wie zuvor.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Palani forscht am \u201eMiddle East Research Institute\u201c, das seinen Sitz in Erbil hat, der Hauptstadt von Irakisch-Kurdistan. <\/p>\n\n\n\n

\u201e60 bis 65 Prozent der Christen wollen gehen. Das Gleiche gilt f\u00fcr andere Minderheiten: f\u00fcr Jesiden, Schabaks, Turkmenen, Kakais.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

\u201eWir werden niemals wieder mit den Arabern zusammenleben k\u00f6nnen!\u201c \u2013 ein Satz, der heute h\u00e4ufig im Nord-Irak zu h\u00f6ren ist. Gemeint sind die Iraker, die Sunniten und Araber sind \u2013 die einstmals Nachbarn von Jesiden, Christen und Kurden waren \u2013 mit denen man Handel trieb und Hochzeiten feierte, die auch Freunde waren.<\/p>\n\n\n\n

Der Irak ist eine multi-ethnische und multi-religi\u00f6se Gesellschaft, in der die Schiiten die Mehrheit stellen. \u00dcber Jahrhunderte aber hatten die sunnitischen Araber das Sagen, sie missbrauchten die Macht, errichteten ein Schreckensregime \u2013 bis 2003, als Diktator Saddam Hussein von den USA gest\u00fcrzt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c entstand aus Widerstand gegen Schiiten-Herrschaft<\/h2>\n\n\n\n

Jetzt wurde der Spie\u00df umgedreht. Die Amerikaner sorgten daf\u00fcr, dass die Sunniten jegliche Machtposition verloren \u2013 so wurde die irakische Armee, wurde die baathistische Partei aufgel\u00f6st \u2013 ohne ein Pendant zu schaffen, das alle integrierte. Und: Washington unterst\u00fctzte Regierungschef Nouri al-Maliki, einen Schiiten. Maliki sah eine historische Chance gekommen, diskriminierte nun seinerseits seine sunnitischen Landsleute, verwehrte ihnen im \u201eNeuen Irak\u201c die Mitsprache. Im Regime Malikis wurden Sunniten inhaftiert, gefoltert und umgebracht.<\/p>\n\n\n\n

Was viele in den Widerstand trieb. Einige schlossen sich der Terror-Organisation \u201eAl-Qaida\u201c an, unter ihnen f\u00fchrende Milit\u00e4rs der aufgel\u00f6sten Armee Saddam Husseins \u2013 und aus \u201eAl-Qaida\u201c ging sp\u00e4ter der \u201eIS\u201c hervor.<\/p>\n\n\n\n

Als der \u201eIS\u201c dann im Sommer 2014 fast ohne Gegenwehr weite Landstriche in Syrien und im Irak \u00fcberrannte und seinen \u201eStaat\u201c ausrief, sahen auch gew\u00f6hnliche sunnitische Araber einen Wechsel nahen. Viele machten gemeinsame Sache mit den Terroristen, verhinderten die Flucht jesidischer Nachbarn, lieferten sie ihren Schl\u00e4chtern aus. Kamaran Palani:<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c-K\u00e4mpfer haben gesagt, es gehe darum, die W\u00fcrde der sunnitischen Araber wiederherzustellen. Ihre Macht. Ihre Geschichte. Tats\u00e4chlich konnten es die Araber nicht hinnehmen, dass sie ins Abseits gedr\u00e4ngt wurden. Und ich denke, dass sie auch in Zukunft so handeln werden. Wann immer sich die Gelegenheit bietet: Sie werden alles hinter sich lassen \u2013 sich nur darauf konzentrieren.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Misstrauen. Auch bei einem Politikwissenschaftler. Was also tun? Zerst\u00f6rte St\u00e4dte und D\u00f6rfer k\u00f6nnten wieder aufgebaut werden \u2013 wenn denn ein gemeinsamer Wille best\u00fcnde. Doch was, wenn es einen solchen gemeinsamen Willen gar nicht gibt? Wenn Schmerz und Trauer anhalten, wenn die Verbrechen von Terroristen und Helfershelfern nicht geahndet werden, wenn Angst umgeht, Misstrauen und Hass das Miteinander bestimmen.<\/p>\n\n\n\n

\"SyrischeSoldaten in der irakischen Stadt Sindschar nach der R\u00fcckeroberung von der IS-Miliz Ende 2015. (dpa \/ MAXPPP \/ Arnaud Dumontier)<\/p>\n\n\n\n

Kamaran Palani stammt aus der Stadt Makhmour. Drei Tage nur sei der \u201eIS\u201c dort gewesen, sagt er, doch diese Tage h\u00e4tten alles ver\u00e4ndert. Der \u201eIS\u201c habe die Menschen in seiner Heimatstadt verrohen lassen, meint er, das Verh\u00e4ltnis zwischen Kurden und Arabern sei heute tot. Eine R\u00fcckkehr in alte Zeiten h\u00e4lt Palani f\u00fcr falsch.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch denke, es w\u00e4re nicht einfach, in das Jahr 2014 \u2013 also in die Zeit vor dem \u201aIS\u2018 \u2013 zur\u00fcckzukehren. Vor allem aber w\u00e4re es nicht die richtige Politik. Denn eben die hat ja erst zum Aufkommen, zur Existenz des \u201aIS\u2018 gef\u00fchrt.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n


Wie also in Ruinen Neues schaffen? Der Staat muss das Gewaltmonopol zur\u00fcckerlangen, fordert der Politikwissenschaftler. F\u00fcr ihn steht das an erster Stelle. Und dann m\u00fcsse der Staat dringend einen Kurswechsel vornehmen: Er m\u00fcsse integrativ wirken, alle einbinden, auch die Araber, in Sicherheitskr\u00e4fte, Verwaltung und Politik.<\/p>\n\n\n\n

Machtmonopol m\u00fcsste von Milizen zum Staat gehen<\/h2>\n\n\n\n

Die Realit\u00e4t sieht anders aus: Ein Staat Kurdistan, der neue Optionen m\u00f6glich gemacht h\u00e4tte, auch von den Minderheiten gew\u00fcnscht worden war, ist nicht entstanden. Bagdad aber ist fern, der Zentralstaat kaum existent, und wenn, dann ist er schiitisch dominiert. Es sind Milizen, die im Nord-Irak das Geschehen bestimmen, darum rivalisieren, das Machtvakuum zu f\u00fcllen, das durch die Vertreibung des \u201eIS\u201c entstanden ist. Einst im Kampf gegen die Terroristen geeint, sind die Milizen einander heute feind.<\/p>\n\n\n\n

Allen voran die \u201eHashd ash-Shaabi\u201c, schiitisch-irakische Milizen, deren Ausbilder und Kommandeure h\u00e4ufig Iraner sind. Bagdad hat die Haschd als regul\u00e4re Kraft im Kampf gegen den \u201eIS\u201c anerkannt \u2013 obwohl Menschenrechts-Organisationen schwere Vorw\u00fcrfe gegen sie erheben. Fest steht: Die schiitischen Milizen halten D\u00f6rfer besetzt, sind in Mosul f\u00fcr ihr herrisches Auftreten und ihre Willk\u00fcr bekannt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eTats\u00e4chlich sorgen die verschiedenen bewaffneten Gruppen daf\u00fcr, dass die Fl\u00fcchtlinge nicht zur\u00fcckkehren. Und weil sie nicht zur\u00fcckkehren, gibt es auch keinen Wiederaufbau. Die Menschen haben Angst vor den Milizen \u2013 auch davor, dass die einander bek\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die \u201eHashd\u201c m\u00fcssten mithin abziehen. Und mit ihnen die anderen Milizen. Das Machtmonopol m\u00fcsste an den Staat gehen. Doch der Irak ist auch Spielball der Regionalm\u00e4chte: Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien. Sie konkurrieren um Einfluss-Sph\u00e4ren, bedienen sich dabei verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Gruppen im Irak. Deswegen werden die Hashd nicht abziehen. Derzeit sind sie von der iranisch-irakischen Grenze im Osten \u00fcber Bagdad bis hoch zur irakisch-syrischen Grenze im Norden postiert. Einheiten Teherans k\u00f6nnten demnach auf dem Landweg vom Iran bis ans Mittelmeer durchmarschieren.<\/p>\n\n\n\n

Iran und Saudi-Arabien wollen Macht vergr\u00f6\u00dfern<\/h2>\n\n\n\n

Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n

In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n

Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3703,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:24:20","post_date_gmt":"2020-08-13 21:24:20","post_content":"\n

Deutschland str\u00e4ubt sich gegen die R\u00fcckkehr seiner eigenen Staatsb\u00fcrger, die zu IS-Terroristen wurden. Dabei hat die Bundesrepublik den Terror und die Terroristen einst exportiert. Und dies geschah wissentlich, sagt der Islamwissenschaftler Fabian Goldmann.<\/p>\n\n\n\n

Wann haben Sie sich eigentlich zuletzt von deutschen Terroristen distanziert? Zum Beispiel von Robert B.? Der Ex-Bundeswehrsoldat aus Solingen hat mutma\u00dflich bei einem Selbstmordattentat Anfang 2014 50 Menschen mit in den Tod gerissen. <\/p>\n\n\n\n

Oder von Yannik N.? Der junge Freiburger steuerte wahrscheinlich im Jahr 2015 einen mit anderthalb Tonnen Sprengstoff beladenen LKW in eine Menschenmenge und nahm so Dutzenden Personen das Leben.<\/p>\n\n\n\n

Oder von Yamin A.?. Im Sommer 2015 tauchte im Netz ein Video auf, das zeigte, wie der ehemalige Telekom-Azubi aus K\u00f6nigswinter zwei gefesselten Soldaten in den Kopf schoss.
Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Deutsche T\u00e4ter, aber kaum deutsche Opfer<\/h2>\n\n\n\n

Hauptsache nicht bei uns! Dies scheint auch dieser Tage wieder die Maxime zu sein, wenn Politiker und \u00d6ffentlichkeit \u00fcber den Umgang mit deutschen Terroristen diskutieren. Von potenziellen Bedrohungen und Anschlagsgefahren in Deutschland liest man dann. Vom ganz realen Terror, den Deutsche in den vergangenen Jahren \u00fcber die Menschen in Syrien und Irak gebracht haben, h\u00f6rt man hingegen kaum. Ein Terror, der kaum deutsche Opfer aber umso mehr deutsche T\u00e4ter kannte.<\/p>\n\n\n\n

1.050 \u2013 das ist laut Bundesinnenministerium die Anzahl der Dschihadisten, die in den letzten Jahren die Bundesrepublik in Richtung Nahost verlassen hat. Es f\u00e4llt schwer, sich umgekehrtes Szenario \u00fcberhaupt auszumalen. Was w\u00e4re wohl los, h\u00e4tte es nur ein Bruchteil arabischer Terroristen geschafft, bei uns Anschl\u00e4ge zu begehen? Europas \u201eMuslim Bann\u201c? \u00dcberwachungsstaat auf NSA-Niveau?<\/p>\n\n\n\n

Die CSU st\u00fcnde wom\u00f6glich am linken Ende des politischen Spektrums, und auf Twitter w\u00fcrde Trump deutsche Migrationspolitiker zur M\u00e4\u00dfigung aufrufen. Der deutsche Terror in Nahost kommt hingegen seit Jahren ganz ohne Sondersendungen, politische Debatten und Distanzierungsforderungen aus. <\/p>\n\n\n\n

Deutsche K\u00e4mpfer waren nicht nur willenloses Kanonenfutter<\/h2>\n\n\n\n

An fehlendem Wissen liegt das nicht. Von ganzen Einheiten des IS, in denen kein einziger K\u00e4mpfer Arabisch spreche, berichten syrische, irakische und kurdische Soldaten schon seit Jahren. Von Aleppo \u00fcber Raqqa bis Mossul haben Aktivisten und Politiker immer wieder darauf hingewiesen, dass viele der schlimmsten M\u00f6rder in den Reihen des IS Europ\u00e4er sind. Interessiert hat das hier kaum jemand.<\/p>\n\n\n\n

Dabei dienten Deutsche dem Islamischen Staats nicht nur als willenloses Kanonenfutter, wie es oft dargestellt wird. Viele haben seinen Terror mitgepr\u00e4gt. Wie Martin L., der derzeit in kurdischer Haft sitzt. Der Schwei\u00dfer aus Sachsen-Anhalt soll sich vom Folterknecht bis zum Geheimdienstler mit Kontakten bis in die F\u00fchrungsspitze der Terrororganisation hochgearbeitet haben.<\/p>\n\n\n\n

Oder Reda S., Der Prediger aus Berlin-Charlottenburg soll dem IS in Mossul als Bildungsminister gedient haben. Oder der Berliner Ex-Rapper Denis Cuspert, der zu den wichtigsten Personen in der IS-Medienorganisation Al-Hayat geh\u00f6rte. Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Beh\u00f6rden wussten gut Bescheid<\/h2>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich entstand der Islamische Staat nicht in deutschen Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen. Zur deutschen Verantwortung geh\u00f6rt aber auch, dass Politiker und Beh\u00f6rden lange wegschauten, solang nur die T\u00e4ter, aber nicht die Opfer Deutsche waren. Beh\u00f6rden wissen und wussten erschreckend gut Bescheid \u00fcber die Radikalisierung deutscher Islamisten. Ein Gro\u00dfteil der sp\u00e4teren IS-K\u00e4mpfer war polizeibekannt, stand auf Gef\u00e4hrderlisten oder hatte wegen islamistischer Straftaten bereits Haftstrafen verb\u00fc\u00dft. An der Ausreise gehindert wurden sie oftmals dennoch nicht. Die Gefahr, die von deutschen Terroristen ausgeht, interessierte Politik und \u00d6ffentlichkeit erst dann wieder, als ihre Einreise drohte.<\/p>\n\n\n\n

\"Fabian
Fabian Goldmann<\/strong> ist Journalist und Islamwissenschaftler. F\u00fcr verschiedene Magazine und Zeitungen berichtete er viele Jahre aus Nahost. Zurzeit widmet er sich vor allem dem Islam diesseits des Bosporus. Auf seinem Blog Schantall und die Scharia<\/a> bloggt er \u00fcber Islamophobie in Deutschland.<\/p>\n","post_title":"Es sind unsere Terroristen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"es-sind-unsere-terroristen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3703","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3700,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:19:36","post_date_gmt":"2020-08-13 21:19:36","post_content":"\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda? Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda t<\/p>\n\n\n\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda tritt an die Stelle der 2010 verabschiedeten Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014 (siehe IP\/10\/1535<\/a>). In der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda f\u00fcr den Zeitraum 2015-2020 skizziert die Europ\u00e4ische Kommission die Strategie der Union zur Bew\u00e4ltigung der Sicherheitsbedrohungen in der EU.<\/p>\n\n\n\n

Die EU und ihre Mitgliedstaaten sind mit betr\u00e4chtlichen Sicherheitsproblemen konfrontiert. Terrorismus, organisierte Kriminalit\u00e4t und Cyberkriminalit\u00e4t stellen eine zunehmende Gefahr f\u00fcr die europ\u00e4ische Gesellschaft dar, wobei sich Art und Ausma\u00df dieser Gefahr ver\u00e4ndert hat. Europa ist mit den Auswirkungen der politischen Instabilit\u00e4t in seiner unmittelbaren Nachbarschaft konfrontiert, die die Sicherheitsinteressen der EU gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n

Im Zuge der Krisen und Konflikte in Syrien, Irak und Libyen haben sich europ\u00e4ische B\u00fcrger terroristischen Gruppen angeschlossen, die bei ihrer R\u00fcckkehr eine erhebliche Bedrohung darstellen k\u00f6nnen. Die j\u00fcngsten terroristischen Anschl\u00e4ge in Europa zeugen von der zunehmenden Bedrohung durch einen gewaltt\u00e4tigen Extremismus und zeigen, in welchem Ausma\u00df weltweite Konflikte zur Radikalisierung der europ\u00e4ischen B\u00fcrger beitragen.<\/p>\n\n\n\n

Das Online-Umfeld hat sich zunehmend als Ziel f\u00fcr Kriminelle und Terroristen entwickelt. Unabh\u00e4ngig davon, ob es um die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und die Anwerbung von Menschen f\u00fcr terroristische Organisationen geht oder die Verbreitung von Hass oder einen Angriff auf die europ\u00e4ischen Werte und Institutionen, fest steht, dass wir unsere Reaktion auf diese Bedrohungen unbedingt abstimmen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Welcher Mehrwert entsteht durch die EU im Bereich der inneren Sicherheit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Gew\u00e4hrleistung der inneren Sicherheit f\u00e4llt weiterhin in erster Linie in die Zust\u00e4ndigkeit der Mitgliedstaaten. Allerdings werden die Bedrohungen f\u00fcr Europas B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger immer vielf\u00e4ltiger und betreffen in zunehmendem Ma\u00dfe mehrere Mitgliedstaaten. Einzelne Mitgliedstaaten haben die Verantwortung, die Sicherheit an den Au\u00dfengrenzen zu gew\u00e4hrleisten, sind aber nicht mehr in der Lage, diese Herausforderungen allein zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n

Kriminelle und terroristische Aktivit\u00e4ten machen nicht an den Grenzen der EU halt und beschr\u00e4nken sich auch nicht auf Nachbarregionen. Die innere Sicherheit der EU und die globale Sicherheit sind voneinander abh\u00e4ngig und miteinander verkn\u00fcpft. Die Sicherheit der Union h\u00e4ngt in hohem Ma\u00dfe von der Zusammenarbeit mit ihren internationalen Partnern und ihren Nachbarl\u00e4ndern ab.<\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t und des Terrorismus ist eine gemeinsame europ\u00e4ische Aufgabe. Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda sollte von den Mitgliedstaaten und den EU-Organen gemeinsam als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und gemeinsame Ma\u00dfnahmen der Union genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n

Mit Hilfe der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda werden die Polizei- und Strafverfolgungsdienste in verschiedenen Mitgliedstaaten Daten effektiver austauschen und bei der Bek\u00e4mpfung der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t besser zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Die Mitgliedstaaten k\u00f6nnen auf die Unterst\u00fctzung durch die Agenturen der EU z\u00e4hlen. Insbesondere in folgenden Punkten l\u00e4sst sich mit Hilfe der Sicherheitsagenda ein EU-Mehrwert erzielen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n

A) Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und den EU-Agenturen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1<\/strong>: Das Schengener Informationssystem<\/strong> (SIS) wird von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Abfrage von Ausschreibungen von gesuchten oder vermissten Personen und Gegenst\u00e4nden genutzt. Die Kommission wird an der Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Ausschreibungskategorien arbeiten und sich daf\u00fcr einsetzen, dass das SIS zusammen mit der Interpol-Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD)<\/strong> umfassender genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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\"EinAbschiebung von Afghanen im Dezember 2016 mit einem Charterflug von Frankfurt nach Kabul. (dpa \/picture alliance \/ Boris Roessler)<\/p>\n\n\n\n

Die Verantwortlichen weisen in diesem Kontext immer wieder auf vermeintlich \u201esichere Gebiete\u201c im Land, die nicht n\u00e4her benannt werden.<\/p>\n\n\n\n

W\u00e4hrenddessen machen Menschenrechtsorganisationen regelm\u00e4\u00dfig darauf aufmerksam, dass keine Region am Hindukusch sicher ist. Stattdessen wird in manchen Gebieten nur weniger Krieg gef\u00fchrt als in anderen.<\/p>\n\n\n\n

\"SieDemonstranten protestieren in Frankfurt am Main gegen die Abschiebung von Afghanen. Auf einem der Transparente steht \u201eAfghanistan is not safe\u201c. (AFP \/ Daniel Roland)<\/p>\n\n\n\n

Alis Vater und Onkel k\u00e4mpfen in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein \u00e4hnliches Schicksal wie Abu Fazel erlitt der 18-j\u00e4hrige Ali (Namen ge\u00e4ndert). Auch er floh aus dem Iran nach Deutschland, um der Rekrutierung f\u00fcr Assads Milizen zu entgehen. Viele seiner afghanischen Freunde sind bereits nach Syrien gezogen \u2013 und kamen niemals zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Alis Familie, ebenfalls Angeh\u00f6rige der Hazara-Minderheit, stammt urspr\u00fcnglich aus der Provinz Ghor im Nordosten Afghanistans. Ihre Heimat verlie\u00dfen sie w\u00e4hrend der sowjetischen Besatzung in den 1980er-Jahren.<\/p>\n\n\n\n

Seit jeher lebt die Familie in der iranischen Gro\u00dfstadt Maschhad. Als der Krieg in Syrien ausbrach, erreichte sie ein Konflikt, mit dem sie nicht gerechnet hatten. Im Juli 2015 reiste Alis Vater nach Teheran. Er wollte einen Weg finden, um f\u00fcr seine Familie Aufenthaltspapiere zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Beh\u00f6rden sagten ihm, dass die Rekrutierung f\u00fcr den Krieg in Syrien eine M\u00f6glichkeit darstellen k\u00f6nnte, um Papiere f\u00fcr uns alle zu erhalten. Andernfalls w\u00fcrde man uns sehr bald nach Afghanistan abschieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Mittlerweile k\u00e4mpfen Alis Vater und sein Onkel seit \u00fcber einem Jahr in Syrien. Am Aufenthaltsstatus seiner Familienmitglieder hat sich bis heute allerdings nichts ge\u00e4ndert. F\u00fcr Ali ist klar, dass dies nur eine Falle gewesen ist, um noch mehr Afghanen als Kanonenfutter zu missbrauchen.<\/p>\n\n\n\n

Anfangs gab es Papiere f\u00fcr K\u00e4mpfer-Familien<\/h2>\n\n\n\n

Den Kontakt zu seinem Vater hat der Afghane mittlerweile verloren. W\u00e4hrenddessen schickt ihm sein Onkel, der in Aleppo stationiert ist, hin und wieder Bilder \u00fcber den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ali denkt, dass nur sehr wenige Afghanen der Propaganda der iranischen Regierung glauben und in Syrien f\u00fcr eine \u201egute Sache\u201c k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

Source<\/a><\/p>\n","post_title":"Warum Afghanen in Syrien f\u00fcr Assad k\u00e4mpfen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"warum-afghanen-in-syrien-fur-assad-kampfen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3709","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3706,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:27:40","post_date_gmt":"2020-08-13 21:27:40","post_content":"\n

Kinder, Frauen, Jesiden \u2013 wer \u00fcberlebt hat, berichtet von Folter, Vergewaltigungen und Gehirnw\u00e4sche. Rund drei Jahre dauerte die Schreckensherrschaft der IS-Miliz in Syrien und Irak. Der Wiederaufbau wird l\u00e4nger dauern und mehr umfassen als H\u00e4user.<\/p>\n\n\n\n

Der Fluss Tigris durchzieht die zweitgr\u00f6\u00dfte Stadt des Iraks und teilt Mosul in Ost und West. Das Westufer ist von Zerst\u00f6rung gezeichnet, die Altstadt nicht mehr als eine einzige graue Tr\u00fcmmerlandschaft. Seit den letzten Bombardements im Juli 2017 kann hier niemand mehr wohnen.<\/p>\n\n\n\n

Die Nouri-Moschee, von deren Kanzel Abu Bakr al-Baghdadi im Juli 2014 sein Kalifat ausrief, hatte die IS-Miliz auf ihrem R\u00fcckzug vorsorglich selbst in die Luft gesprengt, um den Gegnern diesen besonderen Triumph zu verwehren.<\/p>\n\n\n\n

\"ImIm Juli 2017 erobert die irakische Armee Mossul zur\u00fcck. Ruinen sind zu sehen. Ein K\u00e4mpfer der IS-Miliz hat sich ergeben. (Imago \/ Carol Guzy)<\/p>\n\n\n\n

Es ist fraglich, ob die Altstadt dem Original getreu wieder aufgebaut werden kann. Bagdad will demn\u00e4chst \u2013 im Rahmen einer gro\u00dfen Wiederaufbau-Konferenz \u2013 bekannt geben, welche Pl\u00e4ne es hat. Derzeit gilt als gro\u00dfer Fortschritt, dass die Tr\u00fcmmerlandschaft in Teilen wieder begehbar ist \u2013 nachdem mit internationaler Hilfe zahllose Sprengs\u00e4tze beseitigt wurden.<\/p>\n\n\n\n

In Ost-Mossul gibt es weniger Zerst\u00f6rungen<\/h2>\n\n\n\n

J\u00fcngste Sch\u00e4tzungen der Vereinten Nationen besagen, dass es noch Jahre dauern wird, bis alle Minen ger\u00e4umt sind. Solange werden die einstigen Bewohner nicht zur\u00fcckkehren k\u00f6nnen. Manche von ihnen haben Gl\u00fcck im Ungl\u00fcck: Sie haben \u00fcberlebt und sind auf der anderen Seite des Tigris untergekommen, im Osten der Stadt. Der war schon im Januar 2017 von den Terroristen befreit worden. Erstaunlich ist: Dieser Teil Mosuls wirkt fast so, als w\u00e4re der \u201eIS\u201c niemals hier gewesen und als h\u00e4tte es keinen Krieg gegeben.<\/p>\n\n\n\n

\"ImIm Osten Mossuls gibt es weniger Zerst\u00f6rungen als im Westteil. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

Die Zerst\u00f6rungen beschr\u00e4nken sich auf strategisch-wichtige Punkte oder Geb\u00e4ude, in denen sich die Terroristen verschanzt hatten: Br\u00fccken, Moscheen, Krankenh\u00e4user. Doch im Basar herrscht fast so etwas wie Normalit\u00e4t. An St\u00e4nden kaufen Menschen ein \u2013 Obst, Gem\u00fcse, Reis und Nudeln, Backwaren. Kinder schlecken ein Eis. Abu Muhammad, ein ehemaliger Physiklehrer, erkl\u00e4rt, warum der Basar so anders ist als erwartet:<\/p>\n\n\n\n

\u201eDas Leben hatte nie aufgeh\u00f6rt in Mosul. Wir haben weitergelebt. Drei Jahre wurden wir vom \u201aIS\u2018 beherrscht, doch die normalen Leute hatten nichts damit zu tun. Daher kam der Alltag schnell zur\u00fcck. Die Soldaten sind gekommen, haben den Basar wieder aufgemacht und das Leben ging weiter.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Im Osten findet sich heute all das wieder, was die Terror-Miliz unterdr\u00fcckt hatte und bei Missachtung grausam ahndete: Musik in Restaurants und Caf\u00e9s; Sim-Karten f\u00fcr Handys; Internet; Fris\u00f6re, die Haare schneiden, B\u00e4rte stutzen oder gar abrasieren. Und doch: Trotz des lebendigen Treibens wirken Angst und Schrecken nach. Abu Muhammad, fr\u00fch ergraut, erinnert sich:<\/p>\n\n\n\n

\u201eWir haben uns gef\u00fchlt wie zwischen Leben und Tod. Irgendwo dazwischen. Sie haben vom \u201aIS\u2018 geh\u00f6rt; wir haben ihn erlebt: Wir haben erlebt, wie sie mordeten, wie sie Leute aufh\u00e4ngten, wir haben den Krieg erlebt. Wir haben alles gesehen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Mohammed stammt aus dem zerst\u00f6rten Westen der Stadt. Er wohnt heute im Osten. Verwandte haben ihn und seine Familie aufgenommen. So wie ihm ergeht es auch anderen Vertriebenen. Sie leben bei Verwandten und Freunden. Oder in einem der vielen Lager. 700.000 Menschen haben ihr Zuhause verloren \u2013 eine Zahl, die f\u00fcr West-Mosul gilt. Insgesamt gehen die Vereinten Nationen von fast sechs Millionen Menschen aus, die im Irak vor dem \u201aIS\u2018 geflohen sind \u2013 die H\u00e4lfte von ihnen bis heute fern von ihrem Zuhause.<\/p>\n\n\n\n

Binnenfl\u00fcchtlinge im Lager Khabartu<\/h2>\n\n\n\n

Zelte soweit das Auge reicht. Abertausende. Inmitten von Steppe. Das Leben der Menschen ist hart. Sie darben, frieren und verdorren \u2013 wenn im Winter der kalte Wind durch die Steppe fegt und im Sommer die Sonne niederbrennt. Doch sie harren aus, haben wenig Hoffnung auf baldige R\u00fcckkehr. Die meisten kamen 2014 \u2013 hierher, ins Lager Khabartu in Irakisch-Kurdistan.<\/p>\n\n\n\n

\"DasDas Lager Khabartu f\u00fcr irakische Binnenfl\u00fcchtlinge. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

2014, als der \u201eIS\u201c den Nord-Irak \u00fcberfiel. In einem der Zelte lebt auch die Familie von Thomas Abdallah Hammou. Thomas war auf der Flucht von seiner Familie getrennt und von den Dschihadisten verschleppt worden. Damals war er acht Jahre alt. Ein Kind. Drei Jahre blieb er in Geiselhaft, lebte in Mosul.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollten nicht, dass wir spielen. Sie mochten es nicht. Ich habe keine Schule besucht, aber sie gaben uns Koran-Unterricht. Jeden Tag.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas musste seinem eigenen, dem jesidischen Glauben abschw\u00f6ren. Weil der \u201eIS\u201c die Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c betrachtet. Und \u201eUngl\u00e4ubige\u201c, so die Auffassung der Terroristen, m\u00fcssen zwangsbekehrt werden. Oder get\u00f6tet. Die Terroristen hatten dementsprechend die Jesiden entweder an Ort und Stelle ermordet, die meisten im Sinjar, im alten Siedlungsgebiet der Jesiden im Nord-Irak. Tausende. 47 Massengr\u00e4ber sollen mittlerweile gefunden worden sein. Oder aber die Terroristen lie\u00dfen die Jesiden am Leben und nahmen sie in Geiselhaft. Sie machten aus ihnen Sexsklavinnen oder sie bildeten sie aus \u2013 zu Selbstmordattent\u00e4tern. Wie Thomas.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie haben uns st\u00e4ndig geschlagen. Wir mussten Schie\u00dfen \u00fcben. Zwei meiner Freunde haben sich in die Luft gesprengt. Sie sind zum Training. Doch sie kamen nicht zur\u00fcck. Ich war nicht traurig. Sie wollten sich ja in die Luft sprengen. Die \u201aIS\u2018-Leute hatten es nicht von ihnen verlangt. Sie sind freiwillig gegangen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas hat heute einen modernen Haarschnitt; der Nacken ist ausrasiert; der lange Pony in die Stirn gek\u00e4mmt. Im Sommer sah er noch anders aus, kurz nachdem Mosul befreit worden war. Bei einem Luftangriff der Anti-\u201eIS\u201c-Koalition wurde Thomas schwer verletzt aus Tr\u00fcmmern geborgen, dann operiert.<\/p>\n\n\n\n

\"ThomasThomas erholt sich von drei Jahren IS-Gefangenschaft. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

Arbeit mit \u201eDschihadisten-Kindern\u201c<\/h2>\n\n\n\n

Die \u00e4u\u00dferen Wunden sind heute verheilt. Doch wie sieht es aus mit den inneren, den seelischen Verletzungen? Thomas wurde von seiner Familie aufgenommen und bekommt Hilfe. Andere Kinder konnten nicht aufgefangen werden. Bis heute betrachten sie Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c \u2013 so wie es ihnen in der Geiselhaft eingeh\u00e4mmert wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie sind eine gro\u00dfe Gefahr f\u00fcr andere Kinder. Sie leben in Lagern, in einem Zelt, auf sechs mal vier Metern, oder noch weniger! Acht Geschwister, sie spielen zusammen, reden, sie indoktrinieren die anderen! Das ist ein Problem, das wir nicht l\u00f6sen k\u00f6nnen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Sara Hassan ist Sozialarbeiterin. Sie arbeitet in den Lagern, versucht M\u00e4dchen und Frauen, die jahrelang in Geiselhaft vergewaltigt wurden, zu helfen. Unz\u00e4hlige hatte der \u201eIS\u201c einst entf\u00fchrt. Sara arbeitet auch mit den sogenannten \u201eDschihadisten-Kindern\u201c. Sie erz\u00e4hlt, wie \u00fcberfordert alle seien: die Familien, die jesidische Gemeinschaft, die Gesellschaft des Nord-Irak.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIn einem anderen Fall hat sich die Familie am Ende an die Sicherheitskr\u00e4fte gewandt. Doch die wussten auch nicht, wie sie damit umgehen sollten. Monate lang hat die Familie versucht, den Jungen umzuerziehen, zusammen mit Sozialarbeitern. Aber noch immer sehen wir den Hass in seinen Augen \u2013 gegen\u00fcber Kurden, Christen und Jesiden. Als blicke man in die Augen eines IS-Terroristen. Das ist das Problem.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Die Jesiden k\u00f6nnen \u00fcber ihre vom \u201eIS\u201c indoktrinierten Kinder sprechen. Denn niemand zweifelt daran, dass sie Opfer der Tyrannei wurden. Bei den sunnitischen Arabern sieht das anders aus. Da sie derselben Religionsgruppe angeh\u00f6ren wie formal auch die Terroristen, stehen sie unter Generalverdacht, mit dem \u201eIS\u201c gemeinsame Sache gemacht zu haben. Sunnitische Araber trauen sich daher nicht, die Probleme ihrer Kinder \u00f6ffentlich zu machen \u2013 auch wenn sie selbst nichts mit dem \u201eIS\u201c zu tun hatten.<\/p>\n\n\n\n

Unklar ist, wie viele Kinder und Jugendliche im Irak und in Syrien zu Terroristen ausgebildet wurden, dabei noch in Geiselhaft sind oder bereits als \u201eSchl\u00e4fer\u201c darauf warten, zum Einsatz zu kommen. Sie gleichen \u201etickenden Zeitbomben\u201c, die jederzeit explodieren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

Minderheiten haben Angst vor \u201eIS\u201c-Nachfolgern<\/h2>\n\n\n\n

Kamaran Palani spricht davon, dass viele Menschen immer noch gehen wollen, obwohl der \u201eIS\u201c als staats\u00e4hnliches Gebilde nicht mehr besteht. Seine Saat aber, so der Politikwissenschaftler, sei aufgegangen.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollen einfach nicht in diesem Land bleiben. Der IS hat sie dazu gebracht. Jeder hat heute Angst, dass eine andere Organisation kommen wird, Terroristen, die dasselbe anrichten wie zuvor.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Palani forscht am \u201eMiddle East Research Institute\u201c, das seinen Sitz in Erbil hat, der Hauptstadt von Irakisch-Kurdistan. <\/p>\n\n\n\n

\u201e60 bis 65 Prozent der Christen wollen gehen. Das Gleiche gilt f\u00fcr andere Minderheiten: f\u00fcr Jesiden, Schabaks, Turkmenen, Kakais.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

\u201eWir werden niemals wieder mit den Arabern zusammenleben k\u00f6nnen!\u201c \u2013 ein Satz, der heute h\u00e4ufig im Nord-Irak zu h\u00f6ren ist. Gemeint sind die Iraker, die Sunniten und Araber sind \u2013 die einstmals Nachbarn von Jesiden, Christen und Kurden waren \u2013 mit denen man Handel trieb und Hochzeiten feierte, die auch Freunde waren.<\/p>\n\n\n\n

Der Irak ist eine multi-ethnische und multi-religi\u00f6se Gesellschaft, in der die Schiiten die Mehrheit stellen. \u00dcber Jahrhunderte aber hatten die sunnitischen Araber das Sagen, sie missbrauchten die Macht, errichteten ein Schreckensregime \u2013 bis 2003, als Diktator Saddam Hussein von den USA gest\u00fcrzt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c entstand aus Widerstand gegen Schiiten-Herrschaft<\/h2>\n\n\n\n

Jetzt wurde der Spie\u00df umgedreht. Die Amerikaner sorgten daf\u00fcr, dass die Sunniten jegliche Machtposition verloren \u2013 so wurde die irakische Armee, wurde die baathistische Partei aufgel\u00f6st \u2013 ohne ein Pendant zu schaffen, das alle integrierte. Und: Washington unterst\u00fctzte Regierungschef Nouri al-Maliki, einen Schiiten. Maliki sah eine historische Chance gekommen, diskriminierte nun seinerseits seine sunnitischen Landsleute, verwehrte ihnen im \u201eNeuen Irak\u201c die Mitsprache. Im Regime Malikis wurden Sunniten inhaftiert, gefoltert und umgebracht.<\/p>\n\n\n\n

Was viele in den Widerstand trieb. Einige schlossen sich der Terror-Organisation \u201eAl-Qaida\u201c an, unter ihnen f\u00fchrende Milit\u00e4rs der aufgel\u00f6sten Armee Saddam Husseins \u2013 und aus \u201eAl-Qaida\u201c ging sp\u00e4ter der \u201eIS\u201c hervor.<\/p>\n\n\n\n

Als der \u201eIS\u201c dann im Sommer 2014 fast ohne Gegenwehr weite Landstriche in Syrien und im Irak \u00fcberrannte und seinen \u201eStaat\u201c ausrief, sahen auch gew\u00f6hnliche sunnitische Araber einen Wechsel nahen. Viele machten gemeinsame Sache mit den Terroristen, verhinderten die Flucht jesidischer Nachbarn, lieferten sie ihren Schl\u00e4chtern aus. Kamaran Palani:<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c-K\u00e4mpfer haben gesagt, es gehe darum, die W\u00fcrde der sunnitischen Araber wiederherzustellen. Ihre Macht. Ihre Geschichte. Tats\u00e4chlich konnten es die Araber nicht hinnehmen, dass sie ins Abseits gedr\u00e4ngt wurden. Und ich denke, dass sie auch in Zukunft so handeln werden. Wann immer sich die Gelegenheit bietet: Sie werden alles hinter sich lassen \u2013 sich nur darauf konzentrieren.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Misstrauen. Auch bei einem Politikwissenschaftler. Was also tun? Zerst\u00f6rte St\u00e4dte und D\u00f6rfer k\u00f6nnten wieder aufgebaut werden \u2013 wenn denn ein gemeinsamer Wille best\u00fcnde. Doch was, wenn es einen solchen gemeinsamen Willen gar nicht gibt? Wenn Schmerz und Trauer anhalten, wenn die Verbrechen von Terroristen und Helfershelfern nicht geahndet werden, wenn Angst umgeht, Misstrauen und Hass das Miteinander bestimmen.<\/p>\n\n\n\n

\"SyrischeSoldaten in der irakischen Stadt Sindschar nach der R\u00fcckeroberung von der IS-Miliz Ende 2015. (dpa \/ MAXPPP \/ Arnaud Dumontier)<\/p>\n\n\n\n

Kamaran Palani stammt aus der Stadt Makhmour. Drei Tage nur sei der \u201eIS\u201c dort gewesen, sagt er, doch diese Tage h\u00e4tten alles ver\u00e4ndert. Der \u201eIS\u201c habe die Menschen in seiner Heimatstadt verrohen lassen, meint er, das Verh\u00e4ltnis zwischen Kurden und Arabern sei heute tot. Eine R\u00fcckkehr in alte Zeiten h\u00e4lt Palani f\u00fcr falsch.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch denke, es w\u00e4re nicht einfach, in das Jahr 2014 \u2013 also in die Zeit vor dem \u201aIS\u2018 \u2013 zur\u00fcckzukehren. Vor allem aber w\u00e4re es nicht die richtige Politik. Denn eben die hat ja erst zum Aufkommen, zur Existenz des \u201aIS\u2018 gef\u00fchrt.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n


Wie also in Ruinen Neues schaffen? Der Staat muss das Gewaltmonopol zur\u00fcckerlangen, fordert der Politikwissenschaftler. F\u00fcr ihn steht das an erster Stelle. Und dann m\u00fcsse der Staat dringend einen Kurswechsel vornehmen: Er m\u00fcsse integrativ wirken, alle einbinden, auch die Araber, in Sicherheitskr\u00e4fte, Verwaltung und Politik.<\/p>\n\n\n\n

Machtmonopol m\u00fcsste von Milizen zum Staat gehen<\/h2>\n\n\n\n

Die Realit\u00e4t sieht anders aus: Ein Staat Kurdistan, der neue Optionen m\u00f6glich gemacht h\u00e4tte, auch von den Minderheiten gew\u00fcnscht worden war, ist nicht entstanden. Bagdad aber ist fern, der Zentralstaat kaum existent, und wenn, dann ist er schiitisch dominiert. Es sind Milizen, die im Nord-Irak das Geschehen bestimmen, darum rivalisieren, das Machtvakuum zu f\u00fcllen, das durch die Vertreibung des \u201eIS\u201c entstanden ist. Einst im Kampf gegen die Terroristen geeint, sind die Milizen einander heute feind.<\/p>\n\n\n\n

Allen voran die \u201eHashd ash-Shaabi\u201c, schiitisch-irakische Milizen, deren Ausbilder und Kommandeure h\u00e4ufig Iraner sind. Bagdad hat die Haschd als regul\u00e4re Kraft im Kampf gegen den \u201eIS\u201c anerkannt \u2013 obwohl Menschenrechts-Organisationen schwere Vorw\u00fcrfe gegen sie erheben. Fest steht: Die schiitischen Milizen halten D\u00f6rfer besetzt, sind in Mosul f\u00fcr ihr herrisches Auftreten und ihre Willk\u00fcr bekannt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eTats\u00e4chlich sorgen die verschiedenen bewaffneten Gruppen daf\u00fcr, dass die Fl\u00fcchtlinge nicht zur\u00fcckkehren. Und weil sie nicht zur\u00fcckkehren, gibt es auch keinen Wiederaufbau. Die Menschen haben Angst vor den Milizen \u2013 auch davor, dass die einander bek\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die \u201eHashd\u201c m\u00fcssten mithin abziehen. Und mit ihnen die anderen Milizen. Das Machtmonopol m\u00fcsste an den Staat gehen. Doch der Irak ist auch Spielball der Regionalm\u00e4chte: Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien. Sie konkurrieren um Einfluss-Sph\u00e4ren, bedienen sich dabei verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Gruppen im Irak. Deswegen werden die Hashd nicht abziehen. Derzeit sind sie von der iranisch-irakischen Grenze im Osten \u00fcber Bagdad bis hoch zur irakisch-syrischen Grenze im Norden postiert. Einheiten Teherans k\u00f6nnten demnach auf dem Landweg vom Iran bis ans Mittelmeer durchmarschieren.<\/p>\n\n\n\n

Iran und Saudi-Arabien wollen Macht vergr\u00f6\u00dfern<\/h2>\n\n\n\n

Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n

In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n

Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3703,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:24:20","post_date_gmt":"2020-08-13 21:24:20","post_content":"\n

Deutschland str\u00e4ubt sich gegen die R\u00fcckkehr seiner eigenen Staatsb\u00fcrger, die zu IS-Terroristen wurden. Dabei hat die Bundesrepublik den Terror und die Terroristen einst exportiert. Und dies geschah wissentlich, sagt der Islamwissenschaftler Fabian Goldmann.<\/p>\n\n\n\n

Wann haben Sie sich eigentlich zuletzt von deutschen Terroristen distanziert? Zum Beispiel von Robert B.? Der Ex-Bundeswehrsoldat aus Solingen hat mutma\u00dflich bei einem Selbstmordattentat Anfang 2014 50 Menschen mit in den Tod gerissen. <\/p>\n\n\n\n

Oder von Yannik N.? Der junge Freiburger steuerte wahrscheinlich im Jahr 2015 einen mit anderthalb Tonnen Sprengstoff beladenen LKW in eine Menschenmenge und nahm so Dutzenden Personen das Leben.<\/p>\n\n\n\n

Oder von Yamin A.?. Im Sommer 2015 tauchte im Netz ein Video auf, das zeigte, wie der ehemalige Telekom-Azubi aus K\u00f6nigswinter zwei gefesselten Soldaten in den Kopf schoss.
Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Deutsche T\u00e4ter, aber kaum deutsche Opfer<\/h2>\n\n\n\n

Hauptsache nicht bei uns! Dies scheint auch dieser Tage wieder die Maxime zu sein, wenn Politiker und \u00d6ffentlichkeit \u00fcber den Umgang mit deutschen Terroristen diskutieren. Von potenziellen Bedrohungen und Anschlagsgefahren in Deutschland liest man dann. Vom ganz realen Terror, den Deutsche in den vergangenen Jahren \u00fcber die Menschen in Syrien und Irak gebracht haben, h\u00f6rt man hingegen kaum. Ein Terror, der kaum deutsche Opfer aber umso mehr deutsche T\u00e4ter kannte.<\/p>\n\n\n\n

1.050 \u2013 das ist laut Bundesinnenministerium die Anzahl der Dschihadisten, die in den letzten Jahren die Bundesrepublik in Richtung Nahost verlassen hat. Es f\u00e4llt schwer, sich umgekehrtes Szenario \u00fcberhaupt auszumalen. Was w\u00e4re wohl los, h\u00e4tte es nur ein Bruchteil arabischer Terroristen geschafft, bei uns Anschl\u00e4ge zu begehen? Europas \u201eMuslim Bann\u201c? \u00dcberwachungsstaat auf NSA-Niveau?<\/p>\n\n\n\n

Die CSU st\u00fcnde wom\u00f6glich am linken Ende des politischen Spektrums, und auf Twitter w\u00fcrde Trump deutsche Migrationspolitiker zur M\u00e4\u00dfigung aufrufen. Der deutsche Terror in Nahost kommt hingegen seit Jahren ganz ohne Sondersendungen, politische Debatten und Distanzierungsforderungen aus. <\/p>\n\n\n\n

Deutsche K\u00e4mpfer waren nicht nur willenloses Kanonenfutter<\/h2>\n\n\n\n

An fehlendem Wissen liegt das nicht. Von ganzen Einheiten des IS, in denen kein einziger K\u00e4mpfer Arabisch spreche, berichten syrische, irakische und kurdische Soldaten schon seit Jahren. Von Aleppo \u00fcber Raqqa bis Mossul haben Aktivisten und Politiker immer wieder darauf hingewiesen, dass viele der schlimmsten M\u00f6rder in den Reihen des IS Europ\u00e4er sind. Interessiert hat das hier kaum jemand.<\/p>\n\n\n\n

Dabei dienten Deutsche dem Islamischen Staats nicht nur als willenloses Kanonenfutter, wie es oft dargestellt wird. Viele haben seinen Terror mitgepr\u00e4gt. Wie Martin L., der derzeit in kurdischer Haft sitzt. Der Schwei\u00dfer aus Sachsen-Anhalt soll sich vom Folterknecht bis zum Geheimdienstler mit Kontakten bis in die F\u00fchrungsspitze der Terrororganisation hochgearbeitet haben.<\/p>\n\n\n\n

Oder Reda S., Der Prediger aus Berlin-Charlottenburg soll dem IS in Mossul als Bildungsminister gedient haben. Oder der Berliner Ex-Rapper Denis Cuspert, der zu den wichtigsten Personen in der IS-Medienorganisation Al-Hayat geh\u00f6rte. Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Beh\u00f6rden wussten gut Bescheid<\/h2>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich entstand der Islamische Staat nicht in deutschen Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen. Zur deutschen Verantwortung geh\u00f6rt aber auch, dass Politiker und Beh\u00f6rden lange wegschauten, solang nur die T\u00e4ter, aber nicht die Opfer Deutsche waren. Beh\u00f6rden wissen und wussten erschreckend gut Bescheid \u00fcber die Radikalisierung deutscher Islamisten. Ein Gro\u00dfteil der sp\u00e4teren IS-K\u00e4mpfer war polizeibekannt, stand auf Gef\u00e4hrderlisten oder hatte wegen islamistischer Straftaten bereits Haftstrafen verb\u00fc\u00dft. An der Ausreise gehindert wurden sie oftmals dennoch nicht. Die Gefahr, die von deutschen Terroristen ausgeht, interessierte Politik und \u00d6ffentlichkeit erst dann wieder, als ihre Einreise drohte.<\/p>\n\n\n\n

\"Fabian
Fabian Goldmann<\/strong> ist Journalist und Islamwissenschaftler. F\u00fcr verschiedene Magazine und Zeitungen berichtete er viele Jahre aus Nahost. Zurzeit widmet er sich vor allem dem Islam diesseits des Bosporus. Auf seinem Blog Schantall und die Scharia<\/a> bloggt er \u00fcber Islamophobie in Deutschland.<\/p>\n","post_title":"Es sind unsere Terroristen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"es-sind-unsere-terroristen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3703","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3700,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:19:36","post_date_gmt":"2020-08-13 21:19:36","post_content":"\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda? Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda t<\/p>\n\n\n\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda tritt an die Stelle der 2010 verabschiedeten Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014 (siehe IP\/10\/1535<\/a>). In der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda f\u00fcr den Zeitraum 2015-2020 skizziert die Europ\u00e4ische Kommission die Strategie der Union zur Bew\u00e4ltigung der Sicherheitsbedrohungen in der EU.<\/p>\n\n\n\n

Die EU und ihre Mitgliedstaaten sind mit betr\u00e4chtlichen Sicherheitsproblemen konfrontiert. Terrorismus, organisierte Kriminalit\u00e4t und Cyberkriminalit\u00e4t stellen eine zunehmende Gefahr f\u00fcr die europ\u00e4ische Gesellschaft dar, wobei sich Art und Ausma\u00df dieser Gefahr ver\u00e4ndert hat. Europa ist mit den Auswirkungen der politischen Instabilit\u00e4t in seiner unmittelbaren Nachbarschaft konfrontiert, die die Sicherheitsinteressen der EU gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n

Im Zuge der Krisen und Konflikte in Syrien, Irak und Libyen haben sich europ\u00e4ische B\u00fcrger terroristischen Gruppen angeschlossen, die bei ihrer R\u00fcckkehr eine erhebliche Bedrohung darstellen k\u00f6nnen. Die j\u00fcngsten terroristischen Anschl\u00e4ge in Europa zeugen von der zunehmenden Bedrohung durch einen gewaltt\u00e4tigen Extremismus und zeigen, in welchem Ausma\u00df weltweite Konflikte zur Radikalisierung der europ\u00e4ischen B\u00fcrger beitragen.<\/p>\n\n\n\n

Das Online-Umfeld hat sich zunehmend als Ziel f\u00fcr Kriminelle und Terroristen entwickelt. Unabh\u00e4ngig davon, ob es um die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und die Anwerbung von Menschen f\u00fcr terroristische Organisationen geht oder die Verbreitung von Hass oder einen Angriff auf die europ\u00e4ischen Werte und Institutionen, fest steht, dass wir unsere Reaktion auf diese Bedrohungen unbedingt abstimmen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Welcher Mehrwert entsteht durch die EU im Bereich der inneren Sicherheit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Gew\u00e4hrleistung der inneren Sicherheit f\u00e4llt weiterhin in erster Linie in die Zust\u00e4ndigkeit der Mitgliedstaaten. Allerdings werden die Bedrohungen f\u00fcr Europas B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger immer vielf\u00e4ltiger und betreffen in zunehmendem Ma\u00dfe mehrere Mitgliedstaaten. Einzelne Mitgliedstaaten haben die Verantwortung, die Sicherheit an den Au\u00dfengrenzen zu gew\u00e4hrleisten, sind aber nicht mehr in der Lage, diese Herausforderungen allein zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n

Kriminelle und terroristische Aktivit\u00e4ten machen nicht an den Grenzen der EU halt und beschr\u00e4nken sich auch nicht auf Nachbarregionen. Die innere Sicherheit der EU und die globale Sicherheit sind voneinander abh\u00e4ngig und miteinander verkn\u00fcpft. Die Sicherheit der Union h\u00e4ngt in hohem Ma\u00dfe von der Zusammenarbeit mit ihren internationalen Partnern und ihren Nachbarl\u00e4ndern ab.<\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t und des Terrorismus ist eine gemeinsame europ\u00e4ische Aufgabe. Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda sollte von den Mitgliedstaaten und den EU-Organen gemeinsam als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und gemeinsame Ma\u00dfnahmen der Union genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n

Mit Hilfe der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda werden die Polizei- und Strafverfolgungsdienste in verschiedenen Mitgliedstaaten Daten effektiver austauschen und bei der Bek\u00e4mpfung der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t besser zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Die Mitgliedstaaten k\u00f6nnen auf die Unterst\u00fctzung durch die Agenturen der EU z\u00e4hlen. Insbesondere in folgenden Punkten l\u00e4sst sich mit Hilfe der Sicherheitsagenda ein EU-Mehrwert erzielen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n

A) Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und den EU-Agenturen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1<\/strong>: Das Schengener Informationssystem<\/strong> (SIS) wird von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Abfrage von Ausschreibungen von gesuchten oder vermissten Personen und Gegenst\u00e4nden genutzt. Die Kommission wird an der Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Ausschreibungskategorien arbeiten und sich daf\u00fcr einsetzen, dass das SIS zusammen mit der Interpol-Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD)<\/strong> umfassender genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Als Grund nannte er seine Rekrutierung als Kindersoldat seitens des iranischen Regimes. Doch w\u00e4hrend diese Begr\u00fcndung in Abu Fazels Augen v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich war, sahen deutsche Beh\u00f6rden das anders. Sein erster Antrag wurde abgelehnt. Derzeit versucht er es ein zweites Mal. Die Bundesrepublik schiebt afghanische Gefl\u00fcchtete weiterhin ab.<\/p>\n\n\n\n

\"EinAbschiebung von Afghanen im Dezember 2016 mit einem Charterflug von Frankfurt nach Kabul. (dpa \/picture alliance \/ Boris Roessler)<\/p>\n\n\n\n

Die Verantwortlichen weisen in diesem Kontext immer wieder auf vermeintlich \u201esichere Gebiete\u201c im Land, die nicht n\u00e4her benannt werden.<\/p>\n\n\n\n

W\u00e4hrenddessen machen Menschenrechtsorganisationen regelm\u00e4\u00dfig darauf aufmerksam, dass keine Region am Hindukusch sicher ist. Stattdessen wird in manchen Gebieten nur weniger Krieg gef\u00fchrt als in anderen.<\/p>\n\n\n\n

\"SieDemonstranten protestieren in Frankfurt am Main gegen die Abschiebung von Afghanen. Auf einem der Transparente steht \u201eAfghanistan is not safe\u201c. (AFP \/ Daniel Roland)<\/p>\n\n\n\n

Alis Vater und Onkel k\u00e4mpfen in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein \u00e4hnliches Schicksal wie Abu Fazel erlitt der 18-j\u00e4hrige Ali (Namen ge\u00e4ndert). Auch er floh aus dem Iran nach Deutschland, um der Rekrutierung f\u00fcr Assads Milizen zu entgehen. Viele seiner afghanischen Freunde sind bereits nach Syrien gezogen \u2013 und kamen niemals zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Alis Familie, ebenfalls Angeh\u00f6rige der Hazara-Minderheit, stammt urspr\u00fcnglich aus der Provinz Ghor im Nordosten Afghanistans. Ihre Heimat verlie\u00dfen sie w\u00e4hrend der sowjetischen Besatzung in den 1980er-Jahren.<\/p>\n\n\n\n

Seit jeher lebt die Familie in der iranischen Gro\u00dfstadt Maschhad. Als der Krieg in Syrien ausbrach, erreichte sie ein Konflikt, mit dem sie nicht gerechnet hatten. Im Juli 2015 reiste Alis Vater nach Teheran. Er wollte einen Weg finden, um f\u00fcr seine Familie Aufenthaltspapiere zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Beh\u00f6rden sagten ihm, dass die Rekrutierung f\u00fcr den Krieg in Syrien eine M\u00f6glichkeit darstellen k\u00f6nnte, um Papiere f\u00fcr uns alle zu erhalten. Andernfalls w\u00fcrde man uns sehr bald nach Afghanistan abschieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Mittlerweile k\u00e4mpfen Alis Vater und sein Onkel seit \u00fcber einem Jahr in Syrien. Am Aufenthaltsstatus seiner Familienmitglieder hat sich bis heute allerdings nichts ge\u00e4ndert. F\u00fcr Ali ist klar, dass dies nur eine Falle gewesen ist, um noch mehr Afghanen als Kanonenfutter zu missbrauchen.<\/p>\n\n\n\n

Anfangs gab es Papiere f\u00fcr K\u00e4mpfer-Familien<\/h2>\n\n\n\n

Den Kontakt zu seinem Vater hat der Afghane mittlerweile verloren. W\u00e4hrenddessen schickt ihm sein Onkel, der in Aleppo stationiert ist, hin und wieder Bilder \u00fcber den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ali denkt, dass nur sehr wenige Afghanen der Propaganda der iranischen Regierung glauben und in Syrien f\u00fcr eine \u201egute Sache\u201c k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

Source<\/a><\/p>\n","post_title":"Warum Afghanen in Syrien f\u00fcr Assad k\u00e4mpfen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"warum-afghanen-in-syrien-fur-assad-kampfen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3709","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3706,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:27:40","post_date_gmt":"2020-08-13 21:27:40","post_content":"\n

Kinder, Frauen, Jesiden \u2013 wer \u00fcberlebt hat, berichtet von Folter, Vergewaltigungen und Gehirnw\u00e4sche. Rund drei Jahre dauerte die Schreckensherrschaft der IS-Miliz in Syrien und Irak. Der Wiederaufbau wird l\u00e4nger dauern und mehr umfassen als H\u00e4user.<\/p>\n\n\n\n

Der Fluss Tigris durchzieht die zweitgr\u00f6\u00dfte Stadt des Iraks und teilt Mosul in Ost und West. Das Westufer ist von Zerst\u00f6rung gezeichnet, die Altstadt nicht mehr als eine einzige graue Tr\u00fcmmerlandschaft. Seit den letzten Bombardements im Juli 2017 kann hier niemand mehr wohnen.<\/p>\n\n\n\n

Die Nouri-Moschee, von deren Kanzel Abu Bakr al-Baghdadi im Juli 2014 sein Kalifat ausrief, hatte die IS-Miliz auf ihrem R\u00fcckzug vorsorglich selbst in die Luft gesprengt, um den Gegnern diesen besonderen Triumph zu verwehren.<\/p>\n\n\n\n

\"ImIm Juli 2017 erobert die irakische Armee Mossul zur\u00fcck. Ruinen sind zu sehen. Ein K\u00e4mpfer der IS-Miliz hat sich ergeben. (Imago \/ Carol Guzy)<\/p>\n\n\n\n

Es ist fraglich, ob die Altstadt dem Original getreu wieder aufgebaut werden kann. Bagdad will demn\u00e4chst \u2013 im Rahmen einer gro\u00dfen Wiederaufbau-Konferenz \u2013 bekannt geben, welche Pl\u00e4ne es hat. Derzeit gilt als gro\u00dfer Fortschritt, dass die Tr\u00fcmmerlandschaft in Teilen wieder begehbar ist \u2013 nachdem mit internationaler Hilfe zahllose Sprengs\u00e4tze beseitigt wurden.<\/p>\n\n\n\n

In Ost-Mossul gibt es weniger Zerst\u00f6rungen<\/h2>\n\n\n\n

J\u00fcngste Sch\u00e4tzungen der Vereinten Nationen besagen, dass es noch Jahre dauern wird, bis alle Minen ger\u00e4umt sind. Solange werden die einstigen Bewohner nicht zur\u00fcckkehren k\u00f6nnen. Manche von ihnen haben Gl\u00fcck im Ungl\u00fcck: Sie haben \u00fcberlebt und sind auf der anderen Seite des Tigris untergekommen, im Osten der Stadt. Der war schon im Januar 2017 von den Terroristen befreit worden. Erstaunlich ist: Dieser Teil Mosuls wirkt fast so, als w\u00e4re der \u201eIS\u201c niemals hier gewesen und als h\u00e4tte es keinen Krieg gegeben.<\/p>\n\n\n\n

\"ImIm Osten Mossuls gibt es weniger Zerst\u00f6rungen als im Westteil. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

Die Zerst\u00f6rungen beschr\u00e4nken sich auf strategisch-wichtige Punkte oder Geb\u00e4ude, in denen sich die Terroristen verschanzt hatten: Br\u00fccken, Moscheen, Krankenh\u00e4user. Doch im Basar herrscht fast so etwas wie Normalit\u00e4t. An St\u00e4nden kaufen Menschen ein \u2013 Obst, Gem\u00fcse, Reis und Nudeln, Backwaren. Kinder schlecken ein Eis. Abu Muhammad, ein ehemaliger Physiklehrer, erkl\u00e4rt, warum der Basar so anders ist als erwartet:<\/p>\n\n\n\n

\u201eDas Leben hatte nie aufgeh\u00f6rt in Mosul. Wir haben weitergelebt. Drei Jahre wurden wir vom \u201aIS\u2018 beherrscht, doch die normalen Leute hatten nichts damit zu tun. Daher kam der Alltag schnell zur\u00fcck. Die Soldaten sind gekommen, haben den Basar wieder aufgemacht und das Leben ging weiter.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Im Osten findet sich heute all das wieder, was die Terror-Miliz unterdr\u00fcckt hatte und bei Missachtung grausam ahndete: Musik in Restaurants und Caf\u00e9s; Sim-Karten f\u00fcr Handys; Internet; Fris\u00f6re, die Haare schneiden, B\u00e4rte stutzen oder gar abrasieren. Und doch: Trotz des lebendigen Treibens wirken Angst und Schrecken nach. Abu Muhammad, fr\u00fch ergraut, erinnert sich:<\/p>\n\n\n\n

\u201eWir haben uns gef\u00fchlt wie zwischen Leben und Tod. Irgendwo dazwischen. Sie haben vom \u201aIS\u2018 geh\u00f6rt; wir haben ihn erlebt: Wir haben erlebt, wie sie mordeten, wie sie Leute aufh\u00e4ngten, wir haben den Krieg erlebt. Wir haben alles gesehen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Mohammed stammt aus dem zerst\u00f6rten Westen der Stadt. Er wohnt heute im Osten. Verwandte haben ihn und seine Familie aufgenommen. So wie ihm ergeht es auch anderen Vertriebenen. Sie leben bei Verwandten und Freunden. Oder in einem der vielen Lager. 700.000 Menschen haben ihr Zuhause verloren \u2013 eine Zahl, die f\u00fcr West-Mosul gilt. Insgesamt gehen die Vereinten Nationen von fast sechs Millionen Menschen aus, die im Irak vor dem \u201aIS\u2018 geflohen sind \u2013 die H\u00e4lfte von ihnen bis heute fern von ihrem Zuhause.<\/p>\n\n\n\n

Binnenfl\u00fcchtlinge im Lager Khabartu<\/h2>\n\n\n\n

Zelte soweit das Auge reicht. Abertausende. Inmitten von Steppe. Das Leben der Menschen ist hart. Sie darben, frieren und verdorren \u2013 wenn im Winter der kalte Wind durch die Steppe fegt und im Sommer die Sonne niederbrennt. Doch sie harren aus, haben wenig Hoffnung auf baldige R\u00fcckkehr. Die meisten kamen 2014 \u2013 hierher, ins Lager Khabartu in Irakisch-Kurdistan.<\/p>\n\n\n\n

\"DasDas Lager Khabartu f\u00fcr irakische Binnenfl\u00fcchtlinge. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

2014, als der \u201eIS\u201c den Nord-Irak \u00fcberfiel. In einem der Zelte lebt auch die Familie von Thomas Abdallah Hammou. Thomas war auf der Flucht von seiner Familie getrennt und von den Dschihadisten verschleppt worden. Damals war er acht Jahre alt. Ein Kind. Drei Jahre blieb er in Geiselhaft, lebte in Mosul.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollten nicht, dass wir spielen. Sie mochten es nicht. Ich habe keine Schule besucht, aber sie gaben uns Koran-Unterricht. Jeden Tag.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas musste seinem eigenen, dem jesidischen Glauben abschw\u00f6ren. Weil der \u201eIS\u201c die Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c betrachtet. Und \u201eUngl\u00e4ubige\u201c, so die Auffassung der Terroristen, m\u00fcssen zwangsbekehrt werden. Oder get\u00f6tet. Die Terroristen hatten dementsprechend die Jesiden entweder an Ort und Stelle ermordet, die meisten im Sinjar, im alten Siedlungsgebiet der Jesiden im Nord-Irak. Tausende. 47 Massengr\u00e4ber sollen mittlerweile gefunden worden sein. Oder aber die Terroristen lie\u00dfen die Jesiden am Leben und nahmen sie in Geiselhaft. Sie machten aus ihnen Sexsklavinnen oder sie bildeten sie aus \u2013 zu Selbstmordattent\u00e4tern. Wie Thomas.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie haben uns st\u00e4ndig geschlagen. Wir mussten Schie\u00dfen \u00fcben. Zwei meiner Freunde haben sich in die Luft gesprengt. Sie sind zum Training. Doch sie kamen nicht zur\u00fcck. Ich war nicht traurig. Sie wollten sich ja in die Luft sprengen. Die \u201aIS\u2018-Leute hatten es nicht von ihnen verlangt. Sie sind freiwillig gegangen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas hat heute einen modernen Haarschnitt; der Nacken ist ausrasiert; der lange Pony in die Stirn gek\u00e4mmt. Im Sommer sah er noch anders aus, kurz nachdem Mosul befreit worden war. Bei einem Luftangriff der Anti-\u201eIS\u201c-Koalition wurde Thomas schwer verletzt aus Tr\u00fcmmern geborgen, dann operiert.<\/p>\n\n\n\n

\"ThomasThomas erholt sich von drei Jahren IS-Gefangenschaft. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

Arbeit mit \u201eDschihadisten-Kindern\u201c<\/h2>\n\n\n\n

Die \u00e4u\u00dferen Wunden sind heute verheilt. Doch wie sieht es aus mit den inneren, den seelischen Verletzungen? Thomas wurde von seiner Familie aufgenommen und bekommt Hilfe. Andere Kinder konnten nicht aufgefangen werden. Bis heute betrachten sie Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c \u2013 so wie es ihnen in der Geiselhaft eingeh\u00e4mmert wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie sind eine gro\u00dfe Gefahr f\u00fcr andere Kinder. Sie leben in Lagern, in einem Zelt, auf sechs mal vier Metern, oder noch weniger! Acht Geschwister, sie spielen zusammen, reden, sie indoktrinieren die anderen! Das ist ein Problem, das wir nicht l\u00f6sen k\u00f6nnen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Sara Hassan ist Sozialarbeiterin. Sie arbeitet in den Lagern, versucht M\u00e4dchen und Frauen, die jahrelang in Geiselhaft vergewaltigt wurden, zu helfen. Unz\u00e4hlige hatte der \u201eIS\u201c einst entf\u00fchrt. Sara arbeitet auch mit den sogenannten \u201eDschihadisten-Kindern\u201c. Sie erz\u00e4hlt, wie \u00fcberfordert alle seien: die Familien, die jesidische Gemeinschaft, die Gesellschaft des Nord-Irak.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIn einem anderen Fall hat sich die Familie am Ende an die Sicherheitskr\u00e4fte gewandt. Doch die wussten auch nicht, wie sie damit umgehen sollten. Monate lang hat die Familie versucht, den Jungen umzuerziehen, zusammen mit Sozialarbeitern. Aber noch immer sehen wir den Hass in seinen Augen \u2013 gegen\u00fcber Kurden, Christen und Jesiden. Als blicke man in die Augen eines IS-Terroristen. Das ist das Problem.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Die Jesiden k\u00f6nnen \u00fcber ihre vom \u201eIS\u201c indoktrinierten Kinder sprechen. Denn niemand zweifelt daran, dass sie Opfer der Tyrannei wurden. Bei den sunnitischen Arabern sieht das anders aus. Da sie derselben Religionsgruppe angeh\u00f6ren wie formal auch die Terroristen, stehen sie unter Generalverdacht, mit dem \u201eIS\u201c gemeinsame Sache gemacht zu haben. Sunnitische Araber trauen sich daher nicht, die Probleme ihrer Kinder \u00f6ffentlich zu machen \u2013 auch wenn sie selbst nichts mit dem \u201eIS\u201c zu tun hatten.<\/p>\n\n\n\n

Unklar ist, wie viele Kinder und Jugendliche im Irak und in Syrien zu Terroristen ausgebildet wurden, dabei noch in Geiselhaft sind oder bereits als \u201eSchl\u00e4fer\u201c darauf warten, zum Einsatz zu kommen. Sie gleichen \u201etickenden Zeitbomben\u201c, die jederzeit explodieren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

Minderheiten haben Angst vor \u201eIS\u201c-Nachfolgern<\/h2>\n\n\n\n

Kamaran Palani spricht davon, dass viele Menschen immer noch gehen wollen, obwohl der \u201eIS\u201c als staats\u00e4hnliches Gebilde nicht mehr besteht. Seine Saat aber, so der Politikwissenschaftler, sei aufgegangen.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollen einfach nicht in diesem Land bleiben. Der IS hat sie dazu gebracht. Jeder hat heute Angst, dass eine andere Organisation kommen wird, Terroristen, die dasselbe anrichten wie zuvor.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Palani forscht am \u201eMiddle East Research Institute\u201c, das seinen Sitz in Erbil hat, der Hauptstadt von Irakisch-Kurdistan. <\/p>\n\n\n\n

\u201e60 bis 65 Prozent der Christen wollen gehen. Das Gleiche gilt f\u00fcr andere Minderheiten: f\u00fcr Jesiden, Schabaks, Turkmenen, Kakais.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

\u201eWir werden niemals wieder mit den Arabern zusammenleben k\u00f6nnen!\u201c \u2013 ein Satz, der heute h\u00e4ufig im Nord-Irak zu h\u00f6ren ist. Gemeint sind die Iraker, die Sunniten und Araber sind \u2013 die einstmals Nachbarn von Jesiden, Christen und Kurden waren \u2013 mit denen man Handel trieb und Hochzeiten feierte, die auch Freunde waren.<\/p>\n\n\n\n

Der Irak ist eine multi-ethnische und multi-religi\u00f6se Gesellschaft, in der die Schiiten die Mehrheit stellen. \u00dcber Jahrhunderte aber hatten die sunnitischen Araber das Sagen, sie missbrauchten die Macht, errichteten ein Schreckensregime \u2013 bis 2003, als Diktator Saddam Hussein von den USA gest\u00fcrzt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c entstand aus Widerstand gegen Schiiten-Herrschaft<\/h2>\n\n\n\n

Jetzt wurde der Spie\u00df umgedreht. Die Amerikaner sorgten daf\u00fcr, dass die Sunniten jegliche Machtposition verloren \u2013 so wurde die irakische Armee, wurde die baathistische Partei aufgel\u00f6st \u2013 ohne ein Pendant zu schaffen, das alle integrierte. Und: Washington unterst\u00fctzte Regierungschef Nouri al-Maliki, einen Schiiten. Maliki sah eine historische Chance gekommen, diskriminierte nun seinerseits seine sunnitischen Landsleute, verwehrte ihnen im \u201eNeuen Irak\u201c die Mitsprache. Im Regime Malikis wurden Sunniten inhaftiert, gefoltert und umgebracht.<\/p>\n\n\n\n

Was viele in den Widerstand trieb. Einige schlossen sich der Terror-Organisation \u201eAl-Qaida\u201c an, unter ihnen f\u00fchrende Milit\u00e4rs der aufgel\u00f6sten Armee Saddam Husseins \u2013 und aus \u201eAl-Qaida\u201c ging sp\u00e4ter der \u201eIS\u201c hervor.<\/p>\n\n\n\n

Als der \u201eIS\u201c dann im Sommer 2014 fast ohne Gegenwehr weite Landstriche in Syrien und im Irak \u00fcberrannte und seinen \u201eStaat\u201c ausrief, sahen auch gew\u00f6hnliche sunnitische Araber einen Wechsel nahen. Viele machten gemeinsame Sache mit den Terroristen, verhinderten die Flucht jesidischer Nachbarn, lieferten sie ihren Schl\u00e4chtern aus. Kamaran Palani:<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c-K\u00e4mpfer haben gesagt, es gehe darum, die W\u00fcrde der sunnitischen Araber wiederherzustellen. Ihre Macht. Ihre Geschichte. Tats\u00e4chlich konnten es die Araber nicht hinnehmen, dass sie ins Abseits gedr\u00e4ngt wurden. Und ich denke, dass sie auch in Zukunft so handeln werden. Wann immer sich die Gelegenheit bietet: Sie werden alles hinter sich lassen \u2013 sich nur darauf konzentrieren.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Misstrauen. Auch bei einem Politikwissenschaftler. Was also tun? Zerst\u00f6rte St\u00e4dte und D\u00f6rfer k\u00f6nnten wieder aufgebaut werden \u2013 wenn denn ein gemeinsamer Wille best\u00fcnde. Doch was, wenn es einen solchen gemeinsamen Willen gar nicht gibt? Wenn Schmerz und Trauer anhalten, wenn die Verbrechen von Terroristen und Helfershelfern nicht geahndet werden, wenn Angst umgeht, Misstrauen und Hass das Miteinander bestimmen.<\/p>\n\n\n\n

\"SyrischeSoldaten in der irakischen Stadt Sindschar nach der R\u00fcckeroberung von der IS-Miliz Ende 2015. (dpa \/ MAXPPP \/ Arnaud Dumontier)<\/p>\n\n\n\n

Kamaran Palani stammt aus der Stadt Makhmour. Drei Tage nur sei der \u201eIS\u201c dort gewesen, sagt er, doch diese Tage h\u00e4tten alles ver\u00e4ndert. Der \u201eIS\u201c habe die Menschen in seiner Heimatstadt verrohen lassen, meint er, das Verh\u00e4ltnis zwischen Kurden und Arabern sei heute tot. Eine R\u00fcckkehr in alte Zeiten h\u00e4lt Palani f\u00fcr falsch.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch denke, es w\u00e4re nicht einfach, in das Jahr 2014 \u2013 also in die Zeit vor dem \u201aIS\u2018 \u2013 zur\u00fcckzukehren. Vor allem aber w\u00e4re es nicht die richtige Politik. Denn eben die hat ja erst zum Aufkommen, zur Existenz des \u201aIS\u2018 gef\u00fchrt.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n


Wie also in Ruinen Neues schaffen? Der Staat muss das Gewaltmonopol zur\u00fcckerlangen, fordert der Politikwissenschaftler. F\u00fcr ihn steht das an erster Stelle. Und dann m\u00fcsse der Staat dringend einen Kurswechsel vornehmen: Er m\u00fcsse integrativ wirken, alle einbinden, auch die Araber, in Sicherheitskr\u00e4fte, Verwaltung und Politik.<\/p>\n\n\n\n

Machtmonopol m\u00fcsste von Milizen zum Staat gehen<\/h2>\n\n\n\n

Die Realit\u00e4t sieht anders aus: Ein Staat Kurdistan, der neue Optionen m\u00f6glich gemacht h\u00e4tte, auch von den Minderheiten gew\u00fcnscht worden war, ist nicht entstanden. Bagdad aber ist fern, der Zentralstaat kaum existent, und wenn, dann ist er schiitisch dominiert. Es sind Milizen, die im Nord-Irak das Geschehen bestimmen, darum rivalisieren, das Machtvakuum zu f\u00fcllen, das durch die Vertreibung des \u201eIS\u201c entstanden ist. Einst im Kampf gegen die Terroristen geeint, sind die Milizen einander heute feind.<\/p>\n\n\n\n

Allen voran die \u201eHashd ash-Shaabi\u201c, schiitisch-irakische Milizen, deren Ausbilder und Kommandeure h\u00e4ufig Iraner sind. Bagdad hat die Haschd als regul\u00e4re Kraft im Kampf gegen den \u201eIS\u201c anerkannt \u2013 obwohl Menschenrechts-Organisationen schwere Vorw\u00fcrfe gegen sie erheben. Fest steht: Die schiitischen Milizen halten D\u00f6rfer besetzt, sind in Mosul f\u00fcr ihr herrisches Auftreten und ihre Willk\u00fcr bekannt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eTats\u00e4chlich sorgen die verschiedenen bewaffneten Gruppen daf\u00fcr, dass die Fl\u00fcchtlinge nicht zur\u00fcckkehren. Und weil sie nicht zur\u00fcckkehren, gibt es auch keinen Wiederaufbau. Die Menschen haben Angst vor den Milizen \u2013 auch davor, dass die einander bek\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die \u201eHashd\u201c m\u00fcssten mithin abziehen. Und mit ihnen die anderen Milizen. Das Machtmonopol m\u00fcsste an den Staat gehen. Doch der Irak ist auch Spielball der Regionalm\u00e4chte: Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien. Sie konkurrieren um Einfluss-Sph\u00e4ren, bedienen sich dabei verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Gruppen im Irak. Deswegen werden die Hashd nicht abziehen. Derzeit sind sie von der iranisch-irakischen Grenze im Osten \u00fcber Bagdad bis hoch zur irakisch-syrischen Grenze im Norden postiert. Einheiten Teherans k\u00f6nnten demnach auf dem Landweg vom Iran bis ans Mittelmeer durchmarschieren.<\/p>\n\n\n\n

Iran und Saudi-Arabien wollen Macht vergr\u00f6\u00dfern<\/h2>\n\n\n\n

Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n

In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n

Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3703,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:24:20","post_date_gmt":"2020-08-13 21:24:20","post_content":"\n

Deutschland str\u00e4ubt sich gegen die R\u00fcckkehr seiner eigenen Staatsb\u00fcrger, die zu IS-Terroristen wurden. Dabei hat die Bundesrepublik den Terror und die Terroristen einst exportiert. Und dies geschah wissentlich, sagt der Islamwissenschaftler Fabian Goldmann.<\/p>\n\n\n\n

Wann haben Sie sich eigentlich zuletzt von deutschen Terroristen distanziert? Zum Beispiel von Robert B.? Der Ex-Bundeswehrsoldat aus Solingen hat mutma\u00dflich bei einem Selbstmordattentat Anfang 2014 50 Menschen mit in den Tod gerissen. <\/p>\n\n\n\n

Oder von Yannik N.? Der junge Freiburger steuerte wahrscheinlich im Jahr 2015 einen mit anderthalb Tonnen Sprengstoff beladenen LKW in eine Menschenmenge und nahm so Dutzenden Personen das Leben.<\/p>\n\n\n\n

Oder von Yamin A.?. Im Sommer 2015 tauchte im Netz ein Video auf, das zeigte, wie der ehemalige Telekom-Azubi aus K\u00f6nigswinter zwei gefesselten Soldaten in den Kopf schoss.
Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Deutsche T\u00e4ter, aber kaum deutsche Opfer<\/h2>\n\n\n\n

Hauptsache nicht bei uns! Dies scheint auch dieser Tage wieder die Maxime zu sein, wenn Politiker und \u00d6ffentlichkeit \u00fcber den Umgang mit deutschen Terroristen diskutieren. Von potenziellen Bedrohungen und Anschlagsgefahren in Deutschland liest man dann. Vom ganz realen Terror, den Deutsche in den vergangenen Jahren \u00fcber die Menschen in Syrien und Irak gebracht haben, h\u00f6rt man hingegen kaum. Ein Terror, der kaum deutsche Opfer aber umso mehr deutsche T\u00e4ter kannte.<\/p>\n\n\n\n

1.050 \u2013 das ist laut Bundesinnenministerium die Anzahl der Dschihadisten, die in den letzten Jahren die Bundesrepublik in Richtung Nahost verlassen hat. Es f\u00e4llt schwer, sich umgekehrtes Szenario \u00fcberhaupt auszumalen. Was w\u00e4re wohl los, h\u00e4tte es nur ein Bruchteil arabischer Terroristen geschafft, bei uns Anschl\u00e4ge zu begehen? Europas \u201eMuslim Bann\u201c? \u00dcberwachungsstaat auf NSA-Niveau?<\/p>\n\n\n\n

Die CSU st\u00fcnde wom\u00f6glich am linken Ende des politischen Spektrums, und auf Twitter w\u00fcrde Trump deutsche Migrationspolitiker zur M\u00e4\u00dfigung aufrufen. Der deutsche Terror in Nahost kommt hingegen seit Jahren ganz ohne Sondersendungen, politische Debatten und Distanzierungsforderungen aus. <\/p>\n\n\n\n

Deutsche K\u00e4mpfer waren nicht nur willenloses Kanonenfutter<\/h2>\n\n\n\n

An fehlendem Wissen liegt das nicht. Von ganzen Einheiten des IS, in denen kein einziger K\u00e4mpfer Arabisch spreche, berichten syrische, irakische und kurdische Soldaten schon seit Jahren. Von Aleppo \u00fcber Raqqa bis Mossul haben Aktivisten und Politiker immer wieder darauf hingewiesen, dass viele der schlimmsten M\u00f6rder in den Reihen des IS Europ\u00e4er sind. Interessiert hat das hier kaum jemand.<\/p>\n\n\n\n

Dabei dienten Deutsche dem Islamischen Staats nicht nur als willenloses Kanonenfutter, wie es oft dargestellt wird. Viele haben seinen Terror mitgepr\u00e4gt. Wie Martin L., der derzeit in kurdischer Haft sitzt. Der Schwei\u00dfer aus Sachsen-Anhalt soll sich vom Folterknecht bis zum Geheimdienstler mit Kontakten bis in die F\u00fchrungsspitze der Terrororganisation hochgearbeitet haben.<\/p>\n\n\n\n

Oder Reda S., Der Prediger aus Berlin-Charlottenburg soll dem IS in Mossul als Bildungsminister gedient haben. Oder der Berliner Ex-Rapper Denis Cuspert, der zu den wichtigsten Personen in der IS-Medienorganisation Al-Hayat geh\u00f6rte. Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Beh\u00f6rden wussten gut Bescheid<\/h2>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich entstand der Islamische Staat nicht in deutschen Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen. Zur deutschen Verantwortung geh\u00f6rt aber auch, dass Politiker und Beh\u00f6rden lange wegschauten, solang nur die T\u00e4ter, aber nicht die Opfer Deutsche waren. Beh\u00f6rden wissen und wussten erschreckend gut Bescheid \u00fcber die Radikalisierung deutscher Islamisten. Ein Gro\u00dfteil der sp\u00e4teren IS-K\u00e4mpfer war polizeibekannt, stand auf Gef\u00e4hrderlisten oder hatte wegen islamistischer Straftaten bereits Haftstrafen verb\u00fc\u00dft. An der Ausreise gehindert wurden sie oftmals dennoch nicht. Die Gefahr, die von deutschen Terroristen ausgeht, interessierte Politik und \u00d6ffentlichkeit erst dann wieder, als ihre Einreise drohte.<\/p>\n\n\n\n

\"Fabian
Fabian Goldmann<\/strong> ist Journalist und Islamwissenschaftler. F\u00fcr verschiedene Magazine und Zeitungen berichtete er viele Jahre aus Nahost. Zurzeit widmet er sich vor allem dem Islam diesseits des Bosporus. Auf seinem Blog Schantall und die Scharia<\/a> bloggt er \u00fcber Islamophobie in Deutschland.<\/p>\n","post_title":"Es sind unsere Terroristen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"es-sind-unsere-terroristen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3703","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3700,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:19:36","post_date_gmt":"2020-08-13 21:19:36","post_content":"\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda? Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda t<\/p>\n\n\n\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda tritt an die Stelle der 2010 verabschiedeten Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014 (siehe IP\/10\/1535<\/a>). In der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda f\u00fcr den Zeitraum 2015-2020 skizziert die Europ\u00e4ische Kommission die Strategie der Union zur Bew\u00e4ltigung der Sicherheitsbedrohungen in der EU.<\/p>\n\n\n\n

Die EU und ihre Mitgliedstaaten sind mit betr\u00e4chtlichen Sicherheitsproblemen konfrontiert. Terrorismus, organisierte Kriminalit\u00e4t und Cyberkriminalit\u00e4t stellen eine zunehmende Gefahr f\u00fcr die europ\u00e4ische Gesellschaft dar, wobei sich Art und Ausma\u00df dieser Gefahr ver\u00e4ndert hat. Europa ist mit den Auswirkungen der politischen Instabilit\u00e4t in seiner unmittelbaren Nachbarschaft konfrontiert, die die Sicherheitsinteressen der EU gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n

Im Zuge der Krisen und Konflikte in Syrien, Irak und Libyen haben sich europ\u00e4ische B\u00fcrger terroristischen Gruppen angeschlossen, die bei ihrer R\u00fcckkehr eine erhebliche Bedrohung darstellen k\u00f6nnen. Die j\u00fcngsten terroristischen Anschl\u00e4ge in Europa zeugen von der zunehmenden Bedrohung durch einen gewaltt\u00e4tigen Extremismus und zeigen, in welchem Ausma\u00df weltweite Konflikte zur Radikalisierung der europ\u00e4ischen B\u00fcrger beitragen.<\/p>\n\n\n\n

Das Online-Umfeld hat sich zunehmend als Ziel f\u00fcr Kriminelle und Terroristen entwickelt. Unabh\u00e4ngig davon, ob es um die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und die Anwerbung von Menschen f\u00fcr terroristische Organisationen geht oder die Verbreitung von Hass oder einen Angriff auf die europ\u00e4ischen Werte und Institutionen, fest steht, dass wir unsere Reaktion auf diese Bedrohungen unbedingt abstimmen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Welcher Mehrwert entsteht durch die EU im Bereich der inneren Sicherheit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Gew\u00e4hrleistung der inneren Sicherheit f\u00e4llt weiterhin in erster Linie in die Zust\u00e4ndigkeit der Mitgliedstaaten. Allerdings werden die Bedrohungen f\u00fcr Europas B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger immer vielf\u00e4ltiger und betreffen in zunehmendem Ma\u00dfe mehrere Mitgliedstaaten. Einzelne Mitgliedstaaten haben die Verantwortung, die Sicherheit an den Au\u00dfengrenzen zu gew\u00e4hrleisten, sind aber nicht mehr in der Lage, diese Herausforderungen allein zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n

Kriminelle und terroristische Aktivit\u00e4ten machen nicht an den Grenzen der EU halt und beschr\u00e4nken sich auch nicht auf Nachbarregionen. Die innere Sicherheit der EU und die globale Sicherheit sind voneinander abh\u00e4ngig und miteinander verkn\u00fcpft. Die Sicherheit der Union h\u00e4ngt in hohem Ma\u00dfe von der Zusammenarbeit mit ihren internationalen Partnern und ihren Nachbarl\u00e4ndern ab.<\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t und des Terrorismus ist eine gemeinsame europ\u00e4ische Aufgabe. Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda sollte von den Mitgliedstaaten und den EU-Organen gemeinsam als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und gemeinsame Ma\u00dfnahmen der Union genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n

Mit Hilfe der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda werden die Polizei- und Strafverfolgungsdienste in verschiedenen Mitgliedstaaten Daten effektiver austauschen und bei der Bek\u00e4mpfung der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t besser zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Die Mitgliedstaaten k\u00f6nnen auf die Unterst\u00fctzung durch die Agenturen der EU z\u00e4hlen. Insbesondere in folgenden Punkten l\u00e4sst sich mit Hilfe der Sicherheitsagenda ein EU-Mehrwert erzielen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n

A) Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und den EU-Agenturen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1<\/strong>: Das Schengener Informationssystem<\/strong> (SIS) wird von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Abfrage von Ausschreibungen von gesuchten oder vermissten Personen und Gegenst\u00e4nden genutzt. Die Kommission wird an der Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Ausschreibungskategorien arbeiten und sich daf\u00fcr einsetzen, dass das SIS zusammen mit der Interpol-Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD)<\/strong> umfassender genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

\n

Erster Asylantrag in Deutschland abgelehnt<\/h2>\n\n\n\n

Als Grund nannte er seine Rekrutierung als Kindersoldat seitens des iranischen Regimes. Doch w\u00e4hrend diese Begr\u00fcndung in Abu Fazels Augen v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich war, sahen deutsche Beh\u00f6rden das anders. Sein erster Antrag wurde abgelehnt. Derzeit versucht er es ein zweites Mal. Die Bundesrepublik schiebt afghanische Gefl\u00fcchtete weiterhin ab.<\/p>\n\n\n\n

\"EinAbschiebung von Afghanen im Dezember 2016 mit einem Charterflug von Frankfurt nach Kabul. (dpa \/picture alliance \/ Boris Roessler)<\/p>\n\n\n\n

Die Verantwortlichen weisen in diesem Kontext immer wieder auf vermeintlich \u201esichere Gebiete\u201c im Land, die nicht n\u00e4her benannt werden.<\/p>\n\n\n\n

W\u00e4hrenddessen machen Menschenrechtsorganisationen regelm\u00e4\u00dfig darauf aufmerksam, dass keine Region am Hindukusch sicher ist. Stattdessen wird in manchen Gebieten nur weniger Krieg gef\u00fchrt als in anderen.<\/p>\n\n\n\n

\"SieDemonstranten protestieren in Frankfurt am Main gegen die Abschiebung von Afghanen. Auf einem der Transparente steht \u201eAfghanistan is not safe\u201c. (AFP \/ Daniel Roland)<\/p>\n\n\n\n

Alis Vater und Onkel k\u00e4mpfen in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein \u00e4hnliches Schicksal wie Abu Fazel erlitt der 18-j\u00e4hrige Ali (Namen ge\u00e4ndert). Auch er floh aus dem Iran nach Deutschland, um der Rekrutierung f\u00fcr Assads Milizen zu entgehen. Viele seiner afghanischen Freunde sind bereits nach Syrien gezogen \u2013 und kamen niemals zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Alis Familie, ebenfalls Angeh\u00f6rige der Hazara-Minderheit, stammt urspr\u00fcnglich aus der Provinz Ghor im Nordosten Afghanistans. Ihre Heimat verlie\u00dfen sie w\u00e4hrend der sowjetischen Besatzung in den 1980er-Jahren.<\/p>\n\n\n\n

Seit jeher lebt die Familie in der iranischen Gro\u00dfstadt Maschhad. Als der Krieg in Syrien ausbrach, erreichte sie ein Konflikt, mit dem sie nicht gerechnet hatten. Im Juli 2015 reiste Alis Vater nach Teheran. Er wollte einen Weg finden, um f\u00fcr seine Familie Aufenthaltspapiere zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Beh\u00f6rden sagten ihm, dass die Rekrutierung f\u00fcr den Krieg in Syrien eine M\u00f6glichkeit darstellen k\u00f6nnte, um Papiere f\u00fcr uns alle zu erhalten. Andernfalls w\u00fcrde man uns sehr bald nach Afghanistan abschieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Mittlerweile k\u00e4mpfen Alis Vater und sein Onkel seit \u00fcber einem Jahr in Syrien. Am Aufenthaltsstatus seiner Familienmitglieder hat sich bis heute allerdings nichts ge\u00e4ndert. F\u00fcr Ali ist klar, dass dies nur eine Falle gewesen ist, um noch mehr Afghanen als Kanonenfutter zu missbrauchen.<\/p>\n\n\n\n

Anfangs gab es Papiere f\u00fcr K\u00e4mpfer-Familien<\/h2>\n\n\n\n

Den Kontakt zu seinem Vater hat der Afghane mittlerweile verloren. W\u00e4hrenddessen schickt ihm sein Onkel, der in Aleppo stationiert ist, hin und wieder Bilder \u00fcber den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ali denkt, dass nur sehr wenige Afghanen der Propaganda der iranischen Regierung glauben und in Syrien f\u00fcr eine \u201egute Sache\u201c k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

Source<\/a><\/p>\n","post_title":"Warum Afghanen in Syrien f\u00fcr Assad k\u00e4mpfen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"warum-afghanen-in-syrien-fur-assad-kampfen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3709","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3706,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:27:40","post_date_gmt":"2020-08-13 21:27:40","post_content":"\n

Kinder, Frauen, Jesiden \u2013 wer \u00fcberlebt hat, berichtet von Folter, Vergewaltigungen und Gehirnw\u00e4sche. Rund drei Jahre dauerte die Schreckensherrschaft der IS-Miliz in Syrien und Irak. Der Wiederaufbau wird l\u00e4nger dauern und mehr umfassen als H\u00e4user.<\/p>\n\n\n\n

Der Fluss Tigris durchzieht die zweitgr\u00f6\u00dfte Stadt des Iraks und teilt Mosul in Ost und West. Das Westufer ist von Zerst\u00f6rung gezeichnet, die Altstadt nicht mehr als eine einzige graue Tr\u00fcmmerlandschaft. Seit den letzten Bombardements im Juli 2017 kann hier niemand mehr wohnen.<\/p>\n\n\n\n

Die Nouri-Moschee, von deren Kanzel Abu Bakr al-Baghdadi im Juli 2014 sein Kalifat ausrief, hatte die IS-Miliz auf ihrem R\u00fcckzug vorsorglich selbst in die Luft gesprengt, um den Gegnern diesen besonderen Triumph zu verwehren.<\/p>\n\n\n\n

\"ImIm Juli 2017 erobert die irakische Armee Mossul zur\u00fcck. Ruinen sind zu sehen. Ein K\u00e4mpfer der IS-Miliz hat sich ergeben. (Imago \/ Carol Guzy)<\/p>\n\n\n\n

Es ist fraglich, ob die Altstadt dem Original getreu wieder aufgebaut werden kann. Bagdad will demn\u00e4chst \u2013 im Rahmen einer gro\u00dfen Wiederaufbau-Konferenz \u2013 bekannt geben, welche Pl\u00e4ne es hat. Derzeit gilt als gro\u00dfer Fortschritt, dass die Tr\u00fcmmerlandschaft in Teilen wieder begehbar ist \u2013 nachdem mit internationaler Hilfe zahllose Sprengs\u00e4tze beseitigt wurden.<\/p>\n\n\n\n

In Ost-Mossul gibt es weniger Zerst\u00f6rungen<\/h2>\n\n\n\n

J\u00fcngste Sch\u00e4tzungen der Vereinten Nationen besagen, dass es noch Jahre dauern wird, bis alle Minen ger\u00e4umt sind. Solange werden die einstigen Bewohner nicht zur\u00fcckkehren k\u00f6nnen. Manche von ihnen haben Gl\u00fcck im Ungl\u00fcck: Sie haben \u00fcberlebt und sind auf der anderen Seite des Tigris untergekommen, im Osten der Stadt. Der war schon im Januar 2017 von den Terroristen befreit worden. Erstaunlich ist: Dieser Teil Mosuls wirkt fast so, als w\u00e4re der \u201eIS\u201c niemals hier gewesen und als h\u00e4tte es keinen Krieg gegeben.<\/p>\n\n\n\n

\"ImIm Osten Mossuls gibt es weniger Zerst\u00f6rungen als im Westteil. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

Die Zerst\u00f6rungen beschr\u00e4nken sich auf strategisch-wichtige Punkte oder Geb\u00e4ude, in denen sich die Terroristen verschanzt hatten: Br\u00fccken, Moscheen, Krankenh\u00e4user. Doch im Basar herrscht fast so etwas wie Normalit\u00e4t. An St\u00e4nden kaufen Menschen ein \u2013 Obst, Gem\u00fcse, Reis und Nudeln, Backwaren. Kinder schlecken ein Eis. Abu Muhammad, ein ehemaliger Physiklehrer, erkl\u00e4rt, warum der Basar so anders ist als erwartet:<\/p>\n\n\n\n

\u201eDas Leben hatte nie aufgeh\u00f6rt in Mosul. Wir haben weitergelebt. Drei Jahre wurden wir vom \u201aIS\u2018 beherrscht, doch die normalen Leute hatten nichts damit zu tun. Daher kam der Alltag schnell zur\u00fcck. Die Soldaten sind gekommen, haben den Basar wieder aufgemacht und das Leben ging weiter.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Im Osten findet sich heute all das wieder, was die Terror-Miliz unterdr\u00fcckt hatte und bei Missachtung grausam ahndete: Musik in Restaurants und Caf\u00e9s; Sim-Karten f\u00fcr Handys; Internet; Fris\u00f6re, die Haare schneiden, B\u00e4rte stutzen oder gar abrasieren. Und doch: Trotz des lebendigen Treibens wirken Angst und Schrecken nach. Abu Muhammad, fr\u00fch ergraut, erinnert sich:<\/p>\n\n\n\n

\u201eWir haben uns gef\u00fchlt wie zwischen Leben und Tod. Irgendwo dazwischen. Sie haben vom \u201aIS\u2018 geh\u00f6rt; wir haben ihn erlebt: Wir haben erlebt, wie sie mordeten, wie sie Leute aufh\u00e4ngten, wir haben den Krieg erlebt. Wir haben alles gesehen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Mohammed stammt aus dem zerst\u00f6rten Westen der Stadt. Er wohnt heute im Osten. Verwandte haben ihn und seine Familie aufgenommen. So wie ihm ergeht es auch anderen Vertriebenen. Sie leben bei Verwandten und Freunden. Oder in einem der vielen Lager. 700.000 Menschen haben ihr Zuhause verloren \u2013 eine Zahl, die f\u00fcr West-Mosul gilt. Insgesamt gehen die Vereinten Nationen von fast sechs Millionen Menschen aus, die im Irak vor dem \u201aIS\u2018 geflohen sind \u2013 die H\u00e4lfte von ihnen bis heute fern von ihrem Zuhause.<\/p>\n\n\n\n

Binnenfl\u00fcchtlinge im Lager Khabartu<\/h2>\n\n\n\n

Zelte soweit das Auge reicht. Abertausende. Inmitten von Steppe. Das Leben der Menschen ist hart. Sie darben, frieren und verdorren \u2013 wenn im Winter der kalte Wind durch die Steppe fegt und im Sommer die Sonne niederbrennt. Doch sie harren aus, haben wenig Hoffnung auf baldige R\u00fcckkehr. Die meisten kamen 2014 \u2013 hierher, ins Lager Khabartu in Irakisch-Kurdistan.<\/p>\n\n\n\n

\"DasDas Lager Khabartu f\u00fcr irakische Binnenfl\u00fcchtlinge. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

2014, als der \u201eIS\u201c den Nord-Irak \u00fcberfiel. In einem der Zelte lebt auch die Familie von Thomas Abdallah Hammou. Thomas war auf der Flucht von seiner Familie getrennt und von den Dschihadisten verschleppt worden. Damals war er acht Jahre alt. Ein Kind. Drei Jahre blieb er in Geiselhaft, lebte in Mosul.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollten nicht, dass wir spielen. Sie mochten es nicht. Ich habe keine Schule besucht, aber sie gaben uns Koran-Unterricht. Jeden Tag.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas musste seinem eigenen, dem jesidischen Glauben abschw\u00f6ren. Weil der \u201eIS\u201c die Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c betrachtet. Und \u201eUngl\u00e4ubige\u201c, so die Auffassung der Terroristen, m\u00fcssen zwangsbekehrt werden. Oder get\u00f6tet. Die Terroristen hatten dementsprechend die Jesiden entweder an Ort und Stelle ermordet, die meisten im Sinjar, im alten Siedlungsgebiet der Jesiden im Nord-Irak. Tausende. 47 Massengr\u00e4ber sollen mittlerweile gefunden worden sein. Oder aber die Terroristen lie\u00dfen die Jesiden am Leben und nahmen sie in Geiselhaft. Sie machten aus ihnen Sexsklavinnen oder sie bildeten sie aus \u2013 zu Selbstmordattent\u00e4tern. Wie Thomas.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie haben uns st\u00e4ndig geschlagen. Wir mussten Schie\u00dfen \u00fcben. Zwei meiner Freunde haben sich in die Luft gesprengt. Sie sind zum Training. Doch sie kamen nicht zur\u00fcck. Ich war nicht traurig. Sie wollten sich ja in die Luft sprengen. Die \u201aIS\u2018-Leute hatten es nicht von ihnen verlangt. Sie sind freiwillig gegangen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas hat heute einen modernen Haarschnitt; der Nacken ist ausrasiert; der lange Pony in die Stirn gek\u00e4mmt. Im Sommer sah er noch anders aus, kurz nachdem Mosul befreit worden war. Bei einem Luftangriff der Anti-\u201eIS\u201c-Koalition wurde Thomas schwer verletzt aus Tr\u00fcmmern geborgen, dann operiert.<\/p>\n\n\n\n

\"ThomasThomas erholt sich von drei Jahren IS-Gefangenschaft. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

Arbeit mit \u201eDschihadisten-Kindern\u201c<\/h2>\n\n\n\n

Die \u00e4u\u00dferen Wunden sind heute verheilt. Doch wie sieht es aus mit den inneren, den seelischen Verletzungen? Thomas wurde von seiner Familie aufgenommen und bekommt Hilfe. Andere Kinder konnten nicht aufgefangen werden. Bis heute betrachten sie Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c \u2013 so wie es ihnen in der Geiselhaft eingeh\u00e4mmert wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie sind eine gro\u00dfe Gefahr f\u00fcr andere Kinder. Sie leben in Lagern, in einem Zelt, auf sechs mal vier Metern, oder noch weniger! Acht Geschwister, sie spielen zusammen, reden, sie indoktrinieren die anderen! Das ist ein Problem, das wir nicht l\u00f6sen k\u00f6nnen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Sara Hassan ist Sozialarbeiterin. Sie arbeitet in den Lagern, versucht M\u00e4dchen und Frauen, die jahrelang in Geiselhaft vergewaltigt wurden, zu helfen. Unz\u00e4hlige hatte der \u201eIS\u201c einst entf\u00fchrt. Sara arbeitet auch mit den sogenannten \u201eDschihadisten-Kindern\u201c. Sie erz\u00e4hlt, wie \u00fcberfordert alle seien: die Familien, die jesidische Gemeinschaft, die Gesellschaft des Nord-Irak.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIn einem anderen Fall hat sich die Familie am Ende an die Sicherheitskr\u00e4fte gewandt. Doch die wussten auch nicht, wie sie damit umgehen sollten. Monate lang hat die Familie versucht, den Jungen umzuerziehen, zusammen mit Sozialarbeitern. Aber noch immer sehen wir den Hass in seinen Augen \u2013 gegen\u00fcber Kurden, Christen und Jesiden. Als blicke man in die Augen eines IS-Terroristen. Das ist das Problem.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Die Jesiden k\u00f6nnen \u00fcber ihre vom \u201eIS\u201c indoktrinierten Kinder sprechen. Denn niemand zweifelt daran, dass sie Opfer der Tyrannei wurden. Bei den sunnitischen Arabern sieht das anders aus. Da sie derselben Religionsgruppe angeh\u00f6ren wie formal auch die Terroristen, stehen sie unter Generalverdacht, mit dem \u201eIS\u201c gemeinsame Sache gemacht zu haben. Sunnitische Araber trauen sich daher nicht, die Probleme ihrer Kinder \u00f6ffentlich zu machen \u2013 auch wenn sie selbst nichts mit dem \u201eIS\u201c zu tun hatten.<\/p>\n\n\n\n

Unklar ist, wie viele Kinder und Jugendliche im Irak und in Syrien zu Terroristen ausgebildet wurden, dabei noch in Geiselhaft sind oder bereits als \u201eSchl\u00e4fer\u201c darauf warten, zum Einsatz zu kommen. Sie gleichen \u201etickenden Zeitbomben\u201c, die jederzeit explodieren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

Minderheiten haben Angst vor \u201eIS\u201c-Nachfolgern<\/h2>\n\n\n\n

Kamaran Palani spricht davon, dass viele Menschen immer noch gehen wollen, obwohl der \u201eIS\u201c als staats\u00e4hnliches Gebilde nicht mehr besteht. Seine Saat aber, so der Politikwissenschaftler, sei aufgegangen.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollen einfach nicht in diesem Land bleiben. Der IS hat sie dazu gebracht. Jeder hat heute Angst, dass eine andere Organisation kommen wird, Terroristen, die dasselbe anrichten wie zuvor.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Palani forscht am \u201eMiddle East Research Institute\u201c, das seinen Sitz in Erbil hat, der Hauptstadt von Irakisch-Kurdistan. <\/p>\n\n\n\n

\u201e60 bis 65 Prozent der Christen wollen gehen. Das Gleiche gilt f\u00fcr andere Minderheiten: f\u00fcr Jesiden, Schabaks, Turkmenen, Kakais.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

\u201eWir werden niemals wieder mit den Arabern zusammenleben k\u00f6nnen!\u201c \u2013 ein Satz, der heute h\u00e4ufig im Nord-Irak zu h\u00f6ren ist. Gemeint sind die Iraker, die Sunniten und Araber sind \u2013 die einstmals Nachbarn von Jesiden, Christen und Kurden waren \u2013 mit denen man Handel trieb und Hochzeiten feierte, die auch Freunde waren.<\/p>\n\n\n\n

Der Irak ist eine multi-ethnische und multi-religi\u00f6se Gesellschaft, in der die Schiiten die Mehrheit stellen. \u00dcber Jahrhunderte aber hatten die sunnitischen Araber das Sagen, sie missbrauchten die Macht, errichteten ein Schreckensregime \u2013 bis 2003, als Diktator Saddam Hussein von den USA gest\u00fcrzt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c entstand aus Widerstand gegen Schiiten-Herrschaft<\/h2>\n\n\n\n

Jetzt wurde der Spie\u00df umgedreht. Die Amerikaner sorgten daf\u00fcr, dass die Sunniten jegliche Machtposition verloren \u2013 so wurde die irakische Armee, wurde die baathistische Partei aufgel\u00f6st \u2013 ohne ein Pendant zu schaffen, das alle integrierte. Und: Washington unterst\u00fctzte Regierungschef Nouri al-Maliki, einen Schiiten. Maliki sah eine historische Chance gekommen, diskriminierte nun seinerseits seine sunnitischen Landsleute, verwehrte ihnen im \u201eNeuen Irak\u201c die Mitsprache. Im Regime Malikis wurden Sunniten inhaftiert, gefoltert und umgebracht.<\/p>\n\n\n\n

Was viele in den Widerstand trieb. Einige schlossen sich der Terror-Organisation \u201eAl-Qaida\u201c an, unter ihnen f\u00fchrende Milit\u00e4rs der aufgel\u00f6sten Armee Saddam Husseins \u2013 und aus \u201eAl-Qaida\u201c ging sp\u00e4ter der \u201eIS\u201c hervor.<\/p>\n\n\n\n

Als der \u201eIS\u201c dann im Sommer 2014 fast ohne Gegenwehr weite Landstriche in Syrien und im Irak \u00fcberrannte und seinen \u201eStaat\u201c ausrief, sahen auch gew\u00f6hnliche sunnitische Araber einen Wechsel nahen. Viele machten gemeinsame Sache mit den Terroristen, verhinderten die Flucht jesidischer Nachbarn, lieferten sie ihren Schl\u00e4chtern aus. Kamaran Palani:<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c-K\u00e4mpfer haben gesagt, es gehe darum, die W\u00fcrde der sunnitischen Araber wiederherzustellen. Ihre Macht. Ihre Geschichte. Tats\u00e4chlich konnten es die Araber nicht hinnehmen, dass sie ins Abseits gedr\u00e4ngt wurden. Und ich denke, dass sie auch in Zukunft so handeln werden. Wann immer sich die Gelegenheit bietet: Sie werden alles hinter sich lassen \u2013 sich nur darauf konzentrieren.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Misstrauen. Auch bei einem Politikwissenschaftler. Was also tun? Zerst\u00f6rte St\u00e4dte und D\u00f6rfer k\u00f6nnten wieder aufgebaut werden \u2013 wenn denn ein gemeinsamer Wille best\u00fcnde. Doch was, wenn es einen solchen gemeinsamen Willen gar nicht gibt? Wenn Schmerz und Trauer anhalten, wenn die Verbrechen von Terroristen und Helfershelfern nicht geahndet werden, wenn Angst umgeht, Misstrauen und Hass das Miteinander bestimmen.<\/p>\n\n\n\n

\"SyrischeSoldaten in der irakischen Stadt Sindschar nach der R\u00fcckeroberung von der IS-Miliz Ende 2015. (dpa \/ MAXPPP \/ Arnaud Dumontier)<\/p>\n\n\n\n

Kamaran Palani stammt aus der Stadt Makhmour. Drei Tage nur sei der \u201eIS\u201c dort gewesen, sagt er, doch diese Tage h\u00e4tten alles ver\u00e4ndert. Der \u201eIS\u201c habe die Menschen in seiner Heimatstadt verrohen lassen, meint er, das Verh\u00e4ltnis zwischen Kurden und Arabern sei heute tot. Eine R\u00fcckkehr in alte Zeiten h\u00e4lt Palani f\u00fcr falsch.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch denke, es w\u00e4re nicht einfach, in das Jahr 2014 \u2013 also in die Zeit vor dem \u201aIS\u2018 \u2013 zur\u00fcckzukehren. Vor allem aber w\u00e4re es nicht die richtige Politik. Denn eben die hat ja erst zum Aufkommen, zur Existenz des \u201aIS\u2018 gef\u00fchrt.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n


Wie also in Ruinen Neues schaffen? Der Staat muss das Gewaltmonopol zur\u00fcckerlangen, fordert der Politikwissenschaftler. F\u00fcr ihn steht das an erster Stelle. Und dann m\u00fcsse der Staat dringend einen Kurswechsel vornehmen: Er m\u00fcsse integrativ wirken, alle einbinden, auch die Araber, in Sicherheitskr\u00e4fte, Verwaltung und Politik.<\/p>\n\n\n\n

Machtmonopol m\u00fcsste von Milizen zum Staat gehen<\/h2>\n\n\n\n

Die Realit\u00e4t sieht anders aus: Ein Staat Kurdistan, der neue Optionen m\u00f6glich gemacht h\u00e4tte, auch von den Minderheiten gew\u00fcnscht worden war, ist nicht entstanden. Bagdad aber ist fern, der Zentralstaat kaum existent, und wenn, dann ist er schiitisch dominiert. Es sind Milizen, die im Nord-Irak das Geschehen bestimmen, darum rivalisieren, das Machtvakuum zu f\u00fcllen, das durch die Vertreibung des \u201eIS\u201c entstanden ist. Einst im Kampf gegen die Terroristen geeint, sind die Milizen einander heute feind.<\/p>\n\n\n\n

Allen voran die \u201eHashd ash-Shaabi\u201c, schiitisch-irakische Milizen, deren Ausbilder und Kommandeure h\u00e4ufig Iraner sind. Bagdad hat die Haschd als regul\u00e4re Kraft im Kampf gegen den \u201eIS\u201c anerkannt \u2013 obwohl Menschenrechts-Organisationen schwere Vorw\u00fcrfe gegen sie erheben. Fest steht: Die schiitischen Milizen halten D\u00f6rfer besetzt, sind in Mosul f\u00fcr ihr herrisches Auftreten und ihre Willk\u00fcr bekannt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eTats\u00e4chlich sorgen die verschiedenen bewaffneten Gruppen daf\u00fcr, dass die Fl\u00fcchtlinge nicht zur\u00fcckkehren. Und weil sie nicht zur\u00fcckkehren, gibt es auch keinen Wiederaufbau. Die Menschen haben Angst vor den Milizen \u2013 auch davor, dass die einander bek\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die \u201eHashd\u201c m\u00fcssten mithin abziehen. Und mit ihnen die anderen Milizen. Das Machtmonopol m\u00fcsste an den Staat gehen. Doch der Irak ist auch Spielball der Regionalm\u00e4chte: Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien. Sie konkurrieren um Einfluss-Sph\u00e4ren, bedienen sich dabei verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Gruppen im Irak. Deswegen werden die Hashd nicht abziehen. Derzeit sind sie von der iranisch-irakischen Grenze im Osten \u00fcber Bagdad bis hoch zur irakisch-syrischen Grenze im Norden postiert. Einheiten Teherans k\u00f6nnten demnach auf dem Landweg vom Iran bis ans Mittelmeer durchmarschieren.<\/p>\n\n\n\n

Iran und Saudi-Arabien wollen Macht vergr\u00f6\u00dfern<\/h2>\n\n\n\n

Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n

In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n

Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3703,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:24:20","post_date_gmt":"2020-08-13 21:24:20","post_content":"\n

Deutschland str\u00e4ubt sich gegen die R\u00fcckkehr seiner eigenen Staatsb\u00fcrger, die zu IS-Terroristen wurden. Dabei hat die Bundesrepublik den Terror und die Terroristen einst exportiert. Und dies geschah wissentlich, sagt der Islamwissenschaftler Fabian Goldmann.<\/p>\n\n\n\n

Wann haben Sie sich eigentlich zuletzt von deutschen Terroristen distanziert? Zum Beispiel von Robert B.? Der Ex-Bundeswehrsoldat aus Solingen hat mutma\u00dflich bei einem Selbstmordattentat Anfang 2014 50 Menschen mit in den Tod gerissen. <\/p>\n\n\n\n

Oder von Yannik N.? Der junge Freiburger steuerte wahrscheinlich im Jahr 2015 einen mit anderthalb Tonnen Sprengstoff beladenen LKW in eine Menschenmenge und nahm so Dutzenden Personen das Leben.<\/p>\n\n\n\n

Oder von Yamin A.?. Im Sommer 2015 tauchte im Netz ein Video auf, das zeigte, wie der ehemalige Telekom-Azubi aus K\u00f6nigswinter zwei gefesselten Soldaten in den Kopf schoss.
Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Deutsche T\u00e4ter, aber kaum deutsche Opfer<\/h2>\n\n\n\n

Hauptsache nicht bei uns! Dies scheint auch dieser Tage wieder die Maxime zu sein, wenn Politiker und \u00d6ffentlichkeit \u00fcber den Umgang mit deutschen Terroristen diskutieren. Von potenziellen Bedrohungen und Anschlagsgefahren in Deutschland liest man dann. Vom ganz realen Terror, den Deutsche in den vergangenen Jahren \u00fcber die Menschen in Syrien und Irak gebracht haben, h\u00f6rt man hingegen kaum. Ein Terror, der kaum deutsche Opfer aber umso mehr deutsche T\u00e4ter kannte.<\/p>\n\n\n\n

1.050 \u2013 das ist laut Bundesinnenministerium die Anzahl der Dschihadisten, die in den letzten Jahren die Bundesrepublik in Richtung Nahost verlassen hat. Es f\u00e4llt schwer, sich umgekehrtes Szenario \u00fcberhaupt auszumalen. Was w\u00e4re wohl los, h\u00e4tte es nur ein Bruchteil arabischer Terroristen geschafft, bei uns Anschl\u00e4ge zu begehen? Europas \u201eMuslim Bann\u201c? \u00dcberwachungsstaat auf NSA-Niveau?<\/p>\n\n\n\n

Die CSU st\u00fcnde wom\u00f6glich am linken Ende des politischen Spektrums, und auf Twitter w\u00fcrde Trump deutsche Migrationspolitiker zur M\u00e4\u00dfigung aufrufen. Der deutsche Terror in Nahost kommt hingegen seit Jahren ganz ohne Sondersendungen, politische Debatten und Distanzierungsforderungen aus. <\/p>\n\n\n\n

Deutsche K\u00e4mpfer waren nicht nur willenloses Kanonenfutter<\/h2>\n\n\n\n

An fehlendem Wissen liegt das nicht. Von ganzen Einheiten des IS, in denen kein einziger K\u00e4mpfer Arabisch spreche, berichten syrische, irakische und kurdische Soldaten schon seit Jahren. Von Aleppo \u00fcber Raqqa bis Mossul haben Aktivisten und Politiker immer wieder darauf hingewiesen, dass viele der schlimmsten M\u00f6rder in den Reihen des IS Europ\u00e4er sind. Interessiert hat das hier kaum jemand.<\/p>\n\n\n\n

Dabei dienten Deutsche dem Islamischen Staats nicht nur als willenloses Kanonenfutter, wie es oft dargestellt wird. Viele haben seinen Terror mitgepr\u00e4gt. Wie Martin L., der derzeit in kurdischer Haft sitzt. Der Schwei\u00dfer aus Sachsen-Anhalt soll sich vom Folterknecht bis zum Geheimdienstler mit Kontakten bis in die F\u00fchrungsspitze der Terrororganisation hochgearbeitet haben.<\/p>\n\n\n\n

Oder Reda S., Der Prediger aus Berlin-Charlottenburg soll dem IS in Mossul als Bildungsminister gedient haben. Oder der Berliner Ex-Rapper Denis Cuspert, der zu den wichtigsten Personen in der IS-Medienorganisation Al-Hayat geh\u00f6rte. Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Beh\u00f6rden wussten gut Bescheid<\/h2>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich entstand der Islamische Staat nicht in deutschen Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen. Zur deutschen Verantwortung geh\u00f6rt aber auch, dass Politiker und Beh\u00f6rden lange wegschauten, solang nur die T\u00e4ter, aber nicht die Opfer Deutsche waren. Beh\u00f6rden wissen und wussten erschreckend gut Bescheid \u00fcber die Radikalisierung deutscher Islamisten. Ein Gro\u00dfteil der sp\u00e4teren IS-K\u00e4mpfer war polizeibekannt, stand auf Gef\u00e4hrderlisten oder hatte wegen islamistischer Straftaten bereits Haftstrafen verb\u00fc\u00dft. An der Ausreise gehindert wurden sie oftmals dennoch nicht. Die Gefahr, die von deutschen Terroristen ausgeht, interessierte Politik und \u00d6ffentlichkeit erst dann wieder, als ihre Einreise drohte.<\/p>\n\n\n\n

\"Fabian
Fabian Goldmann<\/strong> ist Journalist und Islamwissenschaftler. F\u00fcr verschiedene Magazine und Zeitungen berichtete er viele Jahre aus Nahost. Zurzeit widmet er sich vor allem dem Islam diesseits des Bosporus. Auf seinem Blog Schantall und die Scharia<\/a> bloggt er \u00fcber Islamophobie in Deutschland.<\/p>\n","post_title":"Es sind unsere Terroristen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"es-sind-unsere-terroristen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3703","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3700,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:19:36","post_date_gmt":"2020-08-13 21:19:36","post_content":"\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda? Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda t<\/p>\n\n\n\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda tritt an die Stelle der 2010 verabschiedeten Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014 (siehe IP\/10\/1535<\/a>). In der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda f\u00fcr den Zeitraum 2015-2020 skizziert die Europ\u00e4ische Kommission die Strategie der Union zur Bew\u00e4ltigung der Sicherheitsbedrohungen in der EU.<\/p>\n\n\n\n

Die EU und ihre Mitgliedstaaten sind mit betr\u00e4chtlichen Sicherheitsproblemen konfrontiert. Terrorismus, organisierte Kriminalit\u00e4t und Cyberkriminalit\u00e4t stellen eine zunehmende Gefahr f\u00fcr die europ\u00e4ische Gesellschaft dar, wobei sich Art und Ausma\u00df dieser Gefahr ver\u00e4ndert hat. Europa ist mit den Auswirkungen der politischen Instabilit\u00e4t in seiner unmittelbaren Nachbarschaft konfrontiert, die die Sicherheitsinteressen der EU gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n

Im Zuge der Krisen und Konflikte in Syrien, Irak und Libyen haben sich europ\u00e4ische B\u00fcrger terroristischen Gruppen angeschlossen, die bei ihrer R\u00fcckkehr eine erhebliche Bedrohung darstellen k\u00f6nnen. Die j\u00fcngsten terroristischen Anschl\u00e4ge in Europa zeugen von der zunehmenden Bedrohung durch einen gewaltt\u00e4tigen Extremismus und zeigen, in welchem Ausma\u00df weltweite Konflikte zur Radikalisierung der europ\u00e4ischen B\u00fcrger beitragen.<\/p>\n\n\n\n

Das Online-Umfeld hat sich zunehmend als Ziel f\u00fcr Kriminelle und Terroristen entwickelt. Unabh\u00e4ngig davon, ob es um die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und die Anwerbung von Menschen f\u00fcr terroristische Organisationen geht oder die Verbreitung von Hass oder einen Angriff auf die europ\u00e4ischen Werte und Institutionen, fest steht, dass wir unsere Reaktion auf diese Bedrohungen unbedingt abstimmen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Welcher Mehrwert entsteht durch die EU im Bereich der inneren Sicherheit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Gew\u00e4hrleistung der inneren Sicherheit f\u00e4llt weiterhin in erster Linie in die Zust\u00e4ndigkeit der Mitgliedstaaten. Allerdings werden die Bedrohungen f\u00fcr Europas B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger immer vielf\u00e4ltiger und betreffen in zunehmendem Ma\u00dfe mehrere Mitgliedstaaten. Einzelne Mitgliedstaaten haben die Verantwortung, die Sicherheit an den Au\u00dfengrenzen zu gew\u00e4hrleisten, sind aber nicht mehr in der Lage, diese Herausforderungen allein zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n

Kriminelle und terroristische Aktivit\u00e4ten machen nicht an den Grenzen der EU halt und beschr\u00e4nken sich auch nicht auf Nachbarregionen. Die innere Sicherheit der EU und die globale Sicherheit sind voneinander abh\u00e4ngig und miteinander verkn\u00fcpft. Die Sicherheit der Union h\u00e4ngt in hohem Ma\u00dfe von der Zusammenarbeit mit ihren internationalen Partnern und ihren Nachbarl\u00e4ndern ab.<\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t und des Terrorismus ist eine gemeinsame europ\u00e4ische Aufgabe. Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda sollte von den Mitgliedstaaten und den EU-Organen gemeinsam als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und gemeinsame Ma\u00dfnahmen der Union genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n

Mit Hilfe der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda werden die Polizei- und Strafverfolgungsdienste in verschiedenen Mitgliedstaaten Daten effektiver austauschen und bei der Bek\u00e4mpfung der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t besser zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Die Mitgliedstaaten k\u00f6nnen auf die Unterst\u00fctzung durch die Agenturen der EU z\u00e4hlen. Insbesondere in folgenden Punkten l\u00e4sst sich mit Hilfe der Sicherheitsagenda ein EU-Mehrwert erzielen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n

A) Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und den EU-Agenturen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1<\/strong>: Das Schengener Informationssystem<\/strong> (SIS) wird von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Abfrage von Ausschreibungen von gesuchten oder vermissten Personen und Gegenst\u00e4nden genutzt. Die Kommission wird an der Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Ausschreibungskategorien arbeiten und sich daf\u00fcr einsetzen, dass das SIS zusammen mit der Interpol-Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD)<\/strong> umfassender genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Der einzige Ausweg f\u00fcr den jungen Afghanen war die Flucht. \u00dcber die T\u00fcrkei, Griechenland und die Balkranroute erreichte er mit gro\u00dfer M\u00fche Deutschland, wo er einen Asylantrag stellte.<\/p>\n\n\n\n

Erster Asylantrag in Deutschland abgelehnt<\/h2>\n\n\n\n

Als Grund nannte er seine Rekrutierung als Kindersoldat seitens des iranischen Regimes. Doch w\u00e4hrend diese Begr\u00fcndung in Abu Fazels Augen v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich war, sahen deutsche Beh\u00f6rden das anders. Sein erster Antrag wurde abgelehnt. Derzeit versucht er es ein zweites Mal. Die Bundesrepublik schiebt afghanische Gefl\u00fcchtete weiterhin ab.<\/p>\n\n\n\n

\"EinAbschiebung von Afghanen im Dezember 2016 mit einem Charterflug von Frankfurt nach Kabul. (dpa \/picture alliance \/ Boris Roessler)<\/p>\n\n\n\n

Die Verantwortlichen weisen in diesem Kontext immer wieder auf vermeintlich \u201esichere Gebiete\u201c im Land, die nicht n\u00e4her benannt werden.<\/p>\n\n\n\n

W\u00e4hrenddessen machen Menschenrechtsorganisationen regelm\u00e4\u00dfig darauf aufmerksam, dass keine Region am Hindukusch sicher ist. Stattdessen wird in manchen Gebieten nur weniger Krieg gef\u00fchrt als in anderen.<\/p>\n\n\n\n

\"SieDemonstranten protestieren in Frankfurt am Main gegen die Abschiebung von Afghanen. Auf einem der Transparente steht \u201eAfghanistan is not safe\u201c. (AFP \/ Daniel Roland)<\/p>\n\n\n\n

Alis Vater und Onkel k\u00e4mpfen in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein \u00e4hnliches Schicksal wie Abu Fazel erlitt der 18-j\u00e4hrige Ali (Namen ge\u00e4ndert). Auch er floh aus dem Iran nach Deutschland, um der Rekrutierung f\u00fcr Assads Milizen zu entgehen. Viele seiner afghanischen Freunde sind bereits nach Syrien gezogen \u2013 und kamen niemals zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Alis Familie, ebenfalls Angeh\u00f6rige der Hazara-Minderheit, stammt urspr\u00fcnglich aus der Provinz Ghor im Nordosten Afghanistans. Ihre Heimat verlie\u00dfen sie w\u00e4hrend der sowjetischen Besatzung in den 1980er-Jahren.<\/p>\n\n\n\n

Seit jeher lebt die Familie in der iranischen Gro\u00dfstadt Maschhad. Als der Krieg in Syrien ausbrach, erreichte sie ein Konflikt, mit dem sie nicht gerechnet hatten. Im Juli 2015 reiste Alis Vater nach Teheran. Er wollte einen Weg finden, um f\u00fcr seine Familie Aufenthaltspapiere zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Beh\u00f6rden sagten ihm, dass die Rekrutierung f\u00fcr den Krieg in Syrien eine M\u00f6glichkeit darstellen k\u00f6nnte, um Papiere f\u00fcr uns alle zu erhalten. Andernfalls w\u00fcrde man uns sehr bald nach Afghanistan abschieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Mittlerweile k\u00e4mpfen Alis Vater und sein Onkel seit \u00fcber einem Jahr in Syrien. Am Aufenthaltsstatus seiner Familienmitglieder hat sich bis heute allerdings nichts ge\u00e4ndert. F\u00fcr Ali ist klar, dass dies nur eine Falle gewesen ist, um noch mehr Afghanen als Kanonenfutter zu missbrauchen.<\/p>\n\n\n\n

Anfangs gab es Papiere f\u00fcr K\u00e4mpfer-Familien<\/h2>\n\n\n\n

Den Kontakt zu seinem Vater hat der Afghane mittlerweile verloren. W\u00e4hrenddessen schickt ihm sein Onkel, der in Aleppo stationiert ist, hin und wieder Bilder \u00fcber den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ali denkt, dass nur sehr wenige Afghanen der Propaganda der iranischen Regierung glauben und in Syrien f\u00fcr eine \u201egute Sache\u201c k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

Source<\/a><\/p>\n","post_title":"Warum Afghanen in Syrien f\u00fcr Assad k\u00e4mpfen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"warum-afghanen-in-syrien-fur-assad-kampfen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3709","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3706,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:27:40","post_date_gmt":"2020-08-13 21:27:40","post_content":"\n

Kinder, Frauen, Jesiden \u2013 wer \u00fcberlebt hat, berichtet von Folter, Vergewaltigungen und Gehirnw\u00e4sche. Rund drei Jahre dauerte die Schreckensherrschaft der IS-Miliz in Syrien und Irak. Der Wiederaufbau wird l\u00e4nger dauern und mehr umfassen als H\u00e4user.<\/p>\n\n\n\n

Der Fluss Tigris durchzieht die zweitgr\u00f6\u00dfte Stadt des Iraks und teilt Mosul in Ost und West. Das Westufer ist von Zerst\u00f6rung gezeichnet, die Altstadt nicht mehr als eine einzige graue Tr\u00fcmmerlandschaft. Seit den letzten Bombardements im Juli 2017 kann hier niemand mehr wohnen.<\/p>\n\n\n\n

Die Nouri-Moschee, von deren Kanzel Abu Bakr al-Baghdadi im Juli 2014 sein Kalifat ausrief, hatte die IS-Miliz auf ihrem R\u00fcckzug vorsorglich selbst in die Luft gesprengt, um den Gegnern diesen besonderen Triumph zu verwehren.<\/p>\n\n\n\n

\"ImIm Juli 2017 erobert die irakische Armee Mossul zur\u00fcck. Ruinen sind zu sehen. Ein K\u00e4mpfer der IS-Miliz hat sich ergeben. (Imago \/ Carol Guzy)<\/p>\n\n\n\n

Es ist fraglich, ob die Altstadt dem Original getreu wieder aufgebaut werden kann. Bagdad will demn\u00e4chst \u2013 im Rahmen einer gro\u00dfen Wiederaufbau-Konferenz \u2013 bekannt geben, welche Pl\u00e4ne es hat. Derzeit gilt als gro\u00dfer Fortschritt, dass die Tr\u00fcmmerlandschaft in Teilen wieder begehbar ist \u2013 nachdem mit internationaler Hilfe zahllose Sprengs\u00e4tze beseitigt wurden.<\/p>\n\n\n\n

In Ost-Mossul gibt es weniger Zerst\u00f6rungen<\/h2>\n\n\n\n

J\u00fcngste Sch\u00e4tzungen der Vereinten Nationen besagen, dass es noch Jahre dauern wird, bis alle Minen ger\u00e4umt sind. Solange werden die einstigen Bewohner nicht zur\u00fcckkehren k\u00f6nnen. Manche von ihnen haben Gl\u00fcck im Ungl\u00fcck: Sie haben \u00fcberlebt und sind auf der anderen Seite des Tigris untergekommen, im Osten der Stadt. Der war schon im Januar 2017 von den Terroristen befreit worden. Erstaunlich ist: Dieser Teil Mosuls wirkt fast so, als w\u00e4re der \u201eIS\u201c niemals hier gewesen und als h\u00e4tte es keinen Krieg gegeben.<\/p>\n\n\n\n

\"ImIm Osten Mossuls gibt es weniger Zerst\u00f6rungen als im Westteil. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

Die Zerst\u00f6rungen beschr\u00e4nken sich auf strategisch-wichtige Punkte oder Geb\u00e4ude, in denen sich die Terroristen verschanzt hatten: Br\u00fccken, Moscheen, Krankenh\u00e4user. Doch im Basar herrscht fast so etwas wie Normalit\u00e4t. An St\u00e4nden kaufen Menschen ein \u2013 Obst, Gem\u00fcse, Reis und Nudeln, Backwaren. Kinder schlecken ein Eis. Abu Muhammad, ein ehemaliger Physiklehrer, erkl\u00e4rt, warum der Basar so anders ist als erwartet:<\/p>\n\n\n\n

\u201eDas Leben hatte nie aufgeh\u00f6rt in Mosul. Wir haben weitergelebt. Drei Jahre wurden wir vom \u201aIS\u2018 beherrscht, doch die normalen Leute hatten nichts damit zu tun. Daher kam der Alltag schnell zur\u00fcck. Die Soldaten sind gekommen, haben den Basar wieder aufgemacht und das Leben ging weiter.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Im Osten findet sich heute all das wieder, was die Terror-Miliz unterdr\u00fcckt hatte und bei Missachtung grausam ahndete: Musik in Restaurants und Caf\u00e9s; Sim-Karten f\u00fcr Handys; Internet; Fris\u00f6re, die Haare schneiden, B\u00e4rte stutzen oder gar abrasieren. Und doch: Trotz des lebendigen Treibens wirken Angst und Schrecken nach. Abu Muhammad, fr\u00fch ergraut, erinnert sich:<\/p>\n\n\n\n

\u201eWir haben uns gef\u00fchlt wie zwischen Leben und Tod. Irgendwo dazwischen. Sie haben vom \u201aIS\u2018 geh\u00f6rt; wir haben ihn erlebt: Wir haben erlebt, wie sie mordeten, wie sie Leute aufh\u00e4ngten, wir haben den Krieg erlebt. Wir haben alles gesehen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Mohammed stammt aus dem zerst\u00f6rten Westen der Stadt. Er wohnt heute im Osten. Verwandte haben ihn und seine Familie aufgenommen. So wie ihm ergeht es auch anderen Vertriebenen. Sie leben bei Verwandten und Freunden. Oder in einem der vielen Lager. 700.000 Menschen haben ihr Zuhause verloren \u2013 eine Zahl, die f\u00fcr West-Mosul gilt. Insgesamt gehen die Vereinten Nationen von fast sechs Millionen Menschen aus, die im Irak vor dem \u201aIS\u2018 geflohen sind \u2013 die H\u00e4lfte von ihnen bis heute fern von ihrem Zuhause.<\/p>\n\n\n\n

Binnenfl\u00fcchtlinge im Lager Khabartu<\/h2>\n\n\n\n

Zelte soweit das Auge reicht. Abertausende. Inmitten von Steppe. Das Leben der Menschen ist hart. Sie darben, frieren und verdorren \u2013 wenn im Winter der kalte Wind durch die Steppe fegt und im Sommer die Sonne niederbrennt. Doch sie harren aus, haben wenig Hoffnung auf baldige R\u00fcckkehr. Die meisten kamen 2014 \u2013 hierher, ins Lager Khabartu in Irakisch-Kurdistan.<\/p>\n\n\n\n

\"DasDas Lager Khabartu f\u00fcr irakische Binnenfl\u00fcchtlinge. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

2014, als der \u201eIS\u201c den Nord-Irak \u00fcberfiel. In einem der Zelte lebt auch die Familie von Thomas Abdallah Hammou. Thomas war auf der Flucht von seiner Familie getrennt und von den Dschihadisten verschleppt worden. Damals war er acht Jahre alt. Ein Kind. Drei Jahre blieb er in Geiselhaft, lebte in Mosul.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollten nicht, dass wir spielen. Sie mochten es nicht. Ich habe keine Schule besucht, aber sie gaben uns Koran-Unterricht. Jeden Tag.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas musste seinem eigenen, dem jesidischen Glauben abschw\u00f6ren. Weil der \u201eIS\u201c die Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c betrachtet. Und \u201eUngl\u00e4ubige\u201c, so die Auffassung der Terroristen, m\u00fcssen zwangsbekehrt werden. Oder get\u00f6tet. Die Terroristen hatten dementsprechend die Jesiden entweder an Ort und Stelle ermordet, die meisten im Sinjar, im alten Siedlungsgebiet der Jesiden im Nord-Irak. Tausende. 47 Massengr\u00e4ber sollen mittlerweile gefunden worden sein. Oder aber die Terroristen lie\u00dfen die Jesiden am Leben und nahmen sie in Geiselhaft. Sie machten aus ihnen Sexsklavinnen oder sie bildeten sie aus \u2013 zu Selbstmordattent\u00e4tern. Wie Thomas.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie haben uns st\u00e4ndig geschlagen. Wir mussten Schie\u00dfen \u00fcben. Zwei meiner Freunde haben sich in die Luft gesprengt. Sie sind zum Training. Doch sie kamen nicht zur\u00fcck. Ich war nicht traurig. Sie wollten sich ja in die Luft sprengen. Die \u201aIS\u2018-Leute hatten es nicht von ihnen verlangt. Sie sind freiwillig gegangen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas hat heute einen modernen Haarschnitt; der Nacken ist ausrasiert; der lange Pony in die Stirn gek\u00e4mmt. Im Sommer sah er noch anders aus, kurz nachdem Mosul befreit worden war. Bei einem Luftangriff der Anti-\u201eIS\u201c-Koalition wurde Thomas schwer verletzt aus Tr\u00fcmmern geborgen, dann operiert.<\/p>\n\n\n\n

\"ThomasThomas erholt sich von drei Jahren IS-Gefangenschaft. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

Arbeit mit \u201eDschihadisten-Kindern\u201c<\/h2>\n\n\n\n

Die \u00e4u\u00dferen Wunden sind heute verheilt. Doch wie sieht es aus mit den inneren, den seelischen Verletzungen? Thomas wurde von seiner Familie aufgenommen und bekommt Hilfe. Andere Kinder konnten nicht aufgefangen werden. Bis heute betrachten sie Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c \u2013 so wie es ihnen in der Geiselhaft eingeh\u00e4mmert wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie sind eine gro\u00dfe Gefahr f\u00fcr andere Kinder. Sie leben in Lagern, in einem Zelt, auf sechs mal vier Metern, oder noch weniger! Acht Geschwister, sie spielen zusammen, reden, sie indoktrinieren die anderen! Das ist ein Problem, das wir nicht l\u00f6sen k\u00f6nnen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Sara Hassan ist Sozialarbeiterin. Sie arbeitet in den Lagern, versucht M\u00e4dchen und Frauen, die jahrelang in Geiselhaft vergewaltigt wurden, zu helfen. Unz\u00e4hlige hatte der \u201eIS\u201c einst entf\u00fchrt. Sara arbeitet auch mit den sogenannten \u201eDschihadisten-Kindern\u201c. Sie erz\u00e4hlt, wie \u00fcberfordert alle seien: die Familien, die jesidische Gemeinschaft, die Gesellschaft des Nord-Irak.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIn einem anderen Fall hat sich die Familie am Ende an die Sicherheitskr\u00e4fte gewandt. Doch die wussten auch nicht, wie sie damit umgehen sollten. Monate lang hat die Familie versucht, den Jungen umzuerziehen, zusammen mit Sozialarbeitern. Aber noch immer sehen wir den Hass in seinen Augen \u2013 gegen\u00fcber Kurden, Christen und Jesiden. Als blicke man in die Augen eines IS-Terroristen. Das ist das Problem.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Die Jesiden k\u00f6nnen \u00fcber ihre vom \u201eIS\u201c indoktrinierten Kinder sprechen. Denn niemand zweifelt daran, dass sie Opfer der Tyrannei wurden. Bei den sunnitischen Arabern sieht das anders aus. Da sie derselben Religionsgruppe angeh\u00f6ren wie formal auch die Terroristen, stehen sie unter Generalverdacht, mit dem \u201eIS\u201c gemeinsame Sache gemacht zu haben. Sunnitische Araber trauen sich daher nicht, die Probleme ihrer Kinder \u00f6ffentlich zu machen \u2013 auch wenn sie selbst nichts mit dem \u201eIS\u201c zu tun hatten.<\/p>\n\n\n\n

Unklar ist, wie viele Kinder und Jugendliche im Irak und in Syrien zu Terroristen ausgebildet wurden, dabei noch in Geiselhaft sind oder bereits als \u201eSchl\u00e4fer\u201c darauf warten, zum Einsatz zu kommen. Sie gleichen \u201etickenden Zeitbomben\u201c, die jederzeit explodieren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

Minderheiten haben Angst vor \u201eIS\u201c-Nachfolgern<\/h2>\n\n\n\n

Kamaran Palani spricht davon, dass viele Menschen immer noch gehen wollen, obwohl der \u201eIS\u201c als staats\u00e4hnliches Gebilde nicht mehr besteht. Seine Saat aber, so der Politikwissenschaftler, sei aufgegangen.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollen einfach nicht in diesem Land bleiben. Der IS hat sie dazu gebracht. Jeder hat heute Angst, dass eine andere Organisation kommen wird, Terroristen, die dasselbe anrichten wie zuvor.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Palani forscht am \u201eMiddle East Research Institute\u201c, das seinen Sitz in Erbil hat, der Hauptstadt von Irakisch-Kurdistan. <\/p>\n\n\n\n

\u201e60 bis 65 Prozent der Christen wollen gehen. Das Gleiche gilt f\u00fcr andere Minderheiten: f\u00fcr Jesiden, Schabaks, Turkmenen, Kakais.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

\u201eWir werden niemals wieder mit den Arabern zusammenleben k\u00f6nnen!\u201c \u2013 ein Satz, der heute h\u00e4ufig im Nord-Irak zu h\u00f6ren ist. Gemeint sind die Iraker, die Sunniten und Araber sind \u2013 die einstmals Nachbarn von Jesiden, Christen und Kurden waren \u2013 mit denen man Handel trieb und Hochzeiten feierte, die auch Freunde waren.<\/p>\n\n\n\n

Der Irak ist eine multi-ethnische und multi-religi\u00f6se Gesellschaft, in der die Schiiten die Mehrheit stellen. \u00dcber Jahrhunderte aber hatten die sunnitischen Araber das Sagen, sie missbrauchten die Macht, errichteten ein Schreckensregime \u2013 bis 2003, als Diktator Saddam Hussein von den USA gest\u00fcrzt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c entstand aus Widerstand gegen Schiiten-Herrschaft<\/h2>\n\n\n\n

Jetzt wurde der Spie\u00df umgedreht. Die Amerikaner sorgten daf\u00fcr, dass die Sunniten jegliche Machtposition verloren \u2013 so wurde die irakische Armee, wurde die baathistische Partei aufgel\u00f6st \u2013 ohne ein Pendant zu schaffen, das alle integrierte. Und: Washington unterst\u00fctzte Regierungschef Nouri al-Maliki, einen Schiiten. Maliki sah eine historische Chance gekommen, diskriminierte nun seinerseits seine sunnitischen Landsleute, verwehrte ihnen im \u201eNeuen Irak\u201c die Mitsprache. Im Regime Malikis wurden Sunniten inhaftiert, gefoltert und umgebracht.<\/p>\n\n\n\n

Was viele in den Widerstand trieb. Einige schlossen sich der Terror-Organisation \u201eAl-Qaida\u201c an, unter ihnen f\u00fchrende Milit\u00e4rs der aufgel\u00f6sten Armee Saddam Husseins \u2013 und aus \u201eAl-Qaida\u201c ging sp\u00e4ter der \u201eIS\u201c hervor.<\/p>\n\n\n\n

Als der \u201eIS\u201c dann im Sommer 2014 fast ohne Gegenwehr weite Landstriche in Syrien und im Irak \u00fcberrannte und seinen \u201eStaat\u201c ausrief, sahen auch gew\u00f6hnliche sunnitische Araber einen Wechsel nahen. Viele machten gemeinsame Sache mit den Terroristen, verhinderten die Flucht jesidischer Nachbarn, lieferten sie ihren Schl\u00e4chtern aus. Kamaran Palani:<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c-K\u00e4mpfer haben gesagt, es gehe darum, die W\u00fcrde der sunnitischen Araber wiederherzustellen. Ihre Macht. Ihre Geschichte. Tats\u00e4chlich konnten es die Araber nicht hinnehmen, dass sie ins Abseits gedr\u00e4ngt wurden. Und ich denke, dass sie auch in Zukunft so handeln werden. Wann immer sich die Gelegenheit bietet: Sie werden alles hinter sich lassen \u2013 sich nur darauf konzentrieren.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Misstrauen. Auch bei einem Politikwissenschaftler. Was also tun? Zerst\u00f6rte St\u00e4dte und D\u00f6rfer k\u00f6nnten wieder aufgebaut werden \u2013 wenn denn ein gemeinsamer Wille best\u00fcnde. Doch was, wenn es einen solchen gemeinsamen Willen gar nicht gibt? Wenn Schmerz und Trauer anhalten, wenn die Verbrechen von Terroristen und Helfershelfern nicht geahndet werden, wenn Angst umgeht, Misstrauen und Hass das Miteinander bestimmen.<\/p>\n\n\n\n

\"SyrischeSoldaten in der irakischen Stadt Sindschar nach der R\u00fcckeroberung von der IS-Miliz Ende 2015. (dpa \/ MAXPPP \/ Arnaud Dumontier)<\/p>\n\n\n\n

Kamaran Palani stammt aus der Stadt Makhmour. Drei Tage nur sei der \u201eIS\u201c dort gewesen, sagt er, doch diese Tage h\u00e4tten alles ver\u00e4ndert. Der \u201eIS\u201c habe die Menschen in seiner Heimatstadt verrohen lassen, meint er, das Verh\u00e4ltnis zwischen Kurden und Arabern sei heute tot. Eine R\u00fcckkehr in alte Zeiten h\u00e4lt Palani f\u00fcr falsch.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch denke, es w\u00e4re nicht einfach, in das Jahr 2014 \u2013 also in die Zeit vor dem \u201aIS\u2018 \u2013 zur\u00fcckzukehren. Vor allem aber w\u00e4re es nicht die richtige Politik. Denn eben die hat ja erst zum Aufkommen, zur Existenz des \u201aIS\u2018 gef\u00fchrt.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n


Wie also in Ruinen Neues schaffen? Der Staat muss das Gewaltmonopol zur\u00fcckerlangen, fordert der Politikwissenschaftler. F\u00fcr ihn steht das an erster Stelle. Und dann m\u00fcsse der Staat dringend einen Kurswechsel vornehmen: Er m\u00fcsse integrativ wirken, alle einbinden, auch die Araber, in Sicherheitskr\u00e4fte, Verwaltung und Politik.<\/p>\n\n\n\n

Machtmonopol m\u00fcsste von Milizen zum Staat gehen<\/h2>\n\n\n\n

Die Realit\u00e4t sieht anders aus: Ein Staat Kurdistan, der neue Optionen m\u00f6glich gemacht h\u00e4tte, auch von den Minderheiten gew\u00fcnscht worden war, ist nicht entstanden. Bagdad aber ist fern, der Zentralstaat kaum existent, und wenn, dann ist er schiitisch dominiert. Es sind Milizen, die im Nord-Irak das Geschehen bestimmen, darum rivalisieren, das Machtvakuum zu f\u00fcllen, das durch die Vertreibung des \u201eIS\u201c entstanden ist. Einst im Kampf gegen die Terroristen geeint, sind die Milizen einander heute feind.<\/p>\n\n\n\n

Allen voran die \u201eHashd ash-Shaabi\u201c, schiitisch-irakische Milizen, deren Ausbilder und Kommandeure h\u00e4ufig Iraner sind. Bagdad hat die Haschd als regul\u00e4re Kraft im Kampf gegen den \u201eIS\u201c anerkannt \u2013 obwohl Menschenrechts-Organisationen schwere Vorw\u00fcrfe gegen sie erheben. Fest steht: Die schiitischen Milizen halten D\u00f6rfer besetzt, sind in Mosul f\u00fcr ihr herrisches Auftreten und ihre Willk\u00fcr bekannt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eTats\u00e4chlich sorgen die verschiedenen bewaffneten Gruppen daf\u00fcr, dass die Fl\u00fcchtlinge nicht zur\u00fcckkehren. Und weil sie nicht zur\u00fcckkehren, gibt es auch keinen Wiederaufbau. Die Menschen haben Angst vor den Milizen \u2013 auch davor, dass die einander bek\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die \u201eHashd\u201c m\u00fcssten mithin abziehen. Und mit ihnen die anderen Milizen. Das Machtmonopol m\u00fcsste an den Staat gehen. Doch der Irak ist auch Spielball der Regionalm\u00e4chte: Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien. Sie konkurrieren um Einfluss-Sph\u00e4ren, bedienen sich dabei verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Gruppen im Irak. Deswegen werden die Hashd nicht abziehen. Derzeit sind sie von der iranisch-irakischen Grenze im Osten \u00fcber Bagdad bis hoch zur irakisch-syrischen Grenze im Norden postiert. Einheiten Teherans k\u00f6nnten demnach auf dem Landweg vom Iran bis ans Mittelmeer durchmarschieren.<\/p>\n\n\n\n

Iran und Saudi-Arabien wollen Macht vergr\u00f6\u00dfern<\/h2>\n\n\n\n

Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n

In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n

Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3703,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:24:20","post_date_gmt":"2020-08-13 21:24:20","post_content":"\n

Deutschland str\u00e4ubt sich gegen die R\u00fcckkehr seiner eigenen Staatsb\u00fcrger, die zu IS-Terroristen wurden. Dabei hat die Bundesrepublik den Terror und die Terroristen einst exportiert. Und dies geschah wissentlich, sagt der Islamwissenschaftler Fabian Goldmann.<\/p>\n\n\n\n

Wann haben Sie sich eigentlich zuletzt von deutschen Terroristen distanziert? Zum Beispiel von Robert B.? Der Ex-Bundeswehrsoldat aus Solingen hat mutma\u00dflich bei einem Selbstmordattentat Anfang 2014 50 Menschen mit in den Tod gerissen. <\/p>\n\n\n\n

Oder von Yannik N.? Der junge Freiburger steuerte wahrscheinlich im Jahr 2015 einen mit anderthalb Tonnen Sprengstoff beladenen LKW in eine Menschenmenge und nahm so Dutzenden Personen das Leben.<\/p>\n\n\n\n

Oder von Yamin A.?. Im Sommer 2015 tauchte im Netz ein Video auf, das zeigte, wie der ehemalige Telekom-Azubi aus K\u00f6nigswinter zwei gefesselten Soldaten in den Kopf schoss.
Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Deutsche T\u00e4ter, aber kaum deutsche Opfer<\/h2>\n\n\n\n

Hauptsache nicht bei uns! Dies scheint auch dieser Tage wieder die Maxime zu sein, wenn Politiker und \u00d6ffentlichkeit \u00fcber den Umgang mit deutschen Terroristen diskutieren. Von potenziellen Bedrohungen und Anschlagsgefahren in Deutschland liest man dann. Vom ganz realen Terror, den Deutsche in den vergangenen Jahren \u00fcber die Menschen in Syrien und Irak gebracht haben, h\u00f6rt man hingegen kaum. Ein Terror, der kaum deutsche Opfer aber umso mehr deutsche T\u00e4ter kannte.<\/p>\n\n\n\n

1.050 \u2013 das ist laut Bundesinnenministerium die Anzahl der Dschihadisten, die in den letzten Jahren die Bundesrepublik in Richtung Nahost verlassen hat. Es f\u00e4llt schwer, sich umgekehrtes Szenario \u00fcberhaupt auszumalen. Was w\u00e4re wohl los, h\u00e4tte es nur ein Bruchteil arabischer Terroristen geschafft, bei uns Anschl\u00e4ge zu begehen? Europas \u201eMuslim Bann\u201c? \u00dcberwachungsstaat auf NSA-Niveau?<\/p>\n\n\n\n

Die CSU st\u00fcnde wom\u00f6glich am linken Ende des politischen Spektrums, und auf Twitter w\u00fcrde Trump deutsche Migrationspolitiker zur M\u00e4\u00dfigung aufrufen. Der deutsche Terror in Nahost kommt hingegen seit Jahren ganz ohne Sondersendungen, politische Debatten und Distanzierungsforderungen aus. <\/p>\n\n\n\n

Deutsche K\u00e4mpfer waren nicht nur willenloses Kanonenfutter<\/h2>\n\n\n\n

An fehlendem Wissen liegt das nicht. Von ganzen Einheiten des IS, in denen kein einziger K\u00e4mpfer Arabisch spreche, berichten syrische, irakische und kurdische Soldaten schon seit Jahren. Von Aleppo \u00fcber Raqqa bis Mossul haben Aktivisten und Politiker immer wieder darauf hingewiesen, dass viele der schlimmsten M\u00f6rder in den Reihen des IS Europ\u00e4er sind. Interessiert hat das hier kaum jemand.<\/p>\n\n\n\n

Dabei dienten Deutsche dem Islamischen Staats nicht nur als willenloses Kanonenfutter, wie es oft dargestellt wird. Viele haben seinen Terror mitgepr\u00e4gt. Wie Martin L., der derzeit in kurdischer Haft sitzt. Der Schwei\u00dfer aus Sachsen-Anhalt soll sich vom Folterknecht bis zum Geheimdienstler mit Kontakten bis in die F\u00fchrungsspitze der Terrororganisation hochgearbeitet haben.<\/p>\n\n\n\n

Oder Reda S., Der Prediger aus Berlin-Charlottenburg soll dem IS in Mossul als Bildungsminister gedient haben. Oder der Berliner Ex-Rapper Denis Cuspert, der zu den wichtigsten Personen in der IS-Medienorganisation Al-Hayat geh\u00f6rte. Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Beh\u00f6rden wussten gut Bescheid<\/h2>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich entstand der Islamische Staat nicht in deutschen Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen. Zur deutschen Verantwortung geh\u00f6rt aber auch, dass Politiker und Beh\u00f6rden lange wegschauten, solang nur die T\u00e4ter, aber nicht die Opfer Deutsche waren. Beh\u00f6rden wissen und wussten erschreckend gut Bescheid \u00fcber die Radikalisierung deutscher Islamisten. Ein Gro\u00dfteil der sp\u00e4teren IS-K\u00e4mpfer war polizeibekannt, stand auf Gef\u00e4hrderlisten oder hatte wegen islamistischer Straftaten bereits Haftstrafen verb\u00fc\u00dft. An der Ausreise gehindert wurden sie oftmals dennoch nicht. Die Gefahr, die von deutschen Terroristen ausgeht, interessierte Politik und \u00d6ffentlichkeit erst dann wieder, als ihre Einreise drohte.<\/p>\n\n\n\n

\"Fabian
Fabian Goldmann<\/strong> ist Journalist und Islamwissenschaftler. F\u00fcr verschiedene Magazine und Zeitungen berichtete er viele Jahre aus Nahost. Zurzeit widmet er sich vor allem dem Islam diesseits des Bosporus. Auf seinem Blog Schantall und die Scharia<\/a> bloggt er \u00fcber Islamophobie in Deutschland.<\/p>\n","post_title":"Es sind unsere Terroristen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"es-sind-unsere-terroristen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3703","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3700,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:19:36","post_date_gmt":"2020-08-13 21:19:36","post_content":"\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda? Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda t<\/p>\n\n\n\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda tritt an die Stelle der 2010 verabschiedeten Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014 (siehe IP\/10\/1535<\/a>). In der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda f\u00fcr den Zeitraum 2015-2020 skizziert die Europ\u00e4ische Kommission die Strategie der Union zur Bew\u00e4ltigung der Sicherheitsbedrohungen in der EU.<\/p>\n\n\n\n

Die EU und ihre Mitgliedstaaten sind mit betr\u00e4chtlichen Sicherheitsproblemen konfrontiert. Terrorismus, organisierte Kriminalit\u00e4t und Cyberkriminalit\u00e4t stellen eine zunehmende Gefahr f\u00fcr die europ\u00e4ische Gesellschaft dar, wobei sich Art und Ausma\u00df dieser Gefahr ver\u00e4ndert hat. Europa ist mit den Auswirkungen der politischen Instabilit\u00e4t in seiner unmittelbaren Nachbarschaft konfrontiert, die die Sicherheitsinteressen der EU gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n

Im Zuge der Krisen und Konflikte in Syrien, Irak und Libyen haben sich europ\u00e4ische B\u00fcrger terroristischen Gruppen angeschlossen, die bei ihrer R\u00fcckkehr eine erhebliche Bedrohung darstellen k\u00f6nnen. Die j\u00fcngsten terroristischen Anschl\u00e4ge in Europa zeugen von der zunehmenden Bedrohung durch einen gewaltt\u00e4tigen Extremismus und zeigen, in welchem Ausma\u00df weltweite Konflikte zur Radikalisierung der europ\u00e4ischen B\u00fcrger beitragen.<\/p>\n\n\n\n

Das Online-Umfeld hat sich zunehmend als Ziel f\u00fcr Kriminelle und Terroristen entwickelt. Unabh\u00e4ngig davon, ob es um die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und die Anwerbung von Menschen f\u00fcr terroristische Organisationen geht oder die Verbreitung von Hass oder einen Angriff auf die europ\u00e4ischen Werte und Institutionen, fest steht, dass wir unsere Reaktion auf diese Bedrohungen unbedingt abstimmen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Welcher Mehrwert entsteht durch die EU im Bereich der inneren Sicherheit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Gew\u00e4hrleistung der inneren Sicherheit f\u00e4llt weiterhin in erster Linie in die Zust\u00e4ndigkeit der Mitgliedstaaten. Allerdings werden die Bedrohungen f\u00fcr Europas B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger immer vielf\u00e4ltiger und betreffen in zunehmendem Ma\u00dfe mehrere Mitgliedstaaten. Einzelne Mitgliedstaaten haben die Verantwortung, die Sicherheit an den Au\u00dfengrenzen zu gew\u00e4hrleisten, sind aber nicht mehr in der Lage, diese Herausforderungen allein zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n

Kriminelle und terroristische Aktivit\u00e4ten machen nicht an den Grenzen der EU halt und beschr\u00e4nken sich auch nicht auf Nachbarregionen. Die innere Sicherheit der EU und die globale Sicherheit sind voneinander abh\u00e4ngig und miteinander verkn\u00fcpft. Die Sicherheit der Union h\u00e4ngt in hohem Ma\u00dfe von der Zusammenarbeit mit ihren internationalen Partnern und ihren Nachbarl\u00e4ndern ab.<\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t und des Terrorismus ist eine gemeinsame europ\u00e4ische Aufgabe. Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda sollte von den Mitgliedstaaten und den EU-Organen gemeinsam als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und gemeinsame Ma\u00dfnahmen der Union genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n

Mit Hilfe der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda werden die Polizei- und Strafverfolgungsdienste in verschiedenen Mitgliedstaaten Daten effektiver austauschen und bei der Bek\u00e4mpfung der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t besser zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Die Mitgliedstaaten k\u00f6nnen auf die Unterst\u00fctzung durch die Agenturen der EU z\u00e4hlen. Insbesondere in folgenden Punkten l\u00e4sst sich mit Hilfe der Sicherheitsagenda ein EU-Mehrwert erzielen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n

A) Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und den EU-Agenturen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1<\/strong>: Das Schengener Informationssystem<\/strong> (SIS) wird von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Abfrage von Ausschreibungen von gesuchten oder vermissten Personen und Gegenst\u00e4nden genutzt. Die Kommission wird an der Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Ausschreibungskategorien arbeiten und sich daf\u00fcr einsetzen, dass das SIS zusammen mit der Interpol-Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD)<\/strong> umfassender genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Als Abu Fazel sich nun entschloss, aus der Gewaltspirale auszusteigen und nicht in Syrien zu k\u00e4mpfen, wuchs die Angst bei seiner Familie. Denn f\u00fcr die iranischen Beh\u00f6rden gilt: Hat man sich einmal gemeldet, gibt es kein zur\u00fcck. Man muss an die Front nach Syrien \u2013 oder wird zur\u00fcck nach Afghanistan abgeschoben, wo ebenfalls Krieg herrscht.<\/p>\n\n\n\n

Der einzige Ausweg f\u00fcr den jungen Afghanen war die Flucht. \u00dcber die T\u00fcrkei, Griechenland und die Balkranroute erreichte er mit gro\u00dfer M\u00fche Deutschland, wo er einen Asylantrag stellte.<\/p>\n\n\n\n

Erster Asylantrag in Deutschland abgelehnt<\/h2>\n\n\n\n

Als Grund nannte er seine Rekrutierung als Kindersoldat seitens des iranischen Regimes. Doch w\u00e4hrend diese Begr\u00fcndung in Abu Fazels Augen v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich war, sahen deutsche Beh\u00f6rden das anders. Sein erster Antrag wurde abgelehnt. Derzeit versucht er es ein zweites Mal. Die Bundesrepublik schiebt afghanische Gefl\u00fcchtete weiterhin ab.<\/p>\n\n\n\n

\"EinAbschiebung von Afghanen im Dezember 2016 mit einem Charterflug von Frankfurt nach Kabul. (dpa \/picture alliance \/ Boris Roessler)<\/p>\n\n\n\n

Die Verantwortlichen weisen in diesem Kontext immer wieder auf vermeintlich \u201esichere Gebiete\u201c im Land, die nicht n\u00e4her benannt werden.<\/p>\n\n\n\n

W\u00e4hrenddessen machen Menschenrechtsorganisationen regelm\u00e4\u00dfig darauf aufmerksam, dass keine Region am Hindukusch sicher ist. Stattdessen wird in manchen Gebieten nur weniger Krieg gef\u00fchrt als in anderen.<\/p>\n\n\n\n

\"SieDemonstranten protestieren in Frankfurt am Main gegen die Abschiebung von Afghanen. Auf einem der Transparente steht \u201eAfghanistan is not safe\u201c. (AFP \/ Daniel Roland)<\/p>\n\n\n\n

Alis Vater und Onkel k\u00e4mpfen in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein \u00e4hnliches Schicksal wie Abu Fazel erlitt der 18-j\u00e4hrige Ali (Namen ge\u00e4ndert). Auch er floh aus dem Iran nach Deutschland, um der Rekrutierung f\u00fcr Assads Milizen zu entgehen. Viele seiner afghanischen Freunde sind bereits nach Syrien gezogen \u2013 und kamen niemals zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Alis Familie, ebenfalls Angeh\u00f6rige der Hazara-Minderheit, stammt urspr\u00fcnglich aus der Provinz Ghor im Nordosten Afghanistans. Ihre Heimat verlie\u00dfen sie w\u00e4hrend der sowjetischen Besatzung in den 1980er-Jahren.<\/p>\n\n\n\n

Seit jeher lebt die Familie in der iranischen Gro\u00dfstadt Maschhad. Als der Krieg in Syrien ausbrach, erreichte sie ein Konflikt, mit dem sie nicht gerechnet hatten. Im Juli 2015 reiste Alis Vater nach Teheran. Er wollte einen Weg finden, um f\u00fcr seine Familie Aufenthaltspapiere zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Beh\u00f6rden sagten ihm, dass die Rekrutierung f\u00fcr den Krieg in Syrien eine M\u00f6glichkeit darstellen k\u00f6nnte, um Papiere f\u00fcr uns alle zu erhalten. Andernfalls w\u00fcrde man uns sehr bald nach Afghanistan abschieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Mittlerweile k\u00e4mpfen Alis Vater und sein Onkel seit \u00fcber einem Jahr in Syrien. Am Aufenthaltsstatus seiner Familienmitglieder hat sich bis heute allerdings nichts ge\u00e4ndert. F\u00fcr Ali ist klar, dass dies nur eine Falle gewesen ist, um noch mehr Afghanen als Kanonenfutter zu missbrauchen.<\/p>\n\n\n\n

Anfangs gab es Papiere f\u00fcr K\u00e4mpfer-Familien<\/h2>\n\n\n\n

Den Kontakt zu seinem Vater hat der Afghane mittlerweile verloren. W\u00e4hrenddessen schickt ihm sein Onkel, der in Aleppo stationiert ist, hin und wieder Bilder \u00fcber den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ali denkt, dass nur sehr wenige Afghanen der Propaganda der iranischen Regierung glauben und in Syrien f\u00fcr eine \u201egute Sache\u201c k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

Source<\/a><\/p>\n","post_title":"Warum Afghanen in Syrien f\u00fcr Assad k\u00e4mpfen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"warum-afghanen-in-syrien-fur-assad-kampfen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3709","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3706,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:27:40","post_date_gmt":"2020-08-13 21:27:40","post_content":"\n

Kinder, Frauen, Jesiden \u2013 wer \u00fcberlebt hat, berichtet von Folter, Vergewaltigungen und Gehirnw\u00e4sche. Rund drei Jahre dauerte die Schreckensherrschaft der IS-Miliz in Syrien und Irak. Der Wiederaufbau wird l\u00e4nger dauern und mehr umfassen als H\u00e4user.<\/p>\n\n\n\n

Der Fluss Tigris durchzieht die zweitgr\u00f6\u00dfte Stadt des Iraks und teilt Mosul in Ost und West. Das Westufer ist von Zerst\u00f6rung gezeichnet, die Altstadt nicht mehr als eine einzige graue Tr\u00fcmmerlandschaft. Seit den letzten Bombardements im Juli 2017 kann hier niemand mehr wohnen.<\/p>\n\n\n\n

Die Nouri-Moschee, von deren Kanzel Abu Bakr al-Baghdadi im Juli 2014 sein Kalifat ausrief, hatte die IS-Miliz auf ihrem R\u00fcckzug vorsorglich selbst in die Luft gesprengt, um den Gegnern diesen besonderen Triumph zu verwehren.<\/p>\n\n\n\n

\"ImIm Juli 2017 erobert die irakische Armee Mossul zur\u00fcck. Ruinen sind zu sehen. Ein K\u00e4mpfer der IS-Miliz hat sich ergeben. (Imago \/ Carol Guzy)<\/p>\n\n\n\n

Es ist fraglich, ob die Altstadt dem Original getreu wieder aufgebaut werden kann. Bagdad will demn\u00e4chst \u2013 im Rahmen einer gro\u00dfen Wiederaufbau-Konferenz \u2013 bekannt geben, welche Pl\u00e4ne es hat. Derzeit gilt als gro\u00dfer Fortschritt, dass die Tr\u00fcmmerlandschaft in Teilen wieder begehbar ist \u2013 nachdem mit internationaler Hilfe zahllose Sprengs\u00e4tze beseitigt wurden.<\/p>\n\n\n\n

In Ost-Mossul gibt es weniger Zerst\u00f6rungen<\/h2>\n\n\n\n

J\u00fcngste Sch\u00e4tzungen der Vereinten Nationen besagen, dass es noch Jahre dauern wird, bis alle Minen ger\u00e4umt sind. Solange werden die einstigen Bewohner nicht zur\u00fcckkehren k\u00f6nnen. Manche von ihnen haben Gl\u00fcck im Ungl\u00fcck: Sie haben \u00fcberlebt und sind auf der anderen Seite des Tigris untergekommen, im Osten der Stadt. Der war schon im Januar 2017 von den Terroristen befreit worden. Erstaunlich ist: Dieser Teil Mosuls wirkt fast so, als w\u00e4re der \u201eIS\u201c niemals hier gewesen und als h\u00e4tte es keinen Krieg gegeben.<\/p>\n\n\n\n

\"ImIm Osten Mossuls gibt es weniger Zerst\u00f6rungen als im Westteil. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

Die Zerst\u00f6rungen beschr\u00e4nken sich auf strategisch-wichtige Punkte oder Geb\u00e4ude, in denen sich die Terroristen verschanzt hatten: Br\u00fccken, Moscheen, Krankenh\u00e4user. Doch im Basar herrscht fast so etwas wie Normalit\u00e4t. An St\u00e4nden kaufen Menschen ein \u2013 Obst, Gem\u00fcse, Reis und Nudeln, Backwaren. Kinder schlecken ein Eis. Abu Muhammad, ein ehemaliger Physiklehrer, erkl\u00e4rt, warum der Basar so anders ist als erwartet:<\/p>\n\n\n\n

\u201eDas Leben hatte nie aufgeh\u00f6rt in Mosul. Wir haben weitergelebt. Drei Jahre wurden wir vom \u201aIS\u2018 beherrscht, doch die normalen Leute hatten nichts damit zu tun. Daher kam der Alltag schnell zur\u00fcck. Die Soldaten sind gekommen, haben den Basar wieder aufgemacht und das Leben ging weiter.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Im Osten findet sich heute all das wieder, was die Terror-Miliz unterdr\u00fcckt hatte und bei Missachtung grausam ahndete: Musik in Restaurants und Caf\u00e9s; Sim-Karten f\u00fcr Handys; Internet; Fris\u00f6re, die Haare schneiden, B\u00e4rte stutzen oder gar abrasieren. Und doch: Trotz des lebendigen Treibens wirken Angst und Schrecken nach. Abu Muhammad, fr\u00fch ergraut, erinnert sich:<\/p>\n\n\n\n

\u201eWir haben uns gef\u00fchlt wie zwischen Leben und Tod. Irgendwo dazwischen. Sie haben vom \u201aIS\u2018 geh\u00f6rt; wir haben ihn erlebt: Wir haben erlebt, wie sie mordeten, wie sie Leute aufh\u00e4ngten, wir haben den Krieg erlebt. Wir haben alles gesehen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Mohammed stammt aus dem zerst\u00f6rten Westen der Stadt. Er wohnt heute im Osten. Verwandte haben ihn und seine Familie aufgenommen. So wie ihm ergeht es auch anderen Vertriebenen. Sie leben bei Verwandten und Freunden. Oder in einem der vielen Lager. 700.000 Menschen haben ihr Zuhause verloren \u2013 eine Zahl, die f\u00fcr West-Mosul gilt. Insgesamt gehen die Vereinten Nationen von fast sechs Millionen Menschen aus, die im Irak vor dem \u201aIS\u2018 geflohen sind \u2013 die H\u00e4lfte von ihnen bis heute fern von ihrem Zuhause.<\/p>\n\n\n\n

Binnenfl\u00fcchtlinge im Lager Khabartu<\/h2>\n\n\n\n

Zelte soweit das Auge reicht. Abertausende. Inmitten von Steppe. Das Leben der Menschen ist hart. Sie darben, frieren und verdorren \u2013 wenn im Winter der kalte Wind durch die Steppe fegt und im Sommer die Sonne niederbrennt. Doch sie harren aus, haben wenig Hoffnung auf baldige R\u00fcckkehr. Die meisten kamen 2014 \u2013 hierher, ins Lager Khabartu in Irakisch-Kurdistan.<\/p>\n\n\n\n

\"DasDas Lager Khabartu f\u00fcr irakische Binnenfl\u00fcchtlinge. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

2014, als der \u201eIS\u201c den Nord-Irak \u00fcberfiel. In einem der Zelte lebt auch die Familie von Thomas Abdallah Hammou. Thomas war auf der Flucht von seiner Familie getrennt und von den Dschihadisten verschleppt worden. Damals war er acht Jahre alt. Ein Kind. Drei Jahre blieb er in Geiselhaft, lebte in Mosul.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollten nicht, dass wir spielen. Sie mochten es nicht. Ich habe keine Schule besucht, aber sie gaben uns Koran-Unterricht. Jeden Tag.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas musste seinem eigenen, dem jesidischen Glauben abschw\u00f6ren. Weil der \u201eIS\u201c die Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c betrachtet. Und \u201eUngl\u00e4ubige\u201c, so die Auffassung der Terroristen, m\u00fcssen zwangsbekehrt werden. Oder get\u00f6tet. Die Terroristen hatten dementsprechend die Jesiden entweder an Ort und Stelle ermordet, die meisten im Sinjar, im alten Siedlungsgebiet der Jesiden im Nord-Irak. Tausende. 47 Massengr\u00e4ber sollen mittlerweile gefunden worden sein. Oder aber die Terroristen lie\u00dfen die Jesiden am Leben und nahmen sie in Geiselhaft. Sie machten aus ihnen Sexsklavinnen oder sie bildeten sie aus \u2013 zu Selbstmordattent\u00e4tern. Wie Thomas.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie haben uns st\u00e4ndig geschlagen. Wir mussten Schie\u00dfen \u00fcben. Zwei meiner Freunde haben sich in die Luft gesprengt. Sie sind zum Training. Doch sie kamen nicht zur\u00fcck. Ich war nicht traurig. Sie wollten sich ja in die Luft sprengen. Die \u201aIS\u2018-Leute hatten es nicht von ihnen verlangt. Sie sind freiwillig gegangen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas hat heute einen modernen Haarschnitt; der Nacken ist ausrasiert; der lange Pony in die Stirn gek\u00e4mmt. Im Sommer sah er noch anders aus, kurz nachdem Mosul befreit worden war. Bei einem Luftangriff der Anti-\u201eIS\u201c-Koalition wurde Thomas schwer verletzt aus Tr\u00fcmmern geborgen, dann operiert.<\/p>\n\n\n\n

\"ThomasThomas erholt sich von drei Jahren IS-Gefangenschaft. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

Arbeit mit \u201eDschihadisten-Kindern\u201c<\/h2>\n\n\n\n

Die \u00e4u\u00dferen Wunden sind heute verheilt. Doch wie sieht es aus mit den inneren, den seelischen Verletzungen? Thomas wurde von seiner Familie aufgenommen und bekommt Hilfe. Andere Kinder konnten nicht aufgefangen werden. Bis heute betrachten sie Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c \u2013 so wie es ihnen in der Geiselhaft eingeh\u00e4mmert wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie sind eine gro\u00dfe Gefahr f\u00fcr andere Kinder. Sie leben in Lagern, in einem Zelt, auf sechs mal vier Metern, oder noch weniger! Acht Geschwister, sie spielen zusammen, reden, sie indoktrinieren die anderen! Das ist ein Problem, das wir nicht l\u00f6sen k\u00f6nnen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Sara Hassan ist Sozialarbeiterin. Sie arbeitet in den Lagern, versucht M\u00e4dchen und Frauen, die jahrelang in Geiselhaft vergewaltigt wurden, zu helfen. Unz\u00e4hlige hatte der \u201eIS\u201c einst entf\u00fchrt. Sara arbeitet auch mit den sogenannten \u201eDschihadisten-Kindern\u201c. Sie erz\u00e4hlt, wie \u00fcberfordert alle seien: die Familien, die jesidische Gemeinschaft, die Gesellschaft des Nord-Irak.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIn einem anderen Fall hat sich die Familie am Ende an die Sicherheitskr\u00e4fte gewandt. Doch die wussten auch nicht, wie sie damit umgehen sollten. Monate lang hat die Familie versucht, den Jungen umzuerziehen, zusammen mit Sozialarbeitern. Aber noch immer sehen wir den Hass in seinen Augen \u2013 gegen\u00fcber Kurden, Christen und Jesiden. Als blicke man in die Augen eines IS-Terroristen. Das ist das Problem.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Die Jesiden k\u00f6nnen \u00fcber ihre vom \u201eIS\u201c indoktrinierten Kinder sprechen. Denn niemand zweifelt daran, dass sie Opfer der Tyrannei wurden. Bei den sunnitischen Arabern sieht das anders aus. Da sie derselben Religionsgruppe angeh\u00f6ren wie formal auch die Terroristen, stehen sie unter Generalverdacht, mit dem \u201eIS\u201c gemeinsame Sache gemacht zu haben. Sunnitische Araber trauen sich daher nicht, die Probleme ihrer Kinder \u00f6ffentlich zu machen \u2013 auch wenn sie selbst nichts mit dem \u201eIS\u201c zu tun hatten.<\/p>\n\n\n\n

Unklar ist, wie viele Kinder und Jugendliche im Irak und in Syrien zu Terroristen ausgebildet wurden, dabei noch in Geiselhaft sind oder bereits als \u201eSchl\u00e4fer\u201c darauf warten, zum Einsatz zu kommen. Sie gleichen \u201etickenden Zeitbomben\u201c, die jederzeit explodieren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

Minderheiten haben Angst vor \u201eIS\u201c-Nachfolgern<\/h2>\n\n\n\n

Kamaran Palani spricht davon, dass viele Menschen immer noch gehen wollen, obwohl der \u201eIS\u201c als staats\u00e4hnliches Gebilde nicht mehr besteht. Seine Saat aber, so der Politikwissenschaftler, sei aufgegangen.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollen einfach nicht in diesem Land bleiben. Der IS hat sie dazu gebracht. Jeder hat heute Angst, dass eine andere Organisation kommen wird, Terroristen, die dasselbe anrichten wie zuvor.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Palani forscht am \u201eMiddle East Research Institute\u201c, das seinen Sitz in Erbil hat, der Hauptstadt von Irakisch-Kurdistan. <\/p>\n\n\n\n

\u201e60 bis 65 Prozent der Christen wollen gehen. Das Gleiche gilt f\u00fcr andere Minderheiten: f\u00fcr Jesiden, Schabaks, Turkmenen, Kakais.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

\u201eWir werden niemals wieder mit den Arabern zusammenleben k\u00f6nnen!\u201c \u2013 ein Satz, der heute h\u00e4ufig im Nord-Irak zu h\u00f6ren ist. Gemeint sind die Iraker, die Sunniten und Araber sind \u2013 die einstmals Nachbarn von Jesiden, Christen und Kurden waren \u2013 mit denen man Handel trieb und Hochzeiten feierte, die auch Freunde waren.<\/p>\n\n\n\n

Der Irak ist eine multi-ethnische und multi-religi\u00f6se Gesellschaft, in der die Schiiten die Mehrheit stellen. \u00dcber Jahrhunderte aber hatten die sunnitischen Araber das Sagen, sie missbrauchten die Macht, errichteten ein Schreckensregime \u2013 bis 2003, als Diktator Saddam Hussein von den USA gest\u00fcrzt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c entstand aus Widerstand gegen Schiiten-Herrschaft<\/h2>\n\n\n\n

