Putins Ausweichen vor dem 27-Punkte-Plan steht im Zentrum der neuen Spannungen nach einem fünfstündigen Treffen zwischen dem russischen Präsidenten Wladimir Putin und den US-Gesandten Steve Witkoff und Jared Kushner am 2. Dezember 2025 in Moskau. Die Friedensstruktur, die aus vier voneinander abhängigen Punkten besteht, betrifft den Gebietsrückzug, die Garantien der ukrainischen Souveränität, die Bedingungen des Wiederaufbaus und die politischen Parameter für einen schrittweisen Waffenstillstand und Verhandlungen. Putin bestätigte die Struktur in einem Interview mit India Today am 4. Dezember, in dem er einräumte, dass die Gespräche zwar nützlich und notwendig, aber im Wesentlichen durch bestehende Differenzen in Gebietsfragen eingeschränkt seien.
Kreml-Berater Juri Uschakow bezeichnete das Gespräch als fruchtbar, räumte aber ein, dass zentrale Elemente für Moskau nicht akzeptabel gewesen seien. Das Treffen folgte informellen Dialogen in Genf und Florida, in denen US und ukrainische Vertreter mögliche Kompromisslinien skizzierten. Ukrainische Delegierte bereiteten laut US-Angaben sogar eine weitere Sitzung in Florida direkt nach den Moskauer Gesprächen vor.
Frühe Signale langwieriger Verhandlungen
Kreml-Sprecher Dmitri Peskow sprach von harter Arbeit und betonte, dass Russland den Vorschlag nicht vollständig ablehne. Putins Hinweise, dass strittige Punkte später diskutiert werden könnten, zeigten allerdings seine Absicht, Verhandlungen zu verlängern, ohne seine militärischen Ziele anzupassen. Washington hatte gehofft, ein strukturiertes Vorgehen könne Momentum schaffen, doch divergierende strategische Vorstellungen ließen weite Teile des Vorschlags unvollendet.
US-Präsident Donald Trump beschrieb die Gespräche als „ziemlich gut“ und verwies auf Berater, die glaubten, Putin wolle grundsätzlich einen Deal – trotz der Ablehnung zentraler US-Anforderungen. Dieser Unterschied zwischen politischer Hoffnung und realer Lage verdeutlicht die Diskrepanz zwischen öffentlicher Erwartung und geopolitischer Realität.
Territoriale Kontrolle als entscheidendes Hindernis
Der Kern des 27-Punkte-Ausweichens liegt in Putins kategorischer Weigerung, über einen Rückzug aus besetzten Gebieten zu verhandeln. In Moskau bekräftigte er, Russland werde Donbass sowie südliche und östliche Gebiete um jeden Preis sichern – angeblich aufgrund der Haltung Kyjiws. Diese Position deckt sich mit der russischen Militärstrategie Ende 2025, die von fortgesetzter Grabenkonsolidierung und intensiveren Angriffen um Awdijiwka und Kupjansk geprägt war.
Formulierungen Putins verdeutlichten erneut, dass ein Rückzug nicht zur Debatte steht und Donbass als unverhandelbar gilt. Beobachter in Brüssel sehen darin dieselbe Haltung, die Russland seit Mitte 2023 einnimmt, als die Stagnation an der Front durch stetige russische Zugewinne ersetzt wurde.
Paketstreitigkeiten und Grenzen phasenweiser Verhandlungen
Die vier Verhandlungspakete sollten sequentiell umgesetzt werden, sodass beide Seiten diplomatische Erfolge erzielen könnten, ohne Maximalforderungen aufzugeben. Durch Putins Veto gegen territoriale Punkte brach dieses Modell jedoch in sich zusammen. Bei wirtschaftlichen, politischen und sicherheitspolitischen Elementen gab es offenbar grobe Annäherungen, aber weder Washington noch Moskau enthüllten konkrete Überschneidungen.
Putin verweigerte jede Angabe, welche Punkte er akzeptieren würde – ein Ansatz, der das Angebot in der Theorie offenhielt, in der Praxis jedoch entwertete. Diese Ambiguität erlaubt Moskau, diplomatisch präsent zu bleiben, während militärische Operationen ungehindert fortgeführt werden.
