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Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

Source<\/a><\/p>\n","post_title":"Warum Afghanen in Syrien f\u00fcr Assad k\u00e4mpfen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"warum-afghanen-in-syrien-fur-assad-kampfen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3709","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":9},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

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\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

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Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

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Den Kontakt zu seinem Vater hat der Afghane mittlerweile verloren. W\u00e4hrenddessen schickt ihm sein Onkel, der in Aleppo stationiert ist, hin und wieder Bilder \u00fcber den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ali denkt, dass nur sehr wenige Afghanen der Propaganda der iranischen Regierung glauben und in Syrien f\u00fcr eine \u201egute Sache\u201c k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

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Anfangs gab es Papiere f\u00fcr K\u00e4mpfer-Familien<\/h2>\n\n\n\n

Den Kontakt zu seinem Vater hat der Afghane mittlerweile verloren. W\u00e4hrenddessen schickt ihm sein Onkel, der in Aleppo stationiert ist, hin und wieder Bilder \u00fcber den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ali denkt, dass nur sehr wenige Afghanen der Propaganda der iranischen Regierung glauben und in Syrien f\u00fcr eine \u201egute Sache\u201c k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

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Mittlerweile k\u00e4mpfen Alis Vater und sein Onkel seit \u00fcber einem Jahr in Syrien. Am Aufenthaltsstatus seiner Familienmitglieder hat sich bis heute allerdings nichts ge\u00e4ndert. F\u00fcr Ali ist klar, dass dies nur eine Falle gewesen ist, um noch mehr Afghanen als Kanonenfutter zu missbrauchen.<\/p>\n\n\n\n

Anfangs gab es Papiere f\u00fcr K\u00e4mpfer-Familien<\/h2>\n\n\n\n

Den Kontakt zu seinem Vater hat der Afghane mittlerweile verloren. W\u00e4hrenddessen schickt ihm sein Onkel, der in Aleppo stationiert ist, hin und wieder Bilder \u00fcber den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ali denkt, dass nur sehr wenige Afghanen der Propaganda der iranischen Regierung glauben und in Syrien f\u00fcr eine \u201egute Sache\u201c k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

Source<\/a><\/p>\n","post_title":"Warum Afghanen in Syrien f\u00fcr Assad k\u00e4mpfen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"warum-afghanen-in-syrien-fur-assad-kampfen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3709","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":9},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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\u201eDie Beh\u00f6rden sagten ihm, dass die Rekrutierung f\u00fcr den Krieg in Syrien eine M\u00f6glichkeit darstellen k\u00f6nnte, um Papiere f\u00fcr uns alle zu erhalten. Andernfalls w\u00fcrde man uns sehr bald nach Afghanistan abschieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Mittlerweile k\u00e4mpfen Alis Vater und sein Onkel seit \u00fcber einem Jahr in Syrien. Am Aufenthaltsstatus seiner Familienmitglieder hat sich bis heute allerdings nichts ge\u00e4ndert. F\u00fcr Ali ist klar, dass dies nur eine Falle gewesen ist, um noch mehr Afghanen als Kanonenfutter zu missbrauchen.<\/p>\n\n\n\n

Anfangs gab es Papiere f\u00fcr K\u00e4mpfer-Familien<\/h2>\n\n\n\n

Den Kontakt zu seinem Vater hat der Afghane mittlerweile verloren. W\u00e4hrenddessen schickt ihm sein Onkel, der in Aleppo stationiert ist, hin und wieder Bilder \u00fcber den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ali denkt, dass nur sehr wenige Afghanen der Propaganda der iranischen Regierung glauben und in Syrien f\u00fcr eine \u201egute Sache\u201c k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

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Seit jeher lebt die Familie in der iranischen Gro\u00dfstadt Maschhad. Als der Krieg in Syrien ausbrach, erreichte sie ein Konflikt, mit dem sie nicht gerechnet hatten. Im Juli 2015 reiste Alis Vater nach Teheran. Er wollte einen Weg finden, um f\u00fcr seine Familie Aufenthaltspapiere zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Beh\u00f6rden sagten ihm, dass die Rekrutierung f\u00fcr den Krieg in Syrien eine M\u00f6glichkeit darstellen k\u00f6nnte, um Papiere f\u00fcr uns alle zu erhalten. Andernfalls w\u00fcrde man uns sehr bald nach Afghanistan abschieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Mittlerweile k\u00e4mpfen Alis Vater und sein Onkel seit \u00fcber einem Jahr in Syrien. Am Aufenthaltsstatus seiner Familienmitglieder hat sich bis heute allerdings nichts ge\u00e4ndert. F\u00fcr Ali ist klar, dass dies nur eine Falle gewesen ist, um noch mehr Afghanen als Kanonenfutter zu missbrauchen.<\/p>\n\n\n\n

Anfangs gab es Papiere f\u00fcr K\u00e4mpfer-Familien<\/h2>\n\n\n\n

Den Kontakt zu seinem Vater hat der Afghane mittlerweile verloren. W\u00e4hrenddessen schickt ihm sein Onkel, der in Aleppo stationiert ist, hin und wieder Bilder \u00fcber den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ali denkt, dass nur sehr wenige Afghanen der Propaganda der iranischen Regierung glauben und in Syrien f\u00fcr eine \u201egute Sache\u201c k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

Source<\/a><\/p>\n","post_title":"Warum Afghanen in Syrien f\u00fcr Assad k\u00e4mpfen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"warum-afghanen-in-syrien-fur-assad-kampfen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3709","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":9},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Alis Familie, ebenfalls Angeh\u00f6rige der Hazara-Minderheit, stammt urspr\u00fcnglich aus der Provinz Ghor im Nordosten Afghanistans. Ihre Heimat verlie\u00dfen sie w\u00e4hrend der sowjetischen Besatzung in den 1980er-Jahren.<\/p>\n\n\n\n

Seit jeher lebt die Familie in der iranischen Gro\u00dfstadt Maschhad. Als der Krieg in Syrien ausbrach, erreichte sie ein Konflikt, mit dem sie nicht gerechnet hatten. Im Juli 2015 reiste Alis Vater nach Teheran. Er wollte einen Weg finden, um f\u00fcr seine Familie Aufenthaltspapiere zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Beh\u00f6rden sagten ihm, dass die Rekrutierung f\u00fcr den Krieg in Syrien eine M\u00f6glichkeit darstellen k\u00f6nnte, um Papiere f\u00fcr uns alle zu erhalten. Andernfalls w\u00fcrde man uns sehr bald nach Afghanistan abschieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Mittlerweile k\u00e4mpfen Alis Vater und sein Onkel seit \u00fcber einem Jahr in Syrien. Am Aufenthaltsstatus seiner Familienmitglieder hat sich bis heute allerdings nichts ge\u00e4ndert. F\u00fcr Ali ist klar, dass dies nur eine Falle gewesen ist, um noch mehr Afghanen als Kanonenfutter zu missbrauchen.<\/p>\n\n\n\n

Anfangs gab es Papiere f\u00fcr K\u00e4mpfer-Familien<\/h2>\n\n\n\n

Den Kontakt zu seinem Vater hat der Afghane mittlerweile verloren. W\u00e4hrenddessen schickt ihm sein Onkel, der in Aleppo stationiert ist, hin und wieder Bilder \u00fcber den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ali denkt, dass nur sehr wenige Afghanen der Propaganda der iranischen Regierung glauben und in Syrien f\u00fcr eine \u201egute Sache\u201c k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

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Ein \u00e4hnliches Schicksal wie Abu Fazel erlitt der 18-j\u00e4hrige Ali (Namen ge\u00e4ndert). Auch er floh aus dem Iran nach Deutschland, um der Rekrutierung f\u00fcr Assads Milizen zu entgehen. Viele seiner afghanischen Freunde sind bereits nach Syrien gezogen \u2013 und kamen niemals zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Alis Familie, ebenfalls Angeh\u00f6rige der Hazara-Minderheit, stammt urspr\u00fcnglich aus der Provinz Ghor im Nordosten Afghanistans. Ihre Heimat verlie\u00dfen sie w\u00e4hrend der sowjetischen Besatzung in den 1980er-Jahren.<\/p>\n\n\n\n

Seit jeher lebt die Familie in der iranischen Gro\u00dfstadt Maschhad. Als der Krieg in Syrien ausbrach, erreichte sie ein Konflikt, mit dem sie nicht gerechnet hatten. Im Juli 2015 reiste Alis Vater nach Teheran. Er wollte einen Weg finden, um f\u00fcr seine Familie Aufenthaltspapiere zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Beh\u00f6rden sagten ihm, dass die Rekrutierung f\u00fcr den Krieg in Syrien eine M\u00f6glichkeit darstellen k\u00f6nnte, um Papiere f\u00fcr uns alle zu erhalten. Andernfalls w\u00fcrde man uns sehr bald nach Afghanistan abschieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Mittlerweile k\u00e4mpfen Alis Vater und sein Onkel seit \u00fcber einem Jahr in Syrien. Am Aufenthaltsstatus seiner Familienmitglieder hat sich bis heute allerdings nichts ge\u00e4ndert. F\u00fcr Ali ist klar, dass dies nur eine Falle gewesen ist, um noch mehr Afghanen als Kanonenfutter zu missbrauchen.<\/p>\n\n\n\n

Anfangs gab es Papiere f\u00fcr K\u00e4mpfer-Familien<\/h2>\n\n\n\n

Den Kontakt zu seinem Vater hat der Afghane mittlerweile verloren. W\u00e4hrenddessen schickt ihm sein Onkel, der in Aleppo stationiert ist, hin und wieder Bilder \u00fcber den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ali denkt, dass nur sehr wenige Afghanen der Propaganda der iranischen Regierung glauben und in Syrien f\u00fcr eine \u201egute Sache\u201c k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

Source<\/a><\/p>\n","post_title":"Warum Afghanen in Syrien f\u00fcr Assad k\u00e4mpfen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"warum-afghanen-in-syrien-fur-assad-kampfen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3709","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":9},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Alis Vater und Onkel k\u00e4mpfen in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein \u00e4hnliches Schicksal wie Abu Fazel erlitt der 18-j\u00e4hrige Ali (Namen ge\u00e4ndert). Auch er floh aus dem Iran nach Deutschland, um der Rekrutierung f\u00fcr Assads Milizen zu entgehen. Viele seiner afghanischen Freunde sind bereits nach Syrien gezogen \u2013 und kamen niemals zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Alis Familie, ebenfalls Angeh\u00f6rige der Hazara-Minderheit, stammt urspr\u00fcnglich aus der Provinz Ghor im Nordosten Afghanistans. Ihre Heimat verlie\u00dfen sie w\u00e4hrend der sowjetischen Besatzung in den 1980er-Jahren.<\/p>\n\n\n\n

Seit jeher lebt die Familie in der iranischen Gro\u00dfstadt Maschhad. Als der Krieg in Syrien ausbrach, erreichte sie ein Konflikt, mit dem sie nicht gerechnet hatten. Im Juli 2015 reiste Alis Vater nach Teheran. Er wollte einen Weg finden, um f\u00fcr seine Familie Aufenthaltspapiere zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Beh\u00f6rden sagten ihm, dass die Rekrutierung f\u00fcr den Krieg in Syrien eine M\u00f6glichkeit darstellen k\u00f6nnte, um Papiere f\u00fcr uns alle zu erhalten. Andernfalls w\u00fcrde man uns sehr bald nach Afghanistan abschieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Mittlerweile k\u00e4mpfen Alis Vater und sein Onkel seit \u00fcber einem Jahr in Syrien. Am Aufenthaltsstatus seiner Familienmitglieder hat sich bis heute allerdings nichts ge\u00e4ndert. F\u00fcr Ali ist klar, dass dies nur eine Falle gewesen ist, um noch mehr Afghanen als Kanonenfutter zu missbrauchen.<\/p>\n\n\n\n

Anfangs gab es Papiere f\u00fcr K\u00e4mpfer-Familien<\/h2>\n\n\n\n

Den Kontakt zu seinem Vater hat der Afghane mittlerweile verloren. W\u00e4hrenddessen schickt ihm sein Onkel, der in Aleppo stationiert ist, hin und wieder Bilder \u00fcber den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ali denkt, dass nur sehr wenige Afghanen der Propaganda der iranischen Regierung glauben und in Syrien f\u00fcr eine \u201egute Sache\u201c k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

Source<\/a><\/p>\n","post_title":"Warum Afghanen in Syrien f\u00fcr Assad k\u00e4mpfen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"warum-afghanen-in-syrien-fur-assad-kampfen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3709","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":9},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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\"SieDemonstranten protestieren in Frankfurt am Main gegen die Abschiebung von Afghanen. Auf einem der Transparente steht \u201eAfghanistan is not safe\u201c. (AFP \/ Daniel Roland)<\/p>\n\n\n\n

Alis Vater und Onkel k\u00e4mpfen in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein \u00e4hnliches Schicksal wie Abu Fazel erlitt der 18-j\u00e4hrige Ali (Namen ge\u00e4ndert). Auch er floh aus dem Iran nach Deutschland, um der Rekrutierung f\u00fcr Assads Milizen zu entgehen. Viele seiner afghanischen Freunde sind bereits nach Syrien gezogen \u2013 und kamen niemals zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Alis Familie, ebenfalls Angeh\u00f6rige der Hazara-Minderheit, stammt urspr\u00fcnglich aus der Provinz Ghor im Nordosten Afghanistans. Ihre Heimat verlie\u00dfen sie w\u00e4hrend der sowjetischen Besatzung in den 1980er-Jahren.<\/p>\n\n\n\n

Seit jeher lebt die Familie in der iranischen Gro\u00dfstadt Maschhad. Als der Krieg in Syrien ausbrach, erreichte sie ein Konflikt, mit dem sie nicht gerechnet hatten. Im Juli 2015 reiste Alis Vater nach Teheran. Er wollte einen Weg finden, um f\u00fcr seine Familie Aufenthaltspapiere zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Beh\u00f6rden sagten ihm, dass die Rekrutierung f\u00fcr den Krieg in Syrien eine M\u00f6glichkeit darstellen k\u00f6nnte, um Papiere f\u00fcr uns alle zu erhalten. Andernfalls w\u00fcrde man uns sehr bald nach Afghanistan abschieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Mittlerweile k\u00e4mpfen Alis Vater und sein Onkel seit \u00fcber einem Jahr in Syrien. Am Aufenthaltsstatus seiner Familienmitglieder hat sich bis heute allerdings nichts ge\u00e4ndert. F\u00fcr Ali ist klar, dass dies nur eine Falle gewesen ist, um noch mehr Afghanen als Kanonenfutter zu missbrauchen.<\/p>\n\n\n\n

Anfangs gab es Papiere f\u00fcr K\u00e4mpfer-Familien<\/h2>\n\n\n\n

Den Kontakt zu seinem Vater hat der Afghane mittlerweile verloren. W\u00e4hrenddessen schickt ihm sein Onkel, der in Aleppo stationiert ist, hin und wieder Bilder \u00fcber den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ali denkt, dass nur sehr wenige Afghanen der Propaganda der iranischen Regierung glauben und in Syrien f\u00fcr eine \u201egute Sache\u201c k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

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W\u00e4hrenddessen machen Menschenrechtsorganisationen regelm\u00e4\u00dfig darauf aufmerksam, dass keine Region am Hindukusch sicher ist. Stattdessen wird in manchen Gebieten nur weniger Krieg gef\u00fchrt als in anderen.<\/p>\n\n\n\n

\"SieDemonstranten protestieren in Frankfurt am Main gegen die Abschiebung von Afghanen. Auf einem der Transparente steht \u201eAfghanistan is not safe\u201c. (AFP \/ Daniel Roland)<\/p>\n\n\n\n

Alis Vater und Onkel k\u00e4mpfen in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein \u00e4hnliches Schicksal wie Abu Fazel erlitt der 18-j\u00e4hrige Ali (Namen ge\u00e4ndert). Auch er floh aus dem Iran nach Deutschland, um der Rekrutierung f\u00fcr Assads Milizen zu entgehen. Viele seiner afghanischen Freunde sind bereits nach Syrien gezogen \u2013 und kamen niemals zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Alis Familie, ebenfalls Angeh\u00f6rige der Hazara-Minderheit, stammt urspr\u00fcnglich aus der Provinz Ghor im Nordosten Afghanistans. Ihre Heimat verlie\u00dfen sie w\u00e4hrend der sowjetischen Besatzung in den 1980er-Jahren.<\/p>\n\n\n\n

Seit jeher lebt die Familie in der iranischen Gro\u00dfstadt Maschhad. Als der Krieg in Syrien ausbrach, erreichte sie ein Konflikt, mit dem sie nicht gerechnet hatten. Im Juli 2015 reiste Alis Vater nach Teheran. Er wollte einen Weg finden, um f\u00fcr seine Familie Aufenthaltspapiere zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Beh\u00f6rden sagten ihm, dass die Rekrutierung f\u00fcr den Krieg in Syrien eine M\u00f6glichkeit darstellen k\u00f6nnte, um Papiere f\u00fcr uns alle zu erhalten. Andernfalls w\u00fcrde man uns sehr bald nach Afghanistan abschieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Mittlerweile k\u00e4mpfen Alis Vater und sein Onkel seit \u00fcber einem Jahr in Syrien. Am Aufenthaltsstatus seiner Familienmitglieder hat sich bis heute allerdings nichts ge\u00e4ndert. F\u00fcr Ali ist klar, dass dies nur eine Falle gewesen ist, um noch mehr Afghanen als Kanonenfutter zu missbrauchen.<\/p>\n\n\n\n

Anfangs gab es Papiere f\u00fcr K\u00e4mpfer-Familien<\/h2>\n\n\n\n

Den Kontakt zu seinem Vater hat der Afghane mittlerweile verloren. W\u00e4hrenddessen schickt ihm sein Onkel, der in Aleppo stationiert ist, hin und wieder Bilder \u00fcber den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ali denkt, dass nur sehr wenige Afghanen der Propaganda der iranischen Regierung glauben und in Syrien f\u00fcr eine \u201egute Sache\u201c k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

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Die Verantwortlichen weisen in diesem Kontext immer wieder auf vermeintlich \u201esichere Gebiete\u201c im Land, die nicht n\u00e4her benannt werden.<\/p>\n\n\n\n

W\u00e4hrenddessen machen Menschenrechtsorganisationen regelm\u00e4\u00dfig darauf aufmerksam, dass keine Region am Hindukusch sicher ist. Stattdessen wird in manchen Gebieten nur weniger Krieg gef\u00fchrt als in anderen.<\/p>\n\n\n\n

\"SieDemonstranten protestieren in Frankfurt am Main gegen die Abschiebung von Afghanen. Auf einem der Transparente steht \u201eAfghanistan is not safe\u201c. (AFP \/ Daniel Roland)<\/p>\n\n\n\n

Alis Vater und Onkel k\u00e4mpfen in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein \u00e4hnliches Schicksal wie Abu Fazel erlitt der 18-j\u00e4hrige Ali (Namen ge\u00e4ndert). Auch er floh aus dem Iran nach Deutschland, um der Rekrutierung f\u00fcr Assads Milizen zu entgehen. Viele seiner afghanischen Freunde sind bereits nach Syrien gezogen \u2013 und kamen niemals zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Alis Familie, ebenfalls Angeh\u00f6rige der Hazara-Minderheit, stammt urspr\u00fcnglich aus der Provinz Ghor im Nordosten Afghanistans. Ihre Heimat verlie\u00dfen sie w\u00e4hrend der sowjetischen Besatzung in den 1980er-Jahren.<\/p>\n\n\n\n

Seit jeher lebt die Familie in der iranischen Gro\u00dfstadt Maschhad. Als der Krieg in Syrien ausbrach, erreichte sie ein Konflikt, mit dem sie nicht gerechnet hatten. Im Juli 2015 reiste Alis Vater nach Teheran. Er wollte einen Weg finden, um f\u00fcr seine Familie Aufenthaltspapiere zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Beh\u00f6rden sagten ihm, dass die Rekrutierung f\u00fcr den Krieg in Syrien eine M\u00f6glichkeit darstellen k\u00f6nnte, um Papiere f\u00fcr uns alle zu erhalten. Andernfalls w\u00fcrde man uns sehr bald nach Afghanistan abschieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Mittlerweile k\u00e4mpfen Alis Vater und sein Onkel seit \u00fcber einem Jahr in Syrien. Am Aufenthaltsstatus seiner Familienmitglieder hat sich bis heute allerdings nichts ge\u00e4ndert. F\u00fcr Ali ist klar, dass dies nur eine Falle gewesen ist, um noch mehr Afghanen als Kanonenfutter zu missbrauchen.<\/p>\n\n\n\n

Anfangs gab es Papiere f\u00fcr K\u00e4mpfer-Familien<\/h2>\n\n\n\n

Den Kontakt zu seinem Vater hat der Afghane mittlerweile verloren. W\u00e4hrenddessen schickt ihm sein Onkel, der in Aleppo stationiert ist, hin und wieder Bilder \u00fcber den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ali denkt, dass nur sehr wenige Afghanen der Propaganda der iranischen Regierung glauben und in Syrien f\u00fcr eine \u201egute Sache\u201c k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

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\"EinAbschiebung von Afghanen im Dezember 2016 mit einem Charterflug von Frankfurt nach Kabul. (dpa \/picture alliance \/ Boris Roessler)<\/p>\n\n\n\n

Die Verantwortlichen weisen in diesem Kontext immer wieder auf vermeintlich \u201esichere Gebiete\u201c im Land, die nicht n\u00e4her benannt werden.<\/p>\n\n\n\n

W\u00e4hrenddessen machen Menschenrechtsorganisationen regelm\u00e4\u00dfig darauf aufmerksam, dass keine Region am Hindukusch sicher ist. Stattdessen wird in manchen Gebieten nur weniger Krieg gef\u00fchrt als in anderen.<\/p>\n\n\n\n

\"SieDemonstranten protestieren in Frankfurt am Main gegen die Abschiebung von Afghanen. Auf einem der Transparente steht \u201eAfghanistan is not safe\u201c. (AFP \/ Daniel Roland)<\/p>\n\n\n\n

Alis Vater und Onkel k\u00e4mpfen in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein \u00e4hnliches Schicksal wie Abu Fazel erlitt der 18-j\u00e4hrige Ali (Namen ge\u00e4ndert). Auch er floh aus dem Iran nach Deutschland, um der Rekrutierung f\u00fcr Assads Milizen zu entgehen. Viele seiner afghanischen Freunde sind bereits nach Syrien gezogen \u2013 und kamen niemals zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Alis Familie, ebenfalls Angeh\u00f6rige der Hazara-Minderheit, stammt urspr\u00fcnglich aus der Provinz Ghor im Nordosten Afghanistans. Ihre Heimat verlie\u00dfen sie w\u00e4hrend der sowjetischen Besatzung in den 1980er-Jahren.<\/p>\n\n\n\n

Seit jeher lebt die Familie in der iranischen Gro\u00dfstadt Maschhad. Als der Krieg in Syrien ausbrach, erreichte sie ein Konflikt, mit dem sie nicht gerechnet hatten. Im Juli 2015 reiste Alis Vater nach Teheran. Er wollte einen Weg finden, um f\u00fcr seine Familie Aufenthaltspapiere zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Beh\u00f6rden sagten ihm, dass die Rekrutierung f\u00fcr den Krieg in Syrien eine M\u00f6glichkeit darstellen k\u00f6nnte, um Papiere f\u00fcr uns alle zu erhalten. Andernfalls w\u00fcrde man uns sehr bald nach Afghanistan abschieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Mittlerweile k\u00e4mpfen Alis Vater und sein Onkel seit \u00fcber einem Jahr in Syrien. Am Aufenthaltsstatus seiner Familienmitglieder hat sich bis heute allerdings nichts ge\u00e4ndert. F\u00fcr Ali ist klar, dass dies nur eine Falle gewesen ist, um noch mehr Afghanen als Kanonenfutter zu missbrauchen.<\/p>\n\n\n\n

Anfangs gab es Papiere f\u00fcr K\u00e4mpfer-Familien<\/h2>\n\n\n\n

Den Kontakt zu seinem Vater hat der Afghane mittlerweile verloren. W\u00e4hrenddessen schickt ihm sein Onkel, der in Aleppo stationiert ist, hin und wieder Bilder \u00fcber den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ali denkt, dass nur sehr wenige Afghanen der Propaganda der iranischen Regierung glauben und in Syrien f\u00fcr eine \u201egute Sache\u201c k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

Source<\/a><\/p>\n","post_title":"Warum Afghanen in Syrien f\u00fcr Assad k\u00e4mpfen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"warum-afghanen-in-syrien-fur-assad-kampfen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3709","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":9},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Als Grund nannte er seine Rekrutierung als Kindersoldat seitens des iranischen Regimes. Doch w\u00e4hrend diese Begr\u00fcndung in Abu Fazels Augen v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich war, sahen deutsche Beh\u00f6rden das anders. Sein erster Antrag wurde abgelehnt. Derzeit versucht er es ein zweites Mal. Die Bundesrepublik schiebt afghanische Gefl\u00fcchtete weiterhin ab.<\/p>\n\n\n\n

\"EinAbschiebung von Afghanen im Dezember 2016 mit einem Charterflug von Frankfurt nach Kabul. (dpa \/picture alliance \/ Boris Roessler)<\/p>\n\n\n\n

Die Verantwortlichen weisen in diesem Kontext immer wieder auf vermeintlich \u201esichere Gebiete\u201c im Land, die nicht n\u00e4her benannt werden.<\/p>\n\n\n\n

W\u00e4hrenddessen machen Menschenrechtsorganisationen regelm\u00e4\u00dfig darauf aufmerksam, dass keine Region am Hindukusch sicher ist. Stattdessen wird in manchen Gebieten nur weniger Krieg gef\u00fchrt als in anderen.<\/p>\n\n\n\n

\"SieDemonstranten protestieren in Frankfurt am Main gegen die Abschiebung von Afghanen. Auf einem der Transparente steht \u201eAfghanistan is not safe\u201c. (AFP \/ Daniel Roland)<\/p>\n\n\n\n

Alis Vater und Onkel k\u00e4mpfen in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein \u00e4hnliches Schicksal wie Abu Fazel erlitt der 18-j\u00e4hrige Ali (Namen ge\u00e4ndert). Auch er floh aus dem Iran nach Deutschland, um der Rekrutierung f\u00fcr Assads Milizen zu entgehen. Viele seiner afghanischen Freunde sind bereits nach Syrien gezogen \u2013 und kamen niemals zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Alis Familie, ebenfalls Angeh\u00f6rige der Hazara-Minderheit, stammt urspr\u00fcnglich aus der Provinz Ghor im Nordosten Afghanistans. Ihre Heimat verlie\u00dfen sie w\u00e4hrend der sowjetischen Besatzung in den 1980er-Jahren.<\/p>\n\n\n\n

Seit jeher lebt die Familie in der iranischen Gro\u00dfstadt Maschhad. Als der Krieg in Syrien ausbrach, erreichte sie ein Konflikt, mit dem sie nicht gerechnet hatten. Im Juli 2015 reiste Alis Vater nach Teheran. Er wollte einen Weg finden, um f\u00fcr seine Familie Aufenthaltspapiere zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Beh\u00f6rden sagten ihm, dass die Rekrutierung f\u00fcr den Krieg in Syrien eine M\u00f6glichkeit darstellen k\u00f6nnte, um Papiere f\u00fcr uns alle zu erhalten. Andernfalls w\u00fcrde man uns sehr bald nach Afghanistan abschieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Mittlerweile k\u00e4mpfen Alis Vater und sein Onkel seit \u00fcber einem Jahr in Syrien. Am Aufenthaltsstatus seiner Familienmitglieder hat sich bis heute allerdings nichts ge\u00e4ndert. F\u00fcr Ali ist klar, dass dies nur eine Falle gewesen ist, um noch mehr Afghanen als Kanonenfutter zu missbrauchen.<\/p>\n\n\n\n

Anfangs gab es Papiere f\u00fcr K\u00e4mpfer-Familien<\/h2>\n\n\n\n

Den Kontakt zu seinem Vater hat der Afghane mittlerweile verloren. W\u00e4hrenddessen schickt ihm sein Onkel, der in Aleppo stationiert ist, hin und wieder Bilder \u00fcber den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ali denkt, dass nur sehr wenige Afghanen der Propaganda der iranischen Regierung glauben und in Syrien f\u00fcr eine \u201egute Sache\u201c k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

Source<\/a><\/p>\n","post_title":"Warum Afghanen in Syrien f\u00fcr Assad k\u00e4mpfen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"warum-afghanen-in-syrien-fur-assad-kampfen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3709","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":9},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Erster Asylantrag in Deutschland abgelehnt<\/h2>\n\n\n\n

Als Grund nannte er seine Rekrutierung als Kindersoldat seitens des iranischen Regimes. Doch w\u00e4hrend diese Begr\u00fcndung in Abu Fazels Augen v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich war, sahen deutsche Beh\u00f6rden das anders. Sein erster Antrag wurde abgelehnt. Derzeit versucht er es ein zweites Mal. Die Bundesrepublik schiebt afghanische Gefl\u00fcchtete weiterhin ab.<\/p>\n\n\n\n

\"EinAbschiebung von Afghanen im Dezember 2016 mit einem Charterflug von Frankfurt nach Kabul. (dpa \/picture alliance \/ Boris Roessler)<\/p>\n\n\n\n

Die Verantwortlichen weisen in diesem Kontext immer wieder auf vermeintlich \u201esichere Gebiete\u201c im Land, die nicht n\u00e4her benannt werden.<\/p>\n\n\n\n

W\u00e4hrenddessen machen Menschenrechtsorganisationen regelm\u00e4\u00dfig darauf aufmerksam, dass keine Region am Hindukusch sicher ist. Stattdessen wird in manchen Gebieten nur weniger Krieg gef\u00fchrt als in anderen.<\/p>\n\n\n\n

\"SieDemonstranten protestieren in Frankfurt am Main gegen die Abschiebung von Afghanen. Auf einem der Transparente steht \u201eAfghanistan is not safe\u201c. (AFP \/ Daniel Roland)<\/p>\n\n\n\n

Alis Vater und Onkel k\u00e4mpfen in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein \u00e4hnliches Schicksal wie Abu Fazel erlitt der 18-j\u00e4hrige Ali (Namen ge\u00e4ndert). Auch er floh aus dem Iran nach Deutschland, um der Rekrutierung f\u00fcr Assads Milizen zu entgehen. Viele seiner afghanischen Freunde sind bereits nach Syrien gezogen \u2013 und kamen niemals zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Alis Familie, ebenfalls Angeh\u00f6rige der Hazara-Minderheit, stammt urspr\u00fcnglich aus der Provinz Ghor im Nordosten Afghanistans. Ihre Heimat verlie\u00dfen sie w\u00e4hrend der sowjetischen Besatzung in den 1980er-Jahren.<\/p>\n\n\n\n

Seit jeher lebt die Familie in der iranischen Gro\u00dfstadt Maschhad. Als der Krieg in Syrien ausbrach, erreichte sie ein Konflikt, mit dem sie nicht gerechnet hatten. Im Juli 2015 reiste Alis Vater nach Teheran. Er wollte einen Weg finden, um f\u00fcr seine Familie Aufenthaltspapiere zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Beh\u00f6rden sagten ihm, dass die Rekrutierung f\u00fcr den Krieg in Syrien eine M\u00f6glichkeit darstellen k\u00f6nnte, um Papiere f\u00fcr uns alle zu erhalten. Andernfalls w\u00fcrde man uns sehr bald nach Afghanistan abschieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Mittlerweile k\u00e4mpfen Alis Vater und sein Onkel seit \u00fcber einem Jahr in Syrien. Am Aufenthaltsstatus seiner Familienmitglieder hat sich bis heute allerdings nichts ge\u00e4ndert. F\u00fcr Ali ist klar, dass dies nur eine Falle gewesen ist, um noch mehr Afghanen als Kanonenfutter zu missbrauchen.<\/p>\n\n\n\n

Anfangs gab es Papiere f\u00fcr K\u00e4mpfer-Familien<\/h2>\n\n\n\n

Den Kontakt zu seinem Vater hat der Afghane mittlerweile verloren. W\u00e4hrenddessen schickt ihm sein Onkel, der in Aleppo stationiert ist, hin und wieder Bilder \u00fcber den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ali denkt, dass nur sehr wenige Afghanen der Propaganda der iranischen Regierung glauben und in Syrien f\u00fcr eine \u201egute Sache\u201c k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

Source<\/a><\/p>\n","post_title":"Warum Afghanen in Syrien f\u00fcr Assad k\u00e4mpfen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"warum-afghanen-in-syrien-fur-assad-kampfen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3709","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":9},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Der einzige Ausweg f\u00fcr den jungen Afghanen war die Flucht. \u00dcber die T\u00fcrkei, Griechenland und die Balkranroute erreichte er mit gro\u00dfer M\u00fche Deutschland, wo er einen Asylantrag stellte.<\/p>\n\n\n\n

Erster Asylantrag in Deutschland abgelehnt<\/h2>\n\n\n\n

Als Grund nannte er seine Rekrutierung als Kindersoldat seitens des iranischen Regimes. Doch w\u00e4hrend diese Begr\u00fcndung in Abu Fazels Augen v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich war, sahen deutsche Beh\u00f6rden das anders. Sein erster Antrag wurde abgelehnt. Derzeit versucht er es ein zweites Mal. Die Bundesrepublik schiebt afghanische Gefl\u00fcchtete weiterhin ab.<\/p>\n\n\n\n

\"EinAbschiebung von Afghanen im Dezember 2016 mit einem Charterflug von Frankfurt nach Kabul. (dpa \/picture alliance \/ Boris Roessler)<\/p>\n\n\n\n

Die Verantwortlichen weisen in diesem Kontext immer wieder auf vermeintlich \u201esichere Gebiete\u201c im Land, die nicht n\u00e4her benannt werden.<\/p>\n\n\n\n

W\u00e4hrenddessen machen Menschenrechtsorganisationen regelm\u00e4\u00dfig darauf aufmerksam, dass keine Region am Hindukusch sicher ist. Stattdessen wird in manchen Gebieten nur weniger Krieg gef\u00fchrt als in anderen.<\/p>\n\n\n\n

\"SieDemonstranten protestieren in Frankfurt am Main gegen die Abschiebung von Afghanen. Auf einem der Transparente steht \u201eAfghanistan is not safe\u201c. (AFP \/ Daniel Roland)<\/p>\n\n\n\n

Alis Vater und Onkel k\u00e4mpfen in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein \u00e4hnliches Schicksal wie Abu Fazel erlitt der 18-j\u00e4hrige Ali (Namen ge\u00e4ndert). Auch er floh aus dem Iran nach Deutschland, um der Rekrutierung f\u00fcr Assads Milizen zu entgehen. Viele seiner afghanischen Freunde sind bereits nach Syrien gezogen \u2013 und kamen niemals zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Alis Familie, ebenfalls Angeh\u00f6rige der Hazara-Minderheit, stammt urspr\u00fcnglich aus der Provinz Ghor im Nordosten Afghanistans. Ihre Heimat verlie\u00dfen sie w\u00e4hrend der sowjetischen Besatzung in den 1980er-Jahren.<\/p>\n\n\n\n

Seit jeher lebt die Familie in der iranischen Gro\u00dfstadt Maschhad. Als der Krieg in Syrien ausbrach, erreichte sie ein Konflikt, mit dem sie nicht gerechnet hatten. Im Juli 2015 reiste Alis Vater nach Teheran. Er wollte einen Weg finden, um f\u00fcr seine Familie Aufenthaltspapiere zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Beh\u00f6rden sagten ihm, dass die Rekrutierung f\u00fcr den Krieg in Syrien eine M\u00f6glichkeit darstellen k\u00f6nnte, um Papiere f\u00fcr uns alle zu erhalten. Andernfalls w\u00fcrde man uns sehr bald nach Afghanistan abschieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Mittlerweile k\u00e4mpfen Alis Vater und sein Onkel seit \u00fcber einem Jahr in Syrien. Am Aufenthaltsstatus seiner Familienmitglieder hat sich bis heute allerdings nichts ge\u00e4ndert. F\u00fcr Ali ist klar, dass dies nur eine Falle gewesen ist, um noch mehr Afghanen als Kanonenfutter zu missbrauchen.<\/p>\n\n\n\n

Anfangs gab es Papiere f\u00fcr K\u00e4mpfer-Familien<\/h2>\n\n\n\n

Den Kontakt zu seinem Vater hat der Afghane mittlerweile verloren. W\u00e4hrenddessen schickt ihm sein Onkel, der in Aleppo stationiert ist, hin und wieder Bilder \u00fcber den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ali denkt, dass nur sehr wenige Afghanen der Propaganda der iranischen Regierung glauben und in Syrien f\u00fcr eine \u201egute Sache\u201c k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

