In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n
Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":9},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};
Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n
In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n
Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":9},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};
\nTats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n
In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n
Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":9},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};
\nDie \u201eHashd\u201c m\u00fcssten mithin abziehen. Und mit ihnen die anderen Milizen. Das Machtmonopol m\u00fcsste an den Staat gehen. Doch der Irak ist auch Spielball der Regionalm\u00e4chte: Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien. Sie konkurrieren um Einfluss-Sph\u00e4ren, bedienen sich dabei verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Gruppen im Irak. Deswegen werden die Hashd nicht abziehen. Derzeit sind sie von der iranisch-irakischen Grenze im Osten \u00fcber Bagdad bis hoch zur irakisch-syrischen Grenze im Norden postiert. Einheiten Teherans k\u00f6nnten demnach auf dem Landweg vom Iran bis ans Mittelmeer durchmarschieren.<\/p>\n\n\n\n
Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n
In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n
Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":9},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};
\n\u201eTats\u00e4chlich sorgen die verschiedenen bewaffneten Gruppen daf\u00fcr, dass die Fl\u00fcchtlinge nicht zur\u00fcckkehren. Und weil sie nicht zur\u00fcckkehren, gibt es auch keinen Wiederaufbau. Die Menschen haben Angst vor den Milizen \u2013 auch davor, dass die einander bek\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n Die \u201eHashd\u201c m\u00fcssten mithin abziehen. Und mit ihnen die anderen Milizen. Das Machtmonopol m\u00fcsste an den Staat gehen. Doch der Irak ist auch Spielball der Regionalm\u00e4chte: Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien. Sie konkurrieren um Einfluss-Sph\u00e4ren, bedienen sich dabei verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Gruppen im Irak. Deswegen werden die Hashd nicht abziehen. Derzeit sind sie von der iranisch-irakischen Grenze im Osten \u00fcber Bagdad bis hoch zur irakisch-syrischen Grenze im Norden postiert. Einheiten Teherans k\u00f6nnten demnach auf dem Landweg vom Iran bis ans Mittelmeer durchmarschieren.<\/p>\n\n\n\n Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":9},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};
Allen voran die \u201eHashd ash-Shaabi\u201c, schiitisch-irakische Milizen, deren Ausbilder und Kommandeure h\u00e4ufig Iraner sind. Bagdad hat die Haschd als regul\u00e4re Kraft im Kampf gegen den \u201eIS\u201c anerkannt \u2013 obwohl Menschenrechts-Organisationen schwere Vorw\u00fcrfe gegen sie erheben. Fest steht: Die schiitischen Milizen halten D\u00f6rfer besetzt, sind in Mosul f\u00fcr ihr herrisches Auftreten und ihre Willk\u00fcr bekannt.<\/p>\n\n\n\n \u201eTats\u00e4chlich sorgen die verschiedenen bewaffneten Gruppen daf\u00fcr, dass die Fl\u00fcchtlinge nicht zur\u00fcckkehren. Und weil sie nicht zur\u00fcckkehren, gibt es auch keinen Wiederaufbau. Die Menschen haben Angst vor den Milizen \u2013 auch davor, dass die einander bek\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n Die \u201eHashd\u201c m\u00fcssten mithin abziehen. Und mit ihnen die anderen Milizen. Das Machtmonopol m\u00fcsste an den Staat gehen. Doch der Irak ist auch Spielball der Regionalm\u00e4chte: Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien. Sie konkurrieren um Einfluss-Sph\u00e4ren, bedienen sich dabei verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Gruppen im Irak. Deswegen werden die Hashd nicht abziehen. Derzeit sind sie von der iranisch-irakischen Grenze im Osten \u00fcber Bagdad bis hoch zur irakisch-syrischen Grenze im Norden postiert. Einheiten Teherans k\u00f6nnten demnach auf dem Landweg vom Iran bis ans Mittelmeer durchmarschieren.<\/p>\n\n\n\n Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":9},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};
Die Realit\u00e4t sieht anders aus: Ein Staat Kurdistan, der neue Optionen m\u00f6glich gemacht h\u00e4tte, auch von den Minderheiten gew\u00fcnscht worden war, ist nicht entstanden. Bagdad aber ist fern, der Zentralstaat kaum existent, und wenn, dann ist er schiitisch dominiert. Es sind Milizen, die im Nord-Irak das Geschehen bestimmen, darum rivalisieren, das Machtvakuum zu f\u00fcllen, das durch die Vertreibung des \u201eIS\u201c entstanden ist. Einst im Kampf gegen die Terroristen geeint, sind die Milizen einander heute feind.<\/p>\n\n\n\n Allen voran die \u201eHashd ash-Shaabi\u201c, schiitisch-irakische Milizen, deren Ausbilder und Kommandeure h\u00e4ufig Iraner sind. Bagdad hat die Haschd als regul\u00e4re Kraft im Kampf gegen den \u201eIS\u201c anerkannt \u2013 obwohl Menschenrechts-Organisationen schwere Vorw\u00fcrfe gegen sie erheben. Fest steht: Die schiitischen Milizen halten D\u00f6rfer besetzt, sind in Mosul f\u00fcr ihr herrisches Auftreten und ihre Willk\u00fcr bekannt.<\/p>\n\n\n\n \u201eTats\u00e4chlich sorgen die verschiedenen bewaffneten Gruppen daf\u00fcr, dass die Fl\u00fcchtlinge nicht zur\u00fcckkehren. Und weil sie nicht zur\u00fcckkehren, gibt es auch keinen Wiederaufbau. Die Menschen haben Angst vor den Milizen \u2013 auch davor, dass die einander bek\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n Die \u201eHashd\u201c m\u00fcssten mithin abziehen. Und mit ihnen die anderen Milizen. Das Machtmonopol m\u00fcsste an den Staat gehen. Doch der Irak ist auch Spielball der Regionalm\u00e4chte: Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien. Sie konkurrieren um Einfluss-Sph\u00e4ren, bedienen sich dabei verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Gruppen im Irak. Deswegen werden die Hashd nicht abziehen. Derzeit sind sie von der iranisch-irakischen Grenze im Osten \u00fcber Bagdad bis hoch zur irakisch-syrischen Grenze im Norden postiert. Einheiten Teherans k\u00f6nnten demnach auf dem Landweg vom Iran bis ans Mittelmeer durchmarschieren.<\/p>\n\n\n\n Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":9},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};
Die Realit\u00e4t sieht anders aus: Ein Staat Kurdistan, der neue Optionen m\u00f6glich gemacht h\u00e4tte, auch von den Minderheiten gew\u00fcnscht worden war, ist nicht entstanden. Bagdad aber ist fern, der Zentralstaat kaum existent, und wenn, dann ist er schiitisch dominiert. Es sind Milizen, die im Nord-Irak das Geschehen bestimmen, darum rivalisieren, das Machtvakuum zu f\u00fcllen, das durch die Vertreibung des \u201eIS\u201c entstanden ist. Einst im Kampf gegen die Terroristen geeint, sind die Milizen einander heute feind.<\/p>\n\n\n\n Allen voran die \u201eHashd ash-Shaabi\u201c, schiitisch-irakische Milizen, deren Ausbilder und Kommandeure h\u00e4ufig Iraner sind. Bagdad hat die Haschd als regul\u00e4re Kraft im Kampf gegen den \u201eIS\u201c anerkannt \u2013 obwohl Menschenrechts-Organisationen schwere Vorw\u00fcrfe gegen sie erheben. Fest steht: Die schiitischen Milizen halten D\u00f6rfer besetzt, sind in Mosul f\u00fcr ihr herrisches Auftreten und ihre Willk\u00fcr bekannt.<\/p>\n\n\n\n \u201eTats\u00e4chlich sorgen die verschiedenen bewaffneten Gruppen daf\u00fcr, dass die Fl\u00fcchtlinge nicht zur\u00fcckkehren. Und weil sie nicht zur\u00fcckkehren, gibt es auch keinen Wiederaufbau. Die Menschen haben Angst vor den Milizen \u2013 auch davor, dass die einander bek\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n Die \u201eHashd\u201c m\u00fcssten mithin abziehen. Und mit ihnen die anderen Milizen. Das Machtmonopol m\u00fcsste an den Staat gehen. Doch der Irak ist auch Spielball der Regionalm\u00e4chte: Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien. Sie konkurrieren um Einfluss-Sph\u00e4ren, bedienen sich dabei verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Gruppen im Irak. Deswegen werden die Hashd nicht abziehen. Derzeit sind sie von der iranisch-irakischen Grenze im Osten \u00fcber Bagdad bis hoch zur irakisch-syrischen Grenze im Norden postiert. Einheiten Teherans k\u00f6nnten demnach auf dem Landweg vom Iran bis ans Mittelmeer durchmarschieren.<\/p>\n\n\n\n Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":9},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};
Die Realit\u00e4t sieht anders aus: Ein Staat Kurdistan, der neue Optionen m\u00f6glich gemacht h\u00e4tte, auch von den Minderheiten gew\u00fcnscht worden war, ist nicht entstanden. Bagdad aber ist fern, der Zentralstaat kaum existent, und wenn, dann ist er schiitisch dominiert. Es sind Milizen, die im Nord-Irak das Geschehen bestimmen, darum rivalisieren, das Machtvakuum zu f\u00fcllen, das durch die Vertreibung des \u201eIS\u201c entstanden ist. Einst im Kampf gegen die Terroristen geeint, sind die Milizen einander heute feind.<\/p>\n\n\n\n Allen voran die \u201eHashd ash-Shaabi\u201c, schiitisch-irakische Milizen, deren Ausbilder und Kommandeure h\u00e4ufig Iraner sind. Bagdad hat die Haschd als regul\u00e4re Kraft im Kampf gegen den \u201eIS\u201c anerkannt \u2013 obwohl Menschenrechts-Organisationen schwere Vorw\u00fcrfe gegen sie erheben. Fest steht: Die schiitischen Milizen halten D\u00f6rfer besetzt, sind in Mosul f\u00fcr ihr herrisches Auftreten und ihre Willk\u00fcr bekannt.<\/p>\n\n\n\n \u201eTats\u00e4chlich sorgen die verschiedenen bewaffneten Gruppen daf\u00fcr, dass die Fl\u00fcchtlinge nicht zur\u00fcckkehren. Und weil sie nicht zur\u00fcckkehren, gibt es auch keinen Wiederaufbau. Die Menschen haben Angst vor den Milizen \u2013 auch davor, dass die einander bek\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n Die \u201eHashd\u201c m\u00fcssten mithin abziehen. Und mit ihnen die anderen Milizen. Das Machtmonopol m\u00fcsste an den Staat gehen. Doch der Irak ist auch Spielball der Regionalm\u00e4chte: Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien. Sie konkurrieren um Einfluss-Sph\u00e4ren, bedienen sich dabei verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Gruppen im Irak. Deswegen werden die Hashd nicht abziehen. Derzeit sind sie von der iranisch-irakischen Grenze im Osten \u00fcber Bagdad bis hoch zur irakisch-syrischen Grenze im Norden postiert. Einheiten Teherans k\u00f6nnten demnach auf dem Landweg vom Iran bis ans Mittelmeer durchmarschieren.<\/p>\n\n\n\n Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":9},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};
\u201eIch denke, es w\u00e4re nicht einfach, in das Jahr 2014 \u2013 also in die Zeit vor dem \u201aIS\u2018 \u2013 zur\u00fcckzukehren. Vor allem aber w\u00e4re es nicht die richtige Politik. Denn eben die hat ja erst zum Aufkommen, zur Existenz des \u201aIS\u2018 gef\u00fchrt.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n Die Realit\u00e4t sieht anders aus: Ein Staat Kurdistan, der neue Optionen m\u00f6glich gemacht h\u00e4tte, auch von den Minderheiten gew\u00fcnscht worden war, ist nicht entstanden. Bagdad aber ist fern, der Zentralstaat kaum existent, und wenn, dann ist er schiitisch dominiert. Es sind Milizen, die im Nord-Irak das Geschehen bestimmen, darum rivalisieren, das Machtvakuum zu f\u00fcllen, das durch die Vertreibung des \u201eIS\u201c entstanden ist. Einst im Kampf gegen die Terroristen geeint, sind die Milizen einander heute feind.<\/p>\n\n\n\n Allen voran die \u201eHashd ash-Shaabi\u201c, schiitisch-irakische Milizen, deren Ausbilder und Kommandeure h\u00e4ufig Iraner sind. Bagdad hat die Haschd als regul\u00e4re Kraft im Kampf gegen den \u201eIS\u201c anerkannt \u2013 obwohl Menschenrechts-Organisationen schwere Vorw\u00fcrfe gegen sie erheben. Fest steht: Die schiitischen Milizen halten D\u00f6rfer besetzt, sind in Mosul f\u00fcr ihr herrisches Auftreten und ihre Willk\u00fcr bekannt.<\/p>\n\n\n\n \u201eTats\u00e4chlich sorgen die verschiedenen bewaffneten Gruppen daf\u00fcr, dass die Fl\u00fcchtlinge nicht zur\u00fcckkehren. Und weil sie nicht zur\u00fcckkehren, gibt es auch keinen Wiederaufbau. Die Menschen haben Angst vor den Milizen \u2013 auch davor, dass die einander bek\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n Die \u201eHashd\u201c m\u00fcssten mithin abziehen. Und mit ihnen die anderen Milizen. Das Machtmonopol m\u00fcsste an den Staat gehen. Doch der Irak ist auch Spielball der Regionalm\u00e4chte: Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien. Sie konkurrieren um Einfluss-Sph\u00e4ren, bedienen sich dabei verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Gruppen im Irak. Deswegen werden die Hashd nicht abziehen. Derzeit sind sie von der iranisch-irakischen Grenze im Osten \u00fcber Bagdad bis hoch zur irakisch-syrischen Grenze im Norden postiert. Einheiten Teherans k\u00f6nnten demnach auf dem Landweg vom Iran bis ans Mittelmeer durchmarschieren.<\/p>\n\n\n\n Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":9},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};
Kamaran Palani stammt aus der Stadt Makhmour. Drei Tage nur sei der \u201eIS\u201c dort gewesen, sagt er, doch diese Tage h\u00e4tten alles ver\u00e4ndert. Der \u201eIS\u201c habe die Menschen in seiner Heimatstadt verrohen lassen, meint er, das Verh\u00e4ltnis zwischen Kurden und Arabern sei heute tot. Eine R\u00fcckkehr in alte Zeiten h\u00e4lt Palani f\u00fcr falsch.<\/p>\n\n\n\n \u201eIch denke, es w\u00e4re nicht einfach, in das Jahr 2014 \u2013 also in die Zeit vor dem \u201aIS\u2018 \u2013 zur\u00fcckzukehren. Vor allem aber w\u00e4re es nicht die richtige Politik. Denn eben die hat ja erst zum Aufkommen, zur Existenz des \u201aIS\u2018 gef\u00fchrt.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n Die Realit\u00e4t sieht anders aus: Ein Staat Kurdistan, der neue Optionen m\u00f6glich gemacht h\u00e4tte, auch von den Minderheiten gew\u00fcnscht worden war, ist nicht entstanden. Bagdad aber ist fern, der Zentralstaat kaum existent, und wenn, dann ist er schiitisch dominiert. Es sind Milizen, die im Nord-Irak das Geschehen bestimmen, darum rivalisieren, das Machtvakuum zu f\u00fcllen, das durch die Vertreibung des \u201eIS\u201c entstanden ist. Einst im Kampf gegen die Terroristen geeint, sind die Milizen einander heute feind.<\/p>\n\n\n\n Allen voran die \u201eHashd ash-Shaabi\u201c, schiitisch-irakische Milizen, deren Ausbilder und Kommandeure h\u00e4ufig Iraner sind. Bagdad hat die Haschd als regul\u00e4re Kraft im Kampf gegen den \u201eIS\u201c anerkannt \u2013 obwohl Menschenrechts-Organisationen schwere Vorw\u00fcrfe gegen sie erheben. Fest steht: Die schiitischen Milizen halten D\u00f6rfer besetzt, sind in Mosul f\u00fcr ihr herrisches Auftreten und ihre Willk\u00fcr bekannt.<\/p>\n\n\n\n \u201eTats\u00e4chlich sorgen die verschiedenen bewaffneten Gruppen daf\u00fcr, dass die Fl\u00fcchtlinge nicht zur\u00fcckkehren. Und weil sie nicht zur\u00fcckkehren, gibt es auch keinen Wiederaufbau. Die Menschen haben Angst vor den Milizen \u2013 auch davor, dass die einander bek\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n Die \u201eHashd\u201c m\u00fcssten mithin abziehen. Und mit ihnen die anderen Milizen. Das Machtmonopol m\u00fcsste an den Staat gehen. Doch der Irak ist auch Spielball der Regionalm\u00e4chte: Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien. Sie konkurrieren um Einfluss-Sph\u00e4ren, bedienen sich dabei verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Gruppen im Irak. Deswegen werden die Hashd nicht abziehen. Derzeit sind sie von der iranisch-irakischen Grenze im Osten \u00fcber Bagdad bis hoch zur irakisch-syrischen Grenze im Norden postiert. Einheiten Teherans k\u00f6nnten demnach auf dem Landweg vom Iran bis ans Mittelmeer durchmarschieren.<\/p>\n\n\n\n Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":9},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};
Kamaran Palani stammt aus der Stadt Makhmour. Drei Tage nur sei der \u201eIS\u201c dort gewesen, sagt er, doch diese Tage h\u00e4tten alles ver\u00e4ndert. Der \u201eIS\u201c habe die Menschen in seiner Heimatstadt verrohen lassen, meint er, das Verh\u00e4ltnis zwischen Kurden und Arabern sei heute tot. Eine R\u00fcckkehr in alte Zeiten h\u00e4lt Palani f\u00fcr falsch.<\/p>\n\n\n\n \u201eIch denke, es w\u00e4re nicht einfach, in das Jahr 2014 \u2013 also in die Zeit vor dem \u201aIS\u2018 \u2013 zur\u00fcckzukehren. Vor allem aber w\u00e4re es nicht die richtige Politik. Denn eben die hat ja erst zum Aufkommen, zur Existenz des \u201aIS\u2018 gef\u00fchrt.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n Die Realit\u00e4t sieht anders aus: Ein Staat Kurdistan, der neue Optionen m\u00f6glich gemacht h\u00e4tte, auch von den Minderheiten gew\u00fcnscht worden war, ist nicht entstanden. Bagdad aber ist fern, der Zentralstaat kaum existent, und wenn, dann ist er schiitisch dominiert. Es sind Milizen, die im Nord-Irak das Geschehen bestimmen, darum rivalisieren, das Machtvakuum zu f\u00fcllen, das durch die Vertreibung des \u201eIS\u201c entstanden ist. Einst im Kampf gegen die Terroristen geeint, sind die Milizen einander heute feind.<\/p>\n\n\n\n Allen voran die \u201eHashd ash-Shaabi\u201c, schiitisch-irakische Milizen, deren Ausbilder und Kommandeure h\u00e4ufig Iraner sind. Bagdad hat die Haschd als regul\u00e4re Kraft im Kampf gegen den \u201eIS\u201c anerkannt \u2013 obwohl Menschenrechts-Organisationen schwere Vorw\u00fcrfe gegen sie erheben. Fest steht: Die schiitischen Milizen halten D\u00f6rfer besetzt, sind in Mosul f\u00fcr ihr herrisches Auftreten und ihre Willk\u00fcr bekannt.<\/p>\n\n\n\n \u201eTats\u00e4chlich sorgen die verschiedenen bewaffneten Gruppen daf\u00fcr, dass die Fl\u00fcchtlinge nicht zur\u00fcckkehren. Und weil sie nicht zur\u00fcckkehren, gibt es auch keinen Wiederaufbau. Die Menschen haben Angst vor den Milizen \u2013 auch davor, dass die einander bek\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n Die \u201eHashd\u201c m\u00fcssten mithin abziehen. Und mit ihnen die anderen Milizen. Das Machtmonopol m\u00fcsste an den Staat gehen. Doch der Irak ist auch Spielball der Regionalm\u00e4chte: Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien. Sie konkurrieren um Einfluss-Sph\u00e4ren, bedienen sich dabei verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Gruppen im Irak. Deswegen werden die Hashd nicht abziehen. Derzeit sind sie von der iranisch-irakischen Grenze im Osten \u00fcber Bagdad bis hoch zur irakisch-syrischen Grenze im Norden postiert. Einheiten Teherans k\u00f6nnten demnach auf dem Landweg vom Iran bis ans Mittelmeer durchmarschieren.<\/p>\n\n\n\n Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":9},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};
Misstrauen. Auch bei einem Politikwissenschaftler. Was also tun? Zerst\u00f6rte St\u00e4dte und D\u00f6rfer k\u00f6nnten wieder aufgebaut werden \u2013 wenn denn ein gemeinsamer Wille best\u00fcnde. Doch was, wenn es einen solchen gemeinsamen Willen gar nicht gibt? Wenn Schmerz und Trauer anhalten, wenn die Verbrechen von Terroristen und Helfershelfern nicht geahndet werden, wenn Angst umgeht, Misstrauen und Hass das Miteinander bestimmen.<\/p>\n\n\n\n Kamaran Palani stammt aus der Stadt Makhmour. Drei Tage nur sei der \u201eIS\u201c dort gewesen, sagt er, doch diese Tage h\u00e4tten alles ver\u00e4ndert. Der \u201eIS\u201c habe die Menschen in seiner Heimatstadt verrohen lassen, meint er, das Verh\u00e4ltnis zwischen Kurden und Arabern sei heute tot. Eine R\u00fcckkehr in alte Zeiten h\u00e4lt Palani f\u00fcr falsch.<\/p>\n\n\n\n \u201eIch denke, es w\u00e4re nicht einfach, in das Jahr 2014 \u2013 also in die Zeit vor dem \u201aIS\u2018 \u2013 zur\u00fcckzukehren. Vor allem aber w\u00e4re es nicht die richtige Politik. Denn eben die hat ja erst zum Aufkommen, zur Existenz des \u201aIS\u2018 gef\u00fchrt.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n Die Realit\u00e4t sieht anders aus: Ein Staat Kurdistan, der neue Optionen m\u00f6glich gemacht h\u00e4tte, auch von den Minderheiten gew\u00fcnscht worden war, ist nicht entstanden. Bagdad aber ist fern, der Zentralstaat kaum existent, und wenn, dann ist er schiitisch dominiert. Es sind Milizen, die im Nord-Irak das Geschehen bestimmen, darum rivalisieren, das Machtvakuum zu f\u00fcllen, das durch die Vertreibung des \u201eIS\u201c entstanden ist. Einst im Kampf gegen die Terroristen geeint, sind die Milizen einander heute feind.<\/p>\n\n\n\n Allen voran die \u201eHashd ash-Shaabi\u201c, schiitisch-irakische Milizen, deren Ausbilder und Kommandeure h\u00e4ufig Iraner sind. Bagdad hat die Haschd als regul\u00e4re Kraft im Kampf gegen den \u201eIS\u201c anerkannt \u2013 obwohl Menschenrechts-Organisationen schwere Vorw\u00fcrfe gegen sie erheben. Fest steht: Die schiitischen Milizen halten D\u00f6rfer besetzt, sind in Mosul f\u00fcr ihr herrisches Auftreten und ihre Willk\u00fcr bekannt.<\/p>\n\n\n\n \u201eTats\u00e4chlich sorgen die verschiedenen bewaffneten Gruppen daf\u00fcr, dass die Fl\u00fcchtlinge nicht zur\u00fcckkehren. Und weil sie nicht zur\u00fcckkehren, gibt es auch keinen Wiederaufbau. Die Menschen haben Angst vor den Milizen \u2013 auch davor, dass die einander bek\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n Die \u201eHashd\u201c m\u00fcssten mithin abziehen. Und mit ihnen die anderen Milizen. Das Machtmonopol m\u00fcsste an den Staat gehen. Doch der Irak ist auch Spielball der Regionalm\u00e4chte: Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien. Sie konkurrieren um Einfluss-Sph\u00e4ren, bedienen sich dabei verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Gruppen im Irak. Deswegen werden die Hashd nicht abziehen. Derzeit sind sie von der iranisch-irakischen Grenze im Osten \u00fcber Bagdad bis hoch zur irakisch-syrischen Grenze im Norden postiert. Einheiten Teherans k\u00f6nnten demnach auf dem Landweg vom Iran bis ans Mittelmeer durchmarschieren.<\/p>\n\n\n\n Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":9},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};
\u201eIS\u201c-K\u00e4mpfer haben gesagt, es gehe darum, die W\u00fcrde der sunnitischen Araber wiederherzustellen. Ihre Macht. Ihre Geschichte. Tats\u00e4chlich konnten es die Araber nicht hinnehmen, dass sie ins Abseits gedr\u00e4ngt wurden. Und ich denke, dass sie auch in Zukunft so handeln werden. Wann immer sich die Gelegenheit bietet: Sie werden alles hinter sich lassen \u2013 sich nur darauf konzentrieren.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n Misstrauen. Auch bei einem Politikwissenschaftler. Was also tun? Zerst\u00f6rte St\u00e4dte und D\u00f6rfer k\u00f6nnten wieder aufgebaut werden \u2013 wenn denn ein gemeinsamer Wille best\u00fcnde. Doch was, wenn es einen solchen gemeinsamen Willen gar nicht gibt? Wenn Schmerz und Trauer anhalten, wenn die Verbrechen von Terroristen und Helfershelfern nicht geahndet werden, wenn Angst umgeht, Misstrauen und Hass das Miteinander bestimmen.<\/p>\n\n\n\n Kamaran Palani stammt aus der Stadt Makhmour. Drei Tage nur sei der \u201eIS\u201c dort gewesen, sagt er, doch diese Tage h\u00e4tten alles ver\u00e4ndert. Der \u201eIS\u201c habe die Menschen in seiner Heimatstadt verrohen lassen, meint er, das Verh\u00e4ltnis zwischen Kurden und Arabern sei heute tot. Eine R\u00fcckkehr in alte Zeiten h\u00e4lt Palani f\u00fcr falsch.<\/p>\n\n\n\n \u201eIch denke, es w\u00e4re nicht einfach, in das Jahr 2014 \u2013 also in die Zeit vor dem \u201aIS\u2018 \u2013 zur\u00fcckzukehren. Vor allem aber w\u00e4re es nicht die richtige Politik. Denn eben die hat ja erst zum Aufkommen, zur Existenz des \u201aIS\u2018 gef\u00fchrt.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n Die Realit\u00e4t sieht anders aus: Ein Staat Kurdistan, der neue Optionen m\u00f6glich gemacht h\u00e4tte, auch von den Minderheiten gew\u00fcnscht worden war, ist nicht entstanden. Bagdad aber ist fern, der Zentralstaat kaum existent, und wenn, dann ist er schiitisch dominiert. Es sind Milizen, die im Nord-Irak das Geschehen bestimmen, darum rivalisieren, das Machtvakuum zu f\u00fcllen, das durch die Vertreibung des \u201eIS\u201c entstanden ist. Einst im Kampf gegen die Terroristen geeint, sind die Milizen einander heute feind.<\/p>\n\n\n\n Allen voran die \u201eHashd ash-Shaabi\u201c, schiitisch-irakische Milizen, deren Ausbilder und Kommandeure h\u00e4ufig Iraner sind. Bagdad hat die Haschd als regul\u00e4re Kraft im Kampf gegen den \u201eIS\u201c anerkannt \u2013 obwohl Menschenrechts-Organisationen schwere Vorw\u00fcrfe gegen sie erheben. Fest steht: Die schiitischen Milizen halten D\u00f6rfer besetzt, sind in Mosul f\u00fcr ihr herrisches Auftreten und ihre Willk\u00fcr bekannt.<\/p>\n\n\n\n \u201eTats\u00e4chlich sorgen die verschiedenen bewaffneten Gruppen daf\u00fcr, dass die Fl\u00fcchtlinge nicht zur\u00fcckkehren. Und weil sie nicht zur\u00fcckkehren, gibt es auch keinen Wiederaufbau. Die Menschen haben Angst vor den Milizen \u2013 auch davor, dass die einander bek\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n Die \u201eHashd\u201c m\u00fcssten mithin abziehen. Und mit ihnen die anderen Milizen. Das Machtmonopol m\u00fcsste an den Staat gehen. Doch der Irak ist auch Spielball der Regionalm\u00e4chte: Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien. Sie konkurrieren um Einfluss-Sph\u00e4ren, bedienen sich dabei verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Gruppen im Irak. Deswegen werden die Hashd nicht abziehen. Derzeit sind sie von der iranisch-irakischen Grenze im Osten \u00fcber Bagdad bis hoch zur irakisch-syrischen Grenze im Norden postiert. Einheiten Teherans k\u00f6nnten demnach auf dem Landweg vom Iran bis ans Mittelmeer durchmarschieren.<\/p>\n\n\n\n Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":9},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};