Jetzt wurde der Spie\u00df umgedreht. Die Amerikaner sorgten daf\u00fcr, dass die Sunniten jegliche Machtposition verloren \u2013 so wurde die irakische Armee, wurde die baathistische Partei aufgel\u00f6st \u2013 ohne ein Pendant zu schaffen, das alle integrierte. Und: Washington unterst\u00fctzte Regierungschef Nouri al-Maliki, einen Schiiten. Maliki sah eine historische Chance gekommen, diskriminierte nun seinerseits seine sunnitischen Landsleute, verwehrte ihnen im \u201eNeuen Irak\u201c die Mitsprache. Im Regime Malikis wurden Sunniten inhaftiert, gefoltert und umgebracht.<\/p>\n\n\n\n

Was viele in den Widerstand trieb. Einige schlossen sich der Terror-Organisation \u201eAl-Qaida\u201c an, unter ihnen f\u00fchrende Milit\u00e4rs der aufgel\u00f6sten Armee Saddam Husseins \u2013 und aus \u201eAl-Qaida\u201c ging sp\u00e4ter der \u201eIS\u201c hervor.<\/p>\n\n\n\n

Als der \u201eIS\u201c dann im Sommer 2014 fast ohne Gegenwehr weite Landstriche in Syrien und im Irak \u00fcberrannte und seinen \u201eStaat\u201c ausrief, sahen auch gew\u00f6hnliche sunnitische Araber einen Wechsel nahen. Viele machten gemeinsame Sache mit den Terroristen, verhinderten die Flucht jesidischer Nachbarn, lieferten sie ihren Schl\u00e4chtern aus. Kamaran Palani:<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c-K\u00e4mpfer haben gesagt, es gehe darum, die W\u00fcrde der sunnitischen Araber wiederherzustellen. Ihre Macht. Ihre Geschichte. Tats\u00e4chlich konnten es die Araber nicht hinnehmen, dass sie ins Abseits gedr\u00e4ngt wurden. Und ich denke, dass sie auch in Zukunft so handeln werden. Wann immer sich die Gelegenheit bietet: Sie werden alles hinter sich lassen \u2013 sich nur darauf konzentrieren.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Misstrauen. Auch bei einem Politikwissenschaftler. Was also tun? Zerst\u00f6rte St\u00e4dte und D\u00f6rfer k\u00f6nnten wieder aufgebaut werden \u2013 wenn denn ein gemeinsamer Wille best\u00fcnde. Doch was, wenn es einen solchen gemeinsamen Willen gar nicht gibt? Wenn Schmerz und Trauer anhalten, wenn die Verbrechen von Terroristen und Helfershelfern nicht geahndet werden, wenn Angst umgeht, Misstrauen und Hass das Miteinander bestimmen.<\/p>\n\n\n\n

\"SyrischeSoldaten in der irakischen Stadt Sindschar nach der R\u00fcckeroberung von der IS-Miliz Ende 2015. (dpa \/ MAXPPP \/ Arnaud Dumontier)<\/p>\n\n\n\n

Kamaran Palani stammt aus der Stadt Makhmour. Drei Tage nur sei der \u201eIS\u201c dort gewesen, sagt er, doch diese Tage h\u00e4tten alles ver\u00e4ndert. Der \u201eIS\u201c habe die Menschen in seiner Heimatstadt verrohen lassen, meint er, das Verh\u00e4ltnis zwischen Kurden und Arabern sei heute tot. Eine R\u00fcckkehr in alte Zeiten h\u00e4lt Palani f\u00fcr falsch.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch denke, es w\u00e4re nicht einfach, in das Jahr 2014 \u2013 also in die Zeit vor dem \u201aIS\u2018 \u2013 zur\u00fcckzukehren. Vor allem aber w\u00e4re es nicht die richtige Politik. Denn eben die hat ja erst zum Aufkommen, zur Existenz des \u201aIS\u2018 gef\u00fchrt.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n


Wie also in Ruinen Neues schaffen? Der Staat muss das Gewaltmonopol zur\u00fcckerlangen, fordert der Politikwissenschaftler. F\u00fcr ihn steht das an erster Stelle. Und dann m\u00fcsse der Staat dringend einen Kurswechsel vornehmen: Er m\u00fcsse integrativ wirken, alle einbinden, auch die Araber, in Sicherheitskr\u00e4fte, Verwaltung und Politik.<\/p>\n\n\n\n

Machtmonopol m\u00fcsste von Milizen zum Staat gehen<\/h2>\n\n\n\n

Die Realit\u00e4t sieht anders aus: Ein Staat Kurdistan, der neue Optionen m\u00f6glich gemacht h\u00e4tte, auch von den Minderheiten gew\u00fcnscht worden war, ist nicht entstanden. Bagdad aber ist fern, der Zentralstaat kaum existent, und wenn, dann ist er schiitisch dominiert. Es sind Milizen, die im Nord-Irak das Geschehen bestimmen, darum rivalisieren, das Machtvakuum zu f\u00fcllen, das durch die Vertreibung des \u201eIS\u201c entstanden ist. Einst im Kampf gegen die Terroristen geeint, sind die Milizen einander heute feind.<\/p>\n\n\n\n

Allen voran die \u201eHashd ash-Shaabi\u201c, schiitisch-irakische Milizen, deren Ausbilder und Kommandeure h\u00e4ufig Iraner sind. Bagdad hat die Haschd als regul\u00e4re Kraft im Kampf gegen den \u201eIS\u201c anerkannt \u2013 obwohl Menschenrechts-Organisationen schwere Vorw\u00fcrfe gegen sie erheben. Fest steht: Die schiitischen Milizen halten D\u00f6rfer besetzt, sind in Mosul f\u00fcr ihr herrisches Auftreten und ihre Willk\u00fcr bekannt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eTats\u00e4chlich sorgen die verschiedenen bewaffneten Gruppen daf\u00fcr, dass die Fl\u00fcchtlinge nicht zur\u00fcckkehren. Und weil sie nicht zur\u00fcckkehren, gibt es auch keinen Wiederaufbau. Die Menschen haben Angst vor den Milizen \u2013 auch davor, dass die einander bek\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die \u201eHashd\u201c m\u00fcssten mithin abziehen. Und mit ihnen die anderen Milizen. Das Machtmonopol m\u00fcsste an den Staat gehen. Doch der Irak ist auch Spielball der Regionalm\u00e4chte: Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien. Sie konkurrieren um Einfluss-Sph\u00e4ren, bedienen sich dabei verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Gruppen im Irak. Deswegen werden die Hashd nicht abziehen. Derzeit sind sie von der iranisch-irakischen Grenze im Osten \u00fcber Bagdad bis hoch zur irakisch-syrischen Grenze im Norden postiert. Einheiten Teherans k\u00f6nnten demnach auf dem Landweg vom Iran bis ans Mittelmeer durchmarschieren.<\/p>\n\n\n\n

Iran und Saudi-Arabien wollen Macht vergr\u00f6\u00dfern<\/h2>\n\n\n\n

Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n

In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n

Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3703,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:24:20","post_date_gmt":"2020-08-13 21:24:20","post_content":"\n

Deutschland str\u00e4ubt sich gegen die R\u00fcckkehr seiner eigenen Staatsb\u00fcrger, die zu IS-Terroristen wurden. Dabei hat die Bundesrepublik den Terror und die Terroristen einst exportiert. Und dies geschah wissentlich, sagt der Islamwissenschaftler Fabian Goldmann.<\/p>\n\n\n\n

Wann haben Sie sich eigentlich zuletzt von deutschen Terroristen distanziert? Zum Beispiel von Robert B.? Der Ex-Bundeswehrsoldat aus Solingen hat mutma\u00dflich bei einem Selbstmordattentat Anfang 2014 50 Menschen mit in den Tod gerissen. <\/p>\n\n\n\n

Oder von Yannik N.? Der junge Freiburger steuerte wahrscheinlich im Jahr 2015 einen mit anderthalb Tonnen Sprengstoff beladenen LKW in eine Menschenmenge und nahm so Dutzenden Personen das Leben.<\/p>\n\n\n\n

Oder von Yamin A.?. Im Sommer 2015 tauchte im Netz ein Video auf, das zeigte, wie der ehemalige Telekom-Azubi aus K\u00f6nigswinter zwei gefesselten Soldaten in den Kopf schoss.
Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Deutsche T\u00e4ter, aber kaum deutsche Opfer<\/h2>\n\n\n\n

Hauptsache nicht bei uns! Dies scheint auch dieser Tage wieder die Maxime zu sein, wenn Politiker und \u00d6ffentlichkeit \u00fcber den Umgang mit deutschen Terroristen diskutieren. Von potenziellen Bedrohungen und Anschlagsgefahren in Deutschland liest man dann. Vom ganz realen Terror, den Deutsche in den vergangenen Jahren \u00fcber die Menschen in Syrien und Irak gebracht haben, h\u00f6rt man hingegen kaum. Ein Terror, der kaum deutsche Opfer aber umso mehr deutsche T\u00e4ter kannte.<\/p>\n\n\n\n

1.050 \u2013 das ist laut Bundesinnenministerium die Anzahl der Dschihadisten, die in den letzten Jahren die Bundesrepublik in Richtung Nahost verlassen hat. Es f\u00e4llt schwer, sich umgekehrtes Szenario \u00fcberhaupt auszumalen. Was w\u00e4re wohl los, h\u00e4tte es nur ein Bruchteil arabischer Terroristen geschafft, bei uns Anschl\u00e4ge zu begehen? Europas \u201eMuslim Bann\u201c? \u00dcberwachungsstaat auf NSA-Niveau?<\/p>\n\n\n\n

Die CSU st\u00fcnde wom\u00f6glich am linken Ende des politischen Spektrums, und auf Twitter w\u00fcrde Trump deutsche Migrationspolitiker zur M\u00e4\u00dfigung aufrufen. Der deutsche Terror in Nahost kommt hingegen seit Jahren ganz ohne Sondersendungen, politische Debatten und Distanzierungsforderungen aus. <\/p>\n\n\n\n

Deutsche K\u00e4mpfer waren nicht nur willenloses Kanonenfutter<\/h2>\n\n\n\n

An fehlendem Wissen liegt das nicht. Von ganzen Einheiten des IS, in denen kein einziger K\u00e4mpfer Arabisch spreche, berichten syrische, irakische und kurdische Soldaten schon seit Jahren. Von Aleppo \u00fcber Raqqa bis Mossul haben Aktivisten und Politiker immer wieder darauf hingewiesen, dass viele der schlimmsten M\u00f6rder in den Reihen des IS Europ\u00e4er sind. Interessiert hat das hier kaum jemand.<\/p>\n\n\n\n

Dabei dienten Deutsche dem Islamischen Staats nicht nur als willenloses Kanonenfutter, wie es oft dargestellt wird. Viele haben seinen Terror mitgepr\u00e4gt. Wie Martin L., der derzeit in kurdischer Haft sitzt. Der Schwei\u00dfer aus Sachsen-Anhalt soll sich vom Folterknecht bis zum Geheimdienstler mit Kontakten bis in die F\u00fchrungsspitze der Terrororganisation hochgearbeitet haben.<\/p>\n\n\n\n

Oder Reda S., Der Prediger aus Berlin-Charlottenburg soll dem IS in Mossul als Bildungsminister gedient haben. Oder der Berliner Ex-Rapper Denis Cuspert, der zu den wichtigsten Personen in der IS-Medienorganisation Al-Hayat geh\u00f6rte. Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Beh\u00f6rden wussten gut Bescheid<\/h2>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich entstand der Islamische Staat nicht in deutschen Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen. Zur deutschen Verantwortung geh\u00f6rt aber auch, dass Politiker und Beh\u00f6rden lange wegschauten, solang nur die T\u00e4ter, aber nicht die Opfer Deutsche waren. Beh\u00f6rden wissen und wussten erschreckend gut Bescheid \u00fcber die Radikalisierung deutscher Islamisten. Ein Gro\u00dfteil der sp\u00e4teren IS-K\u00e4mpfer war polizeibekannt, stand auf Gef\u00e4hrderlisten oder hatte wegen islamistischer Straftaten bereits Haftstrafen verb\u00fc\u00dft. An der Ausreise gehindert wurden sie oftmals dennoch nicht. Die Gefahr, die von deutschen Terroristen ausgeht, interessierte Politik und \u00d6ffentlichkeit erst dann wieder, als ihre Einreise drohte.<\/p>\n\n\n\n

\"Fabian
Fabian Goldmann<\/strong> ist Journalist und Islamwissenschaftler. F\u00fcr verschiedene Magazine und Zeitungen berichtete er viele Jahre aus Nahost. Zurzeit widmet er sich vor allem dem Islam diesseits des Bosporus. Auf seinem Blog Schantall und die Scharia<\/a> bloggt er \u00fcber Islamophobie in Deutschland.<\/p>\n","post_title":"Es sind unsere Terroristen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"es-sind-unsere-terroristen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3703","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3700,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:19:36","post_date_gmt":"2020-08-13 21:19:36","post_content":"\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda? Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda t<\/p>\n\n\n\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda tritt an die Stelle der 2010 verabschiedeten Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014 (siehe IP\/10\/1535<\/a>). In der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda f\u00fcr den Zeitraum 2015-2020 skizziert die Europ\u00e4ische Kommission die Strategie der Union zur Bew\u00e4ltigung der Sicherheitsbedrohungen in der EU.<\/p>\n\n\n\n

Die EU und ihre Mitgliedstaaten sind mit betr\u00e4chtlichen Sicherheitsproblemen konfrontiert. Terrorismus, organisierte Kriminalit\u00e4t und Cyberkriminalit\u00e4t stellen eine zunehmende Gefahr f\u00fcr die europ\u00e4ische Gesellschaft dar, wobei sich Art und Ausma\u00df dieser Gefahr ver\u00e4ndert hat. Europa ist mit den Auswirkungen der politischen Instabilit\u00e4t in seiner unmittelbaren Nachbarschaft konfrontiert, die die Sicherheitsinteressen der EU gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n

Im Zuge der Krisen und Konflikte in Syrien, Irak und Libyen haben sich europ\u00e4ische B\u00fcrger terroristischen Gruppen angeschlossen, die bei ihrer R\u00fcckkehr eine erhebliche Bedrohung darstellen k\u00f6nnen. Die j\u00fcngsten terroristischen Anschl\u00e4ge in Europa zeugen von der zunehmenden Bedrohung durch einen gewaltt\u00e4tigen Extremismus und zeigen, in welchem Ausma\u00df weltweite Konflikte zur Radikalisierung der europ\u00e4ischen B\u00fcrger beitragen.<\/p>\n\n\n\n

Das Online-Umfeld hat sich zunehmend als Ziel f\u00fcr Kriminelle und Terroristen entwickelt. Unabh\u00e4ngig davon, ob es um die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und die Anwerbung von Menschen f\u00fcr terroristische Organisationen geht oder die Verbreitung von Hass oder einen Angriff auf die europ\u00e4ischen Werte und Institutionen, fest steht, dass wir unsere Reaktion auf diese Bedrohungen unbedingt abstimmen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Welcher Mehrwert entsteht durch die EU im Bereich der inneren Sicherheit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Gew\u00e4hrleistung der inneren Sicherheit f\u00e4llt weiterhin in erster Linie in die Zust\u00e4ndigkeit der Mitgliedstaaten. Allerdings werden die Bedrohungen f\u00fcr Europas B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger immer vielf\u00e4ltiger und betreffen in zunehmendem Ma\u00dfe mehrere Mitgliedstaaten. Einzelne Mitgliedstaaten haben die Verantwortung, die Sicherheit an den Au\u00dfengrenzen zu gew\u00e4hrleisten, sind aber nicht mehr in der Lage, diese Herausforderungen allein zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n

Kriminelle und terroristische Aktivit\u00e4ten machen nicht an den Grenzen der EU halt und beschr\u00e4nken sich auch nicht auf Nachbarregionen. Die innere Sicherheit der EU und die globale Sicherheit sind voneinander abh\u00e4ngig und miteinander verkn\u00fcpft. Die Sicherheit der Union h\u00e4ngt in hohem Ma\u00dfe von der Zusammenarbeit mit ihren internationalen Partnern und ihren Nachbarl\u00e4ndern ab.<\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t und des Terrorismus ist eine gemeinsame europ\u00e4ische Aufgabe. Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda sollte von den Mitgliedstaaten und den EU-Organen gemeinsam als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und gemeinsame Ma\u00dfnahmen der Union genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n

Mit Hilfe der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda werden die Polizei- und Strafverfolgungsdienste in verschiedenen Mitgliedstaaten Daten effektiver austauschen und bei der Bek\u00e4mpfung der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t besser zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Die Mitgliedstaaten k\u00f6nnen auf die Unterst\u00fctzung durch die Agenturen der EU z\u00e4hlen. Insbesondere in folgenden Punkten l\u00e4sst sich mit Hilfe der Sicherheitsagenda ein EU-Mehrwert erzielen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n

A) Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und den EU-Agenturen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1<\/strong>: Das Schengener Informationssystem<\/strong> (SIS) wird von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Abfrage von Ausschreibungen von gesuchten oder vermissten Personen und Gegenst\u00e4nden genutzt. Die Kommission wird an der Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Ausschreibungskategorien arbeiten und sich daf\u00fcr einsetzen, dass das SIS zusammen mit der Interpol-Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD)<\/strong> umfassender genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Abu Fazel verlor seinen eigenen Vater bereits sehr fr\u00fch. Er wurde Opfer des B\u00fcrgerkriegs in Afghanistan, der von 1989 bis 2001 tausende Menschen das Leben kostete. Auch der Iran mischte in der Zeit schon mit. Es ist allgemein bekannt, dass die schiitischen Hazara-Milizen, die den B\u00fcrgerkrieg ebenfalls mitanfachten, von der Regierung in Teheran unterst\u00fctzt wurden.<\/p>\n\n\n\n

Als Abu Fazel sich nun entschloss, aus der Gewaltspirale auszusteigen und nicht in Syrien zu k\u00e4mpfen, wuchs die Angst bei seiner Familie. Denn f\u00fcr die iranischen Beh\u00f6rden gilt: Hat man sich einmal gemeldet, gibt es kein zur\u00fcck. Man muss an die Front nach Syrien \u2013 oder wird zur\u00fcck nach Afghanistan abgeschoben, wo ebenfalls Krieg herrscht.<\/p>\n\n\n\n

Der einzige Ausweg f\u00fcr den jungen Afghanen war die Flucht. \u00dcber die T\u00fcrkei, Griechenland und die Balkranroute erreichte er mit gro\u00dfer M\u00fche Deutschland, wo er einen Asylantrag stellte.<\/p>\n\n\n\n

Erster Asylantrag in Deutschland abgelehnt<\/h2>\n\n\n\n

Als Grund nannte er seine Rekrutierung als Kindersoldat seitens des iranischen Regimes. Doch w\u00e4hrend diese Begr\u00fcndung in Abu Fazels Augen v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich war, sahen deutsche Beh\u00f6rden das anders. Sein erster Antrag wurde abgelehnt. Derzeit versucht er es ein zweites Mal. Die Bundesrepublik schiebt afghanische Gefl\u00fcchtete weiterhin ab.<\/p>\n\n\n\n

\"EinAbschiebung von Afghanen im Dezember 2016 mit einem Charterflug von Frankfurt nach Kabul. (dpa \/picture alliance \/ Boris Roessler)<\/p>\n\n\n\n

Die Verantwortlichen weisen in diesem Kontext immer wieder auf vermeintlich \u201esichere Gebiete\u201c im Land, die nicht n\u00e4her benannt werden.<\/p>\n\n\n\n

W\u00e4hrenddessen machen Menschenrechtsorganisationen regelm\u00e4\u00dfig darauf aufmerksam, dass keine Region am Hindukusch sicher ist. Stattdessen wird in manchen Gebieten nur weniger Krieg gef\u00fchrt als in anderen.<\/p>\n\n\n\n

\"SieDemonstranten protestieren in Frankfurt am Main gegen die Abschiebung von Afghanen. Auf einem der Transparente steht \u201eAfghanistan is not safe\u201c. (AFP \/ Daniel Roland)<\/p>\n\n\n\n

Alis Vater und Onkel k\u00e4mpfen in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein \u00e4hnliches Schicksal wie Abu Fazel erlitt der 18-j\u00e4hrige Ali (Namen ge\u00e4ndert). Auch er floh aus dem Iran nach Deutschland, um der Rekrutierung f\u00fcr Assads Milizen zu entgehen. Viele seiner afghanischen Freunde sind bereits nach Syrien gezogen \u2013 und kamen niemals zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Alis Familie, ebenfalls Angeh\u00f6rige der Hazara-Minderheit, stammt urspr\u00fcnglich aus der Provinz Ghor im Nordosten Afghanistans. Ihre Heimat verlie\u00dfen sie w\u00e4hrend der sowjetischen Besatzung in den 1980er-Jahren.<\/p>\n\n\n\n

Seit jeher lebt die Familie in der iranischen Gro\u00dfstadt Maschhad. Als der Krieg in Syrien ausbrach, erreichte sie ein Konflikt, mit dem sie nicht gerechnet hatten. Im Juli 2015 reiste Alis Vater nach Teheran. Er wollte einen Weg finden, um f\u00fcr seine Familie Aufenthaltspapiere zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Beh\u00f6rden sagten ihm, dass die Rekrutierung f\u00fcr den Krieg in Syrien eine M\u00f6glichkeit darstellen k\u00f6nnte, um Papiere f\u00fcr uns alle zu erhalten. Andernfalls w\u00fcrde man uns sehr bald nach Afghanistan abschieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Mittlerweile k\u00e4mpfen Alis Vater und sein Onkel seit \u00fcber einem Jahr in Syrien. Am Aufenthaltsstatus seiner Familienmitglieder hat sich bis heute allerdings nichts ge\u00e4ndert. F\u00fcr Ali ist klar, dass dies nur eine Falle gewesen ist, um noch mehr Afghanen als Kanonenfutter zu missbrauchen.<\/p>\n\n\n\n

Anfangs gab es Papiere f\u00fcr K\u00e4mpfer-Familien<\/h2>\n\n\n\n

Den Kontakt zu seinem Vater hat der Afghane mittlerweile verloren. W\u00e4hrenddessen schickt ihm sein Onkel, der in Aleppo stationiert ist, hin und wieder Bilder \u00fcber den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ali denkt, dass nur sehr wenige Afghanen der Propaganda der iranischen Regierung glauben und in Syrien f\u00fcr eine \u201egute Sache\u201c k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

Source<\/a><\/p>\n","post_title":"Warum Afghanen in Syrien f\u00fcr Assad k\u00e4mpfen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"warum-afghanen-in-syrien-fur-assad-kampfen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3709","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3706,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:27:40","post_date_gmt":"2020-08-13 21:27:40","post_content":"\n

Kinder, Frauen, Jesiden \u2013 wer \u00fcberlebt hat, berichtet von Folter, Vergewaltigungen und Gehirnw\u00e4sche. Rund drei Jahre dauerte die Schreckensherrschaft der IS-Miliz in Syrien und Irak. Der Wiederaufbau wird l\u00e4nger dauern und mehr umfassen als H\u00e4user.<\/p>\n\n\n\n

Der Fluss Tigris durchzieht die zweitgr\u00f6\u00dfte Stadt des Iraks und teilt Mosul in Ost und West. Das Westufer ist von Zerst\u00f6rung gezeichnet, die Altstadt nicht mehr als eine einzige graue Tr\u00fcmmerlandschaft. Seit den letzten Bombardements im Juli 2017 kann hier niemand mehr wohnen.<\/p>\n\n\n\n

Die Nouri-Moschee, von deren Kanzel Abu Bakr al-Baghdadi im Juli 2014 sein Kalifat ausrief, hatte die IS-Miliz auf ihrem R\u00fcckzug vorsorglich selbst in die Luft gesprengt, um den Gegnern diesen besonderen Triumph zu verwehren.<\/p>\n\n\n\n

\"ImIm Juli 2017 erobert die irakische Armee Mossul zur\u00fcck. Ruinen sind zu sehen. Ein K\u00e4mpfer der IS-Miliz hat sich ergeben. (Imago \/ Carol Guzy)<\/p>\n\n\n\n

Es ist fraglich, ob die Altstadt dem Original getreu wieder aufgebaut werden kann. Bagdad will demn\u00e4chst \u2013 im Rahmen einer gro\u00dfen Wiederaufbau-Konferenz \u2013 bekannt geben, welche Pl\u00e4ne es hat. Derzeit gilt als gro\u00dfer Fortschritt, dass die Tr\u00fcmmerlandschaft in Teilen wieder begehbar ist \u2013 nachdem mit internationaler Hilfe zahllose Sprengs\u00e4tze beseitigt wurden.<\/p>\n\n\n\n

In Ost-Mossul gibt es weniger Zerst\u00f6rungen<\/h2>\n\n\n\n

J\u00fcngste Sch\u00e4tzungen der Vereinten Nationen besagen, dass es noch Jahre dauern wird, bis alle Minen ger\u00e4umt sind. Solange werden die einstigen Bewohner nicht zur\u00fcckkehren k\u00f6nnen. Manche von ihnen haben Gl\u00fcck im Ungl\u00fcck: Sie haben \u00fcberlebt und sind auf der anderen Seite des Tigris untergekommen, im Osten der Stadt. Der war schon im Januar 2017 von den Terroristen befreit worden. Erstaunlich ist: Dieser Teil Mosuls wirkt fast so, als w\u00e4re der \u201eIS\u201c niemals hier gewesen und als h\u00e4tte es keinen Krieg gegeben.<\/p>\n\n\n\n

\"ImIm Osten Mossuls gibt es weniger Zerst\u00f6rungen als im Westteil. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

Die Zerst\u00f6rungen beschr\u00e4nken sich auf strategisch-wichtige Punkte oder Geb\u00e4ude, in denen sich die Terroristen verschanzt hatten: Br\u00fccken, Moscheen, Krankenh\u00e4user. Doch im Basar herrscht fast so etwas wie Normalit\u00e4t. An St\u00e4nden kaufen Menschen ein \u2013 Obst, Gem\u00fcse, Reis und Nudeln, Backwaren. Kinder schlecken ein Eis. Abu Muhammad, ein ehemaliger Physiklehrer, erkl\u00e4rt, warum der Basar so anders ist als erwartet:<\/p>\n\n\n\n

\u201eDas Leben hatte nie aufgeh\u00f6rt in Mosul. Wir haben weitergelebt. Drei Jahre wurden wir vom \u201aIS\u2018 beherrscht, doch die normalen Leute hatten nichts damit zu tun. Daher kam der Alltag schnell zur\u00fcck. Die Soldaten sind gekommen, haben den Basar wieder aufgemacht und das Leben ging weiter.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Im Osten findet sich heute all das wieder, was die Terror-Miliz unterdr\u00fcckt hatte und bei Missachtung grausam ahndete: Musik in Restaurants und Caf\u00e9s; Sim-Karten f\u00fcr Handys; Internet; Fris\u00f6re, die Haare schneiden, B\u00e4rte stutzen oder gar abrasieren. Und doch: Trotz des lebendigen Treibens wirken Angst und Schrecken nach. Abu Muhammad, fr\u00fch ergraut, erinnert sich:<\/p>\n\n\n\n

\u201eWir haben uns gef\u00fchlt wie zwischen Leben und Tod. Irgendwo dazwischen. Sie haben vom \u201aIS\u2018 geh\u00f6rt; wir haben ihn erlebt: Wir haben erlebt, wie sie mordeten, wie sie Leute aufh\u00e4ngten, wir haben den Krieg erlebt. Wir haben alles gesehen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Mohammed stammt aus dem zerst\u00f6rten Westen der Stadt. Er wohnt heute im Osten. Verwandte haben ihn und seine Familie aufgenommen. So wie ihm ergeht es auch anderen Vertriebenen. Sie leben bei Verwandten und Freunden. Oder in einem der vielen Lager. 700.000 Menschen haben ihr Zuhause verloren \u2013 eine Zahl, die f\u00fcr West-Mosul gilt. Insgesamt gehen die Vereinten Nationen von fast sechs Millionen Menschen aus, die im Irak vor dem \u201aIS\u2018 geflohen sind \u2013 die H\u00e4lfte von ihnen bis heute fern von ihrem Zuhause.<\/p>\n\n\n\n

Binnenfl\u00fcchtlinge im Lager Khabartu<\/h2>\n\n\n\n

Zelte soweit das Auge reicht. Abertausende. Inmitten von Steppe. Das Leben der Menschen ist hart. Sie darben, frieren und verdorren \u2013 wenn im Winter der kalte Wind durch die Steppe fegt und im Sommer die Sonne niederbrennt. Doch sie harren aus, haben wenig Hoffnung auf baldige R\u00fcckkehr. Die meisten kamen 2014 \u2013 hierher, ins Lager Khabartu in Irakisch-Kurdistan.<\/p>\n\n\n\n

\"DasDas Lager Khabartu f\u00fcr irakische Binnenfl\u00fcchtlinge. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

2014, als der \u201eIS\u201c den Nord-Irak \u00fcberfiel. In einem der Zelte lebt auch die Familie von Thomas Abdallah Hammou. Thomas war auf der Flucht von seiner Familie getrennt und von den Dschihadisten verschleppt worden. Damals war er acht Jahre alt. Ein Kind. Drei Jahre blieb er in Geiselhaft, lebte in Mosul.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollten nicht, dass wir spielen. Sie mochten es nicht. Ich habe keine Schule besucht, aber sie gaben uns Koran-Unterricht. Jeden Tag.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas musste seinem eigenen, dem jesidischen Glauben abschw\u00f6ren. Weil der \u201eIS\u201c die Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c betrachtet. Und \u201eUngl\u00e4ubige\u201c, so die Auffassung der Terroristen, m\u00fcssen zwangsbekehrt werden. Oder get\u00f6tet. Die Terroristen hatten dementsprechend die Jesiden entweder an Ort und Stelle ermordet, die meisten im Sinjar, im alten Siedlungsgebiet der Jesiden im Nord-Irak. Tausende. 47 Massengr\u00e4ber sollen mittlerweile gefunden worden sein. Oder aber die Terroristen lie\u00dfen die Jesiden am Leben und nahmen sie in Geiselhaft. Sie machten aus ihnen Sexsklavinnen oder sie bildeten sie aus \u2013 zu Selbstmordattent\u00e4tern. Wie Thomas.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie haben uns st\u00e4ndig geschlagen. Wir mussten Schie\u00dfen \u00fcben. Zwei meiner Freunde haben sich in die Luft gesprengt. Sie sind zum Training. Doch sie kamen nicht zur\u00fcck. Ich war nicht traurig. Sie wollten sich ja in die Luft sprengen. Die \u201aIS\u2018-Leute hatten es nicht von ihnen verlangt. Sie sind freiwillig gegangen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas hat heute einen modernen Haarschnitt; der Nacken ist ausrasiert; der lange Pony in die Stirn gek\u00e4mmt. Im Sommer sah er noch anders aus, kurz nachdem Mosul befreit worden war. Bei einem Luftangriff der Anti-\u201eIS\u201c-Koalition wurde Thomas schwer verletzt aus Tr\u00fcmmern geborgen, dann operiert.<\/p>\n\n\n\n

\"ThomasThomas erholt sich von drei Jahren IS-Gefangenschaft. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

Arbeit mit \u201eDschihadisten-Kindern\u201c<\/h2>\n\n\n\n

Die \u00e4u\u00dferen Wunden sind heute verheilt. Doch wie sieht es aus mit den inneren, den seelischen Verletzungen? Thomas wurde von seiner Familie aufgenommen und bekommt Hilfe. Andere Kinder konnten nicht aufgefangen werden. Bis heute betrachten sie Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c \u2013 so wie es ihnen in der Geiselhaft eingeh\u00e4mmert wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie sind eine gro\u00dfe Gefahr f\u00fcr andere Kinder. Sie leben in Lagern, in einem Zelt, auf sechs mal vier Metern, oder noch weniger! Acht Geschwister, sie spielen zusammen, reden, sie indoktrinieren die anderen! Das ist ein Problem, das wir nicht l\u00f6sen k\u00f6nnen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Sara Hassan ist Sozialarbeiterin. Sie arbeitet in den Lagern, versucht M\u00e4dchen und Frauen, die jahrelang in Geiselhaft vergewaltigt wurden, zu helfen. Unz\u00e4hlige hatte der \u201eIS\u201c einst entf\u00fchrt. Sara arbeitet auch mit den sogenannten \u201eDschihadisten-Kindern\u201c. Sie erz\u00e4hlt, wie \u00fcberfordert alle seien: die Familien, die jesidische Gemeinschaft, die Gesellschaft des Nord-Irak.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIn einem anderen Fall hat sich die Familie am Ende an die Sicherheitskr\u00e4fte gewandt. Doch die wussten auch nicht, wie sie damit umgehen sollten. Monate lang hat die Familie versucht, den Jungen umzuerziehen, zusammen mit Sozialarbeitern. Aber noch immer sehen wir den Hass in seinen Augen \u2013 gegen\u00fcber Kurden, Christen und Jesiden. Als blicke man in die Augen eines IS-Terroristen. Das ist das Problem.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Die Jesiden k\u00f6nnen \u00fcber ihre vom \u201eIS\u201c indoktrinierten Kinder sprechen. Denn niemand zweifelt daran, dass sie Opfer der Tyrannei wurden. Bei den sunnitischen Arabern sieht das anders aus. Da sie derselben Religionsgruppe angeh\u00f6ren wie formal auch die Terroristen, stehen sie unter Generalverdacht, mit dem \u201eIS\u201c gemeinsame Sache gemacht zu haben. Sunnitische Araber trauen sich daher nicht, die Probleme ihrer Kinder \u00f6ffentlich zu machen \u2013 auch wenn sie selbst nichts mit dem \u201eIS\u201c zu tun hatten.<\/p>\n\n\n\n

Unklar ist, wie viele Kinder und Jugendliche im Irak und in Syrien zu Terroristen ausgebildet wurden, dabei noch in Geiselhaft sind oder bereits als \u201eSchl\u00e4fer\u201c darauf warten, zum Einsatz zu kommen. Sie gleichen \u201etickenden Zeitbomben\u201c, die jederzeit explodieren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

Minderheiten haben Angst vor \u201eIS\u201c-Nachfolgern<\/h2>\n\n\n\n

Kamaran Palani spricht davon, dass viele Menschen immer noch gehen wollen, obwohl der \u201eIS\u201c als staats\u00e4hnliches Gebilde nicht mehr besteht. Seine Saat aber, so der Politikwissenschaftler, sei aufgegangen.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollen einfach nicht in diesem Land bleiben. Der IS hat sie dazu gebracht. Jeder hat heute Angst, dass eine andere Organisation kommen wird, Terroristen, die dasselbe anrichten wie zuvor.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Palani forscht am \u201eMiddle East Research Institute\u201c, das seinen Sitz in Erbil hat, der Hauptstadt von Irakisch-Kurdistan. <\/p>\n\n\n\n

\u201e60 bis 65 Prozent der Christen wollen gehen. Das Gleiche gilt f\u00fcr andere Minderheiten: f\u00fcr Jesiden, Schabaks, Turkmenen, Kakais.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

\u201eWir werden niemals wieder mit den Arabern zusammenleben k\u00f6nnen!\u201c \u2013 ein Satz, der heute h\u00e4ufig im Nord-Irak zu h\u00f6ren ist. Gemeint sind die Iraker, die Sunniten und Araber sind \u2013 die einstmals Nachbarn von Jesiden, Christen und Kurden waren \u2013 mit denen man Handel trieb und Hochzeiten feierte, die auch Freunde waren.<\/p>\n\n\n\n

Der Irak ist eine multi-ethnische und multi-religi\u00f6se Gesellschaft, in der die Schiiten die Mehrheit stellen. \u00dcber Jahrhunderte aber hatten die sunnitischen Araber das Sagen, sie missbrauchten die Macht, errichteten ein Schreckensregime \u2013 bis 2003, als Diktator Saddam Hussein von den USA gest\u00fcrzt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c entstand aus Widerstand gegen Schiiten-Herrschaft<\/h2>\n\n\n\n

Jetzt wurde der Spie\u00df umgedreht. Die Amerikaner sorgten daf\u00fcr, dass die Sunniten jegliche Machtposition verloren \u2013 so wurde die irakische Armee, wurde die baathistische Partei aufgel\u00f6st \u2013 ohne ein Pendant zu schaffen, das alle integrierte. Und: Washington unterst\u00fctzte Regierungschef Nouri al-Maliki, einen Schiiten. Maliki sah eine historische Chance gekommen, diskriminierte nun seinerseits seine sunnitischen Landsleute, verwehrte ihnen im \u201eNeuen Irak\u201c die Mitsprache. Im Regime Malikis wurden Sunniten inhaftiert, gefoltert und umgebracht.<\/p>\n\n\n\n

Was viele in den Widerstand trieb. Einige schlossen sich der Terror-Organisation \u201eAl-Qaida\u201c an, unter ihnen f\u00fchrende Milit\u00e4rs der aufgel\u00f6sten Armee Saddam Husseins \u2013 und aus \u201eAl-Qaida\u201c ging sp\u00e4ter der \u201eIS\u201c hervor.<\/p>\n\n\n\n

Als der \u201eIS\u201c dann im Sommer 2014 fast ohne Gegenwehr weite Landstriche in Syrien und im Irak \u00fcberrannte und seinen \u201eStaat\u201c ausrief, sahen auch gew\u00f6hnliche sunnitische Araber einen Wechsel nahen. Viele machten gemeinsame Sache mit den Terroristen, verhinderten die Flucht jesidischer Nachbarn, lieferten sie ihren Schl\u00e4chtern aus. Kamaran Palani:<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c-K\u00e4mpfer haben gesagt, es gehe darum, die W\u00fcrde der sunnitischen Araber wiederherzustellen. Ihre Macht. Ihre Geschichte. Tats\u00e4chlich konnten es die Araber nicht hinnehmen, dass sie ins Abseits gedr\u00e4ngt wurden. Und ich denke, dass sie auch in Zukunft so handeln werden. Wann immer sich die Gelegenheit bietet: Sie werden alles hinter sich lassen \u2013 sich nur darauf konzentrieren.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Misstrauen. Auch bei einem Politikwissenschaftler. Was also tun? Zerst\u00f6rte St\u00e4dte und D\u00f6rfer k\u00f6nnten wieder aufgebaut werden \u2013 wenn denn ein gemeinsamer Wille best\u00fcnde. Doch was, wenn es einen solchen gemeinsamen Willen gar nicht gibt? Wenn Schmerz und Trauer anhalten, wenn die Verbrechen von Terroristen und Helfershelfern nicht geahndet werden, wenn Angst umgeht, Misstrauen und Hass das Miteinander bestimmen.<\/p>\n\n\n\n

\"SyrischeSoldaten in der irakischen Stadt Sindschar nach der R\u00fcckeroberung von der IS-Miliz Ende 2015. (dpa \/ MAXPPP \/ Arnaud Dumontier)<\/p>\n\n\n\n

Kamaran Palani stammt aus der Stadt Makhmour. Drei Tage nur sei der \u201eIS\u201c dort gewesen, sagt er, doch diese Tage h\u00e4tten alles ver\u00e4ndert. Der \u201eIS\u201c habe die Menschen in seiner Heimatstadt verrohen lassen, meint er, das Verh\u00e4ltnis zwischen Kurden und Arabern sei heute tot. Eine R\u00fcckkehr in alte Zeiten h\u00e4lt Palani f\u00fcr falsch.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch denke, es w\u00e4re nicht einfach, in das Jahr 2014 \u2013 also in die Zeit vor dem \u201aIS\u2018 \u2013 zur\u00fcckzukehren. Vor allem aber w\u00e4re es nicht die richtige Politik. Denn eben die hat ja erst zum Aufkommen, zur Existenz des \u201aIS\u2018 gef\u00fchrt.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n


Wie also in Ruinen Neues schaffen? Der Staat muss das Gewaltmonopol zur\u00fcckerlangen, fordert der Politikwissenschaftler. F\u00fcr ihn steht das an erster Stelle. Und dann m\u00fcsse der Staat dringend einen Kurswechsel vornehmen: Er m\u00fcsse integrativ wirken, alle einbinden, auch die Araber, in Sicherheitskr\u00e4fte, Verwaltung und Politik.<\/p>\n\n\n\n

Machtmonopol m\u00fcsste von Milizen zum Staat gehen<\/h2>\n\n\n\n

Die Realit\u00e4t sieht anders aus: Ein Staat Kurdistan, der neue Optionen m\u00f6glich gemacht h\u00e4tte, auch von den Minderheiten gew\u00fcnscht worden war, ist nicht entstanden. Bagdad aber ist fern, der Zentralstaat kaum existent, und wenn, dann ist er schiitisch dominiert. Es sind Milizen, die im Nord-Irak das Geschehen bestimmen, darum rivalisieren, das Machtvakuum zu f\u00fcllen, das durch die Vertreibung des \u201eIS\u201c entstanden ist. Einst im Kampf gegen die Terroristen geeint, sind die Milizen einander heute feind.<\/p>\n\n\n\n

Allen voran die \u201eHashd ash-Shaabi\u201c, schiitisch-irakische Milizen, deren Ausbilder und Kommandeure h\u00e4ufig Iraner sind. Bagdad hat die Haschd als regul\u00e4re Kraft im Kampf gegen den \u201eIS\u201c anerkannt \u2013 obwohl Menschenrechts-Organisationen schwere Vorw\u00fcrfe gegen sie erheben. Fest steht: Die schiitischen Milizen halten D\u00f6rfer besetzt, sind in Mosul f\u00fcr ihr herrisches Auftreten und ihre Willk\u00fcr bekannt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eTats\u00e4chlich sorgen die verschiedenen bewaffneten Gruppen daf\u00fcr, dass die Fl\u00fcchtlinge nicht zur\u00fcckkehren. Und weil sie nicht zur\u00fcckkehren, gibt es auch keinen Wiederaufbau. Die Menschen haben Angst vor den Milizen \u2013 auch davor, dass die einander bek\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die \u201eHashd\u201c m\u00fcssten mithin abziehen. Und mit ihnen die anderen Milizen. Das Machtmonopol m\u00fcsste an den Staat gehen. Doch der Irak ist auch Spielball der Regionalm\u00e4chte: Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien. Sie konkurrieren um Einfluss-Sph\u00e4ren, bedienen sich dabei verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Gruppen im Irak. Deswegen werden die Hashd nicht abziehen. Derzeit sind sie von der iranisch-irakischen Grenze im Osten \u00fcber Bagdad bis hoch zur irakisch-syrischen Grenze im Norden postiert. Einheiten Teherans k\u00f6nnten demnach auf dem Landweg vom Iran bis ans Mittelmeer durchmarschieren.<\/p>\n\n\n\n

Iran und Saudi-Arabien wollen Macht vergr\u00f6\u00dfern<\/h2>\n\n\n\n

Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n

In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n

Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3703,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:24:20","post_date_gmt":"2020-08-13 21:24:20","post_content":"\n

Deutschland str\u00e4ubt sich gegen die R\u00fcckkehr seiner eigenen Staatsb\u00fcrger, die zu IS-Terroristen wurden. Dabei hat die Bundesrepublik den Terror und die Terroristen einst exportiert. Und dies geschah wissentlich, sagt der Islamwissenschaftler Fabian Goldmann.<\/p>\n\n\n\n

Wann haben Sie sich eigentlich zuletzt von deutschen Terroristen distanziert? Zum Beispiel von Robert B.? Der Ex-Bundeswehrsoldat aus Solingen hat mutma\u00dflich bei einem Selbstmordattentat Anfang 2014 50 Menschen mit in den Tod gerissen. <\/p>\n\n\n\n

Oder von Yannik N.? Der junge Freiburger steuerte wahrscheinlich im Jahr 2015 einen mit anderthalb Tonnen Sprengstoff beladenen LKW in eine Menschenmenge und nahm so Dutzenden Personen das Leben.<\/p>\n\n\n\n

Oder von Yamin A.?. Im Sommer 2015 tauchte im Netz ein Video auf, das zeigte, wie der ehemalige Telekom-Azubi aus K\u00f6nigswinter zwei gefesselten Soldaten in den Kopf schoss.
Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Deutsche T\u00e4ter, aber kaum deutsche Opfer<\/h2>\n\n\n\n

Hauptsache nicht bei uns! Dies scheint auch dieser Tage wieder die Maxime zu sein, wenn Politiker und \u00d6ffentlichkeit \u00fcber den Umgang mit deutschen Terroristen diskutieren. Von potenziellen Bedrohungen und Anschlagsgefahren in Deutschland liest man dann. Vom ganz realen Terror, den Deutsche in den vergangenen Jahren \u00fcber die Menschen in Syrien und Irak gebracht haben, h\u00f6rt man hingegen kaum. Ein Terror, der kaum deutsche Opfer aber umso mehr deutsche T\u00e4ter kannte.<\/p>\n\n\n\n

1.050 \u2013 das ist laut Bundesinnenministerium die Anzahl der Dschihadisten, die in den letzten Jahren die Bundesrepublik in Richtung Nahost verlassen hat. Es f\u00e4llt schwer, sich umgekehrtes Szenario \u00fcberhaupt auszumalen. Was w\u00e4re wohl los, h\u00e4tte es nur ein Bruchteil arabischer Terroristen geschafft, bei uns Anschl\u00e4ge zu begehen? Europas \u201eMuslim Bann\u201c? \u00dcberwachungsstaat auf NSA-Niveau?<\/p>\n\n\n\n

Die CSU st\u00fcnde wom\u00f6glich am linken Ende des politischen Spektrums, und auf Twitter w\u00fcrde Trump deutsche Migrationspolitiker zur M\u00e4\u00dfigung aufrufen. Der deutsche Terror in Nahost kommt hingegen seit Jahren ganz ohne Sondersendungen, politische Debatten und Distanzierungsforderungen aus. <\/p>\n\n\n\n

Deutsche K\u00e4mpfer waren nicht nur willenloses Kanonenfutter<\/h2>\n\n\n\n

An fehlendem Wissen liegt das nicht. Von ganzen Einheiten des IS, in denen kein einziger K\u00e4mpfer Arabisch spreche, berichten syrische, irakische und kurdische Soldaten schon seit Jahren. Von Aleppo \u00fcber Raqqa bis Mossul haben Aktivisten und Politiker immer wieder darauf hingewiesen, dass viele der schlimmsten M\u00f6rder in den Reihen des IS Europ\u00e4er sind. Interessiert hat das hier kaum jemand.<\/p>\n\n\n\n

Dabei dienten Deutsche dem Islamischen Staats nicht nur als willenloses Kanonenfutter, wie es oft dargestellt wird. Viele haben seinen Terror mitgepr\u00e4gt. Wie Martin L., der derzeit in kurdischer Haft sitzt. Der Schwei\u00dfer aus Sachsen-Anhalt soll sich vom Folterknecht bis zum Geheimdienstler mit Kontakten bis in die F\u00fchrungsspitze der Terrororganisation hochgearbeitet haben.<\/p>\n\n\n\n

Oder Reda S., Der Prediger aus Berlin-Charlottenburg soll dem IS in Mossul als Bildungsminister gedient haben. Oder der Berliner Ex-Rapper Denis Cuspert, der zu den wichtigsten Personen in der IS-Medienorganisation Al-Hayat geh\u00f6rte. Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Beh\u00f6rden wussten gut Bescheid<\/h2>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich entstand der Islamische Staat nicht in deutschen Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen. Zur deutschen Verantwortung geh\u00f6rt aber auch, dass Politiker und Beh\u00f6rden lange wegschauten, solang nur die T\u00e4ter, aber nicht die Opfer Deutsche waren. Beh\u00f6rden wissen und wussten erschreckend gut Bescheid \u00fcber die Radikalisierung deutscher Islamisten. Ein Gro\u00dfteil der sp\u00e4teren IS-K\u00e4mpfer war polizeibekannt, stand auf Gef\u00e4hrderlisten oder hatte wegen islamistischer Straftaten bereits Haftstrafen verb\u00fc\u00dft. An der Ausreise gehindert wurden sie oftmals dennoch nicht. Die Gefahr, die von deutschen Terroristen ausgeht, interessierte Politik und \u00d6ffentlichkeit erst dann wieder, als ihre Einreise drohte.<\/p>\n\n\n\n

\"Fabian
Fabian Goldmann<\/strong> ist Journalist und Islamwissenschaftler. F\u00fcr verschiedene Magazine und Zeitungen berichtete er viele Jahre aus Nahost. Zurzeit widmet er sich vor allem dem Islam diesseits des Bosporus. Auf seinem Blog Schantall und die Scharia<\/a> bloggt er \u00fcber Islamophobie in Deutschland.<\/p>\n","post_title":"Es sind unsere Terroristen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"es-sind-unsere-terroristen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3703","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3700,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:19:36","post_date_gmt":"2020-08-13 21:19:36","post_content":"\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda? Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda t<\/p>\n\n\n\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda tritt an die Stelle der 2010 verabschiedeten Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014 (siehe IP\/10\/1535<\/a>). In der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda f\u00fcr den Zeitraum 2015-2020 skizziert die Europ\u00e4ische Kommission die Strategie der Union zur Bew\u00e4ltigung der Sicherheitsbedrohungen in der EU.<\/p>\n\n\n\n

Die EU und ihre Mitgliedstaaten sind mit betr\u00e4chtlichen Sicherheitsproblemen konfrontiert. Terrorismus, organisierte Kriminalit\u00e4t und Cyberkriminalit\u00e4t stellen eine zunehmende Gefahr f\u00fcr die europ\u00e4ische Gesellschaft dar, wobei sich Art und Ausma\u00df dieser Gefahr ver\u00e4ndert hat. Europa ist mit den Auswirkungen der politischen Instabilit\u00e4t in seiner unmittelbaren Nachbarschaft konfrontiert, die die Sicherheitsinteressen der EU gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n

Im Zuge der Krisen und Konflikte in Syrien, Irak und Libyen haben sich europ\u00e4ische B\u00fcrger terroristischen Gruppen angeschlossen, die bei ihrer R\u00fcckkehr eine erhebliche Bedrohung darstellen k\u00f6nnen. Die j\u00fcngsten terroristischen Anschl\u00e4ge in Europa zeugen von der zunehmenden Bedrohung durch einen gewaltt\u00e4tigen Extremismus und zeigen, in welchem Ausma\u00df weltweite Konflikte zur Radikalisierung der europ\u00e4ischen B\u00fcrger beitragen.<\/p>\n\n\n\n

Das Online-Umfeld hat sich zunehmend als Ziel f\u00fcr Kriminelle und Terroristen entwickelt. Unabh\u00e4ngig davon, ob es um die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und die Anwerbung von Menschen f\u00fcr terroristische Organisationen geht oder die Verbreitung von Hass oder einen Angriff auf die europ\u00e4ischen Werte und Institutionen, fest steht, dass wir unsere Reaktion auf diese Bedrohungen unbedingt abstimmen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Welcher Mehrwert entsteht durch die EU im Bereich der inneren Sicherheit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Gew\u00e4hrleistung der inneren Sicherheit f\u00e4llt weiterhin in erster Linie in die Zust\u00e4ndigkeit der Mitgliedstaaten. Allerdings werden die Bedrohungen f\u00fcr Europas B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger immer vielf\u00e4ltiger und betreffen in zunehmendem Ma\u00dfe mehrere Mitgliedstaaten. Einzelne Mitgliedstaaten haben die Verantwortung, die Sicherheit an den Au\u00dfengrenzen zu gew\u00e4hrleisten, sind aber nicht mehr in der Lage, diese Herausforderungen allein zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n

Kriminelle und terroristische Aktivit\u00e4ten machen nicht an den Grenzen der EU halt und beschr\u00e4nken sich auch nicht auf Nachbarregionen. Die innere Sicherheit der EU und die globale Sicherheit sind voneinander abh\u00e4ngig und miteinander verkn\u00fcpft. Die Sicherheit der Union h\u00e4ngt in hohem Ma\u00dfe von der Zusammenarbeit mit ihren internationalen Partnern und ihren Nachbarl\u00e4ndern ab.<\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t und des Terrorismus ist eine gemeinsame europ\u00e4ische Aufgabe. Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda sollte von den Mitgliedstaaten und den EU-Organen gemeinsam als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und gemeinsame Ma\u00dfnahmen der Union genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n

Mit Hilfe der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda werden die Polizei- und Strafverfolgungsdienste in verschiedenen Mitgliedstaaten Daten effektiver austauschen und bei der Bek\u00e4mpfung der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t besser zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Die Mitgliedstaaten k\u00f6nnen auf die Unterst\u00fctzung durch die Agenturen der EU z\u00e4hlen. Insbesondere in folgenden Punkten l\u00e4sst sich mit Hilfe der Sicherheitsagenda ein EU-Mehrwert erzielen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n

A) Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und den EU-Agenturen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1<\/strong>: Das Schengener Informationssystem<\/strong> (SIS) wird von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Abfrage von Ausschreibungen von gesuchten oder vermissten Personen und Gegenst\u00e4nden genutzt. Die Kommission wird an der Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Ausschreibungskategorien arbeiten und sich daf\u00fcr einsetzen, dass das SIS zusammen mit der Interpol-Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD)<\/strong> umfassender genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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\u201eIch kam zu dem Schluss, dass ich nicht als M\u00f6rder weiterleben k\u00f6nnte. Stets dachte ich mir, dass selbst die schlimmsten Al-Qaida- oder IS-Terroristen Kinder haben k\u00f6nnten, die ihren Vater lieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Fazel verlor seinen eigenen Vater bereits sehr fr\u00fch. Er wurde Opfer des B\u00fcrgerkriegs in Afghanistan, der von 1989 bis 2001 tausende Menschen das Leben kostete. Auch der Iran mischte in der Zeit schon mit. Es ist allgemein bekannt, dass die schiitischen Hazara-Milizen, die den B\u00fcrgerkrieg ebenfalls mitanfachten, von der Regierung in Teheran unterst\u00fctzt wurden.<\/p>\n\n\n\n

Als Abu Fazel sich nun entschloss, aus der Gewaltspirale auszusteigen und nicht in Syrien zu k\u00e4mpfen, wuchs die Angst bei seiner Familie. Denn f\u00fcr die iranischen Beh\u00f6rden gilt: Hat man sich einmal gemeldet, gibt es kein zur\u00fcck. Man muss an die Front nach Syrien \u2013 oder wird zur\u00fcck nach Afghanistan abgeschoben, wo ebenfalls Krieg herrscht.<\/p>\n\n\n\n

Der einzige Ausweg f\u00fcr den jungen Afghanen war die Flucht. \u00dcber die T\u00fcrkei, Griechenland und die Balkranroute erreichte er mit gro\u00dfer M\u00fche Deutschland, wo er einen Asylantrag stellte.<\/p>\n\n\n\n

Erster Asylantrag in Deutschland abgelehnt<\/h2>\n\n\n\n

Als Grund nannte er seine Rekrutierung als Kindersoldat seitens des iranischen Regimes. Doch w\u00e4hrend diese Begr\u00fcndung in Abu Fazels Augen v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich war, sahen deutsche Beh\u00f6rden das anders. Sein erster Antrag wurde abgelehnt. Derzeit versucht er es ein zweites Mal. Die Bundesrepublik schiebt afghanische Gefl\u00fcchtete weiterhin ab.<\/p>\n\n\n\n

\"EinAbschiebung von Afghanen im Dezember 2016 mit einem Charterflug von Frankfurt nach Kabul. (dpa \/picture alliance \/ Boris Roessler)<\/p>\n\n\n\n

Die Verantwortlichen weisen in diesem Kontext immer wieder auf vermeintlich \u201esichere Gebiete\u201c im Land, die nicht n\u00e4her benannt werden.<\/p>\n\n\n\n

W\u00e4hrenddessen machen Menschenrechtsorganisationen regelm\u00e4\u00dfig darauf aufmerksam, dass keine Region am Hindukusch sicher ist. Stattdessen wird in manchen Gebieten nur weniger Krieg gef\u00fchrt als in anderen.<\/p>\n\n\n\n

\"SieDemonstranten protestieren in Frankfurt am Main gegen die Abschiebung von Afghanen. Auf einem der Transparente steht \u201eAfghanistan is not safe\u201c. (AFP \/ Daniel Roland)<\/p>\n\n\n\n

Alis Vater und Onkel k\u00e4mpfen in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein \u00e4hnliches Schicksal wie Abu Fazel erlitt der 18-j\u00e4hrige Ali (Namen ge\u00e4ndert). Auch er floh aus dem Iran nach Deutschland, um der Rekrutierung f\u00fcr Assads Milizen zu entgehen. Viele seiner afghanischen Freunde sind bereits nach Syrien gezogen \u2013 und kamen niemals zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Alis Familie, ebenfalls Angeh\u00f6rige der Hazara-Minderheit, stammt urspr\u00fcnglich aus der Provinz Ghor im Nordosten Afghanistans. Ihre Heimat verlie\u00dfen sie w\u00e4hrend der sowjetischen Besatzung in den 1980er-Jahren.<\/p>\n\n\n\n

Seit jeher lebt die Familie in der iranischen Gro\u00dfstadt Maschhad. Als der Krieg in Syrien ausbrach, erreichte sie ein Konflikt, mit dem sie nicht gerechnet hatten. Im Juli 2015 reiste Alis Vater nach Teheran. Er wollte einen Weg finden, um f\u00fcr seine Familie Aufenthaltspapiere zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Beh\u00f6rden sagten ihm, dass die Rekrutierung f\u00fcr den Krieg in Syrien eine M\u00f6glichkeit darstellen k\u00f6nnte, um Papiere f\u00fcr uns alle zu erhalten. Andernfalls w\u00fcrde man uns sehr bald nach Afghanistan abschieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Mittlerweile k\u00e4mpfen Alis Vater und sein Onkel seit \u00fcber einem Jahr in Syrien. Am Aufenthaltsstatus seiner Familienmitglieder hat sich bis heute allerdings nichts ge\u00e4ndert. F\u00fcr Ali ist klar, dass dies nur eine Falle gewesen ist, um noch mehr Afghanen als Kanonenfutter zu missbrauchen.<\/p>\n\n\n\n

Anfangs gab es Papiere f\u00fcr K\u00e4mpfer-Familien<\/h2>\n\n\n\n

Den Kontakt zu seinem Vater hat der Afghane mittlerweile verloren. W\u00e4hrenddessen schickt ihm sein Onkel, der in Aleppo stationiert ist, hin und wieder Bilder \u00fcber den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ali denkt, dass nur sehr wenige Afghanen der Propaganda der iranischen Regierung glauben und in Syrien f\u00fcr eine \u201egute Sache\u201c k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

Source<\/a><\/p>\n","post_title":"Warum Afghanen in Syrien f\u00fcr Assad k\u00e4mpfen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"warum-afghanen-in-syrien-fur-assad-kampfen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3709","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3706,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:27:40","post_date_gmt":"2020-08-13 21:27:40","post_content":"\n

Kinder, Frauen, Jesiden \u2013 wer \u00fcberlebt hat, berichtet von Folter, Vergewaltigungen und Gehirnw\u00e4sche. Rund drei Jahre dauerte die Schreckensherrschaft der IS-Miliz in Syrien und Irak. Der Wiederaufbau wird l\u00e4nger dauern und mehr umfassen als H\u00e4user.<\/p>\n\n\n\n

Der Fluss Tigris durchzieht die zweitgr\u00f6\u00dfte Stadt des Iraks und teilt Mosul in Ost und West. Das Westufer ist von Zerst\u00f6rung gezeichnet, die Altstadt nicht mehr als eine einzige graue Tr\u00fcmmerlandschaft. Seit den letzten Bombardements im Juli 2017 kann hier niemand mehr wohnen.<\/p>\n\n\n\n

Die Nouri-Moschee, von deren Kanzel Abu Bakr al-Baghdadi im Juli 2014 sein Kalifat ausrief, hatte die IS-Miliz auf ihrem R\u00fcckzug vorsorglich selbst in die Luft gesprengt, um den Gegnern diesen besonderen Triumph zu verwehren.<\/p>\n\n\n\n

\"ImIm Juli 2017 erobert die irakische Armee Mossul zur\u00fcck. Ruinen sind zu sehen. Ein K\u00e4mpfer der IS-Miliz hat sich ergeben. (Imago \/ Carol Guzy)<\/p>\n\n\n\n

Es ist fraglich, ob die Altstadt dem Original getreu wieder aufgebaut werden kann. Bagdad will demn\u00e4chst \u2013 im Rahmen einer gro\u00dfen Wiederaufbau-Konferenz \u2013 bekannt geben, welche Pl\u00e4ne es hat. Derzeit gilt als gro\u00dfer Fortschritt, dass die Tr\u00fcmmerlandschaft in Teilen wieder begehbar ist \u2013 nachdem mit internationaler Hilfe zahllose Sprengs\u00e4tze beseitigt wurden.<\/p>\n\n\n\n

In Ost-Mossul gibt es weniger Zerst\u00f6rungen<\/h2>\n\n\n\n

J\u00fcngste Sch\u00e4tzungen der Vereinten Nationen besagen, dass es noch Jahre dauern wird, bis alle Minen ger\u00e4umt sind. Solange werden die einstigen Bewohner nicht zur\u00fcckkehren k\u00f6nnen. Manche von ihnen haben Gl\u00fcck im Ungl\u00fcck: Sie haben \u00fcberlebt und sind auf der anderen Seite des Tigris untergekommen, im Osten der Stadt. Der war schon im Januar 2017 von den Terroristen befreit worden. Erstaunlich ist: Dieser Teil Mosuls wirkt fast so, als w\u00e4re der \u201eIS\u201c niemals hier gewesen und als h\u00e4tte es keinen Krieg gegeben.<\/p>\n\n\n\n

\"ImIm Osten Mossuls gibt es weniger Zerst\u00f6rungen als im Westteil. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

Die Zerst\u00f6rungen beschr\u00e4nken sich auf strategisch-wichtige Punkte oder Geb\u00e4ude, in denen sich die Terroristen verschanzt hatten: Br\u00fccken, Moscheen, Krankenh\u00e4user. Doch im Basar herrscht fast so etwas wie Normalit\u00e4t. An St\u00e4nden kaufen Menschen ein \u2013 Obst, Gem\u00fcse, Reis und Nudeln, Backwaren. Kinder schlecken ein Eis. Abu Muhammad, ein ehemaliger Physiklehrer, erkl\u00e4rt, warum der Basar so anders ist als erwartet:<\/p>\n\n\n\n

\u201eDas Leben hatte nie aufgeh\u00f6rt in Mosul. Wir haben weitergelebt. Drei Jahre wurden wir vom \u201aIS\u2018 beherrscht, doch die normalen Leute hatten nichts damit zu tun. Daher kam der Alltag schnell zur\u00fcck. Die Soldaten sind gekommen, haben den Basar wieder aufgemacht und das Leben ging weiter.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Im Osten findet sich heute all das wieder, was die Terror-Miliz unterdr\u00fcckt hatte und bei Missachtung grausam ahndete: Musik in Restaurants und Caf\u00e9s; Sim-Karten f\u00fcr Handys; Internet; Fris\u00f6re, die Haare schneiden, B\u00e4rte stutzen oder gar abrasieren. Und doch: Trotz des lebendigen Treibens wirken Angst und Schrecken nach. Abu Muhammad, fr\u00fch ergraut, erinnert sich:<\/p>\n\n\n\n

\u201eWir haben uns gef\u00fchlt wie zwischen Leben und Tod. Irgendwo dazwischen. Sie haben vom \u201aIS\u2018 geh\u00f6rt; wir haben ihn erlebt: Wir haben erlebt, wie sie mordeten, wie sie Leute aufh\u00e4ngten, wir haben den Krieg erlebt. Wir haben alles gesehen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Mohammed stammt aus dem zerst\u00f6rten Westen der Stadt. Er wohnt heute im Osten. Verwandte haben ihn und seine Familie aufgenommen. So wie ihm ergeht es auch anderen Vertriebenen. Sie leben bei Verwandten und Freunden. Oder in einem der vielen Lager. 700.000 Menschen haben ihr Zuhause verloren \u2013 eine Zahl, die f\u00fcr West-Mosul gilt. Insgesamt gehen die Vereinten Nationen von fast sechs Millionen Menschen aus, die im Irak vor dem \u201aIS\u2018 geflohen sind \u2013 die H\u00e4lfte von ihnen bis heute fern von ihrem Zuhause.<\/p>\n\n\n\n

Binnenfl\u00fcchtlinge im Lager Khabartu<\/h2>\n\n\n\n

Zelte soweit das Auge reicht. Abertausende. Inmitten von Steppe. Das Leben der Menschen ist hart. Sie darben, frieren und verdorren \u2013 wenn im Winter der kalte Wind durch die Steppe fegt und im Sommer die Sonne niederbrennt. Doch sie harren aus, haben wenig Hoffnung auf baldige R\u00fcckkehr. Die meisten kamen 2014 \u2013 hierher, ins Lager Khabartu in Irakisch-Kurdistan.<\/p>\n\n\n\n

\"DasDas Lager Khabartu f\u00fcr irakische Binnenfl\u00fcchtlinge. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

2014, als der \u201eIS\u201c den Nord-Irak \u00fcberfiel. In einem der Zelte lebt auch die Familie von Thomas Abdallah Hammou. Thomas war auf der Flucht von seiner Familie getrennt und von den Dschihadisten verschleppt worden. Damals war er acht Jahre alt. Ein Kind. Drei Jahre blieb er in Geiselhaft, lebte in Mosul.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollten nicht, dass wir spielen. Sie mochten es nicht. Ich habe keine Schule besucht, aber sie gaben uns Koran-Unterricht. Jeden Tag.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas musste seinem eigenen, dem jesidischen Glauben abschw\u00f6ren. Weil der \u201eIS\u201c die Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c betrachtet. Und \u201eUngl\u00e4ubige\u201c, so die Auffassung der Terroristen, m\u00fcssen zwangsbekehrt werden. Oder get\u00f6tet. Die Terroristen hatten dementsprechend die Jesiden entweder an Ort und Stelle ermordet, die meisten im Sinjar, im alten Siedlungsgebiet der Jesiden im Nord-Irak. Tausende. 47 Massengr\u00e4ber sollen mittlerweile gefunden worden sein. Oder aber die Terroristen lie\u00dfen die Jesiden am Leben und nahmen sie in Geiselhaft. Sie machten aus ihnen Sexsklavinnen oder sie bildeten sie aus \u2013 zu Selbstmordattent\u00e4tern. Wie Thomas.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie haben uns st\u00e4ndig geschlagen. Wir mussten Schie\u00dfen \u00fcben. Zwei meiner Freunde haben sich in die Luft gesprengt. Sie sind zum Training. Doch sie kamen nicht zur\u00fcck. Ich war nicht traurig. Sie wollten sich ja in die Luft sprengen. Die \u201aIS\u2018-Leute hatten es nicht von ihnen verlangt. Sie sind freiwillig gegangen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas hat heute einen modernen Haarschnitt; der Nacken ist ausrasiert; der lange Pony in die Stirn gek\u00e4mmt. Im Sommer sah er noch anders aus, kurz nachdem Mosul befreit worden war. Bei einem Luftangriff der Anti-\u201eIS\u201c-Koalition wurde Thomas schwer verletzt aus Tr\u00fcmmern geborgen, dann operiert.<\/p>\n\n\n\n

\"ThomasThomas erholt sich von drei Jahren IS-Gefangenschaft. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

Arbeit mit \u201eDschihadisten-Kindern\u201c<\/h2>\n\n\n\n

Die \u00e4u\u00dferen Wunden sind heute verheilt. Doch wie sieht es aus mit den inneren, den seelischen Verletzungen? Thomas wurde von seiner Familie aufgenommen und bekommt Hilfe. Andere Kinder konnten nicht aufgefangen werden. Bis heute betrachten sie Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c \u2013 so wie es ihnen in der Geiselhaft eingeh\u00e4mmert wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie sind eine gro\u00dfe Gefahr f\u00fcr andere Kinder. Sie leben in Lagern, in einem Zelt, auf sechs mal vier Metern, oder noch weniger! Acht Geschwister, sie spielen zusammen, reden, sie indoktrinieren die anderen! Das ist ein Problem, das wir nicht l\u00f6sen k\u00f6nnen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Sara Hassan ist Sozialarbeiterin. Sie arbeitet in den Lagern, versucht M\u00e4dchen und Frauen, die jahrelang in Geiselhaft vergewaltigt wurden, zu helfen. Unz\u00e4hlige hatte der \u201eIS\u201c einst entf\u00fchrt. Sara arbeitet auch mit den sogenannten \u201eDschihadisten-Kindern\u201c. Sie erz\u00e4hlt, wie \u00fcberfordert alle seien: die Familien, die jesidische Gemeinschaft, die Gesellschaft des Nord-Irak.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIn einem anderen Fall hat sich die Familie am Ende an die Sicherheitskr\u00e4fte gewandt. Doch die wussten auch nicht, wie sie damit umgehen sollten. Monate lang hat die Familie versucht, den Jungen umzuerziehen, zusammen mit Sozialarbeitern. Aber noch immer sehen wir den Hass in seinen Augen \u2013 gegen\u00fcber Kurden, Christen und Jesiden. Als blicke man in die Augen eines IS-Terroristen. Das ist das Problem.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Die Jesiden k\u00f6nnen \u00fcber ihre vom \u201eIS\u201c indoktrinierten Kinder sprechen. Denn niemand zweifelt daran, dass sie Opfer der Tyrannei wurden. Bei den sunnitischen Arabern sieht das anders aus. Da sie derselben Religionsgruppe angeh\u00f6ren wie formal auch die Terroristen, stehen sie unter Generalverdacht, mit dem \u201eIS\u201c gemeinsame Sache gemacht zu haben. Sunnitische Araber trauen sich daher nicht, die Probleme ihrer Kinder \u00f6ffentlich zu machen \u2013 auch wenn sie selbst nichts mit dem \u201eIS\u201c zu tun hatten.<\/p>\n\n\n\n

Unklar ist, wie viele Kinder und Jugendliche im Irak und in Syrien zu Terroristen ausgebildet wurden, dabei noch in Geiselhaft sind oder bereits als \u201eSchl\u00e4fer\u201c darauf warten, zum Einsatz zu kommen. Sie gleichen \u201etickenden Zeitbomben\u201c, die jederzeit explodieren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

Minderheiten haben Angst vor \u201eIS\u201c-Nachfolgern<\/h2>\n\n\n\n

Kamaran Palani spricht davon, dass viele Menschen immer noch gehen wollen, obwohl der \u201eIS\u201c als staats\u00e4hnliches Gebilde nicht mehr besteht. Seine Saat aber, so der Politikwissenschaftler, sei aufgegangen.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollen einfach nicht in diesem Land bleiben. Der IS hat sie dazu gebracht. Jeder hat heute Angst, dass eine andere Organisation kommen wird, Terroristen, die dasselbe anrichten wie zuvor.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Palani forscht am \u201eMiddle East Research Institute\u201c, das seinen Sitz in Erbil hat, der Hauptstadt von Irakisch-Kurdistan. <\/p>\n\n\n\n

\u201e60 bis 65 Prozent der Christen wollen gehen. Das Gleiche gilt f\u00fcr andere Minderheiten: f\u00fcr Jesiden, Schabaks, Turkmenen, Kakais.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

\u201eWir werden niemals wieder mit den Arabern zusammenleben k\u00f6nnen!\u201c \u2013 ein Satz, der heute h\u00e4ufig im Nord-Irak zu h\u00f6ren ist. Gemeint sind die Iraker, die Sunniten und Araber sind \u2013 die einstmals Nachbarn von Jesiden, Christen und Kurden waren \u2013 mit denen man Handel trieb und Hochzeiten feierte, die auch Freunde waren.<\/p>\n\n\n\n

Der Irak ist eine multi-ethnische und multi-religi\u00f6se Gesellschaft, in der die Schiiten die Mehrheit stellen. \u00dcber Jahrhunderte aber hatten die sunnitischen Araber das Sagen, sie missbrauchten die Macht, errichteten ein Schreckensregime \u2013 bis 2003, als Diktator Saddam Hussein von den USA gest\u00fcrzt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c entstand aus Widerstand gegen Schiiten-Herrschaft<\/h2>\n\n\n\n

Jetzt wurde der Spie\u00df umgedreht. Die Amerikaner sorgten daf\u00fcr, dass die Sunniten jegliche Machtposition verloren \u2013 so wurde die irakische Armee, wurde die baathistische Partei aufgel\u00f6st \u2013 ohne ein Pendant zu schaffen, das alle integrierte. Und: Washington unterst\u00fctzte Regierungschef Nouri al-Maliki, einen Schiiten. Maliki sah eine historische Chance gekommen, diskriminierte nun seinerseits seine sunnitischen Landsleute, verwehrte ihnen im \u201eNeuen Irak\u201c die Mitsprache. Im Regime Malikis wurden Sunniten inhaftiert, gefoltert und umgebracht.<\/p>\n\n\n\n

Was viele in den Widerstand trieb. Einige schlossen sich der Terror-Organisation \u201eAl-Qaida\u201c an, unter ihnen f\u00fchrende Milit\u00e4rs der aufgel\u00f6sten Armee Saddam Husseins \u2013 und aus \u201eAl-Qaida\u201c ging sp\u00e4ter der \u201eIS\u201c hervor.<\/p>\n\n\n\n

Als der \u201eIS\u201c dann im Sommer 2014 fast ohne Gegenwehr weite Landstriche in Syrien und im Irak \u00fcberrannte und seinen \u201eStaat\u201c ausrief, sahen auch gew\u00f6hnliche sunnitische Araber einen Wechsel nahen. Viele machten gemeinsame Sache mit den Terroristen, verhinderten die Flucht jesidischer Nachbarn, lieferten sie ihren Schl\u00e4chtern aus. Kamaran Palani:<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c-K\u00e4mpfer haben gesagt, es gehe darum, die W\u00fcrde der sunnitischen Araber wiederherzustellen. Ihre Macht. Ihre Geschichte. Tats\u00e4chlich konnten es die Araber nicht hinnehmen, dass sie ins Abseits gedr\u00e4ngt wurden. Und ich denke, dass sie auch in Zukunft so handeln werden. Wann immer sich die Gelegenheit bietet: Sie werden alles hinter sich lassen \u2013 sich nur darauf konzentrieren.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Misstrauen. Auch bei einem Politikwissenschaftler. Was also tun? Zerst\u00f6rte St\u00e4dte und D\u00f6rfer k\u00f6nnten wieder aufgebaut werden \u2013 wenn denn ein gemeinsamer Wille best\u00fcnde. Doch was, wenn es einen solchen gemeinsamen Willen gar nicht gibt? Wenn Schmerz und Trauer anhalten, wenn die Verbrechen von Terroristen und Helfershelfern nicht geahndet werden, wenn Angst umgeht, Misstrauen und Hass das Miteinander bestimmen.<\/p>\n\n\n\n

\"SyrischeSoldaten in der irakischen Stadt Sindschar nach der R\u00fcckeroberung von der IS-Miliz Ende 2015. (dpa \/ MAXPPP \/ Arnaud Dumontier)<\/p>\n\n\n\n

Kamaran Palani stammt aus der Stadt Makhmour. Drei Tage nur sei der \u201eIS\u201c dort gewesen, sagt er, doch diese Tage h\u00e4tten alles ver\u00e4ndert. Der \u201eIS\u201c habe die Menschen in seiner Heimatstadt verrohen lassen, meint er, das Verh\u00e4ltnis zwischen Kurden und Arabern sei heute tot. Eine R\u00fcckkehr in alte Zeiten h\u00e4lt Palani f\u00fcr falsch.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch denke, es w\u00e4re nicht einfach, in das Jahr 2014 \u2013 also in die Zeit vor dem \u201aIS\u2018 \u2013 zur\u00fcckzukehren. Vor allem aber w\u00e4re es nicht die richtige Politik. Denn eben die hat ja erst zum Aufkommen, zur Existenz des \u201aIS\u2018 gef\u00fchrt.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n


Wie also in Ruinen Neues schaffen? Der Staat muss das Gewaltmonopol zur\u00fcckerlangen, fordert der Politikwissenschaftler. F\u00fcr ihn steht das an erster Stelle. Und dann m\u00fcsse der Staat dringend einen Kurswechsel vornehmen: Er m\u00fcsse integrativ wirken, alle einbinden, auch die Araber, in Sicherheitskr\u00e4fte, Verwaltung und Politik.<\/p>\n\n\n\n

Machtmonopol m\u00fcsste von Milizen zum Staat gehen<\/h2>\n\n\n\n

Die Realit\u00e4t sieht anders aus: Ein Staat Kurdistan, der neue Optionen m\u00f6glich gemacht h\u00e4tte, auch von den Minderheiten gew\u00fcnscht worden war, ist nicht entstanden. Bagdad aber ist fern, der Zentralstaat kaum existent, und wenn, dann ist er schiitisch dominiert. Es sind Milizen, die im Nord-Irak das Geschehen bestimmen, darum rivalisieren, das Machtvakuum zu f\u00fcllen, das durch die Vertreibung des \u201eIS\u201c entstanden ist. Einst im Kampf gegen die Terroristen geeint, sind die Milizen einander heute feind.<\/p>\n\n\n\n

Allen voran die \u201eHashd ash-Shaabi\u201c, schiitisch-irakische Milizen, deren Ausbilder und Kommandeure h\u00e4ufig Iraner sind. Bagdad hat die Haschd als regul\u00e4re Kraft im Kampf gegen den \u201eIS\u201c anerkannt \u2013 obwohl Menschenrechts-Organisationen schwere Vorw\u00fcrfe gegen sie erheben. Fest steht: Die schiitischen Milizen halten D\u00f6rfer besetzt, sind in Mosul f\u00fcr ihr herrisches Auftreten und ihre Willk\u00fcr bekannt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eTats\u00e4chlich sorgen die verschiedenen bewaffneten Gruppen daf\u00fcr, dass die Fl\u00fcchtlinge nicht zur\u00fcckkehren. Und weil sie nicht zur\u00fcckkehren, gibt es auch keinen Wiederaufbau. Die Menschen haben Angst vor den Milizen \u2013 auch davor, dass die einander bek\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die \u201eHashd\u201c m\u00fcssten mithin abziehen. Und mit ihnen die anderen Milizen. Das Machtmonopol m\u00fcsste an den Staat gehen. Doch der Irak ist auch Spielball der Regionalm\u00e4chte: Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien. Sie konkurrieren um Einfluss-Sph\u00e4ren, bedienen sich dabei verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Gruppen im Irak. Deswegen werden die Hashd nicht abziehen. Derzeit sind sie von der iranisch-irakischen Grenze im Osten \u00fcber Bagdad bis hoch zur irakisch-syrischen Grenze im Norden postiert. Einheiten Teherans k\u00f6nnten demnach auf dem Landweg vom Iran bis ans Mittelmeer durchmarschieren.<\/p>\n\n\n\n

Iran und Saudi-Arabien wollen Macht vergr\u00f6\u00dfern<\/h2>\n\n\n\n

Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n

In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n

Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3703,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:24:20","post_date_gmt":"2020-08-13 21:24:20","post_content":"\n

Deutschland str\u00e4ubt sich gegen die R\u00fcckkehr seiner eigenen Staatsb\u00fcrger, die zu IS-Terroristen wurden. Dabei hat die Bundesrepublik den Terror und die Terroristen einst exportiert. Und dies geschah wissentlich, sagt der Islamwissenschaftler Fabian Goldmann.<\/p>\n\n\n\n

Wann haben Sie sich eigentlich zuletzt von deutschen Terroristen distanziert? Zum Beispiel von Robert B.? Der Ex-Bundeswehrsoldat aus Solingen hat mutma\u00dflich bei einem Selbstmordattentat Anfang 2014 50 Menschen mit in den Tod gerissen. <\/p>\n\n\n\n

Oder von Yannik N.? Der junge Freiburger steuerte wahrscheinlich im Jahr 2015 einen mit anderthalb Tonnen Sprengstoff beladenen LKW in eine Menschenmenge und nahm so Dutzenden Personen das Leben.<\/p>\n\n\n\n

Oder von Yamin A.?. Im Sommer 2015 tauchte im Netz ein Video auf, das zeigte, wie der ehemalige Telekom-Azubi aus K\u00f6nigswinter zwei gefesselten Soldaten in den Kopf schoss.
Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Deutsche T\u00e4ter, aber kaum deutsche Opfer<\/h2>\n\n\n\n

Hauptsache nicht bei uns! Dies scheint auch dieser Tage wieder die Maxime zu sein, wenn Politiker und \u00d6ffentlichkeit \u00fcber den Umgang mit deutschen Terroristen diskutieren. Von potenziellen Bedrohungen und Anschlagsgefahren in Deutschland liest man dann. Vom ganz realen Terror, den Deutsche in den vergangenen Jahren \u00fcber die Menschen in Syrien und Irak gebracht haben, h\u00f6rt man hingegen kaum. Ein Terror, der kaum deutsche Opfer aber umso mehr deutsche T\u00e4ter kannte.<\/p>\n\n\n\n

1.050 \u2013 das ist laut Bundesinnenministerium die Anzahl der Dschihadisten, die in den letzten Jahren die Bundesrepublik in Richtung Nahost verlassen hat. Es f\u00e4llt schwer, sich umgekehrtes Szenario \u00fcberhaupt auszumalen. Was w\u00e4re wohl los, h\u00e4tte es nur ein Bruchteil arabischer Terroristen geschafft, bei uns Anschl\u00e4ge zu begehen? Europas \u201eMuslim Bann\u201c? \u00dcberwachungsstaat auf NSA-Niveau?<\/p>\n\n\n\n

Die CSU st\u00fcnde wom\u00f6glich am linken Ende des politischen Spektrums, und auf Twitter w\u00fcrde Trump deutsche Migrationspolitiker zur M\u00e4\u00dfigung aufrufen. Der deutsche Terror in Nahost kommt hingegen seit Jahren ganz ohne Sondersendungen, politische Debatten und Distanzierungsforderungen aus. <\/p>\n\n\n\n

Deutsche K\u00e4mpfer waren nicht nur willenloses Kanonenfutter<\/h2>\n\n\n\n

An fehlendem Wissen liegt das nicht. Von ganzen Einheiten des IS, in denen kein einziger K\u00e4mpfer Arabisch spreche, berichten syrische, irakische und kurdische Soldaten schon seit Jahren. Von Aleppo \u00fcber Raqqa bis Mossul haben Aktivisten und Politiker immer wieder darauf hingewiesen, dass viele der schlimmsten M\u00f6rder in den Reihen des IS Europ\u00e4er sind. Interessiert hat das hier kaum jemand.<\/p>\n\n\n\n

Dabei dienten Deutsche dem Islamischen Staats nicht nur als willenloses Kanonenfutter, wie es oft dargestellt wird. Viele haben seinen Terror mitgepr\u00e4gt. Wie Martin L., der derzeit in kurdischer Haft sitzt. Der Schwei\u00dfer aus Sachsen-Anhalt soll sich vom Folterknecht bis zum Geheimdienstler mit Kontakten bis in die F\u00fchrungsspitze der Terrororganisation hochgearbeitet haben.<\/p>\n\n\n\n

Oder Reda S., Der Prediger aus Berlin-Charlottenburg soll dem IS in Mossul als Bildungsminister gedient haben. Oder der Berliner Ex-Rapper Denis Cuspert, der zu den wichtigsten Personen in der IS-Medienorganisation Al-Hayat geh\u00f6rte. Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Beh\u00f6rden wussten gut Bescheid<\/h2>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich entstand der Islamische Staat nicht in deutschen Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen. Zur deutschen Verantwortung geh\u00f6rt aber auch, dass Politiker und Beh\u00f6rden lange wegschauten, solang nur die T\u00e4ter, aber nicht die Opfer Deutsche waren. Beh\u00f6rden wissen und wussten erschreckend gut Bescheid \u00fcber die Radikalisierung deutscher Islamisten. Ein Gro\u00dfteil der sp\u00e4teren IS-K\u00e4mpfer war polizeibekannt, stand auf Gef\u00e4hrderlisten oder hatte wegen islamistischer Straftaten bereits Haftstrafen verb\u00fc\u00dft. An der Ausreise gehindert wurden sie oftmals dennoch nicht. Die Gefahr, die von deutschen Terroristen ausgeht, interessierte Politik und \u00d6ffentlichkeit erst dann wieder, als ihre Einreise drohte.<\/p>\n\n\n\n

\"Fabian
Fabian Goldmann<\/strong> ist Journalist und Islamwissenschaftler. F\u00fcr verschiedene Magazine und Zeitungen berichtete er viele Jahre aus Nahost. Zurzeit widmet er sich vor allem dem Islam diesseits des Bosporus. Auf seinem Blog Schantall und die Scharia<\/a> bloggt er \u00fcber Islamophobie in Deutschland.<\/p>\n","post_title":"Es sind unsere Terroristen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"es-sind-unsere-terroristen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3703","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3700,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:19:36","post_date_gmt":"2020-08-13 21:19:36","post_content":"\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda? Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda t<\/p>\n\n\n\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda tritt an die Stelle der 2010 verabschiedeten Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014 (siehe IP\/10\/1535<\/a>). In der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda f\u00fcr den Zeitraum 2015-2020 skizziert die Europ\u00e4ische Kommission die Strategie der Union zur Bew\u00e4ltigung der Sicherheitsbedrohungen in der EU.<\/p>\n\n\n\n

Die EU und ihre Mitgliedstaaten sind mit betr\u00e4chtlichen Sicherheitsproblemen konfrontiert. Terrorismus, organisierte Kriminalit\u00e4t und Cyberkriminalit\u00e4t stellen eine zunehmende Gefahr f\u00fcr die europ\u00e4ische Gesellschaft dar, wobei sich Art und Ausma\u00df dieser Gefahr ver\u00e4ndert hat. Europa ist mit den Auswirkungen der politischen Instabilit\u00e4t in seiner unmittelbaren Nachbarschaft konfrontiert, die die Sicherheitsinteressen der EU gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n

Im Zuge der Krisen und Konflikte in Syrien, Irak und Libyen haben sich europ\u00e4ische B\u00fcrger terroristischen Gruppen angeschlossen, die bei ihrer R\u00fcckkehr eine erhebliche Bedrohung darstellen k\u00f6nnen. Die j\u00fcngsten terroristischen Anschl\u00e4ge in Europa zeugen von der zunehmenden Bedrohung durch einen gewaltt\u00e4tigen Extremismus und zeigen, in welchem Ausma\u00df weltweite Konflikte zur Radikalisierung der europ\u00e4ischen B\u00fcrger beitragen.<\/p>\n\n\n\n

Das Online-Umfeld hat sich zunehmend als Ziel f\u00fcr Kriminelle und Terroristen entwickelt. Unabh\u00e4ngig davon, ob es um die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und die Anwerbung von Menschen f\u00fcr terroristische Organisationen geht oder die Verbreitung von Hass oder einen Angriff auf die europ\u00e4ischen Werte und Institutionen, fest steht, dass wir unsere Reaktion auf diese Bedrohungen unbedingt abstimmen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Welcher Mehrwert entsteht durch die EU im Bereich der inneren Sicherheit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Gew\u00e4hrleistung der inneren Sicherheit f\u00e4llt weiterhin in erster Linie in die Zust\u00e4ndigkeit der Mitgliedstaaten. Allerdings werden die Bedrohungen f\u00fcr Europas B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger immer vielf\u00e4ltiger und betreffen in zunehmendem Ma\u00dfe mehrere Mitgliedstaaten. Einzelne Mitgliedstaaten haben die Verantwortung, die Sicherheit an den Au\u00dfengrenzen zu gew\u00e4hrleisten, sind aber nicht mehr in der Lage, diese Herausforderungen allein zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n

Kriminelle und terroristische Aktivit\u00e4ten machen nicht an den Grenzen der EU halt und beschr\u00e4nken sich auch nicht auf Nachbarregionen. Die innere Sicherheit der EU und die globale Sicherheit sind voneinander abh\u00e4ngig und miteinander verkn\u00fcpft. Die Sicherheit der Union h\u00e4ngt in hohem Ma\u00dfe von der Zusammenarbeit mit ihren internationalen Partnern und ihren Nachbarl\u00e4ndern ab.<\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t und des Terrorismus ist eine gemeinsame europ\u00e4ische Aufgabe. Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda sollte von den Mitgliedstaaten und den EU-Organen gemeinsam als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und gemeinsame Ma\u00dfnahmen der Union genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n

Mit Hilfe der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda werden die Polizei- und Strafverfolgungsdienste in verschiedenen Mitgliedstaaten Daten effektiver austauschen und bei der Bek\u00e4mpfung der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t besser zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Die Mitgliedstaaten k\u00f6nnen auf die Unterst\u00fctzung durch die Agenturen der EU z\u00e4hlen. Insbesondere in folgenden Punkten l\u00e4sst sich mit Hilfe der Sicherheitsagenda ein EU-Mehrwert erzielen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n

A) Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und den EU-Agenturen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1<\/strong>: Das Schengener Informationssystem<\/strong> (SIS) wird von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Abfrage von Ausschreibungen von gesuchten oder vermissten Personen und Gegenst\u00e4nden genutzt. Die Kommission wird an der Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Ausschreibungskategorien arbeiten und sich daf\u00fcr einsetzen, dass das SIS zusammen mit der Interpol-Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD)<\/strong> umfassender genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Ein solcher \u201eM\u00e4rtyrer\u201c wollte Abu Fazel allerdings nicht werden. Er floh eine Woche vor dem Beginn seiner dreimonatigen Kampfausbildung. Es war ihm lieber, ein Leben auf der Flucht zu verbringen, als in Syrien unschuldige Menschen f\u00fcr einen Diktator zu t\u00f6ten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch kam zu dem Schluss, dass ich nicht als M\u00f6rder weiterleben k\u00f6nnte. Stets dachte ich mir, dass selbst die schlimmsten Al-Qaida- oder IS-Terroristen Kinder haben k\u00f6nnten, die ihren Vater lieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Fazel verlor seinen eigenen Vater bereits sehr fr\u00fch. Er wurde Opfer des B\u00fcrgerkriegs in Afghanistan, der von 1989 bis 2001 tausende Menschen das Leben kostete. Auch der Iran mischte in der Zeit schon mit. Es ist allgemein bekannt, dass die schiitischen Hazara-Milizen, die den B\u00fcrgerkrieg ebenfalls mitanfachten, von der Regierung in Teheran unterst\u00fctzt wurden.<\/p>\n\n\n\n

Als Abu Fazel sich nun entschloss, aus der Gewaltspirale auszusteigen und nicht in Syrien zu k\u00e4mpfen, wuchs die Angst bei seiner Familie. Denn f\u00fcr die iranischen Beh\u00f6rden gilt: Hat man sich einmal gemeldet, gibt es kein zur\u00fcck. Man muss an die Front nach Syrien \u2013 oder wird zur\u00fcck nach Afghanistan abgeschoben, wo ebenfalls Krieg herrscht.<\/p>\n\n\n\n

Der einzige Ausweg f\u00fcr den jungen Afghanen war die Flucht. \u00dcber die T\u00fcrkei, Griechenland und die Balkranroute erreichte er mit gro\u00dfer M\u00fche Deutschland, wo er einen Asylantrag stellte.<\/p>\n\n\n\n

Erster Asylantrag in Deutschland abgelehnt<\/h2>\n\n\n\n

Als Grund nannte er seine Rekrutierung als Kindersoldat seitens des iranischen Regimes. Doch w\u00e4hrend diese Begr\u00fcndung in Abu Fazels Augen v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich war, sahen deutsche Beh\u00f6rden das anders. Sein erster Antrag wurde abgelehnt. Derzeit versucht er es ein zweites Mal. Die Bundesrepublik schiebt afghanische Gefl\u00fcchtete weiterhin ab.<\/p>\n\n\n\n

\"EinAbschiebung von Afghanen im Dezember 2016 mit einem Charterflug von Frankfurt nach Kabul. (dpa \/picture alliance \/ Boris Roessler)<\/p>\n\n\n\n

Die Verantwortlichen weisen in diesem Kontext immer wieder auf vermeintlich \u201esichere Gebiete\u201c im Land, die nicht n\u00e4her benannt werden.<\/p>\n\n\n\n

W\u00e4hrenddessen machen Menschenrechtsorganisationen regelm\u00e4\u00dfig darauf aufmerksam, dass keine Region am Hindukusch sicher ist. Stattdessen wird in manchen Gebieten nur weniger Krieg gef\u00fchrt als in anderen.<\/p>\n\n\n\n

\"SieDemonstranten protestieren in Frankfurt am Main gegen die Abschiebung von Afghanen. Auf einem der Transparente steht \u201eAfghanistan is not safe\u201c. (AFP \/ Daniel Roland)<\/p>\n\n\n\n

Alis Vater und Onkel k\u00e4mpfen in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein \u00e4hnliches Schicksal wie Abu Fazel erlitt der 18-j\u00e4hrige Ali (Namen ge\u00e4ndert). Auch er floh aus dem Iran nach Deutschland, um der Rekrutierung f\u00fcr Assads Milizen zu entgehen. Viele seiner afghanischen Freunde sind bereits nach Syrien gezogen \u2013 und kamen niemals zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Alis Familie, ebenfalls Angeh\u00f6rige der Hazara-Minderheit, stammt urspr\u00fcnglich aus der Provinz Ghor im Nordosten Afghanistans. Ihre Heimat verlie\u00dfen sie w\u00e4hrend der sowjetischen Besatzung in den 1980er-Jahren.<\/p>\n\n\n\n

Seit jeher lebt die Familie in der iranischen Gro\u00dfstadt Maschhad. Als der Krieg in Syrien ausbrach, erreichte sie ein Konflikt, mit dem sie nicht gerechnet hatten. Im Juli 2015 reiste Alis Vater nach Teheran. Er wollte einen Weg finden, um f\u00fcr seine Familie Aufenthaltspapiere zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Beh\u00f6rden sagten ihm, dass die Rekrutierung f\u00fcr den Krieg in Syrien eine M\u00f6glichkeit darstellen k\u00f6nnte, um Papiere f\u00fcr uns alle zu erhalten. Andernfalls w\u00fcrde man uns sehr bald nach Afghanistan abschieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Mittlerweile k\u00e4mpfen Alis Vater und sein Onkel seit \u00fcber einem Jahr in Syrien. Am Aufenthaltsstatus seiner Familienmitglieder hat sich bis heute allerdings nichts ge\u00e4ndert. F\u00fcr Ali ist klar, dass dies nur eine Falle gewesen ist, um noch mehr Afghanen als Kanonenfutter zu missbrauchen.<\/p>\n\n\n\n

Anfangs gab es Papiere f\u00fcr K\u00e4mpfer-Familien<\/h2>\n\n\n\n

Den Kontakt zu seinem Vater hat der Afghane mittlerweile verloren. W\u00e4hrenddessen schickt ihm sein Onkel, der in Aleppo stationiert ist, hin und wieder Bilder \u00fcber den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ali denkt, dass nur sehr wenige Afghanen der Propaganda der iranischen Regierung glauben und in Syrien f\u00fcr eine \u201egute Sache\u201c k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

Source<\/a><\/p>\n","post_title":"Warum Afghanen in Syrien f\u00fcr Assad k\u00e4mpfen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"warum-afghanen-in-syrien-fur-assad-kampfen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3709","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3706,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:27:40","post_date_gmt":"2020-08-13 21:27:40","post_content":"\n

Kinder, Frauen, Jesiden \u2013 wer \u00fcberlebt hat, berichtet von Folter, Vergewaltigungen und Gehirnw\u00e4sche. Rund drei Jahre dauerte die Schreckensherrschaft der IS-Miliz in Syrien und Irak. Der Wiederaufbau wird l\u00e4nger dauern und mehr umfassen als H\u00e4user.<\/p>\n\n\n\n

Der Fluss Tigris durchzieht die zweitgr\u00f6\u00dfte Stadt des Iraks und teilt Mosul in Ost und West. Das Westufer ist von Zerst\u00f6rung gezeichnet, die Altstadt nicht mehr als eine einzige graue Tr\u00fcmmerlandschaft. Seit den letzten Bombardements im Juli 2017 kann hier niemand mehr wohnen.<\/p>\n\n\n\n

Die Nouri-Moschee, von deren Kanzel Abu Bakr al-Baghdadi im Juli 2014 sein Kalifat ausrief, hatte die IS-Miliz auf ihrem R\u00fcckzug vorsorglich selbst in die Luft gesprengt, um den Gegnern diesen besonderen Triumph zu verwehren.<\/p>\n\n\n\n

\"ImIm Juli 2017 erobert die irakische Armee Mossul zur\u00fcck. Ruinen sind zu sehen. Ein K\u00e4mpfer der IS-Miliz hat sich ergeben. (Imago \/ Carol Guzy)<\/p>\n\n\n\n

Es ist fraglich, ob die Altstadt dem Original getreu wieder aufgebaut werden kann. Bagdad will demn\u00e4chst \u2013 im Rahmen einer gro\u00dfen Wiederaufbau-Konferenz \u2013 bekannt geben, welche Pl\u00e4ne es hat. Derzeit gilt als gro\u00dfer Fortschritt, dass die Tr\u00fcmmerlandschaft in Teilen wieder begehbar ist \u2013 nachdem mit internationaler Hilfe zahllose Sprengs\u00e4tze beseitigt wurden.<\/p>\n\n\n\n

In Ost-Mossul gibt es weniger Zerst\u00f6rungen<\/h2>\n\n\n\n

J\u00fcngste Sch\u00e4tzungen der Vereinten Nationen besagen, dass es noch Jahre dauern wird, bis alle Minen ger\u00e4umt sind. Solange werden die einstigen Bewohner nicht zur\u00fcckkehren k\u00f6nnen. Manche von ihnen haben Gl\u00fcck im Ungl\u00fcck: Sie haben \u00fcberlebt und sind auf der anderen Seite des Tigris untergekommen, im Osten der Stadt. Der war schon im Januar 2017 von den Terroristen befreit worden. Erstaunlich ist: Dieser Teil Mosuls wirkt fast so, als w\u00e4re der \u201eIS\u201c niemals hier gewesen und als h\u00e4tte es keinen Krieg gegeben.<\/p>\n\n\n\n

\"ImIm Osten Mossuls gibt es weniger Zerst\u00f6rungen als im Westteil. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

Die Zerst\u00f6rungen beschr\u00e4nken sich auf strategisch-wichtige Punkte oder Geb\u00e4ude, in denen sich die Terroristen verschanzt hatten: Br\u00fccken, Moscheen, Krankenh\u00e4user. Doch im Basar herrscht fast so etwas wie Normalit\u00e4t. An St\u00e4nden kaufen Menschen ein \u2013 Obst, Gem\u00fcse, Reis und Nudeln, Backwaren. Kinder schlecken ein Eis. Abu Muhammad, ein ehemaliger Physiklehrer, erkl\u00e4rt, warum der Basar so anders ist als erwartet:<\/p>\n\n\n\n

\u201eDas Leben hatte nie aufgeh\u00f6rt in Mosul. Wir haben weitergelebt. Drei Jahre wurden wir vom \u201aIS\u2018 beherrscht, doch die normalen Leute hatten nichts damit zu tun. Daher kam der Alltag schnell zur\u00fcck. Die Soldaten sind gekommen, haben den Basar wieder aufgemacht und das Leben ging weiter.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Im Osten findet sich heute all das wieder, was die Terror-Miliz unterdr\u00fcckt hatte und bei Missachtung grausam ahndete: Musik in Restaurants und Caf\u00e9s; Sim-Karten f\u00fcr Handys; Internet; Fris\u00f6re, die Haare schneiden, B\u00e4rte stutzen oder gar abrasieren. Und doch: Trotz des lebendigen Treibens wirken Angst und Schrecken nach. Abu Muhammad, fr\u00fch ergraut, erinnert sich:<\/p>\n\n\n\n

\u201eWir haben uns gef\u00fchlt wie zwischen Leben und Tod. Irgendwo dazwischen. Sie haben vom \u201aIS\u2018 geh\u00f6rt; wir haben ihn erlebt: Wir haben erlebt, wie sie mordeten, wie sie Leute aufh\u00e4ngten, wir haben den Krieg erlebt. Wir haben alles gesehen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Mohammed stammt aus dem zerst\u00f6rten Westen der Stadt. Er wohnt heute im Osten. Verwandte haben ihn und seine Familie aufgenommen. So wie ihm ergeht es auch anderen Vertriebenen. Sie leben bei Verwandten und Freunden. Oder in einem der vielen Lager. 700.000 Menschen haben ihr Zuhause verloren \u2013 eine Zahl, die f\u00fcr West-Mosul gilt. Insgesamt gehen die Vereinten Nationen von fast sechs Millionen Menschen aus, die im Irak vor dem \u201aIS\u2018 geflohen sind \u2013 die H\u00e4lfte von ihnen bis heute fern von ihrem Zuhause.<\/p>\n\n\n\n

Binnenfl\u00fcchtlinge im Lager Khabartu<\/h2>\n\n\n\n

Zelte soweit das Auge reicht. Abertausende. Inmitten von Steppe. Das Leben der Menschen ist hart. Sie darben, frieren und verdorren \u2013 wenn im Winter der kalte Wind durch die Steppe fegt und im Sommer die Sonne niederbrennt. Doch sie harren aus, haben wenig Hoffnung auf baldige R\u00fcckkehr. Die meisten kamen 2014 \u2013 hierher, ins Lager Khabartu in Irakisch-Kurdistan.<\/p>\n\n\n\n

\"DasDas Lager Khabartu f\u00fcr irakische Binnenfl\u00fcchtlinge. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

2014, als der \u201eIS\u201c den Nord-Irak \u00fcberfiel. In einem der Zelte lebt auch die Familie von Thomas Abdallah Hammou. Thomas war auf der Flucht von seiner Familie getrennt und von den Dschihadisten verschleppt worden. Damals war er acht Jahre alt. Ein Kind. Drei Jahre blieb er in Geiselhaft, lebte in Mosul.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollten nicht, dass wir spielen. Sie mochten es nicht. Ich habe keine Schule besucht, aber sie gaben uns Koran-Unterricht. Jeden Tag.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas musste seinem eigenen, dem jesidischen Glauben abschw\u00f6ren. Weil der \u201eIS\u201c die Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c betrachtet. Und \u201eUngl\u00e4ubige\u201c, so die Auffassung der Terroristen, m\u00fcssen zwangsbekehrt werden. Oder get\u00f6tet. Die Terroristen hatten dementsprechend die Jesiden entweder an Ort und Stelle ermordet, die meisten im Sinjar, im alten Siedlungsgebiet der Jesiden im Nord-Irak. Tausende. 47 Massengr\u00e4ber sollen mittlerweile gefunden worden sein. Oder aber die Terroristen lie\u00dfen die Jesiden am Leben und nahmen sie in Geiselhaft. Sie machten aus ihnen Sexsklavinnen oder sie bildeten sie aus \u2013 zu Selbstmordattent\u00e4tern. Wie Thomas.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie haben uns st\u00e4ndig geschlagen. Wir mussten Schie\u00dfen \u00fcben. Zwei meiner Freunde haben sich in die Luft gesprengt. Sie sind zum Training. Doch sie kamen nicht zur\u00fcck. Ich war nicht traurig. Sie wollten sich ja in die Luft sprengen. Die \u201aIS\u2018-Leute hatten es nicht von ihnen verlangt. Sie sind freiwillig gegangen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas hat heute einen modernen Haarschnitt; der Nacken ist ausrasiert; der lange Pony in die Stirn gek\u00e4mmt. Im Sommer sah er noch anders aus, kurz nachdem Mosul befreit worden war. Bei einem Luftangriff der Anti-\u201eIS\u201c-Koalition wurde Thomas schwer verletzt aus Tr\u00fcmmern geborgen, dann operiert.<\/p>\n\n\n\n

\"ThomasThomas erholt sich von drei Jahren IS-Gefangenschaft. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

Arbeit mit \u201eDschihadisten-Kindern\u201c<\/h2>\n\n\n\n

Die \u00e4u\u00dferen Wunden sind heute verheilt. Doch wie sieht es aus mit den inneren, den seelischen Verletzungen? Thomas wurde von seiner Familie aufgenommen und bekommt Hilfe. Andere Kinder konnten nicht aufgefangen werden. Bis heute betrachten sie Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c \u2013 so wie es ihnen in der Geiselhaft eingeh\u00e4mmert wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie sind eine gro\u00dfe Gefahr f\u00fcr andere Kinder. Sie leben in Lagern, in einem Zelt, auf sechs mal vier Metern, oder noch weniger! Acht Geschwister, sie spielen zusammen, reden, sie indoktrinieren die anderen! Das ist ein Problem, das wir nicht l\u00f6sen k\u00f6nnen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Sara Hassan ist Sozialarbeiterin. Sie arbeitet in den Lagern, versucht M\u00e4dchen und Frauen, die jahrelang in Geiselhaft vergewaltigt wurden, zu helfen. Unz\u00e4hlige hatte der \u201eIS\u201c einst entf\u00fchrt. Sara arbeitet auch mit den sogenannten \u201eDschihadisten-Kindern\u201c. Sie erz\u00e4hlt, wie \u00fcberfordert alle seien: die Familien, die jesidische Gemeinschaft, die Gesellschaft des Nord-Irak.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIn einem anderen Fall hat sich die Familie am Ende an die Sicherheitskr\u00e4fte gewandt. Doch die wussten auch nicht, wie sie damit umgehen sollten. Monate lang hat die Familie versucht, den Jungen umzuerziehen, zusammen mit Sozialarbeitern. Aber noch immer sehen wir den Hass in seinen Augen \u2013 gegen\u00fcber Kurden, Christen und Jesiden. Als blicke man in die Augen eines IS-Terroristen. Das ist das Problem.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Die Jesiden k\u00f6nnen \u00fcber ihre vom \u201eIS\u201c indoktrinierten Kinder sprechen. Denn niemand zweifelt daran, dass sie Opfer der Tyrannei wurden. Bei den sunnitischen Arabern sieht das anders aus. Da sie derselben Religionsgruppe angeh\u00f6ren wie formal auch die Terroristen, stehen sie unter Generalverdacht, mit dem \u201eIS\u201c gemeinsame Sache gemacht zu haben. Sunnitische Araber trauen sich daher nicht, die Probleme ihrer Kinder \u00f6ffentlich zu machen \u2013 auch wenn sie selbst nichts mit dem \u201eIS\u201c zu tun hatten.<\/p>\n\n\n\n

Unklar ist, wie viele Kinder und Jugendliche im Irak und in Syrien zu Terroristen ausgebildet wurden, dabei noch in Geiselhaft sind oder bereits als \u201eSchl\u00e4fer\u201c darauf warten, zum Einsatz zu kommen. Sie gleichen \u201etickenden Zeitbomben\u201c, die jederzeit explodieren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

Minderheiten haben Angst vor \u201eIS\u201c-Nachfolgern<\/h2>\n\n\n\n

Kamaran Palani spricht davon, dass viele Menschen immer noch gehen wollen, obwohl der \u201eIS\u201c als staats\u00e4hnliches Gebilde nicht mehr besteht. Seine Saat aber, so der Politikwissenschaftler, sei aufgegangen.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollen einfach nicht in diesem Land bleiben. Der IS hat sie dazu gebracht. Jeder hat heute Angst, dass eine andere Organisation kommen wird, Terroristen, die dasselbe anrichten wie zuvor.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Palani forscht am \u201eMiddle East Research Institute\u201c, das seinen Sitz in Erbil hat, der Hauptstadt von Irakisch-Kurdistan. <\/p>\n\n\n\n

\u201e60 bis 65 Prozent der Christen wollen gehen. Das Gleiche gilt f\u00fcr andere Minderheiten: f\u00fcr Jesiden, Schabaks, Turkmenen, Kakais.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

\u201eWir werden niemals wieder mit den Arabern zusammenleben k\u00f6nnen!\u201c \u2013 ein Satz, der heute h\u00e4ufig im Nord-Irak zu h\u00f6ren ist. Gemeint sind die Iraker, die Sunniten und Araber sind \u2013 die einstmals Nachbarn von Jesiden, Christen und Kurden waren \u2013 mit denen man Handel trieb und Hochzeiten feierte, die auch Freunde waren.<\/p>\n\n\n\n

Der Irak ist eine multi-ethnische und multi-religi\u00f6se Gesellschaft, in der die Schiiten die Mehrheit stellen. \u00dcber Jahrhunderte aber hatten die sunnitischen Araber das Sagen, sie missbrauchten die Macht, errichteten ein Schreckensregime \u2013 bis 2003, als Diktator Saddam Hussein von den USA gest\u00fcrzt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c entstand aus Widerstand gegen Schiiten-Herrschaft<\/h2>\n\n\n\n

Jetzt wurde der Spie\u00df umgedreht. Die Amerikaner sorgten daf\u00fcr, dass die Sunniten jegliche Machtposition verloren \u2013 so wurde die irakische Armee, wurde die baathistische Partei aufgel\u00f6st \u2013 ohne ein Pendant zu schaffen, das alle integrierte. Und: Washington unterst\u00fctzte Regierungschef Nouri al-Maliki, einen Schiiten. Maliki sah eine historische Chance gekommen, diskriminierte nun seinerseits seine sunnitischen Landsleute, verwehrte ihnen im \u201eNeuen Irak\u201c die Mitsprache. Im Regime Malikis wurden Sunniten inhaftiert, gefoltert und umgebracht.<\/p>\n\n\n\n

Was viele in den Widerstand trieb. Einige schlossen sich der Terror-Organisation \u201eAl-Qaida\u201c an, unter ihnen f\u00fchrende Milit\u00e4rs der aufgel\u00f6sten Armee Saddam Husseins \u2013 und aus \u201eAl-Qaida\u201c ging sp\u00e4ter der \u201eIS\u201c hervor.<\/p>\n\n\n\n

Als der \u201eIS\u201c dann im Sommer 2014 fast ohne Gegenwehr weite Landstriche in Syrien und im Irak \u00fcberrannte und seinen \u201eStaat\u201c ausrief, sahen auch gew\u00f6hnliche sunnitische Araber einen Wechsel nahen. Viele machten gemeinsame Sache mit den Terroristen, verhinderten die Flucht jesidischer Nachbarn, lieferten sie ihren Schl\u00e4chtern aus. Kamaran Palani:<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c-K\u00e4mpfer haben gesagt, es gehe darum, die W\u00fcrde der sunnitischen Araber wiederherzustellen. Ihre Macht. Ihre Geschichte. Tats\u00e4chlich konnten es die Araber nicht hinnehmen, dass sie ins Abseits gedr\u00e4ngt wurden. Und ich denke, dass sie auch in Zukunft so handeln werden. Wann immer sich die Gelegenheit bietet: Sie werden alles hinter sich lassen \u2013 sich nur darauf konzentrieren.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Misstrauen. Auch bei einem Politikwissenschaftler. Was also tun? Zerst\u00f6rte St\u00e4dte und D\u00f6rfer k\u00f6nnten wieder aufgebaut werden \u2013 wenn denn ein gemeinsamer Wille best\u00fcnde. Doch was, wenn es einen solchen gemeinsamen Willen gar nicht gibt? Wenn Schmerz und Trauer anhalten, wenn die Verbrechen von Terroristen und Helfershelfern nicht geahndet werden, wenn Angst umgeht, Misstrauen und Hass das Miteinander bestimmen.<\/p>\n\n\n\n

\"SyrischeSoldaten in der irakischen Stadt Sindschar nach der R\u00fcckeroberung von der IS-Miliz Ende 2015. (dpa \/ MAXPPP \/ Arnaud Dumontier)<\/p>\n\n\n\n

Kamaran Palani stammt aus der Stadt Makhmour. Drei Tage nur sei der \u201eIS\u201c dort gewesen, sagt er, doch diese Tage h\u00e4tten alles ver\u00e4ndert. Der \u201eIS\u201c habe die Menschen in seiner Heimatstadt verrohen lassen, meint er, das Verh\u00e4ltnis zwischen Kurden und Arabern sei heute tot. Eine R\u00fcckkehr in alte Zeiten h\u00e4lt Palani f\u00fcr falsch.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch denke, es w\u00e4re nicht einfach, in das Jahr 2014 \u2013 also in die Zeit vor dem \u201aIS\u2018 \u2013 zur\u00fcckzukehren. Vor allem aber w\u00e4re es nicht die richtige Politik. Denn eben die hat ja erst zum Aufkommen, zur Existenz des \u201aIS\u2018 gef\u00fchrt.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n


Wie also in Ruinen Neues schaffen? Der Staat muss das Gewaltmonopol zur\u00fcckerlangen, fordert der Politikwissenschaftler. F\u00fcr ihn steht das an erster Stelle. Und dann m\u00fcsse der Staat dringend einen Kurswechsel vornehmen: Er m\u00fcsse integrativ wirken, alle einbinden, auch die Araber, in Sicherheitskr\u00e4fte, Verwaltung und Politik.<\/p>\n\n\n\n

Machtmonopol m\u00fcsste von Milizen zum Staat gehen<\/h2>\n\n\n\n

Die Realit\u00e4t sieht anders aus: Ein Staat Kurdistan, der neue Optionen m\u00f6glich gemacht h\u00e4tte, auch von den Minderheiten gew\u00fcnscht worden war, ist nicht entstanden. Bagdad aber ist fern, der Zentralstaat kaum existent, und wenn, dann ist er schiitisch dominiert. Es sind Milizen, die im Nord-Irak das Geschehen bestimmen, darum rivalisieren, das Machtvakuum zu f\u00fcllen, das durch die Vertreibung des \u201eIS\u201c entstanden ist. Einst im Kampf gegen die Terroristen geeint, sind die Milizen einander heute feind.<\/p>\n\n\n\n

Allen voran die \u201eHashd ash-Shaabi\u201c, schiitisch-irakische Milizen, deren Ausbilder und Kommandeure h\u00e4ufig Iraner sind. Bagdad hat die Haschd als regul\u00e4re Kraft im Kampf gegen den \u201eIS\u201c anerkannt \u2013 obwohl Menschenrechts-Organisationen schwere Vorw\u00fcrfe gegen sie erheben. Fest steht: Die schiitischen Milizen halten D\u00f6rfer besetzt, sind in Mosul f\u00fcr ihr herrisches Auftreten und ihre Willk\u00fcr bekannt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eTats\u00e4chlich sorgen die verschiedenen bewaffneten Gruppen daf\u00fcr, dass die Fl\u00fcchtlinge nicht zur\u00fcckkehren. Und weil sie nicht zur\u00fcckkehren, gibt es auch keinen Wiederaufbau. Die Menschen haben Angst vor den Milizen \u2013 auch davor, dass die einander bek\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die \u201eHashd\u201c m\u00fcssten mithin abziehen. Und mit ihnen die anderen Milizen. Das Machtmonopol m\u00fcsste an den Staat gehen. Doch der Irak ist auch Spielball der Regionalm\u00e4chte: Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien. Sie konkurrieren um Einfluss-Sph\u00e4ren, bedienen sich dabei verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Gruppen im Irak. Deswegen werden die Hashd nicht abziehen. Derzeit sind sie von der iranisch-irakischen Grenze im Osten \u00fcber Bagdad bis hoch zur irakisch-syrischen Grenze im Norden postiert. Einheiten Teherans k\u00f6nnten demnach auf dem Landweg vom Iran bis ans Mittelmeer durchmarschieren.<\/p>\n\n\n\n

Iran und Saudi-Arabien wollen Macht vergr\u00f6\u00dfern<\/h2>\n\n\n\n

Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n

In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n

Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3703,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:24:20","post_date_gmt":"2020-08-13 21:24:20","post_content":"\n

Deutschland str\u00e4ubt sich gegen die R\u00fcckkehr seiner eigenen Staatsb\u00fcrger, die zu IS-Terroristen wurden. Dabei hat die Bundesrepublik den Terror und die Terroristen einst exportiert. Und dies geschah wissentlich, sagt der Islamwissenschaftler Fabian Goldmann.<\/p>\n\n\n\n

Wann haben Sie sich eigentlich zuletzt von deutschen Terroristen distanziert? Zum Beispiel von Robert B.? Der Ex-Bundeswehrsoldat aus Solingen hat mutma\u00dflich bei einem Selbstmordattentat Anfang 2014 50 Menschen mit in den Tod gerissen. <\/p>\n\n\n\n

Oder von Yannik N.? Der junge Freiburger steuerte wahrscheinlich im Jahr 2015 einen mit anderthalb Tonnen Sprengstoff beladenen LKW in eine Menschenmenge und nahm so Dutzenden Personen das Leben.<\/p>\n\n\n\n

Oder von Yamin A.?. Im Sommer 2015 tauchte im Netz ein Video auf, das zeigte, wie der ehemalige Telekom-Azubi aus K\u00f6nigswinter zwei gefesselten Soldaten in den Kopf schoss.
Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Deutsche T\u00e4ter, aber kaum deutsche Opfer<\/h2>\n\n\n\n

Hauptsache nicht bei uns! Dies scheint auch dieser Tage wieder die Maxime zu sein, wenn Politiker und \u00d6ffentlichkeit \u00fcber den Umgang mit deutschen Terroristen diskutieren. Von potenziellen Bedrohungen und Anschlagsgefahren in Deutschland liest man dann. Vom ganz realen Terror, den Deutsche in den vergangenen Jahren \u00fcber die Menschen in Syrien und Irak gebracht haben, h\u00f6rt man hingegen kaum. Ein Terror, der kaum deutsche Opfer aber umso mehr deutsche T\u00e4ter kannte.<\/p>\n\n\n\n

1.050 \u2013 das ist laut Bundesinnenministerium die Anzahl der Dschihadisten, die in den letzten Jahren die Bundesrepublik in Richtung Nahost verlassen hat. Es f\u00e4llt schwer, sich umgekehrtes Szenario \u00fcberhaupt auszumalen. Was w\u00e4re wohl los, h\u00e4tte es nur ein Bruchteil arabischer Terroristen geschafft, bei uns Anschl\u00e4ge zu begehen? Europas \u201eMuslim Bann\u201c? \u00dcberwachungsstaat auf NSA-Niveau?<\/p>\n\n\n\n

Die CSU st\u00fcnde wom\u00f6glich am linken Ende des politischen Spektrums, und auf Twitter w\u00fcrde Trump deutsche Migrationspolitiker zur M\u00e4\u00dfigung aufrufen. Der deutsche Terror in Nahost kommt hingegen seit Jahren ganz ohne Sondersendungen, politische Debatten und Distanzierungsforderungen aus. <\/p>\n\n\n\n

Deutsche K\u00e4mpfer waren nicht nur willenloses Kanonenfutter<\/h2>\n\n\n\n

An fehlendem Wissen liegt das nicht. Von ganzen Einheiten des IS, in denen kein einziger K\u00e4mpfer Arabisch spreche, berichten syrische, irakische und kurdische Soldaten schon seit Jahren. Von Aleppo \u00fcber Raqqa bis Mossul haben Aktivisten und Politiker immer wieder darauf hingewiesen, dass viele der schlimmsten M\u00f6rder in den Reihen des IS Europ\u00e4er sind. Interessiert hat das hier kaum jemand.<\/p>\n\n\n\n

Dabei dienten Deutsche dem Islamischen Staats nicht nur als willenloses Kanonenfutter, wie es oft dargestellt wird. Viele haben seinen Terror mitgepr\u00e4gt. Wie Martin L., der derzeit in kurdischer Haft sitzt. Der Schwei\u00dfer aus Sachsen-Anhalt soll sich vom Folterknecht bis zum Geheimdienstler mit Kontakten bis in die F\u00fchrungsspitze der Terrororganisation hochgearbeitet haben.<\/p>\n\n\n\n

Oder Reda S., Der Prediger aus Berlin-Charlottenburg soll dem IS in Mossul als Bildungsminister gedient haben. Oder der Berliner Ex-Rapper Denis Cuspert, der zu den wichtigsten Personen in der IS-Medienorganisation Al-Hayat geh\u00f6rte. Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Beh\u00f6rden wussten gut Bescheid<\/h2>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich entstand der Islamische Staat nicht in deutschen Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen. Zur deutschen Verantwortung geh\u00f6rt aber auch, dass Politiker und Beh\u00f6rden lange wegschauten, solang nur die T\u00e4ter, aber nicht die Opfer Deutsche waren. Beh\u00f6rden wissen und wussten erschreckend gut Bescheid \u00fcber die Radikalisierung deutscher Islamisten. Ein Gro\u00dfteil der sp\u00e4teren IS-K\u00e4mpfer war polizeibekannt, stand auf Gef\u00e4hrderlisten oder hatte wegen islamistischer Straftaten bereits Haftstrafen verb\u00fc\u00dft. An der Ausreise gehindert wurden sie oftmals dennoch nicht. Die Gefahr, die von deutschen Terroristen ausgeht, interessierte Politik und \u00d6ffentlichkeit erst dann wieder, als ihre Einreise drohte.<\/p>\n\n\n\n

\"Fabian
Fabian Goldmann<\/strong> ist Journalist und Islamwissenschaftler. F\u00fcr verschiedene Magazine und Zeitungen berichtete er viele Jahre aus Nahost. Zurzeit widmet er sich vor allem dem Islam diesseits des Bosporus. Auf seinem Blog Schantall und die Scharia<\/a> bloggt er \u00fcber Islamophobie in Deutschland.<\/p>\n","post_title":"Es sind unsere Terroristen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"es-sind-unsere-terroristen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3703","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3700,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:19:36","post_date_gmt":"2020-08-13 21:19:36","post_content":"\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda? Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda t<\/p>\n\n\n\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda tritt an die Stelle der 2010 verabschiedeten Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014 (siehe IP\/10\/1535<\/a>). In der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda f\u00fcr den Zeitraum 2015-2020 skizziert die Europ\u00e4ische Kommission die Strategie der Union zur Bew\u00e4ltigung der Sicherheitsbedrohungen in der EU.<\/p>\n\n\n\n

Die EU und ihre Mitgliedstaaten sind mit betr\u00e4chtlichen Sicherheitsproblemen konfrontiert. Terrorismus, organisierte Kriminalit\u00e4t und Cyberkriminalit\u00e4t stellen eine zunehmende Gefahr f\u00fcr die europ\u00e4ische Gesellschaft dar, wobei sich Art und Ausma\u00df dieser Gefahr ver\u00e4ndert hat. Europa ist mit den Auswirkungen der politischen Instabilit\u00e4t in seiner unmittelbaren Nachbarschaft konfrontiert, die die Sicherheitsinteressen der EU gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n

Im Zuge der Krisen und Konflikte in Syrien, Irak und Libyen haben sich europ\u00e4ische B\u00fcrger terroristischen Gruppen angeschlossen, die bei ihrer R\u00fcckkehr eine erhebliche Bedrohung darstellen k\u00f6nnen. Die j\u00fcngsten terroristischen Anschl\u00e4ge in Europa zeugen von der zunehmenden Bedrohung durch einen gewaltt\u00e4tigen Extremismus und zeigen, in welchem Ausma\u00df weltweite Konflikte zur Radikalisierung der europ\u00e4ischen B\u00fcrger beitragen.<\/p>\n\n\n\n

Das Online-Umfeld hat sich zunehmend als Ziel f\u00fcr Kriminelle und Terroristen entwickelt. Unabh\u00e4ngig davon, ob es um die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und die Anwerbung von Menschen f\u00fcr terroristische Organisationen geht oder die Verbreitung von Hass oder einen Angriff auf die europ\u00e4ischen Werte und Institutionen, fest steht, dass wir unsere Reaktion auf diese Bedrohungen unbedingt abstimmen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Welcher Mehrwert entsteht durch die EU im Bereich der inneren Sicherheit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Gew\u00e4hrleistung der inneren Sicherheit f\u00e4llt weiterhin in erster Linie in die Zust\u00e4ndigkeit der Mitgliedstaaten. Allerdings werden die Bedrohungen f\u00fcr Europas B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger immer vielf\u00e4ltiger und betreffen in zunehmendem Ma\u00dfe mehrere Mitgliedstaaten. Einzelne Mitgliedstaaten haben die Verantwortung, die Sicherheit an den Au\u00dfengrenzen zu gew\u00e4hrleisten, sind aber nicht mehr in der Lage, diese Herausforderungen allein zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n

Kriminelle und terroristische Aktivit\u00e4ten machen nicht an den Grenzen der EU halt und beschr\u00e4nken sich auch nicht auf Nachbarregionen. Die innere Sicherheit der EU und die globale Sicherheit sind voneinander abh\u00e4ngig und miteinander verkn\u00fcpft. Die Sicherheit der Union h\u00e4ngt in hohem Ma\u00dfe von der Zusammenarbeit mit ihren internationalen Partnern und ihren Nachbarl\u00e4ndern ab.<\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t und des Terrorismus ist eine gemeinsame europ\u00e4ische Aufgabe. Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda sollte von den Mitgliedstaaten und den EU-Organen gemeinsam als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und gemeinsame Ma\u00dfnahmen der Union genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n

Mit Hilfe der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda werden die Polizei- und Strafverfolgungsdienste in verschiedenen Mitgliedstaaten Daten effektiver austauschen und bei der Bek\u00e4mpfung der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t besser zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Die Mitgliedstaaten k\u00f6nnen auf die Unterst\u00fctzung durch die Agenturen der EU z\u00e4hlen. Insbesondere in folgenden Punkten l\u00e4sst sich mit Hilfe der Sicherheitsagenda ein EU-Mehrwert erzielen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n

A) Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und den EU-Agenturen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1<\/strong>: Das Schengener Informationssystem<\/strong> (SIS) wird von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Abfrage von Ausschreibungen von gesuchten oder vermissten Personen und Gegenst\u00e4nden genutzt. Die Kommission wird an der Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Ausschreibungskategorien arbeiten und sich daf\u00fcr einsetzen, dass das SIS zusammen mit der Interpol-Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD)<\/strong> umfassender genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Lieber Flucht statt K\u00e4mpfer in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein solcher \u201eM\u00e4rtyrer\u201c wollte Abu Fazel allerdings nicht werden. Er floh eine Woche vor dem Beginn seiner dreimonatigen Kampfausbildung. Es war ihm lieber, ein Leben auf der Flucht zu verbringen, als in Syrien unschuldige Menschen f\u00fcr einen Diktator zu t\u00f6ten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch kam zu dem Schluss, dass ich nicht als M\u00f6rder weiterleben k\u00f6nnte. Stets dachte ich mir, dass selbst die schlimmsten Al-Qaida- oder IS-Terroristen Kinder haben k\u00f6nnten, die ihren Vater lieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Fazel verlor seinen eigenen Vater bereits sehr fr\u00fch. Er wurde Opfer des B\u00fcrgerkriegs in Afghanistan, der von 1989 bis 2001 tausende Menschen das Leben kostete. Auch der Iran mischte in der Zeit schon mit. Es ist allgemein bekannt, dass die schiitischen Hazara-Milizen, die den B\u00fcrgerkrieg ebenfalls mitanfachten, von der Regierung in Teheran unterst\u00fctzt wurden.<\/p>\n\n\n\n

Als Abu Fazel sich nun entschloss, aus der Gewaltspirale auszusteigen und nicht in Syrien zu k\u00e4mpfen, wuchs die Angst bei seiner Familie. Denn f\u00fcr die iranischen Beh\u00f6rden gilt: Hat man sich einmal gemeldet, gibt es kein zur\u00fcck. Man muss an die Front nach Syrien \u2013 oder wird zur\u00fcck nach Afghanistan abgeschoben, wo ebenfalls Krieg herrscht.<\/p>\n\n\n\n

Der einzige Ausweg f\u00fcr den jungen Afghanen war die Flucht. \u00dcber die T\u00fcrkei, Griechenland und die Balkranroute erreichte er mit gro\u00dfer M\u00fche Deutschland, wo er einen Asylantrag stellte.<\/p>\n\n\n\n

Erster Asylantrag in Deutschland abgelehnt<\/h2>\n\n\n\n

Als Grund nannte er seine Rekrutierung als Kindersoldat seitens des iranischen Regimes. Doch w\u00e4hrend diese Begr\u00fcndung in Abu Fazels Augen v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich war, sahen deutsche Beh\u00f6rden das anders. Sein erster Antrag wurde abgelehnt. Derzeit versucht er es ein zweites Mal. Die Bundesrepublik schiebt afghanische Gefl\u00fcchtete weiterhin ab.<\/p>\n\n\n\n

\"EinAbschiebung von Afghanen im Dezember 2016 mit einem Charterflug von Frankfurt nach Kabul. (dpa \/picture alliance \/ Boris Roessler)<\/p>\n\n\n\n

Die Verantwortlichen weisen in diesem Kontext immer wieder auf vermeintlich \u201esichere Gebiete\u201c im Land, die nicht n\u00e4her benannt werden.<\/p>\n\n\n\n

W\u00e4hrenddessen machen Menschenrechtsorganisationen regelm\u00e4\u00dfig darauf aufmerksam, dass keine Region am Hindukusch sicher ist. Stattdessen wird in manchen Gebieten nur weniger Krieg gef\u00fchrt als in anderen.<\/p>\n\n\n\n

\"SieDemonstranten protestieren in Frankfurt am Main gegen die Abschiebung von Afghanen. Auf einem der Transparente steht \u201eAfghanistan is not safe\u201c. (AFP \/ Daniel Roland)<\/p>\n\n\n\n

Alis Vater und Onkel k\u00e4mpfen in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein \u00e4hnliches Schicksal wie Abu Fazel erlitt der 18-j\u00e4hrige Ali (Namen ge\u00e4ndert). Auch er floh aus dem Iran nach Deutschland, um der Rekrutierung f\u00fcr Assads Milizen zu entgehen. Viele seiner afghanischen Freunde sind bereits nach Syrien gezogen \u2013 und kamen niemals zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Alis Familie, ebenfalls Angeh\u00f6rige der Hazara-Minderheit, stammt urspr\u00fcnglich aus der Provinz Ghor im Nordosten Afghanistans. Ihre Heimat verlie\u00dfen sie w\u00e4hrend der sowjetischen Besatzung in den 1980er-Jahren.<\/p>\n\n\n\n

Seit jeher lebt die Familie in der iranischen Gro\u00dfstadt Maschhad. Als der Krieg in Syrien ausbrach, erreichte sie ein Konflikt, mit dem sie nicht gerechnet hatten. Im Juli 2015 reiste Alis Vater nach Teheran. Er wollte einen Weg finden, um f\u00fcr seine Familie Aufenthaltspapiere zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Beh\u00f6rden sagten ihm, dass die Rekrutierung f\u00fcr den Krieg in Syrien eine M\u00f6glichkeit darstellen k\u00f6nnte, um Papiere f\u00fcr uns alle zu erhalten. Andernfalls w\u00fcrde man uns sehr bald nach Afghanistan abschieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Mittlerweile k\u00e4mpfen Alis Vater und sein Onkel seit \u00fcber einem Jahr in Syrien. Am Aufenthaltsstatus seiner Familienmitglieder hat sich bis heute allerdings nichts ge\u00e4ndert. F\u00fcr Ali ist klar, dass dies nur eine Falle gewesen ist, um noch mehr Afghanen als Kanonenfutter zu missbrauchen.<\/p>\n\n\n\n

Anfangs gab es Papiere f\u00fcr K\u00e4mpfer-Familien<\/h2>\n\n\n\n

Den Kontakt zu seinem Vater hat der Afghane mittlerweile verloren. W\u00e4hrenddessen schickt ihm sein Onkel, der in Aleppo stationiert ist, hin und wieder Bilder \u00fcber den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ali denkt, dass nur sehr wenige Afghanen der Propaganda der iranischen Regierung glauben und in Syrien f\u00fcr eine \u201egute Sache\u201c k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

Source<\/a><\/p>\n","post_title":"Warum Afghanen in Syrien f\u00fcr Assad k\u00e4mpfen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"warum-afghanen-in-syrien-fur-assad-kampfen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3709","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3706,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:27:40","post_date_gmt":"2020-08-13 21:27:40","post_content":"\n

Kinder, Frauen, Jesiden \u2013 wer \u00fcberlebt hat, berichtet von Folter, Vergewaltigungen und Gehirnw\u00e4sche. Rund drei Jahre dauerte die Schreckensherrschaft der IS-Miliz in Syrien und Irak. Der Wiederaufbau wird l\u00e4nger dauern und mehr umfassen als H\u00e4user.<\/p>\n\n\n\n

Der Fluss Tigris durchzieht die zweitgr\u00f6\u00dfte Stadt des Iraks und teilt Mosul in Ost und West. Das Westufer ist von Zerst\u00f6rung gezeichnet, die Altstadt nicht mehr als eine einzige graue Tr\u00fcmmerlandschaft. Seit den letzten Bombardements im Juli 2017 kann hier niemand mehr wohnen.<\/p>\n\n\n\n

Die Nouri-Moschee, von deren Kanzel Abu Bakr al-Baghdadi im Juli 2014 sein Kalifat ausrief, hatte die IS-Miliz auf ihrem R\u00fcckzug vorsorglich selbst in die Luft gesprengt, um den Gegnern diesen besonderen Triumph zu verwehren.<\/p>\n\n\n\n

\"ImIm Juli 2017 erobert die irakische Armee Mossul zur\u00fcck. Ruinen sind zu sehen. Ein K\u00e4mpfer der IS-Miliz hat sich ergeben. (Imago \/ Carol Guzy)<\/p>\n\n\n\n

Es ist fraglich, ob die Altstadt dem Original getreu wieder aufgebaut werden kann. Bagdad will demn\u00e4chst \u2013 im Rahmen einer gro\u00dfen Wiederaufbau-Konferenz \u2013 bekannt geben, welche Pl\u00e4ne es hat. Derzeit gilt als gro\u00dfer Fortschritt, dass die Tr\u00fcmmerlandschaft in Teilen wieder begehbar ist \u2013 nachdem mit internationaler Hilfe zahllose Sprengs\u00e4tze beseitigt wurden.<\/p>\n\n\n\n

In Ost-Mossul gibt es weniger Zerst\u00f6rungen<\/h2>\n\n\n\n

J\u00fcngste Sch\u00e4tzungen der Vereinten Nationen besagen, dass es noch Jahre dauern wird, bis alle Minen ger\u00e4umt sind. Solange werden die einstigen Bewohner nicht zur\u00fcckkehren k\u00f6nnen. Manche von ihnen haben Gl\u00fcck im Ungl\u00fcck: Sie haben \u00fcberlebt und sind auf der anderen Seite des Tigris untergekommen, im Osten der Stadt. Der war schon im Januar 2017 von den Terroristen befreit worden. Erstaunlich ist: Dieser Teil Mosuls wirkt fast so, als w\u00e4re der \u201eIS\u201c niemals hier gewesen und als h\u00e4tte es keinen Krieg gegeben.<\/p>\n\n\n\n

\"ImIm Osten Mossuls gibt es weniger Zerst\u00f6rungen als im Westteil. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

Die Zerst\u00f6rungen beschr\u00e4nken sich auf strategisch-wichtige Punkte oder Geb\u00e4ude, in denen sich die Terroristen verschanzt hatten: Br\u00fccken, Moscheen, Krankenh\u00e4user. Doch im Basar herrscht fast so etwas wie Normalit\u00e4t. An St\u00e4nden kaufen Menschen ein \u2013 Obst, Gem\u00fcse, Reis und Nudeln, Backwaren. Kinder schlecken ein Eis. Abu Muhammad, ein ehemaliger Physiklehrer, erkl\u00e4rt, warum der Basar so anders ist als erwartet:<\/p>\n\n\n\n

\u201eDas Leben hatte nie aufgeh\u00f6rt in Mosul. Wir haben weitergelebt. Drei Jahre wurden wir vom \u201aIS\u2018 beherrscht, doch die normalen Leute hatten nichts damit zu tun. Daher kam der Alltag schnell zur\u00fcck. Die Soldaten sind gekommen, haben den Basar wieder aufgemacht und das Leben ging weiter.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Im Osten findet sich heute all das wieder, was die Terror-Miliz unterdr\u00fcckt hatte und bei Missachtung grausam ahndete: Musik in Restaurants und Caf\u00e9s; Sim-Karten f\u00fcr Handys; Internet; Fris\u00f6re, die Haare schneiden, B\u00e4rte stutzen oder gar abrasieren. Und doch: Trotz des lebendigen Treibens wirken Angst und Schrecken nach. Abu Muhammad, fr\u00fch ergraut, erinnert sich:<\/p>\n\n\n\n

\u201eWir haben uns gef\u00fchlt wie zwischen Leben und Tod. Irgendwo dazwischen. Sie haben vom \u201aIS\u2018 geh\u00f6rt; wir haben ihn erlebt: Wir haben erlebt, wie sie mordeten, wie sie Leute aufh\u00e4ngten, wir haben den Krieg erlebt. Wir haben alles gesehen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Mohammed stammt aus dem zerst\u00f6rten Westen der Stadt. Er wohnt heute im Osten. Verwandte haben ihn und seine Familie aufgenommen. So wie ihm ergeht es auch anderen Vertriebenen. Sie leben bei Verwandten und Freunden. Oder in einem der vielen Lager. 700.000 Menschen haben ihr Zuhause verloren \u2013 eine Zahl, die f\u00fcr West-Mosul gilt. Insgesamt gehen die Vereinten Nationen von fast sechs Millionen Menschen aus, die im Irak vor dem \u201aIS\u2018 geflohen sind \u2013 die H\u00e4lfte von ihnen bis heute fern von ihrem Zuhause.<\/p>\n\n\n\n

Binnenfl\u00fcchtlinge im Lager Khabartu<\/h2>\n\n\n\n

Zelte soweit das Auge reicht. Abertausende. Inmitten von Steppe. Das Leben der Menschen ist hart. Sie darben, frieren und verdorren \u2013 wenn im Winter der kalte Wind durch die Steppe fegt und im Sommer die Sonne niederbrennt. Doch sie harren aus, haben wenig Hoffnung auf baldige R\u00fcckkehr. Die meisten kamen 2014 \u2013 hierher, ins Lager Khabartu in Irakisch-Kurdistan.<\/p>\n\n\n\n

\"DasDas Lager Khabartu f\u00fcr irakische Binnenfl\u00fcchtlinge. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

2014, als der \u201eIS\u201c den Nord-Irak \u00fcberfiel. In einem der Zelte lebt auch die Familie von Thomas Abdallah Hammou. Thomas war auf der Flucht von seiner Familie getrennt und von den Dschihadisten verschleppt worden. Damals war er acht Jahre alt. Ein Kind. Drei Jahre blieb er in Geiselhaft, lebte in Mosul.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollten nicht, dass wir spielen. Sie mochten es nicht. Ich habe keine Schule besucht, aber sie gaben uns Koran-Unterricht. Jeden Tag.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas musste seinem eigenen, dem jesidischen Glauben abschw\u00f6ren. Weil der \u201eIS\u201c die Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c betrachtet. Und \u201eUngl\u00e4ubige\u201c, so die Auffassung der Terroristen, m\u00fcssen zwangsbekehrt werden. Oder get\u00f6tet. Die Terroristen hatten dementsprechend die Jesiden entweder an Ort und Stelle ermordet, die meisten im Sinjar, im alten Siedlungsgebiet der Jesiden im Nord-Irak. Tausende. 47 Massengr\u00e4ber sollen mittlerweile gefunden worden sein. Oder aber die Terroristen lie\u00dfen die Jesiden am Leben und nahmen sie in Geiselhaft. Sie machten aus ihnen Sexsklavinnen oder sie bildeten sie aus \u2013 zu Selbstmordattent\u00e4tern. Wie Thomas.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie haben uns st\u00e4ndig geschlagen. Wir mussten Schie\u00dfen \u00fcben. Zwei meiner Freunde haben sich in die Luft gesprengt. Sie sind zum Training. Doch sie kamen nicht zur\u00fcck. Ich war nicht traurig. Sie wollten sich ja in die Luft sprengen. Die \u201aIS\u2018-Leute hatten es nicht von ihnen verlangt. Sie sind freiwillig gegangen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas hat heute einen modernen Haarschnitt; der Nacken ist ausrasiert; der lange Pony in die Stirn gek\u00e4mmt. Im Sommer sah er noch anders aus, kurz nachdem Mosul befreit worden war. Bei einem Luftangriff der Anti-\u201eIS\u201c-Koalition wurde Thomas schwer verletzt aus Tr\u00fcmmern geborgen, dann operiert.<\/p>\n\n\n\n

\"ThomasThomas erholt sich von drei Jahren IS-Gefangenschaft. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

Arbeit mit \u201eDschihadisten-Kindern\u201c<\/h2>\n\n\n\n

Die \u00e4u\u00dferen Wunden sind heute verheilt. Doch wie sieht es aus mit den inneren, den seelischen Verletzungen? Thomas wurde von seiner Familie aufgenommen und bekommt Hilfe. Andere Kinder konnten nicht aufgefangen werden. Bis heute betrachten sie Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c \u2013 so wie es ihnen in der Geiselhaft eingeh\u00e4mmert wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie sind eine gro\u00dfe Gefahr f\u00fcr andere Kinder. Sie leben in Lagern, in einem Zelt, auf sechs mal vier Metern, oder noch weniger! Acht Geschwister, sie spielen zusammen, reden, sie indoktrinieren die anderen! Das ist ein Problem, das wir nicht l\u00f6sen k\u00f6nnen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Sara Hassan ist Sozialarbeiterin. Sie arbeitet in den Lagern, versucht M\u00e4dchen und Frauen, die jahrelang in Geiselhaft vergewaltigt wurden, zu helfen. Unz\u00e4hlige hatte der \u201eIS\u201c einst entf\u00fchrt. Sara arbeitet auch mit den sogenannten \u201eDschihadisten-Kindern\u201c. Sie erz\u00e4hlt, wie \u00fcberfordert alle seien: die Familien, die jesidische Gemeinschaft, die Gesellschaft des Nord-Irak.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIn einem anderen Fall hat sich die Familie am Ende an die Sicherheitskr\u00e4fte gewandt. Doch die wussten auch nicht, wie sie damit umgehen sollten. Monate lang hat die Familie versucht, den Jungen umzuerziehen, zusammen mit Sozialarbeitern. Aber noch immer sehen wir den Hass in seinen Augen \u2013 gegen\u00fcber Kurden, Christen und Jesiden. Als blicke man in die Augen eines IS-Terroristen. Das ist das Problem.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Die Jesiden k\u00f6nnen \u00fcber ihre vom \u201eIS\u201c indoktrinierten Kinder sprechen. Denn niemand zweifelt daran, dass sie Opfer der Tyrannei wurden. Bei den sunnitischen Arabern sieht das anders aus. Da sie derselben Religionsgruppe angeh\u00f6ren wie formal auch die Terroristen, stehen sie unter Generalverdacht, mit dem \u201eIS\u201c gemeinsame Sache gemacht zu haben. Sunnitische Araber trauen sich daher nicht, die Probleme ihrer Kinder \u00f6ffentlich zu machen \u2013 auch wenn sie selbst nichts mit dem \u201eIS\u201c zu tun hatten.<\/p>\n\n\n\n

Unklar ist, wie viele Kinder und Jugendliche im Irak und in Syrien zu Terroristen ausgebildet wurden, dabei noch in Geiselhaft sind oder bereits als \u201eSchl\u00e4fer\u201c darauf warten, zum Einsatz zu kommen. Sie gleichen \u201etickenden Zeitbomben\u201c, die jederzeit explodieren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

Minderheiten haben Angst vor \u201eIS\u201c-Nachfolgern<\/h2>\n\n\n\n

Kamaran Palani spricht davon, dass viele Menschen immer noch gehen wollen, obwohl der \u201eIS\u201c als staats\u00e4hnliches Gebilde nicht mehr besteht. Seine Saat aber, so der Politikwissenschaftler, sei aufgegangen.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollen einfach nicht in diesem Land bleiben. Der IS hat sie dazu gebracht. Jeder hat heute Angst, dass eine andere Organisation kommen wird, Terroristen, die dasselbe anrichten wie zuvor.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Palani forscht am \u201eMiddle East Research Institute\u201c, das seinen Sitz in Erbil hat, der Hauptstadt von Irakisch-Kurdistan. <\/p>\n\n\n\n

\u201e60 bis 65 Prozent der Christen wollen gehen. Das Gleiche gilt f\u00fcr andere Minderheiten: f\u00fcr Jesiden, Schabaks, Turkmenen, Kakais.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

\u201eWir werden niemals wieder mit den Arabern zusammenleben k\u00f6nnen!\u201c \u2013 ein Satz, der heute h\u00e4ufig im Nord-Irak zu h\u00f6ren ist. Gemeint sind die Iraker, die Sunniten und Araber sind \u2013 die einstmals Nachbarn von Jesiden, Christen und Kurden waren \u2013 mit denen man Handel trieb und Hochzeiten feierte, die auch Freunde waren.<\/p>\n\n\n\n

Der Irak ist eine multi-ethnische und multi-religi\u00f6se Gesellschaft, in der die Schiiten die Mehrheit stellen. \u00dcber Jahrhunderte aber hatten die sunnitischen Araber das Sagen, sie missbrauchten die Macht, errichteten ein Schreckensregime \u2013 bis 2003, als Diktator Saddam Hussein von den USA gest\u00fcrzt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c entstand aus Widerstand gegen Schiiten-Herrschaft<\/h2>\n\n\n\n

Jetzt wurde der Spie\u00df umgedreht. Die Amerikaner sorgten daf\u00fcr, dass die Sunniten jegliche Machtposition verloren \u2013 so wurde die irakische Armee, wurde die baathistische Partei aufgel\u00f6st \u2013 ohne ein Pendant zu schaffen, das alle integrierte. Und: Washington unterst\u00fctzte Regierungschef Nouri al-Maliki, einen Schiiten. Maliki sah eine historische Chance gekommen, diskriminierte nun seinerseits seine sunnitischen Landsleute, verwehrte ihnen im \u201eNeuen Irak\u201c die Mitsprache. Im Regime Malikis wurden Sunniten inhaftiert, gefoltert und umgebracht.<\/p>\n\n\n\n

Was viele in den Widerstand trieb. Einige schlossen sich der Terror-Organisation \u201eAl-Qaida\u201c an, unter ihnen f\u00fchrende Milit\u00e4rs der aufgel\u00f6sten Armee Saddam Husseins \u2013 und aus \u201eAl-Qaida\u201c ging sp\u00e4ter der \u201eIS\u201c hervor.<\/p>\n\n\n\n

Als der \u201eIS\u201c dann im Sommer 2014 fast ohne Gegenwehr weite Landstriche in Syrien und im Irak \u00fcberrannte und seinen \u201eStaat\u201c ausrief, sahen auch gew\u00f6hnliche sunnitische Araber einen Wechsel nahen. Viele machten gemeinsame Sache mit den Terroristen, verhinderten die Flucht jesidischer Nachbarn, lieferten sie ihren Schl\u00e4chtern aus. Kamaran Palani:<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c-K\u00e4mpfer haben gesagt, es gehe darum, die W\u00fcrde der sunnitischen Araber wiederherzustellen. Ihre Macht. Ihre Geschichte. Tats\u00e4chlich konnten es die Araber nicht hinnehmen, dass sie ins Abseits gedr\u00e4ngt wurden. Und ich denke, dass sie auch in Zukunft so handeln werden. Wann immer sich die Gelegenheit bietet: Sie werden alles hinter sich lassen \u2013 sich nur darauf konzentrieren.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Misstrauen. Auch bei einem Politikwissenschaftler. Was also tun? Zerst\u00f6rte St\u00e4dte und D\u00f6rfer k\u00f6nnten wieder aufgebaut werden \u2013 wenn denn ein gemeinsamer Wille best\u00fcnde. Doch was, wenn es einen solchen gemeinsamen Willen gar nicht gibt? Wenn Schmerz und Trauer anhalten, wenn die Verbrechen von Terroristen und Helfershelfern nicht geahndet werden, wenn Angst umgeht, Misstrauen und Hass das Miteinander bestimmen.<\/p>\n\n\n\n

\"SyrischeSoldaten in der irakischen Stadt Sindschar nach der R\u00fcckeroberung von der IS-Miliz Ende 2015. (dpa \/ MAXPPP \/ Arnaud Dumontier)<\/p>\n\n\n\n

Kamaran Palani stammt aus der Stadt Makhmour. Drei Tage nur sei der \u201eIS\u201c dort gewesen, sagt er, doch diese Tage h\u00e4tten alles ver\u00e4ndert. Der \u201eIS\u201c habe die Menschen in seiner Heimatstadt verrohen lassen, meint er, das Verh\u00e4ltnis zwischen Kurden und Arabern sei heute tot. Eine R\u00fcckkehr in alte Zeiten h\u00e4lt Palani f\u00fcr falsch.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch denke, es w\u00e4re nicht einfach, in das Jahr 2014 \u2013 also in die Zeit vor dem \u201aIS\u2018 \u2013 zur\u00fcckzukehren. Vor allem aber w\u00e4re es nicht die richtige Politik. Denn eben die hat ja erst zum Aufkommen, zur Existenz des \u201aIS\u2018 gef\u00fchrt.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n


Wie also in Ruinen Neues schaffen? Der Staat muss das Gewaltmonopol zur\u00fcckerlangen, fordert der Politikwissenschaftler. F\u00fcr ihn steht das an erster Stelle. Und dann m\u00fcsse der Staat dringend einen Kurswechsel vornehmen: Er m\u00fcsse integrativ wirken, alle einbinden, auch die Araber, in Sicherheitskr\u00e4fte, Verwaltung und Politik.<\/p>\n\n\n\n

Machtmonopol m\u00fcsste von Milizen zum Staat gehen<\/h2>\n\n\n\n

Die Realit\u00e4t sieht anders aus: Ein Staat Kurdistan, der neue Optionen m\u00f6glich gemacht h\u00e4tte, auch von den Minderheiten gew\u00fcnscht worden war, ist nicht entstanden. Bagdad aber ist fern, der Zentralstaat kaum existent, und wenn, dann ist er schiitisch dominiert. Es sind Milizen, die im Nord-Irak das Geschehen bestimmen, darum rivalisieren, das Machtvakuum zu f\u00fcllen, das durch die Vertreibung des \u201eIS\u201c entstanden ist. Einst im Kampf gegen die Terroristen geeint, sind die Milizen einander heute feind.<\/p>\n\n\n\n

Allen voran die \u201eHashd ash-Shaabi\u201c, schiitisch-irakische Milizen, deren Ausbilder und Kommandeure h\u00e4ufig Iraner sind. Bagdad hat die Haschd als regul\u00e4re Kraft im Kampf gegen den \u201eIS\u201c anerkannt \u2013 obwohl Menschenrechts-Organisationen schwere Vorw\u00fcrfe gegen sie erheben. Fest steht: Die schiitischen Milizen halten D\u00f6rfer besetzt, sind in Mosul f\u00fcr ihr herrisches Auftreten und ihre Willk\u00fcr bekannt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eTats\u00e4chlich sorgen die verschiedenen bewaffneten Gruppen daf\u00fcr, dass die Fl\u00fcchtlinge nicht zur\u00fcckkehren. Und weil sie nicht zur\u00fcckkehren, gibt es auch keinen Wiederaufbau. Die Menschen haben Angst vor den Milizen \u2013 auch davor, dass die einander bek\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die \u201eHashd\u201c m\u00fcssten mithin abziehen. Und mit ihnen die anderen Milizen. Das Machtmonopol m\u00fcsste an den Staat gehen. Doch der Irak ist auch Spielball der Regionalm\u00e4chte: Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien. Sie konkurrieren um Einfluss-Sph\u00e4ren, bedienen sich dabei verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Gruppen im Irak. Deswegen werden die Hashd nicht abziehen. Derzeit sind sie von der iranisch-irakischen Grenze im Osten \u00fcber Bagdad bis hoch zur irakisch-syrischen Grenze im Norden postiert. Einheiten Teherans k\u00f6nnten demnach auf dem Landweg vom Iran bis ans Mittelmeer durchmarschieren.<\/p>\n\n\n\n

Iran und Saudi-Arabien wollen Macht vergr\u00f6\u00dfern<\/h2>\n\n\n\n

Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n

In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n

Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3703,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:24:20","post_date_gmt":"2020-08-13 21:24:20","post_content":"\n

Deutschland str\u00e4ubt sich gegen die R\u00fcckkehr seiner eigenen Staatsb\u00fcrger, die zu IS-Terroristen wurden. Dabei hat die Bundesrepublik den Terror und die Terroristen einst exportiert. Und dies geschah wissentlich, sagt der Islamwissenschaftler Fabian Goldmann.<\/p>\n\n\n\n

Wann haben Sie sich eigentlich zuletzt von deutschen Terroristen distanziert? Zum Beispiel von Robert B.? Der Ex-Bundeswehrsoldat aus Solingen hat mutma\u00dflich bei einem Selbstmordattentat Anfang 2014 50 Menschen mit in den Tod gerissen. <\/p>\n\n\n\n

Oder von Yannik N.? Der junge Freiburger steuerte wahrscheinlich im Jahr 2015 einen mit anderthalb Tonnen Sprengstoff beladenen LKW in eine Menschenmenge und nahm so Dutzenden Personen das Leben.<\/p>\n\n\n\n

Oder von Yamin A.?. Im Sommer 2015 tauchte im Netz ein Video auf, das zeigte, wie der ehemalige Telekom-Azubi aus K\u00f6nigswinter zwei gefesselten Soldaten in den Kopf schoss.
Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Deutsche T\u00e4ter, aber kaum deutsche Opfer<\/h2>\n\n\n\n

Hauptsache nicht bei uns! Dies scheint auch dieser Tage wieder die Maxime zu sein, wenn Politiker und \u00d6ffentlichkeit \u00fcber den Umgang mit deutschen Terroristen diskutieren. Von potenziellen Bedrohungen und Anschlagsgefahren in Deutschland liest man dann. Vom ganz realen Terror, den Deutsche in den vergangenen Jahren \u00fcber die Menschen in Syrien und Irak gebracht haben, h\u00f6rt man hingegen kaum. Ein Terror, der kaum deutsche Opfer aber umso mehr deutsche T\u00e4ter kannte.<\/p>\n\n\n\n

1.050 \u2013 das ist laut Bundesinnenministerium die Anzahl der Dschihadisten, die in den letzten Jahren die Bundesrepublik in Richtung Nahost verlassen hat. Es f\u00e4llt schwer, sich umgekehrtes Szenario \u00fcberhaupt auszumalen. Was w\u00e4re wohl los, h\u00e4tte es nur ein Bruchteil arabischer Terroristen geschafft, bei uns Anschl\u00e4ge zu begehen? Europas \u201eMuslim Bann\u201c? \u00dcberwachungsstaat auf NSA-Niveau?<\/p>\n\n\n\n

Die CSU st\u00fcnde wom\u00f6glich am linken Ende des politischen Spektrums, und auf Twitter w\u00fcrde Trump deutsche Migrationspolitiker zur M\u00e4\u00dfigung aufrufen. Der deutsche Terror in Nahost kommt hingegen seit Jahren ganz ohne Sondersendungen, politische Debatten und Distanzierungsforderungen aus. <\/p>\n\n\n\n

Deutsche K\u00e4mpfer waren nicht nur willenloses Kanonenfutter<\/h2>\n\n\n\n

An fehlendem Wissen liegt das nicht. Von ganzen Einheiten des IS, in denen kein einziger K\u00e4mpfer Arabisch spreche, berichten syrische, irakische und kurdische Soldaten schon seit Jahren. Von Aleppo \u00fcber Raqqa bis Mossul haben Aktivisten und Politiker immer wieder darauf hingewiesen, dass viele der schlimmsten M\u00f6rder in den Reihen des IS Europ\u00e4er sind. Interessiert hat das hier kaum jemand.<\/p>\n\n\n\n

Dabei dienten Deutsche dem Islamischen Staats nicht nur als willenloses Kanonenfutter, wie es oft dargestellt wird. Viele haben seinen Terror mitgepr\u00e4gt. Wie Martin L., der derzeit in kurdischer Haft sitzt. Der Schwei\u00dfer aus Sachsen-Anhalt soll sich vom Folterknecht bis zum Geheimdienstler mit Kontakten bis in die F\u00fchrungsspitze der Terrororganisation hochgearbeitet haben.<\/p>\n\n\n\n

Oder Reda S., Der Prediger aus Berlin-Charlottenburg soll dem IS in Mossul als Bildungsminister gedient haben. Oder der Berliner Ex-Rapper Denis Cuspert, der zu den wichtigsten Personen in der IS-Medienorganisation Al-Hayat geh\u00f6rte. Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Beh\u00f6rden wussten gut Bescheid<\/h2>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich entstand der Islamische Staat nicht in deutschen Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen. Zur deutschen Verantwortung geh\u00f6rt aber auch, dass Politiker und Beh\u00f6rden lange wegschauten, solang nur die T\u00e4ter, aber nicht die Opfer Deutsche waren. Beh\u00f6rden wissen und wussten erschreckend gut Bescheid \u00fcber die Radikalisierung deutscher Islamisten. Ein Gro\u00dfteil der sp\u00e4teren IS-K\u00e4mpfer war polizeibekannt, stand auf Gef\u00e4hrderlisten oder hatte wegen islamistischer Straftaten bereits Haftstrafen verb\u00fc\u00dft. An der Ausreise gehindert wurden sie oftmals dennoch nicht. Die Gefahr, die von deutschen Terroristen ausgeht, interessierte Politik und \u00d6ffentlichkeit erst dann wieder, als ihre Einreise drohte.<\/p>\n\n\n\n

\"Fabian
Fabian Goldmann<\/strong> ist Journalist und Islamwissenschaftler. F\u00fcr verschiedene Magazine und Zeitungen berichtete er viele Jahre aus Nahost. Zurzeit widmet er sich vor allem dem Islam diesseits des Bosporus. Auf seinem Blog Schantall und die Scharia<\/a> bloggt er \u00fcber Islamophobie in Deutschland.<\/p>\n","post_title":"Es sind unsere Terroristen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"es-sind-unsere-terroristen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3703","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3700,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:19:36","post_date_gmt":"2020-08-13 21:19:36","post_content":"\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda? Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda t<\/p>\n\n\n\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda tritt an die Stelle der 2010 verabschiedeten Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014 (siehe IP\/10\/1535<\/a>). In der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda f\u00fcr den Zeitraum 2015-2020 skizziert die Europ\u00e4ische Kommission die Strategie der Union zur Bew\u00e4ltigung der Sicherheitsbedrohungen in der EU.<\/p>\n\n\n\n

Die EU und ihre Mitgliedstaaten sind mit betr\u00e4chtlichen Sicherheitsproblemen konfrontiert. Terrorismus, organisierte Kriminalit\u00e4t und Cyberkriminalit\u00e4t stellen eine zunehmende Gefahr f\u00fcr die europ\u00e4ische Gesellschaft dar, wobei sich Art und Ausma\u00df dieser Gefahr ver\u00e4ndert hat. Europa ist mit den Auswirkungen der politischen Instabilit\u00e4t in seiner unmittelbaren Nachbarschaft konfrontiert, die die Sicherheitsinteressen der EU gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n

Im Zuge der Krisen und Konflikte in Syrien, Irak und Libyen haben sich europ\u00e4ische B\u00fcrger terroristischen Gruppen angeschlossen, die bei ihrer R\u00fcckkehr eine erhebliche Bedrohung darstellen k\u00f6nnen. Die j\u00fcngsten terroristischen Anschl\u00e4ge in Europa zeugen von der zunehmenden Bedrohung durch einen gewaltt\u00e4tigen Extremismus und zeigen, in welchem Ausma\u00df weltweite Konflikte zur Radikalisierung der europ\u00e4ischen B\u00fcrger beitragen.<\/p>\n\n\n\n

Das Online-Umfeld hat sich zunehmend als Ziel f\u00fcr Kriminelle und Terroristen entwickelt. Unabh\u00e4ngig davon, ob es um die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und die Anwerbung von Menschen f\u00fcr terroristische Organisationen geht oder die Verbreitung von Hass oder einen Angriff auf die europ\u00e4ischen Werte und Institutionen, fest steht, dass wir unsere Reaktion auf diese Bedrohungen unbedingt abstimmen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Welcher Mehrwert entsteht durch die EU im Bereich der inneren Sicherheit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Gew\u00e4hrleistung der inneren Sicherheit f\u00e4llt weiterhin in erster Linie in die Zust\u00e4ndigkeit der Mitgliedstaaten. Allerdings werden die Bedrohungen f\u00fcr Europas B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger immer vielf\u00e4ltiger und betreffen in zunehmendem Ma\u00dfe mehrere Mitgliedstaaten. Einzelne Mitgliedstaaten haben die Verantwortung, die Sicherheit an den Au\u00dfengrenzen zu gew\u00e4hrleisten, sind aber nicht mehr in der Lage, diese Herausforderungen allein zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n

Kriminelle und terroristische Aktivit\u00e4ten machen nicht an den Grenzen der EU halt und beschr\u00e4nken sich auch nicht auf Nachbarregionen. Die innere Sicherheit der EU und die globale Sicherheit sind voneinander abh\u00e4ngig und miteinander verkn\u00fcpft. Die Sicherheit der Union h\u00e4ngt in hohem Ma\u00dfe von der Zusammenarbeit mit ihren internationalen Partnern und ihren Nachbarl\u00e4ndern ab.<\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t und des Terrorismus ist eine gemeinsame europ\u00e4ische Aufgabe. Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda sollte von den Mitgliedstaaten und den EU-Organen gemeinsam als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und gemeinsame Ma\u00dfnahmen der Union genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n

Mit Hilfe der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda werden die Polizei- und Strafverfolgungsdienste in verschiedenen Mitgliedstaaten Daten effektiver austauschen und bei der Bek\u00e4mpfung der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t besser zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Die Mitgliedstaaten k\u00f6nnen auf die Unterst\u00fctzung durch die Agenturen der EU z\u00e4hlen. Insbesondere in folgenden Punkten l\u00e4sst sich mit Hilfe der Sicherheitsagenda ein EU-Mehrwert erzielen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n

A) Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und den EU-Agenturen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1<\/strong>: Das Schengener Informationssystem<\/strong> (SIS) wird von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Abfrage von Ausschreibungen von gesuchten oder vermissten Personen und Gegenst\u00e4nden genutzt. Die Kommission wird an der Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Ausschreibungskategorien arbeiten und sich daf\u00fcr einsetzen, dass das SIS zusammen mit der Interpol-Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD)<\/strong> umfassender genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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\u201eMein Cousin wurde dort get\u00f6tet. Auch andere Jungs aus unserer Gegend gingen nach Syrien und fielen dort. Lokale Zeitungen nannten sie \u201aM\u00e4rtyrer\u2018.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Lieber Flucht statt K\u00e4mpfer in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein solcher \u201eM\u00e4rtyrer\u201c wollte Abu Fazel allerdings nicht werden. Er floh eine Woche vor dem Beginn seiner dreimonatigen Kampfausbildung. Es war ihm lieber, ein Leben auf der Flucht zu verbringen, als in Syrien unschuldige Menschen f\u00fcr einen Diktator zu t\u00f6ten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch kam zu dem Schluss, dass ich nicht als M\u00f6rder weiterleben k\u00f6nnte. Stets dachte ich mir, dass selbst die schlimmsten Al-Qaida- oder IS-Terroristen Kinder haben k\u00f6nnten, die ihren Vater lieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Fazel verlor seinen eigenen Vater bereits sehr fr\u00fch. Er wurde Opfer des B\u00fcrgerkriegs in Afghanistan, der von 1989 bis 2001 tausende Menschen das Leben kostete. Auch der Iran mischte in der Zeit schon mit. Es ist allgemein bekannt, dass die schiitischen Hazara-Milizen, die den B\u00fcrgerkrieg ebenfalls mitanfachten, von der Regierung in Teheran unterst\u00fctzt wurden.<\/p>\n\n\n\n

Als Abu Fazel sich nun entschloss, aus der Gewaltspirale auszusteigen und nicht in Syrien zu k\u00e4mpfen, wuchs die Angst bei seiner Familie. Denn f\u00fcr die iranischen Beh\u00f6rden gilt: Hat man sich einmal gemeldet, gibt es kein zur\u00fcck. Man muss an die Front nach Syrien \u2013 oder wird zur\u00fcck nach Afghanistan abgeschoben, wo ebenfalls Krieg herrscht.<\/p>\n\n\n\n

Der einzige Ausweg f\u00fcr den jungen Afghanen war die Flucht. \u00dcber die T\u00fcrkei, Griechenland und die Balkranroute erreichte er mit gro\u00dfer M\u00fche Deutschland, wo er einen Asylantrag stellte.<\/p>\n\n\n\n

Erster Asylantrag in Deutschland abgelehnt<\/h2>\n\n\n\n

Als Grund nannte er seine Rekrutierung als Kindersoldat seitens des iranischen Regimes. Doch w\u00e4hrend diese Begr\u00fcndung in Abu Fazels Augen v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich war, sahen deutsche Beh\u00f6rden das anders. Sein erster Antrag wurde abgelehnt. Derzeit versucht er es ein zweites Mal. Die Bundesrepublik schiebt afghanische Gefl\u00fcchtete weiterhin ab.<\/p>\n\n\n\n

\"EinAbschiebung von Afghanen im Dezember 2016 mit einem Charterflug von Frankfurt nach Kabul. (dpa \/picture alliance \/ Boris Roessler)<\/p>\n\n\n\n

Die Verantwortlichen weisen in diesem Kontext immer wieder auf vermeintlich \u201esichere Gebiete\u201c im Land, die nicht n\u00e4her benannt werden.<\/p>\n\n\n\n

W\u00e4hrenddessen machen Menschenrechtsorganisationen regelm\u00e4\u00dfig darauf aufmerksam, dass keine Region am Hindukusch sicher ist. Stattdessen wird in manchen Gebieten nur weniger Krieg gef\u00fchrt als in anderen.<\/p>\n\n\n\n

\"SieDemonstranten protestieren in Frankfurt am Main gegen die Abschiebung von Afghanen. Auf einem der Transparente steht \u201eAfghanistan is not safe\u201c. (AFP \/ Daniel Roland)<\/p>\n\n\n\n

Alis Vater und Onkel k\u00e4mpfen in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein \u00e4hnliches Schicksal wie Abu Fazel erlitt der 18-j\u00e4hrige Ali (Namen ge\u00e4ndert). Auch er floh aus dem Iran nach Deutschland, um der Rekrutierung f\u00fcr Assads Milizen zu entgehen. Viele seiner afghanischen Freunde sind bereits nach Syrien gezogen \u2013 und kamen niemals zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Alis Familie, ebenfalls Angeh\u00f6rige der Hazara-Minderheit, stammt urspr\u00fcnglich aus der Provinz Ghor im Nordosten Afghanistans. Ihre Heimat verlie\u00dfen sie w\u00e4hrend der sowjetischen Besatzung in den 1980er-Jahren.<\/p>\n\n\n\n

Seit jeher lebt die Familie in der iranischen Gro\u00dfstadt Maschhad. Als der Krieg in Syrien ausbrach, erreichte sie ein Konflikt, mit dem sie nicht gerechnet hatten. Im Juli 2015 reiste Alis Vater nach Teheran. Er wollte einen Weg finden, um f\u00fcr seine Familie Aufenthaltspapiere zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Beh\u00f6rden sagten ihm, dass die Rekrutierung f\u00fcr den Krieg in Syrien eine M\u00f6glichkeit darstellen k\u00f6nnte, um Papiere f\u00fcr uns alle zu erhalten. Andernfalls w\u00fcrde man uns sehr bald nach Afghanistan abschieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Mittlerweile k\u00e4mpfen Alis Vater und sein Onkel seit \u00fcber einem Jahr in Syrien. Am Aufenthaltsstatus seiner Familienmitglieder hat sich bis heute allerdings nichts ge\u00e4ndert. F\u00fcr Ali ist klar, dass dies nur eine Falle gewesen ist, um noch mehr Afghanen als Kanonenfutter zu missbrauchen.<\/p>\n\n\n\n

Anfangs gab es Papiere f\u00fcr K\u00e4mpfer-Familien<\/h2>\n\n\n\n

Den Kontakt zu seinem Vater hat der Afghane mittlerweile verloren. W\u00e4hrenddessen schickt ihm sein Onkel, der in Aleppo stationiert ist, hin und wieder Bilder \u00fcber den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ali denkt, dass nur sehr wenige Afghanen der Propaganda der iranischen Regierung glauben und in Syrien f\u00fcr eine \u201egute Sache\u201c k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

Source<\/a><\/p>\n","post_title":"Warum Afghanen in Syrien f\u00fcr Assad k\u00e4mpfen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"warum-afghanen-in-syrien-fur-assad-kampfen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3709","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3706,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:27:40","post_date_gmt":"2020-08-13 21:27:40","post_content":"\n

Kinder, Frauen, Jesiden \u2013 wer \u00fcberlebt hat, berichtet von Folter, Vergewaltigungen und Gehirnw\u00e4sche. Rund drei Jahre dauerte die Schreckensherrschaft der IS-Miliz in Syrien und Irak. Der Wiederaufbau wird l\u00e4nger dauern und mehr umfassen als H\u00e4user.<\/p>\n\n\n\n

Der Fluss Tigris durchzieht die zweitgr\u00f6\u00dfte Stadt des Iraks und teilt Mosul in Ost und West. Das Westufer ist von Zerst\u00f6rung gezeichnet, die Altstadt nicht mehr als eine einzige graue Tr\u00fcmmerlandschaft. Seit den letzten Bombardements im Juli 2017 kann hier niemand mehr wohnen.<\/p>\n\n\n\n

Die Nouri-Moschee, von deren Kanzel Abu Bakr al-Baghdadi im Juli 2014 sein Kalifat ausrief, hatte die IS-Miliz auf ihrem R\u00fcckzug vorsorglich selbst in die Luft gesprengt, um den Gegnern diesen besonderen Triumph zu verwehren.<\/p>\n\n\n\n

\"ImIm Juli 2017 erobert die irakische Armee Mossul zur\u00fcck. Ruinen sind zu sehen. Ein K\u00e4mpfer der IS-Miliz hat sich ergeben. (Imago \/ Carol Guzy)<\/p>\n\n\n\n

Es ist fraglich, ob die Altstadt dem Original getreu wieder aufgebaut werden kann. Bagdad will demn\u00e4chst \u2013 im Rahmen einer gro\u00dfen Wiederaufbau-Konferenz \u2013 bekannt geben, welche Pl\u00e4ne es hat. Derzeit gilt als gro\u00dfer Fortschritt, dass die Tr\u00fcmmerlandschaft in Teilen wieder begehbar ist \u2013 nachdem mit internationaler Hilfe zahllose Sprengs\u00e4tze beseitigt wurden.<\/p>\n\n\n\n

In Ost-Mossul gibt es weniger Zerst\u00f6rungen<\/h2>\n\n\n\n

J\u00fcngste Sch\u00e4tzungen der Vereinten Nationen besagen, dass es noch Jahre dauern wird, bis alle Minen ger\u00e4umt sind. Solange werden die einstigen Bewohner nicht zur\u00fcckkehren k\u00f6nnen. Manche von ihnen haben Gl\u00fcck im Ungl\u00fcck: Sie haben \u00fcberlebt und sind auf der anderen Seite des Tigris untergekommen, im Osten der Stadt. Der war schon im Januar 2017 von den Terroristen befreit worden. Erstaunlich ist: Dieser Teil Mosuls wirkt fast so, als w\u00e4re der \u201eIS\u201c niemals hier gewesen und als h\u00e4tte es keinen Krieg gegeben.<\/p>\n\n\n\n

\"ImIm Osten Mossuls gibt es weniger Zerst\u00f6rungen als im Westteil. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

Die Zerst\u00f6rungen beschr\u00e4nken sich auf strategisch-wichtige Punkte oder Geb\u00e4ude, in denen sich die Terroristen verschanzt hatten: Br\u00fccken, Moscheen, Krankenh\u00e4user. Doch im Basar herrscht fast so etwas wie Normalit\u00e4t. An St\u00e4nden kaufen Menschen ein \u2013 Obst, Gem\u00fcse, Reis und Nudeln, Backwaren. Kinder schlecken ein Eis. Abu Muhammad, ein ehemaliger Physiklehrer, erkl\u00e4rt, warum der Basar so anders ist als erwartet:<\/p>\n\n\n\n

\u201eDas Leben hatte nie aufgeh\u00f6rt in Mosul. Wir haben weitergelebt. Drei Jahre wurden wir vom \u201aIS\u2018 beherrscht, doch die normalen Leute hatten nichts damit zu tun. Daher kam der Alltag schnell zur\u00fcck. Die Soldaten sind gekommen, haben den Basar wieder aufgemacht und das Leben ging weiter.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Im Osten findet sich heute all das wieder, was die Terror-Miliz unterdr\u00fcckt hatte und bei Missachtung grausam ahndete: Musik in Restaurants und Caf\u00e9s; Sim-Karten f\u00fcr Handys; Internet; Fris\u00f6re, die Haare schneiden, B\u00e4rte stutzen oder gar abrasieren. Und doch: Trotz des lebendigen Treibens wirken Angst und Schrecken nach. Abu Muhammad, fr\u00fch ergraut, erinnert sich:<\/p>\n\n\n\n

\u201eWir haben uns gef\u00fchlt wie zwischen Leben und Tod. Irgendwo dazwischen. Sie haben vom \u201aIS\u2018 geh\u00f6rt; wir haben ihn erlebt: Wir haben erlebt, wie sie mordeten, wie sie Leute aufh\u00e4ngten, wir haben den Krieg erlebt. Wir haben alles gesehen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Mohammed stammt aus dem zerst\u00f6rten Westen der Stadt. Er wohnt heute im Osten. Verwandte haben ihn und seine Familie aufgenommen. So wie ihm ergeht es auch anderen Vertriebenen. Sie leben bei Verwandten und Freunden. Oder in einem der vielen Lager. 700.000 Menschen haben ihr Zuhause verloren \u2013 eine Zahl, die f\u00fcr West-Mosul gilt. Insgesamt gehen die Vereinten Nationen von fast sechs Millionen Menschen aus, die im Irak vor dem \u201aIS\u2018 geflohen sind \u2013 die H\u00e4lfte von ihnen bis heute fern von ihrem Zuhause.<\/p>\n\n\n\n

Binnenfl\u00fcchtlinge im Lager Khabartu<\/h2>\n\n\n\n

Zelte soweit das Auge reicht. Abertausende. Inmitten von Steppe. Das Leben der Menschen ist hart. Sie darben, frieren und verdorren \u2013 wenn im Winter der kalte Wind durch die Steppe fegt und im Sommer die Sonne niederbrennt. Doch sie harren aus, haben wenig Hoffnung auf baldige R\u00fcckkehr. Die meisten kamen 2014 \u2013 hierher, ins Lager Khabartu in Irakisch-Kurdistan.<\/p>\n\n\n\n

\"DasDas Lager Khabartu f\u00fcr irakische Binnenfl\u00fcchtlinge. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