Source<\/a><\/p>\n","post_title":"Warum Afghanen in Syrien f\u00fcr Assad k\u00e4mpfen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"warum-afghanen-in-syrien-fur-assad-kampfen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3709","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":9},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Als Abu Fazel sich nun entschloss, aus der Gewaltspirale auszusteigen und nicht in Syrien zu k\u00e4mpfen, wuchs die Angst bei seiner Familie. Denn f\u00fcr die iranischen Beh\u00f6rden gilt: Hat man sich einmal gemeldet, gibt es kein zur\u00fcck. Man muss an die Front nach Syrien \u2013 oder wird zur\u00fcck nach Afghanistan abgeschoben, wo ebenfalls Krieg herrscht.<\/p>\n\n\n\n

Der einzige Ausweg f\u00fcr den jungen Afghanen war die Flucht. \u00dcber die T\u00fcrkei, Griechenland und die Balkranroute erreichte er mit gro\u00dfer M\u00fche Deutschland, wo er einen Asylantrag stellte.<\/p>\n\n\n\n

Erster Asylantrag in Deutschland abgelehnt<\/h2>\n\n\n\n

Als Grund nannte er seine Rekrutierung als Kindersoldat seitens des iranischen Regimes. Doch w\u00e4hrend diese Begr\u00fcndung in Abu Fazels Augen v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich war, sahen deutsche Beh\u00f6rden das anders. Sein erster Antrag wurde abgelehnt. Derzeit versucht er es ein zweites Mal. Die Bundesrepublik schiebt afghanische Gefl\u00fcchtete weiterhin ab.<\/p>\n\n\n\n

\"EinAbschiebung von Afghanen im Dezember 2016 mit einem Charterflug von Frankfurt nach Kabul. (dpa \/picture alliance \/ Boris Roessler)<\/p>\n\n\n\n

Die Verantwortlichen weisen in diesem Kontext immer wieder auf vermeintlich \u201esichere Gebiete\u201c im Land, die nicht n\u00e4her benannt werden.<\/p>\n\n\n\n

W\u00e4hrenddessen machen Menschenrechtsorganisationen regelm\u00e4\u00dfig darauf aufmerksam, dass keine Region am Hindukusch sicher ist. Stattdessen wird in manchen Gebieten nur weniger Krieg gef\u00fchrt als in anderen.<\/p>\n\n\n\n

\"SieDemonstranten protestieren in Frankfurt am Main gegen die Abschiebung von Afghanen. Auf einem der Transparente steht \u201eAfghanistan is not safe\u201c. (AFP \/ Daniel Roland)<\/p>\n\n\n\n

Alis Vater und Onkel k\u00e4mpfen in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein \u00e4hnliches Schicksal wie Abu Fazel erlitt der 18-j\u00e4hrige Ali (Namen ge\u00e4ndert). Auch er floh aus dem Iran nach Deutschland, um der Rekrutierung f\u00fcr Assads Milizen zu entgehen. Viele seiner afghanischen Freunde sind bereits nach Syrien gezogen \u2013 und kamen niemals zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Alis Familie, ebenfalls Angeh\u00f6rige der Hazara-Minderheit, stammt urspr\u00fcnglich aus der Provinz Ghor im Nordosten Afghanistans. Ihre Heimat verlie\u00dfen sie w\u00e4hrend der sowjetischen Besatzung in den 1980er-Jahren.<\/p>\n\n\n\n

Seit jeher lebt die Familie in der iranischen Gro\u00dfstadt Maschhad. Als der Krieg in Syrien ausbrach, erreichte sie ein Konflikt, mit dem sie nicht gerechnet hatten. Im Juli 2015 reiste Alis Vater nach Teheran. Er wollte einen Weg finden, um f\u00fcr seine Familie Aufenthaltspapiere zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Beh\u00f6rden sagten ihm, dass die Rekrutierung f\u00fcr den Krieg in Syrien eine M\u00f6glichkeit darstellen k\u00f6nnte, um Papiere f\u00fcr uns alle zu erhalten. Andernfalls w\u00fcrde man uns sehr bald nach Afghanistan abschieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Mittlerweile k\u00e4mpfen Alis Vater und sein Onkel seit \u00fcber einem Jahr in Syrien. Am Aufenthaltsstatus seiner Familienmitglieder hat sich bis heute allerdings nichts ge\u00e4ndert. F\u00fcr Ali ist klar, dass dies nur eine Falle gewesen ist, um noch mehr Afghanen als Kanonenfutter zu missbrauchen.<\/p>\n\n\n\n

Anfangs gab es Papiere f\u00fcr K\u00e4mpfer-Familien<\/h2>\n\n\n\n

Den Kontakt zu seinem Vater hat der Afghane mittlerweile verloren. W\u00e4hrenddessen schickt ihm sein Onkel, der in Aleppo stationiert ist, hin und wieder Bilder \u00fcber den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ali denkt, dass nur sehr wenige Afghanen der Propaganda der iranischen Regierung glauben und in Syrien f\u00fcr eine \u201egute Sache\u201c k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

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Abu Fazel verlor seinen eigenen Vater bereits sehr fr\u00fch. Er wurde Opfer des B\u00fcrgerkriegs in Afghanistan, der von 1989 bis 2001 tausende Menschen das Leben kostete. Auch der Iran mischte in der Zeit schon mit. Es ist allgemein bekannt, dass die schiitischen Hazara-Milizen, die den B\u00fcrgerkrieg ebenfalls mitanfachten, von der Regierung in Teheran unterst\u00fctzt wurden.<\/p>\n\n\n\n

Als Abu Fazel sich nun entschloss, aus der Gewaltspirale auszusteigen und nicht in Syrien zu k\u00e4mpfen, wuchs die Angst bei seiner Familie. Denn f\u00fcr die iranischen Beh\u00f6rden gilt: Hat man sich einmal gemeldet, gibt es kein zur\u00fcck. Man muss an die Front nach Syrien \u2013 oder wird zur\u00fcck nach Afghanistan abgeschoben, wo ebenfalls Krieg herrscht.<\/p>\n\n\n\n

Der einzige Ausweg f\u00fcr den jungen Afghanen war die Flucht. \u00dcber die T\u00fcrkei, Griechenland und die Balkranroute erreichte er mit gro\u00dfer M\u00fche Deutschland, wo er einen Asylantrag stellte.<\/p>\n\n\n\n

Erster Asylantrag in Deutschland abgelehnt<\/h2>\n\n\n\n

Als Grund nannte er seine Rekrutierung als Kindersoldat seitens des iranischen Regimes. Doch w\u00e4hrend diese Begr\u00fcndung in Abu Fazels Augen v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich war, sahen deutsche Beh\u00f6rden das anders. Sein erster Antrag wurde abgelehnt. Derzeit versucht er es ein zweites Mal. Die Bundesrepublik schiebt afghanische Gefl\u00fcchtete weiterhin ab.<\/p>\n\n\n\n

\"EinAbschiebung von Afghanen im Dezember 2016 mit einem Charterflug von Frankfurt nach Kabul. (dpa \/picture alliance \/ Boris Roessler)<\/p>\n\n\n\n

Die Verantwortlichen weisen in diesem Kontext immer wieder auf vermeintlich \u201esichere Gebiete\u201c im Land, die nicht n\u00e4her benannt werden.<\/p>\n\n\n\n

W\u00e4hrenddessen machen Menschenrechtsorganisationen regelm\u00e4\u00dfig darauf aufmerksam, dass keine Region am Hindukusch sicher ist. Stattdessen wird in manchen Gebieten nur weniger Krieg gef\u00fchrt als in anderen.<\/p>\n\n\n\n

\"SieDemonstranten protestieren in Frankfurt am Main gegen die Abschiebung von Afghanen. Auf einem der Transparente steht \u201eAfghanistan is not safe\u201c. (AFP \/ Daniel Roland)<\/p>\n\n\n\n

Alis Vater und Onkel k\u00e4mpfen in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein \u00e4hnliches Schicksal wie Abu Fazel erlitt der 18-j\u00e4hrige Ali (Namen ge\u00e4ndert). Auch er floh aus dem Iran nach Deutschland, um der Rekrutierung f\u00fcr Assads Milizen zu entgehen. Viele seiner afghanischen Freunde sind bereits nach Syrien gezogen \u2013 und kamen niemals zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Alis Familie, ebenfalls Angeh\u00f6rige der Hazara-Minderheit, stammt urspr\u00fcnglich aus der Provinz Ghor im Nordosten Afghanistans. Ihre Heimat verlie\u00dfen sie w\u00e4hrend der sowjetischen Besatzung in den 1980er-Jahren.<\/p>\n\n\n\n

Seit jeher lebt die Familie in der iranischen Gro\u00dfstadt Maschhad. Als der Krieg in Syrien ausbrach, erreichte sie ein Konflikt, mit dem sie nicht gerechnet hatten. Im Juli 2015 reiste Alis Vater nach Teheran. Er wollte einen Weg finden, um f\u00fcr seine Familie Aufenthaltspapiere zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Beh\u00f6rden sagten ihm, dass die Rekrutierung f\u00fcr den Krieg in Syrien eine M\u00f6glichkeit darstellen k\u00f6nnte, um Papiere f\u00fcr uns alle zu erhalten. Andernfalls w\u00fcrde man uns sehr bald nach Afghanistan abschieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Mittlerweile k\u00e4mpfen Alis Vater und sein Onkel seit \u00fcber einem Jahr in Syrien. Am Aufenthaltsstatus seiner Familienmitglieder hat sich bis heute allerdings nichts ge\u00e4ndert. F\u00fcr Ali ist klar, dass dies nur eine Falle gewesen ist, um noch mehr Afghanen als Kanonenfutter zu missbrauchen.<\/p>\n\n\n\n

Anfangs gab es Papiere f\u00fcr K\u00e4mpfer-Familien<\/h2>\n\n\n\n

Den Kontakt zu seinem Vater hat der Afghane mittlerweile verloren. W\u00e4hrenddessen schickt ihm sein Onkel, der in Aleppo stationiert ist, hin und wieder Bilder \u00fcber den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ali denkt, dass nur sehr wenige Afghanen der Propaganda der iranischen Regierung glauben und in Syrien f\u00fcr eine \u201egute Sache\u201c k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

Source<\/a><\/p>\n","post_title":"Warum Afghanen in Syrien f\u00fcr Assad k\u00e4mpfen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"warum-afghanen-in-syrien-fur-assad-kampfen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3709","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":9},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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\u201eIch kam zu dem Schluss, dass ich nicht als M\u00f6rder weiterleben k\u00f6nnte. Stets dachte ich mir, dass selbst die schlimmsten Al-Qaida- oder IS-Terroristen Kinder haben k\u00f6nnten, die ihren Vater lieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Fazel verlor seinen eigenen Vater bereits sehr fr\u00fch. Er wurde Opfer des B\u00fcrgerkriegs in Afghanistan, der von 1989 bis 2001 tausende Menschen das Leben kostete. Auch der Iran mischte in der Zeit schon mit. Es ist allgemein bekannt, dass die schiitischen Hazara-Milizen, die den B\u00fcrgerkrieg ebenfalls mitanfachten, von der Regierung in Teheran unterst\u00fctzt wurden.<\/p>\n\n\n\n

Als Abu Fazel sich nun entschloss, aus der Gewaltspirale auszusteigen und nicht in Syrien zu k\u00e4mpfen, wuchs die Angst bei seiner Familie. Denn f\u00fcr die iranischen Beh\u00f6rden gilt: Hat man sich einmal gemeldet, gibt es kein zur\u00fcck. Man muss an die Front nach Syrien \u2013 oder wird zur\u00fcck nach Afghanistan abgeschoben, wo ebenfalls Krieg herrscht.<\/p>\n\n\n\n

Der einzige Ausweg f\u00fcr den jungen Afghanen war die Flucht. \u00dcber die T\u00fcrkei, Griechenland und die Balkranroute erreichte er mit gro\u00dfer M\u00fche Deutschland, wo er einen Asylantrag stellte.<\/p>\n\n\n\n

Erster Asylantrag in Deutschland abgelehnt<\/h2>\n\n\n\n

Als Grund nannte er seine Rekrutierung als Kindersoldat seitens des iranischen Regimes. Doch w\u00e4hrend diese Begr\u00fcndung in Abu Fazels Augen v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich war, sahen deutsche Beh\u00f6rden das anders. Sein erster Antrag wurde abgelehnt. Derzeit versucht er es ein zweites Mal. Die Bundesrepublik schiebt afghanische Gefl\u00fcchtete weiterhin ab.<\/p>\n\n\n\n

\"EinAbschiebung von Afghanen im Dezember 2016 mit einem Charterflug von Frankfurt nach Kabul. (dpa \/picture alliance \/ Boris Roessler)<\/p>\n\n\n\n

Die Verantwortlichen weisen in diesem Kontext immer wieder auf vermeintlich \u201esichere Gebiete\u201c im Land, die nicht n\u00e4her benannt werden.<\/p>\n\n\n\n

W\u00e4hrenddessen machen Menschenrechtsorganisationen regelm\u00e4\u00dfig darauf aufmerksam, dass keine Region am Hindukusch sicher ist. Stattdessen wird in manchen Gebieten nur weniger Krieg gef\u00fchrt als in anderen.<\/p>\n\n\n\n

\"SieDemonstranten protestieren in Frankfurt am Main gegen die Abschiebung von Afghanen. Auf einem der Transparente steht \u201eAfghanistan is not safe\u201c. (AFP \/ Daniel Roland)<\/p>\n\n\n\n

Alis Vater und Onkel k\u00e4mpfen in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein \u00e4hnliches Schicksal wie Abu Fazel erlitt der 18-j\u00e4hrige Ali (Namen ge\u00e4ndert). Auch er floh aus dem Iran nach Deutschland, um der Rekrutierung f\u00fcr Assads Milizen zu entgehen. Viele seiner afghanischen Freunde sind bereits nach Syrien gezogen \u2013 und kamen niemals zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Alis Familie, ebenfalls Angeh\u00f6rige der Hazara-Minderheit, stammt urspr\u00fcnglich aus der Provinz Ghor im Nordosten Afghanistans. Ihre Heimat verlie\u00dfen sie w\u00e4hrend der sowjetischen Besatzung in den 1980er-Jahren.<\/p>\n\n\n\n

Seit jeher lebt die Familie in der iranischen Gro\u00dfstadt Maschhad. Als der Krieg in Syrien ausbrach, erreichte sie ein Konflikt, mit dem sie nicht gerechnet hatten. Im Juli 2015 reiste Alis Vater nach Teheran. Er wollte einen Weg finden, um f\u00fcr seine Familie Aufenthaltspapiere zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Beh\u00f6rden sagten ihm, dass die Rekrutierung f\u00fcr den Krieg in Syrien eine M\u00f6glichkeit darstellen k\u00f6nnte, um Papiere f\u00fcr uns alle zu erhalten. Andernfalls w\u00fcrde man uns sehr bald nach Afghanistan abschieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Mittlerweile k\u00e4mpfen Alis Vater und sein Onkel seit \u00fcber einem Jahr in Syrien. Am Aufenthaltsstatus seiner Familienmitglieder hat sich bis heute allerdings nichts ge\u00e4ndert. F\u00fcr Ali ist klar, dass dies nur eine Falle gewesen ist, um noch mehr Afghanen als Kanonenfutter zu missbrauchen.<\/p>\n\n\n\n

Anfangs gab es Papiere f\u00fcr K\u00e4mpfer-Familien<\/h2>\n\n\n\n

Den Kontakt zu seinem Vater hat der Afghane mittlerweile verloren. W\u00e4hrenddessen schickt ihm sein Onkel, der in Aleppo stationiert ist, hin und wieder Bilder \u00fcber den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ali denkt, dass nur sehr wenige Afghanen der Propaganda der iranischen Regierung glauben und in Syrien f\u00fcr eine \u201egute Sache\u201c k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

Source<\/a><\/p>\n","post_title":"Warum Afghanen in Syrien f\u00fcr Assad k\u00e4mpfen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"warum-afghanen-in-syrien-fur-assad-kampfen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3709","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":9},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Ein solcher \u201eM\u00e4rtyrer\u201c wollte Abu Fazel allerdings nicht werden. Er floh eine Woche vor dem Beginn seiner dreimonatigen Kampfausbildung. Es war ihm lieber, ein Leben auf der Flucht zu verbringen, als in Syrien unschuldige Menschen f\u00fcr einen Diktator zu t\u00f6ten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch kam zu dem Schluss, dass ich nicht als M\u00f6rder weiterleben k\u00f6nnte. Stets dachte ich mir, dass selbst die schlimmsten Al-Qaida- oder IS-Terroristen Kinder haben k\u00f6nnten, die ihren Vater lieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Fazel verlor seinen eigenen Vater bereits sehr fr\u00fch. Er wurde Opfer des B\u00fcrgerkriegs in Afghanistan, der von 1989 bis 2001 tausende Menschen das Leben kostete. Auch der Iran mischte in der Zeit schon mit. Es ist allgemein bekannt, dass die schiitischen Hazara-Milizen, die den B\u00fcrgerkrieg ebenfalls mitanfachten, von der Regierung in Teheran unterst\u00fctzt wurden.<\/p>\n\n\n\n

Als Abu Fazel sich nun entschloss, aus der Gewaltspirale auszusteigen und nicht in Syrien zu k\u00e4mpfen, wuchs die Angst bei seiner Familie. Denn f\u00fcr die iranischen Beh\u00f6rden gilt: Hat man sich einmal gemeldet, gibt es kein zur\u00fcck. Man muss an die Front nach Syrien \u2013 oder wird zur\u00fcck nach Afghanistan abgeschoben, wo ebenfalls Krieg herrscht.<\/p>\n\n\n\n

Der einzige Ausweg f\u00fcr den jungen Afghanen war die Flucht. \u00dcber die T\u00fcrkei, Griechenland und die Balkranroute erreichte er mit gro\u00dfer M\u00fche Deutschland, wo er einen Asylantrag stellte.<\/p>\n\n\n\n

Erster Asylantrag in Deutschland abgelehnt<\/h2>\n\n\n\n

Als Grund nannte er seine Rekrutierung als Kindersoldat seitens des iranischen Regimes. Doch w\u00e4hrend diese Begr\u00fcndung in Abu Fazels Augen v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich war, sahen deutsche Beh\u00f6rden das anders. Sein erster Antrag wurde abgelehnt. Derzeit versucht er es ein zweites Mal. Die Bundesrepublik schiebt afghanische Gefl\u00fcchtete weiterhin ab.<\/p>\n\n\n\n

\"EinAbschiebung von Afghanen im Dezember 2016 mit einem Charterflug von Frankfurt nach Kabul. (dpa \/picture alliance \/ Boris Roessler)<\/p>\n\n\n\n

Die Verantwortlichen weisen in diesem Kontext immer wieder auf vermeintlich \u201esichere Gebiete\u201c im Land, die nicht n\u00e4her benannt werden.<\/p>\n\n\n\n

W\u00e4hrenddessen machen Menschenrechtsorganisationen regelm\u00e4\u00dfig darauf aufmerksam, dass keine Region am Hindukusch sicher ist. Stattdessen wird in manchen Gebieten nur weniger Krieg gef\u00fchrt als in anderen.<\/p>\n\n\n\n

\"SieDemonstranten protestieren in Frankfurt am Main gegen die Abschiebung von Afghanen. Auf einem der Transparente steht \u201eAfghanistan is not safe\u201c. (AFP \/ Daniel Roland)<\/p>\n\n\n\n

Alis Vater und Onkel k\u00e4mpfen in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein \u00e4hnliches Schicksal wie Abu Fazel erlitt der 18-j\u00e4hrige Ali (Namen ge\u00e4ndert). Auch er floh aus dem Iran nach Deutschland, um der Rekrutierung f\u00fcr Assads Milizen zu entgehen. Viele seiner afghanischen Freunde sind bereits nach Syrien gezogen \u2013 und kamen niemals zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Alis Familie, ebenfalls Angeh\u00f6rige der Hazara-Minderheit, stammt urspr\u00fcnglich aus der Provinz Ghor im Nordosten Afghanistans. Ihre Heimat verlie\u00dfen sie w\u00e4hrend der sowjetischen Besatzung in den 1980er-Jahren.<\/p>\n\n\n\n

Seit jeher lebt die Familie in der iranischen Gro\u00dfstadt Maschhad. Als der Krieg in Syrien ausbrach, erreichte sie ein Konflikt, mit dem sie nicht gerechnet hatten. Im Juli 2015 reiste Alis Vater nach Teheran. Er wollte einen Weg finden, um f\u00fcr seine Familie Aufenthaltspapiere zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Beh\u00f6rden sagten ihm, dass die Rekrutierung f\u00fcr den Krieg in Syrien eine M\u00f6glichkeit darstellen k\u00f6nnte, um Papiere f\u00fcr uns alle zu erhalten. Andernfalls w\u00fcrde man uns sehr bald nach Afghanistan abschieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Mittlerweile k\u00e4mpfen Alis Vater und sein Onkel seit \u00fcber einem Jahr in Syrien. Am Aufenthaltsstatus seiner Familienmitglieder hat sich bis heute allerdings nichts ge\u00e4ndert. F\u00fcr Ali ist klar, dass dies nur eine Falle gewesen ist, um noch mehr Afghanen als Kanonenfutter zu missbrauchen.<\/p>\n\n\n\n

Anfangs gab es Papiere f\u00fcr K\u00e4mpfer-Familien<\/h2>\n\n\n\n

Den Kontakt zu seinem Vater hat der Afghane mittlerweile verloren. W\u00e4hrenddessen schickt ihm sein Onkel, der in Aleppo stationiert ist, hin und wieder Bilder \u00fcber den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ali denkt, dass nur sehr wenige Afghanen der Propaganda der iranischen Regierung glauben und in Syrien f\u00fcr eine \u201egute Sache\u201c k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

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Lieber Flucht statt K\u00e4mpfer in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein solcher \u201eM\u00e4rtyrer\u201c wollte Abu Fazel allerdings nicht werden. Er floh eine Woche vor dem Beginn seiner dreimonatigen Kampfausbildung. Es war ihm lieber, ein Leben auf der Flucht zu verbringen, als in Syrien unschuldige Menschen f\u00fcr einen Diktator zu t\u00f6ten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch kam zu dem Schluss, dass ich nicht als M\u00f6rder weiterleben k\u00f6nnte. Stets dachte ich mir, dass selbst die schlimmsten Al-Qaida- oder IS-Terroristen Kinder haben k\u00f6nnten, die ihren Vater lieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Fazel verlor seinen eigenen Vater bereits sehr fr\u00fch. Er wurde Opfer des B\u00fcrgerkriegs in Afghanistan, der von 1989 bis 2001 tausende Menschen das Leben kostete. Auch der Iran mischte in der Zeit schon mit. Es ist allgemein bekannt, dass die schiitischen Hazara-Milizen, die den B\u00fcrgerkrieg ebenfalls mitanfachten, von der Regierung in Teheran unterst\u00fctzt wurden.<\/p>\n\n\n\n

Als Abu Fazel sich nun entschloss, aus der Gewaltspirale auszusteigen und nicht in Syrien zu k\u00e4mpfen, wuchs die Angst bei seiner Familie. Denn f\u00fcr die iranischen Beh\u00f6rden gilt: Hat man sich einmal gemeldet, gibt es kein zur\u00fcck. Man muss an die Front nach Syrien \u2013 oder wird zur\u00fcck nach Afghanistan abgeschoben, wo ebenfalls Krieg herrscht.<\/p>\n\n\n\n

Der einzige Ausweg f\u00fcr den jungen Afghanen war die Flucht. \u00dcber die T\u00fcrkei, Griechenland und die Balkranroute erreichte er mit gro\u00dfer M\u00fche Deutschland, wo er einen Asylantrag stellte.<\/p>\n\n\n\n

Erster Asylantrag in Deutschland abgelehnt<\/h2>\n\n\n\n

Als Grund nannte er seine Rekrutierung als Kindersoldat seitens des iranischen Regimes. Doch w\u00e4hrend diese Begr\u00fcndung in Abu Fazels Augen v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich war, sahen deutsche Beh\u00f6rden das anders. Sein erster Antrag wurde abgelehnt. Derzeit versucht er es ein zweites Mal. Die Bundesrepublik schiebt afghanische Gefl\u00fcchtete weiterhin ab.<\/p>\n\n\n\n

\"EinAbschiebung von Afghanen im Dezember 2016 mit einem Charterflug von Frankfurt nach Kabul. (dpa \/picture alliance \/ Boris Roessler)<\/p>\n\n\n\n

Die Verantwortlichen weisen in diesem Kontext immer wieder auf vermeintlich \u201esichere Gebiete\u201c im Land, die nicht n\u00e4her benannt werden.<\/p>\n\n\n\n

W\u00e4hrenddessen machen Menschenrechtsorganisationen regelm\u00e4\u00dfig darauf aufmerksam, dass keine Region am Hindukusch sicher ist. Stattdessen wird in manchen Gebieten nur weniger Krieg gef\u00fchrt als in anderen.<\/p>\n\n\n\n

\"SieDemonstranten protestieren in Frankfurt am Main gegen die Abschiebung von Afghanen. Auf einem der Transparente steht \u201eAfghanistan is not safe\u201c. (AFP \/ Daniel Roland)<\/p>\n\n\n\n

Alis Vater und Onkel k\u00e4mpfen in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein \u00e4hnliches Schicksal wie Abu Fazel erlitt der 18-j\u00e4hrige Ali (Namen ge\u00e4ndert). Auch er floh aus dem Iran nach Deutschland, um der Rekrutierung f\u00fcr Assads Milizen zu entgehen. Viele seiner afghanischen Freunde sind bereits nach Syrien gezogen \u2013 und kamen niemals zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Alis Familie, ebenfalls Angeh\u00f6rige der Hazara-Minderheit, stammt urspr\u00fcnglich aus der Provinz Ghor im Nordosten Afghanistans. Ihre Heimat verlie\u00dfen sie w\u00e4hrend der sowjetischen Besatzung in den 1980er-Jahren.<\/p>\n\n\n\n

Seit jeher lebt die Familie in der iranischen Gro\u00dfstadt Maschhad. Als der Krieg in Syrien ausbrach, erreichte sie ein Konflikt, mit dem sie nicht gerechnet hatten. Im Juli 2015 reiste Alis Vater nach Teheran. Er wollte einen Weg finden, um f\u00fcr seine Familie Aufenthaltspapiere zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Beh\u00f6rden sagten ihm, dass die Rekrutierung f\u00fcr den Krieg in Syrien eine M\u00f6glichkeit darstellen k\u00f6nnte, um Papiere f\u00fcr uns alle zu erhalten. Andernfalls w\u00fcrde man uns sehr bald nach Afghanistan abschieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Mittlerweile k\u00e4mpfen Alis Vater und sein Onkel seit \u00fcber einem Jahr in Syrien. Am Aufenthaltsstatus seiner Familienmitglieder hat sich bis heute allerdings nichts ge\u00e4ndert. F\u00fcr Ali ist klar, dass dies nur eine Falle gewesen ist, um noch mehr Afghanen als Kanonenfutter zu missbrauchen.<\/p>\n\n\n\n

Anfangs gab es Papiere f\u00fcr K\u00e4mpfer-Familien<\/h2>\n\n\n\n

Den Kontakt zu seinem Vater hat der Afghane mittlerweile verloren. W\u00e4hrenddessen schickt ihm sein Onkel, der in Aleppo stationiert ist, hin und wieder Bilder \u00fcber den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ali denkt, dass nur sehr wenige Afghanen der Propaganda der iranischen Regierung glauben und in Syrien f\u00fcr eine \u201egute Sache\u201c k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

Source<\/a><\/p>\n","post_title":"Warum Afghanen in Syrien f\u00fcr Assad k\u00e4mpfen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"warum-afghanen-in-syrien-fur-assad-kampfen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3709","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":9},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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\u201eMein Cousin wurde dort get\u00f6tet. Auch andere Jungs aus unserer Gegend gingen nach Syrien und fielen dort. Lokale Zeitungen nannten sie \u201aM\u00e4rtyrer\u2018.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Lieber Flucht statt K\u00e4mpfer in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein solcher \u201eM\u00e4rtyrer\u201c wollte Abu Fazel allerdings nicht werden. Er floh eine Woche vor dem Beginn seiner dreimonatigen Kampfausbildung. Es war ihm lieber, ein Leben auf der Flucht zu verbringen, als in Syrien unschuldige Menschen f\u00fcr einen Diktator zu t\u00f6ten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch kam zu dem Schluss, dass ich nicht als M\u00f6rder weiterleben k\u00f6nnte. Stets dachte ich mir, dass selbst die schlimmsten Al-Qaida- oder IS-Terroristen Kinder haben k\u00f6nnten, die ihren Vater lieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Fazel verlor seinen eigenen Vater bereits sehr fr\u00fch. Er wurde Opfer des B\u00fcrgerkriegs in Afghanistan, der von 1989 bis 2001 tausende Menschen das Leben kostete. Auch der Iran mischte in der Zeit schon mit. Es ist allgemein bekannt, dass die schiitischen Hazara-Milizen, die den B\u00fcrgerkrieg ebenfalls mitanfachten, von der Regierung in Teheran unterst\u00fctzt wurden.<\/p>\n\n\n\n

Als Abu Fazel sich nun entschloss, aus der Gewaltspirale auszusteigen und nicht in Syrien zu k\u00e4mpfen, wuchs die Angst bei seiner Familie. Denn f\u00fcr die iranischen Beh\u00f6rden gilt: Hat man sich einmal gemeldet, gibt es kein zur\u00fcck. Man muss an die Front nach Syrien \u2013 oder wird zur\u00fcck nach Afghanistan abgeschoben, wo ebenfalls Krieg herrscht.<\/p>\n\n\n\n

Der einzige Ausweg f\u00fcr den jungen Afghanen war die Flucht. \u00dcber die T\u00fcrkei, Griechenland und die Balkranroute erreichte er mit gro\u00dfer M\u00fche Deutschland, wo er einen Asylantrag stellte.<\/p>\n\n\n\n

Erster Asylantrag in Deutschland abgelehnt<\/h2>\n\n\n\n

Als Grund nannte er seine Rekrutierung als Kindersoldat seitens des iranischen Regimes. Doch w\u00e4hrend diese Begr\u00fcndung in Abu Fazels Augen v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich war, sahen deutsche Beh\u00f6rden das anders. Sein erster Antrag wurde abgelehnt. Derzeit versucht er es ein zweites Mal. Die Bundesrepublik schiebt afghanische Gefl\u00fcchtete weiterhin ab.<\/p>\n\n\n\n

\"EinAbschiebung von Afghanen im Dezember 2016 mit einem Charterflug von Frankfurt nach Kabul. (dpa \/picture alliance \/ Boris Roessler)<\/p>\n\n\n\n

Die Verantwortlichen weisen in diesem Kontext immer wieder auf vermeintlich \u201esichere Gebiete\u201c im Land, die nicht n\u00e4her benannt werden.<\/p>\n\n\n\n

W\u00e4hrenddessen machen Menschenrechtsorganisationen regelm\u00e4\u00dfig darauf aufmerksam, dass keine Region am Hindukusch sicher ist. Stattdessen wird in manchen Gebieten nur weniger Krieg gef\u00fchrt als in anderen.<\/p>\n\n\n\n

\"SieDemonstranten protestieren in Frankfurt am Main gegen die Abschiebung von Afghanen. Auf einem der Transparente steht \u201eAfghanistan is not safe\u201c. (AFP \/ Daniel Roland)<\/p>\n\n\n\n

Alis Vater und Onkel k\u00e4mpfen in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein \u00e4hnliches Schicksal wie Abu Fazel erlitt der 18-j\u00e4hrige Ali (Namen ge\u00e4ndert). Auch er floh aus dem Iran nach Deutschland, um der Rekrutierung f\u00fcr Assads Milizen zu entgehen. Viele seiner afghanischen Freunde sind bereits nach Syrien gezogen \u2013 und kamen niemals zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Alis Familie, ebenfalls Angeh\u00f6rige der Hazara-Minderheit, stammt urspr\u00fcnglich aus der Provinz Ghor im Nordosten Afghanistans. Ihre Heimat verlie\u00dfen sie w\u00e4hrend der sowjetischen Besatzung in den 1980er-Jahren.<\/p>\n\n\n\n

Seit jeher lebt die Familie in der iranischen Gro\u00dfstadt Maschhad. Als der Krieg in Syrien ausbrach, erreichte sie ein Konflikt, mit dem sie nicht gerechnet hatten. Im Juli 2015 reiste Alis Vater nach Teheran. Er wollte einen Weg finden, um f\u00fcr seine Familie Aufenthaltspapiere zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Beh\u00f6rden sagten ihm, dass die Rekrutierung f\u00fcr den Krieg in Syrien eine M\u00f6glichkeit darstellen k\u00f6nnte, um Papiere f\u00fcr uns alle zu erhalten. Andernfalls w\u00fcrde man uns sehr bald nach Afghanistan abschieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Mittlerweile k\u00e4mpfen Alis Vater und sein Onkel seit \u00fcber einem Jahr in Syrien. Am Aufenthaltsstatus seiner Familienmitglieder hat sich bis heute allerdings nichts ge\u00e4ndert. F\u00fcr Ali ist klar, dass dies nur eine Falle gewesen ist, um noch mehr Afghanen als Kanonenfutter zu missbrauchen.<\/p>\n\n\n\n

Anfangs gab es Papiere f\u00fcr K\u00e4mpfer-Familien<\/h2>\n\n\n\n

Den Kontakt zu seinem Vater hat der Afghane mittlerweile verloren. W\u00e4hrenddessen schickt ihm sein Onkel, der in Aleppo stationiert ist, hin und wieder Bilder \u00fcber den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ali denkt, dass nur sehr wenige Afghanen der Propaganda der iranischen Regierung glauben und in Syrien f\u00fcr eine \u201egute Sache\u201c k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

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Im August 2014 entschloss sich auch Abu Fazel, nach Syrien zu gehen und zu k\u00e4mpfen. Im selben Monat wurde sein Cousin in der N\u00e4he von Aleppo im Kampf gegen syrische Rebellen get\u00f6tet.<\/p>\n\n\n\n

\u201eMein Cousin wurde dort get\u00f6tet. Auch andere Jungs aus unserer Gegend gingen nach Syrien und fielen dort. Lokale Zeitungen nannten sie \u201aM\u00e4rtyrer\u2018.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Lieber Flucht statt K\u00e4mpfer in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein solcher \u201eM\u00e4rtyrer\u201c wollte Abu Fazel allerdings nicht werden. Er floh eine Woche vor dem Beginn seiner dreimonatigen Kampfausbildung. Es war ihm lieber, ein Leben auf der Flucht zu verbringen, als in Syrien unschuldige Menschen f\u00fcr einen Diktator zu t\u00f6ten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch kam zu dem Schluss, dass ich nicht als M\u00f6rder weiterleben k\u00f6nnte. Stets dachte ich mir, dass selbst die schlimmsten Al-Qaida- oder IS-Terroristen Kinder haben k\u00f6nnten, die ihren Vater lieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Fazel verlor seinen eigenen Vater bereits sehr fr\u00fch. Er wurde Opfer des B\u00fcrgerkriegs in Afghanistan, der von 1989 bis 2001 tausende Menschen das Leben kostete. Auch der Iran mischte in der Zeit schon mit. Es ist allgemein bekannt, dass die schiitischen Hazara-Milizen, die den B\u00fcrgerkrieg ebenfalls mitanfachten, von der Regierung in Teheran unterst\u00fctzt wurden.<\/p>\n\n\n\n

Als Abu Fazel sich nun entschloss, aus der Gewaltspirale auszusteigen und nicht in Syrien zu k\u00e4mpfen, wuchs die Angst bei seiner Familie. Denn f\u00fcr die iranischen Beh\u00f6rden gilt: Hat man sich einmal gemeldet, gibt es kein zur\u00fcck. Man muss an die Front nach Syrien \u2013 oder wird zur\u00fcck nach Afghanistan abgeschoben, wo ebenfalls Krieg herrscht.<\/p>\n\n\n\n

Der einzige Ausweg f\u00fcr den jungen Afghanen war die Flucht. \u00dcber die T\u00fcrkei, Griechenland und die Balkranroute erreichte er mit gro\u00dfer M\u00fche Deutschland, wo er einen Asylantrag stellte.<\/p>\n\n\n\n

Erster Asylantrag in Deutschland abgelehnt<\/h2>\n\n\n\n

Als Grund nannte er seine Rekrutierung als Kindersoldat seitens des iranischen Regimes. Doch w\u00e4hrend diese Begr\u00fcndung in Abu Fazels Augen v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich war, sahen deutsche Beh\u00f6rden das anders. Sein erster Antrag wurde abgelehnt. Derzeit versucht er es ein zweites Mal. Die Bundesrepublik schiebt afghanische Gefl\u00fcchtete weiterhin ab.<\/p>\n\n\n\n