Als der \u201eIS\u201c dann im Sommer 2014 fast ohne Gegenwehr weite Landstriche in Syrien und im Irak \u00fcberrannte und seinen \u201eStaat\u201c ausrief, sahen auch gew\u00f6hnliche sunnitische Araber einen Wechsel nahen. Viele machten gemeinsame Sache mit den Terroristen, verhinderten die Flucht jesidischer Nachbarn, lieferten sie ihren Schl\u00e4chtern aus. Kamaran Palani:<\/p>\n\n\n\n \u201eIS\u201c-K\u00e4mpfer haben gesagt, es gehe darum, die W\u00fcrde der sunnitischen Araber wiederherzustellen. Ihre Macht. Ihre Geschichte. Tats\u00e4chlich konnten es die Araber nicht hinnehmen, dass sie ins Abseits gedr\u00e4ngt wurden. Und ich denke, dass sie auch in Zukunft so handeln werden. Wann immer sich die Gelegenheit bietet: Sie werden alles hinter sich lassen \u2013 sich nur darauf konzentrieren.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n Misstrauen. Auch bei einem Politikwissenschaftler. Was also tun? Zerst\u00f6rte St\u00e4dte und D\u00f6rfer k\u00f6nnten wieder aufgebaut werden \u2013 wenn denn ein gemeinsamer Wille best\u00fcnde. Doch was, wenn es einen solchen gemeinsamen Willen gar nicht gibt? Wenn Schmerz und Trauer anhalten, wenn die Verbrechen von Terroristen und Helfershelfern nicht geahndet werden, wenn Angst umgeht, Misstrauen und Hass das Miteinander bestimmen.<\/p>\n\n\n\n Kamaran Palani stammt aus der Stadt Makhmour. Drei Tage nur sei der \u201eIS\u201c dort gewesen, sagt er, doch diese Tage h\u00e4tten alles ver\u00e4ndert. Der \u201eIS\u201c habe die Menschen in seiner Heimatstadt verrohen lassen, meint er, das Verh\u00e4ltnis zwischen Kurden und Arabern sei heute tot. Eine R\u00fcckkehr in alte Zeiten h\u00e4lt Palani f\u00fcr falsch.<\/p>\n\n\n\n \u201eIch denke, es w\u00e4re nicht einfach, in das Jahr 2014 \u2013 also in die Zeit vor dem \u201aIS\u2018 \u2013 zur\u00fcckzukehren. Vor allem aber w\u00e4re es nicht die richtige Politik. Denn eben die hat ja erst zum Aufkommen, zur Existenz des \u201aIS\u2018 gef\u00fchrt.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n Die Realit\u00e4t sieht anders aus: Ein Staat Kurdistan, der neue Optionen m\u00f6glich gemacht h\u00e4tte, auch von den Minderheiten gew\u00fcnscht worden war, ist nicht entstanden. Bagdad aber ist fern, der Zentralstaat kaum existent, und wenn, dann ist er schiitisch dominiert. Es sind Milizen, die im Nord-Irak das Geschehen bestimmen, darum rivalisieren, das Machtvakuum zu f\u00fcllen, das durch die Vertreibung des \u201eIS\u201c entstanden ist. Einst im Kampf gegen die Terroristen geeint, sind die Milizen einander heute feind.<\/p>\n\n\n\n Allen voran die \u201eHashd ash-Shaabi\u201c, schiitisch-irakische Milizen, deren Ausbilder und Kommandeure h\u00e4ufig Iraner sind. Bagdad hat die Haschd als regul\u00e4re Kraft im Kampf gegen den \u201eIS\u201c anerkannt \u2013 obwohl Menschenrechts-Organisationen schwere Vorw\u00fcrfe gegen sie erheben. Fest steht: Die schiitischen Milizen halten D\u00f6rfer besetzt, sind in Mosul f\u00fcr ihr herrisches Auftreten und ihre Willk\u00fcr bekannt.<\/p>\n\n\n\n \u201eTats\u00e4chlich sorgen die verschiedenen bewaffneten Gruppen daf\u00fcr, dass die Fl\u00fcchtlinge nicht zur\u00fcckkehren. Und weil sie nicht zur\u00fcckkehren, gibt es auch keinen Wiederaufbau. Die Menschen haben Angst vor den Milizen \u2013 auch davor, dass die einander bek\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n Die \u201eHashd\u201c m\u00fcssten mithin abziehen. Und mit ihnen die anderen Milizen. Das Machtmonopol m\u00fcsste an den Staat gehen. Doch der Irak ist auch Spielball der Regionalm\u00e4chte: Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien. Sie konkurrieren um Einfluss-Sph\u00e4ren, bedienen sich dabei verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Gruppen im Irak. Deswegen werden die Hashd nicht abziehen. Derzeit sind sie von der iranisch-irakischen Grenze im Osten \u00fcber Bagdad bis hoch zur irakisch-syrischen Grenze im Norden postiert. Einheiten Teherans k\u00f6nnten demnach auf dem Landweg vom Iran bis ans Mittelmeer durchmarschieren.<\/p>\n\n\n\n Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":9},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};
Was viele in den Widerstand trieb. Einige schlossen sich der Terror-Organisation \u201eAl-Qaida\u201c an, unter ihnen f\u00fchrende Milit\u00e4rs der aufgel\u00f6sten Armee Saddam Husseins \u2013 und aus \u201eAl-Qaida\u201c ging sp\u00e4ter der \u201eIS\u201c hervor.<\/p>\n\n\n\n Als der \u201eIS\u201c dann im Sommer 2014 fast ohne Gegenwehr weite Landstriche in Syrien und im Irak \u00fcberrannte und seinen \u201eStaat\u201c ausrief, sahen auch gew\u00f6hnliche sunnitische Araber einen Wechsel nahen. Viele machten gemeinsame Sache mit den Terroristen, verhinderten die Flucht jesidischer Nachbarn, lieferten sie ihren Schl\u00e4chtern aus. Kamaran Palani:<\/p>\n\n\n\n \u201eIS\u201c-K\u00e4mpfer haben gesagt, es gehe darum, die W\u00fcrde der sunnitischen Araber wiederherzustellen. Ihre Macht. Ihre Geschichte. Tats\u00e4chlich konnten es die Araber nicht hinnehmen, dass sie ins Abseits gedr\u00e4ngt wurden. Und ich denke, dass sie auch in Zukunft so handeln werden. Wann immer sich die Gelegenheit bietet: Sie werden alles hinter sich lassen \u2013 sich nur darauf konzentrieren.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n Misstrauen. Auch bei einem Politikwissenschaftler. Was also tun? Zerst\u00f6rte St\u00e4dte und D\u00f6rfer k\u00f6nnten wieder aufgebaut werden \u2013 wenn denn ein gemeinsamer Wille best\u00fcnde. Doch was, wenn es einen solchen gemeinsamen Willen gar nicht gibt? Wenn Schmerz und Trauer anhalten, wenn die Verbrechen von Terroristen und Helfershelfern nicht geahndet werden, wenn Angst umgeht, Misstrauen und Hass das Miteinander bestimmen.<\/p>\n\n\n\n Kamaran Palani stammt aus der Stadt Makhmour. Drei Tage nur sei der \u201eIS\u201c dort gewesen, sagt er, doch diese Tage h\u00e4tten alles ver\u00e4ndert. Der \u201eIS\u201c habe die Menschen in seiner Heimatstadt verrohen lassen, meint er, das Verh\u00e4ltnis zwischen Kurden und Arabern sei heute tot. Eine R\u00fcckkehr in alte Zeiten h\u00e4lt Palani f\u00fcr falsch.<\/p>\n\n\n\n \u201eIch denke, es w\u00e4re nicht einfach, in das Jahr 2014 \u2013 also in die Zeit vor dem \u201aIS\u2018 \u2013 zur\u00fcckzukehren. Vor allem aber w\u00e4re es nicht die richtige Politik. Denn eben die hat ja erst zum Aufkommen, zur Existenz des \u201aIS\u2018 gef\u00fchrt.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n Die Realit\u00e4t sieht anders aus: Ein Staat Kurdistan, der neue Optionen m\u00f6glich gemacht h\u00e4tte, auch von den Minderheiten gew\u00fcnscht worden war, ist nicht entstanden. Bagdad aber ist fern, der Zentralstaat kaum existent, und wenn, dann ist er schiitisch dominiert. Es sind Milizen, die im Nord-Irak das Geschehen bestimmen, darum rivalisieren, das Machtvakuum zu f\u00fcllen, das durch die Vertreibung des \u201eIS\u201c entstanden ist. Einst im Kampf gegen die Terroristen geeint, sind die Milizen einander heute feind.<\/p>\n\n\n\n Allen voran die \u201eHashd ash-Shaabi\u201c, schiitisch-irakische Milizen, deren Ausbilder und Kommandeure h\u00e4ufig Iraner sind. Bagdad hat die Haschd als regul\u00e4re Kraft im Kampf gegen den \u201eIS\u201c anerkannt \u2013 obwohl Menschenrechts-Organisationen schwere Vorw\u00fcrfe gegen sie erheben. Fest steht: Die schiitischen Milizen halten D\u00f6rfer besetzt, sind in Mosul f\u00fcr ihr herrisches Auftreten und ihre Willk\u00fcr bekannt.<\/p>\n\n\n\n \u201eTats\u00e4chlich sorgen die verschiedenen bewaffneten Gruppen daf\u00fcr, dass die Fl\u00fcchtlinge nicht zur\u00fcckkehren. Und weil sie nicht zur\u00fcckkehren, gibt es auch keinen Wiederaufbau. Die Menschen haben Angst vor den Milizen \u2013 auch davor, dass die einander bek\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n Die \u201eHashd\u201c m\u00fcssten mithin abziehen. Und mit ihnen die anderen Milizen. Das Machtmonopol m\u00fcsste an den Staat gehen. Doch der Irak ist auch Spielball der Regionalm\u00e4chte: Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien. Sie konkurrieren um Einfluss-Sph\u00e4ren, bedienen sich dabei verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Gruppen im Irak. Deswegen werden die Hashd nicht abziehen. Derzeit sind sie von der iranisch-irakischen Grenze im Osten \u00fcber Bagdad bis hoch zur irakisch-syrischen Grenze im Norden postiert. Einheiten Teherans k\u00f6nnten demnach auf dem Landweg vom Iran bis ans Mittelmeer durchmarschieren.<\/p>\n\n\n\n Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":9},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};
Jetzt wurde der Spie\u00df umgedreht. Die Amerikaner sorgten daf\u00fcr, dass die Sunniten jegliche Machtposition verloren \u2013 so wurde die irakische Armee, wurde die baathistische Partei aufgel\u00f6st \u2013 ohne ein Pendant zu schaffen, das alle integrierte. Und: Washington unterst\u00fctzte Regierungschef Nouri al-Maliki, einen Schiiten. Maliki sah eine historische Chance gekommen, diskriminierte nun seinerseits seine sunnitischen Landsleute, verwehrte ihnen im \u201eNeuen Irak\u201c die Mitsprache. Im Regime Malikis wurden Sunniten inhaftiert, gefoltert und umgebracht.<\/p>\n\n\n\n Was viele in den Widerstand trieb. Einige schlossen sich der Terror-Organisation \u201eAl-Qaida\u201c an, unter ihnen f\u00fchrende Milit\u00e4rs der aufgel\u00f6sten Armee Saddam Husseins \u2013 und aus \u201eAl-Qaida\u201c ging sp\u00e4ter der \u201eIS\u201c hervor.<\/p>\n\n\n\n Als der \u201eIS\u201c dann im Sommer 2014 fast ohne Gegenwehr weite Landstriche in Syrien und im Irak \u00fcberrannte und seinen \u201eStaat\u201c ausrief, sahen auch gew\u00f6hnliche sunnitische Araber einen Wechsel nahen. Viele machten gemeinsame Sache mit den Terroristen, verhinderten die Flucht jesidischer Nachbarn, lieferten sie ihren Schl\u00e4chtern aus. Kamaran Palani:<\/p>\n\n\n\n \u201eIS\u201c-K\u00e4mpfer haben gesagt, es gehe darum, die W\u00fcrde der sunnitischen Araber wiederherzustellen. Ihre Macht. Ihre Geschichte. Tats\u00e4chlich konnten es die Araber nicht hinnehmen, dass sie ins Abseits gedr\u00e4ngt wurden. Und ich denke, dass sie auch in Zukunft so handeln werden. Wann immer sich die Gelegenheit bietet: Sie werden alles hinter sich lassen \u2013 sich nur darauf konzentrieren.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n Misstrauen. Auch bei einem Politikwissenschaftler. Was also tun? Zerst\u00f6rte St\u00e4dte und D\u00f6rfer k\u00f6nnten wieder aufgebaut werden \u2013 wenn denn ein gemeinsamer Wille best\u00fcnde. Doch was, wenn es einen solchen gemeinsamen Willen gar nicht gibt? Wenn Schmerz und Trauer anhalten, wenn die Verbrechen von Terroristen und Helfershelfern nicht geahndet werden, wenn Angst umgeht, Misstrauen und Hass das Miteinander bestimmen.<\/p>\n\n\n\n Kamaran Palani stammt aus der Stadt Makhmour. Drei Tage nur sei der \u201eIS\u201c dort gewesen, sagt er, doch diese Tage h\u00e4tten alles ver\u00e4ndert. Der \u201eIS\u201c habe die Menschen in seiner Heimatstadt verrohen lassen, meint er, das Verh\u00e4ltnis zwischen Kurden und Arabern sei heute tot. Eine R\u00fcckkehr in alte Zeiten h\u00e4lt Palani f\u00fcr falsch.<\/p>\n\n\n\n \u201eIch denke, es w\u00e4re nicht einfach, in das Jahr 2014 \u2013 also in die Zeit vor dem \u201aIS\u2018 \u2013 zur\u00fcckzukehren. Vor allem aber w\u00e4re es nicht die richtige Politik. Denn eben die hat ja erst zum Aufkommen, zur Existenz des \u201aIS\u2018 gef\u00fchrt.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n Die Realit\u00e4t sieht anders aus: Ein Staat Kurdistan, der neue Optionen m\u00f6glich gemacht h\u00e4tte, auch von den Minderheiten gew\u00fcnscht worden war, ist nicht entstanden. Bagdad aber ist fern, der Zentralstaat kaum existent, und wenn, dann ist er schiitisch dominiert. Es sind Milizen, die im Nord-Irak das Geschehen bestimmen, darum rivalisieren, das Machtvakuum zu f\u00fcllen, das durch die Vertreibung des \u201eIS\u201c entstanden ist. Einst im Kampf gegen die Terroristen geeint, sind die Milizen einander heute feind.<\/p>\n\n\n\n Allen voran die \u201eHashd ash-Shaabi\u201c, schiitisch-irakische Milizen, deren Ausbilder und Kommandeure h\u00e4ufig Iraner sind. Bagdad hat die Haschd als regul\u00e4re Kraft im Kampf gegen den \u201eIS\u201c anerkannt \u2013 obwohl Menschenrechts-Organisationen schwere Vorw\u00fcrfe gegen sie erheben. Fest steht: Die schiitischen Milizen halten D\u00f6rfer besetzt, sind in Mosul f\u00fcr ihr herrisches Auftreten und ihre Willk\u00fcr bekannt.<\/p>\n\n\n\n \u201eTats\u00e4chlich sorgen die verschiedenen bewaffneten Gruppen daf\u00fcr, dass die Fl\u00fcchtlinge nicht zur\u00fcckkehren. Und weil sie nicht zur\u00fcckkehren, gibt es auch keinen Wiederaufbau. Die Menschen haben Angst vor den Milizen \u2013 auch davor, dass die einander bek\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n Die \u201eHashd\u201c m\u00fcssten mithin abziehen. Und mit ihnen die anderen Milizen. Das Machtmonopol m\u00fcsste an den Staat gehen. Doch der Irak ist auch Spielball der Regionalm\u00e4chte: Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien. Sie konkurrieren um Einfluss-Sph\u00e4ren, bedienen sich dabei verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Gruppen im Irak. Deswegen werden die Hashd nicht abziehen. Derzeit sind sie von der iranisch-irakischen Grenze im Osten \u00fcber Bagdad bis hoch zur irakisch-syrischen Grenze im Norden postiert. Einheiten Teherans k\u00f6nnten demnach auf dem Landweg vom Iran bis ans Mittelmeer durchmarschieren.<\/p>\n\n\n\n Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":9},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};
Jetzt wurde der Spie\u00df umgedreht. Die Amerikaner sorgten daf\u00fcr, dass die Sunniten jegliche Machtposition verloren \u2013 so wurde die irakische Armee, wurde die baathistische Partei aufgel\u00f6st \u2013 ohne ein Pendant zu schaffen, das alle integrierte. Und: Washington unterst\u00fctzte Regierungschef Nouri al-Maliki, einen Schiiten. Maliki sah eine historische Chance gekommen, diskriminierte nun seinerseits seine sunnitischen Landsleute, verwehrte ihnen im \u201eNeuen Irak\u201c die Mitsprache. Im Regime Malikis wurden Sunniten inhaftiert, gefoltert und umgebracht.<\/p>\n\n\n\n Was viele in den Widerstand trieb. Einige schlossen sich der Terror-Organisation \u201eAl-Qaida\u201c an, unter ihnen f\u00fchrende Milit\u00e4rs der aufgel\u00f6sten Armee Saddam Husseins \u2013 und aus \u201eAl-Qaida\u201c ging sp\u00e4ter der \u201eIS\u201c hervor.<\/p>\n\n\n\n Als der \u201eIS\u201c dann im Sommer 2014 fast ohne Gegenwehr weite Landstriche in Syrien und im Irak \u00fcberrannte und seinen \u201eStaat\u201c ausrief, sahen auch gew\u00f6hnliche sunnitische Araber einen Wechsel nahen. Viele machten gemeinsame Sache mit den Terroristen, verhinderten die Flucht jesidischer Nachbarn, lieferten sie ihren Schl\u00e4chtern aus. Kamaran Palani:<\/p>\n\n\n\n \u201eIS\u201c-K\u00e4mpfer haben gesagt, es gehe darum, die W\u00fcrde der sunnitischen Araber wiederherzustellen. Ihre Macht. Ihre Geschichte. Tats\u00e4chlich konnten es die Araber nicht hinnehmen, dass sie ins Abseits gedr\u00e4ngt wurden. Und ich denke, dass sie auch in Zukunft so handeln werden. Wann immer sich die Gelegenheit bietet: Sie werden alles hinter sich lassen \u2013 sich nur darauf konzentrieren.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n Misstrauen. Auch bei einem Politikwissenschaftler. Was also tun? Zerst\u00f6rte St\u00e4dte und D\u00f6rfer k\u00f6nnten wieder aufgebaut werden \u2013 wenn denn ein gemeinsamer Wille best\u00fcnde. Doch was, wenn es einen solchen gemeinsamen Willen gar nicht gibt? Wenn Schmerz und Trauer anhalten, wenn die Verbrechen von Terroristen und Helfershelfern nicht geahndet werden, wenn Angst umgeht, Misstrauen und Hass das Miteinander bestimmen.<\/p>\n\n\n\n Kamaran Palani stammt aus der Stadt Makhmour. Drei Tage nur sei der \u201eIS\u201c dort gewesen, sagt er, doch diese Tage h\u00e4tten alles ver\u00e4ndert. Der \u201eIS\u201c habe die Menschen in seiner Heimatstadt verrohen lassen, meint er, das Verh\u00e4ltnis zwischen Kurden und Arabern sei heute tot. Eine R\u00fcckkehr in alte Zeiten h\u00e4lt Palani f\u00fcr falsch.<\/p>\n\n\n\n \u201eIch denke, es w\u00e4re nicht einfach, in das Jahr 2014 \u2013 also in die Zeit vor dem \u201aIS\u2018 \u2013 zur\u00fcckzukehren. Vor allem aber w\u00e4re es nicht die richtige Politik. Denn eben die hat ja erst zum Aufkommen, zur Existenz des \u201aIS\u2018 gef\u00fchrt.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n Die Realit\u00e4t sieht anders aus: Ein Staat Kurdistan, der neue Optionen m\u00f6glich gemacht h\u00e4tte, auch von den Minderheiten gew\u00fcnscht worden war, ist nicht entstanden. Bagdad aber ist fern, der Zentralstaat kaum existent, und wenn, dann ist er schiitisch dominiert. Es sind Milizen, die im Nord-Irak das Geschehen bestimmen, darum rivalisieren, das Machtvakuum zu f\u00fcllen, das durch die Vertreibung des \u201eIS\u201c entstanden ist. Einst im Kampf gegen die Terroristen geeint, sind die Milizen einander heute feind.<\/p>\n\n\n\n Allen voran die \u201eHashd ash-Shaabi\u201c, schiitisch-irakische Milizen, deren Ausbilder und Kommandeure h\u00e4ufig Iraner sind. Bagdad hat die Haschd als regul\u00e4re Kraft im Kampf gegen den \u201eIS\u201c anerkannt \u2013 obwohl Menschenrechts-Organisationen schwere Vorw\u00fcrfe gegen sie erheben. Fest steht: Die schiitischen Milizen halten D\u00f6rfer besetzt, sind in Mosul f\u00fcr ihr herrisches Auftreten und ihre Willk\u00fcr bekannt.<\/p>\n\n\n\n \u201eTats\u00e4chlich sorgen die verschiedenen bewaffneten Gruppen daf\u00fcr, dass die Fl\u00fcchtlinge nicht zur\u00fcckkehren. Und weil sie nicht zur\u00fcckkehren, gibt es auch keinen Wiederaufbau. Die Menschen haben Angst vor den Milizen \u2013 auch davor, dass die einander bek\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n Die \u201eHashd\u201c m\u00fcssten mithin abziehen. Und mit ihnen die anderen Milizen. Das Machtmonopol m\u00fcsste an den Staat gehen. Doch der Irak ist auch Spielball der Regionalm\u00e4chte: Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien. Sie konkurrieren um Einfluss-Sph\u00e4ren, bedienen sich dabei verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Gruppen im Irak. Deswegen werden die Hashd nicht abziehen. Derzeit sind sie von der iranisch-irakischen Grenze im Osten \u00fcber Bagdad bis hoch zur irakisch-syrischen Grenze im Norden postiert. Einheiten Teherans k\u00f6nnten demnach auf dem Landweg vom Iran bis ans Mittelmeer durchmarschieren.<\/p>\n\n\n\n Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":9},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};
Der Irak ist eine multi-ethnische und multi-religi\u00f6se Gesellschaft, in der die Schiiten die Mehrheit stellen. \u00dcber Jahrhunderte aber hatten die sunnitischen Araber das Sagen, sie missbrauchten die Macht, errichteten ein Schreckensregime \u2013 bis 2003, als Diktator Saddam Hussein von den USA gest\u00fcrzt wurde.<\/p>\n\n\n\n Jetzt wurde der Spie\u00df umgedreht. Die Amerikaner sorgten daf\u00fcr, dass die Sunniten jegliche Machtposition verloren \u2013 so wurde die irakische Armee, wurde die baathistische Partei aufgel\u00f6st \u2013 ohne ein Pendant zu schaffen, das alle integrierte. Und: Washington unterst\u00fctzte Regierungschef Nouri al-Maliki, einen Schiiten. Maliki sah eine historische Chance gekommen, diskriminierte nun seinerseits seine sunnitischen Landsleute, verwehrte ihnen im \u201eNeuen Irak\u201c die Mitsprache. Im Regime Malikis wurden Sunniten inhaftiert, gefoltert und umgebracht.<\/p>\n\n\n\n Was viele in den Widerstand trieb. Einige schlossen sich der Terror-Organisation \u201eAl-Qaida\u201c an, unter ihnen f\u00fchrende Milit\u00e4rs der aufgel\u00f6sten Armee Saddam Husseins \u2013 und aus \u201eAl-Qaida\u201c ging sp\u00e4ter der \u201eIS\u201c hervor.<\/p>\n\n\n\n Als der \u201eIS\u201c dann im Sommer 2014 fast ohne Gegenwehr weite Landstriche in Syrien und im Irak \u00fcberrannte und seinen \u201eStaat\u201c ausrief, sahen auch gew\u00f6hnliche sunnitische Araber einen Wechsel nahen. Viele machten gemeinsame Sache mit den Terroristen, verhinderten die Flucht jesidischer Nachbarn, lieferten sie ihren Schl\u00e4chtern aus. Kamaran Palani:<\/p>\n\n\n\n \u201eIS\u201c-K\u00e4mpfer haben gesagt, es gehe darum, die W\u00fcrde der sunnitischen Araber wiederherzustellen. Ihre Macht. Ihre Geschichte. Tats\u00e4chlich konnten es die Araber nicht hinnehmen, dass sie ins Abseits gedr\u00e4ngt wurden. Und ich denke, dass sie auch in Zukunft so handeln werden. Wann immer sich die Gelegenheit bietet: Sie werden alles hinter sich lassen \u2013 sich nur darauf konzentrieren.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n Misstrauen. Auch bei einem Politikwissenschaftler. Was also tun? Zerst\u00f6rte St\u00e4dte und D\u00f6rfer k\u00f6nnten wieder aufgebaut werden \u2013 wenn denn ein gemeinsamer Wille best\u00fcnde. Doch was, wenn es einen solchen gemeinsamen Willen gar nicht gibt? Wenn Schmerz und Trauer anhalten, wenn die Verbrechen von Terroristen und Helfershelfern nicht geahndet werden, wenn Angst umgeht, Misstrauen und Hass das Miteinander bestimmen.<\/p>\n\n\n\n Kamaran Palani stammt aus der Stadt Makhmour. Drei Tage nur sei der \u201eIS\u201c dort gewesen, sagt er, doch diese Tage h\u00e4tten alles ver\u00e4ndert. Der \u201eIS\u201c habe die Menschen in seiner Heimatstadt verrohen lassen, meint er, das Verh\u00e4ltnis zwischen Kurden und Arabern sei heute tot. Eine R\u00fcckkehr in alte Zeiten h\u00e4lt Palani f\u00fcr falsch.<\/p>\n\n\n\n \u201eIch denke, es w\u00e4re nicht einfach, in das Jahr 2014 \u2013 also in die Zeit vor dem \u201aIS\u2018 \u2013 zur\u00fcckzukehren. Vor allem aber w\u00e4re es nicht die richtige Politik. Denn eben die hat ja erst zum Aufkommen, zur Existenz des \u201aIS\u2018 gef\u00fchrt.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n Die Realit\u00e4t sieht anders aus: Ein Staat Kurdistan, der neue Optionen m\u00f6glich gemacht h\u00e4tte, auch von den Minderheiten gew\u00fcnscht worden war, ist nicht entstanden. Bagdad aber ist fern, der Zentralstaat kaum existent, und wenn, dann ist er schiitisch dominiert. Es sind Milizen, die im Nord-Irak das Geschehen bestimmen, darum rivalisieren, das Machtvakuum zu f\u00fcllen, das durch die Vertreibung des \u201eIS\u201c entstanden ist. Einst im Kampf gegen die Terroristen geeint, sind die Milizen einander heute feind.<\/p>\n\n\n\n Allen voran die \u201eHashd ash-Shaabi\u201c, schiitisch-irakische Milizen, deren Ausbilder und Kommandeure h\u00e4ufig Iraner sind. Bagdad hat die Haschd als regul\u00e4re Kraft im Kampf gegen den \u201eIS\u201c anerkannt \u2013 obwohl Menschenrechts-Organisationen schwere Vorw\u00fcrfe gegen sie erheben. Fest steht: Die schiitischen Milizen halten D\u00f6rfer besetzt, sind in Mosul f\u00fcr ihr herrisches Auftreten und ihre Willk\u00fcr bekannt.<\/p>\n\n\n\n \u201eTats\u00e4chlich sorgen die verschiedenen bewaffneten Gruppen daf\u00fcr, dass die Fl\u00fcchtlinge nicht zur\u00fcckkehren. Und weil sie nicht zur\u00fcckkehren, gibt es auch keinen Wiederaufbau. Die Menschen haben Angst vor den Milizen \u2013 auch davor, dass die einander bek\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n Die \u201eHashd\u201c m\u00fcssten mithin abziehen. Und mit ihnen die anderen Milizen. Das Machtmonopol m\u00fcsste an den Staat gehen. Doch der Irak ist auch Spielball der Regionalm\u00e4chte: Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien. Sie konkurrieren um Einfluss-Sph\u00e4ren, bedienen sich dabei verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Gruppen im Irak. Deswegen werden die Hashd nicht abziehen. Derzeit sind sie von der iranisch-irakischen Grenze im Osten \u00fcber Bagdad bis hoch zur irakisch-syrischen Grenze im Norden postiert. Einheiten Teherans k\u00f6nnten demnach auf dem Landweg vom Iran bis ans Mittelmeer durchmarschieren.<\/p>\n\n\n\n Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":9},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};