2014, als der \u201eIS\u201c den Nord-Irak \u00fcberfiel. In einem der Zelte lebt auch die Familie von Thomas Abdallah Hammou. Thomas war auf der Flucht von seiner Familie getrennt und von den Dschihadisten verschleppt worden. Damals war er acht Jahre alt. Ein Kind. Drei Jahre blieb er in Geiselhaft, lebte in Mosul.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollten nicht, dass wir spielen. Sie mochten es nicht. Ich habe keine Schule besucht, aber sie gaben uns Koran-Unterricht. Jeden Tag.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas musste seinem eigenen, dem jesidischen Glauben abschw\u00f6ren. Weil der \u201eIS\u201c die Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c betrachtet. Und \u201eUngl\u00e4ubige\u201c, so die Auffassung der Terroristen, m\u00fcssen zwangsbekehrt werden. Oder get\u00f6tet. Die Terroristen hatten dementsprechend die Jesiden entweder an Ort und Stelle ermordet, die meisten im Sinjar, im alten Siedlungsgebiet der Jesiden im Nord-Irak. Tausende. 47 Massengr\u00e4ber sollen mittlerweile gefunden worden sein. Oder aber die Terroristen lie\u00dfen die Jesiden am Leben und nahmen sie in Geiselhaft. Sie machten aus ihnen Sexsklavinnen oder sie bildeten sie aus \u2013 zu Selbstmordattent\u00e4tern. Wie Thomas.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie haben uns st\u00e4ndig geschlagen. Wir mussten Schie\u00dfen \u00fcben. Zwei meiner Freunde haben sich in die Luft gesprengt. Sie sind zum Training. Doch sie kamen nicht zur\u00fcck. Ich war nicht traurig. Sie wollten sich ja in die Luft sprengen. Die \u201aIS\u2018-Leute hatten es nicht von ihnen verlangt. Sie sind freiwillig gegangen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas hat heute einen modernen Haarschnitt; der Nacken ist ausrasiert; der lange Pony in die Stirn gek\u00e4mmt. Im Sommer sah er noch anders aus, kurz nachdem Mosul befreit worden war. Bei einem Luftangriff der Anti-\u201eIS\u201c-Koalition wurde Thomas schwer verletzt aus Tr\u00fcmmern geborgen, dann operiert.<\/p>\n\n\n\n

\"ThomasThomas erholt sich von drei Jahren IS-Gefangenschaft. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

Arbeit mit \u201eDschihadisten-Kindern\u201c<\/h2>\n\n\n\n

Die \u00e4u\u00dferen Wunden sind heute verheilt. Doch wie sieht es aus mit den inneren, den seelischen Verletzungen? Thomas wurde von seiner Familie aufgenommen und bekommt Hilfe. Andere Kinder konnten nicht aufgefangen werden. Bis heute betrachten sie Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c \u2013 so wie es ihnen in der Geiselhaft eingeh\u00e4mmert wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie sind eine gro\u00dfe Gefahr f\u00fcr andere Kinder. Sie leben in Lagern, in einem Zelt, auf sechs mal vier Metern, oder noch weniger! Acht Geschwister, sie spielen zusammen, reden, sie indoktrinieren die anderen! Das ist ein Problem, das wir nicht l\u00f6sen k\u00f6nnen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Sara Hassan ist Sozialarbeiterin. Sie arbeitet in den Lagern, versucht M\u00e4dchen und Frauen, die jahrelang in Geiselhaft vergewaltigt wurden, zu helfen. Unz\u00e4hlige hatte der \u201eIS\u201c einst entf\u00fchrt. Sara arbeitet auch mit den sogenannten \u201eDschihadisten-Kindern\u201c. Sie erz\u00e4hlt, wie \u00fcberfordert alle seien: die Familien, die jesidische Gemeinschaft, die Gesellschaft des Nord-Irak.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIn einem anderen Fall hat sich die Familie am Ende an die Sicherheitskr\u00e4fte gewandt. Doch die wussten auch nicht, wie sie damit umgehen sollten. Monate lang hat die Familie versucht, den Jungen umzuerziehen, zusammen mit Sozialarbeitern. Aber noch immer sehen wir den Hass in seinen Augen \u2013 gegen\u00fcber Kurden, Christen und Jesiden. Als blicke man in die Augen eines IS-Terroristen. Das ist das Problem.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Die Jesiden k\u00f6nnen \u00fcber ihre vom \u201eIS\u201c indoktrinierten Kinder sprechen. Denn niemand zweifelt daran, dass sie Opfer der Tyrannei wurden. Bei den sunnitischen Arabern sieht das anders aus. Da sie derselben Religionsgruppe angeh\u00f6ren wie formal auch die Terroristen, stehen sie unter Generalverdacht, mit dem \u201eIS\u201c gemeinsame Sache gemacht zu haben. Sunnitische Araber trauen sich daher nicht, die Probleme ihrer Kinder \u00f6ffentlich zu machen \u2013 auch wenn sie selbst nichts mit dem \u201eIS\u201c zu tun hatten.<\/p>\n\n\n\n

Unklar ist, wie viele Kinder und Jugendliche im Irak und in Syrien zu Terroristen ausgebildet wurden, dabei noch in Geiselhaft sind oder bereits als \u201eSchl\u00e4fer\u201c darauf warten, zum Einsatz zu kommen. Sie gleichen \u201etickenden Zeitbomben\u201c, die jederzeit explodieren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

Minderheiten haben Angst vor \u201eIS\u201c-Nachfolgern<\/h2>\n\n\n\n

Kamaran Palani spricht davon, dass viele Menschen immer noch gehen wollen, obwohl der \u201eIS\u201c als staats\u00e4hnliches Gebilde nicht mehr besteht. Seine Saat aber, so der Politikwissenschaftler, sei aufgegangen.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollen einfach nicht in diesem Land bleiben. Der IS hat sie dazu gebracht. Jeder hat heute Angst, dass eine andere Organisation kommen wird, Terroristen, die dasselbe anrichten wie zuvor.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Palani forscht am \u201eMiddle East Research Institute\u201c, das seinen Sitz in Erbil hat, der Hauptstadt von Irakisch-Kurdistan. <\/p>\n\n\n\n

\u201e60 bis 65 Prozent der Christen wollen gehen. Das Gleiche gilt f\u00fcr andere Minderheiten: f\u00fcr Jesiden, Schabaks, Turkmenen, Kakais.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

\u201eWir werden niemals wieder mit den Arabern zusammenleben k\u00f6nnen!\u201c \u2013 ein Satz, der heute h\u00e4ufig im Nord-Irak zu h\u00f6ren ist. Gemeint sind die Iraker, die Sunniten und Araber sind \u2013 die einstmals Nachbarn von Jesiden, Christen und Kurden waren \u2013 mit denen man Handel trieb und Hochzeiten feierte, die auch Freunde waren.<\/p>\n\n\n\n

Der Irak ist eine multi-ethnische und multi-religi\u00f6se Gesellschaft, in der die Schiiten die Mehrheit stellen. \u00dcber Jahrhunderte aber hatten die sunnitischen Araber das Sagen, sie missbrauchten die Macht, errichteten ein Schreckensregime \u2013 bis 2003, als Diktator Saddam Hussein von den USA gest\u00fcrzt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c entstand aus Widerstand gegen Schiiten-Herrschaft<\/h2>\n\n\n\n

Jetzt wurde der Spie\u00df umgedreht. Die Amerikaner sorgten daf\u00fcr, dass die Sunniten jegliche Machtposition verloren \u2013 so wurde die irakische Armee, wurde die baathistische Partei aufgel\u00f6st \u2013 ohne ein Pendant zu schaffen, das alle integrierte. Und: Washington unterst\u00fctzte Regierungschef Nouri al-Maliki, einen Schiiten. Maliki sah eine historische Chance gekommen, diskriminierte nun seinerseits seine sunnitischen Landsleute, verwehrte ihnen im \u201eNeuen Irak\u201c die Mitsprache. Im Regime Malikis wurden Sunniten inhaftiert, gefoltert und umgebracht.<\/p>\n\n\n\n

Was viele in den Widerstand trieb. Einige schlossen sich der Terror-Organisation \u201eAl-Qaida\u201c an, unter ihnen f\u00fchrende Milit\u00e4rs der aufgel\u00f6sten Armee Saddam Husseins \u2013 und aus \u201eAl-Qaida\u201c ging sp\u00e4ter der \u201eIS\u201c hervor.<\/p>\n\n\n\n

Als der \u201eIS\u201c dann im Sommer 2014 fast ohne Gegenwehr weite Landstriche in Syrien und im Irak \u00fcberrannte und seinen \u201eStaat\u201c ausrief, sahen auch gew\u00f6hnliche sunnitische Araber einen Wechsel nahen. Viele machten gemeinsame Sache mit den Terroristen, verhinderten die Flucht jesidischer Nachbarn, lieferten sie ihren Schl\u00e4chtern aus. Kamaran Palani:<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c-K\u00e4mpfer haben gesagt, es gehe darum, die W\u00fcrde der sunnitischen Araber wiederherzustellen. Ihre Macht. Ihre Geschichte. Tats\u00e4chlich konnten es die Araber nicht hinnehmen, dass sie ins Abseits gedr\u00e4ngt wurden. Und ich denke, dass sie auch in Zukunft so handeln werden. Wann immer sich die Gelegenheit bietet: Sie werden alles hinter sich lassen \u2013 sich nur darauf konzentrieren.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Misstrauen. Auch bei einem Politikwissenschaftler. Was also tun? Zerst\u00f6rte St\u00e4dte und D\u00f6rfer k\u00f6nnten wieder aufgebaut werden \u2013 wenn denn ein gemeinsamer Wille best\u00fcnde. Doch was, wenn es einen solchen gemeinsamen Willen gar nicht gibt? Wenn Schmerz und Trauer anhalten, wenn die Verbrechen von Terroristen und Helfershelfern nicht geahndet werden, wenn Angst umgeht, Misstrauen und Hass das Miteinander bestimmen.<\/p>\n\n\n\n

\"SyrischeSoldaten in der irakischen Stadt Sindschar nach der R\u00fcckeroberung von der IS-Miliz Ende 2015. (dpa \/ MAXPPP \/ Arnaud Dumontier)<\/p>\n\n\n\n

Kamaran Palani stammt aus der Stadt Makhmour. Drei Tage nur sei der \u201eIS\u201c dort gewesen, sagt er, doch diese Tage h\u00e4tten alles ver\u00e4ndert. Der \u201eIS\u201c habe die Menschen in seiner Heimatstadt verrohen lassen, meint er, das Verh\u00e4ltnis zwischen Kurden und Arabern sei heute tot. Eine R\u00fcckkehr in alte Zeiten h\u00e4lt Palani f\u00fcr falsch.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch denke, es w\u00e4re nicht einfach, in das Jahr 2014 \u2013 also in die Zeit vor dem \u201aIS\u2018 \u2013 zur\u00fcckzukehren. Vor allem aber w\u00e4re es nicht die richtige Politik. Denn eben die hat ja erst zum Aufkommen, zur Existenz des \u201aIS\u2018 gef\u00fchrt.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n


Wie also in Ruinen Neues schaffen? Der Staat muss das Gewaltmonopol zur\u00fcckerlangen, fordert der Politikwissenschaftler. F\u00fcr ihn steht das an erster Stelle. Und dann m\u00fcsse der Staat dringend einen Kurswechsel vornehmen: Er m\u00fcsse integrativ wirken, alle einbinden, auch die Araber, in Sicherheitskr\u00e4fte, Verwaltung und Politik.<\/p>\n\n\n\n

Machtmonopol m\u00fcsste von Milizen zum Staat gehen<\/h2>\n\n\n\n

Die Realit\u00e4t sieht anders aus: Ein Staat Kurdistan, der neue Optionen m\u00f6glich gemacht h\u00e4tte, auch von den Minderheiten gew\u00fcnscht worden war, ist nicht entstanden. Bagdad aber ist fern, der Zentralstaat kaum existent, und wenn, dann ist er schiitisch dominiert. Es sind Milizen, die im Nord-Irak das Geschehen bestimmen, darum rivalisieren, das Machtvakuum zu f\u00fcllen, das durch die Vertreibung des \u201eIS\u201c entstanden ist. Einst im Kampf gegen die Terroristen geeint, sind die Milizen einander heute feind.<\/p>\n\n\n\n

Allen voran die \u201eHashd ash-Shaabi\u201c, schiitisch-irakische Milizen, deren Ausbilder und Kommandeure h\u00e4ufig Iraner sind. Bagdad hat die Haschd als regul\u00e4re Kraft im Kampf gegen den \u201eIS\u201c anerkannt \u2013 obwohl Menschenrechts-Organisationen schwere Vorw\u00fcrfe gegen sie erheben. Fest steht: Die schiitischen Milizen halten D\u00f6rfer besetzt, sind in Mosul f\u00fcr ihr herrisches Auftreten und ihre Willk\u00fcr bekannt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eTats\u00e4chlich sorgen die verschiedenen bewaffneten Gruppen daf\u00fcr, dass die Fl\u00fcchtlinge nicht zur\u00fcckkehren. Und weil sie nicht zur\u00fcckkehren, gibt es auch keinen Wiederaufbau. Die Menschen haben Angst vor den Milizen \u2013 auch davor, dass die einander bek\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die \u201eHashd\u201c m\u00fcssten mithin abziehen. Und mit ihnen die anderen Milizen. Das Machtmonopol m\u00fcsste an den Staat gehen. Doch der Irak ist auch Spielball der Regionalm\u00e4chte: Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien. Sie konkurrieren um Einfluss-Sph\u00e4ren, bedienen sich dabei verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Gruppen im Irak. Deswegen werden die Hashd nicht abziehen. Derzeit sind sie von der iranisch-irakischen Grenze im Osten \u00fcber Bagdad bis hoch zur irakisch-syrischen Grenze im Norden postiert. Einheiten Teherans k\u00f6nnten demnach auf dem Landweg vom Iran bis ans Mittelmeer durchmarschieren.<\/p>\n\n\n\n

Iran und Saudi-Arabien wollen Macht vergr\u00f6\u00dfern<\/h2>\n\n\n\n

Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n

In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n

Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3703,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:24:20","post_date_gmt":"2020-08-13 21:24:20","post_content":"\n

Deutschland str\u00e4ubt sich gegen die R\u00fcckkehr seiner eigenen Staatsb\u00fcrger, die zu IS-Terroristen wurden. Dabei hat die Bundesrepublik den Terror und die Terroristen einst exportiert. Und dies geschah wissentlich, sagt der Islamwissenschaftler Fabian Goldmann.<\/p>\n\n\n\n

Wann haben Sie sich eigentlich zuletzt von deutschen Terroristen distanziert? Zum Beispiel von Robert B.? Der Ex-Bundeswehrsoldat aus Solingen hat mutma\u00dflich bei einem Selbstmordattentat Anfang 2014 50 Menschen mit in den Tod gerissen. <\/p>\n\n\n\n

Oder von Yannik N.? Der junge Freiburger steuerte wahrscheinlich im Jahr 2015 einen mit anderthalb Tonnen Sprengstoff beladenen LKW in eine Menschenmenge und nahm so Dutzenden Personen das Leben.<\/p>\n\n\n\n

Oder von Yamin A.?. Im Sommer 2015 tauchte im Netz ein Video auf, das zeigte, wie der ehemalige Telekom-Azubi aus K\u00f6nigswinter zwei gefesselten Soldaten in den Kopf schoss.
Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Deutsche T\u00e4ter, aber kaum deutsche Opfer<\/h2>\n\n\n\n

Hauptsache nicht bei uns! Dies scheint auch dieser Tage wieder die Maxime zu sein, wenn Politiker und \u00d6ffentlichkeit \u00fcber den Umgang mit deutschen Terroristen diskutieren. Von potenziellen Bedrohungen und Anschlagsgefahren in Deutschland liest man dann. Vom ganz realen Terror, den Deutsche in den vergangenen Jahren \u00fcber die Menschen in Syrien und Irak gebracht haben, h\u00f6rt man hingegen kaum. Ein Terror, der kaum deutsche Opfer aber umso mehr deutsche T\u00e4ter kannte.<\/p>\n\n\n\n

1.050 \u2013 das ist laut Bundesinnenministerium die Anzahl der Dschihadisten, die in den letzten Jahren die Bundesrepublik in Richtung Nahost verlassen hat. Es f\u00e4llt schwer, sich umgekehrtes Szenario \u00fcberhaupt auszumalen. Was w\u00e4re wohl los, h\u00e4tte es nur ein Bruchteil arabischer Terroristen geschafft, bei uns Anschl\u00e4ge zu begehen? Europas \u201eMuslim Bann\u201c? \u00dcberwachungsstaat auf NSA-Niveau?<\/p>\n\n\n\n

Die CSU st\u00fcnde wom\u00f6glich am linken Ende des politischen Spektrums, und auf Twitter w\u00fcrde Trump deutsche Migrationspolitiker zur M\u00e4\u00dfigung aufrufen. Der deutsche Terror in Nahost kommt hingegen seit Jahren ganz ohne Sondersendungen, politische Debatten und Distanzierungsforderungen aus. <\/p>\n\n\n\n

Deutsche K\u00e4mpfer waren nicht nur willenloses Kanonenfutter<\/h2>\n\n\n\n

An fehlendem Wissen liegt das nicht. Von ganzen Einheiten des IS, in denen kein einziger K\u00e4mpfer Arabisch spreche, berichten syrische, irakische und kurdische Soldaten schon seit Jahren. Von Aleppo \u00fcber Raqqa bis Mossul haben Aktivisten und Politiker immer wieder darauf hingewiesen, dass viele der schlimmsten M\u00f6rder in den Reihen des IS Europ\u00e4er sind. Interessiert hat das hier kaum jemand.<\/p>\n\n\n\n

Dabei dienten Deutsche dem Islamischen Staats nicht nur als willenloses Kanonenfutter, wie es oft dargestellt wird. Viele haben seinen Terror mitgepr\u00e4gt. Wie Martin L., der derzeit in kurdischer Haft sitzt. Der Schwei\u00dfer aus Sachsen-Anhalt soll sich vom Folterknecht bis zum Geheimdienstler mit Kontakten bis in die F\u00fchrungsspitze der Terrororganisation hochgearbeitet haben.<\/p>\n\n\n\n

Oder Reda S., Der Prediger aus Berlin-Charlottenburg soll dem IS in Mossul als Bildungsminister gedient haben. Oder der Berliner Ex-Rapper Denis Cuspert, der zu den wichtigsten Personen in der IS-Medienorganisation Al-Hayat geh\u00f6rte. Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Beh\u00f6rden wussten gut Bescheid<\/h2>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich entstand der Islamische Staat nicht in deutschen Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen. Zur deutschen Verantwortung geh\u00f6rt aber auch, dass Politiker und Beh\u00f6rden lange wegschauten, solang nur die T\u00e4ter, aber nicht die Opfer Deutsche waren. Beh\u00f6rden wissen und wussten erschreckend gut Bescheid \u00fcber die Radikalisierung deutscher Islamisten. Ein Gro\u00dfteil der sp\u00e4teren IS-K\u00e4mpfer war polizeibekannt, stand auf Gef\u00e4hrderlisten oder hatte wegen islamistischer Straftaten bereits Haftstrafen verb\u00fc\u00dft. An der Ausreise gehindert wurden sie oftmals dennoch nicht. Die Gefahr, die von deutschen Terroristen ausgeht, interessierte Politik und \u00d6ffentlichkeit erst dann wieder, als ihre Einreise drohte.<\/p>\n\n\n\n

\"Fabian
Fabian Goldmann<\/strong> ist Journalist und Islamwissenschaftler. F\u00fcr verschiedene Magazine und Zeitungen berichtete er viele Jahre aus Nahost. Zurzeit widmet er sich vor allem dem Islam diesseits des Bosporus. Auf seinem Blog Schantall und die Scharia<\/a> bloggt er \u00fcber Islamophobie in Deutschland.<\/p>\n","post_title":"Es sind unsere Terroristen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"es-sind-unsere-terroristen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3703","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3700,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:19:36","post_date_gmt":"2020-08-13 21:19:36","post_content":"\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda? Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda t<\/p>\n\n\n\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda tritt an die Stelle der 2010 verabschiedeten Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014 (siehe IP\/10\/1535<\/a>). In der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda f\u00fcr den Zeitraum 2015-2020 skizziert die Europ\u00e4ische Kommission die Strategie der Union zur Bew\u00e4ltigung der Sicherheitsbedrohungen in der EU.<\/p>\n\n\n\n

Die EU und ihre Mitgliedstaaten sind mit betr\u00e4chtlichen Sicherheitsproblemen konfrontiert. Terrorismus, organisierte Kriminalit\u00e4t und Cyberkriminalit\u00e4t stellen eine zunehmende Gefahr f\u00fcr die europ\u00e4ische Gesellschaft dar, wobei sich Art und Ausma\u00df dieser Gefahr ver\u00e4ndert hat. Europa ist mit den Auswirkungen der politischen Instabilit\u00e4t in seiner unmittelbaren Nachbarschaft konfrontiert, die die Sicherheitsinteressen der EU gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n

Im Zuge der Krisen und Konflikte in Syrien, Irak und Libyen haben sich europ\u00e4ische B\u00fcrger terroristischen Gruppen angeschlossen, die bei ihrer R\u00fcckkehr eine erhebliche Bedrohung darstellen k\u00f6nnen. Die j\u00fcngsten terroristischen Anschl\u00e4ge in Europa zeugen von der zunehmenden Bedrohung durch einen gewaltt\u00e4tigen Extremismus und zeigen, in welchem Ausma\u00df weltweite Konflikte zur Radikalisierung der europ\u00e4ischen B\u00fcrger beitragen.<\/p>\n\n\n\n

Das Online-Umfeld hat sich zunehmend als Ziel f\u00fcr Kriminelle und Terroristen entwickelt. Unabh\u00e4ngig davon, ob es um die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und die Anwerbung von Menschen f\u00fcr terroristische Organisationen geht oder die Verbreitung von Hass oder einen Angriff auf die europ\u00e4ischen Werte und Institutionen, fest steht, dass wir unsere Reaktion auf diese Bedrohungen unbedingt abstimmen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Welcher Mehrwert entsteht durch die EU im Bereich der inneren Sicherheit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Gew\u00e4hrleistung der inneren Sicherheit f\u00e4llt weiterhin in erster Linie in die Zust\u00e4ndigkeit der Mitgliedstaaten. Allerdings werden die Bedrohungen f\u00fcr Europas B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger immer vielf\u00e4ltiger und betreffen in zunehmendem Ma\u00dfe mehrere Mitgliedstaaten. Einzelne Mitgliedstaaten haben die Verantwortung, die Sicherheit an den Au\u00dfengrenzen zu gew\u00e4hrleisten, sind aber nicht mehr in der Lage, diese Herausforderungen allein zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n

Kriminelle und terroristische Aktivit\u00e4ten machen nicht an den Grenzen der EU halt und beschr\u00e4nken sich auch nicht auf Nachbarregionen. Die innere Sicherheit der EU und die globale Sicherheit sind voneinander abh\u00e4ngig und miteinander verkn\u00fcpft. Die Sicherheit der Union h\u00e4ngt in hohem Ma\u00dfe von der Zusammenarbeit mit ihren internationalen Partnern und ihren Nachbarl\u00e4ndern ab.<\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t und des Terrorismus ist eine gemeinsame europ\u00e4ische Aufgabe. Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda sollte von den Mitgliedstaaten und den EU-Organen gemeinsam als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und gemeinsame Ma\u00dfnahmen der Union genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n

Mit Hilfe der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda werden die Polizei- und Strafverfolgungsdienste in verschiedenen Mitgliedstaaten Daten effektiver austauschen und bei der Bek\u00e4mpfung der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t besser zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Die Mitgliedstaaten k\u00f6nnen auf die Unterst\u00fctzung durch die Agenturen der EU z\u00e4hlen. Insbesondere in folgenden Punkten l\u00e4sst sich mit Hilfe der Sicherheitsagenda ein EU-Mehrwert erzielen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n

A) Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und den EU-Agenturen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1<\/strong>: Das Schengener Informationssystem<\/strong> (SIS) wird von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Abfrage von Ausschreibungen von gesuchten oder vermissten Personen und Gegenst\u00e4nden genutzt. Die Kommission wird an der Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Ausschreibungskategorien arbeiten und sich daf\u00fcr einsetzen, dass das SIS zusammen mit der Interpol-Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD)<\/strong> umfassender genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Im August 2014 entschloss sich auch Abu Fazel, nach Syrien zu gehen und zu k\u00e4mpfen. Im selben Monat wurde sein Cousin in der N\u00e4he von Aleppo im Kampf gegen syrische Rebellen get\u00f6tet.<\/p>\n\n\n\n

\u201eMein Cousin wurde dort get\u00f6tet. Auch andere Jungs aus unserer Gegend gingen nach Syrien und fielen dort. Lokale Zeitungen nannten sie \u201aM\u00e4rtyrer\u2018.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Lieber Flucht statt K\u00e4mpfer in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein solcher \u201eM\u00e4rtyrer\u201c wollte Abu Fazel allerdings nicht werden. Er floh eine Woche vor dem Beginn seiner dreimonatigen Kampfausbildung. Es war ihm lieber, ein Leben auf der Flucht zu verbringen, als in Syrien unschuldige Menschen f\u00fcr einen Diktator zu t\u00f6ten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch kam zu dem Schluss, dass ich nicht als M\u00f6rder weiterleben k\u00f6nnte. Stets dachte ich mir, dass selbst die schlimmsten Al-Qaida- oder IS-Terroristen Kinder haben k\u00f6nnten, die ihren Vater lieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Fazel verlor seinen eigenen Vater bereits sehr fr\u00fch. Er wurde Opfer des B\u00fcrgerkriegs in Afghanistan, der von 1989 bis 2001 tausende Menschen das Leben kostete. Auch der Iran mischte in der Zeit schon mit. Es ist allgemein bekannt, dass die schiitischen Hazara-Milizen, die den B\u00fcrgerkrieg ebenfalls mitanfachten, von der Regierung in Teheran unterst\u00fctzt wurden.<\/p>\n\n\n\n

Als Abu Fazel sich nun entschloss, aus der Gewaltspirale auszusteigen und nicht in Syrien zu k\u00e4mpfen, wuchs die Angst bei seiner Familie. Denn f\u00fcr die iranischen Beh\u00f6rden gilt: Hat man sich einmal gemeldet, gibt es kein zur\u00fcck. Man muss an die Front nach Syrien \u2013 oder wird zur\u00fcck nach Afghanistan abgeschoben, wo ebenfalls Krieg herrscht.<\/p>\n\n\n\n

Der einzige Ausweg f\u00fcr den jungen Afghanen war die Flucht. \u00dcber die T\u00fcrkei, Griechenland und die Balkranroute erreichte er mit gro\u00dfer M\u00fche Deutschland, wo er einen Asylantrag stellte.<\/p>\n\n\n\n

Erster Asylantrag in Deutschland abgelehnt<\/h2>\n\n\n\n

Als Grund nannte er seine Rekrutierung als Kindersoldat seitens des iranischen Regimes. Doch w\u00e4hrend diese Begr\u00fcndung in Abu Fazels Augen v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich war, sahen deutsche Beh\u00f6rden das anders. Sein erster Antrag wurde abgelehnt. Derzeit versucht er es ein zweites Mal. Die Bundesrepublik schiebt afghanische Gefl\u00fcchtete weiterhin ab.<\/p>\n\n\n\n

\"EinAbschiebung von Afghanen im Dezember 2016 mit einem Charterflug von Frankfurt nach Kabul. (dpa \/picture alliance \/ Boris Roessler)<\/p>\n\n\n\n

Die Verantwortlichen weisen in diesem Kontext immer wieder auf vermeintlich \u201esichere Gebiete\u201c im Land, die nicht n\u00e4her benannt werden.<\/p>\n\n\n\n

W\u00e4hrenddessen machen Menschenrechtsorganisationen regelm\u00e4\u00dfig darauf aufmerksam, dass keine Region am Hindukusch sicher ist. Stattdessen wird in manchen Gebieten nur weniger Krieg gef\u00fchrt als in anderen.<\/p>\n\n\n\n

\"SieDemonstranten protestieren in Frankfurt am Main gegen die Abschiebung von Afghanen. Auf einem der Transparente steht \u201eAfghanistan is not safe\u201c. (AFP \/ Daniel Roland)<\/p>\n\n\n\n

Alis Vater und Onkel k\u00e4mpfen in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein \u00e4hnliches Schicksal wie Abu Fazel erlitt der 18-j\u00e4hrige Ali (Namen ge\u00e4ndert). Auch er floh aus dem Iran nach Deutschland, um der Rekrutierung f\u00fcr Assads Milizen zu entgehen. Viele seiner afghanischen Freunde sind bereits nach Syrien gezogen \u2013 und kamen niemals zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Alis Familie, ebenfalls Angeh\u00f6rige der Hazara-Minderheit, stammt urspr\u00fcnglich aus der Provinz Ghor im Nordosten Afghanistans. Ihre Heimat verlie\u00dfen sie w\u00e4hrend der sowjetischen Besatzung in den 1980er-Jahren.<\/p>\n\n\n\n

Seit jeher lebt die Familie in der iranischen Gro\u00dfstadt Maschhad. Als der Krieg in Syrien ausbrach, erreichte sie ein Konflikt, mit dem sie nicht gerechnet hatten. Im Juli 2015 reiste Alis Vater nach Teheran. Er wollte einen Weg finden, um f\u00fcr seine Familie Aufenthaltspapiere zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Beh\u00f6rden sagten ihm, dass die Rekrutierung f\u00fcr den Krieg in Syrien eine M\u00f6glichkeit darstellen k\u00f6nnte, um Papiere f\u00fcr uns alle zu erhalten. Andernfalls w\u00fcrde man uns sehr bald nach Afghanistan abschieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Mittlerweile k\u00e4mpfen Alis Vater und sein Onkel seit \u00fcber einem Jahr in Syrien. Am Aufenthaltsstatus seiner Familienmitglieder hat sich bis heute allerdings nichts ge\u00e4ndert. F\u00fcr Ali ist klar, dass dies nur eine Falle gewesen ist, um noch mehr Afghanen als Kanonenfutter zu missbrauchen.<\/p>\n\n\n\n

Anfangs gab es Papiere f\u00fcr K\u00e4mpfer-Familien<\/h2>\n\n\n\n

Den Kontakt zu seinem Vater hat der Afghane mittlerweile verloren. W\u00e4hrenddessen schickt ihm sein Onkel, der in Aleppo stationiert ist, hin und wieder Bilder \u00fcber den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ali denkt, dass nur sehr wenige Afghanen der Propaganda der iranischen Regierung glauben und in Syrien f\u00fcr eine \u201egute Sache\u201c k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

Source<\/a><\/p>\n","post_title":"Warum Afghanen in Syrien f\u00fcr Assad k\u00e4mpfen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"warum-afghanen-in-syrien-fur-assad-kampfen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3709","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3706,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:27:40","post_date_gmt":"2020-08-13 21:27:40","post_content":"\n

Kinder, Frauen, Jesiden \u2013 wer \u00fcberlebt hat, berichtet von Folter, Vergewaltigungen und Gehirnw\u00e4sche. Rund drei Jahre dauerte die Schreckensherrschaft der IS-Miliz in Syrien und Irak. Der Wiederaufbau wird l\u00e4nger dauern und mehr umfassen als H\u00e4user.<\/p>\n\n\n\n

Der Fluss Tigris durchzieht die zweitgr\u00f6\u00dfte Stadt des Iraks und teilt Mosul in Ost und West. Das Westufer ist von Zerst\u00f6rung gezeichnet, die Altstadt nicht mehr als eine einzige graue Tr\u00fcmmerlandschaft. Seit den letzten Bombardements im Juli 2017 kann hier niemand mehr wohnen.<\/p>\n\n\n\n

Die Nouri-Moschee, von deren Kanzel Abu Bakr al-Baghdadi im Juli 2014 sein Kalifat ausrief, hatte die IS-Miliz auf ihrem R\u00fcckzug vorsorglich selbst in die Luft gesprengt, um den Gegnern diesen besonderen Triumph zu verwehren.<\/p>\n\n\n\n

\"ImIm Juli 2017 erobert die irakische Armee Mossul zur\u00fcck. Ruinen sind zu sehen. Ein K\u00e4mpfer der IS-Miliz hat sich ergeben. (Imago \/ Carol Guzy)<\/p>\n\n\n\n

Es ist fraglich, ob die Altstadt dem Original getreu wieder aufgebaut werden kann. Bagdad will demn\u00e4chst \u2013 im Rahmen einer gro\u00dfen Wiederaufbau-Konferenz \u2013 bekannt geben, welche Pl\u00e4ne es hat. Derzeit gilt als gro\u00dfer Fortschritt, dass die Tr\u00fcmmerlandschaft in Teilen wieder begehbar ist \u2013 nachdem mit internationaler Hilfe zahllose Sprengs\u00e4tze beseitigt wurden.<\/p>\n\n\n\n

In Ost-Mossul gibt es weniger Zerst\u00f6rungen<\/h2>\n\n\n\n

J\u00fcngste Sch\u00e4tzungen der Vereinten Nationen besagen, dass es noch Jahre dauern wird, bis alle Minen ger\u00e4umt sind. Solange werden die einstigen Bewohner nicht zur\u00fcckkehren k\u00f6nnen. Manche von ihnen haben Gl\u00fcck im Ungl\u00fcck: Sie haben \u00fcberlebt und sind auf der anderen Seite des Tigris untergekommen, im Osten der Stadt. Der war schon im Januar 2017 von den Terroristen befreit worden. Erstaunlich ist: Dieser Teil Mosuls wirkt fast so, als w\u00e4re der \u201eIS\u201c niemals hier gewesen und als h\u00e4tte es keinen Krieg gegeben.<\/p>\n\n\n\n

\"ImIm Osten Mossuls gibt es weniger Zerst\u00f6rungen als im Westteil. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

Die Zerst\u00f6rungen beschr\u00e4nken sich auf strategisch-wichtige Punkte oder Geb\u00e4ude, in denen sich die Terroristen verschanzt hatten: Br\u00fccken, Moscheen, Krankenh\u00e4user. Doch im Basar herrscht fast so etwas wie Normalit\u00e4t. An St\u00e4nden kaufen Menschen ein \u2013 Obst, Gem\u00fcse, Reis und Nudeln, Backwaren. Kinder schlecken ein Eis. Abu Muhammad, ein ehemaliger Physiklehrer, erkl\u00e4rt, warum der Basar so anders ist als erwartet:<\/p>\n\n\n\n

\u201eDas Leben hatte nie aufgeh\u00f6rt in Mosul. Wir haben weitergelebt. Drei Jahre wurden wir vom \u201aIS\u2018 beherrscht, doch die normalen Leute hatten nichts damit zu tun. Daher kam der Alltag schnell zur\u00fcck. Die Soldaten sind gekommen, haben den Basar wieder aufgemacht und das Leben ging weiter.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Im Osten findet sich heute all das wieder, was die Terror-Miliz unterdr\u00fcckt hatte und bei Missachtung grausam ahndete: Musik in Restaurants und Caf\u00e9s; Sim-Karten f\u00fcr Handys; Internet; Fris\u00f6re, die Haare schneiden, B\u00e4rte stutzen oder gar abrasieren. Und doch: Trotz des lebendigen Treibens wirken Angst und Schrecken nach. Abu Muhammad, fr\u00fch ergraut, erinnert sich:<\/p>\n\n\n\n

\u201eWir haben uns gef\u00fchlt wie zwischen Leben und Tod. Irgendwo dazwischen. Sie haben vom \u201aIS\u2018 geh\u00f6rt; wir haben ihn erlebt: Wir haben erlebt, wie sie mordeten, wie sie Leute aufh\u00e4ngten, wir haben den Krieg erlebt. Wir haben alles gesehen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Mohammed stammt aus dem zerst\u00f6rten Westen der Stadt. Er wohnt heute im Osten. Verwandte haben ihn und seine Familie aufgenommen. So wie ihm ergeht es auch anderen Vertriebenen. Sie leben bei Verwandten und Freunden. Oder in einem der vielen Lager. 700.000 Menschen haben ihr Zuhause verloren \u2013 eine Zahl, die f\u00fcr West-Mosul gilt. Insgesamt gehen die Vereinten Nationen von fast sechs Millionen Menschen aus, die im Irak vor dem \u201aIS\u2018 geflohen sind \u2013 die H\u00e4lfte von ihnen bis heute fern von ihrem Zuhause.<\/p>\n\n\n\n

Binnenfl\u00fcchtlinge im Lager Khabartu<\/h2>\n\n\n\n

Zelte soweit das Auge reicht. Abertausende. Inmitten von Steppe. Das Leben der Menschen ist hart. Sie darben, frieren und verdorren \u2013 wenn im Winter der kalte Wind durch die Steppe fegt und im Sommer die Sonne niederbrennt. Doch sie harren aus, haben wenig Hoffnung auf baldige R\u00fcckkehr. Die meisten kamen 2014 \u2013 hierher, ins Lager Khabartu in Irakisch-Kurdistan.<\/p>\n\n\n\n

\"DasDas Lager Khabartu f\u00fcr irakische Binnenfl\u00fcchtlinge. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

2014, als der \u201eIS\u201c den Nord-Irak \u00fcberfiel. In einem der Zelte lebt auch die Familie von Thomas Abdallah Hammou. Thomas war auf der Flucht von seiner Familie getrennt und von den Dschihadisten verschleppt worden. Damals war er acht Jahre alt. Ein Kind. Drei Jahre blieb er in Geiselhaft, lebte in Mosul.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollten nicht, dass wir spielen. Sie mochten es nicht. Ich habe keine Schule besucht, aber sie gaben uns Koran-Unterricht. Jeden Tag.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas musste seinem eigenen, dem jesidischen Glauben abschw\u00f6ren. Weil der \u201eIS\u201c die Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c betrachtet. Und \u201eUngl\u00e4ubige\u201c, so die Auffassung der Terroristen, m\u00fcssen zwangsbekehrt werden. Oder get\u00f6tet. Die Terroristen hatten dementsprechend die Jesiden entweder an Ort und Stelle ermordet, die meisten im Sinjar, im alten Siedlungsgebiet der Jesiden im Nord-Irak. Tausende. 47 Massengr\u00e4ber sollen mittlerweile gefunden worden sein. Oder aber die Terroristen lie\u00dfen die Jesiden am Leben und nahmen sie in Geiselhaft. Sie machten aus ihnen Sexsklavinnen oder sie bildeten sie aus \u2013 zu Selbstmordattent\u00e4tern. Wie Thomas.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie haben uns st\u00e4ndig geschlagen. Wir mussten Schie\u00dfen \u00fcben. Zwei meiner Freunde haben sich in die Luft gesprengt. Sie sind zum Training. Doch sie kamen nicht zur\u00fcck. Ich war nicht traurig. Sie wollten sich ja in die Luft sprengen. Die \u201aIS\u2018-Leute hatten es nicht von ihnen verlangt. Sie sind freiwillig gegangen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas hat heute einen modernen Haarschnitt; der Nacken ist ausrasiert; der lange Pony in die Stirn gek\u00e4mmt. Im Sommer sah er noch anders aus, kurz nachdem Mosul befreit worden war. Bei einem Luftangriff der Anti-\u201eIS\u201c-Koalition wurde Thomas schwer verletzt aus Tr\u00fcmmern geborgen, dann operiert.<\/p>\n\n\n\n

\"ThomasThomas erholt sich von drei Jahren IS-Gefangenschaft. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

Arbeit mit \u201eDschihadisten-Kindern\u201c<\/h2>\n\n\n\n

Die \u00e4u\u00dferen Wunden sind heute verheilt. Doch wie sieht es aus mit den inneren, den seelischen Verletzungen? Thomas wurde von seiner Familie aufgenommen und bekommt Hilfe. Andere Kinder konnten nicht aufgefangen werden. Bis heute betrachten sie Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c \u2013 so wie es ihnen in der Geiselhaft eingeh\u00e4mmert wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie sind eine gro\u00dfe Gefahr f\u00fcr andere Kinder. Sie leben in Lagern, in einem Zelt, auf sechs mal vier Metern, oder noch weniger! Acht Geschwister, sie spielen zusammen, reden, sie indoktrinieren die anderen! Das ist ein Problem, das wir nicht l\u00f6sen k\u00f6nnen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Sara Hassan ist Sozialarbeiterin. Sie arbeitet in den Lagern, versucht M\u00e4dchen und Frauen, die jahrelang in Geiselhaft vergewaltigt wurden, zu helfen. Unz\u00e4hlige hatte der \u201eIS\u201c einst entf\u00fchrt. Sara arbeitet auch mit den sogenannten \u201eDschihadisten-Kindern\u201c. Sie erz\u00e4hlt, wie \u00fcberfordert alle seien: die Familien, die jesidische Gemeinschaft, die Gesellschaft des Nord-Irak.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIn einem anderen Fall hat sich die Familie am Ende an die Sicherheitskr\u00e4fte gewandt. Doch die wussten auch nicht, wie sie damit umgehen sollten. Monate lang hat die Familie versucht, den Jungen umzuerziehen, zusammen mit Sozialarbeitern. Aber noch immer sehen wir den Hass in seinen Augen \u2013 gegen\u00fcber Kurden, Christen und Jesiden. Als blicke man in die Augen eines IS-Terroristen. Das ist das Problem.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Die Jesiden k\u00f6nnen \u00fcber ihre vom \u201eIS\u201c indoktrinierten Kinder sprechen. Denn niemand zweifelt daran, dass sie Opfer der Tyrannei wurden. Bei den sunnitischen Arabern sieht das anders aus. Da sie derselben Religionsgruppe angeh\u00f6ren wie formal auch die Terroristen, stehen sie unter Generalverdacht, mit dem \u201eIS\u201c gemeinsame Sache gemacht zu haben. Sunnitische Araber trauen sich daher nicht, die Probleme ihrer Kinder \u00f6ffentlich zu machen \u2013 auch wenn sie selbst nichts mit dem \u201eIS\u201c zu tun hatten.<\/p>\n\n\n\n

Unklar ist, wie viele Kinder und Jugendliche im Irak und in Syrien zu Terroristen ausgebildet wurden, dabei noch in Geiselhaft sind oder bereits als \u201eSchl\u00e4fer\u201c darauf warten, zum Einsatz zu kommen. Sie gleichen \u201etickenden Zeitbomben\u201c, die jederzeit explodieren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

Minderheiten haben Angst vor \u201eIS\u201c-Nachfolgern<\/h2>\n\n\n\n

Kamaran Palani spricht davon, dass viele Menschen immer noch gehen wollen, obwohl der \u201eIS\u201c als staats\u00e4hnliches Gebilde nicht mehr besteht. Seine Saat aber, so der Politikwissenschaftler, sei aufgegangen.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollen einfach nicht in diesem Land bleiben. Der IS hat sie dazu gebracht. Jeder hat heute Angst, dass eine andere Organisation kommen wird, Terroristen, die dasselbe anrichten wie zuvor.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Palani forscht am \u201eMiddle East Research Institute\u201c, das seinen Sitz in Erbil hat, der Hauptstadt von Irakisch-Kurdistan. <\/p>\n\n\n\n

\u201e60 bis 65 Prozent der Christen wollen gehen. Das Gleiche gilt f\u00fcr andere Minderheiten: f\u00fcr Jesiden, Schabaks, Turkmenen, Kakais.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

\u201eWir werden niemals wieder mit den Arabern zusammenleben k\u00f6nnen!\u201c \u2013 ein Satz, der heute h\u00e4ufig im Nord-Irak zu h\u00f6ren ist. Gemeint sind die Iraker, die Sunniten und Araber sind \u2013 die einstmals Nachbarn von Jesiden, Christen und Kurden waren \u2013 mit denen man Handel trieb und Hochzeiten feierte, die auch Freunde waren.<\/p>\n\n\n\n

Der Irak ist eine multi-ethnische und multi-religi\u00f6se Gesellschaft, in der die Schiiten die Mehrheit stellen. \u00dcber Jahrhunderte aber hatten die sunnitischen Araber das Sagen, sie missbrauchten die Macht, errichteten ein Schreckensregime \u2013 bis 2003, als Diktator Saddam Hussein von den USA gest\u00fcrzt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c entstand aus Widerstand gegen Schiiten-Herrschaft<\/h2>\n\n\n\n

Jetzt wurde der Spie\u00df umgedreht. Die Amerikaner sorgten daf\u00fcr, dass die Sunniten jegliche Machtposition verloren \u2013 so wurde die irakische Armee, wurde die baathistische Partei aufgel\u00f6st \u2013 ohne ein Pendant zu schaffen, das alle integrierte. Und: Washington unterst\u00fctzte Regierungschef Nouri al-Maliki, einen Schiiten. Maliki sah eine historische Chance gekommen, diskriminierte nun seinerseits seine sunnitischen Landsleute, verwehrte ihnen im \u201eNeuen Irak\u201c die Mitsprache. Im Regime Malikis wurden Sunniten inhaftiert, gefoltert und umgebracht.<\/p>\n\n\n\n

Was viele in den Widerstand trieb. Einige schlossen sich der Terror-Organisation \u201eAl-Qaida\u201c an, unter ihnen f\u00fchrende Milit\u00e4rs der aufgel\u00f6sten Armee Saddam Husseins \u2013 und aus \u201eAl-Qaida\u201c ging sp\u00e4ter der \u201eIS\u201c hervor.<\/p>\n\n\n\n

Als der \u201eIS\u201c dann im Sommer 2014 fast ohne Gegenwehr weite Landstriche in Syrien und im Irak \u00fcberrannte und seinen \u201eStaat\u201c ausrief, sahen auch gew\u00f6hnliche sunnitische Araber einen Wechsel nahen. Viele machten gemeinsame Sache mit den Terroristen, verhinderten die Flucht jesidischer Nachbarn, lieferten sie ihren Schl\u00e4chtern aus. Kamaran Palani:<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c-K\u00e4mpfer haben gesagt, es gehe darum, die W\u00fcrde der sunnitischen Araber wiederherzustellen. Ihre Macht. Ihre Geschichte. Tats\u00e4chlich konnten es die Araber nicht hinnehmen, dass sie ins Abseits gedr\u00e4ngt wurden. Und ich denke, dass sie auch in Zukunft so handeln werden. Wann immer sich die Gelegenheit bietet: Sie werden alles hinter sich lassen \u2013 sich nur darauf konzentrieren.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Misstrauen. Auch bei einem Politikwissenschaftler. Was also tun? Zerst\u00f6rte St\u00e4dte und D\u00f6rfer k\u00f6nnten wieder aufgebaut werden \u2013 wenn denn ein gemeinsamer Wille best\u00fcnde. Doch was, wenn es einen solchen gemeinsamen Willen gar nicht gibt? Wenn Schmerz und Trauer anhalten, wenn die Verbrechen von Terroristen und Helfershelfern nicht geahndet werden, wenn Angst umgeht, Misstrauen und Hass das Miteinander bestimmen.<\/p>\n\n\n\n

\"SyrischeSoldaten in der irakischen Stadt Sindschar nach der R\u00fcckeroberung von der IS-Miliz Ende 2015. (dpa \/ MAXPPP \/ Arnaud Dumontier)<\/p>\n\n\n\n

Kamaran Palani stammt aus der Stadt Makhmour. Drei Tage nur sei der \u201eIS\u201c dort gewesen, sagt er, doch diese Tage h\u00e4tten alles ver\u00e4ndert. Der \u201eIS\u201c habe die Menschen in seiner Heimatstadt verrohen lassen, meint er, das Verh\u00e4ltnis zwischen Kurden und Arabern sei heute tot. Eine R\u00fcckkehr in alte Zeiten h\u00e4lt Palani f\u00fcr falsch.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch denke, es w\u00e4re nicht einfach, in das Jahr 2014 \u2013 also in die Zeit vor dem \u201aIS\u2018 \u2013 zur\u00fcckzukehren. Vor allem aber w\u00e4re es nicht die richtige Politik. Denn eben die hat ja erst zum Aufkommen, zur Existenz des \u201aIS\u2018 gef\u00fchrt.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n


Wie also in Ruinen Neues schaffen? Der Staat muss das Gewaltmonopol zur\u00fcckerlangen, fordert der Politikwissenschaftler. F\u00fcr ihn steht das an erster Stelle. Und dann m\u00fcsse der Staat dringend einen Kurswechsel vornehmen: Er m\u00fcsse integrativ wirken, alle einbinden, auch die Araber, in Sicherheitskr\u00e4fte, Verwaltung und Politik.<\/p>\n\n\n\n

Machtmonopol m\u00fcsste von Milizen zum Staat gehen<\/h2>\n\n\n\n

Die Realit\u00e4t sieht anders aus: Ein Staat Kurdistan, der neue Optionen m\u00f6glich gemacht h\u00e4tte, auch von den Minderheiten gew\u00fcnscht worden war, ist nicht entstanden. Bagdad aber ist fern, der Zentralstaat kaum existent, und wenn, dann ist er schiitisch dominiert. Es sind Milizen, die im Nord-Irak das Geschehen bestimmen, darum rivalisieren, das Machtvakuum zu f\u00fcllen, das durch die Vertreibung des \u201eIS\u201c entstanden ist. Einst im Kampf gegen die Terroristen geeint, sind die Milizen einander heute feind.<\/p>\n\n\n\n

Allen voran die \u201eHashd ash-Shaabi\u201c, schiitisch-irakische Milizen, deren Ausbilder und Kommandeure h\u00e4ufig Iraner sind. Bagdad hat die Haschd als regul\u00e4re Kraft im Kampf gegen den \u201eIS\u201c anerkannt \u2013 obwohl Menschenrechts-Organisationen schwere Vorw\u00fcrfe gegen sie erheben. Fest steht: Die schiitischen Milizen halten D\u00f6rfer besetzt, sind in Mosul f\u00fcr ihr herrisches Auftreten und ihre Willk\u00fcr bekannt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eTats\u00e4chlich sorgen die verschiedenen bewaffneten Gruppen daf\u00fcr, dass die Fl\u00fcchtlinge nicht zur\u00fcckkehren. Und weil sie nicht zur\u00fcckkehren, gibt es auch keinen Wiederaufbau. Die Menschen haben Angst vor den Milizen \u2013 auch davor, dass die einander bek\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die \u201eHashd\u201c m\u00fcssten mithin abziehen. Und mit ihnen die anderen Milizen. Das Machtmonopol m\u00fcsste an den Staat gehen. Doch der Irak ist auch Spielball der Regionalm\u00e4chte: Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien. Sie konkurrieren um Einfluss-Sph\u00e4ren, bedienen sich dabei verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Gruppen im Irak. Deswegen werden die Hashd nicht abziehen. Derzeit sind sie von der iranisch-irakischen Grenze im Osten \u00fcber Bagdad bis hoch zur irakisch-syrischen Grenze im Norden postiert. Einheiten Teherans k\u00f6nnten demnach auf dem Landweg vom Iran bis ans Mittelmeer durchmarschieren.<\/p>\n\n\n\n

Iran und Saudi-Arabien wollen Macht vergr\u00f6\u00dfern<\/h2>\n\n\n\n

Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n

In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n

Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3703,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:24:20","post_date_gmt":"2020-08-13 21:24:20","post_content":"\n

Deutschland str\u00e4ubt sich gegen die R\u00fcckkehr seiner eigenen Staatsb\u00fcrger, die zu IS-Terroristen wurden. Dabei hat die Bundesrepublik den Terror und die Terroristen einst exportiert. Und dies geschah wissentlich, sagt der Islamwissenschaftler Fabian Goldmann.<\/p>\n\n\n\n

Wann haben Sie sich eigentlich zuletzt von deutschen Terroristen distanziert? Zum Beispiel von Robert B.? Der Ex-Bundeswehrsoldat aus Solingen hat mutma\u00dflich bei einem Selbstmordattentat Anfang 2014 50 Menschen mit in den Tod gerissen. <\/p>\n\n\n\n

Oder von Yannik N.? Der junge Freiburger steuerte wahrscheinlich im Jahr 2015 einen mit anderthalb Tonnen Sprengstoff beladenen LKW in eine Menschenmenge und nahm so Dutzenden Personen das Leben.<\/p>\n\n\n\n

Oder von Yamin A.?. Im Sommer 2015 tauchte im Netz ein Video auf, das zeigte, wie der ehemalige Telekom-Azubi aus K\u00f6nigswinter zwei gefesselten Soldaten in den Kopf schoss.
Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Deutsche T\u00e4ter, aber kaum deutsche Opfer<\/h2>\n\n\n\n

Hauptsache nicht bei uns! Dies scheint auch dieser Tage wieder die Maxime zu sein, wenn Politiker und \u00d6ffentlichkeit \u00fcber den Umgang mit deutschen Terroristen diskutieren. Von potenziellen Bedrohungen und Anschlagsgefahren in Deutschland liest man dann. Vom ganz realen Terror, den Deutsche in den vergangenen Jahren \u00fcber die Menschen in Syrien und Irak gebracht haben, h\u00f6rt man hingegen kaum. Ein Terror, der kaum deutsche Opfer aber umso mehr deutsche T\u00e4ter kannte.<\/p>\n\n\n\n

1.050 \u2013 das ist laut Bundesinnenministerium die Anzahl der Dschihadisten, die in den letzten Jahren die Bundesrepublik in Richtung Nahost verlassen hat. Es f\u00e4llt schwer, sich umgekehrtes Szenario \u00fcberhaupt auszumalen. Was w\u00e4re wohl los, h\u00e4tte es nur ein Bruchteil arabischer Terroristen geschafft, bei uns Anschl\u00e4ge zu begehen? Europas \u201eMuslim Bann\u201c? \u00dcberwachungsstaat auf NSA-Niveau?<\/p>\n\n\n\n

Die CSU st\u00fcnde wom\u00f6glich am linken Ende des politischen Spektrums, und auf Twitter w\u00fcrde Trump deutsche Migrationspolitiker zur M\u00e4\u00dfigung aufrufen. Der deutsche Terror in Nahost kommt hingegen seit Jahren ganz ohne Sondersendungen, politische Debatten und Distanzierungsforderungen aus. <\/p>\n\n\n\n

Deutsche K\u00e4mpfer waren nicht nur willenloses Kanonenfutter<\/h2>\n\n\n\n

An fehlendem Wissen liegt das nicht. Von ganzen Einheiten des IS, in denen kein einziger K\u00e4mpfer Arabisch spreche, berichten syrische, irakische und kurdische Soldaten schon seit Jahren. Von Aleppo \u00fcber Raqqa bis Mossul haben Aktivisten und Politiker immer wieder darauf hingewiesen, dass viele der schlimmsten M\u00f6rder in den Reihen des IS Europ\u00e4er sind. Interessiert hat das hier kaum jemand.<\/p>\n\n\n\n

Dabei dienten Deutsche dem Islamischen Staats nicht nur als willenloses Kanonenfutter, wie es oft dargestellt wird. Viele haben seinen Terror mitgepr\u00e4gt. Wie Martin L., der derzeit in kurdischer Haft sitzt. Der Schwei\u00dfer aus Sachsen-Anhalt soll sich vom Folterknecht bis zum Geheimdienstler mit Kontakten bis in die F\u00fchrungsspitze der Terrororganisation hochgearbeitet haben.<\/p>\n\n\n\n

Oder Reda S., Der Prediger aus Berlin-Charlottenburg soll dem IS in Mossul als Bildungsminister gedient haben. Oder der Berliner Ex-Rapper Denis Cuspert, der zu den wichtigsten Personen in der IS-Medienorganisation Al-Hayat geh\u00f6rte. Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Beh\u00f6rden wussten gut Bescheid<\/h2>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich entstand der Islamische Staat nicht in deutschen Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen. Zur deutschen Verantwortung geh\u00f6rt aber auch, dass Politiker und Beh\u00f6rden lange wegschauten, solang nur die T\u00e4ter, aber nicht die Opfer Deutsche waren. Beh\u00f6rden wissen und wussten erschreckend gut Bescheid \u00fcber die Radikalisierung deutscher Islamisten. Ein Gro\u00dfteil der sp\u00e4teren IS-K\u00e4mpfer war polizeibekannt, stand auf Gef\u00e4hrderlisten oder hatte wegen islamistischer Straftaten bereits Haftstrafen verb\u00fc\u00dft. An der Ausreise gehindert wurden sie oftmals dennoch nicht. Die Gefahr, die von deutschen Terroristen ausgeht, interessierte Politik und \u00d6ffentlichkeit erst dann wieder, als ihre Einreise drohte.<\/p>\n\n\n\n

\"Fabian
Fabian Goldmann<\/strong> ist Journalist und Islamwissenschaftler. F\u00fcr verschiedene Magazine und Zeitungen berichtete er viele Jahre aus Nahost. Zurzeit widmet er sich vor allem dem Islam diesseits des Bosporus. Auf seinem Blog Schantall und die Scharia<\/a> bloggt er \u00fcber Islamophobie in Deutschland.<\/p>\n","post_title":"Es sind unsere Terroristen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"es-sind-unsere-terroristen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3703","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3700,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:19:36","post_date_gmt":"2020-08-13 21:19:36","post_content":"\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda? Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda t<\/p>\n\n\n\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda tritt an die Stelle der 2010 verabschiedeten Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014 (siehe IP\/10\/1535<\/a>). In der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda f\u00fcr den Zeitraum 2015-2020 skizziert die Europ\u00e4ische Kommission die Strategie der Union zur Bew\u00e4ltigung der Sicherheitsbedrohungen in der EU.<\/p>\n\n\n\n

Die EU und ihre Mitgliedstaaten sind mit betr\u00e4chtlichen Sicherheitsproblemen konfrontiert. Terrorismus, organisierte Kriminalit\u00e4t und Cyberkriminalit\u00e4t stellen eine zunehmende Gefahr f\u00fcr die europ\u00e4ische Gesellschaft dar, wobei sich Art und Ausma\u00df dieser Gefahr ver\u00e4ndert hat. Europa ist mit den Auswirkungen der politischen Instabilit\u00e4t in seiner unmittelbaren Nachbarschaft konfrontiert, die die Sicherheitsinteressen der EU gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n

Im Zuge der Krisen und Konflikte in Syrien, Irak und Libyen haben sich europ\u00e4ische B\u00fcrger terroristischen Gruppen angeschlossen, die bei ihrer R\u00fcckkehr eine erhebliche Bedrohung darstellen k\u00f6nnen. Die j\u00fcngsten terroristischen Anschl\u00e4ge in Europa zeugen von der zunehmenden Bedrohung durch einen gewaltt\u00e4tigen Extremismus und zeigen, in welchem Ausma\u00df weltweite Konflikte zur Radikalisierung der europ\u00e4ischen B\u00fcrger beitragen.<\/p>\n\n\n\n

Das Online-Umfeld hat sich zunehmend als Ziel f\u00fcr Kriminelle und Terroristen entwickelt. Unabh\u00e4ngig davon, ob es um die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und die Anwerbung von Menschen f\u00fcr terroristische Organisationen geht oder die Verbreitung von Hass oder einen Angriff auf die europ\u00e4ischen Werte und Institutionen, fest steht, dass wir unsere Reaktion auf diese Bedrohungen unbedingt abstimmen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Welcher Mehrwert entsteht durch die EU im Bereich der inneren Sicherheit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Gew\u00e4hrleistung der inneren Sicherheit f\u00e4llt weiterhin in erster Linie in die Zust\u00e4ndigkeit der Mitgliedstaaten. Allerdings werden die Bedrohungen f\u00fcr Europas B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger immer vielf\u00e4ltiger und betreffen in zunehmendem Ma\u00dfe mehrere Mitgliedstaaten. Einzelne Mitgliedstaaten haben die Verantwortung, die Sicherheit an den Au\u00dfengrenzen zu gew\u00e4hrleisten, sind aber nicht mehr in der Lage, diese Herausforderungen allein zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n

Kriminelle und terroristische Aktivit\u00e4ten machen nicht an den Grenzen der EU halt und beschr\u00e4nken sich auch nicht auf Nachbarregionen. Die innere Sicherheit der EU und die globale Sicherheit sind voneinander abh\u00e4ngig und miteinander verkn\u00fcpft. Die Sicherheit der Union h\u00e4ngt in hohem Ma\u00dfe von der Zusammenarbeit mit ihren internationalen Partnern und ihren Nachbarl\u00e4ndern ab.<\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t und des Terrorismus ist eine gemeinsame europ\u00e4ische Aufgabe. Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda sollte von den Mitgliedstaaten und den EU-Organen gemeinsam als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und gemeinsame Ma\u00dfnahmen der Union genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n

Mit Hilfe der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda werden die Polizei- und Strafverfolgungsdienste in verschiedenen Mitgliedstaaten Daten effektiver austauschen und bei der Bek\u00e4mpfung der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t besser zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Die Mitgliedstaaten k\u00f6nnen auf die Unterst\u00fctzung durch die Agenturen der EU z\u00e4hlen. Insbesondere in folgenden Punkten l\u00e4sst sich mit Hilfe der Sicherheitsagenda ein EU-Mehrwert erzielen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n

A) Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und den EU-Agenturen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1<\/strong>: Das Schengener Informationssystem<\/strong> (SIS) wird von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Abfrage von Ausschreibungen von gesuchten oder vermissten Personen und Gegenst\u00e4nden genutzt. Die Kommission wird an der Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Ausschreibungskategorien arbeiten und sich daf\u00fcr einsetzen, dass das SIS zusammen mit der Interpol-Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD)<\/strong> umfassender genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Erfolg hatten die Rekrutierer des Regimes auch bei Abu Fazels Cousin, der zum damaligen Zeitpunkt ebenfalls minderj\u00e4hrig gewesen ist. Er ging nach Syrien und k\u00e4mpfte unter der Flagge der \u201eLiwa Fatemiyoun\u201c, wie die afghanische Division auf Seiten Assads hei\u00dft. Offiziell ist die Aufgabe der Miliz die Verteidigung des Schreines von Zaynab im S\u00fcden von Damaskus. Zaynab war die Enkelin des islamischen Propheten Mohammad. Laut iranischen Staatsmedien k\u00e4mpfen mindestens 20.000 Afghanen in der Division.<\/p>\n\n\n\n

Im August 2014 entschloss sich auch Abu Fazel, nach Syrien zu gehen und zu k\u00e4mpfen. Im selben Monat wurde sein Cousin in der N\u00e4he von Aleppo im Kampf gegen syrische Rebellen get\u00f6tet.<\/p>\n\n\n\n

\u201eMein Cousin wurde dort get\u00f6tet. Auch andere Jungs aus unserer Gegend gingen nach Syrien und fielen dort. Lokale Zeitungen nannten sie \u201aM\u00e4rtyrer\u2018.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Lieber Flucht statt K\u00e4mpfer in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein solcher \u201eM\u00e4rtyrer\u201c wollte Abu Fazel allerdings nicht werden. Er floh eine Woche vor dem Beginn seiner dreimonatigen Kampfausbildung. Es war ihm lieber, ein Leben auf der Flucht zu verbringen, als in Syrien unschuldige Menschen f\u00fcr einen Diktator zu t\u00f6ten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch kam zu dem Schluss, dass ich nicht als M\u00f6rder weiterleben k\u00f6nnte. Stets dachte ich mir, dass selbst die schlimmsten Al-Qaida- oder IS-Terroristen Kinder haben k\u00f6nnten, die ihren Vater lieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Fazel verlor seinen eigenen Vater bereits sehr fr\u00fch. Er wurde Opfer des B\u00fcrgerkriegs in Afghanistan, der von 1989 bis 2001 tausende Menschen das Leben kostete. Auch der Iran mischte in der Zeit schon mit. Es ist allgemein bekannt, dass die schiitischen Hazara-Milizen, die den B\u00fcrgerkrieg ebenfalls mitanfachten, von der Regierung in Teheran unterst\u00fctzt wurden.<\/p>\n\n\n\n

Als Abu Fazel sich nun entschloss, aus der Gewaltspirale auszusteigen und nicht in Syrien zu k\u00e4mpfen, wuchs die Angst bei seiner Familie. Denn f\u00fcr die iranischen Beh\u00f6rden gilt: Hat man sich einmal gemeldet, gibt es kein zur\u00fcck. Man muss an die Front nach Syrien \u2013 oder wird zur\u00fcck nach Afghanistan abgeschoben, wo ebenfalls Krieg herrscht.<\/p>\n\n\n\n

Der einzige Ausweg f\u00fcr den jungen Afghanen war die Flucht. \u00dcber die T\u00fcrkei, Griechenland und die Balkranroute erreichte er mit gro\u00dfer M\u00fche Deutschland, wo er einen Asylantrag stellte.<\/p>\n\n\n\n

Erster Asylantrag in Deutschland abgelehnt<\/h2>\n\n\n\n

Als Grund nannte er seine Rekrutierung als Kindersoldat seitens des iranischen Regimes. Doch w\u00e4hrend diese Begr\u00fcndung in Abu Fazels Augen v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich war, sahen deutsche Beh\u00f6rden das anders. Sein erster Antrag wurde abgelehnt. Derzeit versucht er es ein zweites Mal. Die Bundesrepublik schiebt afghanische Gefl\u00fcchtete weiterhin ab.<\/p>\n\n\n\n

\"EinAbschiebung von Afghanen im Dezember 2016 mit einem Charterflug von Frankfurt nach Kabul. (dpa \/picture alliance \/ Boris Roessler)<\/p>\n\n\n\n

Die Verantwortlichen weisen in diesem Kontext immer wieder auf vermeintlich \u201esichere Gebiete\u201c im Land, die nicht n\u00e4her benannt werden.<\/p>\n\n\n\n

W\u00e4hrenddessen machen Menschenrechtsorganisationen regelm\u00e4\u00dfig darauf aufmerksam, dass keine Region am Hindukusch sicher ist. Stattdessen wird in manchen Gebieten nur weniger Krieg gef\u00fchrt als in anderen.<\/p>\n\n\n\n

\"SieDemonstranten protestieren in Frankfurt am Main gegen die Abschiebung von Afghanen. Auf einem der Transparente steht \u201eAfghanistan is not safe\u201c. (AFP \/ Daniel Roland)<\/p>\n\n\n\n

Alis Vater und Onkel k\u00e4mpfen in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein \u00e4hnliches Schicksal wie Abu Fazel erlitt der 18-j\u00e4hrige Ali (Namen ge\u00e4ndert). Auch er floh aus dem Iran nach Deutschland, um der Rekrutierung f\u00fcr Assads Milizen zu entgehen. Viele seiner afghanischen Freunde sind bereits nach Syrien gezogen \u2013 und kamen niemals zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Alis Familie, ebenfalls Angeh\u00f6rige der Hazara-Minderheit, stammt urspr\u00fcnglich aus der Provinz Ghor im Nordosten Afghanistans. Ihre Heimat verlie\u00dfen sie w\u00e4hrend der sowjetischen Besatzung in den 1980er-Jahren.<\/p>\n\n\n\n

Seit jeher lebt die Familie in der iranischen Gro\u00dfstadt Maschhad. Als der Krieg in Syrien ausbrach, erreichte sie ein Konflikt, mit dem sie nicht gerechnet hatten. Im Juli 2015 reiste Alis Vater nach Teheran. Er wollte einen Weg finden, um f\u00fcr seine Familie Aufenthaltspapiere zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Beh\u00f6rden sagten ihm, dass die Rekrutierung f\u00fcr den Krieg in Syrien eine M\u00f6glichkeit darstellen k\u00f6nnte, um Papiere f\u00fcr uns alle zu erhalten. Andernfalls w\u00fcrde man uns sehr bald nach Afghanistan abschieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Mittlerweile k\u00e4mpfen Alis Vater und sein Onkel seit \u00fcber einem Jahr in Syrien. Am Aufenthaltsstatus seiner Familienmitglieder hat sich bis heute allerdings nichts ge\u00e4ndert. F\u00fcr Ali ist klar, dass dies nur eine Falle gewesen ist, um noch mehr Afghanen als Kanonenfutter zu missbrauchen.<\/p>\n\n\n\n

Anfangs gab es Papiere f\u00fcr K\u00e4mpfer-Familien<\/h2>\n\n\n\n

Den Kontakt zu seinem Vater hat der Afghane mittlerweile verloren. W\u00e4hrenddessen schickt ihm sein Onkel, der in Aleppo stationiert ist, hin und wieder Bilder \u00fcber den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ali denkt, dass nur sehr wenige Afghanen der Propaganda der iranischen Regierung glauben und in Syrien f\u00fcr eine \u201egute Sache\u201c k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

Source<\/a><\/p>\n","post_title":"Warum Afghanen in Syrien f\u00fcr Assad k\u00e4mpfen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"warum-afghanen-in-syrien-fur-assad-kampfen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3709","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3706,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:27:40","post_date_gmt":"2020-08-13 21:27:40","post_content":"\n

Kinder, Frauen, Jesiden \u2013 wer \u00fcberlebt hat, berichtet von Folter, Vergewaltigungen und Gehirnw\u00e4sche. Rund drei Jahre dauerte die Schreckensherrschaft der IS-Miliz in Syrien und Irak. Der Wiederaufbau wird l\u00e4nger dauern und mehr umfassen als H\u00e4user.<\/p>\n\n\n\n

Der Fluss Tigris durchzieht die zweitgr\u00f6\u00dfte Stadt des Iraks und teilt Mosul in Ost und West. Das Westufer ist von Zerst\u00f6rung gezeichnet, die Altstadt nicht mehr als eine einzige graue Tr\u00fcmmerlandschaft. Seit den letzten Bombardements im Juli 2017 kann hier niemand mehr wohnen.<\/p>\n\n\n\n

Die Nouri-Moschee, von deren Kanzel Abu Bakr al-Baghdadi im Juli 2014 sein Kalifat ausrief, hatte die IS-Miliz auf ihrem R\u00fcckzug vorsorglich selbst in die Luft gesprengt, um den Gegnern diesen besonderen Triumph zu verwehren.<\/p>\n\n\n\n

\"ImIm Juli 2017 erobert die irakische Armee Mossul zur\u00fcck. Ruinen sind zu sehen. Ein K\u00e4mpfer der IS-Miliz hat sich ergeben. (Imago \/ Carol Guzy)<\/p>\n\n\n\n

Es ist fraglich, ob die Altstadt dem Original getreu wieder aufgebaut werden kann. Bagdad will demn\u00e4chst \u2013 im Rahmen einer gro\u00dfen Wiederaufbau-Konferenz \u2013 bekannt geben, welche Pl\u00e4ne es hat. Derzeit gilt als gro\u00dfer Fortschritt, dass die Tr\u00fcmmerlandschaft in Teilen wieder begehbar ist \u2013 nachdem mit internationaler Hilfe zahllose Sprengs\u00e4tze beseitigt wurden.<\/p>\n\n\n\n

In Ost-Mossul gibt es weniger Zerst\u00f6rungen<\/h2>\n\n\n\n

J\u00fcngste Sch\u00e4tzungen der Vereinten Nationen besagen, dass es noch Jahre dauern wird, bis alle Minen ger\u00e4umt sind. Solange werden die einstigen Bewohner nicht zur\u00fcckkehren k\u00f6nnen. Manche von ihnen haben Gl\u00fcck im Ungl\u00fcck: Sie haben \u00fcberlebt und sind auf der anderen Seite des Tigris untergekommen, im Osten der Stadt. Der war schon im Januar 2017 von den Terroristen befreit worden. Erstaunlich ist: Dieser Teil Mosuls wirkt fast so, als w\u00e4re der \u201eIS\u201c niemals hier gewesen und als h\u00e4tte es keinen Krieg gegeben.<\/p>\n\n\n\n

\"ImIm Osten Mossuls gibt es weniger Zerst\u00f6rungen als im Westteil. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

Die Zerst\u00f6rungen beschr\u00e4nken sich auf strategisch-wichtige Punkte oder Geb\u00e4ude, in denen sich die Terroristen verschanzt hatten: Br\u00fccken, Moscheen, Krankenh\u00e4user. Doch im Basar herrscht fast so etwas wie Normalit\u00e4t. An St\u00e4nden kaufen Menschen ein \u2013 Obst, Gem\u00fcse, Reis und Nudeln, Backwaren. Kinder schlecken ein Eis. Abu Muhammad, ein ehemaliger Physiklehrer, erkl\u00e4rt, warum der Basar so anders ist als erwartet:<\/p>\n\n\n\n

\u201eDas Leben hatte nie aufgeh\u00f6rt in Mosul. Wir haben weitergelebt. Drei Jahre wurden wir vom \u201aIS\u2018 beherrscht, doch die normalen Leute hatten nichts damit zu tun. Daher kam der Alltag schnell zur\u00fcck. Die Soldaten sind gekommen, haben den Basar wieder aufgemacht und das Leben ging weiter.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Im Osten findet sich heute all das wieder, was die Terror-Miliz unterdr\u00fcckt hatte und bei Missachtung grausam ahndete: Musik in Restaurants und Caf\u00e9s; Sim-Karten f\u00fcr Handys; Internet; Fris\u00f6re, die Haare schneiden, B\u00e4rte stutzen oder gar abrasieren. Und doch: Trotz des lebendigen Treibens wirken Angst und Schrecken nach. Abu Muhammad, fr\u00fch ergraut, erinnert sich:<\/p>\n\n\n\n

\u201eWir haben uns gef\u00fchlt wie zwischen Leben und Tod. Irgendwo dazwischen. Sie haben vom \u201aIS\u2018 geh\u00f6rt; wir haben ihn erlebt: Wir haben erlebt, wie sie mordeten, wie sie Leute aufh\u00e4ngten, wir haben den Krieg erlebt. Wir haben alles gesehen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Mohammed stammt aus dem zerst\u00f6rten Westen der Stadt. Er wohnt heute im Osten. Verwandte haben ihn und seine Familie aufgenommen. So wie ihm ergeht es auch anderen Vertriebenen. Sie leben bei Verwandten und Freunden. Oder in einem der vielen Lager. 700.000 Menschen haben ihr Zuhause verloren \u2013 eine Zahl, die f\u00fcr West-Mosul gilt. Insgesamt gehen die Vereinten Nationen von fast sechs Millionen Menschen aus, die im Irak vor dem \u201aIS\u2018 geflohen sind \u2013 die H\u00e4lfte von ihnen bis heute fern von ihrem Zuhause.<\/p>\n\n\n\n

Binnenfl\u00fcchtlinge im Lager Khabartu<\/h2>\n\n\n\n

Zelte soweit das Auge reicht. Abertausende. Inmitten von Steppe. Das Leben der Menschen ist hart. Sie darben, frieren und verdorren \u2013 wenn im Winter der kalte Wind durch die Steppe fegt und im Sommer die Sonne niederbrennt. Doch sie harren aus, haben wenig Hoffnung auf baldige R\u00fcckkehr. Die meisten kamen 2014 \u2013 hierher, ins Lager Khabartu in Irakisch-Kurdistan.<\/p>\n\n\n\n

\"DasDas Lager Khabartu f\u00fcr irakische Binnenfl\u00fcchtlinge. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

2014, als der \u201eIS\u201c den Nord-Irak \u00fcberfiel. In einem der Zelte lebt auch die Familie von Thomas Abdallah Hammou. Thomas war auf der Flucht von seiner Familie getrennt und von den Dschihadisten verschleppt worden. Damals war er acht Jahre alt. Ein Kind. Drei Jahre blieb er in Geiselhaft, lebte in Mosul.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollten nicht, dass wir spielen. Sie mochten es nicht. Ich habe keine Schule besucht, aber sie gaben uns Koran-Unterricht. Jeden Tag.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas musste seinem eigenen, dem jesidischen Glauben abschw\u00f6ren. Weil der \u201eIS\u201c die Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c betrachtet. Und \u201eUngl\u00e4ubige\u201c, so die Auffassung der Terroristen, m\u00fcssen zwangsbekehrt werden. Oder get\u00f6tet. Die Terroristen hatten dementsprechend die Jesiden entweder an Ort und Stelle ermordet, die meisten im Sinjar, im alten Siedlungsgebiet der Jesiden im Nord-Irak. Tausende. 47 Massengr\u00e4ber sollen mittlerweile gefunden worden sein. Oder aber die Terroristen lie\u00dfen die Jesiden am Leben und nahmen sie in Geiselhaft. Sie machten aus ihnen Sexsklavinnen oder sie bildeten sie aus \u2013 zu Selbstmordattent\u00e4tern. Wie Thomas.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie haben uns st\u00e4ndig geschlagen. Wir mussten Schie\u00dfen \u00fcben. Zwei meiner Freunde haben sich in die Luft gesprengt. Sie sind zum Training. Doch sie kamen nicht zur\u00fcck. Ich war nicht traurig. Sie wollten sich ja in die Luft sprengen. Die \u201aIS\u2018-Leute hatten es nicht von ihnen verlangt. Sie sind freiwillig gegangen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas hat heute einen modernen Haarschnitt; der Nacken ist ausrasiert; der lange Pony in die Stirn gek\u00e4mmt. Im Sommer sah er noch anders aus, kurz nachdem Mosul befreit worden war. Bei einem Luftangriff der Anti-\u201eIS\u201c-Koalition wurde Thomas schwer verletzt aus Tr\u00fcmmern geborgen, dann operiert.<\/p>\n\n\n\n

\"ThomasThomas erholt sich von drei Jahren IS-Gefangenschaft. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

Arbeit mit \u201eDschihadisten-Kindern\u201c<\/h2>\n\n\n\n

Die \u00e4u\u00dferen Wunden sind heute verheilt. Doch wie sieht es aus mit den inneren, den seelischen Verletzungen? Thomas wurde von seiner Familie aufgenommen und bekommt Hilfe. Andere Kinder konnten nicht aufgefangen werden. Bis heute betrachten sie Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c \u2013 so wie es ihnen in der Geiselhaft eingeh\u00e4mmert wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie sind eine gro\u00dfe Gefahr f\u00fcr andere Kinder. Sie leben in Lagern, in einem Zelt, auf sechs mal vier Metern, oder noch weniger! Acht Geschwister, sie spielen zusammen, reden, sie indoktrinieren die anderen! Das ist ein Problem, das wir nicht l\u00f6sen k\u00f6nnen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Sara Hassan ist Sozialarbeiterin. Sie arbeitet in den Lagern, versucht M\u00e4dchen und Frauen, die jahrelang in Geiselhaft vergewaltigt wurden, zu helfen. Unz\u00e4hlige hatte der \u201eIS\u201c einst entf\u00fchrt. Sara arbeitet auch mit den sogenannten \u201eDschihadisten-Kindern\u201c. Sie erz\u00e4hlt, wie \u00fcberfordert alle seien: die Familien, die jesidische Gemeinschaft, die Gesellschaft des Nord-Irak.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIn einem anderen Fall hat sich die Familie am Ende an die Sicherheitskr\u00e4fte gewandt. Doch die wussten auch nicht, wie sie damit umgehen sollten. Monate lang hat die Familie versucht, den Jungen umzuerziehen, zusammen mit Sozialarbeitern. Aber noch immer sehen wir den Hass in seinen Augen \u2013 gegen\u00fcber Kurden, Christen und Jesiden. Als blicke man in die Augen eines IS-Terroristen. Das ist das Problem.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Die Jesiden k\u00f6nnen \u00fcber ihre vom \u201eIS\u201c indoktrinierten Kinder sprechen. Denn niemand zweifelt daran, dass sie Opfer der Tyrannei wurden. Bei den sunnitischen Arabern sieht das anders aus. Da sie derselben Religionsgruppe angeh\u00f6ren wie formal auch die Terroristen, stehen sie unter Generalverdacht, mit dem \u201eIS\u201c gemeinsame Sache gemacht zu haben. Sunnitische Araber trauen sich daher nicht, die Probleme ihrer Kinder \u00f6ffentlich zu machen \u2013 auch wenn sie selbst nichts mit dem \u201eIS\u201c zu tun hatten.<\/p>\n\n\n\n

Unklar ist, wie viele Kinder und Jugendliche im Irak und in Syrien zu Terroristen ausgebildet wurden, dabei noch in Geiselhaft sind oder bereits als \u201eSchl\u00e4fer\u201c darauf warten, zum Einsatz zu kommen. Sie gleichen \u201etickenden Zeitbomben\u201c, die jederzeit explodieren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

Minderheiten haben Angst vor \u201eIS\u201c-Nachfolgern<\/h2>\n\n\n\n

Kamaran Palani spricht davon, dass viele Menschen immer noch gehen wollen, obwohl der \u201eIS\u201c als staats\u00e4hnliches Gebilde nicht mehr besteht. Seine Saat aber, so der Politikwissenschaftler, sei aufgegangen.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollen einfach nicht in diesem Land bleiben. Der IS hat sie dazu gebracht. Jeder hat heute Angst, dass eine andere Organisation kommen wird, Terroristen, die dasselbe anrichten wie zuvor.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Palani forscht am \u201eMiddle East Research Institute\u201c, das seinen Sitz in Erbil hat, der Hauptstadt von Irakisch-Kurdistan. <\/p>\n\n\n\n

\u201e60 bis 65 Prozent der Christen wollen gehen. Das Gleiche gilt f\u00fcr andere Minderheiten: f\u00fcr Jesiden, Schabaks, Turkmenen, Kakais.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

\u201eWir werden niemals wieder mit den Arabern zusammenleben k\u00f6nnen!\u201c \u2013 ein Satz, der heute h\u00e4ufig im Nord-Irak zu h\u00f6ren ist. Gemeint sind die Iraker, die Sunniten und Araber sind \u2013 die einstmals Nachbarn von Jesiden, Christen und Kurden waren \u2013 mit denen man Handel trieb und Hochzeiten feierte, die auch Freunde waren.<\/p>\n\n\n\n

Der Irak ist eine multi-ethnische und multi-religi\u00f6se Gesellschaft, in der die Schiiten die Mehrheit stellen. \u00dcber Jahrhunderte aber hatten die sunnitischen Araber das Sagen, sie missbrauchten die Macht, errichteten ein Schreckensregime \u2013 bis 2003, als Diktator Saddam Hussein von den USA gest\u00fcrzt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c entstand aus Widerstand gegen Schiiten-Herrschaft<\/h2>\n\n\n\n

Jetzt wurde der Spie\u00df umgedreht. Die Amerikaner sorgten daf\u00fcr, dass die Sunniten jegliche Machtposition verloren \u2013 so wurde die irakische Armee, wurde die baathistische Partei aufgel\u00f6st \u2013 ohne ein Pendant zu schaffen, das alle integrierte. Und: Washington unterst\u00fctzte Regierungschef Nouri al-Maliki, einen Schiiten. Maliki sah eine historische Chance gekommen, diskriminierte nun seinerseits seine sunnitischen Landsleute, verwehrte ihnen im \u201eNeuen Irak\u201c die Mitsprache. Im Regime Malikis wurden Sunniten inhaftiert, gefoltert und umgebracht.<\/p>\n\n\n\n

Was viele in den Widerstand trieb. Einige schlossen sich der Terror-Organisation \u201eAl-Qaida\u201c an, unter ihnen f\u00fchrende Milit\u00e4rs der aufgel\u00f6sten Armee Saddam Husseins \u2013 und aus \u201eAl-Qaida\u201c ging sp\u00e4ter der \u201eIS\u201c hervor.<\/p>\n\n\n\n

Als der \u201eIS\u201c dann im Sommer 2014 fast ohne Gegenwehr weite Landstriche in Syrien und im Irak \u00fcberrannte und seinen \u201eStaat\u201c ausrief, sahen auch gew\u00f6hnliche sunnitische Araber einen Wechsel nahen. Viele machten gemeinsame Sache mit den Terroristen, verhinderten die Flucht jesidischer Nachbarn, lieferten sie ihren Schl\u00e4chtern aus. Kamaran Palani:<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c-K\u00e4mpfer haben gesagt, es gehe darum, die W\u00fcrde der sunnitischen Araber wiederherzustellen. Ihre Macht. Ihre Geschichte. Tats\u00e4chlich konnten es die Araber nicht hinnehmen, dass sie ins Abseits gedr\u00e4ngt wurden. Und ich denke, dass sie auch in Zukunft so handeln werden. Wann immer sich die Gelegenheit bietet: Sie werden alles hinter sich lassen \u2013 sich nur darauf konzentrieren.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Misstrauen. Auch bei einem Politikwissenschaftler. Was also tun? Zerst\u00f6rte St\u00e4dte und D\u00f6rfer k\u00f6nnten wieder aufgebaut werden \u2013 wenn denn ein gemeinsamer Wille best\u00fcnde. Doch was, wenn es einen solchen gemeinsamen Willen gar nicht gibt? Wenn Schmerz und Trauer anhalten, wenn die Verbrechen von Terroristen und Helfershelfern nicht geahndet werden, wenn Angst umgeht, Misstrauen und Hass das Miteinander bestimmen.<\/p>\n\n\n\n

\"SyrischeSoldaten in der irakischen Stadt Sindschar nach der R\u00fcckeroberung von der IS-Miliz Ende 2015. (dpa \/ MAXPPP \/ Arnaud Dumontier)<\/p>\n\n\n\n

Kamaran Palani stammt aus der Stadt Makhmour. Drei Tage nur sei der \u201eIS\u201c dort gewesen, sagt er, doch diese Tage h\u00e4tten alles ver\u00e4ndert. Der \u201eIS\u201c habe die Menschen in seiner Heimatstadt verrohen lassen, meint er, das Verh\u00e4ltnis zwischen Kurden und Arabern sei heute tot. Eine R\u00fcckkehr in alte Zeiten h\u00e4lt Palani f\u00fcr falsch.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch denke, es w\u00e4re nicht einfach, in das Jahr 2014 \u2013 also in die Zeit vor dem \u201aIS\u2018 \u2013 zur\u00fcckzukehren. Vor allem aber w\u00e4re es nicht die richtige Politik. Denn eben die hat ja erst zum Aufkommen, zur Existenz des \u201aIS\u2018 gef\u00fchrt.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n


Wie also in Ruinen Neues schaffen? Der Staat muss das Gewaltmonopol zur\u00fcckerlangen, fordert der Politikwissenschaftler. F\u00fcr ihn steht das an erster Stelle. Und dann m\u00fcsse der Staat dringend einen Kurswechsel vornehmen: Er m\u00fcsse integrativ wirken, alle einbinden, auch die Araber, in Sicherheitskr\u00e4fte, Verwaltung und Politik.<\/p>\n\n\n\n

Machtmonopol m\u00fcsste von Milizen zum Staat gehen<\/h2>\n\n\n\n

Die Realit\u00e4t sieht anders aus: Ein Staat Kurdistan, der neue Optionen m\u00f6glich gemacht h\u00e4tte, auch von den Minderheiten gew\u00fcnscht worden war, ist nicht entstanden. Bagdad aber ist fern, der Zentralstaat kaum existent, und wenn, dann ist er schiitisch dominiert. Es sind Milizen, die im Nord-Irak das Geschehen bestimmen, darum rivalisieren, das Machtvakuum zu f\u00fcllen, das durch die Vertreibung des \u201eIS\u201c entstanden ist. Einst im Kampf gegen die Terroristen geeint, sind die Milizen einander heute feind.<\/p>\n\n\n\n

Allen voran die \u201eHashd ash-Shaabi\u201c, schiitisch-irakische Milizen, deren Ausbilder und Kommandeure h\u00e4ufig Iraner sind. Bagdad hat die Haschd als regul\u00e4re Kraft im Kampf gegen den \u201eIS\u201c anerkannt \u2013 obwohl Menschenrechts-Organisationen schwere Vorw\u00fcrfe gegen sie erheben. Fest steht: Die schiitischen Milizen halten D\u00f6rfer besetzt, sind in Mosul f\u00fcr ihr herrisches Auftreten und ihre Willk\u00fcr bekannt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eTats\u00e4chlich sorgen die verschiedenen bewaffneten Gruppen daf\u00fcr, dass die Fl\u00fcchtlinge nicht zur\u00fcckkehren. Und weil sie nicht zur\u00fcckkehren, gibt es auch keinen Wiederaufbau. Die Menschen haben Angst vor den Milizen \u2013 auch davor, dass die einander bek\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die \u201eHashd\u201c m\u00fcssten mithin abziehen. Und mit ihnen die anderen Milizen. Das Machtmonopol m\u00fcsste an den Staat gehen. Doch der Irak ist auch Spielball der Regionalm\u00e4chte: Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien. Sie konkurrieren um Einfluss-Sph\u00e4ren, bedienen sich dabei verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Gruppen im Irak. Deswegen werden die Hashd nicht abziehen. Derzeit sind sie von der iranisch-irakischen Grenze im Osten \u00fcber Bagdad bis hoch zur irakisch-syrischen Grenze im Norden postiert. Einheiten Teherans k\u00f6nnten demnach auf dem Landweg vom Iran bis ans Mittelmeer durchmarschieren.<\/p>\n\n\n\n

Iran und Saudi-Arabien wollen Macht vergr\u00f6\u00dfern<\/h2>\n\n\n\n

Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n

In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n

Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3703,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:24:20","post_date_gmt":"2020-08-13 21:24:20","post_content":"\n

Deutschland str\u00e4ubt sich gegen die R\u00fcckkehr seiner eigenen Staatsb\u00fcrger, die zu IS-Terroristen wurden. Dabei hat die Bundesrepublik den Terror und die Terroristen einst exportiert. Und dies geschah wissentlich, sagt der Islamwissenschaftler Fabian Goldmann.<\/p>\n\n\n\n

Wann haben Sie sich eigentlich zuletzt von deutschen Terroristen distanziert? Zum Beispiel von Robert B.? Der Ex-Bundeswehrsoldat aus Solingen hat mutma\u00dflich bei einem Selbstmordattentat Anfang 2014 50 Menschen mit in den Tod gerissen. <\/p>\n\n\n\n

Oder von Yannik N.? Der junge Freiburger steuerte wahrscheinlich im Jahr 2015 einen mit anderthalb Tonnen Sprengstoff beladenen LKW in eine Menschenmenge und nahm so Dutzenden Personen das Leben.<\/p>\n\n\n\n

Oder von Yamin A.?. Im Sommer 2015 tauchte im Netz ein Video auf, das zeigte, wie der ehemalige Telekom-Azubi aus K\u00f6nigswinter zwei gefesselten Soldaten in den Kopf schoss.
Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Deutsche T\u00e4ter, aber kaum deutsche Opfer<\/h2>\n\n\n\n

Hauptsache nicht bei uns! Dies scheint auch dieser Tage wieder die Maxime zu sein, wenn Politiker und \u00d6ffentlichkeit \u00fcber den Umgang mit deutschen Terroristen diskutieren. Von potenziellen Bedrohungen und Anschlagsgefahren in Deutschland liest man dann. Vom ganz realen Terror, den Deutsche in den vergangenen Jahren \u00fcber die Menschen in Syrien und Irak gebracht haben, h\u00f6rt man hingegen kaum. Ein Terror, der kaum deutsche Opfer aber umso mehr deutsche T\u00e4ter kannte.<\/p>\n\n\n\n

1.050 \u2013 das ist laut Bundesinnenministerium die Anzahl der Dschihadisten, die in den letzten Jahren die Bundesrepublik in Richtung Nahost verlassen hat. Es f\u00e4llt schwer, sich umgekehrtes Szenario \u00fcberhaupt auszumalen. Was w\u00e4re wohl los, h\u00e4tte es nur ein Bruchteil arabischer Terroristen geschafft, bei uns Anschl\u00e4ge zu begehen? Europas \u201eMuslim Bann\u201c? \u00dcberwachungsstaat auf NSA-Niveau?<\/p>\n\n\n\n

Die CSU st\u00fcnde wom\u00f6glich am linken Ende des politischen Spektrums, und auf Twitter w\u00fcrde Trump deutsche Migrationspolitiker zur M\u00e4\u00dfigung aufrufen. Der deutsche Terror in Nahost kommt hingegen seit Jahren ganz ohne Sondersendungen, politische Debatten und Distanzierungsforderungen aus. <\/p>\n\n\n\n

Deutsche K\u00e4mpfer waren nicht nur willenloses Kanonenfutter<\/h2>\n\n\n\n

An fehlendem Wissen liegt das nicht. Von ganzen Einheiten des IS, in denen kein einziger K\u00e4mpfer Arabisch spreche, berichten syrische, irakische und kurdische Soldaten schon seit Jahren. Von Aleppo \u00fcber Raqqa bis Mossul haben Aktivisten und Politiker immer wieder darauf hingewiesen, dass viele der schlimmsten M\u00f6rder in den Reihen des IS Europ\u00e4er sind. Interessiert hat das hier kaum jemand.<\/p>\n\n\n\n

Dabei dienten Deutsche dem Islamischen Staats nicht nur als willenloses Kanonenfutter, wie es oft dargestellt wird. Viele haben seinen Terror mitgepr\u00e4gt. Wie Martin L., der derzeit in kurdischer Haft sitzt. Der Schwei\u00dfer aus Sachsen-Anhalt soll sich vom Folterknecht bis zum Geheimdienstler mit Kontakten bis in die F\u00fchrungsspitze der Terrororganisation hochgearbeitet haben.<\/p>\n\n\n\n

Oder Reda S., Der Prediger aus Berlin-Charlottenburg soll dem IS in Mossul als Bildungsminister gedient haben. Oder der Berliner Ex-Rapper Denis Cuspert, der zu den wichtigsten Personen in der IS-Medienorganisation Al-Hayat geh\u00f6rte. Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Beh\u00f6rden wussten gut Bescheid<\/h2>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich entstand der Islamische Staat nicht in deutschen Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen. Zur deutschen Verantwortung geh\u00f6rt aber auch, dass Politiker und Beh\u00f6rden lange wegschauten, solang nur die T\u00e4ter, aber nicht die Opfer Deutsche waren. Beh\u00f6rden wissen und wussten erschreckend gut Bescheid \u00fcber die Radikalisierung deutscher Islamisten. Ein Gro\u00dfteil der sp\u00e4teren IS-K\u00e4mpfer war polizeibekannt, stand auf Gef\u00e4hrderlisten oder hatte wegen islamistischer Straftaten bereits Haftstrafen verb\u00fc\u00dft. An der Ausreise gehindert wurden sie oftmals dennoch nicht. Die Gefahr, die von deutschen Terroristen ausgeht, interessierte Politik und \u00d6ffentlichkeit erst dann wieder, als ihre Einreise drohte.<\/p>\n\n\n\n

\"Fabian
Fabian Goldmann<\/strong> ist Journalist und Islamwissenschaftler. F\u00fcr verschiedene Magazine und Zeitungen berichtete er viele Jahre aus Nahost. Zurzeit widmet er sich vor allem dem Islam diesseits des Bosporus. Auf seinem Blog Schantall und die Scharia<\/a> bloggt er \u00fcber Islamophobie in Deutschland.<\/p>\n","post_title":"Es sind unsere Terroristen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"es-sind-unsere-terroristen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3703","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3700,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:19:36","post_date_gmt":"2020-08-13 21:19:36","post_content":"\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda? Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda t<\/p>\n\n\n\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda tritt an die Stelle der 2010 verabschiedeten Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014 (siehe IP\/10\/1535<\/a>). In der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda f\u00fcr den Zeitraum 2015-2020 skizziert die Europ\u00e4ische Kommission die Strategie der Union zur Bew\u00e4ltigung der Sicherheitsbedrohungen in der EU.<\/p>\n\n\n\n

Die EU und ihre Mitgliedstaaten sind mit betr\u00e4chtlichen Sicherheitsproblemen konfrontiert. Terrorismus, organisierte Kriminalit\u00e4t und Cyberkriminalit\u00e4t stellen eine zunehmende Gefahr f\u00fcr die europ\u00e4ische Gesellschaft dar, wobei sich Art und Ausma\u00df dieser Gefahr ver\u00e4ndert hat. Europa ist mit den Auswirkungen der politischen Instabilit\u00e4t in seiner unmittelbaren Nachbarschaft konfrontiert, die die Sicherheitsinteressen der EU gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n

Im Zuge der Krisen und Konflikte in Syrien, Irak und Libyen haben sich europ\u00e4ische B\u00fcrger terroristischen Gruppen angeschlossen, die bei ihrer R\u00fcckkehr eine erhebliche Bedrohung darstellen k\u00f6nnen. Die j\u00fcngsten terroristischen Anschl\u00e4ge in Europa zeugen von der zunehmenden Bedrohung durch einen gewaltt\u00e4tigen Extremismus und zeigen, in welchem Ausma\u00df weltweite Konflikte zur Radikalisierung der europ\u00e4ischen B\u00fcrger beitragen.<\/p>\n\n\n\n

Das Online-Umfeld hat sich zunehmend als Ziel f\u00fcr Kriminelle und Terroristen entwickelt. Unabh\u00e4ngig davon, ob es um die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und die Anwerbung von Menschen f\u00fcr terroristische Organisationen geht oder die Verbreitung von Hass oder einen Angriff auf die europ\u00e4ischen Werte und Institutionen, fest steht, dass wir unsere Reaktion auf diese Bedrohungen unbedingt abstimmen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Welcher Mehrwert entsteht durch die EU im Bereich der inneren Sicherheit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Gew\u00e4hrleistung der inneren Sicherheit f\u00e4llt weiterhin in erster Linie in die Zust\u00e4ndigkeit der Mitgliedstaaten. Allerdings werden die Bedrohungen f\u00fcr Europas B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger immer vielf\u00e4ltiger und betreffen in zunehmendem Ma\u00dfe mehrere Mitgliedstaaten. Einzelne Mitgliedstaaten haben die Verantwortung, die Sicherheit an den Au\u00dfengrenzen zu gew\u00e4hrleisten, sind aber nicht mehr in der Lage, diese Herausforderungen allein zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n

Kriminelle und terroristische Aktivit\u00e4ten machen nicht an den Grenzen der EU halt und beschr\u00e4nken sich auch nicht auf Nachbarregionen. Die innere Sicherheit der EU und die globale Sicherheit sind voneinander abh\u00e4ngig und miteinander verkn\u00fcpft. Die Sicherheit der Union h\u00e4ngt in hohem Ma\u00dfe von der Zusammenarbeit mit ihren internationalen Partnern und ihren Nachbarl\u00e4ndern ab.<\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t und des Terrorismus ist eine gemeinsame europ\u00e4ische Aufgabe. Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda sollte von den Mitgliedstaaten und den EU-Organen gemeinsam als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und gemeinsame Ma\u00dfnahmen der Union genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n

Mit Hilfe der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda werden die Polizei- und Strafverfolgungsdienste in verschiedenen Mitgliedstaaten Daten effektiver austauschen und bei der Bek\u00e4mpfung der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t besser zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Die Mitgliedstaaten k\u00f6nnen auf die Unterst\u00fctzung durch die Agenturen der EU z\u00e4hlen. Insbesondere in folgenden Punkten l\u00e4sst sich mit Hilfe der Sicherheitsagenda ein EU-Mehrwert erzielen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n

A) Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und den EU-Agenturen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1<\/strong>: Das Schengener Informationssystem<\/strong> (SIS) wird von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Abfrage von Ausschreibungen von gesuchten oder vermissten Personen und Gegenst\u00e4nden genutzt. Die Kommission wird an der Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Ausschreibungskategorien arbeiten und sich daf\u00fcr einsetzen, dass das SIS zusammen mit der Interpol-Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD)<\/strong> umfassender genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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\u201eSie trafen junge M\u00e4nner und Jugendliche in den Moscheen und \u00fcberredeten sie, gegen den IS oder Al Qaida zu k\u00e4mpfen. Die Gehirnw\u00e4sche war perfekt. Am Ende merkten viele, darunter auch ich, nicht einmal, dass wir in ihre Propaganda getappt waren. Ihre \u00dcberredungskunst war wirklich sehr speziell. Am Ende hat man Lust, nach Syrien zu gehen, um zu k\u00e4mpfen\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Erfolg hatten die Rekrutierer des Regimes auch bei Abu Fazels Cousin, der zum damaligen Zeitpunkt ebenfalls minderj\u00e4hrig gewesen ist. Er ging nach Syrien und k\u00e4mpfte unter der Flagge der \u201eLiwa Fatemiyoun\u201c, wie die afghanische Division auf Seiten Assads hei\u00dft. Offiziell ist die Aufgabe der Miliz die Verteidigung des Schreines von Zaynab im S\u00fcden von Damaskus. Zaynab war die Enkelin des islamischen Propheten Mohammad. Laut iranischen Staatsmedien k\u00e4mpfen mindestens 20.000 Afghanen in der Division.<\/p>\n\n\n\n

Im August 2014 entschloss sich auch Abu Fazel, nach Syrien zu gehen und zu k\u00e4mpfen. Im selben Monat wurde sein Cousin in der N\u00e4he von Aleppo im Kampf gegen syrische Rebellen get\u00f6tet.<\/p>\n\n\n\n

\u201eMein Cousin wurde dort get\u00f6tet. Auch andere Jungs aus unserer Gegend gingen nach Syrien und fielen dort. Lokale Zeitungen nannten sie \u201aM\u00e4rtyrer\u2018.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Lieber Flucht statt K\u00e4mpfer in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein solcher \u201eM\u00e4rtyrer\u201c wollte Abu Fazel allerdings nicht werden. Er floh eine Woche vor dem Beginn seiner dreimonatigen Kampfausbildung. Es war ihm lieber, ein Leben auf der Flucht zu verbringen, als in Syrien unschuldige Menschen f\u00fcr einen Diktator zu t\u00f6ten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch kam zu dem Schluss, dass ich nicht als M\u00f6rder weiterleben k\u00f6nnte. Stets dachte ich mir, dass selbst die schlimmsten Al-Qaida- oder IS-Terroristen Kinder haben k\u00f6nnten, die ihren Vater lieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Fazel verlor seinen eigenen Vater bereits sehr fr\u00fch. Er wurde Opfer des B\u00fcrgerkriegs in Afghanistan, der von 1989 bis 2001 tausende Menschen das Leben kostete. Auch der Iran mischte in der Zeit schon mit. Es ist allgemein bekannt, dass die schiitischen Hazara-Milizen, die den B\u00fcrgerkrieg ebenfalls mitanfachten, von der Regierung in Teheran unterst\u00fctzt wurden.<\/p>\n\n\n\n

Als Abu Fazel sich nun entschloss, aus der Gewaltspirale auszusteigen und nicht in Syrien zu k\u00e4mpfen, wuchs die Angst bei seiner Familie. Denn f\u00fcr die iranischen Beh\u00f6rden gilt: Hat man sich einmal gemeldet, gibt es kein zur\u00fcck. Man muss an die Front nach Syrien \u2013 oder wird zur\u00fcck nach Afghanistan abgeschoben, wo ebenfalls Krieg herrscht.<\/p>\n\n\n\n

Der einzige Ausweg f\u00fcr den jungen Afghanen war die Flucht. \u00dcber die T\u00fcrkei, Griechenland und die Balkranroute erreichte er mit gro\u00dfer M\u00fche Deutschland, wo er einen Asylantrag stellte.<\/p>\n\n\n\n

Erster Asylantrag in Deutschland abgelehnt<\/h2>\n\n\n\n

Als Grund nannte er seine Rekrutierung als Kindersoldat seitens des iranischen Regimes. Doch w\u00e4hrend diese Begr\u00fcndung in Abu Fazels Augen v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich war, sahen deutsche Beh\u00f6rden das anders. Sein erster Antrag wurde abgelehnt. Derzeit versucht er es ein zweites Mal. Die Bundesrepublik schiebt afghanische Gefl\u00fcchtete weiterhin ab.<\/p>\n\n\n\n

\"EinAbschiebung von Afghanen im Dezember 2016 mit einem Charterflug von Frankfurt nach Kabul. (dpa \/picture alliance \/ Boris Roessler)<\/p>\n\n\n\n

Die Verantwortlichen weisen in diesem Kontext immer wieder auf vermeintlich \u201esichere Gebiete\u201c im Land, die nicht n\u00e4her benannt werden.<\/p>\n\n\n\n

W\u00e4hrenddessen machen Menschenrechtsorganisationen regelm\u00e4\u00dfig darauf aufmerksam, dass keine Region am Hindukusch sicher ist. Stattdessen wird in manchen Gebieten nur weniger Krieg gef\u00fchrt als in anderen.<\/p>\n\n\n\n

\"SieDemonstranten protestieren in Frankfurt am Main gegen die Abschiebung von Afghanen. Auf einem der Transparente steht \u201eAfghanistan is not safe\u201c. (AFP \/ Daniel Roland)<\/p>\n\n\n\n

Alis Vater und Onkel k\u00e4mpfen in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein \u00e4hnliches Schicksal wie Abu Fazel erlitt der 18-j\u00e4hrige Ali (Namen ge\u00e4ndert). Auch er floh aus dem Iran nach Deutschland, um der Rekrutierung f\u00fcr Assads Milizen zu entgehen. Viele seiner afghanischen Freunde sind bereits nach Syrien gezogen \u2013 und kamen niemals zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Alis Familie, ebenfalls Angeh\u00f6rige der Hazara-Minderheit, stammt urspr\u00fcnglich aus der Provinz Ghor im Nordosten Afghanistans. Ihre Heimat verlie\u00dfen sie w\u00e4hrend der sowjetischen Besatzung in den 1980er-Jahren.<\/p>\n\n\n\n

Seit jeher lebt die Familie in der iranischen Gro\u00dfstadt Maschhad. Als der Krieg in Syrien ausbrach, erreichte sie ein Konflikt, mit dem sie nicht gerechnet hatten. Im Juli 2015 reiste Alis Vater nach Teheran. Er wollte einen Weg finden, um f\u00fcr seine Familie Aufenthaltspapiere zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Beh\u00f6rden sagten ihm, dass die Rekrutierung f\u00fcr den Krieg in Syrien eine M\u00f6glichkeit darstellen k\u00f6nnte, um Papiere f\u00fcr uns alle zu erhalten. Andernfalls w\u00fcrde man uns sehr bald nach Afghanistan abschieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Mittlerweile k\u00e4mpfen Alis Vater und sein Onkel seit \u00fcber einem Jahr in Syrien. Am Aufenthaltsstatus seiner Familienmitglieder hat sich bis heute allerdings nichts ge\u00e4ndert. F\u00fcr Ali ist klar, dass dies nur eine Falle gewesen ist, um noch mehr Afghanen als Kanonenfutter zu missbrauchen.<\/p>\n\n\n\n

Anfangs gab es Papiere f\u00fcr K\u00e4mpfer-Familien<\/h2>\n\n\n\n

Den Kontakt zu seinem Vater hat der Afghane mittlerweile verloren. W\u00e4hrenddessen schickt ihm sein Onkel, der in Aleppo stationiert ist, hin und wieder Bilder \u00fcber den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ali denkt, dass nur sehr wenige Afghanen der Propaganda der iranischen Regierung glauben und in Syrien f\u00fcr eine \u201egute Sache\u201c k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

Source<\/a><\/p>\n","post_title":"Warum Afghanen in Syrien f\u00fcr Assad k\u00e4mpfen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"warum-afghanen-in-syrien-fur-assad-kampfen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3709","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3706,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:27:40","post_date_gmt":"2020-08-13 21:27:40","post_content":"\n

Kinder, Frauen, Jesiden \u2013 wer \u00fcberlebt hat, berichtet von Folter, Vergewaltigungen und Gehirnw\u00e4sche. Rund drei Jahre dauerte die Schreckensherrschaft der IS-Miliz in Syrien und Irak. Der Wiederaufbau wird l\u00e4nger dauern und mehr umfassen als H\u00e4user.<\/p>\n\n\n\n

Der Fluss Tigris durchzieht die zweitgr\u00f6\u00dfte Stadt des Iraks und teilt Mosul in Ost und West. Das Westufer ist von Zerst\u00f6rung gezeichnet, die Altstadt nicht mehr als eine einzige graue Tr\u00fcmmerlandschaft. Seit den letzten Bombardements im Juli 2017 kann hier niemand mehr wohnen.<\/p>\n\n\n\n

Die Nouri-Moschee, von deren Kanzel Abu Bakr al-Baghdadi im Juli 2014 sein Kalifat ausrief, hatte die IS-Miliz auf ihrem R\u00fcckzug vorsorglich selbst in die Luft gesprengt, um den Gegnern diesen besonderen Triumph zu verwehren.<\/p>\n\n\n\n

\"ImIm Juli 2017 erobert die irakische Armee Mossul zur\u00fcck. Ruinen sind zu sehen. Ein K\u00e4mpfer der IS-Miliz hat sich ergeben. (Imago \/ Carol Guzy)<\/p>\n\n\n\n

Es ist fraglich, ob die Altstadt dem Original getreu wieder aufgebaut werden kann. Bagdad will demn\u00e4chst \u2013 im Rahmen einer gro\u00dfen Wiederaufbau-Konferenz \u2013 bekannt geben, welche Pl\u00e4ne es hat. Derzeit gilt als gro\u00dfer Fortschritt, dass die Tr\u00fcmmerlandschaft in Teilen wieder begehbar ist \u2013 nachdem mit internationaler Hilfe zahllose Sprengs\u00e4tze beseitigt wurden.<\/p>\n\n\n\n

In Ost-Mossul gibt es weniger Zerst\u00f6rungen<\/h2>\n\n\n\n

J\u00fcngste Sch\u00e4tzungen der Vereinten Nationen besagen, dass es noch Jahre dauern wird, bis alle Minen ger\u00e4umt sind. Solange werden die einstigen Bewohner nicht zur\u00fcckkehren k\u00f6nnen. Manche von ihnen haben Gl\u00fcck im Ungl\u00fcck: Sie haben \u00fcberlebt und sind auf der anderen Seite des Tigris untergekommen, im Osten der Stadt. Der war schon im Januar 2017 von den Terroristen befreit worden. Erstaunlich ist: Dieser Teil Mosuls wirkt fast so, als w\u00e4re der \u201eIS\u201c niemals hier gewesen und als h\u00e4tte es keinen Krieg gegeben.<\/p>\n\n\n\n

\"ImIm Osten Mossuls gibt es weniger Zerst\u00f6rungen als im Westteil. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

Die Zerst\u00f6rungen beschr\u00e4nken sich auf strategisch-wichtige Punkte oder Geb\u00e4ude, in denen sich die Terroristen verschanzt hatten: Br\u00fccken, Moscheen, Krankenh\u00e4user. Doch im Basar herrscht fast so etwas wie Normalit\u00e4t. An St\u00e4nden kaufen Menschen ein \u2013 Obst, Gem\u00fcse, Reis und Nudeln, Backwaren. Kinder schlecken ein Eis. Abu Muhammad, ein ehemaliger Physiklehrer, erkl\u00e4rt, warum der Basar so anders ist als erwartet:<\/p>\n\n\n\n

\u201eDas Leben hatte nie aufgeh\u00f6rt in Mosul. Wir haben weitergelebt. Drei Jahre wurden wir vom \u201aIS\u2018 beherrscht, doch die normalen Leute hatten nichts damit zu tun. Daher kam der Alltag schnell zur\u00fcck. Die Soldaten sind gekommen, haben den Basar wieder aufgemacht und das Leben ging weiter.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Im Osten findet sich heute all das wieder, was die Terror-Miliz unterdr\u00fcckt hatte und bei Missachtung grausam ahndete: Musik in Restaurants und Caf\u00e9s; Sim-Karten f\u00fcr Handys; Internet; Fris\u00f6re, die Haare schneiden, B\u00e4rte stutzen oder gar abrasieren. Und doch: Trotz des lebendigen Treibens wirken Angst und Schrecken nach. Abu Muhammad, fr\u00fch ergraut, erinnert sich:<\/p>\n\n\n\n

\u201eWir haben uns gef\u00fchlt wie zwischen Leben und Tod. Irgendwo dazwischen. Sie haben vom \u201aIS\u2018 geh\u00f6rt; wir haben ihn erlebt: Wir haben erlebt, wie sie mordeten, wie sie Leute aufh\u00e4ngten, wir haben den Krieg erlebt. Wir haben alles gesehen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Mohammed stammt aus dem zerst\u00f6rten Westen der Stadt. Er wohnt heute im Osten. Verwandte haben ihn und seine Familie aufgenommen. So wie ihm ergeht es auch anderen Vertriebenen. Sie leben bei Verwandten und Freunden. Oder in einem der vielen Lager. 700.000 Menschen haben ihr Zuhause verloren \u2013 eine Zahl, die f\u00fcr West-Mosul gilt. Insgesamt gehen die Vereinten Nationen von fast sechs Millionen Menschen aus, die im Irak vor dem \u201aIS\u2018 geflohen sind \u2013 die H\u00e4lfte von ihnen bis heute fern von ihrem Zuhause.<\/p>\n\n\n\n

Binnenfl\u00fcchtlinge im Lager Khabartu<\/h2>\n\n\n\n

Zelte soweit das Auge reicht. Abertausende. Inmitten von Steppe. Das Leben der Menschen ist hart. Sie darben, frieren und verdorren \u2013 wenn im Winter der kalte Wind durch die Steppe fegt und im Sommer die Sonne niederbrennt. Doch sie harren aus, haben wenig Hoffnung auf baldige R\u00fcckkehr. Die meisten kamen 2014 \u2013 hierher, ins Lager Khabartu in Irakisch-Kurdistan.<\/p>\n\n\n\n

\"DasDas Lager Khabartu f\u00fcr irakische Binnenfl\u00fcchtlinge. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

2014, als der \u201eIS\u201c den Nord-Irak \u00fcberfiel. In einem der Zelte lebt auch die Familie von Thomas Abdallah Hammou. Thomas war auf der Flucht von seiner Familie getrennt und von den Dschihadisten verschleppt worden. Damals war er acht Jahre alt. Ein Kind. Drei Jahre blieb er in Geiselhaft, lebte in Mosul.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollten nicht, dass wir spielen. Sie mochten es nicht. Ich habe keine Schule besucht, aber sie gaben uns Koran-Unterricht. Jeden Tag.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas musste seinem eigenen, dem jesidischen Glauben abschw\u00f6ren. Weil der \u201eIS\u201c die Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c betrachtet. Und \u201eUngl\u00e4ubige\u201c, so die Auffassung der Terroristen, m\u00fcssen zwangsbekehrt werden. Oder get\u00f6tet. Die Terroristen hatten dementsprechend die Jesiden entweder an Ort und Stelle ermordet, die meisten im Sinjar, im alten Siedlungsgebiet der Jesiden im Nord-Irak. Tausende. 47 Massengr\u00e4ber sollen mittlerweile gefunden worden sein. Oder aber die Terroristen lie\u00dfen die Jesiden am Leben und nahmen sie in Geiselhaft. Sie machten aus ihnen Sexsklavinnen oder sie bildeten sie aus \u2013 zu Selbstmordattent\u00e4tern. Wie Thomas.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie haben uns st\u00e4ndig geschlagen. Wir mussten Schie\u00dfen \u00fcben. Zwei meiner Freunde haben sich in die Luft gesprengt. Sie sind zum Training. Doch sie kamen nicht zur\u00fcck. Ich war nicht traurig. Sie wollten sich ja in die Luft sprengen. Die \u201aIS\u2018-Leute hatten es nicht von ihnen verlangt. Sie sind freiwillig gegangen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas hat heute einen modernen Haarschnitt; der Nacken ist ausrasiert; der lange Pony in die Stirn gek\u00e4mmt. Im Sommer sah er noch anders aus, kurz nachdem Mosul befreit worden war. Bei einem Luftangriff der Anti-\u201eIS\u201c-Koalition wurde Thomas schwer verletzt aus Tr\u00fcmmern geborgen, dann operiert.<\/p>\n\n\n\n

\"ThomasThomas erholt sich von drei Jahren IS-Gefangenschaft. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

Arbeit mit \u201eDschihadisten-Kindern\u201c<\/h2>\n\n\n\n

Die \u00e4u\u00dferen Wunden sind heute verheilt. Doch wie sieht es aus mit den inneren, den seelischen Verletzungen? Thomas wurde von seiner Familie aufgenommen und bekommt Hilfe. Andere Kinder konnten nicht aufgefangen werden. Bis heute betrachten sie Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c \u2013 so wie es ihnen in der Geiselhaft eingeh\u00e4mmert wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie sind eine gro\u00dfe Gefahr f\u00fcr andere Kinder. Sie leben in Lagern, in einem Zelt, auf sechs mal vier Metern, oder noch weniger! Acht Geschwister, sie spielen zusammen, reden, sie indoktrinieren die anderen! Das ist ein Problem, das wir nicht l\u00f6sen k\u00f6nnen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Sara Hassan ist Sozialarbeiterin. Sie arbeitet in den Lagern, versucht M\u00e4dchen und Frauen, die jahrelang in Geiselhaft vergewaltigt wurden, zu helfen. Unz\u00e4hlige hatte der \u201eIS\u201c einst entf\u00fchrt. Sara arbeitet auch mit den sogenannten \u201eDschihadisten-Kindern\u201c. Sie erz\u00e4hlt, wie \u00fcberfordert alle seien: die Familien, die jesidische Gemeinschaft, die Gesellschaft des Nord-Irak.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIn einem anderen Fall hat sich die Familie am Ende an die Sicherheitskr\u00e4fte gewandt. Doch die wussten auch nicht, wie sie damit umgehen sollten. Monate lang hat die Familie versucht, den Jungen umzuerziehen, zusammen mit Sozialarbeitern. Aber noch immer sehen wir den Hass in seinen Augen \u2013 gegen\u00fcber Kurden, Christen und Jesiden. Als blicke man in die Augen eines IS-Terroristen. Das ist das Problem.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Die Jesiden k\u00f6nnen \u00fcber ihre vom \u201eIS\u201c indoktrinierten Kinder sprechen. Denn niemand zweifelt daran, dass sie Opfer der Tyrannei wurden. Bei den sunnitischen Arabern sieht das anders aus. Da sie derselben Religionsgruppe angeh\u00f6ren wie formal auch die Terroristen, stehen sie unter Generalverdacht, mit dem \u201eIS\u201c gemeinsame Sache gemacht zu haben. Sunnitische Araber trauen sich daher nicht, die Probleme ihrer Kinder \u00f6ffentlich zu machen \u2013 auch wenn sie selbst nichts mit dem \u201eIS\u201c zu tun hatten.<\/p>\n\n\n\n

Unklar ist, wie viele Kinder und Jugendliche im Irak und in Syrien zu Terroristen ausgebildet wurden, dabei noch in Geiselhaft sind oder bereits als \u201eSchl\u00e4fer\u201c darauf warten, zum Einsatz zu kommen. Sie gleichen \u201etickenden Zeitbomben\u201c, die jederzeit explodieren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

Minderheiten haben Angst vor \u201eIS\u201c-Nachfolgern<\/h2>\n\n\n\n

Kamaran Palani spricht davon, dass viele Menschen immer noch gehen wollen, obwohl der \u201eIS\u201c als staats\u00e4hnliches Gebilde nicht mehr besteht. Seine Saat aber, so der Politikwissenschaftler, sei aufgegangen.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollen einfach nicht in diesem Land bleiben. Der IS hat sie dazu gebracht. Jeder hat heute Angst, dass eine andere Organisation kommen wird, Terroristen, die dasselbe anrichten wie zuvor.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Palani forscht am \u201eMiddle East Research Institute\u201c, das seinen Sitz in Erbil hat, der Hauptstadt von Irakisch-Kurdistan. <\/p>\n\n\n\n

\u201e60 bis 65 Prozent der Christen wollen gehen. Das Gleiche gilt f\u00fcr andere Minderheiten: f\u00fcr Jesiden, Schabaks, Turkmenen, Kakais.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

\u201eWir werden niemals wieder mit den Arabern zusammenleben k\u00f6nnen!\u201c \u2013 ein Satz, der heute h\u00e4ufig im Nord-Irak zu h\u00f6ren ist. Gemeint sind die Iraker, die Sunniten und Araber sind \u2013 die einstmals Nachbarn von Jesiden, Christen und Kurden waren \u2013 mit denen man Handel trieb und Hochzeiten feierte, die auch Freunde waren.<\/p>\n\n\n\n

Der Irak ist eine multi-ethnische und multi-religi\u00f6se Gesellschaft, in der die Schiiten die Mehrheit stellen. \u00dcber Jahrhunderte aber hatten die sunnitischen Araber das Sagen, sie missbrauchten die Macht, errichteten ein Schreckensregime \u2013 bis 2003, als Diktator Saddam Hussein von den USA gest\u00fcrzt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c entstand aus Widerstand gegen Schiiten-Herrschaft<\/h2>\n\n\n\n

Jetzt wurde der Spie\u00df umgedreht. Die Amerikaner sorgten daf\u00fcr, dass die Sunniten jegliche Machtposition verloren \u2013 so wurde die irakische Armee, wurde die baathistische Partei aufgel\u00f6st \u2013 ohne ein Pendant zu schaffen, das alle integrierte. Und: Washington unterst\u00fctzte Regierungschef Nouri al-Maliki, einen Schiiten. Maliki sah eine historische Chance gekommen, diskriminierte nun seinerseits seine sunnitischen Landsleute, verwehrte ihnen im \u201eNeuen Irak\u201c die Mitsprache. Im Regime Malikis wurden Sunniten inhaftiert, gefoltert und umgebracht.<\/p>\n\n\n\n

Was viele in den Widerstand trieb. Einige schlossen sich der Terror-Organisation \u201eAl-Qaida\u201c an, unter ihnen f\u00fchrende Milit\u00e4rs der aufgel\u00f6sten Armee Saddam Husseins \u2013 und aus \u201eAl-Qaida\u201c ging sp\u00e4ter der \u201eIS\u201c hervor.<\/p>\n\n\n\n

Als der \u201eIS\u201c dann im Sommer 2014 fast ohne Gegenwehr weite Landstriche in Syrien und im Irak \u00fcberrannte und seinen \u201eStaat\u201c ausrief, sahen auch gew\u00f6hnliche sunnitische Araber einen Wechsel nahen. Viele machten gemeinsame Sache mit den Terroristen, verhinderten die Flucht jesidischer Nachbarn, lieferten sie ihren Schl\u00e4chtern aus. Kamaran Palani:<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c-K\u00e4mpfer haben gesagt, es gehe darum, die W\u00fcrde der sunnitischen Araber wiederherzustellen. Ihre Macht. Ihre Geschichte. Tats\u00e4chlich konnten es die Araber nicht hinnehmen, dass sie ins Abseits gedr\u00e4ngt wurden. Und ich denke, dass sie auch in Zukunft so handeln werden. Wann immer sich die Gelegenheit bietet: Sie werden alles hinter sich lassen \u2013 sich nur darauf konzentrieren.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Misstrauen. Auch bei einem Politikwissenschaftler. Was also tun? Zerst\u00f6rte St\u00e4dte und D\u00f6rfer k\u00f6nnten wieder aufgebaut werden \u2013 wenn denn ein gemeinsamer Wille best\u00fcnde. Doch was, wenn es einen solchen gemeinsamen Willen gar nicht gibt? Wenn Schmerz und Trauer anhalten, wenn die Verbrechen von Terroristen und Helfershelfern nicht geahndet werden, wenn Angst umgeht, Misstrauen und Hass das Miteinander bestimmen.<\/p>\n\n\n\n

\"SyrischeSoldaten in der irakischen Stadt Sindschar nach der R\u00fcckeroberung von der IS-Miliz Ende 2015. (dpa \/ MAXPPP \/ Arnaud Dumontier)<\/p>\n\n\n\n

Kamaran Palani stammt aus der Stadt Makhmour. Drei Tage nur sei der \u201eIS\u201c dort gewesen, sagt er, doch diese Tage h\u00e4tten alles ver\u00e4ndert. Der \u201eIS\u201c habe die Menschen in seiner Heimatstadt verrohen lassen, meint er, das Verh\u00e4ltnis zwischen Kurden und Arabern sei heute tot. Eine R\u00fcckkehr in alte Zeiten h\u00e4lt Palani f\u00fcr falsch.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch denke, es w\u00e4re nicht einfach, in das Jahr 2014 \u2013 also in die Zeit vor dem \u201aIS\u2018 \u2013 zur\u00fcckzukehren. Vor allem aber w\u00e4re es nicht die richtige Politik. Denn eben die hat ja erst zum Aufkommen, zur Existenz des \u201aIS\u2018 gef\u00fchrt.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n


Wie also in Ruinen Neues schaffen? Der Staat muss das Gewaltmonopol zur\u00fcckerlangen, fordert der Politikwissenschaftler. F\u00fcr ihn steht das an erster Stelle. Und dann m\u00fcsse der Staat dringend einen Kurswechsel vornehmen: Er m\u00fcsse integrativ wirken, alle einbinden, auch die Araber, in Sicherheitskr\u00e4fte, Verwaltung und Politik.<\/p>\n\n\n\n

Machtmonopol m\u00fcsste von Milizen zum Staat gehen<\/h2>\n\n\n\n

Die Realit\u00e4t sieht anders aus: Ein Staat Kurdistan, der neue Optionen m\u00f6glich gemacht h\u00e4tte, auch von den Minderheiten gew\u00fcnscht worden war, ist nicht entstanden. Bagdad aber ist fern, der Zentralstaat kaum existent, und wenn, dann ist er schiitisch dominiert. Es sind Milizen, die im Nord-Irak das Geschehen bestimmen, darum rivalisieren, das Machtvakuum zu f\u00fcllen, das durch die Vertreibung des \u201eIS\u201c entstanden ist. Einst im Kampf gegen die Terroristen geeint, sind die Milizen einander heute feind.<\/p>\n\n\n\n

Allen voran die \u201eHashd ash-Shaabi\u201c, schiitisch-irakische Milizen, deren Ausbilder und Kommandeure h\u00e4ufig Iraner sind. Bagdad hat die Haschd als regul\u00e4re Kraft im Kampf gegen den \u201eIS\u201c anerkannt \u2013 obwohl Menschenrechts-Organisationen schwere Vorw\u00fcrfe gegen sie erheben. Fest steht: Die schiitischen Milizen halten D\u00f6rfer besetzt, sind in Mosul f\u00fcr ihr herrisches Auftreten und ihre Willk\u00fcr bekannt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eTats\u00e4chlich sorgen die verschiedenen bewaffneten Gruppen daf\u00fcr, dass die Fl\u00fcchtlinge nicht zur\u00fcckkehren. Und weil sie nicht zur\u00fcckkehren, gibt es auch keinen Wiederaufbau. Die Menschen haben Angst vor den Milizen \u2013 auch davor, dass die einander bek\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die \u201eHashd\u201c m\u00fcssten mithin abziehen. Und mit ihnen die anderen Milizen. Das Machtmonopol m\u00fcsste an den Staat gehen. Doch der Irak ist auch Spielball der Regionalm\u00e4chte: Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien. Sie konkurrieren um Einfluss-Sph\u00e4ren, bedienen sich dabei verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Gruppen im Irak. Deswegen werden die Hashd nicht abziehen. Derzeit sind sie von der iranisch-irakischen Grenze im Osten \u00fcber Bagdad bis hoch zur irakisch-syrischen Grenze im Norden postiert. Einheiten Teherans k\u00f6nnten demnach auf dem Landweg vom Iran bis ans Mittelmeer durchmarschieren.<\/p>\n\n\n\n

Iran und Saudi-Arabien wollen Macht vergr\u00f6\u00dfern<\/h2>\n\n\n\n

Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n

In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n

Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3703,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:24:20","post_date_gmt":"2020-08-13 21:24:20","post_content":"\n

Deutschland str\u00e4ubt sich gegen die R\u00fcckkehr seiner eigenen Staatsb\u00fcrger, die zu IS-Terroristen wurden. Dabei hat die Bundesrepublik den Terror und die Terroristen einst exportiert. Und dies geschah wissentlich, sagt der Islamwissenschaftler Fabian Goldmann.<\/p>\n\n\n\n

Wann haben Sie sich eigentlich zuletzt von deutschen Terroristen distanziert? Zum Beispiel von Robert B.? Der Ex-Bundeswehrsoldat aus Solingen hat mutma\u00dflich bei einem Selbstmordattentat Anfang 2014 50 Menschen mit in den Tod gerissen. <\/p>\n\n\n\n

Oder von Yannik N.? Der junge Freiburger steuerte wahrscheinlich im Jahr 2015 einen mit anderthalb Tonnen Sprengstoff beladenen LKW in eine Menschenmenge und nahm so Dutzenden Personen das Leben.<\/p>\n\n\n\n

Oder von Yamin A.?. Im Sommer 2015 tauchte im Netz ein Video auf, das zeigte, wie der ehemalige Telekom-Azubi aus K\u00f6nigswinter zwei gefesselten Soldaten in den Kopf schoss.
Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Deutsche T\u00e4ter, aber kaum deutsche Opfer<\/h2>\n\n\n\n

Hauptsache nicht bei uns! Dies scheint auch dieser Tage wieder die Maxime zu sein, wenn Politiker und \u00d6ffentlichkeit \u00fcber den Umgang mit deutschen Terroristen diskutieren. Von potenziellen Bedrohungen und Anschlagsgefahren in Deutschland liest man dann. Vom ganz realen Terror, den Deutsche in den vergangenen Jahren \u00fcber die Menschen in Syrien und Irak gebracht haben, h\u00f6rt man hingegen kaum. Ein Terror, der kaum deutsche Opfer aber umso mehr deutsche T\u00e4ter kannte.<\/p>\n\n\n\n

1.050 \u2013 das ist laut Bundesinnenministerium die Anzahl der Dschihadisten, die in den letzten Jahren die Bundesrepublik in Richtung Nahost verlassen hat. Es f\u00e4llt schwer, sich umgekehrtes Szenario \u00fcberhaupt auszumalen. Was w\u00e4re wohl los, h\u00e4tte es nur ein Bruchteil arabischer Terroristen geschafft, bei uns Anschl\u00e4ge zu begehen? Europas \u201eMuslim Bann\u201c? \u00dcberwachungsstaat auf NSA-Niveau?<\/p>\n\n\n\n

Die CSU st\u00fcnde wom\u00f6glich am linken Ende des politischen Spektrums, und auf Twitter w\u00fcrde Trump deutsche Migrationspolitiker zur M\u00e4\u00dfigung aufrufen. Der deutsche Terror in Nahost kommt hingegen seit Jahren ganz ohne Sondersendungen, politische Debatten und Distanzierungsforderungen aus. <\/p>\n\n\n\n

Deutsche K\u00e4mpfer waren nicht nur willenloses Kanonenfutter<\/h2>\n\n\n\n

An fehlendem Wissen liegt das nicht. Von ganzen Einheiten des IS, in denen kein einziger K\u00e4mpfer Arabisch spreche, berichten syrische, irakische und kurdische Soldaten schon seit Jahren. Von Aleppo \u00fcber Raqqa bis Mossul haben Aktivisten und Politiker immer wieder darauf hingewiesen, dass viele der schlimmsten M\u00f6rder in den Reihen des IS Europ\u00e4er sind. Interessiert hat das hier kaum jemand.<\/p>\n\n\n\n

Dabei dienten Deutsche dem Islamischen Staats nicht nur als willenloses Kanonenfutter, wie es oft dargestellt wird. Viele haben seinen Terror mitgepr\u00e4gt. Wie Martin L., der derzeit in kurdischer Haft sitzt. Der Schwei\u00dfer aus Sachsen-Anhalt soll sich vom Folterknecht bis zum Geheimdienstler mit Kontakten bis in die F\u00fchrungsspitze der Terrororganisation hochgearbeitet haben.<\/p>\n\n\n\n

Oder Reda S., Der Prediger aus Berlin-Charlottenburg soll dem IS in Mossul als Bildungsminister gedient haben. Oder der Berliner Ex-Rapper Denis Cuspert, der zu den wichtigsten Personen in der IS-Medienorganisation Al-Hayat geh\u00f6rte. Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Beh\u00f6rden wussten gut Bescheid<\/h2>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich entstand der Islamische Staat nicht in deutschen Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen. Zur deutschen Verantwortung geh\u00f6rt aber auch, dass Politiker und Beh\u00f6rden lange wegschauten, solang nur die T\u00e4ter, aber nicht die Opfer Deutsche waren. Beh\u00f6rden wissen und wussten erschreckend gut Bescheid \u00fcber die Radikalisierung deutscher Islamisten. Ein Gro\u00dfteil der sp\u00e4teren IS-K\u00e4mpfer war polizeibekannt, stand auf Gef\u00e4hrderlisten oder hatte wegen islamistischer Straftaten bereits Haftstrafen verb\u00fc\u00dft. An der Ausreise gehindert wurden sie oftmals dennoch nicht. Die Gefahr, die von deutschen Terroristen ausgeht, interessierte Politik und \u00d6ffentlichkeit erst dann wieder, als ihre Einreise drohte.<\/p>\n\n\n\n

\"Fabian
Fabian Goldmann<\/strong> ist Journalist und Islamwissenschaftler. F\u00fcr verschiedene Magazine und Zeitungen berichtete er viele Jahre aus Nahost. Zurzeit widmet er sich vor allem dem Islam diesseits des Bosporus. Auf seinem Blog Schantall und die Scharia<\/a> bloggt er \u00fcber Islamophobie in Deutschland.<\/p>\n","post_title":"Es sind unsere Terroristen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"es-sind-unsere-terroristen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3703","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3700,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:19:36","post_date_gmt":"2020-08-13 21:19:36","post_content":"\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda? Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda t<\/p>\n\n\n\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda tritt an die Stelle der 2010 verabschiedeten Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014 (siehe IP\/10\/1535<\/a>). In der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda f\u00fcr den Zeitraum 2015-2020 skizziert die Europ\u00e4ische Kommission die Strategie der Union zur Bew\u00e4ltigung der Sicherheitsbedrohungen in der EU.<\/p>\n\n\n\n

Die EU und ihre Mitgliedstaaten sind mit betr\u00e4chtlichen Sicherheitsproblemen konfrontiert. Terrorismus, organisierte Kriminalit\u00e4t und Cyberkriminalit\u00e4t stellen eine zunehmende Gefahr f\u00fcr die europ\u00e4ische Gesellschaft dar, wobei sich Art und Ausma\u00df dieser Gefahr ver\u00e4ndert hat. Europa ist mit den Auswirkungen der politischen Instabilit\u00e4t in seiner unmittelbaren Nachbarschaft konfrontiert, die die Sicherheitsinteressen der EU gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n

Im Zuge der Krisen und Konflikte in Syrien, Irak und Libyen haben sich europ\u00e4ische B\u00fcrger terroristischen Gruppen angeschlossen, die bei ihrer R\u00fcckkehr eine erhebliche Bedrohung darstellen k\u00f6nnen. Die j\u00fcngsten terroristischen Anschl\u00e4ge in Europa zeugen von der zunehmenden Bedrohung durch einen gewaltt\u00e4tigen Extremismus und zeigen, in welchem Ausma\u00df weltweite Konflikte zur Radikalisierung der europ\u00e4ischen B\u00fcrger beitragen.<\/p>\n\n\n\n

Das Online-Umfeld hat sich zunehmend als Ziel f\u00fcr Kriminelle und Terroristen entwickelt. Unabh\u00e4ngig davon, ob es um die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und die Anwerbung von Menschen f\u00fcr terroristische Organisationen geht oder die Verbreitung von Hass oder einen Angriff auf die europ\u00e4ischen Werte und Institutionen, fest steht, dass wir unsere Reaktion auf diese Bedrohungen unbedingt abstimmen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Welcher Mehrwert entsteht durch die EU im Bereich der inneren Sicherheit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Gew\u00e4hrleistung der inneren Sicherheit f\u00e4llt weiterhin in erster Linie in die Zust\u00e4ndigkeit der Mitgliedstaaten. Allerdings werden die Bedrohungen f\u00fcr Europas B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger immer vielf\u00e4ltiger und betreffen in zunehmendem Ma\u00dfe mehrere Mitgliedstaaten. Einzelne Mitgliedstaaten haben die Verantwortung, die Sicherheit an den Au\u00dfengrenzen zu gew\u00e4hrleisten, sind aber nicht mehr in der Lage, diese Herausforderungen allein zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n

Kriminelle und terroristische Aktivit\u00e4ten machen nicht an den Grenzen der EU halt und beschr\u00e4nken sich auch nicht auf Nachbarregionen. Die innere Sicherheit der EU und die globale Sicherheit sind voneinander abh\u00e4ngig und miteinander verkn\u00fcpft. Die Sicherheit der Union h\u00e4ngt in hohem Ma\u00dfe von der Zusammenarbeit mit ihren internationalen Partnern und ihren Nachbarl\u00e4ndern ab.<\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t und des Terrorismus ist eine gemeinsame europ\u00e4ische Aufgabe. Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda sollte von den Mitgliedstaaten und den EU-Organen gemeinsam als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und gemeinsame Ma\u00dfnahmen der Union genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n

Mit Hilfe der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda werden die Polizei- und Strafverfolgungsdienste in verschiedenen Mitgliedstaaten Daten effektiver austauschen und bei der Bek\u00e4mpfung der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t besser zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Die Mitgliedstaaten k\u00f6nnen auf die Unterst\u00fctzung durch die Agenturen der EU z\u00e4hlen. Insbesondere in folgenden Punkten l\u00e4sst sich mit Hilfe der Sicherheitsagenda ein EU-Mehrwert erzielen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n

A) Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und den EU-Agenturen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1<\/strong>: Das Schengener Informationssystem<\/strong> (SIS) wird von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Abfrage von Ausschreibungen von gesuchten oder vermissten Personen und Gegenst\u00e4nden genutzt. Die Kommission wird an der Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Ausschreibungskategorien arbeiten und sich daf\u00fcr einsetzen, dass das SIS zusammen mit der Interpol-Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD)<\/strong> umfassender genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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An der Rekrutierung der Afghanen sind sowohl die Revolutionsgarden als auch die erw\u00e4hnten Basidsch-Milizen beteiligt. Abu Fazel beschreibt, wie das Viertel, in dem er gemeinsam mit seiner Familie in Teheran lebte, regelm\u00e4\u00dfig von den K\u00e4mpfern aufgesucht wurde. Viele afghanische Gefl\u00fcchtete lebten dort \u2013 und fielen auf die Gehirnw\u00e4sche der Rattenf\u00e4nger herein.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie trafen junge M\u00e4nner und Jugendliche in den Moscheen und \u00fcberredeten sie, gegen den IS oder Al Qaida zu k\u00e4mpfen. Die Gehirnw\u00e4sche war perfekt. Am Ende merkten viele, darunter auch ich, nicht einmal, dass wir in ihre Propaganda getappt waren. Ihre \u00dcberredungskunst war wirklich sehr speziell. Am Ende hat man Lust, nach Syrien zu gehen, um zu k\u00e4mpfen\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Erfolg hatten die Rekrutierer des Regimes auch bei Abu Fazels Cousin, der zum damaligen Zeitpunkt ebenfalls minderj\u00e4hrig gewesen ist. Er ging nach Syrien und k\u00e4mpfte unter der Flagge der \u201eLiwa Fatemiyoun\u201c, wie die afghanische Division auf Seiten Assads hei\u00dft. Offiziell ist die Aufgabe der Miliz die Verteidigung des Schreines von Zaynab im S\u00fcden von Damaskus. Zaynab war die Enkelin des islamischen Propheten Mohammad. Laut iranischen Staatsmedien k\u00e4mpfen mindestens 20.000 Afghanen in der Division.<\/p>\n\n\n\n

Im August 2014 entschloss sich auch Abu Fazel, nach Syrien zu gehen und zu k\u00e4mpfen. Im selben Monat wurde sein Cousin in der N\u00e4he von Aleppo im Kampf gegen syrische Rebellen get\u00f6tet.<\/p>\n\n\n\n

\u201eMein Cousin wurde dort get\u00f6tet. Auch andere Jungs aus unserer Gegend gingen nach Syrien und fielen dort. Lokale Zeitungen nannten sie \u201aM\u00e4rtyrer\u2018.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Lieber Flucht statt K\u00e4mpfer in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein solcher \u201eM\u00e4rtyrer\u201c wollte Abu Fazel allerdings nicht werden. Er floh eine Woche vor dem Beginn seiner dreimonatigen Kampfausbildung. Es war ihm lieber, ein Leben auf der Flucht zu verbringen, als in Syrien unschuldige Menschen f\u00fcr einen Diktator zu t\u00f6ten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch kam zu dem Schluss, dass ich nicht als M\u00f6rder weiterleben k\u00f6nnte. Stets dachte ich mir, dass selbst die schlimmsten Al-Qaida- oder IS-Terroristen Kinder haben k\u00f6nnten, die ihren Vater lieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Fazel verlor seinen eigenen Vater bereits sehr fr\u00fch. Er wurde Opfer des B\u00fcrgerkriegs in Afghanistan, der von 1989 bis 2001 tausende Menschen das Leben kostete. Auch der Iran mischte in der Zeit schon mit. Es ist allgemein bekannt, dass die schiitischen Hazara-Milizen, die den B\u00fcrgerkrieg ebenfalls mitanfachten, von der Regierung in Teheran unterst\u00fctzt wurden.<\/p>\n\n\n\n

Als Abu Fazel sich nun entschloss, aus der Gewaltspirale auszusteigen und nicht in Syrien zu k\u00e4mpfen, wuchs die Angst bei seiner Familie. Denn f\u00fcr die iranischen Beh\u00f6rden gilt: Hat man sich einmal gemeldet, gibt es kein zur\u00fcck. Man muss an die Front nach Syrien \u2013 oder wird zur\u00fcck nach Afghanistan abgeschoben, wo ebenfalls Krieg herrscht.<\/p>\n\n\n\n

Der einzige Ausweg f\u00fcr den jungen Afghanen war die Flucht. \u00dcber die T\u00fcrkei, Griechenland und die Balkranroute erreichte er mit gro\u00dfer M\u00fche Deutschland, wo er einen Asylantrag stellte.<\/p>\n\n\n\n

Erster Asylantrag in Deutschland abgelehnt<\/h2>\n\n\n\n

Als Grund nannte er seine Rekrutierung als Kindersoldat seitens des iranischen Regimes. Doch w\u00e4hrend diese Begr\u00fcndung in Abu Fazels Augen v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich war, sahen deutsche Beh\u00f6rden das anders. Sein erster Antrag wurde abgelehnt. Derzeit versucht er es ein zweites Mal. Die Bundesrepublik schiebt afghanische Gefl\u00fcchtete weiterhin ab.<\/p>\n\n\n\n

\"EinAbschiebung von Afghanen im Dezember 2016 mit einem Charterflug von Frankfurt nach Kabul. (dpa \/picture alliance \/ Boris Roessler)<\/p>\n\n\n\n

Die Verantwortlichen weisen in diesem Kontext immer wieder auf vermeintlich \u201esichere Gebiete\u201c im Land, die nicht n\u00e4her benannt werden.<\/p>\n\n\n\n

W\u00e4hrenddessen machen Menschenrechtsorganisationen regelm\u00e4\u00dfig darauf aufmerksam, dass keine Region am Hindukusch sicher ist. Stattdessen wird in manchen Gebieten nur weniger Krieg gef\u00fchrt als in anderen.<\/p>\n\n\n\n

\"SieDemonstranten protestieren in Frankfurt am Main gegen die Abschiebung von Afghanen. Auf einem der Transparente steht \u201eAfghanistan is not safe\u201c. (AFP \/ Daniel Roland)<\/p>\n\n\n\n

Alis Vater und Onkel k\u00e4mpfen in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein \u00e4hnliches Schicksal wie Abu Fazel erlitt der 18-j\u00e4hrige Ali (Namen ge\u00e4ndert). Auch er floh aus dem Iran nach Deutschland, um der Rekrutierung f\u00fcr Assads Milizen zu entgehen. Viele seiner afghanischen Freunde sind bereits nach Syrien gezogen \u2013 und kamen niemals zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Alis Familie, ebenfalls Angeh\u00f6rige der Hazara-Minderheit, stammt urspr\u00fcnglich aus der Provinz Ghor im Nordosten Afghanistans. Ihre Heimat verlie\u00dfen sie w\u00e4hrend der sowjetischen Besatzung in den 1980er-Jahren.<\/p>\n\n\n\n

Seit jeher lebt die Familie in der iranischen Gro\u00dfstadt Maschhad. Als der Krieg in Syrien ausbrach, erreichte sie ein Konflikt, mit dem sie nicht gerechnet hatten. Im Juli 2015 reiste Alis Vater nach Teheran. Er wollte einen Weg finden, um f\u00fcr seine Familie Aufenthaltspapiere zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Beh\u00f6rden sagten ihm, dass die Rekrutierung f\u00fcr den Krieg in Syrien eine M\u00f6glichkeit darstellen k\u00f6nnte, um Papiere f\u00fcr uns alle zu erhalten. Andernfalls w\u00fcrde man uns sehr bald nach Afghanistan abschieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Mittlerweile k\u00e4mpfen Alis Vater und sein Onkel seit \u00fcber einem Jahr in Syrien. Am Aufenthaltsstatus seiner Familienmitglieder hat sich bis heute allerdings nichts ge\u00e4ndert. F\u00fcr Ali ist klar, dass dies nur eine Falle gewesen ist, um noch mehr Afghanen als Kanonenfutter zu missbrauchen.<\/p>\n\n\n\n

Anfangs gab es Papiere f\u00fcr K\u00e4mpfer-Familien<\/h2>\n\n\n\n

Den Kontakt zu seinem Vater hat der Afghane mittlerweile verloren. W\u00e4hrenddessen schickt ihm sein Onkel, der in Aleppo stationiert ist, hin und wieder Bilder \u00fcber den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ali denkt, dass nur sehr wenige Afghanen der Propaganda der iranischen Regierung glauben und in Syrien f\u00fcr eine \u201egute Sache\u201c k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

Source<\/a><\/p>\n","post_title":"Warum Afghanen in Syrien f\u00fcr Assad k\u00e4mpfen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"warum-afghanen-in-syrien-fur-assad-kampfen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3709","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3706,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:27:40","post_date_gmt":"2020-08-13 21:27:40","post_content":"\n

Kinder, Frauen, Jesiden \u2013 wer \u00fcberlebt hat, berichtet von Folter, Vergewaltigungen und Gehirnw\u00e4sche. Rund drei Jahre dauerte die Schreckensherrschaft der IS-Miliz in Syrien und Irak. Der Wiederaufbau wird l\u00e4nger dauern und mehr umfassen als H\u00e4user.<\/p>\n\n\n\n

Der Fluss Tigris durchzieht die zweitgr\u00f6\u00dfte Stadt des Iraks und teilt Mosul in Ost und West. Das Westufer ist von Zerst\u00f6rung gezeichnet, die Altstadt nicht mehr als eine einzige graue Tr\u00fcmmerlandschaft. Seit den letzten Bombardements im Juli 2017 kann hier niemand mehr wohnen.<\/p>\n\n\n\n

Die Nouri-Moschee, von deren Kanzel Abu Bakr al-Baghdadi im Juli 2014 sein Kalifat ausrief, hatte die IS-Miliz auf ihrem R\u00fcckzug vorsorglich selbst in die Luft gesprengt, um den Gegnern diesen besonderen Triumph zu verwehren.<\/p>\n\n\n\n

\"ImIm Juli 2017 erobert die irakische Armee Mossul zur\u00fcck. Ruinen sind zu sehen. Ein K\u00e4mpfer der IS-Miliz hat sich ergeben. (Imago \/ Carol Guzy)<\/p>\n\n\n\n

Es ist fraglich, ob die Altstadt dem Original getreu wieder aufgebaut werden kann. Bagdad will demn\u00e4chst \u2013 im Rahmen einer gro\u00dfen Wiederaufbau-Konferenz \u2013 bekannt geben, welche Pl\u00e4ne es hat. Derzeit gilt als gro\u00dfer Fortschritt, dass die Tr\u00fcmmerlandschaft in Teilen wieder begehbar ist \u2013 nachdem mit internationaler Hilfe zahllose Sprengs\u00e4tze beseitigt wurden.<\/p>\n\n\n\n

In Ost-Mossul gibt es weniger Zerst\u00f6rungen<\/h2>\n\n\n\n

J\u00fcngste Sch\u00e4tzungen der Vereinten Nationen besagen, dass es noch Jahre dauern wird, bis alle Minen ger\u00e4umt sind. Solange werden die einstigen Bewohner nicht zur\u00fcckkehren k\u00f6nnen. Manche von ihnen haben Gl\u00fcck im Ungl\u00fcck: Sie haben \u00fcberlebt und sind auf der anderen Seite des Tigris untergekommen, im Osten der Stadt. Der war schon im Januar 2017 von den Terroristen befreit worden. Erstaunlich ist: Dieser Teil Mosuls wirkt fast so, als w\u00e4re der \u201eIS\u201c niemals hier gewesen und als h\u00e4tte es keinen Krieg gegeben.<\/p>\n\n\n\n

\"ImIm Osten Mossuls gibt es weniger Zerst\u00f6rungen als im Westteil. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

Die Zerst\u00f6rungen beschr\u00e4nken sich auf strategisch-wichtige Punkte oder Geb\u00e4ude, in denen sich die Terroristen verschanzt hatten: Br\u00fccken, Moscheen, Krankenh\u00e4user. Doch im Basar herrscht fast so etwas wie Normalit\u00e4t. An St\u00e4nden kaufen Menschen ein \u2013 Obst, Gem\u00fcse, Reis und Nudeln, Backwaren. Kinder schlecken ein Eis. Abu Muhammad, ein ehemaliger Physiklehrer, erkl\u00e4rt, warum der Basar so anders ist als erwartet:<\/p>\n\n\n\n

\u201eDas Leben hatte nie aufgeh\u00f6rt in Mosul. Wir haben weitergelebt. Drei Jahre wurden wir vom \u201aIS\u2018 beherrscht, doch die normalen Leute hatten nichts damit zu tun. Daher kam der Alltag schnell zur\u00fcck. Die Soldaten sind gekommen, haben den Basar wieder aufgemacht und das Leben ging weiter.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Im Osten findet sich heute all das wieder, was die Terror-Miliz unterdr\u00fcckt hatte und bei Missachtung grausam ahndete: Musik in Restaurants und Caf\u00e9s; Sim-Karten f\u00fcr Handys; Internet; Fris\u00f6re, die Haare schneiden, B\u00e4rte stutzen oder gar abrasieren. Und doch: Trotz des lebendigen Treibens wirken Angst und Schrecken nach. Abu Muhammad, fr\u00fch ergraut, erinnert sich:<\/p>\n\n\n\n

\u201eWir haben uns gef\u00fchlt wie zwischen Leben und Tod. Irgendwo dazwischen. Sie haben vom \u201aIS\u2018 geh\u00f6rt; wir haben ihn erlebt: Wir haben erlebt, wie sie mordeten, wie sie Leute aufh\u00e4ngten, wir haben den Krieg erlebt. Wir haben alles gesehen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Mohammed stammt aus dem zerst\u00f6rten Westen der Stadt. Er wohnt heute im Osten. Verwandte haben ihn und seine Familie aufgenommen. So wie ihm ergeht es auch anderen Vertriebenen. Sie leben bei Verwandten und Freunden. Oder in einem der vielen Lager. 700.000 Menschen haben ihr Zuhause verloren \u2013 eine Zahl, die f\u00fcr West-Mosul gilt. Insgesamt gehen die Vereinten Nationen von fast sechs Millionen Menschen aus, die im Irak vor dem \u201aIS\u2018 geflohen sind \u2013 die H\u00e4lfte von ihnen bis heute fern von ihrem Zuhause.<\/p>\n\n\n\n

Binnenfl\u00fcchtlinge im Lager Khabartu<\/h2>\n\n\n\n

Zelte soweit das Auge reicht. Abertausende. Inmitten von Steppe. Das Leben der Menschen ist hart. Sie darben, frieren und verdorren \u2013 wenn im Winter der kalte Wind durch die Steppe fegt und im Sommer die Sonne niederbrennt. Doch sie harren aus, haben wenig Hoffnung auf baldige R\u00fcckkehr. Die meisten kamen 2014 \u2013 hierher, ins Lager Khabartu in Irakisch-Kurdistan.<\/p>\n\n\n\n

\"DasDas Lager Khabartu f\u00fcr irakische Binnenfl\u00fcchtlinge. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

2014, als der \u201eIS\u201c den Nord-Irak \u00fcberfiel. In einem der Zelte lebt auch die Familie von Thomas Abdallah Hammou. Thomas war auf der Flucht von seiner Familie getrennt und von den Dschihadisten verschleppt worden. Damals war er acht Jahre alt. Ein Kind. Drei Jahre blieb er in Geiselhaft, lebte in Mosul.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollten nicht, dass wir spielen. Sie mochten es nicht. Ich habe keine Schule besucht, aber sie gaben uns Koran-Unterricht. Jeden Tag.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas musste seinem eigenen, dem jesidischen Glauben abschw\u00f6ren. Weil der \u201eIS\u201c die Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c betrachtet. Und \u201eUngl\u00e4ubige\u201c, so die Auffassung der Terroristen, m\u00fcssen zwangsbekehrt werden. Oder get\u00f6tet. Die Terroristen hatten dementsprechend die Jesiden entweder an Ort und Stelle ermordet, die meisten im Sinjar, im alten Siedlungsgebiet der Jesiden im Nord-Irak. Tausende. 47 Massengr\u00e4ber sollen mittlerweile gefunden worden sein. Oder aber die Terroristen lie\u00dfen die Jesiden am Leben und nahmen sie in Geiselhaft. Sie machten aus ihnen Sexsklavinnen oder sie bildeten sie aus \u2013 zu Selbstmordattent\u00e4tern. Wie Thomas.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie haben uns st\u00e4ndig geschlagen. Wir mussten Schie\u00dfen \u00fcben. Zwei meiner Freunde haben sich in die Luft gesprengt. Sie sind zum Training. Doch sie kamen nicht zur\u00fcck. Ich war nicht traurig. Sie wollten sich ja in die Luft sprengen. Die \u201aIS\u2018-Leute hatten es nicht von ihnen verlangt. Sie sind freiwillig gegangen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas hat heute einen modernen Haarschnitt; der Nacken ist ausrasiert; der lange Pony in die Stirn gek\u00e4mmt. Im Sommer sah er noch anders aus, kurz nachdem Mosul befreit worden war. Bei einem Luftangriff der Anti-\u201eIS\u201c-Koalition wurde Thomas schwer verletzt aus Tr\u00fcmmern geborgen, dann operiert.<\/p>\n\n\n\n

\"ThomasThomas erholt sich von drei Jahren IS-Gefangenschaft. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

Arbeit mit \u201eDschihadisten-Kindern\u201c<\/h2>\n\n\n\n

Die \u00e4u\u00dferen Wunden sind heute verheilt. Doch wie sieht es aus mit den inneren, den seelischen Verletzungen? Thomas wurde von seiner Familie aufgenommen und bekommt Hilfe. Andere Kinder konnten nicht aufgefangen werden. Bis heute betrachten sie Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c \u2013 so wie es ihnen in der Geiselhaft eingeh\u00e4mmert wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie sind eine gro\u00dfe Gefahr f\u00fcr andere Kinder. Sie leben in Lagern, in einem Zelt, auf sechs mal vier Metern, oder noch weniger! Acht Geschwister, sie spielen zusammen, reden, sie indoktrinieren die anderen! Das ist ein Problem, das wir nicht l\u00f6sen k\u00f6nnen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Sara Hassan ist Sozialarbeiterin. Sie arbeitet in den Lagern, versucht M\u00e4dchen und Frauen, die jahrelang in Geiselhaft vergewaltigt wurden, zu helfen. Unz\u00e4hlige hatte der \u201eIS\u201c einst entf\u00fchrt. Sara arbeitet auch mit den sogenannten \u201eDschihadisten-Kindern\u201c. Sie erz\u00e4hlt, wie \u00fcberfordert alle seien: die Familien, die jesidische Gemeinschaft, die Gesellschaft des Nord-Irak.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIn einem anderen Fall hat sich die Familie am Ende an die Sicherheitskr\u00e4fte gewandt. Doch die wussten auch nicht, wie sie damit umgehen sollten. Monate lang hat die Familie versucht, den Jungen umzuerziehen, zusammen mit Sozialarbeitern. Aber noch immer sehen wir den Hass in seinen Augen \u2013 gegen\u00fcber Kurden, Christen und Jesiden. Als blicke man in die Augen eines IS-Terroristen. Das ist das Problem.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Die Jesiden k\u00f6nnen \u00fcber ihre vom \u201eIS\u201c indoktrinierten Kinder sprechen. Denn niemand zweifelt daran, dass sie Opfer der Tyrannei wurden. Bei den sunnitischen Arabern sieht das anders aus. Da sie derselben Religionsgruppe angeh\u00f6ren wie formal auch die Terroristen, stehen sie unter Generalverdacht, mit dem \u201eIS\u201c gemeinsame Sache gemacht zu haben. Sunnitische Araber trauen sich daher nicht, die Probleme ihrer Kinder \u00f6ffentlich zu machen \u2013 auch wenn sie selbst nichts mit dem \u201eIS\u201c zu tun hatten.<\/p>\n\n\n\n

Unklar ist, wie viele Kinder und Jugendliche im Irak und in Syrien zu Terroristen ausgebildet wurden, dabei noch in Geiselhaft sind oder bereits als \u201eSchl\u00e4fer\u201c darauf warten, zum Einsatz zu kommen. Sie gleichen \u201etickenden Zeitbomben\u201c, die jederzeit explodieren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

Minderheiten haben Angst vor \u201eIS\u201c-Nachfolgern<\/h2>\n\n\n\n

Kamaran Palani spricht davon, dass viele Menschen immer noch gehen wollen, obwohl der \u201eIS\u201c als staats\u00e4hnliches Gebilde nicht mehr besteht. Seine Saat aber, so der Politikwissenschaftler, sei aufgegangen.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollen einfach nicht in diesem Land bleiben. Der IS hat sie dazu gebracht. Jeder hat heute Angst, dass eine andere Organisation kommen wird, Terroristen, die dasselbe anrichten wie zuvor.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Palani forscht am \u201eMiddle East Research Institute\u201c, das seinen Sitz in Erbil hat, der Hauptstadt von Irakisch-Kurdistan. <\/p>\n\n\n\n

\u201e60 bis 65 Prozent der Christen wollen gehen. Das Gleiche gilt f\u00fcr andere Minderheiten: f\u00fcr Jesiden, Schabaks, Turkmenen, Kakais.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

\u201eWir werden niemals wieder mit den Arabern zusammenleben k\u00f6nnen!\u201c \u2013 ein Satz, der heute h\u00e4ufig im Nord-Irak zu h\u00f6ren ist. Gemeint sind die Iraker, die Sunniten und Araber sind \u2013 die einstmals Nachbarn von Jesiden, Christen und Kurden waren \u2013 mit denen man Handel trieb und Hochzeiten feierte, die auch Freunde waren.<\/p>\n\n\n\n

Der Irak ist eine multi-ethnische und multi-religi\u00f6se Gesellschaft, in der die Schiiten die Mehrheit stellen. \u00dcber Jahrhunderte aber hatten die sunnitischen Araber das Sagen, sie missbrauchten die Macht, errichteten ein Schreckensregime \u2013 bis 2003, als Diktator Saddam Hussein von den USA gest\u00fcrzt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c entstand aus Widerstand gegen Schiiten-Herrschaft<\/h2>\n\n\n\n

Jetzt wurde der Spie\u00df umgedreht. Die Amerikaner sorgten daf\u00fcr, dass die Sunniten jegliche Machtposition verloren \u2013 so wurde die irakische Armee, wurde die baathistische Partei aufgel\u00f6st \u2013 ohne ein Pendant zu schaffen, das alle integrierte. Und: Washington unterst\u00fctzte Regierungschef Nouri al-Maliki, einen Schiiten. Maliki sah eine historische Chance gekommen, diskriminierte nun seinerseits seine sunnitischen Landsleute, verwehrte ihnen im \u201eNeuen Irak\u201c die Mitsprache. Im Regime Malikis wurden Sunniten inhaftiert, gefoltert und umgebracht.<\/p>\n\n\n\n

Was viele in den Widerstand trieb. Einige schlossen sich der Terror-Organisation \u201eAl-Qaida\u201c an, unter ihnen f\u00fchrende Milit\u00e4rs der aufgel\u00f6sten Armee Saddam Husseins \u2013 und aus \u201eAl-Qaida\u201c ging sp\u00e4ter der \u201eIS\u201c hervor.<\/p>\n\n\n\n

Als der \u201eIS\u201c dann im Sommer 2014 fast ohne Gegenwehr weite Landstriche in Syrien und im Irak \u00fcberrannte und seinen \u201eStaat\u201c ausrief, sahen auch gew\u00f6hnliche sunnitische Araber einen Wechsel nahen. Viele machten gemeinsame Sache mit den Terroristen, verhinderten die Flucht jesidischer Nachbarn, lieferten sie ihren Schl\u00e4chtern aus. Kamaran Palani:<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c-K\u00e4mpfer haben gesagt, es gehe darum, die W\u00fcrde der sunnitischen Araber wiederherzustellen. Ihre Macht. Ihre Geschichte. Tats\u00e4chlich konnten es die Araber nicht hinnehmen, dass sie ins Abseits gedr\u00e4ngt wurden. Und ich denke, dass sie auch in Zukunft so handeln werden. Wann immer sich die Gelegenheit bietet: Sie werden alles hinter sich lassen \u2013 sich nur darauf konzentrieren.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Misstrauen. Auch bei einem Politikwissenschaftler. Was also tun? Zerst\u00f6rte St\u00e4dte und D\u00f6rfer k\u00f6nnten wieder aufgebaut werden \u2013 wenn denn ein gemeinsamer Wille best\u00fcnde. Doch was, wenn es einen solchen gemeinsamen Willen gar nicht gibt? Wenn Schmerz und Trauer anhalten, wenn die Verbrechen von Terroristen und Helfershelfern nicht geahndet werden, wenn Angst umgeht, Misstrauen und Hass das Miteinander bestimmen.<\/p>\n\n\n\n

\"SyrischeSoldaten in der irakischen Stadt Sindschar nach der R\u00fcckeroberung von der IS-Miliz Ende 2015. (dpa \/ MAXPPP \/ Arnaud Dumontier)<\/p>\n\n\n\n

Kamaran Palani stammt aus der Stadt Makhmour. Drei Tage nur sei der \u201eIS\u201c dort gewesen, sagt er, doch diese Tage h\u00e4tten alles ver\u00e4ndert. Der \u201eIS\u201c habe die Menschen in seiner Heimatstadt verrohen lassen, meint er, das Verh\u00e4ltnis zwischen Kurden und Arabern sei heute tot. Eine R\u00fcckkehr in alte Zeiten h\u00e4lt Palani f\u00fcr falsch.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch denke, es w\u00e4re nicht einfach, in das Jahr 2014 \u2013 also in die Zeit vor dem \u201aIS\u2018 \u2013 zur\u00fcckzukehren. Vor allem aber w\u00e4re es nicht die richtige Politik. Denn eben die hat ja erst zum Aufkommen, zur Existenz des \u201aIS\u2018 gef\u00fchrt.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n


Wie also in Ruinen Neues schaffen? Der Staat muss das Gewaltmonopol zur\u00fcckerlangen, fordert der Politikwissenschaftler. F\u00fcr ihn steht das an erster Stelle. Und dann m\u00fcsse der Staat dringend einen Kurswechsel vornehmen: Er m\u00fcsse integrativ wirken, alle einbinden, auch die Araber, in Sicherheitskr\u00e4fte, Verwaltung und Politik.<\/p>\n\n\n\n

Machtmonopol m\u00fcsste von Milizen zum Staat gehen<\/h2>\n\n\n\n

Die Realit\u00e4t sieht anders aus: Ein Staat Kurdistan, der neue Optionen m\u00f6glich gemacht h\u00e4tte, auch von den Minderheiten gew\u00fcnscht worden war, ist nicht entstanden. Bagdad aber ist fern, der Zentralstaat kaum existent, und wenn, dann ist er schiitisch dominiert. Es sind Milizen, die im Nord-Irak das Geschehen bestimmen, darum rivalisieren, das Machtvakuum zu f\u00fcllen, das durch die Vertreibung des \u201eIS\u201c entstanden ist. Einst im Kampf gegen die Terroristen geeint, sind die Milizen einander heute feind.<\/p>\n\n\n\n

Allen voran die \u201eHashd ash-Shaabi\u201c, schiitisch-irakische Milizen, deren Ausbilder und Kommandeure h\u00e4ufig Iraner sind. Bagdad hat die Haschd als regul\u00e4re Kraft im Kampf gegen den \u201eIS\u201c anerkannt \u2013 obwohl Menschenrechts-Organisationen schwere Vorw\u00fcrfe gegen sie erheben. Fest steht: Die schiitischen Milizen halten D\u00f6rfer besetzt, sind in Mosul f\u00fcr ihr herrisches Auftreten und ihre Willk\u00fcr bekannt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eTats\u00e4chlich sorgen die verschiedenen bewaffneten Gruppen daf\u00fcr, dass die Fl\u00fcchtlinge nicht zur\u00fcckkehren. Und weil sie nicht zur\u00fcckkehren, gibt es auch keinen Wiederaufbau. Die Menschen haben Angst vor den Milizen \u2013 auch davor, dass die einander bek\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die \u201eHashd\u201c m\u00fcssten mithin abziehen. Und mit ihnen die anderen Milizen. Das Machtmonopol m\u00fcsste an den Staat gehen. Doch der Irak ist auch Spielball der Regionalm\u00e4chte: Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien. Sie konkurrieren um Einfluss-Sph\u00e4ren, bedienen sich dabei verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Gruppen im Irak. Deswegen werden die Hashd nicht abziehen. Derzeit sind sie von der iranisch-irakischen Grenze im Osten \u00fcber Bagdad bis hoch zur irakisch-syrischen Grenze im Norden postiert. Einheiten Teherans k\u00f6nnten demnach auf dem Landweg vom Iran bis ans Mittelmeer durchmarschieren.<\/p>\n\n\n\n

Iran und Saudi-Arabien wollen Macht vergr\u00f6\u00dfern<\/h2>\n\n\n\n

Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n

In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n

Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3703,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:24:20","post_date_gmt":"2020-08-13 21:24:20","post_content":"\n

Deutschland str\u00e4ubt sich gegen die R\u00fcckkehr seiner eigenen Staatsb\u00fcrger, die zu IS-Terroristen wurden. Dabei hat die Bundesrepublik den Terror und die Terroristen einst exportiert. Und dies geschah wissentlich, sagt der Islamwissenschaftler Fabian Goldmann.<\/p>\n\n\n\n

Wann haben Sie sich eigentlich zuletzt von deutschen Terroristen distanziert? Zum Beispiel von Robert B.? Der Ex-Bundeswehrsoldat aus Solingen hat mutma\u00dflich bei einem Selbstmordattentat Anfang 2014 50 Menschen mit in den Tod gerissen. <\/p>\n\n\n\n

Oder von Yannik N.? Der junge Freiburger steuerte wahrscheinlich im Jahr 2015 einen mit anderthalb Tonnen Sprengstoff beladenen LKW in eine Menschenmenge und nahm so Dutzenden Personen das Leben.<\/p>\n\n\n\n

Oder von Yamin A.?. Im Sommer 2015 tauchte im Netz ein Video auf, das zeigte, wie der ehemalige Telekom-Azubi aus K\u00f6nigswinter zwei gefesselten Soldaten in den Kopf schoss.
Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Deutsche T\u00e4ter, aber kaum deutsche Opfer<\/h2>\n\n\n\n

Hauptsache nicht bei uns! Dies scheint auch dieser Tage wieder die Maxime zu sein, wenn Politiker und \u00d6ffentlichkeit \u00fcber den Umgang mit deutschen Terroristen diskutieren. Von potenziellen Bedrohungen und Anschlagsgefahren in Deutschland liest man dann. Vom ganz realen Terror, den Deutsche in den vergangenen Jahren \u00fcber die Menschen in Syrien und Irak gebracht haben, h\u00f6rt man hingegen kaum. Ein Terror, der kaum deutsche Opfer aber umso mehr deutsche T\u00e4ter kannte.<\/p>\n\n\n\n

1.050 \u2013 das ist laut Bundesinnenministerium die Anzahl der Dschihadisten, die in den letzten Jahren die Bundesrepublik in Richtung Nahost verlassen hat. Es f\u00e4llt schwer, sich umgekehrtes Szenario \u00fcberhaupt auszumalen. Was w\u00e4re wohl los, h\u00e4tte es nur ein Bruchteil arabischer Terroristen geschafft, bei uns Anschl\u00e4ge zu begehen? Europas \u201eMuslim Bann\u201c? \u00dcberwachungsstaat auf NSA-Niveau?<\/p>\n\n\n\n

Die CSU st\u00fcnde wom\u00f6glich am linken Ende des politischen Spektrums, und auf Twitter w\u00fcrde Trump deutsche Migrationspolitiker zur M\u00e4\u00dfigung aufrufen. Der deutsche Terror in Nahost kommt hingegen seit Jahren ganz ohne Sondersendungen, politische Debatten und Distanzierungsforderungen aus. <\/p>\n\n\n\n

Deutsche K\u00e4mpfer waren nicht nur willenloses Kanonenfutter<\/h2>\n\n\n\n

An fehlendem Wissen liegt das nicht. Von ganzen Einheiten des IS, in denen kein einziger K\u00e4mpfer Arabisch spreche, berichten syrische, irakische und kurdische Soldaten schon seit Jahren. Von Aleppo \u00fcber Raqqa bis Mossul haben Aktivisten und Politiker immer wieder darauf hingewiesen, dass viele der schlimmsten M\u00f6rder in den Reihen des IS Europ\u00e4er sind. Interessiert hat das hier kaum jemand.<\/p>\n\n\n\n

Dabei dienten Deutsche dem Islamischen Staats nicht nur als willenloses Kanonenfutter, wie es oft dargestellt wird. Viele haben seinen Terror mitgepr\u00e4gt. Wie Martin L., der derzeit in kurdischer Haft sitzt. Der Schwei\u00dfer aus Sachsen-Anhalt soll sich vom Folterknecht bis zum Geheimdienstler mit Kontakten bis in die F\u00fchrungsspitze der Terrororganisation hochgearbeitet haben.<\/p>\n\n\n\n

Oder Reda S., Der Prediger aus Berlin-Charlottenburg soll dem IS in Mossul als Bildungsminister gedient haben. Oder der Berliner Ex-Rapper Denis Cuspert, der zu den wichtigsten Personen in der IS-Medienorganisation Al-Hayat geh\u00f6rte. Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Beh\u00f6rden wussten gut Bescheid<\/h2>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich entstand der Islamische Staat nicht in deutschen Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen. Zur deutschen Verantwortung geh\u00f6rt aber auch, dass Politiker und Beh\u00f6rden lange wegschauten, solang nur die T\u00e4ter, aber nicht die Opfer Deutsche waren. Beh\u00f6rden wissen und wussten erschreckend gut Bescheid \u00fcber die Radikalisierung deutscher Islamisten. Ein Gro\u00dfteil der sp\u00e4teren IS-K\u00e4mpfer war polizeibekannt, stand auf Gef\u00e4hrderlisten oder hatte wegen islamistischer Straftaten bereits Haftstrafen verb\u00fc\u00dft. An der Ausreise gehindert wurden sie oftmals dennoch nicht. Die Gefahr, die von deutschen Terroristen ausgeht, interessierte Politik und \u00d6ffentlichkeit erst dann wieder, als ihre Einreise drohte.<\/p>\n\n\n\n

\"Fabian
Fabian Goldmann<\/strong> ist Journalist und Islamwissenschaftler. F\u00fcr verschiedene Magazine und Zeitungen berichtete er viele Jahre aus Nahost. Zurzeit widmet er sich vor allem dem Islam diesseits des Bosporus. Auf seinem Blog Schantall und die Scharia<\/a> bloggt er \u00fcber Islamophobie in Deutschland.<\/p>\n","post_title":"Es sind unsere Terroristen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"es-sind-unsere-terroristen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3703","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3700,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:19:36","post_date_gmt":"2020-08-13 21:19:36","post_content":"\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda? Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda t<\/p>\n\n\n\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda tritt an die Stelle der 2010 verabschiedeten Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014 (siehe IP\/10\/1535<\/a>). In der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda f\u00fcr den Zeitraum 2015-2020 skizziert die Europ\u00e4ische Kommission die Strategie der Union zur Bew\u00e4ltigung der Sicherheitsbedrohungen in der EU.<\/p>\n\n\n\n

Die EU und ihre Mitgliedstaaten sind mit betr\u00e4chtlichen Sicherheitsproblemen konfrontiert. Terrorismus, organisierte Kriminalit\u00e4t und Cyberkriminalit\u00e4t stellen eine zunehmende Gefahr f\u00fcr die europ\u00e4ische Gesellschaft dar, wobei sich Art und Ausma\u00df dieser Gefahr ver\u00e4ndert hat. Europa ist mit den Auswirkungen der politischen Instabilit\u00e4t in seiner unmittelbaren Nachbarschaft konfrontiert, die die Sicherheitsinteressen der EU gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n

Im Zuge der Krisen und Konflikte in Syrien, Irak und Libyen haben sich europ\u00e4ische B\u00fcrger terroristischen Gruppen angeschlossen, die bei ihrer R\u00fcckkehr eine erhebliche Bedrohung darstellen k\u00f6nnen. Die j\u00fcngsten terroristischen Anschl\u00e4ge in Europa zeugen von der zunehmenden Bedrohung durch einen gewaltt\u00e4tigen Extremismus und zeigen, in welchem Ausma\u00df weltweite Konflikte zur Radikalisierung der europ\u00e4ischen B\u00fcrger beitragen.<\/p>\n\n\n\n

Das Online-Umfeld hat sich zunehmend als Ziel f\u00fcr Kriminelle und Terroristen entwickelt. Unabh\u00e4ngig davon, ob es um die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und die Anwerbung von Menschen f\u00fcr terroristische Organisationen geht oder die Verbreitung von Hass oder einen Angriff auf die europ\u00e4ischen Werte und Institutionen, fest steht, dass wir unsere Reaktion auf diese Bedrohungen unbedingt abstimmen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Welcher Mehrwert entsteht durch die EU im Bereich der inneren Sicherheit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Gew\u00e4hrleistung der inneren Sicherheit f\u00e4llt weiterhin in erster Linie in die Zust\u00e4ndigkeit der Mitgliedstaaten. Allerdings werden die Bedrohungen f\u00fcr Europas B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger immer vielf\u00e4ltiger und betreffen in zunehmendem Ma\u00dfe mehrere Mitgliedstaaten. Einzelne Mitgliedstaaten haben die Verantwortung, die Sicherheit an den Au\u00dfengrenzen zu gew\u00e4hrleisten, sind aber nicht mehr in der Lage, diese Herausforderungen allein zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n

Kriminelle und terroristische Aktivit\u00e4ten machen nicht an den Grenzen der EU halt und beschr\u00e4nken sich auch nicht auf Nachbarregionen. Die innere Sicherheit der EU und die globale Sicherheit sind voneinander abh\u00e4ngig und miteinander verkn\u00fcpft. Die Sicherheit der Union h\u00e4ngt in hohem Ma\u00dfe von der Zusammenarbeit mit ihren internationalen Partnern und ihren Nachbarl\u00e4ndern ab.<\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t und des Terrorismus ist eine gemeinsame europ\u00e4ische Aufgabe. Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda sollte von den Mitgliedstaaten und den EU-Organen gemeinsam als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und gemeinsame Ma\u00dfnahmen der Union genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n

Mit Hilfe der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda werden die Polizei- und Strafverfolgungsdienste in verschiedenen Mitgliedstaaten Daten effektiver austauschen und bei der Bek\u00e4mpfung der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t besser zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Die Mitgliedstaaten k\u00f6nnen auf die Unterst\u00fctzung durch die Agenturen der EU z\u00e4hlen. Insbesondere in folgenden Punkten l\u00e4sst sich mit Hilfe der Sicherheitsagenda ein EU-Mehrwert erzielen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n

A) Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und den EU-Agenturen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1<\/strong>: Das Schengener Informationssystem<\/strong> (SIS) wird von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Abfrage von Ausschreibungen von gesuchten oder vermissten Personen und Gegenst\u00e4nden genutzt. Die Kommission wird an der Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Ausschreibungskategorien arbeiten und sich daf\u00fcr einsetzen, dass das SIS zusammen mit der Interpol-Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD)<\/strong> umfassender genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Abu Fazels Familie geh\u00f6rt zur afghanischen Minderheit der schiitischen Hazara \u2013 wie viele Afghanen, die in den Iran gekommen sind. Mittlerweile k\u00e4mpfen Tausende von ihnen in Syrien. Der Iran bezahlt die Afghanen mit einem Sold von wenigen hundert Dollar pro Monat und verspricht ihren Familien eine Aufenthaltsgenehmigung oder eine Arbeitserlaubnis.<\/p>\n\n\n\n

An der Rekrutierung der Afghanen sind sowohl die Revolutionsgarden als auch die erw\u00e4hnten Basidsch-Milizen beteiligt. Abu Fazel beschreibt, wie das Viertel, in dem er gemeinsam mit seiner Familie in Teheran lebte, regelm\u00e4\u00dfig von den K\u00e4mpfern aufgesucht wurde. Viele afghanische Gefl\u00fcchtete lebten dort \u2013 und fielen auf die Gehirnw\u00e4sche der Rattenf\u00e4nger herein.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie trafen junge M\u00e4nner und Jugendliche in den Moscheen und \u00fcberredeten sie, gegen den IS oder Al Qaida zu k\u00e4mpfen. Die Gehirnw\u00e4sche war perfekt. Am Ende merkten viele, darunter auch ich, nicht einmal, dass wir in ihre Propaganda getappt waren. Ihre \u00dcberredungskunst war wirklich sehr speziell. Am Ende hat man Lust, nach Syrien zu gehen, um zu k\u00e4mpfen\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Erfolg hatten die Rekrutierer des Regimes auch bei Abu Fazels Cousin, der zum damaligen Zeitpunkt ebenfalls minderj\u00e4hrig gewesen ist. Er ging nach Syrien und k\u00e4mpfte unter der Flagge der \u201eLiwa Fatemiyoun\u201c, wie die afghanische Division auf Seiten Assads hei\u00dft. Offiziell ist die Aufgabe der Miliz die Verteidigung des Schreines von Zaynab im S\u00fcden von Damaskus. Zaynab war die Enkelin des islamischen Propheten Mohammad. Laut iranischen Staatsmedien k\u00e4mpfen mindestens 20.000 Afghanen in der Division.<\/p>\n\n\n\n

Im August 2014 entschloss sich auch Abu Fazel, nach Syrien zu gehen und zu k\u00e4mpfen. Im selben Monat wurde sein Cousin in der N\u00e4he von Aleppo im Kampf gegen syrische Rebellen get\u00f6tet.<\/p>\n\n\n\n

\u201eMein Cousin wurde dort get\u00f6tet. Auch andere Jungs aus unserer Gegend gingen nach Syrien und fielen dort. Lokale Zeitungen nannten sie \u201aM\u00e4rtyrer\u2018.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Lieber Flucht statt K\u00e4mpfer in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein solcher \u201eM\u00e4rtyrer\u201c wollte Abu Fazel allerdings nicht werden. Er floh eine Woche vor dem Beginn seiner dreimonatigen Kampfausbildung. Es war ihm lieber, ein Leben auf der Flucht zu verbringen, als in Syrien unschuldige Menschen f\u00fcr einen Diktator zu t\u00f6ten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch kam zu dem Schluss, dass ich nicht als M\u00f6rder weiterleben k\u00f6nnte. Stets dachte ich mir, dass selbst die schlimmsten Al-Qaida- oder IS-Terroristen Kinder haben k\u00f6nnten, die ihren Vater lieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Fazel verlor seinen eigenen Vater bereits sehr fr\u00fch. Er wurde Opfer des B\u00fcrgerkriegs in Afghanistan, der von 1989 bis 2001 tausende Menschen das Leben kostete. Auch der Iran mischte in der Zeit schon mit. Es ist allgemein bekannt, dass die schiitischen Hazara-Milizen, die den B\u00fcrgerkrieg ebenfalls mitanfachten, von der Regierung in Teheran unterst\u00fctzt wurden.<\/p>\n\n\n\n

Als Abu Fazel sich nun entschloss, aus der Gewaltspirale auszusteigen und nicht in Syrien zu k\u00e4mpfen, wuchs die Angst bei seiner Familie. Denn f\u00fcr die iranischen Beh\u00f6rden gilt: Hat man sich einmal gemeldet, gibt es kein zur\u00fcck. Man muss an die Front nach Syrien \u2013 oder wird zur\u00fcck nach Afghanistan abgeschoben, wo ebenfalls Krieg herrscht.<\/p>\n\n\n\n

Der einzige Ausweg f\u00fcr den jungen Afghanen war die Flucht. \u00dcber die T\u00fcrkei, Griechenland und die Balkranroute erreichte er mit gro\u00dfer M\u00fche Deutschland, wo er einen Asylantrag stellte.<\/p>\n\n\n\n

Erster Asylantrag in Deutschland abgelehnt<\/h2>\n\n\n\n

Als Grund nannte er seine Rekrutierung als Kindersoldat seitens des iranischen Regimes. Doch w\u00e4hrend diese Begr\u00fcndung in Abu Fazels Augen v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich war, sahen deutsche Beh\u00f6rden das anders. Sein erster Antrag wurde abgelehnt. Derzeit versucht er es ein zweites Mal. Die Bundesrepublik schiebt afghanische Gefl\u00fcchtete weiterhin ab.<\/p>\n\n\n\n

\"EinAbschiebung von Afghanen im Dezember 2016 mit einem Charterflug von Frankfurt nach Kabul. (dpa \/picture alliance \/ Boris Roessler)<\/p>\n\n\n\n

Die Verantwortlichen weisen in diesem Kontext immer wieder auf vermeintlich \u201esichere Gebiete\u201c im Land, die nicht n\u00e4her benannt werden.<\/p>\n\n\n\n

W\u00e4hrenddessen machen Menschenrechtsorganisationen regelm\u00e4\u00dfig darauf aufmerksam, dass keine Region am Hindukusch sicher ist. Stattdessen wird in manchen Gebieten nur weniger Krieg gef\u00fchrt als in anderen.<\/p>\n\n\n\n

\"SieDemonstranten protestieren in Frankfurt am Main gegen die Abschiebung von Afghanen. Auf einem der Transparente steht \u201eAfghanistan is not safe\u201c. (AFP \/ Daniel Roland)<\/p>\n\n\n\n

Alis Vater und Onkel k\u00e4mpfen in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein \u00e4hnliches Schicksal wie Abu Fazel erlitt der 18-j\u00e4hrige Ali (Namen ge\u00e4ndert). Auch er floh aus dem Iran nach Deutschland, um der Rekrutierung f\u00fcr Assads Milizen zu entgehen. Viele seiner afghanischen Freunde sind bereits nach Syrien gezogen \u2013 und kamen niemals zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Alis Familie, ebenfalls Angeh\u00f6rige der Hazara-Minderheit, stammt urspr\u00fcnglich aus der Provinz Ghor im Nordosten Afghanistans. Ihre Heimat verlie\u00dfen sie w\u00e4hrend der sowjetischen Besatzung in den 1980er-Jahren.<\/p>\n\n\n\n

Seit jeher lebt die Familie in der iranischen Gro\u00dfstadt Maschhad. Als der Krieg in Syrien ausbrach, erreichte sie ein Konflikt, mit dem sie nicht gerechnet hatten. Im Juli 2015 reiste Alis Vater nach Teheran. Er wollte einen Weg finden, um f\u00fcr seine Familie Aufenthaltspapiere zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Beh\u00f6rden sagten ihm, dass die Rekrutierung f\u00fcr den Krieg in Syrien eine M\u00f6glichkeit darstellen k\u00f6nnte, um Papiere f\u00fcr uns alle zu erhalten. Andernfalls w\u00fcrde man uns sehr bald nach Afghanistan abschieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Mittlerweile k\u00e4mpfen Alis Vater und sein Onkel seit \u00fcber einem Jahr in Syrien. Am Aufenthaltsstatus seiner Familienmitglieder hat sich bis heute allerdings nichts ge\u00e4ndert. F\u00fcr Ali ist klar, dass dies nur eine Falle gewesen ist, um noch mehr Afghanen als Kanonenfutter zu missbrauchen.<\/p>\n\n\n\n

Anfangs gab es Papiere f\u00fcr K\u00e4mpfer-Familien<\/h2>\n\n\n\n

Den Kontakt zu seinem Vater hat der Afghane mittlerweile verloren. W\u00e4hrenddessen schickt ihm sein Onkel, der in Aleppo stationiert ist, hin und wieder Bilder \u00fcber den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ali denkt, dass nur sehr wenige Afghanen der Propaganda der iranischen Regierung glauben und in Syrien f\u00fcr eine \u201egute Sache\u201c k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

Source<\/a><\/p>\n","post_title":"Warum Afghanen in Syrien f\u00fcr Assad k\u00e4mpfen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"warum-afghanen-in-syrien-fur-assad-kampfen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3709","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3706,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:27:40","post_date_gmt":"2020-08-13 21:27:40","post_content":"\n

Kinder, Frauen, Jesiden \u2013 wer \u00fcberlebt hat, berichtet von Folter, Vergewaltigungen und Gehirnw\u00e4sche. Rund drei Jahre dauerte die Schreckensherrschaft der IS-Miliz in Syrien und Irak. Der Wiederaufbau wird l\u00e4nger dauern und mehr umfassen als H\u00e4user.<\/p>\n\n\n\n

Der Fluss Tigris durchzieht die zweitgr\u00f6\u00dfte Stadt des Iraks und teilt Mosul in Ost und West. Das Westufer ist von Zerst\u00f6rung gezeichnet, die Altstadt nicht mehr als eine einzige graue Tr\u00fcmmerlandschaft. Seit den letzten Bombardements im Juli 2017 kann hier niemand mehr wohnen.<\/p>\n\n\n\n

Die Nouri-Moschee, von deren Kanzel Abu Bakr al-Baghdadi im Juli 2014 sein Kalifat ausrief, hatte die IS-Miliz auf ihrem R\u00fcckzug vorsorglich selbst in die Luft gesprengt, um den Gegnern diesen besonderen Triumph zu verwehren.<\/p>\n\n\n\n

\"ImIm Juli 2017 erobert die irakische Armee Mossul zur\u00fcck. Ruinen sind zu sehen. Ein K\u00e4mpfer der IS-Miliz hat sich ergeben. (Imago \/ Carol Guzy)<\/p>\n\n\n\n

Es ist fraglich, ob die Altstadt dem Original getreu wieder aufgebaut werden kann. Bagdad will demn\u00e4chst \u2013 im Rahmen einer gro\u00dfen Wiederaufbau-Konferenz \u2013 bekannt geben, welche Pl\u00e4ne es hat. Derzeit gilt als gro\u00dfer Fortschritt, dass die Tr\u00fcmmerlandschaft in Teilen wieder begehbar ist \u2013 nachdem mit internationaler Hilfe zahllose Sprengs\u00e4tze beseitigt wurden.<\/p>\n\n\n\n

In Ost-Mossul gibt es weniger Zerst\u00f6rungen<\/h2>\n\n\n\n

J\u00fcngste Sch\u00e4tzungen der Vereinten Nationen besagen, dass es noch Jahre dauern wird, bis alle Minen ger\u00e4umt sind. Solange werden die einstigen Bewohner nicht zur\u00fcckkehren k\u00f6nnen. Manche von ihnen haben Gl\u00fcck im Ungl\u00fcck: Sie haben \u00fcberlebt und sind auf der anderen Seite des Tigris untergekommen, im Osten der Stadt. Der war schon im Januar 2017 von den Terroristen befreit worden. Erstaunlich ist: Dieser Teil Mosuls wirkt fast so, als w\u00e4re der \u201eIS\u201c niemals hier gewesen und als h\u00e4tte es keinen Krieg gegeben.<\/p>\n\n\n\n

\"ImIm Osten Mossuls gibt es weniger Zerst\u00f6rungen als im Westteil. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

Die Zerst\u00f6rungen beschr\u00e4nken sich auf strategisch-wichtige Punkte oder Geb\u00e4ude, in denen sich die Terroristen verschanzt hatten: Br\u00fccken, Moscheen, Krankenh\u00e4user. Doch im Basar herrscht fast so etwas wie Normalit\u00e4t. An St\u00e4nden kaufen Menschen ein \u2013 Obst, Gem\u00fcse, Reis und Nudeln, Backwaren. Kinder schlecken ein Eis. Abu Muhammad, ein ehemaliger Physiklehrer, erkl\u00e4rt, warum der Basar so anders ist als erwartet:<\/p>\n\n\n\n

\u201eDas Leben hatte nie aufgeh\u00f6rt in Mosul. Wir haben weitergelebt. Drei Jahre wurden wir vom \u201aIS\u2018 beherrscht, doch die normalen Leute hatten nichts damit zu tun. Daher kam der Alltag schnell zur\u00fcck. Die Soldaten sind gekommen, haben den Basar wieder aufgemacht und das Leben ging weiter.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Im Osten findet sich heute all das wieder, was die Terror-Miliz unterdr\u00fcckt hatte und bei Missachtung grausam ahndete: Musik in Restaurants und Caf\u00e9s; Sim-Karten f\u00fcr Handys; Internet; Fris\u00f6re, die Haare schneiden, B\u00e4rte stutzen oder gar abrasieren. Und doch: Trotz des lebendigen Treibens wirken Angst und Schrecken nach. Abu Muhammad, fr\u00fch ergraut, erinnert sich:<\/p>\n\n\n\n

\u201eWir haben uns gef\u00fchlt wie zwischen Leben und Tod. Irgendwo dazwischen. Sie haben vom \u201aIS\u2018 geh\u00f6rt; wir haben ihn erlebt: Wir haben erlebt, wie sie mordeten, wie sie Leute aufh\u00e4ngten, wir haben den Krieg erlebt. Wir haben alles gesehen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Mohammed stammt aus dem zerst\u00f6rten Westen der Stadt. Er wohnt heute im Osten. Verwandte haben ihn und seine Familie aufgenommen. So wie ihm ergeht es auch anderen Vertriebenen. Sie leben bei Verwandten und Freunden. Oder in einem der vielen Lager. 700.000 Menschen haben ihr Zuhause verloren \u2013 eine Zahl, die f\u00fcr West-Mosul gilt. Insgesamt gehen die Vereinten Nationen von fast sechs Millionen Menschen aus, die im Irak vor dem \u201aIS\u2018 geflohen sind \u2013 die H\u00e4lfte von ihnen bis heute fern von ihrem Zuhause.<\/p>\n\n\n\n

Binnenfl\u00fcchtlinge im Lager Khabartu<\/h2>\n\n\n\n

Zelte soweit das Auge reicht. Abertausende. Inmitten von Steppe. Das Leben der Menschen ist hart. Sie darben, frieren und verdorren \u2013 wenn im Winter der kalte Wind durch die Steppe fegt und im Sommer die Sonne niederbrennt. Doch sie harren aus, haben wenig Hoffnung auf baldige R\u00fcckkehr. Die meisten kamen 2014 \u2013 hierher, ins Lager Khabartu in Irakisch-Kurdistan.<\/p>\n\n\n\n

\"DasDas Lager Khabartu f\u00fcr irakische Binnenfl\u00fcchtlinge. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

2014, als der \u201eIS\u201c den Nord-Irak \u00fcberfiel. In einem der Zelte lebt auch die Familie von Thomas Abdallah Hammou. Thomas war auf der Flucht von seiner Familie getrennt und von den Dschihadisten verschleppt worden. Damals war er acht Jahre alt. Ein Kind. Drei Jahre blieb er in Geiselhaft, lebte in Mosul.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollten nicht, dass wir spielen. Sie mochten es nicht. Ich habe keine Schule besucht, aber sie gaben uns Koran-Unterricht. Jeden Tag.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas musste seinem eigenen, dem jesidischen Glauben abschw\u00f6ren. Weil der \u201eIS\u201c die Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c betrachtet. Und \u201eUngl\u00e4ubige\u201c, so die Auffassung der Terroristen, m\u00fcssen zwangsbekehrt werden. Oder get\u00f6tet. Die Terroristen hatten dementsprechend die Jesiden entweder an Ort und Stelle ermordet, die meisten im Sinjar, im alten Siedlungsgebiet der Jesiden im Nord-Irak. Tausende. 47 Massengr\u00e4ber sollen mittlerweile gefunden worden sein. Oder aber die Terroristen lie\u00dfen die Jesiden am Leben und nahmen sie in Geiselhaft. Sie machten aus ihnen Sexsklavinnen oder sie bildeten sie aus \u2013 zu Selbstmordattent\u00e4tern. Wie Thomas.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie haben uns st\u00e4ndig geschlagen. Wir mussten Schie\u00dfen \u00fcben. Zwei meiner Freunde haben sich in die Luft gesprengt. Sie sind zum Training. Doch sie kamen nicht zur\u00fcck. Ich war nicht traurig. Sie wollten sich ja in die Luft sprengen. Die \u201aIS\u2018-Leute hatten es nicht von ihnen verlangt. Sie sind freiwillig gegangen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas hat heute einen modernen Haarschnitt; der Nacken ist ausrasiert; der lange Pony in die Stirn gek\u00e4mmt. Im Sommer sah er noch anders aus, kurz nachdem Mosul befreit worden war. Bei einem Luftangriff der Anti-\u201eIS\u201c-Koalition wurde Thomas schwer verletzt aus Tr\u00fcmmern geborgen, dann operiert.<\/p>\n\n\n\n

\"ThomasThomas erholt sich von drei Jahren IS-Gefangenschaft. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

Arbeit mit \u201eDschihadisten-Kindern\u201c<\/h2>\n\n\n\n

Die \u00e4u\u00dferen Wunden sind heute verheilt. Doch wie sieht es aus mit den inneren, den seelischen Verletzungen? Thomas wurde von seiner Familie aufgenommen und bekommt Hilfe. Andere Kinder konnten nicht aufgefangen werden. Bis heute betrachten sie Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c \u2013 so wie es ihnen in der Geiselhaft eingeh\u00e4mmert wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie sind eine gro\u00dfe Gefahr f\u00fcr andere Kinder. Sie leben in Lagern, in einem Zelt, auf sechs mal vier Metern, oder noch weniger! Acht Geschwister, sie spielen zusammen, reden, sie indoktrinieren die anderen! Das ist ein Problem, das wir nicht l\u00f6sen k\u00f6nnen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Sara Hassan ist Sozialarbeiterin. Sie arbeitet in den Lagern, versucht M\u00e4dchen und Frauen, die jahrelang in Geiselhaft vergewaltigt wurden, zu helfen. Unz\u00e4hlige hatte der \u201eIS\u201c einst entf\u00fchrt. Sara arbeitet auch mit den sogenannten \u201eDschihadisten-Kindern\u201c. Sie erz\u00e4hlt, wie \u00fcberfordert alle seien: die Familien, die jesidische Gemeinschaft, die Gesellschaft des Nord-Irak.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIn einem anderen Fall hat sich die Familie am Ende an die Sicherheitskr\u00e4fte gewandt. Doch die wussten auch nicht, wie sie damit umgehen sollten. Monate lang hat die Familie versucht, den Jungen umzuerziehen, zusammen mit Sozialarbeitern. Aber noch immer sehen wir den Hass in seinen Augen \u2013 gegen\u00fcber Kurden, Christen und Jesiden. Als blicke man in die Augen eines IS-Terroristen. Das ist das Problem.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Die Jesiden k\u00f6nnen \u00fcber ihre vom \u201eIS\u201c indoktrinierten Kinder sprechen. Denn niemand zweifelt daran, dass sie Opfer der Tyrannei wurden. Bei den sunnitischen Arabern sieht das anders aus. Da sie derselben Religionsgruppe angeh\u00f6ren wie formal auch die Terroristen, stehen sie unter Generalverdacht, mit dem \u201eIS\u201c gemeinsame Sache gemacht zu haben. Sunnitische Araber trauen sich daher nicht, die Probleme ihrer Kinder \u00f6ffentlich zu machen \u2013 auch wenn sie selbst nichts mit dem \u201eIS\u201c zu tun hatten.<\/p>\n\n\n\n

Unklar ist, wie viele Kinder und Jugendliche im Irak und in Syrien zu Terroristen ausgebildet wurden, dabei noch in Geiselhaft sind oder bereits als \u201eSchl\u00e4fer\u201c darauf warten, zum Einsatz zu kommen. Sie gleichen \u201etickenden Zeitbomben\u201c, die jederzeit explodieren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

Minderheiten haben Angst vor \u201eIS\u201c-Nachfolgern<\/h2>\n\n\n\n

Kamaran Palani spricht davon, dass viele Menschen immer noch gehen wollen, obwohl der \u201eIS\u201c als staats\u00e4hnliches Gebilde nicht mehr besteht. Seine Saat aber, so der Politikwissenschaftler, sei aufgegangen.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollen einfach nicht in diesem Land bleiben. Der IS hat sie dazu gebracht. Jeder hat heute Angst, dass eine andere Organisation kommen wird, Terroristen, die dasselbe anrichten wie zuvor.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Palani forscht am \u201eMiddle East Research Institute\u201c, das seinen Sitz in Erbil hat, der Hauptstadt von Irakisch-Kurdistan. <\/p>\n\n\n\n

\u201e60 bis 65 Prozent der Christen wollen gehen. Das Gleiche gilt f\u00fcr andere Minderheiten: f\u00fcr Jesiden, Schabaks, Turkmenen, Kakais.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

\u201eWir werden niemals wieder mit den Arabern zusammenleben k\u00f6nnen!\u201c \u2013 ein Satz, der heute h\u00e4ufig im Nord-Irak zu h\u00f6ren ist. Gemeint sind die Iraker, die Sunniten und Araber sind \u2013 die einstmals Nachbarn von Jesiden, Christen und Kurden waren \u2013 mit denen man Handel trieb und Hochzeiten feierte, die auch Freunde waren.<\/p>\n\n\n\n

Der Irak ist eine multi-ethnische und multi-religi\u00f6se Gesellschaft, in der die Schiiten die Mehrheit stellen. \u00dcber Jahrhunderte aber hatten die sunnitischen Araber das Sagen, sie missbrauchten die Macht, errichteten ein Schreckensregime \u2013 bis 2003, als Diktator Saddam Hussein von den USA gest\u00fcrzt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c entstand aus Widerstand gegen Schiiten-Herrschaft<\/h2>\n\n\n\n

Jetzt wurde der Spie\u00df umgedreht. Die Amerikaner sorgten daf\u00fcr, dass die Sunniten jegliche Machtposition verloren \u2013 so wurde die irakische Armee, wurde die baathistische Partei aufgel\u00f6st \u2013 ohne ein Pendant zu schaffen, das alle integrierte. Und: Washington unterst\u00fctzte Regierungschef Nouri al-Maliki, einen Schiiten. Maliki sah eine historische Chance gekommen, diskriminierte nun seinerseits seine sunnitischen Landsleute, verwehrte ihnen im \u201eNeuen Irak\u201c die Mitsprache. Im Regime Malikis wurden Sunniten inhaftiert, gefoltert und umgebracht.<\/p>\n\n\n\n

Was viele in den Widerstand trieb. Einige schlossen sich der Terror-Organisation \u201eAl-Qaida\u201c an, unter ihnen f\u00fchrende Milit\u00e4rs der aufgel\u00f6sten Armee Saddam Husseins \u2013 und aus \u201eAl-Qaida\u201c ging sp\u00e4ter der \u201eIS\u201c hervor.<\/p>\n\n\n\n

Als der \u201eIS\u201c dann im Sommer 2014 fast ohne Gegenwehr weite Landstriche in Syrien und im Irak \u00fcberrannte und seinen \u201eStaat\u201c ausrief, sahen auch gew\u00f6hnliche sunnitische Araber einen Wechsel nahen. Viele machten gemeinsame Sache mit den Terroristen, verhinderten die Flucht jesidischer Nachbarn, lieferten sie ihren Schl\u00e4chtern aus. Kamaran Palani:<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c-K\u00e4mpfer haben gesagt, es gehe darum, die W\u00fcrde der sunnitischen Araber wiederherzustellen. Ihre Macht. Ihre Geschichte. Tats\u00e4chlich konnten es die Araber nicht hinnehmen, dass sie ins Abseits gedr\u00e4ngt wurden. Und ich denke, dass sie auch in Zukunft so handeln werden. Wann immer sich die Gelegenheit bietet: Sie werden alles hinter sich lassen \u2013 sich nur darauf konzentrieren.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Misstrauen. Auch bei einem Politikwissenschaftler. Was also tun? Zerst\u00f6rte St\u00e4dte und D\u00f6rfer k\u00f6nnten wieder aufgebaut werden \u2013 wenn denn ein gemeinsamer Wille best\u00fcnde. Doch was, wenn es einen solchen gemeinsamen Willen gar nicht gibt? Wenn Schmerz und Trauer anhalten, wenn die Verbrechen von Terroristen und Helfershelfern nicht geahndet werden, wenn Angst umgeht, Misstrauen und Hass das Miteinander bestimmen.<\/p>\n\n\n\n

\"SyrischeSoldaten in der irakischen Stadt Sindschar nach der R\u00fcckeroberung von der IS-Miliz Ende 2015. (dpa \/ MAXPPP \/ Arnaud Dumontier)<\/p>\n\n\n\n

Kamaran Palani stammt aus der Stadt Makhmour. Drei Tage nur sei der \u201eIS\u201c dort gewesen, sagt er, doch diese Tage h\u00e4tten alles ver\u00e4ndert. Der \u201eIS\u201c habe die Menschen in seiner Heimatstadt verrohen lassen, meint er, das Verh\u00e4ltnis zwischen Kurden und Arabern sei heute tot. Eine R\u00fcckkehr in alte Zeiten h\u00e4lt Palani f\u00fcr falsch.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch denke, es w\u00e4re nicht einfach, in das Jahr 2014 \u2013 also in die Zeit vor dem \u201aIS\u2018 \u2013 zur\u00fcckzukehren. Vor allem aber w\u00e4re es nicht die richtige Politik. Denn eben die hat ja erst zum Aufkommen, zur Existenz des \u201aIS\u2018 gef\u00fchrt.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n


Wie also in Ruinen Neues schaffen? Der Staat muss das Gewaltmonopol zur\u00fcckerlangen, fordert der Politikwissenschaftler. F\u00fcr ihn steht das an erster Stelle. Und dann m\u00fcsse der Staat dringend einen Kurswechsel vornehmen: Er m\u00fcsse integrativ wirken, alle einbinden, auch die Araber, in Sicherheitskr\u00e4fte, Verwaltung und Politik.<\/p>\n\n\n\n

Machtmonopol m\u00fcsste von Milizen zum Staat gehen<\/h2>\n\n\n\n

Die Realit\u00e4t sieht anders aus: Ein Staat Kurdistan, der neue Optionen m\u00f6glich gemacht h\u00e4tte, auch von den Minderheiten gew\u00fcnscht worden war, ist nicht entstanden. Bagdad aber ist fern, der Zentralstaat kaum existent, und wenn, dann ist er schiitisch dominiert. Es sind Milizen, die im Nord-Irak das Geschehen bestimmen, darum rivalisieren, das Machtvakuum zu f\u00fcllen, das durch die Vertreibung des \u201eIS\u201c entstanden ist. Einst im Kampf gegen die Terroristen geeint, sind die Milizen einander heute feind.<\/p>\n\n\n\n

Allen voran die \u201eHashd ash-Shaabi\u201c, schiitisch-irakische Milizen, deren Ausbilder und Kommandeure h\u00e4ufig Iraner sind. Bagdad hat die Haschd als regul\u00e4re Kraft im Kampf gegen den \u201eIS\u201c anerkannt \u2013 obwohl Menschenrechts-Organisationen schwere Vorw\u00fcrfe gegen sie erheben. Fest steht: Die schiitischen Milizen halten D\u00f6rfer besetzt, sind in Mosul f\u00fcr ihr herrisches Auftreten und ihre Willk\u00fcr bekannt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eTats\u00e4chlich sorgen die verschiedenen bewaffneten Gruppen daf\u00fcr, dass die Fl\u00fcchtlinge nicht zur\u00fcckkehren. Und weil sie nicht zur\u00fcckkehren, gibt es auch keinen Wiederaufbau. Die Menschen haben Angst vor den Milizen \u2013 auch davor, dass die einander bek\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die \u201eHashd\u201c m\u00fcssten mithin abziehen. Und mit ihnen die anderen Milizen. Das Machtmonopol m\u00fcsste an den Staat gehen. Doch der Irak ist auch Spielball der Regionalm\u00e4chte: Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien. Sie konkurrieren um Einfluss-Sph\u00e4ren, bedienen sich dabei verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Gruppen im Irak. Deswegen werden die Hashd nicht abziehen. Derzeit sind sie von der iranisch-irakischen Grenze im Osten \u00fcber Bagdad bis hoch zur irakisch-syrischen Grenze im Norden postiert. Einheiten Teherans k\u00f6nnten demnach auf dem Landweg vom Iran bis ans Mittelmeer durchmarschieren.<\/p>\n\n\n\n

Iran und Saudi-Arabien wollen Macht vergr\u00f6\u00dfern<\/h2>\n\n\n\n

Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n

In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n

Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3703,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:24:20","post_date_gmt":"2020-08-13 21:24:20","post_content":"\n

Deutschland str\u00e4ubt sich gegen die R\u00fcckkehr seiner eigenen Staatsb\u00fcrger, die zu IS-Terroristen wurden. Dabei hat die Bundesrepublik den Terror und die Terroristen einst exportiert. Und dies geschah wissentlich, sagt der Islamwissenschaftler Fabian Goldmann.<\/p>\n\n\n\n

Wann haben Sie sich eigentlich zuletzt von deutschen Terroristen distanziert? Zum Beispiel von Robert B.? Der Ex-Bundeswehrsoldat aus Solingen hat mutma\u00dflich bei einem Selbstmordattentat Anfang 2014 50 Menschen mit in den Tod gerissen. <\/p>\n\n\n\n

Oder von Yannik N.? Der junge Freiburger steuerte wahrscheinlich im Jahr 2015 einen mit anderthalb Tonnen Sprengstoff beladenen LKW in eine Menschenmenge und nahm so Dutzenden Personen das Leben.<\/p>\n\n\n\n

Oder von Yamin A.?. Im Sommer 2015 tauchte im Netz ein Video auf, das zeigte, wie der ehemalige Telekom-Azubi aus K\u00f6nigswinter zwei gefesselten Soldaten in den Kopf schoss.
Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Deutsche T\u00e4ter, aber kaum deutsche Opfer<\/h2>\n\n\n\n

Hauptsache nicht bei uns! Dies scheint auch dieser Tage wieder die Maxime zu sein, wenn Politiker und \u00d6ffentlichkeit \u00fcber den Umgang mit deutschen Terroristen diskutieren. Von potenziellen Bedrohungen und Anschlagsgefahren in Deutschland liest man dann. Vom ganz realen Terror, den Deutsche in den vergangenen Jahren \u00fcber die Menschen in Syrien und Irak gebracht haben, h\u00f6rt man hingegen kaum. Ein Terror, der kaum deutsche Opfer aber umso mehr deutsche T\u00e4ter kannte.<\/p>\n\n\n\n

1.050 \u2013 das ist laut Bundesinnenministerium die Anzahl der Dschihadisten, die in den letzten Jahren die Bundesrepublik in Richtung Nahost verlassen hat. Es f\u00e4llt schwer, sich umgekehrtes Szenario \u00fcberhaupt auszumalen. Was w\u00e4re wohl los, h\u00e4tte es nur ein Bruchteil arabischer Terroristen geschafft, bei uns Anschl\u00e4ge zu begehen? Europas \u201eMuslim Bann\u201c? \u00dcberwachungsstaat auf NSA-Niveau?<\/p>\n\n\n\n

Die CSU st\u00fcnde wom\u00f6glich am linken Ende des politischen Spektrums, und auf Twitter w\u00fcrde Trump deutsche Migrationspolitiker zur M\u00e4\u00dfigung aufrufen. Der deutsche Terror in Nahost kommt hingegen seit Jahren ganz ohne Sondersendungen, politische Debatten und Distanzierungsforderungen aus. <\/p>\n\n\n\n

Deutsche K\u00e4mpfer waren nicht nur willenloses Kanonenfutter<\/h2>\n\n\n\n

An fehlendem Wissen liegt das nicht. Von ganzen Einheiten des IS, in denen kein einziger K\u00e4mpfer Arabisch spreche, berichten syrische, irakische und kurdische Soldaten schon seit Jahren. Von Aleppo \u00fcber Raqqa bis Mossul haben Aktivisten und Politiker immer wieder darauf hingewiesen, dass viele der schlimmsten M\u00f6rder in den Reihen des IS Europ\u00e4er sind. Interessiert hat das hier kaum jemand.<\/p>\n\n\n\n

Dabei dienten Deutsche dem Islamischen Staats nicht nur als willenloses Kanonenfutter, wie es oft dargestellt wird. Viele haben seinen Terror mitgepr\u00e4gt. Wie Martin L., der derzeit in kurdischer Haft sitzt. Der Schwei\u00dfer aus Sachsen-Anhalt soll sich vom Folterknecht bis zum Geheimdienstler mit Kontakten bis in die F\u00fchrungsspitze der Terrororganisation hochgearbeitet haben.<\/p>\n\n\n\n

Oder Reda S., Der Prediger aus Berlin-Charlottenburg soll dem IS in Mossul als Bildungsminister gedient haben. Oder der Berliner Ex-Rapper Denis Cuspert, der zu den wichtigsten Personen in der IS-Medienorganisation Al-Hayat geh\u00f6rte. Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Beh\u00f6rden wussten gut Bescheid<\/h2>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich entstand der Islamische Staat nicht in deutschen Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen. Zur deutschen Verantwortung geh\u00f6rt aber auch, dass Politiker und Beh\u00f6rden lange wegschauten, solang nur die T\u00e4ter, aber nicht die Opfer Deutsche waren. Beh\u00f6rden wissen und wussten erschreckend gut Bescheid \u00fcber die Radikalisierung deutscher Islamisten. Ein Gro\u00dfteil der sp\u00e4teren IS-K\u00e4mpfer war polizeibekannt, stand auf Gef\u00e4hrderlisten oder hatte wegen islamistischer Straftaten bereits Haftstrafen verb\u00fc\u00dft. An der Ausreise gehindert wurden sie oftmals dennoch nicht. Die Gefahr, die von deutschen Terroristen ausgeht, interessierte Politik und \u00d6ffentlichkeit erst dann wieder, als ihre Einreise drohte.<\/p>\n\n\n\n

\"Fabian
Fabian Goldmann<\/strong> ist Journalist und Islamwissenschaftler. F\u00fcr verschiedene Magazine und Zeitungen berichtete er viele Jahre aus Nahost. Zurzeit widmet er sich vor allem dem Islam diesseits des Bosporus. Auf seinem Blog Schantall und die Scharia<\/a> bloggt er \u00fcber Islamophobie in Deutschland.<\/p>\n","post_title":"Es sind unsere Terroristen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"es-sind-unsere-terroristen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3703","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3700,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:19:36","post_date_gmt":"2020-08-13 21:19:36","post_content":"\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda? Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda t<\/p>\n\n\n\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda tritt an die Stelle der 2010 verabschiedeten Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014 (siehe IP\/10\/1535<\/a>). In der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda f\u00fcr den Zeitraum 2015-2020 skizziert die Europ\u00e4ische Kommission die Strategie der Union zur Bew\u00e4ltigung der Sicherheitsbedrohungen in der EU.<\/p>\n\n\n\n

Die EU und ihre Mitgliedstaaten sind mit betr\u00e4chtlichen Sicherheitsproblemen konfrontiert. Terrorismus, organisierte Kriminalit\u00e4t und Cyberkriminalit\u00e4t stellen eine zunehmende Gefahr f\u00fcr die europ\u00e4ische Gesellschaft dar, wobei sich Art und Ausma\u00df dieser Gefahr ver\u00e4ndert hat. Europa ist mit den Auswirkungen der politischen Instabilit\u00e4t in seiner unmittelbaren Nachbarschaft konfrontiert, die die Sicherheitsinteressen der EU gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n

Im Zuge der Krisen und Konflikte in Syrien, Irak und Libyen haben sich europ\u00e4ische B\u00fcrger terroristischen Gruppen angeschlossen, die bei ihrer R\u00fcckkehr eine erhebliche Bedrohung darstellen k\u00f6nnen. Die j\u00fcngsten terroristischen Anschl\u00e4ge in Europa zeugen von der zunehmenden Bedrohung durch einen gewaltt\u00e4tigen Extremismus und zeigen, in welchem Ausma\u00df weltweite Konflikte zur Radikalisierung der europ\u00e4ischen B\u00fcrger beitragen.<\/p>\n\n\n\n

Das Online-Umfeld hat sich zunehmend als Ziel f\u00fcr Kriminelle und Terroristen entwickelt. Unabh\u00e4ngig davon, ob es um die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und die Anwerbung von Menschen f\u00fcr terroristische Organisationen geht oder die Verbreitung von Hass oder einen Angriff auf die europ\u00e4ischen Werte und Institutionen, fest steht, dass wir unsere Reaktion auf diese Bedrohungen unbedingt abstimmen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Welcher Mehrwert entsteht durch die EU im Bereich der inneren Sicherheit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Gew\u00e4hrleistung der inneren Sicherheit f\u00e4llt weiterhin in erster Linie in die Zust\u00e4ndigkeit der Mitgliedstaaten. Allerdings werden die Bedrohungen f\u00fcr Europas B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger immer vielf\u00e4ltiger und betreffen in zunehmendem Ma\u00dfe mehrere Mitgliedstaaten. Einzelne Mitgliedstaaten haben die Verantwortung, die Sicherheit an den Au\u00dfengrenzen zu gew\u00e4hrleisten, sind aber nicht mehr in der Lage, diese Herausforderungen allein zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n

Kriminelle und terroristische Aktivit\u00e4ten machen nicht an den Grenzen der EU halt und beschr\u00e4nken sich auch nicht auf Nachbarregionen. Die innere Sicherheit der EU und die globale Sicherheit sind voneinander abh\u00e4ngig und miteinander verkn\u00fcpft. Die Sicherheit der Union h\u00e4ngt in hohem Ma\u00dfe von der Zusammenarbeit mit ihren internationalen Partnern und ihren Nachbarl\u00e4ndern ab.<\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t und des Terrorismus ist eine gemeinsame europ\u00e4ische Aufgabe. Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda sollte von den Mitgliedstaaten und den EU-Organen gemeinsam als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und gemeinsame Ma\u00dfnahmen der Union genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n

Mit Hilfe der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda werden die Polizei- und Strafverfolgungsdienste in verschiedenen Mitgliedstaaten Daten effektiver austauschen und bei der Bek\u00e4mpfung der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t besser zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Die Mitgliedstaaten k\u00f6nnen auf die Unterst\u00fctzung durch die Agenturen der EU z\u00e4hlen. Insbesondere in folgenden Punkten l\u00e4sst sich mit Hilfe der Sicherheitsagenda ein EU-Mehrwert erzielen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n

A) Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und den EU-Agenturen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1<\/strong>: Das Schengener Informationssystem<\/strong> (SIS) wird von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Abfrage von Ausschreibungen von gesuchten oder vermissten Personen und Gegenst\u00e4nden genutzt. Die Kommission wird an der Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Ausschreibungskategorien arbeiten und sich daf\u00fcr einsetzen, dass das SIS zusammen mit der Interpol-Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD)<\/strong> umfassender genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

\n

Die Rekrutierung war wie eine Gehirnw\u00e4sche<\/h2>\n\n\n\n

Abu Fazels Familie geh\u00f6rt zur afghanischen Minderheit der schiitischen Hazara \u2013 wie viele Afghanen, die in den Iran gekommen sind. Mittlerweile k\u00e4mpfen Tausende von ihnen in Syrien. Der Iran bezahlt die Afghanen mit einem Sold von wenigen hundert Dollar pro Monat und verspricht ihren Familien eine Aufenthaltsgenehmigung oder eine Arbeitserlaubnis.<\/p>\n\n\n\n

An der Rekrutierung der Afghanen sind sowohl die Revolutionsgarden als auch die erw\u00e4hnten Basidsch-Milizen beteiligt. Abu Fazel beschreibt, wie das Viertel, in dem er gemeinsam mit seiner Familie in Teheran lebte, regelm\u00e4\u00dfig von den K\u00e4mpfern aufgesucht wurde. Viele afghanische Gefl\u00fcchtete lebten dort \u2013 und fielen auf die Gehirnw\u00e4sche der Rattenf\u00e4nger herein.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie trafen junge M\u00e4nner und Jugendliche in den Moscheen und \u00fcberredeten sie, gegen den IS oder Al Qaida zu k\u00e4mpfen. Die Gehirnw\u00e4sche war perfekt. Am Ende merkten viele, darunter auch ich, nicht einmal, dass wir in ihre Propaganda getappt waren. Ihre \u00dcberredungskunst war wirklich sehr speziell. Am Ende hat man Lust, nach Syrien zu gehen, um zu k\u00e4mpfen\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Erfolg hatten die Rekrutierer des Regimes auch bei Abu Fazels Cousin, der zum damaligen Zeitpunkt ebenfalls minderj\u00e4hrig gewesen ist. Er ging nach Syrien und k\u00e4mpfte unter der Flagge der \u201eLiwa Fatemiyoun\u201c, wie die afghanische Division auf Seiten Assads hei\u00dft. Offiziell ist die Aufgabe der Miliz die Verteidigung des Schreines von Zaynab im S\u00fcden von Damaskus. Zaynab war die Enkelin des islamischen Propheten Mohammad. Laut iranischen Staatsmedien k\u00e4mpfen mindestens 20.000 Afghanen in der Division.<\/p>\n\n\n\n

Im August 2014 entschloss sich auch Abu Fazel, nach Syrien zu gehen und zu k\u00e4mpfen. Im selben Monat wurde sein Cousin in der N\u00e4he von Aleppo im Kampf gegen syrische Rebellen get\u00f6tet.<\/p>\n\n\n\n

\u201eMein Cousin wurde dort get\u00f6tet. Auch andere Jungs aus unserer Gegend gingen nach Syrien und fielen dort. Lokale Zeitungen nannten sie \u201aM\u00e4rtyrer\u2018.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Lieber Flucht statt K\u00e4mpfer in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein solcher \u201eM\u00e4rtyrer\u201c wollte Abu Fazel allerdings nicht werden. Er floh eine Woche vor dem Beginn seiner dreimonatigen Kampfausbildung. Es war ihm lieber, ein Leben auf der Flucht zu verbringen, als in Syrien unschuldige Menschen f\u00fcr einen Diktator zu t\u00f6ten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch kam zu dem Schluss, dass ich nicht als M\u00f6rder weiterleben k\u00f6nnte. Stets dachte ich mir, dass selbst die schlimmsten Al-Qaida- oder IS-Terroristen Kinder haben k\u00f6nnten, die ihren Vater lieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Fazel verlor seinen eigenen Vater bereits sehr fr\u00fch. Er wurde Opfer des B\u00fcrgerkriegs in Afghanistan, der von 1989 bis 2001 tausende Menschen das Leben kostete. Auch der Iran mischte in der Zeit schon mit. Es ist allgemein bekannt, dass die schiitischen Hazara-Milizen, die den B\u00fcrgerkrieg ebenfalls mitanfachten, von der Regierung in Teheran unterst\u00fctzt wurden.<\/p>\n\n\n\n

Als Abu Fazel sich nun entschloss, aus der Gewaltspirale auszusteigen und nicht in Syrien zu k\u00e4mpfen, wuchs die Angst bei seiner Familie. Denn f\u00fcr die iranischen Beh\u00f6rden gilt: Hat man sich einmal gemeldet, gibt es kein zur\u00fcck. Man muss an die Front nach Syrien \u2013 oder wird zur\u00fcck nach Afghanistan abgeschoben, wo ebenfalls Krieg herrscht.<\/p>\n\n\n\n

Der einzige Ausweg f\u00fcr den jungen Afghanen war die Flucht. \u00dcber die T\u00fcrkei, Griechenland und die Balkranroute erreichte er mit gro\u00dfer M\u00fche Deutschland, wo er einen Asylantrag stellte.<\/p>\n\n\n\n

Erster Asylantrag in Deutschland abgelehnt<\/h2>\n\n\n\n

Als Grund nannte er seine Rekrutierung als Kindersoldat seitens des iranischen Regimes. Doch w\u00e4hrend diese Begr\u00fcndung in Abu Fazels Augen v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich war, sahen deutsche Beh\u00f6rden das anders. Sein erster Antrag wurde abgelehnt. Derzeit versucht er es ein zweites Mal. Die Bundesrepublik schiebt afghanische Gefl\u00fcchtete weiterhin ab.<\/p>\n\n\n\n

\"EinAbschiebung von Afghanen im Dezember 2016 mit einem Charterflug von Frankfurt nach Kabul. (dpa \/picture alliance \/ Boris Roessler)<\/p>\n\n\n\n

Die Verantwortlichen weisen in diesem Kontext immer wieder auf vermeintlich \u201esichere Gebiete\u201c im Land, die nicht n\u00e4her benannt werden.<\/p>\n\n\n\n

W\u00e4hrenddessen machen Menschenrechtsorganisationen regelm\u00e4\u00dfig darauf aufmerksam, dass keine Region am Hindukusch sicher ist. Stattdessen wird in manchen Gebieten nur weniger Krieg gef\u00fchrt als in anderen.<\/p>\n\n\n\n

\"SieDemonstranten protestieren in Frankfurt am Main gegen die Abschiebung von Afghanen. Auf einem der Transparente steht \u201eAfghanistan is not safe\u201c. (AFP \/ Daniel Roland)<\/p>\n\n\n\n

Alis Vater und Onkel k\u00e4mpfen in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein \u00e4hnliches Schicksal wie Abu Fazel erlitt der 18-j\u00e4hrige Ali (Namen ge\u00e4ndert). Auch er floh aus dem Iran nach Deutschland, um der Rekrutierung f\u00fcr Assads Milizen zu entgehen. Viele seiner afghanischen Freunde sind bereits nach Syrien gezogen \u2013 und kamen niemals zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Alis Familie, ebenfalls Angeh\u00f6rige der Hazara-Minderheit, stammt urspr\u00fcnglich aus der Provinz Ghor im Nordosten Afghanistans. Ihre Heimat verlie\u00dfen sie w\u00e4hrend der sowjetischen Besatzung in den 1980er-Jahren.<\/p>\n\n\n\n

Seit jeher lebt die Familie in der iranischen Gro\u00dfstadt Maschhad. Als der Krieg in Syrien ausbrach, erreichte sie ein Konflikt, mit dem sie nicht gerechnet hatten. Im Juli 2015 reiste Alis Vater nach Teheran. Er wollte einen Weg finden, um f\u00fcr seine Familie Aufenthaltspapiere zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Beh\u00f6rden sagten ihm, dass die Rekrutierung f\u00fcr den Krieg in Syrien eine M\u00f6glichkeit darstellen k\u00f6nnte, um Papiere f\u00fcr uns alle zu erhalten. Andernfalls w\u00fcrde man uns sehr bald nach Afghanistan abschieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Mittlerweile k\u00e4mpfen Alis Vater und sein Onkel seit \u00fcber einem Jahr in Syrien. Am Aufenthaltsstatus seiner Familienmitglieder hat sich bis heute allerdings nichts ge\u00e4ndert. F\u00fcr Ali ist klar, dass dies nur eine Falle gewesen ist, um noch mehr Afghanen als Kanonenfutter zu missbrauchen.<\/p>\n\n\n\n

Anfangs gab es Papiere f\u00fcr K\u00e4mpfer-Familien<\/h2>\n\n\n\n

Den Kontakt zu seinem Vater hat der Afghane mittlerweile verloren. W\u00e4hrenddessen schickt ihm sein Onkel, der in Aleppo stationiert ist, hin und wieder Bilder \u00fcber den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ali denkt, dass nur sehr wenige Afghanen der Propaganda der iranischen Regierung glauben und in Syrien f\u00fcr eine \u201egute Sache\u201c k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

Source<\/a><\/p>\n","post_title":"Warum Afghanen in Syrien f\u00fcr Assad k\u00e4mpfen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"warum-afghanen-in-syrien-fur-assad-kampfen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3709","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3706,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:27:40","post_date_gmt":"2020-08-13 21:27:40","post_content":"\n

Kinder, Frauen, Jesiden \u2013 wer \u00fcberlebt hat, berichtet von Folter, Vergewaltigungen und Gehirnw\u00e4sche. Rund drei Jahre dauerte die Schreckensherrschaft der IS-Miliz in Syrien und Irak. Der Wiederaufbau wird l\u00e4nger dauern und mehr umfassen als H\u00e4user.<\/p>\n\n\n\n

Der Fluss Tigris durchzieht die zweitgr\u00f6\u00dfte Stadt des Iraks und teilt Mosul in Ost und West. Das Westufer ist von Zerst\u00f6rung gezeichnet, die Altstadt nicht mehr als eine einzige graue Tr\u00fcmmerlandschaft. Seit den letzten Bombardements im Juli 2017 kann hier niemand mehr wohnen.<\/p>\n\n\n\n

Die Nouri-Moschee, von deren Kanzel Abu Bakr al-Baghdadi im Juli 2014 sein Kalifat ausrief, hatte die IS-Miliz auf ihrem R\u00fcckzug vorsorglich selbst in die Luft gesprengt, um den Gegnern diesen besonderen Triumph zu verwehren.<\/p>\n\n\n\n

\"ImIm Juli 2017 erobert die irakische Armee Mossul zur\u00fcck. Ruinen sind zu sehen. Ein K\u00e4mpfer der IS-Miliz hat sich ergeben. (Imago \/ Carol Guzy)<\/p>\n\n\n\n

Es ist fraglich, ob die Altstadt dem Original getreu wieder aufgebaut werden kann. Bagdad will demn\u00e4chst \u2013 im Rahmen einer gro\u00dfen Wiederaufbau-Konferenz \u2013 bekannt geben, welche Pl\u00e4ne es hat. Derzeit gilt als gro\u00dfer Fortschritt, dass die Tr\u00fcmmerlandschaft in Teilen wieder begehbar ist \u2013 nachdem mit internationaler Hilfe zahllose Sprengs\u00e4tze beseitigt wurden.<\/p>\n\n\n\n

In Ost-Mossul gibt es weniger Zerst\u00f6rungen<\/h2>\n\n\n\n

J\u00fcngste Sch\u00e4tzungen der Vereinten Nationen besagen, dass es noch Jahre dauern wird, bis alle Minen ger\u00e4umt sind. Solange werden die einstigen Bewohner nicht zur\u00fcckkehren k\u00f6nnen. Manche von ihnen haben Gl\u00fcck im Ungl\u00fcck: Sie haben \u00fcberlebt und sind auf der anderen Seite des Tigris untergekommen, im Osten der Stadt. Der war schon im Januar 2017 von den Terroristen befreit worden. Erstaunlich ist: Dieser Teil Mosuls wirkt fast so, als w\u00e4re der \u201eIS\u201c niemals hier gewesen und als h\u00e4tte es keinen Krieg gegeben.<\/p>\n\n\n\n

\"ImIm Osten Mossuls gibt es weniger Zerst\u00f6rungen als im Westteil. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

Die Zerst\u00f6rungen beschr\u00e4nken sich auf strategisch-wichtige Punkte oder Geb\u00e4ude, in denen sich die Terroristen verschanzt hatten: Br\u00fccken, Moscheen, Krankenh\u00e4user. Doch im Basar herrscht fast so etwas wie Normalit\u00e4t. An St\u00e4nden kaufen Menschen ein \u2013 Obst, Gem\u00fcse, Reis und Nudeln, Backwaren. Kinder schlecken ein Eis. Abu Muhammad, ein ehemaliger Physiklehrer, erkl\u00e4rt, warum der Basar so anders ist als erwartet:<\/p>\n\n\n\n

\u201eDas Leben hatte nie aufgeh\u00f6rt in Mosul. Wir haben weitergelebt. Drei Jahre wurden wir vom \u201aIS\u2018 beherrscht, doch die normalen Leute hatten nichts damit zu tun. Daher kam der Alltag schnell zur\u00fcck. Die Soldaten sind gekommen, haben den Basar wieder aufgemacht und das Leben ging weiter.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Im Osten findet sich heute all das wieder, was die Terror-Miliz unterdr\u00fcckt hatte und bei Missachtung grausam ahndete: Musik in Restaurants und Caf\u00e9s; Sim-Karten f\u00fcr Handys; Internet; Fris\u00f6re, die Haare schneiden, B\u00e4rte stutzen oder gar abrasieren. Und doch: Trotz des lebendigen Treibens wirken Angst und Schrecken nach. Abu Muhammad, fr\u00fch ergraut, erinnert sich:<\/p>\n\n\n\n

\u201eWir haben uns gef\u00fchlt wie zwischen Leben und Tod. Irgendwo dazwischen. Sie haben vom \u201aIS\u2018 geh\u00f6rt; wir haben ihn erlebt: Wir haben erlebt, wie sie mordeten, wie sie Leute aufh\u00e4ngten, wir haben den Krieg erlebt. Wir haben alles gesehen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Mohammed stammt aus dem zerst\u00f6rten Westen der Stadt. Er wohnt heute im Osten. Verwandte haben ihn und seine Familie aufgenommen. So wie ihm ergeht es auch anderen Vertriebenen. Sie leben bei Verwandten und Freunden. Oder in einem der vielen Lager. 700.000 Menschen haben ihr Zuhause verloren \u2013 eine Zahl, die f\u00fcr West-Mosul gilt. Insgesamt gehen die Vereinten Nationen von fast sechs Millionen Menschen aus, die im Irak vor dem \u201aIS\u2018 geflohen sind \u2013 die H\u00e4lfte von ihnen bis heute fern von ihrem Zuhause.<\/p>\n\n\n\n

Binnenfl\u00fcchtlinge im Lager Khabartu<\/h2>\n\n\n\n

Zelte soweit das Auge reicht. Abertausende. Inmitten von Steppe. Das Leben der Menschen ist hart. Sie darben, frieren und verdorren \u2013 wenn im Winter der kalte Wind durch die Steppe fegt und im Sommer die Sonne niederbrennt. Doch sie harren aus, haben wenig Hoffnung auf baldige R\u00fcckkehr. Die meisten kamen 2014 \u2013 hierher, ins Lager Khabartu in Irakisch-Kurdistan.<\/p>\n\n\n\n

\"DasDas Lager Khabartu f\u00fcr irakische Binnenfl\u00fcchtlinge. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

2014, als der \u201eIS\u201c den Nord-Irak \u00fcberfiel. In einem der Zelte lebt auch die Familie von Thomas Abdallah Hammou. Thomas war auf der Flucht von seiner Familie getrennt und von den Dschihadisten verschleppt worden. Damals war er acht Jahre alt. Ein Kind. Drei Jahre blieb er in Geiselhaft, lebte in Mosul.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollten nicht, dass wir spielen. Sie mochten es nicht. Ich habe keine Schule besucht, aber sie gaben uns Koran-Unterricht. Jeden Tag.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas musste seinem eigenen, dem jesidischen Glauben abschw\u00f6ren. Weil der \u201eIS\u201c die Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c betrachtet. Und \u201eUngl\u00e4ubige\u201c, so die Auffassung der Terroristen, m\u00fcssen zwangsbekehrt werden. Oder get\u00f6tet. Die Terroristen hatten dementsprechend die Jesiden entweder an Ort und Stelle ermordet, die meisten im Sinjar, im alten Siedlungsgebiet der Jesiden im Nord-Irak. Tausende. 47 Massengr\u00e4ber sollen mittlerweile gefunden worden sein. Oder aber die Terroristen lie\u00dfen die Jesiden am Leben und nahmen sie in Geiselhaft. Sie machten aus ihnen Sexsklavinnen oder sie bildeten sie aus \u2013 zu Selbstmordattent\u00e4tern. Wie Thomas.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie haben uns st\u00e4ndig geschlagen. Wir mussten Schie\u00dfen \u00fcben. Zwei meiner Freunde haben sich in die Luft gesprengt. Sie sind zum Training. Doch sie kamen nicht zur\u00fcck. Ich war nicht traurig. Sie wollten sich ja in die Luft sprengen. Die \u201aIS\u2018-Leute hatten es nicht von ihnen verlangt. Sie sind freiwillig gegangen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas hat heute einen modernen Haarschnitt; der Nacken ist ausrasiert; der lange Pony in die Stirn gek\u00e4mmt. Im Sommer sah er noch anders aus, kurz nachdem Mosul befreit worden war. Bei einem Luftangriff der Anti-\u201eIS\u201c-Koalition wurde Thomas schwer verletzt aus Tr\u00fcmmern geborgen, dann operiert.<\/p>\n\n\n\n

\"ThomasThomas erholt sich von drei Jahren IS-Gefangenschaft. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

Arbeit mit \u201eDschihadisten-Kindern\u201c<\/h2>\n\n\n\n

Die \u00e4u\u00dferen Wunden sind heute verheilt. Doch wie sieht es aus mit den inneren, den seelischen Verletzungen? Thomas wurde von seiner Familie aufgenommen und bekommt Hilfe. Andere Kinder konnten nicht aufgefangen werden. Bis heute betrachten sie Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c \u2013 so wie es ihnen in der Geiselhaft eingeh\u00e4mmert wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie sind eine gro\u00dfe Gefahr f\u00fcr andere Kinder. Sie leben in Lagern, in einem Zelt, auf sechs mal vier Metern, oder noch weniger! Acht Geschwister, sie spielen zusammen, reden, sie indoktrinieren die anderen! Das ist ein Problem, das wir nicht l\u00f6sen k\u00f6nnen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Sara Hassan ist Sozialarbeiterin. Sie arbeitet in den Lagern, versucht M\u00e4dchen und Frauen, die jahrelang in Geiselhaft vergewaltigt wurden, zu helfen. Unz\u00e4hlige hatte der \u201eIS\u201c einst entf\u00fchrt. Sara arbeitet auch mit den sogenannten \u201eDschihadisten-Kindern\u201c. Sie erz\u00e4hlt, wie \u00fcberfordert alle seien: die Familien, die jesidische Gemeinschaft, die Gesellschaft des Nord-Irak.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIn einem anderen Fall hat sich die Familie am Ende an die Sicherheitskr\u00e4fte gewandt. Doch die wussten auch nicht, wie sie damit umgehen sollten. Monate lang hat die Familie versucht, den Jungen umzuerziehen, zusammen mit Sozialarbeitern. Aber noch immer sehen wir den Hass in seinen Augen \u2013 gegen\u00fcber Kurden, Christen und Jesiden. Als blicke man in die Augen eines IS-Terroristen. Das ist das Problem.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Die Jesiden k\u00f6nnen \u00fcber ihre vom \u201eIS\u201c indoktrinierten Kinder sprechen. Denn niemand zweifelt daran, dass sie Opfer der Tyrannei wurden. Bei den sunnitischen Arabern sieht das anders aus. Da sie derselben Religionsgruppe angeh\u00f6ren wie formal auch die Terroristen, stehen sie unter Generalverdacht, mit dem \u201eIS\u201c gemeinsame Sache gemacht zu haben. Sunnitische Araber trauen sich daher nicht, die Probleme ihrer Kinder \u00f6ffentlich zu machen \u2013 auch wenn sie selbst nichts mit dem \u201eIS\u201c zu tun hatten.<\/p>\n\n\n\n

Unklar ist, wie viele Kinder und Jugendliche im Irak und in Syrien zu Terroristen ausgebildet wurden, dabei noch in Geiselhaft sind oder bereits als \u201eSchl\u00e4fer\u201c darauf warten, zum Einsatz zu kommen. Sie gleichen \u201etickenden Zeitbomben\u201c, die jederzeit explodieren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

Minderheiten haben Angst vor \u201eIS\u201c-Nachfolgern<\/h2>\n\n\n\n

Kamaran Palani spricht davon, dass viele Menschen immer noch gehen wollen, obwohl der \u201eIS\u201c als staats\u00e4hnliches Gebilde nicht mehr besteht. Seine Saat aber, so der Politikwissenschaftler, sei aufgegangen.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollen einfach nicht in diesem Land bleiben. Der IS hat sie dazu gebracht. Jeder hat heute Angst, dass eine andere Organisation kommen wird, Terroristen, die dasselbe anrichten wie zuvor.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Palani forscht am \u201eMiddle East Research Institute\u201c, das seinen Sitz in Erbil hat, der Hauptstadt von Irakisch-Kurdistan. <\/p>\n\n\n\n

\u201e60 bis 65 Prozent der Christen wollen gehen. Das Gleiche gilt f\u00fcr andere Minderheiten: f\u00fcr Jesiden, Schabaks, Turkmenen, Kakais.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

\u201eWir werden niemals wieder mit den Arabern zusammenleben k\u00f6nnen!\u201c \u2013 ein Satz, der heute h\u00e4ufig im Nord-Irak zu h\u00f6ren ist. Gemeint sind die Iraker, die Sunniten und Araber sind \u2013 die einstmals Nachbarn von Jesiden, Christen und Kurden waren \u2013 mit denen man Handel trieb und Hochzeiten feierte, die auch Freunde waren.<\/p>\n\n\n\n

Der Irak ist eine multi-ethnische und multi-religi\u00f6se Gesellschaft, in der die Schiiten die Mehrheit stellen. \u00dcber Jahrhunderte aber hatten die sunnitischen Araber das Sagen, sie missbrauchten die Macht, errichteten ein Schreckensregime \u2013 bis 2003, als Diktator Saddam Hussein von den USA gest\u00fcrzt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c entstand aus Widerstand gegen Schiiten-Herrschaft<\/h2>\n\n\n\n

Jetzt wurde der Spie\u00df umgedreht. Die Amerikaner sorgten daf\u00fcr, dass die Sunniten jegliche Machtposition verloren \u2013 so wurde die irakische Armee, wurde die baathistische Partei aufgel\u00f6st \u2013 ohne ein Pendant zu schaffen, das alle integrierte. Und: Washington unterst\u00fctzte Regierungschef Nouri al-Maliki, einen Schiiten. Maliki sah eine historische Chance gekommen, diskriminierte nun seinerseits seine sunnitischen Landsleute, verwehrte ihnen im \u201eNeuen Irak\u201c die Mitsprache. Im Regime Malikis wurden Sunniten inhaftiert, gefoltert und umgebracht.<\/p>\n\n\n\n

Was viele in den Widerstand trieb. Einige schlossen sich der Terror-Organisation \u201eAl-Qaida\u201c an, unter ihnen f\u00fchrende Milit\u00e4rs der aufgel\u00f6sten Armee Saddam Husseins \u2013 und aus \u201eAl-Qaida\u201c ging sp\u00e4ter der \u201eIS\u201c hervor.<\/p>\n\n\n\n

Als der \u201eIS\u201c dann im Sommer 2014 fast ohne Gegenwehr weite Landstriche in Syrien und im Irak \u00fcberrannte und seinen \u201eStaat\u201c ausrief, sahen auch gew\u00f6hnliche sunnitische Araber einen Wechsel nahen. Viele machten gemeinsame Sache mit den Terroristen, verhinderten die Flucht jesidischer Nachbarn, lieferten sie ihren Schl\u00e4chtern aus. Kamaran Palani:<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c-K\u00e4mpfer haben gesagt, es gehe darum, die W\u00fcrde der sunnitischen Araber wiederherzustellen. Ihre Macht. Ihre Geschichte. Tats\u00e4chlich konnten es die Araber nicht hinnehmen, dass sie ins Abseits gedr\u00e4ngt wurden. Und ich denke, dass sie auch in Zukunft so handeln werden. Wann immer sich die Gelegenheit bietet: Sie werden alles hinter sich lassen \u2013 sich nur darauf konzentrieren.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Misstrauen. Auch bei einem Politikwissenschaftler. Was also tun? Zerst\u00f6rte St\u00e4dte und D\u00f6rfer k\u00f6nnten wieder aufgebaut werden \u2013 wenn denn ein gemeinsamer Wille best\u00fcnde. Doch was, wenn es einen solchen gemeinsamen Willen gar nicht gibt? Wenn Schmerz und Trauer anhalten, wenn die Verbrechen von Terroristen und Helfershelfern nicht geahndet werden, wenn Angst umgeht, Misstrauen und Hass das Miteinander bestimmen.<\/p>\n\n\n\n

\"SyrischeSoldaten in der irakischen Stadt Sindschar nach der R\u00fcckeroberung von der IS-Miliz Ende 2015. (dpa \/ MAXPPP \/ Arnaud Dumontier)<\/p>\n\n\n\n

Kamaran Palani stammt aus der Stadt Makhmour. Drei Tage nur sei der \u201eIS\u201c dort gewesen, sagt er, doch diese Tage h\u00e4tten alles ver\u00e4ndert. Der \u201eIS\u201c habe die Menschen in seiner Heimatstadt verrohen lassen, meint er, das Verh\u00e4ltnis zwischen Kurden und Arabern sei heute tot. Eine R\u00fcckkehr in alte Zeiten h\u00e4lt Palani f\u00fcr falsch.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch denke, es w\u00e4re nicht einfach, in das Jahr 2014 \u2013 also in die Zeit vor dem \u201aIS\u2018 \u2013 zur\u00fcckzukehren. Vor allem aber w\u00e4re es nicht die richtige Politik. Denn eben die hat ja erst zum Aufkommen, zur Existenz des \u201aIS\u2018 gef\u00fchrt.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n


Wie also in Ruinen Neues schaffen? Der Staat muss das Gewaltmonopol zur\u00fcckerlangen, fordert der Politikwissenschaftler. F\u00fcr ihn steht das an erster Stelle. Und dann m\u00fcsse der Staat dringend einen Kurswechsel vornehmen: Er m\u00fcsse integrativ wirken, alle einbinden, auch die Araber, in Sicherheitskr\u00e4fte, Verwaltung und Politik.<\/p>\n\n\n\n

Machtmonopol m\u00fcsste von Milizen zum Staat gehen<\/h2>\n\n\n\n

Die Realit\u00e4t sieht anders aus: Ein Staat Kurdistan, der neue Optionen m\u00f6glich gemacht h\u00e4tte, auch von den Minderheiten gew\u00fcnscht worden war, ist nicht entstanden. Bagdad aber ist fern, der Zentralstaat kaum existent, und wenn, dann ist er schiitisch dominiert. Es sind Milizen, die im Nord-Irak das Geschehen bestimmen, darum rivalisieren, das Machtvakuum zu f\u00fcllen, das durch die Vertreibung des \u201eIS\u201c entstanden ist. Einst im Kampf gegen die Terroristen geeint, sind die Milizen einander heute feind.<\/p>\n\n\n\n

Allen voran die \u201eHashd ash-Shaabi\u201c, schiitisch-irakische Milizen, deren Ausbilder und Kommandeure h\u00e4ufig Iraner sind. Bagdad hat die Haschd als regul\u00e4re Kraft im Kampf gegen den \u201eIS\u201c anerkannt \u2013 obwohl Menschenrechts-Organisationen schwere Vorw\u00fcrfe gegen sie erheben. Fest steht: Die schiitischen Milizen halten D\u00f6rfer besetzt, sind in Mosul f\u00fcr ihr herrisches Auftreten und ihre Willk\u00fcr bekannt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eTats\u00e4chlich sorgen die verschiedenen bewaffneten Gruppen daf\u00fcr, dass die Fl\u00fcchtlinge nicht zur\u00fcckkehren. Und weil sie nicht zur\u00fcckkehren, gibt es auch keinen Wiederaufbau. Die Menschen haben Angst vor den Milizen \u2013 auch davor, dass die einander bek\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die \u201eHashd\u201c m\u00fcssten mithin abziehen. Und mit ihnen die anderen Milizen. Das Machtmonopol m\u00fcsste an den Staat gehen. Doch der Irak ist auch Spielball der Regionalm\u00e4chte: Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien. Sie konkurrieren um Einfluss-Sph\u00e4ren, bedienen sich dabei verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Gruppen im Irak. Deswegen werden die Hashd nicht abziehen. Derzeit sind sie von der iranisch-irakischen Grenze im Osten \u00fcber Bagdad bis hoch zur irakisch-syrischen Grenze im Norden postiert. Einheiten Teherans k\u00f6nnten demnach auf dem Landweg vom Iran bis ans Mittelmeer durchmarschieren.<\/p>\n\n\n\n

Iran und Saudi-Arabien wollen Macht vergr\u00f6\u00dfern<\/h2>\n\n\n\n

Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n

In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n

Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3703,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:24:20","post_date_gmt":"2020-08-13 21:24:20","post_content":"\n

Deutschland str\u00e4ubt sich gegen die R\u00fcckkehr seiner eigenen Staatsb\u00fcrger, die zu IS-Terroristen wurden. Dabei hat die Bundesrepublik den Terror und die Terroristen einst exportiert. Und dies geschah wissentlich, sagt der Islamwissenschaftler Fabian Goldmann.<\/p>\n\n\n\n

Wann haben Sie sich eigentlich zuletzt von deutschen Terroristen distanziert? Zum Beispiel von Robert B.? Der Ex-Bundeswehrsoldat aus Solingen hat mutma\u00dflich bei einem Selbstmordattentat Anfang 2014 50 Menschen mit in den Tod gerissen. <\/p>\n\n\n\n

Oder von Yannik N.? Der junge Freiburger steuerte wahrscheinlich im Jahr 2015 einen mit anderthalb Tonnen Sprengstoff beladenen LKW in eine Menschenmenge und nahm so Dutzenden Personen das Leben.<\/p>\n\n\n\n

Oder von Yamin A.?. Im Sommer 2015 tauchte im Netz ein Video auf, das zeigte, wie der ehemalige Telekom-Azubi aus K\u00f6nigswinter zwei gefesselten Soldaten in den Kopf schoss.
Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Deutsche T\u00e4ter, aber kaum deutsche Opfer<\/h2>\n\n\n\n

Hauptsache nicht bei uns! Dies scheint auch dieser Tage wieder die Maxime zu sein, wenn Politiker und \u00d6ffentlichkeit \u00fcber den Umgang mit deutschen Terroristen diskutieren. Von potenziellen Bedrohungen und Anschlagsgefahren in Deutschland liest man dann. Vom ganz realen Terror, den Deutsche in den vergangenen Jahren \u00fcber die Menschen in Syrien und Irak gebracht haben, h\u00f6rt man hingegen kaum. Ein Terror, der kaum deutsche Opfer aber umso mehr deutsche T\u00e4ter kannte.<\/p>\n\n\n\n

1.050 \u2013 das ist laut Bundesinnenministerium die Anzahl der Dschihadisten, die in den letzten Jahren die Bundesrepublik in Richtung Nahost verlassen hat. Es f\u00e4llt schwer, sich umgekehrtes Szenario \u00fcberhaupt auszumalen. Was w\u00e4re wohl los, h\u00e4tte es nur ein Bruchteil arabischer Terroristen geschafft, bei uns Anschl\u00e4ge zu begehen? Europas \u201eMuslim Bann\u201c? \u00dcberwachungsstaat auf NSA-Niveau?<\/p>\n\n\n\n

Die CSU st\u00fcnde wom\u00f6glich am linken Ende des politischen Spektrums, und auf Twitter w\u00fcrde Trump deutsche Migrationspolitiker zur M\u00e4\u00dfigung aufrufen. Der deutsche Terror in Nahost kommt hingegen seit Jahren ganz ohne Sondersendungen, politische Debatten und Distanzierungsforderungen aus. <\/p>\n\n\n\n

Deutsche K\u00e4mpfer waren nicht nur willenloses Kanonenfutter<\/h2>\n\n\n\n

An fehlendem Wissen liegt das nicht. Von ganzen Einheiten des IS, in denen kein einziger K\u00e4mpfer Arabisch spreche, berichten syrische, irakische und kurdische Soldaten schon seit Jahren. Von Aleppo \u00fcber Raqqa bis Mossul haben Aktivisten und Politiker immer wieder darauf hingewiesen, dass viele der schlimmsten M\u00f6rder in den Reihen des IS Europ\u00e4er sind. Interessiert hat das hier kaum jemand.<\/p>\n\n\n\n

Dabei dienten Deutsche dem Islamischen Staats nicht nur als willenloses Kanonenfutter, wie es oft dargestellt wird. Viele haben seinen Terror mitgepr\u00e4gt. Wie Martin L., der derzeit in kurdischer Haft sitzt. Der Schwei\u00dfer aus Sachsen-Anhalt soll sich vom Folterknecht bis zum Geheimdienstler mit Kontakten bis in die F\u00fchrungsspitze der Terrororganisation hochgearbeitet haben.<\/p>\n\n\n\n

Oder Reda S., Der Prediger aus Berlin-Charlottenburg soll dem IS in Mossul als Bildungsminister gedient haben. Oder der Berliner Ex-Rapper Denis Cuspert, der zu den wichtigsten Personen in der IS-Medienorganisation Al-Hayat geh\u00f6rte. Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Beh\u00f6rden wussten gut Bescheid<\/h2>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich entstand der Islamische Staat nicht in deutschen Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen. Zur deutschen Verantwortung geh\u00f6rt aber auch, dass Politiker und Beh\u00f6rden lange wegschauten, solang nur die T\u00e4ter, aber nicht die Opfer Deutsche waren. Beh\u00f6rden wissen und wussten erschreckend gut Bescheid \u00fcber die Radikalisierung deutscher Islamisten. Ein Gro\u00dfteil der sp\u00e4teren IS-K\u00e4mpfer war polizeibekannt, stand auf Gef\u00e4hrderlisten oder hatte wegen islamistischer Straftaten bereits Haftstrafen verb\u00fc\u00dft. An der Ausreise gehindert wurden sie oftmals dennoch nicht. Die Gefahr, die von deutschen Terroristen ausgeht, interessierte Politik und \u00d6ffentlichkeit erst dann wieder, als ihre Einreise drohte.<\/p>\n\n\n\n

\"Fabian
Fabian Goldmann<\/strong> ist Journalist und Islamwissenschaftler. F\u00fcr verschiedene Magazine und Zeitungen berichtete er viele Jahre aus Nahost. Zurzeit widmet er sich vor allem dem Islam diesseits des Bosporus. Auf seinem Blog Schantall und die Scharia<\/a> bloggt er \u00fcber Islamophobie in Deutschland.<\/p>\n","post_title":"Es sind unsere Terroristen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"es-sind-unsere-terroristen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3703","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3700,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:19:36","post_date_gmt":"2020-08-13 21:19:36","post_content":"\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda? Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda t<\/p>\n\n\n\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda tritt an die Stelle der 2010 verabschiedeten Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014 (siehe IP\/10\/1535<\/a>). In der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda f\u00fcr den Zeitraum 2015-2020 skizziert die Europ\u00e4ische Kommission die Strategie der Union zur Bew\u00e4ltigung der Sicherheitsbedrohungen in der EU.<\/p>\n\n\n\n

Die EU und ihre Mitgliedstaaten sind mit betr\u00e4chtlichen Sicherheitsproblemen konfrontiert. Terrorismus, organisierte Kriminalit\u00e4t und Cyberkriminalit\u00e4t stellen eine zunehmende Gefahr f\u00fcr die europ\u00e4ische Gesellschaft dar, wobei sich Art und Ausma\u00df dieser Gefahr ver\u00e4ndert hat. Europa ist mit den Auswirkungen der politischen Instabilit\u00e4t in seiner unmittelbaren Nachbarschaft konfrontiert, die die Sicherheitsinteressen der EU gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n

Im Zuge der Krisen und Konflikte in Syrien, Irak und Libyen haben sich europ\u00e4ische B\u00fcrger terroristischen Gruppen angeschlossen, die bei ihrer R\u00fcckkehr eine erhebliche Bedrohung darstellen k\u00f6nnen. Die j\u00fcngsten terroristischen Anschl\u00e4ge in Europa zeugen von der zunehmenden Bedrohung durch einen gewaltt\u00e4tigen Extremismus und zeigen, in welchem Ausma\u00df weltweite Konflikte zur Radikalisierung der europ\u00e4ischen B\u00fcrger beitragen.<\/p>\n\n\n\n

Das Online-Umfeld hat sich zunehmend als Ziel f\u00fcr Kriminelle und Terroristen entwickelt. Unabh\u00e4ngig davon, ob es um die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und die Anwerbung von Menschen f\u00fcr terroristische Organisationen geht oder die Verbreitung von Hass oder einen Angriff auf die europ\u00e4ischen Werte und Institutionen, fest steht, dass wir unsere Reaktion auf diese Bedrohungen unbedingt abstimmen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Welcher Mehrwert entsteht durch die EU im Bereich der inneren Sicherheit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Gew\u00e4hrleistung der inneren Sicherheit f\u00e4llt weiterhin in erster Linie in die Zust\u00e4ndigkeit der Mitgliedstaaten. Allerdings werden die Bedrohungen f\u00fcr Europas B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger immer vielf\u00e4ltiger und betreffen in zunehmendem Ma\u00dfe mehrere Mitgliedstaaten. Einzelne Mitgliedstaaten haben die Verantwortung, die Sicherheit an den Au\u00dfengrenzen zu gew\u00e4hrleisten, sind aber nicht mehr in der Lage, diese Herausforderungen allein zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n

Kriminelle und terroristische Aktivit\u00e4ten machen nicht an den Grenzen der EU halt und beschr\u00e4nken sich auch nicht auf Nachbarregionen. Die innere Sicherheit der EU und die globale Sicherheit sind voneinander abh\u00e4ngig und miteinander verkn\u00fcpft. Die Sicherheit der Union h\u00e4ngt in hohem Ma\u00dfe von der Zusammenarbeit mit ihren internationalen Partnern und ihren Nachbarl\u00e4ndern ab.<\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t und des Terrorismus ist eine gemeinsame europ\u00e4ische Aufgabe. Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda sollte von den Mitgliedstaaten und den EU-Organen gemeinsam als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und gemeinsame Ma\u00dfnahmen der Union genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n

Mit Hilfe der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda werden die Polizei- und Strafverfolgungsdienste in verschiedenen Mitgliedstaaten Daten effektiver austauschen und bei der Bek\u00e4mpfung der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t besser zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Die Mitgliedstaaten k\u00f6nnen auf die Unterst\u00fctzung durch die Agenturen der EU z\u00e4hlen. Insbesondere in folgenden Punkten l\u00e4sst sich mit Hilfe der Sicherheitsagenda ein EU-Mehrwert erzielen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n

A) Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und den EU-Agenturen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1<\/strong>: Das Schengener Informationssystem<\/strong> (SIS) wird von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Abfrage von Ausschreibungen von gesuchten oder vermissten Personen und Gegenst\u00e4nden genutzt. Die Kommission wird an der Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Ausschreibungskategorien arbeiten und sich daf\u00fcr einsetzen, dass das SIS zusammen mit der Interpol-Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD)<\/strong> umfassender genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Obowhl sich das syrische Regime von Baschar al-Assad als s\u00e4kular ausweist, wird es vom Iran, der sich als Repr\u00e4sentant aller muslimischen Schiiten betrachtet, unterst\u00fctzt. Gemeinsames Ziel in Syrien ist es: Schiiten vor sunnitische Extremisten zu verteidigen. Dennoch ist das Regime darauf bedacht, m\u00f6glichst wenig eigene K\u00e4mpfer nach Syrien zu schicken. \u00c4hnlich wie einst w\u00e4hrend des Krieges gegen Saddam Husseins Irak, setzt der Iran auf ausl\u00e4ndische K\u00e4mpfer.<\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung war wie eine Gehirnw\u00e4sche<\/h2>\n\n\n\n

Abu Fazels Familie geh\u00f6rt zur afghanischen Minderheit der schiitischen Hazara \u2013 wie viele Afghanen, die in den Iran gekommen sind. Mittlerweile k\u00e4mpfen Tausende von ihnen in Syrien. Der Iran bezahlt die Afghanen mit einem Sold von wenigen hundert Dollar pro Monat und verspricht ihren Familien eine Aufenthaltsgenehmigung oder eine Arbeitserlaubnis.<\/p>\n\n\n\n

An der Rekrutierung der Afghanen sind sowohl die Revolutionsgarden als auch die erw\u00e4hnten Basidsch-Milizen beteiligt. Abu Fazel beschreibt, wie das Viertel, in dem er gemeinsam mit seiner Familie in Teheran lebte, regelm\u00e4\u00dfig von den K\u00e4mpfern aufgesucht wurde. Viele afghanische Gefl\u00fcchtete lebten dort \u2013 und fielen auf die Gehirnw\u00e4sche der Rattenf\u00e4nger herein.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie trafen junge M\u00e4nner und Jugendliche in den Moscheen und \u00fcberredeten sie, gegen den IS oder Al Qaida zu k\u00e4mpfen. Die Gehirnw\u00e4sche war perfekt. Am Ende merkten viele, darunter auch ich, nicht einmal, dass wir in ihre Propaganda getappt waren. Ihre \u00dcberredungskunst war wirklich sehr speziell. Am Ende hat man Lust, nach Syrien zu gehen, um zu k\u00e4mpfen\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Erfolg hatten die Rekrutierer des Regimes auch bei Abu Fazels Cousin, der zum damaligen Zeitpunkt ebenfalls minderj\u00e4hrig gewesen ist. Er ging nach Syrien und k\u00e4mpfte unter der Flagge der \u201eLiwa Fatemiyoun\u201c, wie die afghanische Division auf Seiten Assads hei\u00dft. Offiziell ist die Aufgabe der Miliz die Verteidigung des Schreines von Zaynab im S\u00fcden von Damaskus. Zaynab war die Enkelin des islamischen Propheten Mohammad. Laut iranischen Staatsmedien k\u00e4mpfen mindestens 20.000 Afghanen in der Division.<\/p>\n\n\n\n

Im August 2014 entschloss sich auch Abu Fazel, nach Syrien zu gehen und zu k\u00e4mpfen. Im selben Monat wurde sein Cousin in der N\u00e4he von Aleppo im Kampf gegen syrische Rebellen get\u00f6tet.<\/p>\n\n\n\n

\u201eMein Cousin wurde dort get\u00f6tet. Auch andere Jungs aus unserer Gegend gingen nach Syrien und fielen dort. Lokale Zeitungen nannten sie \u201aM\u00e4rtyrer\u2018.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Lieber Flucht statt K\u00e4mpfer in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein solcher \u201eM\u00e4rtyrer\u201c wollte Abu Fazel allerdings nicht werden. Er floh eine Woche vor dem Beginn seiner dreimonatigen Kampfausbildung. Es war ihm lieber, ein Leben auf der Flucht zu verbringen, als in Syrien unschuldige Menschen f\u00fcr einen Diktator zu t\u00f6ten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch kam zu dem Schluss, dass ich nicht als M\u00f6rder weiterleben k\u00f6nnte. Stets dachte ich mir, dass selbst die schlimmsten Al-Qaida- oder IS-Terroristen Kinder haben k\u00f6nnten, die ihren Vater lieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Fazel verlor seinen eigenen Vater bereits sehr fr\u00fch. Er wurde Opfer des B\u00fcrgerkriegs in Afghanistan, der von 1989 bis 2001 tausende Menschen das Leben kostete. Auch der Iran mischte in der Zeit schon mit. Es ist allgemein bekannt, dass die schiitischen Hazara-Milizen, die den B\u00fcrgerkrieg ebenfalls mitanfachten, von der Regierung in Teheran unterst\u00fctzt wurden.<\/p>\n\n\n\n

Als Abu Fazel sich nun entschloss, aus der Gewaltspirale auszusteigen und nicht in Syrien zu k\u00e4mpfen, wuchs die Angst bei seiner Familie. Denn f\u00fcr die iranischen Beh\u00f6rden gilt: Hat man sich einmal gemeldet, gibt es kein zur\u00fcck. Man muss an die Front nach Syrien \u2013 oder wird zur\u00fcck nach Afghanistan abgeschoben, wo ebenfalls Krieg herrscht.<\/p>\n\n\n\n

Der einzige Ausweg f\u00fcr den jungen Afghanen war die Flucht. \u00dcber die T\u00fcrkei, Griechenland und die Balkranroute erreichte er mit gro\u00dfer M\u00fche Deutschland, wo er einen Asylantrag stellte.<\/p>\n\n\n\n

Erster Asylantrag in Deutschland abgelehnt<\/h2>\n\n\n\n

Als Grund nannte er seine Rekrutierung als Kindersoldat seitens des iranischen Regimes. Doch w\u00e4hrend diese Begr\u00fcndung in Abu Fazels Augen v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich war, sahen deutsche Beh\u00f6rden das anders. Sein erster Antrag wurde abgelehnt. Derzeit versucht er es ein zweites Mal. Die Bundesrepublik schiebt afghanische Gefl\u00fcchtete weiterhin ab.<\/p>\n\n\n\n

\"EinAbschiebung von Afghanen im Dezember 2016 mit einem Charterflug von Frankfurt nach Kabul. (dpa \/picture alliance \/ Boris Roessler)<\/p>\n\n\n\n

Die Verantwortlichen weisen in diesem Kontext immer wieder auf vermeintlich \u201esichere Gebiete\u201c im Land, die nicht n\u00e4her benannt werden.<\/p>\n\n\n\n

W\u00e4hrenddessen machen Menschenrechtsorganisationen regelm\u00e4\u00dfig darauf aufmerksam, dass keine Region am Hindukusch sicher ist. Stattdessen wird in manchen Gebieten nur weniger Krieg gef\u00fchrt als in anderen.<\/p>\n\n\n\n

\"SieDemonstranten protestieren in Frankfurt am Main gegen die Abschiebung von Afghanen. Auf einem der Transparente steht \u201eAfghanistan is not safe\u201c. (AFP \/ Daniel Roland)<\/p>\n\n\n\n

Alis Vater und Onkel k\u00e4mpfen in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein \u00e4hnliches Schicksal wie Abu Fazel erlitt der 18-j\u00e4hrige Ali (Namen ge\u00e4ndert). Auch er floh aus dem Iran nach Deutschland, um der Rekrutierung f\u00fcr Assads Milizen zu entgehen. Viele seiner afghanischen Freunde sind bereits nach Syrien gezogen \u2013 und kamen niemals zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Alis Familie, ebenfalls Angeh\u00f6rige der Hazara-Minderheit, stammt urspr\u00fcnglich aus der Provinz Ghor im Nordosten Afghanistans. Ihre Heimat verlie\u00dfen sie w\u00e4hrend der sowjetischen Besatzung in den 1980er-Jahren.<\/p>\n\n\n\n

Seit jeher lebt die Familie in der iranischen Gro\u00dfstadt Maschhad. Als der Krieg in Syrien ausbrach, erreichte sie ein Konflikt, mit dem sie nicht gerechnet hatten. Im Juli 2015 reiste Alis Vater nach Teheran. Er wollte einen Weg finden, um f\u00fcr seine Familie Aufenthaltspapiere zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Beh\u00f6rden sagten ihm, dass die Rekrutierung f\u00fcr den Krieg in Syrien eine M\u00f6glichkeit darstellen k\u00f6nnte, um Papiere f\u00fcr uns alle zu erhalten. Andernfalls w\u00fcrde man uns sehr bald nach Afghanistan abschieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Mittlerweile k\u00e4mpfen Alis Vater und sein Onkel seit \u00fcber einem Jahr in Syrien. Am Aufenthaltsstatus seiner Familienmitglieder hat sich bis heute allerdings nichts ge\u00e4ndert. F\u00fcr Ali ist klar, dass dies nur eine Falle gewesen ist, um noch mehr Afghanen als Kanonenfutter zu missbrauchen.<\/p>\n\n\n\n

Anfangs gab es Papiere f\u00fcr K\u00e4mpfer-Familien<\/h2>\n\n\n\n

Den Kontakt zu seinem Vater hat der Afghane mittlerweile verloren. W\u00e4hrenddessen schickt ihm sein Onkel, der in Aleppo stationiert ist, hin und wieder Bilder \u00fcber den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ali denkt, dass nur sehr wenige Afghanen der Propaganda der iranischen Regierung glauben und in Syrien f\u00fcr eine \u201egute Sache\u201c k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

Source<\/a><\/p>\n","post_title":"Warum Afghanen in Syrien f\u00fcr Assad k\u00e4mpfen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"warum-afghanen-in-syrien-fur-assad-kampfen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3709","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3706,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:27:40","post_date_gmt":"2020-08-13 21:27:40","post_content":"\n

Kinder, Frauen, Jesiden \u2013 wer \u00fcberlebt hat, berichtet von Folter, Vergewaltigungen und Gehirnw\u00e4sche. Rund drei Jahre dauerte die Schreckensherrschaft der IS-Miliz in Syrien und Irak. Der Wiederaufbau wird l\u00e4nger dauern und mehr umfassen als H\u00e4user.<\/p>\n\n\n\n

Der Fluss Tigris durchzieht die zweitgr\u00f6\u00dfte Stadt des Iraks und teilt Mosul in Ost und West. Das Westufer ist von Zerst\u00f6rung gezeichnet, die Altstadt nicht mehr als eine einzige graue Tr\u00fcmmerlandschaft. Seit den letzten Bombardements im Juli 2017 kann hier niemand mehr wohnen.<\/p>\n\n\n\n

Die Nouri-Moschee, von deren Kanzel Abu Bakr al-Baghdadi im Juli 2014 sein Kalifat ausrief, hatte die IS-Miliz auf ihrem R\u00fcckzug vorsorglich selbst in die Luft gesprengt, um den Gegnern diesen besonderen Triumph zu verwehren.<\/p>\n\n\n\n

\"ImIm Juli 2017 erobert die irakische Armee Mossul zur\u00fcck. Ruinen sind zu sehen. Ein K\u00e4mpfer der IS-Miliz hat sich ergeben. (Imago \/ Carol Guzy)<\/p>\n\n\n\n

Es ist fraglich, ob die Altstadt dem Original getreu wieder aufgebaut werden kann. Bagdad will demn\u00e4chst \u2013 im Rahmen einer gro\u00dfen Wiederaufbau-Konferenz \u2013 bekannt geben, welche Pl\u00e4ne es hat. Derzeit gilt als gro\u00dfer Fortschritt, dass die Tr\u00fcmmerlandschaft in Teilen wieder begehbar ist \u2013 nachdem mit internationaler Hilfe zahllose Sprengs\u00e4tze beseitigt wurden.<\/p>\n\n\n\n

In Ost-Mossul gibt es weniger Zerst\u00f6rungen<\/h2>\n\n\n\n

J\u00fcngste Sch\u00e4tzungen der Vereinten Nationen besagen, dass es noch Jahre dauern wird, bis alle Minen ger\u00e4umt sind. Solange werden die einstigen Bewohner nicht zur\u00fcckkehren k\u00f6nnen. Manche von ihnen haben Gl\u00fcck im Ungl\u00fcck: Sie haben \u00fcberlebt und sind auf der anderen Seite des Tigris untergekommen, im Osten der Stadt. Der war schon im Januar 2017 von den Terroristen befreit worden. Erstaunlich ist: Dieser Teil Mosuls wirkt fast so, als w\u00e4re der \u201eIS\u201c niemals hier gewesen und als h\u00e4tte es keinen Krieg gegeben.<\/p>\n\n\n\n

\"ImIm Osten Mossuls gibt es weniger Zerst\u00f6rungen als im Westteil. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

Die Zerst\u00f6rungen beschr\u00e4nken sich auf strategisch-wichtige Punkte oder Geb\u00e4ude, in denen sich die Terroristen verschanzt hatten: Br\u00fccken, Moscheen, Krankenh\u00e4user. Doch im Basar herrscht fast so etwas wie Normalit\u00e4t. An St\u00e4nden kaufen Menschen ein \u2013 Obst, Gem\u00fcse, Reis und Nudeln, Backwaren. Kinder schlecken ein Eis. Abu Muhammad, ein ehemaliger Physiklehrer, erkl\u00e4rt, warum der Basar so anders ist als erwartet:<\/p>\n\n\n\n

\u201eDas Leben hatte nie aufgeh\u00f6rt in Mosul. Wir haben weitergelebt. Drei Jahre wurden wir vom \u201aIS\u2018 beherrscht, doch die normalen Leute hatten nichts damit zu tun. Daher kam der Alltag schnell zur\u00fcck. Die Soldaten sind gekommen, haben den Basar wieder aufgemacht und das Leben ging weiter.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Im Osten findet sich heute all das wieder, was die Terror-Miliz unterdr\u00fcckt hatte und bei Missachtung grausam ahndete: Musik in Restaurants und Caf\u00e9s; Sim-Karten f\u00fcr Handys; Internet; Fris\u00f6re, die Haare schneiden, B\u00e4rte stutzen oder gar abrasieren. Und doch: Trotz des lebendigen Treibens wirken Angst und Schrecken nach. Abu Muhammad, fr\u00fch ergraut, erinnert sich:<\/p>\n\n\n\n

\u201eWir haben uns gef\u00fchlt wie zwischen Leben und Tod. Irgendwo dazwischen. Sie haben vom \u201aIS\u2018 geh\u00f6rt; wir haben ihn erlebt: Wir haben erlebt, wie sie mordeten, wie sie Leute aufh\u00e4ngten, wir haben den Krieg erlebt. Wir haben alles gesehen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Mohammed stammt aus dem zerst\u00f6rten Westen der Stadt. Er wohnt heute im Osten. Verwandte haben ihn und seine Familie aufgenommen. So wie ihm ergeht es auch anderen Vertriebenen. Sie leben bei Verwandten und Freunden. Oder in einem der vielen Lager. 700.000 Menschen haben ihr Zuhause verloren \u2013 eine Zahl, die f\u00fcr West-Mosul gilt. Insgesamt gehen die Vereinten Nationen von fast sechs Millionen Menschen aus, die im Irak vor dem \u201aIS\u2018 geflohen sind \u2013 die H\u00e4lfte von ihnen bis heute fern von ihrem Zuhause.<\/p>\n\n\n\n

Binnenfl\u00fcchtlinge im Lager Khabartu<\/h2>\n\n\n\n

Zelte soweit das Auge reicht. Abertausende. Inmitten von Steppe. Das Leben der Menschen ist hart. Sie darben, frieren und verdorren \u2013 wenn im Winter der kalte Wind durch die Steppe fegt und im Sommer die Sonne niederbrennt. Doch sie harren aus, haben wenig Hoffnung auf baldige R\u00fcckkehr. Die meisten kamen 2014 \u2013 hierher, ins Lager Khabartu in Irakisch-Kurdistan.<\/p>\n\n\n\n

\"DasDas Lager Khabartu f\u00fcr irakische Binnenfl\u00fcchtlinge. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

2014, als der \u201eIS\u201c den Nord-Irak \u00fcberfiel. In einem der Zelte lebt auch die Familie von Thomas Abdallah Hammou. Thomas war auf der Flucht von seiner Familie getrennt und von den Dschihadisten verschleppt worden. Damals war er acht Jahre alt. Ein Kind. Drei Jahre blieb er in Geiselhaft, lebte in Mosul.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollten nicht, dass wir spielen. Sie mochten es nicht. Ich habe keine Schule besucht, aber sie gaben uns Koran-Unterricht. Jeden Tag.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas musste seinem eigenen, dem jesidischen Glauben abschw\u00f6ren. Weil der \u201eIS\u201c die Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c betrachtet. Und \u201eUngl\u00e4ubige\u201c, so die Auffassung der Terroristen, m\u00fcssen zwangsbekehrt werden. Oder get\u00f6tet. Die Terroristen hatten dementsprechend die Jesiden entweder an Ort und Stelle ermordet, die meisten im Sinjar, im alten Siedlungsgebiet der Jesiden im Nord-Irak. Tausende. 47 Massengr\u00e4ber sollen mittlerweile gefunden worden sein. Oder aber die Terroristen lie\u00dfen die Jesiden am Leben und nahmen sie in Geiselhaft. Sie machten aus ihnen Sexsklavinnen oder sie bildeten sie aus \u2013 zu Selbstmordattent\u00e4tern. Wie Thomas.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie haben uns st\u00e4ndig geschlagen. Wir mussten Schie\u00dfen \u00fcben. Zwei meiner Freunde haben sich in die Luft gesprengt. Sie sind zum Training. Doch sie kamen nicht zur\u00fcck. Ich war nicht traurig. Sie wollten sich ja in die Luft sprengen. Die \u201aIS\u2018-Leute hatten es nicht von ihnen verlangt. Sie sind freiwillig gegangen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas hat heute einen modernen Haarschnitt; der Nacken ist ausrasiert; der lange Pony in die Stirn gek\u00e4mmt. Im Sommer sah er noch anders aus, kurz nachdem Mosul befreit worden war. Bei einem Luftangriff der Anti-\u201eIS\u201c-Koalition wurde Thomas schwer verletzt aus Tr\u00fcmmern geborgen, dann operiert.<\/p>\n\n\n\n

\"ThomasThomas erholt sich von drei Jahren IS-Gefangenschaft. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

Arbeit mit \u201eDschihadisten-Kindern\u201c<\/h2>\n\n\n\n

Die \u00e4u\u00dferen Wunden sind heute verheilt. Doch wie sieht es aus mit den inneren, den seelischen Verletzungen? Thomas wurde von seiner Familie aufgenommen und bekommt Hilfe. Andere Kinder konnten nicht aufgefangen werden. Bis heute betrachten sie Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c \u2013 so wie es ihnen in der Geiselhaft eingeh\u00e4mmert wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie sind eine gro\u00dfe Gefahr f\u00fcr andere Kinder. Sie leben in Lagern, in einem Zelt, auf sechs mal vier Metern, oder noch weniger! Acht Geschwister, sie spielen zusammen, reden, sie indoktrinieren die anderen! Das ist ein Problem, das wir nicht l\u00f6sen k\u00f6nnen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Sara Hassan ist Sozialarbeiterin. Sie arbeitet in den Lagern, versucht M\u00e4dchen und Frauen, die jahrelang in Geiselhaft vergewaltigt wurden, zu helfen. Unz\u00e4hlige hatte der \u201eIS\u201c einst entf\u00fchrt. Sara arbeitet auch mit den sogenannten \u201eDschihadisten-Kindern\u201c. Sie erz\u00e4hlt, wie \u00fcberfordert alle seien: die Familien, die jesidische Gemeinschaft, die Gesellschaft des Nord-Irak.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIn einem anderen Fall hat sich die Familie am Ende an die Sicherheitskr\u00e4fte gewandt. Doch die wussten auch nicht, wie sie damit umgehen sollten. Monate lang hat die Familie versucht, den Jungen umzuerziehen, zusammen mit Sozialarbeitern. Aber noch immer sehen wir den Hass in seinen Augen \u2013 gegen\u00fcber Kurden, Christen und Jesiden. Als blicke man in die Augen eines IS-Terroristen. Das ist das Problem.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Die Jesiden k\u00f6nnen \u00fcber ihre vom \u201eIS\u201c indoktrinierten Kinder sprechen. Denn niemand zweifelt daran, dass sie Opfer der Tyrannei wurden. Bei den sunnitischen Arabern sieht das anders aus. Da sie derselben Religionsgruppe angeh\u00f6ren wie formal auch die Terroristen, stehen sie unter Generalverdacht, mit dem \u201eIS\u201c gemeinsame Sache gemacht zu haben. Sunnitische Araber trauen sich daher nicht, die Probleme ihrer Kinder \u00f6ffentlich zu machen \u2013 auch wenn sie selbst nichts mit dem \u201eIS\u201c zu tun hatten.<\/p>\n\n\n\n

Unklar ist, wie viele Kinder und Jugendliche im Irak und in Syrien zu Terroristen ausgebildet wurden, dabei noch in Geiselhaft sind oder bereits als \u201eSchl\u00e4fer\u201c darauf warten, zum Einsatz zu kommen. Sie gleichen \u201etickenden Zeitbomben\u201c, die jederzeit explodieren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

Minderheiten haben Angst vor \u201eIS\u201c-Nachfolgern<\/h2>\n\n\n\n

Kamaran Palani spricht davon, dass viele Menschen immer noch gehen wollen, obwohl der \u201eIS\u201c als staats\u00e4hnliches Gebilde nicht mehr besteht. Seine Saat aber, so der Politikwissenschaftler, sei aufgegangen.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollen einfach nicht in diesem Land bleiben. Der IS hat sie dazu gebracht. Jeder hat heute Angst, dass eine andere Organisation kommen wird, Terroristen, die dasselbe anrichten wie zuvor.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Palani forscht am \u201eMiddle East Research Institute\u201c, das seinen Sitz in Erbil hat, der Hauptstadt von Irakisch-Kurdistan. <\/p>\n\n\n\n

\u201e60 bis 65 Prozent der Christen wollen gehen. Das Gleiche gilt f\u00fcr andere Minderheiten: f\u00fcr Jesiden, Schabaks, Turkmenen, Kakais.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

\u201eWir werden niemals wieder mit den Arabern zusammenleben k\u00f6nnen!\u201c \u2013 ein Satz, der heute h\u00e4ufig im Nord-Irak zu h\u00f6ren ist. Gemeint sind die Iraker, die Sunniten und Araber sind \u2013 die einstmals Nachbarn von Jesiden, Christen und Kurden waren \u2013 mit denen man Handel trieb und Hochzeiten feierte, die auch Freunde waren.<\/p>\n\n\n\n

Der Irak ist eine multi-ethnische und multi-religi\u00f6se Gesellschaft, in der die Schiiten die Mehrheit stellen. \u00dcber Jahrhunderte aber hatten die sunnitischen Araber das Sagen, sie missbrauchten die Macht, errichteten ein Schreckensregime \u2013 bis 2003, als Diktator Saddam Hussein von den USA gest\u00fcrzt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c entstand aus Widerstand gegen Schiiten-Herrschaft<\/h2>\n\n\n\n

Jetzt wurde der Spie\u00df umgedreht. Die Amerikaner sorgten daf\u00fcr, dass die Sunniten jegliche Machtposition verloren \u2013 so wurde die irakische Armee, wurde die baathistische Partei aufgel\u00f6st \u2013 ohne ein Pendant zu schaffen, das alle integrierte. Und: Washington unterst\u00fctzte Regierungschef Nouri al-Maliki, einen Schiiten. Maliki sah eine historische Chance gekommen, diskriminierte nun seinerseits seine sunnitischen Landsleute, verwehrte ihnen im \u201eNeuen Irak\u201c die Mitsprache. Im Regime Malikis wurden Sunniten inhaftiert, gefoltert und umgebracht.<\/p>\n\n\n\n

Was viele in den Widerstand trieb. Einige schlossen sich der Terror-Organisation \u201eAl-Qaida\u201c an, unter ihnen f\u00fchrende Milit\u00e4rs der aufgel\u00f6sten Armee Saddam Husseins \u2013 und aus \u201eAl-Qaida\u201c ging sp\u00e4ter der \u201eIS\u201c hervor.<\/p>\n\n\n\n

Als der \u201eIS\u201c dann im Sommer 2014 fast ohne Gegenwehr weite Landstriche in Syrien und im Irak \u00fcberrannte und seinen \u201eStaat\u201c ausrief, sahen auch gew\u00f6hnliche sunnitische Araber einen Wechsel nahen. Viele machten gemeinsame Sache mit den Terroristen, verhinderten die Flucht jesidischer Nachbarn, lieferten sie ihren Schl\u00e4chtern aus. Kamaran Palani:<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c-K\u00e4mpfer haben gesagt, es gehe darum, die W\u00fcrde der sunnitischen Araber wiederherzustellen. Ihre Macht. Ihre Geschichte. Tats\u00e4chlich konnten es die Araber nicht hinnehmen, dass sie ins Abseits gedr\u00e4ngt wurden. Und ich denke, dass sie auch in Zukunft so handeln werden. Wann immer sich die Gelegenheit bietet: Sie werden alles hinter sich lassen \u2013 sich nur darauf konzentrieren.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Misstrauen. Auch bei einem Politikwissenschaftler. Was also tun? Zerst\u00f6rte St\u00e4dte und D\u00f6rfer k\u00f6nnten wieder aufgebaut werden \u2013 wenn denn ein gemeinsamer Wille best\u00fcnde. Doch was, wenn es einen solchen gemeinsamen Willen gar nicht gibt? Wenn Schmerz und Trauer anhalten, wenn die Verbrechen von Terroristen und Helfershelfern nicht geahndet werden, wenn Angst umgeht, Misstrauen und Hass das Miteinander bestimmen.<\/p>\n\n\n\n

\"SyrischeSoldaten in der irakischen Stadt Sindschar nach der R\u00fcckeroberung von der IS-Miliz Ende 2015. (dpa \/ MAXPPP \/ Arnaud Dumontier)<\/p>\n\n\n\n

Kamaran Palani stammt aus der Stadt Makhmour. Drei Tage nur sei der \u201eIS\u201c dort gewesen, sagt er, doch diese Tage h\u00e4tten alles ver\u00e4ndert. Der \u201eIS\u201c habe die Menschen in seiner Heimatstadt verrohen lassen, meint er, das Verh\u00e4ltnis zwischen Kurden und Arabern sei heute tot. Eine R\u00fcckkehr in alte Zeiten h\u00e4lt Palani f\u00fcr falsch.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch denke, es w\u00e4re nicht einfach, in das Jahr 2014 \u2013 also in die Zeit vor dem \u201aIS\u2018 \u2013 zur\u00fcckzukehren. Vor allem aber w\u00e4re es nicht die richtige Politik. Denn eben die hat ja erst zum Aufkommen, zur Existenz des \u201aIS\u2018 gef\u00fchrt.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n


Wie also in Ruinen Neues schaffen? Der Staat muss das Gewaltmonopol zur\u00fcckerlangen, fordert der Politikwissenschaftler. F\u00fcr ihn steht das an erster Stelle. Und dann m\u00fcsse der Staat dringend einen Kurswechsel vornehmen: Er m\u00fcsse integrativ wirken, alle einbinden, auch die Araber, in Sicherheitskr\u00e4fte, Verwaltung und Politik.<\/p>\n\n\n\n

Machtmonopol m\u00fcsste von Milizen zum Staat gehen<\/h2>\n\n\n\n

Die Realit\u00e4t sieht anders aus: Ein Staat Kurdistan, der neue Optionen m\u00f6glich gemacht h\u00e4tte, auch von den Minderheiten gew\u00fcnscht worden war, ist nicht entstanden. Bagdad aber ist fern, der Zentralstaat kaum existent, und wenn, dann ist er schiitisch dominiert. Es sind Milizen, die im Nord-Irak das Geschehen bestimmen, darum rivalisieren, das Machtvakuum zu f\u00fcllen, das durch die Vertreibung des \u201eIS\u201c entstanden ist. Einst im Kampf gegen die Terroristen geeint, sind die Milizen einander heute feind.<\/p>\n\n\n\n

Allen voran die \u201eHashd ash-Shaabi\u201c, schiitisch-irakische Milizen, deren Ausbilder und Kommandeure h\u00e4ufig Iraner sind. Bagdad hat die Haschd als regul\u00e4re Kraft im Kampf gegen den \u201eIS\u201c anerkannt \u2013 obwohl Menschenrechts-Organisationen schwere Vorw\u00fcrfe gegen sie erheben. Fest steht: Die schiitischen Milizen halten D\u00f6rfer besetzt, sind in Mosul f\u00fcr ihr herrisches Auftreten und ihre Willk\u00fcr bekannt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eTats\u00e4chlich sorgen die verschiedenen bewaffneten Gruppen daf\u00fcr, dass die Fl\u00fcchtlinge nicht zur\u00fcckkehren. Und weil sie nicht zur\u00fcckkehren, gibt es auch keinen Wiederaufbau. Die Menschen haben Angst vor den Milizen \u2013 auch davor, dass die einander bek\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die \u201eHashd\u201c m\u00fcssten mithin abziehen. Und mit ihnen die anderen Milizen. Das Machtmonopol m\u00fcsste an den Staat gehen. Doch der Irak ist auch Spielball der Regionalm\u00e4chte: Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien. Sie konkurrieren um Einfluss-Sph\u00e4ren, bedienen sich dabei verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Gruppen im Irak. Deswegen werden die Hashd nicht abziehen. Derzeit sind sie von der iranisch-irakischen Grenze im Osten \u00fcber Bagdad bis hoch zur irakisch-syrischen Grenze im Norden postiert. Einheiten Teherans k\u00f6nnten demnach auf dem Landweg vom Iran bis ans Mittelmeer durchmarschieren.<\/p>\n\n\n\n

Iran und Saudi-Arabien wollen Macht vergr\u00f6\u00dfern<\/h2>\n\n\n\n

Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n

In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n

Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3703,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:24:20","post_date_gmt":"2020-08-13 21:24:20","post_content":"\n

Deutschland str\u00e4ubt sich gegen die R\u00fcckkehr seiner eigenen Staatsb\u00fcrger, die zu IS-Terroristen wurden. Dabei hat die Bundesrepublik den Terror und die Terroristen einst exportiert. Und dies geschah wissentlich, sagt der Islamwissenschaftler Fabian Goldmann.<\/p>\n\n\n\n

Wann haben Sie sich eigentlich zuletzt von deutschen Terroristen distanziert? Zum Beispiel von Robert B.? Der Ex-Bundeswehrsoldat aus Solingen hat mutma\u00dflich bei einem Selbstmordattentat Anfang 2014 50 Menschen mit in den Tod gerissen. <\/p>\n\n\n\n

Oder von Yannik N.? Der junge Freiburger steuerte wahrscheinlich im Jahr 2015 einen mit anderthalb Tonnen Sprengstoff beladenen LKW in eine Menschenmenge und nahm so Dutzenden Personen das Leben.<\/p>\n\n\n\n

Oder von Yamin A.?. Im Sommer 2015 tauchte im Netz ein Video auf, das zeigte, wie der ehemalige Telekom-Azubi aus K\u00f6nigswinter zwei gefesselten Soldaten in den Kopf schoss.
Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Deutsche T\u00e4ter, aber kaum deutsche Opfer<\/h2>\n\n\n\n

Hauptsache nicht bei uns! Dies scheint auch dieser Tage wieder die Maxime zu sein, wenn Politiker und \u00d6ffentlichkeit \u00fcber den Umgang mit deutschen Terroristen diskutieren. Von potenziellen Bedrohungen und Anschlagsgefahren in Deutschland liest man dann. Vom ganz realen Terror, den Deutsche in den vergangenen Jahren \u00fcber die Menschen in Syrien und Irak gebracht haben, h\u00f6rt man hingegen kaum. Ein Terror, der kaum deutsche Opfer aber umso mehr deutsche T\u00e4ter kannte.<\/p>\n\n\n\n

1.050 \u2013 das ist laut Bundesinnenministerium die Anzahl der Dschihadisten, die in den letzten Jahren die Bundesrepublik in Richtung Nahost verlassen hat. Es f\u00e4llt schwer, sich umgekehrtes Szenario \u00fcberhaupt auszumalen. Was w\u00e4re wohl los, h\u00e4tte es nur ein Bruchteil arabischer Terroristen geschafft, bei uns Anschl\u00e4ge zu begehen? Europas \u201eMuslim Bann\u201c? \u00dcberwachungsstaat auf NSA-Niveau?<\/p>\n\n\n\n

Die CSU st\u00fcnde wom\u00f6glich am linken Ende des politischen Spektrums, und auf Twitter w\u00fcrde Trump deutsche Migrationspolitiker zur M\u00e4\u00dfigung aufrufen. Der deutsche Terror in Nahost kommt hingegen seit Jahren ganz ohne Sondersendungen, politische Debatten und Distanzierungsforderungen aus. <\/p>\n\n\n\n

Deutsche K\u00e4mpfer waren nicht nur willenloses Kanonenfutter<\/h2>\n\n\n\n

An fehlendem Wissen liegt das nicht. Von ganzen Einheiten des IS, in denen kein einziger K\u00e4mpfer Arabisch spreche, berichten syrische, irakische und kurdische Soldaten schon seit Jahren. Von Aleppo \u00fcber Raqqa bis Mossul haben Aktivisten und Politiker immer wieder darauf hingewiesen, dass viele der schlimmsten M\u00f6rder in den Reihen des IS Europ\u00e4er sind. Interessiert hat das hier kaum jemand.<\/p>\n\n\n\n

Dabei dienten Deutsche dem Islamischen Staats nicht nur als willenloses Kanonenfutter, wie es oft dargestellt wird. Viele haben seinen Terror mitgepr\u00e4gt. Wie Martin L., der derzeit in kurdischer Haft sitzt. Der Schwei\u00dfer aus Sachsen-Anhalt soll sich vom Folterknecht bis zum Geheimdienstler mit Kontakten bis in die F\u00fchrungsspitze der Terrororganisation hochgearbeitet haben.<\/p>\n\n\n\n

Oder Reda S., Der Prediger aus Berlin-Charlottenburg soll dem IS in Mossul als Bildungsminister gedient haben. Oder der Berliner Ex-Rapper Denis Cuspert, der zu den wichtigsten Personen in der IS-Medienorganisation Al-Hayat geh\u00f6rte. Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Beh\u00f6rden wussten gut Bescheid<\/h2>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich entstand der Islamische Staat nicht in deutschen Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen. Zur deutschen Verantwortung geh\u00f6rt aber auch, dass Politiker und Beh\u00f6rden lange wegschauten, solang nur die T\u00e4ter, aber nicht die Opfer Deutsche waren. Beh\u00f6rden wissen und wussten erschreckend gut Bescheid \u00fcber die Radikalisierung deutscher Islamisten. Ein Gro\u00dfteil der sp\u00e4teren IS-K\u00e4mpfer war polizeibekannt, stand auf Gef\u00e4hrderlisten oder hatte wegen islamistischer Straftaten bereits Haftstrafen verb\u00fc\u00dft. An der Ausreise gehindert wurden sie oftmals dennoch nicht. Die Gefahr, die von deutschen Terroristen ausgeht, interessierte Politik und \u00d6ffentlichkeit erst dann wieder, als ihre Einreise drohte.<\/p>\n\n\n\n

\"Fabian
Fabian Goldmann<\/strong> ist Journalist und Islamwissenschaftler. F\u00fcr verschiedene Magazine und Zeitungen berichtete er viele Jahre aus Nahost. Zurzeit widmet er sich vor allem dem Islam diesseits des Bosporus. Auf seinem Blog Schantall und die Scharia<\/a> bloggt er \u00fcber Islamophobie in Deutschland.<\/p>\n","post_title":"Es sind unsere Terroristen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"es-sind-unsere-terroristen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3703","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3700,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:19:36","post_date_gmt":"2020-08-13 21:19:36","post_content":"\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda? Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda t<\/p>\n\n\n\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda tritt an die Stelle der 2010 verabschiedeten Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014 (siehe IP\/10\/1535<\/a>). In der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda f\u00fcr den Zeitraum 2015-2020 skizziert die Europ\u00e4ische Kommission die Strategie der Union zur Bew\u00e4ltigung der Sicherheitsbedrohungen in der EU.<\/p>\n\n\n\n

Die EU und ihre Mitgliedstaaten sind mit betr\u00e4chtlichen Sicherheitsproblemen konfrontiert. Terrorismus, organisierte Kriminalit\u00e4t und Cyberkriminalit\u00e4t stellen eine zunehmende Gefahr f\u00fcr die europ\u00e4ische Gesellschaft dar, wobei sich Art und Ausma\u00df dieser Gefahr ver\u00e4ndert hat. Europa ist mit den Auswirkungen der politischen Instabilit\u00e4t in seiner unmittelbaren Nachbarschaft konfrontiert, die die Sicherheitsinteressen der EU gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n

Im Zuge der Krisen und Konflikte in Syrien, Irak und Libyen haben sich europ\u00e4ische B\u00fcrger terroristischen Gruppen angeschlossen, die bei ihrer R\u00fcckkehr eine erhebliche Bedrohung darstellen k\u00f6nnen. Die j\u00fcngsten terroristischen Anschl\u00e4ge in Europa zeugen von der zunehmenden Bedrohung durch einen gewaltt\u00e4tigen Extremismus und zeigen, in welchem Ausma\u00df weltweite Konflikte zur Radikalisierung der europ\u00e4ischen B\u00fcrger beitragen.<\/p>\n\n\n\n

Das Online-Umfeld hat sich zunehmend als Ziel f\u00fcr Kriminelle und Terroristen entwickelt. Unabh\u00e4ngig davon, ob es um die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und die Anwerbung von Menschen f\u00fcr terroristische Organisationen geht oder die Verbreitung von Hass oder einen Angriff auf die europ\u00e4ischen Werte und Institutionen, fest steht, dass wir unsere Reaktion auf diese Bedrohungen unbedingt abstimmen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Welcher Mehrwert entsteht durch die EU im Bereich der inneren Sicherheit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Gew\u00e4hrleistung der inneren Sicherheit f\u00e4llt weiterhin in erster Linie in die Zust\u00e4ndigkeit der Mitgliedstaaten. Allerdings werden die Bedrohungen f\u00fcr Europas B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger immer vielf\u00e4ltiger und betreffen in zunehmendem Ma\u00dfe mehrere Mitgliedstaaten. Einzelne Mitgliedstaaten haben die Verantwortung, die Sicherheit an den Au\u00dfengrenzen zu gew\u00e4hrleisten, sind aber nicht mehr in der Lage, diese Herausforderungen allein zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n

Kriminelle und terroristische Aktivit\u00e4ten machen nicht an den Grenzen der EU halt und beschr\u00e4nken sich auch nicht auf Nachbarregionen. Die innere Sicherheit der EU und die globale Sicherheit sind voneinander abh\u00e4ngig und miteinander verkn\u00fcpft. Die Sicherheit der Union h\u00e4ngt in hohem Ma\u00dfe von der Zusammenarbeit mit ihren internationalen Partnern und ihren Nachbarl\u00e4ndern ab.<\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t und des Terrorismus ist eine gemeinsame europ\u00e4ische Aufgabe. Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda sollte von den Mitgliedstaaten und den EU-Organen gemeinsam als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und gemeinsame Ma\u00dfnahmen der Union genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n

Mit Hilfe der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda werden die Polizei- und Strafverfolgungsdienste in verschiedenen Mitgliedstaaten Daten effektiver austauschen und bei der Bek\u00e4mpfung der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t besser zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Die Mitgliedstaaten k\u00f6nnen auf die Unterst\u00fctzung durch die Agenturen der EU z\u00e4hlen. Insbesondere in folgenden Punkten l\u00e4sst sich mit Hilfe der Sicherheitsagenda ein EU-Mehrwert erzielen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n

A) Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und den EU-Agenturen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1<\/strong>: Das Schengener Informationssystem<\/strong> (SIS) wird von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Abfrage von Ausschreibungen von gesuchten oder vermissten Personen und Gegenst\u00e4nden genutzt. Die Kommission wird an der Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Ausschreibungskategorien arbeiten und sich daf\u00fcr einsetzen, dass das SIS zusammen mit der Interpol-Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD)<\/strong> umfassender genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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In Syrien k\u00e4mpfen neben den afghanischen Milizen auch andere paramilit\u00e4rische Gruppierungen im Auftrag des Irans: etwa die ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigten Revolutionsgarden, die einst Ayatollah Ruhollah Khomeini pers\u00f6nlich ins Leben rief oder die Basidsch-Milizen. Beiden Gruppierungen sind nicht nur in Syrien aktiv, sondern auch im Irak.<\/p>\n\n\n\n

Obowhl sich das syrische Regime von Baschar al-Assad als s\u00e4kular ausweist, wird es vom Iran, der sich als Repr\u00e4sentant aller muslimischen Schiiten betrachtet, unterst\u00fctzt. Gemeinsames Ziel in Syrien ist es: Schiiten vor sunnitische Extremisten zu verteidigen. Dennoch ist das Regime darauf bedacht, m\u00f6glichst wenig eigene K\u00e4mpfer nach Syrien zu schicken. \u00c4hnlich wie einst w\u00e4hrend des Krieges gegen Saddam Husseins Irak, setzt der Iran auf ausl\u00e4ndische K\u00e4mpfer.<\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung war wie eine Gehirnw\u00e4sche<\/h2>\n\n\n\n

Abu Fazels Familie geh\u00f6rt zur afghanischen Minderheit der schiitischen Hazara \u2013 wie viele Afghanen, die in den Iran gekommen sind. Mittlerweile k\u00e4mpfen Tausende von ihnen in Syrien. Der Iran bezahlt die Afghanen mit einem Sold von wenigen hundert Dollar pro Monat und verspricht ihren Familien eine Aufenthaltsgenehmigung oder eine Arbeitserlaubnis.<\/p>\n\n\n\n

An der Rekrutierung der Afghanen sind sowohl die Revolutionsgarden als auch die erw\u00e4hnten Basidsch-Milizen beteiligt. Abu Fazel beschreibt, wie das Viertel, in dem er gemeinsam mit seiner Familie in Teheran lebte, regelm\u00e4\u00dfig von den K\u00e4mpfern aufgesucht wurde. Viele afghanische Gefl\u00fcchtete lebten dort \u2013 und fielen auf die Gehirnw\u00e4sche der Rattenf\u00e4nger herein.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie trafen junge M\u00e4nner und Jugendliche in den Moscheen und \u00fcberredeten sie, gegen den IS oder Al Qaida zu k\u00e4mpfen. Die Gehirnw\u00e4sche war perfekt. Am Ende merkten viele, darunter auch ich, nicht einmal, dass wir in ihre Propaganda getappt waren. Ihre \u00dcberredungskunst war wirklich sehr speziell. Am Ende hat man Lust, nach Syrien zu gehen, um zu k\u00e4mpfen\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Erfolg hatten die Rekrutierer des Regimes auch bei Abu Fazels Cousin, der zum damaligen Zeitpunkt ebenfalls minderj\u00e4hrig gewesen ist. Er ging nach Syrien und k\u00e4mpfte unter der Flagge der \u201eLiwa Fatemiyoun\u201c, wie die afghanische Division auf Seiten Assads hei\u00dft. Offiziell ist die Aufgabe der Miliz die Verteidigung des Schreines von Zaynab im S\u00fcden von Damaskus. Zaynab war die Enkelin des islamischen Propheten Mohammad. Laut iranischen Staatsmedien k\u00e4mpfen mindestens 20.000 Afghanen in der Division.<\/p>\n\n\n\n

Im August 2014 entschloss sich auch Abu Fazel, nach Syrien zu gehen und zu k\u00e4mpfen. Im selben Monat wurde sein Cousin in der N\u00e4he von Aleppo im Kampf gegen syrische Rebellen get\u00f6tet.<\/p>\n\n\n\n

\u201eMein Cousin wurde dort get\u00f6tet. Auch andere Jungs aus unserer Gegend gingen nach Syrien und fielen dort. Lokale Zeitungen nannten sie \u201aM\u00e4rtyrer\u2018.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Lieber Flucht statt K\u00e4mpfer in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein solcher \u201eM\u00e4rtyrer\u201c wollte Abu Fazel allerdings nicht werden. Er floh eine Woche vor dem Beginn seiner dreimonatigen Kampfausbildung. Es war ihm lieber, ein Leben auf der Flucht zu verbringen, als in Syrien unschuldige Menschen f\u00fcr einen Diktator zu t\u00f6ten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch kam zu dem Schluss, dass ich nicht als M\u00f6rder weiterleben k\u00f6nnte. Stets dachte ich mir, dass selbst die schlimmsten Al-Qaida- oder IS-Terroristen Kinder haben k\u00f6nnten, die ihren Vater lieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Fazel verlor seinen eigenen Vater bereits sehr fr\u00fch. Er wurde Opfer des B\u00fcrgerkriegs in Afghanistan, der von 1989 bis 2001 tausende Menschen das Leben kostete. Auch der Iran mischte in der Zeit schon mit. Es ist allgemein bekannt, dass die schiitischen Hazara-Milizen, die den B\u00fcrgerkrieg ebenfalls mitanfachten, von der Regierung in Teheran unterst\u00fctzt wurden.<\/p>\n\n\n\n

Als Abu Fazel sich nun entschloss, aus der Gewaltspirale auszusteigen und nicht in Syrien zu k\u00e4mpfen, wuchs die Angst bei seiner Familie. Denn f\u00fcr die iranischen Beh\u00f6rden gilt: Hat man sich einmal gemeldet, gibt es kein zur\u00fcck. Man muss an die Front nach Syrien \u2013 oder wird zur\u00fcck nach Afghanistan abgeschoben, wo ebenfalls Krieg herrscht.<\/p>\n\n\n\n

Der einzige Ausweg f\u00fcr den jungen Afghanen war die Flucht. \u00dcber die T\u00fcrkei, Griechenland und die Balkranroute erreichte er mit gro\u00dfer M\u00fche Deutschland, wo er einen Asylantrag stellte.<\/p>\n\n\n\n

Erster Asylantrag in Deutschland abgelehnt<\/h2>\n\n\n\n

Als Grund nannte er seine Rekrutierung als Kindersoldat seitens des iranischen Regimes. Doch w\u00e4hrend diese Begr\u00fcndung in Abu Fazels Augen v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich war, sahen deutsche Beh\u00f6rden das anders. Sein erster Antrag wurde abgelehnt. Derzeit versucht er es ein zweites Mal. Die Bundesrepublik schiebt afghanische Gefl\u00fcchtete weiterhin ab.<\/p>\n\n\n\n

\"EinAbschiebung von Afghanen im Dezember 2016 mit einem Charterflug von Frankfurt nach Kabul. (dpa \/picture alliance \/ Boris Roessler)<\/p>\n\n\n\n

Die Verantwortlichen weisen in diesem Kontext immer wieder auf vermeintlich \u201esichere Gebiete\u201c im Land, die nicht n\u00e4her benannt werden.<\/p>\n\n\n\n

W\u00e4hrenddessen machen Menschenrechtsorganisationen regelm\u00e4\u00dfig darauf aufmerksam, dass keine Region am Hindukusch sicher ist. Stattdessen wird in manchen Gebieten nur weniger Krieg gef\u00fchrt als in anderen.<\/p>\n\n\n\n

\"SieDemonstranten protestieren in Frankfurt am Main gegen die Abschiebung von Afghanen. Auf einem der Transparente steht \u201eAfghanistan is not safe\u201c. (AFP \/ Daniel Roland)<\/p>\n\n\n\n

Alis Vater und Onkel k\u00e4mpfen in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein \u00e4hnliches Schicksal wie Abu Fazel erlitt der 18-j\u00e4hrige Ali (Namen ge\u00e4ndert). Auch er floh aus dem Iran nach Deutschland, um der Rekrutierung f\u00fcr Assads Milizen zu entgehen. Viele seiner afghanischen Freunde sind bereits nach Syrien gezogen \u2013 und kamen niemals zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Alis Familie, ebenfalls Angeh\u00f6rige der Hazara-Minderheit, stammt urspr\u00fcnglich aus der Provinz Ghor im Nordosten Afghanistans. Ihre Heimat verlie\u00dfen sie w\u00e4hrend der sowjetischen Besatzung in den 1980er-Jahren.<\/p>\n\n\n\n

Seit jeher lebt die Familie in der iranischen Gro\u00dfstadt Maschhad. Als der Krieg in Syrien ausbrach, erreichte sie ein Konflikt, mit dem sie nicht gerechnet hatten. Im Juli 2015 reiste Alis Vater nach Teheran. Er wollte einen Weg finden, um f\u00fcr seine Familie Aufenthaltspapiere zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Beh\u00f6rden sagten ihm, dass die Rekrutierung f\u00fcr den Krieg in Syrien eine M\u00f6glichkeit darstellen k\u00f6nnte, um Papiere f\u00fcr uns alle zu erhalten. Andernfalls w\u00fcrde man uns sehr bald nach Afghanistan abschieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Mittlerweile k\u00e4mpfen Alis Vater und sein Onkel seit \u00fcber einem Jahr in Syrien. Am Aufenthaltsstatus seiner Familienmitglieder hat sich bis heute allerdings nichts ge\u00e4ndert. F\u00fcr Ali ist klar, dass dies nur eine Falle gewesen ist, um noch mehr Afghanen als Kanonenfutter zu missbrauchen.<\/p>\n\n\n\n

Anfangs gab es Papiere f\u00fcr K\u00e4mpfer-Familien<\/h2>\n\n\n\n

Den Kontakt zu seinem Vater hat der Afghane mittlerweile verloren. W\u00e4hrenddessen schickt ihm sein Onkel, der in Aleppo stationiert ist, hin und wieder Bilder \u00fcber den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ali denkt, dass nur sehr wenige Afghanen der Propaganda der iranischen Regierung glauben und in Syrien f\u00fcr eine \u201egute Sache\u201c k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

Source<\/a><\/p>\n","post_title":"Warum Afghanen in Syrien f\u00fcr Assad k\u00e4mpfen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"warum-afghanen-in-syrien-fur-assad-kampfen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3709","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3706,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:27:40","post_date_gmt":"2020-08-13 21:27:40","post_content":"\n

Kinder, Frauen, Jesiden \u2013 wer \u00fcberlebt hat, berichtet von Folter, Vergewaltigungen und Gehirnw\u00e4sche. Rund drei Jahre dauerte die Schreckensherrschaft der IS-Miliz in Syrien und Irak. Der Wiederaufbau wird l\u00e4nger dauern und mehr umfassen als H\u00e4user.<\/p>\n\n\n\n

Der Fluss Tigris durchzieht die zweitgr\u00f6\u00dfte Stadt des Iraks und teilt Mosul in Ost und West. Das Westufer ist von Zerst\u00f6rung gezeichnet, die Altstadt nicht mehr als eine einzige graue Tr\u00fcmmerlandschaft. Seit den letzten Bombardements im Juli 2017 kann hier niemand mehr wohnen.<\/p>\n\n\n\n

Die Nouri-Moschee, von deren Kanzel Abu Bakr al-Baghdadi im Juli 2014 sein Kalifat ausrief, hatte die IS-Miliz auf ihrem R\u00fcckzug vorsorglich selbst in die Luft gesprengt, um den Gegnern diesen besonderen Triumph zu verwehren.<\/p>\n\n\n\n

\"ImIm Juli 2017 erobert die irakische Armee Mossul zur\u00fcck. Ruinen sind zu sehen. Ein K\u00e4mpfer der IS-Miliz hat sich ergeben. (Imago \/ Carol Guzy)<\/p>\n\n\n\n

Es ist fraglich, ob die Altstadt dem Original getreu wieder aufgebaut werden kann. Bagdad will demn\u00e4chst \u2013 im Rahmen einer gro\u00dfen Wiederaufbau-Konferenz \u2013 bekannt geben, welche Pl\u00e4ne es hat. Derzeit gilt als gro\u00dfer Fortschritt, dass die Tr\u00fcmmerlandschaft in Teilen wieder begehbar ist \u2013 nachdem mit internationaler Hilfe zahllose Sprengs\u00e4tze beseitigt wurden.<\/p>\n\n\n\n

In Ost-Mossul gibt es weniger Zerst\u00f6rungen<\/h2>\n\n\n\n

J\u00fcngste Sch\u00e4tzungen der Vereinten Nationen besagen, dass es noch Jahre dauern wird, bis alle Minen ger\u00e4umt sind. Solange werden die einstigen Bewohner nicht zur\u00fcckkehren k\u00f6nnen. Manche von ihnen haben Gl\u00fcck im Ungl\u00fcck: Sie haben \u00fcberlebt und sind auf der anderen Seite des Tigris untergekommen, im Osten der Stadt. Der war schon im Januar 2017 von den Terroristen befreit worden. Erstaunlich ist: Dieser Teil Mosuls wirkt fast so, als w\u00e4re der \u201eIS\u201c niemals hier gewesen und als h\u00e4tte es keinen Krieg gegeben.<\/p>\n\n\n\n

\"ImIm Osten Mossuls gibt es weniger Zerst\u00f6rungen als im Westteil. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

Die Zerst\u00f6rungen beschr\u00e4nken sich auf strategisch-wichtige Punkte oder Geb\u00e4ude, in denen sich die Terroristen verschanzt hatten: Br\u00fccken, Moscheen, Krankenh\u00e4user. Doch im Basar herrscht fast so etwas wie Normalit\u00e4t. An St\u00e4nden kaufen Menschen ein \u2013 Obst, Gem\u00fcse, Reis und Nudeln, Backwaren. Kinder schlecken ein Eis. Abu Muhammad, ein ehemaliger Physiklehrer, erkl\u00e4rt, warum der Basar so anders ist als erwartet:<\/p>\n\n\n\n

\u201eDas Leben hatte nie aufgeh\u00f6rt in Mosul. Wir haben weitergelebt. Drei Jahre wurden wir vom \u201aIS\u2018 beherrscht, doch die normalen Leute hatten nichts damit zu tun. Daher kam der Alltag schnell zur\u00fcck. Die Soldaten sind gekommen, haben den Basar wieder aufgemacht und das Leben ging weiter.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Im Osten findet sich heute all das wieder, was die Terror-Miliz unterdr\u00fcckt hatte und bei Missachtung grausam ahndete: Musik in Restaurants und Caf\u00e9s; Sim-Karten f\u00fcr Handys; Internet; Fris\u00f6re, die Haare schneiden, B\u00e4rte stutzen oder gar abrasieren. Und doch: Trotz des lebendigen Treibens wirken Angst und Schrecken nach. Abu Muhammad, fr\u00fch ergraut, erinnert sich:<\/p>\n\n\n\n

\u201eWir haben uns gef\u00fchlt wie zwischen Leben und Tod. Irgendwo dazwischen. Sie haben vom \u201aIS\u2018 geh\u00f6rt; wir haben ihn erlebt: Wir haben erlebt, wie sie mordeten, wie sie Leute aufh\u00e4ngten, wir haben den Krieg erlebt. Wir haben alles gesehen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Mohammed stammt aus dem zerst\u00f6rten Westen der Stadt. Er wohnt heute im Osten. Verwandte haben ihn und seine Familie aufgenommen. So wie ihm ergeht es auch anderen Vertriebenen. Sie leben bei Verwandten und Freunden. Oder in einem der vielen Lager. 700.000 Menschen haben ihr Zuhause verloren \u2013 eine Zahl, die f\u00fcr West-Mosul gilt. Insgesamt gehen die Vereinten Nationen von fast sechs Millionen Menschen aus, die im Irak vor dem \u201aIS\u2018 geflohen sind \u2013 die H\u00e4lfte von ihnen bis heute fern von ihrem Zuhause.<\/p>\n\n\n\n

Binnenfl\u00fcchtlinge im Lager Khabartu<\/h2>\n\n\n\n

Zelte soweit das Auge reicht. Abertausende. Inmitten von Steppe. Das Leben der Menschen ist hart. Sie darben, frieren und verdorren \u2013 wenn im Winter der kalte Wind durch die Steppe fegt und im Sommer die Sonne niederbrennt. Doch sie harren aus, haben wenig Hoffnung auf baldige R\u00fcckkehr. Die meisten kamen 2014 \u2013 hierher, ins Lager Khabartu in Irakisch-Kurdistan.<\/p>\n\n\n\n

\"DasDas Lager Khabartu f\u00fcr irakische Binnenfl\u00fcchtlinge. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

2014, als der \u201eIS\u201c den Nord-Irak \u00fcberfiel. In einem der Zelte lebt auch die Familie von Thomas Abdallah Hammou. Thomas war auf der Flucht von seiner Familie getrennt und von den Dschihadisten verschleppt worden. Damals war er acht Jahre alt. Ein Kind. Drei Jahre blieb er in Geiselhaft, lebte in Mosul.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollten nicht, dass wir spielen. Sie mochten es nicht. Ich habe keine Schule besucht, aber sie gaben uns Koran-Unterricht. Jeden Tag.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas musste seinem eigenen, dem jesidischen Glauben abschw\u00f6ren. Weil der \u201eIS\u201c die Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c betrachtet. Und \u201eUngl\u00e4ubige\u201c, so die Auffassung der Terroristen, m\u00fcssen zwangsbekehrt werden. Oder get\u00f6tet. Die Terroristen hatten dementsprechend die Jesiden entweder an Ort und Stelle ermordet, die meisten im Sinjar, im alten Siedlungsgebiet der Jesiden im Nord-Irak. Tausende. 47 Massengr\u00e4ber sollen mittlerweile gefunden worden sein. Oder aber die Terroristen lie\u00dfen die Jesiden am Leben und nahmen sie in Geiselhaft. Sie machten aus ihnen Sexsklavinnen oder sie bildeten sie aus \u2013 zu Selbstmordattent\u00e4tern. Wie Thomas.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie haben uns st\u00e4ndig geschlagen. Wir mussten Schie\u00dfen \u00fcben. Zwei meiner Freunde haben sich in die Luft gesprengt. Sie sind zum Training. Doch sie kamen nicht zur\u00fcck. Ich war nicht traurig. Sie wollten sich ja in die Luft sprengen. Die \u201aIS\u2018-Leute hatten es nicht von ihnen verlangt. Sie sind freiwillig gegangen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas hat heute einen modernen Haarschnitt; der Nacken ist ausrasiert; der lange Pony in die Stirn gek\u00e4mmt. Im Sommer sah er noch anders aus, kurz nachdem Mosul befreit worden war. Bei einem Luftangriff der Anti-\u201eIS\u201c-Koalition wurde Thomas schwer verletzt aus Tr\u00fcmmern geborgen, dann operiert.<\/p>\n\n\n\n

\"ThomasThomas erholt sich von drei Jahren IS-Gefangenschaft. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

Arbeit mit \u201eDschihadisten-Kindern\u201c<\/h2>\n\n\n\n

Die \u00e4u\u00dferen Wunden sind heute verheilt. Doch wie sieht es aus mit den inneren, den seelischen Verletzungen? Thomas wurde von seiner Familie aufgenommen und bekommt Hilfe. Andere Kinder konnten nicht aufgefangen werden. Bis heute betrachten sie Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c \u2013 so wie es ihnen in der Geiselhaft eingeh\u00e4mmert wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie sind eine gro\u00dfe Gefahr f\u00fcr andere Kinder. Sie leben in Lagern, in einem Zelt, auf sechs mal vier Metern, oder noch weniger! Acht Geschwister, sie spielen zusammen, reden, sie indoktrinieren die anderen! Das ist ein Problem, das wir nicht l\u00f6sen k\u00f6nnen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Sara Hassan ist Sozialarbeiterin. Sie arbeitet in den Lagern, versucht M\u00e4dchen und Frauen, die jahrelang in Geiselhaft vergewaltigt wurden, zu helfen. Unz\u00e4hlige hatte der \u201eIS\u201c einst entf\u00fchrt. Sara arbeitet auch mit den sogenannten \u201eDschihadisten-Kindern\u201c. Sie erz\u00e4hlt, wie \u00fcberfordert alle seien: die Familien, die jesidische Gemeinschaft, die Gesellschaft des Nord-Irak.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIn einem anderen Fall hat sich die Familie am Ende an die Sicherheitskr\u00e4fte gewandt. Doch die wussten auch nicht, wie sie damit umgehen sollten. Monate lang hat die Familie versucht, den Jungen umzuerziehen, zusammen mit Sozialarbeitern. Aber noch immer sehen wir den Hass in seinen Augen \u2013 gegen\u00fcber Kurden, Christen und Jesiden. Als blicke man in die Augen eines IS-Terroristen. Das ist das Problem.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Die Jesiden k\u00f6nnen \u00fcber ihre vom \u201eIS\u201c indoktrinierten Kinder sprechen. Denn niemand zweifelt daran, dass sie Opfer der Tyrannei wurden. Bei den sunnitischen Arabern sieht das anders aus. Da sie derselben Religionsgruppe angeh\u00f6ren wie formal auch die Terroristen, stehen sie unter Generalverdacht, mit dem \u201eIS\u201c gemeinsame Sache gemacht zu haben. Sunnitische Araber trauen sich daher nicht, die Probleme ihrer Kinder \u00f6ffentlich zu machen \u2013 auch wenn sie selbst nichts mit dem \u201eIS\u201c zu tun hatten.<\/p>\n\n\n\n

Unklar ist, wie viele Kinder und Jugendliche im Irak und in Syrien zu Terroristen ausgebildet wurden, dabei noch in Geiselhaft sind oder bereits als \u201eSchl\u00e4fer\u201c darauf warten, zum Einsatz zu kommen. Sie gleichen \u201etickenden Zeitbomben\u201c, die jederzeit explodieren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

Minderheiten haben Angst vor \u201eIS\u201c-Nachfolgern<\/h2>\n\n\n\n

Kamaran Palani spricht davon, dass viele Menschen immer noch gehen wollen, obwohl der \u201eIS\u201c als staats\u00e4hnliches Gebilde nicht mehr besteht. Seine Saat aber, so der Politikwissenschaftler, sei aufgegangen.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollen einfach nicht in diesem Land bleiben. Der IS hat sie dazu gebracht. Jeder hat heute Angst, dass eine andere Organisation kommen wird, Terroristen, die dasselbe anrichten wie zuvor.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Palani forscht am \u201eMiddle East Research Institute\u201c, das seinen Sitz in Erbil hat, der Hauptstadt von Irakisch-Kurdistan. <\/p>\n\n\n\n

\u201e60 bis 65 Prozent der Christen wollen gehen. Das Gleiche gilt f\u00fcr andere Minderheiten: f\u00fcr Jesiden, Schabaks, Turkmenen, Kakais.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

\u201eWir werden niemals wieder mit den Arabern zusammenleben k\u00f6nnen!\u201c \u2013 ein Satz, der heute h\u00e4ufig im Nord-Irak zu h\u00f6ren ist. Gemeint sind die Iraker, die Sunniten und Araber sind \u2013 die einstmals Nachbarn von Jesiden, Christen und Kurden waren \u2013 mit denen man Handel trieb und Hochzeiten feierte, die auch Freunde waren.<\/p>\n\n\n\n

Der Irak ist eine multi-ethnische und multi-religi\u00f6se Gesellschaft, in der die Schiiten die Mehrheit stellen. \u00dcber Jahrhunderte aber hatten die sunnitischen Araber das Sagen, sie missbrauchten die Macht, errichteten ein Schreckensregime \u2013 bis 2003, als Diktator Saddam Hussein von den USA gest\u00fcrzt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c entstand aus Widerstand gegen Schiiten-Herrschaft<\/h2>\n\n\n\n

Jetzt wurde der Spie\u00df umgedreht. Die Amerikaner sorgten daf\u00fcr, dass die Sunniten jegliche Machtposition verloren \u2013 so wurde die irakische Armee, wurde die baathistische Partei aufgel\u00f6st \u2013 ohne ein Pendant zu schaffen, das alle integrierte. Und: Washington unterst\u00fctzte Regierungschef Nouri al-Maliki, einen Schiiten. Maliki sah eine historische Chance gekommen, diskriminierte nun seinerseits seine sunnitischen Landsleute, verwehrte ihnen im \u201eNeuen Irak\u201c die Mitsprache. Im Regime Malikis wurden Sunniten inhaftiert, gefoltert und umgebracht.<\/p>\n\n\n\n

Was viele in den Widerstand trieb. Einige schlossen sich der Terror-Organisation \u201eAl-Qaida\u201c an, unter ihnen f\u00fchrende Milit\u00e4rs der aufgel\u00f6sten Armee Saddam Husseins \u2013 und aus \u201eAl-Qaida\u201c ging sp\u00e4ter der \u201eIS\u201c hervor.<\/p>\n\n\n\n

Als der \u201eIS\u201c dann im Sommer 2014 fast ohne Gegenwehr weite Landstriche in Syrien und im Irak \u00fcberrannte und seinen \u201eStaat\u201c ausrief, sahen auch gew\u00f6hnliche sunnitische Araber einen Wechsel nahen. Viele machten gemeinsame Sache mit den Terroristen, verhinderten die Flucht jesidischer Nachbarn, lieferten sie ihren Schl\u00e4chtern aus. Kamaran Palani:<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c-K\u00e4mpfer haben gesagt, es gehe darum, die W\u00fcrde der sunnitischen Araber wiederherzustellen. Ihre Macht. Ihre Geschichte. Tats\u00e4chlich konnten es die Araber nicht hinnehmen, dass sie ins Abseits gedr\u00e4ngt wurden. Und ich denke, dass sie auch in Zukunft so handeln werden. Wann immer sich die Gelegenheit bietet: Sie werden alles hinter sich lassen \u2013 sich nur darauf konzentrieren.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Misstrauen. Auch bei einem Politikwissenschaftler. Was also tun? Zerst\u00f6rte St\u00e4dte und D\u00f6rfer k\u00f6nnten wieder aufgebaut werden \u2013 wenn denn ein gemeinsamer Wille best\u00fcnde. Doch was, wenn es einen solchen gemeinsamen Willen gar nicht gibt? Wenn Schmerz und Trauer anhalten, wenn die Verbrechen von Terroristen und Helfershelfern nicht geahndet werden, wenn Angst umgeht, Misstrauen und Hass das Miteinander bestimmen.<\/p>\n\n\n\n

\"SyrischeSoldaten in der irakischen Stadt Sindschar nach der R\u00fcckeroberung von der IS-Miliz Ende 2015. (dpa \/ MAXPPP \/ Arnaud Dumontier)<\/p>\n\n\n\n

Kamaran Palani stammt aus der Stadt Makhmour. Drei Tage nur sei der \u201eIS\u201c dort gewesen, sagt er, doch diese Tage h\u00e4tten alles ver\u00e4ndert. Der \u201eIS\u201c habe die Menschen in seiner Heimatstadt verrohen lassen, meint er, das Verh\u00e4ltnis zwischen Kurden und Arabern sei heute tot. Eine R\u00fcckkehr in alte Zeiten h\u00e4lt Palani f\u00fcr falsch.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch denke, es w\u00e4re nicht einfach, in das Jahr 2014 \u2013 also in die Zeit vor dem \u201aIS\u2018 \u2013 zur\u00fcckzukehren. Vor allem aber w\u00e4re es nicht die richtige Politik. Denn eben die hat ja erst zum Aufkommen, zur Existenz des \u201aIS\u2018 gef\u00fchrt.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n


Wie also in Ruinen Neues schaffen? Der Staat muss das Gewaltmonopol zur\u00fcckerlangen, fordert der Politikwissenschaftler. F\u00fcr ihn steht das an erster Stelle. Und dann m\u00fcsse der Staat dringend einen Kurswechsel vornehmen: Er m\u00fcsse integrativ wirken, alle einbinden, auch die Araber, in Sicherheitskr\u00e4fte, Verwaltung und Politik.<\/p>\n\n\n\n

Machtmonopol m\u00fcsste von Milizen zum Staat gehen<\/h2>\n\n\n\n

Die Realit\u00e4t sieht anders aus: Ein Staat Kurdistan, der neue Optionen m\u00f6glich gemacht h\u00e4tte, auch von den Minderheiten gew\u00fcnscht worden war, ist nicht entstanden. Bagdad aber ist fern, der Zentralstaat kaum existent, und wenn, dann ist er schiitisch dominiert. Es sind Milizen, die im Nord-Irak das Geschehen bestimmen, darum rivalisieren, das Machtvakuum zu f\u00fcllen, das durch die Vertreibung des \u201eIS\u201c entstanden ist. Einst im Kampf gegen die Terroristen geeint, sind die Milizen einander heute feind.<\/p>\n\n\n\n

Allen voran die \u201eHashd ash-Shaabi\u201c, schiitisch-irakische Milizen, deren Ausbilder und Kommandeure h\u00e4ufig Iraner sind. Bagdad hat die Haschd als regul\u00e4re Kraft im Kampf gegen den \u201eIS\u201c anerkannt \u2013 obwohl Menschenrechts-Organisationen schwere Vorw\u00fcrfe gegen sie erheben. Fest steht: Die schiitischen Milizen halten D\u00f6rfer besetzt, sind in Mosul f\u00fcr ihr herrisches Auftreten und ihre Willk\u00fcr bekannt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eTats\u00e4chlich sorgen die verschiedenen bewaffneten Gruppen daf\u00fcr, dass die Fl\u00fcchtlinge nicht zur\u00fcckkehren. Und weil sie nicht zur\u00fcckkehren, gibt es auch keinen Wiederaufbau. Die Menschen haben Angst vor den Milizen \u2013 auch davor, dass die einander bek\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die \u201eHashd\u201c m\u00fcssten mithin abziehen. Und mit ihnen die anderen Milizen. Das Machtmonopol m\u00fcsste an den Staat gehen. Doch der Irak ist auch Spielball der Regionalm\u00e4chte: Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien. Sie konkurrieren um Einfluss-Sph\u00e4ren, bedienen sich dabei verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Gruppen im Irak. Deswegen werden die Hashd nicht abziehen. Derzeit sind sie von der iranisch-irakischen Grenze im Osten \u00fcber Bagdad bis hoch zur irakisch-syrischen Grenze im Norden postiert. Einheiten Teherans k\u00f6nnten demnach auf dem Landweg vom Iran bis ans Mittelmeer durchmarschieren.<\/p>\n\n\n\n

Iran und Saudi-Arabien wollen Macht vergr\u00f6\u00dfern<\/h2>\n\n\n\n

Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n

In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n

Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3703,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:24:20","post_date_gmt":"2020-08-13 21:24:20","post_content":"\n

Deutschland str\u00e4ubt sich gegen die R\u00fcckkehr seiner eigenen Staatsb\u00fcrger, die zu IS-Terroristen wurden. Dabei hat die Bundesrepublik den Terror und die Terroristen einst exportiert. Und dies geschah wissentlich, sagt der Islamwissenschaftler Fabian Goldmann.<\/p>\n\n\n\n

Wann haben Sie sich eigentlich zuletzt von deutschen Terroristen distanziert? Zum Beispiel von Robert B.? Der Ex-Bundeswehrsoldat aus Solingen hat mutma\u00dflich bei einem Selbstmordattentat Anfang 2014 50 Menschen mit in den Tod gerissen. <\/p>\n\n\n\n

Oder von Yannik N.? Der junge Freiburger steuerte wahrscheinlich im Jahr 2015 einen mit anderthalb Tonnen Sprengstoff beladenen LKW in eine Menschenmenge und nahm so Dutzenden Personen das Leben.<\/p>\n\n\n\n

Oder von Yamin A.?. Im Sommer 2015 tauchte im Netz ein Video auf, das zeigte, wie der ehemalige Telekom-Azubi aus K\u00f6nigswinter zwei gefesselten Soldaten in den Kopf schoss.
Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Deutsche T\u00e4ter, aber kaum deutsche Opfer<\/h2>\n\n\n\n

Hauptsache nicht bei uns! Dies scheint auch dieser Tage wieder die Maxime zu sein, wenn Politiker und \u00d6ffentlichkeit \u00fcber den Umgang mit deutschen Terroristen diskutieren. Von potenziellen Bedrohungen und Anschlagsgefahren in Deutschland liest man dann. Vom ganz realen Terror, den Deutsche in den vergangenen Jahren \u00fcber die Menschen in Syrien und Irak gebracht haben, h\u00f6rt man hingegen kaum. Ein Terror, der kaum deutsche Opfer aber umso mehr deutsche T\u00e4ter kannte.<\/p>\n\n\n\n

1.050 \u2013 das ist laut Bundesinnenministerium die Anzahl der Dschihadisten, die in den letzten Jahren die Bundesrepublik in Richtung Nahost verlassen hat. Es f\u00e4llt schwer, sich umgekehrtes Szenario \u00fcberhaupt auszumalen. Was w\u00e4re wohl los, h\u00e4tte es nur ein Bruchteil arabischer Terroristen geschafft, bei uns Anschl\u00e4ge zu begehen? Europas \u201eMuslim Bann\u201c? \u00dcberwachungsstaat auf NSA-Niveau?<\/p>\n\n\n\n

Die CSU st\u00fcnde wom\u00f6glich am linken Ende des politischen Spektrums, und auf Twitter w\u00fcrde Trump deutsche Migrationspolitiker zur M\u00e4\u00dfigung aufrufen. Der deutsche Terror in Nahost kommt hingegen seit Jahren ganz ohne Sondersendungen, politische Debatten und Distanzierungsforderungen aus. <\/p>\n\n\n\n

Deutsche K\u00e4mpfer waren nicht nur willenloses Kanonenfutter<\/h2>\n\n\n\n

An fehlendem Wissen liegt das nicht. Von ganzen Einheiten des IS, in denen kein einziger K\u00e4mpfer Arabisch spreche, berichten syrische, irakische und kurdische Soldaten schon seit Jahren. Von Aleppo \u00fcber Raqqa bis Mossul haben Aktivisten und Politiker immer wieder darauf hingewiesen, dass viele der schlimmsten M\u00f6rder in den Reihen des IS Europ\u00e4er sind. Interessiert hat das hier kaum jemand.<\/p>\n\n\n\n

Dabei dienten Deutsche dem Islamischen Staats nicht nur als willenloses Kanonenfutter, wie es oft dargestellt wird. Viele haben seinen Terror mitgepr\u00e4gt. Wie Martin L., der derzeit in kurdischer Haft sitzt. Der Schwei\u00dfer aus Sachsen-Anhalt soll sich vom Folterknecht bis zum Geheimdienstler mit Kontakten bis in die F\u00fchrungsspitze der Terrororganisation hochgearbeitet haben.<\/p>\n\n\n\n

Oder Reda S., Der Prediger aus Berlin-Charlottenburg soll dem IS in Mossul als Bildungsminister gedient haben. Oder der Berliner Ex-Rapper Denis Cuspert, der zu den wichtigsten Personen in der IS-Medienorganisation Al-Hayat geh\u00f6rte. Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Beh\u00f6rden wussten gut Bescheid<\/h2>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich entstand der Islamische Staat nicht in deutschen Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen. Zur deutschen Verantwortung geh\u00f6rt aber auch, dass Politiker und Beh\u00f6rden lange wegschauten, solang nur die T\u00e4ter, aber nicht die Opfer Deutsche waren. Beh\u00f6rden wissen und wussten erschreckend gut Bescheid \u00fcber die Radikalisierung deutscher Islamisten. Ein Gro\u00dfteil der sp\u00e4teren IS-K\u00e4mpfer war polizeibekannt, stand auf Gef\u00e4hrderlisten oder hatte wegen islamistischer Straftaten bereits Haftstrafen verb\u00fc\u00dft. An der Ausreise gehindert wurden sie oftmals dennoch nicht. Die Gefahr, die von deutschen Terroristen ausgeht, interessierte Politik und \u00d6ffentlichkeit erst dann wieder, als ihre Einreise drohte.<\/p>\n\n\n\n

\"Fabian
Fabian Goldmann<\/strong> ist Journalist und Islamwissenschaftler. F\u00fcr verschiedene Magazine und Zeitungen berichtete er viele Jahre aus Nahost. Zurzeit widmet er sich vor allem dem Islam diesseits des Bosporus. Auf seinem Blog Schantall und die Scharia<\/a> bloggt er \u00fcber Islamophobie in Deutschland.<\/p>\n","post_title":"Es sind unsere Terroristen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"es-sind-unsere-terroristen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3703","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3700,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:19:36","post_date_gmt":"2020-08-13 21:19:36","post_content":"\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda? Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda t<\/p>\n\n\n\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda tritt an die Stelle der 2010 verabschiedeten Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014 (siehe IP\/10\/1535<\/a>). In der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda f\u00fcr den Zeitraum 2015-2020 skizziert die Europ\u00e4ische Kommission die Strategie der Union zur Bew\u00e4ltigung der Sicherheitsbedrohungen in der EU.<\/p>\n\n\n\n

Die EU und ihre Mitgliedstaaten sind mit betr\u00e4chtlichen Sicherheitsproblemen konfrontiert. Terrorismus, organisierte Kriminalit\u00e4t und Cyberkriminalit\u00e4t stellen eine zunehmende Gefahr f\u00fcr die europ\u00e4ische Gesellschaft dar, wobei sich Art und Ausma\u00df dieser Gefahr ver\u00e4ndert hat. Europa ist mit den Auswirkungen der politischen Instabilit\u00e4t in seiner unmittelbaren Nachbarschaft konfrontiert, die die Sicherheitsinteressen der EU gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n

Im Zuge der Krisen und Konflikte in Syrien, Irak und Libyen haben sich europ\u00e4ische B\u00fcrger terroristischen Gruppen angeschlossen, die bei ihrer R\u00fcckkehr eine erhebliche Bedrohung darstellen k\u00f6nnen. Die j\u00fcngsten terroristischen Anschl\u00e4ge in Europa zeugen von der zunehmenden Bedrohung durch einen gewaltt\u00e4tigen Extremismus und zeigen, in welchem Ausma\u00df weltweite Konflikte zur Radikalisierung der europ\u00e4ischen B\u00fcrger beitragen.<\/p>\n\n\n\n

Das Online-Umfeld hat sich zunehmend als Ziel f\u00fcr Kriminelle und Terroristen entwickelt. Unabh\u00e4ngig davon, ob es um die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und die Anwerbung von Menschen f\u00fcr terroristische Organisationen geht oder die Verbreitung von Hass oder einen Angriff auf die europ\u00e4ischen Werte und Institutionen, fest steht, dass wir unsere Reaktion auf diese Bedrohungen unbedingt abstimmen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Welcher Mehrwert entsteht durch die EU im Bereich der inneren Sicherheit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Gew\u00e4hrleistung der inneren Sicherheit f\u00e4llt weiterhin in erster Linie in die Zust\u00e4ndigkeit der Mitgliedstaaten. Allerdings werden die Bedrohungen f\u00fcr Europas B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger immer vielf\u00e4ltiger und betreffen in zunehmendem Ma\u00dfe mehrere Mitgliedstaaten. Einzelne Mitgliedstaaten haben die Verantwortung, die Sicherheit an den Au\u00dfengrenzen zu gew\u00e4hrleisten, sind aber nicht mehr in der Lage, diese Herausforderungen allein zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n

Kriminelle und terroristische Aktivit\u00e4ten machen nicht an den Grenzen der EU halt und beschr\u00e4nken sich auch nicht auf Nachbarregionen. Die innere Sicherheit der EU und die globale Sicherheit sind voneinander abh\u00e4ngig und miteinander verkn\u00fcpft. Die Sicherheit der Union h\u00e4ngt in hohem Ma\u00dfe von der Zusammenarbeit mit ihren internationalen Partnern und ihren Nachbarl\u00e4ndern ab.<\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t und des Terrorismus ist eine gemeinsame europ\u00e4ische Aufgabe. Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda sollte von den Mitgliedstaaten und den EU-Organen gemeinsam als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und gemeinsame Ma\u00dfnahmen der Union genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n

Mit Hilfe der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda werden die Polizei- und Strafverfolgungsdienste in verschiedenen Mitgliedstaaten Daten effektiver austauschen und bei der Bek\u00e4mpfung der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t besser zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Die Mitgliedstaaten k\u00f6nnen auf die Unterst\u00fctzung durch die Agenturen der EU z\u00e4hlen. Insbesondere in folgenden Punkten l\u00e4sst sich mit Hilfe der Sicherheitsagenda ein EU-Mehrwert erzielen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n

A) Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und den EU-Agenturen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1<\/strong>: Das Schengener Informationssystem<\/strong> (SIS) wird von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Abfrage von Ausschreibungen von gesuchten oder vermissten Personen und Gegenst\u00e4nden genutzt. Die Kommission wird an der Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Ausschreibungskategorien arbeiten und sich daf\u00fcr einsetzen, dass das SIS zusammen mit der Interpol-Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD)<\/strong> umfassender genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Iran: Syrien vor sunnitischen Extremisten verteidigen<\/h2>\n\n\n\n

In Syrien k\u00e4mpfen neben den afghanischen Milizen auch andere paramilit\u00e4rische Gruppierungen im Auftrag des Irans: etwa die ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigten Revolutionsgarden, die einst Ayatollah Ruhollah Khomeini pers\u00f6nlich ins Leben rief oder die Basidsch-Milizen. Beiden Gruppierungen sind nicht nur in Syrien aktiv, sondern auch im Irak.<\/p>\n\n\n\n

Obowhl sich das syrische Regime von Baschar al-Assad als s\u00e4kular ausweist, wird es vom Iran, der sich als Repr\u00e4sentant aller muslimischen Schiiten betrachtet, unterst\u00fctzt. Gemeinsames Ziel in Syrien ist es: Schiiten vor sunnitische Extremisten zu verteidigen. Dennoch ist das Regime darauf bedacht, m\u00f6glichst wenig eigene K\u00e4mpfer nach Syrien zu schicken. \u00c4hnlich wie einst w\u00e4hrend des Krieges gegen Saddam Husseins Irak, setzt der Iran auf ausl\u00e4ndische K\u00e4mpfer.<\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung war wie eine Gehirnw\u00e4sche<\/h2>\n\n\n\n

Abu Fazels Familie geh\u00f6rt zur afghanischen Minderheit der schiitischen Hazara \u2013 wie viele Afghanen, die in den Iran gekommen sind. Mittlerweile k\u00e4mpfen Tausende von ihnen in Syrien. Der Iran bezahlt die Afghanen mit einem Sold von wenigen hundert Dollar pro Monat und verspricht ihren Familien eine Aufenthaltsgenehmigung oder eine Arbeitserlaubnis.<\/p>\n\n\n\n

An der Rekrutierung der Afghanen sind sowohl die Revolutionsgarden als auch die erw\u00e4hnten Basidsch-Milizen beteiligt. Abu Fazel beschreibt, wie das Viertel, in dem er gemeinsam mit seiner Familie in Teheran lebte, regelm\u00e4\u00dfig von den K\u00e4mpfern aufgesucht wurde. Viele afghanische Gefl\u00fcchtete lebten dort \u2013 und fielen auf die Gehirnw\u00e4sche der Rattenf\u00e4nger herein.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie trafen junge M\u00e4nner und Jugendliche in den Moscheen und \u00fcberredeten sie, gegen den IS oder Al Qaida zu k\u00e4mpfen. Die Gehirnw\u00e4sche war perfekt. Am Ende merkten viele, darunter auch ich, nicht einmal, dass wir in ihre Propaganda getappt waren. Ihre \u00dcberredungskunst war wirklich sehr speziell. Am Ende hat man Lust, nach Syrien zu gehen, um zu k\u00e4mpfen\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Erfolg hatten die Rekrutierer des Regimes auch bei Abu Fazels Cousin, der zum damaligen Zeitpunkt ebenfalls minderj\u00e4hrig gewesen ist. Er ging nach Syrien und k\u00e4mpfte unter der Flagge der \u201eLiwa Fatemiyoun\u201c, wie die afghanische Division auf Seiten Assads hei\u00dft. Offiziell ist die Aufgabe der Miliz die Verteidigung des Schreines von Zaynab im S\u00fcden von Damaskus. Zaynab war die Enkelin des islamischen Propheten Mohammad. Laut iranischen Staatsmedien k\u00e4mpfen mindestens 20.000 Afghanen in der Division.<\/p>\n\n\n\n

Im August 2014 entschloss sich auch Abu Fazel, nach Syrien zu gehen und zu k\u00e4mpfen. Im selben Monat wurde sein Cousin in der N\u00e4he von Aleppo im Kampf gegen syrische Rebellen get\u00f6tet.<\/p>\n\n\n\n

\u201eMein Cousin wurde dort get\u00f6tet. Auch andere Jungs aus unserer Gegend gingen nach Syrien und fielen dort. Lokale Zeitungen nannten sie \u201aM\u00e4rtyrer\u2018.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Lieber Flucht statt K\u00e4mpfer in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein solcher \u201eM\u00e4rtyrer\u201c wollte Abu Fazel allerdings nicht werden. Er floh eine Woche vor dem Beginn seiner dreimonatigen Kampfausbildung. Es war ihm lieber, ein Leben auf der Flucht zu verbringen, als in Syrien unschuldige Menschen f\u00fcr einen Diktator zu t\u00f6ten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch kam zu dem Schluss, dass ich nicht als M\u00f6rder weiterleben k\u00f6nnte. Stets dachte ich mir, dass selbst die schlimmsten Al-Qaida- oder IS-Terroristen Kinder haben k\u00f6nnten, die ihren Vater lieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Fazel verlor seinen eigenen Vater bereits sehr fr\u00fch. Er wurde Opfer des B\u00fcrgerkriegs in Afghanistan, der von 1989 bis 2001 tausende Menschen das Leben kostete. Auch der Iran mischte in der Zeit schon mit. Es ist allgemein bekannt, dass die schiitischen Hazara-Milizen, die den B\u00fcrgerkrieg ebenfalls mitanfachten, von der Regierung in Teheran unterst\u00fctzt wurden.<\/p>\n\n\n\n

Als Abu Fazel sich nun entschloss, aus der Gewaltspirale auszusteigen und nicht in Syrien zu k\u00e4mpfen, wuchs die Angst bei seiner Familie. Denn f\u00fcr die iranischen Beh\u00f6rden gilt: Hat man sich einmal gemeldet, gibt es kein zur\u00fcck. Man muss an die Front nach Syrien \u2013 oder wird zur\u00fcck nach Afghanistan abgeschoben, wo ebenfalls Krieg herrscht.<\/p>\n\n\n\n

Der einzige Ausweg f\u00fcr den jungen Afghanen war die Flucht. \u00dcber die T\u00fcrkei, Griechenland und die Balkranroute erreichte er mit gro\u00dfer M\u00fche Deutschland, wo er einen Asylantrag stellte.<\/p>\n\n\n\n

Erster Asylantrag in Deutschland abgelehnt<\/h2>\n\n\n\n

Als Grund nannte er seine Rekrutierung als Kindersoldat seitens des iranischen Regimes. Doch w\u00e4hrend diese Begr\u00fcndung in Abu Fazels Augen v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich war, sahen deutsche Beh\u00f6rden das anders. Sein erster Antrag wurde abgelehnt. Derzeit versucht er es ein zweites Mal. Die Bundesrepublik schiebt afghanische Gefl\u00fcchtete weiterhin ab.<\/p>\n\n\n\n

\"EinAbschiebung von Afghanen im Dezember 2016 mit einem Charterflug von Frankfurt nach Kabul. (dpa \/picture alliance \/ Boris Roessler)<\/p>\n\n\n\n

Die Verantwortlichen weisen in diesem Kontext immer wieder auf vermeintlich \u201esichere Gebiete\u201c im Land, die nicht n\u00e4her benannt werden.<\/p>\n\n\n\n

W\u00e4hrenddessen machen Menschenrechtsorganisationen regelm\u00e4\u00dfig darauf aufmerksam, dass keine Region am Hindukusch sicher ist. Stattdessen wird in manchen Gebieten nur weniger Krieg gef\u00fchrt als in anderen.<\/p>\n\n\n\n

\"SieDemonstranten protestieren in Frankfurt am Main gegen die Abschiebung von Afghanen. Auf einem der Transparente steht \u201eAfghanistan is not safe\u201c. (AFP \/ Daniel Roland)<\/p>\n\n\n\n

Alis Vater und Onkel k\u00e4mpfen in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein \u00e4hnliches Schicksal wie Abu Fazel erlitt der 18-j\u00e4hrige Ali (Namen ge\u00e4ndert). Auch er floh aus dem Iran nach Deutschland, um der Rekrutierung f\u00fcr Assads Milizen zu entgehen. Viele seiner afghanischen Freunde sind bereits nach Syrien gezogen \u2013 und kamen niemals zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Alis Familie, ebenfalls Angeh\u00f6rige der Hazara-Minderheit, stammt urspr\u00fcnglich aus der Provinz Ghor im Nordosten Afghanistans. Ihre Heimat verlie\u00dfen sie w\u00e4hrend der sowjetischen Besatzung in den 1980er-Jahren.<\/p>\n\n\n\n

Seit jeher lebt die Familie in der iranischen Gro\u00dfstadt Maschhad. Als der Krieg in Syrien ausbrach, erreichte sie ein Konflikt, mit dem sie nicht gerechnet hatten. Im Juli 2015 reiste Alis Vater nach Teheran. Er wollte einen Weg finden, um f\u00fcr seine Familie Aufenthaltspapiere zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Beh\u00f6rden sagten ihm, dass die Rekrutierung f\u00fcr den Krieg in Syrien eine M\u00f6glichkeit darstellen k\u00f6nnte, um Papiere f\u00fcr uns alle zu erhalten. Andernfalls w\u00fcrde man uns sehr bald nach Afghanistan abschieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Mittlerweile k\u00e4mpfen Alis Vater und sein Onkel seit \u00fcber einem Jahr in Syrien. Am Aufenthaltsstatus seiner Familienmitglieder hat sich bis heute allerdings nichts ge\u00e4ndert. F\u00fcr Ali ist klar, dass dies nur eine Falle gewesen ist, um noch mehr Afghanen als Kanonenfutter zu missbrauchen.<\/p>\n\n\n\n

Anfangs gab es Papiere f\u00fcr K\u00e4mpfer-Familien<\/h2>\n\n\n\n

Den Kontakt zu seinem Vater hat der Afghane mittlerweile verloren. W\u00e4hrenddessen schickt ihm sein Onkel, der in Aleppo stationiert ist, hin und wieder Bilder \u00fcber den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ali denkt, dass nur sehr wenige Afghanen der Propaganda der iranischen Regierung glauben und in Syrien f\u00fcr eine \u201egute Sache\u201c k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

Source<\/a><\/p>\n","post_title":"Warum Afghanen in Syrien f\u00fcr Assad k\u00e4mpfen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"warum-afghanen-in-syrien-fur-assad-kampfen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3709","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3706,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:27:40","post_date_gmt":"2020-08-13 21:27:40","post_content":"\n

Kinder, Frauen, Jesiden \u2013 wer \u00fcberlebt hat, berichtet von Folter, Vergewaltigungen und Gehirnw\u00e4sche. Rund drei Jahre dauerte die Schreckensherrschaft der IS-Miliz in Syrien und Irak. Der Wiederaufbau wird l\u00e4nger dauern und mehr umfassen als H\u00e4user.<\/p>\n\n\n\n

Der Fluss Tigris durchzieht die zweitgr\u00f6\u00dfte Stadt des Iraks und teilt Mosul in Ost und West. Das Westufer ist von Zerst\u00f6rung gezeichnet, die Altstadt nicht mehr als eine einzige graue Tr\u00fcmmerlandschaft. Seit den letzten Bombardements im Juli 2017 kann hier niemand mehr wohnen.<\/p>\n\n\n\n

Die Nouri-Moschee, von deren Kanzel Abu Bakr al-Baghdadi im Juli 2014 sein Kalifat ausrief, hatte die IS-Miliz auf ihrem R\u00fcckzug vorsorglich selbst in die Luft gesprengt, um den Gegnern diesen besonderen Triumph zu verwehren.<\/p>\n\n\n\n

\"ImIm Juli 2017 erobert die irakische Armee Mossul zur\u00fcck. Ruinen sind zu sehen. Ein K\u00e4mpfer der IS-Miliz hat sich ergeben. (Imago \/ Carol Guzy)<\/p>\n\n\n\n

Es ist fraglich, ob die Altstadt dem Original getreu wieder aufgebaut werden kann. Bagdad will demn\u00e4chst \u2013 im Rahmen einer gro\u00dfen Wiederaufbau-Konferenz \u2013 bekannt geben, welche Pl\u00e4ne es hat. Derzeit gilt als gro\u00dfer Fortschritt, dass die Tr\u00fcmmerlandschaft in Teilen wieder begehbar ist \u2013 nachdem mit internationaler Hilfe zahllose Sprengs\u00e4tze beseitigt wurden.<\/p>\n\n\n\n

In Ost-Mossul gibt es weniger Zerst\u00f6rungen<\/h2>\n\n\n\n

J\u00fcngste Sch\u00e4tzungen der Vereinten Nationen besagen, dass es noch Jahre dauern wird, bis alle Minen ger\u00e4umt sind. Solange werden die einstigen Bewohner nicht zur\u00fcckkehren k\u00f6nnen. Manche von ihnen haben Gl\u00fcck im Ungl\u00fcck: Sie haben \u00fcberlebt und sind auf der anderen Seite des Tigris untergekommen, im Osten der Stadt. Der war schon im Januar 2017 von den Terroristen befreit worden. Erstaunlich ist: Dieser Teil Mosuls wirkt fast so, als w\u00e4re der \u201eIS\u201c niemals hier gewesen und als h\u00e4tte es keinen Krieg gegeben.<\/p>\n\n\n\n

\"ImIm Osten Mossuls gibt es weniger Zerst\u00f6rungen als im Westteil. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

Die Zerst\u00f6rungen beschr\u00e4nken sich auf strategisch-wichtige Punkte oder Geb\u00e4ude, in denen sich die Terroristen verschanzt hatten: Br\u00fccken, Moscheen, Krankenh\u00e4user. Doch im Basar herrscht fast so etwas wie Normalit\u00e4t. An St\u00e4nden kaufen Menschen ein \u2013 Obst, Gem\u00fcse, Reis und Nudeln, Backwaren. Kinder schlecken ein Eis. Abu Muhammad, ein ehemaliger Physiklehrer, erkl\u00e4rt, warum der Basar so anders ist als erwartet:<\/p>\n\n\n\n

\u201eDas Leben hatte nie aufgeh\u00f6rt in Mosul. Wir haben weitergelebt. Drei Jahre wurden wir vom \u201aIS\u2018 beherrscht, doch die normalen Leute hatten nichts damit zu tun. Daher kam der Alltag schnell zur\u00fcck. Die Soldaten sind gekommen, haben den Basar wieder aufgemacht und das Leben ging weiter.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Im Osten findet sich heute all das wieder, was die Terror-Miliz unterdr\u00fcckt hatte und bei Missachtung grausam ahndete: Musik in Restaurants und Caf\u00e9s; Sim-Karten f\u00fcr Handys; Internet; Fris\u00f6re, die Haare schneiden, B\u00e4rte stutzen oder gar abrasieren. Und doch: Trotz des lebendigen Treibens wirken Angst und Schrecken nach. Abu Muhammad, fr\u00fch ergraut, erinnert sich:<\/p>\n\n\n\n

\u201eWir haben uns gef\u00fchlt wie zwischen Leben und Tod. Irgendwo dazwischen. Sie haben vom \u201aIS\u2018 geh\u00f6rt; wir haben ihn erlebt: Wir haben erlebt, wie sie mordeten, wie sie Leute aufh\u00e4ngten, wir haben den Krieg erlebt. Wir haben alles gesehen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Mohammed stammt aus dem zerst\u00f6rten Westen der Stadt. Er wohnt heute im Osten. Verwandte haben ihn und seine Familie aufgenommen. So wie ihm ergeht es auch anderen Vertriebenen. Sie leben bei Verwandten und Freunden. Oder in einem der vielen Lager. 700.000 Menschen haben ihr Zuhause verloren \u2013 eine Zahl, die f\u00fcr West-Mosul gilt. Insgesamt gehen die Vereinten Nationen von fast sechs Millionen Menschen aus, die im Irak vor dem \u201aIS\u2018 geflohen sind \u2013 die H\u00e4lfte von ihnen bis heute fern von ihrem Zuhause.<\/p>\n\n\n\n