\"EinAbschiebung von Afghanen im Dezember 2016 mit einem Charterflug von Frankfurt nach Kabul. (dpa \/picture alliance \/ Boris Roessler)<\/p>\n\n\n\n

Die Verantwortlichen weisen in diesem Kontext immer wieder auf vermeintlich \u201esichere Gebiete\u201c im Land, die nicht n\u00e4her benannt werden.<\/p>\n\n\n\n

W\u00e4hrenddessen machen Menschenrechtsorganisationen regelm\u00e4\u00dfig darauf aufmerksam, dass keine Region am Hindukusch sicher ist. Stattdessen wird in manchen Gebieten nur weniger Krieg gef\u00fchrt als in anderen.<\/p>\n\n\n\n

\"SieDemonstranten protestieren in Frankfurt am Main gegen die Abschiebung von Afghanen. Auf einem der Transparente steht \u201eAfghanistan is not safe\u201c. (AFP \/ Daniel Roland)<\/p>\n\n\n\n

Alis Vater und Onkel k\u00e4mpfen in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein \u00e4hnliches Schicksal wie Abu Fazel erlitt der 18-j\u00e4hrige Ali (Namen ge\u00e4ndert). Auch er floh aus dem Iran nach Deutschland, um der Rekrutierung f\u00fcr Assads Milizen zu entgehen. Viele seiner afghanischen Freunde sind bereits nach Syrien gezogen \u2013 und kamen niemals zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Alis Familie, ebenfalls Angeh\u00f6rige der Hazara-Minderheit, stammt urspr\u00fcnglich aus der Provinz Ghor im Nordosten Afghanistans. Ihre Heimat verlie\u00dfen sie w\u00e4hrend der sowjetischen Besatzung in den 1980er-Jahren.<\/p>\n\n\n\n

Seit jeher lebt die Familie in der iranischen Gro\u00dfstadt Maschhad. Als der Krieg in Syrien ausbrach, erreichte sie ein Konflikt, mit dem sie nicht gerechnet hatten. Im Juli 2015 reiste Alis Vater nach Teheran. Er wollte einen Weg finden, um f\u00fcr seine Familie Aufenthaltspapiere zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Beh\u00f6rden sagten ihm, dass die Rekrutierung f\u00fcr den Krieg in Syrien eine M\u00f6glichkeit darstellen k\u00f6nnte, um Papiere f\u00fcr uns alle zu erhalten. Andernfalls w\u00fcrde man uns sehr bald nach Afghanistan abschieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Mittlerweile k\u00e4mpfen Alis Vater und sein Onkel seit \u00fcber einem Jahr in Syrien. Am Aufenthaltsstatus seiner Familienmitglieder hat sich bis heute allerdings nichts ge\u00e4ndert. F\u00fcr Ali ist klar, dass dies nur eine Falle gewesen ist, um noch mehr Afghanen als Kanonenfutter zu missbrauchen.<\/p>\n\n\n\n

Anfangs gab es Papiere f\u00fcr K\u00e4mpfer-Familien<\/h2>\n\n\n\n

Den Kontakt zu seinem Vater hat der Afghane mittlerweile verloren. W\u00e4hrenddessen schickt ihm sein Onkel, der in Aleppo stationiert ist, hin und wieder Bilder \u00fcber den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ali denkt, dass nur sehr wenige Afghanen der Propaganda der iranischen Regierung glauben und in Syrien f\u00fcr eine \u201egute Sache\u201c k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

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Erfolg hatten die Rekrutierer des Regimes auch bei Abu Fazels Cousin, der zum damaligen Zeitpunkt ebenfalls minderj\u00e4hrig gewesen ist. Er ging nach Syrien und k\u00e4mpfte unter der Flagge der \u201eLiwa Fatemiyoun\u201c, wie die afghanische Division auf Seiten Assads hei\u00dft. Offiziell ist die Aufgabe der Miliz die Verteidigung des Schreines von Zaynab im S\u00fcden von Damaskus. Zaynab war die Enkelin des islamischen Propheten Mohammad. Laut iranischen Staatsmedien k\u00e4mpfen mindestens 20.000 Afghanen in der Division.<\/p>\n\n\n\n

Im August 2014 entschloss sich auch Abu Fazel, nach Syrien zu gehen und zu k\u00e4mpfen. Im selben Monat wurde sein Cousin in der N\u00e4he von Aleppo im Kampf gegen syrische Rebellen get\u00f6tet.<\/p>\n\n\n\n

\u201eMein Cousin wurde dort get\u00f6tet. Auch andere Jungs aus unserer Gegend gingen nach Syrien und fielen dort. Lokale Zeitungen nannten sie \u201aM\u00e4rtyrer\u2018.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Lieber Flucht statt K\u00e4mpfer in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein solcher \u201eM\u00e4rtyrer\u201c wollte Abu Fazel allerdings nicht werden. Er floh eine Woche vor dem Beginn seiner dreimonatigen Kampfausbildung. Es war ihm lieber, ein Leben auf der Flucht zu verbringen, als in Syrien unschuldige Menschen f\u00fcr einen Diktator zu t\u00f6ten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch kam zu dem Schluss, dass ich nicht als M\u00f6rder weiterleben k\u00f6nnte. Stets dachte ich mir, dass selbst die schlimmsten Al-Qaida- oder IS-Terroristen Kinder haben k\u00f6nnten, die ihren Vater lieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Fazel verlor seinen eigenen Vater bereits sehr fr\u00fch. Er wurde Opfer des B\u00fcrgerkriegs in Afghanistan, der von 1989 bis 2001 tausende Menschen das Leben kostete. Auch der Iran mischte in der Zeit schon mit. Es ist allgemein bekannt, dass die schiitischen Hazara-Milizen, die den B\u00fcrgerkrieg ebenfalls mitanfachten, von der Regierung in Teheran unterst\u00fctzt wurden.<\/p>\n\n\n\n

Als Abu Fazel sich nun entschloss, aus der Gewaltspirale auszusteigen und nicht in Syrien zu k\u00e4mpfen, wuchs die Angst bei seiner Familie. Denn f\u00fcr die iranischen Beh\u00f6rden gilt: Hat man sich einmal gemeldet, gibt es kein zur\u00fcck. Man muss an die Front nach Syrien \u2013 oder wird zur\u00fcck nach Afghanistan abgeschoben, wo ebenfalls Krieg herrscht.<\/p>\n\n\n\n

Der einzige Ausweg f\u00fcr den jungen Afghanen war die Flucht. \u00dcber die T\u00fcrkei, Griechenland und die Balkranroute erreichte er mit gro\u00dfer M\u00fche Deutschland, wo er einen Asylantrag stellte.<\/p>\n\n\n\n

Erster Asylantrag in Deutschland abgelehnt<\/h2>\n\n\n\n

Als Grund nannte er seine Rekrutierung als Kindersoldat seitens des iranischen Regimes. Doch w\u00e4hrend diese Begr\u00fcndung in Abu Fazels Augen v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich war, sahen deutsche Beh\u00f6rden das anders. Sein erster Antrag wurde abgelehnt. Derzeit versucht er es ein zweites Mal. Die Bundesrepublik schiebt afghanische Gefl\u00fcchtete weiterhin ab.<\/p>\n\n\n\n

\"EinAbschiebung von Afghanen im Dezember 2016 mit einem Charterflug von Frankfurt nach Kabul. (dpa \/picture alliance \/ Boris Roessler)<\/p>\n\n\n\n

Die Verantwortlichen weisen in diesem Kontext immer wieder auf vermeintlich \u201esichere Gebiete\u201c im Land, die nicht n\u00e4her benannt werden.<\/p>\n\n\n\n

W\u00e4hrenddessen machen Menschenrechtsorganisationen regelm\u00e4\u00dfig darauf aufmerksam, dass keine Region am Hindukusch sicher ist. Stattdessen wird in manchen Gebieten nur weniger Krieg gef\u00fchrt als in anderen.<\/p>\n\n\n\n

\"SieDemonstranten protestieren in Frankfurt am Main gegen die Abschiebung von Afghanen. Auf einem der Transparente steht \u201eAfghanistan is not safe\u201c. (AFP \/ Daniel Roland)<\/p>\n\n\n\n

Alis Vater und Onkel k\u00e4mpfen in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein \u00e4hnliches Schicksal wie Abu Fazel erlitt der 18-j\u00e4hrige Ali (Namen ge\u00e4ndert). Auch er floh aus dem Iran nach Deutschland, um der Rekrutierung f\u00fcr Assads Milizen zu entgehen. Viele seiner afghanischen Freunde sind bereits nach Syrien gezogen \u2013 und kamen niemals zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Alis Familie, ebenfalls Angeh\u00f6rige der Hazara-Minderheit, stammt urspr\u00fcnglich aus der Provinz Ghor im Nordosten Afghanistans. Ihre Heimat verlie\u00dfen sie w\u00e4hrend der sowjetischen Besatzung in den 1980er-Jahren.<\/p>\n\n\n\n

Seit jeher lebt die Familie in der iranischen Gro\u00dfstadt Maschhad. Als der Krieg in Syrien ausbrach, erreichte sie ein Konflikt, mit dem sie nicht gerechnet hatten. Im Juli 2015 reiste Alis Vater nach Teheran. Er wollte einen Weg finden, um f\u00fcr seine Familie Aufenthaltspapiere zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Beh\u00f6rden sagten ihm, dass die Rekrutierung f\u00fcr den Krieg in Syrien eine M\u00f6glichkeit darstellen k\u00f6nnte, um Papiere f\u00fcr uns alle zu erhalten. Andernfalls w\u00fcrde man uns sehr bald nach Afghanistan abschieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Mittlerweile k\u00e4mpfen Alis Vater und sein Onkel seit \u00fcber einem Jahr in Syrien. Am Aufenthaltsstatus seiner Familienmitglieder hat sich bis heute allerdings nichts ge\u00e4ndert. F\u00fcr Ali ist klar, dass dies nur eine Falle gewesen ist, um noch mehr Afghanen als Kanonenfutter zu missbrauchen.<\/p>\n\n\n\n

Anfangs gab es Papiere f\u00fcr K\u00e4mpfer-Familien<\/h2>\n\n\n\n

Den Kontakt zu seinem Vater hat der Afghane mittlerweile verloren. W\u00e4hrenddessen schickt ihm sein Onkel, der in Aleppo stationiert ist, hin und wieder Bilder \u00fcber den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ali denkt, dass nur sehr wenige Afghanen der Propaganda der iranischen Regierung glauben und in Syrien f\u00fcr eine \u201egute Sache\u201c k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

Source<\/a><\/p>\n","post_title":"Warum Afghanen in Syrien f\u00fcr Assad k\u00e4mpfen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"warum-afghanen-in-syrien-fur-assad-kampfen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3709","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":9},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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\u201eSie trafen junge M\u00e4nner und Jugendliche in den Moscheen und \u00fcberredeten sie, gegen den IS oder Al Qaida zu k\u00e4mpfen. Die Gehirnw\u00e4sche war perfekt. Am Ende merkten viele, darunter auch ich, nicht einmal, dass wir in ihre Propaganda getappt waren. Ihre \u00dcberredungskunst war wirklich sehr speziell. Am Ende hat man Lust, nach Syrien zu gehen, um zu k\u00e4mpfen\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Erfolg hatten die Rekrutierer des Regimes auch bei Abu Fazels Cousin, der zum damaligen Zeitpunkt ebenfalls minderj\u00e4hrig gewesen ist. Er ging nach Syrien und k\u00e4mpfte unter der Flagge der \u201eLiwa Fatemiyoun\u201c, wie die afghanische Division auf Seiten Assads hei\u00dft. Offiziell ist die Aufgabe der Miliz die Verteidigung des Schreines von Zaynab im S\u00fcden von Damaskus. Zaynab war die Enkelin des islamischen Propheten Mohammad. Laut iranischen Staatsmedien k\u00e4mpfen mindestens 20.000 Afghanen in der Division.<\/p>\n\n\n\n

Im August 2014 entschloss sich auch Abu Fazel, nach Syrien zu gehen und zu k\u00e4mpfen. Im selben Monat wurde sein Cousin in der N\u00e4he von Aleppo im Kampf gegen syrische Rebellen get\u00f6tet.<\/p>\n\n\n\n

\u201eMein Cousin wurde dort get\u00f6tet. Auch andere Jungs aus unserer Gegend gingen nach Syrien und fielen dort. Lokale Zeitungen nannten sie \u201aM\u00e4rtyrer\u2018.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Lieber Flucht statt K\u00e4mpfer in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein solcher \u201eM\u00e4rtyrer\u201c wollte Abu Fazel allerdings nicht werden. Er floh eine Woche vor dem Beginn seiner dreimonatigen Kampfausbildung. Es war ihm lieber, ein Leben auf der Flucht zu verbringen, als in Syrien unschuldige Menschen f\u00fcr einen Diktator zu t\u00f6ten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch kam zu dem Schluss, dass ich nicht als M\u00f6rder weiterleben k\u00f6nnte. Stets dachte ich mir, dass selbst die schlimmsten Al-Qaida- oder IS-Terroristen Kinder haben k\u00f6nnten, die ihren Vater lieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Fazel verlor seinen eigenen Vater bereits sehr fr\u00fch. Er wurde Opfer des B\u00fcrgerkriegs in Afghanistan, der von 1989 bis 2001 tausende Menschen das Leben kostete. Auch der Iran mischte in der Zeit schon mit. Es ist allgemein bekannt, dass die schiitischen Hazara-Milizen, die den B\u00fcrgerkrieg ebenfalls mitanfachten, von der Regierung in Teheran unterst\u00fctzt wurden.<\/p>\n\n\n\n

Als Abu Fazel sich nun entschloss, aus der Gewaltspirale auszusteigen und nicht in Syrien zu k\u00e4mpfen, wuchs die Angst bei seiner Familie. Denn f\u00fcr die iranischen Beh\u00f6rden gilt: Hat man sich einmal gemeldet, gibt es kein zur\u00fcck. Man muss an die Front nach Syrien \u2013 oder wird zur\u00fcck nach Afghanistan abgeschoben, wo ebenfalls Krieg herrscht.<\/p>\n\n\n\n

Der einzige Ausweg f\u00fcr den jungen Afghanen war die Flucht. \u00dcber die T\u00fcrkei, Griechenland und die Balkranroute erreichte er mit gro\u00dfer M\u00fche Deutschland, wo er einen Asylantrag stellte.<\/p>\n\n\n\n

Erster Asylantrag in Deutschland abgelehnt<\/h2>\n\n\n\n

Als Grund nannte er seine Rekrutierung als Kindersoldat seitens des iranischen Regimes. Doch w\u00e4hrend diese Begr\u00fcndung in Abu Fazels Augen v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich war, sahen deutsche Beh\u00f6rden das anders. Sein erster Antrag wurde abgelehnt. Derzeit versucht er es ein zweites Mal. Die Bundesrepublik schiebt afghanische Gefl\u00fcchtete weiterhin ab.<\/p>\n\n\n\n

\"EinAbschiebung von Afghanen im Dezember 2016 mit einem Charterflug von Frankfurt nach Kabul. (dpa \/picture alliance \/ Boris Roessler)<\/p>\n\n\n\n

Die Verantwortlichen weisen in diesem Kontext immer wieder auf vermeintlich \u201esichere Gebiete\u201c im Land, die nicht n\u00e4her benannt werden.<\/p>\n\n\n\n

W\u00e4hrenddessen machen Menschenrechtsorganisationen regelm\u00e4\u00dfig darauf aufmerksam, dass keine Region am Hindukusch sicher ist. Stattdessen wird in manchen Gebieten nur weniger Krieg gef\u00fchrt als in anderen.<\/p>\n\n\n\n

\"SieDemonstranten protestieren in Frankfurt am Main gegen die Abschiebung von Afghanen. Auf einem der Transparente steht \u201eAfghanistan is not safe\u201c. (AFP \/ Daniel Roland)<\/p>\n\n\n\n

Alis Vater und Onkel k\u00e4mpfen in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein \u00e4hnliches Schicksal wie Abu Fazel erlitt der 18-j\u00e4hrige Ali (Namen ge\u00e4ndert). Auch er floh aus dem Iran nach Deutschland, um der Rekrutierung f\u00fcr Assads Milizen zu entgehen. Viele seiner afghanischen Freunde sind bereits nach Syrien gezogen \u2013 und kamen niemals zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Alis Familie, ebenfalls Angeh\u00f6rige der Hazara-Minderheit, stammt urspr\u00fcnglich aus der Provinz Ghor im Nordosten Afghanistans. Ihre Heimat verlie\u00dfen sie w\u00e4hrend der sowjetischen Besatzung in den 1980er-Jahren.<\/p>\n\n\n\n

Seit jeher lebt die Familie in der iranischen Gro\u00dfstadt Maschhad. Als der Krieg in Syrien ausbrach, erreichte sie ein Konflikt, mit dem sie nicht gerechnet hatten. Im Juli 2015 reiste Alis Vater nach Teheran. Er wollte einen Weg finden, um f\u00fcr seine Familie Aufenthaltspapiere zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Beh\u00f6rden sagten ihm, dass die Rekrutierung f\u00fcr den Krieg in Syrien eine M\u00f6glichkeit darstellen k\u00f6nnte, um Papiere f\u00fcr uns alle zu erhalten. Andernfalls w\u00fcrde man uns sehr bald nach Afghanistan abschieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Mittlerweile k\u00e4mpfen Alis Vater und sein Onkel seit \u00fcber einem Jahr in Syrien. Am Aufenthaltsstatus seiner Familienmitglieder hat sich bis heute allerdings nichts ge\u00e4ndert. F\u00fcr Ali ist klar, dass dies nur eine Falle gewesen ist, um noch mehr Afghanen als Kanonenfutter zu missbrauchen.<\/p>\n\n\n\n

Anfangs gab es Papiere f\u00fcr K\u00e4mpfer-Familien<\/h2>\n\n\n\n

Den Kontakt zu seinem Vater hat der Afghane mittlerweile verloren. W\u00e4hrenddessen schickt ihm sein Onkel, der in Aleppo stationiert ist, hin und wieder Bilder \u00fcber den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ali denkt, dass nur sehr wenige Afghanen der Propaganda der iranischen Regierung glauben und in Syrien f\u00fcr eine \u201egute Sache\u201c k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

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An der Rekrutierung der Afghanen sind sowohl die Revolutionsgarden als auch die erw\u00e4hnten Basidsch-Milizen beteiligt. Abu Fazel beschreibt, wie das Viertel, in dem er gemeinsam mit seiner Familie in Teheran lebte, regelm\u00e4\u00dfig von den K\u00e4mpfern aufgesucht wurde. Viele afghanische Gefl\u00fcchtete lebten dort \u2013 und fielen auf die Gehirnw\u00e4sche der Rattenf\u00e4nger herein.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie trafen junge M\u00e4nner und Jugendliche in den Moscheen und \u00fcberredeten sie, gegen den IS oder Al Qaida zu k\u00e4mpfen. Die Gehirnw\u00e4sche war perfekt. Am Ende merkten viele, darunter auch ich, nicht einmal, dass wir in ihre Propaganda getappt waren. Ihre \u00dcberredungskunst war wirklich sehr speziell. Am Ende hat man Lust, nach Syrien zu gehen, um zu k\u00e4mpfen\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Erfolg hatten die Rekrutierer des Regimes auch bei Abu Fazels Cousin, der zum damaligen Zeitpunkt ebenfalls minderj\u00e4hrig gewesen ist. Er ging nach Syrien und k\u00e4mpfte unter der Flagge der \u201eLiwa Fatemiyoun\u201c, wie die afghanische Division auf Seiten Assads hei\u00dft. Offiziell ist die Aufgabe der Miliz die Verteidigung des Schreines von Zaynab im S\u00fcden von Damaskus. Zaynab war die Enkelin des islamischen Propheten Mohammad. Laut iranischen Staatsmedien k\u00e4mpfen mindestens 20.000 Afghanen in der Division.<\/p>\n\n\n\n

Im August 2014 entschloss sich auch Abu Fazel, nach Syrien zu gehen und zu k\u00e4mpfen. Im selben Monat wurde sein Cousin in der N\u00e4he von Aleppo im Kampf gegen syrische Rebellen get\u00f6tet.<\/p>\n\n\n\n

\u201eMein Cousin wurde dort get\u00f6tet. Auch andere Jungs aus unserer Gegend gingen nach Syrien und fielen dort. Lokale Zeitungen nannten sie \u201aM\u00e4rtyrer\u2018.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Lieber Flucht statt K\u00e4mpfer in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein solcher \u201eM\u00e4rtyrer\u201c wollte Abu Fazel allerdings nicht werden. Er floh eine Woche vor dem Beginn seiner dreimonatigen Kampfausbildung. Es war ihm lieber, ein Leben auf der Flucht zu verbringen, als in Syrien unschuldige Menschen f\u00fcr einen Diktator zu t\u00f6ten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch kam zu dem Schluss, dass ich nicht als M\u00f6rder weiterleben k\u00f6nnte. Stets dachte ich mir, dass selbst die schlimmsten Al-Qaida- oder IS-Terroristen Kinder haben k\u00f6nnten, die ihren Vater lieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Fazel verlor seinen eigenen Vater bereits sehr fr\u00fch. Er wurde Opfer des B\u00fcrgerkriegs in Afghanistan, der von 1989 bis 2001 tausende Menschen das Leben kostete. Auch der Iran mischte in der Zeit schon mit. Es ist allgemein bekannt, dass die schiitischen Hazara-Milizen, die den B\u00fcrgerkrieg ebenfalls mitanfachten, von der Regierung in Teheran unterst\u00fctzt wurden.<\/p>\n\n\n\n

Als Abu Fazel sich nun entschloss, aus der Gewaltspirale auszusteigen und nicht in Syrien zu k\u00e4mpfen, wuchs die Angst bei seiner Familie. Denn f\u00fcr die iranischen Beh\u00f6rden gilt: Hat man sich einmal gemeldet, gibt es kein zur\u00fcck. Man muss an die Front nach Syrien \u2013 oder wird zur\u00fcck nach Afghanistan abgeschoben, wo ebenfalls Krieg herrscht.<\/p>\n\n\n\n

Der einzige Ausweg f\u00fcr den jungen Afghanen war die Flucht. \u00dcber die T\u00fcrkei, Griechenland und die Balkranroute erreichte er mit gro\u00dfer M\u00fche Deutschland, wo er einen Asylantrag stellte.<\/p>\n\n\n\n

Erster Asylantrag in Deutschland abgelehnt<\/h2>\n\n\n\n

Als Grund nannte er seine Rekrutierung als Kindersoldat seitens des iranischen Regimes. Doch w\u00e4hrend diese Begr\u00fcndung in Abu Fazels Augen v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich war, sahen deutsche Beh\u00f6rden das anders. Sein erster Antrag wurde abgelehnt. Derzeit versucht er es ein zweites Mal. Die Bundesrepublik schiebt afghanische Gefl\u00fcchtete weiterhin ab.<\/p>\n\n\n\n

\"EinAbschiebung von Afghanen im Dezember 2016 mit einem Charterflug von Frankfurt nach Kabul. (dpa \/picture alliance \/ Boris Roessler)<\/p>\n\n\n\n

Die Verantwortlichen weisen in diesem Kontext immer wieder auf vermeintlich \u201esichere Gebiete\u201c im Land, die nicht n\u00e4her benannt werden.<\/p>\n\n\n\n

W\u00e4hrenddessen machen Menschenrechtsorganisationen regelm\u00e4\u00dfig darauf aufmerksam, dass keine Region am Hindukusch sicher ist. Stattdessen wird in manchen Gebieten nur weniger Krieg gef\u00fchrt als in anderen.<\/p>\n\n\n\n

\"SieDemonstranten protestieren in Frankfurt am Main gegen die Abschiebung von Afghanen. Auf einem der Transparente steht \u201eAfghanistan is not safe\u201c. (AFP \/ Daniel Roland)<\/p>\n\n\n\n

Alis Vater und Onkel k\u00e4mpfen in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein \u00e4hnliches Schicksal wie Abu Fazel erlitt der 18-j\u00e4hrige Ali (Namen ge\u00e4ndert). Auch er floh aus dem Iran nach Deutschland, um der Rekrutierung f\u00fcr Assads Milizen zu entgehen. Viele seiner afghanischen Freunde sind bereits nach Syrien gezogen \u2013 und kamen niemals zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Alis Familie, ebenfalls Angeh\u00f6rige der Hazara-Minderheit, stammt urspr\u00fcnglich aus der Provinz Ghor im Nordosten Afghanistans. Ihre Heimat verlie\u00dfen sie w\u00e4hrend der sowjetischen Besatzung in den 1980er-Jahren.<\/p>\n\n\n\n

Seit jeher lebt die Familie in der iranischen Gro\u00dfstadt Maschhad. Als der Krieg in Syrien ausbrach, erreichte sie ein Konflikt, mit dem sie nicht gerechnet hatten. Im Juli 2015 reiste Alis Vater nach Teheran. Er wollte einen Weg finden, um f\u00fcr seine Familie Aufenthaltspapiere zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Beh\u00f6rden sagten ihm, dass die Rekrutierung f\u00fcr den Krieg in Syrien eine M\u00f6glichkeit darstellen k\u00f6nnte, um Papiere f\u00fcr uns alle zu erhalten. Andernfalls w\u00fcrde man uns sehr bald nach Afghanistan abschieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Mittlerweile k\u00e4mpfen Alis Vater und sein Onkel seit \u00fcber einem Jahr in Syrien. Am Aufenthaltsstatus seiner Familienmitglieder hat sich bis heute allerdings nichts ge\u00e4ndert. F\u00fcr Ali ist klar, dass dies nur eine Falle gewesen ist, um noch mehr Afghanen als Kanonenfutter zu missbrauchen.<\/p>\n\n\n\n

Anfangs gab es Papiere f\u00fcr K\u00e4mpfer-Familien<\/h2>\n\n\n\n

Den Kontakt zu seinem Vater hat der Afghane mittlerweile verloren. W\u00e4hrenddessen schickt ihm sein Onkel, der in Aleppo stationiert ist, hin und wieder Bilder \u00fcber den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ali denkt, dass nur sehr wenige Afghanen der Propaganda der iranischen Regierung glauben und in Syrien f\u00fcr eine \u201egute Sache\u201c k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

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Abu Fazels Familie geh\u00f6rt zur afghanischen Minderheit der schiitischen Hazara \u2013 wie viele Afghanen, die in den Iran gekommen sind. Mittlerweile k\u00e4mpfen Tausende von ihnen in Syrien. Der Iran bezahlt die Afghanen mit einem Sold von wenigen hundert Dollar pro Monat und verspricht ihren Familien eine Aufenthaltsgenehmigung oder eine Arbeitserlaubnis.<\/p>\n\n\n\n

An der Rekrutierung der Afghanen sind sowohl die Revolutionsgarden als auch die erw\u00e4hnten Basidsch-Milizen beteiligt. Abu Fazel beschreibt, wie das Viertel, in dem er gemeinsam mit seiner Familie in Teheran lebte, regelm\u00e4\u00dfig von den K\u00e4mpfern aufgesucht wurde. Viele afghanische Gefl\u00fcchtete lebten dort \u2013 und fielen auf die Gehirnw\u00e4sche der Rattenf\u00e4nger herein.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie trafen junge M\u00e4nner und Jugendliche in den Moscheen und \u00fcberredeten sie, gegen den IS oder Al Qaida zu k\u00e4mpfen. Die Gehirnw\u00e4sche war perfekt. Am Ende merkten viele, darunter auch ich, nicht einmal, dass wir in ihre Propaganda getappt waren. Ihre \u00dcberredungskunst war wirklich sehr speziell. Am Ende hat man Lust, nach Syrien zu gehen, um zu k\u00e4mpfen\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Erfolg hatten die Rekrutierer des Regimes auch bei Abu Fazels Cousin, der zum damaligen Zeitpunkt ebenfalls minderj\u00e4hrig gewesen ist. Er ging nach Syrien und k\u00e4mpfte unter der Flagge der \u201eLiwa Fatemiyoun\u201c, wie die afghanische Division auf Seiten Assads hei\u00dft. Offiziell ist die Aufgabe der Miliz die Verteidigung des Schreines von Zaynab im S\u00fcden von Damaskus. Zaynab war die Enkelin des islamischen Propheten Mohammad. Laut iranischen Staatsmedien k\u00e4mpfen mindestens 20.000 Afghanen in der Division.<\/p>\n\n\n\n

Im August 2014 entschloss sich auch Abu Fazel, nach Syrien zu gehen und zu k\u00e4mpfen. Im selben Monat wurde sein Cousin in der N\u00e4he von Aleppo im Kampf gegen syrische Rebellen get\u00f6tet.<\/p>\n\n\n\n

\u201eMein Cousin wurde dort get\u00f6tet. Auch andere Jungs aus unserer Gegend gingen nach Syrien und fielen dort. Lokale Zeitungen nannten sie \u201aM\u00e4rtyrer\u2018.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Lieber Flucht statt K\u00e4mpfer in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein solcher \u201eM\u00e4rtyrer\u201c wollte Abu Fazel allerdings nicht werden. Er floh eine Woche vor dem Beginn seiner dreimonatigen Kampfausbildung. Es war ihm lieber, ein Leben auf der Flucht zu verbringen, als in Syrien unschuldige Menschen f\u00fcr einen Diktator zu t\u00f6ten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch kam zu dem Schluss, dass ich nicht als M\u00f6rder weiterleben k\u00f6nnte. Stets dachte ich mir, dass selbst die schlimmsten Al-Qaida- oder IS-Terroristen Kinder haben k\u00f6nnten, die ihren Vater lieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Fazel verlor seinen eigenen Vater bereits sehr fr\u00fch. Er wurde Opfer des B\u00fcrgerkriegs in Afghanistan, der von 1989 bis 2001 tausende Menschen das Leben kostete. Auch der Iran mischte in der Zeit schon mit. Es ist allgemein bekannt, dass die schiitischen Hazara-Milizen, die den B\u00fcrgerkrieg ebenfalls mitanfachten, von der Regierung in Teheran unterst\u00fctzt wurden.<\/p>\n\n\n\n

Als Abu Fazel sich nun entschloss, aus der Gewaltspirale auszusteigen und nicht in Syrien zu k\u00e4mpfen, wuchs die Angst bei seiner Familie. Denn f\u00fcr die iranischen Beh\u00f6rden gilt: Hat man sich einmal gemeldet, gibt es kein zur\u00fcck. Man muss an die Front nach Syrien \u2013 oder wird zur\u00fcck nach Afghanistan abgeschoben, wo ebenfalls Krieg herrscht.<\/p>\n\n\n\n

Der einzige Ausweg f\u00fcr den jungen Afghanen war die Flucht. \u00dcber die T\u00fcrkei, Griechenland und die Balkranroute erreichte er mit gro\u00dfer M\u00fche Deutschland, wo er einen Asylantrag stellte.<\/p>\n\n\n\n

Erster Asylantrag in Deutschland abgelehnt<\/h2>\n\n\n\n

Als Grund nannte er seine Rekrutierung als Kindersoldat seitens des iranischen Regimes. Doch w\u00e4hrend diese Begr\u00fcndung in Abu Fazels Augen v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich war, sahen deutsche Beh\u00f6rden das anders. Sein erster Antrag wurde abgelehnt. Derzeit versucht er es ein zweites Mal. Die Bundesrepublik schiebt afghanische Gefl\u00fcchtete weiterhin ab.<\/p>\n\n\n\n

\"EinAbschiebung von Afghanen im Dezember 2016 mit einem Charterflug von Frankfurt nach Kabul. (dpa \/picture alliance \/ Boris Roessler)<\/p>\n\n\n\n

Die Verantwortlichen weisen in diesem Kontext immer wieder auf vermeintlich \u201esichere Gebiete\u201c im Land, die nicht n\u00e4her benannt werden.<\/p>\n\n\n\n

W\u00e4hrenddessen machen Menschenrechtsorganisationen regelm\u00e4\u00dfig darauf aufmerksam, dass keine Region am Hindukusch sicher ist. Stattdessen wird in manchen Gebieten nur weniger Krieg gef\u00fchrt als in anderen.<\/p>\n\n\n\n

\"SieDemonstranten protestieren in Frankfurt am Main gegen die Abschiebung von Afghanen. Auf einem der Transparente steht \u201eAfghanistan is not safe\u201c. (AFP \/ Daniel Roland)<\/p>\n\n\n\n

Alis Vater und Onkel k\u00e4mpfen in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein \u00e4hnliches Schicksal wie Abu Fazel erlitt der 18-j\u00e4hrige Ali (Namen ge\u00e4ndert). Auch er floh aus dem Iran nach Deutschland, um der Rekrutierung f\u00fcr Assads Milizen zu entgehen. Viele seiner afghanischen Freunde sind bereits nach Syrien gezogen \u2013 und kamen niemals zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Alis Familie, ebenfalls Angeh\u00f6rige der Hazara-Minderheit, stammt urspr\u00fcnglich aus der Provinz Ghor im Nordosten Afghanistans. Ihre Heimat verlie\u00dfen sie w\u00e4hrend der sowjetischen Besatzung in den 1980er-Jahren.<\/p>\n\n\n\n

Seit jeher lebt die Familie in der iranischen Gro\u00dfstadt Maschhad. Als der Krieg in Syrien ausbrach, erreichte sie ein Konflikt, mit dem sie nicht gerechnet hatten. Im Juli 2015 reiste Alis Vater nach Teheran. Er wollte einen Weg finden, um f\u00fcr seine Familie Aufenthaltspapiere zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Beh\u00f6rden sagten ihm, dass die Rekrutierung f\u00fcr den Krieg in Syrien eine M\u00f6glichkeit darstellen k\u00f6nnte, um Papiere f\u00fcr uns alle zu erhalten. Andernfalls w\u00fcrde man uns sehr bald nach Afghanistan abschieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Mittlerweile k\u00e4mpfen Alis Vater und sein Onkel seit \u00fcber einem Jahr in Syrien. Am Aufenthaltsstatus seiner Familienmitglieder hat sich bis heute allerdings nichts ge\u00e4ndert. F\u00fcr Ali ist klar, dass dies nur eine Falle gewesen ist, um noch mehr Afghanen als Kanonenfutter zu missbrauchen.<\/p>\n\n\n\n

Anfangs gab es Papiere f\u00fcr K\u00e4mpfer-Familien<\/h2>\n\n\n\n

Den Kontakt zu seinem Vater hat der Afghane mittlerweile verloren. W\u00e4hrenddessen schickt ihm sein Onkel, der in Aleppo stationiert ist, hin und wieder Bilder \u00fcber den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ali denkt, dass nur sehr wenige Afghanen der Propaganda der iranischen Regierung glauben und in Syrien f\u00fcr eine \u201egute Sache\u201c k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

Source<\/a><\/p>\n","post_title":"Warum Afghanen in Syrien f\u00fcr Assad k\u00e4mpfen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"warum-afghanen-in-syrien-fur-assad-kampfen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3709","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":9},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Die Rekrutierung war wie eine Gehirnw\u00e4sche<\/h2>\n\n\n\n

Abu Fazels Familie geh\u00f6rt zur afghanischen Minderheit der schiitischen Hazara \u2013 wie viele Afghanen, die in den Iran gekommen sind. Mittlerweile k\u00e4mpfen Tausende von ihnen in Syrien. Der Iran bezahlt die Afghanen mit einem Sold von wenigen hundert Dollar pro Monat und verspricht ihren Familien eine Aufenthaltsgenehmigung oder eine Arbeitserlaubnis.<\/p>\n\n\n\n

An der Rekrutierung der Afghanen sind sowohl die Revolutionsgarden als auch die erw\u00e4hnten Basidsch-Milizen beteiligt. Abu Fazel beschreibt, wie das Viertel, in dem er gemeinsam mit seiner Familie in Teheran lebte, regelm\u00e4\u00dfig von den K\u00e4mpfern aufgesucht wurde. Viele afghanische Gefl\u00fcchtete lebten dort \u2013 und fielen auf die Gehirnw\u00e4sche der Rattenf\u00e4nger herein.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie trafen junge M\u00e4nner und Jugendliche in den Moscheen und \u00fcberredeten sie, gegen den IS oder Al Qaida zu k\u00e4mpfen. Die Gehirnw\u00e4sche war perfekt. Am Ende merkten viele, darunter auch ich, nicht einmal, dass wir in ihre Propaganda getappt waren. Ihre \u00dcberredungskunst war wirklich sehr speziell. Am Ende hat man Lust, nach Syrien zu gehen, um zu k\u00e4mpfen\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Erfolg hatten die Rekrutierer des Regimes auch bei Abu Fazels Cousin, der zum damaligen Zeitpunkt ebenfalls minderj\u00e4hrig gewesen ist. Er ging nach Syrien und k\u00e4mpfte unter der Flagge der \u201eLiwa Fatemiyoun\u201c, wie die afghanische Division auf Seiten Assads hei\u00dft. Offiziell ist die Aufgabe der Miliz die Verteidigung des Schreines von Zaynab im S\u00fcden von Damaskus. Zaynab war die Enkelin des islamischen Propheten Mohammad. Laut iranischen Staatsmedien k\u00e4mpfen mindestens 20.000 Afghanen in der Division.<\/p>\n\n\n\n