\u201eWir werden niemals wieder mit den Arabern zusammenleben k\u00f6nnen!\u201c \u2013 ein Satz, der heute h\u00e4ufig im Nord-Irak zu h\u00f6ren ist. Gemeint sind die Iraker, die Sunniten und Araber sind \u2013 die einstmals Nachbarn von Jesiden, Christen und Kurden waren \u2013 mit denen man Handel trieb und Hochzeiten feierte, die auch Freunde waren.<\/p>\n\n\n\n Der Irak ist eine multi-ethnische und multi-religi\u00f6se Gesellschaft, in der die Schiiten die Mehrheit stellen. \u00dcber Jahrhunderte aber hatten die sunnitischen Araber das Sagen, sie missbrauchten die Macht, errichteten ein Schreckensregime \u2013 bis 2003, als Diktator Saddam Hussein von den USA gest\u00fcrzt wurde.<\/p>\n\n\n\n Jetzt wurde der Spie\u00df umgedreht. Die Amerikaner sorgten daf\u00fcr, dass die Sunniten jegliche Machtposition verloren \u2013 so wurde die irakische Armee, wurde die baathistische Partei aufgel\u00f6st \u2013 ohne ein Pendant zu schaffen, das alle integrierte. Und: Washington unterst\u00fctzte Regierungschef Nouri al-Maliki, einen Schiiten. Maliki sah eine historische Chance gekommen, diskriminierte nun seinerseits seine sunnitischen Landsleute, verwehrte ihnen im \u201eNeuen Irak\u201c die Mitsprache. Im Regime Malikis wurden Sunniten inhaftiert, gefoltert und umgebracht.<\/p>\n\n\n\n Was viele in den Widerstand trieb. Einige schlossen sich der Terror-Organisation \u201eAl-Qaida\u201c an, unter ihnen f\u00fchrende Milit\u00e4rs der aufgel\u00f6sten Armee Saddam Husseins \u2013 und aus \u201eAl-Qaida\u201c ging sp\u00e4ter der \u201eIS\u201c hervor.<\/p>\n\n\n\n Als der \u201eIS\u201c dann im Sommer 2014 fast ohne Gegenwehr weite Landstriche in Syrien und im Irak \u00fcberrannte und seinen \u201eStaat\u201c ausrief, sahen auch gew\u00f6hnliche sunnitische Araber einen Wechsel nahen. Viele machten gemeinsame Sache mit den Terroristen, verhinderten die Flucht jesidischer Nachbarn, lieferten sie ihren Schl\u00e4chtern aus. Kamaran Palani:<\/p>\n\n\n\n \u201eIS\u201c-K\u00e4mpfer haben gesagt, es gehe darum, die W\u00fcrde der sunnitischen Araber wiederherzustellen. Ihre Macht. Ihre Geschichte. Tats\u00e4chlich konnten es die Araber nicht hinnehmen, dass sie ins Abseits gedr\u00e4ngt wurden. Und ich denke, dass sie auch in Zukunft so handeln werden. Wann immer sich die Gelegenheit bietet: Sie werden alles hinter sich lassen \u2013 sich nur darauf konzentrieren.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n Misstrauen. Auch bei einem Politikwissenschaftler. Was also tun? Zerst\u00f6rte St\u00e4dte und D\u00f6rfer k\u00f6nnten wieder aufgebaut werden \u2013 wenn denn ein gemeinsamer Wille best\u00fcnde. Doch was, wenn es einen solchen gemeinsamen Willen gar nicht gibt? Wenn Schmerz und Trauer anhalten, wenn die Verbrechen von Terroristen und Helfershelfern nicht geahndet werden, wenn Angst umgeht, Misstrauen und Hass das Miteinander bestimmen.<\/p>\n\n\n\n Kamaran Palani stammt aus der Stadt Makhmour. Drei Tage nur sei der \u201eIS\u201c dort gewesen, sagt er, doch diese Tage h\u00e4tten alles ver\u00e4ndert. Der \u201eIS\u201c habe die Menschen in seiner Heimatstadt verrohen lassen, meint er, das Verh\u00e4ltnis zwischen Kurden und Arabern sei heute tot. Eine R\u00fcckkehr in alte Zeiten h\u00e4lt Palani f\u00fcr falsch.<\/p>\n\n\n\n \u201eIch denke, es w\u00e4re nicht einfach, in das Jahr 2014 \u2013 also in die Zeit vor dem \u201aIS\u2018 \u2013 zur\u00fcckzukehren. Vor allem aber w\u00e4re es nicht die richtige Politik. Denn eben die hat ja erst zum Aufkommen, zur Existenz des \u201aIS\u2018 gef\u00fchrt.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n Die Realit\u00e4t sieht anders aus: Ein Staat Kurdistan, der neue Optionen m\u00f6glich gemacht h\u00e4tte, auch von den Minderheiten gew\u00fcnscht worden war, ist nicht entstanden. Bagdad aber ist fern, der Zentralstaat kaum existent, und wenn, dann ist er schiitisch dominiert. Es sind Milizen, die im Nord-Irak das Geschehen bestimmen, darum rivalisieren, das Machtvakuum zu f\u00fcllen, das durch die Vertreibung des \u201eIS\u201c entstanden ist. Einst im Kampf gegen die Terroristen geeint, sind die Milizen einander heute feind.<\/p>\n\n\n\n Allen voran die \u201eHashd ash-Shaabi\u201c, schiitisch-irakische Milizen, deren Ausbilder und Kommandeure h\u00e4ufig Iraner sind. Bagdad hat die Haschd als regul\u00e4re Kraft im Kampf gegen den \u201eIS\u201c anerkannt \u2013 obwohl Menschenrechts-Organisationen schwere Vorw\u00fcrfe gegen sie erheben. Fest steht: Die schiitischen Milizen halten D\u00f6rfer besetzt, sind in Mosul f\u00fcr ihr herrisches Auftreten und ihre Willk\u00fcr bekannt.<\/p>\n\n\n\n \u201eTats\u00e4chlich sorgen die verschiedenen bewaffneten Gruppen daf\u00fcr, dass die Fl\u00fcchtlinge nicht zur\u00fcckkehren. Und weil sie nicht zur\u00fcckkehren, gibt es auch keinen Wiederaufbau. Die Menschen haben Angst vor den Milizen \u2013 auch davor, dass die einander bek\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n Die \u201eHashd\u201c m\u00fcssten mithin abziehen. Und mit ihnen die anderen Milizen. Das Machtmonopol m\u00fcsste an den Staat gehen. Doch der Irak ist auch Spielball der Regionalm\u00e4chte: Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien. Sie konkurrieren um Einfluss-Sph\u00e4ren, bedienen sich dabei verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Gruppen im Irak. Deswegen werden die Hashd nicht abziehen. Derzeit sind sie von der iranisch-irakischen Grenze im Osten \u00fcber Bagdad bis hoch zur irakisch-syrischen Grenze im Norden postiert. Einheiten Teherans k\u00f6nnten demnach auf dem Landweg vom Iran bis ans Mittelmeer durchmarschieren.<\/p>\n\n\n\n Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":9},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};
\u201e60 bis 65 Prozent der Christen wollen gehen. Das Gleiche gilt f\u00fcr andere Minderheiten: f\u00fcr Jesiden, Schabaks, Turkmenen, Kakais.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n \u201eWir werden niemals wieder mit den Arabern zusammenleben k\u00f6nnen!\u201c \u2013 ein Satz, der heute h\u00e4ufig im Nord-Irak zu h\u00f6ren ist. Gemeint sind die Iraker, die Sunniten und Araber sind \u2013 die einstmals Nachbarn von Jesiden, Christen und Kurden waren \u2013 mit denen man Handel trieb und Hochzeiten feierte, die auch Freunde waren.<\/p>\n\n\n\n Der Irak ist eine multi-ethnische und multi-religi\u00f6se Gesellschaft, in der die Schiiten die Mehrheit stellen. \u00dcber Jahrhunderte aber hatten die sunnitischen Araber das Sagen, sie missbrauchten die Macht, errichteten ein Schreckensregime \u2013 bis 2003, als Diktator Saddam Hussein von den USA gest\u00fcrzt wurde.<\/p>\n\n\n\n Jetzt wurde der Spie\u00df umgedreht. Die Amerikaner sorgten daf\u00fcr, dass die Sunniten jegliche Machtposition verloren \u2013 so wurde die irakische Armee, wurde die baathistische Partei aufgel\u00f6st \u2013 ohne ein Pendant zu schaffen, das alle integrierte. Und: Washington unterst\u00fctzte Regierungschef Nouri al-Maliki, einen Schiiten. Maliki sah eine historische Chance gekommen, diskriminierte nun seinerseits seine sunnitischen Landsleute, verwehrte ihnen im \u201eNeuen Irak\u201c die Mitsprache. Im Regime Malikis wurden Sunniten inhaftiert, gefoltert und umgebracht.<\/p>\n\n\n\n Was viele in den Widerstand trieb. Einige schlossen sich der Terror-Organisation \u201eAl-Qaida\u201c an, unter ihnen f\u00fchrende Milit\u00e4rs der aufgel\u00f6sten Armee Saddam Husseins \u2013 und aus \u201eAl-Qaida\u201c ging sp\u00e4ter der \u201eIS\u201c hervor.<\/p>\n\n\n\n Als der \u201eIS\u201c dann im Sommer 2014 fast ohne Gegenwehr weite Landstriche in Syrien und im Irak \u00fcberrannte und seinen \u201eStaat\u201c ausrief, sahen auch gew\u00f6hnliche sunnitische Araber einen Wechsel nahen. Viele machten gemeinsame Sache mit den Terroristen, verhinderten die Flucht jesidischer Nachbarn, lieferten sie ihren Schl\u00e4chtern aus. Kamaran Palani:<\/p>\n\n\n\n \u201eIS\u201c-K\u00e4mpfer haben gesagt, es gehe darum, die W\u00fcrde der sunnitischen Araber wiederherzustellen. Ihre Macht. Ihre Geschichte. Tats\u00e4chlich konnten es die Araber nicht hinnehmen, dass sie ins Abseits gedr\u00e4ngt wurden. Und ich denke, dass sie auch in Zukunft so handeln werden. Wann immer sich die Gelegenheit bietet: Sie werden alles hinter sich lassen \u2013 sich nur darauf konzentrieren.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n Misstrauen. Auch bei einem Politikwissenschaftler. Was also tun? Zerst\u00f6rte St\u00e4dte und D\u00f6rfer k\u00f6nnten wieder aufgebaut werden \u2013 wenn denn ein gemeinsamer Wille best\u00fcnde. Doch was, wenn es einen solchen gemeinsamen Willen gar nicht gibt? Wenn Schmerz und Trauer anhalten, wenn die Verbrechen von Terroristen und Helfershelfern nicht geahndet werden, wenn Angst umgeht, Misstrauen und Hass das Miteinander bestimmen.<\/p>\n\n\n\n Kamaran Palani stammt aus der Stadt Makhmour. Drei Tage nur sei der \u201eIS\u201c dort gewesen, sagt er, doch diese Tage h\u00e4tten alles ver\u00e4ndert. Der \u201eIS\u201c habe die Menschen in seiner Heimatstadt verrohen lassen, meint er, das Verh\u00e4ltnis zwischen Kurden und Arabern sei heute tot. Eine R\u00fcckkehr in alte Zeiten h\u00e4lt Palani f\u00fcr falsch.<\/p>\n\n\n\n \u201eIch denke, es w\u00e4re nicht einfach, in das Jahr 2014 \u2013 also in die Zeit vor dem \u201aIS\u2018 \u2013 zur\u00fcckzukehren. Vor allem aber w\u00e4re es nicht die richtige Politik. Denn eben die hat ja erst zum Aufkommen, zur Existenz des \u201aIS\u2018 gef\u00fchrt.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n Die Realit\u00e4t sieht anders aus: Ein Staat Kurdistan, der neue Optionen m\u00f6glich gemacht h\u00e4tte, auch von den Minderheiten gew\u00fcnscht worden war, ist nicht entstanden. Bagdad aber ist fern, der Zentralstaat kaum existent, und wenn, dann ist er schiitisch dominiert. Es sind Milizen, die im Nord-Irak das Geschehen bestimmen, darum rivalisieren, das Machtvakuum zu f\u00fcllen, das durch die Vertreibung des \u201eIS\u201c entstanden ist. Einst im Kampf gegen die Terroristen geeint, sind die Milizen einander heute feind.<\/p>\n\n\n\n Allen voran die \u201eHashd ash-Shaabi\u201c, schiitisch-irakische Milizen, deren Ausbilder und Kommandeure h\u00e4ufig Iraner sind. Bagdad hat die Haschd als regul\u00e4re Kraft im Kampf gegen den \u201eIS\u201c anerkannt \u2013 obwohl Menschenrechts-Organisationen schwere Vorw\u00fcrfe gegen sie erheben. Fest steht: Die schiitischen Milizen halten D\u00f6rfer besetzt, sind in Mosul f\u00fcr ihr herrisches Auftreten und ihre Willk\u00fcr bekannt.<\/p>\n\n\n\n \u201eTats\u00e4chlich sorgen die verschiedenen bewaffneten Gruppen daf\u00fcr, dass die Fl\u00fcchtlinge nicht zur\u00fcckkehren. Und weil sie nicht zur\u00fcckkehren, gibt es auch keinen Wiederaufbau. Die Menschen haben Angst vor den Milizen \u2013 auch davor, dass die einander bek\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n Die \u201eHashd\u201c m\u00fcssten mithin abziehen. Und mit ihnen die anderen Milizen. Das Machtmonopol m\u00fcsste an den Staat gehen. Doch der Irak ist auch Spielball der Regionalm\u00e4chte: Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien. Sie konkurrieren um Einfluss-Sph\u00e4ren, bedienen sich dabei verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Gruppen im Irak. Deswegen werden die Hashd nicht abziehen. Derzeit sind sie von der iranisch-irakischen Grenze im Osten \u00fcber Bagdad bis hoch zur irakisch-syrischen Grenze im Norden postiert. Einheiten Teherans k\u00f6nnten demnach auf dem Landweg vom Iran bis ans Mittelmeer durchmarschieren.<\/p>\n\n\n\n Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":9},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};
Palani forscht am \u201eMiddle East Research Institute\u201c, das seinen Sitz in Erbil hat, der Hauptstadt von Irakisch-Kurdistan. <\/p>\n\n\n\n \u201e60 bis 65 Prozent der Christen wollen gehen. Das Gleiche gilt f\u00fcr andere Minderheiten: f\u00fcr Jesiden, Schabaks, Turkmenen, Kakais.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n \u201eWir werden niemals wieder mit den Arabern zusammenleben k\u00f6nnen!\u201c \u2013 ein Satz, der heute h\u00e4ufig im Nord-Irak zu h\u00f6ren ist. Gemeint sind die Iraker, die Sunniten und Araber sind \u2013 die einstmals Nachbarn von Jesiden, Christen und Kurden waren \u2013 mit denen man Handel trieb und Hochzeiten feierte, die auch Freunde waren.<\/p>\n\n\n\n Der Irak ist eine multi-ethnische und multi-religi\u00f6se Gesellschaft, in der die Schiiten die Mehrheit stellen. \u00dcber Jahrhunderte aber hatten die sunnitischen Araber das Sagen, sie missbrauchten die Macht, errichteten ein Schreckensregime \u2013 bis 2003, als Diktator Saddam Hussein von den USA gest\u00fcrzt wurde.<\/p>\n\n\n\n Jetzt wurde der Spie\u00df umgedreht. Die Amerikaner sorgten daf\u00fcr, dass die Sunniten jegliche Machtposition verloren \u2013 so wurde die irakische Armee, wurde die baathistische Partei aufgel\u00f6st \u2013 ohne ein Pendant zu schaffen, das alle integrierte. Und: Washington unterst\u00fctzte Regierungschef Nouri al-Maliki, einen Schiiten. Maliki sah eine historische Chance gekommen, diskriminierte nun seinerseits seine sunnitischen Landsleute, verwehrte ihnen im \u201eNeuen Irak\u201c die Mitsprache. Im Regime Malikis wurden Sunniten inhaftiert, gefoltert und umgebracht.<\/p>\n\n\n\n Was viele in den Widerstand trieb. Einige schlossen sich der Terror-Organisation \u201eAl-Qaida\u201c an, unter ihnen f\u00fchrende Milit\u00e4rs der aufgel\u00f6sten Armee Saddam Husseins \u2013 und aus \u201eAl-Qaida\u201c ging sp\u00e4ter der \u201eIS\u201c hervor.<\/p>\n\n\n\n Als der \u201eIS\u201c dann im Sommer 2014 fast ohne Gegenwehr weite Landstriche in Syrien und im Irak \u00fcberrannte und seinen \u201eStaat\u201c ausrief, sahen auch gew\u00f6hnliche sunnitische Araber einen Wechsel nahen. Viele machten gemeinsame Sache mit den Terroristen, verhinderten die Flucht jesidischer Nachbarn, lieferten sie ihren Schl\u00e4chtern aus. Kamaran Palani:<\/p>\n\n\n\n \u201eIS\u201c-K\u00e4mpfer haben gesagt, es gehe darum, die W\u00fcrde der sunnitischen Araber wiederherzustellen. Ihre Macht. Ihre Geschichte. Tats\u00e4chlich konnten es die Araber nicht hinnehmen, dass sie ins Abseits gedr\u00e4ngt wurden. Und ich denke, dass sie auch in Zukunft so handeln werden. Wann immer sich die Gelegenheit bietet: Sie werden alles hinter sich lassen \u2013 sich nur darauf konzentrieren.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n Misstrauen. Auch bei einem Politikwissenschaftler. Was also tun? Zerst\u00f6rte St\u00e4dte und D\u00f6rfer k\u00f6nnten wieder aufgebaut werden \u2013 wenn denn ein gemeinsamer Wille best\u00fcnde. Doch was, wenn es einen solchen gemeinsamen Willen gar nicht gibt? Wenn Schmerz und Trauer anhalten, wenn die Verbrechen von Terroristen und Helfershelfern nicht geahndet werden, wenn Angst umgeht, Misstrauen und Hass das Miteinander bestimmen.<\/p>\n\n\n\n Kamaran Palani stammt aus der Stadt Makhmour. Drei Tage nur sei der \u201eIS\u201c dort gewesen, sagt er, doch diese Tage h\u00e4tten alles ver\u00e4ndert. Der \u201eIS\u201c habe die Menschen in seiner Heimatstadt verrohen lassen, meint er, das Verh\u00e4ltnis zwischen Kurden und Arabern sei heute tot. Eine R\u00fcckkehr in alte Zeiten h\u00e4lt Palani f\u00fcr falsch.<\/p>\n\n\n\n \u201eIch denke, es w\u00e4re nicht einfach, in das Jahr 2014 \u2013 also in die Zeit vor dem \u201aIS\u2018 \u2013 zur\u00fcckzukehren. Vor allem aber w\u00e4re es nicht die richtige Politik. Denn eben die hat ja erst zum Aufkommen, zur Existenz des \u201aIS\u2018 gef\u00fchrt.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n Die Realit\u00e4t sieht anders aus: Ein Staat Kurdistan, der neue Optionen m\u00f6glich gemacht h\u00e4tte, auch von den Minderheiten gew\u00fcnscht worden war, ist nicht entstanden. Bagdad aber ist fern, der Zentralstaat kaum existent, und wenn, dann ist er schiitisch dominiert. Es sind Milizen, die im Nord-Irak das Geschehen bestimmen, darum rivalisieren, das Machtvakuum zu f\u00fcllen, das durch die Vertreibung des \u201eIS\u201c entstanden ist. Einst im Kampf gegen die Terroristen geeint, sind die Milizen einander heute feind.<\/p>\n\n\n\n Allen voran die \u201eHashd ash-Shaabi\u201c, schiitisch-irakische Milizen, deren Ausbilder und Kommandeure h\u00e4ufig Iraner sind. Bagdad hat die Haschd als regul\u00e4re Kraft im Kampf gegen den \u201eIS\u201c anerkannt \u2013 obwohl Menschenrechts-Organisationen schwere Vorw\u00fcrfe gegen sie erheben. Fest steht: Die schiitischen Milizen halten D\u00f6rfer besetzt, sind in Mosul f\u00fcr ihr herrisches Auftreten und ihre Willk\u00fcr bekannt.<\/p>\n\n\n\n \u201eTats\u00e4chlich sorgen die verschiedenen bewaffneten Gruppen daf\u00fcr, dass die Fl\u00fcchtlinge nicht zur\u00fcckkehren. Und weil sie nicht zur\u00fcckkehren, gibt es auch keinen Wiederaufbau. Die Menschen haben Angst vor den Milizen \u2013 auch davor, dass die einander bek\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n Die \u201eHashd\u201c m\u00fcssten mithin abziehen. Und mit ihnen die anderen Milizen. Das Machtmonopol m\u00fcsste an den Staat gehen. Doch der Irak ist auch Spielball der Regionalm\u00e4chte: Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien. Sie konkurrieren um Einfluss-Sph\u00e4ren, bedienen sich dabei verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Gruppen im Irak. Deswegen werden die Hashd nicht abziehen. Derzeit sind sie von der iranisch-irakischen Grenze im Osten \u00fcber Bagdad bis hoch zur irakisch-syrischen Grenze im Norden postiert. Einheiten Teherans k\u00f6nnten demnach auf dem Landweg vom Iran bis ans Mittelmeer durchmarschieren.<\/p>\n\n\n\n Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":9},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};
\u201eSie wollen einfach nicht in diesem Land bleiben. Der IS hat sie dazu gebracht. Jeder hat heute Angst, dass eine andere Organisation kommen wird, Terroristen, die dasselbe anrichten wie zuvor.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n Palani forscht am \u201eMiddle East Research Institute\u201c, das seinen Sitz in Erbil hat, der Hauptstadt von Irakisch-Kurdistan. <\/p>\n\n\n\n \u201e60 bis 65 Prozent der Christen wollen gehen. Das Gleiche gilt f\u00fcr andere Minderheiten: f\u00fcr Jesiden, Schabaks, Turkmenen, Kakais.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n \u201eWir werden niemals wieder mit den Arabern zusammenleben k\u00f6nnen!\u201c \u2013 ein Satz, der heute h\u00e4ufig im Nord-Irak zu h\u00f6ren ist. Gemeint sind die Iraker, die Sunniten und Araber sind \u2013 die einstmals Nachbarn von Jesiden, Christen und Kurden waren \u2013 mit denen man Handel trieb und Hochzeiten feierte, die auch Freunde waren.<\/p>\n\n\n\n Der Irak ist eine multi-ethnische und multi-religi\u00f6se Gesellschaft, in der die Schiiten die Mehrheit stellen. \u00dcber Jahrhunderte aber hatten die sunnitischen Araber das Sagen, sie missbrauchten die Macht, errichteten ein Schreckensregime \u2013 bis 2003, als Diktator Saddam Hussein von den USA gest\u00fcrzt wurde.<\/p>\n\n\n\n Jetzt wurde der Spie\u00df umgedreht. Die Amerikaner sorgten daf\u00fcr, dass die Sunniten jegliche Machtposition verloren \u2013 so wurde die irakische Armee, wurde die baathistische Partei aufgel\u00f6st \u2013 ohne ein Pendant zu schaffen, das alle integrierte. Und: Washington unterst\u00fctzte Regierungschef Nouri al-Maliki, einen Schiiten. Maliki sah eine historische Chance gekommen, diskriminierte nun seinerseits seine sunnitischen Landsleute, verwehrte ihnen im \u201eNeuen Irak\u201c die Mitsprache. Im Regime Malikis wurden Sunniten inhaftiert, gefoltert und umgebracht.<\/p>\n\n\n\n Was viele in den Widerstand trieb. Einige schlossen sich der Terror-Organisation \u201eAl-Qaida\u201c an, unter ihnen f\u00fchrende Milit\u00e4rs der aufgel\u00f6sten Armee Saddam Husseins \u2013 und aus \u201eAl-Qaida\u201c ging sp\u00e4ter der \u201eIS\u201c hervor.<\/p>\n\n\n\n Als der \u201eIS\u201c dann im Sommer 2014 fast ohne Gegenwehr weite Landstriche in Syrien und im Irak \u00fcberrannte und seinen \u201eStaat\u201c ausrief, sahen auch gew\u00f6hnliche sunnitische Araber einen Wechsel nahen. Viele machten gemeinsame Sache mit den Terroristen, verhinderten die Flucht jesidischer Nachbarn, lieferten sie ihren Schl\u00e4chtern aus. Kamaran Palani:<\/p>\n\n\n\n \u201eIS\u201c-K\u00e4mpfer haben gesagt, es gehe darum, die W\u00fcrde der sunnitischen Araber wiederherzustellen. Ihre Macht. Ihre Geschichte. Tats\u00e4chlich konnten es die Araber nicht hinnehmen, dass sie ins Abseits gedr\u00e4ngt wurden. Und ich denke, dass sie auch in Zukunft so handeln werden. Wann immer sich die Gelegenheit bietet: Sie werden alles hinter sich lassen \u2013 sich nur darauf konzentrieren.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n Misstrauen. Auch bei einem Politikwissenschaftler. Was also tun? Zerst\u00f6rte St\u00e4dte und D\u00f6rfer k\u00f6nnten wieder aufgebaut werden \u2013 wenn denn ein gemeinsamer Wille best\u00fcnde. Doch was, wenn es einen solchen gemeinsamen Willen gar nicht gibt? Wenn Schmerz und Trauer anhalten, wenn die Verbrechen von Terroristen und Helfershelfern nicht geahndet werden, wenn Angst umgeht, Misstrauen und Hass das Miteinander bestimmen.<\/p>\n\n\n\n Kamaran Palani stammt aus der Stadt Makhmour. Drei Tage nur sei der \u201eIS\u201c dort gewesen, sagt er, doch diese Tage h\u00e4tten alles ver\u00e4ndert. Der \u201eIS\u201c habe die Menschen in seiner Heimatstadt verrohen lassen, meint er, das Verh\u00e4ltnis zwischen Kurden und Arabern sei heute tot. Eine R\u00fcckkehr in alte Zeiten h\u00e4lt Palani f\u00fcr falsch.<\/p>\n\n\n\n \u201eIch denke, es w\u00e4re nicht einfach, in das Jahr 2014 \u2013 also in die Zeit vor dem \u201aIS\u2018 \u2013 zur\u00fcckzukehren. Vor allem aber w\u00e4re es nicht die richtige Politik. Denn eben die hat ja erst zum Aufkommen, zur Existenz des \u201aIS\u2018 gef\u00fchrt.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n Die Realit\u00e4t sieht anders aus: Ein Staat Kurdistan, der neue Optionen m\u00f6glich gemacht h\u00e4tte, auch von den Minderheiten gew\u00fcnscht worden war, ist nicht entstanden. Bagdad aber ist fern, der Zentralstaat kaum existent, und wenn, dann ist er schiitisch dominiert. Es sind Milizen, die im Nord-Irak das Geschehen bestimmen, darum rivalisieren, das Machtvakuum zu f\u00fcllen, das durch die Vertreibung des \u201eIS\u201c entstanden ist. Einst im Kampf gegen die Terroristen geeint, sind die Milizen einander heute feind.<\/p>\n\n\n\n Allen voran die \u201eHashd ash-Shaabi\u201c, schiitisch-irakische Milizen, deren Ausbilder und Kommandeure h\u00e4ufig Iraner sind. Bagdad hat die Haschd als regul\u00e4re Kraft im Kampf gegen den \u201eIS\u201c anerkannt \u2013 obwohl Menschenrechts-Organisationen schwere Vorw\u00fcrfe gegen sie erheben. Fest steht: Die schiitischen Milizen halten D\u00f6rfer besetzt, sind in Mosul f\u00fcr ihr herrisches Auftreten und ihre Willk\u00fcr bekannt.<\/p>\n\n\n\n \u201eTats\u00e4chlich sorgen die verschiedenen bewaffneten Gruppen daf\u00fcr, dass die Fl\u00fcchtlinge nicht zur\u00fcckkehren. Und weil sie nicht zur\u00fcckkehren, gibt es auch keinen Wiederaufbau. Die Menschen haben Angst vor den Milizen \u2013 auch davor, dass die einander bek\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n Die \u201eHashd\u201c m\u00fcssten mithin abziehen. Und mit ihnen die anderen Milizen. Das Machtmonopol m\u00fcsste an den Staat gehen. Doch der Irak ist auch Spielball der Regionalm\u00e4chte: Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien. Sie konkurrieren um Einfluss-Sph\u00e4ren, bedienen sich dabei verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Gruppen im Irak. Deswegen werden die Hashd nicht abziehen. Derzeit sind sie von der iranisch-irakischen Grenze im Osten \u00fcber Bagdad bis hoch zur irakisch-syrischen Grenze im Norden postiert. Einheiten Teherans k\u00f6nnten demnach auf dem Landweg vom Iran bis ans Mittelmeer durchmarschieren.<\/p>\n\n\n\n Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":9},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};