Binnenfl\u00fcchtlinge im Lager Khabartu<\/h2>\n\n\n\n

Zelte soweit das Auge reicht. Abertausende. Inmitten von Steppe. Das Leben der Menschen ist hart. Sie darben, frieren und verdorren \u2013 wenn im Winter der kalte Wind durch die Steppe fegt und im Sommer die Sonne niederbrennt. Doch sie harren aus, haben wenig Hoffnung auf baldige R\u00fcckkehr. Die meisten kamen 2014 \u2013 hierher, ins Lager Khabartu in Irakisch-Kurdistan.<\/p>\n\n\n\n

\"DasDas Lager Khabartu f\u00fcr irakische Binnenfl\u00fcchtlinge. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

2014, als der \u201eIS\u201c den Nord-Irak \u00fcberfiel. In einem der Zelte lebt auch die Familie von Thomas Abdallah Hammou. Thomas war auf der Flucht von seiner Familie getrennt und von den Dschihadisten verschleppt worden. Damals war er acht Jahre alt. Ein Kind. Drei Jahre blieb er in Geiselhaft, lebte in Mosul.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollten nicht, dass wir spielen. Sie mochten es nicht. Ich habe keine Schule besucht, aber sie gaben uns Koran-Unterricht. Jeden Tag.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas musste seinem eigenen, dem jesidischen Glauben abschw\u00f6ren. Weil der \u201eIS\u201c die Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c betrachtet. Und \u201eUngl\u00e4ubige\u201c, so die Auffassung der Terroristen, m\u00fcssen zwangsbekehrt werden. Oder get\u00f6tet. Die Terroristen hatten dementsprechend die Jesiden entweder an Ort und Stelle ermordet, die meisten im Sinjar, im alten Siedlungsgebiet der Jesiden im Nord-Irak. Tausende. 47 Massengr\u00e4ber sollen mittlerweile gefunden worden sein. Oder aber die Terroristen lie\u00dfen die Jesiden am Leben und nahmen sie in Geiselhaft. Sie machten aus ihnen Sexsklavinnen oder sie bildeten sie aus \u2013 zu Selbstmordattent\u00e4tern. Wie Thomas.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie haben uns st\u00e4ndig geschlagen. Wir mussten Schie\u00dfen \u00fcben. Zwei meiner Freunde haben sich in die Luft gesprengt. Sie sind zum Training. Doch sie kamen nicht zur\u00fcck. Ich war nicht traurig. Sie wollten sich ja in die Luft sprengen. Die \u201aIS\u2018-Leute hatten es nicht von ihnen verlangt. Sie sind freiwillig gegangen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas hat heute einen modernen Haarschnitt; der Nacken ist ausrasiert; der lange Pony in die Stirn gek\u00e4mmt. Im Sommer sah er noch anders aus, kurz nachdem Mosul befreit worden war. Bei einem Luftangriff der Anti-\u201eIS\u201c-Koalition wurde Thomas schwer verletzt aus Tr\u00fcmmern geborgen, dann operiert.<\/p>\n\n\n\n

\"ThomasThomas erholt sich von drei Jahren IS-Gefangenschaft. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

Arbeit mit \u201eDschihadisten-Kindern\u201c<\/h2>\n\n\n\n

Die \u00e4u\u00dferen Wunden sind heute verheilt. Doch wie sieht es aus mit den inneren, den seelischen Verletzungen? Thomas wurde von seiner Familie aufgenommen und bekommt Hilfe. Andere Kinder konnten nicht aufgefangen werden. Bis heute betrachten sie Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c \u2013 so wie es ihnen in der Geiselhaft eingeh\u00e4mmert wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie sind eine gro\u00dfe Gefahr f\u00fcr andere Kinder. Sie leben in Lagern, in einem Zelt, auf sechs mal vier Metern, oder noch weniger! Acht Geschwister, sie spielen zusammen, reden, sie indoktrinieren die anderen! Das ist ein Problem, das wir nicht l\u00f6sen k\u00f6nnen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Sara Hassan ist Sozialarbeiterin. Sie arbeitet in den Lagern, versucht M\u00e4dchen und Frauen, die jahrelang in Geiselhaft vergewaltigt wurden, zu helfen. Unz\u00e4hlige hatte der \u201eIS\u201c einst entf\u00fchrt. Sara arbeitet auch mit den sogenannten \u201eDschihadisten-Kindern\u201c. Sie erz\u00e4hlt, wie \u00fcberfordert alle seien: die Familien, die jesidische Gemeinschaft, die Gesellschaft des Nord-Irak.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIn einem anderen Fall hat sich die Familie am Ende an die Sicherheitskr\u00e4fte gewandt. Doch die wussten auch nicht, wie sie damit umgehen sollten. Monate lang hat die Familie versucht, den Jungen umzuerziehen, zusammen mit Sozialarbeitern. Aber noch immer sehen wir den Hass in seinen Augen \u2013 gegen\u00fcber Kurden, Christen und Jesiden. Als blicke man in die Augen eines IS-Terroristen. Das ist das Problem.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Die Jesiden k\u00f6nnen \u00fcber ihre vom \u201eIS\u201c indoktrinierten Kinder sprechen. Denn niemand zweifelt daran, dass sie Opfer der Tyrannei wurden. Bei den sunnitischen Arabern sieht das anders aus. Da sie derselben Religionsgruppe angeh\u00f6ren wie formal auch die Terroristen, stehen sie unter Generalverdacht, mit dem \u201eIS\u201c gemeinsame Sache gemacht zu haben. Sunnitische Araber trauen sich daher nicht, die Probleme ihrer Kinder \u00f6ffentlich zu machen \u2013 auch wenn sie selbst nichts mit dem \u201eIS\u201c zu tun hatten.<\/p>\n\n\n\n

Unklar ist, wie viele Kinder und Jugendliche im Irak und in Syrien zu Terroristen ausgebildet wurden, dabei noch in Geiselhaft sind oder bereits als \u201eSchl\u00e4fer\u201c darauf warten, zum Einsatz zu kommen. Sie gleichen \u201etickenden Zeitbomben\u201c, die jederzeit explodieren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

Minderheiten haben Angst vor \u201eIS\u201c-Nachfolgern<\/h2>\n\n\n\n

Kamaran Palani spricht davon, dass viele Menschen immer noch gehen wollen, obwohl der \u201eIS\u201c als staats\u00e4hnliches Gebilde nicht mehr besteht. Seine Saat aber, so der Politikwissenschaftler, sei aufgegangen.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollen einfach nicht in diesem Land bleiben. Der IS hat sie dazu gebracht. Jeder hat heute Angst, dass eine andere Organisation kommen wird, Terroristen, die dasselbe anrichten wie zuvor.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Palani forscht am \u201eMiddle East Research Institute\u201c, das seinen Sitz in Erbil hat, der Hauptstadt von Irakisch-Kurdistan. <\/p>\n\n\n\n

\u201e60 bis 65 Prozent der Christen wollen gehen. Das Gleiche gilt f\u00fcr andere Minderheiten: f\u00fcr Jesiden, Schabaks, Turkmenen, Kakais.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

\u201eWir werden niemals wieder mit den Arabern zusammenleben k\u00f6nnen!\u201c \u2013 ein Satz, der heute h\u00e4ufig im Nord-Irak zu h\u00f6ren ist. Gemeint sind die Iraker, die Sunniten und Araber sind \u2013 die einstmals Nachbarn von Jesiden, Christen und Kurden waren \u2013 mit denen man Handel trieb und Hochzeiten feierte, die auch Freunde waren.<\/p>\n\n\n\n

Der Irak ist eine multi-ethnische und multi-religi\u00f6se Gesellschaft, in der die Schiiten die Mehrheit stellen. \u00dcber Jahrhunderte aber hatten die sunnitischen Araber das Sagen, sie missbrauchten die Macht, errichteten ein Schreckensregime \u2013 bis 2003, als Diktator Saddam Hussein von den USA gest\u00fcrzt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c entstand aus Widerstand gegen Schiiten-Herrschaft<\/h2>\n\n\n\n

Jetzt wurde der Spie\u00df umgedreht. Die Amerikaner sorgten daf\u00fcr, dass die Sunniten jegliche Machtposition verloren \u2013 so wurde die irakische Armee, wurde die baathistische Partei aufgel\u00f6st \u2013 ohne ein Pendant zu schaffen, das alle integrierte. Und: Washington unterst\u00fctzte Regierungschef Nouri al-Maliki, einen Schiiten. Maliki sah eine historische Chance gekommen, diskriminierte nun seinerseits seine sunnitischen Landsleute, verwehrte ihnen im \u201eNeuen Irak\u201c die Mitsprache. Im Regime Malikis wurden Sunniten inhaftiert, gefoltert und umgebracht.<\/p>\n\n\n\n

Was viele in den Widerstand trieb. Einige schlossen sich der Terror-Organisation \u201eAl-Qaida\u201c an, unter ihnen f\u00fchrende Milit\u00e4rs der aufgel\u00f6sten Armee Saddam Husseins \u2013 und aus \u201eAl-Qaida\u201c ging sp\u00e4ter der \u201eIS\u201c hervor.<\/p>\n\n\n\n

Als der \u201eIS\u201c dann im Sommer 2014 fast ohne Gegenwehr weite Landstriche in Syrien und im Irak \u00fcberrannte und seinen \u201eStaat\u201c ausrief, sahen auch gew\u00f6hnliche sunnitische Araber einen Wechsel nahen. Viele machten gemeinsame Sache mit den Terroristen, verhinderten die Flucht jesidischer Nachbarn, lieferten sie ihren Schl\u00e4chtern aus. Kamaran Palani:<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c-K\u00e4mpfer haben gesagt, es gehe darum, die W\u00fcrde der sunnitischen Araber wiederherzustellen. Ihre Macht. Ihre Geschichte. Tats\u00e4chlich konnten es die Araber nicht hinnehmen, dass sie ins Abseits gedr\u00e4ngt wurden. Und ich denke, dass sie auch in Zukunft so handeln werden. Wann immer sich die Gelegenheit bietet: Sie werden alles hinter sich lassen \u2013 sich nur darauf konzentrieren.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Misstrauen. Auch bei einem Politikwissenschaftler. Was also tun? Zerst\u00f6rte St\u00e4dte und D\u00f6rfer k\u00f6nnten wieder aufgebaut werden \u2013 wenn denn ein gemeinsamer Wille best\u00fcnde. Doch was, wenn es einen solchen gemeinsamen Willen gar nicht gibt? Wenn Schmerz und Trauer anhalten, wenn die Verbrechen von Terroristen und Helfershelfern nicht geahndet werden, wenn Angst umgeht, Misstrauen und Hass das Miteinander bestimmen.<\/p>\n\n\n\n

\"SyrischeSoldaten in der irakischen Stadt Sindschar nach der R\u00fcckeroberung von der IS-Miliz Ende 2015. (dpa \/ MAXPPP \/ Arnaud Dumontier)<\/p>\n\n\n\n

Kamaran Palani stammt aus der Stadt Makhmour. Drei Tage nur sei der \u201eIS\u201c dort gewesen, sagt er, doch diese Tage h\u00e4tten alles ver\u00e4ndert. Der \u201eIS\u201c habe die Menschen in seiner Heimatstadt verrohen lassen, meint er, das Verh\u00e4ltnis zwischen Kurden und Arabern sei heute tot. Eine R\u00fcckkehr in alte Zeiten h\u00e4lt Palani f\u00fcr falsch.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch denke, es w\u00e4re nicht einfach, in das Jahr 2014 \u2013 also in die Zeit vor dem \u201aIS\u2018 \u2013 zur\u00fcckzukehren. Vor allem aber w\u00e4re es nicht die richtige Politik. Denn eben die hat ja erst zum Aufkommen, zur Existenz des \u201aIS\u2018 gef\u00fchrt.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n


Wie also in Ruinen Neues schaffen? Der Staat muss das Gewaltmonopol zur\u00fcckerlangen, fordert der Politikwissenschaftler. F\u00fcr ihn steht das an erster Stelle. Und dann m\u00fcsse der Staat dringend einen Kurswechsel vornehmen: Er m\u00fcsse integrativ wirken, alle einbinden, auch die Araber, in Sicherheitskr\u00e4fte, Verwaltung und Politik.<\/p>\n\n\n\n

Machtmonopol m\u00fcsste von Milizen zum Staat gehen<\/h2>\n\n\n\n

Die Realit\u00e4t sieht anders aus: Ein Staat Kurdistan, der neue Optionen m\u00f6glich gemacht h\u00e4tte, auch von den Minderheiten gew\u00fcnscht worden war, ist nicht entstanden. Bagdad aber ist fern, der Zentralstaat kaum existent, und wenn, dann ist er schiitisch dominiert. Es sind Milizen, die im Nord-Irak das Geschehen bestimmen, darum rivalisieren, das Machtvakuum zu f\u00fcllen, das durch die Vertreibung des \u201eIS\u201c entstanden ist. Einst im Kampf gegen die Terroristen geeint, sind die Milizen einander heute feind.<\/p>\n\n\n\n

Allen voran die \u201eHashd ash-Shaabi\u201c, schiitisch-irakische Milizen, deren Ausbilder und Kommandeure h\u00e4ufig Iraner sind. Bagdad hat die Haschd als regul\u00e4re Kraft im Kampf gegen den \u201eIS\u201c anerkannt \u2013 obwohl Menschenrechts-Organisationen schwere Vorw\u00fcrfe gegen sie erheben. Fest steht: Die schiitischen Milizen halten D\u00f6rfer besetzt, sind in Mosul f\u00fcr ihr herrisches Auftreten und ihre Willk\u00fcr bekannt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eTats\u00e4chlich sorgen die verschiedenen bewaffneten Gruppen daf\u00fcr, dass die Fl\u00fcchtlinge nicht zur\u00fcckkehren. Und weil sie nicht zur\u00fcckkehren, gibt es auch keinen Wiederaufbau. Die Menschen haben Angst vor den Milizen \u2013 auch davor, dass die einander bek\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die \u201eHashd\u201c m\u00fcssten mithin abziehen. Und mit ihnen die anderen Milizen. Das Machtmonopol m\u00fcsste an den Staat gehen. Doch der Irak ist auch Spielball der Regionalm\u00e4chte: Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien. Sie konkurrieren um Einfluss-Sph\u00e4ren, bedienen sich dabei verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Gruppen im Irak. Deswegen werden die Hashd nicht abziehen. Derzeit sind sie von der iranisch-irakischen Grenze im Osten \u00fcber Bagdad bis hoch zur irakisch-syrischen Grenze im Norden postiert. Einheiten Teherans k\u00f6nnten demnach auf dem Landweg vom Iran bis ans Mittelmeer durchmarschieren.<\/p>\n\n\n\n

Iran und Saudi-Arabien wollen Macht vergr\u00f6\u00dfern<\/h2>\n\n\n\n

Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n

In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n

Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3703,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:24:20","post_date_gmt":"2020-08-13 21:24:20","post_content":"\n

Deutschland str\u00e4ubt sich gegen die R\u00fcckkehr seiner eigenen Staatsb\u00fcrger, die zu IS-Terroristen wurden. Dabei hat die Bundesrepublik den Terror und die Terroristen einst exportiert. Und dies geschah wissentlich, sagt der Islamwissenschaftler Fabian Goldmann.<\/p>\n\n\n\n

Wann haben Sie sich eigentlich zuletzt von deutschen Terroristen distanziert? Zum Beispiel von Robert B.? Der Ex-Bundeswehrsoldat aus Solingen hat mutma\u00dflich bei einem Selbstmordattentat Anfang 2014 50 Menschen mit in den Tod gerissen. <\/p>\n\n\n\n

Oder von Yannik N.? Der junge Freiburger steuerte wahrscheinlich im Jahr 2015 einen mit anderthalb Tonnen Sprengstoff beladenen LKW in eine Menschenmenge und nahm so Dutzenden Personen das Leben.<\/p>\n\n\n\n

Oder von Yamin A.?. Im Sommer 2015 tauchte im Netz ein Video auf, das zeigte, wie der ehemalige Telekom-Azubi aus K\u00f6nigswinter zwei gefesselten Soldaten in den Kopf schoss.
Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Deutsche T\u00e4ter, aber kaum deutsche Opfer<\/h2>\n\n\n\n

Hauptsache nicht bei uns! Dies scheint auch dieser Tage wieder die Maxime zu sein, wenn Politiker und \u00d6ffentlichkeit \u00fcber den Umgang mit deutschen Terroristen diskutieren. Von potenziellen Bedrohungen und Anschlagsgefahren in Deutschland liest man dann. Vom ganz realen Terror, den Deutsche in den vergangenen Jahren \u00fcber die Menschen in Syrien und Irak gebracht haben, h\u00f6rt man hingegen kaum. Ein Terror, der kaum deutsche Opfer aber umso mehr deutsche T\u00e4ter kannte.<\/p>\n\n\n\n

1.050 \u2013 das ist laut Bundesinnenministerium die Anzahl der Dschihadisten, die in den letzten Jahren die Bundesrepublik in Richtung Nahost verlassen hat. Es f\u00e4llt schwer, sich umgekehrtes Szenario \u00fcberhaupt auszumalen. Was w\u00e4re wohl los, h\u00e4tte es nur ein Bruchteil arabischer Terroristen geschafft, bei uns Anschl\u00e4ge zu begehen? Europas \u201eMuslim Bann\u201c? \u00dcberwachungsstaat auf NSA-Niveau?<\/p>\n\n\n\n

Die CSU st\u00fcnde wom\u00f6glich am linken Ende des politischen Spektrums, und auf Twitter w\u00fcrde Trump deutsche Migrationspolitiker zur M\u00e4\u00dfigung aufrufen. Der deutsche Terror in Nahost kommt hingegen seit Jahren ganz ohne Sondersendungen, politische Debatten und Distanzierungsforderungen aus. <\/p>\n\n\n\n

Deutsche K\u00e4mpfer waren nicht nur willenloses Kanonenfutter<\/h2>\n\n\n\n

An fehlendem Wissen liegt das nicht. Von ganzen Einheiten des IS, in denen kein einziger K\u00e4mpfer Arabisch spreche, berichten syrische, irakische und kurdische Soldaten schon seit Jahren. Von Aleppo \u00fcber Raqqa bis Mossul haben Aktivisten und Politiker immer wieder darauf hingewiesen, dass viele der schlimmsten M\u00f6rder in den Reihen des IS Europ\u00e4er sind. Interessiert hat das hier kaum jemand.<\/p>\n\n\n\n

Dabei dienten Deutsche dem Islamischen Staats nicht nur als willenloses Kanonenfutter, wie es oft dargestellt wird. Viele haben seinen Terror mitgepr\u00e4gt. Wie Martin L., der derzeit in kurdischer Haft sitzt. Der Schwei\u00dfer aus Sachsen-Anhalt soll sich vom Folterknecht bis zum Geheimdienstler mit Kontakten bis in die F\u00fchrungsspitze der Terrororganisation hochgearbeitet haben.<\/p>\n\n\n\n

Oder Reda S., Der Prediger aus Berlin-Charlottenburg soll dem IS in Mossul als Bildungsminister gedient haben. Oder der Berliner Ex-Rapper Denis Cuspert, der zu den wichtigsten Personen in der IS-Medienorganisation Al-Hayat geh\u00f6rte. Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Beh\u00f6rden wussten gut Bescheid<\/h2>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich entstand der Islamische Staat nicht in deutschen Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen. Zur deutschen Verantwortung geh\u00f6rt aber auch, dass Politiker und Beh\u00f6rden lange wegschauten, solang nur die T\u00e4ter, aber nicht die Opfer Deutsche waren. Beh\u00f6rden wissen und wussten erschreckend gut Bescheid \u00fcber die Radikalisierung deutscher Islamisten. Ein Gro\u00dfteil der sp\u00e4teren IS-K\u00e4mpfer war polizeibekannt, stand auf Gef\u00e4hrderlisten oder hatte wegen islamistischer Straftaten bereits Haftstrafen verb\u00fc\u00dft. An der Ausreise gehindert wurden sie oftmals dennoch nicht. Die Gefahr, die von deutschen Terroristen ausgeht, interessierte Politik und \u00d6ffentlichkeit erst dann wieder, als ihre Einreise drohte.<\/p>\n\n\n\n

\"Fabian
Fabian Goldmann<\/strong> ist Journalist und Islamwissenschaftler. F\u00fcr verschiedene Magazine und Zeitungen berichtete er viele Jahre aus Nahost. Zurzeit widmet er sich vor allem dem Islam diesseits des Bosporus. Auf seinem Blog Schantall und die Scharia<\/a> bloggt er \u00fcber Islamophobie in Deutschland.<\/p>\n","post_title":"Es sind unsere Terroristen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"es-sind-unsere-terroristen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3703","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3700,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:19:36","post_date_gmt":"2020-08-13 21:19:36","post_content":"\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda? Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda t<\/p>\n\n\n\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda tritt an die Stelle der 2010 verabschiedeten Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014 (siehe IP\/10\/1535<\/a>). In der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda f\u00fcr den Zeitraum 2015-2020 skizziert die Europ\u00e4ische Kommission die Strategie der Union zur Bew\u00e4ltigung der Sicherheitsbedrohungen in der EU.<\/p>\n\n\n\n

Die EU und ihre Mitgliedstaaten sind mit betr\u00e4chtlichen Sicherheitsproblemen konfrontiert. Terrorismus, organisierte Kriminalit\u00e4t und Cyberkriminalit\u00e4t stellen eine zunehmende Gefahr f\u00fcr die europ\u00e4ische Gesellschaft dar, wobei sich Art und Ausma\u00df dieser Gefahr ver\u00e4ndert hat. Europa ist mit den Auswirkungen der politischen Instabilit\u00e4t in seiner unmittelbaren Nachbarschaft konfrontiert, die die Sicherheitsinteressen der EU gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n

Im Zuge der Krisen und Konflikte in Syrien, Irak und Libyen haben sich europ\u00e4ische B\u00fcrger terroristischen Gruppen angeschlossen, die bei ihrer R\u00fcckkehr eine erhebliche Bedrohung darstellen k\u00f6nnen. Die j\u00fcngsten terroristischen Anschl\u00e4ge in Europa zeugen von der zunehmenden Bedrohung durch einen gewaltt\u00e4tigen Extremismus und zeigen, in welchem Ausma\u00df weltweite Konflikte zur Radikalisierung der europ\u00e4ischen B\u00fcrger beitragen.<\/p>\n\n\n\n

Das Online-Umfeld hat sich zunehmend als Ziel f\u00fcr Kriminelle und Terroristen entwickelt. Unabh\u00e4ngig davon, ob es um die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und die Anwerbung von Menschen f\u00fcr terroristische Organisationen geht oder die Verbreitung von Hass oder einen Angriff auf die europ\u00e4ischen Werte und Institutionen, fest steht, dass wir unsere Reaktion auf diese Bedrohungen unbedingt abstimmen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Welcher Mehrwert entsteht durch die EU im Bereich der inneren Sicherheit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Gew\u00e4hrleistung der inneren Sicherheit f\u00e4llt weiterhin in erster Linie in die Zust\u00e4ndigkeit der Mitgliedstaaten. Allerdings werden die Bedrohungen f\u00fcr Europas B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger immer vielf\u00e4ltiger und betreffen in zunehmendem Ma\u00dfe mehrere Mitgliedstaaten. Einzelne Mitgliedstaaten haben die Verantwortung, die Sicherheit an den Au\u00dfengrenzen zu gew\u00e4hrleisten, sind aber nicht mehr in der Lage, diese Herausforderungen allein zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n

Kriminelle und terroristische Aktivit\u00e4ten machen nicht an den Grenzen der EU halt und beschr\u00e4nken sich auch nicht auf Nachbarregionen. Die innere Sicherheit der EU und die globale Sicherheit sind voneinander abh\u00e4ngig und miteinander verkn\u00fcpft. Die Sicherheit der Union h\u00e4ngt in hohem Ma\u00dfe von der Zusammenarbeit mit ihren internationalen Partnern und ihren Nachbarl\u00e4ndern ab.<\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t und des Terrorismus ist eine gemeinsame europ\u00e4ische Aufgabe. Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda sollte von den Mitgliedstaaten und den EU-Organen gemeinsam als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und gemeinsame Ma\u00dfnahmen der Union genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n

Mit Hilfe der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda werden die Polizei- und Strafverfolgungsdienste in verschiedenen Mitgliedstaaten Daten effektiver austauschen und bei der Bek\u00e4mpfung der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t besser zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Die Mitgliedstaaten k\u00f6nnen auf die Unterst\u00fctzung durch die Agenturen der EU z\u00e4hlen. Insbesondere in folgenden Punkten l\u00e4sst sich mit Hilfe der Sicherheitsagenda ein EU-Mehrwert erzielen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n

A) Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und den EU-Agenturen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1<\/strong>: Das Schengener Informationssystem<\/strong> (SIS) wird von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Abfrage von Ausschreibungen von gesuchten oder vermissten Personen und Gegenst\u00e4nden genutzt. Die Kommission wird an der Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Ausschreibungskategorien arbeiten und sich daf\u00fcr einsetzen, dass das SIS zusammen mit der Interpol-Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD)<\/strong> umfassender genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Die Rekrutierung der afghanischen Gefl\u00fcchteten ist f\u00fcr Abu Fazel die Spitze jenes Rassismus, den er erlebt hat.<\/p>\n\n\n\n

Iran: Syrien vor sunnitischen Extremisten verteidigen<\/h2>\n\n\n\n

In Syrien k\u00e4mpfen neben den afghanischen Milizen auch andere paramilit\u00e4rische Gruppierungen im Auftrag des Irans: etwa die ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigten Revolutionsgarden, die einst Ayatollah Ruhollah Khomeini pers\u00f6nlich ins Leben rief oder die Basidsch-Milizen. Beiden Gruppierungen sind nicht nur in Syrien aktiv, sondern auch im Irak.<\/p>\n\n\n\n

Obowhl sich das syrische Regime von Baschar al-Assad als s\u00e4kular ausweist, wird es vom Iran, der sich als Repr\u00e4sentant aller muslimischen Schiiten betrachtet, unterst\u00fctzt. Gemeinsames Ziel in Syrien ist es: Schiiten vor sunnitische Extremisten zu verteidigen. Dennoch ist das Regime darauf bedacht, m\u00f6glichst wenig eigene K\u00e4mpfer nach Syrien zu schicken. \u00c4hnlich wie einst w\u00e4hrend des Krieges gegen Saddam Husseins Irak, setzt der Iran auf ausl\u00e4ndische K\u00e4mpfer.<\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung war wie eine Gehirnw\u00e4sche<\/h2>\n\n\n\n

Abu Fazels Familie geh\u00f6rt zur afghanischen Minderheit der schiitischen Hazara \u2013 wie viele Afghanen, die in den Iran gekommen sind. Mittlerweile k\u00e4mpfen Tausende von ihnen in Syrien. Der Iran bezahlt die Afghanen mit einem Sold von wenigen hundert Dollar pro Monat und verspricht ihren Familien eine Aufenthaltsgenehmigung oder eine Arbeitserlaubnis.<\/p>\n\n\n\n

An der Rekrutierung der Afghanen sind sowohl die Revolutionsgarden als auch die erw\u00e4hnten Basidsch-Milizen beteiligt. Abu Fazel beschreibt, wie das Viertel, in dem er gemeinsam mit seiner Familie in Teheran lebte, regelm\u00e4\u00dfig von den K\u00e4mpfern aufgesucht wurde. Viele afghanische Gefl\u00fcchtete lebten dort \u2013 und fielen auf die Gehirnw\u00e4sche der Rattenf\u00e4nger herein.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie trafen junge M\u00e4nner und Jugendliche in den Moscheen und \u00fcberredeten sie, gegen den IS oder Al Qaida zu k\u00e4mpfen. Die Gehirnw\u00e4sche war perfekt. Am Ende merkten viele, darunter auch ich, nicht einmal, dass wir in ihre Propaganda getappt waren. Ihre \u00dcberredungskunst war wirklich sehr speziell. Am Ende hat man Lust, nach Syrien zu gehen, um zu k\u00e4mpfen\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Erfolg hatten die Rekrutierer des Regimes auch bei Abu Fazels Cousin, der zum damaligen Zeitpunkt ebenfalls minderj\u00e4hrig gewesen ist. Er ging nach Syrien und k\u00e4mpfte unter der Flagge der \u201eLiwa Fatemiyoun\u201c, wie die afghanische Division auf Seiten Assads hei\u00dft. Offiziell ist die Aufgabe der Miliz die Verteidigung des Schreines von Zaynab im S\u00fcden von Damaskus. Zaynab war die Enkelin des islamischen Propheten Mohammad. Laut iranischen Staatsmedien k\u00e4mpfen mindestens 20.000 Afghanen in der Division.<\/p>\n\n\n\n

Im August 2014 entschloss sich auch Abu Fazel, nach Syrien zu gehen und zu k\u00e4mpfen. Im selben Monat wurde sein Cousin in der N\u00e4he von Aleppo im Kampf gegen syrische Rebellen get\u00f6tet.<\/p>\n\n\n\n

\u201eMein Cousin wurde dort get\u00f6tet. Auch andere Jungs aus unserer Gegend gingen nach Syrien und fielen dort. Lokale Zeitungen nannten sie \u201aM\u00e4rtyrer\u2018.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Lieber Flucht statt K\u00e4mpfer in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein solcher \u201eM\u00e4rtyrer\u201c wollte Abu Fazel allerdings nicht werden. Er floh eine Woche vor dem Beginn seiner dreimonatigen Kampfausbildung. Es war ihm lieber, ein Leben auf der Flucht zu verbringen, als in Syrien unschuldige Menschen f\u00fcr einen Diktator zu t\u00f6ten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch kam zu dem Schluss, dass ich nicht als M\u00f6rder weiterleben k\u00f6nnte. Stets dachte ich mir, dass selbst die schlimmsten Al-Qaida- oder IS-Terroristen Kinder haben k\u00f6nnten, die ihren Vater lieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Fazel verlor seinen eigenen Vater bereits sehr fr\u00fch. Er wurde Opfer des B\u00fcrgerkriegs in Afghanistan, der von 1989 bis 2001 tausende Menschen das Leben kostete. Auch der Iran mischte in der Zeit schon mit. Es ist allgemein bekannt, dass die schiitischen Hazara-Milizen, die den B\u00fcrgerkrieg ebenfalls mitanfachten, von der Regierung in Teheran unterst\u00fctzt wurden.<\/p>\n\n\n\n

Als Abu Fazel sich nun entschloss, aus der Gewaltspirale auszusteigen und nicht in Syrien zu k\u00e4mpfen, wuchs die Angst bei seiner Familie. Denn f\u00fcr die iranischen Beh\u00f6rden gilt: Hat man sich einmal gemeldet, gibt es kein zur\u00fcck. Man muss an die Front nach Syrien \u2013 oder wird zur\u00fcck nach Afghanistan abgeschoben, wo ebenfalls Krieg herrscht.<\/p>\n\n\n\n

Der einzige Ausweg f\u00fcr den jungen Afghanen war die Flucht. \u00dcber die T\u00fcrkei, Griechenland und die Balkranroute erreichte er mit gro\u00dfer M\u00fche Deutschland, wo er einen Asylantrag stellte.<\/p>\n\n\n\n

Erster Asylantrag in Deutschland abgelehnt<\/h2>\n\n\n\n

Als Grund nannte er seine Rekrutierung als Kindersoldat seitens des iranischen Regimes. Doch w\u00e4hrend diese Begr\u00fcndung in Abu Fazels Augen v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich war, sahen deutsche Beh\u00f6rden das anders. Sein erster Antrag wurde abgelehnt. Derzeit versucht er es ein zweites Mal. Die Bundesrepublik schiebt afghanische Gefl\u00fcchtete weiterhin ab.<\/p>\n\n\n\n

\"EinAbschiebung von Afghanen im Dezember 2016 mit einem Charterflug von Frankfurt nach Kabul. (dpa \/picture alliance \/ Boris Roessler)<\/p>\n\n\n\n

Die Verantwortlichen weisen in diesem Kontext immer wieder auf vermeintlich \u201esichere Gebiete\u201c im Land, die nicht n\u00e4her benannt werden.<\/p>\n\n\n\n

W\u00e4hrenddessen machen Menschenrechtsorganisationen regelm\u00e4\u00dfig darauf aufmerksam, dass keine Region am Hindukusch sicher ist. Stattdessen wird in manchen Gebieten nur weniger Krieg gef\u00fchrt als in anderen.<\/p>\n\n\n\n

\"SieDemonstranten protestieren in Frankfurt am Main gegen die Abschiebung von Afghanen. Auf einem der Transparente steht \u201eAfghanistan is not safe\u201c. (AFP \/ Daniel Roland)<\/p>\n\n\n\n

Alis Vater und Onkel k\u00e4mpfen in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein \u00e4hnliches Schicksal wie Abu Fazel erlitt der 18-j\u00e4hrige Ali (Namen ge\u00e4ndert). Auch er floh aus dem Iran nach Deutschland, um der Rekrutierung f\u00fcr Assads Milizen zu entgehen. Viele seiner afghanischen Freunde sind bereits nach Syrien gezogen \u2013 und kamen niemals zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Alis Familie, ebenfalls Angeh\u00f6rige der Hazara-Minderheit, stammt urspr\u00fcnglich aus der Provinz Ghor im Nordosten Afghanistans. Ihre Heimat verlie\u00dfen sie w\u00e4hrend der sowjetischen Besatzung in den 1980er-Jahren.<\/p>\n\n\n\n

Seit jeher lebt die Familie in der iranischen Gro\u00dfstadt Maschhad. Als der Krieg in Syrien ausbrach, erreichte sie ein Konflikt, mit dem sie nicht gerechnet hatten. Im Juli 2015 reiste Alis Vater nach Teheran. Er wollte einen Weg finden, um f\u00fcr seine Familie Aufenthaltspapiere zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Beh\u00f6rden sagten ihm, dass die Rekrutierung f\u00fcr den Krieg in Syrien eine M\u00f6glichkeit darstellen k\u00f6nnte, um Papiere f\u00fcr uns alle zu erhalten. Andernfalls w\u00fcrde man uns sehr bald nach Afghanistan abschieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Mittlerweile k\u00e4mpfen Alis Vater und sein Onkel seit \u00fcber einem Jahr in Syrien. Am Aufenthaltsstatus seiner Familienmitglieder hat sich bis heute allerdings nichts ge\u00e4ndert. F\u00fcr Ali ist klar, dass dies nur eine Falle gewesen ist, um noch mehr Afghanen als Kanonenfutter zu missbrauchen.<\/p>\n\n\n\n

Anfangs gab es Papiere f\u00fcr K\u00e4mpfer-Familien<\/h2>\n\n\n\n

Den Kontakt zu seinem Vater hat der Afghane mittlerweile verloren. W\u00e4hrenddessen schickt ihm sein Onkel, der in Aleppo stationiert ist, hin und wieder Bilder \u00fcber den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ali denkt, dass nur sehr wenige Afghanen der Propaganda der iranischen Regierung glauben und in Syrien f\u00fcr eine \u201egute Sache\u201c k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

Source<\/a><\/p>\n","post_title":"Warum Afghanen in Syrien f\u00fcr Assad k\u00e4mpfen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"warum-afghanen-in-syrien-fur-assad-kampfen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3709","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3706,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:27:40","post_date_gmt":"2020-08-13 21:27:40","post_content":"\n

Kinder, Frauen, Jesiden \u2013 wer \u00fcberlebt hat, berichtet von Folter, Vergewaltigungen und Gehirnw\u00e4sche. Rund drei Jahre dauerte die Schreckensherrschaft der IS-Miliz in Syrien und Irak. Der Wiederaufbau wird l\u00e4nger dauern und mehr umfassen als H\u00e4user.<\/p>\n\n\n\n

Der Fluss Tigris durchzieht die zweitgr\u00f6\u00dfte Stadt des Iraks und teilt Mosul in Ost und West. Das Westufer ist von Zerst\u00f6rung gezeichnet, die Altstadt nicht mehr als eine einzige graue Tr\u00fcmmerlandschaft. Seit den letzten Bombardements im Juli 2017 kann hier niemand mehr wohnen.<\/p>\n\n\n\n

Die Nouri-Moschee, von deren Kanzel Abu Bakr al-Baghdadi im Juli 2014 sein Kalifat ausrief, hatte die IS-Miliz auf ihrem R\u00fcckzug vorsorglich selbst in die Luft gesprengt, um den Gegnern diesen besonderen Triumph zu verwehren.<\/p>\n\n\n\n

\"ImIm Juli 2017 erobert die irakische Armee Mossul zur\u00fcck. Ruinen sind zu sehen. Ein K\u00e4mpfer der IS-Miliz hat sich ergeben. (Imago \/ Carol Guzy)<\/p>\n\n\n\n

Es ist fraglich, ob die Altstadt dem Original getreu wieder aufgebaut werden kann. Bagdad will demn\u00e4chst \u2013 im Rahmen einer gro\u00dfen Wiederaufbau-Konferenz \u2013 bekannt geben, welche Pl\u00e4ne es hat. Derzeit gilt als gro\u00dfer Fortschritt, dass die Tr\u00fcmmerlandschaft in Teilen wieder begehbar ist \u2013 nachdem mit internationaler Hilfe zahllose Sprengs\u00e4tze beseitigt wurden.<\/p>\n\n\n\n

In Ost-Mossul gibt es weniger Zerst\u00f6rungen<\/h2>\n\n\n\n

J\u00fcngste Sch\u00e4tzungen der Vereinten Nationen besagen, dass es noch Jahre dauern wird, bis alle Minen ger\u00e4umt sind. Solange werden die einstigen Bewohner nicht zur\u00fcckkehren k\u00f6nnen. Manche von ihnen haben Gl\u00fcck im Ungl\u00fcck: Sie haben \u00fcberlebt und sind auf der anderen Seite des Tigris untergekommen, im Osten der Stadt. Der war schon im Januar 2017 von den Terroristen befreit worden. Erstaunlich ist: Dieser Teil Mosuls wirkt fast so, als w\u00e4re der \u201eIS\u201c niemals hier gewesen und als h\u00e4tte es keinen Krieg gegeben.<\/p>\n\n\n\n

\"ImIm Osten Mossuls gibt es weniger Zerst\u00f6rungen als im Westteil. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

Die Zerst\u00f6rungen beschr\u00e4nken sich auf strategisch-wichtige Punkte oder Geb\u00e4ude, in denen sich die Terroristen verschanzt hatten: Br\u00fccken, Moscheen, Krankenh\u00e4user. Doch im Basar herrscht fast so etwas wie Normalit\u00e4t. An St\u00e4nden kaufen Menschen ein \u2013 Obst, Gem\u00fcse, Reis und Nudeln, Backwaren. Kinder schlecken ein Eis. Abu Muhammad, ein ehemaliger Physiklehrer, erkl\u00e4rt, warum der Basar so anders ist als erwartet:<\/p>\n\n\n\n

\u201eDas Leben hatte nie aufgeh\u00f6rt in Mosul. Wir haben weitergelebt. Drei Jahre wurden wir vom \u201aIS\u2018 beherrscht, doch die normalen Leute hatten nichts damit zu tun. Daher kam der Alltag schnell zur\u00fcck. Die Soldaten sind gekommen, haben den Basar wieder aufgemacht und das Leben ging weiter.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Im Osten findet sich heute all das wieder, was die Terror-Miliz unterdr\u00fcckt hatte und bei Missachtung grausam ahndete: Musik in Restaurants und Caf\u00e9s; Sim-Karten f\u00fcr Handys; Internet; Fris\u00f6re, die Haare schneiden, B\u00e4rte stutzen oder gar abrasieren. Und doch: Trotz des lebendigen Treibens wirken Angst und Schrecken nach. Abu Muhammad, fr\u00fch ergraut, erinnert sich:<\/p>\n\n\n\n

\u201eWir haben uns gef\u00fchlt wie zwischen Leben und Tod. Irgendwo dazwischen. Sie haben vom \u201aIS\u2018 geh\u00f6rt; wir haben ihn erlebt: Wir haben erlebt, wie sie mordeten, wie sie Leute aufh\u00e4ngten, wir haben den Krieg erlebt. Wir haben alles gesehen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Mohammed stammt aus dem zerst\u00f6rten Westen der Stadt. Er wohnt heute im Osten. Verwandte haben ihn und seine Familie aufgenommen. So wie ihm ergeht es auch anderen Vertriebenen. Sie leben bei Verwandten und Freunden. Oder in einem der vielen Lager. 700.000 Menschen haben ihr Zuhause verloren \u2013 eine Zahl, die f\u00fcr West-Mosul gilt. Insgesamt gehen die Vereinten Nationen von fast sechs Millionen Menschen aus, die im Irak vor dem \u201aIS\u2018 geflohen sind \u2013 die H\u00e4lfte von ihnen bis heute fern von ihrem Zuhause.<\/p>\n\n\n\n

Binnenfl\u00fcchtlinge im Lager Khabartu<\/h2>\n\n\n\n

Zelte soweit das Auge reicht. Abertausende. Inmitten von Steppe. Das Leben der Menschen ist hart. Sie darben, frieren und verdorren \u2013 wenn im Winter der kalte Wind durch die Steppe fegt und im Sommer die Sonne niederbrennt. Doch sie harren aus, haben wenig Hoffnung auf baldige R\u00fcckkehr. Die meisten kamen 2014 \u2013 hierher, ins Lager Khabartu in Irakisch-Kurdistan.<\/p>\n\n\n\n

\"DasDas Lager Khabartu f\u00fcr irakische Binnenfl\u00fcchtlinge. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

2014, als der \u201eIS\u201c den Nord-Irak \u00fcberfiel. In einem der Zelte lebt auch die Familie von Thomas Abdallah Hammou. Thomas war auf der Flucht von seiner Familie getrennt und von den Dschihadisten verschleppt worden. Damals war er acht Jahre alt. Ein Kind. Drei Jahre blieb er in Geiselhaft, lebte in Mosul.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollten nicht, dass wir spielen. Sie mochten es nicht. Ich habe keine Schule besucht, aber sie gaben uns Koran-Unterricht. Jeden Tag.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas musste seinem eigenen, dem jesidischen Glauben abschw\u00f6ren. Weil der \u201eIS\u201c die Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c betrachtet. Und \u201eUngl\u00e4ubige\u201c, so die Auffassung der Terroristen, m\u00fcssen zwangsbekehrt werden. Oder get\u00f6tet. Die Terroristen hatten dementsprechend die Jesiden entweder an Ort und Stelle ermordet, die meisten im Sinjar, im alten Siedlungsgebiet der Jesiden im Nord-Irak. Tausende. 47 Massengr\u00e4ber sollen mittlerweile gefunden worden sein. Oder aber die Terroristen lie\u00dfen die Jesiden am Leben und nahmen sie in Geiselhaft. Sie machten aus ihnen Sexsklavinnen oder sie bildeten sie aus \u2013 zu Selbstmordattent\u00e4tern. Wie Thomas.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie haben uns st\u00e4ndig geschlagen. Wir mussten Schie\u00dfen \u00fcben. Zwei meiner Freunde haben sich in die Luft gesprengt. Sie sind zum Training. Doch sie kamen nicht zur\u00fcck. Ich war nicht traurig. Sie wollten sich ja in die Luft sprengen. Die \u201aIS\u2018-Leute hatten es nicht von ihnen verlangt. Sie sind freiwillig gegangen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas hat heute einen modernen Haarschnitt; der Nacken ist ausrasiert; der lange Pony in die Stirn gek\u00e4mmt. Im Sommer sah er noch anders aus, kurz nachdem Mosul befreit worden war. Bei einem Luftangriff der Anti-\u201eIS\u201c-Koalition wurde Thomas schwer verletzt aus Tr\u00fcmmern geborgen, dann operiert.<\/p>\n\n\n\n

\"ThomasThomas erholt sich von drei Jahren IS-Gefangenschaft. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

Arbeit mit \u201eDschihadisten-Kindern\u201c<\/h2>\n\n\n\n

Die \u00e4u\u00dferen Wunden sind heute verheilt. Doch wie sieht es aus mit den inneren, den seelischen Verletzungen? Thomas wurde von seiner Familie aufgenommen und bekommt Hilfe. Andere Kinder konnten nicht aufgefangen werden. Bis heute betrachten sie Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c \u2013 so wie es ihnen in der Geiselhaft eingeh\u00e4mmert wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie sind eine gro\u00dfe Gefahr f\u00fcr andere Kinder. Sie leben in Lagern, in einem Zelt, auf sechs mal vier Metern, oder noch weniger! Acht Geschwister, sie spielen zusammen, reden, sie indoktrinieren die anderen! Das ist ein Problem, das wir nicht l\u00f6sen k\u00f6nnen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Sara Hassan ist Sozialarbeiterin. Sie arbeitet in den Lagern, versucht M\u00e4dchen und Frauen, die jahrelang in Geiselhaft vergewaltigt wurden, zu helfen. Unz\u00e4hlige hatte der \u201eIS\u201c einst entf\u00fchrt. Sara arbeitet auch mit den sogenannten \u201eDschihadisten-Kindern\u201c. Sie erz\u00e4hlt, wie \u00fcberfordert alle seien: die Familien, die jesidische Gemeinschaft, die Gesellschaft des Nord-Irak.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIn einem anderen Fall hat sich die Familie am Ende an die Sicherheitskr\u00e4fte gewandt. Doch die wussten auch nicht, wie sie damit umgehen sollten. Monate lang hat die Familie versucht, den Jungen umzuerziehen, zusammen mit Sozialarbeitern. Aber noch immer sehen wir den Hass in seinen Augen \u2013 gegen\u00fcber Kurden, Christen und Jesiden. Als blicke man in die Augen eines IS-Terroristen. Das ist das Problem.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Die Jesiden k\u00f6nnen \u00fcber ihre vom \u201eIS\u201c indoktrinierten Kinder sprechen. Denn niemand zweifelt daran, dass sie Opfer der Tyrannei wurden. Bei den sunnitischen Arabern sieht das anders aus. Da sie derselben Religionsgruppe angeh\u00f6ren wie formal auch die Terroristen, stehen sie unter Generalverdacht, mit dem \u201eIS\u201c gemeinsame Sache gemacht zu haben. Sunnitische Araber trauen sich daher nicht, die Probleme ihrer Kinder \u00f6ffentlich zu machen \u2013 auch wenn sie selbst nichts mit dem \u201eIS\u201c zu tun hatten.<\/p>\n\n\n\n

Unklar ist, wie viele Kinder und Jugendliche im Irak und in Syrien zu Terroristen ausgebildet wurden, dabei noch in Geiselhaft sind oder bereits als \u201eSchl\u00e4fer\u201c darauf warten, zum Einsatz zu kommen. Sie gleichen \u201etickenden Zeitbomben\u201c, die jederzeit explodieren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

Minderheiten haben Angst vor \u201eIS\u201c-Nachfolgern<\/h2>\n\n\n\n

Kamaran Palani spricht davon, dass viele Menschen immer noch gehen wollen, obwohl der \u201eIS\u201c als staats\u00e4hnliches Gebilde nicht mehr besteht. Seine Saat aber, so der Politikwissenschaftler, sei aufgegangen.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollen einfach nicht in diesem Land bleiben. Der IS hat sie dazu gebracht. Jeder hat heute Angst, dass eine andere Organisation kommen wird, Terroristen, die dasselbe anrichten wie zuvor.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Palani forscht am \u201eMiddle East Research Institute\u201c, das seinen Sitz in Erbil hat, der Hauptstadt von Irakisch-Kurdistan. <\/p>\n\n\n\n

\u201e60 bis 65 Prozent der Christen wollen gehen. Das Gleiche gilt f\u00fcr andere Minderheiten: f\u00fcr Jesiden, Schabaks, Turkmenen, Kakais.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

\u201eWir werden niemals wieder mit den Arabern zusammenleben k\u00f6nnen!\u201c \u2013 ein Satz, der heute h\u00e4ufig im Nord-Irak zu h\u00f6ren ist. Gemeint sind die Iraker, die Sunniten und Araber sind \u2013 die einstmals Nachbarn von Jesiden, Christen und Kurden waren \u2013 mit denen man Handel trieb und Hochzeiten feierte, die auch Freunde waren.<\/p>\n\n\n\n

Der Irak ist eine multi-ethnische und multi-religi\u00f6se Gesellschaft, in der die Schiiten die Mehrheit stellen. \u00dcber Jahrhunderte aber hatten die sunnitischen Araber das Sagen, sie missbrauchten die Macht, errichteten ein Schreckensregime \u2013 bis 2003, als Diktator Saddam Hussein von den USA gest\u00fcrzt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c entstand aus Widerstand gegen Schiiten-Herrschaft<\/h2>\n\n\n\n

Jetzt wurde der Spie\u00df umgedreht. Die Amerikaner sorgten daf\u00fcr, dass die Sunniten jegliche Machtposition verloren \u2013 so wurde die irakische Armee, wurde die baathistische Partei aufgel\u00f6st \u2013 ohne ein Pendant zu schaffen, das alle integrierte. Und: Washington unterst\u00fctzte Regierungschef Nouri al-Maliki, einen Schiiten. Maliki sah eine historische Chance gekommen, diskriminierte nun seinerseits seine sunnitischen Landsleute, verwehrte ihnen im \u201eNeuen Irak\u201c die Mitsprache. Im Regime Malikis wurden Sunniten inhaftiert, gefoltert und umgebracht.<\/p>\n\n\n\n

Was viele in den Widerstand trieb. Einige schlossen sich der Terror-Organisation \u201eAl-Qaida\u201c an, unter ihnen f\u00fchrende Milit\u00e4rs der aufgel\u00f6sten Armee Saddam Husseins \u2013 und aus \u201eAl-Qaida\u201c ging sp\u00e4ter der \u201eIS\u201c hervor.<\/p>\n\n\n\n

Als der \u201eIS\u201c dann im Sommer 2014 fast ohne Gegenwehr weite Landstriche in Syrien und im Irak \u00fcberrannte und seinen \u201eStaat\u201c ausrief, sahen auch gew\u00f6hnliche sunnitische Araber einen Wechsel nahen. Viele machten gemeinsame Sache mit den Terroristen, verhinderten die Flucht jesidischer Nachbarn, lieferten sie ihren Schl\u00e4chtern aus. Kamaran Palani:<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c-K\u00e4mpfer haben gesagt, es gehe darum, die W\u00fcrde der sunnitischen Araber wiederherzustellen. Ihre Macht. Ihre Geschichte. Tats\u00e4chlich konnten es die Araber nicht hinnehmen, dass sie ins Abseits gedr\u00e4ngt wurden. Und ich denke, dass sie auch in Zukunft so handeln werden. Wann immer sich die Gelegenheit bietet: Sie werden alles hinter sich lassen \u2013 sich nur darauf konzentrieren.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Misstrauen. Auch bei einem Politikwissenschaftler. Was also tun? Zerst\u00f6rte St\u00e4dte und D\u00f6rfer k\u00f6nnten wieder aufgebaut werden \u2013 wenn denn ein gemeinsamer Wille best\u00fcnde. Doch was, wenn es einen solchen gemeinsamen Willen gar nicht gibt? Wenn Schmerz und Trauer anhalten, wenn die Verbrechen von Terroristen und Helfershelfern nicht geahndet werden, wenn Angst umgeht, Misstrauen und Hass das Miteinander bestimmen.<\/p>\n\n\n\n

\"SyrischeSoldaten in der irakischen Stadt Sindschar nach der R\u00fcckeroberung von der IS-Miliz Ende 2015. (dpa \/ MAXPPP \/ Arnaud Dumontier)<\/p>\n\n\n\n

Kamaran Palani stammt aus der Stadt Makhmour. Drei Tage nur sei der \u201eIS\u201c dort gewesen, sagt er, doch diese Tage h\u00e4tten alles ver\u00e4ndert. Der \u201eIS\u201c habe die Menschen in seiner Heimatstadt verrohen lassen, meint er, das Verh\u00e4ltnis zwischen Kurden und Arabern sei heute tot. Eine R\u00fcckkehr in alte Zeiten h\u00e4lt Palani f\u00fcr falsch.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch denke, es w\u00e4re nicht einfach, in das Jahr 2014 \u2013 also in die Zeit vor dem \u201aIS\u2018 \u2013 zur\u00fcckzukehren. Vor allem aber w\u00e4re es nicht die richtige Politik. Denn eben die hat ja erst zum Aufkommen, zur Existenz des \u201aIS\u2018 gef\u00fchrt.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n


Wie also in Ruinen Neues schaffen? Der Staat muss das Gewaltmonopol zur\u00fcckerlangen, fordert der Politikwissenschaftler. F\u00fcr ihn steht das an erster Stelle. Und dann m\u00fcsse der Staat dringend einen Kurswechsel vornehmen: Er m\u00fcsse integrativ wirken, alle einbinden, auch die Araber, in Sicherheitskr\u00e4fte, Verwaltung und Politik.<\/p>\n\n\n\n

Machtmonopol m\u00fcsste von Milizen zum Staat gehen<\/h2>\n\n\n\n

Die Realit\u00e4t sieht anders aus: Ein Staat Kurdistan, der neue Optionen m\u00f6glich gemacht h\u00e4tte, auch von den Minderheiten gew\u00fcnscht worden war, ist nicht entstanden. Bagdad aber ist fern, der Zentralstaat kaum existent, und wenn, dann ist er schiitisch dominiert. Es sind Milizen, die im Nord-Irak das Geschehen bestimmen, darum rivalisieren, das Machtvakuum zu f\u00fcllen, das durch die Vertreibung des \u201eIS\u201c entstanden ist. Einst im Kampf gegen die Terroristen geeint, sind die Milizen einander heute feind.<\/p>\n\n\n\n

Allen voran die \u201eHashd ash-Shaabi\u201c, schiitisch-irakische Milizen, deren Ausbilder und Kommandeure h\u00e4ufig Iraner sind. Bagdad hat die Haschd als regul\u00e4re Kraft im Kampf gegen den \u201eIS\u201c anerkannt \u2013 obwohl Menschenrechts-Organisationen schwere Vorw\u00fcrfe gegen sie erheben. Fest steht: Die schiitischen Milizen halten D\u00f6rfer besetzt, sind in Mosul f\u00fcr ihr herrisches Auftreten und ihre Willk\u00fcr bekannt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eTats\u00e4chlich sorgen die verschiedenen bewaffneten Gruppen daf\u00fcr, dass die Fl\u00fcchtlinge nicht zur\u00fcckkehren. Und weil sie nicht zur\u00fcckkehren, gibt es auch keinen Wiederaufbau. Die Menschen haben Angst vor den Milizen \u2013 auch davor, dass die einander bek\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die \u201eHashd\u201c m\u00fcssten mithin abziehen. Und mit ihnen die anderen Milizen. Das Machtmonopol m\u00fcsste an den Staat gehen. Doch der Irak ist auch Spielball der Regionalm\u00e4chte: Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien. Sie konkurrieren um Einfluss-Sph\u00e4ren, bedienen sich dabei verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Gruppen im Irak. Deswegen werden die Hashd nicht abziehen. Derzeit sind sie von der iranisch-irakischen Grenze im Osten \u00fcber Bagdad bis hoch zur irakisch-syrischen Grenze im Norden postiert. Einheiten Teherans k\u00f6nnten demnach auf dem Landweg vom Iran bis ans Mittelmeer durchmarschieren.<\/p>\n\n\n\n

Iran und Saudi-Arabien wollen Macht vergr\u00f6\u00dfern<\/h2>\n\n\n\n

Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n

In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n

Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3703,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:24:20","post_date_gmt":"2020-08-13 21:24:20","post_content":"\n

Deutschland str\u00e4ubt sich gegen die R\u00fcckkehr seiner eigenen Staatsb\u00fcrger, die zu IS-Terroristen wurden. Dabei hat die Bundesrepublik den Terror und die Terroristen einst exportiert. Und dies geschah wissentlich, sagt der Islamwissenschaftler Fabian Goldmann.<\/p>\n\n\n\n

Wann haben Sie sich eigentlich zuletzt von deutschen Terroristen distanziert? Zum Beispiel von Robert B.? Der Ex-Bundeswehrsoldat aus Solingen hat mutma\u00dflich bei einem Selbstmordattentat Anfang 2014 50 Menschen mit in den Tod gerissen. <\/p>\n\n\n\n

Oder von Yannik N.? Der junge Freiburger steuerte wahrscheinlich im Jahr 2015 einen mit anderthalb Tonnen Sprengstoff beladenen LKW in eine Menschenmenge und nahm so Dutzenden Personen das Leben.<\/p>\n\n\n\n

Oder von Yamin A.?. Im Sommer 2015 tauchte im Netz ein Video auf, das zeigte, wie der ehemalige Telekom-Azubi aus K\u00f6nigswinter zwei gefesselten Soldaten in den Kopf schoss.
Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Deutsche T\u00e4ter, aber kaum deutsche Opfer<\/h2>\n\n\n\n

Hauptsache nicht bei uns! Dies scheint auch dieser Tage wieder die Maxime zu sein, wenn Politiker und \u00d6ffentlichkeit \u00fcber den Umgang mit deutschen Terroristen diskutieren. Von potenziellen Bedrohungen und Anschlagsgefahren in Deutschland liest man dann. Vom ganz realen Terror, den Deutsche in den vergangenen Jahren \u00fcber die Menschen in Syrien und Irak gebracht haben, h\u00f6rt man hingegen kaum. Ein Terror, der kaum deutsche Opfer aber umso mehr deutsche T\u00e4ter kannte.<\/p>\n\n\n\n

1.050 \u2013 das ist laut Bundesinnenministerium die Anzahl der Dschihadisten, die in den letzten Jahren die Bundesrepublik in Richtung Nahost verlassen hat. Es f\u00e4llt schwer, sich umgekehrtes Szenario \u00fcberhaupt auszumalen. Was w\u00e4re wohl los, h\u00e4tte es nur ein Bruchteil arabischer Terroristen geschafft, bei uns Anschl\u00e4ge zu begehen? Europas \u201eMuslim Bann\u201c? \u00dcberwachungsstaat auf NSA-Niveau?<\/p>\n\n\n\n

Die CSU st\u00fcnde wom\u00f6glich am linken Ende des politischen Spektrums, und auf Twitter w\u00fcrde Trump deutsche Migrationspolitiker zur M\u00e4\u00dfigung aufrufen. Der deutsche Terror in Nahost kommt hingegen seit Jahren ganz ohne Sondersendungen, politische Debatten und Distanzierungsforderungen aus. <\/p>\n\n\n\n

Deutsche K\u00e4mpfer waren nicht nur willenloses Kanonenfutter<\/h2>\n\n\n\n

An fehlendem Wissen liegt das nicht. Von ganzen Einheiten des IS, in denen kein einziger K\u00e4mpfer Arabisch spreche, berichten syrische, irakische und kurdische Soldaten schon seit Jahren. Von Aleppo \u00fcber Raqqa bis Mossul haben Aktivisten und Politiker immer wieder darauf hingewiesen, dass viele der schlimmsten M\u00f6rder in den Reihen des IS Europ\u00e4er sind. Interessiert hat das hier kaum jemand.<\/p>\n\n\n\n

Dabei dienten Deutsche dem Islamischen Staats nicht nur als willenloses Kanonenfutter, wie es oft dargestellt wird. Viele haben seinen Terror mitgepr\u00e4gt. Wie Martin L., der derzeit in kurdischer Haft sitzt. Der Schwei\u00dfer aus Sachsen-Anhalt soll sich vom Folterknecht bis zum Geheimdienstler mit Kontakten bis in die F\u00fchrungsspitze der Terrororganisation hochgearbeitet haben.<\/p>\n\n\n\n

Oder Reda S., Der Prediger aus Berlin-Charlottenburg soll dem IS in Mossul als Bildungsminister gedient haben. Oder der Berliner Ex-Rapper Denis Cuspert, der zu den wichtigsten Personen in der IS-Medienorganisation Al-Hayat geh\u00f6rte. Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Beh\u00f6rden wussten gut Bescheid<\/h2>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich entstand der Islamische Staat nicht in deutschen Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen. Zur deutschen Verantwortung geh\u00f6rt aber auch, dass Politiker und Beh\u00f6rden lange wegschauten, solang nur die T\u00e4ter, aber nicht die Opfer Deutsche waren. Beh\u00f6rden wissen und wussten erschreckend gut Bescheid \u00fcber die Radikalisierung deutscher Islamisten. Ein Gro\u00dfteil der sp\u00e4teren IS-K\u00e4mpfer war polizeibekannt, stand auf Gef\u00e4hrderlisten oder hatte wegen islamistischer Straftaten bereits Haftstrafen verb\u00fc\u00dft. An der Ausreise gehindert wurden sie oftmals dennoch nicht. Die Gefahr, die von deutschen Terroristen ausgeht, interessierte Politik und \u00d6ffentlichkeit erst dann wieder, als ihre Einreise drohte.<\/p>\n\n\n\n

\"Fabian
Fabian Goldmann<\/strong> ist Journalist und Islamwissenschaftler. F\u00fcr verschiedene Magazine und Zeitungen berichtete er viele Jahre aus Nahost. Zurzeit widmet er sich vor allem dem Islam diesseits des Bosporus. Auf seinem Blog Schantall und die Scharia<\/a> bloggt er \u00fcber Islamophobie in Deutschland.<\/p>\n","post_title":"Es sind unsere Terroristen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"es-sind-unsere-terroristen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3703","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3700,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:19:36","post_date_gmt":"2020-08-13 21:19:36","post_content":"\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda? Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda t<\/p>\n\n\n\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda tritt an die Stelle der 2010 verabschiedeten Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014 (siehe IP\/10\/1535<\/a>). In der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda f\u00fcr den Zeitraum 2015-2020 skizziert die Europ\u00e4ische Kommission die Strategie der Union zur Bew\u00e4ltigung der Sicherheitsbedrohungen in der EU.<\/p>\n\n\n\n

Die EU und ihre Mitgliedstaaten sind mit betr\u00e4chtlichen Sicherheitsproblemen konfrontiert. Terrorismus, organisierte Kriminalit\u00e4t und Cyberkriminalit\u00e4t stellen eine zunehmende Gefahr f\u00fcr die europ\u00e4ische Gesellschaft dar, wobei sich Art und Ausma\u00df dieser Gefahr ver\u00e4ndert hat. Europa ist mit den Auswirkungen der politischen Instabilit\u00e4t in seiner unmittelbaren Nachbarschaft konfrontiert, die die Sicherheitsinteressen der EU gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n

Im Zuge der Krisen und Konflikte in Syrien, Irak und Libyen haben sich europ\u00e4ische B\u00fcrger terroristischen Gruppen angeschlossen, die bei ihrer R\u00fcckkehr eine erhebliche Bedrohung darstellen k\u00f6nnen. Die j\u00fcngsten terroristischen Anschl\u00e4ge in Europa zeugen von der zunehmenden Bedrohung durch einen gewaltt\u00e4tigen Extremismus und zeigen, in welchem Ausma\u00df weltweite Konflikte zur Radikalisierung der europ\u00e4ischen B\u00fcrger beitragen.<\/p>\n\n\n\n

Das Online-Umfeld hat sich zunehmend als Ziel f\u00fcr Kriminelle und Terroristen entwickelt. Unabh\u00e4ngig davon, ob es um die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und die Anwerbung von Menschen f\u00fcr terroristische Organisationen geht oder die Verbreitung von Hass oder einen Angriff auf die europ\u00e4ischen Werte und Institutionen, fest steht, dass wir unsere Reaktion auf diese Bedrohungen unbedingt abstimmen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Welcher Mehrwert entsteht durch die EU im Bereich der inneren Sicherheit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Gew\u00e4hrleistung der inneren Sicherheit f\u00e4llt weiterhin in erster Linie in die Zust\u00e4ndigkeit der Mitgliedstaaten. Allerdings werden die Bedrohungen f\u00fcr Europas B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger immer vielf\u00e4ltiger und betreffen in zunehmendem Ma\u00dfe mehrere Mitgliedstaaten. Einzelne Mitgliedstaaten haben die Verantwortung, die Sicherheit an den Au\u00dfengrenzen zu gew\u00e4hrleisten, sind aber nicht mehr in der Lage, diese Herausforderungen allein zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n

Kriminelle und terroristische Aktivit\u00e4ten machen nicht an den Grenzen der EU halt und beschr\u00e4nken sich auch nicht auf Nachbarregionen. Die innere Sicherheit der EU und die globale Sicherheit sind voneinander abh\u00e4ngig und miteinander verkn\u00fcpft. Die Sicherheit der Union h\u00e4ngt in hohem Ma\u00dfe von der Zusammenarbeit mit ihren internationalen Partnern und ihren Nachbarl\u00e4ndern ab.<\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t und des Terrorismus ist eine gemeinsame europ\u00e4ische Aufgabe. Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda sollte von den Mitgliedstaaten und den EU-Organen gemeinsam als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und gemeinsame Ma\u00dfnahmen der Union genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n

Mit Hilfe der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda werden die Polizei- und Strafverfolgungsdienste in verschiedenen Mitgliedstaaten Daten effektiver austauschen und bei der Bek\u00e4mpfung der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t besser zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Die Mitgliedstaaten k\u00f6nnen auf die Unterst\u00fctzung durch die Agenturen der EU z\u00e4hlen. Insbesondere in folgenden Punkten l\u00e4sst sich mit Hilfe der Sicherheitsagenda ein EU-Mehrwert erzielen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n

A) Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und den EU-Agenturen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1<\/strong>: Das Schengener Informationssystem<\/strong> (SIS) wird von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Abfrage von Ausschreibungen von gesuchten oder vermissten Personen und Gegenst\u00e4nden genutzt. Die Kommission wird an der Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Ausschreibungskategorien arbeiten und sich daf\u00fcr einsetzen, dass das SIS zusammen mit der Interpol-Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD)<\/strong> umfassender genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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\u201e'Afghane\u2018 \u2013 das ist dort ein Schimpfwort. Ich h\u00f6rte es von klein auf immer wieder. Der Rassismus gegen Afghanen ist dort v\u00f6llig normal. Meine Herkunft, auf der ich eigentlich stolz war, ist im Iran stets eine Last gewesen. Wir sind dort B\u00fcrger zweiter Klasse.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung der afghanischen Gefl\u00fcchteten ist f\u00fcr Abu Fazel die Spitze jenes Rassismus, den er erlebt hat.<\/p>\n\n\n\n

Iran: Syrien vor sunnitischen Extremisten verteidigen<\/h2>\n\n\n\n

In Syrien k\u00e4mpfen neben den afghanischen Milizen auch andere paramilit\u00e4rische Gruppierungen im Auftrag des Irans: etwa die ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigten Revolutionsgarden, die einst Ayatollah Ruhollah Khomeini pers\u00f6nlich ins Leben rief oder die Basidsch-Milizen. Beiden Gruppierungen sind nicht nur in Syrien aktiv, sondern auch im Irak.<\/p>\n\n\n\n

Obowhl sich das syrische Regime von Baschar al-Assad als s\u00e4kular ausweist, wird es vom Iran, der sich als Repr\u00e4sentant aller muslimischen Schiiten betrachtet, unterst\u00fctzt. Gemeinsames Ziel in Syrien ist es: Schiiten vor sunnitische Extremisten zu verteidigen. Dennoch ist das Regime darauf bedacht, m\u00f6glichst wenig eigene K\u00e4mpfer nach Syrien zu schicken. \u00c4hnlich wie einst w\u00e4hrend des Krieges gegen Saddam Husseins Irak, setzt der Iran auf ausl\u00e4ndische K\u00e4mpfer.<\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung war wie eine Gehirnw\u00e4sche<\/h2>\n\n\n\n

Abu Fazels Familie geh\u00f6rt zur afghanischen Minderheit der schiitischen Hazara \u2013 wie viele Afghanen, die in den Iran gekommen sind. Mittlerweile k\u00e4mpfen Tausende von ihnen in Syrien. Der Iran bezahlt die Afghanen mit einem Sold von wenigen hundert Dollar pro Monat und verspricht ihren Familien eine Aufenthaltsgenehmigung oder eine Arbeitserlaubnis.<\/p>\n\n\n\n

An der Rekrutierung der Afghanen sind sowohl die Revolutionsgarden als auch die erw\u00e4hnten Basidsch-Milizen beteiligt. Abu Fazel beschreibt, wie das Viertel, in dem er gemeinsam mit seiner Familie in Teheran lebte, regelm\u00e4\u00dfig von den K\u00e4mpfern aufgesucht wurde. Viele afghanische Gefl\u00fcchtete lebten dort \u2013 und fielen auf die Gehirnw\u00e4sche der Rattenf\u00e4nger herein.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie trafen junge M\u00e4nner und Jugendliche in den Moscheen und \u00fcberredeten sie, gegen den IS oder Al Qaida zu k\u00e4mpfen. Die Gehirnw\u00e4sche war perfekt. Am Ende merkten viele, darunter auch ich, nicht einmal, dass wir in ihre Propaganda getappt waren. Ihre \u00dcberredungskunst war wirklich sehr speziell. Am Ende hat man Lust, nach Syrien zu gehen, um zu k\u00e4mpfen\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Erfolg hatten die Rekrutierer des Regimes auch bei Abu Fazels Cousin, der zum damaligen Zeitpunkt ebenfalls minderj\u00e4hrig gewesen ist. Er ging nach Syrien und k\u00e4mpfte unter der Flagge der \u201eLiwa Fatemiyoun\u201c, wie die afghanische Division auf Seiten Assads hei\u00dft. Offiziell ist die Aufgabe der Miliz die Verteidigung des Schreines von Zaynab im S\u00fcden von Damaskus. Zaynab war die Enkelin des islamischen Propheten Mohammad. Laut iranischen Staatsmedien k\u00e4mpfen mindestens 20.000 Afghanen in der Division.<\/p>\n\n\n\n

Im August 2014 entschloss sich auch Abu Fazel, nach Syrien zu gehen und zu k\u00e4mpfen. Im selben Monat wurde sein Cousin in der N\u00e4he von Aleppo im Kampf gegen syrische Rebellen get\u00f6tet.<\/p>\n\n\n\n

\u201eMein Cousin wurde dort get\u00f6tet. Auch andere Jungs aus unserer Gegend gingen nach Syrien und fielen dort. Lokale Zeitungen nannten sie \u201aM\u00e4rtyrer\u2018.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Lieber Flucht statt K\u00e4mpfer in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein solcher \u201eM\u00e4rtyrer\u201c wollte Abu Fazel allerdings nicht werden. Er floh eine Woche vor dem Beginn seiner dreimonatigen Kampfausbildung. Es war ihm lieber, ein Leben auf der Flucht zu verbringen, als in Syrien unschuldige Menschen f\u00fcr einen Diktator zu t\u00f6ten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch kam zu dem Schluss, dass ich nicht als M\u00f6rder weiterleben k\u00f6nnte. Stets dachte ich mir, dass selbst die schlimmsten Al-Qaida- oder IS-Terroristen Kinder haben k\u00f6nnten, die ihren Vater lieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Fazel verlor seinen eigenen Vater bereits sehr fr\u00fch. Er wurde Opfer des B\u00fcrgerkriegs in Afghanistan, der von 1989 bis 2001 tausende Menschen das Leben kostete. Auch der Iran mischte in der Zeit schon mit. Es ist allgemein bekannt, dass die schiitischen Hazara-Milizen, die den B\u00fcrgerkrieg ebenfalls mitanfachten, von der Regierung in Teheran unterst\u00fctzt wurden.<\/p>\n\n\n\n

Als Abu Fazel sich nun entschloss, aus der Gewaltspirale auszusteigen und nicht in Syrien zu k\u00e4mpfen, wuchs die Angst bei seiner Familie. Denn f\u00fcr die iranischen Beh\u00f6rden gilt: Hat man sich einmal gemeldet, gibt es kein zur\u00fcck. Man muss an die Front nach Syrien \u2013 oder wird zur\u00fcck nach Afghanistan abgeschoben, wo ebenfalls Krieg herrscht.<\/p>\n\n\n\n

Der einzige Ausweg f\u00fcr den jungen Afghanen war die Flucht. \u00dcber die T\u00fcrkei, Griechenland und die Balkranroute erreichte er mit gro\u00dfer M\u00fche Deutschland, wo er einen Asylantrag stellte.<\/p>\n\n\n\n

Erster Asylantrag in Deutschland abgelehnt<\/h2>\n\n\n\n

Als Grund nannte er seine Rekrutierung als Kindersoldat seitens des iranischen Regimes. Doch w\u00e4hrend diese Begr\u00fcndung in Abu Fazels Augen v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich war, sahen deutsche Beh\u00f6rden das anders. Sein erster Antrag wurde abgelehnt. Derzeit versucht er es ein zweites Mal. Die Bundesrepublik schiebt afghanische Gefl\u00fcchtete weiterhin ab.<\/p>\n\n\n\n

\"EinAbschiebung von Afghanen im Dezember 2016 mit einem Charterflug von Frankfurt nach Kabul. (dpa \/picture alliance \/ Boris Roessler)<\/p>\n\n\n\n

Die Verantwortlichen weisen in diesem Kontext immer wieder auf vermeintlich \u201esichere Gebiete\u201c im Land, die nicht n\u00e4her benannt werden.<\/p>\n\n\n\n

W\u00e4hrenddessen machen Menschenrechtsorganisationen regelm\u00e4\u00dfig darauf aufmerksam, dass keine Region am Hindukusch sicher ist. Stattdessen wird in manchen Gebieten nur weniger Krieg gef\u00fchrt als in anderen.<\/p>\n\n\n\n

\"SieDemonstranten protestieren in Frankfurt am Main gegen die Abschiebung von Afghanen. Auf einem der Transparente steht \u201eAfghanistan is not safe\u201c. (AFP \/ Daniel Roland)<\/p>\n\n\n\n

Alis Vater und Onkel k\u00e4mpfen in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein \u00e4hnliches Schicksal wie Abu Fazel erlitt der 18-j\u00e4hrige Ali (Namen ge\u00e4ndert). Auch er floh aus dem Iran nach Deutschland, um der Rekrutierung f\u00fcr Assads Milizen zu entgehen. Viele seiner afghanischen Freunde sind bereits nach Syrien gezogen \u2013 und kamen niemals zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Alis Familie, ebenfalls Angeh\u00f6rige der Hazara-Minderheit, stammt urspr\u00fcnglich aus der Provinz Ghor im Nordosten Afghanistans. Ihre Heimat verlie\u00dfen sie w\u00e4hrend der sowjetischen Besatzung in den 1980er-Jahren.<\/p>\n\n\n\n

Seit jeher lebt die Familie in der iranischen Gro\u00dfstadt Maschhad. Als der Krieg in Syrien ausbrach, erreichte sie ein Konflikt, mit dem sie nicht gerechnet hatten. Im Juli 2015 reiste Alis Vater nach Teheran. Er wollte einen Weg finden, um f\u00fcr seine Familie Aufenthaltspapiere zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Beh\u00f6rden sagten ihm, dass die Rekrutierung f\u00fcr den Krieg in Syrien eine M\u00f6glichkeit darstellen k\u00f6nnte, um Papiere f\u00fcr uns alle zu erhalten. Andernfalls w\u00fcrde man uns sehr bald nach Afghanistan abschieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Mittlerweile k\u00e4mpfen Alis Vater und sein Onkel seit \u00fcber einem Jahr in Syrien. Am Aufenthaltsstatus seiner Familienmitglieder hat sich bis heute allerdings nichts ge\u00e4ndert. F\u00fcr Ali ist klar, dass dies nur eine Falle gewesen ist, um noch mehr Afghanen als Kanonenfutter zu missbrauchen.<\/p>\n\n\n\n

Anfangs gab es Papiere f\u00fcr K\u00e4mpfer-Familien<\/h2>\n\n\n\n

Den Kontakt zu seinem Vater hat der Afghane mittlerweile verloren. W\u00e4hrenddessen schickt ihm sein Onkel, der in Aleppo stationiert ist, hin und wieder Bilder \u00fcber den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ali denkt, dass nur sehr wenige Afghanen der Propaganda der iranischen Regierung glauben und in Syrien f\u00fcr eine \u201egute Sache\u201c k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

Source<\/a><\/p>\n","post_title":"Warum Afghanen in Syrien f\u00fcr Assad k\u00e4mpfen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"warum-afghanen-in-syrien-fur-assad-kampfen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3709","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3706,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:27:40","post_date_gmt":"2020-08-13 21:27:40","post_content":"\n

Kinder, Frauen, Jesiden \u2013 wer \u00fcberlebt hat, berichtet von Folter, Vergewaltigungen und Gehirnw\u00e4sche. Rund drei Jahre dauerte die Schreckensherrschaft der IS-Miliz in Syrien und Irak. Der Wiederaufbau wird l\u00e4nger dauern und mehr umfassen als H\u00e4user.<\/p>\n\n\n\n

Der Fluss Tigris durchzieht die zweitgr\u00f6\u00dfte Stadt des Iraks und teilt Mosul in Ost und West. Das Westufer ist von Zerst\u00f6rung gezeichnet, die Altstadt nicht mehr als eine einzige graue Tr\u00fcmmerlandschaft. Seit den letzten Bombardements im Juli 2017 kann hier niemand mehr wohnen.<\/p>\n\n\n\n

Die Nouri-Moschee, von deren Kanzel Abu Bakr al-Baghdadi im Juli 2014 sein Kalifat ausrief, hatte die IS-Miliz auf ihrem R\u00fcckzug vorsorglich selbst in die Luft gesprengt, um den Gegnern diesen besonderen Triumph zu verwehren.<\/p>\n\n\n\n

\"ImIm Juli 2017 erobert die irakische Armee Mossul zur\u00fcck. Ruinen sind zu sehen. Ein K\u00e4mpfer der IS-Miliz hat sich ergeben. (Imago \/ Carol Guzy)<\/p>\n\n\n\n

Es ist fraglich, ob die Altstadt dem Original getreu wieder aufgebaut werden kann. Bagdad will demn\u00e4chst \u2013 im Rahmen einer gro\u00dfen Wiederaufbau-Konferenz \u2013 bekannt geben, welche Pl\u00e4ne es hat. Derzeit gilt als gro\u00dfer Fortschritt, dass die Tr\u00fcmmerlandschaft in Teilen wieder begehbar ist \u2013 nachdem mit internationaler Hilfe zahllose Sprengs\u00e4tze beseitigt wurden.<\/p>\n\n\n\n

In Ost-Mossul gibt es weniger Zerst\u00f6rungen<\/h2>\n\n\n\n

J\u00fcngste Sch\u00e4tzungen der Vereinten Nationen besagen, dass es noch Jahre dauern wird, bis alle Minen ger\u00e4umt sind. Solange werden die einstigen Bewohner nicht zur\u00fcckkehren k\u00f6nnen. Manche von ihnen haben Gl\u00fcck im Ungl\u00fcck: Sie haben \u00fcberlebt und sind auf der anderen Seite des Tigris untergekommen, im Osten der Stadt. Der war schon im Januar 2017 von den Terroristen befreit worden. Erstaunlich ist: Dieser Teil Mosuls wirkt fast so, als w\u00e4re der \u201eIS\u201c niemals hier gewesen und als h\u00e4tte es keinen Krieg gegeben.<\/p>\n\n\n\n

\"ImIm Osten Mossuls gibt es weniger Zerst\u00f6rungen als im Westteil. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

Die Zerst\u00f6rungen beschr\u00e4nken sich auf strategisch-wichtige Punkte oder Geb\u00e4ude, in denen sich die Terroristen verschanzt hatten: Br\u00fccken, Moscheen, Krankenh\u00e4user. Doch im Basar herrscht fast so etwas wie Normalit\u00e4t. An St\u00e4nden kaufen Menschen ein \u2013 Obst, Gem\u00fcse, Reis und Nudeln, Backwaren. Kinder schlecken ein Eis. Abu Muhammad, ein ehemaliger Physiklehrer, erkl\u00e4rt, warum der Basar so anders ist als erwartet:<\/p>\n\n\n\n

\u201eDas Leben hatte nie aufgeh\u00f6rt in Mosul. Wir haben weitergelebt. Drei Jahre wurden wir vom \u201aIS\u2018 beherrscht, doch die normalen Leute hatten nichts damit zu tun. Daher kam der Alltag schnell zur\u00fcck. Die Soldaten sind gekommen, haben den Basar wieder aufgemacht und das Leben ging weiter.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Im Osten findet sich heute all das wieder, was die Terror-Miliz unterdr\u00fcckt hatte und bei Missachtung grausam ahndete: Musik in Restaurants und Caf\u00e9s; Sim-Karten f\u00fcr Handys; Internet; Fris\u00f6re, die Haare schneiden, B\u00e4rte stutzen oder gar abrasieren. Und doch: Trotz des lebendigen Treibens wirken Angst und Schrecken nach. Abu Muhammad, fr\u00fch ergraut, erinnert sich:<\/p>\n\n\n\n

\u201eWir haben uns gef\u00fchlt wie zwischen Leben und Tod. Irgendwo dazwischen. Sie haben vom \u201aIS\u2018 geh\u00f6rt; wir haben ihn erlebt: Wir haben erlebt, wie sie mordeten, wie sie Leute aufh\u00e4ngten, wir haben den Krieg erlebt. Wir haben alles gesehen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Mohammed stammt aus dem zerst\u00f6rten Westen der Stadt. Er wohnt heute im Osten. Verwandte haben ihn und seine Familie aufgenommen. So wie ihm ergeht es auch anderen Vertriebenen. Sie leben bei Verwandten und Freunden. Oder in einem der vielen Lager. 700.000 Menschen haben ihr Zuhause verloren \u2013 eine Zahl, die f\u00fcr West-Mosul gilt. Insgesamt gehen die Vereinten Nationen von fast sechs Millionen Menschen aus, die im Irak vor dem \u201aIS\u2018 geflohen sind \u2013 die H\u00e4lfte von ihnen bis heute fern von ihrem Zuhause.<\/p>\n\n\n\n

Binnenfl\u00fcchtlinge im Lager Khabartu<\/h2>\n\n\n\n

Zelte soweit das Auge reicht. Abertausende. Inmitten von Steppe. Das Leben der Menschen ist hart. Sie darben, frieren und verdorren \u2013 wenn im Winter der kalte Wind durch die Steppe fegt und im Sommer die Sonne niederbrennt. Doch sie harren aus, haben wenig Hoffnung auf baldige R\u00fcckkehr. Die meisten kamen 2014 \u2013 hierher, ins Lager Khabartu in Irakisch-Kurdistan.<\/p>\n\n\n\n

\"DasDas Lager Khabartu f\u00fcr irakische Binnenfl\u00fcchtlinge. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

2014, als der \u201eIS\u201c den Nord-Irak \u00fcberfiel. In einem der Zelte lebt auch die Familie von Thomas Abdallah Hammou. Thomas war auf der Flucht von seiner Familie getrennt und von den Dschihadisten verschleppt worden. Damals war er acht Jahre alt. Ein Kind. Drei Jahre blieb er in Geiselhaft, lebte in Mosul.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollten nicht, dass wir spielen. Sie mochten es nicht. Ich habe keine Schule besucht, aber sie gaben uns Koran-Unterricht. Jeden Tag.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas musste seinem eigenen, dem jesidischen Glauben abschw\u00f6ren. Weil der \u201eIS\u201c die Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c betrachtet. Und \u201eUngl\u00e4ubige\u201c, so die Auffassung der Terroristen, m\u00fcssen zwangsbekehrt werden. Oder get\u00f6tet. Die Terroristen hatten dementsprechend die Jesiden entweder an Ort und Stelle ermordet, die meisten im Sinjar, im alten Siedlungsgebiet der Jesiden im Nord-Irak. Tausende. 47 Massengr\u00e4ber sollen mittlerweile gefunden worden sein. Oder aber die Terroristen lie\u00dfen die Jesiden am Leben und nahmen sie in Geiselhaft. Sie machten aus ihnen Sexsklavinnen oder sie bildeten sie aus \u2013 zu Selbstmordattent\u00e4tern. Wie Thomas.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie haben uns st\u00e4ndig geschlagen. Wir mussten Schie\u00dfen \u00fcben. Zwei meiner Freunde haben sich in die Luft gesprengt. Sie sind zum Training. Doch sie kamen nicht zur\u00fcck. Ich war nicht traurig. Sie wollten sich ja in die Luft sprengen. Die \u201aIS\u2018-Leute hatten es nicht von ihnen verlangt. Sie sind freiwillig gegangen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas hat heute einen modernen Haarschnitt; der Nacken ist ausrasiert; der lange Pony in die Stirn gek\u00e4mmt. Im Sommer sah er noch anders aus, kurz nachdem Mosul befreit worden war. Bei einem Luftangriff der Anti-\u201eIS\u201c-Koalition wurde Thomas schwer verletzt aus Tr\u00fcmmern geborgen, dann operiert.<\/p>\n\n\n\n

\"ThomasThomas erholt sich von drei Jahren IS-Gefangenschaft. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

Arbeit mit \u201eDschihadisten-Kindern\u201c<\/h2>\n\n\n\n

Die \u00e4u\u00dferen Wunden sind heute verheilt. Doch wie sieht es aus mit den inneren, den seelischen Verletzungen? Thomas wurde von seiner Familie aufgenommen und bekommt Hilfe. Andere Kinder konnten nicht aufgefangen werden. Bis heute betrachten sie Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c \u2013 so wie es ihnen in der Geiselhaft eingeh\u00e4mmert wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie sind eine gro\u00dfe Gefahr f\u00fcr andere Kinder. Sie leben in Lagern, in einem Zelt, auf sechs mal vier Metern, oder noch weniger! Acht Geschwister, sie spielen zusammen, reden, sie indoktrinieren die anderen! Das ist ein Problem, das wir nicht l\u00f6sen k\u00f6nnen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Sara Hassan ist Sozialarbeiterin. Sie arbeitet in den Lagern, versucht M\u00e4dchen und Frauen, die jahrelang in Geiselhaft vergewaltigt wurden, zu helfen. Unz\u00e4hlige hatte der \u201eIS\u201c einst entf\u00fchrt. Sara arbeitet auch mit den sogenannten \u201eDschihadisten-Kindern\u201c. Sie erz\u00e4hlt, wie \u00fcberfordert alle seien: die Familien, die jesidische Gemeinschaft, die Gesellschaft des Nord-Irak.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIn einem anderen Fall hat sich die Familie am Ende an die Sicherheitskr\u00e4fte gewandt. Doch die wussten auch nicht, wie sie damit umgehen sollten. Monate lang hat die Familie versucht, den Jungen umzuerziehen, zusammen mit Sozialarbeitern. Aber noch immer sehen wir den Hass in seinen Augen \u2013 gegen\u00fcber Kurden, Christen und Jesiden. Als blicke man in die Augen eines IS-Terroristen. Das ist das Problem.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Die Jesiden k\u00f6nnen \u00fcber ihre vom \u201eIS\u201c indoktrinierten Kinder sprechen. Denn niemand zweifelt daran, dass sie Opfer der Tyrannei wurden. Bei den sunnitischen Arabern sieht das anders aus. Da sie derselben Religionsgruppe angeh\u00f6ren wie formal auch die Terroristen, stehen sie unter Generalverdacht, mit dem \u201eIS\u201c gemeinsame Sache gemacht zu haben. Sunnitische Araber trauen sich daher nicht, die Probleme ihrer Kinder \u00f6ffentlich zu machen \u2013 auch wenn sie selbst nichts mit dem \u201eIS\u201c zu tun hatten.<\/p>\n\n\n\n

Unklar ist, wie viele Kinder und Jugendliche im Irak und in Syrien zu Terroristen ausgebildet wurden, dabei noch in Geiselhaft sind oder bereits als \u201eSchl\u00e4fer\u201c darauf warten, zum Einsatz zu kommen. Sie gleichen \u201etickenden Zeitbomben\u201c, die jederzeit explodieren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

Minderheiten haben Angst vor \u201eIS\u201c-Nachfolgern<\/h2>\n\n\n\n

Kamaran Palani spricht davon, dass viele Menschen immer noch gehen wollen, obwohl der \u201eIS\u201c als staats\u00e4hnliches Gebilde nicht mehr besteht. Seine Saat aber, so der Politikwissenschaftler, sei aufgegangen.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollen einfach nicht in diesem Land bleiben. Der IS hat sie dazu gebracht. Jeder hat heute Angst, dass eine andere Organisation kommen wird, Terroristen, die dasselbe anrichten wie zuvor.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Palani forscht am \u201eMiddle East Research Institute\u201c, das seinen Sitz in Erbil hat, der Hauptstadt von Irakisch-Kurdistan. <\/p>\n\n\n\n

\u201e60 bis 65 Prozent der Christen wollen gehen. Das Gleiche gilt f\u00fcr andere Minderheiten: f\u00fcr Jesiden, Schabaks, Turkmenen, Kakais.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

\u201eWir werden niemals wieder mit den Arabern zusammenleben k\u00f6nnen!\u201c \u2013 ein Satz, der heute h\u00e4ufig im Nord-Irak zu h\u00f6ren ist. Gemeint sind die Iraker, die Sunniten und Araber sind \u2013 die einstmals Nachbarn von Jesiden, Christen und Kurden waren \u2013 mit denen man Handel trieb und Hochzeiten feierte, die auch Freunde waren.<\/p>\n\n\n\n

Der Irak ist eine multi-ethnische und multi-religi\u00f6se Gesellschaft, in der die Schiiten die Mehrheit stellen. \u00dcber Jahrhunderte aber hatten die sunnitischen Araber das Sagen, sie missbrauchten die Macht, errichteten ein Schreckensregime \u2013 bis 2003, als Diktator Saddam Hussein von den USA gest\u00fcrzt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c entstand aus Widerstand gegen Schiiten-Herrschaft<\/h2>\n\n\n\n

Jetzt wurde der Spie\u00df umgedreht. Die Amerikaner sorgten daf\u00fcr, dass die Sunniten jegliche Machtposition verloren \u2013 so wurde die irakische Armee, wurde die baathistische Partei aufgel\u00f6st \u2013 ohne ein Pendant zu schaffen, das alle integrierte. Und: Washington unterst\u00fctzte Regierungschef Nouri al-Maliki, einen Schiiten. Maliki sah eine historische Chance gekommen, diskriminierte nun seinerseits seine sunnitischen Landsleute, verwehrte ihnen im \u201eNeuen Irak\u201c die Mitsprache. Im Regime Malikis wurden Sunniten inhaftiert, gefoltert und umgebracht.<\/p>\n\n\n\n

Was viele in den Widerstand trieb. Einige schlossen sich der Terror-Organisation \u201eAl-Qaida\u201c an, unter ihnen f\u00fchrende Milit\u00e4rs der aufgel\u00f6sten Armee Saddam Husseins \u2013 und aus \u201eAl-Qaida\u201c ging sp\u00e4ter der \u201eIS\u201c hervor.<\/p>\n\n\n\n

Als der \u201eIS\u201c dann im Sommer 2014 fast ohne Gegenwehr weite Landstriche in Syrien und im Irak \u00fcberrannte und seinen \u201eStaat\u201c ausrief, sahen auch gew\u00f6hnliche sunnitische Araber einen Wechsel nahen. Viele machten gemeinsame Sache mit den Terroristen, verhinderten die Flucht jesidischer Nachbarn, lieferten sie ihren Schl\u00e4chtern aus. Kamaran Palani:<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c-K\u00e4mpfer haben gesagt, es gehe darum, die W\u00fcrde der sunnitischen Araber wiederherzustellen. Ihre Macht. Ihre Geschichte. Tats\u00e4chlich konnten es die Araber nicht hinnehmen, dass sie ins Abseits gedr\u00e4ngt wurden. Und ich denke, dass sie auch in Zukunft so handeln werden. Wann immer sich die Gelegenheit bietet: Sie werden alles hinter sich lassen \u2013 sich nur darauf konzentrieren.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Misstrauen. Auch bei einem Politikwissenschaftler. Was also tun? Zerst\u00f6rte St\u00e4dte und D\u00f6rfer k\u00f6nnten wieder aufgebaut werden \u2013 wenn denn ein gemeinsamer Wille best\u00fcnde. Doch was, wenn es einen solchen gemeinsamen Willen gar nicht gibt? Wenn Schmerz und Trauer anhalten, wenn die Verbrechen von Terroristen und Helfershelfern nicht geahndet werden, wenn Angst umgeht, Misstrauen und Hass das Miteinander bestimmen.<\/p>\n\n\n\n

\"SyrischeSoldaten in der irakischen Stadt Sindschar nach der R\u00fcckeroberung von der IS-Miliz Ende 2015. (dpa \/ MAXPPP \/ Arnaud Dumontier)<\/p>\n\n\n\n

Kamaran Palani stammt aus der Stadt Makhmour. Drei Tage nur sei der \u201eIS\u201c dort gewesen, sagt er, doch diese Tage h\u00e4tten alles ver\u00e4ndert. Der \u201eIS\u201c habe die Menschen in seiner Heimatstadt verrohen lassen, meint er, das Verh\u00e4ltnis zwischen Kurden und Arabern sei heute tot. Eine R\u00fcckkehr in alte Zeiten h\u00e4lt Palani f\u00fcr falsch.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch denke, es w\u00e4re nicht einfach, in das Jahr 2014 \u2013 also in die Zeit vor dem \u201aIS\u2018 \u2013 zur\u00fcckzukehren. Vor allem aber w\u00e4re es nicht die richtige Politik. Denn eben die hat ja erst zum Aufkommen, zur Existenz des \u201aIS\u2018 gef\u00fchrt.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n


Wie also in Ruinen Neues schaffen? Der Staat muss das Gewaltmonopol zur\u00fcckerlangen, fordert der Politikwissenschaftler. F\u00fcr ihn steht das an erster Stelle. Und dann m\u00fcsse der Staat dringend einen Kurswechsel vornehmen: Er m\u00fcsse integrativ wirken, alle einbinden, auch die Araber, in Sicherheitskr\u00e4fte, Verwaltung und Politik.<\/p>\n\n\n\n

Machtmonopol m\u00fcsste von Milizen zum Staat gehen<\/h2>\n\n\n\n

Die Realit\u00e4t sieht anders aus: Ein Staat Kurdistan, der neue Optionen m\u00f6glich gemacht h\u00e4tte, auch von den Minderheiten gew\u00fcnscht worden war, ist nicht entstanden. Bagdad aber ist fern, der Zentralstaat kaum existent, und wenn, dann ist er schiitisch dominiert. Es sind Milizen, die im Nord-Irak das Geschehen bestimmen, darum rivalisieren, das Machtvakuum zu f\u00fcllen, das durch die Vertreibung des \u201eIS\u201c entstanden ist. Einst im Kampf gegen die Terroristen geeint, sind die Milizen einander heute feind.<\/p>\n\n\n\n

Allen voran die \u201eHashd ash-Shaabi\u201c, schiitisch-irakische Milizen, deren Ausbilder und Kommandeure h\u00e4ufig Iraner sind. Bagdad hat die Haschd als regul\u00e4re Kraft im Kampf gegen den \u201eIS\u201c anerkannt \u2013 obwohl Menschenrechts-Organisationen schwere Vorw\u00fcrfe gegen sie erheben. Fest steht: Die schiitischen Milizen halten D\u00f6rfer besetzt, sind in Mosul f\u00fcr ihr herrisches Auftreten und ihre Willk\u00fcr bekannt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eTats\u00e4chlich sorgen die verschiedenen bewaffneten Gruppen daf\u00fcr, dass die Fl\u00fcchtlinge nicht zur\u00fcckkehren. Und weil sie nicht zur\u00fcckkehren, gibt es auch keinen Wiederaufbau. Die Menschen haben Angst vor den Milizen \u2013 auch davor, dass die einander bek\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die \u201eHashd\u201c m\u00fcssten mithin abziehen. Und mit ihnen die anderen Milizen. Das Machtmonopol m\u00fcsste an den Staat gehen. Doch der Irak ist auch Spielball der Regionalm\u00e4chte: Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien. Sie konkurrieren um Einfluss-Sph\u00e4ren, bedienen sich dabei verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Gruppen im Irak. Deswegen werden die Hashd nicht abziehen. Derzeit sind sie von der iranisch-irakischen Grenze im Osten \u00fcber Bagdad bis hoch zur irakisch-syrischen Grenze im Norden postiert. Einheiten Teherans k\u00f6nnten demnach auf dem Landweg vom Iran bis ans Mittelmeer durchmarschieren.<\/p>\n\n\n\n

Iran und Saudi-Arabien wollen Macht vergr\u00f6\u00dfern<\/h2>\n\n\n\n

Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n

In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n

Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3703,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:24:20","post_date_gmt":"2020-08-13 21:24:20","post_content":"\n

Deutschland str\u00e4ubt sich gegen die R\u00fcckkehr seiner eigenen Staatsb\u00fcrger, die zu IS-Terroristen wurden. Dabei hat die Bundesrepublik den Terror und die Terroristen einst exportiert. Und dies geschah wissentlich, sagt der Islamwissenschaftler Fabian Goldmann.<\/p>\n\n\n\n

Wann haben Sie sich eigentlich zuletzt von deutschen Terroristen distanziert? Zum Beispiel von Robert B.? Der Ex-Bundeswehrsoldat aus Solingen hat mutma\u00dflich bei einem Selbstmordattentat Anfang 2014 50 Menschen mit in den Tod gerissen. <\/p>\n\n\n\n

Oder von Yannik N.? Der junge Freiburger steuerte wahrscheinlich im Jahr 2015 einen mit anderthalb Tonnen Sprengstoff beladenen LKW in eine Menschenmenge und nahm so Dutzenden Personen das Leben.<\/p>\n\n\n\n

Oder von Yamin A.?. Im Sommer 2015 tauchte im Netz ein Video auf, das zeigte, wie der ehemalige Telekom-Azubi aus K\u00f6nigswinter zwei gefesselten Soldaten in den Kopf schoss.
Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Deutsche T\u00e4ter, aber kaum deutsche Opfer<\/h2>\n\n\n\n

Hauptsache nicht bei uns! Dies scheint auch dieser Tage wieder die Maxime zu sein, wenn Politiker und \u00d6ffentlichkeit \u00fcber den Umgang mit deutschen Terroristen diskutieren. Von potenziellen Bedrohungen und Anschlagsgefahren in Deutschland liest man dann. Vom ganz realen Terror, den Deutsche in den vergangenen Jahren \u00fcber die Menschen in Syrien und Irak gebracht haben, h\u00f6rt man hingegen kaum. Ein Terror, der kaum deutsche Opfer aber umso mehr deutsche T\u00e4ter kannte.<\/p>\n\n\n\n

1.050 \u2013 das ist laut Bundesinnenministerium die Anzahl der Dschihadisten, die in den letzten Jahren die Bundesrepublik in Richtung Nahost verlassen hat. Es f\u00e4llt schwer, sich umgekehrtes Szenario \u00fcberhaupt auszumalen. Was w\u00e4re wohl los, h\u00e4tte es nur ein Bruchteil arabischer Terroristen geschafft, bei uns Anschl\u00e4ge zu begehen? Europas \u201eMuslim Bann\u201c? \u00dcberwachungsstaat auf NSA-Niveau?<\/p>\n\n\n\n

Die CSU st\u00fcnde wom\u00f6glich am linken Ende des politischen Spektrums, und auf Twitter w\u00fcrde Trump deutsche Migrationspolitiker zur M\u00e4\u00dfigung aufrufen. Der deutsche Terror in Nahost kommt hingegen seit Jahren ganz ohne Sondersendungen, politische Debatten und Distanzierungsforderungen aus. <\/p>\n\n\n\n

Deutsche K\u00e4mpfer waren nicht nur willenloses Kanonenfutter<\/h2>\n\n\n\n

An fehlendem Wissen liegt das nicht. Von ganzen Einheiten des IS, in denen kein einziger K\u00e4mpfer Arabisch spreche, berichten syrische, irakische und kurdische Soldaten schon seit Jahren. Von Aleppo \u00fcber Raqqa bis Mossul haben Aktivisten und Politiker immer wieder darauf hingewiesen, dass viele der schlimmsten M\u00f6rder in den Reihen des IS Europ\u00e4er sind. Interessiert hat das hier kaum jemand.<\/p>\n\n\n\n

Dabei dienten Deutsche dem Islamischen Staats nicht nur als willenloses Kanonenfutter, wie es oft dargestellt wird. Viele haben seinen Terror mitgepr\u00e4gt. Wie Martin L., der derzeit in kurdischer Haft sitzt. Der Schwei\u00dfer aus Sachsen-Anhalt soll sich vom Folterknecht bis zum Geheimdienstler mit Kontakten bis in die F\u00fchrungsspitze der Terrororganisation hochgearbeitet haben.<\/p>\n\n\n\n

Oder Reda S., Der Prediger aus Berlin-Charlottenburg soll dem IS in Mossul als Bildungsminister gedient haben. Oder der Berliner Ex-Rapper Denis Cuspert, der zu den wichtigsten Personen in der IS-Medienorganisation Al-Hayat geh\u00f6rte. Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Beh\u00f6rden wussten gut Bescheid<\/h2>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich entstand der Islamische Staat nicht in deutschen Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen. Zur deutschen Verantwortung geh\u00f6rt aber auch, dass Politiker und Beh\u00f6rden lange wegschauten, solang nur die T\u00e4ter, aber nicht die Opfer Deutsche waren. Beh\u00f6rden wissen und wussten erschreckend gut Bescheid \u00fcber die Radikalisierung deutscher Islamisten. Ein Gro\u00dfteil der sp\u00e4teren IS-K\u00e4mpfer war polizeibekannt, stand auf Gef\u00e4hrderlisten oder hatte wegen islamistischer Straftaten bereits Haftstrafen verb\u00fc\u00dft. An der Ausreise gehindert wurden sie oftmals dennoch nicht. Die Gefahr, die von deutschen Terroristen ausgeht, interessierte Politik und \u00d6ffentlichkeit erst dann wieder, als ihre Einreise drohte.<\/p>\n\n\n\n

\"Fabian
Fabian Goldmann<\/strong> ist Journalist und Islamwissenschaftler. F\u00fcr verschiedene Magazine und Zeitungen berichtete er viele Jahre aus Nahost. Zurzeit widmet er sich vor allem dem Islam diesseits des Bosporus. Auf seinem Blog Schantall und die Scharia<\/a> bloggt er \u00fcber Islamophobie in Deutschland.<\/p>\n","post_title":"Es sind unsere Terroristen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"es-sind-unsere-terroristen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3703","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3700,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:19:36","post_date_gmt":"2020-08-13 21:19:36","post_content":"\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda? Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda t<\/p>\n\n\n\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda tritt an die Stelle der 2010 verabschiedeten Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014 (siehe IP\/10\/1535<\/a>). In der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda f\u00fcr den Zeitraum 2015-2020 skizziert die Europ\u00e4ische Kommission die Strategie der Union zur Bew\u00e4ltigung der Sicherheitsbedrohungen in der EU.<\/p>\n\n\n\n

Die EU und ihre Mitgliedstaaten sind mit betr\u00e4chtlichen Sicherheitsproblemen konfrontiert. Terrorismus, organisierte Kriminalit\u00e4t und Cyberkriminalit\u00e4t stellen eine zunehmende Gefahr f\u00fcr die europ\u00e4ische Gesellschaft dar, wobei sich Art und Ausma\u00df dieser Gefahr ver\u00e4ndert hat. Europa ist mit den Auswirkungen der politischen Instabilit\u00e4t in seiner unmittelbaren Nachbarschaft konfrontiert, die die Sicherheitsinteressen der EU gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n

Im Zuge der Krisen und Konflikte in Syrien, Irak und Libyen haben sich europ\u00e4ische B\u00fcrger terroristischen Gruppen angeschlossen, die bei ihrer R\u00fcckkehr eine erhebliche Bedrohung darstellen k\u00f6nnen. Die j\u00fcngsten terroristischen Anschl\u00e4ge in Europa zeugen von der zunehmenden Bedrohung durch einen gewaltt\u00e4tigen Extremismus und zeigen, in welchem Ausma\u00df weltweite Konflikte zur Radikalisierung der europ\u00e4ischen B\u00fcrger beitragen.<\/p>\n\n\n\n

Das Online-Umfeld hat sich zunehmend als Ziel f\u00fcr Kriminelle und Terroristen entwickelt. Unabh\u00e4ngig davon, ob es um die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und die Anwerbung von Menschen f\u00fcr terroristische Organisationen geht oder die Verbreitung von Hass oder einen Angriff auf die europ\u00e4ischen Werte und Institutionen, fest steht, dass wir unsere Reaktion auf diese Bedrohungen unbedingt abstimmen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Welcher Mehrwert entsteht durch die EU im Bereich der inneren Sicherheit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Gew\u00e4hrleistung der inneren Sicherheit f\u00e4llt weiterhin in erster Linie in die Zust\u00e4ndigkeit der Mitgliedstaaten. Allerdings werden die Bedrohungen f\u00fcr Europas B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger immer vielf\u00e4ltiger und betreffen in zunehmendem Ma\u00dfe mehrere Mitgliedstaaten. Einzelne Mitgliedstaaten haben die Verantwortung, die Sicherheit an den Au\u00dfengrenzen zu gew\u00e4hrleisten, sind aber nicht mehr in der Lage, diese Herausforderungen allein zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n

Kriminelle und terroristische Aktivit\u00e4ten machen nicht an den Grenzen der EU halt und beschr\u00e4nken sich auch nicht auf Nachbarregionen. Die innere Sicherheit der EU und die globale Sicherheit sind voneinander abh\u00e4ngig und miteinander verkn\u00fcpft. Die Sicherheit der Union h\u00e4ngt in hohem Ma\u00dfe von der Zusammenarbeit mit ihren internationalen Partnern und ihren Nachbarl\u00e4ndern ab.<\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t und des Terrorismus ist eine gemeinsame europ\u00e4ische Aufgabe. Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda sollte von den Mitgliedstaaten und den EU-Organen gemeinsam als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und gemeinsame Ma\u00dfnahmen der Union genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n

Mit Hilfe der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda werden die Polizei- und Strafverfolgungsdienste in verschiedenen Mitgliedstaaten Daten effektiver austauschen und bei der Bek\u00e4mpfung der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t besser zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Die Mitgliedstaaten k\u00f6nnen auf die Unterst\u00fctzung durch die Agenturen der EU z\u00e4hlen. Insbesondere in folgenden Punkten l\u00e4sst sich mit Hilfe der Sicherheitsagenda ein EU-Mehrwert erzielen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n

A) Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und den EU-Agenturen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1<\/strong>: Das Schengener Informationssystem<\/strong> (SIS) wird von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Abfrage von Ausschreibungen von gesuchten oder vermissten Personen und Gegenst\u00e4nden genutzt. Die Kommission wird an der Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Ausschreibungskategorien arbeiten und sich daf\u00fcr einsetzen, dass das SIS zusammen mit der Interpol-Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD)<\/strong> umfassender genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Fast drei Millionen Gefl\u00fcchtete aus Afghanistan sind inzwischen im Iran. Die meisten von ihnen leben in der Illegalit\u00e4t und werden als Schwarzarbeiter, etwa am Bau, ausgebeutet. Rassismus und Ausgrenzung geh\u00f6ren zu ihrem gesellschaftlichen Alltag. Kinder sind davon nicht ausgeschlossen. Im Gegenteil: Vielen afghanischen Kinderm ist es nicht erlaubt, staatliche Schulen zu besuchen. Abu Fazel wurde Zeit seines Lebens von dieser Diskrimierung beeinflusst und verfolgt.<\/p>\n\n\n\n

\u201e'Afghane\u2018 \u2013 das ist dort ein Schimpfwort. Ich h\u00f6rte es von klein auf immer wieder. Der Rassismus gegen Afghanen ist dort v\u00f6llig normal. Meine Herkunft, auf der ich eigentlich stolz war, ist im Iran stets eine Last gewesen. Wir sind dort B\u00fcrger zweiter Klasse.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung der afghanischen Gefl\u00fcchteten ist f\u00fcr Abu Fazel die Spitze jenes Rassismus, den er erlebt hat.<\/p>\n\n\n\n

Iran: Syrien vor sunnitischen Extremisten verteidigen<\/h2>\n\n\n\n

In Syrien k\u00e4mpfen neben den afghanischen Milizen auch andere paramilit\u00e4rische Gruppierungen im Auftrag des Irans: etwa die ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigten Revolutionsgarden, die einst Ayatollah Ruhollah Khomeini pers\u00f6nlich ins Leben rief oder die Basidsch-Milizen. Beiden Gruppierungen sind nicht nur in Syrien aktiv, sondern auch im Irak.<\/p>\n\n\n\n

Obowhl sich das syrische Regime von Baschar al-Assad als s\u00e4kular ausweist, wird es vom Iran, der sich als Repr\u00e4sentant aller muslimischen Schiiten betrachtet, unterst\u00fctzt. Gemeinsames Ziel in Syrien ist es: Schiiten vor sunnitische Extremisten zu verteidigen. Dennoch ist das Regime darauf bedacht, m\u00f6glichst wenig eigene K\u00e4mpfer nach Syrien zu schicken. \u00c4hnlich wie einst w\u00e4hrend des Krieges gegen Saddam Husseins Irak, setzt der Iran auf ausl\u00e4ndische K\u00e4mpfer.<\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung war wie eine Gehirnw\u00e4sche<\/h2>\n\n\n\n

Abu Fazels Familie geh\u00f6rt zur afghanischen Minderheit der schiitischen Hazara \u2013 wie viele Afghanen, die in den Iran gekommen sind. Mittlerweile k\u00e4mpfen Tausende von ihnen in Syrien. Der Iran bezahlt die Afghanen mit einem Sold von wenigen hundert Dollar pro Monat und verspricht ihren Familien eine Aufenthaltsgenehmigung oder eine Arbeitserlaubnis.<\/p>\n\n\n\n

An der Rekrutierung der Afghanen sind sowohl die Revolutionsgarden als auch die erw\u00e4hnten Basidsch-Milizen beteiligt. Abu Fazel beschreibt, wie das Viertel, in dem er gemeinsam mit seiner Familie in Teheran lebte, regelm\u00e4\u00dfig von den K\u00e4mpfern aufgesucht wurde. Viele afghanische Gefl\u00fcchtete lebten dort \u2013 und fielen auf die Gehirnw\u00e4sche der Rattenf\u00e4nger herein.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie trafen junge M\u00e4nner und Jugendliche in den Moscheen und \u00fcberredeten sie, gegen den IS oder Al Qaida zu k\u00e4mpfen. Die Gehirnw\u00e4sche war perfekt. Am Ende merkten viele, darunter auch ich, nicht einmal, dass wir in ihre Propaganda getappt waren. Ihre \u00dcberredungskunst war wirklich sehr speziell. Am Ende hat man Lust, nach Syrien zu gehen, um zu k\u00e4mpfen\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Erfolg hatten die Rekrutierer des Regimes auch bei Abu Fazels Cousin, der zum damaligen Zeitpunkt ebenfalls minderj\u00e4hrig gewesen ist. Er ging nach Syrien und k\u00e4mpfte unter der Flagge der \u201eLiwa Fatemiyoun\u201c, wie die afghanische Division auf Seiten Assads hei\u00dft. Offiziell ist die Aufgabe der Miliz die Verteidigung des Schreines von Zaynab im S\u00fcden von Damaskus. Zaynab war die Enkelin des islamischen Propheten Mohammad. Laut iranischen Staatsmedien k\u00e4mpfen mindestens 20.000 Afghanen in der Division.<\/p>\n\n\n\n

Im August 2014 entschloss sich auch Abu Fazel, nach Syrien zu gehen und zu k\u00e4mpfen. Im selben Monat wurde sein Cousin in der N\u00e4he von Aleppo im Kampf gegen syrische Rebellen get\u00f6tet.<\/p>\n\n\n\n

\u201eMein Cousin wurde dort get\u00f6tet. Auch andere Jungs aus unserer Gegend gingen nach Syrien und fielen dort. Lokale Zeitungen nannten sie \u201aM\u00e4rtyrer\u2018.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Lieber Flucht statt K\u00e4mpfer in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein solcher \u201eM\u00e4rtyrer\u201c wollte Abu Fazel allerdings nicht werden. Er floh eine Woche vor dem Beginn seiner dreimonatigen Kampfausbildung. Es war ihm lieber, ein Leben auf der Flucht zu verbringen, als in Syrien unschuldige Menschen f\u00fcr einen Diktator zu t\u00f6ten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch kam zu dem Schluss, dass ich nicht als M\u00f6rder weiterleben k\u00f6nnte. Stets dachte ich mir, dass selbst die schlimmsten Al-Qaida- oder IS-Terroristen Kinder haben k\u00f6nnten, die ihren Vater lieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Fazel verlor seinen eigenen Vater bereits sehr fr\u00fch. Er wurde Opfer des B\u00fcrgerkriegs in Afghanistan, der von 1989 bis 2001 tausende Menschen das Leben kostete. Auch der Iran mischte in der Zeit schon mit. Es ist allgemein bekannt, dass die schiitischen Hazara-Milizen, die den B\u00fcrgerkrieg ebenfalls mitanfachten, von der Regierung in Teheran unterst\u00fctzt wurden.<\/p>\n\n\n\n

Als Abu Fazel sich nun entschloss, aus der Gewaltspirale auszusteigen und nicht in Syrien zu k\u00e4mpfen, wuchs die Angst bei seiner Familie. Denn f\u00fcr die iranischen Beh\u00f6rden gilt: Hat man sich einmal gemeldet, gibt es kein zur\u00fcck. Man muss an die Front nach Syrien \u2013 oder wird zur\u00fcck nach Afghanistan abgeschoben, wo ebenfalls Krieg herrscht.<\/p>\n\n\n\n

Der einzige Ausweg f\u00fcr den jungen Afghanen war die Flucht. \u00dcber die T\u00fcrkei, Griechenland und die Balkranroute erreichte er mit gro\u00dfer M\u00fche Deutschland, wo er einen Asylantrag stellte.<\/p>\n\n\n\n

Erster Asylantrag in Deutschland abgelehnt<\/h2>\n\n\n\n

Als Grund nannte er seine Rekrutierung als Kindersoldat seitens des iranischen Regimes. Doch w\u00e4hrend diese Begr\u00fcndung in Abu Fazels Augen v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich war, sahen deutsche Beh\u00f6rden das anders. Sein erster Antrag wurde abgelehnt. Derzeit versucht er es ein zweites Mal. Die Bundesrepublik schiebt afghanische Gefl\u00fcchtete weiterhin ab.<\/p>\n\n\n\n

\"EinAbschiebung von Afghanen im Dezember 2016 mit einem Charterflug von Frankfurt nach Kabul. (dpa \/picture alliance \/ Boris Roessler)<\/p>\n\n\n\n

Die Verantwortlichen weisen in diesem Kontext immer wieder auf vermeintlich \u201esichere Gebiete\u201c im Land, die nicht n\u00e4her benannt werden.<\/p>\n\n\n\n

W\u00e4hrenddessen machen Menschenrechtsorganisationen regelm\u00e4\u00dfig darauf aufmerksam, dass keine Region am Hindukusch sicher ist. Stattdessen wird in manchen Gebieten nur weniger Krieg gef\u00fchrt als in anderen.<\/p>\n\n\n\n

\"SieDemonstranten protestieren in Frankfurt am Main gegen die Abschiebung von Afghanen. Auf einem der Transparente steht \u201eAfghanistan is not safe\u201c. (AFP \/ Daniel Roland)<\/p>\n\n\n\n

Alis Vater und Onkel k\u00e4mpfen in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein \u00e4hnliches Schicksal wie Abu Fazel erlitt der 18-j\u00e4hrige Ali (Namen ge\u00e4ndert). Auch er floh aus dem Iran nach Deutschland, um der Rekrutierung f\u00fcr Assads Milizen zu entgehen. Viele seiner afghanischen Freunde sind bereits nach Syrien gezogen \u2013 und kamen niemals zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Alis Familie, ebenfalls Angeh\u00f6rige der Hazara-Minderheit, stammt urspr\u00fcnglich aus der Provinz Ghor im Nordosten Afghanistans. Ihre Heimat verlie\u00dfen sie w\u00e4hrend der sowjetischen Besatzung in den 1980er-Jahren.<\/p>\n\n\n\n

Seit jeher lebt die Familie in der iranischen Gro\u00dfstadt Maschhad. Als der Krieg in Syrien ausbrach, erreichte sie ein Konflikt, mit dem sie nicht gerechnet hatten. Im Juli 2015 reiste Alis Vater nach Teheran. Er wollte einen Weg finden, um f\u00fcr seine Familie Aufenthaltspapiere zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Beh\u00f6rden sagten ihm, dass die Rekrutierung f\u00fcr den Krieg in Syrien eine M\u00f6glichkeit darstellen k\u00f6nnte, um Papiere f\u00fcr uns alle zu erhalten. Andernfalls w\u00fcrde man uns sehr bald nach Afghanistan abschieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Mittlerweile k\u00e4mpfen Alis Vater und sein Onkel seit \u00fcber einem Jahr in Syrien. Am Aufenthaltsstatus seiner Familienmitglieder hat sich bis heute allerdings nichts ge\u00e4ndert. F\u00fcr Ali ist klar, dass dies nur eine Falle gewesen ist, um noch mehr Afghanen als Kanonenfutter zu missbrauchen.<\/p>\n\n\n\n

Anfangs gab es Papiere f\u00fcr K\u00e4mpfer-Familien<\/h2>\n\n\n\n

Den Kontakt zu seinem Vater hat der Afghane mittlerweile verloren. W\u00e4hrenddessen schickt ihm sein Onkel, der in Aleppo stationiert ist, hin und wieder Bilder \u00fcber den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ali denkt, dass nur sehr wenige Afghanen der Propaganda der iranischen Regierung glauben und in Syrien f\u00fcr eine \u201egute Sache\u201c k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

Source<\/a><\/p>\n","post_title":"Warum Afghanen in Syrien f\u00fcr Assad k\u00e4mpfen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"warum-afghanen-in-syrien-fur-assad-kampfen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3709","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3706,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:27:40","post_date_gmt":"2020-08-13 21:27:40","post_content":"\n

Kinder, Frauen, Jesiden \u2013 wer \u00fcberlebt hat, berichtet von Folter, Vergewaltigungen und Gehirnw\u00e4sche. Rund drei Jahre dauerte die Schreckensherrschaft der IS-Miliz in Syrien und Irak. Der Wiederaufbau wird l\u00e4nger dauern und mehr umfassen als H\u00e4user.<\/p>\n\n\n\n

Der Fluss Tigris durchzieht die zweitgr\u00f6\u00dfte Stadt des Iraks und teilt Mosul in Ost und West. Das Westufer ist von Zerst\u00f6rung gezeichnet, die Altstadt nicht mehr als eine einzige graue Tr\u00fcmmerlandschaft. Seit den letzten Bombardements im Juli 2017 kann hier niemand mehr wohnen.<\/p>\n\n\n\n

Die Nouri-Moschee, von deren Kanzel Abu Bakr al-Baghdadi im Juli 2014 sein Kalifat ausrief, hatte die IS-Miliz auf ihrem R\u00fcckzug vorsorglich selbst in die Luft gesprengt, um den Gegnern diesen besonderen Triumph zu verwehren.<\/p>\n\n\n\n

\"ImIm Juli 2017 erobert die irakische Armee Mossul zur\u00fcck. Ruinen sind zu sehen. Ein K\u00e4mpfer der IS-Miliz hat sich ergeben. (Imago \/ Carol Guzy)<\/p>\n\n\n\n

Es ist fraglich, ob die Altstadt dem Original getreu wieder aufgebaut werden kann. Bagdad will demn\u00e4chst \u2013 im Rahmen einer gro\u00dfen Wiederaufbau-Konferenz \u2013 bekannt geben, welche Pl\u00e4ne es hat. Derzeit gilt als gro\u00dfer Fortschritt, dass die Tr\u00fcmmerlandschaft in Teilen wieder begehbar ist \u2013 nachdem mit internationaler Hilfe zahllose Sprengs\u00e4tze beseitigt wurden.<\/p>\n\n\n\n

In Ost-Mossul gibt es weniger Zerst\u00f6rungen<\/h2>\n\n\n\n

J\u00fcngste Sch\u00e4tzungen der Vereinten Nationen besagen, dass es noch Jahre dauern wird, bis alle Minen ger\u00e4umt sind. Solange werden die einstigen Bewohner nicht zur\u00fcckkehren k\u00f6nnen. Manche von ihnen haben Gl\u00fcck im Ungl\u00fcck: Sie haben \u00fcberlebt und sind auf der anderen Seite des Tigris untergekommen, im Osten der Stadt. Der war schon im Januar 2017 von den Terroristen befreit worden. Erstaunlich ist: Dieser Teil Mosuls wirkt fast so, als w\u00e4re der \u201eIS\u201c niemals hier gewesen und als h\u00e4tte es keinen Krieg gegeben.<\/p>\n\n\n\n

\"ImIm Osten Mossuls gibt es weniger Zerst\u00f6rungen als im Westteil. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

Die Zerst\u00f6rungen beschr\u00e4nken sich auf strategisch-wichtige Punkte oder Geb\u00e4ude, in denen sich die Terroristen verschanzt hatten: Br\u00fccken, Moscheen, Krankenh\u00e4user. Doch im Basar herrscht fast so etwas wie Normalit\u00e4t. An St\u00e4nden kaufen Menschen ein \u2013 Obst, Gem\u00fcse, Reis und Nudeln, Backwaren. Kinder schlecken ein Eis. Abu Muhammad, ein ehemaliger Physiklehrer, erkl\u00e4rt, warum der Basar so anders ist als erwartet:<\/p>\n\n\n\n

\u201eDas Leben hatte nie aufgeh\u00f6rt in Mosul. Wir haben weitergelebt. Drei Jahre wurden wir vom \u201aIS\u2018 beherrscht, doch die normalen Leute hatten nichts damit zu tun. Daher kam der Alltag schnell zur\u00fcck. Die Soldaten sind gekommen, haben den Basar wieder aufgemacht und das Leben ging weiter.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Im Osten findet sich heute all das wieder, was die Terror-Miliz unterdr\u00fcckt hatte und bei Missachtung grausam ahndete: Musik in Restaurants und Caf\u00e9s; Sim-Karten f\u00fcr Handys; Internet; Fris\u00f6re, die Haare schneiden, B\u00e4rte stutzen oder gar abrasieren. Und doch: Trotz des lebendigen Treibens wirken Angst und Schrecken nach. Abu Muhammad, fr\u00fch ergraut, erinnert sich:<\/p>\n\n\n\n

\u201eWir haben uns gef\u00fchlt wie zwischen Leben und Tod. Irgendwo dazwischen. Sie haben vom \u201aIS\u2018 geh\u00f6rt; wir haben ihn erlebt: Wir haben erlebt, wie sie mordeten, wie sie Leute aufh\u00e4ngten, wir haben den Krieg erlebt. Wir haben alles gesehen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Mohammed stammt aus dem zerst\u00f6rten Westen der Stadt. Er wohnt heute im Osten. Verwandte haben ihn und seine Familie aufgenommen. So wie ihm ergeht es auch anderen Vertriebenen. Sie leben bei Verwandten und Freunden. Oder in einem der vielen Lager. 700.000 Menschen haben ihr Zuhause verloren \u2013 eine Zahl, die f\u00fcr West-Mosul gilt. Insgesamt gehen die Vereinten Nationen von fast sechs Millionen Menschen aus, die im Irak vor dem \u201aIS\u2018 geflohen sind \u2013 die H\u00e4lfte von ihnen bis heute fern von ihrem Zuhause.<\/p>\n\n\n\n

Binnenfl\u00fcchtlinge im Lager Khabartu<\/h2>\n\n\n\n

Zelte soweit das Auge reicht. Abertausende. Inmitten von Steppe. Das Leben der Menschen ist hart. Sie darben, frieren und verdorren \u2013 wenn im Winter der kalte Wind durch die Steppe fegt und im Sommer die Sonne niederbrennt. Doch sie harren aus, haben wenig Hoffnung auf baldige R\u00fcckkehr. Die meisten kamen 2014 \u2013 hierher, ins Lager Khabartu in Irakisch-Kurdistan.<\/p>\n\n\n\n

\"DasDas Lager Khabartu f\u00fcr irakische Binnenfl\u00fcchtlinge. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

2014, als der \u201eIS\u201c den Nord-Irak \u00fcberfiel. In einem der Zelte lebt auch die Familie von Thomas Abdallah Hammou. Thomas war auf der Flucht von seiner Familie getrennt und von den Dschihadisten verschleppt worden. Damals war er acht Jahre alt. Ein Kind. Drei Jahre blieb er in Geiselhaft, lebte in Mosul.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollten nicht, dass wir spielen. Sie mochten es nicht. Ich habe keine Schule besucht, aber sie gaben uns Koran-Unterricht. Jeden Tag.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas musste seinem eigenen, dem jesidischen Glauben abschw\u00f6ren. Weil der \u201eIS\u201c die Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c betrachtet. Und \u201eUngl\u00e4ubige\u201c, so die Auffassung der Terroristen, m\u00fcssen zwangsbekehrt werden. Oder get\u00f6tet. Die Terroristen hatten dementsprechend die Jesiden entweder an Ort und Stelle ermordet, die meisten im Sinjar, im alten Siedlungsgebiet der Jesiden im Nord-Irak. Tausende. 47 Massengr\u00e4ber sollen mittlerweile gefunden worden sein. Oder aber die Terroristen lie\u00dfen die Jesiden am Leben und nahmen sie in Geiselhaft. Sie machten aus ihnen Sexsklavinnen oder sie bildeten sie aus \u2013 zu Selbstmordattent\u00e4tern. Wie Thomas.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie haben uns st\u00e4ndig geschlagen. Wir mussten Schie\u00dfen \u00fcben. Zwei meiner Freunde haben sich in die Luft gesprengt. Sie sind zum Training. Doch sie kamen nicht zur\u00fcck. Ich war nicht traurig. Sie wollten sich ja in die Luft sprengen. Die \u201aIS\u2018-Leute hatten es nicht von ihnen verlangt. Sie sind freiwillig gegangen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas hat heute einen modernen Haarschnitt; der Nacken ist ausrasiert; der lange Pony in die Stirn gek\u00e4mmt. Im Sommer sah er noch anders aus, kurz nachdem Mosul befreit worden war. Bei einem Luftangriff der Anti-\u201eIS\u201c-Koalition wurde Thomas schwer verletzt aus Tr\u00fcmmern geborgen, dann operiert.<\/p>\n\n\n\n

\"ThomasThomas erholt sich von drei Jahren IS-Gefangenschaft. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

Arbeit mit \u201eDschihadisten-Kindern\u201c<\/h2>\n\n\n\n

Die \u00e4u\u00dferen Wunden sind heute verheilt. Doch wie sieht es aus mit den inneren, den seelischen Verletzungen? Thomas wurde von seiner Familie aufgenommen und bekommt Hilfe. Andere Kinder konnten nicht aufgefangen werden. Bis heute betrachten sie Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c \u2013 so wie es ihnen in der Geiselhaft eingeh\u00e4mmert wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie sind eine gro\u00dfe Gefahr f\u00fcr andere Kinder. Sie leben in Lagern, in einem Zelt, auf sechs mal vier Metern, oder noch weniger! Acht Geschwister, sie spielen zusammen, reden, sie indoktrinieren die anderen! Das ist ein Problem, das wir nicht l\u00f6sen k\u00f6nnen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Sara Hassan ist Sozialarbeiterin. Sie arbeitet in den Lagern, versucht M\u00e4dchen und Frauen, die jahrelang in Geiselhaft vergewaltigt wurden, zu helfen. Unz\u00e4hlige hatte der \u201eIS\u201c einst entf\u00fchrt. Sara arbeitet auch mit den sogenannten \u201eDschihadisten-Kindern\u201c. Sie erz\u00e4hlt, wie \u00fcberfordert alle seien: die Familien, die jesidische Gemeinschaft, die Gesellschaft des Nord-Irak.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIn einem anderen Fall hat sich die Familie am Ende an die Sicherheitskr\u00e4fte gewandt. Doch die wussten auch nicht, wie sie damit umgehen sollten. Monate lang hat die Familie versucht, den Jungen umzuerziehen, zusammen mit Sozialarbeitern. Aber noch immer sehen wir den Hass in seinen Augen \u2013 gegen\u00fcber Kurden, Christen und Jesiden. Als blicke man in die Augen eines IS-Terroristen. Das ist das Problem.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Die Jesiden k\u00f6nnen \u00fcber ihre vom \u201eIS\u201c indoktrinierten Kinder sprechen. Denn niemand zweifelt daran, dass sie Opfer der Tyrannei wurden. Bei den sunnitischen Arabern sieht das anders aus. Da sie derselben Religionsgruppe angeh\u00f6ren wie formal auch die Terroristen, stehen sie unter Generalverdacht, mit dem \u201eIS\u201c gemeinsame Sache gemacht zu haben. Sunnitische Araber trauen sich daher nicht, die Probleme ihrer Kinder \u00f6ffentlich zu machen \u2013 auch wenn sie selbst nichts mit dem \u201eIS\u201c zu tun hatten.<\/p>\n\n\n\n

Unklar ist, wie viele Kinder und Jugendliche im Irak und in Syrien zu Terroristen ausgebildet wurden, dabei noch in Geiselhaft sind oder bereits als \u201eSchl\u00e4fer\u201c darauf warten, zum Einsatz zu kommen. Sie gleichen \u201etickenden Zeitbomben\u201c, die jederzeit explodieren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

Minderheiten haben Angst vor \u201eIS\u201c-Nachfolgern<\/h2>\n\n\n\n

Kamaran Palani spricht davon, dass viele Menschen immer noch gehen wollen, obwohl der \u201eIS\u201c als staats\u00e4hnliches Gebilde nicht mehr besteht. Seine Saat aber, so der Politikwissenschaftler, sei aufgegangen.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollen einfach nicht in diesem Land bleiben. Der IS hat sie dazu gebracht. Jeder hat heute Angst, dass eine andere Organisation kommen wird, Terroristen, die dasselbe anrichten wie zuvor.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Palani forscht am \u201eMiddle East Research Institute\u201c, das seinen Sitz in Erbil hat, der Hauptstadt von Irakisch-Kurdistan. <\/p>\n\n\n\n

\u201e60 bis 65 Prozent der Christen wollen gehen. Das Gleiche gilt f\u00fcr andere Minderheiten: f\u00fcr Jesiden, Schabaks, Turkmenen, Kakais.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

\u201eWir werden niemals wieder mit den Arabern zusammenleben k\u00f6nnen!\u201c \u2013 ein Satz, der heute h\u00e4ufig im Nord-Irak zu h\u00f6ren ist. Gemeint sind die Iraker, die Sunniten und Araber sind \u2013 die einstmals Nachbarn von Jesiden, Christen und Kurden waren \u2013 mit denen man Handel trieb und Hochzeiten feierte, die auch Freunde waren.<\/p>\n\n\n\n

Der Irak ist eine multi-ethnische und multi-religi\u00f6se Gesellschaft, in der die Schiiten die Mehrheit stellen. \u00dcber Jahrhunderte aber hatten die sunnitischen Araber das Sagen, sie missbrauchten die Macht, errichteten ein Schreckensregime \u2013 bis 2003, als Diktator Saddam Hussein von den USA gest\u00fcrzt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c entstand aus Widerstand gegen Schiiten-Herrschaft<\/h2>\n\n\n\n

Jetzt wurde der Spie\u00df umgedreht. Die Amerikaner sorgten daf\u00fcr, dass die Sunniten jegliche Machtposition verloren \u2013 so wurde die irakische Armee, wurde die baathistische Partei aufgel\u00f6st \u2013 ohne ein Pendant zu schaffen, das alle integrierte. Und: Washington unterst\u00fctzte Regierungschef Nouri al-Maliki, einen Schiiten. Maliki sah eine historische Chance gekommen, diskriminierte nun seinerseits seine sunnitischen Landsleute, verwehrte ihnen im \u201eNeuen Irak\u201c die Mitsprache. Im Regime Malikis wurden Sunniten inhaftiert, gefoltert und umgebracht.<\/p>\n\n\n\n

Was viele in den Widerstand trieb. Einige schlossen sich der Terror-Organisation \u201eAl-Qaida\u201c an, unter ihnen f\u00fchrende Milit\u00e4rs der aufgel\u00f6sten Armee Saddam Husseins \u2013 und aus \u201eAl-Qaida\u201c ging sp\u00e4ter der \u201eIS\u201c hervor.<\/p>\n\n\n\n

Als der \u201eIS\u201c dann im Sommer 2014 fast ohne Gegenwehr weite Landstriche in Syrien und im Irak \u00fcberrannte und seinen \u201eStaat\u201c ausrief, sahen auch gew\u00f6hnliche sunnitische Araber einen Wechsel nahen. Viele machten gemeinsame Sache mit den Terroristen, verhinderten die Flucht jesidischer Nachbarn, lieferten sie ihren Schl\u00e4chtern aus. Kamaran Palani:<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c-K\u00e4mpfer haben gesagt, es gehe darum, die W\u00fcrde der sunnitischen Araber wiederherzustellen. Ihre Macht. Ihre Geschichte. Tats\u00e4chlich konnten es die Araber nicht hinnehmen, dass sie ins Abseits gedr\u00e4ngt wurden. Und ich denke, dass sie auch in Zukunft so handeln werden. Wann immer sich die Gelegenheit bietet: Sie werden alles hinter sich lassen \u2013 sich nur darauf konzentrieren.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Misstrauen. Auch bei einem Politikwissenschaftler. Was also tun? Zerst\u00f6rte St\u00e4dte und D\u00f6rfer k\u00f6nnten wieder aufgebaut werden \u2013 wenn denn ein gemeinsamer Wille best\u00fcnde. Doch was, wenn es einen solchen gemeinsamen Willen gar nicht gibt? Wenn Schmerz und Trauer anhalten, wenn die Verbrechen von Terroristen und Helfershelfern nicht geahndet werden, wenn Angst umgeht, Misstrauen und Hass das Miteinander bestimmen.<\/p>\n\n\n\n

\"SyrischeSoldaten in der irakischen Stadt Sindschar nach der R\u00fcckeroberung von der IS-Miliz Ende 2015. (dpa \/ MAXPPP \/ Arnaud Dumontier)<\/p>\n\n\n\n

Kamaran Palani stammt aus der Stadt Makhmour. Drei Tage nur sei der \u201eIS\u201c dort gewesen, sagt er, doch diese Tage h\u00e4tten alles ver\u00e4ndert. Der \u201eIS\u201c habe die Menschen in seiner Heimatstadt verrohen lassen, meint er, das Verh\u00e4ltnis zwischen Kurden und Arabern sei heute tot. Eine R\u00fcckkehr in alte Zeiten h\u00e4lt Palani f\u00fcr falsch.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch denke, es w\u00e4re nicht einfach, in das Jahr 2014 \u2013 also in die Zeit vor dem \u201aIS\u2018 \u2013 zur\u00fcckzukehren. Vor allem aber w\u00e4re es nicht die richtige Politik. Denn eben die hat ja erst zum Aufkommen, zur Existenz des \u201aIS\u2018 gef\u00fchrt.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n


Wie also in Ruinen Neues schaffen? Der Staat muss das Gewaltmonopol zur\u00fcckerlangen, fordert der Politikwissenschaftler. F\u00fcr ihn steht das an erster Stelle. Und dann m\u00fcsse der Staat dringend einen Kurswechsel vornehmen: Er m\u00fcsse integrativ wirken, alle einbinden, auch die Araber, in Sicherheitskr\u00e4fte, Verwaltung und Politik.<\/p>\n\n\n\n

Machtmonopol m\u00fcsste von Milizen zum Staat gehen<\/h2>\n\n\n\n

Die Realit\u00e4t sieht anders aus: Ein Staat Kurdistan, der neue Optionen m\u00f6glich gemacht h\u00e4tte, auch von den Minderheiten gew\u00fcnscht worden war, ist nicht entstanden. Bagdad aber ist fern, der Zentralstaat kaum existent, und wenn, dann ist er schiitisch dominiert. Es sind Milizen, die im Nord-Irak das Geschehen bestimmen, darum rivalisieren, das Machtvakuum zu f\u00fcllen, das durch die Vertreibung des \u201eIS\u201c entstanden ist. Einst im Kampf gegen die Terroristen geeint, sind die Milizen einander heute feind.<\/p>\n\n\n\n

Allen voran die \u201eHashd ash-Shaabi\u201c, schiitisch-irakische Milizen, deren Ausbilder und Kommandeure h\u00e4ufig Iraner sind. Bagdad hat die Haschd als regul\u00e4re Kraft im Kampf gegen den \u201eIS\u201c anerkannt \u2013 obwohl Menschenrechts-Organisationen schwere Vorw\u00fcrfe gegen sie erheben. Fest steht: Die schiitischen Milizen halten D\u00f6rfer besetzt, sind in Mosul f\u00fcr ihr herrisches Auftreten und ihre Willk\u00fcr bekannt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eTats\u00e4chlich sorgen die verschiedenen bewaffneten Gruppen daf\u00fcr, dass die Fl\u00fcchtlinge nicht zur\u00fcckkehren. Und weil sie nicht zur\u00fcckkehren, gibt es auch keinen Wiederaufbau. Die Menschen haben Angst vor den Milizen \u2013 auch davor, dass die einander bek\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die \u201eHashd\u201c m\u00fcssten mithin abziehen. Und mit ihnen die anderen Milizen. Das Machtmonopol m\u00fcsste an den Staat gehen. Doch der Irak ist auch Spielball der Regionalm\u00e4chte: Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien. Sie konkurrieren um Einfluss-Sph\u00e4ren, bedienen sich dabei verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Gruppen im Irak. Deswegen werden die Hashd nicht abziehen. Derzeit sind sie von der iranisch-irakischen Grenze im Osten \u00fcber Bagdad bis hoch zur irakisch-syrischen Grenze im Norden postiert. Einheiten Teherans k\u00f6nnten demnach auf dem Landweg vom Iran bis ans Mittelmeer durchmarschieren.<\/p>\n\n\n\n

Iran und Saudi-Arabien wollen Macht vergr\u00f6\u00dfern<\/h2>\n\n\n\n

Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n

In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n

Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3703,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:24:20","post_date_gmt":"2020-08-13 21:24:20","post_content":"\n

Deutschland str\u00e4ubt sich gegen die R\u00fcckkehr seiner eigenen Staatsb\u00fcrger, die zu IS-Terroristen wurden. Dabei hat die Bundesrepublik den Terror und die Terroristen einst exportiert. Und dies geschah wissentlich, sagt der Islamwissenschaftler Fabian Goldmann.<\/p>\n\n\n\n

Wann haben Sie sich eigentlich zuletzt von deutschen Terroristen distanziert? Zum Beispiel von Robert B.? Der Ex-Bundeswehrsoldat aus Solingen hat mutma\u00dflich bei einem Selbstmordattentat Anfang 2014 50 Menschen mit in den Tod gerissen. <\/p>\n\n\n\n

Oder von Yannik N.? Der junge Freiburger steuerte wahrscheinlich im Jahr 2015 einen mit anderthalb Tonnen Sprengstoff beladenen LKW in eine Menschenmenge und nahm so Dutzenden Personen das Leben.<\/p>\n\n\n\n

Oder von Yamin A.?. Im Sommer 2015 tauchte im Netz ein Video auf, das zeigte, wie der ehemalige Telekom-Azubi aus K\u00f6nigswinter zwei gefesselten Soldaten in den Kopf schoss.
Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Deutsche T\u00e4ter, aber kaum deutsche Opfer<\/h2>\n\n\n\n

Hauptsache nicht bei uns! Dies scheint auch dieser Tage wieder die Maxime zu sein, wenn Politiker und \u00d6ffentlichkeit \u00fcber den Umgang mit deutschen Terroristen diskutieren. Von potenziellen Bedrohungen und Anschlagsgefahren in Deutschland liest man dann. Vom ganz realen Terror, den Deutsche in den vergangenen Jahren \u00fcber die Menschen in Syrien und Irak gebracht haben, h\u00f6rt man hingegen kaum. Ein Terror, der kaum deutsche Opfer aber umso mehr deutsche T\u00e4ter kannte.<\/p>\n\n\n\n

1.050 \u2013 das ist laut Bundesinnenministerium die Anzahl der Dschihadisten, die in den letzten Jahren die Bundesrepublik in Richtung Nahost verlassen hat. Es f\u00e4llt schwer, sich umgekehrtes Szenario \u00fcberhaupt auszumalen. Was w\u00e4re wohl los, h\u00e4tte es nur ein Bruchteil arabischer Terroristen geschafft, bei uns Anschl\u00e4ge zu begehen? Europas \u201eMuslim Bann\u201c? \u00dcberwachungsstaat auf NSA-Niveau?<\/p>\n\n\n\n

Die CSU st\u00fcnde wom\u00f6glich am linken Ende des politischen Spektrums, und auf Twitter w\u00fcrde Trump deutsche Migrationspolitiker zur M\u00e4\u00dfigung aufrufen. Der deutsche Terror in Nahost kommt hingegen seit Jahren ganz ohne Sondersendungen, politische Debatten und Distanzierungsforderungen aus. <\/p>\n\n\n\n

Deutsche K\u00e4mpfer waren nicht nur willenloses Kanonenfutter<\/h2>\n\n\n\n

An fehlendem Wissen liegt das nicht. Von ganzen Einheiten des IS, in denen kein einziger K\u00e4mpfer Arabisch spreche, berichten syrische, irakische und kurdische Soldaten schon seit Jahren. Von Aleppo \u00fcber Raqqa bis Mossul haben Aktivisten und Politiker immer wieder darauf hingewiesen, dass viele der schlimmsten M\u00f6rder in den Reihen des IS Europ\u00e4er sind. Interessiert hat das hier kaum jemand.<\/p>\n\n\n\n

Dabei dienten Deutsche dem Islamischen Staats nicht nur als willenloses Kanonenfutter, wie es oft dargestellt wird. Viele haben seinen Terror mitgepr\u00e4gt. Wie Martin L., der derzeit in kurdischer Haft sitzt. Der Schwei\u00dfer aus Sachsen-Anhalt soll sich vom Folterknecht bis zum Geheimdienstler mit Kontakten bis in die F\u00fchrungsspitze der Terrororganisation hochgearbeitet haben.<\/p>\n\n\n\n

Oder Reda S., Der Prediger aus Berlin-Charlottenburg soll dem IS in Mossul als Bildungsminister gedient haben. Oder der Berliner Ex-Rapper Denis Cuspert, der zu den wichtigsten Personen in der IS-Medienorganisation Al-Hayat geh\u00f6rte. Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Beh\u00f6rden wussten gut Bescheid<\/h2>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich entstand der Islamische Staat nicht in deutschen Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen. Zur deutschen Verantwortung geh\u00f6rt aber auch, dass Politiker und Beh\u00f6rden lange wegschauten, solang nur die T\u00e4ter, aber nicht die Opfer Deutsche waren. Beh\u00f6rden wissen und wussten erschreckend gut Bescheid \u00fcber die Radikalisierung deutscher Islamisten. Ein Gro\u00dfteil der sp\u00e4teren IS-K\u00e4mpfer war polizeibekannt, stand auf Gef\u00e4hrderlisten oder hatte wegen islamistischer Straftaten bereits Haftstrafen verb\u00fc\u00dft. An der Ausreise gehindert wurden sie oftmals dennoch nicht. Die Gefahr, die von deutschen Terroristen ausgeht, interessierte Politik und \u00d6ffentlichkeit erst dann wieder, als ihre Einreise drohte.<\/p>\n\n\n\n

\"Fabian
Fabian Goldmann<\/strong> ist Journalist und Islamwissenschaftler. F\u00fcr verschiedene Magazine und Zeitungen berichtete er viele Jahre aus Nahost. Zurzeit widmet er sich vor allem dem Islam diesseits des Bosporus. Auf seinem Blog Schantall und die Scharia<\/a> bloggt er \u00fcber Islamophobie in Deutschland.<\/p>\n","post_title":"Es sind unsere Terroristen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"es-sind-unsere-terroristen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3703","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3700,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:19:36","post_date_gmt":"2020-08-13 21:19:36","post_content":"\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda? Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda t<\/p>\n\n\n\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda tritt an die Stelle der 2010 verabschiedeten Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014 (siehe IP\/10\/1535<\/a>). In der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda f\u00fcr den Zeitraum 2015-2020 skizziert die Europ\u00e4ische Kommission die Strategie der Union zur Bew\u00e4ltigung der Sicherheitsbedrohungen in der EU.<\/p>\n\n\n\n

Die EU und ihre Mitgliedstaaten sind mit betr\u00e4chtlichen Sicherheitsproblemen konfrontiert. Terrorismus, organisierte Kriminalit\u00e4t und Cyberkriminalit\u00e4t stellen eine zunehmende Gefahr f\u00fcr die europ\u00e4ische Gesellschaft dar, wobei sich Art und Ausma\u00df dieser Gefahr ver\u00e4ndert hat. Europa ist mit den Auswirkungen der politischen Instabilit\u00e4t in seiner unmittelbaren Nachbarschaft konfrontiert, die die Sicherheitsinteressen der EU gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n

Im Zuge der Krisen und Konflikte in Syrien, Irak und Libyen haben sich europ\u00e4ische B\u00fcrger terroristischen Gruppen angeschlossen, die bei ihrer R\u00fcckkehr eine erhebliche Bedrohung darstellen k\u00f6nnen. Die j\u00fcngsten terroristischen Anschl\u00e4ge in Europa zeugen von der zunehmenden Bedrohung durch einen gewaltt\u00e4tigen Extremismus und zeigen, in welchem Ausma\u00df weltweite Konflikte zur Radikalisierung der europ\u00e4ischen B\u00fcrger beitragen.<\/p>\n\n\n\n

Das Online-Umfeld hat sich zunehmend als Ziel f\u00fcr Kriminelle und Terroristen entwickelt. Unabh\u00e4ngig davon, ob es um die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und die Anwerbung von Menschen f\u00fcr terroristische Organisationen geht oder die Verbreitung von Hass oder einen Angriff auf die europ\u00e4ischen Werte und Institutionen, fest steht, dass wir unsere Reaktion auf diese Bedrohungen unbedingt abstimmen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Welcher Mehrwert entsteht durch die EU im Bereich der inneren Sicherheit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Gew\u00e4hrleistung der inneren Sicherheit f\u00e4llt weiterhin in erster Linie in die Zust\u00e4ndigkeit der Mitgliedstaaten. Allerdings werden die Bedrohungen f\u00fcr Europas B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger immer vielf\u00e4ltiger und betreffen in zunehmendem Ma\u00dfe mehrere Mitgliedstaaten. Einzelne Mitgliedstaaten haben die Verantwortung, die Sicherheit an den Au\u00dfengrenzen zu gew\u00e4hrleisten, sind aber nicht mehr in der Lage, diese Herausforderungen allein zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n

Kriminelle und terroristische Aktivit\u00e4ten machen nicht an den Grenzen der EU halt und beschr\u00e4nken sich auch nicht auf Nachbarregionen. Die innere Sicherheit der EU und die globale Sicherheit sind voneinander abh\u00e4ngig und miteinander verkn\u00fcpft. Die Sicherheit der Union h\u00e4ngt in hohem Ma\u00dfe von der Zusammenarbeit mit ihren internationalen Partnern und ihren Nachbarl\u00e4ndern ab.<\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t und des Terrorismus ist eine gemeinsame europ\u00e4ische Aufgabe. Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda sollte von den Mitgliedstaaten und den EU-Organen gemeinsam als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und gemeinsame Ma\u00dfnahmen der Union genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n

Mit Hilfe der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda werden die Polizei- und Strafverfolgungsdienste in verschiedenen Mitgliedstaaten Daten effektiver austauschen und bei der Bek\u00e4mpfung der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t besser zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Die Mitgliedstaaten k\u00f6nnen auf die Unterst\u00fctzung durch die Agenturen der EU z\u00e4hlen. Insbesondere in folgenden Punkten l\u00e4sst sich mit Hilfe der Sicherheitsagenda ein EU-Mehrwert erzielen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n

A) Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und den EU-Agenturen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1<\/strong>: Das Schengener Informationssystem<\/strong> (SIS) wird von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Abfrage von Ausschreibungen von gesuchten oder vermissten Personen und Gegenst\u00e4nden genutzt. Die Kommission wird an der Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Ausschreibungskategorien arbeiten und sich daf\u00fcr einsetzen, dass das SIS zusammen mit der Interpol-Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD)<\/strong> umfassender genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Rassismus gegen Afghanen im Iran<\/h2>\n\n\n\n

Fast drei Millionen Gefl\u00fcchtete aus Afghanistan sind inzwischen im Iran. Die meisten von ihnen leben in der Illegalit\u00e4t und werden als Schwarzarbeiter, etwa am Bau, ausgebeutet. Rassismus und Ausgrenzung geh\u00f6ren zu ihrem gesellschaftlichen Alltag. Kinder sind davon nicht ausgeschlossen. Im Gegenteil: Vielen afghanischen Kinderm ist es nicht erlaubt, staatliche Schulen zu besuchen. Abu Fazel wurde Zeit seines Lebens von dieser Diskrimierung beeinflusst und verfolgt.<\/p>\n\n\n\n

\u201e'Afghane\u2018 \u2013 das ist dort ein Schimpfwort. Ich h\u00f6rte es von klein auf immer wieder. Der Rassismus gegen Afghanen ist dort v\u00f6llig normal. Meine Herkunft, auf der ich eigentlich stolz war, ist im Iran stets eine Last gewesen. Wir sind dort B\u00fcrger zweiter Klasse.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung der afghanischen Gefl\u00fcchteten ist f\u00fcr Abu Fazel die Spitze jenes Rassismus, den er erlebt hat.<\/p>\n\n\n\n

Iran: Syrien vor sunnitischen Extremisten verteidigen<\/h2>\n\n\n\n

In Syrien k\u00e4mpfen neben den afghanischen Milizen auch andere paramilit\u00e4rische Gruppierungen im Auftrag des Irans: etwa die ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigten Revolutionsgarden, die einst Ayatollah Ruhollah Khomeini pers\u00f6nlich ins Leben rief oder die Basidsch-Milizen. Beiden Gruppierungen sind nicht nur in Syrien aktiv, sondern auch im Irak.<\/p>\n\n\n\n

Obowhl sich das syrische Regime von Baschar al-Assad als s\u00e4kular ausweist, wird es vom Iran, der sich als Repr\u00e4sentant aller muslimischen Schiiten betrachtet, unterst\u00fctzt. Gemeinsames Ziel in Syrien ist es: Schiiten vor sunnitische Extremisten zu verteidigen. Dennoch ist das Regime darauf bedacht, m\u00f6glichst wenig eigene K\u00e4mpfer nach Syrien zu schicken. \u00c4hnlich wie einst w\u00e4hrend des Krieges gegen Saddam Husseins Irak, setzt der Iran auf ausl\u00e4ndische K\u00e4mpfer.<\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung war wie eine Gehirnw\u00e4sche<\/h2>\n\n\n\n

Abu Fazels Familie geh\u00f6rt zur afghanischen Minderheit der schiitischen Hazara \u2013 wie viele Afghanen, die in den Iran gekommen sind. Mittlerweile k\u00e4mpfen Tausende von ihnen in Syrien. Der Iran bezahlt die Afghanen mit einem Sold von wenigen hundert Dollar pro Monat und verspricht ihren Familien eine Aufenthaltsgenehmigung oder eine Arbeitserlaubnis.<\/p>\n\n\n\n

An der Rekrutierung der Afghanen sind sowohl die Revolutionsgarden als auch die erw\u00e4hnten Basidsch-Milizen beteiligt. Abu Fazel beschreibt, wie das Viertel, in dem er gemeinsam mit seiner Familie in Teheran lebte, regelm\u00e4\u00dfig von den K\u00e4mpfern aufgesucht wurde. Viele afghanische Gefl\u00fcchtete lebten dort \u2013 und fielen auf die Gehirnw\u00e4sche der Rattenf\u00e4nger herein.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie trafen junge M\u00e4nner und Jugendliche in den Moscheen und \u00fcberredeten sie, gegen den IS oder Al Qaida zu k\u00e4mpfen. Die Gehirnw\u00e4sche war perfekt. Am Ende merkten viele, darunter auch ich, nicht einmal, dass wir in ihre Propaganda getappt waren. Ihre \u00dcberredungskunst war wirklich sehr speziell. Am Ende hat man Lust, nach Syrien zu gehen, um zu k\u00e4mpfen\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Erfolg hatten die Rekrutierer des Regimes auch bei Abu Fazels Cousin, der zum damaligen Zeitpunkt ebenfalls minderj\u00e4hrig gewesen ist. Er ging nach Syrien und k\u00e4mpfte unter der Flagge der \u201eLiwa Fatemiyoun\u201c, wie die afghanische Division auf Seiten Assads hei\u00dft. Offiziell ist die Aufgabe der Miliz die Verteidigung des Schreines von Zaynab im S\u00fcden von Damaskus. Zaynab war die Enkelin des islamischen Propheten Mohammad. Laut iranischen Staatsmedien k\u00e4mpfen mindestens 20.000 Afghanen in der Division.<\/p>\n\n\n\n

Im August 2014 entschloss sich auch Abu Fazel, nach Syrien zu gehen und zu k\u00e4mpfen. Im selben Monat wurde sein Cousin in der N\u00e4he von Aleppo im Kampf gegen syrische Rebellen get\u00f6tet.<\/p>\n\n\n\n

\u201eMein Cousin wurde dort get\u00f6tet. Auch andere Jungs aus unserer Gegend gingen nach Syrien und fielen dort. Lokale Zeitungen nannten sie \u201aM\u00e4rtyrer\u2018.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Lieber Flucht statt K\u00e4mpfer in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein solcher \u201eM\u00e4rtyrer\u201c wollte Abu Fazel allerdings nicht werden. Er floh eine Woche vor dem Beginn seiner dreimonatigen Kampfausbildung. Es war ihm lieber, ein Leben auf der Flucht zu verbringen, als in Syrien unschuldige Menschen f\u00fcr einen Diktator zu t\u00f6ten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch kam zu dem Schluss, dass ich nicht als M\u00f6rder weiterleben k\u00f6nnte. Stets dachte ich mir, dass selbst die schlimmsten Al-Qaida- oder IS-Terroristen Kinder haben k\u00f6nnten, die ihren Vater lieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Fazel verlor seinen eigenen Vater bereits sehr fr\u00fch. Er wurde Opfer des B\u00fcrgerkriegs in Afghanistan, der von 1989 bis 2001 tausende Menschen das Leben kostete. Auch der Iran mischte in der Zeit schon mit. Es ist allgemein bekannt, dass die schiitischen Hazara-Milizen, die den B\u00fcrgerkrieg ebenfalls mitanfachten, von der Regierung in Teheran unterst\u00fctzt wurden.<\/p>\n\n\n\n

Als Abu Fazel sich nun entschloss, aus der Gewaltspirale auszusteigen und nicht in Syrien zu k\u00e4mpfen, wuchs die Angst bei seiner Familie. Denn f\u00fcr die iranischen Beh\u00f6rden gilt: Hat man sich einmal gemeldet, gibt es kein zur\u00fcck. Man muss an die Front nach Syrien \u2013 oder wird zur\u00fcck nach Afghanistan abgeschoben, wo ebenfalls Krieg herrscht.<\/p>\n\n\n\n

Der einzige Ausweg f\u00fcr den jungen Afghanen war die Flucht. \u00dcber die T\u00fcrkei, Griechenland und die Balkranroute erreichte er mit gro\u00dfer M\u00fche Deutschland, wo er einen Asylantrag stellte.<\/p>\n\n\n\n

Erster Asylantrag in Deutschland abgelehnt<\/h2>\n\n\n\n

Als Grund nannte er seine Rekrutierung als Kindersoldat seitens des iranischen Regimes. Doch w\u00e4hrend diese Begr\u00fcndung in Abu Fazels Augen v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich war, sahen deutsche Beh\u00f6rden das anders. Sein erster Antrag wurde abgelehnt. Derzeit versucht er es ein zweites Mal. Die Bundesrepublik schiebt afghanische Gefl\u00fcchtete weiterhin ab.<\/p>\n\n\n\n

\"EinAbschiebung von Afghanen im Dezember 2016 mit einem Charterflug von Frankfurt nach Kabul. (dpa \/picture alliance \/ Boris Roessler)<\/p>\n\n\n\n

Die Verantwortlichen weisen in diesem Kontext immer wieder auf vermeintlich \u201esichere Gebiete\u201c im Land, die nicht n\u00e4her benannt werden.<\/p>\n\n\n\n

W\u00e4hrenddessen machen Menschenrechtsorganisationen regelm\u00e4\u00dfig darauf aufmerksam, dass keine Region am Hindukusch sicher ist. Stattdessen wird in manchen Gebieten nur weniger Krieg gef\u00fchrt als in anderen.<\/p>\n\n\n\n

\"SieDemonstranten protestieren in Frankfurt am Main gegen die Abschiebung von Afghanen. Auf einem der Transparente steht \u201eAfghanistan is not safe\u201c. (AFP \/ Daniel Roland)<\/p>\n\n\n\n

Alis Vater und Onkel k\u00e4mpfen in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein \u00e4hnliches Schicksal wie Abu Fazel erlitt der 18-j\u00e4hrige Ali (Namen ge\u00e4ndert). Auch er floh aus dem Iran nach Deutschland, um der Rekrutierung f\u00fcr Assads Milizen zu entgehen. Viele seiner afghanischen Freunde sind bereits nach Syrien gezogen \u2013 und kamen niemals zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Alis Familie, ebenfalls Angeh\u00f6rige der Hazara-Minderheit, stammt urspr\u00fcnglich aus der Provinz Ghor im Nordosten Afghanistans. Ihre Heimat verlie\u00dfen sie w\u00e4hrend der sowjetischen Besatzung in den 1980er-Jahren.<\/p>\n\n\n\n

Seit jeher lebt die Familie in der iranischen Gro\u00dfstadt Maschhad. Als der Krieg in Syrien ausbrach, erreichte sie ein Konflikt, mit dem sie nicht gerechnet hatten. Im Juli 2015 reiste Alis Vater nach Teheran. Er wollte einen Weg finden, um f\u00fcr seine Familie Aufenthaltspapiere zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Beh\u00f6rden sagten ihm, dass die Rekrutierung f\u00fcr den Krieg in Syrien eine M\u00f6glichkeit darstellen k\u00f6nnte, um Papiere f\u00fcr uns alle zu erhalten. Andernfalls w\u00fcrde man uns sehr bald nach Afghanistan abschieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Mittlerweile k\u00e4mpfen Alis Vater und sein Onkel seit \u00fcber einem Jahr in Syrien. Am Aufenthaltsstatus seiner Familienmitglieder hat sich bis heute allerdings nichts ge\u00e4ndert. F\u00fcr Ali ist klar, dass dies nur eine Falle gewesen ist, um noch mehr Afghanen als Kanonenfutter zu missbrauchen.<\/p>\n\n\n\n

Anfangs gab es Papiere f\u00fcr K\u00e4mpfer-Familien<\/h2>\n\n\n\n

Den Kontakt zu seinem Vater hat der Afghane mittlerweile verloren. W\u00e4hrenddessen schickt ihm sein Onkel, der in Aleppo stationiert ist, hin und wieder Bilder \u00fcber den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ali denkt, dass nur sehr wenige Afghanen der Propaganda der iranischen Regierung glauben und in Syrien f\u00fcr eine \u201egute Sache\u201c k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

Source<\/a><\/p>\n","post_title":"Warum Afghanen in Syrien f\u00fcr Assad k\u00e4mpfen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"warum-afghanen-in-syrien-fur-assad-kampfen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3709","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3706,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:27:40","post_date_gmt":"2020-08-13 21:27:40","post_content":"\n

Kinder, Frauen, Jesiden \u2013 wer \u00fcberlebt hat, berichtet von Folter, Vergewaltigungen und Gehirnw\u00e4sche. Rund drei Jahre dauerte die Schreckensherrschaft der IS-Miliz in Syrien und Irak. Der Wiederaufbau wird l\u00e4nger dauern und mehr umfassen als H\u00e4user.<\/p>\n\n\n\n

Der Fluss Tigris durchzieht die zweitgr\u00f6\u00dfte Stadt des Iraks und teilt Mosul in Ost und West. Das Westufer ist von Zerst\u00f6rung gezeichnet, die Altstadt nicht mehr als eine einzige graue Tr\u00fcmmerlandschaft. Seit den letzten Bombardements im Juli 2017 kann hier niemand mehr wohnen.<\/p>\n\n\n\n

Die Nouri-Moschee, von deren Kanzel Abu Bakr al-Baghdadi im Juli 2014 sein Kalifat ausrief, hatte die IS-Miliz auf ihrem R\u00fcckzug vorsorglich selbst in die Luft gesprengt, um den Gegnern diesen besonderen Triumph zu verwehren.<\/p>\n\n\n\n

\"ImIm Juli 2017 erobert die irakische Armee Mossul zur\u00fcck. Ruinen sind zu sehen. Ein K\u00e4mpfer der IS-Miliz hat sich ergeben. (Imago \/ Carol Guzy)<\/p>\n\n\n\n

Es ist fraglich, ob die Altstadt dem Original getreu wieder aufgebaut werden kann. Bagdad will demn\u00e4chst \u2013 im Rahmen einer gro\u00dfen Wiederaufbau-Konferenz \u2013 bekannt geben, welche Pl\u00e4ne es hat. Derzeit gilt als gro\u00dfer Fortschritt, dass die Tr\u00fcmmerlandschaft in Teilen wieder begehbar ist \u2013 nachdem mit internationaler Hilfe zahllose Sprengs\u00e4tze beseitigt wurden.<\/p>\n\n\n\n

In Ost-Mossul gibt es weniger Zerst\u00f6rungen<\/h2>\n\n\n\n

J\u00fcngste Sch\u00e4tzungen der Vereinten Nationen besagen, dass es noch Jahre dauern wird, bis alle Minen ger\u00e4umt sind. Solange werden die einstigen Bewohner nicht zur\u00fcckkehren k\u00f6nnen. Manche von ihnen haben Gl\u00fcck im Ungl\u00fcck: Sie haben \u00fcberlebt und sind auf der anderen Seite des Tigris untergekommen, im Osten der Stadt. Der war schon im Januar 2017 von den Terroristen befreit worden. Erstaunlich ist: Dieser Teil Mosuls wirkt fast so, als w\u00e4re der \u201eIS\u201c niemals hier gewesen und als h\u00e4tte es keinen Krieg gegeben.<\/p>\n\n\n\n

\"ImIm Osten Mossuls gibt es weniger Zerst\u00f6rungen als im Westteil. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

Die Zerst\u00f6rungen beschr\u00e4nken sich auf strategisch-wichtige Punkte oder Geb\u00e4ude, in denen sich die Terroristen verschanzt hatten: Br\u00fccken, Moscheen, Krankenh\u00e4user. Doch im Basar herrscht fast so etwas wie Normalit\u00e4t. An St\u00e4nden kaufen Menschen ein \u2013 Obst, Gem\u00fcse, Reis und Nudeln, Backwaren. Kinder schlecken ein Eis. Abu Muhammad, ein ehemaliger Physiklehrer, erkl\u00e4rt, warum der Basar so anders ist als erwartet:<\/p>\n\n\n\n

\u201eDas Leben hatte nie aufgeh\u00f6rt in Mosul. Wir haben weitergelebt. Drei Jahre wurden wir vom \u201aIS\u2018 beherrscht, doch die normalen Leute hatten nichts damit zu tun. Daher kam der Alltag schnell zur\u00fcck. Die Soldaten sind gekommen, haben den Basar wieder aufgemacht und das Leben ging weiter.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Im Osten findet sich heute all das wieder, was die Terror-Miliz unterdr\u00fcckt hatte und bei Missachtung grausam ahndete: Musik in Restaurants und Caf\u00e9s; Sim-Karten f\u00fcr Handys; Internet; Fris\u00f6re, die Haare schneiden, B\u00e4rte stutzen oder gar abrasieren. Und doch: Trotz des lebendigen Treibens wirken Angst und Schrecken nach. Abu Muhammad, fr\u00fch ergraut, erinnert sich:<\/p>\n\n\n\n

\u201eWir haben uns gef\u00fchlt wie zwischen Leben und Tod. Irgendwo dazwischen. Sie haben vom \u201aIS\u2018 geh\u00f6rt; wir haben ihn erlebt: Wir haben erlebt, wie sie mordeten, wie sie Leute aufh\u00e4ngten, wir haben den Krieg erlebt. Wir haben alles gesehen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Mohammed stammt aus dem zerst\u00f6rten Westen der Stadt. Er wohnt heute im Osten. Verwandte haben ihn und seine Familie aufgenommen. So wie ihm ergeht es auch anderen Vertriebenen. Sie leben bei Verwandten und Freunden. Oder in einem der vielen Lager. 700.000 Menschen haben ihr Zuhause verloren \u2013 eine Zahl, die f\u00fcr West-Mosul gilt. Insgesamt gehen die Vereinten Nationen von fast sechs Millionen Menschen aus, die im Irak vor dem \u201aIS\u2018 geflohen sind \u2013 die H\u00e4lfte von ihnen bis heute fern von ihrem Zuhause.<\/p>\n\n\n\n

Binnenfl\u00fcchtlinge im Lager Khabartu<\/h2>\n\n\n\n

Zelte soweit das Auge reicht. Abertausende. Inmitten von Steppe. Das Leben der Menschen ist hart. Sie darben, frieren und verdorren \u2013 wenn im Winter der kalte Wind durch die Steppe fegt und im Sommer die Sonne niederbrennt. Doch sie harren aus, haben wenig Hoffnung auf baldige R\u00fcckkehr. Die meisten kamen 2014 \u2013 hierher, ins Lager Khabartu in Irakisch-Kurdistan.<\/p>\n\n\n\n

\"DasDas Lager Khabartu f\u00fcr irakische Binnenfl\u00fcchtlinge. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

2014, als der \u201eIS\u201c den Nord-Irak \u00fcberfiel. In einem der Zelte lebt auch die Familie von Thomas Abdallah Hammou. Thomas war auf der Flucht von seiner Familie getrennt und von den Dschihadisten verschleppt worden. Damals war er acht Jahre alt. Ein Kind. Drei Jahre blieb er in Geiselhaft, lebte in Mosul.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollten nicht, dass wir spielen. Sie mochten es nicht. Ich habe keine Schule besucht, aber sie gaben uns Koran-Unterricht. Jeden Tag.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas musste seinem eigenen, dem jesidischen Glauben abschw\u00f6ren. Weil der \u201eIS\u201c die Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c betrachtet. Und \u201eUngl\u00e4ubige\u201c, so die Auffassung der Terroristen, m\u00fcssen zwangsbekehrt werden. Oder get\u00f6tet. Die Terroristen hatten dementsprechend die Jesiden entweder an Ort und Stelle ermordet, die meisten im Sinjar, im alten Siedlungsgebiet der Jesiden im Nord-Irak. Tausende. 47 Massengr\u00e4ber sollen mittlerweile gefunden worden sein. Oder aber die Terroristen lie\u00dfen die Jesiden am Leben und nahmen sie in Geiselhaft. Sie machten aus ihnen Sexsklavinnen oder sie bildeten sie aus \u2013 zu Selbstmordattent\u00e4tern. Wie Thomas.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie haben uns st\u00e4ndig geschlagen. Wir mussten Schie\u00dfen \u00fcben. Zwei meiner Freunde haben sich in die Luft gesprengt. Sie sind zum Training. Doch sie kamen nicht zur\u00fcck. Ich war nicht traurig. Sie wollten sich ja in die Luft sprengen. Die \u201aIS\u2018-Leute hatten es nicht von ihnen verlangt. Sie sind freiwillig gegangen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas hat heute einen modernen Haarschnitt; der Nacken ist ausrasiert; der lange Pony in die Stirn gek\u00e4mmt. Im Sommer sah er noch anders aus, kurz nachdem Mosul befreit worden war. Bei einem Luftangriff der Anti-\u201eIS\u201c-Koalition wurde Thomas schwer verletzt aus Tr\u00fcmmern geborgen, dann operiert.<\/p>\n\n\n\n

\"ThomasThomas erholt sich von drei Jahren IS-Gefangenschaft. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

Arbeit mit \u201eDschihadisten-Kindern\u201c<\/h2>\n\n\n\n

Die \u00e4u\u00dferen Wunden sind heute verheilt. Doch wie sieht es aus mit den inneren, den seelischen Verletzungen? Thomas wurde von seiner Familie aufgenommen und bekommt Hilfe. Andere Kinder konnten nicht aufgefangen werden. Bis heute betrachten sie Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c \u2013 so wie es ihnen in der Geiselhaft eingeh\u00e4mmert wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie sind eine gro\u00dfe Gefahr f\u00fcr andere Kinder. Sie leben in Lagern, in einem Zelt, auf sechs mal vier Metern, oder noch weniger! Acht Geschwister, sie spielen zusammen, reden, sie indoktrinieren die anderen! Das ist ein Problem, das wir nicht l\u00f6sen k\u00f6nnen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Sara Hassan ist Sozialarbeiterin. Sie arbeitet in den Lagern, versucht M\u00e4dchen und Frauen, die jahrelang in Geiselhaft vergewaltigt wurden, zu helfen. Unz\u00e4hlige hatte der \u201eIS\u201c einst entf\u00fchrt. Sara arbeitet auch mit den sogenannten \u201eDschihadisten-Kindern\u201c. Sie erz\u00e4hlt, wie \u00fcberfordert alle seien: die Familien, die jesidische Gemeinschaft, die Gesellschaft des Nord-Irak.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIn einem anderen Fall hat sich die Familie am Ende an die Sicherheitskr\u00e4fte gewandt. Doch die wussten auch nicht, wie sie damit umgehen sollten. Monate lang hat die Familie versucht, den Jungen umzuerziehen, zusammen mit Sozialarbeitern. Aber noch immer sehen wir den Hass in seinen Augen \u2013 gegen\u00fcber Kurden, Christen und Jesiden. Als blicke man in die Augen eines IS-Terroristen. Das ist das Problem.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Die Jesiden k\u00f6nnen \u00fcber ihre vom \u201eIS\u201c indoktrinierten Kinder sprechen. Denn niemand zweifelt daran, dass sie Opfer der Tyrannei wurden. Bei den sunnitischen Arabern sieht das anders aus. Da sie derselben Religionsgruppe angeh\u00f6ren wie formal auch die Terroristen, stehen sie unter Generalverdacht, mit dem \u201eIS\u201c gemeinsame Sache gemacht zu haben. Sunnitische Araber trauen sich daher nicht, die Probleme ihrer Kinder \u00f6ffentlich zu machen \u2013 auch wenn sie selbst nichts mit dem \u201eIS\u201c zu tun hatten.<\/p>\n\n\n\n

Unklar ist, wie viele Kinder und Jugendliche im Irak und in Syrien zu Terroristen ausgebildet wurden, dabei noch in Geiselhaft sind oder bereits als \u201eSchl\u00e4fer\u201c darauf warten, zum Einsatz zu kommen. Sie gleichen \u201etickenden Zeitbomben\u201c, die jederzeit explodieren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

Minderheiten haben Angst vor \u201eIS\u201c-Nachfolgern<\/h2>\n\n\n\n

Kamaran Palani spricht davon, dass viele Menschen immer noch gehen wollen, obwohl der \u201eIS\u201c als staats\u00e4hnliches Gebilde nicht mehr besteht. Seine Saat aber, so der Politikwissenschaftler, sei aufgegangen.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollen einfach nicht in diesem Land bleiben. Der IS hat sie dazu gebracht. Jeder hat heute Angst, dass eine andere Organisation kommen wird, Terroristen, die dasselbe anrichten wie zuvor.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Palani forscht am \u201eMiddle East Research Institute\u201c, das seinen Sitz in Erbil hat, der Hauptstadt von Irakisch-Kurdistan. <\/p>\n\n\n\n

\u201e60 bis 65 Prozent der Christen wollen gehen. Das Gleiche gilt f\u00fcr andere Minderheiten: f\u00fcr Jesiden, Schabaks, Turkmenen, Kakais.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

\u201eWir werden niemals wieder mit den Arabern zusammenleben k\u00f6nnen!\u201c \u2013 ein Satz, der heute h\u00e4ufig im Nord-Irak zu h\u00f6ren ist. Gemeint sind die Iraker, die Sunniten und Araber sind \u2013 die einstmals Nachbarn von Jesiden, Christen und Kurden waren \u2013 mit denen man Handel trieb und Hochzeiten feierte, die auch Freunde waren.<\/p>\n\n\n\n

Der Irak ist eine multi-ethnische und multi-religi\u00f6se Gesellschaft, in der die Schiiten die Mehrheit stellen. \u00dcber Jahrhunderte aber hatten die sunnitischen Araber das Sagen, sie missbrauchten die Macht, errichteten ein Schreckensregime \u2013 bis 2003, als Diktator Saddam Hussein von den USA gest\u00fcrzt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c entstand aus Widerstand gegen Schiiten-Herrschaft<\/h2>\n\n\n\n

Jetzt wurde der Spie\u00df umgedreht. Die Amerikaner sorgten daf\u00fcr, dass die Sunniten jegliche Machtposition verloren \u2013 so wurde die irakische Armee, wurde die baathistische Partei aufgel\u00f6st \u2013 ohne ein Pendant zu schaffen, das alle integrierte. Und: Washington unterst\u00fctzte Regierungschef Nouri al-Maliki, einen Schiiten. Maliki sah eine historische Chance gekommen, diskriminierte nun seinerseits seine sunnitischen Landsleute, verwehrte ihnen im \u201eNeuen Irak\u201c die Mitsprache. Im Regime Malikis wurden Sunniten inhaftiert, gefoltert und umgebracht.<\/p>\n\n\n\n

Was viele in den Widerstand trieb. Einige schlossen sich der Terror-Organisation \u201eAl-Qaida\u201c an, unter ihnen f\u00fchrende Milit\u00e4rs der aufgel\u00f6sten Armee Saddam Husseins \u2013 und aus \u201eAl-Qaida\u201c ging sp\u00e4ter der \u201eIS\u201c hervor.<\/p>\n\n\n\n

Als der \u201eIS\u201c dann im Sommer 2014 fast ohne Gegenwehr weite Landstriche in Syrien und im Irak \u00fcberrannte und seinen \u201eStaat\u201c ausrief, sahen auch gew\u00f6hnliche sunnitische Araber einen Wechsel nahen. Viele machten gemeinsame Sache mit den Terroristen, verhinderten die Flucht jesidischer Nachbarn, lieferten sie ihren Schl\u00e4chtern aus. Kamaran Palani:<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c-K\u00e4mpfer haben gesagt, es gehe darum, die W\u00fcrde der sunnitischen Araber wiederherzustellen. Ihre Macht. Ihre Geschichte. Tats\u00e4chlich konnten es die Araber nicht hinnehmen, dass sie ins Abseits gedr\u00e4ngt wurden. Und ich denke, dass sie auch in Zukunft so handeln werden. Wann immer sich die Gelegenheit bietet: Sie werden alles hinter sich lassen \u2013 sich nur darauf konzentrieren.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Misstrauen. Auch bei einem Politikwissenschaftler. Was also tun? Zerst\u00f6rte St\u00e4dte und D\u00f6rfer k\u00f6nnten wieder aufgebaut werden \u2013 wenn denn ein gemeinsamer Wille best\u00fcnde. Doch was, wenn es einen solchen gemeinsamen Willen gar nicht gibt? Wenn Schmerz und Trauer anhalten, wenn die Verbrechen von Terroristen und Helfershelfern nicht geahndet werden, wenn Angst umgeht, Misstrauen und Hass das Miteinander bestimmen.<\/p>\n\n\n\n

