Die politische Entwicklung von Tulsi Gabbard in den vergangenen Monaten zeigt eine deutliche Abkehr von den brisanten Themen der US-Außenpolitik hin zu den Machtkämpfen der Trump-Politik innerhalb der US-Regierung. Im Kern des Artikels steht die Beobachtung, dass sie, während sie offenbar von jeder Beteiligung an sensiblen Themen wie Iran und Venezuela ferngehalten wurde, ihren Fokus auf jene Vorwürfe richtete, die Präsident Donald Trump gegen den berüchtigten „Deep State“ erhob. Wie wichtig diese Verschiebung ist, zeigt sich daran, dass sie ebenso viel über Gabbards Stellung in der US-Regierung aussagt wie über ihre persönlichen politischen Neigungen.
Warum wurde Tulsi Gabbard bei Iran und Venezuela ausgegrenzt?
Die Berichterstattung zeichnet Gabbard als ranghohe Geheimdienstfunktionärin, der man bei den größten außenpolitischen Druckpunkten der Regierung nicht vollständig vertraute, insbesondere bei Iran und Venezuela. Im Fall Iran warnte sie, die Welt stehe
„näher am Rand der nuklearen Vernichtung als je zuvor“,
eine Aussage, die Berichten zufolge Trump und Mitarbeiter des Weißen Hauses verärgerte, weil sie dem bevorzugten Ton der Regierung zu diesem Thema widersprach. Eine derart öffentliche Warnung, vor allem von jemandem aus der nachrichtendienstlichen Führungskette, würde in einem Weißen Haus, das auf strikte Botschaftskontrolle setzt, naturgemäß als störend wahrgenommen.
Auch im Fall Venezuela war ihre Haltung offenbar umstritten. Dem Bericht zufolge hatte sie bereits zuvor erklärt, dass eine Intervention der USA in Venezuela katastrophale Folgen hätte, womit sie zu jenen gehörte, die den Druck der Regimewechsel-Befürworter skeptisch sahen. Als Gegnerin jeglicher Einmischung stand sie damit offenbar immer wieder im Konflikt mit den aggressiveren Kräften im politischen Apparat, wenn die Regierung die Krise weiter zuspitzen wollte.
Ihr Fokus auf den „Deep State“
Während ihr Einfluss bei Iran und Venezuela schwand, konzentrierte sie sich stärker auf eines von Präsident Trumps zentralen politischen Obsessionen: den „Deep State“. Den Quellen zufolge war Gabbard aktiv an internen Untersuchungen und an der Weitergabe von Informationen beteiligt, um aufzudecken, was sie und Trump als Widerstand innerhalb von Geheimdiensten und der bürokratischen Staatsmaschinerie sahen. In dieser Hinsicht scheint sie sich stärker auf ein innenpolitisches Problem zu fokussieren als auf geopolitische Krisen.
Politisch betrachtet deutet das darauf hin, dass Gabbard Trumps Empfindungen und Vorwürfe teilt. Sie versucht nicht, mit ihm um die Kontrolle über außenpolitische Entscheidungen zu konkurrieren; stattdessen hilft sie dabei zu beweisen, dass Geheimdienste, das Wahlsystem und verschiedene Bundesinstitutionen von Kräften durchdrungen worden seien, die den Vereinigten Staaten von innen heraus schaden wollten. Mit anderen Worten: Gabbard scheint Trumps Position in seinem Machtkampf zu stärken.
Wie sie auf diese Verdachtsmomente reagierte
Gabbard deklassifizierte Dokumente im Zusammenhang mit der russischen Einmischung in die Wahl von 2016 und nutzte sie, um zu argumentieren, dass Beamte aus der Obama-Zeit sich an einer „treasonous conspiracy“ gegen Trump beteiligt hätten.
Das ist ein schwerer Vorwurf, und die Geschichte nutzt ihn als Beispiel für die deutlichsten Fälle, in denen sie Verdachtsmomente öffentlich in Handlung übersetzt hat. Politisch gesehen ist die Freigabe geheimer Unterlagen alles andere als eine neutrale Verwaltungsmaßnahme. Im Gegenteil: Es ist ein sehr mächtiger Akt, der mitunter frühere Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Geheimdienstgemeinschaft in neue Beweise für institutionellen Verrat verwandelt.
Darüber hinaus zeigt der Bericht, dass sie Wahlvorgänge in Puerto Rico überprüfte, offenbar um Vorwürfe des Wahlbetrugs zu bestätigen. Das ist wichtig, weil es darauf hindeutet, dass ihre Bemühungen Teil eines größeren Versuchs waren, ein Gesamtbild einer fehlerhaften und verwundbaren Wahlordnung zu zeichnen — genau so, wie es Trump fest glaubte.
Was geschah in Fulton County?
Es werden noch weitere Episoden in den Quellen beschrieben, darunter eine, bei der sie Berichten zufolge anwesend gewesen sei, als das FBI Stimmzettel beschlagnahmte, im Zusammenhang mit einem Vorfall rund um die Wahlen 2020 in Fulton County, Georgia. Der Director of National Intelligence sollte laut Bericht eigentlich nicht an inländischen Strafverfolgungsmaßnahmen teilnehmen, weshalb dieser Vorfall besonders kontrovers wäre, falls er Teil ihrer Aufgaben war.