Kamaran Palani spricht davon, dass viele Menschen immer noch gehen wollen, obwohl der \u201eIS\u201c als staats\u00e4hnliches Gebilde nicht mehr besteht. Seine Saat aber, so der Politikwissenschaftler, sei aufgegangen.<\/p>\n\n\n\n \u201eSie wollen einfach nicht in diesem Land bleiben. Der IS hat sie dazu gebracht. Jeder hat heute Angst, dass eine andere Organisation kommen wird, Terroristen, die dasselbe anrichten wie zuvor.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n Palani forscht am \u201eMiddle East Research Institute\u201c, das seinen Sitz in Erbil hat, der Hauptstadt von Irakisch-Kurdistan. <\/p>\n\n\n\n \u201e60 bis 65 Prozent der Christen wollen gehen. Das Gleiche gilt f\u00fcr andere Minderheiten: f\u00fcr Jesiden, Schabaks, Turkmenen, Kakais.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n \u201eWir werden niemals wieder mit den Arabern zusammenleben k\u00f6nnen!\u201c \u2013 ein Satz, der heute h\u00e4ufig im Nord-Irak zu h\u00f6ren ist. Gemeint sind die Iraker, die Sunniten und Araber sind \u2013 die einstmals Nachbarn von Jesiden, Christen und Kurden waren \u2013 mit denen man Handel trieb und Hochzeiten feierte, die auch Freunde waren.<\/p>\n\n\n\n Der Irak ist eine multi-ethnische und multi-religi\u00f6se Gesellschaft, in der die Schiiten die Mehrheit stellen. \u00dcber Jahrhunderte aber hatten die sunnitischen Araber das Sagen, sie missbrauchten die Macht, errichteten ein Schreckensregime \u2013 bis 2003, als Diktator Saddam Hussein von den USA gest\u00fcrzt wurde.<\/p>\n\n\n\n Jetzt wurde der Spie\u00df umgedreht. Die Amerikaner sorgten daf\u00fcr, dass die Sunniten jegliche Machtposition verloren \u2013 so wurde die irakische Armee, wurde die baathistische Partei aufgel\u00f6st \u2013 ohne ein Pendant zu schaffen, das alle integrierte. Und: Washington unterst\u00fctzte Regierungschef Nouri al-Maliki, einen Schiiten. Maliki sah eine historische Chance gekommen, diskriminierte nun seinerseits seine sunnitischen Landsleute, verwehrte ihnen im \u201eNeuen Irak\u201c die Mitsprache. Im Regime Malikis wurden Sunniten inhaftiert, gefoltert und umgebracht.<\/p>\n\n\n\n Was viele in den Widerstand trieb. Einige schlossen sich der Terror-Organisation \u201eAl-Qaida\u201c an, unter ihnen f\u00fchrende Milit\u00e4rs der aufgel\u00f6sten Armee Saddam Husseins \u2013 und aus \u201eAl-Qaida\u201c ging sp\u00e4ter der \u201eIS\u201c hervor.<\/p>\n\n\n\n Als der \u201eIS\u201c dann im Sommer 2014 fast ohne Gegenwehr weite Landstriche in Syrien und im Irak \u00fcberrannte und seinen \u201eStaat\u201c ausrief, sahen auch gew\u00f6hnliche sunnitische Araber einen Wechsel nahen. Viele machten gemeinsame Sache mit den Terroristen, verhinderten die Flucht jesidischer Nachbarn, lieferten sie ihren Schl\u00e4chtern aus. Kamaran Palani:<\/p>\n\n\n\n \u201eIS\u201c-K\u00e4mpfer haben gesagt, es gehe darum, die W\u00fcrde der sunnitischen Araber wiederherzustellen. Ihre Macht. Ihre Geschichte. Tats\u00e4chlich konnten es die Araber nicht hinnehmen, dass sie ins Abseits gedr\u00e4ngt wurden. Und ich denke, dass sie auch in Zukunft so handeln werden. Wann immer sich die Gelegenheit bietet: Sie werden alles hinter sich lassen \u2013 sich nur darauf konzentrieren.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n Misstrauen. Auch bei einem Politikwissenschaftler. Was also tun? Zerst\u00f6rte St\u00e4dte und D\u00f6rfer k\u00f6nnten wieder aufgebaut werden \u2013 wenn denn ein gemeinsamer Wille best\u00fcnde. Doch was, wenn es einen solchen gemeinsamen Willen gar nicht gibt? Wenn Schmerz und Trauer anhalten, wenn die Verbrechen von Terroristen und Helfershelfern nicht geahndet werden, wenn Angst umgeht, Misstrauen und Hass das Miteinander bestimmen.<\/p>\n\n\n\n Kamaran Palani stammt aus der Stadt Makhmour. Drei Tage nur sei der \u201eIS\u201c dort gewesen, sagt er, doch diese Tage h\u00e4tten alles ver\u00e4ndert. Der \u201eIS\u201c habe die Menschen in seiner Heimatstadt verrohen lassen, meint er, das Verh\u00e4ltnis zwischen Kurden und Arabern sei heute tot. Eine R\u00fcckkehr in alte Zeiten h\u00e4lt Palani f\u00fcr falsch.<\/p>\n\n\n\n \u201eIch denke, es w\u00e4re nicht einfach, in das Jahr 2014 \u2013 also in die Zeit vor dem \u201aIS\u2018 \u2013 zur\u00fcckzukehren. Vor allem aber w\u00e4re es nicht die richtige Politik. Denn eben die hat ja erst zum Aufkommen, zur Existenz des \u201aIS\u2018 gef\u00fchrt.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n Die Realit\u00e4t sieht anders aus: Ein Staat Kurdistan, der neue Optionen m\u00f6glich gemacht h\u00e4tte, auch von den Minderheiten gew\u00fcnscht worden war, ist nicht entstanden. Bagdad aber ist fern, der Zentralstaat kaum existent, und wenn, dann ist er schiitisch dominiert. Es sind Milizen, die im Nord-Irak das Geschehen bestimmen, darum rivalisieren, das Machtvakuum zu f\u00fcllen, das durch die Vertreibung des \u201eIS\u201c entstanden ist. Einst im Kampf gegen die Terroristen geeint, sind die Milizen einander heute feind.<\/p>\n\n\n\n Allen voran die \u201eHashd ash-Shaabi\u201c, schiitisch-irakische Milizen, deren Ausbilder und Kommandeure h\u00e4ufig Iraner sind. Bagdad hat die Haschd als regul\u00e4re Kraft im Kampf gegen den \u201eIS\u201c anerkannt \u2013 obwohl Menschenrechts-Organisationen schwere Vorw\u00fcrfe gegen sie erheben. Fest steht: Die schiitischen Milizen halten D\u00f6rfer besetzt, sind in Mosul f\u00fcr ihr herrisches Auftreten und ihre Willk\u00fcr bekannt.<\/p>\n\n\n\n \u201eTats\u00e4chlich sorgen die verschiedenen bewaffneten Gruppen daf\u00fcr, dass die Fl\u00fcchtlinge nicht zur\u00fcckkehren. Und weil sie nicht zur\u00fcckkehren, gibt es auch keinen Wiederaufbau. Die Menschen haben Angst vor den Milizen \u2013 auch davor, dass die einander bek\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n Die \u201eHashd\u201c m\u00fcssten mithin abziehen. Und mit ihnen die anderen Milizen. Das Machtmonopol m\u00fcsste an den Staat gehen. Doch der Irak ist auch Spielball der Regionalm\u00e4chte: Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien. Sie konkurrieren um Einfluss-Sph\u00e4ren, bedienen sich dabei verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Gruppen im Irak. Deswegen werden die Hashd nicht abziehen. Derzeit sind sie von der iranisch-irakischen Grenze im Osten \u00fcber Bagdad bis hoch zur irakisch-syrischen Grenze im Norden postiert. Einheiten Teherans k\u00f6nnten demnach auf dem Landweg vom Iran bis ans Mittelmeer durchmarschieren.<\/p>\n\n\n\n Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":9},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};
Kamaran Palani spricht davon, dass viele Menschen immer noch gehen wollen, obwohl der \u201eIS\u201c als staats\u00e4hnliches Gebilde nicht mehr besteht. Seine Saat aber, so der Politikwissenschaftler, sei aufgegangen.<\/p>\n\n\n\n \u201eSie wollen einfach nicht in diesem Land bleiben. Der IS hat sie dazu gebracht. Jeder hat heute Angst, dass eine andere Organisation kommen wird, Terroristen, die dasselbe anrichten wie zuvor.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n Palani forscht am \u201eMiddle East Research Institute\u201c, das seinen Sitz in Erbil hat, der Hauptstadt von Irakisch-Kurdistan. <\/p>\n\n\n\n \u201e60 bis 65 Prozent der Christen wollen gehen. Das Gleiche gilt f\u00fcr andere Minderheiten: f\u00fcr Jesiden, Schabaks, Turkmenen, Kakais.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n \u201eWir werden niemals wieder mit den Arabern zusammenleben k\u00f6nnen!\u201c \u2013 ein Satz, der heute h\u00e4ufig im Nord-Irak zu h\u00f6ren ist. Gemeint sind die Iraker, die Sunniten und Araber sind \u2013 die einstmals Nachbarn von Jesiden, Christen und Kurden waren \u2013 mit denen man Handel trieb und Hochzeiten feierte, die auch Freunde waren.<\/p>\n\n\n\n Der Irak ist eine multi-ethnische und multi-religi\u00f6se Gesellschaft, in der die Schiiten die Mehrheit stellen. \u00dcber Jahrhunderte aber hatten die sunnitischen Araber das Sagen, sie missbrauchten die Macht, errichteten ein Schreckensregime \u2013 bis 2003, als Diktator Saddam Hussein von den USA gest\u00fcrzt wurde.<\/p>\n\n\n\n Jetzt wurde der Spie\u00df umgedreht. Die Amerikaner sorgten daf\u00fcr, dass die Sunniten jegliche Machtposition verloren \u2013 so wurde die irakische Armee, wurde die baathistische Partei aufgel\u00f6st \u2013 ohne ein Pendant zu schaffen, das alle integrierte. Und: Washington unterst\u00fctzte Regierungschef Nouri al-Maliki, einen Schiiten. Maliki sah eine historische Chance gekommen, diskriminierte nun seinerseits seine sunnitischen Landsleute, verwehrte ihnen im \u201eNeuen Irak\u201c die Mitsprache. Im Regime Malikis wurden Sunniten inhaftiert, gefoltert und umgebracht.<\/p>\n\n\n\n Was viele in den Widerstand trieb. Einige schlossen sich der Terror-Organisation \u201eAl-Qaida\u201c an, unter ihnen f\u00fchrende Milit\u00e4rs der aufgel\u00f6sten Armee Saddam Husseins \u2013 und aus \u201eAl-Qaida\u201c ging sp\u00e4ter der \u201eIS\u201c hervor.<\/p>\n\n\n\n Als der \u201eIS\u201c dann im Sommer 2014 fast ohne Gegenwehr weite Landstriche in Syrien und im Irak \u00fcberrannte und seinen \u201eStaat\u201c ausrief, sahen auch gew\u00f6hnliche sunnitische Araber einen Wechsel nahen. Viele machten gemeinsame Sache mit den Terroristen, verhinderten die Flucht jesidischer Nachbarn, lieferten sie ihren Schl\u00e4chtern aus. Kamaran Palani:<\/p>\n\n\n\n \u201eIS\u201c-K\u00e4mpfer haben gesagt, es gehe darum, die W\u00fcrde der sunnitischen Araber wiederherzustellen. Ihre Macht. Ihre Geschichte. Tats\u00e4chlich konnten es die Araber nicht hinnehmen, dass sie ins Abseits gedr\u00e4ngt wurden. Und ich denke, dass sie auch in Zukunft so handeln werden. Wann immer sich die Gelegenheit bietet: Sie werden alles hinter sich lassen \u2013 sich nur darauf konzentrieren.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n Misstrauen. Auch bei einem Politikwissenschaftler. Was also tun? Zerst\u00f6rte St\u00e4dte und D\u00f6rfer k\u00f6nnten wieder aufgebaut werden \u2013 wenn denn ein gemeinsamer Wille best\u00fcnde. Doch was, wenn es einen solchen gemeinsamen Willen gar nicht gibt? Wenn Schmerz und Trauer anhalten, wenn die Verbrechen von Terroristen und Helfershelfern nicht geahndet werden, wenn Angst umgeht, Misstrauen und Hass das Miteinander bestimmen.<\/p>\n\n\n\n Kamaran Palani stammt aus der Stadt Makhmour. Drei Tage nur sei der \u201eIS\u201c dort gewesen, sagt er, doch diese Tage h\u00e4tten alles ver\u00e4ndert. Der \u201eIS\u201c habe die Menschen in seiner Heimatstadt verrohen lassen, meint er, das Verh\u00e4ltnis zwischen Kurden und Arabern sei heute tot. Eine R\u00fcckkehr in alte Zeiten h\u00e4lt Palani f\u00fcr falsch.<\/p>\n\n\n\n \u201eIch denke, es w\u00e4re nicht einfach, in das Jahr 2014 \u2013 also in die Zeit vor dem \u201aIS\u2018 \u2013 zur\u00fcckzukehren. Vor allem aber w\u00e4re es nicht die richtige Politik. Denn eben die hat ja erst zum Aufkommen, zur Existenz des \u201aIS\u2018 gef\u00fchrt.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n Die Realit\u00e4t sieht anders aus: Ein Staat Kurdistan, der neue Optionen m\u00f6glich gemacht h\u00e4tte, auch von den Minderheiten gew\u00fcnscht worden war, ist nicht entstanden. Bagdad aber ist fern, der Zentralstaat kaum existent, und wenn, dann ist er schiitisch dominiert. Es sind Milizen, die im Nord-Irak das Geschehen bestimmen, darum rivalisieren, das Machtvakuum zu f\u00fcllen, das durch die Vertreibung des \u201eIS\u201c entstanden ist. Einst im Kampf gegen die Terroristen geeint, sind die Milizen einander heute feind.<\/p>\n\n\n\n Allen voran die \u201eHashd ash-Shaabi\u201c, schiitisch-irakische Milizen, deren Ausbilder und Kommandeure h\u00e4ufig Iraner sind. Bagdad hat die Haschd als regul\u00e4re Kraft im Kampf gegen den \u201eIS\u201c anerkannt \u2013 obwohl Menschenrechts-Organisationen schwere Vorw\u00fcrfe gegen sie erheben. Fest steht: Die schiitischen Milizen halten D\u00f6rfer besetzt, sind in Mosul f\u00fcr ihr herrisches Auftreten und ihre Willk\u00fcr bekannt.<\/p>\n\n\n\n \u201eTats\u00e4chlich sorgen die verschiedenen bewaffneten Gruppen daf\u00fcr, dass die Fl\u00fcchtlinge nicht zur\u00fcckkehren. Und weil sie nicht zur\u00fcckkehren, gibt es auch keinen Wiederaufbau. Die Menschen haben Angst vor den Milizen \u2013 auch davor, dass die einander bek\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n Die \u201eHashd\u201c m\u00fcssten mithin abziehen. Und mit ihnen die anderen Milizen. Das Machtmonopol m\u00fcsste an den Staat gehen. Doch der Irak ist auch Spielball der Regionalm\u00e4chte: Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien. Sie konkurrieren um Einfluss-Sph\u00e4ren, bedienen sich dabei verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Gruppen im Irak. Deswegen werden die Hashd nicht abziehen. Derzeit sind sie von der iranisch-irakischen Grenze im Osten \u00fcber Bagdad bis hoch zur irakisch-syrischen Grenze im Norden postiert. Einheiten Teherans k\u00f6nnten demnach auf dem Landweg vom Iran bis ans Mittelmeer durchmarschieren.<\/p>\n\n\n\n Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":9},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};
Unklar ist, wie viele Kinder und Jugendliche im Irak und in Syrien zu Terroristen ausgebildet wurden, dabei noch in Geiselhaft sind oder bereits als \u201eSchl\u00e4fer\u201c darauf warten, zum Einsatz zu kommen. Sie gleichen \u201etickenden Zeitbomben\u201c, die jederzeit explodieren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n Kamaran Palani spricht davon, dass viele Menschen immer noch gehen wollen, obwohl der \u201eIS\u201c als staats\u00e4hnliches Gebilde nicht mehr besteht. Seine Saat aber, so der Politikwissenschaftler, sei aufgegangen.<\/p>\n\n\n\n \u201eSie wollen einfach nicht in diesem Land bleiben. Der IS hat sie dazu gebracht. Jeder hat heute Angst, dass eine andere Organisation kommen wird, Terroristen, die dasselbe anrichten wie zuvor.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n Palani forscht am \u201eMiddle East Research Institute\u201c, das seinen Sitz in Erbil hat, der Hauptstadt von Irakisch-Kurdistan. <\/p>\n\n\n\n \u201e60 bis 65 Prozent der Christen wollen gehen. Das Gleiche gilt f\u00fcr andere Minderheiten: f\u00fcr Jesiden, Schabaks, Turkmenen, Kakais.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n \u201eWir werden niemals wieder mit den Arabern zusammenleben k\u00f6nnen!\u201c \u2013 ein Satz, der heute h\u00e4ufig im Nord-Irak zu h\u00f6ren ist. Gemeint sind die Iraker, die Sunniten und Araber sind \u2013 die einstmals Nachbarn von Jesiden, Christen und Kurden waren \u2013 mit denen man Handel trieb und Hochzeiten feierte, die auch Freunde waren.<\/p>\n\n\n\n Der Irak ist eine multi-ethnische und multi-religi\u00f6se Gesellschaft, in der die Schiiten die Mehrheit stellen. \u00dcber Jahrhunderte aber hatten die sunnitischen Araber das Sagen, sie missbrauchten die Macht, errichteten ein Schreckensregime \u2013 bis 2003, als Diktator Saddam Hussein von den USA gest\u00fcrzt wurde.<\/p>\n\n\n\n Jetzt wurde der Spie\u00df umgedreht. Die Amerikaner sorgten daf\u00fcr, dass die Sunniten jegliche Machtposition verloren \u2013 so wurde die irakische Armee, wurde die baathistische Partei aufgel\u00f6st \u2013 ohne ein Pendant zu schaffen, das alle integrierte. Und: Washington unterst\u00fctzte Regierungschef Nouri al-Maliki, einen Schiiten. Maliki sah eine historische Chance gekommen, diskriminierte nun seinerseits seine sunnitischen Landsleute, verwehrte ihnen im \u201eNeuen Irak\u201c die Mitsprache. Im Regime Malikis wurden Sunniten inhaftiert, gefoltert und umgebracht.<\/p>\n\n\n\n Was viele in den Widerstand trieb. Einige schlossen sich der Terror-Organisation \u201eAl-Qaida\u201c an, unter ihnen f\u00fchrende Milit\u00e4rs der aufgel\u00f6sten Armee Saddam Husseins \u2013 und aus \u201eAl-Qaida\u201c ging sp\u00e4ter der \u201eIS\u201c hervor.<\/p>\n\n\n\n Als der \u201eIS\u201c dann im Sommer 2014 fast ohne Gegenwehr weite Landstriche in Syrien und im Irak \u00fcberrannte und seinen \u201eStaat\u201c ausrief, sahen auch gew\u00f6hnliche sunnitische Araber einen Wechsel nahen. Viele machten gemeinsame Sache mit den Terroristen, verhinderten die Flucht jesidischer Nachbarn, lieferten sie ihren Schl\u00e4chtern aus. Kamaran Palani:<\/p>\n\n\n\n \u201eIS\u201c-K\u00e4mpfer haben gesagt, es gehe darum, die W\u00fcrde der sunnitischen Araber wiederherzustellen. Ihre Macht. Ihre Geschichte. Tats\u00e4chlich konnten es die Araber nicht hinnehmen, dass sie ins Abseits gedr\u00e4ngt wurden. Und ich denke, dass sie auch in Zukunft so handeln werden. Wann immer sich die Gelegenheit bietet: Sie werden alles hinter sich lassen \u2013 sich nur darauf konzentrieren.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n Misstrauen. Auch bei einem Politikwissenschaftler. Was also tun? Zerst\u00f6rte St\u00e4dte und D\u00f6rfer k\u00f6nnten wieder aufgebaut werden \u2013 wenn denn ein gemeinsamer Wille best\u00fcnde. Doch was, wenn es einen solchen gemeinsamen Willen gar nicht gibt? Wenn Schmerz und Trauer anhalten, wenn die Verbrechen von Terroristen und Helfershelfern nicht geahndet werden, wenn Angst umgeht, Misstrauen und Hass das Miteinander bestimmen.<\/p>\n\n\n\n Kamaran Palani stammt aus der Stadt Makhmour. Drei Tage nur sei der \u201eIS\u201c dort gewesen, sagt er, doch diese Tage h\u00e4tten alles ver\u00e4ndert. Der \u201eIS\u201c habe die Menschen in seiner Heimatstadt verrohen lassen, meint er, das Verh\u00e4ltnis zwischen Kurden und Arabern sei heute tot. Eine R\u00fcckkehr in alte Zeiten h\u00e4lt Palani f\u00fcr falsch.<\/p>\n\n\n\n \u201eIch denke, es w\u00e4re nicht einfach, in das Jahr 2014 \u2013 also in die Zeit vor dem \u201aIS\u2018 \u2013 zur\u00fcckzukehren. Vor allem aber w\u00e4re es nicht die richtige Politik. Denn eben die hat ja erst zum Aufkommen, zur Existenz des \u201aIS\u2018 gef\u00fchrt.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n Die Realit\u00e4t sieht anders aus: Ein Staat Kurdistan, der neue Optionen m\u00f6glich gemacht h\u00e4tte, auch von den Minderheiten gew\u00fcnscht worden war, ist nicht entstanden. Bagdad aber ist fern, der Zentralstaat kaum existent, und wenn, dann ist er schiitisch dominiert. Es sind Milizen, die im Nord-Irak das Geschehen bestimmen, darum rivalisieren, das Machtvakuum zu f\u00fcllen, das durch die Vertreibung des \u201eIS\u201c entstanden ist. Einst im Kampf gegen die Terroristen geeint, sind die Milizen einander heute feind.<\/p>\n\n\n\n Allen voran die \u201eHashd ash-Shaabi\u201c, schiitisch-irakische Milizen, deren Ausbilder und Kommandeure h\u00e4ufig Iraner sind. Bagdad hat die Haschd als regul\u00e4re Kraft im Kampf gegen den \u201eIS\u201c anerkannt \u2013 obwohl Menschenrechts-Organisationen schwere Vorw\u00fcrfe gegen sie erheben. Fest steht: Die schiitischen Milizen halten D\u00f6rfer besetzt, sind in Mosul f\u00fcr ihr herrisches Auftreten und ihre Willk\u00fcr bekannt.<\/p>\n\n\n\n \u201eTats\u00e4chlich sorgen die verschiedenen bewaffneten Gruppen daf\u00fcr, dass die Fl\u00fcchtlinge nicht zur\u00fcckkehren. Und weil sie nicht zur\u00fcckkehren, gibt es auch keinen Wiederaufbau. Die Menschen haben Angst vor den Milizen \u2013 auch davor, dass die einander bek\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n Die \u201eHashd\u201c m\u00fcssten mithin abziehen. Und mit ihnen die anderen Milizen. Das Machtmonopol m\u00fcsste an den Staat gehen. Doch der Irak ist auch Spielball der Regionalm\u00e4chte: Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien. Sie konkurrieren um Einfluss-Sph\u00e4ren, bedienen sich dabei verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Gruppen im Irak. Deswegen werden die Hashd nicht abziehen. Derzeit sind sie von der iranisch-irakischen Grenze im Osten \u00fcber Bagdad bis hoch zur irakisch-syrischen Grenze im Norden postiert. Einheiten Teherans k\u00f6nnten demnach auf dem Landweg vom Iran bis ans Mittelmeer durchmarschieren.<\/p>\n\n\n\n Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":9},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};
Immerhin: Die Jesiden k\u00f6nnen \u00fcber ihre vom \u201eIS\u201c indoktrinierten Kinder sprechen. Denn niemand zweifelt daran, dass sie Opfer der Tyrannei wurden. Bei den sunnitischen Arabern sieht das anders aus. Da sie derselben Religionsgruppe angeh\u00f6ren wie formal auch die Terroristen, stehen sie unter Generalverdacht, mit dem \u201eIS\u201c gemeinsame Sache gemacht zu haben. Sunnitische Araber trauen sich daher nicht, die Probleme ihrer Kinder \u00f6ffentlich zu machen \u2013 auch wenn sie selbst nichts mit dem \u201eIS\u201c zu tun hatten.<\/p>\n\n\n\n Unklar ist, wie viele Kinder und Jugendliche im Irak und in Syrien zu Terroristen ausgebildet wurden, dabei noch in Geiselhaft sind oder bereits als \u201eSchl\u00e4fer\u201c darauf warten, zum Einsatz zu kommen. Sie gleichen \u201etickenden Zeitbomben\u201c, die jederzeit explodieren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n Kamaran Palani spricht davon, dass viele Menschen immer noch gehen wollen, obwohl der \u201eIS\u201c als staats\u00e4hnliches Gebilde nicht mehr besteht. Seine Saat aber, so der Politikwissenschaftler, sei aufgegangen.<\/p>\n\n\n\n \u201eSie wollen einfach nicht in diesem Land bleiben. Der IS hat sie dazu gebracht. Jeder hat heute Angst, dass eine andere Organisation kommen wird, Terroristen, die dasselbe anrichten wie zuvor.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n Palani forscht am \u201eMiddle East Research Institute\u201c, das seinen Sitz in Erbil hat, der Hauptstadt von Irakisch-Kurdistan. <\/p>\n\n\n\n \u201e60 bis 65 Prozent der Christen wollen gehen. Das Gleiche gilt f\u00fcr andere Minderheiten: f\u00fcr Jesiden, Schabaks, Turkmenen, Kakais.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n \u201eWir werden niemals wieder mit den Arabern zusammenleben k\u00f6nnen!\u201c \u2013 ein Satz, der heute h\u00e4ufig im Nord-Irak zu h\u00f6ren ist. Gemeint sind die Iraker, die Sunniten und Araber sind \u2013 die einstmals Nachbarn von Jesiden, Christen und Kurden waren \u2013 mit denen man Handel trieb und Hochzeiten feierte, die auch Freunde waren.<\/p>\n\n\n\n Der Irak ist eine multi-ethnische und multi-religi\u00f6se Gesellschaft, in der die Schiiten die Mehrheit stellen. \u00dcber Jahrhunderte aber hatten die sunnitischen Araber das Sagen, sie missbrauchten die Macht, errichteten ein Schreckensregime \u2013 bis 2003, als Diktator Saddam Hussein von den USA gest\u00fcrzt wurde.<\/p>\n\n\n\n Jetzt wurde der Spie\u00df umgedreht. Die Amerikaner sorgten daf\u00fcr, dass die Sunniten jegliche Machtposition verloren \u2013 so wurde die irakische Armee, wurde die baathistische Partei aufgel\u00f6st \u2013 ohne ein Pendant zu schaffen, das alle integrierte. Und: Washington unterst\u00fctzte Regierungschef Nouri al-Maliki, einen Schiiten. Maliki sah eine historische Chance gekommen, diskriminierte nun seinerseits seine sunnitischen Landsleute, verwehrte ihnen im \u201eNeuen Irak\u201c die Mitsprache. Im Regime Malikis wurden Sunniten inhaftiert, gefoltert und umgebracht.<\/p>\n\n\n\n Was viele in den Widerstand trieb. Einige schlossen sich der Terror-Organisation \u201eAl-Qaida\u201c an, unter ihnen f\u00fchrende Milit\u00e4rs der aufgel\u00f6sten Armee Saddam Husseins \u2013 und aus \u201eAl-Qaida\u201c ging sp\u00e4ter der \u201eIS\u201c hervor.<\/p>\n\n\n\n Als der \u201eIS\u201c dann im Sommer 2014 fast ohne Gegenwehr weite Landstriche in Syrien und im Irak \u00fcberrannte und seinen \u201eStaat\u201c ausrief, sahen auch gew\u00f6hnliche sunnitische Araber einen Wechsel nahen. Viele machten gemeinsame Sache mit den Terroristen, verhinderten die Flucht jesidischer Nachbarn, lieferten sie ihren Schl\u00e4chtern aus. Kamaran Palani:<\/p>\n\n\n\n \u201eIS\u201c-K\u00e4mpfer haben gesagt, es gehe darum, die W\u00fcrde der sunnitischen Araber wiederherzustellen. Ihre Macht. Ihre Geschichte. Tats\u00e4chlich konnten es die Araber nicht hinnehmen, dass sie ins Abseits gedr\u00e4ngt wurden. Und ich denke, dass sie auch in Zukunft so handeln werden. Wann immer sich die Gelegenheit bietet: Sie werden alles hinter sich lassen \u2013 sich nur darauf konzentrieren.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n Misstrauen. Auch bei einem Politikwissenschaftler. Was also tun? Zerst\u00f6rte St\u00e4dte und D\u00f6rfer k\u00f6nnten wieder aufgebaut werden \u2013 wenn denn ein gemeinsamer Wille best\u00fcnde. Doch was, wenn es einen solchen gemeinsamen Willen gar nicht gibt? Wenn Schmerz und Trauer anhalten, wenn die Verbrechen von Terroristen und Helfershelfern nicht geahndet werden, wenn Angst umgeht, Misstrauen und Hass das Miteinander bestimmen.<\/p>\n\n\n\n Kamaran Palani stammt aus der Stadt Makhmour. Drei Tage nur sei der \u201eIS\u201c dort gewesen, sagt er, doch diese Tage h\u00e4tten alles ver\u00e4ndert. Der \u201eIS\u201c habe die Menschen in seiner Heimatstadt verrohen lassen, meint er, das Verh\u00e4ltnis zwischen Kurden und Arabern sei heute tot. Eine R\u00fcckkehr in alte Zeiten h\u00e4lt Palani f\u00fcr falsch.<\/p>\n\n\n\n \u201eIch denke, es w\u00e4re nicht einfach, in das Jahr 2014 \u2013 also in die Zeit vor dem \u201aIS\u2018 \u2013 zur\u00fcckzukehren. Vor allem aber w\u00e4re es nicht die richtige Politik. Denn eben die hat ja erst zum Aufkommen, zur Existenz des \u201aIS\u2018 gef\u00fchrt.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n Die Realit\u00e4t sieht anders aus: Ein Staat Kurdistan, der neue Optionen m\u00f6glich gemacht h\u00e4tte, auch von den Minderheiten gew\u00fcnscht worden war, ist nicht entstanden. Bagdad aber ist fern, der Zentralstaat kaum existent, und wenn, dann ist er schiitisch dominiert. Es sind Milizen, die im Nord-Irak das Geschehen bestimmen, darum rivalisieren, das Machtvakuum zu f\u00fcllen, das durch die Vertreibung des \u201eIS\u201c entstanden ist. Einst im Kampf gegen die Terroristen geeint, sind die Milizen einander heute feind.<\/p>\n\n\n\n Allen voran die \u201eHashd ash-Shaabi\u201c, schiitisch-irakische Milizen, deren Ausbilder und Kommandeure h\u00e4ufig Iraner sind. Bagdad hat die Haschd als regul\u00e4re Kraft im Kampf gegen den \u201eIS\u201c anerkannt \u2013 obwohl Menschenrechts-Organisationen schwere Vorw\u00fcrfe gegen sie erheben. Fest steht: Die schiitischen Milizen halten D\u00f6rfer besetzt, sind in Mosul f\u00fcr ihr herrisches Auftreten und ihre Willk\u00fcr bekannt.<\/p>\n\n\n\n \u201eTats\u00e4chlich sorgen die verschiedenen bewaffneten Gruppen daf\u00fcr, dass die Fl\u00fcchtlinge nicht zur\u00fcckkehren. Und weil sie nicht zur\u00fcckkehren, gibt es auch keinen Wiederaufbau. Die Menschen haben Angst vor den Milizen \u2013 auch davor, dass die einander bek\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n Die \u201eHashd\u201c m\u00fcssten mithin abziehen. Und mit ihnen die anderen Milizen. Das Machtmonopol m\u00fcsste an den Staat gehen. Doch der Irak ist auch Spielball der Regionalm\u00e4chte: Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien. Sie konkurrieren um Einfluss-Sph\u00e4ren, bedienen sich dabei verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Gruppen im Irak. Deswegen werden die Hashd nicht abziehen. Derzeit sind sie von der iranisch-irakischen Grenze im Osten \u00fcber Bagdad bis hoch zur irakisch-syrischen Grenze im Norden postiert. Einheiten Teherans k\u00f6nnten demnach auf dem Landweg vom Iran bis ans Mittelmeer durchmarschieren.<\/p>\n\n\n\n Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":9},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};