\"SyrischeSoldaten in der irakischen Stadt Sindschar nach der R\u00fcckeroberung von der IS-Miliz Ende 2015. (dpa \/ MAXPPP \/ Arnaud Dumontier)<\/p>\n\n\n\n

Kamaran Palani stammt aus der Stadt Makhmour. Drei Tage nur sei der \u201eIS\u201c dort gewesen, sagt er, doch diese Tage h\u00e4tten alles ver\u00e4ndert. Der \u201eIS\u201c habe die Menschen in seiner Heimatstadt verrohen lassen, meint er, das Verh\u00e4ltnis zwischen Kurden und Arabern sei heute tot. Eine R\u00fcckkehr in alte Zeiten h\u00e4lt Palani f\u00fcr falsch.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch denke, es w\u00e4re nicht einfach, in das Jahr 2014 \u2013 also in die Zeit vor dem \u201aIS\u2018 \u2013 zur\u00fcckzukehren. Vor allem aber w\u00e4re es nicht die richtige Politik. Denn eben die hat ja erst zum Aufkommen, zur Existenz des \u201aIS\u2018 gef\u00fchrt.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n


Wie also in Ruinen Neues schaffen? Der Staat muss das Gewaltmonopol zur\u00fcckerlangen, fordert der Politikwissenschaftler. F\u00fcr ihn steht das an erster Stelle. Und dann m\u00fcsse der Staat dringend einen Kurswechsel vornehmen: Er m\u00fcsse integrativ wirken, alle einbinden, auch die Araber, in Sicherheitskr\u00e4fte, Verwaltung und Politik.<\/p>\n\n\n\n

Machtmonopol m\u00fcsste von Milizen zum Staat gehen<\/h2>\n\n\n\n

Die Realit\u00e4t sieht anders aus: Ein Staat Kurdistan, der neue Optionen m\u00f6glich gemacht h\u00e4tte, auch von den Minderheiten gew\u00fcnscht worden war, ist nicht entstanden. Bagdad aber ist fern, der Zentralstaat kaum existent, und wenn, dann ist er schiitisch dominiert. Es sind Milizen, die im Nord-Irak das Geschehen bestimmen, darum rivalisieren, das Machtvakuum zu f\u00fcllen, das durch die Vertreibung des \u201eIS\u201c entstanden ist. Einst im Kampf gegen die Terroristen geeint, sind die Milizen einander heute feind.<\/p>\n\n\n\n

Allen voran die \u201eHashd ash-Shaabi\u201c, schiitisch-irakische Milizen, deren Ausbilder und Kommandeure h\u00e4ufig Iraner sind. Bagdad hat die Haschd als regul\u00e4re Kraft im Kampf gegen den \u201eIS\u201c anerkannt \u2013 obwohl Menschenrechts-Organisationen schwere Vorw\u00fcrfe gegen sie erheben. Fest steht: Die schiitischen Milizen halten D\u00f6rfer besetzt, sind in Mosul f\u00fcr ihr herrisches Auftreten und ihre Willk\u00fcr bekannt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eTats\u00e4chlich sorgen die verschiedenen bewaffneten Gruppen daf\u00fcr, dass die Fl\u00fcchtlinge nicht zur\u00fcckkehren. Und weil sie nicht zur\u00fcckkehren, gibt es auch keinen Wiederaufbau. Die Menschen haben Angst vor den Milizen \u2013 auch davor, dass die einander bek\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die \u201eHashd\u201c m\u00fcssten mithin abziehen. Und mit ihnen die anderen Milizen. Das Machtmonopol m\u00fcsste an den Staat gehen. Doch der Irak ist auch Spielball der Regionalm\u00e4chte: Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien. Sie konkurrieren um Einfluss-Sph\u00e4ren, bedienen sich dabei verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Gruppen im Irak. Deswegen werden die Hashd nicht abziehen. Derzeit sind sie von der iranisch-irakischen Grenze im Osten \u00fcber Bagdad bis hoch zur irakisch-syrischen Grenze im Norden postiert. Einheiten Teherans k\u00f6nnten demnach auf dem Landweg vom Iran bis ans Mittelmeer durchmarschieren.<\/p>\n\n\n\n

Iran und Saudi-Arabien wollen Macht vergr\u00f6\u00dfern<\/h2>\n\n\n\n

Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n

In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n

Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3703,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:24:20","post_date_gmt":"2020-08-13 21:24:20","post_content":"\n

Deutschland str\u00e4ubt sich gegen die R\u00fcckkehr seiner eigenen Staatsb\u00fcrger, die zu IS-Terroristen wurden. Dabei hat die Bundesrepublik den Terror und die Terroristen einst exportiert. Und dies geschah wissentlich, sagt der Islamwissenschaftler Fabian Goldmann.<\/p>\n\n\n\n

Wann haben Sie sich eigentlich zuletzt von deutschen Terroristen distanziert? Zum Beispiel von Robert B.? Der Ex-Bundeswehrsoldat aus Solingen hat mutma\u00dflich bei einem Selbstmordattentat Anfang 2014 50 Menschen mit in den Tod gerissen. <\/p>\n\n\n\n

Oder von Yannik N.? Der junge Freiburger steuerte wahrscheinlich im Jahr 2015 einen mit anderthalb Tonnen Sprengstoff beladenen LKW in eine Menschenmenge und nahm so Dutzenden Personen das Leben.<\/p>\n\n\n\n

Oder von Yamin A.?. Im Sommer 2015 tauchte im Netz ein Video auf, das zeigte, wie der ehemalige Telekom-Azubi aus K\u00f6nigswinter zwei gefesselten Soldaten in den Kopf schoss.
Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Deutsche T\u00e4ter, aber kaum deutsche Opfer<\/h2>\n\n\n\n

Hauptsache nicht bei uns! Dies scheint auch dieser Tage wieder die Maxime zu sein, wenn Politiker und \u00d6ffentlichkeit \u00fcber den Umgang mit deutschen Terroristen diskutieren. Von potenziellen Bedrohungen und Anschlagsgefahren in Deutschland liest man dann. Vom ganz realen Terror, den Deutsche in den vergangenen Jahren \u00fcber die Menschen in Syrien und Irak gebracht haben, h\u00f6rt man hingegen kaum. Ein Terror, der kaum deutsche Opfer aber umso mehr deutsche T\u00e4ter kannte.<\/p>\n\n\n\n

1.050 \u2013 das ist laut Bundesinnenministerium die Anzahl der Dschihadisten, die in den letzten Jahren die Bundesrepublik in Richtung Nahost verlassen hat. Es f\u00e4llt schwer, sich umgekehrtes Szenario \u00fcberhaupt auszumalen. Was w\u00e4re wohl los, h\u00e4tte es nur ein Bruchteil arabischer Terroristen geschafft, bei uns Anschl\u00e4ge zu begehen? Europas \u201eMuslim Bann\u201c? \u00dcberwachungsstaat auf NSA-Niveau?<\/p>\n\n\n\n

Die CSU st\u00fcnde wom\u00f6glich am linken Ende des politischen Spektrums, und auf Twitter w\u00fcrde Trump deutsche Migrationspolitiker zur M\u00e4\u00dfigung aufrufen. Der deutsche Terror in Nahost kommt hingegen seit Jahren ganz ohne Sondersendungen, politische Debatten und Distanzierungsforderungen aus. <\/p>\n\n\n\n

Deutsche K\u00e4mpfer waren nicht nur willenloses Kanonenfutter<\/h2>\n\n\n\n

An fehlendem Wissen liegt das nicht. Von ganzen Einheiten des IS, in denen kein einziger K\u00e4mpfer Arabisch spreche, berichten syrische, irakische und kurdische Soldaten schon seit Jahren. Von Aleppo \u00fcber Raqqa bis Mossul haben Aktivisten und Politiker immer wieder darauf hingewiesen, dass viele der schlimmsten M\u00f6rder in den Reihen des IS Europ\u00e4er sind. Interessiert hat das hier kaum jemand.<\/p>\n\n\n\n

Dabei dienten Deutsche dem Islamischen Staats nicht nur als willenloses Kanonenfutter, wie es oft dargestellt wird. Viele haben seinen Terror mitgepr\u00e4gt. Wie Martin L., der derzeit in kurdischer Haft sitzt. Der Schwei\u00dfer aus Sachsen-Anhalt soll sich vom Folterknecht bis zum Geheimdienstler mit Kontakten bis in die F\u00fchrungsspitze der Terrororganisation hochgearbeitet haben.<\/p>\n\n\n\n

Oder Reda S., Der Prediger aus Berlin-Charlottenburg soll dem IS in Mossul als Bildungsminister gedient haben. Oder der Berliner Ex-Rapper Denis Cuspert, der zu den wichtigsten Personen in der IS-Medienorganisation Al-Hayat geh\u00f6rte. Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Beh\u00f6rden wussten gut Bescheid<\/h2>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich entstand der Islamische Staat nicht in deutschen Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen. Zur deutschen Verantwortung geh\u00f6rt aber auch, dass Politiker und Beh\u00f6rden lange wegschauten, solang nur die T\u00e4ter, aber nicht die Opfer Deutsche waren. Beh\u00f6rden wissen und wussten erschreckend gut Bescheid \u00fcber die Radikalisierung deutscher Islamisten. Ein Gro\u00dfteil der sp\u00e4teren IS-K\u00e4mpfer war polizeibekannt, stand auf Gef\u00e4hrderlisten oder hatte wegen islamistischer Straftaten bereits Haftstrafen verb\u00fc\u00dft. An der Ausreise gehindert wurden sie oftmals dennoch nicht. Die Gefahr, die von deutschen Terroristen ausgeht, interessierte Politik und \u00d6ffentlichkeit erst dann wieder, als ihre Einreise drohte.<\/p>\n\n\n\n

\"Fabian
Fabian Goldmann<\/strong> ist Journalist und Islamwissenschaftler. F\u00fcr verschiedene Magazine und Zeitungen berichtete er viele Jahre aus Nahost. Zurzeit widmet er sich vor allem dem Islam diesseits des Bosporus. Auf seinem Blog Schantall und die Scharia<\/a> bloggt er \u00fcber Islamophobie in Deutschland.<\/p>\n","post_title":"Es sind unsere Terroristen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"es-sind-unsere-terroristen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3703","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3700,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:19:36","post_date_gmt":"2020-08-13 21:19:36","post_content":"\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda? Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda t<\/p>\n\n\n\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda tritt an die Stelle der 2010 verabschiedeten Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014 (siehe IP\/10\/1535<\/a>). In der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda f\u00fcr den Zeitraum 2015-2020 skizziert die Europ\u00e4ische Kommission die Strategie der Union zur Bew\u00e4ltigung der Sicherheitsbedrohungen in der EU.<\/p>\n\n\n\n

Die EU und ihre Mitgliedstaaten sind mit betr\u00e4chtlichen Sicherheitsproblemen konfrontiert. Terrorismus, organisierte Kriminalit\u00e4t und Cyberkriminalit\u00e4t stellen eine zunehmende Gefahr f\u00fcr die europ\u00e4ische Gesellschaft dar, wobei sich Art und Ausma\u00df dieser Gefahr ver\u00e4ndert hat. Europa ist mit den Auswirkungen der politischen Instabilit\u00e4t in seiner unmittelbaren Nachbarschaft konfrontiert, die die Sicherheitsinteressen der EU gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n

Im Zuge der Krisen und Konflikte in Syrien, Irak und Libyen haben sich europ\u00e4ische B\u00fcrger terroristischen Gruppen angeschlossen, die bei ihrer R\u00fcckkehr eine erhebliche Bedrohung darstellen k\u00f6nnen. Die j\u00fcngsten terroristischen Anschl\u00e4ge in Europa zeugen von der zunehmenden Bedrohung durch einen gewaltt\u00e4tigen Extremismus und zeigen, in welchem Ausma\u00df weltweite Konflikte zur Radikalisierung der europ\u00e4ischen B\u00fcrger beitragen.<\/p>\n\n\n\n

Das Online-Umfeld hat sich zunehmend als Ziel f\u00fcr Kriminelle und Terroristen entwickelt. Unabh\u00e4ngig davon, ob es um die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und die Anwerbung von Menschen f\u00fcr terroristische Organisationen geht oder die Verbreitung von Hass oder einen Angriff auf die europ\u00e4ischen Werte und Institutionen, fest steht, dass wir unsere Reaktion auf diese Bedrohungen unbedingt abstimmen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Welcher Mehrwert entsteht durch die EU im Bereich der inneren Sicherheit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Gew\u00e4hrleistung der inneren Sicherheit f\u00e4llt weiterhin in erster Linie in die Zust\u00e4ndigkeit der Mitgliedstaaten. Allerdings werden die Bedrohungen f\u00fcr Europas B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger immer vielf\u00e4ltiger und betreffen in zunehmendem Ma\u00dfe mehrere Mitgliedstaaten. Einzelne Mitgliedstaaten haben die Verantwortung, die Sicherheit an den Au\u00dfengrenzen zu gew\u00e4hrleisten, sind aber nicht mehr in der Lage, diese Herausforderungen allein zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n

Kriminelle und terroristische Aktivit\u00e4ten machen nicht an den Grenzen der EU halt und beschr\u00e4nken sich auch nicht auf Nachbarregionen. Die innere Sicherheit der EU und die globale Sicherheit sind voneinander abh\u00e4ngig und miteinander verkn\u00fcpft. Die Sicherheit der Union h\u00e4ngt in hohem Ma\u00dfe von der Zusammenarbeit mit ihren internationalen Partnern und ihren Nachbarl\u00e4ndern ab.<\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t und des Terrorismus ist eine gemeinsame europ\u00e4ische Aufgabe. Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda sollte von den Mitgliedstaaten und den EU-Organen gemeinsam als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und gemeinsame Ma\u00dfnahmen der Union genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n

Mit Hilfe der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda werden die Polizei- und Strafverfolgungsdienste in verschiedenen Mitgliedstaaten Daten effektiver austauschen und bei der Bek\u00e4mpfung der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t besser zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Die Mitgliedstaaten k\u00f6nnen auf die Unterst\u00fctzung durch die Agenturen der EU z\u00e4hlen. Insbesondere in folgenden Punkten l\u00e4sst sich mit Hilfe der Sicherheitsagenda ein EU-Mehrwert erzielen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n

A) Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und den EU-Agenturen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1<\/strong>: Das Schengener Informationssystem<\/strong> (SIS) wird von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Abfrage von Ausschreibungen von gesuchten oder vermissten Personen und Gegenst\u00e4nden genutzt. Die Kommission wird an der Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Ausschreibungskategorien arbeiten und sich daf\u00fcr einsetzen, dass das SIS zusammen mit der Interpol-Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD)<\/strong> umfassender genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Tausende afghanische Jugendliche \u2013 die genaue Zahl ist nicht bekannt \u2013 wurden im Iran rekrutiert, um im Krieg in Syrien zu k\u00e4mpfen. Erst vor Kurzem berichtete die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, dass sie die Gr\u00e4ber von acht afghanischen Kindern, die in Syrien get\u00f6tet wurden, identifiziert hat. Laut der Organisation rekrutiert der Iran regelm\u00e4\u00dfig minderj\u00e4hrige K\u00e4mpfer, um sie nach Syrien zu schicken. Unter afghanischen Gefl\u00fcchteten ist diese Praxis schon l\u00e4nger bekannt.<\/p>\n\n\n\n

Rassismus gegen Afghanen im Iran<\/h2>\n\n\n\n

Fast drei Millionen Gefl\u00fcchtete aus Afghanistan sind inzwischen im Iran. Die meisten von ihnen leben in der Illegalit\u00e4t und werden als Schwarzarbeiter, etwa am Bau, ausgebeutet. Rassismus und Ausgrenzung geh\u00f6ren zu ihrem gesellschaftlichen Alltag. Kinder sind davon nicht ausgeschlossen. Im Gegenteil: Vielen afghanischen Kinderm ist es nicht erlaubt, staatliche Schulen zu besuchen. Abu Fazel wurde Zeit seines Lebens von dieser Diskrimierung beeinflusst und verfolgt.<\/p>\n\n\n\n

\u201e'Afghane\u2018 \u2013 das ist dort ein Schimpfwort. Ich h\u00f6rte es von klein auf immer wieder. Der Rassismus gegen Afghanen ist dort v\u00f6llig normal. Meine Herkunft, auf der ich eigentlich stolz war, ist im Iran stets eine Last gewesen. Wir sind dort B\u00fcrger zweiter Klasse.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung der afghanischen Gefl\u00fcchteten ist f\u00fcr Abu Fazel die Spitze jenes Rassismus, den er erlebt hat.<\/p>\n\n\n\n

Iran: Syrien vor sunnitischen Extremisten verteidigen<\/h2>\n\n\n\n

In Syrien k\u00e4mpfen neben den afghanischen Milizen auch andere paramilit\u00e4rische Gruppierungen im Auftrag des Irans: etwa die ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigten Revolutionsgarden, die einst Ayatollah Ruhollah Khomeini pers\u00f6nlich ins Leben rief oder die Basidsch-Milizen. Beiden Gruppierungen sind nicht nur in Syrien aktiv, sondern auch im Irak.<\/p>\n\n\n\n

Obowhl sich das syrische Regime von Baschar al-Assad als s\u00e4kular ausweist, wird es vom Iran, der sich als Repr\u00e4sentant aller muslimischen Schiiten betrachtet, unterst\u00fctzt. Gemeinsames Ziel in Syrien ist es: Schiiten vor sunnitische Extremisten zu verteidigen. Dennoch ist das Regime darauf bedacht, m\u00f6glichst wenig eigene K\u00e4mpfer nach Syrien zu schicken. \u00c4hnlich wie einst w\u00e4hrend des Krieges gegen Saddam Husseins Irak, setzt der Iran auf ausl\u00e4ndische K\u00e4mpfer.<\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung war wie eine Gehirnw\u00e4sche<\/h2>\n\n\n\n

Abu Fazels Familie geh\u00f6rt zur afghanischen Minderheit der schiitischen Hazara \u2013 wie viele Afghanen, die in den Iran gekommen sind. Mittlerweile k\u00e4mpfen Tausende von ihnen in Syrien. Der Iran bezahlt die Afghanen mit einem Sold von wenigen hundert Dollar pro Monat und verspricht ihren Familien eine Aufenthaltsgenehmigung oder eine Arbeitserlaubnis.<\/p>\n\n\n\n

An der Rekrutierung der Afghanen sind sowohl die Revolutionsgarden als auch die erw\u00e4hnten Basidsch-Milizen beteiligt. Abu Fazel beschreibt, wie das Viertel, in dem er gemeinsam mit seiner Familie in Teheran lebte, regelm\u00e4\u00dfig von den K\u00e4mpfern aufgesucht wurde. Viele afghanische Gefl\u00fcchtete lebten dort \u2013 und fielen auf die Gehirnw\u00e4sche der Rattenf\u00e4nger herein.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie trafen junge M\u00e4nner und Jugendliche in den Moscheen und \u00fcberredeten sie, gegen den IS oder Al Qaida zu k\u00e4mpfen. Die Gehirnw\u00e4sche war perfekt. Am Ende merkten viele, darunter auch ich, nicht einmal, dass wir in ihre Propaganda getappt waren. Ihre \u00dcberredungskunst war wirklich sehr speziell. Am Ende hat man Lust, nach Syrien zu gehen, um zu k\u00e4mpfen\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Erfolg hatten die Rekrutierer des Regimes auch bei Abu Fazels Cousin, der zum damaligen Zeitpunkt ebenfalls minderj\u00e4hrig gewesen ist. Er ging nach Syrien und k\u00e4mpfte unter der Flagge der \u201eLiwa Fatemiyoun\u201c, wie die afghanische Division auf Seiten Assads hei\u00dft. Offiziell ist die Aufgabe der Miliz die Verteidigung des Schreines von Zaynab im S\u00fcden von Damaskus. Zaynab war die Enkelin des islamischen Propheten Mohammad. Laut iranischen Staatsmedien k\u00e4mpfen mindestens 20.000 Afghanen in der Division.<\/p>\n\n\n\n

Im August 2014 entschloss sich auch Abu Fazel, nach Syrien zu gehen und zu k\u00e4mpfen. Im selben Monat wurde sein Cousin in der N\u00e4he von Aleppo im Kampf gegen syrische Rebellen get\u00f6tet.<\/p>\n\n\n\n

\u201eMein Cousin wurde dort get\u00f6tet. Auch andere Jungs aus unserer Gegend gingen nach Syrien und fielen dort. Lokale Zeitungen nannten sie \u201aM\u00e4rtyrer\u2018.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Lieber Flucht statt K\u00e4mpfer in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein solcher \u201eM\u00e4rtyrer\u201c wollte Abu Fazel allerdings nicht werden. Er floh eine Woche vor dem Beginn seiner dreimonatigen Kampfausbildung. Es war ihm lieber, ein Leben auf der Flucht zu verbringen, als in Syrien unschuldige Menschen f\u00fcr einen Diktator zu t\u00f6ten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch kam zu dem Schluss, dass ich nicht als M\u00f6rder weiterleben k\u00f6nnte. Stets dachte ich mir, dass selbst die schlimmsten Al-Qaida- oder IS-Terroristen Kinder haben k\u00f6nnten, die ihren Vater lieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Fazel verlor seinen eigenen Vater bereits sehr fr\u00fch. Er wurde Opfer des B\u00fcrgerkriegs in Afghanistan, der von 1989 bis 2001 tausende Menschen das Leben kostete. Auch der Iran mischte in der Zeit schon mit. Es ist allgemein bekannt, dass die schiitischen Hazara-Milizen, die den B\u00fcrgerkrieg ebenfalls mitanfachten, von der Regierung in Teheran unterst\u00fctzt wurden.<\/p>\n\n\n\n

Als Abu Fazel sich nun entschloss, aus der Gewaltspirale auszusteigen und nicht in Syrien zu k\u00e4mpfen, wuchs die Angst bei seiner Familie. Denn f\u00fcr die iranischen Beh\u00f6rden gilt: Hat man sich einmal gemeldet, gibt es kein zur\u00fcck. Man muss an die Front nach Syrien \u2013 oder wird zur\u00fcck nach Afghanistan abgeschoben, wo ebenfalls Krieg herrscht.<\/p>\n\n\n\n

Der einzige Ausweg f\u00fcr den jungen Afghanen war die Flucht. \u00dcber die T\u00fcrkei, Griechenland und die Balkranroute erreichte er mit gro\u00dfer M\u00fche Deutschland, wo er einen Asylantrag stellte.<\/p>\n\n\n\n

Erster Asylantrag in Deutschland abgelehnt<\/h2>\n\n\n\n

Als Grund nannte er seine Rekrutierung als Kindersoldat seitens des iranischen Regimes. Doch w\u00e4hrend diese Begr\u00fcndung in Abu Fazels Augen v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich war, sahen deutsche Beh\u00f6rden das anders. Sein erster Antrag wurde abgelehnt. Derzeit versucht er es ein zweites Mal. Die Bundesrepublik schiebt afghanische Gefl\u00fcchtete weiterhin ab.<\/p>\n\n\n\n

\"EinAbschiebung von Afghanen im Dezember 2016 mit einem Charterflug von Frankfurt nach Kabul. (dpa \/picture alliance \/ Boris Roessler)<\/p>\n\n\n\n

Die Verantwortlichen weisen in diesem Kontext immer wieder auf vermeintlich \u201esichere Gebiete\u201c im Land, die nicht n\u00e4her benannt werden.<\/p>\n\n\n\n

W\u00e4hrenddessen machen Menschenrechtsorganisationen regelm\u00e4\u00dfig darauf aufmerksam, dass keine Region am Hindukusch sicher ist. Stattdessen wird in manchen Gebieten nur weniger Krieg gef\u00fchrt als in anderen.<\/p>\n\n\n\n

\"SieDemonstranten protestieren in Frankfurt am Main gegen die Abschiebung von Afghanen. Auf einem der Transparente steht \u201eAfghanistan is not safe\u201c. (AFP \/ Daniel Roland)<\/p>\n\n\n\n

Alis Vater und Onkel k\u00e4mpfen in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein \u00e4hnliches Schicksal wie Abu Fazel erlitt der 18-j\u00e4hrige Ali (Namen ge\u00e4ndert). Auch er floh aus dem Iran nach Deutschland, um der Rekrutierung f\u00fcr Assads Milizen zu entgehen. Viele seiner afghanischen Freunde sind bereits nach Syrien gezogen \u2013 und kamen niemals zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Alis Familie, ebenfalls Angeh\u00f6rige der Hazara-Minderheit, stammt urspr\u00fcnglich aus der Provinz Ghor im Nordosten Afghanistans. Ihre Heimat verlie\u00dfen sie w\u00e4hrend der sowjetischen Besatzung in den 1980er-Jahren.<\/p>\n\n\n\n

Seit jeher lebt die Familie in der iranischen Gro\u00dfstadt Maschhad. Als der Krieg in Syrien ausbrach, erreichte sie ein Konflikt, mit dem sie nicht gerechnet hatten. Im Juli 2015 reiste Alis Vater nach Teheran. Er wollte einen Weg finden, um f\u00fcr seine Familie Aufenthaltspapiere zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Beh\u00f6rden sagten ihm, dass die Rekrutierung f\u00fcr den Krieg in Syrien eine M\u00f6glichkeit darstellen k\u00f6nnte, um Papiere f\u00fcr uns alle zu erhalten. Andernfalls w\u00fcrde man uns sehr bald nach Afghanistan abschieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Mittlerweile k\u00e4mpfen Alis Vater und sein Onkel seit \u00fcber einem Jahr in Syrien. Am Aufenthaltsstatus seiner Familienmitglieder hat sich bis heute allerdings nichts ge\u00e4ndert. F\u00fcr Ali ist klar, dass dies nur eine Falle gewesen ist, um noch mehr Afghanen als Kanonenfutter zu missbrauchen.<\/p>\n\n\n\n

Anfangs gab es Papiere f\u00fcr K\u00e4mpfer-Familien<\/h2>\n\n\n\n

Den Kontakt zu seinem Vater hat der Afghane mittlerweile verloren. W\u00e4hrenddessen schickt ihm sein Onkel, der in Aleppo stationiert ist, hin und wieder Bilder \u00fcber den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ali denkt, dass nur sehr wenige Afghanen der Propaganda der iranischen Regierung glauben und in Syrien f\u00fcr eine \u201egute Sache\u201c k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

Source<\/a><\/p>\n","post_title":"Warum Afghanen in Syrien f\u00fcr Assad k\u00e4mpfen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"warum-afghanen-in-syrien-fur-assad-kampfen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3709","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3706,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:27:40","post_date_gmt":"2020-08-13 21:27:40","post_content":"\n

Kinder, Frauen, Jesiden \u2013 wer \u00fcberlebt hat, berichtet von Folter, Vergewaltigungen und Gehirnw\u00e4sche. Rund drei Jahre dauerte die Schreckensherrschaft der IS-Miliz in Syrien und Irak. Der Wiederaufbau wird l\u00e4nger dauern und mehr umfassen als H\u00e4user.<\/p>\n\n\n\n

Der Fluss Tigris durchzieht die zweitgr\u00f6\u00dfte Stadt des Iraks und teilt Mosul in Ost und West. Das Westufer ist von Zerst\u00f6rung gezeichnet, die Altstadt nicht mehr als eine einzige graue Tr\u00fcmmerlandschaft. Seit den letzten Bombardements im Juli 2017 kann hier niemand mehr wohnen.<\/p>\n\n\n\n

Die Nouri-Moschee, von deren Kanzel Abu Bakr al-Baghdadi im Juli 2014 sein Kalifat ausrief, hatte die IS-Miliz auf ihrem R\u00fcckzug vorsorglich selbst in die Luft gesprengt, um den Gegnern diesen besonderen Triumph zu verwehren.<\/p>\n\n\n\n

\"ImIm Juli 2017 erobert die irakische Armee Mossul zur\u00fcck. Ruinen sind zu sehen. Ein K\u00e4mpfer der IS-Miliz hat sich ergeben. (Imago \/ Carol Guzy)<\/p>\n\n\n\n

Es ist fraglich, ob die Altstadt dem Original getreu wieder aufgebaut werden kann. Bagdad will demn\u00e4chst \u2013 im Rahmen einer gro\u00dfen Wiederaufbau-Konferenz \u2013 bekannt geben, welche Pl\u00e4ne es hat. Derzeit gilt als gro\u00dfer Fortschritt, dass die Tr\u00fcmmerlandschaft in Teilen wieder begehbar ist \u2013 nachdem mit internationaler Hilfe zahllose Sprengs\u00e4tze beseitigt wurden.<\/p>\n\n\n\n

In Ost-Mossul gibt es weniger Zerst\u00f6rungen<\/h2>\n\n\n\n

J\u00fcngste Sch\u00e4tzungen der Vereinten Nationen besagen, dass es noch Jahre dauern wird, bis alle Minen ger\u00e4umt sind. Solange werden die einstigen Bewohner nicht zur\u00fcckkehren k\u00f6nnen. Manche von ihnen haben Gl\u00fcck im Ungl\u00fcck: Sie haben \u00fcberlebt und sind auf der anderen Seite des Tigris untergekommen, im Osten der Stadt. Der war schon im Januar 2017 von den Terroristen befreit worden. Erstaunlich ist: Dieser Teil Mosuls wirkt fast so, als w\u00e4re der \u201eIS\u201c niemals hier gewesen und als h\u00e4tte es keinen Krieg gegeben.<\/p>\n\n\n\n

\"ImIm Osten Mossuls gibt es weniger Zerst\u00f6rungen als im Westteil. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

Die Zerst\u00f6rungen beschr\u00e4nken sich auf strategisch-wichtige Punkte oder Geb\u00e4ude, in denen sich die Terroristen verschanzt hatten: Br\u00fccken, Moscheen, Krankenh\u00e4user. Doch im Basar herrscht fast so etwas wie Normalit\u00e4t. An St\u00e4nden kaufen Menschen ein \u2013 Obst, Gem\u00fcse, Reis und Nudeln, Backwaren. Kinder schlecken ein Eis. Abu Muhammad, ein ehemaliger Physiklehrer, erkl\u00e4rt, warum der Basar so anders ist als erwartet:<\/p>\n\n\n\n

\u201eDas Leben hatte nie aufgeh\u00f6rt in Mosul. Wir haben weitergelebt. Drei Jahre wurden wir vom \u201aIS\u2018 beherrscht, doch die normalen Leute hatten nichts damit zu tun. Daher kam der Alltag schnell zur\u00fcck. Die Soldaten sind gekommen, haben den Basar wieder aufgemacht und das Leben ging weiter.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Im Osten findet sich heute all das wieder, was die Terror-Miliz unterdr\u00fcckt hatte und bei Missachtung grausam ahndete: Musik in Restaurants und Caf\u00e9s; Sim-Karten f\u00fcr Handys; Internet; Fris\u00f6re, die Haare schneiden, B\u00e4rte stutzen oder gar abrasieren. Und doch: Trotz des lebendigen Treibens wirken Angst und Schrecken nach. Abu Muhammad, fr\u00fch ergraut, erinnert sich:<\/p>\n\n\n\n

\u201eWir haben uns gef\u00fchlt wie zwischen Leben und Tod. Irgendwo dazwischen. Sie haben vom \u201aIS\u2018 geh\u00f6rt; wir haben ihn erlebt: Wir haben erlebt, wie sie mordeten, wie sie Leute aufh\u00e4ngten, wir haben den Krieg erlebt. Wir haben alles gesehen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Mohammed stammt aus dem zerst\u00f6rten Westen der Stadt. Er wohnt heute im Osten. Verwandte haben ihn und seine Familie aufgenommen. So wie ihm ergeht es auch anderen Vertriebenen. Sie leben bei Verwandten und Freunden. Oder in einem der vielen Lager. 700.000 Menschen haben ihr Zuhause verloren \u2013 eine Zahl, die f\u00fcr West-Mosul gilt. Insgesamt gehen die Vereinten Nationen von fast sechs Millionen Menschen aus, die im Irak vor dem \u201aIS\u2018 geflohen sind \u2013 die H\u00e4lfte von ihnen bis heute fern von ihrem Zuhause.<\/p>\n\n\n\n

Binnenfl\u00fcchtlinge im Lager Khabartu<\/h2>\n\n\n\n

Zelte soweit das Auge reicht. Abertausende. Inmitten von Steppe. Das Leben der Menschen ist hart. Sie darben, frieren und verdorren \u2013 wenn im Winter der kalte Wind durch die Steppe fegt und im Sommer die Sonne niederbrennt. Doch sie harren aus, haben wenig Hoffnung auf baldige R\u00fcckkehr. Die meisten kamen 2014 \u2013 hierher, ins Lager Khabartu in Irakisch-Kurdistan.<\/p>\n\n\n\n

\"DasDas Lager Khabartu f\u00fcr irakische Binnenfl\u00fcchtlinge. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

2014, als der \u201eIS\u201c den Nord-Irak \u00fcberfiel. In einem der Zelte lebt auch die Familie von Thomas Abdallah Hammou. Thomas war auf der Flucht von seiner Familie getrennt und von den Dschihadisten verschleppt worden. Damals war er acht Jahre alt. Ein Kind. Drei Jahre blieb er in Geiselhaft, lebte in Mosul.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollten nicht, dass wir spielen. Sie mochten es nicht. Ich habe keine Schule besucht, aber sie gaben uns Koran-Unterricht. Jeden Tag.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas musste seinem eigenen, dem jesidischen Glauben abschw\u00f6ren. Weil der \u201eIS\u201c die Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c betrachtet. Und \u201eUngl\u00e4ubige\u201c, so die Auffassung der Terroristen, m\u00fcssen zwangsbekehrt werden. Oder get\u00f6tet. Die Terroristen hatten dementsprechend die Jesiden entweder an Ort und Stelle ermordet, die meisten im Sinjar, im alten Siedlungsgebiet der Jesiden im Nord-Irak. Tausende. 47 Massengr\u00e4ber sollen mittlerweile gefunden worden sein. Oder aber die Terroristen lie\u00dfen die Jesiden am Leben und nahmen sie in Geiselhaft. Sie machten aus ihnen Sexsklavinnen oder sie bildeten sie aus \u2013 zu Selbstmordattent\u00e4tern. Wie Thomas.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie haben uns st\u00e4ndig geschlagen. Wir mussten Schie\u00dfen \u00fcben. Zwei meiner Freunde haben sich in die Luft gesprengt. Sie sind zum Training. Doch sie kamen nicht zur\u00fcck. Ich war nicht traurig. Sie wollten sich ja in die Luft sprengen. Die \u201aIS\u2018-Leute hatten es nicht von ihnen verlangt. Sie sind freiwillig gegangen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas hat heute einen modernen Haarschnitt; der Nacken ist ausrasiert; der lange Pony in die Stirn gek\u00e4mmt. Im Sommer sah er noch anders aus, kurz nachdem Mosul befreit worden war. Bei einem Luftangriff der Anti-\u201eIS\u201c-Koalition wurde Thomas schwer verletzt aus Tr\u00fcmmern geborgen, dann operiert.<\/p>\n\n\n\n

\"ThomasThomas erholt sich von drei Jahren IS-Gefangenschaft. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

Arbeit mit \u201eDschihadisten-Kindern\u201c<\/h2>\n\n\n\n

Die \u00e4u\u00dferen Wunden sind heute verheilt. Doch wie sieht es aus mit den inneren, den seelischen Verletzungen? Thomas wurde von seiner Familie aufgenommen und bekommt Hilfe. Andere Kinder konnten nicht aufgefangen werden. Bis heute betrachten sie Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c \u2013 so wie es ihnen in der Geiselhaft eingeh\u00e4mmert wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie sind eine gro\u00dfe Gefahr f\u00fcr andere Kinder. Sie leben in Lagern, in einem Zelt, auf sechs mal vier Metern, oder noch weniger! Acht Geschwister, sie spielen zusammen, reden, sie indoktrinieren die anderen! Das ist ein Problem, das wir nicht l\u00f6sen k\u00f6nnen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Sara Hassan ist Sozialarbeiterin. Sie arbeitet in den Lagern, versucht M\u00e4dchen und Frauen, die jahrelang in Geiselhaft vergewaltigt wurden, zu helfen. Unz\u00e4hlige hatte der \u201eIS\u201c einst entf\u00fchrt. Sara arbeitet auch mit den sogenannten \u201eDschihadisten-Kindern\u201c. Sie erz\u00e4hlt, wie \u00fcberfordert alle seien: die Familien, die jesidische Gemeinschaft, die Gesellschaft des Nord-Irak.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIn einem anderen Fall hat sich die Familie am Ende an die Sicherheitskr\u00e4fte gewandt. Doch die wussten auch nicht, wie sie damit umgehen sollten. Monate lang hat die Familie versucht, den Jungen umzuerziehen, zusammen mit Sozialarbeitern. Aber noch immer sehen wir den Hass in seinen Augen \u2013 gegen\u00fcber Kurden, Christen und Jesiden. Als blicke man in die Augen eines IS-Terroristen. Das ist das Problem.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Die Jesiden k\u00f6nnen \u00fcber ihre vom \u201eIS\u201c indoktrinierten Kinder sprechen. Denn niemand zweifelt daran, dass sie Opfer der Tyrannei wurden. Bei den sunnitischen Arabern sieht das anders aus. Da sie derselben Religionsgruppe angeh\u00f6ren wie formal auch die Terroristen, stehen sie unter Generalverdacht, mit dem \u201eIS\u201c gemeinsame Sache gemacht zu haben. Sunnitische Araber trauen sich daher nicht, die Probleme ihrer Kinder \u00f6ffentlich zu machen \u2013 auch wenn sie selbst nichts mit dem \u201eIS\u201c zu tun hatten.<\/p>\n\n\n\n

Unklar ist, wie viele Kinder und Jugendliche im Irak und in Syrien zu Terroristen ausgebildet wurden, dabei noch in Geiselhaft sind oder bereits als \u201eSchl\u00e4fer\u201c darauf warten, zum Einsatz zu kommen. Sie gleichen \u201etickenden Zeitbomben\u201c, die jederzeit explodieren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

Minderheiten haben Angst vor \u201eIS\u201c-Nachfolgern<\/h2>\n\n\n\n

Kamaran Palani spricht davon, dass viele Menschen immer noch gehen wollen, obwohl der \u201eIS\u201c als staats\u00e4hnliches Gebilde nicht mehr besteht. Seine Saat aber, so der Politikwissenschaftler, sei aufgegangen.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollen einfach nicht in diesem Land bleiben. Der IS hat sie dazu gebracht. Jeder hat heute Angst, dass eine andere Organisation kommen wird, Terroristen, die dasselbe anrichten wie zuvor.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Palani forscht am \u201eMiddle East Research Institute\u201c, das seinen Sitz in Erbil hat, der Hauptstadt von Irakisch-Kurdistan. <\/p>\n\n\n\n

\u201e60 bis 65 Prozent der Christen wollen gehen. Das Gleiche gilt f\u00fcr andere Minderheiten: f\u00fcr Jesiden, Schabaks, Turkmenen, Kakais.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

\u201eWir werden niemals wieder mit den Arabern zusammenleben k\u00f6nnen!\u201c \u2013 ein Satz, der heute h\u00e4ufig im Nord-Irak zu h\u00f6ren ist. Gemeint sind die Iraker, die Sunniten und Araber sind \u2013 die einstmals Nachbarn von Jesiden, Christen und Kurden waren \u2013 mit denen man Handel trieb und Hochzeiten feierte, die auch Freunde waren.<\/p>\n\n\n\n

Der Irak ist eine multi-ethnische und multi-religi\u00f6se Gesellschaft, in der die Schiiten die Mehrheit stellen. \u00dcber Jahrhunderte aber hatten die sunnitischen Araber das Sagen, sie missbrauchten die Macht, errichteten ein Schreckensregime \u2013 bis 2003, als Diktator Saddam Hussein von den USA gest\u00fcrzt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c entstand aus Widerstand gegen Schiiten-Herrschaft<\/h2>\n\n\n\n

Jetzt wurde der Spie\u00df umgedreht. Die Amerikaner sorgten daf\u00fcr, dass die Sunniten jegliche Machtposition verloren \u2013 so wurde die irakische Armee, wurde die baathistische Partei aufgel\u00f6st \u2013 ohne ein Pendant zu schaffen, das alle integrierte. Und: Washington unterst\u00fctzte Regierungschef Nouri al-Maliki, einen Schiiten. Maliki sah eine historische Chance gekommen, diskriminierte nun seinerseits seine sunnitischen Landsleute, verwehrte ihnen im \u201eNeuen Irak\u201c die Mitsprache. Im Regime Malikis wurden Sunniten inhaftiert, gefoltert und umgebracht.<\/p>\n\n\n\n

Was viele in den Widerstand trieb. Einige schlossen sich der Terror-Organisation \u201eAl-Qaida\u201c an, unter ihnen f\u00fchrende Milit\u00e4rs der aufgel\u00f6sten Armee Saddam Husseins \u2013 und aus \u201eAl-Qaida\u201c ging sp\u00e4ter der \u201eIS\u201c hervor.<\/p>\n\n\n\n

Als der \u201eIS\u201c dann im Sommer 2014 fast ohne Gegenwehr weite Landstriche in Syrien und im Irak \u00fcberrannte und seinen \u201eStaat\u201c ausrief, sahen auch gew\u00f6hnliche sunnitische Araber einen Wechsel nahen. Viele machten gemeinsame Sache mit den Terroristen, verhinderten die Flucht jesidischer Nachbarn, lieferten sie ihren Schl\u00e4chtern aus. Kamaran Palani:<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c-K\u00e4mpfer haben gesagt, es gehe darum, die W\u00fcrde der sunnitischen Araber wiederherzustellen. Ihre Macht. Ihre Geschichte. Tats\u00e4chlich konnten es die Araber nicht hinnehmen, dass sie ins Abseits gedr\u00e4ngt wurden. Und ich denke, dass sie auch in Zukunft so handeln werden. Wann immer sich die Gelegenheit bietet: Sie werden alles hinter sich lassen \u2013 sich nur darauf konzentrieren.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Misstrauen. Auch bei einem Politikwissenschaftler. Was also tun? Zerst\u00f6rte St\u00e4dte und D\u00f6rfer k\u00f6nnten wieder aufgebaut werden \u2013 wenn denn ein gemeinsamer Wille best\u00fcnde. Doch was, wenn es einen solchen gemeinsamen Willen gar nicht gibt? Wenn Schmerz und Trauer anhalten, wenn die Verbrechen von Terroristen und Helfershelfern nicht geahndet werden, wenn Angst umgeht, Misstrauen und Hass das Miteinander bestimmen.<\/p>\n\n\n\n

\"SyrischeSoldaten in der irakischen Stadt Sindschar nach der R\u00fcckeroberung von der IS-Miliz Ende 2015. (dpa \/ MAXPPP \/ Arnaud Dumontier)<\/p>\n\n\n\n

Kamaran Palani stammt aus der Stadt Makhmour. Drei Tage nur sei der \u201eIS\u201c dort gewesen, sagt er, doch diese Tage h\u00e4tten alles ver\u00e4ndert. Der \u201eIS\u201c habe die Menschen in seiner Heimatstadt verrohen lassen, meint er, das Verh\u00e4ltnis zwischen Kurden und Arabern sei heute tot. Eine R\u00fcckkehr in alte Zeiten h\u00e4lt Palani f\u00fcr falsch.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch denke, es w\u00e4re nicht einfach, in das Jahr 2014 \u2013 also in die Zeit vor dem \u201aIS\u2018 \u2013 zur\u00fcckzukehren. Vor allem aber w\u00e4re es nicht die richtige Politik. Denn eben die hat ja erst zum Aufkommen, zur Existenz des \u201aIS\u2018 gef\u00fchrt.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n


Wie also in Ruinen Neues schaffen? Der Staat muss das Gewaltmonopol zur\u00fcckerlangen, fordert der Politikwissenschaftler. F\u00fcr ihn steht das an erster Stelle. Und dann m\u00fcsse der Staat dringend einen Kurswechsel vornehmen: Er m\u00fcsse integrativ wirken, alle einbinden, auch die Araber, in Sicherheitskr\u00e4fte, Verwaltung und Politik.<\/p>\n\n\n\n

Machtmonopol m\u00fcsste von Milizen zum Staat gehen<\/h2>\n\n\n\n

Die Realit\u00e4t sieht anders aus: Ein Staat Kurdistan, der neue Optionen m\u00f6glich gemacht h\u00e4tte, auch von den Minderheiten gew\u00fcnscht worden war, ist nicht entstanden. Bagdad aber ist fern, der Zentralstaat kaum existent, und wenn, dann ist er schiitisch dominiert. Es sind Milizen, die im Nord-Irak das Geschehen bestimmen, darum rivalisieren, das Machtvakuum zu f\u00fcllen, das durch die Vertreibung des \u201eIS\u201c entstanden ist. Einst im Kampf gegen die Terroristen geeint, sind die Milizen einander heute feind.<\/p>\n\n\n\n

Allen voran die \u201eHashd ash-Shaabi\u201c, schiitisch-irakische Milizen, deren Ausbilder und Kommandeure h\u00e4ufig Iraner sind. Bagdad hat die Haschd als regul\u00e4re Kraft im Kampf gegen den \u201eIS\u201c anerkannt \u2013 obwohl Menschenrechts-Organisationen schwere Vorw\u00fcrfe gegen sie erheben. Fest steht: Die schiitischen Milizen halten D\u00f6rfer besetzt, sind in Mosul f\u00fcr ihr herrisches Auftreten und ihre Willk\u00fcr bekannt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eTats\u00e4chlich sorgen die verschiedenen bewaffneten Gruppen daf\u00fcr, dass die Fl\u00fcchtlinge nicht zur\u00fcckkehren. Und weil sie nicht zur\u00fcckkehren, gibt es auch keinen Wiederaufbau. Die Menschen haben Angst vor den Milizen \u2013 auch davor, dass die einander bek\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die \u201eHashd\u201c m\u00fcssten mithin abziehen. Und mit ihnen die anderen Milizen. Das Machtmonopol m\u00fcsste an den Staat gehen. Doch der Irak ist auch Spielball der Regionalm\u00e4chte: Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien. Sie konkurrieren um Einfluss-Sph\u00e4ren, bedienen sich dabei verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Gruppen im Irak. Deswegen werden die Hashd nicht abziehen. Derzeit sind sie von der iranisch-irakischen Grenze im Osten \u00fcber Bagdad bis hoch zur irakisch-syrischen Grenze im Norden postiert. Einheiten Teherans k\u00f6nnten demnach auf dem Landweg vom Iran bis ans Mittelmeer durchmarschieren.<\/p>\n\n\n\n

Iran und Saudi-Arabien wollen Macht vergr\u00f6\u00dfern<\/h2>\n\n\n\n

Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n

In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n

Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3703,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:24:20","post_date_gmt":"2020-08-13 21:24:20","post_content":"\n

Deutschland str\u00e4ubt sich gegen die R\u00fcckkehr seiner eigenen Staatsb\u00fcrger, die zu IS-Terroristen wurden. Dabei hat die Bundesrepublik den Terror und die Terroristen einst exportiert. Und dies geschah wissentlich, sagt der Islamwissenschaftler Fabian Goldmann.<\/p>\n\n\n\n

Wann haben Sie sich eigentlich zuletzt von deutschen Terroristen distanziert? Zum Beispiel von Robert B.? Der Ex-Bundeswehrsoldat aus Solingen hat mutma\u00dflich bei einem Selbstmordattentat Anfang 2014 50 Menschen mit in den Tod gerissen. <\/p>\n\n\n\n

Oder von Yannik N.? Der junge Freiburger steuerte wahrscheinlich im Jahr 2015 einen mit anderthalb Tonnen Sprengstoff beladenen LKW in eine Menschenmenge und nahm so Dutzenden Personen das Leben.<\/p>\n\n\n\n

Oder von Yamin A.?. Im Sommer 2015 tauchte im Netz ein Video auf, das zeigte, wie der ehemalige Telekom-Azubi aus K\u00f6nigswinter zwei gefesselten Soldaten in den Kopf schoss.
Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Deutsche T\u00e4ter, aber kaum deutsche Opfer<\/h2>\n\n\n\n

Hauptsache nicht bei uns! Dies scheint auch dieser Tage wieder die Maxime zu sein, wenn Politiker und \u00d6ffentlichkeit \u00fcber den Umgang mit deutschen Terroristen diskutieren. Von potenziellen Bedrohungen und Anschlagsgefahren in Deutschland liest man dann. Vom ganz realen Terror, den Deutsche in den vergangenen Jahren \u00fcber die Menschen in Syrien und Irak gebracht haben, h\u00f6rt man hingegen kaum. Ein Terror, der kaum deutsche Opfer aber umso mehr deutsche T\u00e4ter kannte.<\/p>\n\n\n\n

1.050 \u2013 das ist laut Bundesinnenministerium die Anzahl der Dschihadisten, die in den letzten Jahren die Bundesrepublik in Richtung Nahost verlassen hat. Es f\u00e4llt schwer, sich umgekehrtes Szenario \u00fcberhaupt auszumalen. Was w\u00e4re wohl los, h\u00e4tte es nur ein Bruchteil arabischer Terroristen geschafft, bei uns Anschl\u00e4ge zu begehen? Europas \u201eMuslim Bann\u201c? \u00dcberwachungsstaat auf NSA-Niveau?<\/p>\n\n\n\n

Die CSU st\u00fcnde wom\u00f6glich am linken Ende des politischen Spektrums, und auf Twitter w\u00fcrde Trump deutsche Migrationspolitiker zur M\u00e4\u00dfigung aufrufen. Der deutsche Terror in Nahost kommt hingegen seit Jahren ganz ohne Sondersendungen, politische Debatten und Distanzierungsforderungen aus. <\/p>\n\n\n\n

Deutsche K\u00e4mpfer waren nicht nur willenloses Kanonenfutter<\/h2>\n\n\n\n

An fehlendem Wissen liegt das nicht. Von ganzen Einheiten des IS, in denen kein einziger K\u00e4mpfer Arabisch spreche, berichten syrische, irakische und kurdische Soldaten schon seit Jahren. Von Aleppo \u00fcber Raqqa bis Mossul haben Aktivisten und Politiker immer wieder darauf hingewiesen, dass viele der schlimmsten M\u00f6rder in den Reihen des IS Europ\u00e4er sind. Interessiert hat das hier kaum jemand.<\/p>\n\n\n\n

Dabei dienten Deutsche dem Islamischen Staats nicht nur als willenloses Kanonenfutter, wie es oft dargestellt wird. Viele haben seinen Terror mitgepr\u00e4gt. Wie Martin L., der derzeit in kurdischer Haft sitzt. Der Schwei\u00dfer aus Sachsen-Anhalt soll sich vom Folterknecht bis zum Geheimdienstler mit Kontakten bis in die F\u00fchrungsspitze der Terrororganisation hochgearbeitet haben.<\/p>\n\n\n\n

Oder Reda S., Der Prediger aus Berlin-Charlottenburg soll dem IS in Mossul als Bildungsminister gedient haben. Oder der Berliner Ex-Rapper Denis Cuspert, der zu den wichtigsten Personen in der IS-Medienorganisation Al-Hayat geh\u00f6rte. Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Beh\u00f6rden wussten gut Bescheid<\/h2>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich entstand der Islamische Staat nicht in deutschen Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen. Zur deutschen Verantwortung geh\u00f6rt aber auch, dass Politiker und Beh\u00f6rden lange wegschauten, solang nur die T\u00e4ter, aber nicht die Opfer Deutsche waren. Beh\u00f6rden wissen und wussten erschreckend gut Bescheid \u00fcber die Radikalisierung deutscher Islamisten. Ein Gro\u00dfteil der sp\u00e4teren IS-K\u00e4mpfer war polizeibekannt, stand auf Gef\u00e4hrderlisten oder hatte wegen islamistischer Straftaten bereits Haftstrafen verb\u00fc\u00dft. An der Ausreise gehindert wurden sie oftmals dennoch nicht. Die Gefahr, die von deutschen Terroristen ausgeht, interessierte Politik und \u00d6ffentlichkeit erst dann wieder, als ihre Einreise drohte.<\/p>\n\n\n\n

\"Fabian
Fabian Goldmann<\/strong> ist Journalist und Islamwissenschaftler. F\u00fcr verschiedene Magazine und Zeitungen berichtete er viele Jahre aus Nahost. Zurzeit widmet er sich vor allem dem Islam diesseits des Bosporus. Auf seinem Blog Schantall und die Scharia<\/a> bloggt er \u00fcber Islamophobie in Deutschland.<\/p>\n","post_title":"Es sind unsere Terroristen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"es-sind-unsere-terroristen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3703","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3700,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:19:36","post_date_gmt":"2020-08-13 21:19:36","post_content":"\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda? Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda t<\/p>\n\n\n\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda tritt an die Stelle der 2010 verabschiedeten Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014 (siehe IP\/10\/1535<\/a>). In der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda f\u00fcr den Zeitraum 2015-2020 skizziert die Europ\u00e4ische Kommission die Strategie der Union zur Bew\u00e4ltigung der Sicherheitsbedrohungen in der EU.<\/p>\n\n\n\n

Die EU und ihre Mitgliedstaaten sind mit betr\u00e4chtlichen Sicherheitsproblemen konfrontiert. Terrorismus, organisierte Kriminalit\u00e4t und Cyberkriminalit\u00e4t stellen eine zunehmende Gefahr f\u00fcr die europ\u00e4ische Gesellschaft dar, wobei sich Art und Ausma\u00df dieser Gefahr ver\u00e4ndert hat. Europa ist mit den Auswirkungen der politischen Instabilit\u00e4t in seiner unmittelbaren Nachbarschaft konfrontiert, die die Sicherheitsinteressen der EU gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n

Im Zuge der Krisen und Konflikte in Syrien, Irak und Libyen haben sich europ\u00e4ische B\u00fcrger terroristischen Gruppen angeschlossen, die bei ihrer R\u00fcckkehr eine erhebliche Bedrohung darstellen k\u00f6nnen. Die j\u00fcngsten terroristischen Anschl\u00e4ge in Europa zeugen von der zunehmenden Bedrohung durch einen gewaltt\u00e4tigen Extremismus und zeigen, in welchem Ausma\u00df weltweite Konflikte zur Radikalisierung der europ\u00e4ischen B\u00fcrger beitragen.<\/p>\n\n\n\n

Das Online-Umfeld hat sich zunehmend als Ziel f\u00fcr Kriminelle und Terroristen entwickelt. Unabh\u00e4ngig davon, ob es um die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und die Anwerbung von Menschen f\u00fcr terroristische Organisationen geht oder die Verbreitung von Hass oder einen Angriff auf die europ\u00e4ischen Werte und Institutionen, fest steht, dass wir unsere Reaktion auf diese Bedrohungen unbedingt abstimmen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Welcher Mehrwert entsteht durch die EU im Bereich der inneren Sicherheit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Gew\u00e4hrleistung der inneren Sicherheit f\u00e4llt weiterhin in erster Linie in die Zust\u00e4ndigkeit der Mitgliedstaaten. Allerdings werden die Bedrohungen f\u00fcr Europas B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger immer vielf\u00e4ltiger und betreffen in zunehmendem Ma\u00dfe mehrere Mitgliedstaaten. Einzelne Mitgliedstaaten haben die Verantwortung, die Sicherheit an den Au\u00dfengrenzen zu gew\u00e4hrleisten, sind aber nicht mehr in der Lage, diese Herausforderungen allein zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n

Kriminelle und terroristische Aktivit\u00e4ten machen nicht an den Grenzen der EU halt und beschr\u00e4nken sich auch nicht auf Nachbarregionen. Die innere Sicherheit der EU und die globale Sicherheit sind voneinander abh\u00e4ngig und miteinander verkn\u00fcpft. Die Sicherheit der Union h\u00e4ngt in hohem Ma\u00dfe von der Zusammenarbeit mit ihren internationalen Partnern und ihren Nachbarl\u00e4ndern ab.<\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t und des Terrorismus ist eine gemeinsame europ\u00e4ische Aufgabe. Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda sollte von den Mitgliedstaaten und den EU-Organen gemeinsam als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und gemeinsame Ma\u00dfnahmen der Union genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n

Mit Hilfe der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda werden die Polizei- und Strafverfolgungsdienste in verschiedenen Mitgliedstaaten Daten effektiver austauschen und bei der Bek\u00e4mpfung der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t besser zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Die Mitgliedstaaten k\u00f6nnen auf die Unterst\u00fctzung durch die Agenturen der EU z\u00e4hlen. Insbesondere in folgenden Punkten l\u00e4sst sich mit Hilfe der Sicherheitsagenda ein EU-Mehrwert erzielen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n

A) Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und den EU-Agenturen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1<\/strong>: Das Schengener Informationssystem<\/strong> (SIS) wird von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Abfrage von Ausschreibungen von gesuchten oder vermissten Personen und Gegenst\u00e4nden genutzt. Die Kommission wird an der Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Ausschreibungskategorien arbeiten und sich daf\u00fcr einsetzen, dass das SIS zusammen mit der Interpol-Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD)<\/strong> umfassender genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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\"Fl\u00fcchtlingeGefl\u00fcchtete aus dem Iran und Afghanistan an der Grenze zwischen Mazedonien und Griechenland. (picture alliance \/ dpa \/ Georgi Licovski)<\/p>\n\n\n\n

Tausende afghanische Jugendliche \u2013 die genaue Zahl ist nicht bekannt \u2013 wurden im Iran rekrutiert, um im Krieg in Syrien zu k\u00e4mpfen. Erst vor Kurzem berichtete die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, dass sie die Gr\u00e4ber von acht afghanischen Kindern, die in Syrien get\u00f6tet wurden, identifiziert hat. Laut der Organisation rekrutiert der Iran regelm\u00e4\u00dfig minderj\u00e4hrige K\u00e4mpfer, um sie nach Syrien zu schicken. Unter afghanischen Gefl\u00fcchteten ist diese Praxis schon l\u00e4nger bekannt.<\/p>\n\n\n\n

Rassismus gegen Afghanen im Iran<\/h2>\n\n\n\n

Fast drei Millionen Gefl\u00fcchtete aus Afghanistan sind inzwischen im Iran. Die meisten von ihnen leben in der Illegalit\u00e4t und werden als Schwarzarbeiter, etwa am Bau, ausgebeutet. Rassismus und Ausgrenzung geh\u00f6ren zu ihrem gesellschaftlichen Alltag. Kinder sind davon nicht ausgeschlossen. Im Gegenteil: Vielen afghanischen Kinderm ist es nicht erlaubt, staatliche Schulen zu besuchen. Abu Fazel wurde Zeit seines Lebens von dieser Diskrimierung beeinflusst und verfolgt.<\/p>\n\n\n\n

\u201e'Afghane\u2018 \u2013 das ist dort ein Schimpfwort. Ich h\u00f6rte es von klein auf immer wieder. Der Rassismus gegen Afghanen ist dort v\u00f6llig normal. Meine Herkunft, auf der ich eigentlich stolz war, ist im Iran stets eine Last gewesen. Wir sind dort B\u00fcrger zweiter Klasse.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung der afghanischen Gefl\u00fcchteten ist f\u00fcr Abu Fazel die Spitze jenes Rassismus, den er erlebt hat.<\/p>\n\n\n\n

Iran: Syrien vor sunnitischen Extremisten verteidigen<\/h2>\n\n\n\n

In Syrien k\u00e4mpfen neben den afghanischen Milizen auch andere paramilit\u00e4rische Gruppierungen im Auftrag des Irans: etwa die ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigten Revolutionsgarden, die einst Ayatollah Ruhollah Khomeini pers\u00f6nlich ins Leben rief oder die Basidsch-Milizen. Beiden Gruppierungen sind nicht nur in Syrien aktiv, sondern auch im Irak.<\/p>\n\n\n\n

Obowhl sich das syrische Regime von Baschar al-Assad als s\u00e4kular ausweist, wird es vom Iran, der sich als Repr\u00e4sentant aller muslimischen Schiiten betrachtet, unterst\u00fctzt. Gemeinsames Ziel in Syrien ist es: Schiiten vor sunnitische Extremisten zu verteidigen. Dennoch ist das Regime darauf bedacht, m\u00f6glichst wenig eigene K\u00e4mpfer nach Syrien zu schicken. \u00c4hnlich wie einst w\u00e4hrend des Krieges gegen Saddam Husseins Irak, setzt der Iran auf ausl\u00e4ndische K\u00e4mpfer.<\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung war wie eine Gehirnw\u00e4sche<\/h2>\n\n\n\n

Abu Fazels Familie geh\u00f6rt zur afghanischen Minderheit der schiitischen Hazara \u2013 wie viele Afghanen, die in den Iran gekommen sind. Mittlerweile k\u00e4mpfen Tausende von ihnen in Syrien. Der Iran bezahlt die Afghanen mit einem Sold von wenigen hundert Dollar pro Monat und verspricht ihren Familien eine Aufenthaltsgenehmigung oder eine Arbeitserlaubnis.<\/p>\n\n\n\n

An der Rekrutierung der Afghanen sind sowohl die Revolutionsgarden als auch die erw\u00e4hnten Basidsch-Milizen beteiligt. Abu Fazel beschreibt, wie das Viertel, in dem er gemeinsam mit seiner Familie in Teheran lebte, regelm\u00e4\u00dfig von den K\u00e4mpfern aufgesucht wurde. Viele afghanische Gefl\u00fcchtete lebten dort \u2013 und fielen auf die Gehirnw\u00e4sche der Rattenf\u00e4nger herein.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie trafen junge M\u00e4nner und Jugendliche in den Moscheen und \u00fcberredeten sie, gegen den IS oder Al Qaida zu k\u00e4mpfen. Die Gehirnw\u00e4sche war perfekt. Am Ende merkten viele, darunter auch ich, nicht einmal, dass wir in ihre Propaganda getappt waren. Ihre \u00dcberredungskunst war wirklich sehr speziell. Am Ende hat man Lust, nach Syrien zu gehen, um zu k\u00e4mpfen\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Erfolg hatten die Rekrutierer des Regimes auch bei Abu Fazels Cousin, der zum damaligen Zeitpunkt ebenfalls minderj\u00e4hrig gewesen ist. Er ging nach Syrien und k\u00e4mpfte unter der Flagge der \u201eLiwa Fatemiyoun\u201c, wie die afghanische Division auf Seiten Assads hei\u00dft. Offiziell ist die Aufgabe der Miliz die Verteidigung des Schreines von Zaynab im S\u00fcden von Damaskus. Zaynab war die Enkelin des islamischen Propheten Mohammad. Laut iranischen Staatsmedien k\u00e4mpfen mindestens 20.000 Afghanen in der Division.<\/p>\n\n\n\n

Im August 2014 entschloss sich auch Abu Fazel, nach Syrien zu gehen und zu k\u00e4mpfen. Im selben Monat wurde sein Cousin in der N\u00e4he von Aleppo im Kampf gegen syrische Rebellen get\u00f6tet.<\/p>\n\n\n\n

\u201eMein Cousin wurde dort get\u00f6tet. Auch andere Jungs aus unserer Gegend gingen nach Syrien und fielen dort. Lokale Zeitungen nannten sie \u201aM\u00e4rtyrer\u2018.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Lieber Flucht statt K\u00e4mpfer in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein solcher \u201eM\u00e4rtyrer\u201c wollte Abu Fazel allerdings nicht werden. Er floh eine Woche vor dem Beginn seiner dreimonatigen Kampfausbildung. Es war ihm lieber, ein Leben auf der Flucht zu verbringen, als in Syrien unschuldige Menschen f\u00fcr einen Diktator zu t\u00f6ten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch kam zu dem Schluss, dass ich nicht als M\u00f6rder weiterleben k\u00f6nnte. Stets dachte ich mir, dass selbst die schlimmsten Al-Qaida- oder IS-Terroristen Kinder haben k\u00f6nnten, die ihren Vater lieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Fazel verlor seinen eigenen Vater bereits sehr fr\u00fch. Er wurde Opfer des B\u00fcrgerkriegs in Afghanistan, der von 1989 bis 2001 tausende Menschen das Leben kostete. Auch der Iran mischte in der Zeit schon mit. Es ist allgemein bekannt, dass die schiitischen Hazara-Milizen, die den B\u00fcrgerkrieg ebenfalls mitanfachten, von der Regierung in Teheran unterst\u00fctzt wurden.<\/p>\n\n\n\n

Als Abu Fazel sich nun entschloss, aus der Gewaltspirale auszusteigen und nicht in Syrien zu k\u00e4mpfen, wuchs die Angst bei seiner Familie. Denn f\u00fcr die iranischen Beh\u00f6rden gilt: Hat man sich einmal gemeldet, gibt es kein zur\u00fcck. Man muss an die Front nach Syrien \u2013 oder wird zur\u00fcck nach Afghanistan abgeschoben, wo ebenfalls Krieg herrscht.<\/p>\n\n\n\n

Der einzige Ausweg f\u00fcr den jungen Afghanen war die Flucht. \u00dcber die T\u00fcrkei, Griechenland und die Balkranroute erreichte er mit gro\u00dfer M\u00fche Deutschland, wo er einen Asylantrag stellte.<\/p>\n\n\n\n

Erster Asylantrag in Deutschland abgelehnt<\/h2>\n\n\n\n

Als Grund nannte er seine Rekrutierung als Kindersoldat seitens des iranischen Regimes. Doch w\u00e4hrend diese Begr\u00fcndung in Abu Fazels Augen v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich war, sahen deutsche Beh\u00f6rden das anders. Sein erster Antrag wurde abgelehnt. Derzeit versucht er es ein zweites Mal. Die Bundesrepublik schiebt afghanische Gefl\u00fcchtete weiterhin ab.<\/p>\n\n\n\n

\"EinAbschiebung von Afghanen im Dezember 2016 mit einem Charterflug von Frankfurt nach Kabul. (dpa \/picture alliance \/ Boris Roessler)<\/p>\n\n\n\n

Die Verantwortlichen weisen in diesem Kontext immer wieder auf vermeintlich \u201esichere Gebiete\u201c im Land, die nicht n\u00e4her benannt werden.<\/p>\n\n\n\n

W\u00e4hrenddessen machen Menschenrechtsorganisationen regelm\u00e4\u00dfig darauf aufmerksam, dass keine Region am Hindukusch sicher ist. Stattdessen wird in manchen Gebieten nur weniger Krieg gef\u00fchrt als in anderen.<\/p>\n\n\n\n

\"SieDemonstranten protestieren in Frankfurt am Main gegen die Abschiebung von Afghanen. Auf einem der Transparente steht \u201eAfghanistan is not safe\u201c. (AFP \/ Daniel Roland)<\/p>\n\n\n\n

Alis Vater und Onkel k\u00e4mpfen in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein \u00e4hnliches Schicksal wie Abu Fazel erlitt der 18-j\u00e4hrige Ali (Namen ge\u00e4ndert). Auch er floh aus dem Iran nach Deutschland, um der Rekrutierung f\u00fcr Assads Milizen zu entgehen. Viele seiner afghanischen Freunde sind bereits nach Syrien gezogen \u2013 und kamen niemals zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Alis Familie, ebenfalls Angeh\u00f6rige der Hazara-Minderheit, stammt urspr\u00fcnglich aus der Provinz Ghor im Nordosten Afghanistans. Ihre Heimat verlie\u00dfen sie w\u00e4hrend der sowjetischen Besatzung in den 1980er-Jahren.<\/p>\n\n\n\n

Seit jeher lebt die Familie in der iranischen Gro\u00dfstadt Maschhad. Als der Krieg in Syrien ausbrach, erreichte sie ein Konflikt, mit dem sie nicht gerechnet hatten. Im Juli 2015 reiste Alis Vater nach Teheran. Er wollte einen Weg finden, um f\u00fcr seine Familie Aufenthaltspapiere zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Beh\u00f6rden sagten ihm, dass die Rekrutierung f\u00fcr den Krieg in Syrien eine M\u00f6glichkeit darstellen k\u00f6nnte, um Papiere f\u00fcr uns alle zu erhalten. Andernfalls w\u00fcrde man uns sehr bald nach Afghanistan abschieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Mittlerweile k\u00e4mpfen Alis Vater und sein Onkel seit \u00fcber einem Jahr in Syrien. Am Aufenthaltsstatus seiner Familienmitglieder hat sich bis heute allerdings nichts ge\u00e4ndert. F\u00fcr Ali ist klar, dass dies nur eine Falle gewesen ist, um noch mehr Afghanen als Kanonenfutter zu missbrauchen.<\/p>\n\n\n\n

Anfangs gab es Papiere f\u00fcr K\u00e4mpfer-Familien<\/h2>\n\n\n\n

Den Kontakt zu seinem Vater hat der Afghane mittlerweile verloren. W\u00e4hrenddessen schickt ihm sein Onkel, der in Aleppo stationiert ist, hin und wieder Bilder \u00fcber den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ali denkt, dass nur sehr wenige Afghanen der Propaganda der iranischen Regierung glauben und in Syrien f\u00fcr eine \u201egute Sache\u201c k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

Source<\/a><\/p>\n","post_title":"Warum Afghanen in Syrien f\u00fcr Assad k\u00e4mpfen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"warum-afghanen-in-syrien-fur-assad-kampfen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3709","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3706,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:27:40","post_date_gmt":"2020-08-13 21:27:40","post_content":"\n

Kinder, Frauen, Jesiden \u2013 wer \u00fcberlebt hat, berichtet von Folter, Vergewaltigungen und Gehirnw\u00e4sche. Rund drei Jahre dauerte die Schreckensherrschaft der IS-Miliz in Syrien und Irak. Der Wiederaufbau wird l\u00e4nger dauern und mehr umfassen als H\u00e4user.<\/p>\n\n\n\n

Der Fluss Tigris durchzieht die zweitgr\u00f6\u00dfte Stadt des Iraks und teilt Mosul in Ost und West. Das Westufer ist von Zerst\u00f6rung gezeichnet, die Altstadt nicht mehr als eine einzige graue Tr\u00fcmmerlandschaft. Seit den letzten Bombardements im Juli 2017 kann hier niemand mehr wohnen.<\/p>\n\n\n\n

Die Nouri-Moschee, von deren Kanzel Abu Bakr al-Baghdadi im Juli 2014 sein Kalifat ausrief, hatte die IS-Miliz auf ihrem R\u00fcckzug vorsorglich selbst in die Luft gesprengt, um den Gegnern diesen besonderen Triumph zu verwehren.<\/p>\n\n\n\n

\"ImIm Juli 2017 erobert die irakische Armee Mossul zur\u00fcck. Ruinen sind zu sehen. Ein K\u00e4mpfer der IS-Miliz hat sich ergeben. (Imago \/ Carol Guzy)<\/p>\n\n\n\n

Es ist fraglich, ob die Altstadt dem Original getreu wieder aufgebaut werden kann. Bagdad will demn\u00e4chst \u2013 im Rahmen einer gro\u00dfen Wiederaufbau-Konferenz \u2013 bekannt geben, welche Pl\u00e4ne es hat. Derzeit gilt als gro\u00dfer Fortschritt, dass die Tr\u00fcmmerlandschaft in Teilen wieder begehbar ist \u2013 nachdem mit internationaler Hilfe zahllose Sprengs\u00e4tze beseitigt wurden.<\/p>\n\n\n\n

In Ost-Mossul gibt es weniger Zerst\u00f6rungen<\/h2>\n\n\n\n

J\u00fcngste Sch\u00e4tzungen der Vereinten Nationen besagen, dass es noch Jahre dauern wird, bis alle Minen ger\u00e4umt sind. Solange werden die einstigen Bewohner nicht zur\u00fcckkehren k\u00f6nnen. Manche von ihnen haben Gl\u00fcck im Ungl\u00fcck: Sie haben \u00fcberlebt und sind auf der anderen Seite des Tigris untergekommen, im Osten der Stadt. Der war schon im Januar 2017 von den Terroristen befreit worden. Erstaunlich ist: Dieser Teil Mosuls wirkt fast so, als w\u00e4re der \u201eIS\u201c niemals hier gewesen und als h\u00e4tte es keinen Krieg gegeben.<\/p>\n\n\n\n

\"ImIm Osten Mossuls gibt es weniger Zerst\u00f6rungen als im Westteil. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

Die Zerst\u00f6rungen beschr\u00e4nken sich auf strategisch-wichtige Punkte oder Geb\u00e4ude, in denen sich die Terroristen verschanzt hatten: Br\u00fccken, Moscheen, Krankenh\u00e4user. Doch im Basar herrscht fast so etwas wie Normalit\u00e4t. An St\u00e4nden kaufen Menschen ein \u2013 Obst, Gem\u00fcse, Reis und Nudeln, Backwaren. Kinder schlecken ein Eis. Abu Muhammad, ein ehemaliger Physiklehrer, erkl\u00e4rt, warum der Basar so anders ist als erwartet:<\/p>\n\n\n\n

\u201eDas Leben hatte nie aufgeh\u00f6rt in Mosul. Wir haben weitergelebt. Drei Jahre wurden wir vom \u201aIS\u2018 beherrscht, doch die normalen Leute hatten nichts damit zu tun. Daher kam der Alltag schnell zur\u00fcck. Die Soldaten sind gekommen, haben den Basar wieder aufgemacht und das Leben ging weiter.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Im Osten findet sich heute all das wieder, was die Terror-Miliz unterdr\u00fcckt hatte und bei Missachtung grausam ahndete: Musik in Restaurants und Caf\u00e9s; Sim-Karten f\u00fcr Handys; Internet; Fris\u00f6re, die Haare schneiden, B\u00e4rte stutzen oder gar abrasieren. Und doch: Trotz des lebendigen Treibens wirken Angst und Schrecken nach. Abu Muhammad, fr\u00fch ergraut, erinnert sich:<\/p>\n\n\n\n

\u201eWir haben uns gef\u00fchlt wie zwischen Leben und Tod. Irgendwo dazwischen. Sie haben vom \u201aIS\u2018 geh\u00f6rt; wir haben ihn erlebt: Wir haben erlebt, wie sie mordeten, wie sie Leute aufh\u00e4ngten, wir haben den Krieg erlebt. Wir haben alles gesehen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Mohammed stammt aus dem zerst\u00f6rten Westen der Stadt. Er wohnt heute im Osten. Verwandte haben ihn und seine Familie aufgenommen. So wie ihm ergeht es auch anderen Vertriebenen. Sie leben bei Verwandten und Freunden. Oder in einem der vielen Lager. 700.000 Menschen haben ihr Zuhause verloren \u2013 eine Zahl, die f\u00fcr West-Mosul gilt. Insgesamt gehen die Vereinten Nationen von fast sechs Millionen Menschen aus, die im Irak vor dem \u201aIS\u2018 geflohen sind \u2013 die H\u00e4lfte von ihnen bis heute fern von ihrem Zuhause.<\/p>\n\n\n\n

Binnenfl\u00fcchtlinge im Lager Khabartu<\/h2>\n\n\n\n

Zelte soweit das Auge reicht. Abertausende. Inmitten von Steppe. Das Leben der Menschen ist hart. Sie darben, frieren und verdorren \u2013 wenn im Winter der kalte Wind durch die Steppe fegt und im Sommer die Sonne niederbrennt. Doch sie harren aus, haben wenig Hoffnung auf baldige R\u00fcckkehr. Die meisten kamen 2014 \u2013 hierher, ins Lager Khabartu in Irakisch-Kurdistan.<\/p>\n\n\n\n

\"DasDas Lager Khabartu f\u00fcr irakische Binnenfl\u00fcchtlinge. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

2014, als der \u201eIS\u201c den Nord-Irak \u00fcberfiel. In einem der Zelte lebt auch die Familie von Thomas Abdallah Hammou. Thomas war auf der Flucht von seiner Familie getrennt und von den Dschihadisten verschleppt worden. Damals war er acht Jahre alt. Ein Kind. Drei Jahre blieb er in Geiselhaft, lebte in Mosul.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollten nicht, dass wir spielen. Sie mochten es nicht. Ich habe keine Schule besucht, aber sie gaben uns Koran-Unterricht. Jeden Tag.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas musste seinem eigenen, dem jesidischen Glauben abschw\u00f6ren. Weil der \u201eIS\u201c die Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c betrachtet. Und \u201eUngl\u00e4ubige\u201c, so die Auffassung der Terroristen, m\u00fcssen zwangsbekehrt werden. Oder get\u00f6tet. Die Terroristen hatten dementsprechend die Jesiden entweder an Ort und Stelle ermordet, die meisten im Sinjar, im alten Siedlungsgebiet der Jesiden im Nord-Irak. Tausende. 47 Massengr\u00e4ber sollen mittlerweile gefunden worden sein. Oder aber die Terroristen lie\u00dfen die Jesiden am Leben und nahmen sie in Geiselhaft. Sie machten aus ihnen Sexsklavinnen oder sie bildeten sie aus \u2013 zu Selbstmordattent\u00e4tern. Wie Thomas.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie haben uns st\u00e4ndig geschlagen. Wir mussten Schie\u00dfen \u00fcben. Zwei meiner Freunde haben sich in die Luft gesprengt. Sie sind zum Training. Doch sie kamen nicht zur\u00fcck. Ich war nicht traurig. Sie wollten sich ja in die Luft sprengen. Die \u201aIS\u2018-Leute hatten es nicht von ihnen verlangt. Sie sind freiwillig gegangen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas hat heute einen modernen Haarschnitt; der Nacken ist ausrasiert; der lange Pony in die Stirn gek\u00e4mmt. Im Sommer sah er noch anders aus, kurz nachdem Mosul befreit worden war. Bei einem Luftangriff der Anti-\u201eIS\u201c-Koalition wurde Thomas schwer verletzt aus Tr\u00fcmmern geborgen, dann operiert.<\/p>\n\n\n\n

\"ThomasThomas erholt sich von drei Jahren IS-Gefangenschaft. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

Arbeit mit \u201eDschihadisten-Kindern\u201c<\/h2>\n\n\n\n

Die \u00e4u\u00dferen Wunden sind heute verheilt. Doch wie sieht es aus mit den inneren, den seelischen Verletzungen? Thomas wurde von seiner Familie aufgenommen und bekommt Hilfe. Andere Kinder konnten nicht aufgefangen werden. Bis heute betrachten sie Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c \u2013 so wie es ihnen in der Geiselhaft eingeh\u00e4mmert wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie sind eine gro\u00dfe Gefahr f\u00fcr andere Kinder. Sie leben in Lagern, in einem Zelt, auf sechs mal vier Metern, oder noch weniger! Acht Geschwister, sie spielen zusammen, reden, sie indoktrinieren die anderen! Das ist ein Problem, das wir nicht l\u00f6sen k\u00f6nnen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Sara Hassan ist Sozialarbeiterin. Sie arbeitet in den Lagern, versucht M\u00e4dchen und Frauen, die jahrelang in Geiselhaft vergewaltigt wurden, zu helfen. Unz\u00e4hlige hatte der \u201eIS\u201c einst entf\u00fchrt. Sara arbeitet auch mit den sogenannten \u201eDschihadisten-Kindern\u201c. Sie erz\u00e4hlt, wie \u00fcberfordert alle seien: die Familien, die jesidische Gemeinschaft, die Gesellschaft des Nord-Irak.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIn einem anderen Fall hat sich die Familie am Ende an die Sicherheitskr\u00e4fte gewandt. Doch die wussten auch nicht, wie sie damit umgehen sollten. Monate lang hat die Familie versucht, den Jungen umzuerziehen, zusammen mit Sozialarbeitern. Aber noch immer sehen wir den Hass in seinen Augen \u2013 gegen\u00fcber Kurden, Christen und Jesiden. Als blicke man in die Augen eines IS-Terroristen. Das ist das Problem.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Die Jesiden k\u00f6nnen \u00fcber ihre vom \u201eIS\u201c indoktrinierten Kinder sprechen. Denn niemand zweifelt daran, dass sie Opfer der Tyrannei wurden. Bei den sunnitischen Arabern sieht das anders aus. Da sie derselben Religionsgruppe angeh\u00f6ren wie formal auch die Terroristen, stehen sie unter Generalverdacht, mit dem \u201eIS\u201c gemeinsame Sache gemacht zu haben. Sunnitische Araber trauen sich daher nicht, die Probleme ihrer Kinder \u00f6ffentlich zu machen \u2013 auch wenn sie selbst nichts mit dem \u201eIS\u201c zu tun hatten.<\/p>\n\n\n\n

Unklar ist, wie viele Kinder und Jugendliche im Irak und in Syrien zu Terroristen ausgebildet wurden, dabei noch in Geiselhaft sind oder bereits als \u201eSchl\u00e4fer\u201c darauf warten, zum Einsatz zu kommen. Sie gleichen \u201etickenden Zeitbomben\u201c, die jederzeit explodieren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

Minderheiten haben Angst vor \u201eIS\u201c-Nachfolgern<\/h2>\n\n\n\n

Kamaran Palani spricht davon, dass viele Menschen immer noch gehen wollen, obwohl der \u201eIS\u201c als staats\u00e4hnliches Gebilde nicht mehr besteht. Seine Saat aber, so der Politikwissenschaftler, sei aufgegangen.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollen einfach nicht in diesem Land bleiben. Der IS hat sie dazu gebracht. Jeder hat heute Angst, dass eine andere Organisation kommen wird, Terroristen, die dasselbe anrichten wie zuvor.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Palani forscht am \u201eMiddle East Research Institute\u201c, das seinen Sitz in Erbil hat, der Hauptstadt von Irakisch-Kurdistan. <\/p>\n\n\n\n

\u201e60 bis 65 Prozent der Christen wollen gehen. Das Gleiche gilt f\u00fcr andere Minderheiten: f\u00fcr Jesiden, Schabaks, Turkmenen, Kakais.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

\u201eWir werden niemals wieder mit den Arabern zusammenleben k\u00f6nnen!\u201c \u2013 ein Satz, der heute h\u00e4ufig im Nord-Irak zu h\u00f6ren ist. Gemeint sind die Iraker, die Sunniten und Araber sind \u2013 die einstmals Nachbarn von Jesiden, Christen und Kurden waren \u2013 mit denen man Handel trieb und Hochzeiten feierte, die auch Freunde waren.<\/p>\n\n\n\n

Der Irak ist eine multi-ethnische und multi-religi\u00f6se Gesellschaft, in der die Schiiten die Mehrheit stellen. \u00dcber Jahrhunderte aber hatten die sunnitischen Araber das Sagen, sie missbrauchten die Macht, errichteten ein Schreckensregime \u2013 bis 2003, als Diktator Saddam Hussein von den USA gest\u00fcrzt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c entstand aus Widerstand gegen Schiiten-Herrschaft<\/h2>\n\n\n\n

Jetzt wurde der Spie\u00df umgedreht. Die Amerikaner sorgten daf\u00fcr, dass die Sunniten jegliche Machtposition verloren \u2013 so wurde die irakische Armee, wurde die baathistische Partei aufgel\u00f6st \u2013 ohne ein Pendant zu schaffen, das alle integrierte. Und: Washington unterst\u00fctzte Regierungschef Nouri al-Maliki, einen Schiiten. Maliki sah eine historische Chance gekommen, diskriminierte nun seinerseits seine sunnitischen Landsleute, verwehrte ihnen im \u201eNeuen Irak\u201c die Mitsprache. Im Regime Malikis wurden Sunniten inhaftiert, gefoltert und umgebracht.<\/p>\n\n\n\n

Was viele in den Widerstand trieb. Einige schlossen sich der Terror-Organisation \u201eAl-Qaida\u201c an, unter ihnen f\u00fchrende Milit\u00e4rs der aufgel\u00f6sten Armee Saddam Husseins \u2013 und aus \u201eAl-Qaida\u201c ging sp\u00e4ter der \u201eIS\u201c hervor.<\/p>\n\n\n\n

Als der \u201eIS\u201c dann im Sommer 2014 fast ohne Gegenwehr weite Landstriche in Syrien und im Irak \u00fcberrannte und seinen \u201eStaat\u201c ausrief, sahen auch gew\u00f6hnliche sunnitische Araber einen Wechsel nahen. Viele machten gemeinsame Sache mit den Terroristen, verhinderten die Flucht jesidischer Nachbarn, lieferten sie ihren Schl\u00e4chtern aus. Kamaran Palani:<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c-K\u00e4mpfer haben gesagt, es gehe darum, die W\u00fcrde der sunnitischen Araber wiederherzustellen. Ihre Macht. Ihre Geschichte. Tats\u00e4chlich konnten es die Araber nicht hinnehmen, dass sie ins Abseits gedr\u00e4ngt wurden. Und ich denke, dass sie auch in Zukunft so handeln werden. Wann immer sich die Gelegenheit bietet: Sie werden alles hinter sich lassen \u2013 sich nur darauf konzentrieren.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Misstrauen. Auch bei einem Politikwissenschaftler. Was also tun? Zerst\u00f6rte St\u00e4dte und D\u00f6rfer k\u00f6nnten wieder aufgebaut werden \u2013 wenn denn ein gemeinsamer Wille best\u00fcnde. Doch was, wenn es einen solchen gemeinsamen Willen gar nicht gibt? Wenn Schmerz und Trauer anhalten, wenn die Verbrechen von Terroristen und Helfershelfern nicht geahndet werden, wenn Angst umgeht, Misstrauen und Hass das Miteinander bestimmen.<\/p>\n\n\n\n

\"SyrischeSoldaten in der irakischen Stadt Sindschar nach der R\u00fcckeroberung von der IS-Miliz Ende 2015. (dpa \/ MAXPPP \/ Arnaud Dumontier)<\/p>\n\n\n\n

Kamaran Palani stammt aus der Stadt Makhmour. Drei Tage nur sei der \u201eIS\u201c dort gewesen, sagt er, doch diese Tage h\u00e4tten alles ver\u00e4ndert. Der \u201eIS\u201c habe die Menschen in seiner Heimatstadt verrohen lassen, meint er, das Verh\u00e4ltnis zwischen Kurden und Arabern sei heute tot. Eine R\u00fcckkehr in alte Zeiten h\u00e4lt Palani f\u00fcr falsch.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch denke, es w\u00e4re nicht einfach, in das Jahr 2014 \u2013 also in die Zeit vor dem \u201aIS\u2018 \u2013 zur\u00fcckzukehren. Vor allem aber w\u00e4re es nicht die richtige Politik. Denn eben die hat ja erst zum Aufkommen, zur Existenz des \u201aIS\u2018 gef\u00fchrt.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n


Wie also in Ruinen Neues schaffen? Der Staat muss das Gewaltmonopol zur\u00fcckerlangen, fordert der Politikwissenschaftler. F\u00fcr ihn steht das an erster Stelle. Und dann m\u00fcsse der Staat dringend einen Kurswechsel vornehmen: Er m\u00fcsse integrativ wirken, alle einbinden, auch die Araber, in Sicherheitskr\u00e4fte, Verwaltung und Politik.<\/p>\n\n\n\n

Machtmonopol m\u00fcsste von Milizen zum Staat gehen<\/h2>\n\n\n\n

Die Realit\u00e4t sieht anders aus: Ein Staat Kurdistan, der neue Optionen m\u00f6glich gemacht h\u00e4tte, auch von den Minderheiten gew\u00fcnscht worden war, ist nicht entstanden. Bagdad aber ist fern, der Zentralstaat kaum existent, und wenn, dann ist er schiitisch dominiert. Es sind Milizen, die im Nord-Irak das Geschehen bestimmen, darum rivalisieren, das Machtvakuum zu f\u00fcllen, das durch die Vertreibung des \u201eIS\u201c entstanden ist. Einst im Kampf gegen die Terroristen geeint, sind die Milizen einander heute feind.<\/p>\n\n\n\n

Allen voran die \u201eHashd ash-Shaabi\u201c, schiitisch-irakische Milizen, deren Ausbilder und Kommandeure h\u00e4ufig Iraner sind. Bagdad hat die Haschd als regul\u00e4re Kraft im Kampf gegen den \u201eIS\u201c anerkannt \u2013 obwohl Menschenrechts-Organisationen schwere Vorw\u00fcrfe gegen sie erheben. Fest steht: Die schiitischen Milizen halten D\u00f6rfer besetzt, sind in Mosul f\u00fcr ihr herrisches Auftreten und ihre Willk\u00fcr bekannt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eTats\u00e4chlich sorgen die verschiedenen bewaffneten Gruppen daf\u00fcr, dass die Fl\u00fcchtlinge nicht zur\u00fcckkehren. Und weil sie nicht zur\u00fcckkehren, gibt es auch keinen Wiederaufbau. Die Menschen haben Angst vor den Milizen \u2013 auch davor, dass die einander bek\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die \u201eHashd\u201c m\u00fcssten mithin abziehen. Und mit ihnen die anderen Milizen. Das Machtmonopol m\u00fcsste an den Staat gehen. Doch der Irak ist auch Spielball der Regionalm\u00e4chte: Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien. Sie konkurrieren um Einfluss-Sph\u00e4ren, bedienen sich dabei verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Gruppen im Irak. Deswegen werden die Hashd nicht abziehen. Derzeit sind sie von der iranisch-irakischen Grenze im Osten \u00fcber Bagdad bis hoch zur irakisch-syrischen Grenze im Norden postiert. Einheiten Teherans k\u00f6nnten demnach auf dem Landweg vom Iran bis ans Mittelmeer durchmarschieren.<\/p>\n\n\n\n

Iran und Saudi-Arabien wollen Macht vergr\u00f6\u00dfern<\/h2>\n\n\n\n

Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n

In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n

Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3703,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:24:20","post_date_gmt":"2020-08-13 21:24:20","post_content":"\n

Deutschland str\u00e4ubt sich gegen die R\u00fcckkehr seiner eigenen Staatsb\u00fcrger, die zu IS-Terroristen wurden. Dabei hat die Bundesrepublik den Terror und die Terroristen einst exportiert. Und dies geschah wissentlich, sagt der Islamwissenschaftler Fabian Goldmann.<\/p>\n\n\n\n

Wann haben Sie sich eigentlich zuletzt von deutschen Terroristen distanziert? Zum Beispiel von Robert B.? Der Ex-Bundeswehrsoldat aus Solingen hat mutma\u00dflich bei einem Selbstmordattentat Anfang 2014 50 Menschen mit in den Tod gerissen. <\/p>\n\n\n\n

Oder von Yannik N.? Der junge Freiburger steuerte wahrscheinlich im Jahr 2015 einen mit anderthalb Tonnen Sprengstoff beladenen LKW in eine Menschenmenge und nahm so Dutzenden Personen das Leben.<\/p>\n\n\n\n

Oder von Yamin A.?. Im Sommer 2015 tauchte im Netz ein Video auf, das zeigte, wie der ehemalige Telekom-Azubi aus K\u00f6nigswinter zwei gefesselten Soldaten in den Kopf schoss.
Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Deutsche T\u00e4ter, aber kaum deutsche Opfer<\/h2>\n\n\n\n

Hauptsache nicht bei uns! Dies scheint auch dieser Tage wieder die Maxime zu sein, wenn Politiker und \u00d6ffentlichkeit \u00fcber den Umgang mit deutschen Terroristen diskutieren. Von potenziellen Bedrohungen und Anschlagsgefahren in Deutschland liest man dann. Vom ganz realen Terror, den Deutsche in den vergangenen Jahren \u00fcber die Menschen in Syrien und Irak gebracht haben, h\u00f6rt man hingegen kaum. Ein Terror, der kaum deutsche Opfer aber umso mehr deutsche T\u00e4ter kannte.<\/p>\n\n\n\n

1.050 \u2013 das ist laut Bundesinnenministerium die Anzahl der Dschihadisten, die in den letzten Jahren die Bundesrepublik in Richtung Nahost verlassen hat. Es f\u00e4llt schwer, sich umgekehrtes Szenario \u00fcberhaupt auszumalen. Was w\u00e4re wohl los, h\u00e4tte es nur ein Bruchteil arabischer Terroristen geschafft, bei uns Anschl\u00e4ge zu begehen? Europas \u201eMuslim Bann\u201c? \u00dcberwachungsstaat auf NSA-Niveau?<\/p>\n\n\n\n

Die CSU st\u00fcnde wom\u00f6glich am linken Ende des politischen Spektrums, und auf Twitter w\u00fcrde Trump deutsche Migrationspolitiker zur M\u00e4\u00dfigung aufrufen. Der deutsche Terror in Nahost kommt hingegen seit Jahren ganz ohne Sondersendungen, politische Debatten und Distanzierungsforderungen aus. <\/p>\n\n\n\n

Deutsche K\u00e4mpfer waren nicht nur willenloses Kanonenfutter<\/h2>\n\n\n\n

An fehlendem Wissen liegt das nicht. Von ganzen Einheiten des IS, in denen kein einziger K\u00e4mpfer Arabisch spreche, berichten syrische, irakische und kurdische Soldaten schon seit Jahren. Von Aleppo \u00fcber Raqqa bis Mossul haben Aktivisten und Politiker immer wieder darauf hingewiesen, dass viele der schlimmsten M\u00f6rder in den Reihen des IS Europ\u00e4er sind. Interessiert hat das hier kaum jemand.<\/p>\n\n\n\n

Dabei dienten Deutsche dem Islamischen Staats nicht nur als willenloses Kanonenfutter, wie es oft dargestellt wird. Viele haben seinen Terror mitgepr\u00e4gt. Wie Martin L., der derzeit in kurdischer Haft sitzt. Der Schwei\u00dfer aus Sachsen-Anhalt soll sich vom Folterknecht bis zum Geheimdienstler mit Kontakten bis in die F\u00fchrungsspitze der Terrororganisation hochgearbeitet haben.<\/p>\n\n\n\n

Oder Reda S., Der Prediger aus Berlin-Charlottenburg soll dem IS in Mossul als Bildungsminister gedient haben. Oder der Berliner Ex-Rapper Denis Cuspert, der zu den wichtigsten Personen in der IS-Medienorganisation Al-Hayat geh\u00f6rte. Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Beh\u00f6rden wussten gut Bescheid<\/h2>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich entstand der Islamische Staat nicht in deutschen Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen. Zur deutschen Verantwortung geh\u00f6rt aber auch, dass Politiker und Beh\u00f6rden lange wegschauten, solang nur die T\u00e4ter, aber nicht die Opfer Deutsche waren. Beh\u00f6rden wissen und wussten erschreckend gut Bescheid \u00fcber die Radikalisierung deutscher Islamisten. Ein Gro\u00dfteil der sp\u00e4teren IS-K\u00e4mpfer war polizeibekannt, stand auf Gef\u00e4hrderlisten oder hatte wegen islamistischer Straftaten bereits Haftstrafen verb\u00fc\u00dft. An der Ausreise gehindert wurden sie oftmals dennoch nicht. Die Gefahr, die von deutschen Terroristen ausgeht, interessierte Politik und \u00d6ffentlichkeit erst dann wieder, als ihre Einreise drohte.<\/p>\n\n\n\n

\"Fabian
Fabian Goldmann<\/strong> ist Journalist und Islamwissenschaftler. F\u00fcr verschiedene Magazine und Zeitungen berichtete er viele Jahre aus Nahost. Zurzeit widmet er sich vor allem dem Islam diesseits des Bosporus. Auf seinem Blog Schantall und die Scharia<\/a> bloggt er \u00fcber Islamophobie in Deutschland.<\/p>\n","post_title":"Es sind unsere Terroristen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"es-sind-unsere-terroristen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3703","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3700,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:19:36","post_date_gmt":"2020-08-13 21:19:36","post_content":"\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda? Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda t<\/p>\n\n\n\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda tritt an die Stelle der 2010 verabschiedeten Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014 (siehe IP\/10\/1535<\/a>). In der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda f\u00fcr den Zeitraum 2015-2020 skizziert die Europ\u00e4ische Kommission die Strategie der Union zur Bew\u00e4ltigung der Sicherheitsbedrohungen in der EU.<\/p>\n\n\n\n

Die EU und ihre Mitgliedstaaten sind mit betr\u00e4chtlichen Sicherheitsproblemen konfrontiert. Terrorismus, organisierte Kriminalit\u00e4t und Cyberkriminalit\u00e4t stellen eine zunehmende Gefahr f\u00fcr die europ\u00e4ische Gesellschaft dar, wobei sich Art und Ausma\u00df dieser Gefahr ver\u00e4ndert hat. Europa ist mit den Auswirkungen der politischen Instabilit\u00e4t in seiner unmittelbaren Nachbarschaft konfrontiert, die die Sicherheitsinteressen der EU gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n

Im Zuge der Krisen und Konflikte in Syrien, Irak und Libyen haben sich europ\u00e4ische B\u00fcrger terroristischen Gruppen angeschlossen, die bei ihrer R\u00fcckkehr eine erhebliche Bedrohung darstellen k\u00f6nnen. Die j\u00fcngsten terroristischen Anschl\u00e4ge in Europa zeugen von der zunehmenden Bedrohung durch einen gewaltt\u00e4tigen Extremismus und zeigen, in welchem Ausma\u00df weltweite Konflikte zur Radikalisierung der europ\u00e4ischen B\u00fcrger beitragen.<\/p>\n\n\n\n

Das Online-Umfeld hat sich zunehmend als Ziel f\u00fcr Kriminelle und Terroristen entwickelt. Unabh\u00e4ngig davon, ob es um die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und die Anwerbung von Menschen f\u00fcr terroristische Organisationen geht oder die Verbreitung von Hass oder einen Angriff auf die europ\u00e4ischen Werte und Institutionen, fest steht, dass wir unsere Reaktion auf diese Bedrohungen unbedingt abstimmen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Welcher Mehrwert entsteht durch die EU im Bereich der inneren Sicherheit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Gew\u00e4hrleistung der inneren Sicherheit f\u00e4llt weiterhin in erster Linie in die Zust\u00e4ndigkeit der Mitgliedstaaten. Allerdings werden die Bedrohungen f\u00fcr Europas B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger immer vielf\u00e4ltiger und betreffen in zunehmendem Ma\u00dfe mehrere Mitgliedstaaten. Einzelne Mitgliedstaaten haben die Verantwortung, die Sicherheit an den Au\u00dfengrenzen zu gew\u00e4hrleisten, sind aber nicht mehr in der Lage, diese Herausforderungen allein zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n

Kriminelle und terroristische Aktivit\u00e4ten machen nicht an den Grenzen der EU halt und beschr\u00e4nken sich auch nicht auf Nachbarregionen. Die innere Sicherheit der EU und die globale Sicherheit sind voneinander abh\u00e4ngig und miteinander verkn\u00fcpft. Die Sicherheit der Union h\u00e4ngt in hohem Ma\u00dfe von der Zusammenarbeit mit ihren internationalen Partnern und ihren Nachbarl\u00e4ndern ab.<\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t und des Terrorismus ist eine gemeinsame europ\u00e4ische Aufgabe. Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda sollte von den Mitgliedstaaten und den EU-Organen gemeinsam als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und gemeinsame Ma\u00dfnahmen der Union genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n

Mit Hilfe der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda werden die Polizei- und Strafverfolgungsdienste in verschiedenen Mitgliedstaaten Daten effektiver austauschen und bei der Bek\u00e4mpfung der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t besser zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Die Mitgliedstaaten k\u00f6nnen auf die Unterst\u00fctzung durch die Agenturen der EU z\u00e4hlen. Insbesondere in folgenden Punkten l\u00e4sst sich mit Hilfe der Sicherheitsagenda ein EU-Mehrwert erzielen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n

A) Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und den EU-Agenturen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1<\/strong>: Das Schengener Informationssystem<\/strong> (SIS) wird von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Abfrage von Ausschreibungen von gesuchten oder vermissten Personen und Gegenst\u00e4nden genutzt. Die Kommission wird an der Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Ausschreibungskategorien arbeiten und sich daf\u00fcr einsetzen, dass das SIS zusammen mit der Interpol-Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD)<\/strong> umfassender genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Den Gro\u00dfteil seines Lebens verbrachte er im Iran. Seine Familie ist dorthin gefl\u00fcchtet, als er ein Kind war. Doch als die iranische Regierung ihn nach Syrien schicken wollte, um auf der Seite von Machthaber Baschar al-Assad zu k\u00e4mpfen, entschloss er sich zu fliehen.<\/p>\n\n\n\n

\"Fl\u00fcchtlingeGefl\u00fcchtete aus dem Iran und Afghanistan an der Grenze zwischen Mazedonien und Griechenland. (picture alliance \/ dpa \/ Georgi Licovski)<\/p>\n\n\n\n

Tausende afghanische Jugendliche \u2013 die genaue Zahl ist nicht bekannt \u2013 wurden im Iran rekrutiert, um im Krieg in Syrien zu k\u00e4mpfen. Erst vor Kurzem berichtete die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, dass sie die Gr\u00e4ber von acht afghanischen Kindern, die in Syrien get\u00f6tet wurden, identifiziert hat. Laut der Organisation rekrutiert der Iran regelm\u00e4\u00dfig minderj\u00e4hrige K\u00e4mpfer, um sie nach Syrien zu schicken. Unter afghanischen Gefl\u00fcchteten ist diese Praxis schon l\u00e4nger bekannt.<\/p>\n\n\n\n

Rassismus gegen Afghanen im Iran<\/h2>\n\n\n\n

Fast drei Millionen Gefl\u00fcchtete aus Afghanistan sind inzwischen im Iran. Die meisten von ihnen leben in der Illegalit\u00e4t und werden als Schwarzarbeiter, etwa am Bau, ausgebeutet. Rassismus und Ausgrenzung geh\u00f6ren zu ihrem gesellschaftlichen Alltag. Kinder sind davon nicht ausgeschlossen. Im Gegenteil: Vielen afghanischen Kinderm ist es nicht erlaubt, staatliche Schulen zu besuchen. Abu Fazel wurde Zeit seines Lebens von dieser Diskrimierung beeinflusst und verfolgt.<\/p>\n\n\n\n

\u201e'Afghane\u2018 \u2013 das ist dort ein Schimpfwort. Ich h\u00f6rte es von klein auf immer wieder. Der Rassismus gegen Afghanen ist dort v\u00f6llig normal. Meine Herkunft, auf der ich eigentlich stolz war, ist im Iran stets eine Last gewesen. Wir sind dort B\u00fcrger zweiter Klasse.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung der afghanischen Gefl\u00fcchteten ist f\u00fcr Abu Fazel die Spitze jenes Rassismus, den er erlebt hat.<\/p>\n\n\n\n

Iran: Syrien vor sunnitischen Extremisten verteidigen<\/h2>\n\n\n\n

In Syrien k\u00e4mpfen neben den afghanischen Milizen auch andere paramilit\u00e4rische Gruppierungen im Auftrag des Irans: etwa die ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigten Revolutionsgarden, die einst Ayatollah Ruhollah Khomeini pers\u00f6nlich ins Leben rief oder die Basidsch-Milizen. Beiden Gruppierungen sind nicht nur in Syrien aktiv, sondern auch im Irak.<\/p>\n\n\n\n

Obowhl sich das syrische Regime von Baschar al-Assad als s\u00e4kular ausweist, wird es vom Iran, der sich als Repr\u00e4sentant aller muslimischen Schiiten betrachtet, unterst\u00fctzt. Gemeinsames Ziel in Syrien ist es: Schiiten vor sunnitische Extremisten zu verteidigen. Dennoch ist das Regime darauf bedacht, m\u00f6glichst wenig eigene K\u00e4mpfer nach Syrien zu schicken. \u00c4hnlich wie einst w\u00e4hrend des Krieges gegen Saddam Husseins Irak, setzt der Iran auf ausl\u00e4ndische K\u00e4mpfer.<\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung war wie eine Gehirnw\u00e4sche<\/h2>\n\n\n\n

Abu Fazels Familie geh\u00f6rt zur afghanischen Minderheit der schiitischen Hazara \u2013 wie viele Afghanen, die in den Iran gekommen sind. Mittlerweile k\u00e4mpfen Tausende von ihnen in Syrien. Der Iran bezahlt die Afghanen mit einem Sold von wenigen hundert Dollar pro Monat und verspricht ihren Familien eine Aufenthaltsgenehmigung oder eine Arbeitserlaubnis.<\/p>\n\n\n\n

An der Rekrutierung der Afghanen sind sowohl die Revolutionsgarden als auch die erw\u00e4hnten Basidsch-Milizen beteiligt. Abu Fazel beschreibt, wie das Viertel, in dem er gemeinsam mit seiner Familie in Teheran lebte, regelm\u00e4\u00dfig von den K\u00e4mpfern aufgesucht wurde. Viele afghanische Gefl\u00fcchtete lebten dort \u2013 und fielen auf die Gehirnw\u00e4sche der Rattenf\u00e4nger herein.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie trafen junge M\u00e4nner und Jugendliche in den Moscheen und \u00fcberredeten sie, gegen den IS oder Al Qaida zu k\u00e4mpfen. Die Gehirnw\u00e4sche war perfekt. Am Ende merkten viele, darunter auch ich, nicht einmal, dass wir in ihre Propaganda getappt waren. Ihre \u00dcberredungskunst war wirklich sehr speziell. Am Ende hat man Lust, nach Syrien zu gehen, um zu k\u00e4mpfen\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Erfolg hatten die Rekrutierer des Regimes auch bei Abu Fazels Cousin, der zum damaligen Zeitpunkt ebenfalls minderj\u00e4hrig gewesen ist. Er ging nach Syrien und k\u00e4mpfte unter der Flagge der \u201eLiwa Fatemiyoun\u201c, wie die afghanische Division auf Seiten Assads hei\u00dft. Offiziell ist die Aufgabe der Miliz die Verteidigung des Schreines von Zaynab im S\u00fcden von Damaskus. Zaynab war die Enkelin des islamischen Propheten Mohammad. Laut iranischen Staatsmedien k\u00e4mpfen mindestens 20.000 Afghanen in der Division.<\/p>\n\n\n\n

Im August 2014 entschloss sich auch Abu Fazel, nach Syrien zu gehen und zu k\u00e4mpfen. Im selben Monat wurde sein Cousin in der N\u00e4he von Aleppo im Kampf gegen syrische Rebellen get\u00f6tet.<\/p>\n\n\n\n

\u201eMein Cousin wurde dort get\u00f6tet. Auch andere Jungs aus unserer Gegend gingen nach Syrien und fielen dort. Lokale Zeitungen nannten sie \u201aM\u00e4rtyrer\u2018.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Lieber Flucht statt K\u00e4mpfer in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein solcher \u201eM\u00e4rtyrer\u201c wollte Abu Fazel allerdings nicht werden. Er floh eine Woche vor dem Beginn seiner dreimonatigen Kampfausbildung. Es war ihm lieber, ein Leben auf der Flucht zu verbringen, als in Syrien unschuldige Menschen f\u00fcr einen Diktator zu t\u00f6ten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch kam zu dem Schluss, dass ich nicht als M\u00f6rder weiterleben k\u00f6nnte. Stets dachte ich mir, dass selbst die schlimmsten Al-Qaida- oder IS-Terroristen Kinder haben k\u00f6nnten, die ihren Vater lieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Fazel verlor seinen eigenen Vater bereits sehr fr\u00fch. Er wurde Opfer des B\u00fcrgerkriegs in Afghanistan, der von 1989 bis 2001 tausende Menschen das Leben kostete. Auch der Iran mischte in der Zeit schon mit. Es ist allgemein bekannt, dass die schiitischen Hazara-Milizen, die den B\u00fcrgerkrieg ebenfalls mitanfachten, von der Regierung in Teheran unterst\u00fctzt wurden.<\/p>\n\n\n\n

Als Abu Fazel sich nun entschloss, aus der Gewaltspirale auszusteigen und nicht in Syrien zu k\u00e4mpfen, wuchs die Angst bei seiner Familie. Denn f\u00fcr die iranischen Beh\u00f6rden gilt: Hat man sich einmal gemeldet, gibt es kein zur\u00fcck. Man muss an die Front nach Syrien \u2013 oder wird zur\u00fcck nach Afghanistan abgeschoben, wo ebenfalls Krieg herrscht.<\/p>\n\n\n\n

Der einzige Ausweg f\u00fcr den jungen Afghanen war die Flucht. \u00dcber die T\u00fcrkei, Griechenland und die Balkranroute erreichte er mit gro\u00dfer M\u00fche Deutschland, wo er einen Asylantrag stellte.<\/p>\n\n\n\n

Erster Asylantrag in Deutschland abgelehnt<\/h2>\n\n\n\n

Als Grund nannte er seine Rekrutierung als Kindersoldat seitens des iranischen Regimes. Doch w\u00e4hrend diese Begr\u00fcndung in Abu Fazels Augen v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich war, sahen deutsche Beh\u00f6rden das anders. Sein erster Antrag wurde abgelehnt. Derzeit versucht er es ein zweites Mal. Die Bundesrepublik schiebt afghanische Gefl\u00fcchtete weiterhin ab.<\/p>\n\n\n\n

\"EinAbschiebung von Afghanen im Dezember 2016 mit einem Charterflug von Frankfurt nach Kabul. (dpa \/picture alliance \/ Boris Roessler)<\/p>\n\n\n\n

Die Verantwortlichen weisen in diesem Kontext immer wieder auf vermeintlich \u201esichere Gebiete\u201c im Land, die nicht n\u00e4her benannt werden.<\/p>\n\n\n\n

W\u00e4hrenddessen machen Menschenrechtsorganisationen regelm\u00e4\u00dfig darauf aufmerksam, dass keine Region am Hindukusch sicher ist. Stattdessen wird in manchen Gebieten nur weniger Krieg gef\u00fchrt als in anderen.<\/p>\n\n\n\n

\"SieDemonstranten protestieren in Frankfurt am Main gegen die Abschiebung von Afghanen. Auf einem der Transparente steht \u201eAfghanistan is not safe\u201c. (AFP \/ Daniel Roland)<\/p>\n\n\n\n

Alis Vater und Onkel k\u00e4mpfen in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein \u00e4hnliches Schicksal wie Abu Fazel erlitt der 18-j\u00e4hrige Ali (Namen ge\u00e4ndert). Auch er floh aus dem Iran nach Deutschland, um der Rekrutierung f\u00fcr Assads Milizen zu entgehen. Viele seiner afghanischen Freunde sind bereits nach Syrien gezogen \u2013 und kamen niemals zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Alis Familie, ebenfalls Angeh\u00f6rige der Hazara-Minderheit, stammt urspr\u00fcnglich aus der Provinz Ghor im Nordosten Afghanistans. Ihre Heimat verlie\u00dfen sie w\u00e4hrend der sowjetischen Besatzung in den 1980er-Jahren.<\/p>\n\n\n\n

Seit jeher lebt die Familie in der iranischen Gro\u00dfstadt Maschhad. Als der Krieg in Syrien ausbrach, erreichte sie ein Konflikt, mit dem sie nicht gerechnet hatten. Im Juli 2015 reiste Alis Vater nach Teheran. Er wollte einen Weg finden, um f\u00fcr seine Familie Aufenthaltspapiere zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Beh\u00f6rden sagten ihm, dass die Rekrutierung f\u00fcr den Krieg in Syrien eine M\u00f6glichkeit darstellen k\u00f6nnte, um Papiere f\u00fcr uns alle zu erhalten. Andernfalls w\u00fcrde man uns sehr bald nach Afghanistan abschieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Mittlerweile k\u00e4mpfen Alis Vater und sein Onkel seit \u00fcber einem Jahr in Syrien. Am Aufenthaltsstatus seiner Familienmitglieder hat sich bis heute allerdings nichts ge\u00e4ndert. F\u00fcr Ali ist klar, dass dies nur eine Falle gewesen ist, um noch mehr Afghanen als Kanonenfutter zu missbrauchen.<\/p>\n\n\n\n

Anfangs gab es Papiere f\u00fcr K\u00e4mpfer-Familien<\/h2>\n\n\n\n

Den Kontakt zu seinem Vater hat der Afghane mittlerweile verloren. W\u00e4hrenddessen schickt ihm sein Onkel, der in Aleppo stationiert ist, hin und wieder Bilder \u00fcber den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ali denkt, dass nur sehr wenige Afghanen der Propaganda der iranischen Regierung glauben und in Syrien f\u00fcr eine \u201egute Sache\u201c k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

Source<\/a><\/p>\n","post_title":"Warum Afghanen in Syrien f\u00fcr Assad k\u00e4mpfen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"warum-afghanen-in-syrien-fur-assad-kampfen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3709","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3706,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:27:40","post_date_gmt":"2020-08-13 21:27:40","post_content":"\n

Kinder, Frauen, Jesiden \u2013 wer \u00fcberlebt hat, berichtet von Folter, Vergewaltigungen und Gehirnw\u00e4sche. Rund drei Jahre dauerte die Schreckensherrschaft der IS-Miliz in Syrien und Irak. Der Wiederaufbau wird l\u00e4nger dauern und mehr umfassen als H\u00e4user.<\/p>\n\n\n\n

Der Fluss Tigris durchzieht die zweitgr\u00f6\u00dfte Stadt des Iraks und teilt Mosul in Ost und West. Das Westufer ist von Zerst\u00f6rung gezeichnet, die Altstadt nicht mehr als eine einzige graue Tr\u00fcmmerlandschaft. Seit den letzten Bombardements im Juli 2017 kann hier niemand mehr wohnen.<\/p>\n\n\n\n

Die Nouri-Moschee, von deren Kanzel Abu Bakr al-Baghdadi im Juli 2014 sein Kalifat ausrief, hatte die IS-Miliz auf ihrem R\u00fcckzug vorsorglich selbst in die Luft gesprengt, um den Gegnern diesen besonderen Triumph zu verwehren.<\/p>\n\n\n\n

\"ImIm Juli 2017 erobert die irakische Armee Mossul zur\u00fcck. Ruinen sind zu sehen. Ein K\u00e4mpfer der IS-Miliz hat sich ergeben. (Imago \/ Carol Guzy)<\/p>\n\n\n\n

Es ist fraglich, ob die Altstadt dem Original getreu wieder aufgebaut werden kann. Bagdad will demn\u00e4chst \u2013 im Rahmen einer gro\u00dfen Wiederaufbau-Konferenz \u2013 bekannt geben, welche Pl\u00e4ne es hat. Derzeit gilt als gro\u00dfer Fortschritt, dass die Tr\u00fcmmerlandschaft in Teilen wieder begehbar ist \u2013 nachdem mit internationaler Hilfe zahllose Sprengs\u00e4tze beseitigt wurden.<\/p>\n\n\n\n

In Ost-Mossul gibt es weniger Zerst\u00f6rungen<\/h2>\n\n\n\n

J\u00fcngste Sch\u00e4tzungen der Vereinten Nationen besagen, dass es noch Jahre dauern wird, bis alle Minen ger\u00e4umt sind. Solange werden die einstigen Bewohner nicht zur\u00fcckkehren k\u00f6nnen. Manche von ihnen haben Gl\u00fcck im Ungl\u00fcck: Sie haben \u00fcberlebt und sind auf der anderen Seite des Tigris untergekommen, im Osten der Stadt. Der war schon im Januar 2017 von den Terroristen befreit worden. Erstaunlich ist: Dieser Teil Mosuls wirkt fast so, als w\u00e4re der \u201eIS\u201c niemals hier gewesen und als h\u00e4tte es keinen Krieg gegeben.<\/p>\n\n\n\n

\"ImIm Osten Mossuls gibt es weniger Zerst\u00f6rungen als im Westteil. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

Die Zerst\u00f6rungen beschr\u00e4nken sich auf strategisch-wichtige Punkte oder Geb\u00e4ude, in denen sich die Terroristen verschanzt hatten: Br\u00fccken, Moscheen, Krankenh\u00e4user. Doch im Basar herrscht fast so etwas wie Normalit\u00e4t. An St\u00e4nden kaufen Menschen ein \u2013 Obst, Gem\u00fcse, Reis und Nudeln, Backwaren. Kinder schlecken ein Eis. Abu Muhammad, ein ehemaliger Physiklehrer, erkl\u00e4rt, warum der Basar so anders ist als erwartet:<\/p>\n\n\n\n

\u201eDas Leben hatte nie aufgeh\u00f6rt in Mosul. Wir haben weitergelebt. Drei Jahre wurden wir vom \u201aIS\u2018 beherrscht, doch die normalen Leute hatten nichts damit zu tun. Daher kam der Alltag schnell zur\u00fcck. Die Soldaten sind gekommen, haben den Basar wieder aufgemacht und das Leben ging weiter.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Im Osten findet sich heute all das wieder, was die Terror-Miliz unterdr\u00fcckt hatte und bei Missachtung grausam ahndete: Musik in Restaurants und Caf\u00e9s; Sim-Karten f\u00fcr Handys; Internet; Fris\u00f6re, die Haare schneiden, B\u00e4rte stutzen oder gar abrasieren. Und doch: Trotz des lebendigen Treibens wirken Angst und Schrecken nach. Abu Muhammad, fr\u00fch ergraut, erinnert sich:<\/p>\n\n\n\n

\u201eWir haben uns gef\u00fchlt wie zwischen Leben und Tod. Irgendwo dazwischen. Sie haben vom \u201aIS\u2018 geh\u00f6rt; wir haben ihn erlebt: Wir haben erlebt, wie sie mordeten, wie sie Leute aufh\u00e4ngten, wir haben den Krieg erlebt. Wir haben alles gesehen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Mohammed stammt aus dem zerst\u00f6rten Westen der Stadt. Er wohnt heute im Osten. Verwandte haben ihn und seine Familie aufgenommen. So wie ihm ergeht es auch anderen Vertriebenen. Sie leben bei Verwandten und Freunden. Oder in einem der vielen Lager. 700.000 Menschen haben ihr Zuhause verloren \u2013 eine Zahl, die f\u00fcr West-Mosul gilt. Insgesamt gehen die Vereinten Nationen von fast sechs Millionen Menschen aus, die im Irak vor dem \u201aIS\u2018 geflohen sind \u2013 die H\u00e4lfte von ihnen bis heute fern von ihrem Zuhause.<\/p>\n\n\n\n

Binnenfl\u00fcchtlinge im Lager Khabartu<\/h2>\n\n\n\n

Zelte soweit das Auge reicht. Abertausende. Inmitten von Steppe. Das Leben der Menschen ist hart. Sie darben, frieren und verdorren \u2013 wenn im Winter der kalte Wind durch die Steppe fegt und im Sommer die Sonne niederbrennt. Doch sie harren aus, haben wenig Hoffnung auf baldige R\u00fcckkehr. Die meisten kamen 2014 \u2013 hierher, ins Lager Khabartu in Irakisch-Kurdistan.<\/p>\n\n\n\n

\"DasDas Lager Khabartu f\u00fcr irakische Binnenfl\u00fcchtlinge. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

2014, als der \u201eIS\u201c den Nord-Irak \u00fcberfiel. In einem der Zelte lebt auch die Familie von Thomas Abdallah Hammou. Thomas war auf der Flucht von seiner Familie getrennt und von den Dschihadisten verschleppt worden. Damals war er acht Jahre alt. Ein Kind. Drei Jahre blieb er in Geiselhaft, lebte in Mosul.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollten nicht, dass wir spielen. Sie mochten es nicht. Ich habe keine Schule besucht, aber sie gaben uns Koran-Unterricht. Jeden Tag.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas musste seinem eigenen, dem jesidischen Glauben abschw\u00f6ren. Weil der \u201eIS\u201c die Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c betrachtet. Und \u201eUngl\u00e4ubige\u201c, so die Auffassung der Terroristen, m\u00fcssen zwangsbekehrt werden. Oder get\u00f6tet. Die Terroristen hatten dementsprechend die Jesiden entweder an Ort und Stelle ermordet, die meisten im Sinjar, im alten Siedlungsgebiet der Jesiden im Nord-Irak. Tausende. 47 Massengr\u00e4ber sollen mittlerweile gefunden worden sein. Oder aber die Terroristen lie\u00dfen die Jesiden am Leben und nahmen sie in Geiselhaft. Sie machten aus ihnen Sexsklavinnen oder sie bildeten sie aus \u2013 zu Selbstmordattent\u00e4tern. Wie Thomas.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie haben uns st\u00e4ndig geschlagen. Wir mussten Schie\u00dfen \u00fcben. Zwei meiner Freunde haben sich in die Luft gesprengt. Sie sind zum Training. Doch sie kamen nicht zur\u00fcck. Ich war nicht traurig. Sie wollten sich ja in die Luft sprengen. Die \u201aIS\u2018-Leute hatten es nicht von ihnen verlangt. Sie sind freiwillig gegangen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas hat heute einen modernen Haarschnitt; der Nacken ist ausrasiert; der lange Pony in die Stirn gek\u00e4mmt. Im Sommer sah er noch anders aus, kurz nachdem Mosul befreit worden war. Bei einem Luftangriff der Anti-\u201eIS\u201c-Koalition wurde Thomas schwer verletzt aus Tr\u00fcmmern geborgen, dann operiert.<\/p>\n\n\n\n

\"ThomasThomas erholt sich von drei Jahren IS-Gefangenschaft. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

Arbeit mit \u201eDschihadisten-Kindern\u201c<\/h2>\n\n\n\n

Die \u00e4u\u00dferen Wunden sind heute verheilt. Doch wie sieht es aus mit den inneren, den seelischen Verletzungen? Thomas wurde von seiner Familie aufgenommen und bekommt Hilfe. Andere Kinder konnten nicht aufgefangen werden. Bis heute betrachten sie Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c \u2013 so wie es ihnen in der Geiselhaft eingeh\u00e4mmert wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie sind eine gro\u00dfe Gefahr f\u00fcr andere Kinder. Sie leben in Lagern, in einem Zelt, auf sechs mal vier Metern, oder noch weniger! Acht Geschwister, sie spielen zusammen, reden, sie indoktrinieren die anderen! Das ist ein Problem, das wir nicht l\u00f6sen k\u00f6nnen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Sara Hassan ist Sozialarbeiterin. Sie arbeitet in den Lagern, versucht M\u00e4dchen und Frauen, die jahrelang in Geiselhaft vergewaltigt wurden, zu helfen. Unz\u00e4hlige hatte der \u201eIS\u201c einst entf\u00fchrt. Sara arbeitet auch mit den sogenannten \u201eDschihadisten-Kindern\u201c. Sie erz\u00e4hlt, wie \u00fcberfordert alle seien: die Familien, die jesidische Gemeinschaft, die Gesellschaft des Nord-Irak.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIn einem anderen Fall hat sich die Familie am Ende an die Sicherheitskr\u00e4fte gewandt. Doch die wussten auch nicht, wie sie damit umgehen sollten. Monate lang hat die Familie versucht, den Jungen umzuerziehen, zusammen mit Sozialarbeitern. Aber noch immer sehen wir den Hass in seinen Augen \u2013 gegen\u00fcber Kurden, Christen und Jesiden. Als blicke man in die Augen eines IS-Terroristen. Das ist das Problem.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Die Jesiden k\u00f6nnen \u00fcber ihre vom \u201eIS\u201c indoktrinierten Kinder sprechen. Denn niemand zweifelt daran, dass sie Opfer der Tyrannei wurden. Bei den sunnitischen Arabern sieht das anders aus. Da sie derselben Religionsgruppe angeh\u00f6ren wie formal auch die Terroristen, stehen sie unter Generalverdacht, mit dem \u201eIS\u201c gemeinsame Sache gemacht zu haben. Sunnitische Araber trauen sich daher nicht, die Probleme ihrer Kinder \u00f6ffentlich zu machen \u2013 auch wenn sie selbst nichts mit dem \u201eIS\u201c zu tun hatten.<\/p>\n\n\n\n

Unklar ist, wie viele Kinder und Jugendliche im Irak und in Syrien zu Terroristen ausgebildet wurden, dabei noch in Geiselhaft sind oder bereits als \u201eSchl\u00e4fer\u201c darauf warten, zum Einsatz zu kommen. Sie gleichen \u201etickenden Zeitbomben\u201c, die jederzeit explodieren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

Minderheiten haben Angst vor \u201eIS\u201c-Nachfolgern<\/h2>\n\n\n\n

Kamaran Palani spricht davon, dass viele Menschen immer noch gehen wollen, obwohl der \u201eIS\u201c als staats\u00e4hnliches Gebilde nicht mehr besteht. Seine Saat aber, so der Politikwissenschaftler, sei aufgegangen.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollen einfach nicht in diesem Land bleiben. Der IS hat sie dazu gebracht. Jeder hat heute Angst, dass eine andere Organisation kommen wird, Terroristen, die dasselbe anrichten wie zuvor.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Palani forscht am \u201eMiddle East Research Institute\u201c, das seinen Sitz in Erbil hat, der Hauptstadt von Irakisch-Kurdistan. <\/p>\n\n\n\n

\u201e60 bis 65 Prozent der Christen wollen gehen. Das Gleiche gilt f\u00fcr andere Minderheiten: f\u00fcr Jesiden, Schabaks, Turkmenen, Kakais.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

\u201eWir werden niemals wieder mit den Arabern zusammenleben k\u00f6nnen!\u201c \u2013 ein Satz, der heute h\u00e4ufig im Nord-Irak zu h\u00f6ren ist. Gemeint sind die Iraker, die Sunniten und Araber sind \u2013 die einstmals Nachbarn von Jesiden, Christen und Kurden waren \u2013 mit denen man Handel trieb und Hochzeiten feierte, die auch Freunde waren.<\/p>\n\n\n\n

Der Irak ist eine multi-ethnische und multi-religi\u00f6se Gesellschaft, in der die Schiiten die Mehrheit stellen. \u00dcber Jahrhunderte aber hatten die sunnitischen Araber das Sagen, sie missbrauchten die Macht, errichteten ein Schreckensregime \u2013 bis 2003, als Diktator Saddam Hussein von den USA gest\u00fcrzt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c entstand aus Widerstand gegen Schiiten-Herrschaft<\/h2>\n\n\n\n

Jetzt wurde der Spie\u00df umgedreht. Die Amerikaner sorgten daf\u00fcr, dass die Sunniten jegliche Machtposition verloren \u2013 so wurde die irakische Armee, wurde die baathistische Partei aufgel\u00f6st \u2013 ohne ein Pendant zu schaffen, das alle integrierte. Und: Washington unterst\u00fctzte Regierungschef Nouri al-Maliki, einen Schiiten. Maliki sah eine historische Chance gekommen, diskriminierte nun seinerseits seine sunnitischen Landsleute, verwehrte ihnen im \u201eNeuen Irak\u201c die Mitsprache. Im Regime Malikis wurden Sunniten inhaftiert, gefoltert und umgebracht.<\/p>\n\n\n\n

Was viele in den Widerstand trieb. Einige schlossen sich der Terror-Organisation \u201eAl-Qaida\u201c an, unter ihnen f\u00fchrende Milit\u00e4rs der aufgel\u00f6sten Armee Saddam Husseins \u2013 und aus \u201eAl-Qaida\u201c ging sp\u00e4ter der \u201eIS\u201c hervor.<\/p>\n\n\n\n

Als der \u201eIS\u201c dann im Sommer 2014 fast ohne Gegenwehr weite Landstriche in Syrien und im Irak \u00fcberrannte und seinen \u201eStaat\u201c ausrief, sahen auch gew\u00f6hnliche sunnitische Araber einen Wechsel nahen. Viele machten gemeinsame Sache mit den Terroristen, verhinderten die Flucht jesidischer Nachbarn, lieferten sie ihren Schl\u00e4chtern aus. Kamaran Palani:<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c-K\u00e4mpfer haben gesagt, es gehe darum, die W\u00fcrde der sunnitischen Araber wiederherzustellen. Ihre Macht. Ihre Geschichte. Tats\u00e4chlich konnten es die Araber nicht hinnehmen, dass sie ins Abseits gedr\u00e4ngt wurden. Und ich denke, dass sie auch in Zukunft so handeln werden. Wann immer sich die Gelegenheit bietet: Sie werden alles hinter sich lassen \u2013 sich nur darauf konzentrieren.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Misstrauen. Auch bei einem Politikwissenschaftler. Was also tun? Zerst\u00f6rte St\u00e4dte und D\u00f6rfer k\u00f6nnten wieder aufgebaut werden \u2013 wenn denn ein gemeinsamer Wille best\u00fcnde. Doch was, wenn es einen solchen gemeinsamen Willen gar nicht gibt? Wenn Schmerz und Trauer anhalten, wenn die Verbrechen von Terroristen und Helfershelfern nicht geahndet werden, wenn Angst umgeht, Misstrauen und Hass das Miteinander bestimmen.<\/p>\n\n\n\n

\"SyrischeSoldaten in der irakischen Stadt Sindschar nach der R\u00fcckeroberung von der IS-Miliz Ende 2015. (dpa \/ MAXPPP \/ Arnaud Dumontier)<\/p>\n\n\n\n

Kamaran Palani stammt aus der Stadt Makhmour. Drei Tage nur sei der \u201eIS\u201c dort gewesen, sagt er, doch diese Tage h\u00e4tten alles ver\u00e4ndert. Der \u201eIS\u201c habe die Menschen in seiner Heimatstadt verrohen lassen, meint er, das Verh\u00e4ltnis zwischen Kurden und Arabern sei heute tot. Eine R\u00fcckkehr in alte Zeiten h\u00e4lt Palani f\u00fcr falsch.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch denke, es w\u00e4re nicht einfach, in das Jahr 2014 \u2013 also in die Zeit vor dem \u201aIS\u2018 \u2013 zur\u00fcckzukehren. Vor allem aber w\u00e4re es nicht die richtige Politik. Denn eben die hat ja erst zum Aufkommen, zur Existenz des \u201aIS\u2018 gef\u00fchrt.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n


Wie also in Ruinen Neues schaffen? Der Staat muss das Gewaltmonopol zur\u00fcckerlangen, fordert der Politikwissenschaftler. F\u00fcr ihn steht das an erster Stelle. Und dann m\u00fcsse der Staat dringend einen Kurswechsel vornehmen: Er m\u00fcsse integrativ wirken, alle einbinden, auch die Araber, in Sicherheitskr\u00e4fte, Verwaltung und Politik.<\/p>\n\n\n\n

Machtmonopol m\u00fcsste von Milizen zum Staat gehen<\/h2>\n\n\n\n

Die Realit\u00e4t sieht anders aus: Ein Staat Kurdistan, der neue Optionen m\u00f6glich gemacht h\u00e4tte, auch von den Minderheiten gew\u00fcnscht worden war, ist nicht entstanden. Bagdad aber ist fern, der Zentralstaat kaum existent, und wenn, dann ist er schiitisch dominiert. Es sind Milizen, die im Nord-Irak das Geschehen bestimmen, darum rivalisieren, das Machtvakuum zu f\u00fcllen, das durch die Vertreibung des \u201eIS\u201c entstanden ist. Einst im Kampf gegen die Terroristen geeint, sind die Milizen einander heute feind.<\/p>\n\n\n\n

Allen voran die \u201eHashd ash-Shaabi\u201c, schiitisch-irakische Milizen, deren Ausbilder und Kommandeure h\u00e4ufig Iraner sind. Bagdad hat die Haschd als regul\u00e4re Kraft im Kampf gegen den \u201eIS\u201c anerkannt \u2013 obwohl Menschenrechts-Organisationen schwere Vorw\u00fcrfe gegen sie erheben. Fest steht: Die schiitischen Milizen halten D\u00f6rfer besetzt, sind in Mosul f\u00fcr ihr herrisches Auftreten und ihre Willk\u00fcr bekannt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eTats\u00e4chlich sorgen die verschiedenen bewaffneten Gruppen daf\u00fcr, dass die Fl\u00fcchtlinge nicht zur\u00fcckkehren. Und weil sie nicht zur\u00fcckkehren, gibt es auch keinen Wiederaufbau. Die Menschen haben Angst vor den Milizen \u2013 auch davor, dass die einander bek\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die \u201eHashd\u201c m\u00fcssten mithin abziehen. Und mit ihnen die anderen Milizen. Das Machtmonopol m\u00fcsste an den Staat gehen. Doch der Irak ist auch Spielball der Regionalm\u00e4chte: Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien. Sie konkurrieren um Einfluss-Sph\u00e4ren, bedienen sich dabei verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Gruppen im Irak. Deswegen werden die Hashd nicht abziehen. Derzeit sind sie von der iranisch-irakischen Grenze im Osten \u00fcber Bagdad bis hoch zur irakisch-syrischen Grenze im Norden postiert. Einheiten Teherans k\u00f6nnten demnach auf dem Landweg vom Iran bis ans Mittelmeer durchmarschieren.<\/p>\n\n\n\n

Iran und Saudi-Arabien wollen Macht vergr\u00f6\u00dfern<\/h2>\n\n\n\n

Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n

In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n

Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3703,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:24:20","post_date_gmt":"2020-08-13 21:24:20","post_content":"\n

Deutschland str\u00e4ubt sich gegen die R\u00fcckkehr seiner eigenen Staatsb\u00fcrger, die zu IS-Terroristen wurden. Dabei hat die Bundesrepublik den Terror und die Terroristen einst exportiert. Und dies geschah wissentlich, sagt der Islamwissenschaftler Fabian Goldmann.<\/p>\n\n\n\n

Wann haben Sie sich eigentlich zuletzt von deutschen Terroristen distanziert? Zum Beispiel von Robert B.? Der Ex-Bundeswehrsoldat aus Solingen hat mutma\u00dflich bei einem Selbstmordattentat Anfang 2014 50 Menschen mit in den Tod gerissen. <\/p>\n\n\n\n

Oder von Yannik N.? Der junge Freiburger steuerte wahrscheinlich im Jahr 2015 einen mit anderthalb Tonnen Sprengstoff beladenen LKW in eine Menschenmenge und nahm so Dutzenden Personen das Leben.<\/p>\n\n\n\n

Oder von Yamin A.?. Im Sommer 2015 tauchte im Netz ein Video auf, das zeigte, wie der ehemalige Telekom-Azubi aus K\u00f6nigswinter zwei gefesselten Soldaten in den Kopf schoss.
Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Deutsche T\u00e4ter, aber kaum deutsche Opfer<\/h2>\n\n\n\n

Hauptsache nicht bei uns! Dies scheint auch dieser Tage wieder die Maxime zu sein, wenn Politiker und \u00d6ffentlichkeit \u00fcber den Umgang mit deutschen Terroristen diskutieren. Von potenziellen Bedrohungen und Anschlagsgefahren in Deutschland liest man dann. Vom ganz realen Terror, den Deutsche in den vergangenen Jahren \u00fcber die Menschen in Syrien und Irak gebracht haben, h\u00f6rt man hingegen kaum. Ein Terror, der kaum deutsche Opfer aber umso mehr deutsche T\u00e4ter kannte.<\/p>\n\n\n\n

1.050 \u2013 das ist laut Bundesinnenministerium die Anzahl der Dschihadisten, die in den letzten Jahren die Bundesrepublik in Richtung Nahost verlassen hat. Es f\u00e4llt schwer, sich umgekehrtes Szenario \u00fcberhaupt auszumalen. Was w\u00e4re wohl los, h\u00e4tte es nur ein Bruchteil arabischer Terroristen geschafft, bei uns Anschl\u00e4ge zu begehen? Europas \u201eMuslim Bann\u201c? \u00dcberwachungsstaat auf NSA-Niveau?<\/p>\n\n\n\n

Die CSU st\u00fcnde wom\u00f6glich am linken Ende des politischen Spektrums, und auf Twitter w\u00fcrde Trump deutsche Migrationspolitiker zur M\u00e4\u00dfigung aufrufen. Der deutsche Terror in Nahost kommt hingegen seit Jahren ganz ohne Sondersendungen, politische Debatten und Distanzierungsforderungen aus. <\/p>\n\n\n\n

Deutsche K\u00e4mpfer waren nicht nur willenloses Kanonenfutter<\/h2>\n\n\n\n

An fehlendem Wissen liegt das nicht. Von ganzen Einheiten des IS, in denen kein einziger K\u00e4mpfer Arabisch spreche, berichten syrische, irakische und kurdische Soldaten schon seit Jahren. Von Aleppo \u00fcber Raqqa bis Mossul haben Aktivisten und Politiker immer wieder darauf hingewiesen, dass viele der schlimmsten M\u00f6rder in den Reihen des IS Europ\u00e4er sind. Interessiert hat das hier kaum jemand.<\/p>\n\n\n\n

Dabei dienten Deutsche dem Islamischen Staats nicht nur als willenloses Kanonenfutter, wie es oft dargestellt wird. Viele haben seinen Terror mitgepr\u00e4gt. Wie Martin L., der derzeit in kurdischer Haft sitzt. Der Schwei\u00dfer aus Sachsen-Anhalt soll sich vom Folterknecht bis zum Geheimdienstler mit Kontakten bis in die F\u00fchrungsspitze der Terrororganisation hochgearbeitet haben.<\/p>\n\n\n\n

Oder Reda S., Der Prediger aus Berlin-Charlottenburg soll dem IS in Mossul als Bildungsminister gedient haben. Oder der Berliner Ex-Rapper Denis Cuspert, der zu den wichtigsten Personen in der IS-Medienorganisation Al-Hayat geh\u00f6rte. Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Beh\u00f6rden wussten gut Bescheid<\/h2>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich entstand der Islamische Staat nicht in deutschen Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen. Zur deutschen Verantwortung geh\u00f6rt aber auch, dass Politiker und Beh\u00f6rden lange wegschauten, solang nur die T\u00e4ter, aber nicht die Opfer Deutsche waren. Beh\u00f6rden wissen und wussten erschreckend gut Bescheid \u00fcber die Radikalisierung deutscher Islamisten. Ein Gro\u00dfteil der sp\u00e4teren IS-K\u00e4mpfer war polizeibekannt, stand auf Gef\u00e4hrderlisten oder hatte wegen islamistischer Straftaten bereits Haftstrafen verb\u00fc\u00dft. An der Ausreise gehindert wurden sie oftmals dennoch nicht. Die Gefahr, die von deutschen Terroristen ausgeht, interessierte Politik und \u00d6ffentlichkeit erst dann wieder, als ihre Einreise drohte.<\/p>\n\n\n\n

\"Fabian
Fabian Goldmann<\/strong> ist Journalist und Islamwissenschaftler. F\u00fcr verschiedene Magazine und Zeitungen berichtete er viele Jahre aus Nahost. Zurzeit widmet er sich vor allem dem Islam diesseits des Bosporus. Auf seinem Blog Schantall und die Scharia<\/a> bloggt er \u00fcber Islamophobie in Deutschland.<\/p>\n","post_title":"Es sind unsere Terroristen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"es-sind-unsere-terroristen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3703","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3700,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:19:36","post_date_gmt":"2020-08-13 21:19:36","post_content":"\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda? Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda t<\/p>\n\n\n\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda tritt an die Stelle der 2010 verabschiedeten Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014 (siehe IP\/10\/1535<\/a>). In der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda f\u00fcr den Zeitraum 2015-2020 skizziert die Europ\u00e4ische Kommission die Strategie der Union zur Bew\u00e4ltigung der Sicherheitsbedrohungen in der EU.<\/p>\n\n\n\n

Die EU und ihre Mitgliedstaaten sind mit betr\u00e4chtlichen Sicherheitsproblemen konfrontiert. Terrorismus, organisierte Kriminalit\u00e4t und Cyberkriminalit\u00e4t stellen eine zunehmende Gefahr f\u00fcr die europ\u00e4ische Gesellschaft dar, wobei sich Art und Ausma\u00df dieser Gefahr ver\u00e4ndert hat. Europa ist mit den Auswirkungen der politischen Instabilit\u00e4t in seiner unmittelbaren Nachbarschaft konfrontiert, die die Sicherheitsinteressen der EU gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n

Im Zuge der Krisen und Konflikte in Syrien, Irak und Libyen haben sich europ\u00e4ische B\u00fcrger terroristischen Gruppen angeschlossen, die bei ihrer R\u00fcckkehr eine erhebliche Bedrohung darstellen k\u00f6nnen. Die j\u00fcngsten terroristischen Anschl\u00e4ge in Europa zeugen von der zunehmenden Bedrohung durch einen gewaltt\u00e4tigen Extremismus und zeigen, in welchem Ausma\u00df weltweite Konflikte zur Radikalisierung der europ\u00e4ischen B\u00fcrger beitragen.<\/p>\n\n\n\n

Das Online-Umfeld hat sich zunehmend als Ziel f\u00fcr Kriminelle und Terroristen entwickelt. Unabh\u00e4ngig davon, ob es um die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und die Anwerbung von Menschen f\u00fcr terroristische Organisationen geht oder die Verbreitung von Hass oder einen Angriff auf die europ\u00e4ischen Werte und Institutionen, fest steht, dass wir unsere Reaktion auf diese Bedrohungen unbedingt abstimmen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Welcher Mehrwert entsteht durch die EU im Bereich der inneren Sicherheit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Gew\u00e4hrleistung der inneren Sicherheit f\u00e4llt weiterhin in erster Linie in die Zust\u00e4ndigkeit der Mitgliedstaaten. Allerdings werden die Bedrohungen f\u00fcr Europas B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger immer vielf\u00e4ltiger und betreffen in zunehmendem Ma\u00dfe mehrere Mitgliedstaaten. Einzelne Mitgliedstaaten haben die Verantwortung, die Sicherheit an den Au\u00dfengrenzen zu gew\u00e4hrleisten, sind aber nicht mehr in der Lage, diese Herausforderungen allein zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n

Kriminelle und terroristische Aktivit\u00e4ten machen nicht an den Grenzen der EU halt und beschr\u00e4nken sich auch nicht auf Nachbarregionen. Die innere Sicherheit der EU und die globale Sicherheit sind voneinander abh\u00e4ngig und miteinander verkn\u00fcpft. Die Sicherheit der Union h\u00e4ngt in hohem Ma\u00dfe von der Zusammenarbeit mit ihren internationalen Partnern und ihren Nachbarl\u00e4ndern ab.<\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t und des Terrorismus ist eine gemeinsame europ\u00e4ische Aufgabe. Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda sollte von den Mitgliedstaaten und den EU-Organen gemeinsam als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und gemeinsame Ma\u00dfnahmen der Union genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n

Mit Hilfe der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda werden die Polizei- und Strafverfolgungsdienste in verschiedenen Mitgliedstaaten Daten effektiver austauschen und bei der Bek\u00e4mpfung der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t besser zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Die Mitgliedstaaten k\u00f6nnen auf die Unterst\u00fctzung durch die Agenturen der EU z\u00e4hlen. Insbesondere in folgenden Punkten l\u00e4sst sich mit Hilfe der Sicherheitsagenda ein EU-Mehrwert erzielen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n

A) Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und den EU-Agenturen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1<\/strong>: Das Schengener Informationssystem<\/strong> (SIS) wird von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Abfrage von Ausschreibungen von gesuchten oder vermissten Personen und Gegenst\u00e4nden genutzt. Die Kommission wird an der Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Ausschreibungskategorien arbeiten und sich daf\u00fcr einsetzen, dass das SIS zusammen mit der Interpol-Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD)<\/strong> umfassender genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Wenn Abu Fazel von den Gr\u00e4ueltaten des syrischen B\u00fcrgerkriegs h\u00f6rt, denkt er immer daran, dass er auch beinahe als K\u00e4mpfer auf diesem Schlachtfeld gelandet w\u00e4re. Doch Abu Fazel ist weder Syrer noch wollte er zum sogenannten \u201eIslamischen Staat\u201c. Der 18-J\u00e4hrige ist ein afghanischer Gefl\u00fcchteter, der zur Zeit in Leverkusen lebt.<\/p>\n\n\n\n

Den Gro\u00dfteil seines Lebens verbrachte er im Iran. Seine Familie ist dorthin gefl\u00fcchtet, als er ein Kind war. Doch als die iranische Regierung ihn nach Syrien schicken wollte, um auf der Seite von Machthaber Baschar al-Assad zu k\u00e4mpfen, entschloss er sich zu fliehen.<\/p>\n\n\n\n

\"Fl\u00fcchtlingeGefl\u00fcchtete aus dem Iran und Afghanistan an der Grenze zwischen Mazedonien und Griechenland. (picture alliance \/ dpa \/ Georgi Licovski)<\/p>\n\n\n\n

Tausende afghanische Jugendliche \u2013 die genaue Zahl ist nicht bekannt \u2013 wurden im Iran rekrutiert, um im Krieg in Syrien zu k\u00e4mpfen. Erst vor Kurzem berichtete die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, dass sie die Gr\u00e4ber von acht afghanischen Kindern, die in Syrien get\u00f6tet wurden, identifiziert hat. Laut der Organisation rekrutiert der Iran regelm\u00e4\u00dfig minderj\u00e4hrige K\u00e4mpfer, um sie nach Syrien zu schicken. Unter afghanischen Gefl\u00fcchteten ist diese Praxis schon l\u00e4nger bekannt.<\/p>\n\n\n\n

Rassismus gegen Afghanen im Iran<\/h2>\n\n\n\n

Fast drei Millionen Gefl\u00fcchtete aus Afghanistan sind inzwischen im Iran. Die meisten von ihnen leben in der Illegalit\u00e4t und werden als Schwarzarbeiter, etwa am Bau, ausgebeutet. Rassismus und Ausgrenzung geh\u00f6ren zu ihrem gesellschaftlichen Alltag. Kinder sind davon nicht ausgeschlossen. Im Gegenteil: Vielen afghanischen Kinderm ist es nicht erlaubt, staatliche Schulen zu besuchen. Abu Fazel wurde Zeit seines Lebens von dieser Diskrimierung beeinflusst und verfolgt.<\/p>\n\n\n\n

\u201e'Afghane\u2018 \u2013 das ist dort ein Schimpfwort. Ich h\u00f6rte es von klein auf immer wieder. Der Rassismus gegen Afghanen ist dort v\u00f6llig normal. Meine Herkunft, auf der ich eigentlich stolz war, ist im Iran stets eine Last gewesen. Wir sind dort B\u00fcrger zweiter Klasse.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung der afghanischen Gefl\u00fcchteten ist f\u00fcr Abu Fazel die Spitze jenes Rassismus, den er erlebt hat.<\/p>\n\n\n\n

Iran: Syrien vor sunnitischen Extremisten verteidigen<\/h2>\n\n\n\n

In Syrien k\u00e4mpfen neben den afghanischen Milizen auch andere paramilit\u00e4rische Gruppierungen im Auftrag des Irans: etwa die ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigten Revolutionsgarden, die einst Ayatollah Ruhollah Khomeini pers\u00f6nlich ins Leben rief oder die Basidsch-Milizen. Beiden Gruppierungen sind nicht nur in Syrien aktiv, sondern auch im Irak.<\/p>\n\n\n\n

Obowhl sich das syrische Regime von Baschar al-Assad als s\u00e4kular ausweist, wird es vom Iran, der sich als Repr\u00e4sentant aller muslimischen Schiiten betrachtet, unterst\u00fctzt. Gemeinsames Ziel in Syrien ist es: Schiiten vor sunnitische Extremisten zu verteidigen. Dennoch ist das Regime darauf bedacht, m\u00f6glichst wenig eigene K\u00e4mpfer nach Syrien zu schicken. \u00c4hnlich wie einst w\u00e4hrend des Krieges gegen Saddam Husseins Irak, setzt der Iran auf ausl\u00e4ndische K\u00e4mpfer.<\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung war wie eine Gehirnw\u00e4sche<\/h2>\n\n\n\n

Abu Fazels Familie geh\u00f6rt zur afghanischen Minderheit der schiitischen Hazara \u2013 wie viele Afghanen, die in den Iran gekommen sind. Mittlerweile k\u00e4mpfen Tausende von ihnen in Syrien. Der Iran bezahlt die Afghanen mit einem Sold von wenigen hundert Dollar pro Monat und verspricht ihren Familien eine Aufenthaltsgenehmigung oder eine Arbeitserlaubnis.<\/p>\n\n\n\n

An der Rekrutierung der Afghanen sind sowohl die Revolutionsgarden als auch die erw\u00e4hnten Basidsch-Milizen beteiligt. Abu Fazel beschreibt, wie das Viertel, in dem er gemeinsam mit seiner Familie in Teheran lebte, regelm\u00e4\u00dfig von den K\u00e4mpfern aufgesucht wurde. Viele afghanische Gefl\u00fcchtete lebten dort \u2013 und fielen auf die Gehirnw\u00e4sche der Rattenf\u00e4nger herein.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie trafen junge M\u00e4nner und Jugendliche in den Moscheen und \u00fcberredeten sie, gegen den IS oder Al Qaida zu k\u00e4mpfen. Die Gehirnw\u00e4sche war perfekt. Am Ende merkten viele, darunter auch ich, nicht einmal, dass wir in ihre Propaganda getappt waren. Ihre \u00dcberredungskunst war wirklich sehr speziell. Am Ende hat man Lust, nach Syrien zu gehen, um zu k\u00e4mpfen\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Erfolg hatten die Rekrutierer des Regimes auch bei Abu Fazels Cousin, der zum damaligen Zeitpunkt ebenfalls minderj\u00e4hrig gewesen ist. Er ging nach Syrien und k\u00e4mpfte unter der Flagge der \u201eLiwa Fatemiyoun\u201c, wie die afghanische Division auf Seiten Assads hei\u00dft. Offiziell ist die Aufgabe der Miliz die Verteidigung des Schreines von Zaynab im S\u00fcden von Damaskus. Zaynab war die Enkelin des islamischen Propheten Mohammad. Laut iranischen Staatsmedien k\u00e4mpfen mindestens 20.000 Afghanen in der Division.<\/p>\n\n\n\n

Im August 2014 entschloss sich auch Abu Fazel, nach Syrien zu gehen und zu k\u00e4mpfen. Im selben Monat wurde sein Cousin in der N\u00e4he von Aleppo im Kampf gegen syrische Rebellen get\u00f6tet.<\/p>\n\n\n\n

\u201eMein Cousin wurde dort get\u00f6tet. Auch andere Jungs aus unserer Gegend gingen nach Syrien und fielen dort. Lokale Zeitungen nannten sie \u201aM\u00e4rtyrer\u2018.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Lieber Flucht statt K\u00e4mpfer in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein solcher \u201eM\u00e4rtyrer\u201c wollte Abu Fazel allerdings nicht werden. Er floh eine Woche vor dem Beginn seiner dreimonatigen Kampfausbildung. Es war ihm lieber, ein Leben auf der Flucht zu verbringen, als in Syrien unschuldige Menschen f\u00fcr einen Diktator zu t\u00f6ten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch kam zu dem Schluss, dass ich nicht als M\u00f6rder weiterleben k\u00f6nnte. Stets dachte ich mir, dass selbst die schlimmsten Al-Qaida- oder IS-Terroristen Kinder haben k\u00f6nnten, die ihren Vater lieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Fazel verlor seinen eigenen Vater bereits sehr fr\u00fch. Er wurde Opfer des B\u00fcrgerkriegs in Afghanistan, der von 1989 bis 2001 tausende Menschen das Leben kostete. Auch der Iran mischte in der Zeit schon mit. Es ist allgemein bekannt, dass die schiitischen Hazara-Milizen, die den B\u00fcrgerkrieg ebenfalls mitanfachten, von der Regierung in Teheran unterst\u00fctzt wurden.<\/p>\n\n\n\n

Als Abu Fazel sich nun entschloss, aus der Gewaltspirale auszusteigen und nicht in Syrien zu k\u00e4mpfen, wuchs die Angst bei seiner Familie. Denn f\u00fcr die iranischen Beh\u00f6rden gilt: Hat man sich einmal gemeldet, gibt es kein zur\u00fcck. Man muss an die Front nach Syrien \u2013 oder wird zur\u00fcck nach Afghanistan abgeschoben, wo ebenfalls Krieg herrscht.<\/p>\n\n\n\n

Der einzige Ausweg f\u00fcr den jungen Afghanen war die Flucht. \u00dcber die T\u00fcrkei, Griechenland und die Balkranroute erreichte er mit gro\u00dfer M\u00fche Deutschland, wo er einen Asylantrag stellte.<\/p>\n\n\n\n

Erster Asylantrag in Deutschland abgelehnt<\/h2>\n\n\n\n

Als Grund nannte er seine Rekrutierung als Kindersoldat seitens des iranischen Regimes. Doch w\u00e4hrend diese Begr\u00fcndung in Abu Fazels Augen v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich war, sahen deutsche Beh\u00f6rden das anders. Sein erster Antrag wurde abgelehnt. Derzeit versucht er es ein zweites Mal. Die Bundesrepublik schiebt afghanische Gefl\u00fcchtete weiterhin ab.<\/p>\n\n\n\n

\"EinAbschiebung von Afghanen im Dezember 2016 mit einem Charterflug von Frankfurt nach Kabul. (dpa \/picture alliance \/ Boris Roessler)<\/p>\n\n\n\n

Die Verantwortlichen weisen in diesem Kontext immer wieder auf vermeintlich \u201esichere Gebiete\u201c im Land, die nicht n\u00e4her benannt werden.<\/p>\n\n\n\n

W\u00e4hrenddessen machen Menschenrechtsorganisationen regelm\u00e4\u00dfig darauf aufmerksam, dass keine Region am Hindukusch sicher ist. Stattdessen wird in manchen Gebieten nur weniger Krieg gef\u00fchrt als in anderen.<\/p>\n\n\n\n

\"SieDemonstranten protestieren in Frankfurt am Main gegen die Abschiebung von Afghanen. Auf einem der Transparente steht \u201eAfghanistan is not safe\u201c. (AFP \/ Daniel Roland)<\/p>\n\n\n\n

Alis Vater und Onkel k\u00e4mpfen in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein \u00e4hnliches Schicksal wie Abu Fazel erlitt der 18-j\u00e4hrige Ali (Namen ge\u00e4ndert). Auch er floh aus dem Iran nach Deutschland, um der Rekrutierung f\u00fcr Assads Milizen zu entgehen. Viele seiner afghanischen Freunde sind bereits nach Syrien gezogen \u2013 und kamen niemals zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Alis Familie, ebenfalls Angeh\u00f6rige der Hazara-Minderheit, stammt urspr\u00fcnglich aus der Provinz Ghor im Nordosten Afghanistans. Ihre Heimat verlie\u00dfen sie w\u00e4hrend der sowjetischen Besatzung in den 1980er-Jahren.<\/p>\n\n\n\n

Seit jeher lebt die Familie in der iranischen Gro\u00dfstadt Maschhad. Als der Krieg in Syrien ausbrach, erreichte sie ein Konflikt, mit dem sie nicht gerechnet hatten. Im Juli 2015 reiste Alis Vater nach Teheran. Er wollte einen Weg finden, um f\u00fcr seine Familie Aufenthaltspapiere zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Beh\u00f6rden sagten ihm, dass die Rekrutierung f\u00fcr den Krieg in Syrien eine M\u00f6glichkeit darstellen k\u00f6nnte, um Papiere f\u00fcr uns alle zu erhalten. Andernfalls w\u00fcrde man uns sehr bald nach Afghanistan abschieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Mittlerweile k\u00e4mpfen Alis Vater und sein Onkel seit \u00fcber einem Jahr in Syrien. Am Aufenthaltsstatus seiner Familienmitglieder hat sich bis heute allerdings nichts ge\u00e4ndert. F\u00fcr Ali ist klar, dass dies nur eine Falle gewesen ist, um noch mehr Afghanen als Kanonenfutter zu missbrauchen.<\/p>\n\n\n\n

Anfangs gab es Papiere f\u00fcr K\u00e4mpfer-Familien<\/h2>\n\n\n\n

Den Kontakt zu seinem Vater hat der Afghane mittlerweile verloren. W\u00e4hrenddessen schickt ihm sein Onkel, der in Aleppo stationiert ist, hin und wieder Bilder \u00fcber den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ali denkt, dass nur sehr wenige Afghanen der Propaganda der iranischen Regierung glauben und in Syrien f\u00fcr eine \u201egute Sache\u201c k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

Source<\/a><\/p>\n","post_title":"Warum Afghanen in Syrien f\u00fcr Assad k\u00e4mpfen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"warum-afghanen-in-syrien-fur-assad-kampfen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3709","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3706,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:27:40","post_date_gmt":"2020-08-13 21:27:40","post_content":"\n

Kinder, Frauen, Jesiden \u2013 wer \u00fcberlebt hat, berichtet von Folter, Vergewaltigungen und Gehirnw\u00e4sche. Rund drei Jahre dauerte die Schreckensherrschaft der IS-Miliz in Syrien und Irak. Der Wiederaufbau wird l\u00e4nger dauern und mehr umfassen als H\u00e4user.<\/p>\n\n\n\n

Der Fluss Tigris durchzieht die zweitgr\u00f6\u00dfte Stadt des Iraks und teilt Mosul in Ost und West. Das Westufer ist von Zerst\u00f6rung gezeichnet, die Altstadt nicht mehr als eine einzige graue Tr\u00fcmmerlandschaft. Seit den letzten Bombardements im Juli 2017 kann hier niemand mehr wohnen.<\/p>\n\n\n\n

Die Nouri-Moschee, von deren Kanzel Abu Bakr al-Baghdadi im Juli 2014 sein Kalifat ausrief, hatte die IS-Miliz auf ihrem R\u00fcckzug vorsorglich selbst in die Luft gesprengt, um den Gegnern diesen besonderen Triumph zu verwehren.<\/p>\n\n\n\n

\"ImIm Juli 2017 erobert die irakische Armee Mossul zur\u00fcck. Ruinen sind zu sehen. Ein K\u00e4mpfer der IS-Miliz hat sich ergeben. (Imago \/ Carol Guzy)<\/p>\n\n\n\n

Es ist fraglich, ob die Altstadt dem Original getreu wieder aufgebaut werden kann. Bagdad will demn\u00e4chst \u2013 im Rahmen einer gro\u00dfen Wiederaufbau-Konferenz \u2013 bekannt geben, welche Pl\u00e4ne es hat. Derzeit gilt als gro\u00dfer Fortschritt, dass die Tr\u00fcmmerlandschaft in Teilen wieder begehbar ist \u2013 nachdem mit internationaler Hilfe zahllose Sprengs\u00e4tze beseitigt wurden.<\/p>\n\n\n\n

In Ost-Mossul gibt es weniger Zerst\u00f6rungen<\/h2>\n\n\n\n

J\u00fcngste Sch\u00e4tzungen der Vereinten Nationen besagen, dass es noch Jahre dauern wird, bis alle Minen ger\u00e4umt sind. Solange werden die einstigen Bewohner nicht zur\u00fcckkehren k\u00f6nnen. Manche von ihnen haben Gl\u00fcck im Ungl\u00fcck: Sie haben \u00fcberlebt und sind auf der anderen Seite des Tigris untergekommen, im Osten der Stadt. Der war schon im Januar 2017 von den Terroristen befreit worden. Erstaunlich ist: Dieser Teil Mosuls wirkt fast so, als w\u00e4re der \u201eIS\u201c niemals hier gewesen und als h\u00e4tte es keinen Krieg gegeben.<\/p>\n\n\n\n

\"ImIm Osten Mossuls gibt es weniger Zerst\u00f6rungen als im Westteil. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

Die Zerst\u00f6rungen beschr\u00e4nken sich auf strategisch-wichtige Punkte oder Geb\u00e4ude, in denen sich die Terroristen verschanzt hatten: Br\u00fccken, Moscheen, Krankenh\u00e4user. Doch im Basar herrscht fast so etwas wie Normalit\u00e4t. An St\u00e4nden kaufen Menschen ein \u2013 Obst, Gem\u00fcse, Reis und Nudeln, Backwaren. Kinder schlecken ein Eis. Abu Muhammad, ein ehemaliger Physiklehrer, erkl\u00e4rt, warum der Basar so anders ist als erwartet:<\/p>\n\n\n\n

\u201eDas Leben hatte nie aufgeh\u00f6rt in Mosul. Wir haben weitergelebt. Drei Jahre wurden wir vom \u201aIS\u2018 beherrscht, doch die normalen Leute hatten nichts damit zu tun. Daher kam der Alltag schnell zur\u00fcck. Die Soldaten sind gekommen, haben den Basar wieder aufgemacht und das Leben ging weiter.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Im Osten findet sich heute all das wieder, was die Terror-Miliz unterdr\u00fcckt hatte und bei Missachtung grausam ahndete: Musik in Restaurants und Caf\u00e9s; Sim-Karten f\u00fcr Handys; Internet; Fris\u00f6re, die Haare schneiden, B\u00e4rte stutzen oder gar abrasieren. Und doch: Trotz des lebendigen Treibens wirken Angst und Schrecken nach. Abu Muhammad, fr\u00fch ergraut, erinnert sich:<\/p>\n\n\n\n

\u201eWir haben uns gef\u00fchlt wie zwischen Leben und Tod. Irgendwo dazwischen. Sie haben vom \u201aIS\u2018 geh\u00f6rt; wir haben ihn erlebt: Wir haben erlebt, wie sie mordeten, wie sie Leute aufh\u00e4ngten, wir haben den Krieg erlebt. Wir haben alles gesehen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Mohammed stammt aus dem zerst\u00f6rten Westen der Stadt. Er wohnt heute im Osten. Verwandte haben ihn und seine Familie aufgenommen. So wie ihm ergeht es auch anderen Vertriebenen. Sie leben bei Verwandten und Freunden. Oder in einem der vielen Lager. 700.000 Menschen haben ihr Zuhause verloren \u2013 eine Zahl, die f\u00fcr West-Mosul gilt. Insgesamt gehen die Vereinten Nationen von fast sechs Millionen Menschen aus, die im Irak vor dem \u201aIS\u2018 geflohen sind \u2013 die H\u00e4lfte von ihnen bis heute fern von ihrem Zuhause.<\/p>\n\n\n\n

Binnenfl\u00fcchtlinge im Lager Khabartu<\/h2>\n\n\n\n

Zelte soweit das Auge reicht. Abertausende. Inmitten von Steppe. Das Leben der Menschen ist hart. Sie darben, frieren und verdorren \u2013 wenn im Winter der kalte Wind durch die Steppe fegt und im Sommer die Sonne niederbrennt. Doch sie harren aus, haben wenig Hoffnung auf baldige R\u00fcckkehr. Die meisten kamen 2014 \u2013 hierher, ins Lager Khabartu in Irakisch-Kurdistan.<\/p>\n\n\n\n

\"DasDas Lager Khabartu f\u00fcr irakische Binnenfl\u00fcchtlinge. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

2014, als der \u201eIS\u201c den Nord-Irak \u00fcberfiel. In einem der Zelte lebt auch die Familie von Thomas Abdallah Hammou. Thomas war auf der Flucht von seiner Familie getrennt und von den Dschihadisten verschleppt worden. Damals war er acht Jahre alt. Ein Kind. Drei Jahre blieb er in Geiselhaft, lebte in Mosul.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollten nicht, dass wir spielen. Sie mochten es nicht. Ich habe keine Schule besucht, aber sie gaben uns Koran-Unterricht. Jeden Tag.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas musste seinem eigenen, dem jesidischen Glauben abschw\u00f6ren. Weil der \u201eIS\u201c die Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c betrachtet. Und \u201eUngl\u00e4ubige\u201c, so die Auffassung der Terroristen, m\u00fcssen zwangsbekehrt werden. Oder get\u00f6tet. Die Terroristen hatten dementsprechend die Jesiden entweder an Ort und Stelle ermordet, die meisten im Sinjar, im alten Siedlungsgebiet der Jesiden im Nord-Irak. Tausende. 47 Massengr\u00e4ber sollen mittlerweile gefunden worden sein. Oder aber die Terroristen lie\u00dfen die Jesiden am Leben und nahmen sie in Geiselhaft. Sie machten aus ihnen Sexsklavinnen oder sie bildeten sie aus \u2013 zu Selbstmordattent\u00e4tern. Wie Thomas.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie haben uns st\u00e4ndig geschlagen. Wir mussten Schie\u00dfen \u00fcben. Zwei meiner Freunde haben sich in die Luft gesprengt. Sie sind zum Training. Doch sie kamen nicht zur\u00fcck. Ich war nicht traurig. Sie wollten sich ja in die Luft sprengen. Die \u201aIS\u2018-Leute hatten es nicht von ihnen verlangt. Sie sind freiwillig gegangen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas hat heute einen modernen Haarschnitt; der Nacken ist ausrasiert; der lange Pony in die Stirn gek\u00e4mmt. Im Sommer sah er noch anders aus, kurz nachdem Mosul befreit worden war. Bei einem Luftangriff der Anti-\u201eIS\u201c-Koalition wurde Thomas schwer verletzt aus Tr\u00fcmmern geborgen, dann operiert.<\/p>\n\n\n\n

\"ThomasThomas erholt sich von drei Jahren IS-Gefangenschaft. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

Arbeit mit \u201eDschihadisten-Kindern\u201c<\/h2>\n\n\n\n

Die \u00e4u\u00dferen Wunden sind heute verheilt. Doch wie sieht es aus mit den inneren, den seelischen Verletzungen? Thomas wurde von seiner Familie aufgenommen und bekommt Hilfe. Andere Kinder konnten nicht aufgefangen werden. Bis heute betrachten sie Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c \u2013 so wie es ihnen in der Geiselhaft eingeh\u00e4mmert wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie sind eine gro\u00dfe Gefahr f\u00fcr andere Kinder. Sie leben in Lagern, in einem Zelt, auf sechs mal vier Metern, oder noch weniger! Acht Geschwister, sie spielen zusammen, reden, sie indoktrinieren die anderen! Das ist ein Problem, das wir nicht l\u00f6sen k\u00f6nnen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Sara Hassan ist Sozialarbeiterin. Sie arbeitet in den Lagern, versucht M\u00e4dchen und Frauen, die jahrelang in Geiselhaft vergewaltigt wurden, zu helfen. Unz\u00e4hlige hatte der \u201eIS\u201c einst entf\u00fchrt. Sara arbeitet auch mit den sogenannten \u201eDschihadisten-Kindern\u201c. Sie erz\u00e4hlt, wie \u00fcberfordert alle seien: die Familien, die jesidische Gemeinschaft, die Gesellschaft des Nord-Irak.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIn einem anderen Fall hat sich die Familie am Ende an die Sicherheitskr\u00e4fte gewandt. Doch die wussten auch nicht, wie sie damit umgehen sollten. Monate lang hat die Familie versucht, den Jungen umzuerziehen, zusammen mit Sozialarbeitern. Aber noch immer sehen wir den Hass in seinen Augen \u2013 gegen\u00fcber Kurden, Christen und Jesiden. Als blicke man in die Augen eines IS-Terroristen. Das ist das Problem.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Die Jesiden k\u00f6nnen \u00fcber ihre vom \u201eIS\u201c indoktrinierten Kinder sprechen. Denn niemand zweifelt daran, dass sie Opfer der Tyrannei wurden. Bei den sunnitischen Arabern sieht das anders aus. Da sie derselben Religionsgruppe angeh\u00f6ren wie formal auch die Terroristen, stehen sie unter Generalverdacht, mit dem \u201eIS\u201c gemeinsame Sache gemacht zu haben. Sunnitische Araber trauen sich daher nicht, die Probleme ihrer Kinder \u00f6ffentlich zu machen \u2013 auch wenn sie selbst nichts mit dem \u201eIS\u201c zu tun hatten.<\/p>\n\n\n\n

Unklar ist, wie viele Kinder und Jugendliche im Irak und in Syrien zu Terroristen ausgebildet wurden, dabei noch in Geiselhaft sind oder bereits als \u201eSchl\u00e4fer\u201c darauf warten, zum Einsatz zu kommen. Sie gleichen \u201etickenden Zeitbomben\u201c, die jederzeit explodieren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

Minderheiten haben Angst vor \u201eIS\u201c-Nachfolgern<\/h2>\n\n\n\n

Kamaran Palani spricht davon, dass viele Menschen immer noch gehen wollen, obwohl der \u201eIS\u201c als staats\u00e4hnliches Gebilde nicht mehr besteht. Seine Saat aber, so der Politikwissenschaftler, sei aufgegangen.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollen einfach nicht in diesem Land bleiben. Der IS hat sie dazu gebracht. Jeder hat heute Angst, dass eine andere Organisation kommen wird, Terroristen, die dasselbe anrichten wie zuvor.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Palani forscht am \u201eMiddle East Research Institute\u201c, das seinen Sitz in Erbil hat, der Hauptstadt von Irakisch-Kurdistan. <\/p>\n\n\n\n

\u201e60 bis 65 Prozent der Christen wollen gehen. Das Gleiche gilt f\u00fcr andere Minderheiten: f\u00fcr Jesiden, Schabaks, Turkmenen, Kakais.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

\u201eWir werden niemals wieder mit den Arabern zusammenleben k\u00f6nnen!\u201c \u2013 ein Satz, der heute h\u00e4ufig im Nord-Irak zu h\u00f6ren ist. Gemeint sind die Iraker, die Sunniten und Araber sind \u2013 die einstmals Nachbarn von Jesiden, Christen und Kurden waren \u2013 mit denen man Handel trieb und Hochzeiten feierte, die auch Freunde waren.<\/p>\n\n\n\n

Der Irak ist eine multi-ethnische und multi-religi\u00f6se Gesellschaft, in der die Schiiten die Mehrheit stellen. \u00dcber Jahrhunderte aber hatten die sunnitischen Araber das Sagen, sie missbrauchten die Macht, errichteten ein Schreckensregime \u2013 bis 2003, als Diktator Saddam Hussein von den USA gest\u00fcrzt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c entstand aus Widerstand gegen Schiiten-Herrschaft<\/h2>\n\n\n\n

Jetzt wurde der Spie\u00df umgedreht. Die Amerikaner sorgten daf\u00fcr, dass die Sunniten jegliche Machtposition verloren \u2013 so wurde die irakische Armee, wurde die baathistische Partei aufgel\u00f6st \u2013 ohne ein Pendant zu schaffen, das alle integrierte. Und: Washington unterst\u00fctzte Regierungschef Nouri al-Maliki, einen Schiiten. Maliki sah eine historische Chance gekommen, diskriminierte nun seinerseits seine sunnitischen Landsleute, verwehrte ihnen im \u201eNeuen Irak\u201c die Mitsprache. Im Regime Malikis wurden Sunniten inhaftiert, gefoltert und umgebracht.<\/p>\n\n\n\n

Was viele in den Widerstand trieb. Einige schlossen sich der Terror-Organisation \u201eAl-Qaida\u201c an, unter ihnen f\u00fchrende Milit\u00e4rs der aufgel\u00f6sten Armee Saddam Husseins \u2013 und aus \u201eAl-Qaida\u201c ging sp\u00e4ter der \u201eIS\u201c hervor.<\/p>\n\n\n\n

Als der \u201eIS\u201c dann im Sommer 2014 fast ohne Gegenwehr weite Landstriche in Syrien und im Irak \u00fcberrannte und seinen \u201eStaat\u201c ausrief, sahen auch gew\u00f6hnliche sunnitische Araber einen Wechsel nahen. Viele machten gemeinsame Sache mit den Terroristen, verhinderten die Flucht jesidischer Nachbarn, lieferten sie ihren Schl\u00e4chtern aus. Kamaran Palani:<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c-K\u00e4mpfer haben gesagt, es gehe darum, die W\u00fcrde der sunnitischen Araber wiederherzustellen. Ihre Macht. Ihre Geschichte. Tats\u00e4chlich konnten es die Araber nicht hinnehmen, dass sie ins Abseits gedr\u00e4ngt wurden. Und ich denke, dass sie auch in Zukunft so handeln werden. Wann immer sich die Gelegenheit bietet: Sie werden alles hinter sich lassen \u2013 sich nur darauf konzentrieren.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Misstrauen. Auch bei einem Politikwissenschaftler. Was also tun? Zerst\u00f6rte St\u00e4dte und D\u00f6rfer k\u00f6nnten wieder aufgebaut werden \u2013 wenn denn ein gemeinsamer Wille best\u00fcnde. Doch was, wenn es einen solchen gemeinsamen Willen gar nicht gibt? Wenn Schmerz und Trauer anhalten, wenn die Verbrechen von Terroristen und Helfershelfern nicht geahndet werden, wenn Angst umgeht, Misstrauen und Hass das Miteinander bestimmen.<\/p>\n\n\n\n

\"SyrischeSoldaten in der irakischen Stadt Sindschar nach der R\u00fcckeroberung von der IS-Miliz Ende 2015. (dpa \/ MAXPPP \/ Arnaud Dumontier)<\/p>\n\n\n\n

Kamaran Palani stammt aus der Stadt Makhmour. Drei Tage nur sei der \u201eIS\u201c dort gewesen, sagt er, doch diese Tage h\u00e4tten alles ver\u00e4ndert. Der \u201eIS\u201c habe die Menschen in seiner Heimatstadt verrohen lassen, meint er, das Verh\u00e4ltnis zwischen Kurden und Arabern sei heute tot. Eine R\u00fcckkehr in alte Zeiten h\u00e4lt Palani f\u00fcr falsch.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch denke, es w\u00e4re nicht einfach, in das Jahr 2014 \u2013 also in die Zeit vor dem \u201aIS\u2018 \u2013 zur\u00fcckzukehren. Vor allem aber w\u00e4re es nicht die richtige Politik. Denn eben die hat ja erst zum Aufkommen, zur Existenz des \u201aIS\u2018 gef\u00fchrt.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n


Wie also in Ruinen Neues schaffen? Der Staat muss das Gewaltmonopol zur\u00fcckerlangen, fordert der Politikwissenschaftler. F\u00fcr ihn steht das an erster Stelle. Und dann m\u00fcsse der Staat dringend einen Kurswechsel vornehmen: Er m\u00fcsse integrativ wirken, alle einbinden, auch die Araber, in Sicherheitskr\u00e4fte, Verwaltung und Politik.<\/p>\n\n\n\n

Machtmonopol m\u00fcsste von Milizen zum Staat gehen<\/h2>\n\n\n\n

Die Realit\u00e4t sieht anders aus: Ein Staat Kurdistan, der neue Optionen m\u00f6glich gemacht h\u00e4tte, auch von den Minderheiten gew\u00fcnscht worden war, ist nicht entstanden. Bagdad aber ist fern, der Zentralstaat kaum existent, und wenn, dann ist er schiitisch dominiert. Es sind Milizen, die im Nord-Irak das Geschehen bestimmen, darum rivalisieren, das Machtvakuum zu f\u00fcllen, das durch die Vertreibung des \u201eIS\u201c entstanden ist. Einst im Kampf gegen die Terroristen geeint, sind die Milizen einander heute feind.<\/p>\n\n\n\n

