Der 100. Luftschlag des United States Africa Command in Somalia im Jahr 2025 markiert einen entscheidenden Moment in der amerikanischen Terrorismusbekämpfung am Horn von Afrika. Mit mehr als 100 Angriffen bis November 2025 signalisiert die intensivierte Kampagne von AFRICOM einen strategischen Kurswechsel im Vorgehen gegen al-Shabaab und ISIS-Somalia. Während US-Militärerklärungen operative Vorteile hervorheben, wächst zugleich die Sorge um zivile Risiken, die Qualität der Geheimdienstinformationen sowie die langfristigen geopolitischen Folgen.
Anstieg der Luftoperationen im Jahr 2025
Das operative Tempo ist 2025 so hoch wie seit 2019 nicht mehr. AFRICOM erhielt erweiterte Befugnisse, um flexiblere, dynamische Angriffe durchzuführen – ein Ergebnis neuer Pentagon-Richtlinien, die den Befehlshabern größeren Entscheidungsspielraum einräumen. Laut General Michael Langley, dem AFRICOM-Kommandeur, wurde die Eskalation durch die verstärkten Aktivitäten von ISIS-Somalia ausgelöst. Die Gruppe wuchs von etwa 500 Kämpfern im Jahr 2024 auf rund 1.500 Mitte 2025.
Verschiebungen der Zielprioritäten
Ein Großteil der diesjährigen Angriffe richtete sich gegen ISIS-Somalia-Stellungen in Puntland und Bari. Ein Luftschlag im November in den Golis-Bergen zielte auf eine mutmaßliche Logistikzelle ab, die Rekrutierung und Waffenschmuggel koordiniert haben soll.
Fortlaufende Operationen gegen al-Shabaab
Obwohl ISIS-Somalia verstärkt im Fokus steht, bleibt al-Shabaab in Süd- und Zentralsomalia tief verwurzelt. AFRICOM führt koordinierte Angriffe zur Unterstützung der somalischen Armee durch, insbesondere in Jilib und Lower Shabelle, um Bewegungsfreiheit und Finanzierung der Gruppe einzuschränken.
Strategische Absicht hinter der Eskalation
US-Beamte betonen, dass die Intensivierung im Rahmen der defend forward-Strategie steht – Bedrohungen sollen frühzeitig im Ausland neutralisiert werden, bevor sie regionale Partner oder US-Interessen gefährden.
Taktische Wirksamkeit und operative Grenzen
Öffentliche AFRICOM-Bewertungen heben mehrere kurzfristige Erfolge hervor. Im Jahr 2025 wurden zahlreiche Einrichtungen zur Bombenherstellung, Ausbildung und operativen Koordination zerstört, was Führungsnetzwerke unter Druck setzen soll.
Sinkende durchschnittliche Kämpferzahlen pro Angriff
Trotz dieser Erfolge zeigen interne Analysen, dass die Zahl der getöteten Kämpfer pro Angriff rückläufig ist. 2023 lag der Durchschnitt bei 6,1, 2025 hingegen bei etwa 1,4. Dies deutet darauf hin, dass militante Gruppen ihre Strukturen aufsplitten und sich der Entdeckung entziehen.
Herausforderungen durch Geheimdienstlage und Gelände
Die schwer zugänglichen Regionen Somalias erschweren präzise Angriffe sowie verlässliche nachträgliche Schadensbewertungen. Trotz fortschrittlicher ISR-Plattformen erschwert die hohe Mobilität der Gruppen die Echtzeit-Aufklärung.
Unklare Langzeitwirkung
Terrorismusexperten warnen, dass Luftschläge zwar kurzfristig wirken, jedoch selten nachhaltige strukturelle Veränderungen erzwingen. Al-Shabaab verfügt weiterhin über territoriale Kontrolle, Steuerstrukturen und lokalen Einfluss, die sich nicht alleine durch Luftmacht brechen lassen.
Zivile Risiken und Transparenzprobleme
Der Schutz der Zivilbevölkerung bleibt ein zentrales Thema der 2025 intensivierten Luftkampagne. AFRICOM betont zwar strenge Zielvorgaben und präzisionsgesteuerte Munition, doch wurden unabhängige Untersuchungen erschwert.
Kaum unabhängige Überprüfung möglich
Zugangsbeschränkungen aufgrund von Sicherheitsrisiken und staatlichen Vorgaben verhindern unabhängige Site-Assessments. Dadurch entstehen Abweichungen zwischen AFRICOM-Darstellungen und lokalen Berichten.
Auswirkungen auf die Wahrnehmung in Gemeinden
Selbst geringe zivile Schäden können Misstrauen oder Feindseligkeit verstärken, insbesondere in Gebieten, die durch Dürre, Vertreibung und humanitäre Notlage zusätzlich belastet sind.
Debatten um Transparenz nehmen zu
2025 fordern Menschenrechtsgruppen erneut umfassendere Offenlegungspflichten und die Wiederaufnahme eines jährlichen Berichts zu zivilen Opfern, um eine glaubwürdige öffentliche Aufsicht sicherzustellen.
Politische und geopolitische Dimensionen
Die Eskalation der US-Operationen in Somalia spiegelt breitere strategische Überlegungen in Washington wider. Die nationale Sicherheitsstrategie 2025 setzt auf intensive, aber personalarme Operationen mit minimaler Präsenz vor Ort. Somalia dient als Testfeld dieses Ansatzes.
Auswirkungen auf somalische Regierungsstrukturen
Für die somalische Regierung bleibt die US-Luftunterstützung entscheidend, um extremistisches Wachstum einzudämmen – besonders angesichts des fortschreitenden Rückzugs der AU-Truppen. Gleichzeitig bemüht sie sich, Souveränität zu betonen und öffentliche Bedenken zu zerstreuen.
Beziehungen zu regionalen Akteuren
Nachbarstaaten wie Kenia und Äthiopien beobachten die US-Eskalation genau, da sie direkte Auswirkungen auf grenzüberschreitende Sicherheitslagen hat.
Die regionale Dynamik am Horn von Afrika
Die zunehmende Zahl ausländischer Dschihadisten in Somalia verstärkt die geopolitische Bedeutung der Region und verbindet den Konflikt mit größeren internationalen Rivalitäten.
Blick nach vorn
AFRICOMs 100. Schlag im Jahr 2025 verdeutlicht sowohl die veränderte Bedrohungslage als auch die US-Absicht, mit Geschwindigkeit und Präzision Druck auszuüben. Doch die Eskalation wirft zentrale Fragen zur langfristigen Strategie, zur Regierungsfähigkeit Somalias und zu Mechanismen des Zivilschutzes auf.
Während sich Netzwerke anpassen, Transparenzforderungen wachsen und die regionale Politik im Wandel ist, bleibt unklar, ob die taktischen Zugewinne nachhaltig sind. Die kommenden Monate werden zeigen, ob die Eskalation die Terrorismusbekämpfung stärkt oder neue Risiken für die Stabilität am Horn von Afrika schafft.