\u201eIn einem anderen Fall hat sich die Familie am Ende an die Sicherheitskr\u00e4fte gewandt. Doch die wussten auch nicht, wie sie damit umgehen sollten. Monate lang hat die Familie versucht, den Jungen umzuerziehen, zusammen mit Sozialarbeitern. Aber noch immer sehen wir den Hass in seinen Augen \u2013 gegen\u00fcber Kurden, Christen und Jesiden. Als blicke man in die Augen eines IS-Terroristen. Das ist das Problem.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n Immerhin: Die Jesiden k\u00f6nnen \u00fcber ihre vom \u201eIS\u201c indoktrinierten Kinder sprechen. Denn niemand zweifelt daran, dass sie Opfer der Tyrannei wurden. Bei den sunnitischen Arabern sieht das anders aus. Da sie derselben Religionsgruppe angeh\u00f6ren wie formal auch die Terroristen, stehen sie unter Generalverdacht, mit dem \u201eIS\u201c gemeinsame Sache gemacht zu haben. Sunnitische Araber trauen sich daher nicht, die Probleme ihrer Kinder \u00f6ffentlich zu machen \u2013 auch wenn sie selbst nichts mit dem \u201eIS\u201c zu tun hatten.<\/p>\n\n\n\n Unklar ist, wie viele Kinder und Jugendliche im Irak und in Syrien zu Terroristen ausgebildet wurden, dabei noch in Geiselhaft sind oder bereits als \u201eSchl\u00e4fer\u201c darauf warten, zum Einsatz zu kommen. Sie gleichen \u201etickenden Zeitbomben\u201c, die jederzeit explodieren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n Kamaran Palani spricht davon, dass viele Menschen immer noch gehen wollen, obwohl der \u201eIS\u201c als staats\u00e4hnliches Gebilde nicht mehr besteht. Seine Saat aber, so der Politikwissenschaftler, sei aufgegangen.<\/p>\n\n\n\n \u201eSie wollen einfach nicht in diesem Land bleiben. Der IS hat sie dazu gebracht. Jeder hat heute Angst, dass eine andere Organisation kommen wird, Terroristen, die dasselbe anrichten wie zuvor.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n Palani forscht am \u201eMiddle East Research Institute\u201c, das seinen Sitz in Erbil hat, der Hauptstadt von Irakisch-Kurdistan. <\/p>\n\n\n\n \u201e60 bis 65 Prozent der Christen wollen gehen. Das Gleiche gilt f\u00fcr andere Minderheiten: f\u00fcr Jesiden, Schabaks, Turkmenen, Kakais.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n \u201eWir werden niemals wieder mit den Arabern zusammenleben k\u00f6nnen!\u201c \u2013 ein Satz, der heute h\u00e4ufig im Nord-Irak zu h\u00f6ren ist. Gemeint sind die Iraker, die Sunniten und Araber sind \u2013 die einstmals Nachbarn von Jesiden, Christen und Kurden waren \u2013 mit denen man Handel trieb und Hochzeiten feierte, die auch Freunde waren.<\/p>\n\n\n\n Der Irak ist eine multi-ethnische und multi-religi\u00f6se Gesellschaft, in der die Schiiten die Mehrheit stellen. \u00dcber Jahrhunderte aber hatten die sunnitischen Araber das Sagen, sie missbrauchten die Macht, errichteten ein Schreckensregime \u2013 bis 2003, als Diktator Saddam Hussein von den USA gest\u00fcrzt wurde.<\/p>\n\n\n\n Jetzt wurde der Spie\u00df umgedreht. Die Amerikaner sorgten daf\u00fcr, dass die Sunniten jegliche Machtposition verloren \u2013 so wurde die irakische Armee, wurde die baathistische Partei aufgel\u00f6st \u2013 ohne ein Pendant zu schaffen, das alle integrierte. Und: Washington unterst\u00fctzte Regierungschef Nouri al-Maliki, einen Schiiten. Maliki sah eine historische Chance gekommen, diskriminierte nun seinerseits seine sunnitischen Landsleute, verwehrte ihnen im \u201eNeuen Irak\u201c die Mitsprache. Im Regime Malikis wurden Sunniten inhaftiert, gefoltert und umgebracht.<\/p>\n\n\n\n Was viele in den Widerstand trieb. Einige schlossen sich der Terror-Organisation \u201eAl-Qaida\u201c an, unter ihnen f\u00fchrende Milit\u00e4rs der aufgel\u00f6sten Armee Saddam Husseins \u2013 und aus \u201eAl-Qaida\u201c ging sp\u00e4ter der \u201eIS\u201c hervor.<\/p>\n\n\n\n Als der \u201eIS\u201c dann im Sommer 2014 fast ohne Gegenwehr weite Landstriche in Syrien und im Irak \u00fcberrannte und seinen \u201eStaat\u201c ausrief, sahen auch gew\u00f6hnliche sunnitische Araber einen Wechsel nahen. Viele machten gemeinsame Sache mit den Terroristen, verhinderten die Flucht jesidischer Nachbarn, lieferten sie ihren Schl\u00e4chtern aus. Kamaran Palani:<\/p>\n\n\n\n \u201eIS\u201c-K\u00e4mpfer haben gesagt, es gehe darum, die W\u00fcrde der sunnitischen Araber wiederherzustellen. Ihre Macht. Ihre Geschichte. Tats\u00e4chlich konnten es die Araber nicht hinnehmen, dass sie ins Abseits gedr\u00e4ngt wurden. Und ich denke, dass sie auch in Zukunft so handeln werden. Wann immer sich die Gelegenheit bietet: Sie werden alles hinter sich lassen \u2013 sich nur darauf konzentrieren.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n Misstrauen. Auch bei einem Politikwissenschaftler. Was also tun? Zerst\u00f6rte St\u00e4dte und D\u00f6rfer k\u00f6nnten wieder aufgebaut werden \u2013 wenn denn ein gemeinsamer Wille best\u00fcnde. Doch was, wenn es einen solchen gemeinsamen Willen gar nicht gibt? Wenn Schmerz und Trauer anhalten, wenn die Verbrechen von Terroristen und Helfershelfern nicht geahndet werden, wenn Angst umgeht, Misstrauen und Hass das Miteinander bestimmen.<\/p>\n\n\n\n Kamaran Palani stammt aus der Stadt Makhmour. Drei Tage nur sei der \u201eIS\u201c dort gewesen, sagt er, doch diese Tage h\u00e4tten alles ver\u00e4ndert. Der \u201eIS\u201c habe die Menschen in seiner Heimatstadt verrohen lassen, meint er, das Verh\u00e4ltnis zwischen Kurden und Arabern sei heute tot. Eine R\u00fcckkehr in alte Zeiten h\u00e4lt Palani f\u00fcr falsch.<\/p>\n\n\n\n \u201eIch denke, es w\u00e4re nicht einfach, in das Jahr 2014 \u2013 also in die Zeit vor dem \u201aIS\u2018 \u2013 zur\u00fcckzukehren. Vor allem aber w\u00e4re es nicht die richtige Politik. Denn eben die hat ja erst zum Aufkommen, zur Existenz des \u201aIS\u2018 gef\u00fchrt.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n Die Realit\u00e4t sieht anders aus: Ein Staat Kurdistan, der neue Optionen m\u00f6glich gemacht h\u00e4tte, auch von den Minderheiten gew\u00fcnscht worden war, ist nicht entstanden. Bagdad aber ist fern, der Zentralstaat kaum existent, und wenn, dann ist er schiitisch dominiert. Es sind Milizen, die im Nord-Irak das Geschehen bestimmen, darum rivalisieren, das Machtvakuum zu f\u00fcllen, das durch die Vertreibung des \u201eIS\u201c entstanden ist. Einst im Kampf gegen die Terroristen geeint, sind die Milizen einander heute feind.<\/p>\n\n\n\n Allen voran die \u201eHashd ash-Shaabi\u201c, schiitisch-irakische Milizen, deren Ausbilder und Kommandeure h\u00e4ufig Iraner sind. Bagdad hat die Haschd als regul\u00e4re Kraft im Kampf gegen den \u201eIS\u201c anerkannt \u2013 obwohl Menschenrechts-Organisationen schwere Vorw\u00fcrfe gegen sie erheben. Fest steht: Die schiitischen Milizen halten D\u00f6rfer besetzt, sind in Mosul f\u00fcr ihr herrisches Auftreten und ihre Willk\u00fcr bekannt.<\/p>\n\n\n\n \u201eTats\u00e4chlich sorgen die verschiedenen bewaffneten Gruppen daf\u00fcr, dass die Fl\u00fcchtlinge nicht zur\u00fcckkehren. Und weil sie nicht zur\u00fcckkehren, gibt es auch keinen Wiederaufbau. Die Menschen haben Angst vor den Milizen \u2013 auch davor, dass die einander bek\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n Die \u201eHashd\u201c m\u00fcssten mithin abziehen. Und mit ihnen die anderen Milizen. Das Machtmonopol m\u00fcsste an den Staat gehen. Doch der Irak ist auch Spielball der Regionalm\u00e4chte: Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien. Sie konkurrieren um Einfluss-Sph\u00e4ren, bedienen sich dabei verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Gruppen im Irak. Deswegen werden die Hashd nicht abziehen. Derzeit sind sie von der iranisch-irakischen Grenze im Osten \u00fcber Bagdad bis hoch zur irakisch-syrischen Grenze im Norden postiert. Einheiten Teherans k\u00f6nnten demnach auf dem Landweg vom Iran bis ans Mittelmeer durchmarschieren.<\/p>\n\n\n\n Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":9},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};
Sara Hassan ist Sozialarbeiterin. Sie arbeitet in den Lagern, versucht M\u00e4dchen und Frauen, die jahrelang in Geiselhaft vergewaltigt wurden, zu helfen. Unz\u00e4hlige hatte der \u201eIS\u201c einst entf\u00fchrt. Sara arbeitet auch mit den sogenannten \u201eDschihadisten-Kindern\u201c. Sie erz\u00e4hlt, wie \u00fcberfordert alle seien: die Familien, die jesidische Gemeinschaft, die Gesellschaft des Nord-Irak.<\/p>\n\n\n\n \u201eIn einem anderen Fall hat sich die Familie am Ende an die Sicherheitskr\u00e4fte gewandt. Doch die wussten auch nicht, wie sie damit umgehen sollten. Monate lang hat die Familie versucht, den Jungen umzuerziehen, zusammen mit Sozialarbeitern. Aber noch immer sehen wir den Hass in seinen Augen \u2013 gegen\u00fcber Kurden, Christen und Jesiden. Als blicke man in die Augen eines IS-Terroristen. Das ist das Problem.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n Immerhin: Die Jesiden k\u00f6nnen \u00fcber ihre vom \u201eIS\u201c indoktrinierten Kinder sprechen. Denn niemand zweifelt daran, dass sie Opfer der Tyrannei wurden. Bei den sunnitischen Arabern sieht das anders aus. Da sie derselben Religionsgruppe angeh\u00f6ren wie formal auch die Terroristen, stehen sie unter Generalverdacht, mit dem \u201eIS\u201c gemeinsame Sache gemacht zu haben. Sunnitische Araber trauen sich daher nicht, die Probleme ihrer Kinder \u00f6ffentlich zu machen \u2013 auch wenn sie selbst nichts mit dem \u201eIS\u201c zu tun hatten.<\/p>\n\n\n\n Unklar ist, wie viele Kinder und Jugendliche im Irak und in Syrien zu Terroristen ausgebildet wurden, dabei noch in Geiselhaft sind oder bereits als \u201eSchl\u00e4fer\u201c darauf warten, zum Einsatz zu kommen. Sie gleichen \u201etickenden Zeitbomben\u201c, die jederzeit explodieren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n Kamaran Palani spricht davon, dass viele Menschen immer noch gehen wollen, obwohl der \u201eIS\u201c als staats\u00e4hnliches Gebilde nicht mehr besteht. Seine Saat aber, so der Politikwissenschaftler, sei aufgegangen.<\/p>\n\n\n\n \u201eSie wollen einfach nicht in diesem Land bleiben. Der IS hat sie dazu gebracht. Jeder hat heute Angst, dass eine andere Organisation kommen wird, Terroristen, die dasselbe anrichten wie zuvor.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n Palani forscht am \u201eMiddle East Research Institute\u201c, das seinen Sitz in Erbil hat, der Hauptstadt von Irakisch-Kurdistan. <\/p>\n\n\n\n \u201e60 bis 65 Prozent der Christen wollen gehen. Das Gleiche gilt f\u00fcr andere Minderheiten: f\u00fcr Jesiden, Schabaks, Turkmenen, Kakais.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n \u201eWir werden niemals wieder mit den Arabern zusammenleben k\u00f6nnen!\u201c \u2013 ein Satz, der heute h\u00e4ufig im Nord-Irak zu h\u00f6ren ist. Gemeint sind die Iraker, die Sunniten und Araber sind \u2013 die einstmals Nachbarn von Jesiden, Christen und Kurden waren \u2013 mit denen man Handel trieb und Hochzeiten feierte, die auch Freunde waren.<\/p>\n\n\n\n Der Irak ist eine multi-ethnische und multi-religi\u00f6se Gesellschaft, in der die Schiiten die Mehrheit stellen. \u00dcber Jahrhunderte aber hatten die sunnitischen Araber das Sagen, sie missbrauchten die Macht, errichteten ein Schreckensregime \u2013 bis 2003, als Diktator Saddam Hussein von den USA gest\u00fcrzt wurde.<\/p>\n\n\n\n Jetzt wurde der Spie\u00df umgedreht. Die Amerikaner sorgten daf\u00fcr, dass die Sunniten jegliche Machtposition verloren \u2013 so wurde die irakische Armee, wurde die baathistische Partei aufgel\u00f6st \u2013 ohne ein Pendant zu schaffen, das alle integrierte. Und: Washington unterst\u00fctzte Regierungschef Nouri al-Maliki, einen Schiiten. Maliki sah eine historische Chance gekommen, diskriminierte nun seinerseits seine sunnitischen Landsleute, verwehrte ihnen im \u201eNeuen Irak\u201c die Mitsprache. Im Regime Malikis wurden Sunniten inhaftiert, gefoltert und umgebracht.<\/p>\n\n\n\n Was viele in den Widerstand trieb. Einige schlossen sich der Terror-Organisation \u201eAl-Qaida\u201c an, unter ihnen f\u00fchrende Milit\u00e4rs der aufgel\u00f6sten Armee Saddam Husseins \u2013 und aus \u201eAl-Qaida\u201c ging sp\u00e4ter der \u201eIS\u201c hervor.<\/p>\n\n\n\n Als der \u201eIS\u201c dann im Sommer 2014 fast ohne Gegenwehr weite Landstriche in Syrien und im Irak \u00fcberrannte und seinen \u201eStaat\u201c ausrief, sahen auch gew\u00f6hnliche sunnitische Araber einen Wechsel nahen. Viele machten gemeinsame Sache mit den Terroristen, verhinderten die Flucht jesidischer Nachbarn, lieferten sie ihren Schl\u00e4chtern aus. Kamaran Palani:<\/p>\n\n\n\n \u201eIS\u201c-K\u00e4mpfer haben gesagt, es gehe darum, die W\u00fcrde der sunnitischen Araber wiederherzustellen. Ihre Macht. Ihre Geschichte. Tats\u00e4chlich konnten es die Araber nicht hinnehmen, dass sie ins Abseits gedr\u00e4ngt wurden. Und ich denke, dass sie auch in Zukunft so handeln werden. Wann immer sich die Gelegenheit bietet: Sie werden alles hinter sich lassen \u2013 sich nur darauf konzentrieren.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n Misstrauen. Auch bei einem Politikwissenschaftler. Was also tun? Zerst\u00f6rte St\u00e4dte und D\u00f6rfer k\u00f6nnten wieder aufgebaut werden \u2013 wenn denn ein gemeinsamer Wille best\u00fcnde. Doch was, wenn es einen solchen gemeinsamen Willen gar nicht gibt? Wenn Schmerz und Trauer anhalten, wenn die Verbrechen von Terroristen und Helfershelfern nicht geahndet werden, wenn Angst umgeht, Misstrauen und Hass das Miteinander bestimmen.<\/p>\n\n\n\n Kamaran Palani stammt aus der Stadt Makhmour. Drei Tage nur sei der \u201eIS\u201c dort gewesen, sagt er, doch diese Tage h\u00e4tten alles ver\u00e4ndert. Der \u201eIS\u201c habe die Menschen in seiner Heimatstadt verrohen lassen, meint er, das Verh\u00e4ltnis zwischen Kurden und Arabern sei heute tot. Eine R\u00fcckkehr in alte Zeiten h\u00e4lt Palani f\u00fcr falsch.<\/p>\n\n\n\n \u201eIch denke, es w\u00e4re nicht einfach, in das Jahr 2014 \u2013 also in die Zeit vor dem \u201aIS\u2018 \u2013 zur\u00fcckzukehren. Vor allem aber w\u00e4re es nicht die richtige Politik. Denn eben die hat ja erst zum Aufkommen, zur Existenz des \u201aIS\u2018 gef\u00fchrt.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n Die Realit\u00e4t sieht anders aus: Ein Staat Kurdistan, der neue Optionen m\u00f6glich gemacht h\u00e4tte, auch von den Minderheiten gew\u00fcnscht worden war, ist nicht entstanden. Bagdad aber ist fern, der Zentralstaat kaum existent, und wenn, dann ist er schiitisch dominiert. Es sind Milizen, die im Nord-Irak das Geschehen bestimmen, darum rivalisieren, das Machtvakuum zu f\u00fcllen, das durch die Vertreibung des \u201eIS\u201c entstanden ist. Einst im Kampf gegen die Terroristen geeint, sind die Milizen einander heute feind.<\/p>\n\n\n\n Allen voran die \u201eHashd ash-Shaabi\u201c, schiitisch-irakische Milizen, deren Ausbilder und Kommandeure h\u00e4ufig Iraner sind. Bagdad hat die Haschd als regul\u00e4re Kraft im Kampf gegen den \u201eIS\u201c anerkannt \u2013 obwohl Menschenrechts-Organisationen schwere Vorw\u00fcrfe gegen sie erheben. Fest steht: Die schiitischen Milizen halten D\u00f6rfer besetzt, sind in Mosul f\u00fcr ihr herrisches Auftreten und ihre Willk\u00fcr bekannt.<\/p>\n\n\n\n \u201eTats\u00e4chlich sorgen die verschiedenen bewaffneten Gruppen daf\u00fcr, dass die Fl\u00fcchtlinge nicht zur\u00fcckkehren. Und weil sie nicht zur\u00fcckkehren, gibt es auch keinen Wiederaufbau. Die Menschen haben Angst vor den Milizen \u2013 auch davor, dass die einander bek\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n Die \u201eHashd\u201c m\u00fcssten mithin abziehen. Und mit ihnen die anderen Milizen. Das Machtmonopol m\u00fcsste an den Staat gehen. Doch der Irak ist auch Spielball der Regionalm\u00e4chte: Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien. Sie konkurrieren um Einfluss-Sph\u00e4ren, bedienen sich dabei verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Gruppen im Irak. Deswegen werden die Hashd nicht abziehen. Derzeit sind sie von der iranisch-irakischen Grenze im Osten \u00fcber Bagdad bis hoch zur irakisch-syrischen Grenze im Norden postiert. Einheiten Teherans k\u00f6nnten demnach auf dem Landweg vom Iran bis ans Mittelmeer durchmarschieren.<\/p>\n\n\n\n Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":9},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};
\u201eSie sind eine gro\u00dfe Gefahr f\u00fcr andere Kinder. Sie leben in Lagern, in einem Zelt, auf sechs mal vier Metern, oder noch weniger! Acht Geschwister, sie spielen zusammen, reden, sie indoktrinieren die anderen! Das ist ein Problem, das wir nicht l\u00f6sen k\u00f6nnen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n Sara Hassan ist Sozialarbeiterin. Sie arbeitet in den Lagern, versucht M\u00e4dchen und Frauen, die jahrelang in Geiselhaft vergewaltigt wurden, zu helfen. Unz\u00e4hlige hatte der \u201eIS\u201c einst entf\u00fchrt. Sara arbeitet auch mit den sogenannten \u201eDschihadisten-Kindern\u201c. Sie erz\u00e4hlt, wie \u00fcberfordert alle seien: die Familien, die jesidische Gemeinschaft, die Gesellschaft des Nord-Irak.<\/p>\n\n\n\n \u201eIn einem anderen Fall hat sich die Familie am Ende an die Sicherheitskr\u00e4fte gewandt. Doch die wussten auch nicht, wie sie damit umgehen sollten. Monate lang hat die Familie versucht, den Jungen umzuerziehen, zusammen mit Sozialarbeitern. Aber noch immer sehen wir den Hass in seinen Augen \u2013 gegen\u00fcber Kurden, Christen und Jesiden. Als blicke man in die Augen eines IS-Terroristen. Das ist das Problem.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n Immerhin: Die Jesiden k\u00f6nnen \u00fcber ihre vom \u201eIS\u201c indoktrinierten Kinder sprechen. Denn niemand zweifelt daran, dass sie Opfer der Tyrannei wurden. Bei den sunnitischen Arabern sieht das anders aus. Da sie derselben Religionsgruppe angeh\u00f6ren wie formal auch die Terroristen, stehen sie unter Generalverdacht, mit dem \u201eIS\u201c gemeinsame Sache gemacht zu haben. Sunnitische Araber trauen sich daher nicht, die Probleme ihrer Kinder \u00f6ffentlich zu machen \u2013 auch wenn sie selbst nichts mit dem \u201eIS\u201c zu tun hatten.<\/p>\n\n\n\n Unklar ist, wie viele Kinder und Jugendliche im Irak und in Syrien zu Terroristen ausgebildet wurden, dabei noch in Geiselhaft sind oder bereits als \u201eSchl\u00e4fer\u201c darauf warten, zum Einsatz zu kommen. Sie gleichen \u201etickenden Zeitbomben\u201c, die jederzeit explodieren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n Kamaran Palani spricht davon, dass viele Menschen immer noch gehen wollen, obwohl der \u201eIS\u201c als staats\u00e4hnliches Gebilde nicht mehr besteht. Seine Saat aber, so der Politikwissenschaftler, sei aufgegangen.<\/p>\n\n\n\n \u201eSie wollen einfach nicht in diesem Land bleiben. Der IS hat sie dazu gebracht. Jeder hat heute Angst, dass eine andere Organisation kommen wird, Terroristen, die dasselbe anrichten wie zuvor.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n Palani forscht am \u201eMiddle East Research Institute\u201c, das seinen Sitz in Erbil hat, der Hauptstadt von Irakisch-Kurdistan. <\/p>\n\n\n\n \u201e60 bis 65 Prozent der Christen wollen gehen. Das Gleiche gilt f\u00fcr andere Minderheiten: f\u00fcr Jesiden, Schabaks, Turkmenen, Kakais.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n \u201eWir werden niemals wieder mit den Arabern zusammenleben k\u00f6nnen!\u201c \u2013 ein Satz, der heute h\u00e4ufig im Nord-Irak zu h\u00f6ren ist. Gemeint sind die Iraker, die Sunniten und Araber sind \u2013 die einstmals Nachbarn von Jesiden, Christen und Kurden waren \u2013 mit denen man Handel trieb und Hochzeiten feierte, die auch Freunde waren.<\/p>\n\n\n\n Der Irak ist eine multi-ethnische und multi-religi\u00f6se Gesellschaft, in der die Schiiten die Mehrheit stellen. \u00dcber Jahrhunderte aber hatten die sunnitischen Araber das Sagen, sie missbrauchten die Macht, errichteten ein Schreckensregime \u2013 bis 2003, als Diktator Saddam Hussein von den USA gest\u00fcrzt wurde.<\/p>\n\n\n\n Jetzt wurde der Spie\u00df umgedreht. Die Amerikaner sorgten daf\u00fcr, dass die Sunniten jegliche Machtposition verloren \u2013 so wurde die irakische Armee, wurde die baathistische Partei aufgel\u00f6st \u2013 ohne ein Pendant zu schaffen, das alle integrierte. Und: Washington unterst\u00fctzte Regierungschef Nouri al-Maliki, einen Schiiten. Maliki sah eine historische Chance gekommen, diskriminierte nun seinerseits seine sunnitischen Landsleute, verwehrte ihnen im \u201eNeuen Irak\u201c die Mitsprache. Im Regime Malikis wurden Sunniten inhaftiert, gefoltert und umgebracht.<\/p>\n\n\n\n Was viele in den Widerstand trieb. Einige schlossen sich der Terror-Organisation \u201eAl-Qaida\u201c an, unter ihnen f\u00fchrende Milit\u00e4rs der aufgel\u00f6sten Armee Saddam Husseins \u2013 und aus \u201eAl-Qaida\u201c ging sp\u00e4ter der \u201eIS\u201c hervor.<\/p>\n\n\n\n Als der \u201eIS\u201c dann im Sommer 2014 fast ohne Gegenwehr weite Landstriche in Syrien und im Irak \u00fcberrannte und seinen \u201eStaat\u201c ausrief, sahen auch gew\u00f6hnliche sunnitische Araber einen Wechsel nahen. Viele machten gemeinsame Sache mit den Terroristen, verhinderten die Flucht jesidischer Nachbarn, lieferten sie ihren Schl\u00e4chtern aus. Kamaran Palani:<\/p>\n\n\n\n \u201eIS\u201c-K\u00e4mpfer haben gesagt, es gehe darum, die W\u00fcrde der sunnitischen Araber wiederherzustellen. Ihre Macht. Ihre Geschichte. Tats\u00e4chlich konnten es die Araber nicht hinnehmen, dass sie ins Abseits gedr\u00e4ngt wurden. Und ich denke, dass sie auch in Zukunft so handeln werden. Wann immer sich die Gelegenheit bietet: Sie werden alles hinter sich lassen \u2013 sich nur darauf konzentrieren.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n Misstrauen. Auch bei einem Politikwissenschaftler. Was also tun? Zerst\u00f6rte St\u00e4dte und D\u00f6rfer k\u00f6nnten wieder aufgebaut werden \u2013 wenn denn ein gemeinsamer Wille best\u00fcnde. Doch was, wenn es einen solchen gemeinsamen Willen gar nicht gibt? Wenn Schmerz und Trauer anhalten, wenn die Verbrechen von Terroristen und Helfershelfern nicht geahndet werden, wenn Angst umgeht, Misstrauen und Hass das Miteinander bestimmen.<\/p>\n\n\n\n Kamaran Palani stammt aus der Stadt Makhmour. Drei Tage nur sei der \u201eIS\u201c dort gewesen, sagt er, doch diese Tage h\u00e4tten alles ver\u00e4ndert. Der \u201eIS\u201c habe die Menschen in seiner Heimatstadt verrohen lassen, meint er, das Verh\u00e4ltnis zwischen Kurden und Arabern sei heute tot. Eine R\u00fcckkehr in alte Zeiten h\u00e4lt Palani f\u00fcr falsch.<\/p>\n\n\n\n \u201eIch denke, es w\u00e4re nicht einfach, in das Jahr 2014 \u2013 also in die Zeit vor dem \u201aIS\u2018 \u2013 zur\u00fcckzukehren. Vor allem aber w\u00e4re es nicht die richtige Politik. Denn eben die hat ja erst zum Aufkommen, zur Existenz des \u201aIS\u2018 gef\u00fchrt.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n Die Realit\u00e4t sieht anders aus: Ein Staat Kurdistan, der neue Optionen m\u00f6glich gemacht h\u00e4tte, auch von den Minderheiten gew\u00fcnscht worden war, ist nicht entstanden. Bagdad aber ist fern, der Zentralstaat kaum existent, und wenn, dann ist er schiitisch dominiert. Es sind Milizen, die im Nord-Irak das Geschehen bestimmen, darum rivalisieren, das Machtvakuum zu f\u00fcllen, das durch die Vertreibung des \u201eIS\u201c entstanden ist. Einst im Kampf gegen die Terroristen geeint, sind die Milizen einander heute feind.<\/p>\n\n\n\n Allen voran die \u201eHashd ash-Shaabi\u201c, schiitisch-irakische Milizen, deren Ausbilder und Kommandeure h\u00e4ufig Iraner sind. Bagdad hat die Haschd als regul\u00e4re Kraft im Kampf gegen den \u201eIS\u201c anerkannt \u2013 obwohl Menschenrechts-Organisationen schwere Vorw\u00fcrfe gegen sie erheben. Fest steht: Die schiitischen Milizen halten D\u00f6rfer besetzt, sind in Mosul f\u00fcr ihr herrisches Auftreten und ihre Willk\u00fcr bekannt.<\/p>\n\n\n\n \u201eTats\u00e4chlich sorgen die verschiedenen bewaffneten Gruppen daf\u00fcr, dass die Fl\u00fcchtlinge nicht zur\u00fcckkehren. Und weil sie nicht zur\u00fcckkehren, gibt es auch keinen Wiederaufbau. Die Menschen haben Angst vor den Milizen \u2013 auch davor, dass die einander bek\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n Die \u201eHashd\u201c m\u00fcssten mithin abziehen. Und mit ihnen die anderen Milizen. Das Machtmonopol m\u00fcsste an den Staat gehen. Doch der Irak ist auch Spielball der Regionalm\u00e4chte: Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien. Sie konkurrieren um Einfluss-Sph\u00e4ren, bedienen sich dabei verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Gruppen im Irak. Deswegen werden die Hashd nicht abziehen. Derzeit sind sie von der iranisch-irakischen Grenze im Osten \u00fcber Bagdad bis hoch zur irakisch-syrischen Grenze im Norden postiert. Einheiten Teherans k\u00f6nnten demnach auf dem Landweg vom Iran bis ans Mittelmeer durchmarschieren.<\/p>\n\n\n\n Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":9},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};