Im August 2014 entschloss sich auch Abu Fazel, nach Syrien zu gehen und zu k\u00e4mpfen. Im selben Monat wurde sein Cousin in der N\u00e4he von Aleppo im Kampf gegen syrische Rebellen get\u00f6tet.<\/p>\n\n\n\n

\u201eMein Cousin wurde dort get\u00f6tet. Auch andere Jungs aus unserer Gegend gingen nach Syrien und fielen dort. Lokale Zeitungen nannten sie \u201aM\u00e4rtyrer\u2018.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Lieber Flucht statt K\u00e4mpfer in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein solcher \u201eM\u00e4rtyrer\u201c wollte Abu Fazel allerdings nicht werden. Er floh eine Woche vor dem Beginn seiner dreimonatigen Kampfausbildung. Es war ihm lieber, ein Leben auf der Flucht zu verbringen, als in Syrien unschuldige Menschen f\u00fcr einen Diktator zu t\u00f6ten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch kam zu dem Schluss, dass ich nicht als M\u00f6rder weiterleben k\u00f6nnte. Stets dachte ich mir, dass selbst die schlimmsten Al-Qaida- oder IS-Terroristen Kinder haben k\u00f6nnten, die ihren Vater lieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Fazel verlor seinen eigenen Vater bereits sehr fr\u00fch. Er wurde Opfer des B\u00fcrgerkriegs in Afghanistan, der von 1989 bis 2001 tausende Menschen das Leben kostete. Auch der Iran mischte in der Zeit schon mit. Es ist allgemein bekannt, dass die schiitischen Hazara-Milizen, die den B\u00fcrgerkrieg ebenfalls mitanfachten, von der Regierung in Teheran unterst\u00fctzt wurden.<\/p>\n\n\n\n

Als Abu Fazel sich nun entschloss, aus der Gewaltspirale auszusteigen und nicht in Syrien zu k\u00e4mpfen, wuchs die Angst bei seiner Familie. Denn f\u00fcr die iranischen Beh\u00f6rden gilt: Hat man sich einmal gemeldet, gibt es kein zur\u00fcck. Man muss an die Front nach Syrien \u2013 oder wird zur\u00fcck nach Afghanistan abgeschoben, wo ebenfalls Krieg herrscht.<\/p>\n\n\n\n

Der einzige Ausweg f\u00fcr den jungen Afghanen war die Flucht. \u00dcber die T\u00fcrkei, Griechenland und die Balkranroute erreichte er mit gro\u00dfer M\u00fche Deutschland, wo er einen Asylantrag stellte.<\/p>\n\n\n\n

Erster Asylantrag in Deutschland abgelehnt<\/h2>\n\n\n\n

Als Grund nannte er seine Rekrutierung als Kindersoldat seitens des iranischen Regimes. Doch w\u00e4hrend diese Begr\u00fcndung in Abu Fazels Augen v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich war, sahen deutsche Beh\u00f6rden das anders. Sein erster Antrag wurde abgelehnt. Derzeit versucht er es ein zweites Mal. Die Bundesrepublik schiebt afghanische Gefl\u00fcchtete weiterhin ab.<\/p>\n\n\n\n

\"EinAbschiebung von Afghanen im Dezember 2016 mit einem Charterflug von Frankfurt nach Kabul. (dpa \/picture alliance \/ Boris Roessler)<\/p>\n\n\n\n

Die Verantwortlichen weisen in diesem Kontext immer wieder auf vermeintlich \u201esichere Gebiete\u201c im Land, die nicht n\u00e4her benannt werden.<\/p>\n\n\n\n

W\u00e4hrenddessen machen Menschenrechtsorganisationen regelm\u00e4\u00dfig darauf aufmerksam, dass keine Region am Hindukusch sicher ist. Stattdessen wird in manchen Gebieten nur weniger Krieg gef\u00fchrt als in anderen.<\/p>\n\n\n\n

\"SieDemonstranten protestieren in Frankfurt am Main gegen die Abschiebung von Afghanen. Auf einem der Transparente steht \u201eAfghanistan is not safe\u201c. (AFP \/ Daniel Roland)<\/p>\n\n\n\n

Alis Vater und Onkel k\u00e4mpfen in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein \u00e4hnliches Schicksal wie Abu Fazel erlitt der 18-j\u00e4hrige Ali (Namen ge\u00e4ndert). Auch er floh aus dem Iran nach Deutschland, um der Rekrutierung f\u00fcr Assads Milizen zu entgehen. Viele seiner afghanischen Freunde sind bereits nach Syrien gezogen \u2013 und kamen niemals zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Alis Familie, ebenfalls Angeh\u00f6rige der Hazara-Minderheit, stammt urspr\u00fcnglich aus der Provinz Ghor im Nordosten Afghanistans. Ihre Heimat verlie\u00dfen sie w\u00e4hrend der sowjetischen Besatzung in den 1980er-Jahren.<\/p>\n\n\n\n

Seit jeher lebt die Familie in der iranischen Gro\u00dfstadt Maschhad. Als der Krieg in Syrien ausbrach, erreichte sie ein Konflikt, mit dem sie nicht gerechnet hatten. Im Juli 2015 reiste Alis Vater nach Teheran. Er wollte einen Weg finden, um f\u00fcr seine Familie Aufenthaltspapiere zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Beh\u00f6rden sagten ihm, dass die Rekrutierung f\u00fcr den Krieg in Syrien eine M\u00f6glichkeit darstellen k\u00f6nnte, um Papiere f\u00fcr uns alle zu erhalten. Andernfalls w\u00fcrde man uns sehr bald nach Afghanistan abschieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Mittlerweile k\u00e4mpfen Alis Vater und sein Onkel seit \u00fcber einem Jahr in Syrien. Am Aufenthaltsstatus seiner Familienmitglieder hat sich bis heute allerdings nichts ge\u00e4ndert. F\u00fcr Ali ist klar, dass dies nur eine Falle gewesen ist, um noch mehr Afghanen als Kanonenfutter zu missbrauchen.<\/p>\n\n\n\n

Anfangs gab es Papiere f\u00fcr K\u00e4mpfer-Familien<\/h2>\n\n\n\n

Den Kontakt zu seinem Vater hat der Afghane mittlerweile verloren. W\u00e4hrenddessen schickt ihm sein Onkel, der in Aleppo stationiert ist, hin und wieder Bilder \u00fcber den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ali denkt, dass nur sehr wenige Afghanen der Propaganda der iranischen Regierung glauben und in Syrien f\u00fcr eine \u201egute Sache\u201c k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

Source<\/a><\/p>\n","post_title":"Warum Afghanen in Syrien f\u00fcr Assad k\u00e4mpfen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"warum-afghanen-in-syrien-fur-assad-kampfen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3709","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":9},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Obowhl sich das syrische Regime von Baschar al-Assad als s\u00e4kular ausweist, wird es vom Iran, der sich als Repr\u00e4sentant aller muslimischen Schiiten betrachtet, unterst\u00fctzt. Gemeinsames Ziel in Syrien ist es: Schiiten vor sunnitische Extremisten zu verteidigen. Dennoch ist das Regime darauf bedacht, m\u00f6glichst wenig eigene K\u00e4mpfer nach Syrien zu schicken. \u00c4hnlich wie einst w\u00e4hrend des Krieges gegen Saddam Husseins Irak, setzt der Iran auf ausl\u00e4ndische K\u00e4mpfer.<\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung war wie eine Gehirnw\u00e4sche<\/h2>\n\n\n\n

Abu Fazels Familie geh\u00f6rt zur afghanischen Minderheit der schiitischen Hazara \u2013 wie viele Afghanen, die in den Iran gekommen sind. Mittlerweile k\u00e4mpfen Tausende von ihnen in Syrien. Der Iran bezahlt die Afghanen mit einem Sold von wenigen hundert Dollar pro Monat und verspricht ihren Familien eine Aufenthaltsgenehmigung oder eine Arbeitserlaubnis.<\/p>\n\n\n\n

An der Rekrutierung der Afghanen sind sowohl die Revolutionsgarden als auch die erw\u00e4hnten Basidsch-Milizen beteiligt. Abu Fazel beschreibt, wie das Viertel, in dem er gemeinsam mit seiner Familie in Teheran lebte, regelm\u00e4\u00dfig von den K\u00e4mpfern aufgesucht wurde. Viele afghanische Gefl\u00fcchtete lebten dort \u2013 und fielen auf die Gehirnw\u00e4sche der Rattenf\u00e4nger herein.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie trafen junge M\u00e4nner und Jugendliche in den Moscheen und \u00fcberredeten sie, gegen den IS oder Al Qaida zu k\u00e4mpfen. Die Gehirnw\u00e4sche war perfekt. Am Ende merkten viele, darunter auch ich, nicht einmal, dass wir in ihre Propaganda getappt waren. Ihre \u00dcberredungskunst war wirklich sehr speziell. Am Ende hat man Lust, nach Syrien zu gehen, um zu k\u00e4mpfen\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Erfolg hatten die Rekrutierer des Regimes auch bei Abu Fazels Cousin, der zum damaligen Zeitpunkt ebenfalls minderj\u00e4hrig gewesen ist. Er ging nach Syrien und k\u00e4mpfte unter der Flagge der \u201eLiwa Fatemiyoun\u201c, wie die afghanische Division auf Seiten Assads hei\u00dft. Offiziell ist die Aufgabe der Miliz die Verteidigung des Schreines von Zaynab im S\u00fcden von Damaskus. Zaynab war die Enkelin des islamischen Propheten Mohammad. Laut iranischen Staatsmedien k\u00e4mpfen mindestens 20.000 Afghanen in der Division.<\/p>\n\n\n\n

Im August 2014 entschloss sich auch Abu Fazel, nach Syrien zu gehen und zu k\u00e4mpfen. Im selben Monat wurde sein Cousin in der N\u00e4he von Aleppo im Kampf gegen syrische Rebellen get\u00f6tet.<\/p>\n\n\n\n

\u201eMein Cousin wurde dort get\u00f6tet. Auch andere Jungs aus unserer Gegend gingen nach Syrien und fielen dort. Lokale Zeitungen nannten sie \u201aM\u00e4rtyrer\u2018.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Lieber Flucht statt K\u00e4mpfer in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein solcher \u201eM\u00e4rtyrer\u201c wollte Abu Fazel allerdings nicht werden. Er floh eine Woche vor dem Beginn seiner dreimonatigen Kampfausbildung. Es war ihm lieber, ein Leben auf der Flucht zu verbringen, als in Syrien unschuldige Menschen f\u00fcr einen Diktator zu t\u00f6ten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch kam zu dem Schluss, dass ich nicht als M\u00f6rder weiterleben k\u00f6nnte. Stets dachte ich mir, dass selbst die schlimmsten Al-Qaida- oder IS-Terroristen Kinder haben k\u00f6nnten, die ihren Vater lieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Fazel verlor seinen eigenen Vater bereits sehr fr\u00fch. Er wurde Opfer des B\u00fcrgerkriegs in Afghanistan, der von 1989 bis 2001 tausende Menschen das Leben kostete. Auch der Iran mischte in der Zeit schon mit. Es ist allgemein bekannt, dass die schiitischen Hazara-Milizen, die den B\u00fcrgerkrieg ebenfalls mitanfachten, von der Regierung in Teheran unterst\u00fctzt wurden.<\/p>\n\n\n\n

Als Abu Fazel sich nun entschloss, aus der Gewaltspirale auszusteigen und nicht in Syrien zu k\u00e4mpfen, wuchs die Angst bei seiner Familie. Denn f\u00fcr die iranischen Beh\u00f6rden gilt: Hat man sich einmal gemeldet, gibt es kein zur\u00fcck. Man muss an die Front nach Syrien \u2013 oder wird zur\u00fcck nach Afghanistan abgeschoben, wo ebenfalls Krieg herrscht.<\/p>\n\n\n\n

Der einzige Ausweg f\u00fcr den jungen Afghanen war die Flucht. \u00dcber die T\u00fcrkei, Griechenland und die Balkranroute erreichte er mit gro\u00dfer M\u00fche Deutschland, wo er einen Asylantrag stellte.<\/p>\n\n\n\n

Erster Asylantrag in Deutschland abgelehnt<\/h2>\n\n\n\n

Als Grund nannte er seine Rekrutierung als Kindersoldat seitens des iranischen Regimes. Doch w\u00e4hrend diese Begr\u00fcndung in Abu Fazels Augen v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich war, sahen deutsche Beh\u00f6rden das anders. Sein erster Antrag wurde abgelehnt. Derzeit versucht er es ein zweites Mal. Die Bundesrepublik schiebt afghanische Gefl\u00fcchtete weiterhin ab.<\/p>\n\n\n\n

\"EinAbschiebung von Afghanen im Dezember 2016 mit einem Charterflug von Frankfurt nach Kabul. (dpa \/picture alliance \/ Boris Roessler)<\/p>\n\n\n\n

Die Verantwortlichen weisen in diesem Kontext immer wieder auf vermeintlich \u201esichere Gebiete\u201c im Land, die nicht n\u00e4her benannt werden.<\/p>\n\n\n\n

W\u00e4hrenddessen machen Menschenrechtsorganisationen regelm\u00e4\u00dfig darauf aufmerksam, dass keine Region am Hindukusch sicher ist. Stattdessen wird in manchen Gebieten nur weniger Krieg gef\u00fchrt als in anderen.<\/p>\n\n\n\n

\"SieDemonstranten protestieren in Frankfurt am Main gegen die Abschiebung von Afghanen. Auf einem der Transparente steht \u201eAfghanistan is not safe\u201c. (AFP \/ Daniel Roland)<\/p>\n\n\n\n

Alis Vater und Onkel k\u00e4mpfen in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein \u00e4hnliches Schicksal wie Abu Fazel erlitt der 18-j\u00e4hrige Ali (Namen ge\u00e4ndert). Auch er floh aus dem Iran nach Deutschland, um der Rekrutierung f\u00fcr Assads Milizen zu entgehen. Viele seiner afghanischen Freunde sind bereits nach Syrien gezogen \u2013 und kamen niemals zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Alis Familie, ebenfalls Angeh\u00f6rige der Hazara-Minderheit, stammt urspr\u00fcnglich aus der Provinz Ghor im Nordosten Afghanistans. Ihre Heimat verlie\u00dfen sie w\u00e4hrend der sowjetischen Besatzung in den 1980er-Jahren.<\/p>\n\n\n\n

Seit jeher lebt die Familie in der iranischen Gro\u00dfstadt Maschhad. Als der Krieg in Syrien ausbrach, erreichte sie ein Konflikt, mit dem sie nicht gerechnet hatten. Im Juli 2015 reiste Alis Vater nach Teheran. Er wollte einen Weg finden, um f\u00fcr seine Familie Aufenthaltspapiere zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Beh\u00f6rden sagten ihm, dass die Rekrutierung f\u00fcr den Krieg in Syrien eine M\u00f6glichkeit darstellen k\u00f6nnte, um Papiere f\u00fcr uns alle zu erhalten. Andernfalls w\u00fcrde man uns sehr bald nach Afghanistan abschieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Mittlerweile k\u00e4mpfen Alis Vater und sein Onkel seit \u00fcber einem Jahr in Syrien. Am Aufenthaltsstatus seiner Familienmitglieder hat sich bis heute allerdings nichts ge\u00e4ndert. F\u00fcr Ali ist klar, dass dies nur eine Falle gewesen ist, um noch mehr Afghanen als Kanonenfutter zu missbrauchen.<\/p>\n\n\n\n

Anfangs gab es Papiere f\u00fcr K\u00e4mpfer-Familien<\/h2>\n\n\n\n

Den Kontakt zu seinem Vater hat der Afghane mittlerweile verloren. W\u00e4hrenddessen schickt ihm sein Onkel, der in Aleppo stationiert ist, hin und wieder Bilder \u00fcber den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ali denkt, dass nur sehr wenige Afghanen der Propaganda der iranischen Regierung glauben und in Syrien f\u00fcr eine \u201egute Sache\u201c k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

Source<\/a><\/p>\n","post_title":"Warum Afghanen in Syrien f\u00fcr Assad k\u00e4mpfen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"warum-afghanen-in-syrien-fur-assad-kampfen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3709","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":9},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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In Syrien k\u00e4mpfen neben den afghanischen Milizen auch andere paramilit\u00e4rische Gruppierungen im Auftrag des Irans: etwa die ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigten Revolutionsgarden, die einst Ayatollah Ruhollah Khomeini pers\u00f6nlich ins Leben rief oder die Basidsch-Milizen. Beiden Gruppierungen sind nicht nur in Syrien aktiv, sondern auch im Irak.<\/p>\n\n\n\n

Obowhl sich das syrische Regime von Baschar al-Assad als s\u00e4kular ausweist, wird es vom Iran, der sich als Repr\u00e4sentant aller muslimischen Schiiten betrachtet, unterst\u00fctzt. Gemeinsames Ziel in Syrien ist es: Schiiten vor sunnitische Extremisten zu verteidigen. Dennoch ist das Regime darauf bedacht, m\u00f6glichst wenig eigene K\u00e4mpfer nach Syrien zu schicken. \u00c4hnlich wie einst w\u00e4hrend des Krieges gegen Saddam Husseins Irak, setzt der Iran auf ausl\u00e4ndische K\u00e4mpfer.<\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung war wie eine Gehirnw\u00e4sche<\/h2>\n\n\n\n

Abu Fazels Familie geh\u00f6rt zur afghanischen Minderheit der schiitischen Hazara \u2013 wie viele Afghanen, die in den Iran gekommen sind. Mittlerweile k\u00e4mpfen Tausende von ihnen in Syrien. Der Iran bezahlt die Afghanen mit einem Sold von wenigen hundert Dollar pro Monat und verspricht ihren Familien eine Aufenthaltsgenehmigung oder eine Arbeitserlaubnis.<\/p>\n\n\n\n

An der Rekrutierung der Afghanen sind sowohl die Revolutionsgarden als auch die erw\u00e4hnten Basidsch-Milizen beteiligt. Abu Fazel beschreibt, wie das Viertel, in dem er gemeinsam mit seiner Familie in Teheran lebte, regelm\u00e4\u00dfig von den K\u00e4mpfern aufgesucht wurde. Viele afghanische Gefl\u00fcchtete lebten dort \u2013 und fielen auf die Gehirnw\u00e4sche der Rattenf\u00e4nger herein.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie trafen junge M\u00e4nner und Jugendliche in den Moscheen und \u00fcberredeten sie, gegen den IS oder Al Qaida zu k\u00e4mpfen. Die Gehirnw\u00e4sche war perfekt. Am Ende merkten viele, darunter auch ich, nicht einmal, dass wir in ihre Propaganda getappt waren. Ihre \u00dcberredungskunst war wirklich sehr speziell. Am Ende hat man Lust, nach Syrien zu gehen, um zu k\u00e4mpfen\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Erfolg hatten die Rekrutierer des Regimes auch bei Abu Fazels Cousin, der zum damaligen Zeitpunkt ebenfalls minderj\u00e4hrig gewesen ist. Er ging nach Syrien und k\u00e4mpfte unter der Flagge der \u201eLiwa Fatemiyoun\u201c, wie die afghanische Division auf Seiten Assads hei\u00dft. Offiziell ist die Aufgabe der Miliz die Verteidigung des Schreines von Zaynab im S\u00fcden von Damaskus. Zaynab war die Enkelin des islamischen Propheten Mohammad. Laut iranischen Staatsmedien k\u00e4mpfen mindestens 20.000 Afghanen in der Division.<\/p>\n\n\n\n

Im August 2014 entschloss sich auch Abu Fazel, nach Syrien zu gehen und zu k\u00e4mpfen. Im selben Monat wurde sein Cousin in der N\u00e4he von Aleppo im Kampf gegen syrische Rebellen get\u00f6tet.<\/p>\n\n\n\n

\u201eMein Cousin wurde dort get\u00f6tet. Auch andere Jungs aus unserer Gegend gingen nach Syrien und fielen dort. Lokale Zeitungen nannten sie \u201aM\u00e4rtyrer\u2018.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Lieber Flucht statt K\u00e4mpfer in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein solcher \u201eM\u00e4rtyrer\u201c wollte Abu Fazel allerdings nicht werden. Er floh eine Woche vor dem Beginn seiner dreimonatigen Kampfausbildung. Es war ihm lieber, ein Leben auf der Flucht zu verbringen, als in Syrien unschuldige Menschen f\u00fcr einen Diktator zu t\u00f6ten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch kam zu dem Schluss, dass ich nicht als M\u00f6rder weiterleben k\u00f6nnte. Stets dachte ich mir, dass selbst die schlimmsten Al-Qaida- oder IS-Terroristen Kinder haben k\u00f6nnten, die ihren Vater lieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Fazel verlor seinen eigenen Vater bereits sehr fr\u00fch. Er wurde Opfer des B\u00fcrgerkriegs in Afghanistan, der von 1989 bis 2001 tausende Menschen das Leben kostete. Auch der Iran mischte in der Zeit schon mit. Es ist allgemein bekannt, dass die schiitischen Hazara-Milizen, die den B\u00fcrgerkrieg ebenfalls mitanfachten, von der Regierung in Teheran unterst\u00fctzt wurden.<\/p>\n\n\n\n

Als Abu Fazel sich nun entschloss, aus der Gewaltspirale auszusteigen und nicht in Syrien zu k\u00e4mpfen, wuchs die Angst bei seiner Familie. Denn f\u00fcr die iranischen Beh\u00f6rden gilt: Hat man sich einmal gemeldet, gibt es kein zur\u00fcck. Man muss an die Front nach Syrien \u2013 oder wird zur\u00fcck nach Afghanistan abgeschoben, wo ebenfalls Krieg herrscht.<\/p>\n\n\n\n

Der einzige Ausweg f\u00fcr den jungen Afghanen war die Flucht. \u00dcber die T\u00fcrkei, Griechenland und die Balkranroute erreichte er mit gro\u00dfer M\u00fche Deutschland, wo er einen Asylantrag stellte.<\/p>\n\n\n\n

Erster Asylantrag in Deutschland abgelehnt<\/h2>\n\n\n\n

Als Grund nannte er seine Rekrutierung als Kindersoldat seitens des iranischen Regimes. Doch w\u00e4hrend diese Begr\u00fcndung in Abu Fazels Augen v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich war, sahen deutsche Beh\u00f6rden das anders. Sein erster Antrag wurde abgelehnt. Derzeit versucht er es ein zweites Mal. Die Bundesrepublik schiebt afghanische Gefl\u00fcchtete weiterhin ab.<\/p>\n\n\n\n

\"EinAbschiebung von Afghanen im Dezember 2016 mit einem Charterflug von Frankfurt nach Kabul. (dpa \/picture alliance \/ Boris Roessler)<\/p>\n\n\n\n

Die Verantwortlichen weisen in diesem Kontext immer wieder auf vermeintlich \u201esichere Gebiete\u201c im Land, die nicht n\u00e4her benannt werden.<\/p>\n\n\n\n

W\u00e4hrenddessen machen Menschenrechtsorganisationen regelm\u00e4\u00dfig darauf aufmerksam, dass keine Region am Hindukusch sicher ist. Stattdessen wird in manchen Gebieten nur weniger Krieg gef\u00fchrt als in anderen.<\/p>\n\n\n\n

\"SieDemonstranten protestieren in Frankfurt am Main gegen die Abschiebung von Afghanen. Auf einem der Transparente steht \u201eAfghanistan is not safe\u201c. (AFP \/ Daniel Roland)<\/p>\n\n\n\n

Alis Vater und Onkel k\u00e4mpfen in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein \u00e4hnliches Schicksal wie Abu Fazel erlitt der 18-j\u00e4hrige Ali (Namen ge\u00e4ndert). Auch er floh aus dem Iran nach Deutschland, um der Rekrutierung f\u00fcr Assads Milizen zu entgehen. Viele seiner afghanischen Freunde sind bereits nach Syrien gezogen \u2013 und kamen niemals zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Alis Familie, ebenfalls Angeh\u00f6rige der Hazara-Minderheit, stammt urspr\u00fcnglich aus der Provinz Ghor im Nordosten Afghanistans. Ihre Heimat verlie\u00dfen sie w\u00e4hrend der sowjetischen Besatzung in den 1980er-Jahren.<\/p>\n\n\n\n

Seit jeher lebt die Familie in der iranischen Gro\u00dfstadt Maschhad. Als der Krieg in Syrien ausbrach, erreichte sie ein Konflikt, mit dem sie nicht gerechnet hatten. Im Juli 2015 reiste Alis Vater nach Teheran. Er wollte einen Weg finden, um f\u00fcr seine Familie Aufenthaltspapiere zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Beh\u00f6rden sagten ihm, dass die Rekrutierung f\u00fcr den Krieg in Syrien eine M\u00f6glichkeit darstellen k\u00f6nnte, um Papiere f\u00fcr uns alle zu erhalten. Andernfalls w\u00fcrde man uns sehr bald nach Afghanistan abschieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Mittlerweile k\u00e4mpfen Alis Vater und sein Onkel seit \u00fcber einem Jahr in Syrien. Am Aufenthaltsstatus seiner Familienmitglieder hat sich bis heute allerdings nichts ge\u00e4ndert. F\u00fcr Ali ist klar, dass dies nur eine Falle gewesen ist, um noch mehr Afghanen als Kanonenfutter zu missbrauchen.<\/p>\n\n\n\n

Anfangs gab es Papiere f\u00fcr K\u00e4mpfer-Familien<\/h2>\n\n\n\n

Den Kontakt zu seinem Vater hat der Afghane mittlerweile verloren. W\u00e4hrenddessen schickt ihm sein Onkel, der in Aleppo stationiert ist, hin und wieder Bilder \u00fcber den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ali denkt, dass nur sehr wenige Afghanen der Propaganda der iranischen Regierung glauben und in Syrien f\u00fcr eine \u201egute Sache\u201c k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

Source<\/a><\/p>\n","post_title":"Warum Afghanen in Syrien f\u00fcr Assad k\u00e4mpfen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"warum-afghanen-in-syrien-fur-assad-kampfen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3709","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":9},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Iran: Syrien vor sunnitischen Extremisten verteidigen<\/h2>\n\n\n\n

In Syrien k\u00e4mpfen neben den afghanischen Milizen auch andere paramilit\u00e4rische Gruppierungen im Auftrag des Irans: etwa die ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigten Revolutionsgarden, die einst Ayatollah Ruhollah Khomeini pers\u00f6nlich ins Leben rief oder die Basidsch-Milizen. Beiden Gruppierungen sind nicht nur in Syrien aktiv, sondern auch im Irak.<\/p>\n\n\n\n

Obowhl sich das syrische Regime von Baschar al-Assad als s\u00e4kular ausweist, wird es vom Iran, der sich als Repr\u00e4sentant aller muslimischen Schiiten betrachtet, unterst\u00fctzt. Gemeinsames Ziel in Syrien ist es: Schiiten vor sunnitische Extremisten zu verteidigen. Dennoch ist das Regime darauf bedacht, m\u00f6glichst wenig eigene K\u00e4mpfer nach Syrien zu schicken. \u00c4hnlich wie einst w\u00e4hrend des Krieges gegen Saddam Husseins Irak, setzt der Iran auf ausl\u00e4ndische K\u00e4mpfer.<\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung war wie eine Gehirnw\u00e4sche<\/h2>\n\n\n\n

Abu Fazels Familie geh\u00f6rt zur afghanischen Minderheit der schiitischen Hazara \u2013 wie viele Afghanen, die in den Iran gekommen sind. Mittlerweile k\u00e4mpfen Tausende von ihnen in Syrien. Der Iran bezahlt die Afghanen mit einem Sold von wenigen hundert Dollar pro Monat und verspricht ihren Familien eine Aufenthaltsgenehmigung oder eine Arbeitserlaubnis.<\/p>\n\n\n\n

An der Rekrutierung der Afghanen sind sowohl die Revolutionsgarden als auch die erw\u00e4hnten Basidsch-Milizen beteiligt. Abu Fazel beschreibt, wie das Viertel, in dem er gemeinsam mit seiner Familie in Teheran lebte, regelm\u00e4\u00dfig von den K\u00e4mpfern aufgesucht wurde. Viele afghanische Gefl\u00fcchtete lebten dort \u2013 und fielen auf die Gehirnw\u00e4sche der Rattenf\u00e4nger herein.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie trafen junge M\u00e4nner und Jugendliche in den Moscheen und \u00fcberredeten sie, gegen den IS oder Al Qaida zu k\u00e4mpfen. Die Gehirnw\u00e4sche war perfekt. Am Ende merkten viele, darunter auch ich, nicht einmal, dass wir in ihre Propaganda getappt waren. Ihre \u00dcberredungskunst war wirklich sehr speziell. Am Ende hat man Lust, nach Syrien zu gehen, um zu k\u00e4mpfen\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Erfolg hatten die Rekrutierer des Regimes auch bei Abu Fazels Cousin, der zum damaligen Zeitpunkt ebenfalls minderj\u00e4hrig gewesen ist. Er ging nach Syrien und k\u00e4mpfte unter der Flagge der \u201eLiwa Fatemiyoun\u201c, wie die afghanische Division auf Seiten Assads hei\u00dft. Offiziell ist die Aufgabe der Miliz die Verteidigung des Schreines von Zaynab im S\u00fcden von Damaskus. Zaynab war die Enkelin des islamischen Propheten Mohammad. Laut iranischen Staatsmedien k\u00e4mpfen mindestens 20.000 Afghanen in der Division.<\/p>\n\n\n\n

Im August 2014 entschloss sich auch Abu Fazel, nach Syrien zu gehen und zu k\u00e4mpfen. Im selben Monat wurde sein Cousin in der N\u00e4he von Aleppo im Kampf gegen syrische Rebellen get\u00f6tet.<\/p>\n\n\n\n

\u201eMein Cousin wurde dort get\u00f6tet. Auch andere Jungs aus unserer Gegend gingen nach Syrien und fielen dort. Lokale Zeitungen nannten sie \u201aM\u00e4rtyrer\u2018.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Lieber Flucht statt K\u00e4mpfer in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein solcher \u201eM\u00e4rtyrer\u201c wollte Abu Fazel allerdings nicht werden. Er floh eine Woche vor dem Beginn seiner dreimonatigen Kampfausbildung. Es war ihm lieber, ein Leben auf der Flucht zu verbringen, als in Syrien unschuldige Menschen f\u00fcr einen Diktator zu t\u00f6ten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch kam zu dem Schluss, dass ich nicht als M\u00f6rder weiterleben k\u00f6nnte. Stets dachte ich mir, dass selbst die schlimmsten Al-Qaida- oder IS-Terroristen Kinder haben k\u00f6nnten, die ihren Vater lieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Fazel verlor seinen eigenen Vater bereits sehr fr\u00fch. Er wurde Opfer des B\u00fcrgerkriegs in Afghanistan, der von 1989 bis 2001 tausende Menschen das Leben kostete. Auch der Iran mischte in der Zeit schon mit. Es ist allgemein bekannt, dass die schiitischen Hazara-Milizen, die den B\u00fcrgerkrieg ebenfalls mitanfachten, von der Regierung in Teheran unterst\u00fctzt wurden.<\/p>\n\n\n\n

Als Abu Fazel sich nun entschloss, aus der Gewaltspirale auszusteigen und nicht in Syrien zu k\u00e4mpfen, wuchs die Angst bei seiner Familie. Denn f\u00fcr die iranischen Beh\u00f6rden gilt: Hat man sich einmal gemeldet, gibt es kein zur\u00fcck. Man muss an die Front nach Syrien \u2013 oder wird zur\u00fcck nach Afghanistan abgeschoben, wo ebenfalls Krieg herrscht.<\/p>\n\n\n\n

Der einzige Ausweg f\u00fcr den jungen Afghanen war die Flucht. \u00dcber die T\u00fcrkei, Griechenland und die Balkranroute erreichte er mit gro\u00dfer M\u00fche Deutschland, wo er einen Asylantrag stellte.<\/p>\n\n\n\n

Erster Asylantrag in Deutschland abgelehnt<\/h2>\n\n\n\n

Als Grund nannte er seine Rekrutierung als Kindersoldat seitens des iranischen Regimes. Doch w\u00e4hrend diese Begr\u00fcndung in Abu Fazels Augen v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich war, sahen deutsche Beh\u00f6rden das anders. Sein erster Antrag wurde abgelehnt. Derzeit versucht er es ein zweites Mal. Die Bundesrepublik schiebt afghanische Gefl\u00fcchtete weiterhin ab.<\/p>\n\n\n\n

\"EinAbschiebung von Afghanen im Dezember 2016 mit einem Charterflug von Frankfurt nach Kabul. (dpa \/picture alliance \/ Boris Roessler)<\/p>\n\n\n\n

Die Verantwortlichen weisen in diesem Kontext immer wieder auf vermeintlich \u201esichere Gebiete\u201c im Land, die nicht n\u00e4her benannt werden.<\/p>\n\n\n\n

W\u00e4hrenddessen machen Menschenrechtsorganisationen regelm\u00e4\u00dfig darauf aufmerksam, dass keine Region am Hindukusch sicher ist. Stattdessen wird in manchen Gebieten nur weniger Krieg gef\u00fchrt als in anderen.<\/p>\n\n\n\n

\"SieDemonstranten protestieren in Frankfurt am Main gegen die Abschiebung von Afghanen. Auf einem der Transparente steht \u201eAfghanistan is not safe\u201c. (AFP \/ Daniel Roland)<\/p>\n\n\n\n

Alis Vater und Onkel k\u00e4mpfen in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein \u00e4hnliches Schicksal wie Abu Fazel erlitt der 18-j\u00e4hrige Ali (Namen ge\u00e4ndert). Auch er floh aus dem Iran nach Deutschland, um der Rekrutierung f\u00fcr Assads Milizen zu entgehen. Viele seiner afghanischen Freunde sind bereits nach Syrien gezogen \u2013 und kamen niemals zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Alis Familie, ebenfalls Angeh\u00f6rige der Hazara-Minderheit, stammt urspr\u00fcnglich aus der Provinz Ghor im Nordosten Afghanistans. Ihre Heimat verlie\u00dfen sie w\u00e4hrend der sowjetischen Besatzung in den 1980er-Jahren.<\/p>\n\n\n\n

Seit jeher lebt die Familie in der iranischen Gro\u00dfstadt Maschhad. Als der Krieg in Syrien ausbrach, erreichte sie ein Konflikt, mit dem sie nicht gerechnet hatten. Im Juli 2015 reiste Alis Vater nach Teheran. Er wollte einen Weg finden, um f\u00fcr seine Familie Aufenthaltspapiere zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Beh\u00f6rden sagten ihm, dass die Rekrutierung f\u00fcr den Krieg in Syrien eine M\u00f6glichkeit darstellen k\u00f6nnte, um Papiere f\u00fcr uns alle zu erhalten. Andernfalls w\u00fcrde man uns sehr bald nach Afghanistan abschieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Mittlerweile k\u00e4mpfen Alis Vater und sein Onkel seit \u00fcber einem Jahr in Syrien. Am Aufenthaltsstatus seiner Familienmitglieder hat sich bis heute allerdings nichts ge\u00e4ndert. F\u00fcr Ali ist klar, dass dies nur eine Falle gewesen ist, um noch mehr Afghanen als Kanonenfutter zu missbrauchen.<\/p>\n\n\n\n

Anfangs gab es Papiere f\u00fcr K\u00e4mpfer-Familien<\/h2>\n\n\n\n

Den Kontakt zu seinem Vater hat der Afghane mittlerweile verloren. W\u00e4hrenddessen schickt ihm sein Onkel, der in Aleppo stationiert ist, hin und wieder Bilder \u00fcber den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ali denkt, dass nur sehr wenige Afghanen der Propaganda der iranischen Regierung glauben und in Syrien f\u00fcr eine \u201egute Sache\u201c k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

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Die Rekrutierung der afghanischen Gefl\u00fcchteten ist f\u00fcr Abu Fazel die Spitze jenes Rassismus, den er erlebt hat.<\/p>\n\n\n\n