Allen voran die \u201eHashd ash-Shaabi\u201c, schiitisch-irakische Milizen, deren Ausbilder und Kommandeure h\u00e4ufig Iraner sind. Bagdad hat die Haschd als regul\u00e4re Kraft im Kampf gegen den \u201eIS\u201c anerkannt \u2013 obwohl Menschenrechts-Organisationen schwere Vorw\u00fcrfe gegen sie erheben. Fest steht: Die schiitischen Milizen halten D\u00f6rfer besetzt, sind in Mosul f\u00fcr ihr herrisches Auftreten und ihre Willk\u00fcr bekannt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eTats\u00e4chlich sorgen die verschiedenen bewaffneten Gruppen daf\u00fcr, dass die Fl\u00fcchtlinge nicht zur\u00fcckkehren. Und weil sie nicht zur\u00fcckkehren, gibt es auch keinen Wiederaufbau. Die Menschen haben Angst vor den Milizen \u2013 auch davor, dass die einander bek\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die \u201eHashd\u201c m\u00fcssten mithin abziehen. Und mit ihnen die anderen Milizen. Das Machtmonopol m\u00fcsste an den Staat gehen. Doch der Irak ist auch Spielball der Regionalm\u00e4chte: Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien. Sie konkurrieren um Einfluss-Sph\u00e4ren, bedienen sich dabei verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Gruppen im Irak. Deswegen werden die Hashd nicht abziehen. Derzeit sind sie von der iranisch-irakischen Grenze im Osten \u00fcber Bagdad bis hoch zur irakisch-syrischen Grenze im Norden postiert. Einheiten Teherans k\u00f6nnten demnach auf dem Landweg vom Iran bis ans Mittelmeer durchmarschieren.<\/p>\n\n\n\n

Iran und Saudi-Arabien wollen Macht vergr\u00f6\u00dfern<\/h2>\n\n\n\n

Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n

In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n

Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3703,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:24:20","post_date_gmt":"2020-08-13 21:24:20","post_content":"\n

Deutschland str\u00e4ubt sich gegen die R\u00fcckkehr seiner eigenen Staatsb\u00fcrger, die zu IS-Terroristen wurden. Dabei hat die Bundesrepublik den Terror und die Terroristen einst exportiert. Und dies geschah wissentlich, sagt der Islamwissenschaftler Fabian Goldmann.<\/p>\n\n\n\n

Wann haben Sie sich eigentlich zuletzt von deutschen Terroristen distanziert? Zum Beispiel von Robert B.? Der Ex-Bundeswehrsoldat aus Solingen hat mutma\u00dflich bei einem Selbstmordattentat Anfang 2014 50 Menschen mit in den Tod gerissen. <\/p>\n\n\n\n

Oder von Yannik N.? Der junge Freiburger steuerte wahrscheinlich im Jahr 2015 einen mit anderthalb Tonnen Sprengstoff beladenen LKW in eine Menschenmenge und nahm so Dutzenden Personen das Leben.<\/p>\n\n\n\n

Oder von Yamin A.?. Im Sommer 2015 tauchte im Netz ein Video auf, das zeigte, wie der ehemalige Telekom-Azubi aus K\u00f6nigswinter zwei gefesselten Soldaten in den Kopf schoss.
Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Deutsche T\u00e4ter, aber kaum deutsche Opfer<\/h2>\n\n\n\n

Hauptsache nicht bei uns! Dies scheint auch dieser Tage wieder die Maxime zu sein, wenn Politiker und \u00d6ffentlichkeit \u00fcber den Umgang mit deutschen Terroristen diskutieren. Von potenziellen Bedrohungen und Anschlagsgefahren in Deutschland liest man dann. Vom ganz realen Terror, den Deutsche in den vergangenen Jahren \u00fcber die Menschen in Syrien und Irak gebracht haben, h\u00f6rt man hingegen kaum. Ein Terror, der kaum deutsche Opfer aber umso mehr deutsche T\u00e4ter kannte.<\/p>\n\n\n\n

1.050 \u2013 das ist laut Bundesinnenministerium die Anzahl der Dschihadisten, die in den letzten Jahren die Bundesrepublik in Richtung Nahost verlassen hat. Es f\u00e4llt schwer, sich umgekehrtes Szenario \u00fcberhaupt auszumalen. Was w\u00e4re wohl los, h\u00e4tte es nur ein Bruchteil arabischer Terroristen geschafft, bei uns Anschl\u00e4ge zu begehen? Europas \u201eMuslim Bann\u201c? \u00dcberwachungsstaat auf NSA-Niveau?<\/p>\n\n\n\n

Die CSU st\u00fcnde wom\u00f6glich am linken Ende des politischen Spektrums, und auf Twitter w\u00fcrde Trump deutsche Migrationspolitiker zur M\u00e4\u00dfigung aufrufen. Der deutsche Terror in Nahost kommt hingegen seit Jahren ganz ohne Sondersendungen, politische Debatten und Distanzierungsforderungen aus. <\/p>\n\n\n\n

Deutsche K\u00e4mpfer waren nicht nur willenloses Kanonenfutter<\/h2>\n\n\n\n

An fehlendem Wissen liegt das nicht. Von ganzen Einheiten des IS, in denen kein einziger K\u00e4mpfer Arabisch spreche, berichten syrische, irakische und kurdische Soldaten schon seit Jahren. Von Aleppo \u00fcber Raqqa bis Mossul haben Aktivisten und Politiker immer wieder darauf hingewiesen, dass viele der schlimmsten M\u00f6rder in den Reihen des IS Europ\u00e4er sind. Interessiert hat das hier kaum jemand.<\/p>\n\n\n\n

Dabei dienten Deutsche dem Islamischen Staats nicht nur als willenloses Kanonenfutter, wie es oft dargestellt wird. Viele haben seinen Terror mitgepr\u00e4gt. Wie Martin L., der derzeit in kurdischer Haft sitzt. Der Schwei\u00dfer aus Sachsen-Anhalt soll sich vom Folterknecht bis zum Geheimdienstler mit Kontakten bis in die F\u00fchrungsspitze der Terrororganisation hochgearbeitet haben.<\/p>\n\n\n\n

Oder Reda S., Der Prediger aus Berlin-Charlottenburg soll dem IS in Mossul als Bildungsminister gedient haben. Oder der Berliner Ex-Rapper Denis Cuspert, der zu den wichtigsten Personen in der IS-Medienorganisation Al-Hayat geh\u00f6rte. Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Beh\u00f6rden wussten gut Bescheid<\/h2>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich entstand der Islamische Staat nicht in deutschen Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen. Zur deutschen Verantwortung geh\u00f6rt aber auch, dass Politiker und Beh\u00f6rden lange wegschauten, solang nur die T\u00e4ter, aber nicht die Opfer Deutsche waren. Beh\u00f6rden wissen und wussten erschreckend gut Bescheid \u00fcber die Radikalisierung deutscher Islamisten. Ein Gro\u00dfteil der sp\u00e4teren IS-K\u00e4mpfer war polizeibekannt, stand auf Gef\u00e4hrderlisten oder hatte wegen islamistischer Straftaten bereits Haftstrafen verb\u00fc\u00dft. An der Ausreise gehindert wurden sie oftmals dennoch nicht. Die Gefahr, die von deutschen Terroristen ausgeht, interessierte Politik und \u00d6ffentlichkeit erst dann wieder, als ihre Einreise drohte.<\/p>\n\n\n\n

\"Fabian
Fabian Goldmann<\/strong> ist Journalist und Islamwissenschaftler. F\u00fcr verschiedene Magazine und Zeitungen berichtete er viele Jahre aus Nahost. Zurzeit widmet er sich vor allem dem Islam diesseits des Bosporus. Auf seinem Blog Schantall und die Scharia<\/a> bloggt er \u00fcber Islamophobie in Deutschland.<\/p>\n","post_title":"Es sind unsere Terroristen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"es-sind-unsere-terroristen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3703","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3700,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:19:36","post_date_gmt":"2020-08-13 21:19:36","post_content":"\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda? Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda t<\/p>\n\n\n\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda tritt an die Stelle der 2010 verabschiedeten Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014 (siehe IP\/10\/1535<\/a>). In der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda f\u00fcr den Zeitraum 2015-2020 skizziert die Europ\u00e4ische Kommission die Strategie der Union zur Bew\u00e4ltigung der Sicherheitsbedrohungen in der EU.<\/p>\n\n\n\n

Die EU und ihre Mitgliedstaaten sind mit betr\u00e4chtlichen Sicherheitsproblemen konfrontiert. Terrorismus, organisierte Kriminalit\u00e4t und Cyberkriminalit\u00e4t stellen eine zunehmende Gefahr f\u00fcr die europ\u00e4ische Gesellschaft dar, wobei sich Art und Ausma\u00df dieser Gefahr ver\u00e4ndert hat. Europa ist mit den Auswirkungen der politischen Instabilit\u00e4t in seiner unmittelbaren Nachbarschaft konfrontiert, die die Sicherheitsinteressen der EU gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n

Im Zuge der Krisen und Konflikte in Syrien, Irak und Libyen haben sich europ\u00e4ische B\u00fcrger terroristischen Gruppen angeschlossen, die bei ihrer R\u00fcckkehr eine erhebliche Bedrohung darstellen k\u00f6nnen. Die j\u00fcngsten terroristischen Anschl\u00e4ge in Europa zeugen von der zunehmenden Bedrohung durch einen gewaltt\u00e4tigen Extremismus und zeigen, in welchem Ausma\u00df weltweite Konflikte zur Radikalisierung der europ\u00e4ischen B\u00fcrger beitragen.<\/p>\n\n\n\n

Das Online-Umfeld hat sich zunehmend als Ziel f\u00fcr Kriminelle und Terroristen entwickelt. Unabh\u00e4ngig davon, ob es um die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und die Anwerbung von Menschen f\u00fcr terroristische Organisationen geht oder die Verbreitung von Hass oder einen Angriff auf die europ\u00e4ischen Werte und Institutionen, fest steht, dass wir unsere Reaktion auf diese Bedrohungen unbedingt abstimmen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Welcher Mehrwert entsteht durch die EU im Bereich der inneren Sicherheit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Gew\u00e4hrleistung der inneren Sicherheit f\u00e4llt weiterhin in erster Linie in die Zust\u00e4ndigkeit der Mitgliedstaaten. Allerdings werden die Bedrohungen f\u00fcr Europas B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger immer vielf\u00e4ltiger und betreffen in zunehmendem Ma\u00dfe mehrere Mitgliedstaaten. Einzelne Mitgliedstaaten haben die Verantwortung, die Sicherheit an den Au\u00dfengrenzen zu gew\u00e4hrleisten, sind aber nicht mehr in der Lage, diese Herausforderungen allein zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n

Kriminelle und terroristische Aktivit\u00e4ten machen nicht an den Grenzen der EU halt und beschr\u00e4nken sich auch nicht auf Nachbarregionen. Die innere Sicherheit der EU und die globale Sicherheit sind voneinander abh\u00e4ngig und miteinander verkn\u00fcpft. Die Sicherheit der Union h\u00e4ngt in hohem Ma\u00dfe von der Zusammenarbeit mit ihren internationalen Partnern und ihren Nachbarl\u00e4ndern ab.<\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t und des Terrorismus ist eine gemeinsame europ\u00e4ische Aufgabe. Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda sollte von den Mitgliedstaaten und den EU-Organen gemeinsam als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und gemeinsame Ma\u00dfnahmen der Union genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n

Mit Hilfe der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda werden die Polizei- und Strafverfolgungsdienste in verschiedenen Mitgliedstaaten Daten effektiver austauschen und bei der Bek\u00e4mpfung der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t besser zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Die Mitgliedstaaten k\u00f6nnen auf die Unterst\u00fctzung durch die Agenturen der EU z\u00e4hlen. Insbesondere in folgenden Punkten l\u00e4sst sich mit Hilfe der Sicherheitsagenda ein EU-Mehrwert erzielen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n

A) Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und den EU-Agenturen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1<\/strong>: Das Schengener Informationssystem<\/strong> (SIS) wird von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Abfrage von Ausschreibungen von gesuchten oder vermissten Personen und Gegenst\u00e4nden genutzt. Die Kommission wird an der Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Ausschreibungskategorien arbeiten und sich daf\u00fcr einsetzen, dass das SIS zusammen mit der Interpol-Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD)<\/strong> umfassender genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Drei Millionen Afghanen sind ins Nachbarland Iran geflohen. Viele arbeiten schwarz. Die Aussicht auf einen festen Lohn plus Papiere f\u00fcr die Familie ist verlockend. Die Gegenleistung daf\u00fcr: K\u00e4mpfen in Syrien.<\/p>\n\n\n\n

Wenn Abu Fazel von den Gr\u00e4ueltaten des syrischen B\u00fcrgerkriegs h\u00f6rt, denkt er immer daran, dass er auch beinahe als K\u00e4mpfer auf diesem Schlachtfeld gelandet w\u00e4re. Doch Abu Fazel ist weder Syrer noch wollte er zum sogenannten \u201eIslamischen Staat\u201c. Der 18-J\u00e4hrige ist ein afghanischer Gefl\u00fcchteter, der zur Zeit in Leverkusen lebt.<\/p>\n\n\n\n

Den Gro\u00dfteil seines Lebens verbrachte er im Iran. Seine Familie ist dorthin gefl\u00fcchtet, als er ein Kind war. Doch als die iranische Regierung ihn nach Syrien schicken wollte, um auf der Seite von Machthaber Baschar al-Assad zu k\u00e4mpfen, entschloss er sich zu fliehen.<\/p>\n\n\n\n

\"Fl\u00fcchtlingeGefl\u00fcchtete aus dem Iran und Afghanistan an der Grenze zwischen Mazedonien und Griechenland. (picture alliance \/ dpa \/ Georgi Licovski)<\/p>\n\n\n\n

Tausende afghanische Jugendliche \u2013 die genaue Zahl ist nicht bekannt \u2013 wurden im Iran rekrutiert, um im Krieg in Syrien zu k\u00e4mpfen. Erst vor Kurzem berichtete die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, dass sie die Gr\u00e4ber von acht afghanischen Kindern, die in Syrien get\u00f6tet wurden, identifiziert hat. Laut der Organisation rekrutiert der Iran regelm\u00e4\u00dfig minderj\u00e4hrige K\u00e4mpfer, um sie nach Syrien zu schicken. Unter afghanischen Gefl\u00fcchteten ist diese Praxis schon l\u00e4nger bekannt.<\/p>\n\n\n\n

Rassismus gegen Afghanen im Iran<\/h2>\n\n\n\n

Fast drei Millionen Gefl\u00fcchtete aus Afghanistan sind inzwischen im Iran. Die meisten von ihnen leben in der Illegalit\u00e4t und werden als Schwarzarbeiter, etwa am Bau, ausgebeutet. Rassismus und Ausgrenzung geh\u00f6ren zu ihrem gesellschaftlichen Alltag. Kinder sind davon nicht ausgeschlossen. Im Gegenteil: Vielen afghanischen Kinderm ist es nicht erlaubt, staatliche Schulen zu besuchen. Abu Fazel wurde Zeit seines Lebens von dieser Diskrimierung beeinflusst und verfolgt.<\/p>\n\n\n\n

\u201e'Afghane\u2018 \u2013 das ist dort ein Schimpfwort. Ich h\u00f6rte es von klein auf immer wieder. Der Rassismus gegen Afghanen ist dort v\u00f6llig normal. Meine Herkunft, auf der ich eigentlich stolz war, ist im Iran stets eine Last gewesen. Wir sind dort B\u00fcrger zweiter Klasse.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung der afghanischen Gefl\u00fcchteten ist f\u00fcr Abu Fazel die Spitze jenes Rassismus, den er erlebt hat.<\/p>\n\n\n\n

Iran: Syrien vor sunnitischen Extremisten verteidigen<\/h2>\n\n\n\n

In Syrien k\u00e4mpfen neben den afghanischen Milizen auch andere paramilit\u00e4rische Gruppierungen im Auftrag des Irans: etwa die ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigten Revolutionsgarden, die einst Ayatollah Ruhollah Khomeini pers\u00f6nlich ins Leben rief oder die Basidsch-Milizen. Beiden Gruppierungen sind nicht nur in Syrien aktiv, sondern auch im Irak.<\/p>\n\n\n\n

Obowhl sich das syrische Regime von Baschar al-Assad als s\u00e4kular ausweist, wird es vom Iran, der sich als Repr\u00e4sentant aller muslimischen Schiiten betrachtet, unterst\u00fctzt. Gemeinsames Ziel in Syrien ist es: Schiiten vor sunnitische Extremisten zu verteidigen. Dennoch ist das Regime darauf bedacht, m\u00f6glichst wenig eigene K\u00e4mpfer nach Syrien zu schicken. \u00c4hnlich wie einst w\u00e4hrend des Krieges gegen Saddam Husseins Irak, setzt der Iran auf ausl\u00e4ndische K\u00e4mpfer.<\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung war wie eine Gehirnw\u00e4sche<\/h2>\n\n\n\n

Abu Fazels Familie geh\u00f6rt zur afghanischen Minderheit der schiitischen Hazara \u2013 wie viele Afghanen, die in den Iran gekommen sind. Mittlerweile k\u00e4mpfen Tausende von ihnen in Syrien. Der Iran bezahlt die Afghanen mit einem Sold von wenigen hundert Dollar pro Monat und verspricht ihren Familien eine Aufenthaltsgenehmigung oder eine Arbeitserlaubnis.<\/p>\n\n\n\n

An der Rekrutierung der Afghanen sind sowohl die Revolutionsgarden als auch die erw\u00e4hnten Basidsch-Milizen beteiligt. Abu Fazel beschreibt, wie das Viertel, in dem er gemeinsam mit seiner Familie in Teheran lebte, regelm\u00e4\u00dfig von den K\u00e4mpfern aufgesucht wurde. Viele afghanische Gefl\u00fcchtete lebten dort \u2013 und fielen auf die Gehirnw\u00e4sche der Rattenf\u00e4nger herein.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie trafen junge M\u00e4nner und Jugendliche in den Moscheen und \u00fcberredeten sie, gegen den IS oder Al Qaida zu k\u00e4mpfen. Die Gehirnw\u00e4sche war perfekt. Am Ende merkten viele, darunter auch ich, nicht einmal, dass wir in ihre Propaganda getappt waren. Ihre \u00dcberredungskunst war wirklich sehr speziell. Am Ende hat man Lust, nach Syrien zu gehen, um zu k\u00e4mpfen\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Erfolg hatten die Rekrutierer des Regimes auch bei Abu Fazels Cousin, der zum damaligen Zeitpunkt ebenfalls minderj\u00e4hrig gewesen ist. Er ging nach Syrien und k\u00e4mpfte unter der Flagge der \u201eLiwa Fatemiyoun\u201c, wie die afghanische Division auf Seiten Assads hei\u00dft. Offiziell ist die Aufgabe der Miliz die Verteidigung des Schreines von Zaynab im S\u00fcden von Damaskus. Zaynab war die Enkelin des islamischen Propheten Mohammad. Laut iranischen Staatsmedien k\u00e4mpfen mindestens 20.000 Afghanen in der Division.<\/p>\n\n\n\n

Im August 2014 entschloss sich auch Abu Fazel, nach Syrien zu gehen und zu k\u00e4mpfen. Im selben Monat wurde sein Cousin in der N\u00e4he von Aleppo im Kampf gegen syrische Rebellen get\u00f6tet.<\/p>\n\n\n\n

\u201eMein Cousin wurde dort get\u00f6tet. Auch andere Jungs aus unserer Gegend gingen nach Syrien und fielen dort. Lokale Zeitungen nannten sie \u201aM\u00e4rtyrer\u2018.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Lieber Flucht statt K\u00e4mpfer in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein solcher \u201eM\u00e4rtyrer\u201c wollte Abu Fazel allerdings nicht werden. Er floh eine Woche vor dem Beginn seiner dreimonatigen Kampfausbildung. Es war ihm lieber, ein Leben auf der Flucht zu verbringen, als in Syrien unschuldige Menschen f\u00fcr einen Diktator zu t\u00f6ten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch kam zu dem Schluss, dass ich nicht als M\u00f6rder weiterleben k\u00f6nnte. Stets dachte ich mir, dass selbst die schlimmsten Al-Qaida- oder IS-Terroristen Kinder haben k\u00f6nnten, die ihren Vater lieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Fazel verlor seinen eigenen Vater bereits sehr fr\u00fch. Er wurde Opfer des B\u00fcrgerkriegs in Afghanistan, der von 1989 bis 2001 tausende Menschen das Leben kostete. Auch der Iran mischte in der Zeit schon mit. Es ist allgemein bekannt, dass die schiitischen Hazara-Milizen, die den B\u00fcrgerkrieg ebenfalls mitanfachten, von der Regierung in Teheran unterst\u00fctzt wurden.<\/p>\n\n\n\n

Als Abu Fazel sich nun entschloss, aus der Gewaltspirale auszusteigen und nicht in Syrien zu k\u00e4mpfen, wuchs die Angst bei seiner Familie. Denn f\u00fcr die iranischen Beh\u00f6rden gilt: Hat man sich einmal gemeldet, gibt es kein zur\u00fcck. Man muss an die Front nach Syrien \u2013 oder wird zur\u00fcck nach Afghanistan abgeschoben, wo ebenfalls Krieg herrscht.<\/p>\n\n\n\n

Der einzige Ausweg f\u00fcr den jungen Afghanen war die Flucht. \u00dcber die T\u00fcrkei, Griechenland und die Balkranroute erreichte er mit gro\u00dfer M\u00fche Deutschland, wo er einen Asylantrag stellte.<\/p>\n\n\n\n

Erster Asylantrag in Deutschland abgelehnt<\/h2>\n\n\n\n

Als Grund nannte er seine Rekrutierung als Kindersoldat seitens des iranischen Regimes. Doch w\u00e4hrend diese Begr\u00fcndung in Abu Fazels Augen v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich war, sahen deutsche Beh\u00f6rden das anders. Sein erster Antrag wurde abgelehnt. Derzeit versucht er es ein zweites Mal. Die Bundesrepublik schiebt afghanische Gefl\u00fcchtete weiterhin ab.<\/p>\n\n\n\n

\"EinAbschiebung von Afghanen im Dezember 2016 mit einem Charterflug von Frankfurt nach Kabul. (dpa \/picture alliance \/ Boris Roessler)<\/p>\n\n\n\n

Die Verantwortlichen weisen in diesem Kontext immer wieder auf vermeintlich \u201esichere Gebiete\u201c im Land, die nicht n\u00e4her benannt werden.<\/p>\n\n\n\n

W\u00e4hrenddessen machen Menschenrechtsorganisationen regelm\u00e4\u00dfig darauf aufmerksam, dass keine Region am Hindukusch sicher ist. Stattdessen wird in manchen Gebieten nur weniger Krieg gef\u00fchrt als in anderen.<\/p>\n\n\n\n

\"SieDemonstranten protestieren in Frankfurt am Main gegen die Abschiebung von Afghanen. Auf einem der Transparente steht \u201eAfghanistan is not safe\u201c. (AFP \/ Daniel Roland)<\/p>\n\n\n\n

Alis Vater und Onkel k\u00e4mpfen in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein \u00e4hnliches Schicksal wie Abu Fazel erlitt der 18-j\u00e4hrige Ali (Namen ge\u00e4ndert). Auch er floh aus dem Iran nach Deutschland, um der Rekrutierung f\u00fcr Assads Milizen zu entgehen. Viele seiner afghanischen Freunde sind bereits nach Syrien gezogen \u2013 und kamen niemals zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Alis Familie, ebenfalls Angeh\u00f6rige der Hazara-Minderheit, stammt urspr\u00fcnglich aus der Provinz Ghor im Nordosten Afghanistans. Ihre Heimat verlie\u00dfen sie w\u00e4hrend der sowjetischen Besatzung in den 1980er-Jahren.<\/p>\n\n\n\n

Seit jeher lebt die Familie in der iranischen Gro\u00dfstadt Maschhad. Als der Krieg in Syrien ausbrach, erreichte sie ein Konflikt, mit dem sie nicht gerechnet hatten. Im Juli 2015 reiste Alis Vater nach Teheran. Er wollte einen Weg finden, um f\u00fcr seine Familie Aufenthaltspapiere zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Beh\u00f6rden sagten ihm, dass die Rekrutierung f\u00fcr den Krieg in Syrien eine M\u00f6glichkeit darstellen k\u00f6nnte, um Papiere f\u00fcr uns alle zu erhalten. Andernfalls w\u00fcrde man uns sehr bald nach Afghanistan abschieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Mittlerweile k\u00e4mpfen Alis Vater und sein Onkel seit \u00fcber einem Jahr in Syrien. Am Aufenthaltsstatus seiner Familienmitglieder hat sich bis heute allerdings nichts ge\u00e4ndert. F\u00fcr Ali ist klar, dass dies nur eine Falle gewesen ist, um noch mehr Afghanen als Kanonenfutter zu missbrauchen.<\/p>\n\n\n\n

Anfangs gab es Papiere f\u00fcr K\u00e4mpfer-Familien<\/h2>\n\n\n\n

Den Kontakt zu seinem Vater hat der Afghane mittlerweile verloren. W\u00e4hrenddessen schickt ihm sein Onkel, der in Aleppo stationiert ist, hin und wieder Bilder \u00fcber den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ali denkt, dass nur sehr wenige Afghanen der Propaganda der iranischen Regierung glauben und in Syrien f\u00fcr eine \u201egute Sache\u201c k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

Source<\/a><\/p>\n","post_title":"Warum Afghanen in Syrien f\u00fcr Assad k\u00e4mpfen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"warum-afghanen-in-syrien-fur-assad-kampfen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3709","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3706,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:27:40","post_date_gmt":"2020-08-13 21:27:40","post_content":"\n

Kinder, Frauen, Jesiden \u2013 wer \u00fcberlebt hat, berichtet von Folter, Vergewaltigungen und Gehirnw\u00e4sche. Rund drei Jahre dauerte die Schreckensherrschaft der IS-Miliz in Syrien und Irak. Der Wiederaufbau wird l\u00e4nger dauern und mehr umfassen als H\u00e4user.<\/p>\n\n\n\n

Der Fluss Tigris durchzieht die zweitgr\u00f6\u00dfte Stadt des Iraks und teilt Mosul in Ost und West. Das Westufer ist von Zerst\u00f6rung gezeichnet, die Altstadt nicht mehr als eine einzige graue Tr\u00fcmmerlandschaft. Seit den letzten Bombardements im Juli 2017 kann hier niemand mehr wohnen.<\/p>\n\n\n\n

Die Nouri-Moschee, von deren Kanzel Abu Bakr al-Baghdadi im Juli 2014 sein Kalifat ausrief, hatte die IS-Miliz auf ihrem R\u00fcckzug vorsorglich selbst in die Luft gesprengt, um den Gegnern diesen besonderen Triumph zu verwehren.<\/p>\n\n\n\n

\"ImIm Juli 2017 erobert die irakische Armee Mossul zur\u00fcck. Ruinen sind zu sehen. Ein K\u00e4mpfer der IS-Miliz hat sich ergeben. (Imago \/ Carol Guzy)<\/p>\n\n\n\n

Es ist fraglich, ob die Altstadt dem Original getreu wieder aufgebaut werden kann. Bagdad will demn\u00e4chst \u2013 im Rahmen einer gro\u00dfen Wiederaufbau-Konferenz \u2013 bekannt geben, welche Pl\u00e4ne es hat. Derzeit gilt als gro\u00dfer Fortschritt, dass die Tr\u00fcmmerlandschaft in Teilen wieder begehbar ist \u2013 nachdem mit internationaler Hilfe zahllose Sprengs\u00e4tze beseitigt wurden.<\/p>\n\n\n\n

In Ost-Mossul gibt es weniger Zerst\u00f6rungen<\/h2>\n\n\n\n

J\u00fcngste Sch\u00e4tzungen der Vereinten Nationen besagen, dass es noch Jahre dauern wird, bis alle Minen ger\u00e4umt sind. Solange werden die einstigen Bewohner nicht zur\u00fcckkehren k\u00f6nnen. Manche von ihnen haben Gl\u00fcck im Ungl\u00fcck: Sie haben \u00fcberlebt und sind auf der anderen Seite des Tigris untergekommen, im Osten der Stadt. Der war schon im Januar 2017 von den Terroristen befreit worden. Erstaunlich ist: Dieser Teil Mosuls wirkt fast so, als w\u00e4re der \u201eIS\u201c niemals hier gewesen und als h\u00e4tte es keinen Krieg gegeben.<\/p>\n\n\n\n

\"ImIm Osten Mossuls gibt es weniger Zerst\u00f6rungen als im Westteil. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

Die Zerst\u00f6rungen beschr\u00e4nken sich auf strategisch-wichtige Punkte oder Geb\u00e4ude, in denen sich die Terroristen verschanzt hatten: Br\u00fccken, Moscheen, Krankenh\u00e4user. Doch im Basar herrscht fast so etwas wie Normalit\u00e4t. An St\u00e4nden kaufen Menschen ein \u2013 Obst, Gem\u00fcse, Reis und Nudeln, Backwaren. Kinder schlecken ein Eis. Abu Muhammad, ein ehemaliger Physiklehrer, erkl\u00e4rt, warum der Basar so anders ist als erwartet:<\/p>\n\n\n\n

\u201eDas Leben hatte nie aufgeh\u00f6rt in Mosul. Wir haben weitergelebt. Drei Jahre wurden wir vom \u201aIS\u2018 beherrscht, doch die normalen Leute hatten nichts damit zu tun. Daher kam der Alltag schnell zur\u00fcck. Die Soldaten sind gekommen, haben den Basar wieder aufgemacht und das Leben ging weiter.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Im Osten findet sich heute all das wieder, was die Terror-Miliz unterdr\u00fcckt hatte und bei Missachtung grausam ahndete: Musik in Restaurants und Caf\u00e9s; Sim-Karten f\u00fcr Handys; Internet; Fris\u00f6re, die Haare schneiden, B\u00e4rte stutzen oder gar abrasieren. Und doch: Trotz des lebendigen Treibens wirken Angst und Schrecken nach. Abu Muhammad, fr\u00fch ergraut, erinnert sich:<\/p>\n\n\n\n

\u201eWir haben uns gef\u00fchlt wie zwischen Leben und Tod. Irgendwo dazwischen. Sie haben vom \u201aIS\u2018 geh\u00f6rt; wir haben ihn erlebt: Wir haben erlebt, wie sie mordeten, wie sie Leute aufh\u00e4ngten, wir haben den Krieg erlebt. Wir haben alles gesehen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Mohammed stammt aus dem zerst\u00f6rten Westen der Stadt. Er wohnt heute im Osten. Verwandte haben ihn und seine Familie aufgenommen. So wie ihm ergeht es auch anderen Vertriebenen. Sie leben bei Verwandten und Freunden. Oder in einem der vielen Lager. 700.000 Menschen haben ihr Zuhause verloren \u2013 eine Zahl, die f\u00fcr West-Mosul gilt. Insgesamt gehen die Vereinten Nationen von fast sechs Millionen Menschen aus, die im Irak vor dem \u201aIS\u2018 geflohen sind \u2013 die H\u00e4lfte von ihnen bis heute fern von ihrem Zuhause.<\/p>\n\n\n\n

Binnenfl\u00fcchtlinge im Lager Khabartu<\/h2>\n\n\n\n

Zelte soweit das Auge reicht. Abertausende. Inmitten von Steppe. Das Leben der Menschen ist hart. Sie darben, frieren und verdorren \u2013 wenn im Winter der kalte Wind durch die Steppe fegt und im Sommer die Sonne niederbrennt. Doch sie harren aus, haben wenig Hoffnung auf baldige R\u00fcckkehr. Die meisten kamen 2014 \u2013 hierher, ins Lager Khabartu in Irakisch-Kurdistan.<\/p>\n\n\n\n

\"DasDas Lager Khabartu f\u00fcr irakische Binnenfl\u00fcchtlinge. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

2014, als der \u201eIS\u201c den Nord-Irak \u00fcberfiel. In einem der Zelte lebt auch die Familie von Thomas Abdallah Hammou. Thomas war auf der Flucht von seiner Familie getrennt und von den Dschihadisten verschleppt worden. Damals war er acht Jahre alt. Ein Kind. Drei Jahre blieb er in Geiselhaft, lebte in Mosul.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollten nicht, dass wir spielen. Sie mochten es nicht. Ich habe keine Schule besucht, aber sie gaben uns Koran-Unterricht. Jeden Tag.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas musste seinem eigenen, dem jesidischen Glauben abschw\u00f6ren. Weil der \u201eIS\u201c die Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c betrachtet. Und \u201eUngl\u00e4ubige\u201c, so die Auffassung der Terroristen, m\u00fcssen zwangsbekehrt werden. Oder get\u00f6tet. Die Terroristen hatten dementsprechend die Jesiden entweder an Ort und Stelle ermordet, die meisten im Sinjar, im alten Siedlungsgebiet der Jesiden im Nord-Irak. Tausende. 47 Massengr\u00e4ber sollen mittlerweile gefunden worden sein. Oder aber die Terroristen lie\u00dfen die Jesiden am Leben und nahmen sie in Geiselhaft. Sie machten aus ihnen Sexsklavinnen oder sie bildeten sie aus \u2013 zu Selbstmordattent\u00e4tern. Wie Thomas.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie haben uns st\u00e4ndig geschlagen. Wir mussten Schie\u00dfen \u00fcben. Zwei meiner Freunde haben sich in die Luft gesprengt. Sie sind zum Training. Doch sie kamen nicht zur\u00fcck. Ich war nicht traurig. Sie wollten sich ja in die Luft sprengen. Die \u201aIS\u2018-Leute hatten es nicht von ihnen verlangt. Sie sind freiwillig gegangen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas hat heute einen modernen Haarschnitt; der Nacken ist ausrasiert; der lange Pony in die Stirn gek\u00e4mmt. Im Sommer sah er noch anders aus, kurz nachdem Mosul befreit worden war. Bei einem Luftangriff der Anti-\u201eIS\u201c-Koalition wurde Thomas schwer verletzt aus Tr\u00fcmmern geborgen, dann operiert.<\/p>\n\n\n\n

\"ThomasThomas erholt sich von drei Jahren IS-Gefangenschaft. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

Arbeit mit \u201eDschihadisten-Kindern\u201c<\/h2>\n\n\n\n

Die \u00e4u\u00dferen Wunden sind heute verheilt. Doch wie sieht es aus mit den inneren, den seelischen Verletzungen? Thomas wurde von seiner Familie aufgenommen und bekommt Hilfe. Andere Kinder konnten nicht aufgefangen werden. Bis heute betrachten sie Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c \u2013 so wie es ihnen in der Geiselhaft eingeh\u00e4mmert wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie sind eine gro\u00dfe Gefahr f\u00fcr andere Kinder. Sie leben in Lagern, in einem Zelt, auf sechs mal vier Metern, oder noch weniger! Acht Geschwister, sie spielen zusammen, reden, sie indoktrinieren die anderen! Das ist ein Problem, das wir nicht l\u00f6sen k\u00f6nnen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Sara Hassan ist Sozialarbeiterin. Sie arbeitet in den Lagern, versucht M\u00e4dchen und Frauen, die jahrelang in Geiselhaft vergewaltigt wurden, zu helfen. Unz\u00e4hlige hatte der \u201eIS\u201c einst entf\u00fchrt. Sara arbeitet auch mit den sogenannten \u201eDschihadisten-Kindern\u201c. Sie erz\u00e4hlt, wie \u00fcberfordert alle seien: die Familien, die jesidische Gemeinschaft, die Gesellschaft des Nord-Irak.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIn einem anderen Fall hat sich die Familie am Ende an die Sicherheitskr\u00e4fte gewandt. Doch die wussten auch nicht, wie sie damit umgehen sollten. Monate lang hat die Familie versucht, den Jungen umzuerziehen, zusammen mit Sozialarbeitern. Aber noch immer sehen wir den Hass in seinen Augen \u2013 gegen\u00fcber Kurden, Christen und Jesiden. Als blicke man in die Augen eines IS-Terroristen. Das ist das Problem.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Die Jesiden k\u00f6nnen \u00fcber ihre vom \u201eIS\u201c indoktrinierten Kinder sprechen. Denn niemand zweifelt daran, dass sie Opfer der Tyrannei wurden. Bei den sunnitischen Arabern sieht das anders aus. Da sie derselben Religionsgruppe angeh\u00f6ren wie formal auch die Terroristen, stehen sie unter Generalverdacht, mit dem \u201eIS\u201c gemeinsame Sache gemacht zu haben. Sunnitische Araber trauen sich daher nicht, die Probleme ihrer Kinder \u00f6ffentlich zu machen \u2013 auch wenn sie selbst nichts mit dem \u201eIS\u201c zu tun hatten.<\/p>\n\n\n\n

Unklar ist, wie viele Kinder und Jugendliche im Irak und in Syrien zu Terroristen ausgebildet wurden, dabei noch in Geiselhaft sind oder bereits als \u201eSchl\u00e4fer\u201c darauf warten, zum Einsatz zu kommen. Sie gleichen \u201etickenden Zeitbomben\u201c, die jederzeit explodieren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

Minderheiten haben Angst vor \u201eIS\u201c-Nachfolgern<\/h2>\n\n\n\n

Kamaran Palani spricht davon, dass viele Menschen immer noch gehen wollen, obwohl der \u201eIS\u201c als staats\u00e4hnliches Gebilde nicht mehr besteht. Seine Saat aber, so der Politikwissenschaftler, sei aufgegangen.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollen einfach nicht in diesem Land bleiben. Der IS hat sie dazu gebracht. Jeder hat heute Angst, dass eine andere Organisation kommen wird, Terroristen, die dasselbe anrichten wie zuvor.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Palani forscht am \u201eMiddle East Research Institute\u201c, das seinen Sitz in Erbil hat, der Hauptstadt von Irakisch-Kurdistan. <\/p>\n\n\n\n

\u201e60 bis 65 Prozent der Christen wollen gehen. Das Gleiche gilt f\u00fcr andere Minderheiten: f\u00fcr Jesiden, Schabaks, Turkmenen, Kakais.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

\u201eWir werden niemals wieder mit den Arabern zusammenleben k\u00f6nnen!\u201c \u2013 ein Satz, der heute h\u00e4ufig im Nord-Irak zu h\u00f6ren ist. Gemeint sind die Iraker, die Sunniten und Araber sind \u2013 die einstmals Nachbarn von Jesiden, Christen und Kurden waren \u2013 mit denen man Handel trieb und Hochzeiten feierte, die auch Freunde waren.<\/p>\n\n\n\n

Der Irak ist eine multi-ethnische und multi-religi\u00f6se Gesellschaft, in der die Schiiten die Mehrheit stellen. \u00dcber Jahrhunderte aber hatten die sunnitischen Araber das Sagen, sie missbrauchten die Macht, errichteten ein Schreckensregime \u2013 bis 2003, als Diktator Saddam Hussein von den USA gest\u00fcrzt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c entstand aus Widerstand gegen Schiiten-Herrschaft<\/h2>\n\n\n\n

Jetzt wurde der Spie\u00df umgedreht. Die Amerikaner sorgten daf\u00fcr, dass die Sunniten jegliche Machtposition verloren \u2013 so wurde die irakische Armee, wurde die baathistische Partei aufgel\u00f6st \u2013 ohne ein Pendant zu schaffen, das alle integrierte. Und: Washington unterst\u00fctzte Regierungschef Nouri al-Maliki, einen Schiiten. Maliki sah eine historische Chance gekommen, diskriminierte nun seinerseits seine sunnitischen Landsleute, verwehrte ihnen im \u201eNeuen Irak\u201c die Mitsprache. Im Regime Malikis wurden Sunniten inhaftiert, gefoltert und umgebracht.<\/p>\n\n\n\n

Was viele in den Widerstand trieb. Einige schlossen sich der Terror-Organisation \u201eAl-Qaida\u201c an, unter ihnen f\u00fchrende Milit\u00e4rs der aufgel\u00f6sten Armee Saddam Husseins \u2013 und aus \u201eAl-Qaida\u201c ging sp\u00e4ter der \u201eIS\u201c hervor.<\/p>\n\n\n\n

Als der \u201eIS\u201c dann im Sommer 2014 fast ohne Gegenwehr weite Landstriche in Syrien und im Irak \u00fcberrannte und seinen \u201eStaat\u201c ausrief, sahen auch gew\u00f6hnliche sunnitische Araber einen Wechsel nahen. Viele machten gemeinsame Sache mit den Terroristen, verhinderten die Flucht jesidischer Nachbarn, lieferten sie ihren Schl\u00e4chtern aus. Kamaran Palani:<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c-K\u00e4mpfer haben gesagt, es gehe darum, die W\u00fcrde der sunnitischen Araber wiederherzustellen. Ihre Macht. Ihre Geschichte. Tats\u00e4chlich konnten es die Araber nicht hinnehmen, dass sie ins Abseits gedr\u00e4ngt wurden. Und ich denke, dass sie auch in Zukunft so handeln werden. Wann immer sich die Gelegenheit bietet: Sie werden alles hinter sich lassen \u2013 sich nur darauf konzentrieren.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Misstrauen. Auch bei einem Politikwissenschaftler. Was also tun? Zerst\u00f6rte St\u00e4dte und D\u00f6rfer k\u00f6nnten wieder aufgebaut werden \u2013 wenn denn ein gemeinsamer Wille best\u00fcnde. Doch was, wenn es einen solchen gemeinsamen Willen gar nicht gibt? Wenn Schmerz und Trauer anhalten, wenn die Verbrechen von Terroristen und Helfershelfern nicht geahndet werden, wenn Angst umgeht, Misstrauen und Hass das Miteinander bestimmen.<\/p>\n\n\n\n

\"SyrischeSoldaten in der irakischen Stadt Sindschar nach der R\u00fcckeroberung von der IS-Miliz Ende 2015. (dpa \/ MAXPPP \/ Arnaud Dumontier)<\/p>\n\n\n\n

Kamaran Palani stammt aus der Stadt Makhmour. Drei Tage nur sei der \u201eIS\u201c dort gewesen, sagt er, doch diese Tage h\u00e4tten alles ver\u00e4ndert. Der \u201eIS\u201c habe die Menschen in seiner Heimatstadt verrohen lassen, meint er, das Verh\u00e4ltnis zwischen Kurden und Arabern sei heute tot. Eine R\u00fcckkehr in alte Zeiten h\u00e4lt Palani f\u00fcr falsch.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch denke, es w\u00e4re nicht einfach, in das Jahr 2014 \u2013 also in die Zeit vor dem \u201aIS\u2018 \u2013 zur\u00fcckzukehren. Vor allem aber w\u00e4re es nicht die richtige Politik. Denn eben die hat ja erst zum Aufkommen, zur Existenz des \u201aIS\u2018 gef\u00fchrt.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n


Wie also in Ruinen Neues schaffen? Der Staat muss das Gewaltmonopol zur\u00fcckerlangen, fordert der Politikwissenschaftler. F\u00fcr ihn steht das an erster Stelle. Und dann m\u00fcsse der Staat dringend einen Kurswechsel vornehmen: Er m\u00fcsse integrativ wirken, alle einbinden, auch die Araber, in Sicherheitskr\u00e4fte, Verwaltung und Politik.<\/p>\n\n\n\n

Machtmonopol m\u00fcsste von Milizen zum Staat gehen<\/h2>\n\n\n\n

Die Realit\u00e4t sieht anders aus: Ein Staat Kurdistan, der neue Optionen m\u00f6glich gemacht h\u00e4tte, auch von den Minderheiten gew\u00fcnscht worden war, ist nicht entstanden. Bagdad aber ist fern, der Zentralstaat kaum existent, und wenn, dann ist er schiitisch dominiert. Es sind Milizen, die im Nord-Irak das Geschehen bestimmen, darum rivalisieren, das Machtvakuum zu f\u00fcllen, das durch die Vertreibung des \u201eIS\u201c entstanden ist. Einst im Kampf gegen die Terroristen geeint, sind die Milizen einander heute feind.<\/p>\n\n\n\n

Allen voran die \u201eHashd ash-Shaabi\u201c, schiitisch-irakische Milizen, deren Ausbilder und Kommandeure h\u00e4ufig Iraner sind. Bagdad hat die Haschd als regul\u00e4re Kraft im Kampf gegen den \u201eIS\u201c anerkannt \u2013 obwohl Menschenrechts-Organisationen schwere Vorw\u00fcrfe gegen sie erheben. Fest steht: Die schiitischen Milizen halten D\u00f6rfer besetzt, sind in Mosul f\u00fcr ihr herrisches Auftreten und ihre Willk\u00fcr bekannt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eTats\u00e4chlich sorgen die verschiedenen bewaffneten Gruppen daf\u00fcr, dass die Fl\u00fcchtlinge nicht zur\u00fcckkehren. Und weil sie nicht zur\u00fcckkehren, gibt es auch keinen Wiederaufbau. Die Menschen haben Angst vor den Milizen \u2013 auch davor, dass die einander bek\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die \u201eHashd\u201c m\u00fcssten mithin abziehen. Und mit ihnen die anderen Milizen. Das Machtmonopol m\u00fcsste an den Staat gehen. Doch der Irak ist auch Spielball der Regionalm\u00e4chte: Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien. Sie konkurrieren um Einfluss-Sph\u00e4ren, bedienen sich dabei verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Gruppen im Irak. Deswegen werden die Hashd nicht abziehen. Derzeit sind sie von der iranisch-irakischen Grenze im Osten \u00fcber Bagdad bis hoch zur irakisch-syrischen Grenze im Norden postiert. Einheiten Teherans k\u00f6nnten demnach auf dem Landweg vom Iran bis ans Mittelmeer durchmarschieren.<\/p>\n\n\n\n

Iran und Saudi-Arabien wollen Macht vergr\u00f6\u00dfern<\/h2>\n\n\n\n

Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n

In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n

Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3703,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:24:20","post_date_gmt":"2020-08-13 21:24:20","post_content":"\n

Deutschland str\u00e4ubt sich gegen die R\u00fcckkehr seiner eigenen Staatsb\u00fcrger, die zu IS-Terroristen wurden. Dabei hat die Bundesrepublik den Terror und die Terroristen einst exportiert. Und dies geschah wissentlich, sagt der Islamwissenschaftler Fabian Goldmann.<\/p>\n\n\n\n

Wann haben Sie sich eigentlich zuletzt von deutschen Terroristen distanziert? Zum Beispiel von Robert B.? Der Ex-Bundeswehrsoldat aus Solingen hat mutma\u00dflich bei einem Selbstmordattentat Anfang 2014 50 Menschen mit in den Tod gerissen. <\/p>\n\n\n\n

Oder von Yannik N.? Der junge Freiburger steuerte wahrscheinlich im Jahr 2015 einen mit anderthalb Tonnen Sprengstoff beladenen LKW in eine Menschenmenge und nahm so Dutzenden Personen das Leben.<\/p>\n\n\n\n

Oder von Yamin A.?. Im Sommer 2015 tauchte im Netz ein Video auf, das zeigte, wie der ehemalige Telekom-Azubi aus K\u00f6nigswinter zwei gefesselten Soldaten in den Kopf schoss.
Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Deutsche T\u00e4ter, aber kaum deutsche Opfer<\/h2>\n\n\n\n

Hauptsache nicht bei uns! Dies scheint auch dieser Tage wieder die Maxime zu sein, wenn Politiker und \u00d6ffentlichkeit \u00fcber den Umgang mit deutschen Terroristen diskutieren. Von potenziellen Bedrohungen und Anschlagsgefahren in Deutschland liest man dann. Vom ganz realen Terror, den Deutsche in den vergangenen Jahren \u00fcber die Menschen in Syrien und Irak gebracht haben, h\u00f6rt man hingegen kaum. Ein Terror, der kaum deutsche Opfer aber umso mehr deutsche T\u00e4ter kannte.<\/p>\n\n\n\n

1.050 \u2013 das ist laut Bundesinnenministerium die Anzahl der Dschihadisten, die in den letzten Jahren die Bundesrepublik in Richtung Nahost verlassen hat. Es f\u00e4llt schwer, sich umgekehrtes Szenario \u00fcberhaupt auszumalen. Was w\u00e4re wohl los, h\u00e4tte es nur ein Bruchteil arabischer Terroristen geschafft, bei uns Anschl\u00e4ge zu begehen? Europas \u201eMuslim Bann\u201c? \u00dcberwachungsstaat auf NSA-Niveau?<\/p>\n\n\n\n

Die CSU st\u00fcnde wom\u00f6glich am linken Ende des politischen Spektrums, und auf Twitter w\u00fcrde Trump deutsche Migrationspolitiker zur M\u00e4\u00dfigung aufrufen. Der deutsche Terror in Nahost kommt hingegen seit Jahren ganz ohne Sondersendungen, politische Debatten und Distanzierungsforderungen aus. <\/p>\n\n\n\n

Deutsche K\u00e4mpfer waren nicht nur willenloses Kanonenfutter<\/h2>\n\n\n\n

An fehlendem Wissen liegt das nicht. Von ganzen Einheiten des IS, in denen kein einziger K\u00e4mpfer Arabisch spreche, berichten syrische, irakische und kurdische Soldaten schon seit Jahren. Von Aleppo \u00fcber Raqqa bis Mossul haben Aktivisten und Politiker immer wieder darauf hingewiesen, dass viele der schlimmsten M\u00f6rder in den Reihen des IS Europ\u00e4er sind. Interessiert hat das hier kaum jemand.<\/p>\n\n\n\n

Dabei dienten Deutsche dem Islamischen Staats nicht nur als willenloses Kanonenfutter, wie es oft dargestellt wird. Viele haben seinen Terror mitgepr\u00e4gt. Wie Martin L., der derzeit in kurdischer Haft sitzt. Der Schwei\u00dfer aus Sachsen-Anhalt soll sich vom Folterknecht bis zum Geheimdienstler mit Kontakten bis in die F\u00fchrungsspitze der Terrororganisation hochgearbeitet haben.<\/p>\n\n\n\n

Oder Reda S., Der Prediger aus Berlin-Charlottenburg soll dem IS in Mossul als Bildungsminister gedient haben. Oder der Berliner Ex-Rapper Denis Cuspert, der zu den wichtigsten Personen in der IS-Medienorganisation Al-Hayat geh\u00f6rte. Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Beh\u00f6rden wussten gut Bescheid<\/h2>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich entstand der Islamische Staat nicht in deutschen Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen. Zur deutschen Verantwortung geh\u00f6rt aber auch, dass Politiker und Beh\u00f6rden lange wegschauten, solang nur die T\u00e4ter, aber nicht die Opfer Deutsche waren. Beh\u00f6rden wissen und wussten erschreckend gut Bescheid \u00fcber die Radikalisierung deutscher Islamisten. Ein Gro\u00dfteil der sp\u00e4teren IS-K\u00e4mpfer war polizeibekannt, stand auf Gef\u00e4hrderlisten oder hatte wegen islamistischer Straftaten bereits Haftstrafen verb\u00fc\u00dft. An der Ausreise gehindert wurden sie oftmals dennoch nicht. Die Gefahr, die von deutschen Terroristen ausgeht, interessierte Politik und \u00d6ffentlichkeit erst dann wieder, als ihre Einreise drohte.<\/p>\n\n\n\n

\"Fabian
Fabian Goldmann<\/strong> ist Journalist und Islamwissenschaftler. F\u00fcr verschiedene Magazine und Zeitungen berichtete er viele Jahre aus Nahost. Zurzeit widmet er sich vor allem dem Islam diesseits des Bosporus. Auf seinem Blog Schantall und die Scharia<\/a> bloggt er \u00fcber Islamophobie in Deutschland.<\/p>\n","post_title":"Es sind unsere Terroristen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"es-sind-unsere-terroristen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3703","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3700,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:19:36","post_date_gmt":"2020-08-13 21:19:36","post_content":"\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda? Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda t<\/p>\n\n\n\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda tritt an die Stelle der 2010 verabschiedeten Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014 (siehe IP\/10\/1535<\/a>). In der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda f\u00fcr den Zeitraum 2015-2020 skizziert die Europ\u00e4ische Kommission die Strategie der Union zur Bew\u00e4ltigung der Sicherheitsbedrohungen in der EU.<\/p>\n\n\n\n

Die EU und ihre Mitgliedstaaten sind mit betr\u00e4chtlichen Sicherheitsproblemen konfrontiert. Terrorismus, organisierte Kriminalit\u00e4t und Cyberkriminalit\u00e4t stellen eine zunehmende Gefahr f\u00fcr die europ\u00e4ische Gesellschaft dar, wobei sich Art und Ausma\u00df dieser Gefahr ver\u00e4ndert hat. Europa ist mit den Auswirkungen der politischen Instabilit\u00e4t in seiner unmittelbaren Nachbarschaft konfrontiert, die die Sicherheitsinteressen der EU gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n

Im Zuge der Krisen und Konflikte in Syrien, Irak und Libyen haben sich europ\u00e4ische B\u00fcrger terroristischen Gruppen angeschlossen, die bei ihrer R\u00fcckkehr eine erhebliche Bedrohung darstellen k\u00f6nnen. Die j\u00fcngsten terroristischen Anschl\u00e4ge in Europa zeugen von der zunehmenden Bedrohung durch einen gewaltt\u00e4tigen Extremismus und zeigen, in welchem Ausma\u00df weltweite Konflikte zur Radikalisierung der europ\u00e4ischen B\u00fcrger beitragen.<\/p>\n\n\n\n

Das Online-Umfeld hat sich zunehmend als Ziel f\u00fcr Kriminelle und Terroristen entwickelt. Unabh\u00e4ngig davon, ob es um die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und die Anwerbung von Menschen f\u00fcr terroristische Organisationen geht oder die Verbreitung von Hass oder einen Angriff auf die europ\u00e4ischen Werte und Institutionen, fest steht, dass wir unsere Reaktion auf diese Bedrohungen unbedingt abstimmen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Welcher Mehrwert entsteht durch die EU im Bereich der inneren Sicherheit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Gew\u00e4hrleistung der inneren Sicherheit f\u00e4llt weiterhin in erster Linie in die Zust\u00e4ndigkeit der Mitgliedstaaten. Allerdings werden die Bedrohungen f\u00fcr Europas B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger immer vielf\u00e4ltiger und betreffen in zunehmendem Ma\u00dfe mehrere Mitgliedstaaten. Einzelne Mitgliedstaaten haben die Verantwortung, die Sicherheit an den Au\u00dfengrenzen zu gew\u00e4hrleisten, sind aber nicht mehr in der Lage, diese Herausforderungen allein zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n

Kriminelle und terroristische Aktivit\u00e4ten machen nicht an den Grenzen der EU halt und beschr\u00e4nken sich auch nicht auf Nachbarregionen. Die innere Sicherheit der EU und die globale Sicherheit sind voneinander abh\u00e4ngig und miteinander verkn\u00fcpft. Die Sicherheit der Union h\u00e4ngt in hohem Ma\u00dfe von der Zusammenarbeit mit ihren internationalen Partnern und ihren Nachbarl\u00e4ndern ab.<\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t und des Terrorismus ist eine gemeinsame europ\u00e4ische Aufgabe. Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda sollte von den Mitgliedstaaten und den EU-Organen gemeinsam als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und gemeinsame Ma\u00dfnahmen der Union genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n

Mit Hilfe der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda werden die Polizei- und Strafverfolgungsdienste in verschiedenen Mitgliedstaaten Daten effektiver austauschen und bei der Bek\u00e4mpfung der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t besser zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Die Mitgliedstaaten k\u00f6nnen auf die Unterst\u00fctzung durch die Agenturen der EU z\u00e4hlen. Insbesondere in folgenden Punkten l\u00e4sst sich mit Hilfe der Sicherheitsagenda ein EU-Mehrwert erzielen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n

A) Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und den EU-Agenturen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1<\/strong>: Das Schengener Informationssystem<\/strong> (SIS) wird von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Abfrage von Ausschreibungen von gesuchten oder vermissten Personen und Gegenst\u00e4nden genutzt. Die Kommission wird an der Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Ausschreibungskategorien arbeiten und sich daf\u00fcr einsetzen, dass das SIS zusammen mit der Interpol-Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD)<\/strong> umfassender genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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\u201eTheater selbst ist ein Tabu, wie \u00fcberhaupt jede Form von Kunst\u201c, sagte Wurmb-Seibel \u00fcber die Lage in Afghanistan. Eine K\u00fcnstlerin habe ihr einmal sehr treffend gesagt, dass es schon einer Provokation gleichkomme, alleine auf einer B\u00fchne zu stehen. Es sei dann um so gef\u00e4hrlicher, wenn man auch noch politische Themen auf die B\u00fchne bringe. Einige Schauspieler h\u00e4tten ihre Arbeit sogar auf die Stra\u00dfe verlagert, nachdem mitten in Kabul eine junge Studentin gelyncht worden sei.

by: https:\/\/www.deutschlandfunkkultur.de\/afghanistan-theater-selbst-ist-ein-tabu.1008.de.html?dram:article_id=399972<\/a><\/p>\n","post_title":"\u201eTheater selbst ist ein Tabu\u201c","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"theater-selbst-ist-ein-tabu","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3712","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3709,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:30:50","post_date_gmt":"2020-08-13 21:30:50","post_content":"\n

Drei Millionen Afghanen sind ins Nachbarland Iran geflohen. Viele arbeiten schwarz. Die Aussicht auf einen festen Lohn plus Papiere f\u00fcr die Familie ist verlockend. Die Gegenleistung daf\u00fcr: K\u00e4mpfen in Syrien.<\/p>\n\n\n\n

Wenn Abu Fazel von den Gr\u00e4ueltaten des syrischen B\u00fcrgerkriegs h\u00f6rt, denkt er immer daran, dass er auch beinahe als K\u00e4mpfer auf diesem Schlachtfeld gelandet w\u00e4re. Doch Abu Fazel ist weder Syrer noch wollte er zum sogenannten \u201eIslamischen Staat\u201c. Der 18-J\u00e4hrige ist ein afghanischer Gefl\u00fcchteter, der zur Zeit in Leverkusen lebt.<\/p>\n\n\n\n

Den Gro\u00dfteil seines Lebens verbrachte er im Iran. Seine Familie ist dorthin gefl\u00fcchtet, als er ein Kind war. Doch als die iranische Regierung ihn nach Syrien schicken wollte, um auf der Seite von Machthaber Baschar al-Assad zu k\u00e4mpfen, entschloss er sich zu fliehen.<\/p>\n\n\n\n

\"Fl\u00fcchtlingeGefl\u00fcchtete aus dem Iran und Afghanistan an der Grenze zwischen Mazedonien und Griechenland. (picture alliance \/ dpa \/ Georgi Licovski)<\/p>\n\n\n\n

Tausende afghanische Jugendliche \u2013 die genaue Zahl ist nicht bekannt \u2013 wurden im Iran rekrutiert, um im Krieg in Syrien zu k\u00e4mpfen. Erst vor Kurzem berichtete die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, dass sie die Gr\u00e4ber von acht afghanischen Kindern, die in Syrien get\u00f6tet wurden, identifiziert hat. Laut der Organisation rekrutiert der Iran regelm\u00e4\u00dfig minderj\u00e4hrige K\u00e4mpfer, um sie nach Syrien zu schicken. Unter afghanischen Gefl\u00fcchteten ist diese Praxis schon l\u00e4nger bekannt.<\/p>\n\n\n\n

Rassismus gegen Afghanen im Iran<\/h2>\n\n\n\n

Fast drei Millionen Gefl\u00fcchtete aus Afghanistan sind inzwischen im Iran. Die meisten von ihnen leben in der Illegalit\u00e4t und werden als Schwarzarbeiter, etwa am Bau, ausgebeutet. Rassismus und Ausgrenzung geh\u00f6ren zu ihrem gesellschaftlichen Alltag. Kinder sind davon nicht ausgeschlossen. Im Gegenteil: Vielen afghanischen Kinderm ist es nicht erlaubt, staatliche Schulen zu besuchen. Abu Fazel wurde Zeit seines Lebens von dieser Diskrimierung beeinflusst und verfolgt.<\/p>\n\n\n\n

\u201e'Afghane\u2018 \u2013 das ist dort ein Schimpfwort. Ich h\u00f6rte es von klein auf immer wieder. Der Rassismus gegen Afghanen ist dort v\u00f6llig normal. Meine Herkunft, auf der ich eigentlich stolz war, ist im Iran stets eine Last gewesen. Wir sind dort B\u00fcrger zweiter Klasse.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung der afghanischen Gefl\u00fcchteten ist f\u00fcr Abu Fazel die Spitze jenes Rassismus, den er erlebt hat.<\/p>\n\n\n\n

Iran: Syrien vor sunnitischen Extremisten verteidigen<\/h2>\n\n\n\n

In Syrien k\u00e4mpfen neben den afghanischen Milizen auch andere paramilit\u00e4rische Gruppierungen im Auftrag des Irans: etwa die ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigten Revolutionsgarden, die einst Ayatollah Ruhollah Khomeini pers\u00f6nlich ins Leben rief oder die Basidsch-Milizen. Beiden Gruppierungen sind nicht nur in Syrien aktiv, sondern auch im Irak.<\/p>\n\n\n\n

Obowhl sich das syrische Regime von Baschar al-Assad als s\u00e4kular ausweist, wird es vom Iran, der sich als Repr\u00e4sentant aller muslimischen Schiiten betrachtet, unterst\u00fctzt. Gemeinsames Ziel in Syrien ist es: Schiiten vor sunnitische Extremisten zu verteidigen. Dennoch ist das Regime darauf bedacht, m\u00f6glichst wenig eigene K\u00e4mpfer nach Syrien zu schicken. \u00c4hnlich wie einst w\u00e4hrend des Krieges gegen Saddam Husseins Irak, setzt der Iran auf ausl\u00e4ndische K\u00e4mpfer.<\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung war wie eine Gehirnw\u00e4sche<\/h2>\n\n\n\n

Abu Fazels Familie geh\u00f6rt zur afghanischen Minderheit der schiitischen Hazara \u2013 wie viele Afghanen, die in den Iran gekommen sind. Mittlerweile k\u00e4mpfen Tausende von ihnen in Syrien. Der Iran bezahlt die Afghanen mit einem Sold von wenigen hundert Dollar pro Monat und verspricht ihren Familien eine Aufenthaltsgenehmigung oder eine Arbeitserlaubnis.<\/p>\n\n\n\n

An der Rekrutierung der Afghanen sind sowohl die Revolutionsgarden als auch die erw\u00e4hnten Basidsch-Milizen beteiligt. Abu Fazel beschreibt, wie das Viertel, in dem er gemeinsam mit seiner Familie in Teheran lebte, regelm\u00e4\u00dfig von den K\u00e4mpfern aufgesucht wurde. Viele afghanische Gefl\u00fcchtete lebten dort \u2013 und fielen auf die Gehirnw\u00e4sche der Rattenf\u00e4nger herein.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie trafen junge M\u00e4nner und Jugendliche in den Moscheen und \u00fcberredeten sie, gegen den IS oder Al Qaida zu k\u00e4mpfen. Die Gehirnw\u00e4sche war perfekt. Am Ende merkten viele, darunter auch ich, nicht einmal, dass wir in ihre Propaganda getappt waren. Ihre \u00dcberredungskunst war wirklich sehr speziell. Am Ende hat man Lust, nach Syrien zu gehen, um zu k\u00e4mpfen\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Erfolg hatten die Rekrutierer des Regimes auch bei Abu Fazels Cousin, der zum damaligen Zeitpunkt ebenfalls minderj\u00e4hrig gewesen ist. Er ging nach Syrien und k\u00e4mpfte unter der Flagge der \u201eLiwa Fatemiyoun\u201c, wie die afghanische Division auf Seiten Assads hei\u00dft. Offiziell ist die Aufgabe der Miliz die Verteidigung des Schreines von Zaynab im S\u00fcden von Damaskus. Zaynab war die Enkelin des islamischen Propheten Mohammad. Laut iranischen Staatsmedien k\u00e4mpfen mindestens 20.000 Afghanen in der Division.<\/p>\n\n\n\n

Im August 2014 entschloss sich auch Abu Fazel, nach Syrien zu gehen und zu k\u00e4mpfen. Im selben Monat wurde sein Cousin in der N\u00e4he von Aleppo im Kampf gegen syrische Rebellen get\u00f6tet.<\/p>\n\n\n\n

\u201eMein Cousin wurde dort get\u00f6tet. Auch andere Jungs aus unserer Gegend gingen nach Syrien und fielen dort. Lokale Zeitungen nannten sie \u201aM\u00e4rtyrer\u2018.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Lieber Flucht statt K\u00e4mpfer in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein solcher \u201eM\u00e4rtyrer\u201c wollte Abu Fazel allerdings nicht werden. Er floh eine Woche vor dem Beginn seiner dreimonatigen Kampfausbildung. Es war ihm lieber, ein Leben auf der Flucht zu verbringen, als in Syrien unschuldige Menschen f\u00fcr einen Diktator zu t\u00f6ten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch kam zu dem Schluss, dass ich nicht als M\u00f6rder weiterleben k\u00f6nnte. Stets dachte ich mir, dass selbst die schlimmsten Al-Qaida- oder IS-Terroristen Kinder haben k\u00f6nnten, die ihren Vater lieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Fazel verlor seinen eigenen Vater bereits sehr fr\u00fch. Er wurde Opfer des B\u00fcrgerkriegs in Afghanistan, der von 1989 bis 2001 tausende Menschen das Leben kostete. Auch der Iran mischte in der Zeit schon mit. Es ist allgemein bekannt, dass die schiitischen Hazara-Milizen, die den B\u00fcrgerkrieg ebenfalls mitanfachten, von der Regierung in Teheran unterst\u00fctzt wurden.<\/p>\n\n\n\n

Als Abu Fazel sich nun entschloss, aus der Gewaltspirale auszusteigen und nicht in Syrien zu k\u00e4mpfen, wuchs die Angst bei seiner Familie. Denn f\u00fcr die iranischen Beh\u00f6rden gilt: Hat man sich einmal gemeldet, gibt es kein zur\u00fcck. Man muss an die Front nach Syrien \u2013 oder wird zur\u00fcck nach Afghanistan abgeschoben, wo ebenfalls Krieg herrscht.<\/p>\n\n\n\n

Der einzige Ausweg f\u00fcr den jungen Afghanen war die Flucht. \u00dcber die T\u00fcrkei, Griechenland und die Balkranroute erreichte er mit gro\u00dfer M\u00fche Deutschland, wo er einen Asylantrag stellte.<\/p>\n\n\n\n

Erster Asylantrag in Deutschland abgelehnt<\/h2>\n\n\n\n

Als Grund nannte er seine Rekrutierung als Kindersoldat seitens des iranischen Regimes. Doch w\u00e4hrend diese Begr\u00fcndung in Abu Fazels Augen v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich war, sahen deutsche Beh\u00f6rden das anders. Sein erster Antrag wurde abgelehnt. Derzeit versucht er es ein zweites Mal. Die Bundesrepublik schiebt afghanische Gefl\u00fcchtete weiterhin ab.<\/p>\n\n\n\n

\"EinAbschiebung von Afghanen im Dezember 2016 mit einem Charterflug von Frankfurt nach Kabul. (dpa \/picture alliance \/ Boris Roessler)<\/p>\n\n\n\n

Die Verantwortlichen weisen in diesem Kontext immer wieder auf vermeintlich \u201esichere Gebiete\u201c im Land, die nicht n\u00e4her benannt werden.<\/p>\n\n\n\n

W\u00e4hrenddessen machen Menschenrechtsorganisationen regelm\u00e4\u00dfig darauf aufmerksam, dass keine Region am Hindukusch sicher ist. Stattdessen wird in manchen Gebieten nur weniger Krieg gef\u00fchrt als in anderen.<\/p>\n\n\n\n

\"SieDemonstranten protestieren in Frankfurt am Main gegen die Abschiebung von Afghanen. Auf einem der Transparente steht \u201eAfghanistan is not safe\u201c. (AFP \/ Daniel Roland)<\/p>\n\n\n\n

Alis Vater und Onkel k\u00e4mpfen in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein \u00e4hnliches Schicksal wie Abu Fazel erlitt der 18-j\u00e4hrige Ali (Namen ge\u00e4ndert). Auch er floh aus dem Iran nach Deutschland, um der Rekrutierung f\u00fcr Assads Milizen zu entgehen. Viele seiner afghanischen Freunde sind bereits nach Syrien gezogen \u2013 und kamen niemals zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Alis Familie, ebenfalls Angeh\u00f6rige der Hazara-Minderheit, stammt urspr\u00fcnglich aus der Provinz Ghor im Nordosten Afghanistans. Ihre Heimat verlie\u00dfen sie w\u00e4hrend der sowjetischen Besatzung in den 1980er-Jahren.<\/p>\n\n\n\n

Seit jeher lebt die Familie in der iranischen Gro\u00dfstadt Maschhad. Als der Krieg in Syrien ausbrach, erreichte sie ein Konflikt, mit dem sie nicht gerechnet hatten. Im Juli 2015 reiste Alis Vater nach Teheran. Er wollte einen Weg finden, um f\u00fcr seine Familie Aufenthaltspapiere zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Beh\u00f6rden sagten ihm, dass die Rekrutierung f\u00fcr den Krieg in Syrien eine M\u00f6glichkeit darstellen k\u00f6nnte, um Papiere f\u00fcr uns alle zu erhalten. Andernfalls w\u00fcrde man uns sehr bald nach Afghanistan abschieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Mittlerweile k\u00e4mpfen Alis Vater und sein Onkel seit \u00fcber einem Jahr in Syrien. Am Aufenthaltsstatus seiner Familienmitglieder hat sich bis heute allerdings nichts ge\u00e4ndert. F\u00fcr Ali ist klar, dass dies nur eine Falle gewesen ist, um noch mehr Afghanen als Kanonenfutter zu missbrauchen.<\/p>\n\n\n\n

Anfangs gab es Papiere f\u00fcr K\u00e4mpfer-Familien<\/h2>\n\n\n\n

Den Kontakt zu seinem Vater hat der Afghane mittlerweile verloren. W\u00e4hrenddessen schickt ihm sein Onkel, der in Aleppo stationiert ist, hin und wieder Bilder \u00fcber den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ali denkt, dass nur sehr wenige Afghanen der Propaganda der iranischen Regierung glauben und in Syrien f\u00fcr eine \u201egute Sache\u201c k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

Source<\/a><\/p>\n","post_title":"Warum Afghanen in Syrien f\u00fcr Assad k\u00e4mpfen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"warum-afghanen-in-syrien-fur-assad-kampfen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3709","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3706,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:27:40","post_date_gmt":"2020-08-13 21:27:40","post_content":"\n

Kinder, Frauen, Jesiden \u2013 wer \u00fcberlebt hat, berichtet von Folter, Vergewaltigungen und Gehirnw\u00e4sche. Rund drei Jahre dauerte die Schreckensherrschaft der IS-Miliz in Syrien und Irak. Der Wiederaufbau wird l\u00e4nger dauern und mehr umfassen als H\u00e4user.<\/p>\n\n\n\n

Der Fluss Tigris durchzieht die zweitgr\u00f6\u00dfte Stadt des Iraks und teilt Mosul in Ost und West. Das Westufer ist von Zerst\u00f6rung gezeichnet, die Altstadt nicht mehr als eine einzige graue Tr\u00fcmmerlandschaft. Seit den letzten Bombardements im Juli 2017 kann hier niemand mehr wohnen.<\/p>\n\n\n\n

Die Nouri-Moschee, von deren Kanzel Abu Bakr al-Baghdadi im Juli 2014 sein Kalifat ausrief, hatte die IS-Miliz auf ihrem R\u00fcckzug vorsorglich selbst in die Luft gesprengt, um den Gegnern diesen besonderen Triumph zu verwehren.<\/p>\n\n\n\n

\"ImIm Juli 2017 erobert die irakische Armee Mossul zur\u00fcck. Ruinen sind zu sehen. Ein K\u00e4mpfer der IS-Miliz hat sich ergeben. (Imago \/ Carol Guzy)<\/p>\n\n\n\n

Es ist fraglich, ob die Altstadt dem Original getreu wieder aufgebaut werden kann. Bagdad will demn\u00e4chst \u2013 im Rahmen einer gro\u00dfen Wiederaufbau-Konferenz \u2013 bekannt geben, welche Pl\u00e4ne es hat. Derzeit gilt als gro\u00dfer Fortschritt, dass die Tr\u00fcmmerlandschaft in Teilen wieder begehbar ist \u2013 nachdem mit internationaler Hilfe zahllose Sprengs\u00e4tze beseitigt wurden.<\/p>\n\n\n\n

In Ost-Mossul gibt es weniger Zerst\u00f6rungen<\/h2>\n\n\n\n

J\u00fcngste Sch\u00e4tzungen der Vereinten Nationen besagen, dass es noch Jahre dauern wird, bis alle Minen ger\u00e4umt sind. Solange werden die einstigen Bewohner nicht zur\u00fcckkehren k\u00f6nnen. Manche von ihnen haben Gl\u00fcck im Ungl\u00fcck: Sie haben \u00fcberlebt und sind auf der anderen Seite des Tigris untergekommen, im Osten der Stadt. Der war schon im Januar 2017 von den Terroristen befreit worden. Erstaunlich ist: Dieser Teil Mosuls wirkt fast so, als w\u00e4re der \u201eIS\u201c niemals hier gewesen und als h\u00e4tte es keinen Krieg gegeben.<\/p>\n\n\n\n

\"ImIm Osten Mossuls gibt es weniger Zerst\u00f6rungen als im Westteil. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

Die Zerst\u00f6rungen beschr\u00e4nken sich auf strategisch-wichtige Punkte oder Geb\u00e4ude, in denen sich die Terroristen verschanzt hatten: Br\u00fccken, Moscheen, Krankenh\u00e4user. Doch im Basar herrscht fast so etwas wie Normalit\u00e4t. An St\u00e4nden kaufen Menschen ein \u2013 Obst, Gem\u00fcse, Reis und Nudeln, Backwaren. Kinder schlecken ein Eis. Abu Muhammad, ein ehemaliger Physiklehrer, erkl\u00e4rt, warum der Basar so anders ist als erwartet:<\/p>\n\n\n\n

\u201eDas Leben hatte nie aufgeh\u00f6rt in Mosul. Wir haben weitergelebt. Drei Jahre wurden wir vom \u201aIS\u2018 beherrscht, doch die normalen Leute hatten nichts damit zu tun. Daher kam der Alltag schnell zur\u00fcck. Die Soldaten sind gekommen, haben den Basar wieder aufgemacht und das Leben ging weiter.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Im Osten findet sich heute all das wieder, was die Terror-Miliz unterdr\u00fcckt hatte und bei Missachtung grausam ahndete: Musik in Restaurants und Caf\u00e9s; Sim-Karten f\u00fcr Handys; Internet; Fris\u00f6re, die Haare schneiden, B\u00e4rte stutzen oder gar abrasieren. Und doch: Trotz des lebendigen Treibens wirken Angst und Schrecken nach. Abu Muhammad, fr\u00fch ergraut, erinnert sich:<\/p>\n\n\n\n

\u201eWir haben uns gef\u00fchlt wie zwischen Leben und Tod. Irgendwo dazwischen. Sie haben vom \u201aIS\u2018 geh\u00f6rt; wir haben ihn erlebt: Wir haben erlebt, wie sie mordeten, wie sie Leute aufh\u00e4ngten, wir haben den Krieg erlebt. Wir haben alles gesehen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Mohammed stammt aus dem zerst\u00f6rten Westen der Stadt. Er wohnt heute im Osten. Verwandte haben ihn und seine Familie aufgenommen. So wie ihm ergeht es auch anderen Vertriebenen. Sie leben bei Verwandten und Freunden. Oder in einem der vielen Lager. 700.000 Menschen haben ihr Zuhause verloren \u2013 eine Zahl, die f\u00fcr West-Mosul gilt. Insgesamt gehen die Vereinten Nationen von fast sechs Millionen Menschen aus, die im Irak vor dem \u201aIS\u2018 geflohen sind \u2013 die H\u00e4lfte von ihnen bis heute fern von ihrem Zuhause.<\/p>\n\n\n\n

Binnenfl\u00fcchtlinge im Lager Khabartu<\/h2>\n\n\n\n

Zelte soweit das Auge reicht. Abertausende. Inmitten von Steppe. Das Leben der Menschen ist hart. Sie darben, frieren und verdorren \u2013 wenn im Winter der kalte Wind durch die Steppe fegt und im Sommer die Sonne niederbrennt. Doch sie harren aus, haben wenig Hoffnung auf baldige R\u00fcckkehr. Die meisten kamen 2014 \u2013 hierher, ins Lager Khabartu in Irakisch-Kurdistan.<\/p>\n\n\n\n

\"DasDas Lager Khabartu f\u00fcr irakische Binnenfl\u00fcchtlinge. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

2014, als der \u201eIS\u201c den Nord-Irak \u00fcberfiel. In einem der Zelte lebt auch die Familie von Thomas Abdallah Hammou. Thomas war auf der Flucht von seiner Familie getrennt und von den Dschihadisten verschleppt worden. Damals war er acht Jahre alt. Ein Kind. Drei Jahre blieb er in Geiselhaft, lebte in Mosul.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollten nicht, dass wir spielen. Sie mochten es nicht. Ich habe keine Schule besucht, aber sie gaben uns Koran-Unterricht. Jeden Tag.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas musste seinem eigenen, dem jesidischen Glauben abschw\u00f6ren. Weil der \u201eIS\u201c die Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c betrachtet. Und \u201eUngl\u00e4ubige\u201c, so die Auffassung der Terroristen, m\u00fcssen zwangsbekehrt werden. Oder get\u00f6tet. Die Terroristen hatten dementsprechend die Jesiden entweder an Ort und Stelle ermordet, die meisten im Sinjar, im alten Siedlungsgebiet der Jesiden im Nord-Irak. Tausende. 47 Massengr\u00e4ber sollen mittlerweile gefunden worden sein. Oder aber die Terroristen lie\u00dfen die Jesiden am Leben und nahmen sie in Geiselhaft. Sie machten aus ihnen Sexsklavinnen oder sie bildeten sie aus \u2013 zu Selbstmordattent\u00e4tern. Wie Thomas.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie haben uns st\u00e4ndig geschlagen. Wir mussten Schie\u00dfen \u00fcben. Zwei meiner Freunde haben sich in die Luft gesprengt. Sie sind zum Training. Doch sie kamen nicht zur\u00fcck. Ich war nicht traurig. Sie wollten sich ja in die Luft sprengen. Die \u201aIS\u2018-Leute hatten es nicht von ihnen verlangt. Sie sind freiwillig gegangen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas hat heute einen modernen Haarschnitt; der Nacken ist ausrasiert; der lange Pony in die Stirn gek\u00e4mmt. Im Sommer sah er noch anders aus, kurz nachdem Mosul befreit worden war. Bei einem Luftangriff der Anti-\u201eIS\u201c-Koalition wurde Thomas schwer verletzt aus Tr\u00fcmmern geborgen, dann operiert.<\/p>\n\n\n\n

\"ThomasThomas erholt sich von drei Jahren IS-Gefangenschaft. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

Arbeit mit \u201eDschihadisten-Kindern\u201c<\/h2>\n\n\n\n

Die \u00e4u\u00dferen Wunden sind heute verheilt. Doch wie sieht es aus mit den inneren, den seelischen Verletzungen? Thomas wurde von seiner Familie aufgenommen und bekommt Hilfe. Andere Kinder konnten nicht aufgefangen werden. Bis heute betrachten sie Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c \u2013 so wie es ihnen in der Geiselhaft eingeh\u00e4mmert wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie sind eine gro\u00dfe Gefahr f\u00fcr andere Kinder. Sie leben in Lagern, in einem Zelt, auf sechs mal vier Metern, oder noch weniger! Acht Geschwister, sie spielen zusammen, reden, sie indoktrinieren die anderen! Das ist ein Problem, das wir nicht l\u00f6sen k\u00f6nnen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Sara Hassan ist Sozialarbeiterin. Sie arbeitet in den Lagern, versucht M\u00e4dchen und Frauen, die jahrelang in Geiselhaft vergewaltigt wurden, zu helfen. Unz\u00e4hlige hatte der \u201eIS\u201c einst entf\u00fchrt. Sara arbeitet auch mit den sogenannten \u201eDschihadisten-Kindern\u201c. Sie erz\u00e4hlt, wie \u00fcberfordert alle seien: die Familien, die jesidische Gemeinschaft, die Gesellschaft des Nord-Irak.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIn einem anderen Fall hat sich die Familie am Ende an die Sicherheitskr\u00e4fte gewandt. Doch die wussten auch nicht, wie sie damit umgehen sollten. Monate lang hat die Familie versucht, den Jungen umzuerziehen, zusammen mit Sozialarbeitern. Aber noch immer sehen wir den Hass in seinen Augen \u2013 gegen\u00fcber Kurden, Christen und Jesiden. Als blicke man in die Augen eines IS-Terroristen. Das ist das Problem.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Die Jesiden k\u00f6nnen \u00fcber ihre vom \u201eIS\u201c indoktrinierten Kinder sprechen. Denn niemand zweifelt daran, dass sie Opfer der Tyrannei wurden. Bei den sunnitischen Arabern sieht das anders aus. Da sie derselben Religionsgruppe angeh\u00f6ren wie formal auch die Terroristen, stehen sie unter Generalverdacht, mit dem \u201eIS\u201c gemeinsame Sache gemacht zu haben. Sunnitische Araber trauen sich daher nicht, die Probleme ihrer Kinder \u00f6ffentlich zu machen \u2013 auch wenn sie selbst nichts mit dem \u201eIS\u201c zu tun hatten.<\/p>\n\n\n\n

Unklar ist, wie viele Kinder und Jugendliche im Irak und in Syrien zu Terroristen ausgebildet wurden, dabei noch in Geiselhaft sind oder bereits als \u201eSchl\u00e4fer\u201c darauf warten, zum Einsatz zu kommen. Sie gleichen \u201etickenden Zeitbomben\u201c, die jederzeit explodieren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

Minderheiten haben Angst vor \u201eIS\u201c-Nachfolgern<\/h2>\n\n\n\n

Kamaran Palani spricht davon, dass viele Menschen immer noch gehen wollen, obwohl der \u201eIS\u201c als staats\u00e4hnliches Gebilde nicht mehr besteht. Seine Saat aber, so der Politikwissenschaftler, sei aufgegangen.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollen einfach nicht in diesem Land bleiben. Der IS hat sie dazu gebracht. Jeder hat heute Angst, dass eine andere Organisation kommen wird, Terroristen, die dasselbe anrichten wie zuvor.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Palani forscht am \u201eMiddle East Research Institute\u201c, das seinen Sitz in Erbil hat, der Hauptstadt von Irakisch-Kurdistan. <\/p>\n\n\n\n

\u201e60 bis 65 Prozent der Christen wollen gehen. Das Gleiche gilt f\u00fcr andere Minderheiten: f\u00fcr Jesiden, Schabaks, Turkmenen, Kakais.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

\u201eWir werden niemals wieder mit den Arabern zusammenleben k\u00f6nnen!\u201c \u2013 ein Satz, der heute h\u00e4ufig im Nord-Irak zu h\u00f6ren ist. Gemeint sind die Iraker, die Sunniten und Araber sind \u2013 die einstmals Nachbarn von Jesiden, Christen und Kurden waren \u2013 mit denen man Handel trieb und Hochzeiten feierte, die auch Freunde waren.<\/p>\n\n\n\n

Der Irak ist eine multi-ethnische und multi-religi\u00f6se Gesellschaft, in der die Schiiten die Mehrheit stellen. \u00dcber Jahrhunderte aber hatten die sunnitischen Araber das Sagen, sie missbrauchten die Macht, errichteten ein Schreckensregime \u2013 bis 2003, als Diktator Saddam Hussein von den USA gest\u00fcrzt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c entstand aus Widerstand gegen Schiiten-Herrschaft<\/h2>\n\n\n\n

Jetzt wurde der Spie\u00df umgedreht. Die Amerikaner sorgten daf\u00fcr, dass die Sunniten jegliche Machtposition verloren \u2013 so wurde die irakische Armee, wurde die baathistische Partei aufgel\u00f6st \u2013 ohne ein Pendant zu schaffen, das alle integrierte. Und: Washington unterst\u00fctzte Regierungschef Nouri al-Maliki, einen Schiiten. Maliki sah eine historische Chance gekommen, diskriminierte nun seinerseits seine sunnitischen Landsleute, verwehrte ihnen im \u201eNeuen Irak\u201c die Mitsprache. Im Regime Malikis wurden Sunniten inhaftiert, gefoltert und umgebracht.<\/p>\n\n\n\n

Was viele in den Widerstand trieb. Einige schlossen sich der Terror-Organisation \u201eAl-Qaida\u201c an, unter ihnen f\u00fchrende Milit\u00e4rs der aufgel\u00f6sten Armee Saddam Husseins \u2013 und aus \u201eAl-Qaida\u201c ging sp\u00e4ter der \u201eIS\u201c hervor.<\/p>\n\n\n\n

Als der \u201eIS\u201c dann im Sommer 2014 fast ohne Gegenwehr weite Landstriche in Syrien und im Irak \u00fcberrannte und seinen \u201eStaat\u201c ausrief, sahen auch gew\u00f6hnliche sunnitische Araber einen Wechsel nahen. Viele machten gemeinsame Sache mit den Terroristen, verhinderten die Flucht jesidischer Nachbarn, lieferten sie ihren Schl\u00e4chtern aus. Kamaran Palani:<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c-K\u00e4mpfer haben gesagt, es gehe darum, die W\u00fcrde der sunnitischen Araber wiederherzustellen. Ihre Macht. Ihre Geschichte. Tats\u00e4chlich konnten es die Araber nicht hinnehmen, dass sie ins Abseits gedr\u00e4ngt wurden. Und ich denke, dass sie auch in Zukunft so handeln werden. Wann immer sich die Gelegenheit bietet: Sie werden alles hinter sich lassen \u2013 sich nur darauf konzentrieren.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Misstrauen. Auch bei einem Politikwissenschaftler. Was also tun? Zerst\u00f6rte St\u00e4dte und D\u00f6rfer k\u00f6nnten wieder aufgebaut werden \u2013 wenn denn ein gemeinsamer Wille best\u00fcnde. Doch was, wenn es einen solchen gemeinsamen Willen gar nicht gibt? Wenn Schmerz und Trauer anhalten, wenn die Verbrechen von Terroristen und Helfershelfern nicht geahndet werden, wenn Angst umgeht, Misstrauen und Hass das Miteinander bestimmen.<\/p>\n\n\n\n

\"SyrischeSoldaten in der irakischen Stadt Sindschar nach der R\u00fcckeroberung von der IS-Miliz Ende 2015. (dpa \/ MAXPPP \/ Arnaud Dumontier)<\/p>\n\n\n\n

Kamaran Palani stammt aus der Stadt Makhmour. Drei Tage nur sei der \u201eIS\u201c dort gewesen, sagt er, doch diese Tage h\u00e4tten alles ver\u00e4ndert. Der \u201eIS\u201c habe die Menschen in seiner Heimatstadt verrohen lassen, meint er, das Verh\u00e4ltnis zwischen Kurden und Arabern sei heute tot. Eine R\u00fcckkehr in alte Zeiten h\u00e4lt Palani f\u00fcr falsch.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch denke, es w\u00e4re nicht einfach, in das Jahr 2014 \u2013 also in die Zeit vor dem \u201aIS\u2018 \u2013 zur\u00fcckzukehren. Vor allem aber w\u00e4re es nicht die richtige Politik. Denn eben die hat ja erst zum Aufkommen, zur Existenz des \u201aIS\u2018 gef\u00fchrt.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n


Wie also in Ruinen Neues schaffen? Der Staat muss das Gewaltmonopol zur\u00fcckerlangen, fordert der Politikwissenschaftler. F\u00fcr ihn steht das an erster Stelle. Und dann m\u00fcsse der Staat dringend einen Kurswechsel vornehmen: Er m\u00fcsse integrativ wirken, alle einbinden, auch die Araber, in Sicherheitskr\u00e4fte, Verwaltung und Politik.<\/p>\n\n\n\n

Machtmonopol m\u00fcsste von Milizen zum Staat gehen<\/h2>\n\n\n\n

Die Realit\u00e4t sieht anders aus: Ein Staat Kurdistan, der neue Optionen m\u00f6glich gemacht h\u00e4tte, auch von den Minderheiten gew\u00fcnscht worden war, ist nicht entstanden. Bagdad aber ist fern, der Zentralstaat kaum existent, und wenn, dann ist er schiitisch dominiert. Es sind Milizen, die im Nord-Irak das Geschehen bestimmen, darum rivalisieren, das Machtvakuum zu f\u00fcllen, das durch die Vertreibung des \u201eIS\u201c entstanden ist. Einst im Kampf gegen die Terroristen geeint, sind die Milizen einander heute feind.<\/p>\n\n\n\n

Allen voran die \u201eHashd ash-Shaabi\u201c, schiitisch-irakische Milizen, deren Ausbilder und Kommandeure h\u00e4ufig Iraner sind. Bagdad hat die Haschd als regul\u00e4re Kraft im Kampf gegen den \u201eIS\u201c anerkannt \u2013 obwohl Menschenrechts-Organisationen schwere Vorw\u00fcrfe gegen sie erheben. Fest steht: Die schiitischen Milizen halten D\u00f6rfer besetzt, sind in Mosul f\u00fcr ihr herrisches Auftreten und ihre Willk\u00fcr bekannt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eTats\u00e4chlich sorgen die verschiedenen bewaffneten Gruppen daf\u00fcr, dass die Fl\u00fcchtlinge nicht zur\u00fcckkehren. Und weil sie nicht zur\u00fcckkehren, gibt es auch keinen Wiederaufbau. Die Menschen haben Angst vor den Milizen \u2013 auch davor, dass die einander bek\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die \u201eHashd\u201c m\u00fcssten mithin abziehen. Und mit ihnen die anderen Milizen. Das Machtmonopol m\u00fcsste an den Staat gehen. Doch der Irak ist auch Spielball der Regionalm\u00e4chte: Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien. Sie konkurrieren um Einfluss-Sph\u00e4ren, bedienen sich dabei verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Gruppen im Irak. Deswegen werden die Hashd nicht abziehen. Derzeit sind sie von der iranisch-irakischen Grenze im Osten \u00fcber Bagdad bis hoch zur irakisch-syrischen Grenze im Norden postiert. Einheiten Teherans k\u00f6nnten demnach auf dem Landweg vom Iran bis ans Mittelmeer durchmarschieren.<\/p>\n\n\n\n

Iran und Saudi-Arabien wollen Macht vergr\u00f6\u00dfern<\/h2>\n\n\n\n

Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n

In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n

Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3703,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:24:20","post_date_gmt":"2020-08-13 21:24:20","post_content":"\n

Deutschland str\u00e4ubt sich gegen die R\u00fcckkehr seiner eigenen Staatsb\u00fcrger, die zu IS-Terroristen wurden. Dabei hat die Bundesrepublik den Terror und die Terroristen einst exportiert. Und dies geschah wissentlich, sagt der Islamwissenschaftler Fabian Goldmann.<\/p>\n\n\n\n

Wann haben Sie sich eigentlich zuletzt von deutschen Terroristen distanziert? Zum Beispiel von Robert B.? Der Ex-Bundeswehrsoldat aus Solingen hat mutma\u00dflich bei einem Selbstmordattentat Anfang 2014 50 Menschen mit in den Tod gerissen. <\/p>\n\n\n\n

Oder von Yannik N.? Der junge Freiburger steuerte wahrscheinlich im Jahr 2015 einen mit anderthalb Tonnen Sprengstoff beladenen LKW in eine Menschenmenge und nahm so Dutzenden Personen das Leben.<\/p>\n\n\n\n

Oder von Yamin A.?. Im Sommer 2015 tauchte im Netz ein Video auf, das zeigte, wie der ehemalige Telekom-Azubi aus K\u00f6nigswinter zwei gefesselten Soldaten in den Kopf schoss.
Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Deutsche T\u00e4ter, aber kaum deutsche Opfer<\/h2>\n\n\n\n

Hauptsache nicht bei uns! Dies scheint auch dieser Tage wieder die Maxime zu sein, wenn Politiker und \u00d6ffentlichkeit \u00fcber den Umgang mit deutschen Terroristen diskutieren. Von potenziellen Bedrohungen und Anschlagsgefahren in Deutschland liest man dann. Vom ganz realen Terror, den Deutsche in den vergangenen Jahren \u00fcber die Menschen in Syrien und Irak gebracht haben, h\u00f6rt man hingegen kaum. Ein Terror, der kaum deutsche Opfer aber umso mehr deutsche T\u00e4ter kannte.<\/p>\n\n\n\n

1.050 \u2013 das ist laut Bundesinnenministerium die Anzahl der Dschihadisten, die in den letzten Jahren die Bundesrepublik in Richtung Nahost verlassen hat. Es f\u00e4llt schwer, sich umgekehrtes Szenario \u00fcberhaupt auszumalen. Was w\u00e4re wohl los, h\u00e4tte es nur ein Bruchteil arabischer Terroristen geschafft, bei uns Anschl\u00e4ge zu begehen? Europas \u201eMuslim Bann\u201c? \u00dcberwachungsstaat auf NSA-Niveau?<\/p>\n\n\n\n

Die CSU st\u00fcnde wom\u00f6glich am linken Ende des politischen Spektrums, und auf Twitter w\u00fcrde Trump deutsche Migrationspolitiker zur M\u00e4\u00dfigung aufrufen. Der deutsche Terror in Nahost kommt hingegen seit Jahren ganz ohne Sondersendungen, politische Debatten und Distanzierungsforderungen aus. <\/p>\n\n\n\n

Deutsche K\u00e4mpfer waren nicht nur willenloses Kanonenfutter<\/h2>\n\n\n\n

An fehlendem Wissen liegt das nicht. Von ganzen Einheiten des IS, in denen kein einziger K\u00e4mpfer Arabisch spreche, berichten syrische, irakische und kurdische Soldaten schon seit Jahren. Von Aleppo \u00fcber Raqqa bis Mossul haben Aktivisten und Politiker immer wieder darauf hingewiesen, dass viele der schlimmsten M\u00f6rder in den Reihen des IS Europ\u00e4er sind. Interessiert hat das hier kaum jemand.<\/p>\n\n\n\n

Dabei dienten Deutsche dem Islamischen Staats nicht nur als willenloses Kanonenfutter, wie es oft dargestellt wird. Viele haben seinen Terror mitgepr\u00e4gt. Wie Martin L., der derzeit in kurdischer Haft sitzt. Der Schwei\u00dfer aus Sachsen-Anhalt soll sich vom Folterknecht bis zum Geheimdienstler mit Kontakten bis in die F\u00fchrungsspitze der Terrororganisation hochgearbeitet haben.<\/p>\n\n\n\n

Oder Reda S., Der Prediger aus Berlin-Charlottenburg soll dem IS in Mossul als Bildungsminister gedient haben. Oder der Berliner Ex-Rapper Denis Cuspert, der zu den wichtigsten Personen in der IS-Medienorganisation Al-Hayat geh\u00f6rte. Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Beh\u00f6rden wussten gut Bescheid<\/h2>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich entstand der Islamische Staat nicht in deutschen Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen. Zur deutschen Verantwortung geh\u00f6rt aber auch, dass Politiker und Beh\u00f6rden lange wegschauten, solang nur die T\u00e4ter, aber nicht die Opfer Deutsche waren. Beh\u00f6rden wissen und wussten erschreckend gut Bescheid \u00fcber die Radikalisierung deutscher Islamisten. Ein Gro\u00dfteil der sp\u00e4teren IS-K\u00e4mpfer war polizeibekannt, stand auf Gef\u00e4hrderlisten oder hatte wegen islamistischer Straftaten bereits Haftstrafen verb\u00fc\u00dft. An der Ausreise gehindert wurden sie oftmals dennoch nicht. Die Gefahr, die von deutschen Terroristen ausgeht, interessierte Politik und \u00d6ffentlichkeit erst dann wieder, als ihre Einreise drohte.<\/p>\n\n\n\n

\"Fabian
Fabian Goldmann<\/strong> ist Journalist und Islamwissenschaftler. F\u00fcr verschiedene Magazine und Zeitungen berichtete er viele Jahre aus Nahost. Zurzeit widmet er sich vor allem dem Islam diesseits des Bosporus. Auf seinem Blog Schantall und die Scharia<\/a> bloggt er \u00fcber Islamophobie in Deutschland.<\/p>\n","post_title":"Es sind unsere Terroristen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"es-sind-unsere-terroristen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3703","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3700,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:19:36","post_date_gmt":"2020-08-13 21:19:36","post_content":"\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda? Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda t<\/p>\n\n\n\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda tritt an die Stelle der 2010 verabschiedeten Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014 (siehe IP\/10\/1535<\/a>). In der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda f\u00fcr den Zeitraum 2015-2020 skizziert die Europ\u00e4ische Kommission die Strategie der Union zur Bew\u00e4ltigung der Sicherheitsbedrohungen in der EU.<\/p>\n\n\n\n

Die EU und ihre Mitgliedstaaten sind mit betr\u00e4chtlichen Sicherheitsproblemen konfrontiert. Terrorismus, organisierte Kriminalit\u00e4t und Cyberkriminalit\u00e4t stellen eine zunehmende Gefahr f\u00fcr die europ\u00e4ische Gesellschaft dar, wobei sich Art und Ausma\u00df dieser Gefahr ver\u00e4ndert hat. Europa ist mit den Auswirkungen der politischen Instabilit\u00e4t in seiner unmittelbaren Nachbarschaft konfrontiert, die die Sicherheitsinteressen der EU gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n

Im Zuge der Krisen und Konflikte in Syrien, Irak und Libyen haben sich europ\u00e4ische B\u00fcrger terroristischen Gruppen angeschlossen, die bei ihrer R\u00fcckkehr eine erhebliche Bedrohung darstellen k\u00f6nnen. Die j\u00fcngsten terroristischen Anschl\u00e4ge in Europa zeugen von der zunehmenden Bedrohung durch einen gewaltt\u00e4tigen Extremismus und zeigen, in welchem Ausma\u00df weltweite Konflikte zur Radikalisierung der europ\u00e4ischen B\u00fcrger beitragen.<\/p>\n\n\n\n

Das Online-Umfeld hat sich zunehmend als Ziel f\u00fcr Kriminelle und Terroristen entwickelt. Unabh\u00e4ngig davon, ob es um die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und die Anwerbung von Menschen f\u00fcr terroristische Organisationen geht oder die Verbreitung von Hass oder einen Angriff auf die europ\u00e4ischen Werte und Institutionen, fest steht, dass wir unsere Reaktion auf diese Bedrohungen unbedingt abstimmen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Welcher Mehrwert entsteht durch die EU im Bereich der inneren Sicherheit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Gew\u00e4hrleistung der inneren Sicherheit f\u00e4llt weiterhin in erster Linie in die Zust\u00e4ndigkeit der Mitgliedstaaten. Allerdings werden die Bedrohungen f\u00fcr Europas B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger immer vielf\u00e4ltiger und betreffen in zunehmendem Ma\u00dfe mehrere Mitgliedstaaten. Einzelne Mitgliedstaaten haben die Verantwortung, die Sicherheit an den Au\u00dfengrenzen zu gew\u00e4hrleisten, sind aber nicht mehr in der Lage, diese Herausforderungen allein zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n

Kriminelle und terroristische Aktivit\u00e4ten machen nicht an den Grenzen der EU halt und beschr\u00e4nken sich auch nicht auf Nachbarregionen. Die innere Sicherheit der EU und die globale Sicherheit sind voneinander abh\u00e4ngig und miteinander verkn\u00fcpft. Die Sicherheit der Union h\u00e4ngt in hohem Ma\u00dfe von der Zusammenarbeit mit ihren internationalen Partnern und ihren Nachbarl\u00e4ndern ab.<\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t und des Terrorismus ist eine gemeinsame europ\u00e4ische Aufgabe. Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda sollte von den Mitgliedstaaten und den EU-Organen gemeinsam als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und gemeinsame Ma\u00dfnahmen der Union genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n

Mit Hilfe der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda werden die Polizei- und Strafverfolgungsdienste in verschiedenen Mitgliedstaaten Daten effektiver austauschen und bei der Bek\u00e4mpfung der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t besser zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Die Mitgliedstaaten k\u00f6nnen auf die Unterst\u00fctzung durch die Agenturen der EU z\u00e4hlen. Insbesondere in folgenden Punkten l\u00e4sst sich mit Hilfe der Sicherheitsagenda ein EU-Mehrwert erzielen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n

A) Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und den EU-Agenturen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1<\/strong>: Das Schengener Informationssystem<\/strong> (SIS) wird von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Abfrage von Ausschreibungen von gesuchten oder vermissten Personen und Gegenst\u00e4nden genutzt. Die Kommission wird an der Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Ausschreibungskategorien arbeiten und sich daf\u00fcr einsetzen, dass das SIS zusammen mit der Interpol-Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD)<\/strong> umfassender genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Mut zum Theater<\/h2>\n\n\n\n

\u201eTheater selbst ist ein Tabu, wie \u00fcberhaupt jede Form von Kunst\u201c, sagte Wurmb-Seibel \u00fcber die Lage in Afghanistan. Eine K\u00fcnstlerin habe ihr einmal sehr treffend gesagt, dass es schon einer Provokation gleichkomme, alleine auf einer B\u00fchne zu stehen. Es sei dann um so gef\u00e4hrlicher, wenn man auch noch politische Themen auf die B\u00fchne bringe. Einige Schauspieler h\u00e4tten ihre Arbeit sogar auf die Stra\u00dfe verlagert, nachdem mitten in Kabul eine junge Studentin gelyncht worden sei.

by: https:\/\/www.deutschlandfunkkultur.de\/afghanistan-theater-selbst-ist-ein-tabu.1008.de.html?dram:article_id=399972<\/a><\/p>\n","post_title":"\u201eTheater selbst ist ein Tabu\u201c","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"theater-selbst-ist-ein-tabu","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3712","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3709,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:30:50","post_date_gmt":"2020-08-13 21:30:50","post_content":"\n

Drei Millionen Afghanen sind ins Nachbarland Iran geflohen. Viele arbeiten schwarz. Die Aussicht auf einen festen Lohn plus Papiere f\u00fcr die Familie ist verlockend. Die Gegenleistung daf\u00fcr: K\u00e4mpfen in Syrien.<\/p>\n\n\n\n

Wenn Abu Fazel von den Gr\u00e4ueltaten des syrischen B\u00fcrgerkriegs h\u00f6rt, denkt er immer daran, dass er auch beinahe als K\u00e4mpfer auf diesem Schlachtfeld gelandet w\u00e4re. Doch Abu Fazel ist weder Syrer noch wollte er zum sogenannten \u201eIslamischen Staat\u201c. Der 18-J\u00e4hrige ist ein afghanischer Gefl\u00fcchteter, der zur Zeit in Leverkusen lebt.<\/p>\n\n\n\n

Den Gro\u00dfteil seines Lebens verbrachte er im Iran. Seine Familie ist dorthin gefl\u00fcchtet, als er ein Kind war. Doch als die iranische Regierung ihn nach Syrien schicken wollte, um auf der Seite von Machthaber Baschar al-Assad zu k\u00e4mpfen, entschloss er sich zu fliehen.<\/p>\n\n\n\n

\"Fl\u00fcchtlingeGefl\u00fcchtete aus dem Iran und Afghanistan an der Grenze zwischen Mazedonien und Griechenland. (picture alliance \/ dpa \/ Georgi Licovski)<\/p>\n\n\n\n

Tausende afghanische Jugendliche \u2013 die genaue Zahl ist nicht bekannt \u2013 wurden im Iran rekrutiert, um im Krieg in Syrien zu k\u00e4mpfen. Erst vor Kurzem berichtete die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, dass sie die Gr\u00e4ber von acht afghanischen Kindern, die in Syrien get\u00f6tet wurden, identifiziert hat. Laut der Organisation rekrutiert der Iran regelm\u00e4\u00dfig minderj\u00e4hrige K\u00e4mpfer, um sie nach Syrien zu schicken. Unter afghanischen Gefl\u00fcchteten ist diese Praxis schon l\u00e4nger bekannt.<\/p>\n\n\n\n

Rassismus gegen Afghanen im Iran<\/h2>\n\n\n\n

Fast drei Millionen Gefl\u00fcchtete aus Afghanistan sind inzwischen im Iran. Die meisten von ihnen leben in der Illegalit\u00e4t und werden als Schwarzarbeiter, etwa am Bau, ausgebeutet. Rassismus und Ausgrenzung geh\u00f6ren zu ihrem gesellschaftlichen Alltag. Kinder sind davon nicht ausgeschlossen. Im Gegenteil: Vielen afghanischen Kinderm ist es nicht erlaubt, staatliche Schulen zu besuchen. Abu Fazel wurde Zeit seines Lebens von dieser Diskrimierung beeinflusst und verfolgt.<\/p>\n\n\n\n

\u201e'Afghane\u2018 \u2013 das ist dort ein Schimpfwort. Ich h\u00f6rte es von klein auf immer wieder. Der Rassismus gegen Afghanen ist dort v\u00f6llig normal. Meine Herkunft, auf der ich eigentlich stolz war, ist im Iran stets eine Last gewesen. Wir sind dort B\u00fcrger zweiter Klasse.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung der afghanischen Gefl\u00fcchteten ist f\u00fcr Abu Fazel die Spitze jenes Rassismus, den er erlebt hat.<\/p>\n\n\n\n

Iran: Syrien vor sunnitischen Extremisten verteidigen<\/h2>\n\n\n\n

In Syrien k\u00e4mpfen neben den afghanischen Milizen auch andere paramilit\u00e4rische Gruppierungen im Auftrag des Irans: etwa die ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigten Revolutionsgarden, die einst Ayatollah Ruhollah Khomeini pers\u00f6nlich ins Leben rief oder die Basidsch-Milizen. Beiden Gruppierungen sind nicht nur in Syrien aktiv, sondern auch im Irak.<\/p>\n\n\n\n

Obowhl sich das syrische Regime von Baschar al-Assad als s\u00e4kular ausweist, wird es vom Iran, der sich als Repr\u00e4sentant aller muslimischen Schiiten betrachtet, unterst\u00fctzt. Gemeinsames Ziel in Syrien ist es: Schiiten vor sunnitische Extremisten zu verteidigen. Dennoch ist das Regime darauf bedacht, m\u00f6glichst wenig eigene K\u00e4mpfer nach Syrien zu schicken. \u00c4hnlich wie einst w\u00e4hrend des Krieges gegen Saddam Husseins Irak, setzt der Iran auf ausl\u00e4ndische K\u00e4mpfer.<\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung war wie eine Gehirnw\u00e4sche<\/h2>\n\n\n\n

Abu Fazels Familie geh\u00f6rt zur afghanischen Minderheit der schiitischen Hazara \u2013 wie viele Afghanen, die in den Iran gekommen sind. Mittlerweile k\u00e4mpfen Tausende von ihnen in Syrien. Der Iran bezahlt die Afghanen mit einem Sold von wenigen hundert Dollar pro Monat und verspricht ihren Familien eine Aufenthaltsgenehmigung oder eine Arbeitserlaubnis.<\/p>\n\n\n\n

An der Rekrutierung der Afghanen sind sowohl die Revolutionsgarden als auch die erw\u00e4hnten Basidsch-Milizen beteiligt. Abu Fazel beschreibt, wie das Viertel, in dem er gemeinsam mit seiner Familie in Teheran lebte, regelm\u00e4\u00dfig von den K\u00e4mpfern aufgesucht wurde. Viele afghanische Gefl\u00fcchtete lebten dort \u2013 und fielen auf die Gehirnw\u00e4sche der Rattenf\u00e4nger herein.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie trafen junge M\u00e4nner und Jugendliche in den Moscheen und \u00fcberredeten sie, gegen den IS oder Al Qaida zu k\u00e4mpfen. Die Gehirnw\u00e4sche war perfekt. Am Ende merkten viele, darunter auch ich, nicht einmal, dass wir in ihre Propaganda getappt waren. Ihre \u00dcberredungskunst war wirklich sehr speziell. Am Ende hat man Lust, nach Syrien zu gehen, um zu k\u00e4mpfen\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Erfolg hatten die Rekrutierer des Regimes auch bei Abu Fazels Cousin, der zum damaligen Zeitpunkt ebenfalls minderj\u00e4hrig gewesen ist. Er ging nach Syrien und k\u00e4mpfte unter der Flagge der \u201eLiwa Fatemiyoun\u201c, wie die afghanische Division auf Seiten Assads hei\u00dft. Offiziell ist die Aufgabe der Miliz die Verteidigung des Schreines von Zaynab im S\u00fcden von Damaskus. Zaynab war die Enkelin des islamischen Propheten Mohammad. Laut iranischen Staatsmedien k\u00e4mpfen mindestens 20.000 Afghanen in der Division.<\/p>\n\n\n\n

Im August 2014 entschloss sich auch Abu Fazel, nach Syrien zu gehen und zu k\u00e4mpfen. Im selben Monat wurde sein Cousin in der N\u00e4he von Aleppo im Kampf gegen syrische Rebellen get\u00f6tet.<\/p>\n\n\n\n

\u201eMein Cousin wurde dort get\u00f6tet. Auch andere Jungs aus unserer Gegend gingen nach Syrien und fielen dort. Lokale Zeitungen nannten sie \u201aM\u00e4rtyrer\u2018.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Lieber Flucht statt K\u00e4mpfer in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein solcher \u201eM\u00e4rtyrer\u201c wollte Abu Fazel allerdings nicht werden. Er floh eine Woche vor dem Beginn seiner dreimonatigen Kampfausbildung. Es war ihm lieber, ein Leben auf der Flucht zu verbringen, als in Syrien unschuldige Menschen f\u00fcr einen Diktator zu t\u00f6ten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch kam zu dem Schluss, dass ich nicht als M\u00f6rder weiterleben k\u00f6nnte. Stets dachte ich mir, dass selbst die schlimmsten Al-Qaida- oder IS-Terroristen Kinder haben k\u00f6nnten, die ihren Vater lieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Fazel verlor seinen eigenen Vater bereits sehr fr\u00fch. Er wurde Opfer des B\u00fcrgerkriegs in Afghanistan, der von 1989 bis 2001 tausende Menschen das Leben kostete. Auch der Iran mischte in der Zeit schon mit. Es ist allgemein bekannt, dass die schiitischen Hazara-Milizen, die den B\u00fcrgerkrieg ebenfalls mitanfachten, von der Regierung in Teheran unterst\u00fctzt wurden.<\/p>\n\n\n\n

Als Abu Fazel sich nun entschloss, aus der Gewaltspirale auszusteigen und nicht in Syrien zu k\u00e4mpfen, wuchs die Angst bei seiner Familie. Denn f\u00fcr die iranischen Beh\u00f6rden gilt: Hat man sich einmal gemeldet, gibt es kein zur\u00fcck. Man muss an die Front nach Syrien \u2013 oder wird zur\u00fcck nach Afghanistan abgeschoben, wo ebenfalls Krieg herrscht.<\/p>\n\n\n\n

Der einzige Ausweg f\u00fcr den jungen Afghanen war die Flucht. \u00dcber die T\u00fcrkei, Griechenland und die Balkranroute erreichte er mit gro\u00dfer M\u00fche Deutschland, wo er einen Asylantrag stellte.<\/p>\n\n\n\n

Erster Asylantrag in Deutschland abgelehnt<\/h2>\n\n\n\n

Als Grund nannte er seine Rekrutierung als Kindersoldat seitens des iranischen Regimes. Doch w\u00e4hrend diese Begr\u00fcndung in Abu Fazels Augen v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich war, sahen deutsche Beh\u00f6rden das anders. Sein erster Antrag wurde abgelehnt. Derzeit versucht er es ein zweites Mal. Die Bundesrepublik schiebt afghanische Gefl\u00fcchtete weiterhin ab.<\/p>\n\n\n\n

\"EinAbschiebung von Afghanen im Dezember 2016 mit einem Charterflug von Frankfurt nach Kabul. (dpa \/picture alliance \/ Boris Roessler)<\/p>\n\n\n\n

Die Verantwortlichen weisen in diesem Kontext immer wieder auf vermeintlich \u201esichere Gebiete\u201c im Land, die nicht n\u00e4her benannt werden.<\/p>\n\n\n\n

W\u00e4hrenddessen machen Menschenrechtsorganisationen regelm\u00e4\u00dfig darauf aufmerksam, dass keine Region am Hindukusch sicher ist. Stattdessen wird in manchen Gebieten nur weniger Krieg gef\u00fchrt als in anderen.<\/p>\n\n\n\n

\"SieDemonstranten protestieren in Frankfurt am Main gegen die Abschiebung von Afghanen. Auf einem der Transparente steht \u201eAfghanistan is not safe\u201c. (AFP \/ Daniel Roland)<\/p>\n\n\n\n

Alis Vater und Onkel k\u00e4mpfen in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein \u00e4hnliches Schicksal wie Abu Fazel erlitt der 18-j\u00e4hrige Ali (Namen ge\u00e4ndert). Auch er floh aus dem Iran nach Deutschland, um der Rekrutierung f\u00fcr Assads Milizen zu entgehen. Viele seiner afghanischen Freunde sind bereits nach Syrien gezogen \u2013 und kamen niemals zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Alis Familie, ebenfalls Angeh\u00f6rige der Hazara-Minderheit, stammt urspr\u00fcnglich aus der Provinz Ghor im Nordosten Afghanistans. Ihre Heimat verlie\u00dfen sie w\u00e4hrend der sowjetischen Besatzung in den 1980er-Jahren.<\/p>\n\n\n\n

Seit jeher lebt die Familie in der iranischen Gro\u00dfstadt Maschhad. Als der Krieg in Syrien ausbrach, erreichte sie ein Konflikt, mit dem sie nicht gerechnet hatten. Im Juli 2015 reiste Alis Vater nach Teheran. Er wollte einen Weg finden, um f\u00fcr seine Familie Aufenthaltspapiere zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Beh\u00f6rden sagten ihm, dass die Rekrutierung f\u00fcr den Krieg in Syrien eine M\u00f6glichkeit darstellen k\u00f6nnte, um Papiere f\u00fcr uns alle zu erhalten. Andernfalls w\u00fcrde man uns sehr bald nach Afghanistan abschieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Mittlerweile k\u00e4mpfen Alis Vater und sein Onkel seit \u00fcber einem Jahr in Syrien. Am Aufenthaltsstatus seiner Familienmitglieder hat sich bis heute allerdings nichts ge\u00e4ndert. F\u00fcr Ali ist klar, dass dies nur eine Falle gewesen ist, um noch mehr Afghanen als Kanonenfutter zu missbrauchen.<\/p>\n\n\n\n

Anfangs gab es Papiere f\u00fcr K\u00e4mpfer-Familien<\/h2>\n\n\n\n

Den Kontakt zu seinem Vater hat der Afghane mittlerweile verloren. W\u00e4hrenddessen schickt ihm sein Onkel, der in Aleppo stationiert ist, hin und wieder Bilder \u00fcber den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ali denkt, dass nur sehr wenige Afghanen der Propaganda der iranischen Regierung glauben und in Syrien f\u00fcr eine \u201egute Sache\u201c k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

Source<\/a><\/p>\n","post_title":"Warum Afghanen in Syrien f\u00fcr Assad k\u00e4mpfen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"warum-afghanen-in-syrien-fur-assad-kampfen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3709","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3706,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:27:40","post_date_gmt":"2020-08-13 21:27:40","post_content":"\n

Kinder, Frauen, Jesiden \u2013 wer \u00fcberlebt hat, berichtet von Folter, Vergewaltigungen und Gehirnw\u00e4sche. Rund drei Jahre dauerte die Schreckensherrschaft der IS-Miliz in Syrien und Irak. Der Wiederaufbau wird l\u00e4nger dauern und mehr umfassen als H\u00e4user.<\/p>\n\n\n\n

Der Fluss Tigris durchzieht die zweitgr\u00f6\u00dfte Stadt des Iraks und teilt Mosul in Ost und West. Das Westufer ist von Zerst\u00f6rung gezeichnet, die Altstadt nicht mehr als eine einzige graue Tr\u00fcmmerlandschaft. Seit den letzten Bombardements im Juli 2017 kann hier niemand mehr wohnen.<\/p>\n\n\n\n

Die Nouri-Moschee, von deren Kanzel Abu Bakr al-Baghdadi im Juli 2014 sein Kalifat ausrief, hatte die IS-Miliz auf ihrem R\u00fcckzug vorsorglich selbst in die Luft gesprengt, um den Gegnern diesen besonderen Triumph zu verwehren.<\/p>\n\n\n\n

\"ImIm Juli 2017 erobert die irakische Armee Mossul zur\u00fcck. Ruinen sind zu sehen. Ein K\u00e4mpfer der IS-Miliz hat sich ergeben. (Imago \/ Carol Guzy)<\/p>\n\n\n\n

Es ist fraglich, ob die Altstadt dem Original getreu wieder aufgebaut werden kann. Bagdad will demn\u00e4chst \u2013 im Rahmen einer gro\u00dfen Wiederaufbau-Konferenz \u2013 bekannt geben, welche Pl\u00e4ne es hat. Derzeit gilt als gro\u00dfer Fortschritt, dass die Tr\u00fcmmerlandschaft in Teilen wieder begehbar ist \u2013 nachdem mit internationaler Hilfe zahllose Sprengs\u00e4tze beseitigt wurden.<\/p>\n\n\n\n

In Ost-Mossul gibt es weniger Zerst\u00f6rungen<\/h2>\n\n\n\n

J\u00fcngste Sch\u00e4tzungen der Vereinten Nationen besagen, dass es noch Jahre dauern wird, bis alle Minen ger\u00e4umt sind. Solange werden die einstigen Bewohner nicht zur\u00fcckkehren k\u00f6nnen. Manche von ihnen haben Gl\u00fcck im Ungl\u00fcck: Sie haben \u00fcberlebt und sind auf der anderen Seite des Tigris untergekommen, im Osten der Stadt. Der war schon im Januar 2017 von den Terroristen befreit worden. Erstaunlich ist: Dieser Teil Mosuls wirkt fast so, als w\u00e4re der \u201eIS\u201c niemals hier gewesen und als h\u00e4tte es keinen Krieg gegeben.<\/p>\n\n\n\n

\"ImIm Osten Mossuls gibt es weniger Zerst\u00f6rungen als im Westteil. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

Die Zerst\u00f6rungen beschr\u00e4nken sich auf strategisch-wichtige Punkte oder Geb\u00e4ude, in denen sich die Terroristen verschanzt hatten: Br\u00fccken, Moscheen, Krankenh\u00e4user. Doch im Basar herrscht fast so etwas wie Normalit\u00e4t. An St\u00e4nden kaufen Menschen ein \u2013 Obst, Gem\u00fcse, Reis und Nudeln, Backwaren. Kinder schlecken ein Eis. Abu Muhammad, ein ehemaliger Physiklehrer, erkl\u00e4rt, warum der Basar so anders ist als erwartet:<\/p>\n\n\n\n

\u201eDas Leben hatte nie aufgeh\u00f6rt in Mosul. Wir haben weitergelebt. Drei Jahre wurden wir vom \u201aIS\u2018 beherrscht, doch die normalen Leute hatten nichts damit zu tun. Daher kam der Alltag schnell zur\u00fcck. Die Soldaten sind gekommen, haben den Basar wieder aufgemacht und das Leben ging weiter.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Im Osten findet sich heute all das wieder, was die Terror-Miliz unterdr\u00fcckt hatte und bei Missachtung grausam ahndete: Musik in Restaurants und Caf\u00e9s; Sim-Karten f\u00fcr Handys; Internet; Fris\u00f6re, die Haare schneiden, B\u00e4rte stutzen oder gar abrasieren. Und doch: Trotz des lebendigen Treibens wirken Angst und Schrecken nach. Abu Muhammad, fr\u00fch ergraut, erinnert sich:<\/p>\n\n\n\n

\u201eWir haben uns gef\u00fchlt wie zwischen Leben und Tod. Irgendwo dazwischen. Sie haben vom \u201aIS\u2018 geh\u00f6rt; wir haben ihn erlebt: Wir haben erlebt, wie sie mordeten, wie sie Leute aufh\u00e4ngten, wir haben den Krieg erlebt. Wir haben alles gesehen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Mohammed stammt aus dem zerst\u00f6rten Westen der Stadt. Er wohnt heute im Osten. Verwandte haben ihn und seine Familie aufgenommen. So wie ihm ergeht es auch anderen Vertriebenen. Sie leben bei Verwandten und Freunden. Oder in einem der vielen Lager. 700.000 Menschen haben ihr Zuhause verloren \u2013 eine Zahl, die f\u00fcr West-Mosul gilt. Insgesamt gehen die Vereinten Nationen von fast sechs Millionen Menschen aus, die im Irak vor dem \u201aIS\u2018 geflohen sind \u2013 die H\u00e4lfte von ihnen bis heute fern von ihrem Zuhause.<\/p>\n\n\n\n

Binnenfl\u00fcchtlinge im Lager Khabartu<\/h2>\n\n\n\n

Zelte soweit das Auge reicht. Abertausende. Inmitten von Steppe. Das Leben der Menschen ist hart. Sie darben, frieren und verdorren \u2013 wenn im Winter der kalte Wind durch die Steppe fegt und im Sommer die Sonne niederbrennt. Doch sie harren aus, haben wenig Hoffnung auf baldige R\u00fcckkehr. Die meisten kamen 2014 \u2013 hierher, ins Lager Khabartu in Irakisch-Kurdistan.<\/p>\n\n\n\n

\"DasDas Lager Khabartu f\u00fcr irakische Binnenfl\u00fcchtlinge. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

2014, als der \u201eIS\u201c den Nord-Irak \u00fcberfiel. In einem der Zelte lebt auch die Familie von Thomas Abdallah Hammou. Thomas war auf der Flucht von seiner Familie getrennt und von den Dschihadisten verschleppt worden. Damals war er acht Jahre alt. Ein Kind. Drei Jahre blieb er in Geiselhaft, lebte in Mosul.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollten nicht, dass wir spielen. Sie mochten es nicht. Ich habe keine Schule besucht, aber sie gaben uns Koran-Unterricht. Jeden Tag.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas musste seinem eigenen, dem jesidischen Glauben abschw\u00f6ren. Weil der \u201eIS\u201c die Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c betrachtet. Und \u201eUngl\u00e4ubige\u201c, so die Auffassung der Terroristen, m\u00fcssen zwangsbekehrt werden. Oder get\u00f6tet. Die Terroristen hatten dementsprechend die Jesiden entweder an Ort und Stelle ermordet, die meisten im Sinjar, im alten Siedlungsgebiet der Jesiden im Nord-Irak. Tausende. 47 Massengr\u00e4ber sollen mittlerweile gefunden worden sein. Oder aber die Terroristen lie\u00dfen die Jesiden am Leben und nahmen sie in Geiselhaft. Sie machten aus ihnen Sexsklavinnen oder sie bildeten sie aus \u2013 zu Selbstmordattent\u00e4tern. Wie Thomas.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie haben uns st\u00e4ndig geschlagen. Wir mussten Schie\u00dfen \u00fcben. Zwei meiner Freunde haben sich in die Luft gesprengt. Sie sind zum Training. Doch sie kamen nicht zur\u00fcck. Ich war nicht traurig. Sie wollten sich ja in die Luft sprengen. Die \u201aIS\u2018-Leute hatten es nicht von ihnen verlangt. Sie sind freiwillig gegangen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas hat heute einen modernen Haarschnitt; der Nacken ist ausrasiert; der lange Pony in die Stirn gek\u00e4mmt. Im Sommer sah er noch anders aus, kurz nachdem Mosul befreit worden war. Bei einem Luftangriff der Anti-\u201eIS\u201c-Koalition wurde Thomas schwer verletzt aus Tr\u00fcmmern geborgen, dann operiert.<\/p>\n\n\n\n

\"ThomasThomas erholt sich von drei Jahren IS-Gefangenschaft. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

Arbeit mit \u201eDschihadisten-Kindern\u201c<\/h2>\n\n\n\n

Die \u00e4u\u00dferen Wunden sind heute verheilt. Doch wie sieht es aus mit den inneren, den seelischen Verletzungen? Thomas wurde von seiner Familie aufgenommen und bekommt Hilfe. Andere Kinder konnten nicht aufgefangen werden. Bis heute betrachten sie Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c \u2013 so wie es ihnen in der Geiselhaft eingeh\u00e4mmert wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie sind eine gro\u00dfe Gefahr f\u00fcr andere Kinder. Sie leben in Lagern, in einem Zelt, auf sechs mal vier Metern, oder noch weniger! Acht Geschwister, sie spielen zusammen, reden, sie indoktrinieren die anderen! Das ist ein Problem, das wir nicht l\u00f6sen k\u00f6nnen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Sara Hassan ist Sozialarbeiterin. Sie arbeitet in den Lagern, versucht M\u00e4dchen und Frauen, die jahrelang in Geiselhaft vergewaltigt wurden, zu helfen. Unz\u00e4hlige hatte der \u201eIS\u201c einst entf\u00fchrt. Sara arbeitet auch mit den sogenannten \u201eDschihadisten-Kindern\u201c. Sie erz\u00e4hlt, wie \u00fcberfordert alle seien: die Familien, die jesidische Gemeinschaft, die Gesellschaft des Nord-Irak.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIn einem anderen Fall hat sich die Familie am Ende an die Sicherheitskr\u00e4fte gewandt. Doch die wussten auch nicht, wie sie damit umgehen sollten. Monate lang hat die Familie versucht, den Jungen umzuerziehen, zusammen mit Sozialarbeitern. Aber noch immer sehen wir den Hass in seinen Augen \u2013 gegen\u00fcber Kurden, Christen und Jesiden. Als blicke man in die Augen eines IS-Terroristen. Das ist das Problem.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Die Jesiden k\u00f6nnen \u00fcber ihre vom \u201eIS\u201c indoktrinierten Kinder sprechen. Denn niemand zweifelt daran, dass sie Opfer der Tyrannei wurden. Bei den sunnitischen Arabern sieht das anders aus. Da sie derselben Religionsgruppe angeh\u00f6ren wie formal auch die Terroristen, stehen sie unter Generalverdacht, mit dem \u201eIS\u201c gemeinsame Sache gemacht zu haben. Sunnitische Araber trauen sich daher nicht, die Probleme ihrer Kinder \u00f6ffentlich zu machen \u2013 auch wenn sie selbst nichts mit dem \u201eIS\u201c zu tun hatten.<\/p>\n\n\n\n

Unklar ist, wie viele Kinder und Jugendliche im Irak und in Syrien zu Terroristen ausgebildet wurden, dabei noch in Geiselhaft sind oder bereits als \u201eSchl\u00e4fer\u201c darauf warten, zum Einsatz zu kommen. Sie gleichen \u201etickenden Zeitbomben\u201c, die jederzeit explodieren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

Minderheiten haben Angst vor \u201eIS\u201c-Nachfolgern<\/h2>\n\n\n\n

Kamaran Palani spricht davon, dass viele Menschen immer noch gehen wollen, obwohl der \u201eIS\u201c als staats\u00e4hnliches Gebilde nicht mehr besteht. Seine Saat aber, so der Politikwissenschaftler, sei aufgegangen.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollen einfach nicht in diesem Land bleiben. Der IS hat sie dazu gebracht. Jeder hat heute Angst, dass eine andere Organisation kommen wird, Terroristen, die dasselbe anrichten wie zuvor.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Palani forscht am \u201eMiddle East Research Institute\u201c, das seinen Sitz in Erbil hat, der Hauptstadt von Irakisch-Kurdistan. <\/p>\n\n\n\n

\u201e60 bis 65 Prozent der Christen wollen gehen. Das Gleiche gilt f\u00fcr andere Minderheiten: f\u00fcr Jesiden, Schabaks, Turkmenen, Kakais.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

\u201eWir werden niemals wieder mit den Arabern zusammenleben k\u00f6nnen!\u201c \u2013 ein Satz, der heute h\u00e4ufig im Nord-Irak zu h\u00f6ren ist. Gemeint sind die Iraker, die Sunniten und Araber sind \u2013 die einstmals Nachbarn von Jesiden, Christen und Kurden waren \u2013 mit denen man Handel trieb und Hochzeiten feierte, die auch Freunde waren.<\/p>\n\n\n\n

Der Irak ist eine multi-ethnische und multi-religi\u00f6se Gesellschaft, in der die Schiiten die Mehrheit stellen. \u00dcber Jahrhunderte aber hatten die sunnitischen Araber das Sagen, sie missbrauchten die Macht, errichteten ein Schreckensregime \u2013 bis 2003, als Diktator Saddam Hussein von den USA gest\u00fcrzt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c entstand aus Widerstand gegen Schiiten-Herrschaft<\/h2>\n\n\n\n

Jetzt wurde der Spie\u00df umgedreht. Die Amerikaner sorgten daf\u00fcr, dass die Sunniten jegliche Machtposition verloren \u2013 so wurde die irakische Armee, wurde die baathistische Partei aufgel\u00f6st \u2013 ohne ein Pendant zu schaffen, das alle integrierte. Und: Washington unterst\u00fctzte Regierungschef Nouri al-Maliki, einen Schiiten. Maliki sah eine historische Chance gekommen, diskriminierte nun seinerseits seine sunnitischen Landsleute, verwehrte ihnen im \u201eNeuen Irak\u201c die Mitsprache. Im Regime Malikis wurden Sunniten inhaftiert, gefoltert und umgebracht.<\/p>\n\n\n\n

Was viele in den Widerstand trieb. Einige schlossen sich der Terror-Organisation \u201eAl-Qaida\u201c an, unter ihnen f\u00fchrende Milit\u00e4rs der aufgel\u00f6sten Armee Saddam Husseins \u2013 und aus \u201eAl-Qaida\u201c ging sp\u00e4ter der \u201eIS\u201c hervor.<\/p>\n\n\n\n

Als der \u201eIS\u201c dann im Sommer 2014 fast ohne Gegenwehr weite Landstriche in Syrien und im Irak \u00fcberrannte und seinen \u201eStaat\u201c ausrief, sahen auch gew\u00f6hnliche sunnitische Araber einen Wechsel nahen. Viele machten gemeinsame Sache mit den Terroristen, verhinderten die Flucht jesidischer Nachbarn, lieferten sie ihren Schl\u00e4chtern aus. Kamaran Palani:<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c-K\u00e4mpfer haben gesagt, es gehe darum, die W\u00fcrde der sunnitischen Araber wiederherzustellen. Ihre Macht. Ihre Geschichte. Tats\u00e4chlich konnten es die Araber nicht hinnehmen, dass sie ins Abseits gedr\u00e4ngt wurden. Und ich denke, dass sie auch in Zukunft so handeln werden. Wann immer sich die Gelegenheit bietet: Sie werden alles hinter sich lassen \u2013 sich nur darauf konzentrieren.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Misstrauen. Auch bei einem Politikwissenschaftler. Was also tun? Zerst\u00f6rte St\u00e4dte und D\u00f6rfer k\u00f6nnten wieder aufgebaut werden \u2013 wenn denn ein gemeinsamer Wille best\u00fcnde. Doch was, wenn es einen solchen gemeinsamen Willen gar nicht gibt? Wenn Schmerz und Trauer anhalten, wenn die Verbrechen von Terroristen und Helfershelfern nicht geahndet werden, wenn Angst umgeht, Misstrauen und Hass das Miteinander bestimmen.<\/p>\n\n\n\n

\"SyrischeSoldaten in der irakischen Stadt Sindschar nach der R\u00fcckeroberung von der IS-Miliz Ende 2015. (dpa \/ MAXPPP \/ Arnaud Dumontier)<\/p>\n\n\n\n

Kamaran Palani stammt aus der Stadt Makhmour. Drei Tage nur sei der \u201eIS\u201c dort gewesen, sagt er, doch diese Tage h\u00e4tten alles ver\u00e4ndert. Der \u201eIS\u201c habe die Menschen in seiner Heimatstadt verrohen lassen, meint er, das Verh\u00e4ltnis zwischen Kurden und Arabern sei heute tot. Eine R\u00fcckkehr in alte Zeiten h\u00e4lt Palani f\u00fcr falsch.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch denke, es w\u00e4re nicht einfach, in das Jahr 2014 \u2013 also in die Zeit vor dem \u201aIS\u2018 \u2013 zur\u00fcckzukehren. Vor allem aber w\u00e4re es nicht die richtige Politik. Denn eben die hat ja erst zum Aufkommen, zur Existenz des \u201aIS\u2018 gef\u00fchrt.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n


Wie also in Ruinen Neues schaffen? Der Staat muss das Gewaltmonopol zur\u00fcckerlangen, fordert der Politikwissenschaftler. F\u00fcr ihn steht das an erster Stelle. Und dann m\u00fcsse der Staat dringend einen Kurswechsel vornehmen: Er m\u00fcsse integrativ wirken, alle einbinden, auch die Araber, in Sicherheitskr\u00e4fte, Verwaltung und Politik.<\/p>\n\n\n\n

Machtmonopol m\u00fcsste von Milizen zum Staat gehen<\/h2>\n\n\n\n

Die Realit\u00e4t sieht anders aus: Ein Staat Kurdistan, der neue Optionen m\u00f6glich gemacht h\u00e4tte, auch von den Minderheiten gew\u00fcnscht worden war, ist nicht entstanden. Bagdad aber ist fern, der Zentralstaat kaum existent, und wenn, dann ist er schiitisch dominiert. Es sind Milizen, die im Nord-Irak das Geschehen bestimmen, darum rivalisieren, das Machtvakuum zu f\u00fcllen, das durch die Vertreibung des \u201eIS\u201c entstanden ist. Einst im Kampf gegen die Terroristen geeint, sind die Milizen einander heute feind.<\/p>\n\n\n\n

Allen voran die \u201eHashd ash-Shaabi\u201c, schiitisch-irakische Milizen, deren Ausbilder und Kommandeure h\u00e4ufig Iraner sind. Bagdad hat die Haschd als regul\u00e4re Kraft im Kampf gegen den \u201eIS\u201c anerkannt \u2013 obwohl Menschenrechts-Organisationen schwere Vorw\u00fcrfe gegen sie erheben. Fest steht: Die schiitischen Milizen halten D\u00f6rfer besetzt, sind in Mosul f\u00fcr ihr herrisches Auftreten und ihre Willk\u00fcr bekannt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eTats\u00e4chlich sorgen die verschiedenen bewaffneten Gruppen daf\u00fcr, dass die Fl\u00fcchtlinge nicht zur\u00fcckkehren. Und weil sie nicht zur\u00fcckkehren, gibt es auch keinen Wiederaufbau. Die Menschen haben Angst vor den Milizen \u2013 auch davor, dass die einander bek\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die \u201eHashd\u201c m\u00fcssten mithin abziehen. Und mit ihnen die anderen Milizen. Das Machtmonopol m\u00fcsste an den Staat gehen. Doch der Irak ist auch Spielball der Regionalm\u00e4chte: Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien. Sie konkurrieren um Einfluss-Sph\u00e4ren, bedienen sich dabei verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Gruppen im Irak. Deswegen werden die Hashd nicht abziehen. Derzeit sind sie von der iranisch-irakischen Grenze im Osten \u00fcber Bagdad bis hoch zur irakisch-syrischen Grenze im Norden postiert. Einheiten Teherans k\u00f6nnten demnach auf dem Landweg vom Iran bis ans Mittelmeer durchmarschieren.<\/p>\n\n\n\n

Iran und Saudi-Arabien wollen Macht vergr\u00f6\u00dfern<\/h2>\n\n\n\n

Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n

In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n

Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3703,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:24:20","post_date_gmt":"2020-08-13 21:24:20","post_content":"\n

Deutschland str\u00e4ubt sich gegen die R\u00fcckkehr seiner eigenen Staatsb\u00fcrger, die zu IS-Terroristen wurden. Dabei hat die Bundesrepublik den Terror und die Terroristen einst exportiert. Und dies geschah wissentlich, sagt der Islamwissenschaftler Fabian Goldmann.<\/p>\n\n\n\n

Wann haben Sie sich eigentlich zuletzt von deutschen Terroristen distanziert? Zum Beispiel von Robert B.? Der Ex-Bundeswehrsoldat aus Solingen hat mutma\u00dflich bei einem Selbstmordattentat Anfang 2014 50 Menschen mit in den Tod gerissen. <\/p>\n\n\n\n

Oder von Yannik N.? Der junge Freiburger steuerte wahrscheinlich im Jahr 2015 einen mit anderthalb Tonnen Sprengstoff beladenen LKW in eine Menschenmenge und nahm so Dutzenden Personen das Leben.<\/p>\n\n\n\n

Oder von Yamin A.?. Im Sommer 2015 tauchte im Netz ein Video auf, das zeigte, wie der ehemalige Telekom-Azubi aus K\u00f6nigswinter zwei gefesselten Soldaten in den Kopf schoss.
Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Deutsche T\u00e4ter, aber kaum deutsche Opfer<\/h2>\n\n\n\n

Hauptsache nicht bei uns! Dies scheint auch dieser Tage wieder die Maxime zu sein, wenn Politiker und \u00d6ffentlichkeit \u00fcber den Umgang mit deutschen Terroristen diskutieren. Von potenziellen Bedrohungen und Anschlagsgefahren in Deutschland liest man dann. Vom ganz realen Terror, den Deutsche in den vergangenen Jahren \u00fcber die Menschen in Syrien und Irak gebracht haben, h\u00f6rt man hingegen kaum. Ein Terror, der kaum deutsche Opfer aber umso mehr deutsche T\u00e4ter kannte.<\/p>\n\n\n\n

1.050 \u2013 das ist laut Bundesinnenministerium die Anzahl der Dschihadisten, die in den letzten Jahren die Bundesrepublik in Richtung Nahost verlassen hat. Es f\u00e4llt schwer, sich umgekehrtes Szenario \u00fcberhaupt auszumalen. Was w\u00e4re wohl los, h\u00e4tte es nur ein Bruchteil arabischer Terroristen geschafft, bei uns Anschl\u00e4ge zu begehen? Europas \u201eMuslim Bann\u201c? \u00dcberwachungsstaat auf NSA-Niveau?<\/p>\n\n\n\n

Die CSU st\u00fcnde wom\u00f6glich am linken Ende des politischen Spektrums, und auf Twitter w\u00fcrde Trump deutsche Migrationspolitiker zur M\u00e4\u00dfigung aufrufen. Der deutsche Terror in Nahost kommt hingegen seit Jahren ganz ohne Sondersendungen, politische Debatten und Distanzierungsforderungen aus. <\/p>\n\n\n\n

Deutsche K\u00e4mpfer waren nicht nur willenloses Kanonenfutter<\/h2>\n\n\n\n

An fehlendem Wissen liegt das nicht. Von ganzen Einheiten des IS, in denen kein einziger K\u00e4mpfer Arabisch spreche, berichten syrische, irakische und kurdische Soldaten schon seit Jahren. Von Aleppo \u00fcber Raqqa bis Mossul haben Aktivisten und Politiker immer wieder darauf hingewiesen, dass viele der schlimmsten M\u00f6rder in den Reihen des IS Europ\u00e4er sind. Interessiert hat das hier kaum jemand.<\/p>\n\n\n\n

Dabei dienten Deutsche dem Islamischen Staats nicht nur als willenloses Kanonenfutter, wie es oft dargestellt wird. Viele haben seinen Terror mitgepr\u00e4gt. Wie Martin L., der derzeit in kurdischer Haft sitzt. Der Schwei\u00dfer aus Sachsen-Anhalt soll sich vom Folterknecht bis zum Geheimdienstler mit Kontakten bis in die F\u00fchrungsspitze der Terrororganisation hochgearbeitet haben.<\/p>\n\n\n\n

Oder Reda S., Der Prediger aus Berlin-Charlottenburg soll dem IS in Mossul als Bildungsminister gedient haben. Oder der Berliner Ex-Rapper Denis Cuspert, der zu den wichtigsten Personen in der IS-Medienorganisation Al-Hayat geh\u00f6rte. Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Beh\u00f6rden wussten gut Bescheid<\/h2>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich entstand der Islamische Staat nicht in deutschen Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen. Zur deutschen Verantwortung geh\u00f6rt aber auch, dass Politiker und Beh\u00f6rden lange wegschauten, solang nur die T\u00e4ter, aber nicht die Opfer Deutsche waren. Beh\u00f6rden wissen und wussten erschreckend gut Bescheid \u00fcber die Radikalisierung deutscher Islamisten. Ein Gro\u00dfteil der sp\u00e4teren IS-K\u00e4mpfer war polizeibekannt, stand auf Gef\u00e4hrderlisten oder hatte wegen islamistischer Straftaten bereits Haftstrafen verb\u00fc\u00dft. An der Ausreise gehindert wurden sie oftmals dennoch nicht. Die Gefahr, die von deutschen Terroristen ausgeht, interessierte Politik und \u00d6ffentlichkeit erst dann wieder, als ihre Einreise drohte.<\/p>\n\n\n\n

\"Fabian
Fabian Goldmann<\/strong> ist Journalist und Islamwissenschaftler. F\u00fcr verschiedene Magazine und Zeitungen berichtete er viele Jahre aus Nahost. Zurzeit widmet er sich vor allem dem Islam diesseits des Bosporus. Auf seinem Blog Schantall und die Scharia<\/a> bloggt er \u00fcber Islamophobie in Deutschland.<\/p>\n","post_title":"Es sind unsere Terroristen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"es-sind-unsere-terroristen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3703","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3700,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:19:36","post_date_gmt":"2020-08-13 21:19:36","post_content":"\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda? Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda t<\/p>\n\n\n\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda tritt an die Stelle der 2010 verabschiedeten Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014 (siehe IP\/10\/1535<\/a>). In der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda f\u00fcr den Zeitraum 2015-2020 skizziert die Europ\u00e4ische Kommission die Strategie der Union zur Bew\u00e4ltigung der Sicherheitsbedrohungen in der EU.<\/p>\n\n\n\n

Die EU und ihre Mitgliedstaaten sind mit betr\u00e4chtlichen Sicherheitsproblemen konfrontiert. Terrorismus, organisierte Kriminalit\u00e4t und Cyberkriminalit\u00e4t stellen eine zunehmende Gefahr f\u00fcr die europ\u00e4ische Gesellschaft dar, wobei sich Art und Ausma\u00df dieser Gefahr ver\u00e4ndert hat. Europa ist mit den Auswirkungen der politischen Instabilit\u00e4t in seiner unmittelbaren Nachbarschaft konfrontiert, die die Sicherheitsinteressen der EU gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n

Im Zuge der Krisen und Konflikte in Syrien, Irak und Libyen haben sich europ\u00e4ische B\u00fcrger terroristischen Gruppen angeschlossen, die bei ihrer R\u00fcckkehr eine erhebliche Bedrohung darstellen k\u00f6nnen. Die j\u00fcngsten terroristischen Anschl\u00e4ge in Europa zeugen von der zunehmenden Bedrohung durch einen gewaltt\u00e4tigen Extremismus und zeigen, in welchem Ausma\u00df weltweite Konflikte zur Radikalisierung der europ\u00e4ischen B\u00fcrger beitragen.<\/p>\n\n\n\n

Das Online-Umfeld hat sich zunehmend als Ziel f\u00fcr Kriminelle und Terroristen entwickelt. Unabh\u00e4ngig davon, ob es um die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und die Anwerbung von Menschen f\u00fcr terroristische Organisationen geht oder die Verbreitung von Hass oder einen Angriff auf die europ\u00e4ischen Werte und Institutionen, fest steht, dass wir unsere Reaktion auf diese Bedrohungen unbedingt abstimmen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Welcher Mehrwert entsteht durch die EU im Bereich der inneren Sicherheit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Gew\u00e4hrleistung der inneren Sicherheit f\u00e4llt weiterhin in erster Linie in die Zust\u00e4ndigkeit der Mitgliedstaaten. Allerdings werden die Bedrohungen f\u00fcr Europas B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger immer vielf\u00e4ltiger und betreffen in zunehmendem Ma\u00dfe mehrere Mitgliedstaaten. Einzelne Mitgliedstaaten haben die Verantwortung, die Sicherheit an den Au\u00dfengrenzen zu gew\u00e4hrleisten, sind aber nicht mehr in der Lage, diese Herausforderungen allein zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n

Kriminelle und terroristische Aktivit\u00e4ten machen nicht an den Grenzen der EU halt und beschr\u00e4nken sich auch nicht auf Nachbarregionen. Die innere Sicherheit der EU und die globale Sicherheit sind voneinander abh\u00e4ngig und miteinander verkn\u00fcpft. Die Sicherheit der Union h\u00e4ngt in hohem Ma\u00dfe von der Zusammenarbeit mit ihren internationalen Partnern und ihren Nachbarl\u00e4ndern ab.<\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t und des Terrorismus ist eine gemeinsame europ\u00e4ische Aufgabe. Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda sollte von den Mitgliedstaaten und den EU-Organen gemeinsam als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und gemeinsame Ma\u00dfnahmen der Union genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n

Mit Hilfe der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda werden die Polizei- und Strafverfolgungsdienste in verschiedenen Mitgliedstaaten Daten effektiver austauschen und bei der Bek\u00e4mpfung der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t besser zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Die Mitgliedstaaten k\u00f6nnen auf die Unterst\u00fctzung durch die Agenturen der EU z\u00e4hlen. Insbesondere in folgenden Punkten l\u00e4sst sich mit Hilfe der Sicherheitsagenda ein EU-Mehrwert erzielen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n

A) Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und den EU-Agenturen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1<\/strong>: Das Schengener Informationssystem<\/strong> (SIS) wird von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Abfrage von Ausschreibungen von gesuchten oder vermissten Personen und Gegenst\u00e4nden genutzt. Die Kommission wird an der Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Ausschreibungskategorien arbeiten und sich daf\u00fcr einsetzen, dass das SIS zusammen mit der Interpol-Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD)<\/strong> umfassender genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Die Darsteller h\u00e4tten monatelang gedacht, sie k\u00f6nnten nie wieder auf einer B\u00fchne auftreten, sagte die Regisseurin Ronja von Wurmb-Seibel im Deutschlandfunk Kultur. \u201eDann haben sie sich dann so langsam wieder hochgearbeitet.\u201c Heute st\u00fcnden alle wieder auf der B\u00fchne und machten das, was sie vorher auch getan h\u00e4tten, sagte sie. \u201eIch finde sogar noch radikaler und noch politischer.\u201c Die Darsteller setzten sich dadurch noch mehr der Gefahr aus. In ihrem Film kommen sie ausf\u00fchrlich zu Wort.<\/p>\n\n\n\n

Mut zum Theater<\/h2>\n\n\n\n

\u201eTheater selbst ist ein Tabu, wie \u00fcberhaupt jede Form von Kunst\u201c, sagte Wurmb-Seibel \u00fcber die Lage in Afghanistan. Eine K\u00fcnstlerin habe ihr einmal sehr treffend gesagt, dass es schon einer Provokation gleichkomme, alleine auf einer B\u00fchne zu stehen. Es sei dann um so gef\u00e4hrlicher, wenn man auch noch politische Themen auf die B\u00fchne bringe. Einige Schauspieler h\u00e4tten ihre Arbeit sogar auf die Stra\u00dfe verlagert, nachdem mitten in Kabul eine junge Studentin gelyncht worden sei.

by: https:\/\/www.deutschlandfunkkultur.de\/afghanistan-theater-selbst-ist-ein-tabu.1008.de.html?dram:article_id=399972<\/a><\/p>\n","post_title":"\u201eTheater selbst ist ein Tabu\u201c","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"theater-selbst-ist-ein-tabu","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3712","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3709,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:30:50","post_date_gmt":"2020-08-13 21:30:50","post_content":"\n

Drei Millionen Afghanen sind ins Nachbarland Iran geflohen. Viele arbeiten schwarz. Die Aussicht auf einen festen Lohn plus Papiere f\u00fcr die Familie ist verlockend. Die Gegenleistung daf\u00fcr: K\u00e4mpfen in Syrien.<\/p>\n\n\n\n

Wenn Abu Fazel von den Gr\u00e4ueltaten des syrischen B\u00fcrgerkriegs h\u00f6rt, denkt er immer daran, dass er auch beinahe als K\u00e4mpfer auf diesem Schlachtfeld gelandet w\u00e4re. Doch Abu Fazel ist weder Syrer noch wollte er zum sogenannten \u201eIslamischen Staat\u201c. Der 18-J\u00e4hrige ist ein afghanischer Gefl\u00fcchteter, der zur Zeit in Leverkusen lebt.<\/p>\n\n\n\n

Den Gro\u00dfteil seines Lebens verbrachte er im Iran. Seine Familie ist dorthin gefl\u00fcchtet, als er ein Kind war. Doch als die iranische Regierung ihn nach Syrien schicken wollte, um auf der Seite von Machthaber Baschar al-Assad zu k\u00e4mpfen, entschloss er sich zu fliehen.<\/p>\n\n\n\n

\"Fl\u00fcchtlingeGefl\u00fcchtete aus dem Iran und Afghanistan an der Grenze zwischen Mazedonien und Griechenland. (picture alliance \/ dpa \/ Georgi Licovski)<\/p>\n\n\n\n

Tausende afghanische Jugendliche \u2013 die genaue Zahl ist nicht bekannt \u2013 wurden im Iran rekrutiert, um im Krieg in Syrien zu k\u00e4mpfen. Erst vor Kurzem berichtete die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, dass sie die Gr\u00e4ber von acht afghanischen Kindern, die in Syrien get\u00f6tet wurden, identifiziert hat. Laut der Organisation rekrutiert der Iran regelm\u00e4\u00dfig minderj\u00e4hrige K\u00e4mpfer, um sie nach Syrien zu schicken. Unter afghanischen Gefl\u00fcchteten ist diese Praxis schon l\u00e4nger bekannt.<\/p>\n\n\n\n

Rassismus gegen Afghanen im Iran<\/h2>\n\n\n\n

Fast drei Millionen Gefl\u00fcchtete aus Afghanistan sind inzwischen im Iran. Die meisten von ihnen leben in der Illegalit\u00e4t und werden als Schwarzarbeiter, etwa am Bau, ausgebeutet. Rassismus und Ausgrenzung geh\u00f6ren zu ihrem gesellschaftlichen Alltag. Kinder sind davon nicht ausgeschlossen. Im Gegenteil: Vielen afghanischen Kinderm ist es nicht erlaubt, staatliche Schulen zu besuchen. Abu Fazel wurde Zeit seines Lebens von dieser Diskrimierung beeinflusst und verfolgt.<\/p>\n\n\n\n

\u201e'Afghane\u2018 \u2013 das ist dort ein Schimpfwort. Ich h\u00f6rte es von klein auf immer wieder. Der Rassismus gegen Afghanen ist dort v\u00f6llig normal. Meine Herkunft, auf der ich eigentlich stolz war, ist im Iran stets eine Last gewesen. Wir sind dort B\u00fcrger zweiter Klasse.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung der afghanischen Gefl\u00fcchteten ist f\u00fcr Abu Fazel die Spitze jenes Rassismus, den er erlebt hat.<\/p>\n\n\n\n

Iran: Syrien vor sunnitischen Extremisten verteidigen<\/h2>\n\n\n\n

In Syrien k\u00e4mpfen neben den afghanischen Milizen auch andere paramilit\u00e4rische Gruppierungen im Auftrag des Irans: etwa die ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigten Revolutionsgarden, die einst Ayatollah Ruhollah Khomeini pers\u00f6nlich ins Leben rief oder die Basidsch-Milizen. Beiden Gruppierungen sind nicht nur in Syrien aktiv, sondern auch im Irak.<\/p>\n\n\n\n

Obowhl sich das syrische Regime von Baschar al-Assad als s\u00e4kular ausweist, wird es vom Iran, der sich als Repr\u00e4sentant aller muslimischen Schiiten betrachtet, unterst\u00fctzt. Gemeinsames Ziel in Syrien ist es: Schiiten vor sunnitische Extremisten zu verteidigen. Dennoch ist das Regime darauf bedacht, m\u00f6glichst wenig eigene K\u00e4mpfer nach Syrien zu schicken. \u00c4hnlich wie einst w\u00e4hrend des Krieges gegen Saddam Husseins Irak, setzt der Iran auf ausl\u00e4ndische K\u00e4mpfer.<\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung war wie eine Gehirnw\u00e4sche<\/h2>\n\n\n\n

Abu Fazels Familie geh\u00f6rt zur afghanischen Minderheit der schiitischen Hazara \u2013 wie viele Afghanen, die in den Iran gekommen sind. Mittlerweile k\u00e4mpfen Tausende von ihnen in Syrien. Der Iran bezahlt die Afghanen mit einem Sold von wenigen hundert Dollar pro Monat und verspricht ihren Familien eine Aufenthaltsgenehmigung oder eine Arbeitserlaubnis.<\/p>\n\n\n\n

An der Rekrutierung der Afghanen sind sowohl die Revolutionsgarden als auch die erw\u00e4hnten Basidsch-Milizen beteiligt. Abu Fazel beschreibt, wie das Viertel, in dem er gemeinsam mit seiner Familie in Teheran lebte, regelm\u00e4\u00dfig von den K\u00e4mpfern aufgesucht wurde. Viele afghanische Gefl\u00fcchtete lebten dort \u2013 und fielen auf die Gehirnw\u00e4sche der Rattenf\u00e4nger herein.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie trafen junge M\u00e4nner und Jugendliche in den Moscheen und \u00fcberredeten sie, gegen den IS oder Al Qaida zu k\u00e4mpfen. Die Gehirnw\u00e4sche war perfekt. Am Ende merkten viele, darunter auch ich, nicht einmal, dass wir in ihre Propaganda getappt waren. Ihre \u00dcberredungskunst war wirklich sehr speziell. Am Ende hat man Lust, nach Syrien zu gehen, um zu k\u00e4mpfen\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Erfolg hatten die Rekrutierer des Regimes auch bei Abu Fazels Cousin, der zum damaligen Zeitpunkt ebenfalls minderj\u00e4hrig gewesen ist. Er ging nach Syrien und k\u00e4mpfte unter der Flagge der \u201eLiwa Fatemiyoun\u201c, wie die afghanische Division auf Seiten Assads hei\u00dft. Offiziell ist die Aufgabe der Miliz die Verteidigung des Schreines von Zaynab im S\u00fcden von Damaskus. Zaynab war die Enkelin des islamischen Propheten Mohammad. Laut iranischen Staatsmedien k\u00e4mpfen mindestens 20.000 Afghanen in der Division.<\/p>\n\n\n\n

Im August 2014 entschloss sich auch Abu Fazel, nach Syrien zu gehen und zu k\u00e4mpfen. Im selben Monat wurde sein Cousin in der N\u00e4he von Aleppo im Kampf gegen syrische Rebellen get\u00f6tet.<\/p>\n\n\n\n

\u201eMein Cousin wurde dort get\u00f6tet. Auch andere Jungs aus unserer Gegend gingen nach Syrien und fielen dort. Lokale Zeitungen nannten sie \u201aM\u00e4rtyrer\u2018.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Lieber Flucht statt K\u00e4mpfer in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein solcher \u201eM\u00e4rtyrer\u201c wollte Abu Fazel allerdings nicht werden. Er floh eine Woche vor dem Beginn seiner dreimonatigen Kampfausbildung. Es war ihm lieber, ein Leben auf der Flucht zu verbringen, als in Syrien unschuldige Menschen f\u00fcr einen Diktator zu t\u00f6ten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch kam zu dem Schluss, dass ich nicht als M\u00f6rder weiterleben k\u00f6nnte. Stets dachte ich mir, dass selbst die schlimmsten Al-Qaida- oder IS-Terroristen Kinder haben k\u00f6nnten, die ihren Vater lieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Fazel verlor seinen eigenen Vater bereits sehr fr\u00fch. Er wurde Opfer des B\u00fcrgerkriegs in Afghanistan, der von 1989 bis 2001 tausende Menschen das Leben kostete. Auch der Iran mischte in der Zeit schon mit. Es ist allgemein bekannt, dass die schiitischen Hazara-Milizen, die den B\u00fcrgerkrieg ebenfalls mitanfachten, von der Regierung in Teheran unterst\u00fctzt wurden.<\/p>\n\n\n\n

Als Abu Fazel sich nun entschloss, aus der Gewaltspirale auszusteigen und nicht in Syrien zu k\u00e4mpfen, wuchs die Angst bei seiner Familie. Denn f\u00fcr die iranischen Beh\u00f6rden gilt: Hat man sich einmal gemeldet, gibt es kein zur\u00fcck. Man muss an die Front nach Syrien \u2013 oder wird zur\u00fcck nach Afghanistan abgeschoben, wo ebenfalls Krieg herrscht.<\/p>\n\n\n\n

Der einzige Ausweg f\u00fcr den jungen Afghanen war die Flucht. \u00dcber die T\u00fcrkei, Griechenland und die Balkranroute erreichte er mit gro\u00dfer M\u00fche Deutschland, wo er einen Asylantrag stellte.<\/p>\n\n\n\n

Erster Asylantrag in Deutschland abgelehnt<\/h2>\n\n\n\n

Als Grund nannte er seine Rekrutierung als Kindersoldat seitens des iranischen Regimes. Doch w\u00e4hrend diese Begr\u00fcndung in Abu Fazels Augen v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich war, sahen deutsche Beh\u00f6rden das anders. Sein erster Antrag wurde abgelehnt. Derzeit versucht er es ein zweites Mal. Die Bundesrepublik schiebt afghanische Gefl\u00fcchtete weiterhin ab.<\/p>\n\n\n\n

\"EinAbschiebung von Afghanen im Dezember 2016 mit einem Charterflug von Frankfurt nach Kabul. (dpa \/picture alliance \/ Boris Roessler)<\/p>\n\n\n\n

Die Verantwortlichen weisen in diesem Kontext immer wieder auf vermeintlich \u201esichere Gebiete\u201c im Land, die nicht n\u00e4her benannt werden.<\/p>\n\n\n\n

W\u00e4hrenddessen machen Menschenrechtsorganisationen regelm\u00e4\u00dfig darauf aufmerksam, dass keine Region am Hindukusch sicher ist. Stattdessen wird in manchen Gebieten nur weniger Krieg gef\u00fchrt als in anderen.<\/p>\n\n\n\n

\"SieDemonstranten protestieren in Frankfurt am Main gegen die Abschiebung von Afghanen. Auf einem der Transparente steht \u201eAfghanistan is not safe\u201c. (AFP \/ Daniel Roland)<\/p>\n\n\n\n

Alis Vater und Onkel k\u00e4mpfen in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein \u00e4hnliches Schicksal wie Abu Fazel erlitt der 18-j\u00e4hrige Ali (Namen ge\u00e4ndert). Auch er floh aus dem Iran nach Deutschland, um der Rekrutierung f\u00fcr Assads Milizen zu entgehen. Viele seiner afghanischen Freunde sind bereits nach Syrien gezogen \u2013 und kamen niemals zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Alis Familie, ebenfalls Angeh\u00f6rige der Hazara-Minderheit, stammt urspr\u00fcnglich aus der Provinz Ghor im Nordosten Afghanistans. Ihre Heimat verlie\u00dfen sie w\u00e4hrend der sowjetischen Besatzung in den 1980er-Jahren.<\/p>\n\n\n\n

Seit jeher lebt die Familie in der iranischen Gro\u00dfstadt Maschhad. Als der Krieg in Syrien ausbrach, erreichte sie ein Konflikt, mit dem sie nicht gerechnet hatten. Im Juli 2015 reiste Alis Vater nach Teheran. Er wollte einen Weg finden, um f\u00fcr seine Familie Aufenthaltspapiere zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Beh\u00f6rden sagten ihm, dass die Rekrutierung f\u00fcr den Krieg in Syrien eine M\u00f6glichkeit darstellen k\u00f6nnte, um Papiere f\u00fcr uns alle zu erhalten. Andernfalls w\u00fcrde man uns sehr bald nach Afghanistan abschieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Mittlerweile k\u00e4mpfen Alis Vater und sein Onkel seit \u00fcber einem Jahr in Syrien. Am Aufenthaltsstatus seiner Familienmitglieder hat sich bis heute allerdings nichts ge\u00e4ndert. F\u00fcr Ali ist klar, dass dies nur eine Falle gewesen ist, um noch mehr Afghanen als Kanonenfutter zu missbrauchen.<\/p>\n\n\n\n

Anfangs gab es Papiere f\u00fcr K\u00e4mpfer-Familien<\/h2>\n\n\n\n

Den Kontakt zu seinem Vater hat der Afghane mittlerweile verloren. W\u00e4hrenddessen schickt ihm sein Onkel, der in Aleppo stationiert ist, hin und wieder Bilder \u00fcber den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ali denkt, dass nur sehr wenige Afghanen der Propaganda der iranischen Regierung glauben und in Syrien f\u00fcr eine \u201egute Sache\u201c k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

Source<\/a><\/p>\n","post_title":"Warum Afghanen in Syrien f\u00fcr Assad k\u00e4mpfen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"warum-afghanen-in-syrien-fur-assad-kampfen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3709","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3706,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:27:40","post_date_gmt":"2020-08-13 21:27:40","post_content":"\n

Kinder, Frauen, Jesiden \u2013 wer \u00fcberlebt hat, berichtet von Folter, Vergewaltigungen und Gehirnw\u00e4sche. Rund drei Jahre dauerte die Schreckensherrschaft der IS-Miliz in Syrien und Irak. Der Wiederaufbau wird l\u00e4nger dauern und mehr umfassen als H\u00e4user.<\/p>\n\n\n\n

Der Fluss Tigris durchzieht die zweitgr\u00f6\u00dfte Stadt des Iraks und teilt Mosul in Ost und West. Das Westufer ist von Zerst\u00f6rung gezeichnet, die Altstadt nicht mehr als eine einzige graue Tr\u00fcmmerlandschaft. Seit den letzten Bombardements im Juli 2017 kann hier niemand mehr wohnen.<\/p>\n\n\n\n

Die Nouri-Moschee, von deren Kanzel Abu Bakr al-Baghdadi im Juli 2014 sein Kalifat ausrief, hatte die IS-Miliz auf ihrem R\u00fcckzug vorsorglich selbst in die Luft gesprengt, um den Gegnern diesen besonderen Triumph zu verwehren.<\/p>\n\n\n\n

\"ImIm Juli 2017 erobert die irakische Armee Mossul zur\u00fcck. Ruinen sind zu sehen. Ein K\u00e4mpfer der IS-Miliz hat sich ergeben. (Imago \/ Carol Guzy)<\/p>\n\n\n\n

Es ist fraglich, ob die Altstadt dem Original getreu wieder aufgebaut werden kann. Bagdad will demn\u00e4chst \u2013 im Rahmen einer gro\u00dfen Wiederaufbau-Konferenz \u2013 bekannt geben, welche Pl\u00e4ne es hat. Derzeit gilt als gro\u00dfer Fortschritt, dass die Tr\u00fcmmerlandschaft in Teilen wieder begehbar ist \u2013 nachdem mit internationaler Hilfe zahllose Sprengs\u00e4tze beseitigt wurden.<\/p>\n\n\n\n

In Ost-Mossul gibt es weniger Zerst\u00f6rungen<\/h2>\n\n\n\n

J\u00fcngste Sch\u00e4tzungen der Vereinten Nationen besagen, dass es noch Jahre dauern wird, bis alle Minen ger\u00e4umt sind. Solange werden die einstigen Bewohner nicht zur\u00fcckkehren k\u00f6nnen. Manche von ihnen haben Gl\u00fcck im Ungl\u00fcck: Sie haben \u00fcberlebt und sind auf der anderen Seite des Tigris untergekommen, im Osten der Stadt. Der war schon im Januar 2017 von den Terroristen befreit worden. Erstaunlich ist: Dieser Teil Mosuls wirkt fast so, als w\u00e4re der \u201eIS\u201c niemals hier gewesen und als h\u00e4tte es keinen Krieg gegeben.<\/p>\n\n\n\n

\"ImIm Osten Mossuls gibt es weniger Zerst\u00f6rungen als im Westteil. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

Die Zerst\u00f6rungen beschr\u00e4nken sich auf strategisch-wichtige Punkte oder Geb\u00e4ude, in denen sich die Terroristen verschanzt hatten: Br\u00fccken, Moscheen, Krankenh\u00e4user. Doch im Basar herrscht fast so etwas wie Normalit\u00e4t. An St\u00e4nden kaufen Menschen ein \u2013 Obst, Gem\u00fcse, Reis und Nudeln, Backwaren. Kinder schlecken ein Eis. Abu Muhammad, ein ehemaliger Physiklehrer, erkl\u00e4rt, warum der Basar so anders ist als erwartet:<\/p>\n\n\n\n

\u201eDas Leben hatte nie aufgeh\u00f6rt in Mosul. Wir haben weitergelebt. Drei Jahre wurden wir vom \u201aIS\u2018 beherrscht, doch die normalen Leute hatten nichts damit zu tun. Daher kam der Alltag schnell zur\u00fcck. Die Soldaten sind gekommen, haben den Basar wieder aufgemacht und das Leben ging weiter.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Im Osten findet sich heute all das wieder, was die Terror-Miliz unterdr\u00fcckt hatte und bei Missachtung grausam ahndete: Musik in Restaurants und Caf\u00e9s; Sim-Karten f\u00fcr Handys; Internet; Fris\u00f6re, die Haare schneiden, B\u00e4rte stutzen oder gar abrasieren. Und doch: Trotz des lebendigen Treibens wirken Angst und Schrecken nach. Abu Muhammad, fr\u00fch ergraut, erinnert sich:<\/p>\n\n\n\n

\u201eWir haben uns gef\u00fchlt wie zwischen Leben und Tod. Irgendwo dazwischen. Sie haben vom \u201aIS\u2018 geh\u00f6rt; wir haben ihn erlebt: Wir haben erlebt, wie sie mordeten, wie sie Leute aufh\u00e4ngten, wir haben den Krieg erlebt. Wir haben alles gesehen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Mohammed stammt aus dem zerst\u00f6rten Westen der Stadt. Er wohnt heute im Osten. Verwandte haben ihn und seine Familie aufgenommen. So wie ihm ergeht es auch anderen Vertriebenen. Sie leben bei Verwandten und Freunden. Oder in einem der vielen Lager. 700.000 Menschen haben ihr Zuhause verloren \u2013 eine Zahl, die f\u00fcr West-Mosul gilt. Insgesamt gehen die Vereinten Nationen von fast sechs Millionen Menschen aus, die im Irak vor dem \u201aIS\u2018 geflohen sind \u2013 die H\u00e4lfte von ihnen bis heute fern von ihrem Zuhause.<\/p>\n\n\n\n

Binnenfl\u00fcchtlinge im Lager Khabartu<\/h2>\n\n\n\n

Zelte soweit das Auge reicht. Abertausende. Inmitten von Steppe. Das Leben der Menschen ist hart. Sie darben, frieren und verdorren \u2013 wenn im Winter der kalte Wind durch die Steppe fegt und im Sommer die Sonne niederbrennt. Doch sie harren aus, haben wenig Hoffnung auf baldige R\u00fcckkehr. Die meisten kamen 2014 \u2013 hierher, ins Lager Khabartu in Irakisch-Kurdistan.<\/p>\n\n\n\n

\"DasDas Lager Khabartu f\u00fcr irakische Binnenfl\u00fcchtlinge. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

2014, als der \u201eIS\u201c den Nord-Irak \u00fcberfiel. In einem der Zelte lebt auch die Familie von Thomas Abdallah Hammou. Thomas war auf der Flucht von seiner Familie getrennt und von den Dschihadisten verschleppt worden. Damals war er acht Jahre alt. Ein Kind. Drei Jahre blieb er in Geiselhaft, lebte in Mosul.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollten nicht, dass wir spielen. Sie mochten es nicht. Ich habe keine Schule besucht, aber sie gaben uns Koran-Unterricht. Jeden Tag.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas musste seinem eigenen, dem jesidischen Glauben abschw\u00f6ren. Weil der \u201eIS\u201c die Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c betrachtet. Und \u201eUngl\u00e4ubige\u201c, so die Auffassung der Terroristen, m\u00fcssen zwangsbekehrt werden. Oder get\u00f6tet. Die Terroristen hatten dementsprechend die Jesiden entweder an Ort und Stelle ermordet, die meisten im Sinjar, im alten Siedlungsgebiet der Jesiden im Nord-Irak. Tausende. 47 Massengr\u00e4ber sollen mittlerweile gefunden worden sein. Oder aber die Terroristen lie\u00dfen die Jesiden am Leben und nahmen sie in Geiselhaft. Sie machten aus ihnen Sexsklavinnen oder sie bildeten sie aus \u2013 zu Selbstmordattent\u00e4tern. Wie Thomas.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie haben uns st\u00e4ndig geschlagen. Wir mussten Schie\u00dfen \u00fcben. Zwei meiner Freunde haben sich in die Luft gesprengt. Sie sind zum Training. Doch sie kamen nicht zur\u00fcck. Ich war nicht traurig. Sie wollten sich ja in die Luft sprengen. Die \u201aIS\u2018-Leute hatten es nicht von ihnen verlangt. Sie sind freiwillig gegangen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas hat heute einen modernen Haarschnitt; der Nacken ist ausrasiert; der lange Pony in die Stirn gek\u00e4mmt. Im Sommer sah er noch anders aus, kurz nachdem Mosul befreit worden war. Bei einem Luftangriff der Anti-\u201eIS\u201c-Koalition wurde Thomas schwer verletzt aus Tr\u00fcmmern geborgen, dann operiert.<\/p>\n\n\n\n

\"ThomasThomas erholt sich von drei Jahren IS-Gefangenschaft. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

Arbeit mit \u201eDschihadisten-Kindern\u201c<\/h2>\n\n\n\n

Die \u00e4u\u00dferen Wunden sind heute verheilt. Doch wie sieht es aus mit den inneren, den seelischen Verletzungen? Thomas wurde von seiner Familie aufgenommen und bekommt Hilfe. Andere Kinder konnten nicht aufgefangen werden. Bis heute betrachten sie Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c \u2013 so wie es ihnen in der Geiselhaft eingeh\u00e4mmert wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie sind eine gro\u00dfe Gefahr f\u00fcr andere Kinder. Sie leben in Lagern, in einem Zelt, auf sechs mal vier Metern, oder noch weniger! Acht Geschwister, sie spielen zusammen, reden, sie indoktrinieren die anderen! Das ist ein Problem, das wir nicht l\u00f6sen k\u00f6nnen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Sara Hassan ist Sozialarbeiterin. Sie arbeitet in den Lagern, versucht M\u00e4dchen und Frauen, die jahrelang in Geiselhaft vergewaltigt wurden, zu helfen. Unz\u00e4hlige hatte der \u201eIS\u201c einst entf\u00fchrt. Sara arbeitet auch mit den sogenannten \u201eDschihadisten-Kindern\u201c. Sie erz\u00e4hlt, wie \u00fcberfordert alle seien: die Familien, die jesidische Gemeinschaft, die Gesellschaft des Nord-Irak.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIn einem anderen Fall hat sich die Familie am Ende an die Sicherheitskr\u00e4fte gewandt. Doch die wussten auch nicht, wie sie damit umgehen sollten. Monate lang hat die Familie versucht, den Jungen umzuerziehen, zusammen mit Sozialarbeitern. Aber noch immer sehen wir den Hass in seinen Augen \u2013 gegen\u00fcber Kurden, Christen und Jesiden. Als blicke man in die Augen eines IS-Terroristen. Das ist das Problem.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Die Jesiden k\u00f6nnen \u00fcber ihre vom \u201eIS\u201c indoktrinierten Kinder sprechen. Denn niemand zweifelt daran, dass sie Opfer der Tyrannei wurden. Bei den sunnitischen Arabern sieht das anders aus. Da sie derselben Religionsgruppe angeh\u00f6ren wie formal auch die Terroristen, stehen sie unter Generalverdacht, mit dem \u201eIS\u201c gemeinsame Sache gemacht zu haben. Sunnitische Araber trauen sich daher nicht, die Probleme ihrer Kinder \u00f6ffentlich zu machen \u2013 auch wenn sie selbst nichts mit dem \u201eIS\u201c zu tun hatten.<\/p>\n\n\n\n

Unklar ist, wie viele Kinder und Jugendliche im Irak und in Syrien zu Terroristen ausgebildet wurden, dabei noch in Geiselhaft sind oder bereits als \u201eSchl\u00e4fer\u201c darauf warten, zum Einsatz zu kommen. Sie gleichen \u201etickenden Zeitbomben\u201c, die jederzeit explodieren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

Minderheiten haben Angst vor \u201eIS\u201c-Nachfolgern<\/h2>\n\n\n\n

Kamaran Palani spricht davon, dass viele Menschen immer noch gehen wollen, obwohl der \u201eIS\u201c als staats\u00e4hnliches Gebilde nicht mehr besteht. Seine Saat aber, so der Politikwissenschaftler, sei aufgegangen.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollen einfach nicht in diesem Land bleiben. Der IS hat sie dazu gebracht. Jeder hat heute Angst, dass eine andere Organisation kommen wird, Terroristen, die dasselbe anrichten wie zuvor.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Palani forscht am \u201eMiddle East Research Institute\u201c, das seinen Sitz in Erbil hat, der Hauptstadt von Irakisch-Kurdistan. <\/p>\n\n\n\n

\u201e60 bis 65 Prozent der Christen wollen gehen. Das Gleiche gilt f\u00fcr andere Minderheiten: f\u00fcr Jesiden, Schabaks, Turkmenen, Kakais.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

\u201eWir werden niemals wieder mit den Arabern zusammenleben k\u00f6nnen!\u201c \u2013 ein Satz, der heute h\u00e4ufig im Nord-Irak zu h\u00f6ren ist. Gemeint sind die Iraker, die Sunniten und Araber sind \u2013 die einstmals Nachbarn von Jesiden, Christen und Kurden waren \u2013 mit denen man Handel trieb und Hochzeiten feierte, die auch Freunde waren.<\/p>\n\n\n\n

Der Irak ist eine multi-ethnische und multi-religi\u00f6se Gesellschaft, in der die Schiiten die Mehrheit stellen. \u00dcber Jahrhunderte aber hatten die sunnitischen Araber das Sagen, sie missbrauchten die Macht, errichteten ein Schreckensregime \u2013 bis 2003, als Diktator Saddam Hussein von den USA gest\u00fcrzt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c entstand aus Widerstand gegen Schiiten-Herrschaft<\/h2>\n\n\n\n

Jetzt wurde der Spie\u00df umgedreht. Die Amerikaner sorgten daf\u00fcr, dass die Sunniten jegliche Machtposition verloren \u2013 so wurde die irakische Armee, wurde die baathistische Partei aufgel\u00f6st \u2013 ohne ein Pendant zu schaffen, das alle integrierte. Und: Washington unterst\u00fctzte Regierungschef Nouri al-Maliki, einen Schiiten. Maliki sah eine historische Chance gekommen, diskriminierte nun seinerseits seine sunnitischen Landsleute, verwehrte ihnen im \u201eNeuen Irak\u201c die Mitsprache. Im Regime Malikis wurden Sunniten inhaftiert, gefoltert und umgebracht.<\/p>\n\n\n\n

Was viele in den Widerstand trieb. Einige schlossen sich der Terror-Organisation \u201eAl-Qaida\u201c an, unter ihnen f\u00fchrende Milit\u00e4rs der aufgel\u00f6sten Armee Saddam Husseins \u2013 und aus \u201eAl-Qaida\u201c ging sp\u00e4ter der \u201eIS\u201c hervor.<\/p>\n\n\n\n