Die \u00e4u\u00dferen Wunden sind heute verheilt. Doch wie sieht es aus mit den inneren, den seelischen Verletzungen? Thomas wurde von seiner Familie aufgenommen und bekommt Hilfe. Andere Kinder konnten nicht aufgefangen werden. Bis heute betrachten sie Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c \u2013 so wie es ihnen in der Geiselhaft eingeh\u00e4mmert wurde.<\/p>\n\n\n\n \u201eSie sind eine gro\u00dfe Gefahr f\u00fcr andere Kinder. Sie leben in Lagern, in einem Zelt, auf sechs mal vier Metern, oder noch weniger! Acht Geschwister, sie spielen zusammen, reden, sie indoktrinieren die anderen! Das ist ein Problem, das wir nicht l\u00f6sen k\u00f6nnen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n Sara Hassan ist Sozialarbeiterin. Sie arbeitet in den Lagern, versucht M\u00e4dchen und Frauen, die jahrelang in Geiselhaft vergewaltigt wurden, zu helfen. Unz\u00e4hlige hatte der \u201eIS\u201c einst entf\u00fchrt. Sara arbeitet auch mit den sogenannten \u201eDschihadisten-Kindern\u201c. Sie erz\u00e4hlt, wie \u00fcberfordert alle seien: die Familien, die jesidische Gemeinschaft, die Gesellschaft des Nord-Irak.<\/p>\n\n\n\n \u201eIn einem anderen Fall hat sich die Familie am Ende an die Sicherheitskr\u00e4fte gewandt. Doch die wussten auch nicht, wie sie damit umgehen sollten. Monate lang hat die Familie versucht, den Jungen umzuerziehen, zusammen mit Sozialarbeitern. Aber noch immer sehen wir den Hass in seinen Augen \u2013 gegen\u00fcber Kurden, Christen und Jesiden. Als blicke man in die Augen eines IS-Terroristen. Das ist das Problem.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n Immerhin: Die Jesiden k\u00f6nnen \u00fcber ihre vom \u201eIS\u201c indoktrinierten Kinder sprechen. Denn niemand zweifelt daran, dass sie Opfer der Tyrannei wurden. Bei den sunnitischen Arabern sieht das anders aus. Da sie derselben Religionsgruppe angeh\u00f6ren wie formal auch die Terroristen, stehen sie unter Generalverdacht, mit dem \u201eIS\u201c gemeinsame Sache gemacht zu haben. Sunnitische Araber trauen sich daher nicht, die Probleme ihrer Kinder \u00f6ffentlich zu machen \u2013 auch wenn sie selbst nichts mit dem \u201eIS\u201c zu tun hatten.<\/p>\n\n\n\n Unklar ist, wie viele Kinder und Jugendliche im Irak und in Syrien zu Terroristen ausgebildet wurden, dabei noch in Geiselhaft sind oder bereits als \u201eSchl\u00e4fer\u201c darauf warten, zum Einsatz zu kommen. Sie gleichen \u201etickenden Zeitbomben\u201c, die jederzeit explodieren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n Kamaran Palani spricht davon, dass viele Menschen immer noch gehen wollen, obwohl der \u201eIS\u201c als staats\u00e4hnliches Gebilde nicht mehr besteht. Seine Saat aber, so der Politikwissenschaftler, sei aufgegangen.<\/p>\n\n\n\n \u201eSie wollen einfach nicht in diesem Land bleiben. Der IS hat sie dazu gebracht. Jeder hat heute Angst, dass eine andere Organisation kommen wird, Terroristen, die dasselbe anrichten wie zuvor.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n Palani forscht am \u201eMiddle East Research Institute\u201c, das seinen Sitz in Erbil hat, der Hauptstadt von Irakisch-Kurdistan. <\/p>\n\n\n\n \u201e60 bis 65 Prozent der Christen wollen gehen. Das Gleiche gilt f\u00fcr andere Minderheiten: f\u00fcr Jesiden, Schabaks, Turkmenen, Kakais.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n \u201eWir werden niemals wieder mit den Arabern zusammenleben k\u00f6nnen!\u201c \u2013 ein Satz, der heute h\u00e4ufig im Nord-Irak zu h\u00f6ren ist. Gemeint sind die Iraker, die Sunniten und Araber sind \u2013 die einstmals Nachbarn von Jesiden, Christen und Kurden waren \u2013 mit denen man Handel trieb und Hochzeiten feierte, die auch Freunde waren.<\/p>\n\n\n\n Der Irak ist eine multi-ethnische und multi-religi\u00f6se Gesellschaft, in der die Schiiten die Mehrheit stellen. \u00dcber Jahrhunderte aber hatten die sunnitischen Araber das Sagen, sie missbrauchten die Macht, errichteten ein Schreckensregime \u2013 bis 2003, als Diktator Saddam Hussein von den USA gest\u00fcrzt wurde.<\/p>\n\n\n\n Jetzt wurde der Spie\u00df umgedreht. Die Amerikaner sorgten daf\u00fcr, dass die Sunniten jegliche Machtposition verloren \u2013 so wurde die irakische Armee, wurde die baathistische Partei aufgel\u00f6st \u2013 ohne ein Pendant zu schaffen, das alle integrierte. Und: Washington unterst\u00fctzte Regierungschef Nouri al-Maliki, einen Schiiten. Maliki sah eine historische Chance gekommen, diskriminierte nun seinerseits seine sunnitischen Landsleute, verwehrte ihnen im \u201eNeuen Irak\u201c die Mitsprache. Im Regime Malikis wurden Sunniten inhaftiert, gefoltert und umgebracht.<\/p>\n\n\n\n Was viele in den Widerstand trieb. Einige schlossen sich der Terror-Organisation \u201eAl-Qaida\u201c an, unter ihnen f\u00fchrende Milit\u00e4rs der aufgel\u00f6sten Armee Saddam Husseins \u2013 und aus \u201eAl-Qaida\u201c ging sp\u00e4ter der \u201eIS\u201c hervor.<\/p>\n\n\n\n Als der \u201eIS\u201c dann im Sommer 2014 fast ohne Gegenwehr weite Landstriche in Syrien und im Irak \u00fcberrannte und seinen \u201eStaat\u201c ausrief, sahen auch gew\u00f6hnliche sunnitische Araber einen Wechsel nahen. Viele machten gemeinsame Sache mit den Terroristen, verhinderten die Flucht jesidischer Nachbarn, lieferten sie ihren Schl\u00e4chtern aus. Kamaran Palani:<\/p>\n\n\n\n \u201eIS\u201c-K\u00e4mpfer haben gesagt, es gehe darum, die W\u00fcrde der sunnitischen Araber wiederherzustellen. Ihre Macht. Ihre Geschichte. Tats\u00e4chlich konnten es die Araber nicht hinnehmen, dass sie ins Abseits gedr\u00e4ngt wurden. Und ich denke, dass sie auch in Zukunft so handeln werden. Wann immer sich die Gelegenheit bietet: Sie werden alles hinter sich lassen \u2013 sich nur darauf konzentrieren.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n Misstrauen. Auch bei einem Politikwissenschaftler. Was also tun? Zerst\u00f6rte St\u00e4dte und D\u00f6rfer k\u00f6nnten wieder aufgebaut werden \u2013 wenn denn ein gemeinsamer Wille best\u00fcnde. Doch was, wenn es einen solchen gemeinsamen Willen gar nicht gibt? Wenn Schmerz und Trauer anhalten, wenn die Verbrechen von Terroristen und Helfershelfern nicht geahndet werden, wenn Angst umgeht, Misstrauen und Hass das Miteinander bestimmen.<\/p>\n\n\n\n Kamaran Palani stammt aus der Stadt Makhmour. Drei Tage nur sei der \u201eIS\u201c dort gewesen, sagt er, doch diese Tage h\u00e4tten alles ver\u00e4ndert. Der \u201eIS\u201c habe die Menschen in seiner Heimatstadt verrohen lassen, meint er, das Verh\u00e4ltnis zwischen Kurden und Arabern sei heute tot. Eine R\u00fcckkehr in alte Zeiten h\u00e4lt Palani f\u00fcr falsch.<\/p>\n\n\n\n \u201eIch denke, es w\u00e4re nicht einfach, in das Jahr 2014 \u2013 also in die Zeit vor dem \u201aIS\u2018 \u2013 zur\u00fcckzukehren. Vor allem aber w\u00e4re es nicht die richtige Politik. Denn eben die hat ja erst zum Aufkommen, zur Existenz des \u201aIS\u2018 gef\u00fchrt.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n Die Realit\u00e4t sieht anders aus: Ein Staat Kurdistan, der neue Optionen m\u00f6glich gemacht h\u00e4tte, auch von den Minderheiten gew\u00fcnscht worden war, ist nicht entstanden. Bagdad aber ist fern, der Zentralstaat kaum existent, und wenn, dann ist er schiitisch dominiert. Es sind Milizen, die im Nord-Irak das Geschehen bestimmen, darum rivalisieren, das Machtvakuum zu f\u00fcllen, das durch die Vertreibung des \u201eIS\u201c entstanden ist. Einst im Kampf gegen die Terroristen geeint, sind die Milizen einander heute feind.<\/p>\n\n\n\n Allen voran die \u201eHashd ash-Shaabi\u201c, schiitisch-irakische Milizen, deren Ausbilder und Kommandeure h\u00e4ufig Iraner sind. Bagdad hat die Haschd als regul\u00e4re Kraft im Kampf gegen den \u201eIS\u201c anerkannt \u2013 obwohl Menschenrechts-Organisationen schwere Vorw\u00fcrfe gegen sie erheben. Fest steht: Die schiitischen Milizen halten D\u00f6rfer besetzt, sind in Mosul f\u00fcr ihr herrisches Auftreten und ihre Willk\u00fcr bekannt.<\/p>\n\n\n\n \u201eTats\u00e4chlich sorgen die verschiedenen bewaffneten Gruppen daf\u00fcr, dass die Fl\u00fcchtlinge nicht zur\u00fcckkehren. Und weil sie nicht zur\u00fcckkehren, gibt es auch keinen Wiederaufbau. Die Menschen haben Angst vor den Milizen \u2013 auch davor, dass die einander bek\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n Die \u201eHashd\u201c m\u00fcssten mithin abziehen. Und mit ihnen die anderen Milizen. Das Machtmonopol m\u00fcsste an den Staat gehen. Doch der Irak ist auch Spielball der Regionalm\u00e4chte: Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien. Sie konkurrieren um Einfluss-Sph\u00e4ren, bedienen sich dabei verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Gruppen im Irak. Deswegen werden die Hashd nicht abziehen. Derzeit sind sie von der iranisch-irakischen Grenze im Osten \u00fcber Bagdad bis hoch zur irakisch-syrischen Grenze im Norden postiert. Einheiten Teherans k\u00f6nnten demnach auf dem Landweg vom Iran bis ans Mittelmeer durchmarschieren.<\/p>\n\n\n\n Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":9},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};
Die \u00e4u\u00dferen Wunden sind heute verheilt. Doch wie sieht es aus mit den inneren, den seelischen Verletzungen? Thomas wurde von seiner Familie aufgenommen und bekommt Hilfe. Andere Kinder konnten nicht aufgefangen werden. Bis heute betrachten sie Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c \u2013 so wie es ihnen in der Geiselhaft eingeh\u00e4mmert wurde.<\/p>\n\n\n\n \u201eSie sind eine gro\u00dfe Gefahr f\u00fcr andere Kinder. Sie leben in Lagern, in einem Zelt, auf sechs mal vier Metern, oder noch weniger! Acht Geschwister, sie spielen zusammen, reden, sie indoktrinieren die anderen! Das ist ein Problem, das wir nicht l\u00f6sen k\u00f6nnen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n Sara Hassan ist Sozialarbeiterin. Sie arbeitet in den Lagern, versucht M\u00e4dchen und Frauen, die jahrelang in Geiselhaft vergewaltigt wurden, zu helfen. Unz\u00e4hlige hatte der \u201eIS\u201c einst entf\u00fchrt. Sara arbeitet auch mit den sogenannten \u201eDschihadisten-Kindern\u201c. Sie erz\u00e4hlt, wie \u00fcberfordert alle seien: die Familien, die jesidische Gemeinschaft, die Gesellschaft des Nord-Irak.<\/p>\n\n\n\n \u201eIn einem anderen Fall hat sich die Familie am Ende an die Sicherheitskr\u00e4fte gewandt. Doch die wussten auch nicht, wie sie damit umgehen sollten. Monate lang hat die Familie versucht, den Jungen umzuerziehen, zusammen mit Sozialarbeitern. Aber noch immer sehen wir den Hass in seinen Augen \u2013 gegen\u00fcber Kurden, Christen und Jesiden. Als blicke man in die Augen eines IS-Terroristen. Das ist das Problem.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n Immerhin: Die Jesiden k\u00f6nnen \u00fcber ihre vom \u201eIS\u201c indoktrinierten Kinder sprechen. Denn niemand zweifelt daran, dass sie Opfer der Tyrannei wurden. Bei den sunnitischen Arabern sieht das anders aus. Da sie derselben Religionsgruppe angeh\u00f6ren wie formal auch die Terroristen, stehen sie unter Generalverdacht, mit dem \u201eIS\u201c gemeinsame Sache gemacht zu haben. Sunnitische Araber trauen sich daher nicht, die Probleme ihrer Kinder \u00f6ffentlich zu machen \u2013 auch wenn sie selbst nichts mit dem \u201eIS\u201c zu tun hatten.<\/p>\n\n\n\n Unklar ist, wie viele Kinder und Jugendliche im Irak und in Syrien zu Terroristen ausgebildet wurden, dabei noch in Geiselhaft sind oder bereits als \u201eSchl\u00e4fer\u201c darauf warten, zum Einsatz zu kommen. Sie gleichen \u201etickenden Zeitbomben\u201c, die jederzeit explodieren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n Kamaran Palani spricht davon, dass viele Menschen immer noch gehen wollen, obwohl der \u201eIS\u201c als staats\u00e4hnliches Gebilde nicht mehr besteht. Seine Saat aber, so der Politikwissenschaftler, sei aufgegangen.<\/p>\n\n\n\n \u201eSie wollen einfach nicht in diesem Land bleiben. Der IS hat sie dazu gebracht. Jeder hat heute Angst, dass eine andere Organisation kommen wird, Terroristen, die dasselbe anrichten wie zuvor.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n Palani forscht am \u201eMiddle East Research Institute\u201c, das seinen Sitz in Erbil hat, der Hauptstadt von Irakisch-Kurdistan. <\/p>\n\n\n\n \u201e60 bis 65 Prozent der Christen wollen gehen. Das Gleiche gilt f\u00fcr andere Minderheiten: f\u00fcr Jesiden, Schabaks, Turkmenen, Kakais.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n \u201eWir werden niemals wieder mit den Arabern zusammenleben k\u00f6nnen!\u201c \u2013 ein Satz, der heute h\u00e4ufig im Nord-Irak zu h\u00f6ren ist. Gemeint sind die Iraker, die Sunniten und Araber sind \u2013 die einstmals Nachbarn von Jesiden, Christen und Kurden waren \u2013 mit denen man Handel trieb und Hochzeiten feierte, die auch Freunde waren.<\/p>\n\n\n\n Der Irak ist eine multi-ethnische und multi-religi\u00f6se Gesellschaft, in der die Schiiten die Mehrheit stellen. \u00dcber Jahrhunderte aber hatten die sunnitischen Araber das Sagen, sie missbrauchten die Macht, errichteten ein Schreckensregime \u2013 bis 2003, als Diktator Saddam Hussein von den USA gest\u00fcrzt wurde.<\/p>\n\n\n\n Jetzt wurde der Spie\u00df umgedreht. Die Amerikaner sorgten daf\u00fcr, dass die Sunniten jegliche Machtposition verloren \u2013 so wurde die irakische Armee, wurde die baathistische Partei aufgel\u00f6st \u2013 ohne ein Pendant zu schaffen, das alle integrierte. Und: Washington unterst\u00fctzte Regierungschef Nouri al-Maliki, einen Schiiten. Maliki sah eine historische Chance gekommen, diskriminierte nun seinerseits seine sunnitischen Landsleute, verwehrte ihnen im \u201eNeuen Irak\u201c die Mitsprache. Im Regime Malikis wurden Sunniten inhaftiert, gefoltert und umgebracht.<\/p>\n\n\n\n Was viele in den Widerstand trieb. Einige schlossen sich der Terror-Organisation \u201eAl-Qaida\u201c an, unter ihnen f\u00fchrende Milit\u00e4rs der aufgel\u00f6sten Armee Saddam Husseins \u2013 und aus \u201eAl-Qaida\u201c ging sp\u00e4ter der \u201eIS\u201c hervor.<\/p>\n\n\n\n Als der \u201eIS\u201c dann im Sommer 2014 fast ohne Gegenwehr weite Landstriche in Syrien und im Irak \u00fcberrannte und seinen \u201eStaat\u201c ausrief, sahen auch gew\u00f6hnliche sunnitische Araber einen Wechsel nahen. Viele machten gemeinsame Sache mit den Terroristen, verhinderten die Flucht jesidischer Nachbarn, lieferten sie ihren Schl\u00e4chtern aus. Kamaran Palani:<\/p>\n\n\n\n \u201eIS\u201c-K\u00e4mpfer haben gesagt, es gehe darum, die W\u00fcrde der sunnitischen Araber wiederherzustellen. Ihre Macht. Ihre Geschichte. Tats\u00e4chlich konnten es die Araber nicht hinnehmen, dass sie ins Abseits gedr\u00e4ngt wurden. Und ich denke, dass sie auch in Zukunft so handeln werden. Wann immer sich die Gelegenheit bietet: Sie werden alles hinter sich lassen \u2013 sich nur darauf konzentrieren.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n Misstrauen. Auch bei einem Politikwissenschaftler. Was also tun? Zerst\u00f6rte St\u00e4dte und D\u00f6rfer k\u00f6nnten wieder aufgebaut werden \u2013 wenn denn ein gemeinsamer Wille best\u00fcnde. Doch was, wenn es einen solchen gemeinsamen Willen gar nicht gibt? Wenn Schmerz und Trauer anhalten, wenn die Verbrechen von Terroristen und Helfershelfern nicht geahndet werden, wenn Angst umgeht, Misstrauen und Hass das Miteinander bestimmen.<\/p>\n\n\n\n Kamaran Palani stammt aus der Stadt Makhmour. Drei Tage nur sei der \u201eIS\u201c dort gewesen, sagt er, doch diese Tage h\u00e4tten alles ver\u00e4ndert. Der \u201eIS\u201c habe die Menschen in seiner Heimatstadt verrohen lassen, meint er, das Verh\u00e4ltnis zwischen Kurden und Arabern sei heute tot. Eine R\u00fcckkehr in alte Zeiten h\u00e4lt Palani f\u00fcr falsch.<\/p>\n\n\n\n \u201eIch denke, es w\u00e4re nicht einfach, in das Jahr 2014 \u2013 also in die Zeit vor dem \u201aIS\u2018 \u2013 zur\u00fcckzukehren. Vor allem aber w\u00e4re es nicht die richtige Politik. Denn eben die hat ja erst zum Aufkommen, zur Existenz des \u201aIS\u2018 gef\u00fchrt.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n Die Realit\u00e4t sieht anders aus: Ein Staat Kurdistan, der neue Optionen m\u00f6glich gemacht h\u00e4tte, auch von den Minderheiten gew\u00fcnscht worden war, ist nicht entstanden. Bagdad aber ist fern, der Zentralstaat kaum existent, und wenn, dann ist er schiitisch dominiert. Es sind Milizen, die im Nord-Irak das Geschehen bestimmen, darum rivalisieren, das Machtvakuum zu f\u00fcllen, das durch die Vertreibung des \u201eIS\u201c entstanden ist. Einst im Kampf gegen die Terroristen geeint, sind die Milizen einander heute feind.<\/p>\n\n\n\n Allen voran die \u201eHashd ash-Shaabi\u201c, schiitisch-irakische Milizen, deren Ausbilder und Kommandeure h\u00e4ufig Iraner sind. Bagdad hat die Haschd als regul\u00e4re Kraft im Kampf gegen den \u201eIS\u201c anerkannt \u2013 obwohl Menschenrechts-Organisationen schwere Vorw\u00fcrfe gegen sie erheben. Fest steht: Die schiitischen Milizen halten D\u00f6rfer besetzt, sind in Mosul f\u00fcr ihr herrisches Auftreten und ihre Willk\u00fcr bekannt.<\/p>\n\n\n\n \u201eTats\u00e4chlich sorgen die verschiedenen bewaffneten Gruppen daf\u00fcr, dass die Fl\u00fcchtlinge nicht zur\u00fcckkehren. Und weil sie nicht zur\u00fcckkehren, gibt es auch keinen Wiederaufbau. Die Menschen haben Angst vor den Milizen \u2013 auch davor, dass die einander bek\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n Die \u201eHashd\u201c m\u00fcssten mithin abziehen. Und mit ihnen die anderen Milizen. Das Machtmonopol m\u00fcsste an den Staat gehen. Doch der Irak ist auch Spielball der Regionalm\u00e4chte: Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien. Sie konkurrieren um Einfluss-Sph\u00e4ren, bedienen sich dabei verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Gruppen im Irak. Deswegen werden die Hashd nicht abziehen. Derzeit sind sie von der iranisch-irakischen Grenze im Osten \u00fcber Bagdad bis hoch zur irakisch-syrischen Grenze im Norden postiert. Einheiten Teherans k\u00f6nnten demnach auf dem Landweg vom Iran bis ans Mittelmeer durchmarschieren.<\/p>\n\n\n\n Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. 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Die \u00e4u\u00dferen Wunden sind heute verheilt. Doch wie sieht es aus mit den inneren, den seelischen Verletzungen? Thomas wurde von seiner Familie aufgenommen und bekommt Hilfe. Andere Kinder konnten nicht aufgefangen werden. Bis heute betrachten sie Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c \u2013 so wie es ihnen in der Geiselhaft eingeh\u00e4mmert wurde.<\/p>\n\n\n\n \u201eSie sind eine gro\u00dfe Gefahr f\u00fcr andere Kinder. Sie leben in Lagern, in einem Zelt, auf sechs mal vier Metern, oder noch weniger! Acht Geschwister, sie spielen zusammen, reden, sie indoktrinieren die anderen! Das ist ein Problem, das wir nicht l\u00f6sen k\u00f6nnen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n Sara Hassan ist Sozialarbeiterin. Sie arbeitet in den Lagern, versucht M\u00e4dchen und Frauen, die jahrelang in Geiselhaft vergewaltigt wurden, zu helfen. Unz\u00e4hlige hatte der \u201eIS\u201c einst entf\u00fchrt. Sara arbeitet auch mit den sogenannten \u201eDschihadisten-Kindern\u201c. Sie erz\u00e4hlt, wie \u00fcberfordert alle seien: die Familien, die jesidische Gemeinschaft, die Gesellschaft des Nord-Irak.<\/p>\n\n\n\n \u201eIn einem anderen Fall hat sich die Familie am Ende an die Sicherheitskr\u00e4fte gewandt. Doch die wussten auch nicht, wie sie damit umgehen sollten. Monate lang hat die Familie versucht, den Jungen umzuerziehen, zusammen mit Sozialarbeitern. Aber noch immer sehen wir den Hass in seinen Augen \u2013 gegen\u00fcber Kurden, Christen und Jesiden. Als blicke man in die Augen eines IS-Terroristen. Das ist das Problem.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n Immerhin: Die Jesiden k\u00f6nnen \u00fcber ihre vom \u201eIS\u201c indoktrinierten Kinder sprechen. Denn niemand zweifelt daran, dass sie Opfer der Tyrannei wurden. Bei den sunnitischen Arabern sieht das anders aus. Da sie derselben Religionsgruppe angeh\u00f6ren wie formal auch die Terroristen, stehen sie unter Generalverdacht, mit dem \u201eIS\u201c gemeinsame Sache gemacht zu haben. Sunnitische Araber trauen sich daher nicht, die Probleme ihrer Kinder \u00f6ffentlich zu machen \u2013 auch wenn sie selbst nichts mit dem \u201eIS\u201c zu tun hatten.<\/p>\n\n\n\n Unklar ist, wie viele Kinder und Jugendliche im Irak und in Syrien zu Terroristen ausgebildet wurden, dabei noch in Geiselhaft sind oder bereits als \u201eSchl\u00e4fer\u201c darauf warten, zum Einsatz zu kommen. Sie gleichen \u201etickenden Zeitbomben\u201c, die jederzeit explodieren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n Kamaran Palani spricht davon, dass viele Menschen immer noch gehen wollen, obwohl der \u201eIS\u201c als staats\u00e4hnliches Gebilde nicht mehr besteht. Seine Saat aber, so der Politikwissenschaftler, sei aufgegangen.<\/p>\n\n\n\n \u201eSie wollen einfach nicht in diesem Land bleiben. Der IS hat sie dazu gebracht. Jeder hat heute Angst, dass eine andere Organisation kommen wird, Terroristen, die dasselbe anrichten wie zuvor.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n Palani forscht am \u201eMiddle East Research Institute\u201c, das seinen Sitz in Erbil hat, der Hauptstadt von Irakisch-Kurdistan. <\/p>\n\n\n\n \u201e60 bis 65 Prozent der Christen wollen gehen. Das Gleiche gilt f\u00fcr andere Minderheiten: f\u00fcr Jesiden, Schabaks, Turkmenen, Kakais.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n \u201eWir werden niemals wieder mit den Arabern zusammenleben k\u00f6nnen!\u201c \u2013 ein Satz, der heute h\u00e4ufig im Nord-Irak zu h\u00f6ren ist. Gemeint sind die Iraker, die Sunniten und Araber sind \u2013 die einstmals Nachbarn von Jesiden, Christen und Kurden waren \u2013 mit denen man Handel trieb und Hochzeiten feierte, die auch Freunde waren.<\/p>\n\n\n\n Der Irak ist eine multi-ethnische und multi-religi\u00f6se Gesellschaft, in der die Schiiten die Mehrheit stellen. \u00dcber Jahrhunderte aber hatten die sunnitischen Araber das Sagen, sie missbrauchten die Macht, errichteten ein Schreckensregime \u2013 bis 2003, als Diktator Saddam Hussein von den USA gest\u00fcrzt wurde.<\/p>\n\n\n\n Jetzt wurde der Spie\u00df umgedreht. Die Amerikaner sorgten daf\u00fcr, dass die Sunniten jegliche Machtposition verloren \u2013 so wurde die irakische Armee, wurde die baathistische Partei aufgel\u00f6st \u2013 ohne ein Pendant zu schaffen, das alle integrierte. Und: Washington unterst\u00fctzte Regierungschef Nouri al-Maliki, einen Schiiten. Maliki sah eine historische Chance gekommen, diskriminierte nun seinerseits seine sunnitischen Landsleute, verwehrte ihnen im \u201eNeuen Irak\u201c die Mitsprache. Im Regime Malikis wurden Sunniten inhaftiert, gefoltert und umgebracht.<\/p>\n\n\n\n Was viele in den Widerstand trieb. Einige schlossen sich der Terror-Organisation \u201eAl-Qaida\u201c an, unter ihnen f\u00fchrende Milit\u00e4rs der aufgel\u00f6sten Armee Saddam Husseins \u2013 und aus \u201eAl-Qaida\u201c ging sp\u00e4ter der \u201eIS\u201c hervor.<\/p>\n\n\n\n Als der \u201eIS\u201c dann im Sommer 2014 fast ohne Gegenwehr weite Landstriche in Syrien und im Irak \u00fcberrannte und seinen \u201eStaat\u201c ausrief, sahen auch gew\u00f6hnliche sunnitische Araber einen Wechsel nahen. Viele machten gemeinsame Sache mit den Terroristen, verhinderten die Flucht jesidischer Nachbarn, lieferten sie ihren Schl\u00e4chtern aus. Kamaran Palani:<\/p>\n\n\n\n \u201eIS\u201c-K\u00e4mpfer haben gesagt, es gehe darum, die W\u00fcrde der sunnitischen Araber wiederherzustellen. Ihre Macht. Ihre Geschichte. Tats\u00e4chlich konnten es die Araber nicht hinnehmen, dass sie ins Abseits gedr\u00e4ngt wurden. Und ich denke, dass sie auch in Zukunft so handeln werden. Wann immer sich die Gelegenheit bietet: Sie werden alles hinter sich lassen \u2013 sich nur darauf konzentrieren.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n Misstrauen. Auch bei einem Politikwissenschaftler. Was also tun? Zerst\u00f6rte St\u00e4dte und D\u00f6rfer k\u00f6nnten wieder aufgebaut werden \u2013 wenn denn ein gemeinsamer Wille best\u00fcnde. Doch was, wenn es einen solchen gemeinsamen Willen gar nicht gibt? Wenn Schmerz und Trauer anhalten, wenn die Verbrechen von Terroristen und Helfershelfern nicht geahndet werden, wenn Angst umgeht, Misstrauen und Hass das Miteinander bestimmen.<\/p>\n\n\n\n Kamaran Palani stammt aus der Stadt Makhmour. Drei Tage nur sei der \u201eIS\u201c dort gewesen, sagt er, doch diese Tage h\u00e4tten alles ver\u00e4ndert. Der \u201eIS\u201c habe die Menschen in seiner Heimatstadt verrohen lassen, meint er, das Verh\u00e4ltnis zwischen Kurden und Arabern sei heute tot. Eine R\u00fcckkehr in alte Zeiten h\u00e4lt Palani f\u00fcr falsch.<\/p>\n\n\n\n \u201eIch denke, es w\u00e4re nicht einfach, in das Jahr 2014 \u2013 also in die Zeit vor dem \u201aIS\u2018 \u2013 zur\u00fcckzukehren. Vor allem aber w\u00e4re es nicht die richtige Politik. Denn eben die hat ja erst zum Aufkommen, zur Existenz des \u201aIS\u2018 gef\u00fchrt.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n Die Realit\u00e4t sieht anders aus: Ein Staat Kurdistan, der neue Optionen m\u00f6glich gemacht h\u00e4tte, auch von den Minderheiten gew\u00fcnscht worden war, ist nicht entstanden. Bagdad aber ist fern, der Zentralstaat kaum existent, und wenn, dann ist er schiitisch dominiert. Es sind Milizen, die im Nord-Irak das Geschehen bestimmen, darum rivalisieren, das Machtvakuum zu f\u00fcllen, das durch die Vertreibung des \u201eIS\u201c entstanden ist. Einst im Kampf gegen die Terroristen geeint, sind die Milizen einander heute feind.<\/p>\n\n\n\n Allen voran die \u201eHashd ash-Shaabi\u201c, schiitisch-irakische Milizen, deren Ausbilder und Kommandeure h\u00e4ufig Iraner sind. Bagdad hat die Haschd als regul\u00e4re Kraft im Kampf gegen den \u201eIS\u201c anerkannt \u2013 obwohl Menschenrechts-Organisationen schwere Vorw\u00fcrfe gegen sie erheben. Fest steht: Die schiitischen Milizen halten D\u00f6rfer besetzt, sind in Mosul f\u00fcr ihr herrisches Auftreten und ihre Willk\u00fcr bekannt.<\/p>\n\n\n\n \u201eTats\u00e4chlich sorgen die verschiedenen bewaffneten Gruppen daf\u00fcr, dass die Fl\u00fcchtlinge nicht zur\u00fcckkehren. Und weil sie nicht zur\u00fcckkehren, gibt es auch keinen Wiederaufbau. Die Menschen haben Angst vor den Milizen \u2013 auch davor, dass die einander bek\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n Die \u201eHashd\u201c m\u00fcssten mithin abziehen. Und mit ihnen die anderen Milizen. Das Machtmonopol m\u00fcsste an den Staat gehen. Doch der Irak ist auch Spielball der Regionalm\u00e4chte: Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien. Sie konkurrieren um Einfluss-Sph\u00e4ren, bedienen sich dabei verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Gruppen im Irak. Deswegen werden die Hashd nicht abziehen. Derzeit sind sie von der iranisch-irakischen Grenze im Osten \u00fcber Bagdad bis hoch zur irakisch-syrischen Grenze im Norden postiert. Einheiten Teherans k\u00f6nnten demnach auf dem Landweg vom Iran bis ans Mittelmeer durchmarschieren.<\/p>\n\n\n\n Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":9},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};