Iran: Syrien vor sunnitischen Extremisten verteidigen<\/h2>\n\n\n\n

In Syrien k\u00e4mpfen neben den afghanischen Milizen auch andere paramilit\u00e4rische Gruppierungen im Auftrag des Irans: etwa die ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigten Revolutionsgarden, die einst Ayatollah Ruhollah Khomeini pers\u00f6nlich ins Leben rief oder die Basidsch-Milizen. Beiden Gruppierungen sind nicht nur in Syrien aktiv, sondern auch im Irak.<\/p>\n\n\n\n

Obowhl sich das syrische Regime von Baschar al-Assad als s\u00e4kular ausweist, wird es vom Iran, der sich als Repr\u00e4sentant aller muslimischen Schiiten betrachtet, unterst\u00fctzt. Gemeinsames Ziel in Syrien ist es: Schiiten vor sunnitische Extremisten zu verteidigen. Dennoch ist das Regime darauf bedacht, m\u00f6glichst wenig eigene K\u00e4mpfer nach Syrien zu schicken. \u00c4hnlich wie einst w\u00e4hrend des Krieges gegen Saddam Husseins Irak, setzt der Iran auf ausl\u00e4ndische K\u00e4mpfer.<\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung war wie eine Gehirnw\u00e4sche<\/h2>\n\n\n\n

Abu Fazels Familie geh\u00f6rt zur afghanischen Minderheit der schiitischen Hazara \u2013 wie viele Afghanen, die in den Iran gekommen sind. Mittlerweile k\u00e4mpfen Tausende von ihnen in Syrien. Der Iran bezahlt die Afghanen mit einem Sold von wenigen hundert Dollar pro Monat und verspricht ihren Familien eine Aufenthaltsgenehmigung oder eine Arbeitserlaubnis.<\/p>\n\n\n\n

An der Rekrutierung der Afghanen sind sowohl die Revolutionsgarden als auch die erw\u00e4hnten Basidsch-Milizen beteiligt. Abu Fazel beschreibt, wie das Viertel, in dem er gemeinsam mit seiner Familie in Teheran lebte, regelm\u00e4\u00dfig von den K\u00e4mpfern aufgesucht wurde. Viele afghanische Gefl\u00fcchtete lebten dort \u2013 und fielen auf die Gehirnw\u00e4sche der Rattenf\u00e4nger herein.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie trafen junge M\u00e4nner und Jugendliche in den Moscheen und \u00fcberredeten sie, gegen den IS oder Al Qaida zu k\u00e4mpfen. Die Gehirnw\u00e4sche war perfekt. Am Ende merkten viele, darunter auch ich, nicht einmal, dass wir in ihre Propaganda getappt waren. Ihre \u00dcberredungskunst war wirklich sehr speziell. Am Ende hat man Lust, nach Syrien zu gehen, um zu k\u00e4mpfen\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Erfolg hatten die Rekrutierer des Regimes auch bei Abu Fazels Cousin, der zum damaligen Zeitpunkt ebenfalls minderj\u00e4hrig gewesen ist. Er ging nach Syrien und k\u00e4mpfte unter der Flagge der \u201eLiwa Fatemiyoun\u201c, wie die afghanische Division auf Seiten Assads hei\u00dft. Offiziell ist die Aufgabe der Miliz die Verteidigung des Schreines von Zaynab im S\u00fcden von Damaskus. Zaynab war die Enkelin des islamischen Propheten Mohammad. Laut iranischen Staatsmedien k\u00e4mpfen mindestens 20.000 Afghanen in der Division.<\/p>\n\n\n\n

Im August 2014 entschloss sich auch Abu Fazel, nach Syrien zu gehen und zu k\u00e4mpfen. Im selben Monat wurde sein Cousin in der N\u00e4he von Aleppo im Kampf gegen syrische Rebellen get\u00f6tet.<\/p>\n\n\n\n

\u201eMein Cousin wurde dort get\u00f6tet. Auch andere Jungs aus unserer Gegend gingen nach Syrien und fielen dort. Lokale Zeitungen nannten sie \u201aM\u00e4rtyrer\u2018.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Lieber Flucht statt K\u00e4mpfer in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein solcher \u201eM\u00e4rtyrer\u201c wollte Abu Fazel allerdings nicht werden. Er floh eine Woche vor dem Beginn seiner dreimonatigen Kampfausbildung. Es war ihm lieber, ein Leben auf der Flucht zu verbringen, als in Syrien unschuldige Menschen f\u00fcr einen Diktator zu t\u00f6ten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch kam zu dem Schluss, dass ich nicht als M\u00f6rder weiterleben k\u00f6nnte. Stets dachte ich mir, dass selbst die schlimmsten Al-Qaida- oder IS-Terroristen Kinder haben k\u00f6nnten, die ihren Vater lieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Fazel verlor seinen eigenen Vater bereits sehr fr\u00fch. Er wurde Opfer des B\u00fcrgerkriegs in Afghanistan, der von 1989 bis 2001 tausende Menschen das Leben kostete. Auch der Iran mischte in der Zeit schon mit. Es ist allgemein bekannt, dass die schiitischen Hazara-Milizen, die den B\u00fcrgerkrieg ebenfalls mitanfachten, von der Regierung in Teheran unterst\u00fctzt wurden.<\/p>\n\n\n\n

Als Abu Fazel sich nun entschloss, aus der Gewaltspirale auszusteigen und nicht in Syrien zu k\u00e4mpfen, wuchs die Angst bei seiner Familie. Denn f\u00fcr die iranischen Beh\u00f6rden gilt: Hat man sich einmal gemeldet, gibt es kein zur\u00fcck. Man muss an die Front nach Syrien \u2013 oder wird zur\u00fcck nach Afghanistan abgeschoben, wo ebenfalls Krieg herrscht.<\/p>\n\n\n\n

Der einzige Ausweg f\u00fcr den jungen Afghanen war die Flucht. \u00dcber die T\u00fcrkei, Griechenland und die Balkranroute erreichte er mit gro\u00dfer M\u00fche Deutschland, wo er einen Asylantrag stellte.<\/p>\n\n\n\n

Erster Asylantrag in Deutschland abgelehnt<\/h2>\n\n\n\n

Als Grund nannte er seine Rekrutierung als Kindersoldat seitens des iranischen Regimes. Doch w\u00e4hrend diese Begr\u00fcndung in Abu Fazels Augen v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich war, sahen deutsche Beh\u00f6rden das anders. Sein erster Antrag wurde abgelehnt. Derzeit versucht er es ein zweites Mal. Die Bundesrepublik schiebt afghanische Gefl\u00fcchtete weiterhin ab.<\/p>\n\n\n\n

\"EinAbschiebung von Afghanen im Dezember 2016 mit einem Charterflug von Frankfurt nach Kabul. (dpa \/picture alliance \/ Boris Roessler)<\/p>\n\n\n\n

Die Verantwortlichen weisen in diesem Kontext immer wieder auf vermeintlich \u201esichere Gebiete\u201c im Land, die nicht n\u00e4her benannt werden.<\/p>\n\n\n\n

W\u00e4hrenddessen machen Menschenrechtsorganisationen regelm\u00e4\u00dfig darauf aufmerksam, dass keine Region am Hindukusch sicher ist. Stattdessen wird in manchen Gebieten nur weniger Krieg gef\u00fchrt als in anderen.<\/p>\n\n\n\n

\"SieDemonstranten protestieren in Frankfurt am Main gegen die Abschiebung von Afghanen. Auf einem der Transparente steht \u201eAfghanistan is not safe\u201c. (AFP \/ Daniel Roland)<\/p>\n\n\n\n

Alis Vater und Onkel k\u00e4mpfen in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein \u00e4hnliches Schicksal wie Abu Fazel erlitt der 18-j\u00e4hrige Ali (Namen ge\u00e4ndert). Auch er floh aus dem Iran nach Deutschland, um der Rekrutierung f\u00fcr Assads Milizen zu entgehen. Viele seiner afghanischen Freunde sind bereits nach Syrien gezogen \u2013 und kamen niemals zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Alis Familie, ebenfalls Angeh\u00f6rige der Hazara-Minderheit, stammt urspr\u00fcnglich aus der Provinz Ghor im Nordosten Afghanistans. Ihre Heimat verlie\u00dfen sie w\u00e4hrend der sowjetischen Besatzung in den 1980er-Jahren.<\/p>\n\n\n\n

Seit jeher lebt die Familie in der iranischen Gro\u00dfstadt Maschhad. Als der Krieg in Syrien ausbrach, erreichte sie ein Konflikt, mit dem sie nicht gerechnet hatten. Im Juli 2015 reiste Alis Vater nach Teheran. Er wollte einen Weg finden, um f\u00fcr seine Familie Aufenthaltspapiere zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Beh\u00f6rden sagten ihm, dass die Rekrutierung f\u00fcr den Krieg in Syrien eine M\u00f6glichkeit darstellen k\u00f6nnte, um Papiere f\u00fcr uns alle zu erhalten. Andernfalls w\u00fcrde man uns sehr bald nach Afghanistan abschieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Mittlerweile k\u00e4mpfen Alis Vater und sein Onkel seit \u00fcber einem Jahr in Syrien. Am Aufenthaltsstatus seiner Familienmitglieder hat sich bis heute allerdings nichts ge\u00e4ndert. F\u00fcr Ali ist klar, dass dies nur eine Falle gewesen ist, um noch mehr Afghanen als Kanonenfutter zu missbrauchen.<\/p>\n\n\n\n

Anfangs gab es Papiere f\u00fcr K\u00e4mpfer-Familien<\/h2>\n\n\n\n

Den Kontakt zu seinem Vater hat der Afghane mittlerweile verloren. W\u00e4hrenddessen schickt ihm sein Onkel, der in Aleppo stationiert ist, hin und wieder Bilder \u00fcber den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ali denkt, dass nur sehr wenige Afghanen der Propaganda der iranischen Regierung glauben und in Syrien f\u00fcr eine \u201egute Sache\u201c k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

Source<\/a><\/p>\n","post_title":"Warum Afghanen in Syrien f\u00fcr Assad k\u00e4mpfen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"warum-afghanen-in-syrien-fur-assad-kampfen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3709","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":9},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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\u201e'Afghane\u2018 \u2013 das ist dort ein Schimpfwort. Ich h\u00f6rte es von klein auf immer wieder. Der Rassismus gegen Afghanen ist dort v\u00f6llig normal. Meine Herkunft, auf der ich eigentlich stolz war, ist im Iran stets eine Last gewesen. Wir sind dort B\u00fcrger zweiter Klasse.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung der afghanischen Gefl\u00fcchteten ist f\u00fcr Abu Fazel die Spitze jenes Rassismus, den er erlebt hat.<\/p>\n\n\n\n

Iran: Syrien vor sunnitischen Extremisten verteidigen<\/h2>\n\n\n\n

In Syrien k\u00e4mpfen neben den afghanischen Milizen auch andere paramilit\u00e4rische Gruppierungen im Auftrag des Irans: etwa die ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigten Revolutionsgarden, die einst Ayatollah Ruhollah Khomeini pers\u00f6nlich ins Leben rief oder die Basidsch-Milizen. Beiden Gruppierungen sind nicht nur in Syrien aktiv, sondern auch im Irak.<\/p>\n\n\n\n

Obowhl sich das syrische Regime von Baschar al-Assad als s\u00e4kular ausweist, wird es vom Iran, der sich als Repr\u00e4sentant aller muslimischen Schiiten betrachtet, unterst\u00fctzt. Gemeinsames Ziel in Syrien ist es: Schiiten vor sunnitische Extremisten zu verteidigen. Dennoch ist das Regime darauf bedacht, m\u00f6glichst wenig eigene K\u00e4mpfer nach Syrien zu schicken. \u00c4hnlich wie einst w\u00e4hrend des Krieges gegen Saddam Husseins Irak, setzt der Iran auf ausl\u00e4ndische K\u00e4mpfer.<\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung war wie eine Gehirnw\u00e4sche<\/h2>\n\n\n\n

Abu Fazels Familie geh\u00f6rt zur afghanischen Minderheit der schiitischen Hazara \u2013 wie viele Afghanen, die in den Iran gekommen sind. Mittlerweile k\u00e4mpfen Tausende von ihnen in Syrien. Der Iran bezahlt die Afghanen mit einem Sold von wenigen hundert Dollar pro Monat und verspricht ihren Familien eine Aufenthaltsgenehmigung oder eine Arbeitserlaubnis.<\/p>\n\n\n\n

An der Rekrutierung der Afghanen sind sowohl die Revolutionsgarden als auch die erw\u00e4hnten Basidsch-Milizen beteiligt. Abu Fazel beschreibt, wie das Viertel, in dem er gemeinsam mit seiner Familie in Teheran lebte, regelm\u00e4\u00dfig von den K\u00e4mpfern aufgesucht wurde. Viele afghanische Gefl\u00fcchtete lebten dort \u2013 und fielen auf die Gehirnw\u00e4sche der Rattenf\u00e4nger herein.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie trafen junge M\u00e4nner und Jugendliche in den Moscheen und \u00fcberredeten sie, gegen den IS oder Al Qaida zu k\u00e4mpfen. Die Gehirnw\u00e4sche war perfekt. Am Ende merkten viele, darunter auch ich, nicht einmal, dass wir in ihre Propaganda getappt waren. Ihre \u00dcberredungskunst war wirklich sehr speziell. Am Ende hat man Lust, nach Syrien zu gehen, um zu k\u00e4mpfen\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Erfolg hatten die Rekrutierer des Regimes auch bei Abu Fazels Cousin, der zum damaligen Zeitpunkt ebenfalls minderj\u00e4hrig gewesen ist. Er ging nach Syrien und k\u00e4mpfte unter der Flagge der \u201eLiwa Fatemiyoun\u201c, wie die afghanische Division auf Seiten Assads hei\u00dft. Offiziell ist die Aufgabe der Miliz die Verteidigung des Schreines von Zaynab im S\u00fcden von Damaskus. Zaynab war die Enkelin des islamischen Propheten Mohammad. Laut iranischen Staatsmedien k\u00e4mpfen mindestens 20.000 Afghanen in der Division.<\/p>\n\n\n\n

Im August 2014 entschloss sich auch Abu Fazel, nach Syrien zu gehen und zu k\u00e4mpfen. Im selben Monat wurde sein Cousin in der N\u00e4he von Aleppo im Kampf gegen syrische Rebellen get\u00f6tet.<\/p>\n\n\n\n

\u201eMein Cousin wurde dort get\u00f6tet. Auch andere Jungs aus unserer Gegend gingen nach Syrien und fielen dort. Lokale Zeitungen nannten sie \u201aM\u00e4rtyrer\u2018.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Lieber Flucht statt K\u00e4mpfer in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein solcher \u201eM\u00e4rtyrer\u201c wollte Abu Fazel allerdings nicht werden. Er floh eine Woche vor dem Beginn seiner dreimonatigen Kampfausbildung. Es war ihm lieber, ein Leben auf der Flucht zu verbringen, als in Syrien unschuldige Menschen f\u00fcr einen Diktator zu t\u00f6ten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch kam zu dem Schluss, dass ich nicht als M\u00f6rder weiterleben k\u00f6nnte. Stets dachte ich mir, dass selbst die schlimmsten Al-Qaida- oder IS-Terroristen Kinder haben k\u00f6nnten, die ihren Vater lieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Fazel verlor seinen eigenen Vater bereits sehr fr\u00fch. Er wurde Opfer des B\u00fcrgerkriegs in Afghanistan, der von 1989 bis 2001 tausende Menschen das Leben kostete. Auch der Iran mischte in der Zeit schon mit. Es ist allgemein bekannt, dass die schiitischen Hazara-Milizen, die den B\u00fcrgerkrieg ebenfalls mitanfachten, von der Regierung in Teheran unterst\u00fctzt wurden.<\/p>\n\n\n\n

Als Abu Fazel sich nun entschloss, aus der Gewaltspirale auszusteigen und nicht in Syrien zu k\u00e4mpfen, wuchs die Angst bei seiner Familie. Denn f\u00fcr die iranischen Beh\u00f6rden gilt: Hat man sich einmal gemeldet, gibt es kein zur\u00fcck. Man muss an die Front nach Syrien \u2013 oder wird zur\u00fcck nach Afghanistan abgeschoben, wo ebenfalls Krieg herrscht.<\/p>\n\n\n\n

Der einzige Ausweg f\u00fcr den jungen Afghanen war die Flucht. \u00dcber die T\u00fcrkei, Griechenland und die Balkranroute erreichte er mit gro\u00dfer M\u00fche Deutschland, wo er einen Asylantrag stellte.<\/p>\n\n\n\n

Erster Asylantrag in Deutschland abgelehnt<\/h2>\n\n\n\n

Als Grund nannte er seine Rekrutierung als Kindersoldat seitens des iranischen Regimes. Doch w\u00e4hrend diese Begr\u00fcndung in Abu Fazels Augen v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich war, sahen deutsche Beh\u00f6rden das anders. Sein erster Antrag wurde abgelehnt. Derzeit versucht er es ein zweites Mal. Die Bundesrepublik schiebt afghanische Gefl\u00fcchtete weiterhin ab.<\/p>\n\n\n\n

\"EinAbschiebung von Afghanen im Dezember 2016 mit einem Charterflug von Frankfurt nach Kabul. (dpa \/picture alliance \/ Boris Roessler)<\/p>\n\n\n\n

Die Verantwortlichen weisen in diesem Kontext immer wieder auf vermeintlich \u201esichere Gebiete\u201c im Land, die nicht n\u00e4her benannt werden.<\/p>\n\n\n\n

W\u00e4hrenddessen machen Menschenrechtsorganisationen regelm\u00e4\u00dfig darauf aufmerksam, dass keine Region am Hindukusch sicher ist. Stattdessen wird in manchen Gebieten nur weniger Krieg gef\u00fchrt als in anderen.<\/p>\n\n\n\n

\"SieDemonstranten protestieren in Frankfurt am Main gegen die Abschiebung von Afghanen. Auf einem der Transparente steht \u201eAfghanistan is not safe\u201c. (AFP \/ Daniel Roland)<\/p>\n\n\n\n

Alis Vater und Onkel k\u00e4mpfen in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein \u00e4hnliches Schicksal wie Abu Fazel erlitt der 18-j\u00e4hrige Ali (Namen ge\u00e4ndert). Auch er floh aus dem Iran nach Deutschland, um der Rekrutierung f\u00fcr Assads Milizen zu entgehen. Viele seiner afghanischen Freunde sind bereits nach Syrien gezogen \u2013 und kamen niemals zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Alis Familie, ebenfalls Angeh\u00f6rige der Hazara-Minderheit, stammt urspr\u00fcnglich aus der Provinz Ghor im Nordosten Afghanistans. Ihre Heimat verlie\u00dfen sie w\u00e4hrend der sowjetischen Besatzung in den 1980er-Jahren.<\/p>\n\n\n\n

Seit jeher lebt die Familie in der iranischen Gro\u00dfstadt Maschhad. Als der Krieg in Syrien ausbrach, erreichte sie ein Konflikt, mit dem sie nicht gerechnet hatten. Im Juli 2015 reiste Alis Vater nach Teheran. Er wollte einen Weg finden, um f\u00fcr seine Familie Aufenthaltspapiere zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Beh\u00f6rden sagten ihm, dass die Rekrutierung f\u00fcr den Krieg in Syrien eine M\u00f6glichkeit darstellen k\u00f6nnte, um Papiere f\u00fcr uns alle zu erhalten. Andernfalls w\u00fcrde man uns sehr bald nach Afghanistan abschieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Mittlerweile k\u00e4mpfen Alis Vater und sein Onkel seit \u00fcber einem Jahr in Syrien. Am Aufenthaltsstatus seiner Familienmitglieder hat sich bis heute allerdings nichts ge\u00e4ndert. F\u00fcr Ali ist klar, dass dies nur eine Falle gewesen ist, um noch mehr Afghanen als Kanonenfutter zu missbrauchen.<\/p>\n\n\n\n

Anfangs gab es Papiere f\u00fcr K\u00e4mpfer-Familien<\/h2>\n\n\n\n

Den Kontakt zu seinem Vater hat der Afghane mittlerweile verloren. W\u00e4hrenddessen schickt ihm sein Onkel, der in Aleppo stationiert ist, hin und wieder Bilder \u00fcber den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ali denkt, dass nur sehr wenige Afghanen der Propaganda der iranischen Regierung glauben und in Syrien f\u00fcr eine \u201egute Sache\u201c k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

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Fast drei Millionen Gefl\u00fcchtete aus Afghanistan sind inzwischen im Iran. Die meisten von ihnen leben in der Illegalit\u00e4t und werden als Schwarzarbeiter, etwa am Bau, ausgebeutet. Rassismus und Ausgrenzung geh\u00f6ren zu ihrem gesellschaftlichen Alltag. Kinder sind davon nicht ausgeschlossen. Im Gegenteil: Vielen afghanischen Kinderm ist es nicht erlaubt, staatliche Schulen zu besuchen. Abu Fazel wurde Zeit seines Lebens von dieser Diskrimierung beeinflusst und verfolgt.<\/p>\n\n\n\n

\u201e'Afghane\u2018 \u2013 das ist dort ein Schimpfwort. Ich h\u00f6rte es von klein auf immer wieder. Der Rassismus gegen Afghanen ist dort v\u00f6llig normal. Meine Herkunft, auf der ich eigentlich stolz war, ist im Iran stets eine Last gewesen. Wir sind dort B\u00fcrger zweiter Klasse.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung der afghanischen Gefl\u00fcchteten ist f\u00fcr Abu Fazel die Spitze jenes Rassismus, den er erlebt hat.<\/p>\n\n\n\n

Iran: Syrien vor sunnitischen Extremisten verteidigen<\/h2>\n\n\n\n

In Syrien k\u00e4mpfen neben den afghanischen Milizen auch andere paramilit\u00e4rische Gruppierungen im Auftrag des Irans: etwa die ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigten Revolutionsgarden, die einst Ayatollah Ruhollah Khomeini pers\u00f6nlich ins Leben rief oder die Basidsch-Milizen. Beiden Gruppierungen sind nicht nur in Syrien aktiv, sondern auch im Irak.<\/p>\n\n\n\n

Obowhl sich das syrische Regime von Baschar al-Assad als s\u00e4kular ausweist, wird es vom Iran, der sich als Repr\u00e4sentant aller muslimischen Schiiten betrachtet, unterst\u00fctzt. Gemeinsames Ziel in Syrien ist es: Schiiten vor sunnitische Extremisten zu verteidigen. Dennoch ist das Regime darauf bedacht, m\u00f6glichst wenig eigene K\u00e4mpfer nach Syrien zu schicken. \u00c4hnlich wie einst w\u00e4hrend des Krieges gegen Saddam Husseins Irak, setzt der Iran auf ausl\u00e4ndische K\u00e4mpfer.<\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung war wie eine Gehirnw\u00e4sche<\/h2>\n\n\n\n

Abu Fazels Familie geh\u00f6rt zur afghanischen Minderheit der schiitischen Hazara \u2013 wie viele Afghanen, die in den Iran gekommen sind. Mittlerweile k\u00e4mpfen Tausende von ihnen in Syrien. Der Iran bezahlt die Afghanen mit einem Sold von wenigen hundert Dollar pro Monat und verspricht ihren Familien eine Aufenthaltsgenehmigung oder eine Arbeitserlaubnis.<\/p>\n\n\n\n

An der Rekrutierung der Afghanen sind sowohl die Revolutionsgarden als auch die erw\u00e4hnten Basidsch-Milizen beteiligt. Abu Fazel beschreibt, wie das Viertel, in dem er gemeinsam mit seiner Familie in Teheran lebte, regelm\u00e4\u00dfig von den K\u00e4mpfern aufgesucht wurde. Viele afghanische Gefl\u00fcchtete lebten dort \u2013 und fielen auf die Gehirnw\u00e4sche der Rattenf\u00e4nger herein.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie trafen junge M\u00e4nner und Jugendliche in den Moscheen und \u00fcberredeten sie, gegen den IS oder Al Qaida zu k\u00e4mpfen. Die Gehirnw\u00e4sche war perfekt. Am Ende merkten viele, darunter auch ich, nicht einmal, dass wir in ihre Propaganda getappt waren. Ihre \u00dcberredungskunst war wirklich sehr speziell. Am Ende hat man Lust, nach Syrien zu gehen, um zu k\u00e4mpfen\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Erfolg hatten die Rekrutierer des Regimes auch bei Abu Fazels Cousin, der zum damaligen Zeitpunkt ebenfalls minderj\u00e4hrig gewesen ist. Er ging nach Syrien und k\u00e4mpfte unter der Flagge der \u201eLiwa Fatemiyoun\u201c, wie die afghanische Division auf Seiten Assads hei\u00dft. Offiziell ist die Aufgabe der Miliz die Verteidigung des Schreines von Zaynab im S\u00fcden von Damaskus. Zaynab war die Enkelin des islamischen Propheten Mohammad. Laut iranischen Staatsmedien k\u00e4mpfen mindestens 20.000 Afghanen in der Division.<\/p>\n\n\n\n

Im August 2014 entschloss sich auch Abu Fazel, nach Syrien zu gehen und zu k\u00e4mpfen. Im selben Monat wurde sein Cousin in der N\u00e4he von Aleppo im Kampf gegen syrische Rebellen get\u00f6tet.<\/p>\n\n\n\n

\u201eMein Cousin wurde dort get\u00f6tet. Auch andere Jungs aus unserer Gegend gingen nach Syrien und fielen dort. Lokale Zeitungen nannten sie \u201aM\u00e4rtyrer\u2018.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Lieber Flucht statt K\u00e4mpfer in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein solcher \u201eM\u00e4rtyrer\u201c wollte Abu Fazel allerdings nicht werden. Er floh eine Woche vor dem Beginn seiner dreimonatigen Kampfausbildung. Es war ihm lieber, ein Leben auf der Flucht zu verbringen, als in Syrien unschuldige Menschen f\u00fcr einen Diktator zu t\u00f6ten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch kam zu dem Schluss, dass ich nicht als M\u00f6rder weiterleben k\u00f6nnte. Stets dachte ich mir, dass selbst die schlimmsten Al-Qaida- oder IS-Terroristen Kinder haben k\u00f6nnten, die ihren Vater lieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Fazel verlor seinen eigenen Vater bereits sehr fr\u00fch. Er wurde Opfer des B\u00fcrgerkriegs in Afghanistan, der von 1989 bis 2001 tausende Menschen das Leben kostete. Auch der Iran mischte in der Zeit schon mit. Es ist allgemein bekannt, dass die schiitischen Hazara-Milizen, die den B\u00fcrgerkrieg ebenfalls mitanfachten, von der Regierung in Teheran unterst\u00fctzt wurden.<\/p>\n\n\n\n

Als Abu Fazel sich nun entschloss, aus der Gewaltspirale auszusteigen und nicht in Syrien zu k\u00e4mpfen, wuchs die Angst bei seiner Familie. Denn f\u00fcr die iranischen Beh\u00f6rden gilt: Hat man sich einmal gemeldet, gibt es kein zur\u00fcck. Man muss an die Front nach Syrien \u2013 oder wird zur\u00fcck nach Afghanistan abgeschoben, wo ebenfalls Krieg herrscht.<\/p>\n\n\n\n

Der einzige Ausweg f\u00fcr den jungen Afghanen war die Flucht. \u00dcber die T\u00fcrkei, Griechenland und die Balkranroute erreichte er mit gro\u00dfer M\u00fche Deutschland, wo er einen Asylantrag stellte.<\/p>\n\n\n\n

Erster Asylantrag in Deutschland abgelehnt<\/h2>\n\n\n\n

Als Grund nannte er seine Rekrutierung als Kindersoldat seitens des iranischen Regimes. Doch w\u00e4hrend diese Begr\u00fcndung in Abu Fazels Augen v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich war, sahen deutsche Beh\u00f6rden das anders. Sein erster Antrag wurde abgelehnt. Derzeit versucht er es ein zweites Mal. Die Bundesrepublik schiebt afghanische Gefl\u00fcchtete weiterhin ab.<\/p>\n\n\n\n

\"EinAbschiebung von Afghanen im Dezember 2016 mit einem Charterflug von Frankfurt nach Kabul. (dpa \/picture alliance \/ Boris Roessler)<\/p>\n\n\n\n

Die Verantwortlichen weisen in diesem Kontext immer wieder auf vermeintlich \u201esichere Gebiete\u201c im Land, die nicht n\u00e4her benannt werden.<\/p>\n\n\n\n

W\u00e4hrenddessen machen Menschenrechtsorganisationen regelm\u00e4\u00dfig darauf aufmerksam, dass keine Region am Hindukusch sicher ist. Stattdessen wird in manchen Gebieten nur weniger Krieg gef\u00fchrt als in anderen.<\/p>\n\n\n\n

\"SieDemonstranten protestieren in Frankfurt am Main gegen die Abschiebung von Afghanen. Auf einem der Transparente steht \u201eAfghanistan is not safe\u201c. (AFP \/ Daniel Roland)<\/p>\n\n\n\n

Alis Vater und Onkel k\u00e4mpfen in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein \u00e4hnliches Schicksal wie Abu Fazel erlitt der 18-j\u00e4hrige Ali (Namen ge\u00e4ndert). Auch er floh aus dem Iran nach Deutschland, um der Rekrutierung f\u00fcr Assads Milizen zu entgehen. Viele seiner afghanischen Freunde sind bereits nach Syrien gezogen \u2013 und kamen niemals zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Alis Familie, ebenfalls Angeh\u00f6rige der Hazara-Minderheit, stammt urspr\u00fcnglich aus der Provinz Ghor im Nordosten Afghanistans. Ihre Heimat verlie\u00dfen sie w\u00e4hrend der sowjetischen Besatzung in den 1980er-Jahren.<\/p>\n\n\n\n

Seit jeher lebt die Familie in der iranischen Gro\u00dfstadt Maschhad. Als der Krieg in Syrien ausbrach, erreichte sie ein Konflikt, mit dem sie nicht gerechnet hatten. Im Juli 2015 reiste Alis Vater nach Teheran. Er wollte einen Weg finden, um f\u00fcr seine Familie Aufenthaltspapiere zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Beh\u00f6rden sagten ihm, dass die Rekrutierung f\u00fcr den Krieg in Syrien eine M\u00f6glichkeit darstellen k\u00f6nnte, um Papiere f\u00fcr uns alle zu erhalten. Andernfalls w\u00fcrde man uns sehr bald nach Afghanistan abschieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Mittlerweile k\u00e4mpfen Alis Vater und sein Onkel seit \u00fcber einem Jahr in Syrien. Am Aufenthaltsstatus seiner Familienmitglieder hat sich bis heute allerdings nichts ge\u00e4ndert. F\u00fcr Ali ist klar, dass dies nur eine Falle gewesen ist, um noch mehr Afghanen als Kanonenfutter zu missbrauchen.<\/p>\n\n\n\n

Anfangs gab es Papiere f\u00fcr K\u00e4mpfer-Familien<\/h2>\n\n\n\n

Den Kontakt zu seinem Vater hat der Afghane mittlerweile verloren. W\u00e4hrenddessen schickt ihm sein Onkel, der in Aleppo stationiert ist, hin und wieder Bilder \u00fcber den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ali denkt, dass nur sehr wenige Afghanen der Propaganda der iranischen Regierung glauben und in Syrien f\u00fcr eine \u201egute Sache\u201c k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

Source<\/a><\/p>\n","post_title":"Warum Afghanen in Syrien f\u00fcr Assad k\u00e4mpfen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"warum-afghanen-in-syrien-fur-assad-kampfen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3709","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":9},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Rassismus gegen Afghanen im Iran<\/h2>\n\n\n\n

Fast drei Millionen Gefl\u00fcchtete aus Afghanistan sind inzwischen im Iran. Die meisten von ihnen leben in der Illegalit\u00e4t und werden als Schwarzarbeiter, etwa am Bau, ausgebeutet. Rassismus und Ausgrenzung geh\u00f6ren zu ihrem gesellschaftlichen Alltag. Kinder sind davon nicht ausgeschlossen. Im Gegenteil: Vielen afghanischen Kinderm ist es nicht erlaubt, staatliche Schulen zu besuchen. Abu Fazel wurde Zeit seines Lebens von dieser Diskrimierung beeinflusst und verfolgt.<\/p>\n\n\n\n

\u201e'Afghane\u2018 \u2013 das ist dort ein Schimpfwort. Ich h\u00f6rte es von klein auf immer wieder. Der Rassismus gegen Afghanen ist dort v\u00f6llig normal. Meine Herkunft, auf der ich eigentlich stolz war, ist im Iran stets eine Last gewesen. Wir sind dort B\u00fcrger zweiter Klasse.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung der afghanischen Gefl\u00fcchteten ist f\u00fcr Abu Fazel die Spitze jenes Rassismus, den er erlebt hat.<\/p>\n\n\n\n

Iran: Syrien vor sunnitischen Extremisten verteidigen<\/h2>\n\n\n\n

In Syrien k\u00e4mpfen neben den afghanischen Milizen auch andere paramilit\u00e4rische Gruppierungen im Auftrag des Irans: etwa die ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigten Revolutionsgarden, die einst Ayatollah Ruhollah Khomeini pers\u00f6nlich ins Leben rief oder die Basidsch-Milizen. Beiden Gruppierungen sind nicht nur in Syrien aktiv, sondern auch im Irak.<\/p>\n\n\n\n

Obowhl sich das syrische Regime von Baschar al-Assad als s\u00e4kular ausweist, wird es vom Iran, der sich als Repr\u00e4sentant aller muslimischen Schiiten betrachtet, unterst\u00fctzt. Gemeinsames Ziel in Syrien ist es: Schiiten vor sunnitische Extremisten zu verteidigen. Dennoch ist das Regime darauf bedacht, m\u00f6glichst wenig eigene K\u00e4mpfer nach Syrien zu schicken. \u00c4hnlich wie einst w\u00e4hrend des Krieges gegen Saddam Husseins Irak, setzt der Iran auf ausl\u00e4ndische K\u00e4mpfer.<\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung war wie eine Gehirnw\u00e4sche<\/h2>\n\n\n\n

Abu Fazels Familie geh\u00f6rt zur afghanischen Minderheit der schiitischen Hazara \u2013 wie viele Afghanen, die in den Iran gekommen sind. Mittlerweile k\u00e4mpfen Tausende von ihnen in Syrien. Der Iran bezahlt die Afghanen mit einem Sold von wenigen hundert Dollar pro Monat und verspricht ihren Familien eine Aufenthaltsgenehmigung oder eine Arbeitserlaubnis.<\/p>\n\n\n\n

An der Rekrutierung der Afghanen sind sowohl die Revolutionsgarden als auch die erw\u00e4hnten Basidsch-Milizen beteiligt. Abu Fazel beschreibt, wie das Viertel, in dem er gemeinsam mit seiner Familie in Teheran lebte, regelm\u00e4\u00dfig von den K\u00e4mpfern aufgesucht wurde. Viele afghanische Gefl\u00fcchtete lebten dort \u2013 und fielen auf die Gehirnw\u00e4sche der Rattenf\u00e4nger herein.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie trafen junge M\u00e4nner und Jugendliche in den Moscheen und \u00fcberredeten sie, gegen den IS oder Al Qaida zu k\u00e4mpfen. Die Gehirnw\u00e4sche war perfekt. Am Ende merkten viele, darunter auch ich, nicht einmal, dass wir in ihre Propaganda getappt waren. Ihre \u00dcberredungskunst war wirklich sehr speziell. Am Ende hat man Lust, nach Syrien zu gehen, um zu k\u00e4mpfen\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Erfolg hatten die Rekrutierer des Regimes auch bei Abu Fazels Cousin, der zum damaligen Zeitpunkt ebenfalls minderj\u00e4hrig gewesen ist. Er ging nach Syrien und k\u00e4mpfte unter der Flagge der \u201eLiwa Fatemiyoun\u201c, wie die afghanische Division auf Seiten Assads hei\u00dft. Offiziell ist die Aufgabe der Miliz die Verteidigung des Schreines von Zaynab im S\u00fcden von Damaskus. Zaynab war die Enkelin des islamischen Propheten Mohammad. Laut iranischen Staatsmedien k\u00e4mpfen mindestens 20.000 Afghanen in der Division.<\/p>\n\n\n\n

Im August 2014 entschloss sich auch Abu Fazel, nach Syrien zu gehen und zu k\u00e4mpfen. Im selben Monat wurde sein Cousin in der N\u00e4he von Aleppo im Kampf gegen syrische Rebellen get\u00f6tet.<\/p>\n\n\n\n

