Die massiven Kürzungen der amerikanischen Entwicklungshilfe haben 2025 das Gesundheitssystem auf dem afrikanischen Kontinent tiefgreifend verändert. Die Vereinigten Staaten, die zuvor rund ein Viertel aller Hilfen in Afrika bereitstellten, reduzierten ihre Beiträge in verschiedenen humanitären und gesundheitsbezogenen Bereichen um nahezu 80 Prozent. Diese Entwicklung beschleunigte sich Ende 2024 und führte zu einem geschätzten Rückgang der gesamten US-Ausgaben für Entwicklungshilfe um 38 Prozent dem stärksten jemals verzeichneten Einbruch weltweit. Besonders betroffen sind gefährdete Regionen wie die Sahelzone sowie Zentral und Ostafrika.
Programme, die für HIV/AIDS, Müttergesundheit, die Behandlung von Mangelernährung und die Bekämpfung von Infektionskrankheiten entscheidend waren, wurden unmittelbar nach dem Rückzug der von USAID finanzierten Operationen eingestellt. PEPFAR-finanzierte Kliniken und andere globale Gesundheitsinitiativen wurden in über 50 Ländern geschlossen, sodass Millionen Menschen keinen Zugang mehr zu grundlegenden Gesundheitsdiensten haben. Mediziner im Südsudan meldeten einen drastischen Anstieg der Säuglingssterblichkeit, nachdem dortige USAID-finanzierte Entbindungszentren schließen mussten. Nach WHO-Prognosen vom Jahresbeginn 2025 könnte die Zahl der neuen HIV-Infektionen auf zehn Millionen steigen und bis zu drei Millionen HIV-bedingte Todesfälle in den nächsten zehn Jahren eintreten, falls die Versorgungslücken nicht geschlossen werden.
Die wirtschaftlichen Auswirkungen reichen weit über den Gesundheitssektor hinaus. Der Rückgang externer Finanzierungen bedroht die nationalen Haushalte, insbesondere in Ländern, die auf Gehälter im Gesundheitswesen und Finanzierung der Krankheitsüberwachung durch Geber angewiesen sind. Laut ökonomischen Modellrechnungen der Afrikanischen Entwicklungsbank könnte Afrika bis 2030 kumulierte BIP-Verluste von 4,5 Milliarden Dollar erleiden, sofern der aktuelle Trend anhält. Besonders betroffen sind Somalia, Äthiopien und die Demokratische Republik Kongo, die bereits von sich überlagernden humanitären, politischen und sicherheitspolitischen Krisen geprägt sind.
HIV-Programme in kritischem Rückgang
Die Verteilung antiretroviraler Therapien, Viruslasttests und gemeindebasierter Präventionsarbeit wurde durch den Wegfall der Netzwerke stark beeinträchtigt. Gesundheitsbeamte warnen, dass Therapieunterbrechungen Virusreaktivierungen und eine stärkere Verbreitung in Risikogruppen begünstigen.
Druck auf Mutter und Kindgesundheit
Die Schließung hebammengeführter Kliniken in ländlichen Gebieten hat die Müttersterblichkeit ansteigen lassen. Ohne pränatale Untersuchung werden geburtshilfliche Komplikationen zunehmend tödlich.
Wirtschaftliche Fragilität durch den Rückzug von Gebern
Massive Kürzungen behindern Gesundheitsministerien bei der Aufrechterhaltung von Gehaltszahlungen, Infrastruktur und Beschaffungsprozessen und führen zu einem Stillstand dringend notwendiger Reformen in bereits angespannten Systemen.
Der Eintritt neuer politischer Akteure und religiöser Organisationen
Der Rückzug der US-Regierung hat ein großes Vakuum geschaffen, das zunehmend von nichtstaatlichen Akteuren, insbesondere amerikanischen evangelikalen Organisationen, gefüllt wird. Ihr wachsender Einfluss verändert soziale Programme, politische Strukturen und Reaktionen der Gemeinschaften im Gesundheitsbereich in Regionen, die zuvor auf säkulare Akteure angewiesen waren.
Wachsende Einflussnahme evangelikaler Gruppen im Jahr 2025
Evangelikale Organisationen konzentrieren sich verstärkt auf die Bereitstellung von Basisdiensten und füllen entstandene Versorgungslücken. Besonders in Kenia, Uganda, Sambia und Nigeria gewinnen sie an Präsenz. Auf mehreren regionalen Entwicklungstreffen Anfang 2025 betonten evangelikale Führungspersonen ihre Rolle bei der Förderung gemeinschaftlicher Resilienz durch holistisch orientierte, glaubensbasierte Hilfe.
In ihren Programmen verwenden sie häufig konservative soziale Botschaften, auch wenn sie auf akute Bedürfnisse reagieren. Dazu gehören der Widerstand gegen reproduktive Rechte, die Ablehnung des LGBTQ-Schutzes und die Förderung traditioneller Familienmodelle. Fachleute im Bereich der öffentlichen Gesundheit warnen jedoch, dass wertorientierte Einschränkungen in Hochrisikoumgebungen mit steigender HIV-Prävalenz evidenzbasierte Interventionen untergraben können.