Thomas hat heute einen modernen Haarschnitt; der Nacken ist ausrasiert; der lange Pony in die Stirn gek\u00e4mmt. Im Sommer sah er noch anders aus, kurz nachdem Mosul befreit worden war. Bei einem Luftangriff der Anti-\u201eIS\u201c-Koalition wurde Thomas schwer verletzt aus Tr\u00fcmmern geborgen, dann operiert.<\/p>\n\n\n\n Die \u00e4u\u00dferen Wunden sind heute verheilt. Doch wie sieht es aus mit den inneren, den seelischen Verletzungen? Thomas wurde von seiner Familie aufgenommen und bekommt Hilfe. Andere Kinder konnten nicht aufgefangen werden. Bis heute betrachten sie Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c \u2013 so wie es ihnen in der Geiselhaft eingeh\u00e4mmert wurde.<\/p>\n\n\n\n \u201eSie sind eine gro\u00dfe Gefahr f\u00fcr andere Kinder. Sie leben in Lagern, in einem Zelt, auf sechs mal vier Metern, oder noch weniger! Acht Geschwister, sie spielen zusammen, reden, sie indoktrinieren die anderen! Das ist ein Problem, das wir nicht l\u00f6sen k\u00f6nnen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n Sara Hassan ist Sozialarbeiterin. Sie arbeitet in den Lagern, versucht M\u00e4dchen und Frauen, die jahrelang in Geiselhaft vergewaltigt wurden, zu helfen. Unz\u00e4hlige hatte der \u201eIS\u201c einst entf\u00fchrt. Sara arbeitet auch mit den sogenannten \u201eDschihadisten-Kindern\u201c. Sie erz\u00e4hlt, wie \u00fcberfordert alle seien: die Familien, die jesidische Gemeinschaft, die Gesellschaft des Nord-Irak.<\/p>\n\n\n\n \u201eIn einem anderen Fall hat sich die Familie am Ende an die Sicherheitskr\u00e4fte gewandt. Doch die wussten auch nicht, wie sie damit umgehen sollten. Monate lang hat die Familie versucht, den Jungen umzuerziehen, zusammen mit Sozialarbeitern. Aber noch immer sehen wir den Hass in seinen Augen \u2013 gegen\u00fcber Kurden, Christen und Jesiden. Als blicke man in die Augen eines IS-Terroristen. Das ist das Problem.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n Immerhin: Die Jesiden k\u00f6nnen \u00fcber ihre vom \u201eIS\u201c indoktrinierten Kinder sprechen. Denn niemand zweifelt daran, dass sie Opfer der Tyrannei wurden. Bei den sunnitischen Arabern sieht das anders aus. Da sie derselben Religionsgruppe angeh\u00f6ren wie formal auch die Terroristen, stehen sie unter Generalverdacht, mit dem \u201eIS\u201c gemeinsame Sache gemacht zu haben. Sunnitische Araber trauen sich daher nicht, die Probleme ihrer Kinder \u00f6ffentlich zu machen \u2013 auch wenn sie selbst nichts mit dem \u201eIS\u201c zu tun hatten.<\/p>\n\n\n\n Unklar ist, wie viele Kinder und Jugendliche im Irak und in Syrien zu Terroristen ausgebildet wurden, dabei noch in Geiselhaft sind oder bereits als \u201eSchl\u00e4fer\u201c darauf warten, zum Einsatz zu kommen. Sie gleichen \u201etickenden Zeitbomben\u201c, die jederzeit explodieren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n Kamaran Palani spricht davon, dass viele Menschen immer noch gehen wollen, obwohl der \u201eIS\u201c als staats\u00e4hnliches Gebilde nicht mehr besteht. Seine Saat aber, so der Politikwissenschaftler, sei aufgegangen.<\/p>\n\n\n\n \u201eSie wollen einfach nicht in diesem Land bleiben. Der IS hat sie dazu gebracht. Jeder hat heute Angst, dass eine andere Organisation kommen wird, Terroristen, die dasselbe anrichten wie zuvor.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n Palani forscht am \u201eMiddle East Research Institute\u201c, das seinen Sitz in Erbil hat, der Hauptstadt von Irakisch-Kurdistan. <\/p>\n\n\n\n \u201e60 bis 65 Prozent der Christen wollen gehen. Das Gleiche gilt f\u00fcr andere Minderheiten: f\u00fcr Jesiden, Schabaks, Turkmenen, Kakais.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n \u201eWir werden niemals wieder mit den Arabern zusammenleben k\u00f6nnen!\u201c \u2013 ein Satz, der heute h\u00e4ufig im Nord-Irak zu h\u00f6ren ist. Gemeint sind die Iraker, die Sunniten und Araber sind \u2013 die einstmals Nachbarn von Jesiden, Christen und Kurden waren \u2013 mit denen man Handel trieb und Hochzeiten feierte, die auch Freunde waren.<\/p>\n\n\n\n Der Irak ist eine multi-ethnische und multi-religi\u00f6se Gesellschaft, in der die Schiiten die Mehrheit stellen. \u00dcber Jahrhunderte aber hatten die sunnitischen Araber das Sagen, sie missbrauchten die Macht, errichteten ein Schreckensregime \u2013 bis 2003, als Diktator Saddam Hussein von den USA gest\u00fcrzt wurde.<\/p>\n\n\n\n Jetzt wurde der Spie\u00df umgedreht. Die Amerikaner sorgten daf\u00fcr, dass die Sunniten jegliche Machtposition verloren \u2013 so wurde die irakische Armee, wurde die baathistische Partei aufgel\u00f6st \u2013 ohne ein Pendant zu schaffen, das alle integrierte. Und: Washington unterst\u00fctzte Regierungschef Nouri al-Maliki, einen Schiiten. Maliki sah eine historische Chance gekommen, diskriminierte nun seinerseits seine sunnitischen Landsleute, verwehrte ihnen im \u201eNeuen Irak\u201c die Mitsprache. Im Regime Malikis wurden Sunniten inhaftiert, gefoltert und umgebracht.<\/p>\n\n\n\n Was viele in den Widerstand trieb. Einige schlossen sich der Terror-Organisation \u201eAl-Qaida\u201c an, unter ihnen f\u00fchrende Milit\u00e4rs der aufgel\u00f6sten Armee Saddam Husseins \u2013 und aus \u201eAl-Qaida\u201c ging sp\u00e4ter der \u201eIS\u201c hervor.<\/p>\n\n\n\n Als der \u201eIS\u201c dann im Sommer 2014 fast ohne Gegenwehr weite Landstriche in Syrien und im Irak \u00fcberrannte und seinen \u201eStaat\u201c ausrief, sahen auch gew\u00f6hnliche sunnitische Araber einen Wechsel nahen. Viele machten gemeinsame Sache mit den Terroristen, verhinderten die Flucht jesidischer Nachbarn, lieferten sie ihren Schl\u00e4chtern aus. Kamaran Palani:<\/p>\n\n\n\n \u201eIS\u201c-K\u00e4mpfer haben gesagt, es gehe darum, die W\u00fcrde der sunnitischen Araber wiederherzustellen. Ihre Macht. Ihre Geschichte. Tats\u00e4chlich konnten es die Araber nicht hinnehmen, dass sie ins Abseits gedr\u00e4ngt wurden. Und ich denke, dass sie auch in Zukunft so handeln werden. Wann immer sich die Gelegenheit bietet: Sie werden alles hinter sich lassen \u2013 sich nur darauf konzentrieren.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n Misstrauen. Auch bei einem Politikwissenschaftler. Was also tun? Zerst\u00f6rte St\u00e4dte und D\u00f6rfer k\u00f6nnten wieder aufgebaut werden \u2013 wenn denn ein gemeinsamer Wille best\u00fcnde. Doch was, wenn es einen solchen gemeinsamen Willen gar nicht gibt? Wenn Schmerz und Trauer anhalten, wenn die Verbrechen von Terroristen und Helfershelfern nicht geahndet werden, wenn Angst umgeht, Misstrauen und Hass das Miteinander bestimmen.<\/p>\n\n\n\n Kamaran Palani stammt aus der Stadt Makhmour. Drei Tage nur sei der \u201eIS\u201c dort gewesen, sagt er, doch diese Tage h\u00e4tten alles ver\u00e4ndert. Der \u201eIS\u201c habe die Menschen in seiner Heimatstadt verrohen lassen, meint er, das Verh\u00e4ltnis zwischen Kurden und Arabern sei heute tot. Eine R\u00fcckkehr in alte Zeiten h\u00e4lt Palani f\u00fcr falsch.<\/p>\n\n\n\n \u201eIch denke, es w\u00e4re nicht einfach, in das Jahr 2014 \u2013 also in die Zeit vor dem \u201aIS\u2018 \u2013 zur\u00fcckzukehren. Vor allem aber w\u00e4re es nicht die richtige Politik. Denn eben die hat ja erst zum Aufkommen, zur Existenz des \u201aIS\u2018 gef\u00fchrt.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n Die Realit\u00e4t sieht anders aus: Ein Staat Kurdistan, der neue Optionen m\u00f6glich gemacht h\u00e4tte, auch von den Minderheiten gew\u00fcnscht worden war, ist nicht entstanden. Bagdad aber ist fern, der Zentralstaat kaum existent, und wenn, dann ist er schiitisch dominiert. Es sind Milizen, die im Nord-Irak das Geschehen bestimmen, darum rivalisieren, das Machtvakuum zu f\u00fcllen, das durch die Vertreibung des \u201eIS\u201c entstanden ist. Einst im Kampf gegen die Terroristen geeint, sind die Milizen einander heute feind.<\/p>\n\n\n\n Allen voran die \u201eHashd ash-Shaabi\u201c, schiitisch-irakische Milizen, deren Ausbilder und Kommandeure h\u00e4ufig Iraner sind. Bagdad hat die Haschd als regul\u00e4re Kraft im Kampf gegen den \u201eIS\u201c anerkannt \u2013 obwohl Menschenrechts-Organisationen schwere Vorw\u00fcrfe gegen sie erheben. Fest steht: Die schiitischen Milizen halten D\u00f6rfer besetzt, sind in Mosul f\u00fcr ihr herrisches Auftreten und ihre Willk\u00fcr bekannt.<\/p>\n\n\n\n \u201eTats\u00e4chlich sorgen die verschiedenen bewaffneten Gruppen daf\u00fcr, dass die Fl\u00fcchtlinge nicht zur\u00fcckkehren. Und weil sie nicht zur\u00fcckkehren, gibt es auch keinen Wiederaufbau. Die Menschen haben Angst vor den Milizen \u2013 auch davor, dass die einander bek\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n Die \u201eHashd\u201c m\u00fcssten mithin abziehen. Und mit ihnen die anderen Milizen. Das Machtmonopol m\u00fcsste an den Staat gehen. Doch der Irak ist auch Spielball der Regionalm\u00e4chte: Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien. Sie konkurrieren um Einfluss-Sph\u00e4ren, bedienen sich dabei verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Gruppen im Irak. Deswegen werden die Hashd nicht abziehen. Derzeit sind sie von der iranisch-irakischen Grenze im Osten \u00fcber Bagdad bis hoch zur irakisch-syrischen Grenze im Norden postiert. Einheiten Teherans k\u00f6nnten demnach auf dem Landweg vom Iran bis ans Mittelmeer durchmarschieren.<\/p>\n\n\n\n Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":9},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};
\u201eSie haben uns st\u00e4ndig geschlagen. Wir mussten Schie\u00dfen \u00fcben. Zwei meiner Freunde haben sich in die Luft gesprengt. Sie sind zum Training. Doch sie kamen nicht zur\u00fcck. Ich war nicht traurig. Sie wollten sich ja in die Luft sprengen. Die \u201aIS\u2018-Leute hatten es nicht von ihnen verlangt. Sie sind freiwillig gegangen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n Thomas hat heute einen modernen Haarschnitt; der Nacken ist ausrasiert; der lange Pony in die Stirn gek\u00e4mmt. Im Sommer sah er noch anders aus, kurz nachdem Mosul befreit worden war. Bei einem Luftangriff der Anti-\u201eIS\u201c-Koalition wurde Thomas schwer verletzt aus Tr\u00fcmmern geborgen, dann operiert.<\/p>\n\n\n\n Die \u00e4u\u00dferen Wunden sind heute verheilt. Doch wie sieht es aus mit den inneren, den seelischen Verletzungen? Thomas wurde von seiner Familie aufgenommen und bekommt Hilfe. Andere Kinder konnten nicht aufgefangen werden. Bis heute betrachten sie Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c \u2013 so wie es ihnen in der Geiselhaft eingeh\u00e4mmert wurde.<\/p>\n\n\n\n \u201eSie sind eine gro\u00dfe Gefahr f\u00fcr andere Kinder. Sie leben in Lagern, in einem Zelt, auf sechs mal vier Metern, oder noch weniger! Acht Geschwister, sie spielen zusammen, reden, sie indoktrinieren die anderen! Das ist ein Problem, das wir nicht l\u00f6sen k\u00f6nnen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n Sara Hassan ist Sozialarbeiterin. Sie arbeitet in den Lagern, versucht M\u00e4dchen und Frauen, die jahrelang in Geiselhaft vergewaltigt wurden, zu helfen. Unz\u00e4hlige hatte der \u201eIS\u201c einst entf\u00fchrt. Sara arbeitet auch mit den sogenannten \u201eDschihadisten-Kindern\u201c. Sie erz\u00e4hlt, wie \u00fcberfordert alle seien: die Familien, die jesidische Gemeinschaft, die Gesellschaft des Nord-Irak.<\/p>\n\n\n\n \u201eIn einem anderen Fall hat sich die Familie am Ende an die Sicherheitskr\u00e4fte gewandt. Doch die wussten auch nicht, wie sie damit umgehen sollten. Monate lang hat die Familie versucht, den Jungen umzuerziehen, zusammen mit Sozialarbeitern. Aber noch immer sehen wir den Hass in seinen Augen \u2013 gegen\u00fcber Kurden, Christen und Jesiden. Als blicke man in die Augen eines IS-Terroristen. Das ist das Problem.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n Immerhin: Die Jesiden k\u00f6nnen \u00fcber ihre vom \u201eIS\u201c indoktrinierten Kinder sprechen. Denn niemand zweifelt daran, dass sie Opfer der Tyrannei wurden. Bei den sunnitischen Arabern sieht das anders aus. Da sie derselben Religionsgruppe angeh\u00f6ren wie formal auch die Terroristen, stehen sie unter Generalverdacht, mit dem \u201eIS\u201c gemeinsame Sache gemacht zu haben. Sunnitische Araber trauen sich daher nicht, die Probleme ihrer Kinder \u00f6ffentlich zu machen \u2013 auch wenn sie selbst nichts mit dem \u201eIS\u201c zu tun hatten.<\/p>\n\n\n\n Unklar ist, wie viele Kinder und Jugendliche im Irak und in Syrien zu Terroristen ausgebildet wurden, dabei noch in Geiselhaft sind oder bereits als \u201eSchl\u00e4fer\u201c darauf warten, zum Einsatz zu kommen. Sie gleichen \u201etickenden Zeitbomben\u201c, die jederzeit explodieren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n Kamaran Palani spricht davon, dass viele Menschen immer noch gehen wollen, obwohl der \u201eIS\u201c als staats\u00e4hnliches Gebilde nicht mehr besteht. Seine Saat aber, so der Politikwissenschaftler, sei aufgegangen.<\/p>\n\n\n\n \u201eSie wollen einfach nicht in diesem Land bleiben. Der IS hat sie dazu gebracht. Jeder hat heute Angst, dass eine andere Organisation kommen wird, Terroristen, die dasselbe anrichten wie zuvor.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n Palani forscht am \u201eMiddle East Research Institute\u201c, das seinen Sitz in Erbil hat, der Hauptstadt von Irakisch-Kurdistan. <\/p>\n\n\n\n \u201e60 bis 65 Prozent der Christen wollen gehen. Das Gleiche gilt f\u00fcr andere Minderheiten: f\u00fcr Jesiden, Schabaks, Turkmenen, Kakais.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n \u201eWir werden niemals wieder mit den Arabern zusammenleben k\u00f6nnen!\u201c \u2013 ein Satz, der heute h\u00e4ufig im Nord-Irak zu h\u00f6ren ist. Gemeint sind die Iraker, die Sunniten und Araber sind \u2013 die einstmals Nachbarn von Jesiden, Christen und Kurden waren \u2013 mit denen man Handel trieb und Hochzeiten feierte, die auch Freunde waren.<\/p>\n\n\n\n Der Irak ist eine multi-ethnische und multi-religi\u00f6se Gesellschaft, in der die Schiiten die Mehrheit stellen. \u00dcber Jahrhunderte aber hatten die sunnitischen Araber das Sagen, sie missbrauchten die Macht, errichteten ein Schreckensregime \u2013 bis 2003, als Diktator Saddam Hussein von den USA gest\u00fcrzt wurde.<\/p>\n\n\n\n Jetzt wurde der Spie\u00df umgedreht. Die Amerikaner sorgten daf\u00fcr, dass die Sunniten jegliche Machtposition verloren \u2013 so wurde die irakische Armee, wurde die baathistische Partei aufgel\u00f6st \u2013 ohne ein Pendant zu schaffen, das alle integrierte. Und: Washington unterst\u00fctzte Regierungschef Nouri al-Maliki, einen Schiiten. Maliki sah eine historische Chance gekommen, diskriminierte nun seinerseits seine sunnitischen Landsleute, verwehrte ihnen im \u201eNeuen Irak\u201c die Mitsprache. Im Regime Malikis wurden Sunniten inhaftiert, gefoltert und umgebracht.<\/p>\n\n\n\n Was viele in den Widerstand trieb. Einige schlossen sich der Terror-Organisation \u201eAl-Qaida\u201c an, unter ihnen f\u00fchrende Milit\u00e4rs der aufgel\u00f6sten Armee Saddam Husseins \u2013 und aus \u201eAl-Qaida\u201c ging sp\u00e4ter der \u201eIS\u201c hervor.<\/p>\n\n\n\n Als der \u201eIS\u201c dann im Sommer 2014 fast ohne Gegenwehr weite Landstriche in Syrien und im Irak \u00fcberrannte und seinen \u201eStaat\u201c ausrief, sahen auch gew\u00f6hnliche sunnitische Araber einen Wechsel nahen. Viele machten gemeinsame Sache mit den Terroristen, verhinderten die Flucht jesidischer Nachbarn, lieferten sie ihren Schl\u00e4chtern aus. Kamaran Palani:<\/p>\n\n\n\n \u201eIS\u201c-K\u00e4mpfer haben gesagt, es gehe darum, die W\u00fcrde der sunnitischen Araber wiederherzustellen. Ihre Macht. Ihre Geschichte. Tats\u00e4chlich konnten es die Araber nicht hinnehmen, dass sie ins Abseits gedr\u00e4ngt wurden. Und ich denke, dass sie auch in Zukunft so handeln werden. Wann immer sich die Gelegenheit bietet: Sie werden alles hinter sich lassen \u2013 sich nur darauf konzentrieren.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n Misstrauen. Auch bei einem Politikwissenschaftler. Was also tun? Zerst\u00f6rte St\u00e4dte und D\u00f6rfer k\u00f6nnten wieder aufgebaut werden \u2013 wenn denn ein gemeinsamer Wille best\u00fcnde. Doch was, wenn es einen solchen gemeinsamen Willen gar nicht gibt? Wenn Schmerz und Trauer anhalten, wenn die Verbrechen von Terroristen und Helfershelfern nicht geahndet werden, wenn Angst umgeht, Misstrauen und Hass das Miteinander bestimmen.<\/p>\n\n\n\n Kamaran Palani stammt aus der Stadt Makhmour. Drei Tage nur sei der \u201eIS\u201c dort gewesen, sagt er, doch diese Tage h\u00e4tten alles ver\u00e4ndert. Der \u201eIS\u201c habe die Menschen in seiner Heimatstadt verrohen lassen, meint er, das Verh\u00e4ltnis zwischen Kurden und Arabern sei heute tot. Eine R\u00fcckkehr in alte Zeiten h\u00e4lt Palani f\u00fcr falsch.<\/p>\n\n\n\n \u201eIch denke, es w\u00e4re nicht einfach, in das Jahr 2014 \u2013 also in die Zeit vor dem \u201aIS\u2018 \u2013 zur\u00fcckzukehren. Vor allem aber w\u00e4re es nicht die richtige Politik. Denn eben die hat ja erst zum Aufkommen, zur Existenz des \u201aIS\u2018 gef\u00fchrt.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n Die Realit\u00e4t sieht anders aus: Ein Staat Kurdistan, der neue Optionen m\u00f6glich gemacht h\u00e4tte, auch von den Minderheiten gew\u00fcnscht worden war, ist nicht entstanden. Bagdad aber ist fern, der Zentralstaat kaum existent, und wenn, dann ist er schiitisch dominiert. Es sind Milizen, die im Nord-Irak das Geschehen bestimmen, darum rivalisieren, das Machtvakuum zu f\u00fcllen, das durch die Vertreibung des \u201eIS\u201c entstanden ist. Einst im Kampf gegen die Terroristen geeint, sind die Milizen einander heute feind.<\/p>\n\n\n\n Allen voran die \u201eHashd ash-Shaabi\u201c, schiitisch-irakische Milizen, deren Ausbilder und Kommandeure h\u00e4ufig Iraner sind. Bagdad hat die Haschd als regul\u00e4re Kraft im Kampf gegen den \u201eIS\u201c anerkannt \u2013 obwohl Menschenrechts-Organisationen schwere Vorw\u00fcrfe gegen sie erheben. Fest steht: Die schiitischen Milizen halten D\u00f6rfer besetzt, sind in Mosul f\u00fcr ihr herrisches Auftreten und ihre Willk\u00fcr bekannt.<\/p>\n\n\n\n \u201eTats\u00e4chlich sorgen die verschiedenen bewaffneten Gruppen daf\u00fcr, dass die Fl\u00fcchtlinge nicht zur\u00fcckkehren. Und weil sie nicht zur\u00fcckkehren, gibt es auch keinen Wiederaufbau. Die Menschen haben Angst vor den Milizen \u2013 auch davor, dass die einander bek\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n Die \u201eHashd\u201c m\u00fcssten mithin abziehen. Und mit ihnen die anderen Milizen. Das Machtmonopol m\u00fcsste an den Staat gehen. Doch der Irak ist auch Spielball der Regionalm\u00e4chte: Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien. Sie konkurrieren um Einfluss-Sph\u00e4ren, bedienen sich dabei verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Gruppen im Irak. Deswegen werden die Hashd nicht abziehen. Derzeit sind sie von der iranisch-irakischen Grenze im Osten \u00fcber Bagdad bis hoch zur irakisch-syrischen Grenze im Norden postiert. Einheiten Teherans k\u00f6nnten demnach auf dem Landweg vom Iran bis ans Mittelmeer durchmarschieren.<\/p>\n\n\n\n Tats\u00e4chlich ist der Iran bestrebt, in der Region weiter an Einfluss zu gewinnen und scheut daf\u00fcr weder Kosten noch M\u00fchen. Die meisten arabischen Staaten reagieren mit Abwehr. Zu deren Anf\u00fchrer hat sich das K\u00f6nigreich Saudi-Arabien gemacht. K\u00f6nig Salman und Kronprinz Mohammed setzen alles daran, den Erzrivalen Iran zu diskreditieren \u2013 und ihrerseits Einfluss und Macht zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n In ihrem Kampf um die Vormacht bedienen sich die Regionalm\u00e4chte der Rhetorik. Und sie hetzen ihre jeweiligen Stellvertreter milit\u00e4risch aufeinander: Im Jemen. Im Libanon. Und bis vor kurzem in Syrien. Dabei spielen sie die religi\u00f6se Karte: Die schiitische F\u00fchrung in Teheran bedient sich williger Schiiten \u2013 und das sunnitische Riad ebenso williger Sunniten. Dass Teheran und Riad bei ihren Stellvertreter-Konflikten religi\u00f6se Bez\u00fcge herstellen, hat in den Gesellschaften des Nahen Ostens Gr\u00e4ben, die es bereits seit langem gibt, weiter vertieft.<\/p>\n\n\n\n Die Lage im Nahen Osten ist heute nicht minder komplex, nicht minder verfahren als zuvor. Obwohl das staats\u00e4hnliche Gebilde des \u201eIS\u201c zerst\u00f6rt, er selbst milit\u00e4risch empfindlich geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n","post_title":"Die tiefen Narben f\u00fcr Syrien und Irak","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-tiefen-narben-fur-syrien-und-irak","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:40","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:40","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3706","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":9},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};