\u201eMein Cousin wurde dort get\u00f6tet. Auch andere Jungs aus unserer Gegend gingen nach Syrien und fielen dort. Lokale Zeitungen nannten sie \u201aM\u00e4rtyrer\u2018.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Lieber Flucht statt K\u00e4mpfer in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein solcher \u201eM\u00e4rtyrer\u201c wollte Abu Fazel allerdings nicht werden. Er floh eine Woche vor dem Beginn seiner dreimonatigen Kampfausbildung. Es war ihm lieber, ein Leben auf der Flucht zu verbringen, als in Syrien unschuldige Menschen f\u00fcr einen Diktator zu t\u00f6ten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch kam zu dem Schluss, dass ich nicht als M\u00f6rder weiterleben k\u00f6nnte. Stets dachte ich mir, dass selbst die schlimmsten Al-Qaida- oder IS-Terroristen Kinder haben k\u00f6nnten, die ihren Vater lieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Fazel verlor seinen eigenen Vater bereits sehr fr\u00fch. Er wurde Opfer des B\u00fcrgerkriegs in Afghanistan, der von 1989 bis 2001 tausende Menschen das Leben kostete. Auch der Iran mischte in der Zeit schon mit. Es ist allgemein bekannt, dass die schiitischen Hazara-Milizen, die den B\u00fcrgerkrieg ebenfalls mitanfachten, von der Regierung in Teheran unterst\u00fctzt wurden.<\/p>\n\n\n\n

Als Abu Fazel sich nun entschloss, aus der Gewaltspirale auszusteigen und nicht in Syrien zu k\u00e4mpfen, wuchs die Angst bei seiner Familie. Denn f\u00fcr die iranischen Beh\u00f6rden gilt: Hat man sich einmal gemeldet, gibt es kein zur\u00fcck. Man muss an die Front nach Syrien \u2013 oder wird zur\u00fcck nach Afghanistan abgeschoben, wo ebenfalls Krieg herrscht.<\/p>\n\n\n\n

Der einzige Ausweg f\u00fcr den jungen Afghanen war die Flucht. \u00dcber die T\u00fcrkei, Griechenland und die Balkranroute erreichte er mit gro\u00dfer M\u00fche Deutschland, wo er einen Asylantrag stellte.<\/p>\n\n\n\n

Erster Asylantrag in Deutschland abgelehnt<\/h2>\n\n\n\n

Als Grund nannte er seine Rekrutierung als Kindersoldat seitens des iranischen Regimes. Doch w\u00e4hrend diese Begr\u00fcndung in Abu Fazels Augen v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich war, sahen deutsche Beh\u00f6rden das anders. Sein erster Antrag wurde abgelehnt. Derzeit versucht er es ein zweites Mal. Die Bundesrepublik schiebt afghanische Gefl\u00fcchtete weiterhin ab.<\/p>\n\n\n\n

\"EinAbschiebung von Afghanen im Dezember 2016 mit einem Charterflug von Frankfurt nach Kabul. (dpa \/picture alliance \/ Boris Roessler)<\/p>\n\n\n\n

Die Verantwortlichen weisen in diesem Kontext immer wieder auf vermeintlich \u201esichere Gebiete\u201c im Land, die nicht n\u00e4her benannt werden.<\/p>\n\n\n\n

W\u00e4hrenddessen machen Menschenrechtsorganisationen regelm\u00e4\u00dfig darauf aufmerksam, dass keine Region am Hindukusch sicher ist. Stattdessen wird in manchen Gebieten nur weniger Krieg gef\u00fchrt als in anderen.<\/p>\n\n\n\n

\"SieDemonstranten protestieren in Frankfurt am Main gegen die Abschiebung von Afghanen. Auf einem der Transparente steht \u201eAfghanistan is not safe\u201c. (AFP \/ Daniel Roland)<\/p>\n\n\n\n

Alis Vater und Onkel k\u00e4mpfen in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein \u00e4hnliches Schicksal wie Abu Fazel erlitt der 18-j\u00e4hrige Ali (Namen ge\u00e4ndert). Auch er floh aus dem Iran nach Deutschland, um der Rekrutierung f\u00fcr Assads Milizen zu entgehen. Viele seiner afghanischen Freunde sind bereits nach Syrien gezogen \u2013 und kamen niemals zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Alis Familie, ebenfalls Angeh\u00f6rige der Hazara-Minderheit, stammt urspr\u00fcnglich aus der Provinz Ghor im Nordosten Afghanistans. Ihre Heimat verlie\u00dfen sie w\u00e4hrend der sowjetischen Besatzung in den 1980er-Jahren.<\/p>\n\n\n\n

Seit jeher lebt die Familie in der iranischen Gro\u00dfstadt Maschhad. Als der Krieg in Syrien ausbrach, erreichte sie ein Konflikt, mit dem sie nicht gerechnet hatten. Im Juli 2015 reiste Alis Vater nach Teheran. Er wollte einen Weg finden, um f\u00fcr seine Familie Aufenthaltspapiere zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Beh\u00f6rden sagten ihm, dass die Rekrutierung f\u00fcr den Krieg in Syrien eine M\u00f6glichkeit darstellen k\u00f6nnte, um Papiere f\u00fcr uns alle zu erhalten. Andernfalls w\u00fcrde man uns sehr bald nach Afghanistan abschieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Mittlerweile k\u00e4mpfen Alis Vater und sein Onkel seit \u00fcber einem Jahr in Syrien. Am Aufenthaltsstatus seiner Familienmitglieder hat sich bis heute allerdings nichts ge\u00e4ndert. F\u00fcr Ali ist klar, dass dies nur eine Falle gewesen ist, um noch mehr Afghanen als Kanonenfutter zu missbrauchen.<\/p>\n\n\n\n

Anfangs gab es Papiere f\u00fcr K\u00e4mpfer-Familien<\/h2>\n\n\n\n

Den Kontakt zu seinem Vater hat der Afghane mittlerweile verloren. W\u00e4hrenddessen schickt ihm sein Onkel, der in Aleppo stationiert ist, hin und wieder Bilder \u00fcber den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ali denkt, dass nur sehr wenige Afghanen der Propaganda der iranischen Regierung glauben und in Syrien f\u00fcr eine \u201egute Sache\u201c k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

Source<\/a><\/p>\n","post_title":"Warum Afghanen in Syrien f\u00fcr Assad k\u00e4mpfen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"warum-afghanen-in-syrien-fur-assad-kampfen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3709","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":9},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Tausende afghanische Jugendliche \u2013 die genaue Zahl ist nicht bekannt \u2013 wurden im Iran rekrutiert, um im Krieg in Syrien zu k\u00e4mpfen. Erst vor Kurzem berichtete die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, dass sie die Gr\u00e4ber von acht afghanischen Kindern, die in Syrien get\u00f6tet wurden, identifiziert hat. Laut der Organisation rekrutiert der Iran regelm\u00e4\u00dfig minderj\u00e4hrige K\u00e4mpfer, um sie nach Syrien zu schicken. Unter afghanischen Gefl\u00fcchteten ist diese Praxis schon l\u00e4nger bekannt.<\/p>\n\n\n\n

Rassismus gegen Afghanen im Iran<\/h2>\n\n\n\n

Fast drei Millionen Gefl\u00fcchtete aus Afghanistan sind inzwischen im Iran. Die meisten von ihnen leben in der Illegalit\u00e4t und werden als Schwarzarbeiter, etwa am Bau, ausgebeutet. Rassismus und Ausgrenzung geh\u00f6ren zu ihrem gesellschaftlichen Alltag. Kinder sind davon nicht ausgeschlossen. Im Gegenteil: Vielen afghanischen Kinderm ist es nicht erlaubt, staatliche Schulen zu besuchen. Abu Fazel wurde Zeit seines Lebens von dieser Diskrimierung beeinflusst und verfolgt.<\/p>\n\n\n\n

\u201e'Afghane\u2018 \u2013 das ist dort ein Schimpfwort. Ich h\u00f6rte es von klein auf immer wieder. Der Rassismus gegen Afghanen ist dort v\u00f6llig normal. Meine Herkunft, auf der ich eigentlich stolz war, ist im Iran stets eine Last gewesen. Wir sind dort B\u00fcrger zweiter Klasse.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung der afghanischen Gefl\u00fcchteten ist f\u00fcr Abu Fazel die Spitze jenes Rassismus, den er erlebt hat.<\/p>\n\n\n\n

Iran: Syrien vor sunnitischen Extremisten verteidigen<\/h2>\n\n\n\n

In Syrien k\u00e4mpfen neben den afghanischen Milizen auch andere paramilit\u00e4rische Gruppierungen im Auftrag des Irans: etwa die ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigten Revolutionsgarden, die einst Ayatollah Ruhollah Khomeini pers\u00f6nlich ins Leben rief oder die Basidsch-Milizen. Beiden Gruppierungen sind nicht nur in Syrien aktiv, sondern auch im Irak.<\/p>\n\n\n\n

Obowhl sich das syrische Regime von Baschar al-Assad als s\u00e4kular ausweist, wird es vom Iran, der sich als Repr\u00e4sentant aller muslimischen Schiiten betrachtet, unterst\u00fctzt. Gemeinsames Ziel in Syrien ist es: Schiiten vor sunnitische Extremisten zu verteidigen. Dennoch ist das Regime darauf bedacht, m\u00f6glichst wenig eigene K\u00e4mpfer nach Syrien zu schicken. \u00c4hnlich wie einst w\u00e4hrend des Krieges gegen Saddam Husseins Irak, setzt der Iran auf ausl\u00e4ndische K\u00e4mpfer.<\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung war wie eine Gehirnw\u00e4sche<\/h2>\n\n\n\n

Abu Fazels Familie geh\u00f6rt zur afghanischen Minderheit der schiitischen Hazara \u2013 wie viele Afghanen, die in den Iran gekommen sind. Mittlerweile k\u00e4mpfen Tausende von ihnen in Syrien. Der Iran bezahlt die Afghanen mit einem Sold von wenigen hundert Dollar pro Monat und verspricht ihren Familien eine Aufenthaltsgenehmigung oder eine Arbeitserlaubnis.<\/p>\n\n\n\n

An der Rekrutierung der Afghanen sind sowohl die Revolutionsgarden als auch die erw\u00e4hnten Basidsch-Milizen beteiligt. Abu Fazel beschreibt, wie das Viertel, in dem er gemeinsam mit seiner Familie in Teheran lebte, regelm\u00e4\u00dfig von den K\u00e4mpfern aufgesucht wurde. Viele afghanische Gefl\u00fcchtete lebten dort \u2013 und fielen auf die Gehirnw\u00e4sche der Rattenf\u00e4nger herein.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie trafen junge M\u00e4nner und Jugendliche in den Moscheen und \u00fcberredeten sie, gegen den IS oder Al Qaida zu k\u00e4mpfen. Die Gehirnw\u00e4sche war perfekt. Am Ende merkten viele, darunter auch ich, nicht einmal, dass wir in ihre Propaganda getappt waren. Ihre \u00dcberredungskunst war wirklich sehr speziell. Am Ende hat man Lust, nach Syrien zu gehen, um zu k\u00e4mpfen\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Erfolg hatten die Rekrutierer des Regimes auch bei Abu Fazels Cousin, der zum damaligen Zeitpunkt ebenfalls minderj\u00e4hrig gewesen ist. Er ging nach Syrien und k\u00e4mpfte unter der Flagge der \u201eLiwa Fatemiyoun\u201c, wie die afghanische Division auf Seiten Assads hei\u00dft. Offiziell ist die Aufgabe der Miliz die Verteidigung des Schreines von Zaynab im S\u00fcden von Damaskus. Zaynab war die Enkelin des islamischen Propheten Mohammad. Laut iranischen Staatsmedien k\u00e4mpfen mindestens 20.000 Afghanen in der Division.<\/p>\n\n\n\n

Im August 2014 entschloss sich auch Abu Fazel, nach Syrien zu gehen und zu k\u00e4mpfen. Im selben Monat wurde sein Cousin in der N\u00e4he von Aleppo im Kampf gegen syrische Rebellen get\u00f6tet.<\/p>\n\n\n\n

\u201eMein Cousin wurde dort get\u00f6tet. Auch andere Jungs aus unserer Gegend gingen nach Syrien und fielen dort. Lokale Zeitungen nannten sie \u201aM\u00e4rtyrer\u2018.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Lieber Flucht statt K\u00e4mpfer in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein solcher \u201eM\u00e4rtyrer\u201c wollte Abu Fazel allerdings nicht werden. Er floh eine Woche vor dem Beginn seiner dreimonatigen Kampfausbildung. Es war ihm lieber, ein Leben auf der Flucht zu verbringen, als in Syrien unschuldige Menschen f\u00fcr einen Diktator zu t\u00f6ten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch kam zu dem Schluss, dass ich nicht als M\u00f6rder weiterleben k\u00f6nnte. Stets dachte ich mir, dass selbst die schlimmsten Al-Qaida- oder IS-Terroristen Kinder haben k\u00f6nnten, die ihren Vater lieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Fazel verlor seinen eigenen Vater bereits sehr fr\u00fch. Er wurde Opfer des B\u00fcrgerkriegs in Afghanistan, der von 1989 bis 2001 tausende Menschen das Leben kostete. Auch der Iran mischte in der Zeit schon mit. Es ist allgemein bekannt, dass die schiitischen Hazara-Milizen, die den B\u00fcrgerkrieg ebenfalls mitanfachten, von der Regierung in Teheran unterst\u00fctzt wurden.<\/p>\n\n\n\n

Als Abu Fazel sich nun entschloss, aus der Gewaltspirale auszusteigen und nicht in Syrien zu k\u00e4mpfen, wuchs die Angst bei seiner Familie. Denn f\u00fcr die iranischen Beh\u00f6rden gilt: Hat man sich einmal gemeldet, gibt es kein zur\u00fcck. Man muss an die Front nach Syrien \u2013 oder wird zur\u00fcck nach Afghanistan abgeschoben, wo ebenfalls Krieg herrscht.<\/p>\n\n\n\n

Der einzige Ausweg f\u00fcr den jungen Afghanen war die Flucht. \u00dcber die T\u00fcrkei, Griechenland und die Balkranroute erreichte er mit gro\u00dfer M\u00fche Deutschland, wo er einen Asylantrag stellte.<\/p>\n\n\n\n

Erster Asylantrag in Deutschland abgelehnt<\/h2>\n\n\n\n

Als Grund nannte er seine Rekrutierung als Kindersoldat seitens des iranischen Regimes. Doch w\u00e4hrend diese Begr\u00fcndung in Abu Fazels Augen v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich war, sahen deutsche Beh\u00f6rden das anders. Sein erster Antrag wurde abgelehnt. Derzeit versucht er es ein zweites Mal. Die Bundesrepublik schiebt afghanische Gefl\u00fcchtete weiterhin ab.<\/p>\n\n\n\n

\"EinAbschiebung von Afghanen im Dezember 2016 mit einem Charterflug von Frankfurt nach Kabul. (dpa \/picture alliance \/ Boris Roessler)<\/p>\n\n\n\n

Die Verantwortlichen weisen in diesem Kontext immer wieder auf vermeintlich \u201esichere Gebiete\u201c im Land, die nicht n\u00e4her benannt werden.<\/p>\n\n\n\n

W\u00e4hrenddessen machen Menschenrechtsorganisationen regelm\u00e4\u00dfig darauf aufmerksam, dass keine Region am Hindukusch sicher ist. Stattdessen wird in manchen Gebieten nur weniger Krieg gef\u00fchrt als in anderen.<\/p>\n\n\n\n

\"SieDemonstranten protestieren in Frankfurt am Main gegen die Abschiebung von Afghanen. Auf einem der Transparente steht \u201eAfghanistan is not safe\u201c. (AFP \/ Daniel Roland)<\/p>\n\n\n\n

Alis Vater und Onkel k\u00e4mpfen in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein \u00e4hnliches Schicksal wie Abu Fazel erlitt der 18-j\u00e4hrige Ali (Namen ge\u00e4ndert). Auch er floh aus dem Iran nach Deutschland, um der Rekrutierung f\u00fcr Assads Milizen zu entgehen. Viele seiner afghanischen Freunde sind bereits nach Syrien gezogen \u2013 und kamen niemals zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Alis Familie, ebenfalls Angeh\u00f6rige der Hazara-Minderheit, stammt urspr\u00fcnglich aus der Provinz Ghor im Nordosten Afghanistans. Ihre Heimat verlie\u00dfen sie w\u00e4hrend der sowjetischen Besatzung in den 1980er-Jahren.<\/p>\n\n\n\n

Seit jeher lebt die Familie in der iranischen Gro\u00dfstadt Maschhad. Als der Krieg in Syrien ausbrach, erreichte sie ein Konflikt, mit dem sie nicht gerechnet hatten. Im Juli 2015 reiste Alis Vater nach Teheran. Er wollte einen Weg finden, um f\u00fcr seine Familie Aufenthaltspapiere zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Beh\u00f6rden sagten ihm, dass die Rekrutierung f\u00fcr den Krieg in Syrien eine M\u00f6glichkeit darstellen k\u00f6nnte, um Papiere f\u00fcr uns alle zu erhalten. Andernfalls w\u00fcrde man uns sehr bald nach Afghanistan abschieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Mittlerweile k\u00e4mpfen Alis Vater und sein Onkel seit \u00fcber einem Jahr in Syrien. Am Aufenthaltsstatus seiner Familienmitglieder hat sich bis heute allerdings nichts ge\u00e4ndert. F\u00fcr Ali ist klar, dass dies nur eine Falle gewesen ist, um noch mehr Afghanen als Kanonenfutter zu missbrauchen.<\/p>\n\n\n\n

Anfangs gab es Papiere f\u00fcr K\u00e4mpfer-Familien<\/h2>\n\n\n\n

Den Kontakt zu seinem Vater hat der Afghane mittlerweile verloren. W\u00e4hrenddessen schickt ihm sein Onkel, der in Aleppo stationiert ist, hin und wieder Bilder \u00fcber den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ali denkt, dass nur sehr wenige Afghanen der Propaganda der iranischen Regierung glauben und in Syrien f\u00fcr eine \u201egute Sache\u201c k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

Source<\/a><\/p>\n","post_title":"Warum Afghanen in Syrien f\u00fcr Assad k\u00e4mpfen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"warum-afghanen-in-syrien-fur-assad-kampfen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3709","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":9},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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\"Fl\u00fcchtlingeGefl\u00fcchtete aus dem Iran und Afghanistan an der Grenze zwischen Mazedonien und Griechenland. (picture alliance \/ dpa \/ Georgi Licovski)<\/p>\n\n\n\n

Tausende afghanische Jugendliche \u2013 die genaue Zahl ist nicht bekannt \u2013 wurden im Iran rekrutiert, um im Krieg in Syrien zu k\u00e4mpfen. Erst vor Kurzem berichtete die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, dass sie die Gr\u00e4ber von acht afghanischen Kindern, die in Syrien get\u00f6tet wurden, identifiziert hat. Laut der Organisation rekrutiert der Iran regelm\u00e4\u00dfig minderj\u00e4hrige K\u00e4mpfer, um sie nach Syrien zu schicken. Unter afghanischen Gefl\u00fcchteten ist diese Praxis schon l\u00e4nger bekannt.<\/p>\n\n\n\n

Rassismus gegen Afghanen im Iran<\/h2>\n\n\n\n

Fast drei Millionen Gefl\u00fcchtete aus Afghanistan sind inzwischen im Iran. Die meisten von ihnen leben in der Illegalit\u00e4t und werden als Schwarzarbeiter, etwa am Bau, ausgebeutet. Rassismus und Ausgrenzung geh\u00f6ren zu ihrem gesellschaftlichen Alltag. Kinder sind davon nicht ausgeschlossen. Im Gegenteil: Vielen afghanischen Kinderm ist es nicht erlaubt, staatliche Schulen zu besuchen. Abu Fazel wurde Zeit seines Lebens von dieser Diskrimierung beeinflusst und verfolgt.<\/p>\n\n\n\n

\u201e'Afghane\u2018 \u2013 das ist dort ein Schimpfwort. Ich h\u00f6rte es von klein auf immer wieder. Der Rassismus gegen Afghanen ist dort v\u00f6llig normal. Meine Herkunft, auf der ich eigentlich stolz war, ist im Iran stets eine Last gewesen. Wir sind dort B\u00fcrger zweiter Klasse.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung der afghanischen Gefl\u00fcchteten ist f\u00fcr Abu Fazel die Spitze jenes Rassismus, den er erlebt hat.<\/p>\n\n\n\n

Iran: Syrien vor sunnitischen Extremisten verteidigen<\/h2>\n\n\n\n

In Syrien k\u00e4mpfen neben den afghanischen Milizen auch andere paramilit\u00e4rische Gruppierungen im Auftrag des Irans: etwa die ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigten Revolutionsgarden, die einst Ayatollah Ruhollah Khomeini pers\u00f6nlich ins Leben rief oder die Basidsch-Milizen. Beiden Gruppierungen sind nicht nur in Syrien aktiv, sondern auch im Irak.<\/p>\n\n\n\n

Obowhl sich das syrische Regime von Baschar al-Assad als s\u00e4kular ausweist, wird es vom Iran, der sich als Repr\u00e4sentant aller muslimischen Schiiten betrachtet, unterst\u00fctzt. Gemeinsames Ziel in Syrien ist es: Schiiten vor sunnitische Extremisten zu verteidigen. Dennoch ist das Regime darauf bedacht, m\u00f6glichst wenig eigene K\u00e4mpfer nach Syrien zu schicken. \u00c4hnlich wie einst w\u00e4hrend des Krieges gegen Saddam Husseins Irak, setzt der Iran auf ausl\u00e4ndische K\u00e4mpfer.<\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung war wie eine Gehirnw\u00e4sche<\/h2>\n\n\n\n

Abu Fazels Familie geh\u00f6rt zur afghanischen Minderheit der schiitischen Hazara \u2013 wie viele Afghanen, die in den Iran gekommen sind. Mittlerweile k\u00e4mpfen Tausende von ihnen in Syrien. Der Iran bezahlt die Afghanen mit einem Sold von wenigen hundert Dollar pro Monat und verspricht ihren Familien eine Aufenthaltsgenehmigung oder eine Arbeitserlaubnis.<\/p>\n\n\n\n

An der Rekrutierung der Afghanen sind sowohl die Revolutionsgarden als auch die erw\u00e4hnten Basidsch-Milizen beteiligt. Abu Fazel beschreibt, wie das Viertel, in dem er gemeinsam mit seiner Familie in Teheran lebte, regelm\u00e4\u00dfig von den K\u00e4mpfern aufgesucht wurde. Viele afghanische Gefl\u00fcchtete lebten dort \u2013 und fielen auf die Gehirnw\u00e4sche der Rattenf\u00e4nger herein.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie trafen junge M\u00e4nner und Jugendliche in den Moscheen und \u00fcberredeten sie, gegen den IS oder Al Qaida zu k\u00e4mpfen. Die Gehirnw\u00e4sche war perfekt. Am Ende merkten viele, darunter auch ich, nicht einmal, dass wir in ihre Propaganda getappt waren. Ihre \u00dcberredungskunst war wirklich sehr speziell. Am Ende hat man Lust, nach Syrien zu gehen, um zu k\u00e4mpfen\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Erfolg hatten die Rekrutierer des Regimes auch bei Abu Fazels Cousin, der zum damaligen Zeitpunkt ebenfalls minderj\u00e4hrig gewesen ist. Er ging nach Syrien und k\u00e4mpfte unter der Flagge der \u201eLiwa Fatemiyoun\u201c, wie die afghanische Division auf Seiten Assads hei\u00dft. Offiziell ist die Aufgabe der Miliz die Verteidigung des Schreines von Zaynab im S\u00fcden von Damaskus. Zaynab war die Enkelin des islamischen Propheten Mohammad. Laut iranischen Staatsmedien k\u00e4mpfen mindestens 20.000 Afghanen in der Division.<\/p>\n\n\n\n

Im August 2014 entschloss sich auch Abu Fazel, nach Syrien zu gehen und zu k\u00e4mpfen. Im selben Monat wurde sein Cousin in der N\u00e4he von Aleppo im Kampf gegen syrische Rebellen get\u00f6tet.<\/p>\n\n\n\n

\u201eMein Cousin wurde dort get\u00f6tet. Auch andere Jungs aus unserer Gegend gingen nach Syrien und fielen dort. Lokale Zeitungen nannten sie \u201aM\u00e4rtyrer\u2018.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Lieber Flucht statt K\u00e4mpfer in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein solcher \u201eM\u00e4rtyrer\u201c wollte Abu Fazel allerdings nicht werden. Er floh eine Woche vor dem Beginn seiner dreimonatigen Kampfausbildung. Es war ihm lieber, ein Leben auf der Flucht zu verbringen, als in Syrien unschuldige Menschen f\u00fcr einen Diktator zu t\u00f6ten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch kam zu dem Schluss, dass ich nicht als M\u00f6rder weiterleben k\u00f6nnte. Stets dachte ich mir, dass selbst die schlimmsten Al-Qaida- oder IS-Terroristen Kinder haben k\u00f6nnten, die ihren Vater lieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Fazel verlor seinen eigenen Vater bereits sehr fr\u00fch. Er wurde Opfer des B\u00fcrgerkriegs in Afghanistan, der von 1989 bis 2001 tausende Menschen das Leben kostete. Auch der Iran mischte in der Zeit schon mit. Es ist allgemein bekannt, dass die schiitischen Hazara-Milizen, die den B\u00fcrgerkrieg ebenfalls mitanfachten, von der Regierung in Teheran unterst\u00fctzt wurden.<\/p>\n\n\n\n

Als Abu Fazel sich nun entschloss, aus der Gewaltspirale auszusteigen und nicht in Syrien zu k\u00e4mpfen, wuchs die Angst bei seiner Familie. Denn f\u00fcr die iranischen Beh\u00f6rden gilt: Hat man sich einmal gemeldet, gibt es kein zur\u00fcck. Man muss an die Front nach Syrien \u2013 oder wird zur\u00fcck nach Afghanistan abgeschoben, wo ebenfalls Krieg herrscht.<\/p>\n\n\n\n

Der einzige Ausweg f\u00fcr den jungen Afghanen war die Flucht. \u00dcber die T\u00fcrkei, Griechenland und die Balkranroute erreichte er mit gro\u00dfer M\u00fche Deutschland, wo er einen Asylantrag stellte.<\/p>\n\n\n\n

Erster Asylantrag in Deutschland abgelehnt<\/h2>\n\n\n\n

Als Grund nannte er seine Rekrutierung als Kindersoldat seitens des iranischen Regimes. Doch w\u00e4hrend diese Begr\u00fcndung in Abu Fazels Augen v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich war, sahen deutsche Beh\u00f6rden das anders. Sein erster Antrag wurde abgelehnt. Derzeit versucht er es ein zweites Mal. Die Bundesrepublik schiebt afghanische Gefl\u00fcchtete weiterhin ab.<\/p>\n\n\n\n

\"EinAbschiebung von Afghanen im Dezember 2016 mit einem Charterflug von Frankfurt nach Kabul. (dpa \/picture alliance \/ Boris Roessler)<\/p>\n\n\n\n

Die Verantwortlichen weisen in diesem Kontext immer wieder auf vermeintlich \u201esichere Gebiete\u201c im Land, die nicht n\u00e4her benannt werden.<\/p>\n\n\n\n

W\u00e4hrenddessen machen Menschenrechtsorganisationen regelm\u00e4\u00dfig darauf aufmerksam, dass keine Region am Hindukusch sicher ist. Stattdessen wird in manchen Gebieten nur weniger Krieg gef\u00fchrt als in anderen.<\/p>\n\n\n\n

\"SieDemonstranten protestieren in Frankfurt am Main gegen die Abschiebung von Afghanen. Auf einem der Transparente steht \u201eAfghanistan is not safe\u201c. (AFP \/ Daniel Roland)<\/p>\n\n\n\n

Alis Vater und Onkel k\u00e4mpfen in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein \u00e4hnliches Schicksal wie Abu Fazel erlitt der 18-j\u00e4hrige Ali (Namen ge\u00e4ndert). Auch er floh aus dem Iran nach Deutschland, um der Rekrutierung f\u00fcr Assads Milizen zu entgehen. Viele seiner afghanischen Freunde sind bereits nach Syrien gezogen \u2013 und kamen niemals zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Alis Familie, ebenfalls Angeh\u00f6rige der Hazara-Minderheit, stammt urspr\u00fcnglich aus der Provinz Ghor im Nordosten Afghanistans. Ihre Heimat verlie\u00dfen sie w\u00e4hrend der sowjetischen Besatzung in den 1980er-Jahren.<\/p>\n\n\n\n

Seit jeher lebt die Familie in der iranischen Gro\u00dfstadt Maschhad. Als der Krieg in Syrien ausbrach, erreichte sie ein Konflikt, mit dem sie nicht gerechnet hatten. Im Juli 2015 reiste Alis Vater nach Teheran. Er wollte einen Weg finden, um f\u00fcr seine Familie Aufenthaltspapiere zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Beh\u00f6rden sagten ihm, dass die Rekrutierung f\u00fcr den Krieg in Syrien eine M\u00f6glichkeit darstellen k\u00f6nnte, um Papiere f\u00fcr uns alle zu erhalten. Andernfalls w\u00fcrde man uns sehr bald nach Afghanistan abschieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Mittlerweile k\u00e4mpfen Alis Vater und sein Onkel seit \u00fcber einem Jahr in Syrien. Am Aufenthaltsstatus seiner Familienmitglieder hat sich bis heute allerdings nichts ge\u00e4ndert. F\u00fcr Ali ist klar, dass dies nur eine Falle gewesen ist, um noch mehr Afghanen als Kanonenfutter zu missbrauchen.<\/p>\n\n\n\n

Anfangs gab es Papiere f\u00fcr K\u00e4mpfer-Familien<\/h2>\n\n\n\n

Den Kontakt zu seinem Vater hat der Afghane mittlerweile verloren. W\u00e4hrenddessen schickt ihm sein Onkel, der in Aleppo stationiert ist, hin und wieder Bilder \u00fcber den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ali denkt, dass nur sehr wenige Afghanen der Propaganda der iranischen Regierung glauben und in Syrien f\u00fcr eine \u201egute Sache\u201c k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

Source<\/a><\/p>\n","post_title":"Warum Afghanen in Syrien f\u00fcr Assad k\u00e4mpfen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"warum-afghanen-in-syrien-fur-assad-kampfen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3709","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":9},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Den Gro\u00dfteil seines Lebens verbrachte er im Iran. Seine Familie ist dorthin gefl\u00fcchtet, als er ein Kind war. Doch als die iranische Regierung ihn nach Syrien schicken wollte, um auf der Seite von Machthaber Baschar al-Assad zu k\u00e4mpfen, entschloss er sich zu fliehen.<\/p>\n\n\n\n

\"Fl\u00fcchtlingeGefl\u00fcchtete aus dem Iran und Afghanistan an der Grenze zwischen Mazedonien und Griechenland. (picture alliance \/ dpa \/ Georgi Licovski)<\/p>\n\n\n\n

Tausende afghanische Jugendliche \u2013 die genaue Zahl ist nicht bekannt \u2013 wurden im Iran rekrutiert, um im Krieg in Syrien zu k\u00e4mpfen. Erst vor Kurzem berichtete die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, dass sie die Gr\u00e4ber von acht afghanischen Kindern, die in Syrien get\u00f6tet wurden, identifiziert hat. Laut der Organisation rekrutiert der Iran regelm\u00e4\u00dfig minderj\u00e4hrige K\u00e4mpfer, um sie nach Syrien zu schicken. Unter afghanischen Gefl\u00fcchteten ist diese Praxis schon l\u00e4nger bekannt.<\/p>\n\n\n\n

Rassismus gegen Afghanen im Iran<\/h2>\n\n\n\n

Fast drei Millionen Gefl\u00fcchtete aus Afghanistan sind inzwischen im Iran. Die meisten von ihnen leben in der Illegalit\u00e4t und werden als Schwarzarbeiter, etwa am Bau, ausgebeutet. Rassismus und Ausgrenzung geh\u00f6ren zu ihrem gesellschaftlichen Alltag. Kinder sind davon nicht ausgeschlossen. Im Gegenteil: Vielen afghanischen Kinderm ist es nicht erlaubt, staatliche Schulen zu besuchen. Abu Fazel wurde Zeit seines Lebens von dieser Diskrimierung beeinflusst und verfolgt.<\/p>\n\n\n\n

\u201e'Afghane\u2018 \u2013 das ist dort ein Schimpfwort. Ich h\u00f6rte es von klein auf immer wieder. Der Rassismus gegen Afghanen ist dort v\u00f6llig normal. Meine Herkunft, auf der ich eigentlich stolz war, ist im Iran stets eine Last gewesen. Wir sind dort B\u00fcrger zweiter Klasse.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung der afghanischen Gefl\u00fcchteten ist f\u00fcr Abu Fazel die Spitze jenes Rassismus, den er erlebt hat.<\/p>\n\n\n\n

Iran: Syrien vor sunnitischen Extremisten verteidigen<\/h2>\n\n\n\n

In Syrien k\u00e4mpfen neben den afghanischen Milizen auch andere paramilit\u00e4rische Gruppierungen im Auftrag des Irans: etwa die ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigten Revolutionsgarden, die einst Ayatollah Ruhollah Khomeini pers\u00f6nlich ins Leben rief oder die Basidsch-Milizen. Beiden Gruppierungen sind nicht nur in Syrien aktiv, sondern auch im Irak.<\/p>\n\n\n\n

Obowhl sich das syrische Regime von Baschar al-Assad als s\u00e4kular ausweist, wird es vom Iran, der sich als Repr\u00e4sentant aller muslimischen Schiiten betrachtet, unterst\u00fctzt. Gemeinsames Ziel in Syrien ist es: Schiiten vor sunnitische Extremisten zu verteidigen. Dennoch ist das Regime darauf bedacht, m\u00f6glichst wenig eigene K\u00e4mpfer nach Syrien zu schicken. \u00c4hnlich wie einst w\u00e4hrend des Krieges gegen Saddam Husseins Irak, setzt der Iran auf ausl\u00e4ndische K\u00e4mpfer.<\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung war wie eine Gehirnw\u00e4sche<\/h2>\n\n\n\n

Abu Fazels Familie geh\u00f6rt zur afghanischen Minderheit der schiitischen Hazara \u2013 wie viele Afghanen, die in den Iran gekommen sind. Mittlerweile k\u00e4mpfen Tausende von ihnen in Syrien. Der Iran bezahlt die Afghanen mit einem Sold von wenigen hundert Dollar pro Monat und verspricht ihren Familien eine Aufenthaltsgenehmigung oder eine Arbeitserlaubnis.<\/p>\n\n\n\n

An der Rekrutierung der Afghanen sind sowohl die Revolutionsgarden als auch die erw\u00e4hnten Basidsch-Milizen beteiligt. Abu Fazel beschreibt, wie das Viertel, in dem er gemeinsam mit seiner Familie in Teheran lebte, regelm\u00e4\u00dfig von den K\u00e4mpfern aufgesucht wurde. Viele afghanische Gefl\u00fcchtete lebten dort \u2013 und fielen auf die Gehirnw\u00e4sche der Rattenf\u00e4nger herein.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie trafen junge M\u00e4nner und Jugendliche in den Moscheen und \u00fcberredeten sie, gegen den IS oder Al Qaida zu k\u00e4mpfen. Die Gehirnw\u00e4sche war perfekt. Am Ende merkten viele, darunter auch ich, nicht einmal, dass wir in ihre Propaganda getappt waren. Ihre \u00dcberredungskunst war wirklich sehr speziell. Am Ende hat man Lust, nach Syrien zu gehen, um zu k\u00e4mpfen\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Erfolg hatten die Rekrutierer des Regimes auch bei Abu Fazels Cousin, der zum damaligen Zeitpunkt ebenfalls minderj\u00e4hrig gewesen ist. Er ging nach Syrien und k\u00e4mpfte unter der Flagge der \u201eLiwa Fatemiyoun\u201c, wie die afghanische Division auf Seiten Assads hei\u00dft. Offiziell ist die Aufgabe der Miliz die Verteidigung des Schreines von Zaynab im S\u00fcden von Damaskus. Zaynab war die Enkelin des islamischen Propheten Mohammad. Laut iranischen Staatsmedien k\u00e4mpfen mindestens 20.000 Afghanen in der Division.<\/p>\n\n\n\n

Im August 2014 entschloss sich auch Abu Fazel, nach Syrien zu gehen und zu k\u00e4mpfen. Im selben Monat wurde sein Cousin in der N\u00e4he von Aleppo im Kampf gegen syrische Rebellen get\u00f6tet.<\/p>\n\n\n\n