Politische und menschenrechtliche Überschneidungen
Die zunehmende Rolle religiöser Akteure in Regierungsstrukturen bringt komplexe menschenrechtliche Herausforderungen mit sich. Politische Analysten in Ostafrika warnen, dass Regierungen in Ermangelung säkularer Programme stärker auf religiöse Organisationen bei der öffentlichen Dienstleistung setzen könnten. Dies birgt das Risiko, ideologische Einflüsse in nationale Gesundheits-, Bildungs- und Familienpolitiken einzubetten.
Zivilgesellschaftliche Gruppen äußern Besorgnis, dass ohne rechtsbasierte Programme besonders gefährdete Gruppen darunter Opfer geschlechtsspezifischer Gewalt, LGBTQ+ Personen und ethnische Minderheiten kaum noch Schutz und Unterstützungsstrukturen finden. Das Schwinden neutraler, faktenbasierter Programme schwächt zudem Kontrollmechanismen, die bislang autoritäre Tendenzen in fragilen Staaten eindämmten.
Verschiebung diplomatischer Allianzen
Afrikanische Staatsoberhäupter reagieren auf die veränderte Geberlandschaft durch verstärkte Kooperationen mit neuen externen Akteuren wie Golfstaaten, China und der Türkei. Diese Partnerschaften bringen nicht nur neue Finanzierungsquellen, sondern auch alternative Regierungsmodelle, Entwicklungsstrategien und ideologische Rahmen mit sich, die den bislang westlich geprägten Ansätzen oft entgegenstehen.
Herausforderungen für nachhaltige Lösungen und regionale Stabilität
Sechs Monate nach der Neuausrichtung der Hilfsgelder bestätigen multilaterale Institutionen, dass alternative Finanzierungsquellen nicht ausreichen, um die Dimension der US-Rückzüge zu kompensieren. Diskussionen über die Mobilisierung inländischer Ressourcen und öffentliche-private Partnerschaften laufen weiter, ohne bisher strukturelle Veränderungen zu bewirken.
Unsichere Entlastung durch teilweise PEPFAR-Aufstockung
Eine kurzfristige Bereitstellung von 400 Millionen Dollar für grundlegende PEPFAR-Maßnahmen stabilisiert einige Länder mit hoher HIV-Belastung vorübergehend. Dennoch bleiben Lieferketten anfällig, und mehrere Gesundheitsministerien melden drohende Engpässe bei antiretroviralen Medikamenten, HIV-Schnelltests für Neugeborene und Viruslastreagenzien. Unterbrochene Beschaffungszyklen gefährden langfristige Therapiekontinuität für Millionen Patienten.
Regionale Sicherheitsrisiken durch Hilfsrückzug
Mehrere Notfallberatungen von UN, Afrikanischer Union und regionalen Wirtschaftsgemeinschaften fanden im Jahr 2025 statt, doch auch deren Budgets sind begrenzt. Die stärkere Ausrichtung westlicher Außenpolitik auf innenpolitische Interessen erschwert die Lastenteilung im Multilateralismus, während afrikanische Regierungen mit sinkenden fiskalischen Kapazitäten kämpfen.
Eingeschränkte internationale Koordination
In konfliktgeprägten Staaten wie Somalia und im Osten der DR Kongo haben stabilisierende Programme, die durch Hilfsgelder finanziert wurden, traditionell Rekrutierungen durch Milizen eingedämmt. Ihr abruptes Ende führt dazu, dass vermehrt arbeitslose Jugendliche bewaffneten Gruppen beitreten, was die Instabilität weiter verschärft. Zudem erschweren geschwächte Programme in Ernährungssicherheit, Konfliktmediation und Gesundheitswesen den Regierungen die Bereitstellung grundlegender Dienste, was das Vertrauen der Bevölkerung beeinträchtigt.
Ein Wendepunkt für Afrikas Gesundheits und politische Landschaft
Die Neuordnung der Hilfsarchitektur im Jahr 2025 hat gezeigt, wie anfällig Gesundheitssysteme sind, die jahrzehntelang von externer Unterstützung abhängig waren. Mit den tiefen Auswirkungen der US-Hilfskürzungen auf Kliniken, Lieferketten und Gemeinschaftsnetzwerke tragen nichtwestliche Geber und insbesondere evangelikale Organisationen zunehmend zur Umgestaltung der gesellschaftspolitischen Landschaft bei – mit langfristigen Folgen.
Diese Veränderungen werfen grundlegende Fragen für die Zukunft der öffentlichen Gesundheit auf: Sollten Ideologie oder Wissenschaft Leitprinzipien für Dienstleistungsmodelle sein? Können Menschenrechte unter wachsendem geopolitischem Druck gewährleistet werden? Wie afrikanische Regierungen und internationale Akteure diesen Übergang gestalten, wird nicht nur über gesundheitliche Ergebnisse entscheiden, sondern auch über die politische Stabilität und den Pluralismus des Kontinents.