Thomas musste seinem eigenen, dem jesidischen Glauben abschw\u00f6ren. Weil der \u201eIS\u201c die Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c betrachtet. Und \u201eUngl\u00e4ubige\u201c, so die Auffassung der Terroristen, m\u00fcssen zwangsbekehrt werden. Oder get\u00f6tet. Die Terroristen hatten dementsprechend die Jesiden entweder an Ort und Stelle ermordet, die meisten im Sinjar, im alten Siedlungsgebiet der Jesiden im Nord-Irak. Tausende. 47 Massengr\u00e4ber sollen mittlerweile gefunden worden sein. Oder aber die Terroristen lie\u00dfen die Jesiden am Leben und nahmen sie in Geiselhaft. Sie machten aus ihnen Sexsklavinnen oder sie bildeten sie aus \u2013 zu Selbstmordattent\u00e4tern. Wie Thomas.<\/p>\n\n\n\n \u201eSie haben uns st\u00e4ndig geschlagen. Wir mussten Schie\u00dfen \u00fcben. Zwei meiner Freunde haben sich in die Luft gesprengt. Sie sind zum Training. Doch sie kamen nicht zur\u00fcck. Ich war nicht traurig. Sie wollten sich ja in die Luft sprengen. Die \u201aIS\u2018-Leute hatten es nicht von ihnen verlangt. Sie sind freiwillig gegangen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n Thomas hat heute einen modernen Haarschnitt; der Nacken ist ausrasiert; der lange Pony in die Stirn gek\u00e4mmt. Im Sommer sah er noch anders aus, kurz nachdem Mosul befreit worden war. Bei einem Luftangriff der Anti-\u201eIS\u201c-Koalition wurde Thomas schwer verletzt aus Tr\u00fcmmern geborgen, dann operiert.<\/p>\n\n\n\n Die \u00e4u\u00dferen Wunden sind heute verheilt. Doch wie sieht es aus mit den inneren, den seelischen Verletzungen? Thomas wurde von seiner Familie aufgenommen und bekommt Hilfe. Andere Kinder konnten nicht aufgefangen werden. Bis heute betrachten sie Jesiden als \u201eUngl\u00e4ubige\u201c \u2013 so wie es ihnen in der Geiselhaft eingeh\u00e4mmert wurde.<\/p>\n\n\n\n \u201eSie sind eine gro\u00dfe Gefahr f\u00fcr andere Kinder. Sie leben in Lagern, in einem Zelt, auf sechs mal vier Metern, oder noch weniger! Acht Geschwister, sie spielen zusammen, reden, sie indoktrinieren die anderen! Das ist ein Problem, das wir nicht l\u00f6sen k\u00f6nnen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n Sara Hassan ist Sozialarbeiterin. Sie arbeitet in den Lagern, versucht M\u00e4dchen und Frauen, die jahrelang in Geiselhaft vergewaltigt wurden, zu helfen. Unz\u00e4hlige hatte der \u201eIS\u201c einst entf\u00fchrt. Sara arbeitet auch mit den sogenannten \u201eDschihadisten-Kindern\u201c. Sie erz\u00e4hlt, wie \u00fcberfordert alle seien: die Familien, die jesidische Gemeinschaft, die Gesellschaft des Nord-Irak.<\/p>\n\n\n\n \u201eIn einem anderen Fall hat sich die Familie am Ende an die Sicherheitskr\u00e4fte gewandt. Doch die wussten auch nicht, wie sie damit umgehen sollten. Monate lang hat die Familie versucht, den Jungen umzuerziehen, zusammen mit Sozialarbeitern. Aber noch immer sehen wir den Hass in seinen Augen \u2013 gegen\u00fcber Kurden, Christen und Jesiden. Als blicke man in die Augen eines IS-Terroristen. Das ist das Problem.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n Immerhin: Die Jesiden k\u00f6nnen \u00fcber ihre vom \u201eIS\u201c indoktrinierten Kinder sprechen. Denn niemand zweifelt daran, dass sie Opfer der Tyrannei wurden. Bei den sunnitischen Arabern sieht das anders aus. Da sie derselben Religionsgruppe angeh\u00f6ren wie formal auch die Terroristen, stehen sie unter Generalverdacht, mit dem \u201eIS\u201c gemeinsame Sache gemacht zu haben. Sunnitische Araber trauen sich daher nicht, die Probleme ihrer Kinder \u00f6ffentlich zu machen \u2013 auch wenn sie selbst nichts mit dem \u201eIS\u201c zu tun hatten.<\/p>\n\n\n\n Unklar ist, wie viele Kinder und Jugendliche im Irak und in Syrien zu Terroristen ausgebildet wurden, dabei noch in Geiselhaft sind oder bereits als \u201eSchl\u00e4fer\u201c darauf warten, zum Einsatz zu kommen. Sie gleichen \u201etickenden Zeitbomben\u201c, die jederzeit explodieren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n Kamaran Palani spricht davon, dass viele Menschen immer noch gehen wollen, obwohl der \u201eIS\u201c als staats\u00e4hnliches Gebilde nicht mehr besteht. Seine Saat aber, so der Politikwissenschaftler, sei aufgegangen.<\/p>\n\n\n\n \u201eSie wollen einfach nicht in diesem Land bleiben. Der IS hat sie dazu gebracht. Jeder hat heute Angst, dass eine andere Organisation kommen wird, Terroristen, die dasselbe anrichten wie zuvor.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n Palani forscht am \u201eMiddle East Research Institute\u201c, das seinen Sitz in Erbil hat, der Hauptstadt von Irakisch-Kurdistan. <\/p>\n\n\n\n \u201e60 bis 65 Prozent der Christen wollen gehen. Das Gleiche gilt f\u00fcr andere Minderheiten: f\u00fcr Jesiden, Schabaks, Turkmenen, Kakais.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n \u201eWir werden niemals wieder mit den Arabern zusammenleben k\u00f6nnen!\u201c \u2013 ein Satz, der heute h\u00e4ufig im Nord-Irak zu h\u00f6ren ist. Gemeint sind die Iraker, die Sunniten und Araber sind \u2013 die einstmals Nachbarn von Jesiden, Christen und Kurden waren \u2013 mit denen man Handel trieb und Hochzeiten feierte, die auch Freunde waren.<\/p>\n\n\n\n Der Irak ist eine multi-ethnische und multi-religi\u00f6se Gesellschaft, in der die Schiiten die Mehrheit stellen. \u00dcber Jahrhunderte aber hatten die sunnitischen Araber das Sagen, sie missbrauchten die Macht, errichteten ein Schreckensregime \u2013 bis 2003, als Diktator Saddam Hussein von den USA gest\u00fcrzt wurde.<\/p>\n\n\n\n Jetzt wurde der Spie\u00df umgedreht. Die Amerikaner sorgten daf\u00fcr, dass die Sunniten jegliche Machtposition verloren \u2013 so wurde die irakische Armee, wurde die baathistische Partei aufgel\u00f6st \u2013 ohne ein Pendant zu schaffen, das alle integrierte. Und: Washington unterst\u00fctzte Regierungschef Nouri al-Maliki, einen Schiiten. Maliki sah eine historische Chance gekommen, diskriminierte nun seinerseits seine sunnitischen Landsleute, verwehrte ihnen im \u201eNeuen Irak\u201c die Mitsprache. Im Regime Malikis wurden Sunniten inhaftiert, gefoltert und umgebracht.<\/p>\n\n\n\n Was viele in den Widerstand trieb. Einige schlossen sich der Terror-Organisation \u201eAl-Qaida\u201c an, unter ihnen f\u00fchrende Milit\u00e4rs der aufgel\u00f6sten Armee Saddam Husseins \u2013 und aus \u201eAl-Qaida\u201c ging sp\u00e4ter der \u201eIS\u201c hervor.<\/p>\n\n\n\n Als der \u201eIS\u201c dann im Sommer 2014 fast ohne Gegenwehr weite Landstriche in Syrien und im Irak \u00fcberrannte und seinen \u201eStaat\u201c ausrief, sahen auch gew\u00f6hnliche sunnitische Araber einen Wechsel nahen. Viele machten gemeinsame Sache mit den Terroristen, verhinderten die Flucht jesidischer Nachbarn, lieferten sie ihren Schl\u00e4chtern aus. Kamaran Palani:<\/p>\n\n\n\nIran und Saudi-Arabien wollen Macht vergr\u00f6\u00dfern<\/h2>\n\n\n\n
Iran und Saudi-Arabien wollen Macht vergr\u00f6\u00dfern<\/h2>\n\n\n\n
Iran und Saudi-Arabien wollen Macht vergr\u00f6\u00dfern<\/h2>\n\n\n\n
Machtmonopol m\u00fcsste von Milizen zum Staat gehen<\/h2>\n\n\n\n
Iran und Saudi-Arabien wollen Macht vergr\u00f6\u00dfern<\/h2>\n\n\n\n
Wie also in Ruinen Neues schaffen? Der Staat muss das Gewaltmonopol zur\u00fcckerlangen, fordert der Politikwissenschaftler. F\u00fcr ihn steht das an erster Stelle. Und dann m\u00fcsse der Staat dringend einen Kurswechsel vornehmen: Er m\u00fcsse integrativ wirken, alle einbinden, auch die Araber, in Sicherheitskr\u00e4fte, Verwaltung und Politik.<\/p>\n\n\n\nMachtmonopol m\u00fcsste von Milizen zum Staat gehen<\/h2>\n\n\n\n
Iran und Saudi-Arabien wollen Macht vergr\u00f6\u00dfern<\/h2>\n\n\n\n
Wie also in Ruinen Neues schaffen? Der Staat muss das Gewaltmonopol zur\u00fcckerlangen, fordert der Politikwissenschaftler. F\u00fcr ihn steht das an erster Stelle. Und dann m\u00fcsse der Staat dringend einen Kurswechsel vornehmen: Er m\u00fcsse integrativ wirken, alle einbinden, auch die Araber, in Sicherheitskr\u00e4fte, Verwaltung und Politik.<\/p>\n\n\n\nMachtmonopol m\u00fcsste von Milizen zum Staat gehen<\/h2>\n\n\n\n
Iran und Saudi-Arabien wollen Macht vergr\u00f6\u00dfern<\/h2>\n\n\n\n
Wie also in Ruinen Neues schaffen? Der Staat muss das Gewaltmonopol zur\u00fcckerlangen, fordert der Politikwissenschaftler. F\u00fcr ihn steht das an erster Stelle. Und dann m\u00fcsse der Staat dringend einen Kurswechsel vornehmen: Er m\u00fcsse integrativ wirken, alle einbinden, auch die Araber, in Sicherheitskr\u00e4fte, Verwaltung und Politik.<\/p>\n\n\n\nMachtmonopol m\u00fcsste von Milizen zum Staat gehen<\/h2>\n\n\n\n
Iran und Saudi-Arabien wollen Macht vergr\u00f6\u00dfern<\/h2>\n\n\n\n
Soldaten in der irakischen Stadt Sindschar nach der R\u00fcckeroberung von der IS-Miliz Ende 2015. (dpa \/ MAXPPP \/ Arnaud Dumontier)<\/p>\n\n\n\n
Wie also in Ruinen Neues schaffen? Der Staat muss das Gewaltmonopol zur\u00fcckerlangen, fordert der Politikwissenschaftler. F\u00fcr ihn steht das an erster Stelle. Und dann m\u00fcsse der Staat dringend einen Kurswechsel vornehmen: Er m\u00fcsse integrativ wirken, alle einbinden, auch die Araber, in Sicherheitskr\u00e4fte, Verwaltung und Politik.<\/p>\n\n\n\nMachtmonopol m\u00fcsste von Milizen zum Staat gehen<\/h2>\n\n\n\n
Iran und Saudi-Arabien wollen Macht vergr\u00f6\u00dfern<\/h2>\n\n\n\n
Soldaten in der irakischen Stadt Sindschar nach der R\u00fcckeroberung von der IS-Miliz Ende 2015. (dpa \/ MAXPPP \/ Arnaud Dumontier)<\/p>\n\n\n\n
Wie also in Ruinen Neues schaffen? Der Staat muss das Gewaltmonopol zur\u00fcckerlangen, fordert der Politikwissenschaftler. F\u00fcr ihn steht das an erster Stelle. Und dann m\u00fcsse der Staat dringend einen Kurswechsel vornehmen: Er m\u00fcsse integrativ wirken, alle einbinden, auch die Araber, in Sicherheitskr\u00e4fte, Verwaltung und Politik.<\/p>\n\n\n\nMachtmonopol m\u00fcsste von Milizen zum Staat gehen<\/h2>\n\n\n\n
Iran und Saudi-Arabien wollen Macht vergr\u00f6\u00dfern<\/h2>\n\n\n\n
Soldaten in der irakischen Stadt Sindschar nach der R\u00fcckeroberung von der IS-Miliz Ende 2015. (dpa \/ MAXPPP \/ Arnaud Dumontier)<\/p>\n\n\n\n
Wie also in Ruinen Neues schaffen? Der Staat muss das Gewaltmonopol zur\u00fcckerlangen, fordert der Politikwissenschaftler. F\u00fcr ihn steht das an erster Stelle. Und dann m\u00fcsse der Staat dringend einen Kurswechsel vornehmen: Er m\u00fcsse integrativ wirken, alle einbinden, auch die Araber, in Sicherheitskr\u00e4fte, Verwaltung und Politik.<\/p>\n\n\n\nMachtmonopol m\u00fcsste von Milizen zum Staat gehen<\/h2>\n\n\n\n
Iran und Saudi-Arabien wollen Macht vergr\u00f6\u00dfern<\/h2>\n\n\n\n
Soldaten in der irakischen Stadt Sindschar nach der R\u00fcckeroberung von der IS-Miliz Ende 2015. (dpa \/ MAXPPP \/ Arnaud Dumontier)<\/p>\n\n\n\n
Wie also in Ruinen Neues schaffen? Der Staat muss das Gewaltmonopol zur\u00fcckerlangen, fordert der Politikwissenschaftler. F\u00fcr ihn steht das an erster Stelle. Und dann m\u00fcsse der Staat dringend einen Kurswechsel vornehmen: Er m\u00fcsse integrativ wirken, alle einbinden, auch die Araber, in Sicherheitskr\u00e4fte, Verwaltung und Politik.<\/p>\n\n\n\nMachtmonopol m\u00fcsste von Milizen zum Staat gehen<\/h2>\n\n\n\n
Iran und Saudi-Arabien wollen Macht vergr\u00f6\u00dfern<\/h2>\n\n\n\n
Soldaten in der irakischen Stadt Sindschar nach der R\u00fcckeroberung von der IS-Miliz Ende 2015. (dpa \/ MAXPPP \/ Arnaud Dumontier)<\/p>\n\n\n\n
Wie also in Ruinen Neues schaffen? Der Staat muss das Gewaltmonopol zur\u00fcckerlangen, fordert der Politikwissenschaftler. F\u00fcr ihn steht das an erster Stelle. Und dann m\u00fcsse der Staat dringend einen Kurswechsel vornehmen: Er m\u00fcsse integrativ wirken, alle einbinden, auch die Araber, in Sicherheitskr\u00e4fte, Verwaltung und Politik.<\/p>\n\n\n\nMachtmonopol m\u00fcsste von Milizen zum Staat gehen<\/h2>\n\n\n\n
Iran und Saudi-Arabien wollen Macht vergr\u00f6\u00dfern<\/h2>\n\n\n\n
Soldaten in der irakischen Stadt Sindschar nach der R\u00fcckeroberung von der IS-Miliz Ende 2015. (dpa \/ MAXPPP \/ Arnaud Dumontier)<\/p>\n\n\n\n
Wie also in Ruinen Neues schaffen? Der Staat muss das Gewaltmonopol zur\u00fcckerlangen, fordert der Politikwissenschaftler. F\u00fcr ihn steht das an erster Stelle. Und dann m\u00fcsse der Staat dringend einen Kurswechsel vornehmen: Er m\u00fcsse integrativ wirken, alle einbinden, auch die Araber, in Sicherheitskr\u00e4fte, Verwaltung und Politik.<\/p>\n\n\n\nMachtmonopol m\u00fcsste von Milizen zum Staat gehen<\/h2>\n\n\n\n
Iran und Saudi-Arabien wollen Macht vergr\u00f6\u00dfern<\/h2>\n\n\n\n
\u201eIS\u201c entstand aus Widerstand gegen Schiiten-Herrschaft<\/h2>\n\n\n\n
Soldaten in der irakischen Stadt Sindschar nach der R\u00fcckeroberung von der IS-Miliz Ende 2015. (dpa \/ MAXPPP \/ Arnaud Dumontier)<\/p>\n\n\n\n
Wie also in Ruinen Neues schaffen? Der Staat muss das Gewaltmonopol zur\u00fcckerlangen, fordert der Politikwissenschaftler. F\u00fcr ihn steht das an erster Stelle. Und dann m\u00fcsse der Staat dringend einen Kurswechsel vornehmen: Er m\u00fcsse integrativ wirken, alle einbinden, auch die Araber, in Sicherheitskr\u00e4fte, Verwaltung und Politik.<\/p>\n\n\n\nMachtmonopol m\u00fcsste von Milizen zum Staat gehen<\/h2>\n\n\n\n
Iran und Saudi-Arabien wollen Macht vergr\u00f6\u00dfern<\/h2>\n\n\n\n
\u201eIS\u201c entstand aus Widerstand gegen Schiiten-Herrschaft<\/h2>\n\n\n\n
Soldaten in der irakischen Stadt Sindschar nach der R\u00fcckeroberung von der IS-Miliz Ende 2015. (dpa \/ MAXPPP \/ Arnaud Dumontier)<\/p>\n\n\n\n
Wie also in Ruinen Neues schaffen? Der Staat muss das Gewaltmonopol zur\u00fcckerlangen, fordert der Politikwissenschaftler. F\u00fcr ihn steht das an erster Stelle. Und dann m\u00fcsse der Staat dringend einen Kurswechsel vornehmen: Er m\u00fcsse integrativ wirken, alle einbinden, auch die Araber, in Sicherheitskr\u00e4fte, Verwaltung und Politik.<\/p>\n\n\n\nMachtmonopol m\u00fcsste von Milizen zum Staat gehen<\/h2>\n\n\n\n
Iran und Saudi-Arabien wollen Macht vergr\u00f6\u00dfern<\/h2>\n\n\n\n
\u201eIS\u201c entstand aus Widerstand gegen Schiiten-Herrschaft<\/h2>\n\n\n\n
Soldaten in der irakischen Stadt Sindschar nach der R\u00fcckeroberung von der IS-Miliz Ende 2015. (dpa \/ MAXPPP \/ Arnaud Dumontier)<\/p>\n\n\n\n
Wie also in Ruinen Neues schaffen? Der Staat muss das Gewaltmonopol zur\u00fcckerlangen, fordert der Politikwissenschaftler. F\u00fcr ihn steht das an erster Stelle. Und dann m\u00fcsse der Staat dringend einen Kurswechsel vornehmen: Er m\u00fcsse integrativ wirken, alle einbinden, auch die Araber, in Sicherheitskr\u00e4fte, Verwaltung und Politik.<\/p>\n\n\n\nMachtmonopol m\u00fcsste von Milizen zum Staat gehen<\/h2>\n\n\n\n
Iran und Saudi-Arabien wollen Macht vergr\u00f6\u00dfern<\/h2>\n\n\n\n
\u201eIS\u201c entstand aus Widerstand gegen Schiiten-Herrschaft<\/h2>\n\n\n\n
Soldaten in der irakischen Stadt Sindschar nach der R\u00fcckeroberung von der IS-Miliz Ende 2015. (dpa \/ MAXPPP \/ Arnaud Dumontier)<\/p>\n\n\n\n
Wie also in Ruinen Neues schaffen? Der Staat muss das Gewaltmonopol zur\u00fcckerlangen, fordert der Politikwissenschaftler. F\u00fcr ihn steht das an erster Stelle. Und dann m\u00fcsse der Staat dringend einen Kurswechsel vornehmen: Er m\u00fcsse integrativ wirken, alle einbinden, auch die Araber, in Sicherheitskr\u00e4fte, Verwaltung und Politik.<\/p>\n\n\n\nMachtmonopol m\u00fcsste von Milizen zum Staat gehen<\/h2>\n\n\n\n
Iran und Saudi-Arabien wollen Macht vergr\u00f6\u00dfern<\/h2>\n\n\n\n
\u201eIS\u201c entstand aus Widerstand gegen Schiiten-Herrschaft<\/h2>\n\n\n\n
Soldaten in der irakischen Stadt Sindschar nach der R\u00fcckeroberung von der IS-Miliz Ende 2015. (dpa \/ MAXPPP \/ Arnaud Dumontier)<\/p>\n\n\n\n
Wie also in Ruinen Neues schaffen? Der Staat muss das Gewaltmonopol zur\u00fcckerlangen, fordert der Politikwissenschaftler. F\u00fcr ihn steht das an erster Stelle. Und dann m\u00fcsse der Staat dringend einen Kurswechsel vornehmen: Er m\u00fcsse integrativ wirken, alle einbinden, auch die Araber, in Sicherheitskr\u00e4fte, Verwaltung und Politik.<\/p>\n\n\n\nMachtmonopol m\u00fcsste von Milizen zum Staat gehen<\/h2>\n\n\n\n
Iran und Saudi-Arabien wollen Macht vergr\u00f6\u00dfern<\/h2>\n\n\n\n
\u201eIS\u201c entstand aus Widerstand gegen Schiiten-Herrschaft<\/h2>\n\n\n\n
Soldaten in der irakischen Stadt Sindschar nach der R\u00fcckeroberung von der IS-Miliz Ende 2015. (dpa \/ MAXPPP \/ Arnaud Dumontier)<\/p>\n\n\n\n
Wie also in Ruinen Neues schaffen? Der Staat muss das Gewaltmonopol zur\u00fcckerlangen, fordert der Politikwissenschaftler. F\u00fcr ihn steht das an erster Stelle. Und dann m\u00fcsse der Staat dringend einen Kurswechsel vornehmen: Er m\u00fcsse integrativ wirken, alle einbinden, auch die Araber, in Sicherheitskr\u00e4fte, Verwaltung und Politik.<\/p>\n\n\n\nMachtmonopol m\u00fcsste von Milizen zum Staat gehen<\/h2>\n\n\n\n
Iran und Saudi-Arabien wollen Macht vergr\u00f6\u00dfern<\/h2>\n\n\n\n
\u201eIS\u201c entstand aus Widerstand gegen Schiiten-Herrschaft<\/h2>\n\n\n\n
Soldaten in der irakischen Stadt Sindschar nach der R\u00fcckeroberung von der IS-Miliz Ende 2015. (dpa \/ MAXPPP \/ Arnaud Dumontier)<\/p>\n\n\n\n
Wie also in Ruinen Neues schaffen? Der Staat muss das Gewaltmonopol zur\u00fcckerlangen, fordert der Politikwissenschaftler. F\u00fcr ihn steht das an erster Stelle. Und dann m\u00fcsse der Staat dringend einen Kurswechsel vornehmen: Er m\u00fcsse integrativ wirken, alle einbinden, auch die Araber, in Sicherheitskr\u00e4fte, Verwaltung und Politik.<\/p>\n\n\n\nMachtmonopol m\u00fcsste von Milizen zum Staat gehen<\/h2>\n\n\n\n
Iran und Saudi-Arabien wollen Macht vergr\u00f6\u00dfern<\/h2>\n\n\n\n
Minderheiten haben Angst vor \u201eIS\u201c-Nachfolgern<\/h2>\n\n\n\n
\u201eIS\u201c entstand aus Widerstand gegen Schiiten-Herrschaft<\/h2>\n\n\n\n
Soldaten in der irakischen Stadt Sindschar nach der R\u00fcckeroberung von der IS-Miliz Ende 2015. (dpa \/ MAXPPP \/ Arnaud Dumontier)<\/p>\n\n\n\n
Wie also in Ruinen Neues schaffen? Der Staat muss das Gewaltmonopol zur\u00fcckerlangen, fordert der Politikwissenschaftler. F\u00fcr ihn steht das an erster Stelle. Und dann m\u00fcsse der Staat dringend einen Kurswechsel vornehmen: Er m\u00fcsse integrativ wirken, alle einbinden, auch die Araber, in Sicherheitskr\u00e4fte, Verwaltung und Politik.<\/p>\n\n\n\nMachtmonopol m\u00fcsste von Milizen zum Staat gehen<\/h2>\n\n\n\n
Iran und Saudi-Arabien wollen Macht vergr\u00f6\u00dfern<\/h2>\n\n\n\n
Minderheiten haben Angst vor \u201eIS\u201c-Nachfolgern<\/h2>\n\n\n\n
\u201eIS\u201c entstand aus Widerstand gegen Schiiten-Herrschaft<\/h2>\n\n\n\n
Soldaten in der irakischen Stadt Sindschar nach der R\u00fcckeroberung von der IS-Miliz Ende 2015. (dpa \/ MAXPPP \/ Arnaud Dumontier)<\/p>\n\n\n\n
Wie also in Ruinen Neues schaffen? Der Staat muss das Gewaltmonopol zur\u00fcckerlangen, fordert der Politikwissenschaftler. F\u00fcr ihn steht das an erster Stelle. Und dann m\u00fcsse der Staat dringend einen Kurswechsel vornehmen: Er m\u00fcsse integrativ wirken, alle einbinden, auch die Araber, in Sicherheitskr\u00e4fte, Verwaltung und Politik.<\/p>\n\n\n\nMachtmonopol m\u00fcsste von Milizen zum Staat gehen<\/h2>\n\n\n\n
Iran und Saudi-Arabien wollen Macht vergr\u00f6\u00dfern<\/h2>\n\n\n\n
Minderheiten haben Angst vor \u201eIS\u201c-Nachfolgern<\/h2>\n\n\n\n
\u201eIS\u201c entstand aus Widerstand gegen Schiiten-Herrschaft<\/h2>\n\n\n\n
Soldaten in der irakischen Stadt Sindschar nach der R\u00fcckeroberung von der IS-Miliz Ende 2015. (dpa \/ MAXPPP \/ Arnaud Dumontier)<\/p>\n\n\n\n
Wie also in Ruinen Neues schaffen? Der Staat muss das Gewaltmonopol zur\u00fcckerlangen, fordert der Politikwissenschaftler. F\u00fcr ihn steht das an erster Stelle. Und dann m\u00fcsse der Staat dringend einen Kurswechsel vornehmen: Er m\u00fcsse integrativ wirken, alle einbinden, auch die Araber, in Sicherheitskr\u00e4fte, Verwaltung und Politik.<\/p>\n\n\n\nMachtmonopol m\u00fcsste von Milizen zum Staat gehen<\/h2>\n\n\n\n
Iran und Saudi-Arabien wollen Macht vergr\u00f6\u00dfern<\/h2>\n\n\n\n
Minderheiten haben Angst vor \u201eIS\u201c-Nachfolgern<\/h2>\n\n\n\n
\u201eIS\u201c entstand aus Widerstand gegen Schiiten-Herrschaft<\/h2>\n\n\n\n
Soldaten in der irakischen Stadt Sindschar nach der R\u00fcckeroberung von der IS-Miliz Ende 2015. (dpa \/ MAXPPP \/ Arnaud Dumontier)<\/p>\n\n\n\n
Wie also in Ruinen Neues schaffen? Der Staat muss das Gewaltmonopol zur\u00fcckerlangen, fordert der Politikwissenschaftler. F\u00fcr ihn steht das an erster Stelle. Und dann m\u00fcsse der Staat dringend einen Kurswechsel vornehmen: Er m\u00fcsse integrativ wirken, alle einbinden, auch die Araber, in Sicherheitskr\u00e4fte, Verwaltung und Politik.<\/p>\n\n\n\nMachtmonopol m\u00fcsste von Milizen zum Staat gehen<\/h2>\n\n\n\n
Iran und Saudi-Arabien wollen Macht vergr\u00f6\u00dfern<\/h2>\n\n\n\n
Minderheiten haben Angst vor \u201eIS\u201c-Nachfolgern<\/h2>\n\n\n\n
\u201eIS\u201c entstand aus Widerstand gegen Schiiten-Herrschaft<\/h2>\n\n\n\n
Soldaten in der irakischen Stadt Sindschar nach der R\u00fcckeroberung von der IS-Miliz Ende 2015. (dpa \/ MAXPPP \/ Arnaud Dumontier)<\/p>\n\n\n\n
Wie also in Ruinen Neues schaffen? Der Staat muss das Gewaltmonopol zur\u00fcckerlangen, fordert der Politikwissenschaftler. F\u00fcr ihn steht das an erster Stelle. Und dann m\u00fcsse der Staat dringend einen Kurswechsel vornehmen: Er m\u00fcsse integrativ wirken, alle einbinden, auch die Araber, in Sicherheitskr\u00e4fte, Verwaltung und Politik.<\/p>\n\n\n\nMachtmonopol m\u00fcsste von Milizen zum Staat gehen<\/h2>\n\n\n\n
Iran und Saudi-Arabien wollen Macht vergr\u00f6\u00dfern<\/h2>\n\n\n\n
Minderheiten haben Angst vor \u201eIS\u201c-Nachfolgern<\/h2>\n\n\n\n
\u201eIS\u201c entstand aus Widerstand gegen Schiiten-Herrschaft<\/h2>\n\n\n\n
Soldaten in der irakischen Stadt Sindschar nach der R\u00fcckeroberung von der IS-Miliz Ende 2015. (dpa \/ MAXPPP \/ Arnaud Dumontier)<\/p>\n\n\n\n
Wie also in Ruinen Neues schaffen? Der Staat muss das Gewaltmonopol zur\u00fcckerlangen, fordert der Politikwissenschaftler. F\u00fcr ihn steht das an erster Stelle. Und dann m\u00fcsse der Staat dringend einen Kurswechsel vornehmen: Er m\u00fcsse integrativ wirken, alle einbinden, auch die Araber, in Sicherheitskr\u00e4fte, Verwaltung und Politik.<\/p>\n\n\n\nMachtmonopol m\u00fcsste von Milizen zum Staat gehen<\/h2>\n\n\n\n
Iran und Saudi-Arabien wollen Macht vergr\u00f6\u00dfern<\/h2>\n\n\n\n
Minderheiten haben Angst vor \u201eIS\u201c-Nachfolgern<\/h2>\n\n\n\n
\u201eIS\u201c entstand aus Widerstand gegen Schiiten-Herrschaft<\/h2>\n\n\n\n
Soldaten in der irakischen Stadt Sindschar nach der R\u00fcckeroberung von der IS-Miliz Ende 2015. (dpa \/ MAXPPP \/ Arnaud Dumontier)<\/p>\n\n\n\n
Wie also in Ruinen Neues schaffen? Der Staat muss das Gewaltmonopol zur\u00fcckerlangen, fordert der Politikwissenschaftler. F\u00fcr ihn steht das an erster Stelle. Und dann m\u00fcsse der Staat dringend einen Kurswechsel vornehmen: Er m\u00fcsse integrativ wirken, alle einbinden, auch die Araber, in Sicherheitskr\u00e4fte, Verwaltung und Politik.<\/p>\n\n\n\nMachtmonopol m\u00fcsste von Milizen zum Staat gehen<\/h2>\n\n\n\n
Iran und Saudi-Arabien wollen Macht vergr\u00f6\u00dfern<\/h2>\n\n\n\n
Arbeit mit \u201eDschihadisten-Kindern\u201c<\/h2>\n\n\n\n
Minderheiten haben Angst vor \u201eIS\u201c-Nachfolgern<\/h2>\n\n\n\n
\u201eIS\u201c entstand aus Widerstand gegen Schiiten-Herrschaft<\/h2>\n\n\n\n
Soldaten in der irakischen Stadt Sindschar nach der R\u00fcckeroberung von der IS-Miliz Ende 2015. (dpa \/ MAXPPP \/ Arnaud Dumontier)<\/p>\n\n\n\n
Wie also in Ruinen Neues schaffen? Der Staat muss das Gewaltmonopol zur\u00fcckerlangen, fordert der Politikwissenschaftler. F\u00fcr ihn steht das an erster Stelle. Und dann m\u00fcsse der Staat dringend einen Kurswechsel vornehmen: Er m\u00fcsse integrativ wirken, alle einbinden, auch die Araber, in Sicherheitskr\u00e4fte, Verwaltung und Politik.<\/p>\n\n\n\nMachtmonopol m\u00fcsste von Milizen zum Staat gehen<\/h2>\n\n\n\n
Iran und Saudi-Arabien wollen Macht vergr\u00f6\u00dfern<\/h2>\n\n\n\n
Thomas erholt sich von drei Jahren IS-Gefangenschaft. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\nArbeit mit \u201eDschihadisten-Kindern\u201c<\/h2>\n\n\n\n
Minderheiten haben Angst vor \u201eIS\u201c-Nachfolgern<\/h2>\n\n\n\n
\u201eIS\u201c entstand aus Widerstand gegen Schiiten-Herrschaft<\/h2>\n\n\n\n
Soldaten in der irakischen Stadt Sindschar nach der R\u00fcckeroberung von der IS-Miliz Ende 2015. (dpa \/ MAXPPP \/ Arnaud Dumontier)<\/p>\n\n\n\n
Wie also in Ruinen Neues schaffen? Der Staat muss das Gewaltmonopol zur\u00fcckerlangen, fordert der Politikwissenschaftler. F\u00fcr ihn steht das an erster Stelle. Und dann m\u00fcsse der Staat dringend einen Kurswechsel vornehmen: Er m\u00fcsse integrativ wirken, alle einbinden, auch die Araber, in Sicherheitskr\u00e4fte, Verwaltung und Politik.<\/p>\n\n\n\nMachtmonopol m\u00fcsste von Milizen zum Staat gehen<\/h2>\n\n\n\n
Iran und Saudi-Arabien wollen Macht vergr\u00f6\u00dfern<\/h2>\n\n\n\n
Thomas erholt sich von drei Jahren IS-Gefangenschaft. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\nArbeit mit \u201eDschihadisten-Kindern\u201c<\/h2>\n\n\n\n
Minderheiten haben Angst vor \u201eIS\u201c-Nachfolgern<\/h2>\n\n\n\n
\u201eIS\u201c entstand aus Widerstand gegen Schiiten-Herrschaft<\/h2>\n\n\n\n
Soldaten in der irakischen Stadt Sindschar nach der R\u00fcckeroberung von der IS-Miliz Ende 2015. (dpa \/ MAXPPP \/ Arnaud Dumontier)<\/p>\n\n\n\n
Wie also in Ruinen Neues schaffen? Der Staat muss das Gewaltmonopol zur\u00fcckerlangen, fordert der Politikwissenschaftler. F\u00fcr ihn steht das an erster Stelle. Und dann m\u00fcsse der Staat dringend einen Kurswechsel vornehmen: Er m\u00fcsse integrativ wirken, alle einbinden, auch die Araber, in Sicherheitskr\u00e4fte, Verwaltung und Politik.<\/p>\n\n\n\nMachtmonopol m\u00fcsste von Milizen zum Staat gehen<\/h2>\n\n\n\n
Iran und Saudi-Arabien wollen Macht vergr\u00f6\u00dfern<\/h2>\n\n\n\n
Thomas erholt sich von drei Jahren IS-Gefangenschaft. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\nArbeit mit \u201eDschihadisten-Kindern\u201c<\/h2>\n\n\n\n
Minderheiten haben Angst vor \u201eIS\u201c-Nachfolgern<\/h2>\n\n\n\n
\u201eIS\u201c entstand aus Widerstand gegen Schiiten-Herrschaft<\/h2>\n\n\n\n
Soldaten in der irakischen Stadt Sindschar nach der R\u00fcckeroberung von der IS-Miliz Ende 2015. (dpa \/ MAXPPP \/ Arnaud Dumontier)<\/p>\n\n\n\n
Wie also in Ruinen Neues schaffen? Der Staat muss das Gewaltmonopol zur\u00fcckerlangen, fordert der Politikwissenschaftler. F\u00fcr ihn steht das an erster Stelle. Und dann m\u00fcsse der Staat dringend einen Kurswechsel vornehmen: Er m\u00fcsse integrativ wirken, alle einbinden, auch die Araber, in Sicherheitskr\u00e4fte, Verwaltung und Politik.<\/p>\n\n\n\nMachtmonopol m\u00fcsste von Milizen zum Staat gehen<\/h2>\n\n\n\n
Iran und Saudi-Arabien wollen Macht vergr\u00f6\u00dfern<\/h2>\n\n\n\n
Thomas erholt sich von drei Jahren IS-Gefangenschaft. (Bj\u00f6rn Blaschke)<\/p>\n\n\n\nArbeit mit \u201eDschihadisten-Kindern\u201c<\/h2>\n\n\n\n
Minderheiten haben Angst vor \u201eIS\u201c-Nachfolgern<\/h2>\n\n\n\n
\u201eIS\u201c entstand aus Widerstand gegen Schiiten-Herrschaft<\/h2>\n\n\n\n