Die Bedeutung dieses Vorfalls geht jedoch über den Einzelfall hinaus. Er zeigt, wie die Quellen Gabbard weniger als klassische Geheimdienstbeamtin denn als politische Akteurin im Trump-Netzwerk nach der Wahl darstellen. In diesem Zusammenhang erhält ihr Verhalten in Fulton County eine größere Bedeutung, weil sie ihre Position für politische Zwecke nutze.
Was diese Schritte über ihre Haltung sagen
Gabbards Position ist laut Berichterstattung recht ungewöhnlich. Sie wird als misstrauisch gegenüber ausländischer Einflussnahme dargestellt und zugleich als skeptisch gegenüber Engagements in Iran oder Venezuela, während sie gegenüber den eigenen Regierungsinstitutionen, die aus ihrer Sicht gegen Trump arbeiteten, deutlich härter vorgeht. Diese Haltung ist nicht zufällig, sondern entspringt ihrer Überzeugung, dass nicht fremde Länder die größte Bedrohung darstellen, sondern innere Gegner.
Genau das macht ihre Ausgrenzung beim einen Thema und ihre Mobilisierung beim anderen plausibel. Bei Iran und Venezuela wurde sie durch die Mechanik der US-Politikgestaltung und der nationalen Sicherheitsverwaltung gebremst. Bei „Deep State“-Fragen konnte sie sich jedoch besser bewegen, denn hier ging es um politische Deutung statt um praktische Umsetzung von Politik. Aus praktischer Sicht war sie durch ihre Beteiligung an einer Politik der Ressentiments wirksamer als durch den Aufbau fachlichen Konsenses.
Warum die Geschichte politisch wichtig ist
Politisch betrachtet erscheint Gabbard als Spiegel und Werkzeug von Präsident Donald Trumps Regierungsstil in der zweiten Amtszeit. Mit anderen Worten: Während sie im Regierungsapparat diente, trug Gabbard aktiv dazu bei, eine Agenda voranzutreiben, die auf Feindseligkeit und Gegenangriffen gegen jene Institutionen beruht, die als Bedrohung gelten. Dieser Aspekt macht Gabbard zu einem wichtigen Teil jenes Prozesses, in dem das Umfeld des Präsidenten seine Verdachtsmomente in konkrete Schritte umsetzt.
Darüber hinaus zeigt dieses Beispiel gewisse Grenzen eines politisch stark auf Zentralisierung ausgerichteten Systems. So kann eine ranghohe Geheimdienstfunktionärin an Einfluss verlieren, wenn ihre Sorgen nicht in ein bestimmtes politisches Narrativ passen. Doch Marginalisierung ist nicht gleichbedeutend mit Bedeutungslosigkeit, denn der Autor deutet an, dass sich mit kleiner werdendem Einflussbereich gerade die Art von Kampf verschärfte, die Trump am meisten gefällt: Verschwörungstheorien, der Verrat der Geheimdienste und die Illegitimität des Wahlsystems.
Zentrale Fakten
Zu den zentralen Fakten gehören: Gabbard äußerte Bedenken zur nuklearen Leistungsfähigkeit Irans; sie wurde Berichten zufolge bei Iran und Venezuela ausgegrenzt; sie deklassifizierte Unterlagen zur Russland-Bewertung; sie verbreitete Wahlgeschichten in Puerto Rico; und sie war schließlich auch in die Wahlpolitik in Fulton County eingebunden. Jede dieser Aussagen verweist in irgendeiner Weise auf eine ihrer politischen Identitäten — unabhängig voneinander.
Gleichzeitig gibt es eine zentrale interpretative Aussage: Gabbards Handeln sei nicht zufällig gewesen, sondern von Trumps Prioritäten und ihren eigenen Verdachtsmomenten geprägt. Anders gesagt: Sie reagierte nicht nur auf ihre Ausgrenzung, sondern lenkte ihre Anstrengungen in einen Bereich, der mit Trumps Sichtweise übereinstimmte.
Die Geschichte sollte daher weniger als bloßer Personalbericht gelesen werden, sondern eher als Studie politischer Ausrichtung. Gabbards Bedeutung liegt darin, dass sie zwei normalerweise getrennte Welten verbindet: nationale Sicherheitsautorität und anti-establishment geprägte Ressentimentpolitik. Wenn diese beiden Welten aufeinandertreffen, entsteht keine klassische Geheimdiensthaltung, sondern ein stark politisierter Umgang mit Macht, Botschaften und selektiver Offenlegung.
Ihr Fall zeigt auch ein wiederkehrendes Trump-Ära-Muster: Beamte können an Einfluss auf die Politik verlieren, aber an Relevanz gewinnen, wenn sie im internen politischen Kampf nützlicher werden. Sie mag bei Iran und Venezuela ausgegrenzt worden sein, doch sie blieb dort aktiv, wo Trumps Misstrauen gegenüber Institutionen am wirksamsten als Waffe eingesetzt werden konnte.