\u201eMein Cousin wurde dort get\u00f6tet. Auch andere Jungs aus unserer Gegend gingen nach Syrien und fielen dort. Lokale Zeitungen nannten sie \u201aM\u00e4rtyrer\u2018.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Lieber Flucht statt K\u00e4mpfer in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein solcher \u201eM\u00e4rtyrer\u201c wollte Abu Fazel allerdings nicht werden. Er floh eine Woche vor dem Beginn seiner dreimonatigen Kampfausbildung. Es war ihm lieber, ein Leben auf der Flucht zu verbringen, als in Syrien unschuldige Menschen f\u00fcr einen Diktator zu t\u00f6ten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch kam zu dem Schluss, dass ich nicht als M\u00f6rder weiterleben k\u00f6nnte. Stets dachte ich mir, dass selbst die schlimmsten Al-Qaida- oder IS-Terroristen Kinder haben k\u00f6nnten, die ihren Vater lieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Fazel verlor seinen eigenen Vater bereits sehr fr\u00fch. Er wurde Opfer des B\u00fcrgerkriegs in Afghanistan, der von 1989 bis 2001 tausende Menschen das Leben kostete. Auch der Iran mischte in der Zeit schon mit. Es ist allgemein bekannt, dass die schiitischen Hazara-Milizen, die den B\u00fcrgerkrieg ebenfalls mitanfachten, von der Regierung in Teheran unterst\u00fctzt wurden.<\/p>\n\n\n\n

Als Abu Fazel sich nun entschloss, aus der Gewaltspirale auszusteigen und nicht in Syrien zu k\u00e4mpfen, wuchs die Angst bei seiner Familie. Denn f\u00fcr die iranischen Beh\u00f6rden gilt: Hat man sich einmal gemeldet, gibt es kein zur\u00fcck. Man muss an die Front nach Syrien \u2013 oder wird zur\u00fcck nach Afghanistan abgeschoben, wo ebenfalls Krieg herrscht.<\/p>\n\n\n\n

Der einzige Ausweg f\u00fcr den jungen Afghanen war die Flucht. \u00dcber die T\u00fcrkei, Griechenland und die Balkranroute erreichte er mit gro\u00dfer M\u00fche Deutschland, wo er einen Asylantrag stellte.<\/p>\n\n\n\n

Erster Asylantrag in Deutschland abgelehnt<\/h2>\n\n\n\n

Als Grund nannte er seine Rekrutierung als Kindersoldat seitens des iranischen Regimes. Doch w\u00e4hrend diese Begr\u00fcndung in Abu Fazels Augen v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich war, sahen deutsche Beh\u00f6rden das anders. Sein erster Antrag wurde abgelehnt. Derzeit versucht er es ein zweites Mal. Die Bundesrepublik schiebt afghanische Gefl\u00fcchtete weiterhin ab.<\/p>\n\n\n\n

\"EinAbschiebung von Afghanen im Dezember 2016 mit einem Charterflug von Frankfurt nach Kabul. (dpa \/picture alliance \/ Boris Roessler)<\/p>\n\n\n\n

Die Verantwortlichen weisen in diesem Kontext immer wieder auf vermeintlich \u201esichere Gebiete\u201c im Land, die nicht n\u00e4her benannt werden.<\/p>\n\n\n\n

W\u00e4hrenddessen machen Menschenrechtsorganisationen regelm\u00e4\u00dfig darauf aufmerksam, dass keine Region am Hindukusch sicher ist. Stattdessen wird in manchen Gebieten nur weniger Krieg gef\u00fchrt als in anderen.<\/p>\n\n\n\n

\"SieDemonstranten protestieren in Frankfurt am Main gegen die Abschiebung von Afghanen. Auf einem der Transparente steht \u201eAfghanistan is not safe\u201c. (AFP \/ Daniel Roland)<\/p>\n\n\n\n

Alis Vater und Onkel k\u00e4mpfen in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein \u00e4hnliches Schicksal wie Abu Fazel erlitt der 18-j\u00e4hrige Ali (Namen ge\u00e4ndert). Auch er floh aus dem Iran nach Deutschland, um der Rekrutierung f\u00fcr Assads Milizen zu entgehen. Viele seiner afghanischen Freunde sind bereits nach Syrien gezogen \u2013 und kamen niemals zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Alis Familie, ebenfalls Angeh\u00f6rige der Hazara-Minderheit, stammt urspr\u00fcnglich aus der Provinz Ghor im Nordosten Afghanistans. Ihre Heimat verlie\u00dfen sie w\u00e4hrend der sowjetischen Besatzung in den 1980er-Jahren.<\/p>\n\n\n\n

Seit jeher lebt die Familie in der iranischen Gro\u00dfstadt Maschhad. Als der Krieg in Syrien ausbrach, erreichte sie ein Konflikt, mit dem sie nicht gerechnet hatten. Im Juli 2015 reiste Alis Vater nach Teheran. Er wollte einen Weg finden, um f\u00fcr seine Familie Aufenthaltspapiere zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Beh\u00f6rden sagten ihm, dass die Rekrutierung f\u00fcr den Krieg in Syrien eine M\u00f6glichkeit darstellen k\u00f6nnte, um Papiere f\u00fcr uns alle zu erhalten. Andernfalls w\u00fcrde man uns sehr bald nach Afghanistan abschieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Mittlerweile k\u00e4mpfen Alis Vater und sein Onkel seit \u00fcber einem Jahr in Syrien. Am Aufenthaltsstatus seiner Familienmitglieder hat sich bis heute allerdings nichts ge\u00e4ndert. F\u00fcr Ali ist klar, dass dies nur eine Falle gewesen ist, um noch mehr Afghanen als Kanonenfutter zu missbrauchen.<\/p>\n\n\n\n

Anfangs gab es Papiere f\u00fcr K\u00e4mpfer-Familien<\/h2>\n\n\n\n

Den Kontakt zu seinem Vater hat der Afghane mittlerweile verloren. W\u00e4hrenddessen schickt ihm sein Onkel, der in Aleppo stationiert ist, hin und wieder Bilder \u00fcber den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ali denkt, dass nur sehr wenige Afghanen der Propaganda der iranischen Regierung glauben und in Syrien f\u00fcr eine \u201egute Sache\u201c k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

Source<\/a><\/p>\n","post_title":"Warum Afghanen in Syrien f\u00fcr Assad k\u00e4mpfen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"warum-afghanen-in-syrien-fur-assad-kampfen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3709","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":9},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Wenn Abu Fazel von den Gr\u00e4ueltaten des syrischen B\u00fcrgerkriegs h\u00f6rt, denkt er immer daran, dass er auch beinahe als K\u00e4mpfer auf diesem Schlachtfeld gelandet w\u00e4re. Doch Abu Fazel ist weder Syrer noch wollte er zum sogenannten \u201eIslamischen Staat\u201c. Der 18-J\u00e4hrige ist ein afghanischer Gefl\u00fcchteter, der zur Zeit in Leverkusen lebt.<\/p>\n\n\n\n

Den Gro\u00dfteil seines Lebens verbrachte er im Iran. Seine Familie ist dorthin gefl\u00fcchtet, als er ein Kind war. Doch als die iranische Regierung ihn nach Syrien schicken wollte, um auf der Seite von Machthaber Baschar al-Assad zu k\u00e4mpfen, entschloss er sich zu fliehen.<\/p>\n\n\n\n

\"Fl\u00fcchtlingeGefl\u00fcchtete aus dem Iran und Afghanistan an der Grenze zwischen Mazedonien und Griechenland. (picture alliance \/ dpa \/ Georgi Licovski)<\/p>\n\n\n\n

Tausende afghanische Jugendliche \u2013 die genaue Zahl ist nicht bekannt \u2013 wurden im Iran rekrutiert, um im Krieg in Syrien zu k\u00e4mpfen. Erst vor Kurzem berichtete die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, dass sie die Gr\u00e4ber von acht afghanischen Kindern, die in Syrien get\u00f6tet wurden, identifiziert hat. Laut der Organisation rekrutiert der Iran regelm\u00e4\u00dfig minderj\u00e4hrige K\u00e4mpfer, um sie nach Syrien zu schicken. Unter afghanischen Gefl\u00fcchteten ist diese Praxis schon l\u00e4nger bekannt.<\/p>\n\n\n\n

Rassismus gegen Afghanen im Iran<\/h2>\n\n\n\n

Fast drei Millionen Gefl\u00fcchtete aus Afghanistan sind inzwischen im Iran. Die meisten von ihnen leben in der Illegalit\u00e4t und werden als Schwarzarbeiter, etwa am Bau, ausgebeutet. Rassismus und Ausgrenzung geh\u00f6ren zu ihrem gesellschaftlichen Alltag. Kinder sind davon nicht ausgeschlossen. Im Gegenteil: Vielen afghanischen Kinderm ist es nicht erlaubt, staatliche Schulen zu besuchen. Abu Fazel wurde Zeit seines Lebens von dieser Diskrimierung beeinflusst und verfolgt.<\/p>\n\n\n\n

\u201e'Afghane\u2018 \u2013 das ist dort ein Schimpfwort. Ich h\u00f6rte es von klein auf immer wieder. Der Rassismus gegen Afghanen ist dort v\u00f6llig normal. Meine Herkunft, auf der ich eigentlich stolz war, ist im Iran stets eine Last gewesen. Wir sind dort B\u00fcrger zweiter Klasse.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung der afghanischen Gefl\u00fcchteten ist f\u00fcr Abu Fazel die Spitze jenes Rassismus, den er erlebt hat.<\/p>\n\n\n\n

Iran: Syrien vor sunnitischen Extremisten verteidigen<\/h2>\n\n\n\n

In Syrien k\u00e4mpfen neben den afghanischen Milizen auch andere paramilit\u00e4rische Gruppierungen im Auftrag des Irans: etwa die ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigten Revolutionsgarden, die einst Ayatollah Ruhollah Khomeini pers\u00f6nlich ins Leben rief oder die Basidsch-Milizen. Beiden Gruppierungen sind nicht nur in Syrien aktiv, sondern auch im Irak.<\/p>\n\n\n\n

Obowhl sich das syrische Regime von Baschar al-Assad als s\u00e4kular ausweist, wird es vom Iran, der sich als Repr\u00e4sentant aller muslimischen Schiiten betrachtet, unterst\u00fctzt. Gemeinsames Ziel in Syrien ist es: Schiiten vor sunnitische Extremisten zu verteidigen. Dennoch ist das Regime darauf bedacht, m\u00f6glichst wenig eigene K\u00e4mpfer nach Syrien zu schicken. \u00c4hnlich wie einst w\u00e4hrend des Krieges gegen Saddam Husseins Irak, setzt der Iran auf ausl\u00e4ndische K\u00e4mpfer.<\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung war wie eine Gehirnw\u00e4sche<\/h2>\n\n\n\n

Abu Fazels Familie geh\u00f6rt zur afghanischen Minderheit der schiitischen Hazara \u2013 wie viele Afghanen, die in den Iran gekommen sind. Mittlerweile k\u00e4mpfen Tausende von ihnen in Syrien. Der Iran bezahlt die Afghanen mit einem Sold von wenigen hundert Dollar pro Monat und verspricht ihren Familien eine Aufenthaltsgenehmigung oder eine Arbeitserlaubnis.<\/p>\n\n\n\n

An der Rekrutierung der Afghanen sind sowohl die Revolutionsgarden als auch die erw\u00e4hnten Basidsch-Milizen beteiligt. Abu Fazel beschreibt, wie das Viertel, in dem er gemeinsam mit seiner Familie in Teheran lebte, regelm\u00e4\u00dfig von den K\u00e4mpfern aufgesucht wurde. Viele afghanische Gefl\u00fcchtete lebten dort \u2013 und fielen auf die Gehirnw\u00e4sche der Rattenf\u00e4nger herein.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie trafen junge M\u00e4nner und Jugendliche in den Moscheen und \u00fcberredeten sie, gegen den IS oder Al Qaida zu k\u00e4mpfen. Die Gehirnw\u00e4sche war perfekt. Am Ende merkten viele, darunter auch ich, nicht einmal, dass wir in ihre Propaganda getappt waren. Ihre \u00dcberredungskunst war wirklich sehr speziell. Am Ende hat man Lust, nach Syrien zu gehen, um zu k\u00e4mpfen\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Erfolg hatten die Rekrutierer des Regimes auch bei Abu Fazels Cousin, der zum damaligen Zeitpunkt ebenfalls minderj\u00e4hrig gewesen ist. Er ging nach Syrien und k\u00e4mpfte unter der Flagge der \u201eLiwa Fatemiyoun\u201c, wie die afghanische Division auf Seiten Assads hei\u00dft. Offiziell ist die Aufgabe der Miliz die Verteidigung des Schreines von Zaynab im S\u00fcden von Damaskus. Zaynab war die Enkelin des islamischen Propheten Mohammad. Laut iranischen Staatsmedien k\u00e4mpfen mindestens 20.000 Afghanen in der Division.<\/p>\n\n\n\n

Im August 2014 entschloss sich auch Abu Fazel, nach Syrien zu gehen und zu k\u00e4mpfen. Im selben Monat wurde sein Cousin in der N\u00e4he von Aleppo im Kampf gegen syrische Rebellen get\u00f6tet.<\/p>\n\n\n\n

\u201eMein Cousin wurde dort get\u00f6tet. Auch andere Jungs aus unserer Gegend gingen nach Syrien und fielen dort. Lokale Zeitungen nannten sie \u201aM\u00e4rtyrer\u2018.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Lieber Flucht statt K\u00e4mpfer in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein solcher \u201eM\u00e4rtyrer\u201c wollte Abu Fazel allerdings nicht werden. Er floh eine Woche vor dem Beginn seiner dreimonatigen Kampfausbildung. Es war ihm lieber, ein Leben auf der Flucht zu verbringen, als in Syrien unschuldige Menschen f\u00fcr einen Diktator zu t\u00f6ten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch kam zu dem Schluss, dass ich nicht als M\u00f6rder weiterleben k\u00f6nnte. Stets dachte ich mir, dass selbst die schlimmsten Al-Qaida- oder IS-Terroristen Kinder haben k\u00f6nnten, die ihren Vater lieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Fazel verlor seinen eigenen Vater bereits sehr fr\u00fch. Er wurde Opfer des B\u00fcrgerkriegs in Afghanistan, der von 1989 bis 2001 tausende Menschen das Leben kostete. Auch der Iran mischte in der Zeit schon mit. Es ist allgemein bekannt, dass die schiitischen Hazara-Milizen, die den B\u00fcrgerkrieg ebenfalls mitanfachten, von der Regierung in Teheran unterst\u00fctzt wurden.<\/p>\n\n\n\n

Als Abu Fazel sich nun entschloss, aus der Gewaltspirale auszusteigen und nicht in Syrien zu k\u00e4mpfen, wuchs die Angst bei seiner Familie. Denn f\u00fcr die iranischen Beh\u00f6rden gilt: Hat man sich einmal gemeldet, gibt es kein zur\u00fcck. Man muss an die Front nach Syrien \u2013 oder wird zur\u00fcck nach Afghanistan abgeschoben, wo ebenfalls Krieg herrscht.<\/p>\n\n\n\n

Der einzige Ausweg f\u00fcr den jungen Afghanen war die Flucht. \u00dcber die T\u00fcrkei, Griechenland und die Balkranroute erreichte er mit gro\u00dfer M\u00fche Deutschland, wo er einen Asylantrag stellte.<\/p>\n\n\n\n

Erster Asylantrag in Deutschland abgelehnt<\/h2>\n\n\n\n

Als Grund nannte er seine Rekrutierung als Kindersoldat seitens des iranischen Regimes. Doch w\u00e4hrend diese Begr\u00fcndung in Abu Fazels Augen v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich war, sahen deutsche Beh\u00f6rden das anders. Sein erster Antrag wurde abgelehnt. Derzeit versucht er es ein zweites Mal. Die Bundesrepublik schiebt afghanische Gefl\u00fcchtete weiterhin ab.<\/p>\n\n\n\n

\"EinAbschiebung von Afghanen im Dezember 2016 mit einem Charterflug von Frankfurt nach Kabul. (dpa \/picture alliance \/ Boris Roessler)<\/p>\n\n\n\n

Die Verantwortlichen weisen in diesem Kontext immer wieder auf vermeintlich \u201esichere Gebiete\u201c im Land, die nicht n\u00e4her benannt werden.<\/p>\n\n\n\n

W\u00e4hrenddessen machen Menschenrechtsorganisationen regelm\u00e4\u00dfig darauf aufmerksam, dass keine Region am Hindukusch sicher ist. Stattdessen wird in manchen Gebieten nur weniger Krieg gef\u00fchrt als in anderen.<\/p>\n\n\n\n

\"SieDemonstranten protestieren in Frankfurt am Main gegen die Abschiebung von Afghanen. Auf einem der Transparente steht \u201eAfghanistan is not safe\u201c. (AFP \/ Daniel Roland)<\/p>\n\n\n\n

Alis Vater und Onkel k\u00e4mpfen in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein \u00e4hnliches Schicksal wie Abu Fazel erlitt der 18-j\u00e4hrige Ali (Namen ge\u00e4ndert). Auch er floh aus dem Iran nach Deutschland, um der Rekrutierung f\u00fcr Assads Milizen zu entgehen. Viele seiner afghanischen Freunde sind bereits nach Syrien gezogen \u2013 und kamen niemals zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Alis Familie, ebenfalls Angeh\u00f6rige der Hazara-Minderheit, stammt urspr\u00fcnglich aus der Provinz Ghor im Nordosten Afghanistans. Ihre Heimat verlie\u00dfen sie w\u00e4hrend der sowjetischen Besatzung in den 1980er-Jahren.<\/p>\n\n\n\n

Seit jeher lebt die Familie in der iranischen Gro\u00dfstadt Maschhad. Als der Krieg in Syrien ausbrach, erreichte sie ein Konflikt, mit dem sie nicht gerechnet hatten. Im Juli 2015 reiste Alis Vater nach Teheran. Er wollte einen Weg finden, um f\u00fcr seine Familie Aufenthaltspapiere zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Beh\u00f6rden sagten ihm, dass die Rekrutierung f\u00fcr den Krieg in Syrien eine M\u00f6glichkeit darstellen k\u00f6nnte, um Papiere f\u00fcr uns alle zu erhalten. Andernfalls w\u00fcrde man uns sehr bald nach Afghanistan abschieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Mittlerweile k\u00e4mpfen Alis Vater und sein Onkel seit \u00fcber einem Jahr in Syrien. Am Aufenthaltsstatus seiner Familienmitglieder hat sich bis heute allerdings nichts ge\u00e4ndert. F\u00fcr Ali ist klar, dass dies nur eine Falle gewesen ist, um noch mehr Afghanen als Kanonenfutter zu missbrauchen.<\/p>\n\n\n\n

Anfangs gab es Papiere f\u00fcr K\u00e4mpfer-Familien<\/h2>\n\n\n\n

Den Kontakt zu seinem Vater hat der Afghane mittlerweile verloren. W\u00e4hrenddessen schickt ihm sein Onkel, der in Aleppo stationiert ist, hin und wieder Bilder \u00fcber den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ali denkt, dass nur sehr wenige Afghanen der Propaganda der iranischen Regierung glauben und in Syrien f\u00fcr eine \u201egute Sache\u201c k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

Source<\/a><\/p>\n","post_title":"Warum Afghanen in Syrien f\u00fcr Assad k\u00e4mpfen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"warum-afghanen-in-syrien-fur-assad-kampfen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3709","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":9},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Drei Millionen Afghanen sind ins Nachbarland Iran geflohen. Viele arbeiten schwarz. Die Aussicht auf einen festen Lohn plus Papiere f\u00fcr die Familie ist verlockend. Die Gegenleistung daf\u00fcr: K\u00e4mpfen in Syrien.<\/p>\n\n\n\n

Wenn Abu Fazel von den Gr\u00e4ueltaten des syrischen B\u00fcrgerkriegs h\u00f6rt, denkt er immer daran, dass er auch beinahe als K\u00e4mpfer auf diesem Schlachtfeld gelandet w\u00e4re. Doch Abu Fazel ist weder Syrer noch wollte er zum sogenannten \u201eIslamischen Staat\u201c. Der 18-J\u00e4hrige ist ein afghanischer Gefl\u00fcchteter, der zur Zeit in Leverkusen lebt.<\/p>\n\n\n\n

Den Gro\u00dfteil seines Lebens verbrachte er im Iran. Seine Familie ist dorthin gefl\u00fcchtet, als er ein Kind war. Doch als die iranische Regierung ihn nach Syrien schicken wollte, um auf der Seite von Machthaber Baschar al-Assad zu k\u00e4mpfen, entschloss er sich zu fliehen.<\/p>\n\n\n\n

\"Fl\u00fcchtlingeGefl\u00fcchtete aus dem Iran und Afghanistan an der Grenze zwischen Mazedonien und Griechenland. (picture alliance \/ dpa \/ Georgi Licovski)<\/p>\n\n\n\n

Tausende afghanische Jugendliche \u2013 die genaue Zahl ist nicht bekannt \u2013 wurden im Iran rekrutiert, um im Krieg in Syrien zu k\u00e4mpfen. Erst vor Kurzem berichtete die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, dass sie die Gr\u00e4ber von acht afghanischen Kindern, die in Syrien get\u00f6tet wurden, identifiziert hat. Laut der Organisation rekrutiert der Iran regelm\u00e4\u00dfig minderj\u00e4hrige K\u00e4mpfer, um sie nach Syrien zu schicken. Unter afghanischen Gefl\u00fcchteten ist diese Praxis schon l\u00e4nger bekannt.<\/p>\n\n\n\n

Rassismus gegen Afghanen im Iran<\/h2>\n\n\n\n

Fast drei Millionen Gefl\u00fcchtete aus Afghanistan sind inzwischen im Iran. Die meisten von ihnen leben in der Illegalit\u00e4t und werden als Schwarzarbeiter, etwa am Bau, ausgebeutet. Rassismus und Ausgrenzung geh\u00f6ren zu ihrem gesellschaftlichen Alltag. Kinder sind davon nicht ausgeschlossen. Im Gegenteil: Vielen afghanischen Kinderm ist es nicht erlaubt, staatliche Schulen zu besuchen. Abu Fazel wurde Zeit seines Lebens von dieser Diskrimierung beeinflusst und verfolgt.<\/p>\n\n\n\n

\u201e'Afghane\u2018 \u2013 das ist dort ein Schimpfwort. Ich h\u00f6rte es von klein auf immer wieder. Der Rassismus gegen Afghanen ist dort v\u00f6llig normal. Meine Herkunft, auf der ich eigentlich stolz war, ist im Iran stets eine Last gewesen. Wir sind dort B\u00fcrger zweiter Klasse.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung der afghanischen Gefl\u00fcchteten ist f\u00fcr Abu Fazel die Spitze jenes Rassismus, den er erlebt hat.<\/p>\n\n\n\n

Iran: Syrien vor sunnitischen Extremisten verteidigen<\/h2>\n\n\n\n

In Syrien k\u00e4mpfen neben den afghanischen Milizen auch andere paramilit\u00e4rische Gruppierungen im Auftrag des Irans: etwa die ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigten Revolutionsgarden, die einst Ayatollah Ruhollah Khomeini pers\u00f6nlich ins Leben rief oder die Basidsch-Milizen. Beiden Gruppierungen sind nicht nur in Syrien aktiv, sondern auch im Irak.<\/p>\n\n\n\n

Obowhl sich das syrische Regime von Baschar al-Assad als s\u00e4kular ausweist, wird es vom Iran, der sich als Repr\u00e4sentant aller muslimischen Schiiten betrachtet, unterst\u00fctzt. Gemeinsames Ziel in Syrien ist es: Schiiten vor sunnitische Extremisten zu verteidigen. Dennoch ist das Regime darauf bedacht, m\u00f6glichst wenig eigene K\u00e4mpfer nach Syrien zu schicken. \u00c4hnlich wie einst w\u00e4hrend des Krieges gegen Saddam Husseins Irak, setzt der Iran auf ausl\u00e4ndische K\u00e4mpfer.<\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung war wie eine Gehirnw\u00e4sche<\/h2>\n\n\n\n

Abu Fazels Familie geh\u00f6rt zur afghanischen Minderheit der schiitischen Hazara \u2013 wie viele Afghanen, die in den Iran gekommen sind. Mittlerweile k\u00e4mpfen Tausende von ihnen in Syrien. Der Iran bezahlt die Afghanen mit einem Sold von wenigen hundert Dollar pro Monat und verspricht ihren Familien eine Aufenthaltsgenehmigung oder eine Arbeitserlaubnis.<\/p>\n\n\n\n

An der Rekrutierung der Afghanen sind sowohl die Revolutionsgarden als auch die erw\u00e4hnten Basidsch-Milizen beteiligt. Abu Fazel beschreibt, wie das Viertel, in dem er gemeinsam mit seiner Familie in Teheran lebte, regelm\u00e4\u00dfig von den K\u00e4mpfern aufgesucht wurde. Viele afghanische Gefl\u00fcchtete lebten dort \u2013 und fielen auf die Gehirnw\u00e4sche der Rattenf\u00e4nger herein.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie trafen junge M\u00e4nner und Jugendliche in den Moscheen und \u00fcberredeten sie, gegen den IS oder Al Qaida zu k\u00e4mpfen. Die Gehirnw\u00e4sche war perfekt. Am Ende merkten viele, darunter auch ich, nicht einmal, dass wir in ihre Propaganda getappt waren. Ihre \u00dcberredungskunst war wirklich sehr speziell. Am Ende hat man Lust, nach Syrien zu gehen, um zu k\u00e4mpfen\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Erfolg hatten die Rekrutierer des Regimes auch bei Abu Fazels Cousin, der zum damaligen Zeitpunkt ebenfalls minderj\u00e4hrig gewesen ist. Er ging nach Syrien und k\u00e4mpfte unter der Flagge der \u201eLiwa Fatemiyoun\u201c, wie die afghanische Division auf Seiten Assads hei\u00dft. Offiziell ist die Aufgabe der Miliz die Verteidigung des Schreines von Zaynab im S\u00fcden von Damaskus. Zaynab war die Enkelin des islamischen Propheten Mohammad. Laut iranischen Staatsmedien k\u00e4mpfen mindestens 20.000 Afghanen in der Division.<\/p>\n\n\n\n

Im August 2014 entschloss sich auch Abu Fazel, nach Syrien zu gehen und zu k\u00e4mpfen. Im selben Monat wurde sein Cousin in der N\u00e4he von Aleppo im Kampf gegen syrische Rebellen get\u00f6tet.<\/p>\n\n\n\n

\u201eMein Cousin wurde dort get\u00f6tet. Auch andere Jungs aus unserer Gegend gingen nach Syrien und fielen dort. Lokale Zeitungen nannten sie \u201aM\u00e4rtyrer\u2018.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Lieber Flucht statt K\u00e4mpfer in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein solcher \u201eM\u00e4rtyrer\u201c wollte Abu Fazel allerdings nicht werden. Er floh eine Woche vor dem Beginn seiner dreimonatigen Kampfausbildung. Es war ihm lieber, ein Leben auf der Flucht zu verbringen, als in Syrien unschuldige Menschen f\u00fcr einen Diktator zu t\u00f6ten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch kam zu dem Schluss, dass ich nicht als M\u00f6rder weiterleben k\u00f6nnte. Stets dachte ich mir, dass selbst die schlimmsten Al-Qaida- oder IS-Terroristen Kinder haben k\u00f6nnten, die ihren Vater lieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Fazel verlor seinen eigenen Vater bereits sehr fr\u00fch. Er wurde Opfer des B\u00fcrgerkriegs in Afghanistan, der von 1989 bis 2001 tausende Menschen das Leben kostete. Auch der Iran mischte in der Zeit schon mit. Es ist allgemein bekannt, dass die schiitischen Hazara-Milizen, die den B\u00fcrgerkrieg ebenfalls mitanfachten, von der Regierung in Teheran unterst\u00fctzt wurden.<\/p>\n\n\n\n

Als Abu Fazel sich nun entschloss, aus der Gewaltspirale auszusteigen und nicht in Syrien zu k\u00e4mpfen, wuchs die Angst bei seiner Familie. Denn f\u00fcr die iranischen Beh\u00f6rden gilt: Hat man sich einmal gemeldet, gibt es kein zur\u00fcck. Man muss an die Front nach Syrien \u2013 oder wird zur\u00fcck nach Afghanistan abgeschoben, wo ebenfalls Krieg herrscht.<\/p>\n\n\n\n

Der einzige Ausweg f\u00fcr den jungen Afghanen war die Flucht. \u00dcber die T\u00fcrkei, Griechenland und die Balkranroute erreichte er mit gro\u00dfer M\u00fche Deutschland, wo er einen Asylantrag stellte.<\/p>\n\n\n\n

Erster Asylantrag in Deutschland abgelehnt<\/h2>\n\n\n\n

Als Grund nannte er seine Rekrutierung als Kindersoldat seitens des iranischen Regimes. Doch w\u00e4hrend diese Begr\u00fcndung in Abu Fazels Augen v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich war, sahen deutsche Beh\u00f6rden das anders. Sein erster Antrag wurde abgelehnt. Derzeit versucht er es ein zweites Mal. Die Bundesrepublik schiebt afghanische Gefl\u00fcchtete weiterhin ab.<\/p>\n\n\n\n

\"EinAbschiebung von Afghanen im Dezember 2016 mit einem Charterflug von Frankfurt nach Kabul. (dpa \/picture alliance \/ Boris Roessler)<\/p>\n\n\n\n

Die Verantwortlichen weisen in diesem Kontext immer wieder auf vermeintlich \u201esichere Gebiete\u201c im Land, die nicht n\u00e4her benannt werden.<\/p>\n\n\n\n

W\u00e4hrenddessen machen Menschenrechtsorganisationen regelm\u00e4\u00dfig darauf aufmerksam, dass keine Region am Hindukusch sicher ist. Stattdessen wird in manchen Gebieten nur weniger Krieg gef\u00fchrt als in anderen.<\/p>\n\n\n\n

\"SieDemonstranten protestieren in Frankfurt am Main gegen die Abschiebung von Afghanen. Auf einem der Transparente steht \u201eAfghanistan is not safe\u201c. (AFP \/ Daniel Roland)<\/p>\n\n\n\n

Alis Vater und Onkel k\u00e4mpfen in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein \u00e4hnliches Schicksal wie Abu Fazel erlitt der 18-j\u00e4hrige Ali (Namen ge\u00e4ndert). Auch er floh aus dem Iran nach Deutschland, um der Rekrutierung f\u00fcr Assads Milizen zu entgehen. Viele seiner afghanischen Freunde sind bereits nach Syrien gezogen \u2013 und kamen niemals zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Alis Familie, ebenfalls Angeh\u00f6rige der Hazara-Minderheit, stammt urspr\u00fcnglich aus der Provinz Ghor im Nordosten Afghanistans. Ihre Heimat verlie\u00dfen sie w\u00e4hrend der sowjetischen Besatzung in den 1980er-Jahren.<\/p>\n\n\n\n

Seit jeher lebt die Familie in der iranischen Gro\u00dfstadt Maschhad. Als der Krieg in Syrien ausbrach, erreichte sie ein Konflikt, mit dem sie nicht gerechnet hatten. Im Juli 2015 reiste Alis Vater nach Teheran. Er wollte einen Weg finden, um f\u00fcr seine Familie Aufenthaltspapiere zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Beh\u00f6rden sagten ihm, dass die Rekrutierung f\u00fcr den Krieg in Syrien eine M\u00f6glichkeit darstellen k\u00f6nnte, um Papiere f\u00fcr uns alle zu erhalten. Andernfalls w\u00fcrde man uns sehr bald nach Afghanistan abschieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Mittlerweile k\u00e4mpfen Alis Vater und sein Onkel seit \u00fcber einem Jahr in Syrien. Am Aufenthaltsstatus seiner Familienmitglieder hat sich bis heute allerdings nichts ge\u00e4ndert. F\u00fcr Ali ist klar, dass dies nur eine Falle gewesen ist, um noch mehr Afghanen als Kanonenfutter zu missbrauchen.<\/p>\n\n\n\n

Anfangs gab es Papiere f\u00fcr K\u00e4mpfer-Familien<\/h2>\n\n\n\n

Den Kontakt zu seinem Vater hat der Afghane mittlerweile verloren. W\u00e4hrenddessen schickt ihm sein Onkel, der in Aleppo stationiert ist, hin und wieder Bilder \u00fcber den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ali denkt, dass nur sehr wenige Afghanen der Propaganda der iranischen Regierung glauben und in Syrien f\u00fcr eine \u201egute Sache\u201c k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

Source<\/a><\/p>\n","post_title":"Warum Afghanen in Syrien f\u00fcr Assad k\u00e4mpfen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"warum-afghanen-in-syrien-fur-assad-kampfen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3709","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":9},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Safferling h\u00e4lt eine intensive Betreuung der zur\u00fcckgekehrten Frauen und M\u00e4dchen f\u00fcr unerl\u00e4sslich \u2013 man d\u00fcrfe sie keinesfalls alleine lassen und nicht wie Schwerverbrecherinnen behandeln. Es m\u00fcsse vielmehr verhindert werden, dass die jungen Frauen etwa in die Salafisten-Szene abtauchten.<\/p>\n","post_title":"Sie sind eher Opfer als Schwerverbrecherinnen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"sie-sind-eher-opfer-als-schwerverbrecherinnen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3719","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3709,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:30:50","post_date_gmt":"2020-08-13 21:30:50","post_content":"\n

Drei Millionen Afghanen sind ins Nachbarland Iran geflohen. Viele arbeiten schwarz. Die Aussicht auf einen festen Lohn plus Papiere f\u00fcr die Familie ist verlockend. Die Gegenleistung daf\u00fcr: K\u00e4mpfen in Syrien.<\/p>\n\n\n\n

Wenn Abu Fazel von den Gr\u00e4ueltaten des syrischen B\u00fcrgerkriegs h\u00f6rt, denkt er immer daran, dass er auch beinahe als K\u00e4mpfer auf diesem Schlachtfeld gelandet w\u00e4re. Doch Abu Fazel ist weder Syrer noch wollte er zum sogenannten \u201eIslamischen Staat\u201c. Der 18-J\u00e4hrige ist ein afghanischer Gefl\u00fcchteter, der zur Zeit in Leverkusen lebt.<\/p>\n\n\n\n

Den Gro\u00dfteil seines Lebens verbrachte er im Iran. Seine Familie ist dorthin gefl\u00fcchtet, als er ein Kind war. Doch als die iranische Regierung ihn nach Syrien schicken wollte, um auf der Seite von Machthaber Baschar al-Assad zu k\u00e4mpfen, entschloss er sich zu fliehen.<\/p>\n\n\n\n

\"Fl\u00fcchtlingeGefl\u00fcchtete aus dem Iran und Afghanistan an der Grenze zwischen Mazedonien und Griechenland. (picture alliance \/ dpa \/ Georgi Licovski)<\/p>\n\n\n\n

Tausende afghanische Jugendliche \u2013 die genaue Zahl ist nicht bekannt \u2013 wurden im Iran rekrutiert, um im Krieg in Syrien zu k\u00e4mpfen. Erst vor Kurzem berichtete die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, dass sie die Gr\u00e4ber von acht afghanischen Kindern, die in Syrien get\u00f6tet wurden, identifiziert hat. Laut der Organisation rekrutiert der Iran regelm\u00e4\u00dfig minderj\u00e4hrige K\u00e4mpfer, um sie nach Syrien zu schicken. Unter afghanischen Gefl\u00fcchteten ist diese Praxis schon l\u00e4nger bekannt.<\/p>\n\n\n\n

Rassismus gegen Afghanen im Iran<\/h2>\n\n\n\n

Fast drei Millionen Gefl\u00fcchtete aus Afghanistan sind inzwischen im Iran. Die meisten von ihnen leben in der Illegalit\u00e4t und werden als Schwarzarbeiter, etwa am Bau, ausgebeutet. Rassismus und Ausgrenzung geh\u00f6ren zu ihrem gesellschaftlichen Alltag. Kinder sind davon nicht ausgeschlossen. Im Gegenteil: Vielen afghanischen Kinderm ist es nicht erlaubt, staatliche Schulen zu besuchen. Abu Fazel wurde Zeit seines Lebens von dieser Diskrimierung beeinflusst und verfolgt.<\/p>\n\n\n\n

\u201e'Afghane\u2018 \u2013 das ist dort ein Schimpfwort. Ich h\u00f6rte es von klein auf immer wieder. Der Rassismus gegen Afghanen ist dort v\u00f6llig normal. Meine Herkunft, auf der ich eigentlich stolz war, ist im Iran stets eine Last gewesen. Wir sind dort B\u00fcrger zweiter Klasse.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung der afghanischen Gefl\u00fcchteten ist f\u00fcr Abu Fazel die Spitze jenes Rassismus, den er erlebt hat.<\/p>\n\n\n\n