Europäische und ukrainische Einschätzungen russischer Absichten
Europäische Entscheidungsträger reagierten skeptisch. EU-Vertreter erklärten, Putins Vorgehen sei erwartbar und diene vor allem dazu, Zeit zu gewinnen, ohne militärische Ambitionen zu ändern. Laut Guardian gehen europäische Analysten davon aus, dass Moskau den Vorteil behält, solange sich die Dynamik an der Front nicht fundamental ändert.
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen forderte eine Erhöhung der wirtschaftlichen Kosten für Russland. Ihre Aussagen standen im Kontext neuer europäischer Debatten über die Nutzung eingefrorener russischer Vermögenswerte zur Unterstützung Kyjiws. Ex-Präsident Dmitri Medwedew warnte vor einer neuen „Konfrontation mit Europa“, was als rhetorische Überhitzung gewertet wurde.
Kyjiws Fokus auf Souveränität und glaubwürdige Lösungen
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bekräftigte, dass jede Einigung die territoriale Integrität respektieren müsse. Behauptungen, Kyjiw habe US-Bedingungen bereits akzeptiert, wiesen ranghohe Beamte zurück. Selenskyj setzt auf eine zweigleisige Strategie – diplomatischer Druck plus militärisch-ökonomische Belastung Russlands – im Einklang mit der ukrainischen Strategie 2025, die internationale Allianzen, innenpolitische Mobilisierung und europäische Sicherheitsgarantien verbindet.
Diplomatie vor einem volatilen Jahresende 2025
Der Gipfel in Moskau fand nur Tage vor Putins Staatsbesuch in Indien statt, wo Energie- und Rüstungsfragen dominierend waren. Analysten sehen darin eine Stärkung von Putins Selbstbewusstsein und damit weniger Bereitschaft zu Zugeständnissen.
Gleichzeitig intensivierte Washington seine Shuttle-Diplomatie. Kyjiw und Warschau warnten jedoch, dass die USA weniger optimistisch seien als viele Europäer befürchteten – letztere sorgen sich, dass ein US-Deal ukrainische Zugeständnisse erzwingen könnte.
Gefrorene Vermögenswerte und ökonomischer Druck
Im Dezember 2025 erzielten EU-Finanzminister Fortschritte bei der Nutzung von Gewinnen eingefrorener russischer Vermögenswerte zur Finanzierung der ukrainischen Verteidigung. Moskau verurteilte dies als Diebstahl. Medwedews Drohungen galten als Teil eines breiteren russischen Versuchs, Europa von langfristigen fiskalischen Maßnahmen abzuhalten.
Diese wirtschaftliche Eskalation erschwert die Diplomatie zusätzlich, da wirtschaftliche und militärische Konfliktlinien immer stärker verschränkt sind.
Strategische Auswirkungen für 2026 und darüber hinaus
Putins 27-Punkte-Ausweichen spiegelt eine Diplomatie wider, deren Tempo durch militärische Fortschritte und politische Positionierung bestimmt wird. Der US-Plan bietet zwar Struktur, doch Moskaus territoriale Maximalpositionen erschweren Kompromisse. Die Kluft zwischen russischen Forderungen und der US-EU-Ukraine-Linie zugunsten ukrainischer Souveränität verhindert einen ganzheitlichen Frieden.
Ukraine, Europa und der unsichere Weg in 2026
Mit dem Übergang von Winter 2025 zu 2026 hängt vieles davon ab, ob militärische Entwicklungen Moskau zu mehr Flexibilität zwingen oder Putins langfristige Strategie stützen. US-Diskussionen über stärkere finanzielle Druckmittel und europäische Debatten über Verteidigungsautonomie deuten auf Verschiebungen am Verhandlungstisch hin.
Ob diese Kräfte Putins Kalkül verändern oder die Donbass-Blockade weiter verfestigen, bleibt die entscheidende Frage für die nächsten Phasen des Konflikts.