Als der \u201eIS\u201c dann im Sommer 2014 fast ohne Gegenwehr weite Landstriche in Syrien und im Irak \u00fcberrannte und seinen \u201eStaat\u201c ausrief, sahen auch gew\u00f6hnliche sunnitische Araber einen Wechsel nahen. Viele machten gemeinsame Sache mit den Terroristen, verhinderten die Flucht jesidischer Nachbarn, lieferten sie ihren Schl\u00e4chtern aus. Kamaran Palani:<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c-K\u00e4mpfer haben gesagt, es gehe darum, die W\u00fcrde der sunnitischen Araber wiederherzustellen. Ihre Macht. Ihre Geschichte. Tats\u00e4chlich konnten es die Araber nicht hinnehmen, dass sie ins Abseits gedr\u00e4ngt wurden. Und ich denke, dass sie auch in Zukunft so handeln werden. Wann immer sich die Gelegenheit bietet: Sie werden alles hinter sich lassen \u2013 sich nur darauf konzentrieren.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Misstrauen. Auch bei einem Politikwissenschaftler. Was also tun? Zerst\u00f6rte St\u00e4dte und D\u00f6rfer k\u00f6nnten wieder aufgebaut werden \u2013 wenn denn ein gemeinsamer Wille best\u00fcnde. Doch was, wenn es einen solchen gemeinsamen Willen gar nicht gibt? Wenn Schmerz und Trauer anhalten, wenn die Verbrechen von Terroristen und Helfershelfern nicht geahndet werden, wenn Angst umgeht, Misstrauen und Hass das Miteinander bestimmen.<\/p>\n\n\n\n

\"SyrischeSoldaten in der irakischen Stadt Sindschar nach der R\u00fcckeroberung von der IS-Miliz Ende 2015. (dpa \/ MAXPPP \/ Arnaud Dumontier)<\/p>\n\n\n\n

Kamaran Palani stammt aus der Stadt Makhmour. Drei Tage nur sei der \u201eIS\u201c dort gewesen, sagt er, doch diese Tage h\u00e4tten alles ver\u00e4ndert. Der \u201eIS\u201c habe die Menschen in seiner Heimatstadt verrohen lassen, meint er, das Verh\u00e4ltnis zwischen Kurden und Arabern sei heute tot. Eine R\u00fcckkehr in alte Zeiten h\u00e4lt Palani f\u00fcr falsch.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch denke, es w\u00e4re nicht einfach, in das Jahr 2014 \u2013 also in die Zeit vor dem \u201aIS\u2018 \u2013 zur\u00fcckzukehren. Vor allem aber w\u00e4re es nicht die richtige Politik. Denn eben die hat ja erst zum Aufkommen, zur Existenz des \u201aIS\u2018 gef\u00fchrt.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n


Wie also in Ruinen Neues schaffen? Der Staat muss das Gewaltmonopol zur\u00fcckerlangen, fordert der Politikwissenschaftler. F\u00fcr ihn steht das an erster Stelle. Und dann m\u00fcsse der Staat dringend einen Kurswechsel vornehmen: Er m\u00fcsse integrativ wirken, alle einbinden, auch die Araber, in Sicherheitskr\u00e4fte, Verwaltung und Politik.<\/p>\n\n\n\n

Machtmonopol m\u00fcsste von Milizen zum Staat gehen<\/h2>\n\n\n\n

Die Realit\u00e4t sieht anders aus: Ein Staat Kurdistan, der neue Optionen m\u00f6glich gemacht h\u00e4tte, auch von den Minderheiten gew\u00fcnscht worden war, ist nicht entstanden. Bagdad aber ist fern, der Zentralstaat kaum existent, und wenn, dann ist er schiitisch dominiert. Es sind Milizen, die im Nord-Irak das Geschehen bestimmen, darum rivalisieren, das Machtvakuum zu f\u00fcllen, das durch die Vertreibung des \u201eIS\u201c entstanden ist. Einst im Kampf gegen die Terroristen geeint, sind die Milizen einander heute feind.<\/p>\n\n\n\n

Allen voran die \u201eHashd ash-Shaabi\u201c, schiitisch-irakische Milizen, deren Ausbilder und Kommandeure h\u00e4ufig Iraner sind. Bagdad hat die Haschd als regul\u00e4re Kraft im Kampf gegen den \u201eIS\u201c anerkannt \u2013 obwohl Menschenrechts-Organisationen schwere Vorw\u00fcrfe gegen sie erheben. Fest steht: Die schiitischen Milizen halten D\u00f6rfer besetzt, sind in Mosul f\u00fcr ihr herrisches Auftreten und ihre Willk\u00fcr bekannt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eTats\u00e4chlich sorgen die verschiedenen bewaffneten Gruppen daf\u00fcr, dass die Fl\u00fcchtlinge nicht zur\u00fcckkehren. Und weil sie nicht zur\u00fcckkehren, gibt es auch keinen Wiederaufbau. Die Menschen haben Angst vor den Milizen \u2013 auch davor, dass die einander bek\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die \u201eHashd\u201c m\u00fcssten mithin abziehen. Und mit ihnen die anderen Milizen. Das Machtmonopol m\u00fcsste an den Staat gehen. Doch der Irak ist auch Spielball der Regionalm\u00e4chte: Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien. Sie konkurrieren um Einfluss-Sph\u00e4ren, bedienen sich dabei verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Gruppen im Irak. Deswegen werden die Hashd nicht abziehen. Derzeit sind sie von der iranisch-irakischen Grenze im Osten \u00fcber Bagdad bis hoch zur irakisch-syrischen Grenze im Norden postiert. Einheiten Teherans k\u00f6nnten demnach auf dem Landweg vom Iran bis ans Mittelmeer durchmarschieren.<\/p>\n\n\n\n

Iran und Saudi-Arabien wollen Macht vergr\u00f6\u00dfern<\/h2>\n\n\n\n

Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n

In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n

Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3703,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:24:20","post_date_gmt":"2020-08-13 21:24:20","post_content":"\n

Deutschland str\u00e4ubt sich gegen die R\u00fcckkehr seiner eigenen Staatsb\u00fcrger, die zu IS-Terroristen wurden. Dabei hat die Bundesrepublik den Terror und die Terroristen einst exportiert. Und dies geschah wissentlich, sagt der Islamwissenschaftler Fabian Goldmann.<\/p>\n\n\n\n

Wann haben Sie sich eigentlich zuletzt von deutschen Terroristen distanziert? Zum Beispiel von Robert B.? Der Ex-Bundeswehrsoldat aus Solingen hat mutma\u00dflich bei einem Selbstmordattentat Anfang 2014 50 Menschen mit in den Tod gerissen. <\/p>\n\n\n\n

Oder von Yannik N.? Der junge Freiburger steuerte wahrscheinlich im Jahr 2015 einen mit anderthalb Tonnen Sprengstoff beladenen LKW in eine Menschenmenge und nahm so Dutzenden Personen das Leben.<\/p>\n\n\n\n

Oder von Yamin A.?. Im Sommer 2015 tauchte im Netz ein Video auf, das zeigte, wie der ehemalige Telekom-Azubi aus K\u00f6nigswinter zwei gefesselten Soldaten in den Kopf schoss.
Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Deutsche T\u00e4ter, aber kaum deutsche Opfer<\/h2>\n\n\n\n

Hauptsache nicht bei uns! Dies scheint auch dieser Tage wieder die Maxime zu sein, wenn Politiker und \u00d6ffentlichkeit \u00fcber den Umgang mit deutschen Terroristen diskutieren. Von potenziellen Bedrohungen und Anschlagsgefahren in Deutschland liest man dann. Vom ganz realen Terror, den Deutsche in den vergangenen Jahren \u00fcber die Menschen in Syrien und Irak gebracht haben, h\u00f6rt man hingegen kaum. Ein Terror, der kaum deutsche Opfer aber umso mehr deutsche T\u00e4ter kannte.<\/p>\n\n\n\n

1.050 \u2013 das ist laut Bundesinnenministerium die Anzahl der Dschihadisten, die in den letzten Jahren die Bundesrepublik in Richtung Nahost verlassen hat. Es f\u00e4llt schwer, sich umgekehrtes Szenario \u00fcberhaupt auszumalen. Was w\u00e4re wohl los, h\u00e4tte es nur ein Bruchteil arabischer Terroristen geschafft, bei uns Anschl\u00e4ge zu begehen? Europas \u201eMuslim Bann\u201c? \u00dcberwachungsstaat auf NSA-Niveau?<\/p>\n\n\n\n

Die CSU st\u00fcnde wom\u00f6glich am linken Ende des politischen Spektrums, und auf Twitter w\u00fcrde Trump deutsche Migrationspolitiker zur M\u00e4\u00dfigung aufrufen. Der deutsche Terror in Nahost kommt hingegen seit Jahren ganz ohne Sondersendungen, politische Debatten und Distanzierungsforderungen aus. <\/p>\n\n\n\n

Deutsche K\u00e4mpfer waren nicht nur willenloses Kanonenfutter<\/h2>\n\n\n\n

An fehlendem Wissen liegt das nicht. Von ganzen Einheiten des IS, in denen kein einziger K\u00e4mpfer Arabisch spreche, berichten syrische, irakische und kurdische Soldaten schon seit Jahren. Von Aleppo \u00fcber Raqqa bis Mossul haben Aktivisten und Politiker immer wieder darauf hingewiesen, dass viele der schlimmsten M\u00f6rder in den Reihen des IS Europ\u00e4er sind. Interessiert hat das hier kaum jemand.<\/p>\n\n\n\n

Dabei dienten Deutsche dem Islamischen Staats nicht nur als willenloses Kanonenfutter, wie es oft dargestellt wird. Viele haben seinen Terror mitgepr\u00e4gt. Wie Martin L., der derzeit in kurdischer Haft sitzt. Der Schwei\u00dfer aus Sachsen-Anhalt soll sich vom Folterknecht bis zum Geheimdienstler mit Kontakten bis in die F\u00fchrungsspitze der Terrororganisation hochgearbeitet haben.<\/p>\n\n\n\n

Oder Reda S., Der Prediger aus Berlin-Charlottenburg soll dem IS in Mossul als Bildungsminister gedient haben. Oder der Berliner Ex-Rapper Denis Cuspert, der zu den wichtigsten Personen in der IS-Medienorganisation Al-Hayat geh\u00f6rte. Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Beh\u00f6rden wussten gut Bescheid<\/h2>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich entstand der Islamische Staat nicht in deutschen Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen. Zur deutschen Verantwortung geh\u00f6rt aber auch, dass Politiker und Beh\u00f6rden lange wegschauten, solang nur die T\u00e4ter, aber nicht die Opfer Deutsche waren. Beh\u00f6rden wissen und wussten erschreckend gut Bescheid \u00fcber die Radikalisierung deutscher Islamisten. Ein Gro\u00dfteil der sp\u00e4teren IS-K\u00e4mpfer war polizeibekannt, stand auf Gef\u00e4hrderlisten oder hatte wegen islamistischer Straftaten bereits Haftstrafen verb\u00fc\u00dft. An der Ausreise gehindert wurden sie oftmals dennoch nicht. Die Gefahr, die von deutschen Terroristen ausgeht, interessierte Politik und \u00d6ffentlichkeit erst dann wieder, als ihre Einreise drohte.<\/p>\n\n\n\n

\"Fabian
Fabian Goldmann<\/strong> ist Journalist und Islamwissenschaftler. F\u00fcr verschiedene Magazine und Zeitungen berichtete er viele Jahre aus Nahost. Zurzeit widmet er sich vor allem dem Islam diesseits des Bosporus. Auf seinem Blog Schantall und die Scharia<\/a> bloggt er \u00fcber Islamophobie in Deutschland.<\/p>\n","post_title":"Es sind unsere Terroristen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"es-sind-unsere-terroristen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3703","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3700,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:19:36","post_date_gmt":"2020-08-13 21:19:36","post_content":"\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda? Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda t<\/p>\n\n\n\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda tritt an die Stelle der 2010 verabschiedeten Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014 (siehe IP\/10\/1535<\/a>). In der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda f\u00fcr den Zeitraum 2015-2020 skizziert die Europ\u00e4ische Kommission die Strategie der Union zur Bew\u00e4ltigung der Sicherheitsbedrohungen in der EU.<\/p>\n\n\n\n

Die EU und ihre Mitgliedstaaten sind mit betr\u00e4chtlichen Sicherheitsproblemen konfrontiert. Terrorismus, organisierte Kriminalit\u00e4t und Cyberkriminalit\u00e4t stellen eine zunehmende Gefahr f\u00fcr die europ\u00e4ische Gesellschaft dar, wobei sich Art und Ausma\u00df dieser Gefahr ver\u00e4ndert hat. Europa ist mit den Auswirkungen der politischen Instabilit\u00e4t in seiner unmittelbaren Nachbarschaft konfrontiert, die die Sicherheitsinteressen der EU gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n

Im Zuge der Krisen und Konflikte in Syrien, Irak und Libyen haben sich europ\u00e4ische B\u00fcrger terroristischen Gruppen angeschlossen, die bei ihrer R\u00fcckkehr eine erhebliche Bedrohung darstellen k\u00f6nnen. Die j\u00fcngsten terroristischen Anschl\u00e4ge in Europa zeugen von der zunehmenden Bedrohung durch einen gewaltt\u00e4tigen Extremismus und zeigen, in welchem Ausma\u00df weltweite Konflikte zur Radikalisierung der europ\u00e4ischen B\u00fcrger beitragen.<\/p>\n\n\n\n

Das Online-Umfeld hat sich zunehmend als Ziel f\u00fcr Kriminelle und Terroristen entwickelt. Unabh\u00e4ngig davon, ob es um die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und die Anwerbung von Menschen f\u00fcr terroristische Organisationen geht oder die Verbreitung von Hass oder einen Angriff auf die europ\u00e4ischen Werte und Institutionen, fest steht, dass wir unsere Reaktion auf diese Bedrohungen unbedingt abstimmen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Welcher Mehrwert entsteht durch die EU im Bereich der inneren Sicherheit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Gew\u00e4hrleistung der inneren Sicherheit f\u00e4llt weiterhin in erster Linie in die Zust\u00e4ndigkeit der Mitgliedstaaten. Allerdings werden die Bedrohungen f\u00fcr Europas B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger immer vielf\u00e4ltiger und betreffen in zunehmendem Ma\u00dfe mehrere Mitgliedstaaten. Einzelne Mitgliedstaaten haben die Verantwortung, die Sicherheit an den Au\u00dfengrenzen zu gew\u00e4hrleisten, sind aber nicht mehr in der Lage, diese Herausforderungen allein zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n

Kriminelle und terroristische Aktivit\u00e4ten machen nicht an den Grenzen der EU halt und beschr\u00e4nken sich auch nicht auf Nachbarregionen. Die innere Sicherheit der EU und die globale Sicherheit sind voneinander abh\u00e4ngig und miteinander verkn\u00fcpft. Die Sicherheit der Union h\u00e4ngt in hohem Ma\u00dfe von der Zusammenarbeit mit ihren internationalen Partnern und ihren Nachbarl\u00e4ndern ab.<\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t und des Terrorismus ist eine gemeinsame europ\u00e4ische Aufgabe. Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda sollte von den Mitgliedstaaten und den EU-Organen gemeinsam als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und gemeinsame Ma\u00dfnahmen der Union genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n

Mit Hilfe der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda werden die Polizei- und Strafverfolgungsdienste in verschiedenen Mitgliedstaaten Daten effektiver austauschen und bei der Bek\u00e4mpfung der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t besser zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Die Mitgliedstaaten k\u00f6nnen auf die Unterst\u00fctzung durch die Agenturen der EU z\u00e4hlen. Insbesondere in folgenden Punkten l\u00e4sst sich mit Hilfe der Sicherheitsagenda ein EU-Mehrwert erzielen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n

A) Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und den EU-Agenturen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1<\/strong>: Das Schengener Informationssystem<\/strong> (SIS) wird von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Abfrage von Ausschreibungen von gesuchten oder vermissten Personen und Gegenst\u00e4nden genutzt. Die Kommission wird an der Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Ausschreibungskategorien arbeiten und sich daf\u00fcr einsetzen, dass das SIS zusammen mit der Interpol-Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD)<\/strong> umfassender genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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R\u00fcckkehr auf die B\u00fchne<\/h2>\n\n\n\n

Die Darsteller h\u00e4tten monatelang gedacht, sie k\u00f6nnten nie wieder auf einer B\u00fchne auftreten, sagte die Regisseurin Ronja von Wurmb-Seibel im Deutschlandfunk Kultur. \u201eDann haben sie sich dann so langsam wieder hochgearbeitet.\u201c Heute st\u00fcnden alle wieder auf der B\u00fchne und machten das, was sie vorher auch getan h\u00e4tten, sagte sie. \u201eIch finde sogar noch radikaler und noch politischer.\u201c Die Darsteller setzten sich dadurch noch mehr der Gefahr aus. In ihrem Film kommen sie ausf\u00fchrlich zu Wort.<\/p>\n\n\n\n

Mut zum Theater<\/h2>\n\n\n\n

\u201eTheater selbst ist ein Tabu, wie \u00fcberhaupt jede Form von Kunst\u201c, sagte Wurmb-Seibel \u00fcber die Lage in Afghanistan. Eine K\u00fcnstlerin habe ihr einmal sehr treffend gesagt, dass es schon einer Provokation gleichkomme, alleine auf einer B\u00fchne zu stehen. Es sei dann um so gef\u00e4hrlicher, wenn man auch noch politische Themen auf die B\u00fchne bringe. Einige Schauspieler h\u00e4tten ihre Arbeit sogar auf die Stra\u00dfe verlagert, nachdem mitten in Kabul eine junge Studentin gelyncht worden sei.

by: https:\/\/www.deutschlandfunkkultur.de\/afghanistan-theater-selbst-ist-ein-tabu.1008.de.html?dram:article_id=399972<\/a><\/p>\n","post_title":"\u201eTheater selbst ist ein Tabu\u201c","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"theater-selbst-ist-ein-tabu","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3712","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3709,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:30:50","post_date_gmt":"2020-08-13 21:30:50","post_content":"\n

Drei Millionen Afghanen sind ins Nachbarland Iran geflohen. Viele arbeiten schwarz. Die Aussicht auf einen festen Lohn plus Papiere f\u00fcr die Familie ist verlockend. Die Gegenleistung daf\u00fcr: K\u00e4mpfen in Syrien.<\/p>\n\n\n\n

Wenn Abu Fazel von den Gr\u00e4ueltaten des syrischen B\u00fcrgerkriegs h\u00f6rt, denkt er immer daran, dass er auch beinahe als K\u00e4mpfer auf diesem Schlachtfeld gelandet w\u00e4re. Doch Abu Fazel ist weder Syrer noch wollte er zum sogenannten \u201eIslamischen Staat\u201c. Der 18-J\u00e4hrige ist ein afghanischer Gefl\u00fcchteter, der zur Zeit in Leverkusen lebt.<\/p>\n\n\n\n

Den Gro\u00dfteil seines Lebens verbrachte er im Iran. Seine Familie ist dorthin gefl\u00fcchtet, als er ein Kind war. Doch als die iranische Regierung ihn nach Syrien schicken wollte, um auf der Seite von Machthaber Baschar al-Assad zu k\u00e4mpfen, entschloss er sich zu fliehen.<\/p>\n\n\n\n

\"Fl\u00fcchtlingeGefl\u00fcchtete aus dem Iran und Afghanistan an der Grenze zwischen Mazedonien und Griechenland. (picture alliance \/ dpa \/ Georgi Licovski)<\/p>\n\n\n\n

Tausende afghanische Jugendliche \u2013 die genaue Zahl ist nicht bekannt \u2013 wurden im Iran rekrutiert, um im Krieg in Syrien zu k\u00e4mpfen. Erst vor Kurzem berichtete die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, dass sie die Gr\u00e4ber von acht afghanischen Kindern, die in Syrien get\u00f6tet wurden, identifiziert hat. Laut der Organisation rekrutiert der Iran regelm\u00e4\u00dfig minderj\u00e4hrige K\u00e4mpfer, um sie nach Syrien zu schicken. Unter afghanischen Gefl\u00fcchteten ist diese Praxis schon l\u00e4nger bekannt.<\/p>\n\n\n\n

Rassismus gegen Afghanen im Iran<\/h2>\n\n\n\n

Fast drei Millionen Gefl\u00fcchtete aus Afghanistan sind inzwischen im Iran. Die meisten von ihnen leben in der Illegalit\u00e4t und werden als Schwarzarbeiter, etwa am Bau, ausgebeutet. Rassismus und Ausgrenzung geh\u00f6ren zu ihrem gesellschaftlichen Alltag. Kinder sind davon nicht ausgeschlossen. Im Gegenteil: Vielen afghanischen Kinderm ist es nicht erlaubt, staatliche Schulen zu besuchen. Abu Fazel wurde Zeit seines Lebens von dieser Diskrimierung beeinflusst und verfolgt.<\/p>\n\n\n\n

\u201e'Afghane\u2018 \u2013 das ist dort ein Schimpfwort. Ich h\u00f6rte es von klein auf immer wieder. Der Rassismus gegen Afghanen ist dort v\u00f6llig normal. Meine Herkunft, auf der ich eigentlich stolz war, ist im Iran stets eine Last gewesen. Wir sind dort B\u00fcrger zweiter Klasse.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung der afghanischen Gefl\u00fcchteten ist f\u00fcr Abu Fazel die Spitze jenes Rassismus, den er erlebt hat.<\/p>\n\n\n\n

Iran: Syrien vor sunnitischen Extremisten verteidigen<\/h2>\n\n\n\n

In Syrien k\u00e4mpfen neben den afghanischen Milizen auch andere paramilit\u00e4rische Gruppierungen im Auftrag des Irans: etwa die ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigten Revolutionsgarden, die einst Ayatollah Ruhollah Khomeini pers\u00f6nlich ins Leben rief oder die Basidsch-Milizen. Beiden Gruppierungen sind nicht nur in Syrien aktiv, sondern auch im Irak.<\/p>\n\n\n\n

Obowhl sich das syrische Regime von Baschar al-Assad als s\u00e4kular ausweist, wird es vom Iran, der sich als Repr\u00e4sentant aller muslimischen Schiiten betrachtet, unterst\u00fctzt. Gemeinsames Ziel in Syrien ist es: Schiiten vor sunnitische Extremisten zu verteidigen. Dennoch ist das Regime darauf bedacht, m\u00f6glichst wenig eigene K\u00e4mpfer nach Syrien zu schicken. \u00c4hnlich wie einst w\u00e4hrend des Krieges gegen Saddam Husseins Irak, setzt der Iran auf ausl\u00e4ndische K\u00e4mpfer.<\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung war wie eine Gehirnw\u00e4sche<\/h2>\n\n\n\n

Abu Fazels Familie geh\u00f6rt zur afghanischen Minderheit der schiitischen Hazara \u2013 wie viele Afghanen, die in den Iran gekommen sind. Mittlerweile k\u00e4mpfen Tausende von ihnen in Syrien. Der Iran bezahlt die Afghanen mit einem Sold von wenigen hundert Dollar pro Monat und verspricht ihren Familien eine Aufenthaltsgenehmigung oder eine Arbeitserlaubnis.<\/p>\n\n\n\n

An der Rekrutierung der Afghanen sind sowohl die Revolutionsgarden als auch die erw\u00e4hnten Basidsch-Milizen beteiligt. Abu Fazel beschreibt, wie das Viertel, in dem er gemeinsam mit seiner Familie in Teheran lebte, regelm\u00e4\u00dfig von den K\u00e4mpfern aufgesucht wurde. Viele afghanische Gefl\u00fcchtete lebten dort \u2013 und fielen auf die Gehirnw\u00e4sche der Rattenf\u00e4nger herein.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie trafen junge M\u00e4nner und Jugendliche in den Moscheen und \u00fcberredeten sie, gegen den IS oder Al Qaida zu k\u00e4mpfen. Die Gehirnw\u00e4sche war perfekt. Am Ende merkten viele, darunter auch ich, nicht einmal, dass wir in ihre Propaganda getappt waren. Ihre \u00dcberredungskunst war wirklich sehr speziell. Am Ende hat man Lust, nach Syrien zu gehen, um zu k\u00e4mpfen\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Erfolg hatten die Rekrutierer des Regimes auch bei Abu Fazels Cousin, der zum damaligen Zeitpunkt ebenfalls minderj\u00e4hrig gewesen ist. Er ging nach Syrien und k\u00e4mpfte unter der Flagge der \u201eLiwa Fatemiyoun\u201c, wie die afghanische Division auf Seiten Assads hei\u00dft. Offiziell ist die Aufgabe der Miliz die Verteidigung des Schreines von Zaynab im S\u00fcden von Damaskus. Zaynab war die Enkelin des islamischen Propheten Mohammad. Laut iranischen Staatsmedien k\u00e4mpfen mindestens 20.000 Afghanen in der Division.<\/p>\n\n\n\n

Im August 2014 entschloss sich auch Abu Fazel, nach Syrien zu gehen und zu k\u00e4mpfen. Im selben Monat wurde sein Cousin in der N\u00e4he von Aleppo im Kampf gegen syrische Rebellen get\u00f6tet.<\/p>\n\n\n\n

\u201eMein Cousin wurde dort get\u00f6tet. Auch andere Jungs aus unserer Gegend gingen nach Syrien und fielen dort. Lokale Zeitungen nannten sie \u201aM\u00e4rtyrer\u2018.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Lieber Flucht statt K\u00e4mpfer in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein solcher \u201eM\u00e4rtyrer\u201c wollte Abu Fazel allerdings nicht werden. Er floh eine Woche vor dem Beginn seiner dreimonatigen Kampfausbildung. Es war ihm lieber, ein Leben auf der Flucht zu verbringen, als in Syrien unschuldige Menschen f\u00fcr einen Diktator zu t\u00f6ten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch kam zu dem Schluss, dass ich nicht als M\u00f6rder weiterleben k\u00f6nnte. Stets dachte ich mir, dass selbst die schlimmsten Al-Qaida- oder IS-Terroristen Kinder haben k\u00f6nnten, die ihren Vater lieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Fazel verlor seinen eigenen Vater bereits sehr fr\u00fch. Er wurde Opfer des B\u00fcrgerkriegs in Afghanistan, der von 1989 bis 2001 tausende Menschen das Leben kostete. Auch der Iran mischte in der Zeit schon mit. Es ist allgemein bekannt, dass die schiitischen Hazara-Milizen, die den B\u00fcrgerkrieg ebenfalls mitanfachten, von der Regierung in Teheran unterst\u00fctzt wurden.<\/p>\n\n\n\n

Als Abu Fazel sich nun entschloss, aus der Gewaltspirale auszusteigen und nicht in Syrien zu k\u00e4mpfen, wuchs die Angst bei seiner Familie. Denn f\u00fcr die iranischen Beh\u00f6rden gilt: Hat man sich einmal gemeldet, gibt es kein zur\u00fcck. Man muss an die Front nach Syrien \u2013 oder wird zur\u00fcck nach Afghanistan abgeschoben, wo ebenfalls Krieg herrscht.<\/p>\n\n\n\n

Der einzige Ausweg f\u00fcr den jungen Afghanen war die Flucht. \u00dcber die T\u00fcrkei, Griechenland und die Balkranroute erreichte er mit gro\u00dfer M\u00fche Deutschland, wo er einen Asylantrag stellte.<\/p>\n\n\n\n

Erster Asylantrag in Deutschland abgelehnt<\/h2>\n\n\n\n

Als Grund nannte er seine Rekrutierung als Kindersoldat seitens des iranischen Regimes. Doch w\u00e4hrend diese Begr\u00fcndung in Abu Fazels Augen v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich war, sahen deutsche Beh\u00f6rden das anders. Sein erster Antrag wurde abgelehnt. Derzeit versucht er es ein zweites Mal. Die Bundesrepublik schiebt afghanische Gefl\u00fcchtete weiterhin ab.<\/p>\n\n\n\n

\"EinAbschiebung von Afghanen im Dezember 2016 mit einem Charterflug von Frankfurt nach Kabul. (dpa \/picture alliance \/ Boris Roessler)<\/p>\n\n\n\n

Die Verantwortlichen weisen in diesem Kontext immer wieder auf vermeintlich \u201esichere Gebiete\u201c im Land, die nicht n\u00e4her benannt werden.<\/p>\n\n\n\n

W\u00e4hrenddessen machen Menschenrechtsorganisationen regelm\u00e4\u00dfig darauf aufmerksam, dass keine Region am Hindukusch sicher ist. Stattdessen wird in manchen Gebieten nur weniger Krieg gef\u00fchrt als in anderen.<\/p>\n\n\n\n

\"SieDemonstranten protestieren in Frankfurt am Main gegen die Abschiebung von Afghanen. Auf einem der Transparente steht \u201eAfghanistan is not safe\u201c. (AFP \/ Daniel Roland)<\/p>\n\n\n\n

Alis Vater und Onkel k\u00e4mpfen in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein \u00e4hnliches Schicksal wie Abu Fazel erlitt der 18-j\u00e4hrige Ali (Namen ge\u00e4ndert). Auch er floh aus dem Iran nach Deutschland, um der Rekrutierung f\u00fcr Assads Milizen zu entgehen. Viele seiner afghanischen Freunde sind bereits nach Syrien gezogen \u2013 und kamen niemals zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Alis Familie, ebenfalls Angeh\u00f6rige der Hazara-Minderheit, stammt urspr\u00fcnglich aus der Provinz Ghor im Nordosten Afghanistans. Ihre Heimat verlie\u00dfen sie w\u00e4hrend der sowjetischen Besatzung in den 1980er-Jahren.<\/p>\n\n\n\n

Seit jeher lebt die Familie in der iranischen Gro\u00dfstadt Maschhad. Als der Krieg in Syrien ausbrach, erreichte sie ein Konflikt, mit dem sie nicht gerechnet hatten. Im Juli 2015 reiste Alis Vater nach Teheran. Er wollte einen Weg finden, um f\u00fcr seine Familie Aufenthaltspapiere zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Beh\u00f6rden sagten ihm, dass die Rekrutierung f\u00fcr den Krieg in Syrien eine M\u00f6glichkeit darstellen k\u00f6nnte, um Papiere f\u00fcr uns alle zu erhalten. Andernfalls w\u00fcrde man uns sehr bald nach Afghanistan abschieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Mittlerweile k\u00e4mpfen Alis Vater und sein Onkel seit \u00fcber einem Jahr in Syrien. Am Aufenthaltsstatus seiner Familienmitglieder hat sich bis heute allerdings nichts ge\u00e4ndert. F\u00fcr Ali ist klar, dass dies nur eine Falle gewesen ist, um noch mehr Afghanen als Kanonenfutter zu missbrauchen.<\/p>\n\n\n\n

Anfangs gab es Papiere f\u00fcr K\u00e4mpfer-Familien<\/h2>\n\n\n\n

Den Kontakt zu seinem Vater hat der Afghane mittlerweile verloren. W\u00e4hrenddessen schickt ihm sein Onkel, der in Aleppo stationiert ist, hin und wieder Bilder \u00fcber den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ali denkt, dass nur sehr wenige Afghanen der Propaganda der iranischen Regierung glauben und in Syrien f\u00fcr eine \u201egute Sache\u201c k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

Source<\/a><\/p>\n","post_title":"Warum Afghanen in Syrien f\u00fcr Assad k\u00e4mpfen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"warum-afghanen-in-syrien-fur-assad-kampfen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3709","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3706,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:27:40","post_date_gmt":"2020-08-13 21:27:40","post_content":"\n

Kinder, Frauen, Jesiden \u2013 wer \u00fcberlebt hat, berichtet von Folter, Vergewaltigungen und Gehirnw\u00e4sche. Rund drei Jahre dauerte die Schreckensherrschaft der IS-Miliz in Syrien und Irak. Der Wiederaufbau wird l\u00e4nger dauern und mehr umfassen als H\u00e4user.<\/p>\n\n\n\n

Der Fluss Tigris durchzieht die zweitgr\u00f6\u00dfte Stadt des Iraks und teilt Mosul in Ost und West. Das Westufer ist von Zerst\u00f6rung gezeichnet, die Altstadt nicht mehr als eine einzige graue Tr\u00fcmmerlandschaft. Seit den letzten Bombardements im Juli 2017 kann hier niemand mehr wohnen.<\/p>\n\n\n\n

Die Nouri-Moschee, von deren Kanzel Abu Bakr al-Baghdadi im Juli 2014 sein Kalifat ausrief, hatte die IS-Miliz auf ihrem R\u00fcckzug vorsorglich selbst in die Luft gesprengt, um den Gegnern diesen besonderen Triumph zu verwehren.<\/p>\n\n\n\n

\"ImIm Juli 2017 erobert die irakische Armee Mossul zur\u00fcck. Ruinen sind zu sehen. Ein K\u00e4mpfer der IS-Miliz hat sich ergeben. (Imago \/ Carol Guzy)<\/p>\n\n\n\n

Es ist fraglich, ob die Altstadt dem Original getreu wieder aufgebaut werden kann. Bagdad will demn\u00e4chst \u2013 im Rahmen einer gro\u00dfen Wiederaufbau-Konferenz \u2013 bekannt geben, welche Pl\u00e4ne es hat. Derzeit gilt als gro\u00dfer Fortschritt, dass die Tr\u00fcmmerlandschaft in Teilen wieder begehbar ist \u2013 nachdem mit internationaler Hilfe zahllose Sprengs\u00e4tze beseitigt wurden.<\/p>\n\n\n\n

In Ost-Mossul gibt es weniger Zerst\u00f6rungen<\/h2>\n\n\n\n

J\u00fcngste Sch\u00e4tzungen der Vereinten Nationen besagen, dass es noch Jahre dauern wird, bis alle Minen ger\u00e4umt sind. Solange werden die einstigen Bewohner nicht zur\u00fcckkehren k\u00f6nnen. Manche von ihnen haben Gl\u00fcck im Ungl\u00fcck: Sie haben \u00fcberlebt und sind auf der anderen Seite des Tigris untergekommen, im Osten der Stadt. Der war schon im Januar 2017 von den Terroristen befreit worden. Erstaunlich ist: Dieser Teil Mosuls wirkt fast so, als w\u00e4re der \u201eIS\u201c niemals hier gewesen und als h\u00e4tte es keinen Krieg gegeben.<\/p>\n\n\n\n

\"ImIm Osten Mossuls gibt es weniger Zerst\u00f6rungen als im Westteil. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

Die Zerst\u00f6rungen beschr\u00e4nken sich auf strategisch-wichtige Punkte oder Geb\u00e4ude, in denen sich die Terroristen verschanzt hatten: Br\u00fccken, Moscheen, Krankenh\u00e4user. Doch im Basar herrscht fast so etwas wie Normalit\u00e4t. An St\u00e4nden kaufen Menschen ein \u2013 Obst, Gem\u00fcse, Reis und Nudeln, Backwaren. Kinder schlecken ein Eis. Abu Muhammad, ein ehemaliger Physiklehrer, erkl\u00e4rt, warum der Basar so anders ist als erwartet:<\/p>\n\n\n\n

\u201eDas Leben hatte nie aufgeh\u00f6rt in Mosul. Wir haben weitergelebt. Drei Jahre wurden wir vom \u201aIS\u2018 beherrscht, doch die normalen Leute hatten nichts damit zu tun. Daher kam der Alltag schnell zur\u00fcck. Die Soldaten sind gekommen, haben den Basar wieder aufgemacht und das Leben ging weiter.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Im Osten findet sich heute all das wieder, was die Terror-Miliz unterdr\u00fcckt hatte und bei Missachtung grausam ahndete: Musik in Restaurants und Caf\u00e9s; Sim-Karten f\u00fcr Handys; Internet; Fris\u00f6re, die Haare schneiden, B\u00e4rte stutzen oder gar abrasieren. Und doch: Trotz des lebendigen Treibens wirken Angst und Schrecken nach. Abu Muhammad, fr\u00fch ergraut, erinnert sich:<\/p>\n\n\n\n

\u201eWir haben uns gef\u00fchlt wie zwischen Leben und Tod. Irgendwo dazwischen. Sie haben vom \u201aIS\u2018 geh\u00f6rt; wir haben ihn erlebt: Wir haben erlebt, wie sie mordeten, wie sie Leute aufh\u00e4ngten, wir haben den Krieg erlebt. Wir haben alles gesehen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Mohammed stammt aus dem zerst\u00f6rten Westen der Stadt. Er wohnt heute im Osten. Verwandte haben ihn und seine Familie aufgenommen. So wie ihm ergeht es auch anderen Vertriebenen. Sie leben bei Verwandten und Freunden. Oder in einem der vielen Lager. 700.000 Menschen haben ihr Zuhause verloren \u2013 eine Zahl, die f\u00fcr West-Mosul gilt. Insgesamt gehen die Vereinten Nationen von fast sechs Millionen Menschen aus, die im Irak vor dem \u201aIS\u2018 geflohen sind \u2013 die H\u00e4lfte von ihnen bis heute fern von ihrem Zuhause.<\/p>\n\n\n\n

Binnenfl\u00fcchtlinge im Lager Khabartu<\/h2>\n\n\n\n

Zelte soweit das Auge reicht. Abertausende. Inmitten von Steppe. Das Leben der Menschen ist hart. Sie darben, frieren und verdorren \u2013 wenn im Winter der kalte Wind durch die Steppe fegt und im Sommer die Sonne niederbrennt. Doch sie harren aus, haben wenig Hoffnung auf baldige R\u00fcckkehr. Die meisten kamen 2014 \u2013 hierher, ins Lager Khabartu in Irakisch-Kurdistan.<\/p>\n\n\n\n

\"DasDas Lager Khabartu f\u00fcr irakische Binnenfl\u00fcchtlinge. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

2014, als der \u201eIS\u201c den Nord-Irak \u00fcberfiel. In einem der Zelte lebt auch die Familie von Thomas Abdallah Hammou. Thomas war auf der Flucht von seiner Familie getrennt und von den Dschihadisten verschleppt worden. Damals war er acht Jahre alt. Ein Kind. Drei Jahre blieb er in Geiselhaft, lebte in Mosul.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollten nicht, dass wir spielen. Sie mochten es nicht. Ich habe keine Schule besucht, aber sie gaben uns Koran-Unterricht. Jeden Tag.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas musste seinem eigenen, dem jesidischen Glauben abschw\u00f6ren. Weil der \u201eIS\u201c die Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c betrachtet. Und \u201eUngl\u00e4ubige\u201c, so die Auffassung der Terroristen, m\u00fcssen zwangsbekehrt werden. Oder get\u00f6tet. Die Terroristen hatten dementsprechend die Jesiden entweder an Ort und Stelle ermordet, die meisten im Sinjar, im alten Siedlungsgebiet der Jesiden im Nord-Irak. Tausende. 47 Massengr\u00e4ber sollen mittlerweile gefunden worden sein. Oder aber die Terroristen lie\u00dfen die Jesiden am Leben und nahmen sie in Geiselhaft. Sie machten aus ihnen Sexsklavinnen oder sie bildeten sie aus \u2013 zu Selbstmordattent\u00e4tern. Wie Thomas.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie haben uns st\u00e4ndig geschlagen. Wir mussten Schie\u00dfen \u00fcben. Zwei meiner Freunde haben sich in die Luft gesprengt. Sie sind zum Training. Doch sie kamen nicht zur\u00fcck. Ich war nicht traurig. Sie wollten sich ja in die Luft sprengen. Die \u201aIS\u2018-Leute hatten es nicht von ihnen verlangt. Sie sind freiwillig gegangen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas hat heute einen modernen Haarschnitt; der Nacken ist ausrasiert; der lange Pony in die Stirn gek\u00e4mmt. Im Sommer sah er noch anders aus, kurz nachdem Mosul befreit worden war. Bei einem Luftangriff der Anti-\u201eIS\u201c-Koalition wurde Thomas schwer verletzt aus Tr\u00fcmmern geborgen, dann operiert.<\/p>\n\n\n\n

\"ThomasThomas erholt sich von drei Jahren IS-Gefangenschaft. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

Arbeit mit \u201eDschihadisten-Kindern\u201c<\/h2>\n\n\n\n

Die \u00e4u\u00dferen Wunden sind heute verheilt. Doch wie sieht es aus mit den inneren, den seelischen Verletzungen? Thomas wurde von seiner Familie aufgenommen und bekommt Hilfe. Andere Kinder konnten nicht aufgefangen werden. Bis heute betrachten sie Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c \u2013 so wie es ihnen in der Geiselhaft eingeh\u00e4mmert wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie sind eine gro\u00dfe Gefahr f\u00fcr andere Kinder. Sie leben in Lagern, in einem Zelt, auf sechs mal vier Metern, oder noch weniger! Acht Geschwister, sie spielen zusammen, reden, sie indoktrinieren die anderen! Das ist ein Problem, das wir nicht l\u00f6sen k\u00f6nnen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Sara Hassan ist Sozialarbeiterin. Sie arbeitet in den Lagern, versucht M\u00e4dchen und Frauen, die jahrelang in Geiselhaft vergewaltigt wurden, zu helfen. Unz\u00e4hlige hatte der \u201eIS\u201c einst entf\u00fchrt. Sara arbeitet auch mit den sogenannten \u201eDschihadisten-Kindern\u201c. Sie erz\u00e4hlt, wie \u00fcberfordert alle seien: die Familien, die jesidische Gemeinschaft, die Gesellschaft des Nord-Irak.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIn einem anderen Fall hat sich die Familie am Ende an die Sicherheitskr\u00e4fte gewandt. Doch die wussten auch nicht, wie sie damit umgehen sollten. Monate lang hat die Familie versucht, den Jungen umzuerziehen, zusammen mit Sozialarbeitern. Aber noch immer sehen wir den Hass in seinen Augen \u2013 gegen\u00fcber Kurden, Christen und Jesiden. Als blicke man in die Augen eines IS-Terroristen. Das ist das Problem.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Die Jesiden k\u00f6nnen \u00fcber ihre vom \u201eIS\u201c indoktrinierten Kinder sprechen. Denn niemand zweifelt daran, dass sie Opfer der Tyrannei wurden. Bei den sunnitischen Arabern sieht das anders aus. Da sie derselben Religionsgruppe angeh\u00f6ren wie formal auch die Terroristen, stehen sie unter Generalverdacht, mit dem \u201eIS\u201c gemeinsame Sache gemacht zu haben. Sunnitische Araber trauen sich daher nicht, die Probleme ihrer Kinder \u00f6ffentlich zu machen \u2013 auch wenn sie selbst nichts mit dem \u201eIS\u201c zu tun hatten.<\/p>\n\n\n\n

Unklar ist, wie viele Kinder und Jugendliche im Irak und in Syrien zu Terroristen ausgebildet wurden, dabei noch in Geiselhaft sind oder bereits als \u201eSchl\u00e4fer\u201c darauf warten, zum Einsatz zu kommen. Sie gleichen \u201etickenden Zeitbomben\u201c, die jederzeit explodieren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

Minderheiten haben Angst vor \u201eIS\u201c-Nachfolgern<\/h2>\n\n\n\n

Kamaran Palani spricht davon, dass viele Menschen immer noch gehen wollen, obwohl der \u201eIS\u201c als staats\u00e4hnliches Gebilde nicht mehr besteht. Seine Saat aber, so der Politikwissenschaftler, sei aufgegangen.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollen einfach nicht in diesem Land bleiben. Der IS hat sie dazu gebracht. Jeder hat heute Angst, dass eine andere Organisation kommen wird, Terroristen, die dasselbe anrichten wie zuvor.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Palani forscht am \u201eMiddle East Research Institute\u201c, das seinen Sitz in Erbil hat, der Hauptstadt von Irakisch-Kurdistan. <\/p>\n\n\n\n

\u201e60 bis 65 Prozent der Christen wollen gehen. Das Gleiche gilt f\u00fcr andere Minderheiten: f\u00fcr Jesiden, Schabaks, Turkmenen, Kakais.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

\u201eWir werden niemals wieder mit den Arabern zusammenleben k\u00f6nnen!\u201c \u2013 ein Satz, der heute h\u00e4ufig im Nord-Irak zu h\u00f6ren ist. Gemeint sind die Iraker, die Sunniten und Araber sind \u2013 die einstmals Nachbarn von Jesiden, Christen und Kurden waren \u2013 mit denen man Handel trieb und Hochzeiten feierte, die auch Freunde waren.<\/p>\n\n\n\n

Der Irak ist eine multi-ethnische und multi-religi\u00f6se Gesellschaft, in der die Schiiten die Mehrheit stellen. \u00dcber Jahrhunderte aber hatten die sunnitischen Araber das Sagen, sie missbrauchten die Macht, errichteten ein Schreckensregime \u2013 bis 2003, als Diktator Saddam Hussein von den USA gest\u00fcrzt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c entstand aus Widerstand gegen Schiiten-Herrschaft<\/h2>\n\n\n\n

Jetzt wurde der Spie\u00df umgedreht. Die Amerikaner sorgten daf\u00fcr, dass die Sunniten jegliche Machtposition verloren \u2013 so wurde die irakische Armee, wurde die baathistische Partei aufgel\u00f6st \u2013 ohne ein Pendant zu schaffen, das alle integrierte. Und: Washington unterst\u00fctzte Regierungschef Nouri al-Maliki, einen Schiiten. Maliki sah eine historische Chance gekommen, diskriminierte nun seinerseits seine sunnitischen Landsleute, verwehrte ihnen im \u201eNeuen Irak\u201c die Mitsprache. Im Regime Malikis wurden Sunniten inhaftiert, gefoltert und umgebracht.<\/p>\n\n\n\n

Was viele in den Widerstand trieb. Einige schlossen sich der Terror-Organisation \u201eAl-Qaida\u201c an, unter ihnen f\u00fchrende Milit\u00e4rs der aufgel\u00f6sten Armee Saddam Husseins \u2013 und aus \u201eAl-Qaida\u201c ging sp\u00e4ter der \u201eIS\u201c hervor.<\/p>\n\n\n\n

Als der \u201eIS\u201c dann im Sommer 2014 fast ohne Gegenwehr weite Landstriche in Syrien und im Irak \u00fcberrannte und seinen \u201eStaat\u201c ausrief, sahen auch gew\u00f6hnliche sunnitische Araber einen Wechsel nahen. Viele machten gemeinsame Sache mit den Terroristen, verhinderten die Flucht jesidischer Nachbarn, lieferten sie ihren Schl\u00e4chtern aus. Kamaran Palani:<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c-K\u00e4mpfer haben gesagt, es gehe darum, die W\u00fcrde der sunnitischen Araber wiederherzustellen. Ihre Macht. Ihre Geschichte. Tats\u00e4chlich konnten es die Araber nicht hinnehmen, dass sie ins Abseits gedr\u00e4ngt wurden. Und ich denke, dass sie auch in Zukunft so handeln werden. Wann immer sich die Gelegenheit bietet: Sie werden alles hinter sich lassen \u2013 sich nur darauf konzentrieren.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Misstrauen. Auch bei einem Politikwissenschaftler. Was also tun? Zerst\u00f6rte St\u00e4dte und D\u00f6rfer k\u00f6nnten wieder aufgebaut werden \u2013 wenn denn ein gemeinsamer Wille best\u00fcnde. Doch was, wenn es einen solchen gemeinsamen Willen gar nicht gibt? Wenn Schmerz und Trauer anhalten, wenn die Verbrechen von Terroristen und Helfershelfern nicht geahndet werden, wenn Angst umgeht, Misstrauen und Hass das Miteinander bestimmen.<\/p>\n\n\n\n

\"SyrischeSoldaten in der irakischen Stadt Sindschar nach der R\u00fcckeroberung von der IS-Miliz Ende 2015. (dpa \/ MAXPPP \/ Arnaud Dumontier)<\/p>\n\n\n\n

Kamaran Palani stammt aus der Stadt Makhmour. Drei Tage nur sei der \u201eIS\u201c dort gewesen, sagt er, doch diese Tage h\u00e4tten alles ver\u00e4ndert. Der \u201eIS\u201c habe die Menschen in seiner Heimatstadt verrohen lassen, meint er, das Verh\u00e4ltnis zwischen Kurden und Arabern sei heute tot. Eine R\u00fcckkehr in alte Zeiten h\u00e4lt Palani f\u00fcr falsch.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch denke, es w\u00e4re nicht einfach, in das Jahr 2014 \u2013 also in die Zeit vor dem \u201aIS\u2018 \u2013 zur\u00fcckzukehren. Vor allem aber w\u00e4re es nicht die richtige Politik. Denn eben die hat ja erst zum Aufkommen, zur Existenz des \u201aIS\u2018 gef\u00fchrt.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n


Wie also in Ruinen Neues schaffen? Der Staat muss das Gewaltmonopol zur\u00fcckerlangen, fordert der Politikwissenschaftler. F\u00fcr ihn steht das an erster Stelle. Und dann m\u00fcsse der Staat dringend einen Kurswechsel vornehmen: Er m\u00fcsse integrativ wirken, alle einbinden, auch die Araber, in Sicherheitskr\u00e4fte, Verwaltung und Politik.<\/p>\n\n\n\n

Machtmonopol m\u00fcsste von Milizen zum Staat gehen<\/h2>\n\n\n\n

Die Realit\u00e4t sieht anders aus: Ein Staat Kurdistan, der neue Optionen m\u00f6glich gemacht h\u00e4tte, auch von den Minderheiten gew\u00fcnscht worden war, ist nicht entstanden. Bagdad aber ist fern, der Zentralstaat kaum existent, und wenn, dann ist er schiitisch dominiert. Es sind Milizen, die im Nord-Irak das Geschehen bestimmen, darum rivalisieren, das Machtvakuum zu f\u00fcllen, das durch die Vertreibung des \u201eIS\u201c entstanden ist. Einst im Kampf gegen die Terroristen geeint, sind die Milizen einander heute feind.<\/p>\n\n\n\n

Allen voran die \u201eHashd ash-Shaabi\u201c, schiitisch-irakische Milizen, deren Ausbilder und Kommandeure h\u00e4ufig Iraner sind. Bagdad hat die Haschd als regul\u00e4re Kraft im Kampf gegen den \u201eIS\u201c anerkannt \u2013 obwohl Menschenrechts-Organisationen schwere Vorw\u00fcrfe gegen sie erheben. Fest steht: Die schiitischen Milizen halten D\u00f6rfer besetzt, sind in Mosul f\u00fcr ihr herrisches Auftreten und ihre Willk\u00fcr bekannt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eTats\u00e4chlich sorgen die verschiedenen bewaffneten Gruppen daf\u00fcr, dass die Fl\u00fcchtlinge nicht zur\u00fcckkehren. Und weil sie nicht zur\u00fcckkehren, gibt es auch keinen Wiederaufbau. Die Menschen haben Angst vor den Milizen \u2013 auch davor, dass die einander bek\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die \u201eHashd\u201c m\u00fcssten mithin abziehen. Und mit ihnen die anderen Milizen. Das Machtmonopol m\u00fcsste an den Staat gehen. Doch der Irak ist auch Spielball der Regionalm\u00e4chte: Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien. Sie konkurrieren um Einfluss-Sph\u00e4ren, bedienen sich dabei verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Gruppen im Irak. Deswegen werden die Hashd nicht abziehen. Derzeit sind sie von der iranisch-irakischen Grenze im Osten \u00fcber Bagdad bis hoch zur irakisch-syrischen Grenze im Norden postiert. Einheiten Teherans k\u00f6nnten demnach auf dem Landweg vom Iran bis ans Mittelmeer durchmarschieren.<\/p>\n\n\n\n

Iran und Saudi-Arabien wollen Macht vergr\u00f6\u00dfern<\/h2>\n\n\n\n

Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n

In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n

Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3703,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:24:20","post_date_gmt":"2020-08-13 21:24:20","post_content":"\n

Deutschland str\u00e4ubt sich gegen die R\u00fcckkehr seiner eigenen Staatsb\u00fcrger, die zu IS-Terroristen wurden. Dabei hat die Bundesrepublik den Terror und die Terroristen einst exportiert. Und dies geschah wissentlich, sagt der Islamwissenschaftler Fabian Goldmann.<\/p>\n\n\n\n

Wann haben Sie sich eigentlich zuletzt von deutschen Terroristen distanziert? Zum Beispiel von Robert B.? Der Ex-Bundeswehrsoldat aus Solingen hat mutma\u00dflich bei einem Selbstmordattentat Anfang 2014 50 Menschen mit in den Tod gerissen. <\/p>\n\n\n\n

Oder von Yannik N.? Der junge Freiburger steuerte wahrscheinlich im Jahr 2015 einen mit anderthalb Tonnen Sprengstoff beladenen LKW in eine Menschenmenge und nahm so Dutzenden Personen das Leben.<\/p>\n\n\n\n

Oder von Yamin A.?. Im Sommer 2015 tauchte im Netz ein Video auf, das zeigte, wie der ehemalige Telekom-Azubi aus K\u00f6nigswinter zwei gefesselten Soldaten in den Kopf schoss.
Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Deutsche T\u00e4ter, aber kaum deutsche Opfer<\/h2>\n\n\n\n

Hauptsache nicht bei uns! Dies scheint auch dieser Tage wieder die Maxime zu sein, wenn Politiker und \u00d6ffentlichkeit \u00fcber den Umgang mit deutschen Terroristen diskutieren. Von potenziellen Bedrohungen und Anschlagsgefahren in Deutschland liest man dann. Vom ganz realen Terror, den Deutsche in den vergangenen Jahren \u00fcber die Menschen in Syrien und Irak gebracht haben, h\u00f6rt man hingegen kaum. Ein Terror, der kaum deutsche Opfer aber umso mehr deutsche T\u00e4ter kannte.<\/p>\n\n\n\n

1.050 \u2013 das ist laut Bundesinnenministerium die Anzahl der Dschihadisten, die in den letzten Jahren die Bundesrepublik in Richtung Nahost verlassen hat. Es f\u00e4llt schwer, sich umgekehrtes Szenario \u00fcberhaupt auszumalen. Was w\u00e4re wohl los, h\u00e4tte es nur ein Bruchteil arabischer Terroristen geschafft, bei uns Anschl\u00e4ge zu begehen? Europas \u201eMuslim Bann\u201c? \u00dcberwachungsstaat auf NSA-Niveau?<\/p>\n\n\n\n

Die CSU st\u00fcnde wom\u00f6glich am linken Ende des politischen Spektrums, und auf Twitter w\u00fcrde Trump deutsche Migrationspolitiker zur M\u00e4\u00dfigung aufrufen. Der deutsche Terror in Nahost kommt hingegen seit Jahren ganz ohne Sondersendungen, politische Debatten und Distanzierungsforderungen aus. <\/p>\n\n\n\n

Deutsche K\u00e4mpfer waren nicht nur willenloses Kanonenfutter<\/h2>\n\n\n\n

An fehlendem Wissen liegt das nicht. Von ganzen Einheiten des IS, in denen kein einziger K\u00e4mpfer Arabisch spreche, berichten syrische, irakische und kurdische Soldaten schon seit Jahren. Von Aleppo \u00fcber Raqqa bis Mossul haben Aktivisten und Politiker immer wieder darauf hingewiesen, dass viele der schlimmsten M\u00f6rder in den Reihen des IS Europ\u00e4er sind. Interessiert hat das hier kaum jemand.<\/p>\n\n\n\n

Dabei dienten Deutsche dem Islamischen Staats nicht nur als willenloses Kanonenfutter, wie es oft dargestellt wird. Viele haben seinen Terror mitgepr\u00e4gt. Wie Martin L., der derzeit in kurdischer Haft sitzt. Der Schwei\u00dfer aus Sachsen-Anhalt soll sich vom Folterknecht bis zum Geheimdienstler mit Kontakten bis in die F\u00fchrungsspitze der Terrororganisation hochgearbeitet haben.<\/p>\n\n\n\n

Oder Reda S., Der Prediger aus Berlin-Charlottenburg soll dem IS in Mossul als Bildungsminister gedient haben. Oder der Berliner Ex-Rapper Denis Cuspert, der zu den wichtigsten Personen in der IS-Medienorganisation Al-Hayat geh\u00f6rte. Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Beh\u00f6rden wussten gut Bescheid<\/h2>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich entstand der Islamische Staat nicht in deutschen Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen. Zur deutschen Verantwortung geh\u00f6rt aber auch, dass Politiker und Beh\u00f6rden lange wegschauten, solang nur die T\u00e4ter, aber nicht die Opfer Deutsche waren. Beh\u00f6rden wissen und wussten erschreckend gut Bescheid \u00fcber die Radikalisierung deutscher Islamisten. Ein Gro\u00dfteil der sp\u00e4teren IS-K\u00e4mpfer war polizeibekannt, stand auf Gef\u00e4hrderlisten oder hatte wegen islamistischer Straftaten bereits Haftstrafen verb\u00fc\u00dft. An der Ausreise gehindert wurden sie oftmals dennoch nicht. Die Gefahr, die von deutschen Terroristen ausgeht, interessierte Politik und \u00d6ffentlichkeit erst dann wieder, als ihre Einreise drohte.<\/p>\n\n\n\n

\"Fabian
Fabian Goldmann<\/strong> ist Journalist und Islamwissenschaftler. F\u00fcr verschiedene Magazine und Zeitungen berichtete er viele Jahre aus Nahost. Zurzeit widmet er sich vor allem dem Islam diesseits des Bosporus. Auf seinem Blog Schantall und die Scharia<\/a> bloggt er \u00fcber Islamophobie in Deutschland.<\/p>\n","post_title":"Es sind unsere Terroristen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"es-sind-unsere-terroristen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3703","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3700,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:19:36","post_date_gmt":"2020-08-13 21:19:36","post_content":"\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda? Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda t<\/p>\n\n\n\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda tritt an die Stelle der 2010 verabschiedeten Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014 (siehe IP\/10\/1535<\/a>). In der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda f\u00fcr den Zeitraum 2015-2020 skizziert die Europ\u00e4ische Kommission die Strategie der Union zur Bew\u00e4ltigung der Sicherheitsbedrohungen in der EU.<\/p>\n\n\n\n

Die EU und ihre Mitgliedstaaten sind mit betr\u00e4chtlichen Sicherheitsproblemen konfrontiert. Terrorismus, organisierte Kriminalit\u00e4t und Cyberkriminalit\u00e4t stellen eine zunehmende Gefahr f\u00fcr die europ\u00e4ische Gesellschaft dar, wobei sich Art und Ausma\u00df dieser Gefahr ver\u00e4ndert hat. Europa ist mit den Auswirkungen der politischen Instabilit\u00e4t in seiner unmittelbaren Nachbarschaft konfrontiert, die die Sicherheitsinteressen der EU gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n

Im Zuge der Krisen und Konflikte in Syrien, Irak und Libyen haben sich europ\u00e4ische B\u00fcrger terroristischen Gruppen angeschlossen, die bei ihrer R\u00fcckkehr eine erhebliche Bedrohung darstellen k\u00f6nnen. Die j\u00fcngsten terroristischen Anschl\u00e4ge in Europa zeugen von der zunehmenden Bedrohung durch einen gewaltt\u00e4tigen Extremismus und zeigen, in welchem Ausma\u00df weltweite Konflikte zur Radikalisierung der europ\u00e4ischen B\u00fcrger beitragen.<\/p>\n\n\n\n

Das Online-Umfeld hat sich zunehmend als Ziel f\u00fcr Kriminelle und Terroristen entwickelt. Unabh\u00e4ngig davon, ob es um die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und die Anwerbung von Menschen f\u00fcr terroristische Organisationen geht oder die Verbreitung von Hass oder einen Angriff auf die europ\u00e4ischen Werte und Institutionen, fest steht, dass wir unsere Reaktion auf diese Bedrohungen unbedingt abstimmen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Welcher Mehrwert entsteht durch die EU im Bereich der inneren Sicherheit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Gew\u00e4hrleistung der inneren Sicherheit f\u00e4llt weiterhin in erster Linie in die Zust\u00e4ndigkeit der Mitgliedstaaten. Allerdings werden die Bedrohungen f\u00fcr Europas B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger immer vielf\u00e4ltiger und betreffen in zunehmendem Ma\u00dfe mehrere Mitgliedstaaten. Einzelne Mitgliedstaaten haben die Verantwortung, die Sicherheit an den Au\u00dfengrenzen zu gew\u00e4hrleisten, sind aber nicht mehr in der Lage, diese Herausforderungen allein zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n

Kriminelle und terroristische Aktivit\u00e4ten machen nicht an den Grenzen der EU halt und beschr\u00e4nken sich auch nicht auf Nachbarregionen. Die innere Sicherheit der EU und die globale Sicherheit sind voneinander abh\u00e4ngig und miteinander verkn\u00fcpft. Die Sicherheit der Union h\u00e4ngt in hohem Ma\u00dfe von der Zusammenarbeit mit ihren internationalen Partnern und ihren Nachbarl\u00e4ndern ab.<\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t und des Terrorismus ist eine gemeinsame europ\u00e4ische Aufgabe. Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda sollte von den Mitgliedstaaten und den EU-Organen gemeinsam als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und gemeinsame Ma\u00dfnahmen der Union genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n

Mit Hilfe der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda werden die Polizei- und Strafverfolgungsdienste in verschiedenen Mitgliedstaaten Daten effektiver austauschen und bei der Bek\u00e4mpfung der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t besser zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Die Mitgliedstaaten k\u00f6nnen auf die Unterst\u00fctzung durch die Agenturen der EU z\u00e4hlen. Insbesondere in folgenden Punkten l\u00e4sst sich mit Hilfe der Sicherheitsagenda ein EU-Mehrwert erzielen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n

A) Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und den EU-Agenturen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1<\/strong>: Das Schengener Informationssystem<\/strong> (SIS) wird von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Abfrage von Ausschreibungen von gesuchten oder vermissten Personen und Gegenst\u00e4nden genutzt. Die Kommission wird an der Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Ausschreibungskategorien arbeiten und sich daf\u00fcr einsetzen, dass das SIS zusammen mit der Interpol-Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD)<\/strong> umfassender genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Am 11. Dezember 2014 sprengte sich in Kabul w\u00e4hrend einer Theater-Premiere im franz\u00f6sischen Kulturzentrum ein 17 Jahre alter Selbstmordattent\u00e4ter in die Luft. Einige Zuschauer hielten die Explosion f\u00fcr eine besonders realistische Inszenierung. Der Attent\u00e4ter und zwei Besucher starben, 40 Menschen wurden verletzt. Der Dokumentarfilm \u201eTrue Warriors\u201c<\/a> von  Ronja von Wurmb-Seibel und Niklas Schenck  erz\u00e4hlt die Geschichte der Schauspieler und Musiker, die an diesem Tag auf der B\u00fchne standen.<\/p>\n\n\n\n

R\u00fcckkehr auf die B\u00fchne<\/h2>\n\n\n\n

Die Darsteller h\u00e4tten monatelang gedacht, sie k\u00f6nnten nie wieder auf einer B\u00fchne auftreten, sagte die Regisseurin Ronja von Wurmb-Seibel im Deutschlandfunk Kultur. \u201eDann haben sie sich dann so langsam wieder hochgearbeitet.\u201c Heute st\u00fcnden alle wieder auf der B\u00fchne und machten das, was sie vorher auch getan h\u00e4tten, sagte sie. \u201eIch finde sogar noch radikaler und noch politischer.\u201c Die Darsteller setzten sich dadurch noch mehr der Gefahr aus. In ihrem Film kommen sie ausf\u00fchrlich zu Wort.<\/p>\n\n\n\n

Mut zum Theater<\/h2>\n\n\n\n

\u201eTheater selbst ist ein Tabu, wie \u00fcberhaupt jede Form von Kunst\u201c, sagte Wurmb-Seibel \u00fcber die Lage in Afghanistan. Eine K\u00fcnstlerin habe ihr einmal sehr treffend gesagt, dass es schon einer Provokation gleichkomme, alleine auf einer B\u00fchne zu stehen. Es sei dann um so gef\u00e4hrlicher, wenn man auch noch politische Themen auf die B\u00fchne bringe. Einige Schauspieler h\u00e4tten ihre Arbeit sogar auf die Stra\u00dfe verlagert, nachdem mitten in Kabul eine junge Studentin gelyncht worden sei.

by:
https:\/\/www.deutschlandfunkkultur.de\/afghanistan-theater-selbst-ist-ein-tabu.1008.de.html?dram:article_id=399972<\/a><\/p>\n","post_title":"\u201eTheater selbst ist ein Tabu\u201c","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"theater-selbst-ist-ein-tabu","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3712","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3709,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:30:50","post_date_gmt":"2020-08-13 21:30:50","post_content":"\n

Drei Millionen Afghanen sind ins Nachbarland Iran geflohen. Viele arbeiten schwarz. Die Aussicht auf einen festen Lohn plus Papiere f\u00fcr die Familie ist verlockend. Die Gegenleistung daf\u00fcr: K\u00e4mpfen in Syrien.<\/p>\n\n\n\n

Wenn Abu Fazel von den Gr\u00e4ueltaten des syrischen B\u00fcrgerkriegs h\u00f6rt, denkt er immer daran, dass er auch beinahe als K\u00e4mpfer auf diesem Schlachtfeld gelandet w\u00e4re. Doch Abu Fazel ist weder Syrer noch wollte er zum sogenannten \u201eIslamischen Staat\u201c. Der 18-J\u00e4hrige ist ein afghanischer Gefl\u00fcchteter, der zur Zeit in Leverkusen lebt.<\/p>\n\n\n\n

Den Gro\u00dfteil seines Lebens verbrachte er im Iran. Seine Familie ist dorthin gefl\u00fcchtet, als er ein Kind war. Doch als die iranische Regierung ihn nach Syrien schicken wollte, um auf der Seite von Machthaber Baschar al-Assad zu k\u00e4mpfen, entschloss er sich zu fliehen.<\/p>\n\n\n\n

\"Fl\u00fcchtlingeGefl\u00fcchtete aus dem Iran und Afghanistan an der Grenze zwischen Mazedonien und Griechenland. (picture alliance \/ dpa \/ Georgi Licovski)<\/p>\n\n\n\n

Tausende afghanische Jugendliche \u2013 die genaue Zahl ist nicht bekannt \u2013 wurden im Iran rekrutiert, um im Krieg in Syrien zu k\u00e4mpfen. Erst vor Kurzem berichtete die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, dass sie die Gr\u00e4ber von acht afghanischen Kindern, die in Syrien get\u00f6tet wurden, identifiziert hat. Laut der Organisation rekrutiert der Iran regelm\u00e4\u00dfig minderj\u00e4hrige K\u00e4mpfer, um sie nach Syrien zu schicken. Unter afghanischen Gefl\u00fcchteten ist diese Praxis schon l\u00e4nger bekannt.<\/p>\n\n\n\n

Rassismus gegen Afghanen im Iran<\/h2>\n\n\n\n

Fast drei Millionen Gefl\u00fcchtete aus Afghanistan sind inzwischen im Iran. Die meisten von ihnen leben in der Illegalit\u00e4t und werden als Schwarzarbeiter, etwa am Bau, ausgebeutet. Rassismus und Ausgrenzung geh\u00f6ren zu ihrem gesellschaftlichen Alltag. Kinder sind davon nicht ausgeschlossen. Im Gegenteil: Vielen afghanischen Kinderm ist es nicht erlaubt, staatliche Schulen zu besuchen. Abu Fazel wurde Zeit seines Lebens von dieser Diskrimierung beeinflusst und verfolgt.<\/p>\n\n\n\n

\u201e'Afghane\u2018 \u2013 das ist dort ein Schimpfwort. Ich h\u00f6rte es von klein auf immer wieder. Der Rassismus gegen Afghanen ist dort v\u00f6llig normal. Meine Herkunft, auf der ich eigentlich stolz war, ist im Iran stets eine Last gewesen. Wir sind dort B\u00fcrger zweiter Klasse.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung der afghanischen Gefl\u00fcchteten ist f\u00fcr Abu Fazel die Spitze jenes Rassismus, den er erlebt hat.<\/p>\n\n\n\n

Iran: Syrien vor sunnitischen Extremisten verteidigen<\/h2>\n\n\n\n

In Syrien k\u00e4mpfen neben den afghanischen Milizen auch andere paramilit\u00e4rische Gruppierungen im Auftrag des Irans: etwa die ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigten Revolutionsgarden, die einst Ayatollah Ruhollah Khomeini pers\u00f6nlich ins Leben rief oder die Basidsch-Milizen. Beiden Gruppierungen sind nicht nur in Syrien aktiv, sondern auch im Irak.<\/p>\n\n\n\n

Obowhl sich das syrische Regime von Baschar al-Assad als s\u00e4kular ausweist, wird es vom Iran, der sich als Repr\u00e4sentant aller muslimischen Schiiten betrachtet, unterst\u00fctzt. Gemeinsames Ziel in Syrien ist es: Schiiten vor sunnitische Extremisten zu verteidigen. Dennoch ist das Regime darauf bedacht, m\u00f6glichst wenig eigene K\u00e4mpfer nach Syrien zu schicken. \u00c4hnlich wie einst w\u00e4hrend des Krieges gegen Saddam Husseins Irak, setzt der Iran auf ausl\u00e4ndische K\u00e4mpfer.<\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung war wie eine Gehirnw\u00e4sche<\/h2>\n\n\n\n

Abu Fazels Familie geh\u00f6rt zur afghanischen Minderheit der schiitischen Hazara \u2013 wie viele Afghanen, die in den Iran gekommen sind. Mittlerweile k\u00e4mpfen Tausende von ihnen in Syrien. Der Iran bezahlt die Afghanen mit einem Sold von wenigen hundert Dollar pro Monat und verspricht ihren Familien eine Aufenthaltsgenehmigung oder eine Arbeitserlaubnis.<\/p>\n\n\n\n

An der Rekrutierung der Afghanen sind sowohl die Revolutionsgarden als auch die erw\u00e4hnten Basidsch-Milizen beteiligt. Abu Fazel beschreibt, wie das Viertel, in dem er gemeinsam mit seiner Familie in Teheran lebte, regelm\u00e4\u00dfig von den K\u00e4mpfern aufgesucht wurde. Viele afghanische Gefl\u00fcchtete lebten dort \u2013 und fielen auf die Gehirnw\u00e4sche der Rattenf\u00e4nger herein.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie trafen junge M\u00e4nner und Jugendliche in den Moscheen und \u00fcberredeten sie, gegen den IS oder Al Qaida zu k\u00e4mpfen. Die Gehirnw\u00e4sche war perfekt. Am Ende merkten viele, darunter auch ich, nicht einmal, dass wir in ihre Propaganda getappt waren. Ihre \u00dcberredungskunst war wirklich sehr speziell. Am Ende hat man Lust, nach Syrien zu gehen, um zu k\u00e4mpfen\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Erfolg hatten die Rekrutierer des Regimes auch bei Abu Fazels Cousin, der zum damaligen Zeitpunkt ebenfalls minderj\u00e4hrig gewesen ist. Er ging nach Syrien und k\u00e4mpfte unter der Flagge der \u201eLiwa Fatemiyoun\u201c, wie die afghanische Division auf Seiten Assads hei\u00dft. Offiziell ist die Aufgabe der Miliz die Verteidigung des Schreines von Zaynab im S\u00fcden von Damaskus. Zaynab war die Enkelin des islamischen Propheten Mohammad. Laut iranischen Staatsmedien k\u00e4mpfen mindestens 20.000 Afghanen in der Division.<\/p>\n\n\n\n

Im August 2014 entschloss sich auch Abu Fazel, nach Syrien zu gehen und zu k\u00e4mpfen. Im selben Monat wurde sein Cousin in der N\u00e4he von Aleppo im Kampf gegen syrische Rebellen get\u00f6tet.<\/p>\n\n\n\n

\u201eMein Cousin wurde dort get\u00f6tet. Auch andere Jungs aus unserer Gegend gingen nach Syrien und fielen dort. Lokale Zeitungen nannten sie \u201aM\u00e4rtyrer\u2018.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Lieber Flucht statt K\u00e4mpfer in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein solcher \u201eM\u00e4rtyrer\u201c wollte Abu Fazel allerdings nicht werden. Er floh eine Woche vor dem Beginn seiner dreimonatigen Kampfausbildung. Es war ihm lieber, ein Leben auf der Flucht zu verbringen, als in Syrien unschuldige Menschen f\u00fcr einen Diktator zu t\u00f6ten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch kam zu dem Schluss, dass ich nicht als M\u00f6rder weiterleben k\u00f6nnte. Stets dachte ich mir, dass selbst die schlimmsten Al-Qaida- oder IS-Terroristen Kinder haben k\u00f6nnten, die ihren Vater lieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Fazel verlor seinen eigenen Vater bereits sehr fr\u00fch. Er wurde Opfer des B\u00fcrgerkriegs in Afghanistan, der von 1989 bis 2001 tausende Menschen das Leben kostete. Auch der Iran mischte in der Zeit schon mit. Es ist allgemein bekannt, dass die schiitischen Hazara-Milizen, die den B\u00fcrgerkrieg ebenfalls mitanfachten, von der Regierung in Teheran unterst\u00fctzt wurden.<\/p>\n\n\n\n

Als Abu Fazel sich nun entschloss, aus der Gewaltspirale auszusteigen und nicht in Syrien zu k\u00e4mpfen, wuchs die Angst bei seiner Familie. Denn f\u00fcr die iranischen Beh\u00f6rden gilt: Hat man sich einmal gemeldet, gibt es kein zur\u00fcck. Man muss an die Front nach Syrien \u2013 oder wird zur\u00fcck nach Afghanistan abgeschoben, wo ebenfalls Krieg herrscht.<\/p>\n\n\n\n

Der einzige Ausweg f\u00fcr den jungen Afghanen war die Flucht. \u00dcber die T\u00fcrkei, Griechenland und die Balkranroute erreichte er mit gro\u00dfer M\u00fche Deutschland, wo er einen Asylantrag stellte.<\/p>\n\n\n\n

Erster Asylantrag in Deutschland abgelehnt<\/h2>\n\n\n\n

Als Grund nannte er seine Rekrutierung als Kindersoldat seitens des iranischen Regimes. Doch w\u00e4hrend diese Begr\u00fcndung in Abu Fazels Augen v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich war, sahen deutsche Beh\u00f6rden das anders. Sein erster Antrag wurde abgelehnt. Derzeit versucht er es ein zweites Mal. Die Bundesrepublik schiebt afghanische Gefl\u00fcchtete weiterhin ab.<\/p>\n\n\n\n

\"EinAbschiebung von Afghanen im Dezember 2016 mit einem Charterflug von Frankfurt nach Kabul. (dpa \/picture alliance \/ Boris Roessler)<\/p>\n\n\n\n

Die Verantwortlichen weisen in diesem Kontext immer wieder auf vermeintlich \u201esichere Gebiete\u201c im Land, die nicht n\u00e4her benannt werden.<\/p>\n\n\n\n

W\u00e4hrenddessen machen Menschenrechtsorganisationen regelm\u00e4\u00dfig darauf aufmerksam, dass keine Region am Hindukusch sicher ist. Stattdessen wird in manchen Gebieten nur weniger Krieg gef\u00fchrt als in anderen.<\/p>\n\n\n\n

\"SieDemonstranten protestieren in Frankfurt am Main gegen die Abschiebung von Afghanen. Auf einem der Transparente steht \u201eAfghanistan is not safe\u201c. (AFP \/ Daniel Roland)<\/p>\n\n\n\n

Alis Vater und Onkel k\u00e4mpfen in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein \u00e4hnliches Schicksal wie Abu Fazel erlitt der 18-j\u00e4hrige Ali (Namen ge\u00e4ndert). Auch er floh aus dem Iran nach Deutschland, um der Rekrutierung f\u00fcr Assads Milizen zu entgehen. Viele seiner afghanischen Freunde sind bereits nach Syrien gezogen \u2013 und kamen niemals zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Alis Familie, ebenfalls Angeh\u00f6rige der Hazara-Minderheit, stammt urspr\u00fcnglich aus der Provinz Ghor im Nordosten Afghanistans. Ihre Heimat verlie\u00dfen sie w\u00e4hrend der sowjetischen Besatzung in den 1980er-Jahren.<\/p>\n\n\n\n

Seit jeher lebt die Familie in der iranischen Gro\u00dfstadt Maschhad. Als der Krieg in Syrien ausbrach, erreichte sie ein Konflikt, mit dem sie nicht gerechnet hatten. Im Juli 2015 reiste Alis Vater nach Teheran. Er wollte einen Weg finden, um f\u00fcr seine Familie Aufenthaltspapiere zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Beh\u00f6rden sagten ihm, dass die Rekrutierung f\u00fcr den Krieg in Syrien eine M\u00f6glichkeit darstellen k\u00f6nnte, um Papiere f\u00fcr uns alle zu erhalten. Andernfalls w\u00fcrde man uns sehr bald nach Afghanistan abschieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Mittlerweile k\u00e4mpfen Alis Vater und sein Onkel seit \u00fcber einem Jahr in Syrien. Am Aufenthaltsstatus seiner Familienmitglieder hat sich bis heute allerdings nichts ge\u00e4ndert. F\u00fcr Ali ist klar, dass dies nur eine Falle gewesen ist, um noch mehr Afghanen als Kanonenfutter zu missbrauchen.<\/p>\n\n\n\n

Anfangs gab es Papiere f\u00fcr K\u00e4mpfer-Familien<\/h2>\n\n\n\n

Den Kontakt zu seinem Vater hat der Afghane mittlerweile verloren. W\u00e4hrenddessen schickt ihm sein Onkel, der in Aleppo stationiert ist, hin und wieder Bilder \u00fcber den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ali denkt, dass nur sehr wenige Afghanen der Propaganda der iranischen Regierung glauben und in Syrien f\u00fcr eine \u201egute Sache\u201c k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

Source<\/a><\/p>\n","post_title":"Warum Afghanen in Syrien f\u00fcr Assad k\u00e4mpfen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"warum-afghanen-in-syrien-fur-assad-kampfen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3709","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3706,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:27:40","post_date_gmt":"2020-08-13 21:27:40","post_content":"\n

Kinder, Frauen, Jesiden \u2013 wer \u00fcberlebt hat, berichtet von Folter, Vergewaltigungen und Gehirnw\u00e4sche. Rund drei Jahre dauerte die Schreckensherrschaft der IS-Miliz in Syrien und Irak. Der Wiederaufbau wird l\u00e4nger dauern und mehr umfassen als H\u00e4user.<\/p>\n\n\n\n

Der Fluss Tigris durchzieht die zweitgr\u00f6\u00dfte Stadt des Iraks und teilt Mosul in Ost und West. Das Westufer ist von Zerst\u00f6rung gezeichnet, die Altstadt nicht mehr als eine einzige graue Tr\u00fcmmerlandschaft. Seit den letzten Bombardements im Juli 2017 kann hier niemand mehr wohnen.<\/p>\n\n\n\n

Die Nouri-Moschee, von deren Kanzel Abu Bakr al-Baghdadi im Juli 2014 sein Kalifat ausrief, hatte die IS-Miliz auf ihrem R\u00fcckzug vorsorglich selbst in die Luft gesprengt, um den Gegnern diesen besonderen Triumph zu verwehren.<\/p>\n\n\n\n

\"ImIm Juli 2017 erobert die irakische Armee Mossul zur\u00fcck. Ruinen sind zu sehen. Ein K\u00e4mpfer der IS-Miliz hat sich ergeben. (Imago \/ Carol Guzy)<\/p>\n\n\n\n

Es ist fraglich, ob die Altstadt dem Original getreu wieder aufgebaut werden kann. Bagdad will demn\u00e4chst \u2013 im Rahmen einer gro\u00dfen Wiederaufbau-Konferenz \u2013 bekannt geben, welche Pl\u00e4ne es hat. Derzeit gilt als gro\u00dfer Fortschritt, dass die Tr\u00fcmmerlandschaft in Teilen wieder begehbar ist \u2013 nachdem mit internationaler Hilfe zahllose Sprengs\u00e4tze beseitigt wurden.<\/p>\n\n\n\n

In Ost-Mossul gibt es weniger Zerst\u00f6rungen<\/h2>\n\n\n\n

J\u00fcngste Sch\u00e4tzungen der Vereinten Nationen besagen, dass es noch Jahre dauern wird, bis alle Minen ger\u00e4umt sind. Solange werden die einstigen Bewohner nicht zur\u00fcckkehren k\u00f6nnen. Manche von ihnen haben Gl\u00fcck im Ungl\u00fcck: Sie haben \u00fcberlebt und sind auf der anderen Seite des Tigris untergekommen, im Osten der Stadt. Der war schon im Januar 2017 von den Terroristen befreit worden. Erstaunlich ist: Dieser Teil Mosuls wirkt fast so, als w\u00e4re der \u201eIS\u201c niemals hier gewesen und als h\u00e4tte es keinen Krieg gegeben.<\/p>\n\n\n\n

\"ImIm Osten Mossuls gibt es weniger Zerst\u00f6rungen als im Westteil. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

Die Zerst\u00f6rungen beschr\u00e4nken sich auf strategisch-wichtige Punkte oder Geb\u00e4ude, in denen sich die Terroristen verschanzt hatten: Br\u00fccken, Moscheen, Krankenh\u00e4user. Doch im Basar herrscht fast so etwas wie Normalit\u00e4t. An St\u00e4nden kaufen Menschen ein \u2013 Obst, Gem\u00fcse, Reis und Nudeln, Backwaren. Kinder schlecken ein Eis. Abu Muhammad, ein ehemaliger Physiklehrer, erkl\u00e4rt, warum der Basar so anders ist als erwartet:<\/p>\n\n\n\n

\u201eDas Leben hatte nie aufgeh\u00f6rt in Mosul. Wir haben weitergelebt. Drei Jahre wurden wir vom \u201aIS\u2018 beherrscht, doch die normalen Leute hatten nichts damit zu tun. Daher kam der Alltag schnell zur\u00fcck. Die Soldaten sind gekommen, haben den Basar wieder aufgemacht und das Leben ging weiter.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Im Osten findet sich heute all das wieder, was die Terror-Miliz unterdr\u00fcckt hatte und bei Missachtung grausam ahndete: Musik in Restaurants und Caf\u00e9s; Sim-Karten f\u00fcr Handys; Internet; Fris\u00f6re, die Haare schneiden, B\u00e4rte stutzen oder gar abrasieren. Und doch: Trotz des lebendigen Treibens wirken Angst und Schrecken nach. Abu Muhammad, fr\u00fch ergraut, erinnert sich:<\/p>\n\n\n\n

\u201eWir haben uns gef\u00fchlt wie zwischen Leben und Tod. Irgendwo dazwischen. Sie haben vom \u201aIS\u2018 geh\u00f6rt; wir haben ihn erlebt: Wir haben erlebt, wie sie mordeten, wie sie Leute aufh\u00e4ngten, wir haben den Krieg erlebt. Wir haben alles gesehen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Mohammed stammt aus dem zerst\u00f6rten Westen der Stadt. Er wohnt heute im Osten. Verwandte haben ihn und seine Familie aufgenommen. So wie ihm ergeht es auch anderen Vertriebenen. Sie leben bei Verwandten und Freunden. Oder in einem der vielen Lager. 700.000 Menschen haben ihr Zuhause verloren \u2013 eine Zahl, die f\u00fcr West-Mosul gilt. Insgesamt gehen die Vereinten Nationen von fast sechs Millionen Menschen aus, die im Irak vor dem \u201aIS\u2018 geflohen sind \u2013 die H\u00e4lfte von ihnen bis heute fern von ihrem Zuhause.<\/p>\n\n\n\n

Binnenfl\u00fcchtlinge im Lager Khabartu<\/h2>\n\n\n\n

Zelte soweit das Auge reicht. Abertausende. Inmitten von Steppe. Das Leben der Menschen ist hart. Sie darben, frieren und verdorren \u2013 wenn im Winter der kalte Wind durch die Steppe fegt und im Sommer die Sonne niederbrennt. Doch sie harren aus, haben wenig Hoffnung auf baldige R\u00fcckkehr. Die meisten kamen 2014 \u2013 hierher, ins Lager Khabartu in Irakisch-Kurdistan.<\/p>\n\n\n\n

\"DasDas Lager Khabartu f\u00fcr irakische Binnenfl\u00fcchtlinge. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

2014, als der \u201eIS\u201c den Nord-Irak \u00fcberfiel. In einem der Zelte lebt auch die Familie von Thomas Abdallah Hammou. Thomas war auf der Flucht von seiner Familie getrennt und von den Dschihadisten verschleppt worden. Damals war er acht Jahre alt. Ein Kind. Drei Jahre blieb er in Geiselhaft, lebte in Mosul.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollten nicht, dass wir spielen. Sie mochten es nicht. Ich habe keine Schule besucht, aber sie gaben uns Koran-Unterricht. Jeden Tag.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas musste seinem eigenen, dem jesidischen Glauben abschw\u00f6ren. Weil der \u201eIS\u201c die Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c betrachtet. Und \u201eUngl\u00e4ubige\u201c, so die Auffassung der Terroristen, m\u00fcssen zwangsbekehrt werden. Oder get\u00f6tet. Die Terroristen hatten dementsprechend die Jesiden entweder an Ort und Stelle ermordet, die meisten im Sinjar, im alten Siedlungsgebiet der Jesiden im Nord-Irak. Tausende. 47 Massengr\u00e4ber sollen mittlerweile gefunden worden sein. Oder aber die Terroristen lie\u00dfen die Jesiden am Leben und nahmen sie in Geiselhaft. Sie machten aus ihnen Sexsklavinnen oder sie bildeten sie aus \u2013 zu Selbstmordattent\u00e4tern. Wie Thomas.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie haben uns st\u00e4ndig geschlagen. Wir mussten Schie\u00dfen \u00fcben. Zwei meiner Freunde haben sich in die Luft gesprengt. Sie sind zum Training. Doch sie kamen nicht zur\u00fcck. Ich war nicht traurig. Sie wollten sich ja in die Luft sprengen. Die \u201aIS\u2018-Leute hatten es nicht von ihnen verlangt. Sie sind freiwillig gegangen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas hat heute einen modernen Haarschnitt; der Nacken ist ausrasiert; der lange Pony in die Stirn gek\u00e4mmt. Im Sommer sah er noch anders aus, kurz nachdem Mosul befreit worden war. Bei einem Luftangriff der Anti-\u201eIS\u201c-Koalition wurde Thomas schwer verletzt aus Tr\u00fcmmern geborgen, dann operiert.<\/p>\n\n\n\n

\"ThomasThomas erholt sich von drei Jahren IS-Gefangenschaft. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

Arbeit mit \u201eDschihadisten-Kindern\u201c<\/h2>\n\n\n\n

Die \u00e4u\u00dferen Wunden sind heute verheilt. Doch wie sieht es aus mit den inneren, den seelischen Verletzungen? Thomas wurde von seiner Familie aufgenommen und bekommt Hilfe. Andere Kinder konnten nicht aufgefangen werden. Bis heute betrachten sie Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c \u2013 so wie es ihnen in der Geiselhaft eingeh\u00e4mmert wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie sind eine gro\u00dfe Gefahr f\u00fcr andere Kinder. Sie leben in Lagern, in einem Zelt, auf sechs mal vier Metern, oder noch weniger! Acht Geschwister, sie spielen zusammen, reden, sie indoktrinieren die anderen! Das ist ein Problem, das wir nicht l\u00f6sen k\u00f6nnen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Sara Hassan ist Sozialarbeiterin. Sie arbeitet in den Lagern, versucht M\u00e4dchen und Frauen, die jahrelang in Geiselhaft vergewaltigt wurden, zu helfen. Unz\u00e4hlige hatte der \u201eIS\u201c einst entf\u00fchrt. Sara arbeitet auch mit den sogenannten \u201eDschihadisten-Kindern\u201c. Sie erz\u00e4hlt, wie \u00fcberfordert alle seien: die Familien, die jesidische Gemeinschaft, die Gesellschaft des Nord-Irak.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIn einem anderen Fall hat sich die Familie am Ende an die Sicherheitskr\u00e4fte gewandt. Doch die wussten auch nicht, wie sie damit umgehen sollten. Monate lang hat die Familie versucht, den Jungen umzuerziehen, zusammen mit Sozialarbeitern. Aber noch immer sehen wir den Hass in seinen Augen \u2013 gegen\u00fcber Kurden, Christen und Jesiden. Als blicke man in die Augen eines IS-Terroristen. Das ist das Problem.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Die Jesiden k\u00f6nnen \u00fcber ihre vom \u201eIS\u201c indoktrinierten Kinder sprechen. Denn niemand zweifelt daran, dass sie Opfer der Tyrannei wurden. Bei den sunnitischen Arabern sieht das anders aus. Da sie derselben Religionsgruppe angeh\u00f6ren wie formal auch die Terroristen, stehen sie unter Generalverdacht, mit dem \u201eIS\u201c gemeinsame Sache gemacht zu haben. Sunnitische Araber trauen sich daher nicht, die Probleme ihrer Kinder \u00f6ffentlich zu machen \u2013 auch wenn sie selbst nichts mit dem \u201eIS\u201c zu tun hatten.<\/p>\n\n\n\n

Unklar ist, wie viele Kinder und Jugendliche im Irak und in Syrien zu Terroristen ausgebildet wurden, dabei noch in Geiselhaft sind oder bereits als \u201eSchl\u00e4fer\u201c darauf warten, zum Einsatz zu kommen. Sie gleichen \u201etickenden Zeitbomben\u201c, die jederzeit explodieren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

Minderheiten haben Angst vor \u201eIS\u201c-Nachfolgern<\/h2>\n\n\n\n

Kamaran Palani spricht davon, dass viele Menschen immer noch gehen wollen, obwohl der \u201eIS\u201c als staats\u00e4hnliches Gebilde nicht mehr besteht. Seine Saat aber, so der Politikwissenschaftler, sei aufgegangen.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollen einfach nicht in diesem Land bleiben. Der IS hat sie dazu gebracht. Jeder hat heute Angst, dass eine andere Organisation kommen wird, Terroristen, die dasselbe anrichten wie zuvor.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Palani forscht am \u201eMiddle East Research Institute\u201c, das seinen Sitz in Erbil hat, der Hauptstadt von Irakisch-Kurdistan. <\/p>\n\n\n\n

\u201e60 bis 65 Prozent der Christen wollen gehen. Das Gleiche gilt f\u00fcr andere Minderheiten: f\u00fcr Jesiden, Schabaks, Turkmenen, Kakais.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

\u201eWir werden niemals wieder mit den Arabern zusammenleben k\u00f6nnen!\u201c \u2013 ein Satz, der heute h\u00e4ufig im Nord-Irak zu h\u00f6ren ist. Gemeint sind die Iraker, die Sunniten und Araber sind \u2013 die einstmals Nachbarn von Jesiden, Christen und Kurden waren \u2013 mit denen man Handel trieb und Hochzeiten feierte, die auch Freunde waren.<\/p>\n\n\n\n

Der Irak ist eine multi-ethnische und multi-religi\u00f6se Gesellschaft, in der die Schiiten die Mehrheit stellen. \u00dcber Jahrhunderte aber hatten die sunnitischen Araber das Sagen, sie missbrauchten die Macht, errichteten ein Schreckensregime \u2013 bis 2003, als Diktator Saddam Hussein von den USA gest\u00fcrzt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c entstand aus Widerstand gegen Schiiten-Herrschaft<\/h2>\n\n\n\n

Jetzt wurde der Spie\u00df umgedreht. Die Amerikaner sorgten daf\u00fcr, dass die Sunniten jegliche Machtposition verloren \u2013 so wurde die irakische Armee, wurde die baathistische Partei aufgel\u00f6st \u2013 ohne ein Pendant zu schaffen, das alle integrierte. Und: Washington unterst\u00fctzte Regierungschef Nouri al-Maliki, einen Schiiten. Maliki sah eine historische Chance gekommen, diskriminierte nun seinerseits seine sunnitischen Landsleute, verwehrte ihnen im \u201eNeuen Irak\u201c die Mitsprache. Im Regime Malikis wurden Sunniten inhaftiert, gefoltert und umgebracht.<\/p>\n\n\n\n

Was viele in den Widerstand trieb. Einige schlossen sich der Terror-Organisation \u201eAl-Qaida\u201c an, unter ihnen f\u00fchrende Milit\u00e4rs der aufgel\u00f6sten Armee Saddam Husseins \u2013 und aus \u201eAl-Qaida\u201c ging sp\u00e4ter der \u201eIS\u201c hervor.<\/p>\n\n\n\n

Als der \u201eIS\u201c dann im Sommer 2014 fast ohne Gegenwehr weite Landstriche in Syrien und im Irak \u00fcberrannte und seinen \u201eStaat\u201c ausrief, sahen auch gew\u00f6hnliche sunnitische Araber einen Wechsel nahen. Viele machten gemeinsame Sache mit den Terroristen, verhinderten die Flucht jesidischer Nachbarn, lieferten sie ihren Schl\u00e4chtern aus. Kamaran Palani:<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c-K\u00e4mpfer haben gesagt, es gehe darum, die W\u00fcrde der sunnitischen Araber wiederherzustellen. Ihre Macht. Ihre Geschichte. Tats\u00e4chlich konnten es die Araber nicht hinnehmen, dass sie ins Abseits gedr\u00e4ngt wurden. Und ich denke, dass sie auch in Zukunft so handeln werden. Wann immer sich die Gelegenheit bietet: Sie werden alles hinter sich lassen \u2013 sich nur darauf konzentrieren.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Misstrauen. Auch bei einem Politikwissenschaftler. Was also tun? Zerst\u00f6rte St\u00e4dte und D\u00f6rfer k\u00f6nnten wieder aufgebaut werden \u2013 wenn denn ein gemeinsamer Wille best\u00fcnde. Doch was, wenn es einen solchen gemeinsamen Willen gar nicht gibt? Wenn Schmerz und Trauer anhalten, wenn die Verbrechen von Terroristen und Helfershelfern nicht geahndet werden, wenn Angst umgeht, Misstrauen und Hass das Miteinander bestimmen.<\/p>\n\n\n\n

\"SyrischeSoldaten in der irakischen Stadt Sindschar nach der R\u00fcckeroberung von der IS-Miliz Ende 2015. (dpa \/ MAXPPP \/ Arnaud Dumontier)<\/p>\n\n\n\n

Kamaran Palani stammt aus der Stadt Makhmour. Drei Tage nur sei der \u201eIS\u201c dort gewesen, sagt er, doch diese Tage h\u00e4tten alles ver\u00e4ndert. Der \u201eIS\u201c habe die Menschen in seiner Heimatstadt verrohen lassen, meint er, das Verh\u00e4ltnis zwischen Kurden und Arabern sei heute tot. Eine R\u00fcckkehr in alte Zeiten h\u00e4lt Palani f\u00fcr falsch.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch denke, es w\u00e4re nicht einfach, in das Jahr 2014 \u2013 also in die Zeit vor dem \u201aIS\u2018 \u2013 zur\u00fcckzukehren. Vor allem aber w\u00e4re es nicht die richtige Politik. Denn eben die hat ja erst zum Aufkommen, zur Existenz des \u201aIS\u2018 gef\u00fchrt.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n


Wie also in Ruinen Neues schaffen? Der Staat muss das Gewaltmonopol zur\u00fcckerlangen, fordert der Politikwissenschaftler. F\u00fcr ihn steht das an erster Stelle. Und dann m\u00fcsse der Staat dringend einen Kurswechsel vornehmen: Er m\u00fcsse integrativ wirken, alle einbinden, auch die Araber, in Sicherheitskr\u00e4fte, Verwaltung und Politik.<\/p>\n\n\n\n

Machtmonopol m\u00fcsste von Milizen zum Staat gehen<\/h2>\n\n\n\n

Die Realit\u00e4t sieht anders aus: Ein Staat Kurdistan, der neue Optionen m\u00f6glich gemacht h\u00e4tte, auch von den Minderheiten gew\u00fcnscht worden war, ist nicht entstanden. Bagdad aber ist fern, der Zentralstaat kaum existent, und wenn, dann ist er schiitisch dominiert. Es sind Milizen, die im Nord-Irak das Geschehen bestimmen, darum rivalisieren, das Machtvakuum zu f\u00fcllen, das durch die Vertreibung des \u201eIS\u201c entstanden ist. Einst im Kampf gegen die Terroristen geeint, sind die Milizen einander heute feind.<\/p>\n\n\n\n

Allen voran die \u201eHashd ash-Shaabi\u201c, schiitisch-irakische Milizen, deren Ausbilder und Kommandeure h\u00e4ufig Iraner sind. Bagdad hat die Haschd als regul\u00e4re Kraft im Kampf gegen den \u201eIS\u201c anerkannt \u2013 obwohl Menschenrechts-Organisationen schwere Vorw\u00fcrfe gegen sie erheben. Fest steht: Die schiitischen Milizen halten D\u00f6rfer besetzt, sind in Mosul f\u00fcr ihr herrisches Auftreten und ihre Willk\u00fcr bekannt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eTats\u00e4chlich sorgen die verschiedenen bewaffneten Gruppen daf\u00fcr, dass die Fl\u00fcchtlinge nicht zur\u00fcckkehren. Und weil sie nicht zur\u00fcckkehren, gibt es auch keinen Wiederaufbau. Die Menschen haben Angst vor den Milizen \u2013 auch davor, dass die einander bek\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die \u201eHashd\u201c m\u00fcssten mithin abziehen. Und mit ihnen die anderen Milizen. Das Machtmonopol m\u00fcsste an den Staat gehen. Doch der Irak ist auch Spielball der Regionalm\u00e4chte: Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien. Sie konkurrieren um Einfluss-Sph\u00e4ren, bedienen sich dabei verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Gruppen im Irak. Deswegen werden die Hashd nicht abziehen. Derzeit sind sie von der iranisch-irakischen Grenze im Osten \u00fcber Bagdad bis hoch zur irakisch-syrischen Grenze im Norden postiert. Einheiten Teherans k\u00f6nnten demnach auf dem Landweg vom Iran bis ans Mittelmeer durchmarschieren.<\/p>\n\n\n\n

Iran und Saudi-Arabien wollen Macht vergr\u00f6\u00dfern<\/h2>\n\n\n\n

Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n

In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n

Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3703,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:24:20","post_date_gmt":"2020-08-13 21:24:20","post_content":"\n

Deutschland str\u00e4ubt sich gegen die R\u00fcckkehr seiner eigenen Staatsb\u00fcrger, die zu IS-Terroristen wurden. Dabei hat die Bundesrepublik den Terror und die Terroristen einst exportiert. Und dies geschah wissentlich, sagt der Islamwissenschaftler Fabian Goldmann.<\/p>\n\n\n\n

Wann haben Sie sich eigentlich zuletzt von deutschen Terroristen distanziert? Zum Beispiel von Robert B.? Der Ex-Bundeswehrsoldat aus Solingen hat mutma\u00dflich bei einem Selbstmordattentat Anfang 2014 50 Menschen mit in den Tod gerissen. <\/p>\n\n\n\n

Oder von Yannik N.? Der junge Freiburger steuerte wahrscheinlich im Jahr 2015 einen mit anderthalb Tonnen Sprengstoff beladenen LKW in eine Menschenmenge und nahm so Dutzenden Personen das Leben.<\/p>\n\n\n\n

Oder von Yamin A.?. Im Sommer 2015 tauchte im Netz ein Video auf, das zeigte, wie der ehemalige Telekom-Azubi aus K\u00f6nigswinter zwei gefesselten Soldaten in den Kopf schoss.
Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Deutsche T\u00e4ter, aber kaum deutsche Opfer<\/h2>\n\n\n\n

Hauptsache nicht bei uns! Dies scheint auch dieser Tage wieder die Maxime zu sein, wenn Politiker und \u00d6ffentlichkeit \u00fcber den Umgang mit deutschen Terroristen diskutieren. Von potenziellen Bedrohungen und Anschlagsgefahren in Deutschland liest man dann. Vom ganz realen Terror, den Deutsche in den vergangenen Jahren \u00fcber die Menschen in Syrien und Irak gebracht haben, h\u00f6rt man hingegen kaum. Ein Terror, der kaum deutsche Opfer aber umso mehr deutsche T\u00e4ter kannte.<\/p>\n\n\n\n

1.050 \u2013 das ist laut Bundesinnenministerium die Anzahl der Dschihadisten, die in den letzten Jahren die Bundesrepublik in Richtung Nahost verlassen hat. Es f\u00e4llt schwer, sich umgekehrtes Szenario \u00fcberhaupt auszumalen. Was w\u00e4re wohl los, h\u00e4tte es nur ein Bruchteil arabischer Terroristen geschafft, bei uns Anschl\u00e4ge zu begehen? Europas \u201eMuslim Bann\u201c? \u00dcberwachungsstaat auf NSA-Niveau?<\/p>\n\n\n\n

Die CSU st\u00fcnde wom\u00f6glich am linken Ende des politischen Spektrums, und auf Twitter w\u00fcrde Trump deutsche Migrationspolitiker zur M\u00e4\u00dfigung aufrufen. Der deutsche Terror in Nahost kommt hingegen seit Jahren ganz ohne Sondersendungen, politische Debatten und Distanzierungsforderungen aus. <\/p>\n\n\n\n

Deutsche K\u00e4mpfer waren nicht nur willenloses Kanonenfutter<\/h2>\n\n\n\n

An fehlendem Wissen liegt das nicht. Von ganzen Einheiten des IS, in denen kein einziger K\u00e4mpfer Arabisch spreche, berichten syrische, irakische und kurdische Soldaten schon seit Jahren. Von Aleppo \u00fcber Raqqa bis Mossul haben Aktivisten und Politiker immer wieder darauf hingewiesen, dass viele der schlimmsten M\u00f6rder in den Reihen des IS Europ\u00e4er sind. Interessiert hat das hier kaum jemand.<\/p>\n\n\n\n

Dabei dienten Deutsche dem Islamischen Staats nicht nur als willenloses Kanonenfutter, wie es oft dargestellt wird. Viele haben seinen Terror mitgepr\u00e4gt. Wie Martin L., der derzeit in kurdischer Haft sitzt. Der Schwei\u00dfer aus Sachsen-Anhalt soll sich vom Folterknecht bis zum Geheimdienstler mit Kontakten bis in die F\u00fchrungsspitze der Terrororganisation hochgearbeitet haben.<\/p>\n\n\n\n

Oder Reda S., Der Prediger aus Berlin-Charlottenburg soll dem IS in Mossul als Bildungsminister gedient haben. Oder der Berliner Ex-Rapper Denis Cuspert, der zu den wichtigsten Personen in der IS-Medienorganisation Al-Hayat geh\u00f6rte. Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Beh\u00f6rden wussten gut Bescheid<\/h2>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich entstand der Islamische Staat nicht in deutschen Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen. Zur deutschen Verantwortung geh\u00f6rt aber auch, dass Politiker und Beh\u00f6rden lange wegschauten, solang nur die T\u00e4ter, aber nicht die Opfer Deutsche waren. Beh\u00f6rden wissen und wussten erschreckend gut Bescheid \u00fcber die Radikalisierung deutscher Islamisten. Ein Gro\u00dfteil der sp\u00e4teren IS-K\u00e4mpfer war polizeibekannt, stand auf Gef\u00e4hrderlisten oder hatte wegen islamistischer Straftaten bereits Haftstrafen verb\u00fc\u00dft. An der Ausreise gehindert wurden sie oftmals dennoch nicht. Die Gefahr, die von deutschen Terroristen ausgeht, interessierte Politik und \u00d6ffentlichkeit erst dann wieder, als ihre Einreise drohte.<\/p>\n\n\n\n

\"Fabian
Fabian Goldmann<\/strong> ist Journalist und Islamwissenschaftler. F\u00fcr verschiedene Magazine und Zeitungen berichtete er viele Jahre aus Nahost. Zurzeit widmet er sich vor allem dem Islam diesseits des Bosporus. Auf seinem Blog Schantall und die Scharia<\/a> bloggt er \u00fcber Islamophobie in Deutschland.<\/p>\n","post_title":"Es sind unsere Terroristen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"es-sind-unsere-terroristen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3703","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3700,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:19:36","post_date_gmt":"2020-08-13 21:19:36","post_content":"\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda? Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda t<\/p>\n\n\n\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda tritt an die Stelle der 2010 verabschiedeten Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014 (siehe IP\/10\/1535<\/a>). In der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda f\u00fcr den Zeitraum 2015-2020 skizziert die Europ\u00e4ische Kommission die Strategie der Union zur Bew\u00e4ltigung der Sicherheitsbedrohungen in der EU.<\/p>\n\n\n\n

Die EU und ihre Mitgliedstaaten sind mit betr\u00e4chtlichen Sicherheitsproblemen konfrontiert. Terrorismus, organisierte Kriminalit\u00e4t und Cyberkriminalit\u00e4t stellen eine zunehmende Gefahr f\u00fcr die europ\u00e4ische Gesellschaft dar, wobei sich Art und Ausma\u00df dieser Gefahr ver\u00e4ndert hat. Europa ist mit den Auswirkungen der politischen Instabilit\u00e4t in seiner unmittelbaren Nachbarschaft konfrontiert, die die Sicherheitsinteressen der EU gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n

Im Zuge der Krisen und Konflikte in Syrien, Irak und Libyen haben sich europ\u00e4ische B\u00fcrger terroristischen Gruppen angeschlossen, die bei ihrer R\u00fcckkehr eine erhebliche Bedrohung darstellen k\u00f6nnen. Die j\u00fcngsten terroristischen Anschl\u00e4ge in Europa zeugen von der zunehmenden Bedrohung durch einen gewaltt\u00e4tigen Extremismus und zeigen, in welchem Ausma\u00df weltweite Konflikte zur Radikalisierung der europ\u00e4ischen B\u00fcrger beitragen.<\/p>\n\n\n\n

Das Online-Umfeld hat sich zunehmend als Ziel f\u00fcr Kriminelle und Terroristen entwickelt. Unabh\u00e4ngig davon, ob es um die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und die Anwerbung von Menschen f\u00fcr terroristische Organisationen geht oder die Verbreitung von Hass oder einen Angriff auf die europ\u00e4ischen Werte und Institutionen, fest steht, dass wir unsere Reaktion auf diese Bedrohungen unbedingt abstimmen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Welcher Mehrwert entsteht durch die EU im Bereich der inneren Sicherheit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Gew\u00e4hrleistung der inneren Sicherheit f\u00e4llt weiterhin in erster Linie in die Zust\u00e4ndigkeit der Mitgliedstaaten. Allerdings werden die Bedrohungen f\u00fcr Europas B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger immer vielf\u00e4ltiger und betreffen in zunehmendem Ma\u00dfe mehrere Mitgliedstaaten. Einzelne Mitgliedstaaten haben die Verantwortung, die Sicherheit an den Au\u00dfengrenzen zu gew\u00e4hrleisten, sind aber nicht mehr in der Lage, diese Herausforderungen allein zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n

Kriminelle und terroristische Aktivit\u00e4ten machen nicht an den Grenzen der EU halt und beschr\u00e4nken sich auch nicht auf Nachbarregionen. Die innere Sicherheit der EU und die globale Sicherheit sind voneinander abh\u00e4ngig und miteinander verkn\u00fcpft. Die Sicherheit der Union h\u00e4ngt in hohem Ma\u00dfe von der Zusammenarbeit mit ihren internationalen Partnern und ihren Nachbarl\u00e4ndern ab.<\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t und des Terrorismus ist eine gemeinsame europ\u00e4ische Aufgabe. Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda sollte von den Mitgliedstaaten und den EU-Organen gemeinsam als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und gemeinsame Ma\u00dfnahmen der Union genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n

Mit Hilfe der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda werden die Polizei- und Strafverfolgungsdienste in verschiedenen Mitgliedstaaten Daten effektiver austauschen und bei der Bek\u00e4mpfung der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t besser zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Die Mitgliedstaaten k\u00f6nnen auf die Unterst\u00fctzung durch die Agenturen der EU z\u00e4hlen. Insbesondere in folgenden Punkten l\u00e4sst sich mit Hilfe der Sicherheitsagenda ein EU-Mehrwert erzielen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n

A) Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und den EU-Agenturen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1<\/strong>: Das Schengener Informationssystem<\/strong> (SIS) wird von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Abfrage von Ausschreibungen von gesuchten oder vermissten Personen und Gegenst\u00e4nden genutzt. Die Kommission wird an der Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Ausschreibungskategorien arbeiten und sich daf\u00fcr einsetzen, dass das SIS zusammen mit der Interpol-Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD)<\/strong> umfassender genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Der Dokumentarfilm \u201eTrue Warriors\u201c von Ronja von Wurmb-Seibel und Niklas Schenck portraitiert eine K\u00fcnstlergruppe in Kabul, deren Theaterst\u00fcck \u00fcber Selbstmordanschl\u00e4ge selbst zum Ziel eines Selbstmordanschlags wird. Die Filmemacher wollen vermitteln, was f\u00fcr Schicksale hinter diesem Ereignis standen.<\/p>\n\n\n\n

Am 11. Dezember 2014 sprengte sich in Kabul w\u00e4hrend einer Theater-Premiere im franz\u00f6sischen Kulturzentrum ein 17 Jahre alter Selbstmordattent\u00e4ter in die Luft. Einige Zuschauer hielten die Explosion f\u00fcr eine besonders realistische Inszenierung. Der Attent\u00e4ter und zwei Besucher starben, 40 Menschen wurden verletzt. Der Dokumentarfilm \u201eTrue Warriors\u201c<\/a> von  Ronja von Wurmb-Seibel und Niklas Schenck  erz\u00e4hlt die Geschichte der Schauspieler und Musiker, die an diesem Tag auf der B\u00fchne standen.<\/p>\n\n\n\n

R\u00fcckkehr auf die B\u00fchne<\/h2>\n\n\n\n

Die Darsteller h\u00e4tten monatelang gedacht, sie k\u00f6nnten nie wieder auf einer B\u00fchne auftreten, sagte die Regisseurin Ronja von Wurmb-Seibel im Deutschlandfunk Kultur. \u201eDann haben sie sich dann so langsam wieder hochgearbeitet.\u201c Heute st\u00fcnden alle wieder auf der B\u00fchne und machten das, was sie vorher auch getan h\u00e4tten, sagte sie. \u201eIch finde sogar noch radikaler und noch politischer.\u201c Die Darsteller setzten sich dadurch noch mehr der Gefahr aus. In ihrem Film kommen sie ausf\u00fchrlich zu Wort.<\/p>\n\n\n\n

Mut zum Theater<\/h2>\n\n\n\n

\u201eTheater selbst ist ein Tabu, wie \u00fcberhaupt jede Form von Kunst\u201c, sagte Wurmb-Seibel \u00fcber die Lage in Afghanistan. Eine K\u00fcnstlerin habe ihr einmal sehr treffend gesagt, dass es schon einer Provokation gleichkomme, alleine auf einer B\u00fchne zu stehen. Es sei dann um so gef\u00e4hrlicher, wenn man auch noch politische Themen auf die B\u00fchne bringe. Einige Schauspieler h\u00e4tten ihre Arbeit sogar auf die Stra\u00dfe verlagert, nachdem mitten in Kabul eine junge Studentin gelyncht worden sei.

by:
https:\/\/www.deutschlandfunkkultur.de\/afghanistan-theater-selbst-ist-ein-tabu.1008.de.html?dram:article_id=399972<\/a><\/p>\n","post_title":"\u201eTheater selbst ist ein Tabu\u201c","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"theater-selbst-ist-ein-tabu","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3712","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3709,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:30:50","post_date_gmt":"2020-08-13 21:30:50","post_content":"\n

Drei Millionen Afghanen sind ins Nachbarland Iran geflohen. Viele arbeiten schwarz. Die Aussicht auf einen festen Lohn plus Papiere f\u00fcr die Familie ist verlockend. Die Gegenleistung daf\u00fcr: K\u00e4mpfen in Syrien.<\/p>\n\n\n\n

Wenn Abu Fazel von den Gr\u00e4ueltaten des syrischen B\u00fcrgerkriegs h\u00f6rt, denkt er immer daran, dass er auch beinahe als K\u00e4mpfer auf diesem Schlachtfeld gelandet w\u00e4re. Doch Abu Fazel ist weder Syrer noch wollte er zum sogenannten \u201eIslamischen Staat\u201c. Der 18-J\u00e4hrige ist ein afghanischer Gefl\u00fcchteter, der zur Zeit in Leverkusen lebt.<\/p>\n\n\n\n

Den Gro\u00dfteil seines Lebens verbrachte er im Iran. Seine Familie ist dorthin gefl\u00fcchtet, als er ein Kind war. Doch als die iranische Regierung ihn nach Syrien schicken wollte, um auf der Seite von Machthaber Baschar al-Assad zu k\u00e4mpfen, entschloss er sich zu fliehen.<\/p>\n\n\n\n

\"Fl\u00fcchtlingeGefl\u00fcchtete aus dem Iran und Afghanistan an der Grenze zwischen Mazedonien und Griechenland. (picture alliance \/ dpa \/ Georgi Licovski)<\/p>\n\n\n\n

Tausende afghanische Jugendliche \u2013 die genaue Zahl ist nicht bekannt \u2013 wurden im Iran rekrutiert, um im Krieg in Syrien zu k\u00e4mpfen. Erst vor Kurzem berichtete die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, dass sie die Gr\u00e4ber von acht afghanischen Kindern, die in Syrien get\u00f6tet wurden, identifiziert hat. Laut der Organisation rekrutiert der Iran regelm\u00e4\u00dfig minderj\u00e4hrige K\u00e4mpfer, um sie nach Syrien zu schicken. Unter afghanischen Gefl\u00fcchteten ist diese Praxis schon l\u00e4nger bekannt.<\/p>\n\n\n\n

Rassismus gegen Afghanen im Iran<\/h2>\n\n\n\n

Fast drei Millionen Gefl\u00fcchtete aus Afghanistan sind inzwischen im Iran. Die meisten von ihnen leben in der Illegalit\u00e4t und werden als Schwarzarbeiter, etwa am Bau, ausgebeutet. Rassismus und Ausgrenzung geh\u00f6ren zu ihrem gesellschaftlichen Alltag. Kinder sind davon nicht ausgeschlossen. Im Gegenteil: Vielen afghanischen Kinderm ist es nicht erlaubt, staatliche Schulen zu besuchen. Abu Fazel wurde Zeit seines Lebens von dieser Diskrimierung beeinflusst und verfolgt.<\/p>\n\n\n\n

\u201e'Afghane\u2018 \u2013 das ist dort ein Schimpfwort. Ich h\u00f6rte es von klein auf immer wieder. Der Rassismus gegen Afghanen ist dort v\u00f6llig normal. Meine Herkunft, auf der ich eigentlich stolz war, ist im Iran stets eine Last gewesen. Wir sind dort B\u00fcrger zweiter Klasse.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung der afghanischen Gefl\u00fcchteten ist f\u00fcr Abu Fazel die Spitze jenes Rassismus, den er erlebt hat.<\/p>\n\n\n\n

Iran: Syrien vor sunnitischen Extremisten verteidigen<\/h2>\n\n\n\n

In Syrien k\u00e4mpfen neben den afghanischen Milizen auch andere paramilit\u00e4rische Gruppierungen im Auftrag des Irans: etwa die ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigten Revolutionsgarden, die einst Ayatollah Ruhollah Khomeini pers\u00f6nlich ins Leben rief oder die Basidsch-Milizen. Beiden Gruppierungen sind nicht nur in Syrien aktiv, sondern auch im Irak.<\/p>\n\n\n\n

Obowhl sich das syrische Regime von Baschar al-Assad als s\u00e4kular ausweist, wird es vom Iran, der sich als Repr\u00e4sentant aller muslimischen Schiiten betrachtet, unterst\u00fctzt. Gemeinsames Ziel in Syrien ist es: Schiiten vor sunnitische Extremisten zu verteidigen. Dennoch ist das Regime darauf bedacht, m\u00f6glichst wenig eigene K\u00e4mpfer nach Syrien zu schicken. \u00c4hnlich wie einst w\u00e4hrend des Krieges gegen Saddam Husseins Irak, setzt der Iran auf ausl\u00e4ndische K\u00e4mpfer.<\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung war wie eine Gehirnw\u00e4sche<\/h2>\n\n\n\n

Abu Fazels Familie geh\u00f6rt zur afghanischen Minderheit der schiitischen Hazara \u2013 wie viele Afghanen, die in den Iran gekommen sind. Mittlerweile k\u00e4mpfen Tausende von ihnen in Syrien. Der Iran bezahlt die Afghanen mit einem Sold von wenigen hundert Dollar pro Monat und verspricht ihren Familien eine Aufenthaltsgenehmigung oder eine Arbeitserlaubnis.<\/p>\n\n\n\n

An der Rekrutierung der Afghanen sind sowohl die Revolutionsgarden als auch die erw\u00e4hnten Basidsch-Milizen beteiligt. Abu Fazel beschreibt, wie das Viertel, in dem er gemeinsam mit seiner Familie in Teheran lebte, regelm\u00e4\u00dfig von den K\u00e4mpfern aufgesucht wurde. Viele afghanische Gefl\u00fcchtete lebten dort \u2013 und fielen auf die Gehirnw\u00e4sche der Rattenf\u00e4nger herein.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie trafen junge M\u00e4nner und Jugendliche in den Moscheen und \u00fcberredeten sie, gegen den IS oder Al Qaida zu k\u00e4mpfen. Die Gehirnw\u00e4sche war perfekt. Am Ende merkten viele, darunter auch ich, nicht einmal, dass wir in ihre Propaganda getappt waren. Ihre \u00dcberredungskunst war wirklich sehr speziell. Am Ende hat man Lust, nach Syrien zu gehen, um zu k\u00e4mpfen\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Erfolg hatten die Rekrutierer des Regimes auch bei Abu Fazels Cousin, der zum damaligen Zeitpunkt ebenfalls minderj\u00e4hrig gewesen ist. Er ging nach Syrien und k\u00e4mpfte unter der Flagge der \u201eLiwa Fatemiyoun\u201c, wie die afghanische Division auf Seiten Assads hei\u00dft. Offiziell ist die Aufgabe der Miliz die Verteidigung des Schreines von Zaynab im S\u00fcden von Damaskus. Zaynab war die Enkelin des islamischen Propheten Mohammad. Laut iranischen Staatsmedien k\u00e4mpfen mindestens 20.000 Afghanen in der Division.<\/p>\n\n\n\n

Im August 2014 entschloss sich auch Abu Fazel, nach Syrien zu gehen und zu k\u00e4mpfen. Im selben Monat wurde sein Cousin in der N\u00e4he von Aleppo im Kampf gegen syrische Rebellen get\u00f6tet.<\/p>\n\n\n\n

\u201eMein Cousin wurde dort get\u00f6tet. Auch andere Jungs aus unserer Gegend gingen nach Syrien und fielen dort. Lokale Zeitungen nannten sie \u201aM\u00e4rtyrer\u2018.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Lieber Flucht statt K\u00e4mpfer in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein solcher \u201eM\u00e4rtyrer\u201c wollte Abu Fazel allerdings nicht werden. Er floh eine Woche vor dem Beginn seiner dreimonatigen Kampfausbildung. Es war ihm lieber, ein Leben auf der Flucht zu verbringen, als in Syrien unschuldige Menschen f\u00fcr einen Diktator zu t\u00f6ten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch kam zu dem Schluss, dass ich nicht als M\u00f6rder weiterleben k\u00f6nnte. Stets dachte ich mir, dass selbst die schlimmsten Al-Qaida- oder IS-Terroristen Kinder haben k\u00f6nnten, die ihren Vater lieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Fazel verlor seinen eigenen Vater bereits sehr fr\u00fch. Er wurde Opfer des B\u00fcrgerkriegs in Afghanistan, der von 1989 bis 2001 tausende Menschen das Leben kostete. Auch der Iran mischte in der Zeit schon mit. Es ist allgemein bekannt, dass die schiitischen Hazara-Milizen, die den B\u00fcrgerkrieg ebenfalls mitanfachten, von der Regierung in Teheran unterst\u00fctzt wurden.<\/p>\n\n\n\n

Als Abu Fazel sich nun entschloss, aus der Gewaltspirale auszusteigen und nicht in Syrien zu k\u00e4mpfen, wuchs die Angst bei seiner Familie. Denn f\u00fcr die iranischen Beh\u00f6rden gilt: Hat man sich einmal gemeldet, gibt es kein zur\u00fcck. Man muss an die Front nach Syrien \u2013 oder wird zur\u00fcck nach Afghanistan abgeschoben, wo ebenfalls Krieg herrscht.<\/p>\n\n\n\n

Der einzige Ausweg f\u00fcr den jungen Afghanen war die Flucht. \u00dcber die T\u00fcrkei, Griechenland und die Balkranroute erreichte er mit gro\u00dfer M\u00fche Deutschland, wo er einen Asylantrag stellte.<\/p>\n\n\n\n

Erster Asylantrag in Deutschland abgelehnt<\/h2>\n\n\n\n

Als Grund nannte er seine Rekrutierung als Kindersoldat seitens des iranischen Regimes. Doch w\u00e4hrend diese Begr\u00fcndung in Abu Fazels Augen v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich war, sahen deutsche Beh\u00f6rden das anders. Sein erster Antrag wurde abgelehnt. Derzeit versucht er es ein zweites Mal. Die Bundesrepublik schiebt afghanische Gefl\u00fcchtete weiterhin ab.<\/p>\n\n\n\n

\"EinAbschiebung von Afghanen im Dezember 2016 mit einem Charterflug von Frankfurt nach Kabul. (dpa \/picture alliance \/ Boris Roessler)<\/p>\n\n\n\n

Die Verantwortlichen weisen in diesem Kontext immer wieder auf vermeintlich \u201esichere Gebiete\u201c im Land, die nicht n\u00e4her benannt werden.<\/p>\n\n\n\n

W\u00e4hrenddessen machen Menschenrechtsorganisationen regelm\u00e4\u00dfig darauf aufmerksam, dass keine Region am Hindukusch sicher ist. Stattdessen wird in manchen Gebieten nur weniger Krieg gef\u00fchrt als in anderen.<\/p>\n\n\n\n

\"SieDemonstranten protestieren in Frankfurt am Main gegen die Abschiebung von Afghanen. Auf einem der Transparente steht \u201eAfghanistan is not safe\u201c. (AFP \/ Daniel Roland)<\/p>\n\n\n\n

Alis Vater und Onkel k\u00e4mpfen in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein \u00e4hnliches Schicksal wie Abu Fazel erlitt der 18-j\u00e4hrige Ali (Namen ge\u00e4ndert). Auch er floh aus dem Iran nach Deutschland, um der Rekrutierung f\u00fcr Assads Milizen zu entgehen. Viele seiner afghanischen Freunde sind bereits nach Syrien gezogen \u2013 und kamen niemals zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Alis Familie, ebenfalls Angeh\u00f6rige der Hazara-Minderheit, stammt urspr\u00fcnglich aus der Provinz Ghor im Nordosten Afghanistans. Ihre Heimat verlie\u00dfen sie w\u00e4hrend der sowjetischen Besatzung in den 1980er-Jahren.<\/p>\n\n\n\n

Seit jeher lebt die Familie in der iranischen Gro\u00dfstadt Maschhad. Als der Krieg in Syrien ausbrach, erreichte sie ein Konflikt, mit dem sie nicht gerechnet hatten. Im Juli 2015 reiste Alis Vater nach Teheran. Er wollte einen Weg finden, um f\u00fcr seine Familie Aufenthaltspapiere zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Beh\u00f6rden sagten ihm, dass die Rekrutierung f\u00fcr den Krieg in Syrien eine M\u00f6glichkeit darstellen k\u00f6nnte, um Papiere f\u00fcr uns alle zu erhalten. Andernfalls w\u00fcrde man uns sehr bald nach Afghanistan abschieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Mittlerweile k\u00e4mpfen Alis Vater und sein Onkel seit \u00fcber einem Jahr in Syrien. Am Aufenthaltsstatus seiner Familienmitglieder hat sich bis heute allerdings nichts ge\u00e4ndert. F\u00fcr Ali ist klar, dass dies nur eine Falle gewesen ist, um noch mehr Afghanen als Kanonenfutter zu missbrauchen.<\/p>\n\n\n\n

Anfangs gab es Papiere f\u00fcr K\u00e4mpfer-Familien<\/h2>\n\n\n\n

Den Kontakt zu seinem Vater hat der Afghane mittlerweile verloren. W\u00e4hrenddessen schickt ihm sein Onkel, der in Aleppo stationiert ist, hin und wieder Bilder \u00fcber den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ali denkt, dass nur sehr wenige Afghanen der Propaganda der iranischen Regierung glauben und in Syrien f\u00fcr eine \u201egute Sache\u201c k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

Source<\/a><\/p>\n","post_title":"Warum Afghanen in Syrien f\u00fcr Assad k\u00e4mpfen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"warum-afghanen-in-syrien-fur-assad-kampfen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3709","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3706,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:27:40","post_date_gmt":"2020-08-13 21:27:40","post_content":"\n

Kinder, Frauen, Jesiden \u2013 wer \u00fcberlebt hat, berichtet von Folter, Vergewaltigungen und Gehirnw\u00e4sche. Rund drei Jahre dauerte die Schreckensherrschaft der IS-Miliz in Syrien und Irak. Der Wiederaufbau wird l\u00e4nger dauern und mehr umfassen als H\u00e4user.<\/p>\n\n\n\n

Der Fluss Tigris durchzieht die zweitgr\u00f6\u00dfte Stadt des Iraks und teilt Mosul in Ost und West. Das Westufer ist von Zerst\u00f6rung gezeichnet, die Altstadt nicht mehr als eine einzige graue Tr\u00fcmmerlandschaft. Seit den letzten Bombardements im Juli 2017 kann hier niemand mehr wohnen.<\/p>\n\n\n\n

Die Nouri-Moschee, von deren Kanzel Abu Bakr al-Baghdadi im Juli 2014 sein Kalifat ausrief, hatte die IS-Miliz auf ihrem R\u00fcckzug vorsorglich selbst in die Luft gesprengt, um den Gegnern diesen besonderen Triumph zu verwehren.<\/p>\n\n\n\n

\"ImIm Juli 2017 erobert die irakische Armee Mossul zur\u00fcck. Ruinen sind zu sehen. Ein K\u00e4mpfer der IS-Miliz hat sich ergeben. (Imago \/ Carol Guzy)<\/p>\n\n\n\n

Es ist fraglich, ob die Altstadt dem Original getreu wieder aufgebaut werden kann. Bagdad will demn\u00e4chst \u2013 im Rahmen einer gro\u00dfen Wiederaufbau-Konferenz \u2013 bekannt geben, welche Pl\u00e4ne es hat. Derzeit gilt als gro\u00dfer Fortschritt, dass die Tr\u00fcmmerlandschaft in Teilen wieder begehbar ist \u2013 nachdem mit internationaler Hilfe zahllose Sprengs\u00e4tze beseitigt wurden.<\/p>\n\n\n\n

In Ost-Mossul gibt es weniger Zerst\u00f6rungen<\/h2>\n\n\n\n

J\u00fcngste Sch\u00e4tzungen der Vereinten Nationen besagen, dass es noch Jahre dauern wird, bis alle Minen ger\u00e4umt sind. Solange werden die einstigen Bewohner nicht zur\u00fcckkehren k\u00f6nnen. Manche von ihnen haben Gl\u00fcck im Ungl\u00fcck: Sie haben \u00fcberlebt und sind auf der anderen Seite des Tigris untergekommen, im Osten der Stadt. Der war schon im Januar 2017 von den Terroristen befreit worden. Erstaunlich ist: Dieser Teil Mosuls wirkt fast so, als w\u00e4re der \u201eIS\u201c niemals hier gewesen und als h\u00e4tte es keinen Krieg gegeben.<\/p>\n\n\n\n

\"ImIm Osten Mossuls gibt es weniger Zerst\u00f6rungen als im Westteil. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

Die Zerst\u00f6rungen beschr\u00e4nken sich auf strategisch-wichtige Punkte oder Geb\u00e4ude, in denen sich die Terroristen verschanzt hatten: Br\u00fccken, Moscheen, Krankenh\u00e4user. Doch im Basar herrscht fast so etwas wie Normalit\u00e4t. An St\u00e4nden kaufen Menschen ein \u2013 Obst, Gem\u00fcse, Reis und Nudeln, Backwaren. Kinder schlecken ein Eis. Abu Muhammad, ein ehemaliger Physiklehrer, erkl\u00e4rt, warum der Basar so anders ist als erwartet:<\/p>\n\n\n\n

\u201eDas Leben hatte nie aufgeh\u00f6rt in Mosul. Wir haben weitergelebt. Drei Jahre wurden wir vom \u201aIS\u2018 beherrscht, doch die normalen Leute hatten nichts damit zu tun. Daher kam der Alltag schnell zur\u00fcck. Die Soldaten sind gekommen, haben den Basar wieder aufgemacht und das Leben ging weiter.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Im Osten findet sich heute all das wieder, was die Terror-Miliz unterdr\u00fcckt hatte und bei Missachtung grausam ahndete: Musik in Restaurants und Caf\u00e9s; Sim-Karten f\u00fcr Handys; Internet; Fris\u00f6re, die Haare schneiden, B\u00e4rte stutzen oder gar abrasieren. Und doch: Trotz des lebendigen Treibens wirken Angst und Schrecken nach. Abu Muhammad, fr\u00fch ergraut, erinnert sich:<\/p>\n\n\n\n

\u201eWir haben uns gef\u00fchlt wie zwischen Leben und Tod. Irgendwo dazwischen. Sie haben vom \u201aIS\u2018 geh\u00f6rt; wir haben ihn erlebt: Wir haben erlebt, wie sie mordeten, wie sie Leute aufh\u00e4ngten, wir haben den Krieg erlebt. Wir haben alles gesehen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Mohammed stammt aus dem zerst\u00f6rten Westen der Stadt. Er wohnt heute im Osten. Verwandte haben ihn und seine Familie aufgenommen. So wie ihm ergeht es auch anderen Vertriebenen. Sie leben bei Verwandten und Freunden. Oder in einem der vielen Lager. 700.000 Menschen haben ihr Zuhause verloren \u2013 eine Zahl, die f\u00fcr West-Mosul gilt. Insgesamt gehen die Vereinten Nationen von fast sechs Millionen Menschen aus, die im Irak vor dem \u201aIS\u2018 geflohen sind \u2013 die H\u00e4lfte von ihnen bis heute fern von ihrem Zuhause.<\/p>\n\n\n\n

Binnenfl\u00fcchtlinge im Lager Khabartu<\/h2>\n\n\n\n

Zelte soweit das Auge reicht. Abertausende. Inmitten von Steppe. Das Leben der Menschen ist hart. Sie darben, frieren und verdorren \u2013 wenn im Winter der kalte Wind durch die Steppe fegt und im Sommer die Sonne niederbrennt. Doch sie harren aus, haben wenig Hoffnung auf baldige R\u00fcckkehr. Die meisten kamen 2014 \u2013 hierher, ins Lager Khabartu in Irakisch-Kurdistan.<\/p>\n\n\n\n

\"DasDas Lager Khabartu f\u00fcr irakische Binnenfl\u00fcchtlinge. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

2014, als der \u201eIS\u201c den Nord-Irak \u00fcberfiel. In einem der Zelte lebt auch die Familie von Thomas Abdallah Hammou. Thomas war auf der Flucht von seiner Familie getrennt und von den Dschihadisten verschleppt worden. Damals war er acht Jahre alt. Ein Kind. Drei Jahre blieb er in Geiselhaft, lebte in Mosul.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollten nicht, dass wir spielen. Sie mochten es nicht. Ich habe keine Schule besucht, aber sie gaben uns Koran-Unterricht. Jeden Tag.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas musste seinem eigenen, dem jesidischen Glauben abschw\u00f6ren. Weil der \u201eIS\u201c die Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c betrachtet. Und \u201eUngl\u00e4ubige\u201c, so die Auffassung der Terroristen, m\u00fcssen zwangsbekehrt werden. Oder get\u00f6tet. Die Terroristen hatten dementsprechend die Jesiden entweder an Ort und Stelle ermordet, die meisten im Sinjar, im alten Siedlungsgebiet der Jesiden im Nord-Irak. Tausende. 47 Massengr\u00e4ber sollen mittlerweile gefunden worden sein. Oder aber die Terroristen lie\u00dfen die Jesiden am Leben und nahmen sie in Geiselhaft. Sie machten aus ihnen Sexsklavinnen oder sie bildeten sie aus \u2013 zu Selbstmordattent\u00e4tern. Wie Thomas.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie haben uns st\u00e4ndig geschlagen. Wir mussten Schie\u00dfen \u00fcben. Zwei meiner Freunde haben sich in die Luft gesprengt. Sie sind zum Training. Doch sie kamen nicht zur\u00fcck. Ich war nicht traurig. Sie wollten sich ja in die Luft sprengen. Die \u201aIS\u2018-Leute hatten es nicht von ihnen verlangt. Sie sind freiwillig gegangen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Thomas hat heute einen modernen Haarschnitt; der Nacken ist ausrasiert; der lange Pony in die Stirn gek\u00e4mmt. Im Sommer sah er noch anders aus, kurz nachdem Mosul befreit worden war. Bei einem Luftangriff der Anti-\u201eIS\u201c-Koalition wurde Thomas schwer verletzt aus Tr\u00fcmmern geborgen, dann operiert.<\/p>\n\n\n\n

\"ThomasThomas erholt sich von drei Jahren IS-Gefangenschaft. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\n

Arbeit mit \u201eDschihadisten-Kindern\u201c<\/h2>\n\n\n\n

Die \u00e4u\u00dferen Wunden sind heute verheilt. Doch wie sieht es aus mit den inneren, den seelischen Verletzungen? Thomas wurde von seiner Familie aufgenommen und bekommt Hilfe. Andere Kinder konnten nicht aufgefangen werden. Bis heute betrachten sie Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c \u2013 so wie es ihnen in der Geiselhaft eingeh\u00e4mmert wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie sind eine gro\u00dfe Gefahr f\u00fcr andere Kinder. Sie leben in Lagern, in einem Zelt, auf sechs mal vier Metern, oder noch weniger! Acht Geschwister, sie spielen zusammen, reden, sie indoktrinieren die anderen! Das ist ein Problem, das wir nicht l\u00f6sen k\u00f6nnen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Sara Hassan ist Sozialarbeiterin. Sie arbeitet in den Lagern, versucht M\u00e4dchen und Frauen, die jahrelang in Geiselhaft vergewaltigt wurden, zu helfen. Unz\u00e4hlige hatte der \u201eIS\u201c einst entf\u00fchrt. Sara arbeitet auch mit den sogenannten \u201eDschihadisten-Kindern\u201c. Sie erz\u00e4hlt, wie \u00fcberfordert alle seien: die Familien, die jesidische Gemeinschaft, die Gesellschaft des Nord-Irak.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIn einem anderen Fall hat sich die Familie am Ende an die Sicherheitskr\u00e4fte gewandt. Doch die wussten auch nicht, wie sie damit umgehen sollten. Monate lang hat die Familie versucht, den Jungen umzuerziehen, zusammen mit Sozialarbeitern. Aber noch immer sehen wir den Hass in seinen Augen \u2013 gegen\u00fcber Kurden, Christen und Jesiden. Als blicke man in die Augen eines IS-Terroristen. Das ist das Problem.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Die Jesiden k\u00f6nnen \u00fcber ihre vom \u201eIS\u201c indoktrinierten Kinder sprechen. Denn niemand zweifelt daran, dass sie Opfer der Tyrannei wurden. Bei den sunnitischen Arabern sieht das anders aus. Da sie derselben Religionsgruppe angeh\u00f6ren wie formal auch die Terroristen, stehen sie unter Generalverdacht, mit dem \u201eIS\u201c gemeinsame Sache gemacht zu haben. Sunnitische Araber trauen sich daher nicht, die Probleme ihrer Kinder \u00f6ffentlich zu machen \u2013 auch wenn sie selbst nichts mit dem \u201eIS\u201c zu tun hatten.<\/p>\n\n\n\n

Unklar ist, wie viele Kinder und Jugendliche im Irak und in Syrien zu Terroristen ausgebildet wurden, dabei noch in Geiselhaft sind oder bereits als \u201eSchl\u00e4fer\u201c darauf warten, zum Einsatz zu kommen. Sie gleichen \u201etickenden Zeitbomben\u201c, die jederzeit explodieren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

Minderheiten haben Angst vor \u201eIS\u201c-Nachfolgern<\/h2>\n\n\n\n

Kamaran Palani spricht davon, dass viele Menschen immer noch gehen wollen, obwohl der \u201eIS\u201c als staats\u00e4hnliches Gebilde nicht mehr besteht. Seine Saat aber, so der Politikwissenschaftler, sei aufgegangen.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie wollen einfach nicht in diesem Land bleiben. Der IS hat sie dazu gebracht. Jeder hat heute Angst, dass eine andere Organisation kommen wird, Terroristen, die dasselbe anrichten wie zuvor.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Palani forscht am \u201eMiddle East Research Institute\u201c, das seinen Sitz in Erbil hat, der Hauptstadt von Irakisch-Kurdistan. <\/p>\n\n\n\n

\u201e60 bis 65 Prozent der Christen wollen gehen. Das Gleiche gilt f\u00fcr andere Minderheiten: f\u00fcr Jesiden, Schabaks, Turkmenen, Kakais.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

\u201eWir werden niemals wieder mit den Arabern zusammenleben k\u00f6nnen!\u201c \u2013 ein Satz, der heute h\u00e4ufig im Nord-Irak zu h\u00f6ren ist. Gemeint sind die Iraker, die Sunniten und Araber sind \u2013 die einstmals Nachbarn von Jesiden, Christen und Kurden waren \u2013 mit denen man Handel trieb und Hochzeiten feierte, die auch Freunde waren.<\/p>\n\n\n\n

Der Irak ist eine multi-ethnische und multi-religi\u00f6se Gesellschaft, in der die Schiiten die Mehrheit stellen. \u00dcber Jahrhunderte aber hatten die sunnitischen Araber das Sagen, sie missbrauchten die Macht, errichteten ein Schreckensregime \u2013 bis 2003, als Diktator Saddam Hussein von den USA gest\u00fcrzt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c entstand aus Widerstand gegen Schiiten-Herrschaft<\/h2>\n\n\n\n

Jetzt wurde der Spie\u00df umgedreht. Die Amerikaner sorgten daf\u00fcr, dass die Sunniten jegliche Machtposition verloren \u2013 so wurde die irakische Armee, wurde die baathistische Partei aufgel\u00f6st \u2013 ohne ein Pendant zu schaffen, das alle integrierte. Und: Washington unterst\u00fctzte Regierungschef Nouri al-Maliki, einen Schiiten. Maliki sah eine historische Chance gekommen, diskriminierte nun seinerseits seine sunnitischen Landsleute, verwehrte ihnen im \u201eNeuen Irak\u201c die Mitsprache. Im Regime Malikis wurden Sunniten inhaftiert, gefoltert und umgebracht.<\/p>\n\n\n\n

Was viele in den Widerstand trieb. Einige schlossen sich der Terror-Organisation \u201eAl-Qaida\u201c an, unter ihnen f\u00fchrende Milit\u00e4rs der aufgel\u00f6sten Armee Saddam Husseins \u2013 und aus \u201eAl-Qaida\u201c ging sp\u00e4ter der \u201eIS\u201c hervor.<\/p>\n\n\n\n

Als der \u201eIS\u201c dann im Sommer 2014 fast ohne Gegenwehr weite Landstriche in Syrien und im Irak \u00fcberrannte und seinen \u201eStaat\u201c ausrief, sahen auch gew\u00f6hnliche sunnitische Araber einen Wechsel nahen. Viele machten gemeinsame Sache mit den Terroristen, verhinderten die Flucht jesidischer Nachbarn, lieferten sie ihren Schl\u00e4chtern aus. Kamaran Palani:<\/p>\n\n\n\n

\u201eIS\u201c-K\u00e4mpfer haben gesagt, es gehe darum, die W\u00fcrde der sunnitischen Araber wiederherzustellen. Ihre Macht. Ihre Geschichte. Tats\u00e4chlich konnten es die Araber nicht hinnehmen, dass sie ins Abseits gedr\u00e4ngt wurden. Und ich denke, dass sie auch in Zukunft so handeln werden. Wann immer sich die Gelegenheit bietet: Sie werden alles hinter sich lassen \u2013 sich nur darauf konzentrieren.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Misstrauen. Auch bei einem Politikwissenschaftler. Was also tun? Zerst\u00f6rte St\u00e4dte und D\u00f6rfer k\u00f6nnten wieder aufgebaut werden \u2013 wenn denn ein gemeinsamer Wille best\u00fcnde. Doch was, wenn es einen solchen gemeinsamen Willen gar nicht gibt? Wenn Schmerz und Trauer anhalten, wenn die Verbrechen von Terroristen und Helfershelfern nicht geahndet werden, wenn Angst umgeht, Misstrauen und Hass das Miteinander bestimmen.<\/p>\n\n\n\n

\"SyrischeSoldaten in der irakischen Stadt Sindschar nach der R\u00fcckeroberung von der IS-Miliz Ende 2015. (dpa \/ MAXPPP \/ Arnaud Dumontier)<\/p>\n\n\n\n

Kamaran Palani stammt aus der Stadt Makhmour. Drei Tage nur sei der \u201eIS\u201c dort gewesen, sagt er, doch diese Tage h\u00e4tten alles ver\u00e4ndert. Der \u201eIS\u201c habe die Menschen in seiner Heimatstadt verrohen lassen, meint er, das Verh\u00e4ltnis zwischen Kurden und Arabern sei heute tot. Eine R\u00fcckkehr in alte Zeiten h\u00e4lt Palani f\u00fcr falsch.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch denke, es w\u00e4re nicht einfach, in das Jahr 2014 \u2013 also in die Zeit vor dem \u201aIS\u2018 \u2013 zur\u00fcckzukehren. Vor allem aber w\u00e4re es nicht die richtige Politik. Denn eben die hat ja erst zum Aufkommen, zur Existenz des \u201aIS\u2018 gef\u00fchrt.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n


Wie also in Ruinen Neues schaffen? Der Staat muss das Gewaltmonopol zur\u00fcckerlangen, fordert der Politikwissenschaftler. F\u00fcr ihn steht das an erster Stelle. Und dann m\u00fcsse der Staat dringend einen Kurswechsel vornehmen: Er m\u00fcsse integrativ wirken, alle einbinden, auch die Araber, in Sicherheitskr\u00e4fte, Verwaltung und Politik.<\/p>\n\n\n\n

Machtmonopol m\u00fcsste von Milizen zum Staat gehen<\/h2>\n\n\n\n

Die Realit\u00e4t sieht anders aus: Ein Staat Kurdistan, der neue Optionen m\u00f6glich gemacht h\u00e4tte, auch von den Minderheiten gew\u00fcnscht worden war, ist nicht entstanden. Bagdad aber ist fern, der Zentralstaat kaum existent, und wenn, dann ist er schiitisch dominiert. Es sind Milizen, die im Nord-Irak das Geschehen bestimmen, darum rivalisieren, das Machtvakuum zu f\u00fcllen, das durch die Vertreibung des \u201eIS\u201c entstanden ist. Einst im Kampf gegen die Terroristen geeint, sind die Milizen einander heute feind.<\/p>\n\n\n\n

Allen voran die \u201eHashd ash-Shaabi\u201c, schiitisch-irakische Milizen, deren Ausbilder und Kommandeure h\u00e4ufig Iraner sind. Bagdad hat die Haschd als regul\u00e4re Kraft im Kampf gegen den \u201eIS\u201c anerkannt \u2013 obwohl Menschenrechts-Organisationen schwere Vorw\u00fcrfe gegen sie erheben. Fest steht: Die schiitischen Milizen halten D\u00f6rfer besetzt, sind in Mosul f\u00fcr ihr herrisches Auftreten und ihre Willk\u00fcr bekannt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eTats\u00e4chlich sorgen die verschiedenen bewaffneten Gruppen daf\u00fcr, dass die Fl\u00fcchtlinge nicht zur\u00fcckkehren. Und weil sie nicht zur\u00fcckkehren, gibt es auch keinen Wiederaufbau. Die Menschen haben Angst vor den Milizen \u2013 auch davor, dass die einander bek\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die \u201eHashd\u201c m\u00fcssten mithin abziehen. Und mit ihnen die anderen Milizen. Das Machtmonopol m\u00fcsste an den Staat gehen. Doch der Irak ist auch Spielball der Regionalm\u00e4chte: Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien. Sie konkurrieren um Einfluss-Sph\u00e4ren, bedienen sich dabei verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Gruppen im Irak. Deswegen werden die Hashd nicht abziehen. Derzeit sind sie von der iranisch-irakischen Grenze im Osten \u00fcber Bagdad bis hoch zur irakisch-syrischen Grenze im Norden postiert. Einheiten Teherans k\u00f6nnten demnach auf dem Landweg vom Iran bis ans Mittelmeer durchmarschieren.<\/p>\n\n\n\n

Iran und Saudi-Arabien wollen Macht vergr\u00f6\u00dfern<\/h2>\n\n\n\n

Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n

In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n

Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3703,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:24:20","post_date_gmt":"2020-08-13 21:24:20","post_content":"\n

Deutschland str\u00e4ubt sich gegen die R\u00fcckkehr seiner eigenen Staatsb\u00fcrger, die zu IS-Terroristen wurden. Dabei hat die Bundesrepublik den Terror und die Terroristen einst exportiert. Und dies geschah wissentlich, sagt der Islamwissenschaftler Fabian Goldmann.<\/p>\n\n\n\n

Wann haben Sie sich eigentlich zuletzt von deutschen Terroristen distanziert? Zum Beispiel von Robert B.? Der Ex-Bundeswehrsoldat aus Solingen hat mutma\u00dflich bei einem Selbstmordattentat Anfang 2014 50 Menschen mit in den Tod gerissen. <\/p>\n\n\n\n

Oder von Yannik N.? Der junge Freiburger steuerte wahrscheinlich im Jahr 2015 einen mit anderthalb Tonnen Sprengstoff beladenen LKW in eine Menschenmenge und nahm so Dutzenden Personen das Leben.<\/p>\n\n\n\n

Oder von Yamin A.?. Im Sommer 2015 tauchte im Netz ein Video auf, das zeigte, wie der ehemalige Telekom-Azubi aus K\u00f6nigswinter zwei gefesselten Soldaten in den Kopf schoss.
Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Deutsche T\u00e4ter, aber kaum deutsche Opfer<\/h2>\n\n\n\n

Hauptsache nicht bei uns! Dies scheint auch dieser Tage wieder die Maxime zu sein, wenn Politiker und \u00d6ffentlichkeit \u00fcber den Umgang mit deutschen Terroristen diskutieren. Von potenziellen Bedrohungen und Anschlagsgefahren in Deutschland liest man dann. Vom ganz realen Terror, den Deutsche in den vergangenen Jahren \u00fcber die Menschen in Syrien und Irak gebracht haben, h\u00f6rt man hingegen kaum. Ein Terror, der kaum deutsche Opfer aber umso mehr deutsche T\u00e4ter kannte.<\/p>\n\n\n\n

1.050 \u2013 das ist laut Bundesinnenministerium die Anzahl der Dschihadisten, die in den letzten Jahren die Bundesrepublik in Richtung Nahost verlassen hat. Es f\u00e4llt schwer, sich umgekehrtes Szenario \u00fcberhaupt auszumalen. Was w\u00e4re wohl los, h\u00e4tte es nur ein Bruchteil arabischer Terroristen geschafft, bei uns Anschl\u00e4ge zu begehen? Europas \u201eMuslim Bann\u201c? \u00dcberwachungsstaat auf NSA-Niveau?<\/p>\n\n\n\n

Die CSU st\u00fcnde wom\u00f6glich am linken Ende des politischen Spektrums, und auf Twitter w\u00fcrde Trump deutsche Migrationspolitiker zur M\u00e4\u00dfigung aufrufen. Der deutsche Terror in Nahost kommt hingegen seit Jahren ganz ohne Sondersendungen, politische Debatten und Distanzierungsforderungen aus. <\/p>\n\n\n\n

Deutsche K\u00e4mpfer waren nicht nur willenloses Kanonenfutter<\/h2>\n\n\n\n

An fehlendem Wissen liegt das nicht. Von ganzen Einheiten des IS, in denen kein einziger K\u00e4mpfer Arabisch spreche, berichten syrische, irakische und kurdische Soldaten schon seit Jahren. Von Aleppo \u00fcber Raqqa bis Mossul haben Aktivisten und Politiker immer wieder darauf hingewiesen, dass viele der schlimmsten M\u00f6rder in den Reihen des IS Europ\u00e4er sind. Interessiert hat das hier kaum jemand.<\/p>\n\n\n\n

Dabei dienten Deutsche dem Islamischen Staats nicht nur als willenloses Kanonenfutter, wie es oft dargestellt wird. Viele haben seinen Terror mitgepr\u00e4gt. Wie Martin L., der derzeit in kurdischer Haft sitzt. Der Schwei\u00dfer aus Sachsen-Anhalt soll sich vom Folterknecht bis zum Geheimdienstler mit Kontakten bis in die F\u00fchrungsspitze der Terrororganisation hochgearbeitet haben.<\/p>\n\n\n\n

Oder Reda S., Der Prediger aus Berlin-Charlottenburg soll dem IS in Mossul als Bildungsminister gedient haben. Oder der Berliner Ex-Rapper Denis Cuspert, der zu den wichtigsten Personen in der IS-Medienorganisation Al-Hayat geh\u00f6rte. Oder, oder, oder\u2026<\/p>\n\n\n\n

Beh\u00f6rden wussten gut Bescheid<\/h2>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich entstand der Islamische Staat nicht in deutschen Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen. Zur deutschen Verantwortung geh\u00f6rt aber auch, dass Politiker und Beh\u00f6rden lange wegschauten, solang nur die T\u00e4ter, aber nicht die Opfer Deutsche waren. Beh\u00f6rden wissen und wussten erschreckend gut Bescheid \u00fcber die Radikalisierung deutscher Islamisten. Ein Gro\u00dfteil der sp\u00e4teren IS-K\u00e4mpfer war polizeibekannt, stand auf Gef\u00e4hrderlisten oder hatte wegen islamistischer Straftaten bereits Haftstrafen verb\u00fc\u00dft. An der Ausreise gehindert wurden sie oftmals dennoch nicht. Die Gefahr, die von deutschen Terroristen ausgeht, interessierte Politik und \u00d6ffentlichkeit erst dann wieder, als ihre Einreise drohte.<\/p>\n\n\n\n

\"Fabian
Fabian Goldmann<\/strong> ist Journalist und Islamwissenschaftler. F\u00fcr verschiedene Magazine und Zeitungen berichtete er viele Jahre aus Nahost. Zurzeit widmet er sich vor allem dem Islam diesseits des Bosporus. Auf seinem Blog Schantall und die Scharia<\/a> bloggt er \u00fcber Islamophobie in Deutschland.<\/p>\n","post_title":"Es sind unsere Terroristen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"es-sind-unsere-terroristen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3703","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3700,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:19:36","post_date_gmt":"2020-08-13 21:19:36","post_content":"\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda? Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda t<\/p>\n\n\n\n

Weshalb eine neue Sicherheitsagenda?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Mit der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda kommt die Kommission der Ank\u00fcndigung von Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seinen politischen Leitlinien nach. Die Sicherheitsagenda tritt an die Stelle der 2010 verabschiedeten Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014 (siehe IP\/10\/1535<\/a>). In der heute vorgestellten Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda f\u00fcr den Zeitraum 2015-2020 skizziert die Europ\u00e4ische Kommission die Strategie der Union zur Bew\u00e4ltigung der Sicherheitsbedrohungen in der EU.<\/p>\n\n\n\n

Die EU und ihre Mitgliedstaaten sind mit betr\u00e4chtlichen Sicherheitsproblemen konfrontiert. Terrorismus, organisierte Kriminalit\u00e4t und Cyberkriminalit\u00e4t stellen eine zunehmende Gefahr f\u00fcr die europ\u00e4ische Gesellschaft dar, wobei sich Art und Ausma\u00df dieser Gefahr ver\u00e4ndert hat. Europa ist mit den Auswirkungen der politischen Instabilit\u00e4t in seiner unmittelbaren Nachbarschaft konfrontiert, die die Sicherheitsinteressen der EU gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n

Im Zuge der Krisen und Konflikte in Syrien, Irak und Libyen haben sich europ\u00e4ische B\u00fcrger terroristischen Gruppen angeschlossen, die bei ihrer R\u00fcckkehr eine erhebliche Bedrohung darstellen k\u00f6nnen. Die j\u00fcngsten terroristischen Anschl\u00e4ge in Europa zeugen von der zunehmenden Bedrohung durch einen gewaltt\u00e4tigen Extremismus und zeigen, in welchem Ausma\u00df weltweite Konflikte zur Radikalisierung der europ\u00e4ischen B\u00fcrger beitragen.<\/p>\n\n\n\n

Das Online-Umfeld hat sich zunehmend als Ziel f\u00fcr Kriminelle und Terroristen entwickelt. Unabh\u00e4ngig davon, ob es um die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und die Anwerbung von Menschen f\u00fcr terroristische Organisationen geht oder die Verbreitung von Hass oder einen Angriff auf die europ\u00e4ischen Werte und Institutionen, fest steht, dass wir unsere Reaktion auf diese Bedrohungen unbedingt abstimmen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Welcher Mehrwert entsteht durch die EU im Bereich der inneren Sicherheit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Gew\u00e4hrleistung der inneren Sicherheit f\u00e4llt weiterhin in erster Linie in die Zust\u00e4ndigkeit der Mitgliedstaaten. Allerdings werden die Bedrohungen f\u00fcr Europas B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger immer vielf\u00e4ltiger und betreffen in zunehmendem Ma\u00dfe mehrere Mitgliedstaaten. Einzelne Mitgliedstaaten haben die Verantwortung, die Sicherheit an den Au\u00dfengrenzen zu gew\u00e4hrleisten, sind aber nicht mehr in der Lage, diese Herausforderungen allein zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n

Kriminelle und terroristische Aktivit\u00e4ten machen nicht an den Grenzen der EU halt und beschr\u00e4nken sich auch nicht auf Nachbarregionen. Die innere Sicherheit der EU und die globale Sicherheit sind voneinander abh\u00e4ngig und miteinander verkn\u00fcpft. Die Sicherheit der Union h\u00e4ngt in hohem Ma\u00dfe von der Zusammenarbeit mit ihren internationalen Partnern und ihren Nachbarl\u00e4ndern ab.<\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t und des Terrorismus ist eine gemeinsame europ\u00e4ische Aufgabe. Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda sollte von den Mitgliedstaaten und den EU-Organen gemeinsam als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und gemeinsame Ma\u00dfnahmen der Union genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n

Mit Hilfe der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda werden die Polizei- und Strafverfolgungsdienste in verschiedenen Mitgliedstaaten Daten effektiver austauschen und bei der Bek\u00e4mpfung der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t besser zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Die Mitgliedstaaten k\u00f6nnen auf die Unterst\u00fctzung durch die Agenturen der EU z\u00e4hlen. Insbesondere in folgenden Punkten l\u00e4sst sich mit Hilfe der Sicherheitsagenda ein EU-Mehrwert erzielen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n

A) Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und den EU-Agenturen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1<\/strong>: Das Schengener Informationssystem<\/strong> (SIS) wird von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Abfrage von Ausschreibungen von gesuchten oder vermissten Personen und Gegenst\u00e4nden genutzt. Die Kommission wird an der Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Ausschreibungskategorien arbeiten und sich daf\u00fcr einsetzen, dass das SIS zusammen mit der Interpol-Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD)<\/strong> umfassender genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2<\/strong>: Das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/strong> (ECRIS) tr\u00e4gt bereits entscheidend zum Informationsaustausch in diesem Bereich bei. Bisher nutzen 26 Mitgliedstaaten das ECRIS mit zunehmender Tendenz, so dass monatlich mehr als 100 000 Mitteilungen \u00fcber das System \u00fcbermittelt werden. Allerdings werden Nicht-EU-B\u00fcrger von dem System nicht erfasst. Die Kommission wird ECRIS im Hinblick auf die Erfassung und den Austausch von Daten \u00fcber in der EU verurteilte Nicht-EU-B\u00fcrger ausweiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

B) Verst\u00e4rkte operative polizeiliche Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: <\/strong>In Gemeinsamen Ermittlungsteams<\/strong> arbeiten Polizeibeamte aus mehreren Mitgliedstaaten f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum zusammen, um in bestimmten grenz\u00fcbergreifenden F\u00e4llen gemeinsam zu ermitteln. Die Europ\u00e4ische Kommission wird die regelm\u00e4\u00dfigere Nutzung der Gemeinsamen Ermittlungsteams durch die Mitgliedstaaten f\u00f6rdern und sicherstellen, <\/strong>dass Drittstaaten an F\u00e4llen mit Auslandsbezug beteiligt sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: EU-Agenturen<\/strong>, insbesondere Europol und Eurojust, spielen eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit und grenz\u00fcbergreifender Ermittlungen. <\/strong>Die von Europol im September 2014 koordinierte Operation \u201eArchimedes\u201c, die gegen eine Vielzahl schwerer Straftaten in 34 Mitgliedstaaten und Drittstaaten gerichtet war, f\u00fchrte europaweit zu mehr als 1000 Festnahmen. Die Europ\u00e4ische Kommission wird daf\u00fcr sorgen, dass die EU-Agenturen ihre Arbeit besser abstimmen, damit die Kapazit\u00e4ten der Agenturen zur Unterst\u00fctzung der Mitgliedstaaten voll ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

C) F\u00f6rderung der Fortbildung und der Kofinanzierung auf EU-Ebene:<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Beispiel 1: Der unl\u00e4ngst f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 eingerichtete Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit<\/strong> ist mit einem Gesamtbudget von rund 3,8 Mrd. EUR ausgestattet. Die Kommission wird die Nutzung des Fonds f\u00fcr die innere Sicherheit an den Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda ausrichten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ausbau des Informationsaustauschs, der Aktualisierung der nationalen Teile des Schengener Informationssystems und der St\u00e4rkung der grenz\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit liegen wird.<\/p>\n\n\n\n

Beispiel 2: Die Kommission wird die Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Polizeiakademie<\/strong>, Polizeibeamte auf eine effektive Zusammenarbeit vorzubereiten, ausbauen. Auch die nationalen Polizeiakademien werden auf EU-Mittel zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um die grenz\u00fcbergreifende Zusammenarbeit<\/strong> zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Schulungen und praktischen Erfahrungen zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Welches sind die Priorit\u00e4ten der Sicherheitsagenda f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In der Sicherheitsagenda sind drei Bereiche festgelegt, in denen die EU vorrangig vorgehen sollte. Der Schwerpunkt wurde auf die Bereiche gelegt, in denen die Union entscheidende Verbesserungen herbeif\u00fchren kann:<\/p>\n\n\n\n

Terrorismus und Radikalisierung<\/strong> stellen enorme Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der EU dar. Die j\u00fcngsten Terroranschl\u00e4ge in der EU haben deutlich gezeigt, dass eine starke gemeinsame Reaktion der EU insbesondere auf die ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfer unabdingbar ist. W\u00e4hrend das Problem nicht neu ist, haben der Umfang und der Zustrom der K\u00e4mpfer, die an den derzeitigen Konflikten insbesondere in Syrien, im Irak und in Libyen teilnehmen, sowie der Grad der Vernetzung dieser Konflikte bislang nicht gekannte Ausma\u00dfe angenommen.<\/p>\n\n\n\n

Die organisierte Kriminalit\u00e4t, <\/strong>die von der Schleusung von Migranten und Menschenhandel \u00fcber den Feuerwaffen-, Drogen- und Zigarettenhandel bis hin zu Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsdelikten reicht, ist mit gro\u00dfem menschlichen Leid sowie hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten verbunden. Organisierte Kriminelle nutzen seit jeher L\u00fccken bei der Durchsetzung der einschl\u00e4gigen Rechtsvorschriften \u00fcber die Grenzen hinweg. Deshalb k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen der EU so wertvoll sein. Dass die Netze der organisierten Kriminalit\u00e4t terroristischen Aktivit\u00e4ten Vorschub leisten und diese finanzieren, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems.<\/p>\n\n\n\n

Die Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong> erm\u00f6glicht potenzielle Riesengewinne f\u00fcr Kriminelle, da sich unser Leben, wozu auch der elektronische Gesch\u00e4ftsverkehr und das Online-Banking geh\u00f6ren, zunehmend ins Netz verlagert. Da immer mehr personenbezogene Daten in digitaler Form gespeichert werden, gef\u00e4hrdet die Cyberkriminalit\u00e4t die pers\u00f6nliche Sicherheit und Privatsph\u00e4re. Cyberkriminelle missbrauchen moderne Technologien wie das Internet f\u00fcr den unerlaubten Online-Handel mit Drogen und Waffen oder andere kriminelle Transaktionen. Die Bek\u00e4mpfung der Internet-Kriminalit\u00e4t umfasst auch Straftaten wie die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Verbesserung der Strafverfolgung und die Reaktion der Justiz auf Cyberkriminalit\u00e4t ist eine Priorit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda.<\/p>\n\n\n\n

Zur Bew\u00e4ltigung dieser Bedrohungen sieht die Sicherheitsagenda einen verst\u00e4rkten Informationsaustausch und eine wirksamere operative Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, EU-Agenturen und dem IT-Sektor vor.<\/p>\n\n\n\n

Welche konkreten Ma\u00dfnahmen sind geplant, um die Sicherheitsbedrohungen in der EU anzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda zielt auf die St\u00e4rkung der Instrumente, die die EU den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in den Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcbergreifenden Kriminalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellt. Dar\u00fcber hinaus sind in der Sicherheitsagenda konkrete Ma\u00dfnahmen vorgesehen, die auf europ\u00e4ischer Ebene durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Agenda zielt auf die Erleichterung eines besseren Informationsaustauschs und den Ausbau der operativen Zusammenarbeit<\/strong> zwischen den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden der Mitgliedstaaten und mit den EU-Agenturen. Zwar gibt es Systeme f\u00fcr den Informationsaustausch, doch werden diese nicht in vollem Umfang genutzt. Hinsichtllich der operativen Zusammenarbeit kann der Rahmen weiter ausgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: In der Sicherheitsagenda wird vorgeschlagen, zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus<\/strong> die Rolle von Europol durch die Errichtung eines Europ\u00e4ischen Zentrums zur Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/strong> als sicheres Zentrum f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den nationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einzurichten und sich dabei auf die positiven Erfahrungen des Zentrums zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t (EC 3) zu st\u00fctzen. Die Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung<\/strong> soll ebenfalls verst\u00e4rkt werden. Um der Radikalisierung im Internet vorzubeugen, wird die Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen<\/strong> ein Forum auf EU-Ebene <\/strong>einrichten, das zur Entwicklung von Instrumenten zur Bek\u00e4mpfung terroristischer Propaganda beitragen soll.<\/p>\n\n\n\n

Im Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong> zielt die Agenda auf die Einf\u00fchrung wirksamer Ma\u00dfnahmen zur Fahndung nach den Finanzquellen des Terrorismus ab sowie durch die St\u00e4rkung der Befugnisse der zentralen Meldestellen auf eine bessere Verfolgung der finanziellen Beziehungen von Netzen der organisierten Kriminalit\u00e4t und St\u00e4rkung der Befugnisse der zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden zur Sicherstellung und Einziehung illegal erworbener Verm\u00f6genswerte. Der Rechtsrahmen f\u00fcr Feuerwaffen<\/strong> wird ebenfalls \u00fcberarbeitet, um den Zugriff von Kriminellen und Terroristen auf Waffen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung der Cyberkriminalit\u00e4t ist mit vielf\u00e4ltigen Herausforderungen verbunden. Die Sicherheitsagenda enth\u00e4lt den Vorschlag, die Kapazit\u00e4ten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auszubauen, insbesondere durch das bei Europol angesiedelte Europ\u00e4ische Zentrum zur Bek\u00e4mpfung der Cyberkriminalit\u00e4t<\/strong>, und die Hindernisse f\u00fcr die strafrechtlichen Ermittlungen \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t, vor allem in Bezug auf den Zugang zu Beweismitteln, zu beseitigen.<\/strong> Parallel dazu wird der Umsetzung der bestehenden Rechtsvorschriften \u00fcber Angriffe auf Informationssysteme und \u00fcber die Bek\u00e4mpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Dies sind nur einige der in der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda aufgef\u00fchrten zahlreichen konkreten Ma\u00dfnahmen, die die Kommission in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren einf\u00fchren wird. Neue Bedrohungen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen der EU erfordern.<\/p>\n\n\n\n

Wie sieht es aus mit dem Datenschutz bei der Nutzung von Fluggastdatens\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang ist der Vorschlag f\u00fcr einen Rechtsrahmen f\u00fcr europ\u00e4ische Fluggastdatens\u00e4tze (PNR), \u00fcber den seit 2011 verhandelt wird, von gro\u00dfer Bedeutung. Nach den Terroranschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben der Rat und das Europ\u00e4ische Parlament eine z\u00fcgige Annahme des Systems zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen zugesagt und sich verpflichtet, vor Ende 2015 eine Einigung zu erzielen. Die Kommission wird mit Rat und Parlament zusammenarbeiten, um rasch ein wirksames Rechtsinstrument auf den Weg zu bringen, das die Grundrechte uneingeschr\u00e4nkt achtet.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission erw\u00e4gt ferner einen horizontalen Ansatz f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Nutzung von PNR-Daten. Bevor dieser umgesetzt werden kann, muss die Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zum Entwurf des \u00fcberarbeiteten PNR-Abkommen mit Kanada und zu der Frage, ob das Abkommen im Einklang mit den EU-Vertr\u00e4gen steht, abgewartet werden.<\/p>\n\n\n\n

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Rat und Parlament derzeit mit den Kommissionsvorschl\u00e4gen zu den Datenschutzvorschriften befasst sind, die einen wirksameren Schutz der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und die Arbeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter erleichtern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Sind die Sicherheitsbedrohungen von heute anders als die, die im Jahr 2010 festgestellt wurden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die drei Schwerpunkte der Sicherheitsagenda sind nicht neu; sie bildeten bereits strategische Ziele in der Strategie der inneren Sicherheit f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014. Allerdings haben sich der Umfang und die Komplexit\u00e4t der Bedrohungen ver\u00e4ndert, und unsere europ\u00e4ische Strategie muss entsprechend weiterentwickelt werden. In dieser Hinsicht baut die Sicherheitsagenda auf den Ma\u00dfnahmen auf, die in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, und stellt damit einheitliche und fortlaufende Ma\u00dfnahmen sicher.<\/p>\n\n\n\n

Wird die Sicherheit auf Kosten der Grundrechte gew\u00e4hrleistet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Strategie der Union f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und sonstiger Sicherheitsbedrohungen muss sich auf die gemeinsamen demokratischen Werte unserer offenen Gesellschaften st\u00fctzen. Die Sicherheit und die Achtung der Grundrechte kollidieren nicht miteinander, sondern stellen koh\u00e4rente und einander erg\u00e4nzende politische Ziele dar.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission wird daf\u00fcr Sorge tragen, dass die legislativen und politischen Instrumente einer strengen Bewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass diese Instrumente die Sicherheit tats\u00e4chlich gew\u00e4hrleisten und in vollem Einklang mit den Grundrechten stehen und dass etwaige Auswirkungen auf die Freiz\u00fcgigkeit und den Schutz personenbezogener Daten uneingeschr\u00e4nkt mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n

Im Einklang mit der Charta der Grundrechte muss das Sicherheitskonzept der EU die Grundrechte achten und f\u00f6rdern. Alle sicherheitspolitischen Instrumente m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der Notwendigkeit, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen und angemessene Garantien bieten, damit die Rechenschaftspflicht und der Weg zu den Gerichten gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n\n\n\n

Was tut die EU konkret, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die EU unterst\u00fctzt die Mitgliedstaaten bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Terrorismus mit mehreren Instrumenten. Sie stellt einen Rechtsrahmen bereit, der zur Koordinierung grenz\u00fcbergreifender Strafverfolgungsma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt. Zu den wichtigsten Instrumenten in diesem Zusammenhang z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Haftbefehl<\/a>, das Europ\u00e4ische Strafregisterinformationssystem<\/a> und die Rechtshilfeabkommen<\/a> mit Drittstaaten.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus \u00fcberst\u00fctzt die EU die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung vor Ort mit Hilfe des Aufkl\u00e4rungsnetzwerks gegen Radikalisierung <\/a>(RAN), das Fachleuten und Praktikern den Austausch \u00fcber bew\u00e4hrte Verfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n

Au\u00dferdem hat die EU folgende Rechtsvorschriften und Programme zur Verh\u00fctung der Finanzierung von Terrorismus auf den Weg gebracht: die Rechtsvorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche<\/a>, das Netzwerk von EU-Zentralstellen f\u00fcr Verdachtsmeldungen <\/a>und das EU-US Programm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus<\/a>. Weitere Informationen zu gezielten Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus: MEMO\/15\/3140<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht die EU gegen den Menschenhandel und die Schleusung von Migranten vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Bek\u00e4mpfung der Schleusung von Migranten und des Menschenhandels, die schwere grenz\u00fcbergreifende Verbrechen darstellen, steht ganz oben auf der politischen Agenda der EU. Seit 2011 gibt es eine EU-Richtlinie<\/a> zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer. Der bestehende politische und rechtliche Rahmen hat zu einer verst\u00e4rkten und besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen EU-Agenturen sowie auf verschiedenen Regierungsebenen gef\u00fchrt. Des Weiteren werden verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen gegen die Schleusung von Migranten (weitere Informationen: MEMO\/15\/3261<\/a>) ein zentraler Bestandteil der angek\u00fcndigten Europ\u00e4ischen Migrationsagenda sein.<\/p>\n\n\n\n

Was hat es mit der externen Dimension der Sicherheit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da viele Sicherheitsbedrohungen ihren Ursprung au\u00dferhalb der EU haben, ist die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ein zentraler Bestandteil der Europ\u00e4ischen Sicherheitsagenda. Die EU hat eine Initiative zur Terrorismusbek\u00e4mpfung in den westlichen Balkanl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, die auf die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung und den Dschihadismus in den EU-Nachbarschaftsstaaten zielt. Au\u00dferdem hat die EU nach der Tagung des Rates \u201eAusw\u00e4rtige Angelegenheiten\u201c vom 9. Februar 2015 ein Programm zur Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung und gegen ausl\u00e4ndische terroristische K\u00e4mpfer aufgelegt. Heute stellt die EU 10 Mio. EUR f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung in der Region Sahelzone-Maghreb bereit, um den Zustrom ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Westlichen Balkan einzud\u00e4mmen (siehe IP\/15\/4865<\/a>).<\/p>\n\n\n\n

Im Rahmen der Strategischen \u00dcberarbeitung, die die Hohe Vertreterin f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und Vizepr\u00e4sidentin der Kommission eingeleitet hat, und im Rahmen der laufenden \u00dcberarbeitung der europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wird n\u00e4her auf die externen Sicherheitsaspekte eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n

Konkrete Beispiele zur Veranschaulichung, was die EU-Koordinierung im Bereich der Sicherheit bewirkt hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Da Kriminelle bekanntlich nicht an den Grenzen halt machen, sind unsere Chancen, sie dingfest zu machen, gr\u00f6\u00dfer, wenn wir zusammenarbeiten. Der Europ\u00e4ische Haftbefehl ist ein wichtiges Instrument, um Straft\u00e4ter festzusetzen, unsere Strafjustizsysteme effektiver zu machen und um die rasche R\u00fcckf\u00fchrung zahlreicher Verd\u00e4chtiger zu gew\u00e4hrleisten, die anderenfalls f\u00fcr ihre Verbrechen nicht vor Gericht gestellt worden w\u00e4ren. 2005 war es insbesondere diesem Instrument zu verdanken, dass einer der Bomber von London innerhalb weniger Wochen von Italien in das Vereinigte K\u00f6nigreich ausgeliefert werden konnte. Mit Hilfe des gleichen Instruments konnten die belgischen Beh\u00f6rden 2014 den Hauptverd\u00e4chtigen des Anschlags auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel festnehmen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n

Extremistisches Gedankengut ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Terrorismus in Europa. Durch die B\u00fcndelung unseres Know how und unserer Fachkenntnisse k\u00f6nnen wir wirkungsvoller gegen die Radikalisierung vorgehen. Am 30. Januar 2014 organisierte das Aufkl\u00e4rungsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN) in Den Haag eine St\u00e4dtekonferenz zum Thema \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer in Syrien\u201c. Auf dieser Konferenz, an der 120 Praktiker aus 23 betroffenen St\u00e4dten der EU-Mitgliedstaaten sowie 50 Vertreter nationaler Beh\u00f6rden aus den meisten EU-Mitgliedstaaten sowie RAN-Fachleute teilnahmen, wurde die Problematik der ausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer er\u00f6rtert sowie Wissen und bew\u00e4hrte Verfahren ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n

Da die Netzwerke der organisierten Kriminalit\u00e4t grenz\u00fcbergreifend operieren, k\u00f6nnen wir sie in jedem Mitgliedstaat effektiv bek\u00e4mpfen, wenn wir zusammenarbeiten. Im M\u00e4rz 2015 wurden mit Unterst\u00fctzung von Europol, Eurojust und beinahe 400 Strafverfolgungsbeamten 77 Personen in \u00d6sterreich, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und dem Kosovo festgenommen, die der breitangelegten Schleusung von Migranten aus dem Kosovo[1]<\/sup><\/a> in die EU verd\u00e4chtigt wurden. Mit dieser gemeinsamen Aktion gelang es, das Netzwerk der organisierten Kriminalit\u00e4t zu zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wird es weiter gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda muss von der Union und den Mitgliedstaaten gemeinsam genutzt werden<\/strong>. Es werden sich nur dann Ergebnisse bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und grenz\u00fcbergreifender Kriminalit\u00e4t erzielen lassen, wenn alle betroffenen Akteure besser zusammenarbeiten, darunter auch die EU-Organe, die Mitgliedstaaten, die EU-Agenturen und die einschl\u00e4gigen Akteure der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n

Daher fordert die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat auf, diese Sicherheitsagenda, die die neue Strategie der inneren Sicherheit verk\u00f6rpert, auf der Tagung des Europ\u00e4ischen Rates im Juni 2015 zu unterst\u00fctzen und sich in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren aktiv an ihrer Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n

Die Kommission ersucht die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, die Sicherheitsagenda in den kommenden f\u00fcnf Jahren als Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit und die gemeinsamen sicherheitspolitischen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union zu betrachten mit dem Ziel, einen echten europ\u00e4ischen Raum der inneren Sicherheit zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

[1]<\/a>Diese Bezeichnung ber\u00fchrt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244\/1999 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovos.

Via<\/a><\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Sicherheitsagenda: Fragen und Antworten","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-sicherheitsagenda-fragen-und-antworten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3700","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":44},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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