Iran: Syrien vor sunnitischen Extremisten verteidigen<\/h2>\n\n\n\n

In Syrien k\u00e4mpfen neben den afghanischen Milizen auch andere paramilit\u00e4rische Gruppierungen im Auftrag des Irans: etwa die ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigten Revolutionsgarden, die einst Ayatollah Ruhollah Khomeini pers\u00f6nlich ins Leben rief oder die Basidsch-Milizen. Beiden Gruppierungen sind nicht nur in Syrien aktiv, sondern auch im Irak.<\/p>\n\n\n\n

Obowhl sich das syrische Regime von Baschar al-Assad als s\u00e4kular ausweist, wird es vom Iran, der sich als Repr\u00e4sentant aller muslimischen Schiiten betrachtet, unterst\u00fctzt. Gemeinsames Ziel in Syrien ist es: Schiiten vor sunnitische Extremisten zu verteidigen. Dennoch ist das Regime darauf bedacht, m\u00f6glichst wenig eigene K\u00e4mpfer nach Syrien zu schicken. \u00c4hnlich wie einst w\u00e4hrend des Krieges gegen Saddam Husseins Irak, setzt der Iran auf ausl\u00e4ndische K\u00e4mpfer.<\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung war wie eine Gehirnw\u00e4sche<\/h2>\n\n\n\n

Abu Fazels Familie geh\u00f6rt zur afghanischen Minderheit der schiitischen Hazara \u2013 wie viele Afghanen, die in den Iran gekommen sind. Mittlerweile k\u00e4mpfen Tausende von ihnen in Syrien. Der Iran bezahlt die Afghanen mit einem Sold von wenigen hundert Dollar pro Monat und verspricht ihren Familien eine Aufenthaltsgenehmigung oder eine Arbeitserlaubnis.<\/p>\n\n\n\n

An der Rekrutierung der Afghanen sind sowohl die Revolutionsgarden als auch die erw\u00e4hnten Basidsch-Milizen beteiligt. Abu Fazel beschreibt, wie das Viertel, in dem er gemeinsam mit seiner Familie in Teheran lebte, regelm\u00e4\u00dfig von den K\u00e4mpfern aufgesucht wurde. Viele afghanische Gefl\u00fcchtete lebten dort \u2013 und fielen auf die Gehirnw\u00e4sche der Rattenf\u00e4nger herein.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie trafen junge M\u00e4nner und Jugendliche in den Moscheen und \u00fcberredeten sie, gegen den IS oder Al Qaida zu k\u00e4mpfen. Die Gehirnw\u00e4sche war perfekt. Am Ende merkten viele, darunter auch ich, nicht einmal, dass wir in ihre Propaganda getappt waren. Ihre \u00dcberredungskunst war wirklich sehr speziell. Am Ende hat man Lust, nach Syrien zu gehen, um zu k\u00e4mpfen\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Erfolg hatten die Rekrutierer des Regimes auch bei Abu Fazels Cousin, der zum damaligen Zeitpunkt ebenfalls minderj\u00e4hrig gewesen ist. Er ging nach Syrien und k\u00e4mpfte unter der Flagge der \u201eLiwa Fatemiyoun\u201c, wie die afghanische Division auf Seiten Assads hei\u00dft. Offiziell ist die Aufgabe der Miliz die Verteidigung des Schreines von Zaynab im S\u00fcden von Damaskus. Zaynab war die Enkelin des islamischen Propheten Mohammad. Laut iranischen Staatsmedien k\u00e4mpfen mindestens 20.000 Afghanen in der Division.<\/p>\n\n\n\n

Im August 2014 entschloss sich auch Abu Fazel, nach Syrien zu gehen und zu k\u00e4mpfen. Im selben Monat wurde sein Cousin in der N\u00e4he von Aleppo im Kampf gegen syrische Rebellen get\u00f6tet.<\/p>\n\n\n\n

\u201eMein Cousin wurde dort get\u00f6tet. Auch andere Jungs aus unserer Gegend gingen nach Syrien und fielen dort. Lokale Zeitungen nannten sie \u201aM\u00e4rtyrer\u2018.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Lieber Flucht statt K\u00e4mpfer in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein solcher \u201eM\u00e4rtyrer\u201c wollte Abu Fazel allerdings nicht werden. Er floh eine Woche vor dem Beginn seiner dreimonatigen Kampfausbildung. Es war ihm lieber, ein Leben auf der Flucht zu verbringen, als in Syrien unschuldige Menschen f\u00fcr einen Diktator zu t\u00f6ten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch kam zu dem Schluss, dass ich nicht als M\u00f6rder weiterleben k\u00f6nnte. Stets dachte ich mir, dass selbst die schlimmsten Al-Qaida- oder IS-Terroristen Kinder haben k\u00f6nnten, die ihren Vater lieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Fazel verlor seinen eigenen Vater bereits sehr fr\u00fch. Er wurde Opfer des B\u00fcrgerkriegs in Afghanistan, der von 1989 bis 2001 tausende Menschen das Leben kostete. Auch der Iran mischte in der Zeit schon mit. Es ist allgemein bekannt, dass die schiitischen Hazara-Milizen, die den B\u00fcrgerkrieg ebenfalls mitanfachten, von der Regierung in Teheran unterst\u00fctzt wurden.<\/p>\n\n\n\n

Als Abu Fazel sich nun entschloss, aus der Gewaltspirale auszusteigen und nicht in Syrien zu k\u00e4mpfen, wuchs die Angst bei seiner Familie. Denn f\u00fcr die iranischen Beh\u00f6rden gilt: Hat man sich einmal gemeldet, gibt es kein zur\u00fcck. Man muss an die Front nach Syrien \u2013 oder wird zur\u00fcck nach Afghanistan abgeschoben, wo ebenfalls Krieg herrscht.<\/p>\n\n\n\n

Der einzige Ausweg f\u00fcr den jungen Afghanen war die Flucht. \u00dcber die T\u00fcrkei, Griechenland und die Balkranroute erreichte er mit gro\u00dfer M\u00fche Deutschland, wo er einen Asylantrag stellte.<\/p>\n\n\n\n

Erster Asylantrag in Deutschland abgelehnt<\/h2>\n\n\n\n

Als Grund nannte er seine Rekrutierung als Kindersoldat seitens des iranischen Regimes. Doch w\u00e4hrend diese Begr\u00fcndung in Abu Fazels Augen v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich war, sahen deutsche Beh\u00f6rden das anders. Sein erster Antrag wurde abgelehnt. Derzeit versucht er es ein zweites Mal. Die Bundesrepublik schiebt afghanische Gefl\u00fcchtete weiterhin ab.<\/p>\n\n\n\n

\"EinAbschiebung von Afghanen im Dezember 2016 mit einem Charterflug von Frankfurt nach Kabul. (dpa \/picture alliance \/ Boris Roessler)<\/p>\n\n\n\n

Die Verantwortlichen weisen in diesem Kontext immer wieder auf vermeintlich \u201esichere Gebiete\u201c im Land, die nicht n\u00e4her benannt werden.<\/p>\n\n\n\n

W\u00e4hrenddessen machen Menschenrechtsorganisationen regelm\u00e4\u00dfig darauf aufmerksam, dass keine Region am Hindukusch sicher ist. Stattdessen wird in manchen Gebieten nur weniger Krieg gef\u00fchrt als in anderen.<\/p>\n\n\n\n

\"SieDemonstranten protestieren in Frankfurt am Main gegen die Abschiebung von Afghanen. Auf einem der Transparente steht \u201eAfghanistan is not safe\u201c. (AFP \/ Daniel Roland)<\/p>\n\n\n\n

Alis Vater und Onkel k\u00e4mpfen in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein \u00e4hnliches Schicksal wie Abu Fazel erlitt der 18-j\u00e4hrige Ali (Namen ge\u00e4ndert). Auch er floh aus dem Iran nach Deutschland, um der Rekrutierung f\u00fcr Assads Milizen zu entgehen. Viele seiner afghanischen Freunde sind bereits nach Syrien gezogen \u2013 und kamen niemals zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Alis Familie, ebenfalls Angeh\u00f6rige der Hazara-Minderheit, stammt urspr\u00fcnglich aus der Provinz Ghor im Nordosten Afghanistans. Ihre Heimat verlie\u00dfen sie w\u00e4hrend der sowjetischen Besatzung in den 1980er-Jahren.<\/p>\n\n\n\n

Seit jeher lebt die Familie in der iranischen Gro\u00dfstadt Maschhad. Als der Krieg in Syrien ausbrach, erreichte sie ein Konflikt, mit dem sie nicht gerechnet hatten. Im Juli 2015 reiste Alis Vater nach Teheran. Er wollte einen Weg finden, um f\u00fcr seine Familie Aufenthaltspapiere zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Beh\u00f6rden sagten ihm, dass die Rekrutierung f\u00fcr den Krieg in Syrien eine M\u00f6glichkeit darstellen k\u00f6nnte, um Papiere f\u00fcr uns alle zu erhalten. Andernfalls w\u00fcrde man uns sehr bald nach Afghanistan abschieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Mittlerweile k\u00e4mpfen Alis Vater und sein Onkel seit \u00fcber einem Jahr in Syrien. Am Aufenthaltsstatus seiner Familienmitglieder hat sich bis heute allerdings nichts ge\u00e4ndert. F\u00fcr Ali ist klar, dass dies nur eine Falle gewesen ist, um noch mehr Afghanen als Kanonenfutter zu missbrauchen.<\/p>\n\n\n\n

Anfangs gab es Papiere f\u00fcr K\u00e4mpfer-Familien<\/h2>\n\n\n\n

Den Kontakt zu seinem Vater hat der Afghane mittlerweile verloren. W\u00e4hrenddessen schickt ihm sein Onkel, der in Aleppo stationiert ist, hin und wieder Bilder \u00fcber den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ali denkt, dass nur sehr wenige Afghanen der Propaganda der iranischen Regierung glauben und in Syrien f\u00fcr eine \u201egute Sache\u201c k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

Source<\/a><\/p>\n","post_title":"Warum Afghanen in Syrien f\u00fcr Assad k\u00e4mpfen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"warum-afghanen-in-syrien-fur-assad-kampfen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3709","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":9},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Eine m\u00f6gliche Erkl\u00e4rung der harten Linie der Generalbundesanwaltschaft \u00fcber die man nur spekulieren k\u00f6nne: \u201eIch kann mir auch vorstellen, dass, wenn es jetzt darum geht, Irak davon zu \u00fcberzeugen, die deutschen Staatsangeh\u00f6rigen, die dort einsitzen, auszuliefern, man ihnen gegen\u00fcber auch zu verstehen geben muss, dass die hier einer Strafverfolgung zugef\u00fchrt werden. Ansonsten w\u00fcrde der Irak sich vielleicht weigern, sie auszuliefern.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Safferling h\u00e4lt eine intensive Betreuung der zur\u00fcckgekehrten Frauen und M\u00e4dchen f\u00fcr unerl\u00e4sslich \u2013 man d\u00fcrfe sie keinesfalls alleine lassen und nicht wie Schwerverbrecherinnen behandeln. Es m\u00fcsse vielmehr verhindert werden, dass die jungen Frauen etwa in die Salafisten-Szene abtauchten.<\/p>\n","post_title":"Sie sind eher Opfer als Schwerverbrecherinnen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"sie-sind-eher-opfer-als-schwerverbrecherinnen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3719","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3709,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:30:50","post_date_gmt":"2020-08-13 21:30:50","post_content":"\n

Drei Millionen Afghanen sind ins Nachbarland Iran geflohen. Viele arbeiten schwarz. Die Aussicht auf einen festen Lohn plus Papiere f\u00fcr die Familie ist verlockend. Die Gegenleistung daf\u00fcr: K\u00e4mpfen in Syrien.<\/p>\n\n\n\n

Wenn Abu Fazel von den Gr\u00e4ueltaten des syrischen B\u00fcrgerkriegs h\u00f6rt, denkt er immer daran, dass er auch beinahe als K\u00e4mpfer auf diesem Schlachtfeld gelandet w\u00e4re. Doch Abu Fazel ist weder Syrer noch wollte er zum sogenannten \u201eIslamischen Staat\u201c. Der 18-J\u00e4hrige ist ein afghanischer Gefl\u00fcchteter, der zur Zeit in Leverkusen lebt.<\/p>\n\n\n\n

Den Gro\u00dfteil seines Lebens verbrachte er im Iran. Seine Familie ist dorthin gefl\u00fcchtet, als er ein Kind war. Doch als die iranische Regierung ihn nach Syrien schicken wollte, um auf der Seite von Machthaber Baschar al-Assad zu k\u00e4mpfen, entschloss er sich zu fliehen.<\/p>\n\n\n\n

\"Fl\u00fcchtlingeGefl\u00fcchtete aus dem Iran und Afghanistan an der Grenze zwischen Mazedonien und Griechenland. (picture alliance \/ dpa \/ Georgi Licovski)<\/p>\n\n\n\n

Tausende afghanische Jugendliche \u2013 die genaue Zahl ist nicht bekannt \u2013 wurden im Iran rekrutiert, um im Krieg in Syrien zu k\u00e4mpfen. Erst vor Kurzem berichtete die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, dass sie die Gr\u00e4ber von acht afghanischen Kindern, die in Syrien get\u00f6tet wurden, identifiziert hat. Laut der Organisation rekrutiert der Iran regelm\u00e4\u00dfig minderj\u00e4hrige K\u00e4mpfer, um sie nach Syrien zu schicken. Unter afghanischen Gefl\u00fcchteten ist diese Praxis schon l\u00e4nger bekannt.<\/p>\n\n\n\n

Rassismus gegen Afghanen im Iran<\/h2>\n\n\n\n

Fast drei Millionen Gefl\u00fcchtete aus Afghanistan sind inzwischen im Iran. Die meisten von ihnen leben in der Illegalit\u00e4t und werden als Schwarzarbeiter, etwa am Bau, ausgebeutet. Rassismus und Ausgrenzung geh\u00f6ren zu ihrem gesellschaftlichen Alltag. Kinder sind davon nicht ausgeschlossen. Im Gegenteil: Vielen afghanischen Kinderm ist es nicht erlaubt, staatliche Schulen zu besuchen. Abu Fazel wurde Zeit seines Lebens von dieser Diskrimierung beeinflusst und verfolgt.<\/p>\n\n\n\n

\u201e'Afghane\u2018 \u2013 das ist dort ein Schimpfwort. Ich h\u00f6rte es von klein auf immer wieder. Der Rassismus gegen Afghanen ist dort v\u00f6llig normal. Meine Herkunft, auf der ich eigentlich stolz war, ist im Iran stets eine Last gewesen. Wir sind dort B\u00fcrger zweiter Klasse.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung der afghanischen Gefl\u00fcchteten ist f\u00fcr Abu Fazel die Spitze jenes Rassismus, den er erlebt hat.<\/p>\n\n\n\n

Iran: Syrien vor sunnitischen Extremisten verteidigen<\/h2>\n\n\n\n

In Syrien k\u00e4mpfen neben den afghanischen Milizen auch andere paramilit\u00e4rische Gruppierungen im Auftrag des Irans: etwa die ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigten Revolutionsgarden, die einst Ayatollah Ruhollah Khomeini pers\u00f6nlich ins Leben rief oder die Basidsch-Milizen. Beiden Gruppierungen sind nicht nur in Syrien aktiv, sondern auch im Irak.<\/p>\n\n\n\n

Obowhl sich das syrische Regime von Baschar al-Assad als s\u00e4kular ausweist, wird es vom Iran, der sich als Repr\u00e4sentant aller muslimischen Schiiten betrachtet, unterst\u00fctzt. Gemeinsames Ziel in Syrien ist es: Schiiten vor sunnitische Extremisten zu verteidigen. Dennoch ist das Regime darauf bedacht, m\u00f6glichst wenig eigene K\u00e4mpfer nach Syrien zu schicken. \u00c4hnlich wie einst w\u00e4hrend des Krieges gegen Saddam Husseins Irak, setzt der Iran auf ausl\u00e4ndische K\u00e4mpfer.<\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung war wie eine Gehirnw\u00e4sche<\/h2>\n\n\n\n

Abu Fazels Familie geh\u00f6rt zur afghanischen Minderheit der schiitischen Hazara \u2013 wie viele Afghanen, die in den Iran gekommen sind. Mittlerweile k\u00e4mpfen Tausende von ihnen in Syrien. Der Iran bezahlt die Afghanen mit einem Sold von wenigen hundert Dollar pro Monat und verspricht ihren Familien eine Aufenthaltsgenehmigung oder eine Arbeitserlaubnis.<\/p>\n\n\n\n

An der Rekrutierung der Afghanen sind sowohl die Revolutionsgarden als auch die erw\u00e4hnten Basidsch-Milizen beteiligt. Abu Fazel beschreibt, wie das Viertel, in dem er gemeinsam mit seiner Familie in Teheran lebte, regelm\u00e4\u00dfig von den K\u00e4mpfern aufgesucht wurde. Viele afghanische Gefl\u00fcchtete lebten dort \u2013 und fielen auf die Gehirnw\u00e4sche der Rattenf\u00e4nger herein.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie trafen junge M\u00e4nner und Jugendliche in den Moscheen und \u00fcberredeten sie, gegen den IS oder Al Qaida zu k\u00e4mpfen. Die Gehirnw\u00e4sche war perfekt. Am Ende merkten viele, darunter auch ich, nicht einmal, dass wir in ihre Propaganda getappt waren. Ihre \u00dcberredungskunst war wirklich sehr speziell. Am Ende hat man Lust, nach Syrien zu gehen, um zu k\u00e4mpfen\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Erfolg hatten die Rekrutierer des Regimes auch bei Abu Fazels Cousin, der zum damaligen Zeitpunkt ebenfalls minderj\u00e4hrig gewesen ist. Er ging nach Syrien und k\u00e4mpfte unter der Flagge der \u201eLiwa Fatemiyoun\u201c, wie die afghanische Division auf Seiten Assads hei\u00dft. Offiziell ist die Aufgabe der Miliz die Verteidigung des Schreines von Zaynab im S\u00fcden von Damaskus. Zaynab war die Enkelin des islamischen Propheten Mohammad. Laut iranischen Staatsmedien k\u00e4mpfen mindestens 20.000 Afghanen in der Division.<\/p>\n\n\n\n

Im August 2014 entschloss sich auch Abu Fazel, nach Syrien zu gehen und zu k\u00e4mpfen. Im selben Monat wurde sein Cousin in der N\u00e4he von Aleppo im Kampf gegen syrische Rebellen get\u00f6tet.<\/p>\n\n\n\n

\u201eMein Cousin wurde dort get\u00f6tet. Auch andere Jungs aus unserer Gegend gingen nach Syrien und fielen dort. Lokale Zeitungen nannten sie \u201aM\u00e4rtyrer\u2018.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Lieber Flucht statt K\u00e4mpfer in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein solcher \u201eM\u00e4rtyrer\u201c wollte Abu Fazel allerdings nicht werden. Er floh eine Woche vor dem Beginn seiner dreimonatigen Kampfausbildung. Es war ihm lieber, ein Leben auf der Flucht zu verbringen, als in Syrien unschuldige Menschen f\u00fcr einen Diktator zu t\u00f6ten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch kam zu dem Schluss, dass ich nicht als M\u00f6rder weiterleben k\u00f6nnte. Stets dachte ich mir, dass selbst die schlimmsten Al-Qaida- oder IS-Terroristen Kinder haben k\u00f6nnten, die ihren Vater lieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Fazel verlor seinen eigenen Vater bereits sehr fr\u00fch. Er wurde Opfer des B\u00fcrgerkriegs in Afghanistan, der von 1989 bis 2001 tausende Menschen das Leben kostete. Auch der Iran mischte in der Zeit schon mit. Es ist allgemein bekannt, dass die schiitischen Hazara-Milizen, die den B\u00fcrgerkrieg ebenfalls mitanfachten, von der Regierung in Teheran unterst\u00fctzt wurden.<\/p>\n\n\n\n

Als Abu Fazel sich nun entschloss, aus der Gewaltspirale auszusteigen und nicht in Syrien zu k\u00e4mpfen, wuchs die Angst bei seiner Familie. Denn f\u00fcr die iranischen Beh\u00f6rden gilt: Hat man sich einmal gemeldet, gibt es kein zur\u00fcck. Man muss an die Front nach Syrien \u2013 oder wird zur\u00fcck nach Afghanistan abgeschoben, wo ebenfalls Krieg herrscht.<\/p>\n\n\n\n

Der einzige Ausweg f\u00fcr den jungen Afghanen war die Flucht. \u00dcber die T\u00fcrkei, Griechenland und die Balkranroute erreichte er mit gro\u00dfer M\u00fche Deutschland, wo er einen Asylantrag stellte.<\/p>\n\n\n\n

Erster Asylantrag in Deutschland abgelehnt<\/h2>\n\n\n\n

Als Grund nannte er seine Rekrutierung als Kindersoldat seitens des iranischen Regimes. Doch w\u00e4hrend diese Begr\u00fcndung in Abu Fazels Augen v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich war, sahen deutsche Beh\u00f6rden das anders. Sein erster Antrag wurde abgelehnt. Derzeit versucht er es ein zweites Mal. Die Bundesrepublik schiebt afghanische Gefl\u00fcchtete weiterhin ab.<\/p>\n\n\n\n

\"EinAbschiebung von Afghanen im Dezember 2016 mit einem Charterflug von Frankfurt nach Kabul. (dpa \/picture alliance \/ Boris Roessler)<\/p>\n\n\n\n

Die Verantwortlichen weisen in diesem Kontext immer wieder auf vermeintlich \u201esichere Gebiete\u201c im Land, die nicht n\u00e4her benannt werden.<\/p>\n\n\n\n

W\u00e4hrenddessen machen Menschenrechtsorganisationen regelm\u00e4\u00dfig darauf aufmerksam, dass keine Region am Hindukusch sicher ist. Stattdessen wird in manchen Gebieten nur weniger Krieg gef\u00fchrt als in anderen.<\/p>\n\n\n\n

\"SieDemonstranten protestieren in Frankfurt am Main gegen die Abschiebung von Afghanen. Auf einem der Transparente steht \u201eAfghanistan is not safe\u201c. (AFP \/ Daniel Roland)<\/p>\n\n\n\n

Alis Vater und Onkel k\u00e4mpfen in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein \u00e4hnliches Schicksal wie Abu Fazel erlitt der 18-j\u00e4hrige Ali (Namen ge\u00e4ndert). Auch er floh aus dem Iran nach Deutschland, um der Rekrutierung f\u00fcr Assads Milizen zu entgehen. Viele seiner afghanischen Freunde sind bereits nach Syrien gezogen \u2013 und kamen niemals zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Alis Familie, ebenfalls Angeh\u00f6rige der Hazara-Minderheit, stammt urspr\u00fcnglich aus der Provinz Ghor im Nordosten Afghanistans. Ihre Heimat verlie\u00dfen sie w\u00e4hrend der sowjetischen Besatzung in den 1980er-Jahren.<\/p>\n\n\n\n

Seit jeher lebt die Familie in der iranischen Gro\u00dfstadt Maschhad. Als der Krieg in Syrien ausbrach, erreichte sie ein Konflikt, mit dem sie nicht gerechnet hatten. Im Juli 2015 reiste Alis Vater nach Teheran. Er wollte einen Weg finden, um f\u00fcr seine Familie Aufenthaltspapiere zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Beh\u00f6rden sagten ihm, dass die Rekrutierung f\u00fcr den Krieg in Syrien eine M\u00f6glichkeit darstellen k\u00f6nnte, um Papiere f\u00fcr uns alle zu erhalten. Andernfalls w\u00fcrde man uns sehr bald nach Afghanistan abschieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Mittlerweile k\u00e4mpfen Alis Vater und sein Onkel seit \u00fcber einem Jahr in Syrien. Am Aufenthaltsstatus seiner Familienmitglieder hat sich bis heute allerdings nichts ge\u00e4ndert. F\u00fcr Ali ist klar, dass dies nur eine Falle gewesen ist, um noch mehr Afghanen als Kanonenfutter zu missbrauchen.<\/p>\n\n\n\n

Anfangs gab es Papiere f\u00fcr K\u00e4mpfer-Familien<\/h2>\n\n\n\n

Den Kontakt zu seinem Vater hat der Afghane mittlerweile verloren. W\u00e4hrenddessen schickt ihm sein Onkel, der in Aleppo stationiert ist, hin und wieder Bilder \u00fcber den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ali denkt, dass nur sehr wenige Afghanen der Propaganda der iranischen Regierung glauben und in Syrien f\u00fcr eine \u201egute Sache\u201c k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

Source<\/a><\/p>\n","post_title":"Warum Afghanen in Syrien f\u00fcr Assad k\u00e4mpfen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"warum-afghanen-in-syrien-fur-assad-kampfen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3709","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":9},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Zugest\u00e4ndnis an Irak?<\/h2>\n\n\n\n

Eine m\u00f6gliche Erkl\u00e4rung der harten Linie der Generalbundesanwaltschaft \u00fcber die man nur spekulieren k\u00f6nne: \u201eIch kann mir auch vorstellen, dass, wenn es jetzt darum geht, Irak davon zu \u00fcberzeugen, die deutschen Staatsangeh\u00f6rigen, die dort einsitzen, auszuliefern, man ihnen gegen\u00fcber auch zu verstehen geben muss, dass die hier einer Strafverfolgung zugef\u00fchrt werden. Ansonsten w\u00fcrde der Irak sich vielleicht weigern, sie auszuliefern.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Safferling h\u00e4lt eine intensive Betreuung der zur\u00fcckgekehrten Frauen und M\u00e4dchen f\u00fcr unerl\u00e4sslich \u2013 man d\u00fcrfe sie keinesfalls alleine lassen und nicht wie Schwerverbrecherinnen behandeln. Es m\u00fcsse vielmehr verhindert werden, dass die jungen Frauen etwa in die Salafisten-Szene abtauchten.<\/p>\n","post_title":"Sie sind eher Opfer als Schwerverbrecherinnen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"sie-sind-eher-opfer-als-schwerverbrecherinnen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3719","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3709,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:30:50","post_date_gmt":"2020-08-13 21:30:50","post_content":"\n

Drei Millionen Afghanen sind ins Nachbarland Iran geflohen. Viele arbeiten schwarz. Die Aussicht auf einen festen Lohn plus Papiere f\u00fcr die Familie ist verlockend. Die Gegenleistung daf\u00fcr: K\u00e4mpfen in Syrien.<\/p>\n\n\n\n

Wenn Abu Fazel von den Gr\u00e4ueltaten des syrischen B\u00fcrgerkriegs h\u00f6rt, denkt er immer daran, dass er auch beinahe als K\u00e4mpfer auf diesem Schlachtfeld gelandet w\u00e4re. Doch Abu Fazel ist weder Syrer noch wollte er zum sogenannten \u201eIslamischen Staat\u201c. Der 18-J\u00e4hrige ist ein afghanischer Gefl\u00fcchteter, der zur Zeit in Leverkusen lebt.<\/p>\n\n\n\n

Den Gro\u00dfteil seines Lebens verbrachte er im Iran. Seine Familie ist dorthin gefl\u00fcchtet, als er ein Kind war. Doch als die iranische Regierung ihn nach Syrien schicken wollte, um auf der Seite von Machthaber Baschar al-Assad zu k\u00e4mpfen, entschloss er sich zu fliehen.<\/p>\n\n\n\n

\"Fl\u00fcchtlingeGefl\u00fcchtete aus dem Iran und Afghanistan an der Grenze zwischen Mazedonien und Griechenland. (picture alliance \/ dpa \/ Georgi Licovski)<\/p>\n\n\n\n

Tausende afghanische Jugendliche \u2013 die genaue Zahl ist nicht bekannt \u2013 wurden im Iran rekrutiert, um im Krieg in Syrien zu k\u00e4mpfen. Erst vor Kurzem berichtete die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, dass sie die Gr\u00e4ber von acht afghanischen Kindern, die in Syrien get\u00f6tet wurden, identifiziert hat. Laut der Organisation rekrutiert der Iran regelm\u00e4\u00dfig minderj\u00e4hrige K\u00e4mpfer, um sie nach Syrien zu schicken. Unter afghanischen Gefl\u00fcchteten ist diese Praxis schon l\u00e4nger bekannt.<\/p>\n\n\n\n

Rassismus gegen Afghanen im Iran<\/h2>\n\n\n\n

Fast drei Millionen Gefl\u00fcchtete aus Afghanistan sind inzwischen im Iran. Die meisten von ihnen leben in der Illegalit\u00e4t und werden als Schwarzarbeiter, etwa am Bau, ausgebeutet. Rassismus und Ausgrenzung geh\u00f6ren zu ihrem gesellschaftlichen Alltag. Kinder sind davon nicht ausgeschlossen. Im Gegenteil: Vielen afghanischen Kinderm ist es nicht erlaubt, staatliche Schulen zu besuchen. Abu Fazel wurde Zeit seines Lebens von dieser Diskrimierung beeinflusst und verfolgt.<\/p>\n\n\n\n

\u201e'Afghane\u2018 \u2013 das ist dort ein Schimpfwort. Ich h\u00f6rte es von klein auf immer wieder. Der Rassismus gegen Afghanen ist dort v\u00f6llig normal. Meine Herkunft, auf der ich eigentlich stolz war, ist im Iran stets eine Last gewesen. Wir sind dort B\u00fcrger zweiter Klasse.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung der afghanischen Gefl\u00fcchteten ist f\u00fcr Abu Fazel die Spitze jenes Rassismus, den er erlebt hat.<\/p>\n\n\n\n

Iran: Syrien vor sunnitischen Extremisten verteidigen<\/h2>\n\n\n\n

In Syrien k\u00e4mpfen neben den afghanischen Milizen auch andere paramilit\u00e4rische Gruppierungen im Auftrag des Irans: etwa die ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigten Revolutionsgarden, die einst Ayatollah Ruhollah Khomeini pers\u00f6nlich ins Leben rief oder die Basidsch-Milizen. Beiden Gruppierungen sind nicht nur in Syrien aktiv, sondern auch im Irak.<\/p>\n\n\n\n

Obowhl sich das syrische Regime von Baschar al-Assad als s\u00e4kular ausweist, wird es vom Iran, der sich als Repr\u00e4sentant aller muslimischen Schiiten betrachtet, unterst\u00fctzt. Gemeinsames Ziel in Syrien ist es: Schiiten vor sunnitische Extremisten zu verteidigen. Dennoch ist das Regime darauf bedacht, m\u00f6glichst wenig eigene K\u00e4mpfer nach Syrien zu schicken. \u00c4hnlich wie einst w\u00e4hrend des Krieges gegen Saddam Husseins Irak, setzt der Iran auf ausl\u00e4ndische K\u00e4mpfer.<\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung war wie eine Gehirnw\u00e4sche<\/h2>\n\n\n\n

Abu Fazels Familie geh\u00f6rt zur afghanischen Minderheit der schiitischen Hazara \u2013 wie viele Afghanen, die in den Iran gekommen sind. Mittlerweile k\u00e4mpfen Tausende von ihnen in Syrien. Der Iran bezahlt die Afghanen mit einem Sold von wenigen hundert Dollar pro Monat und verspricht ihren Familien eine Aufenthaltsgenehmigung oder eine Arbeitserlaubnis.<\/p>\n\n\n\n

An der Rekrutierung der Afghanen sind sowohl die Revolutionsgarden als auch die erw\u00e4hnten Basidsch-Milizen beteiligt. Abu Fazel beschreibt, wie das Viertel, in dem er gemeinsam mit seiner Familie in Teheran lebte, regelm\u00e4\u00dfig von den K\u00e4mpfern aufgesucht wurde. Viele afghanische Gefl\u00fcchtete lebten dort \u2013 und fielen auf die Gehirnw\u00e4sche der Rattenf\u00e4nger herein.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie trafen junge M\u00e4nner und Jugendliche in den Moscheen und \u00fcberredeten sie, gegen den IS oder Al Qaida zu k\u00e4mpfen. Die Gehirnw\u00e4sche war perfekt. Am Ende merkten viele, darunter auch ich, nicht einmal, dass wir in ihre Propaganda getappt waren. Ihre \u00dcberredungskunst war wirklich sehr speziell. Am Ende hat man Lust, nach Syrien zu gehen, um zu k\u00e4mpfen\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Erfolg hatten die Rekrutierer des Regimes auch bei Abu Fazels Cousin, der zum damaligen Zeitpunkt ebenfalls minderj\u00e4hrig gewesen ist. Er ging nach Syrien und k\u00e4mpfte unter der Flagge der \u201eLiwa Fatemiyoun\u201c, wie die afghanische Division auf Seiten Assads hei\u00dft. Offiziell ist die Aufgabe der Miliz die Verteidigung des Schreines von Zaynab im S\u00fcden von Damaskus. Zaynab war die Enkelin des islamischen Propheten Mohammad. Laut iranischen Staatsmedien k\u00e4mpfen mindestens 20.000 Afghanen in der Division.<\/p>\n\n\n\n

Im August 2014 entschloss sich auch Abu Fazel, nach Syrien zu gehen und zu k\u00e4mpfen. Im selben Monat wurde sein Cousin in der N\u00e4he von Aleppo im Kampf gegen syrische Rebellen get\u00f6tet.<\/p>\n\n\n\n

\u201eMein Cousin wurde dort get\u00f6tet. Auch andere Jungs aus unserer Gegend gingen nach Syrien und fielen dort. Lokale Zeitungen nannten sie \u201aM\u00e4rtyrer\u2018.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Lieber Flucht statt K\u00e4mpfer in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein solcher \u201eM\u00e4rtyrer\u201c wollte Abu Fazel allerdings nicht werden. Er floh eine Woche vor dem Beginn seiner dreimonatigen Kampfausbildung. Es war ihm lieber, ein Leben auf der Flucht zu verbringen, als in Syrien unschuldige Menschen f\u00fcr einen Diktator zu t\u00f6ten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch kam zu dem Schluss, dass ich nicht als M\u00f6rder weiterleben k\u00f6nnte. Stets dachte ich mir, dass selbst die schlimmsten Al-Qaida- oder IS-Terroristen Kinder haben k\u00f6nnten, die ihren Vater lieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Fazel verlor seinen eigenen Vater bereits sehr fr\u00fch. Er wurde Opfer des B\u00fcrgerkriegs in Afghanistan, der von 1989 bis 2001 tausende Menschen das Leben kostete. Auch der Iran mischte in der Zeit schon mit. Es ist allgemein bekannt, dass die schiitischen Hazara-Milizen, die den B\u00fcrgerkrieg ebenfalls mitanfachten, von der Regierung in Teheran unterst\u00fctzt wurden.<\/p>\n\n\n\n

Als Abu Fazel sich nun entschloss, aus der Gewaltspirale auszusteigen und nicht in Syrien zu k\u00e4mpfen, wuchs die Angst bei seiner Familie. Denn f\u00fcr die iranischen Beh\u00f6rden gilt: Hat man sich einmal gemeldet, gibt es kein zur\u00fcck. Man muss an die Front nach Syrien \u2013 oder wird zur\u00fcck nach Afghanistan abgeschoben, wo ebenfalls Krieg herrscht.<\/p>\n\n\n\n

Der einzige Ausweg f\u00fcr den jungen Afghanen war die Flucht. \u00dcber die T\u00fcrkei, Griechenland und die Balkranroute erreichte er mit gro\u00dfer M\u00fche Deutschland, wo er einen Asylantrag stellte.<\/p>\n\n\n\n

Erster Asylantrag in Deutschland abgelehnt<\/h2>\n\n\n\n

Als Grund nannte er seine Rekrutierung als Kindersoldat seitens des iranischen Regimes. Doch w\u00e4hrend diese Begr\u00fcndung in Abu Fazels Augen v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich war, sahen deutsche Beh\u00f6rden das anders. Sein erster Antrag wurde abgelehnt. Derzeit versucht er es ein zweites Mal. Die Bundesrepublik schiebt afghanische Gefl\u00fcchtete weiterhin ab.<\/p>\n\n\n\n

\"EinAbschiebung von Afghanen im Dezember 2016 mit einem Charterflug von Frankfurt nach Kabul. (dpa \/picture alliance \/ Boris Roessler)<\/p>\n\n\n\n

Die Verantwortlichen weisen in diesem Kontext immer wieder auf vermeintlich \u201esichere Gebiete\u201c im Land, die nicht n\u00e4her benannt werden.<\/p>\n\n\n\n

W\u00e4hrenddessen machen Menschenrechtsorganisationen regelm\u00e4\u00dfig darauf aufmerksam, dass keine Region am Hindukusch sicher ist. Stattdessen wird in manchen Gebieten nur weniger Krieg gef\u00fchrt als in anderen.<\/p>\n\n\n\n

\"SieDemonstranten protestieren in Frankfurt am Main gegen die Abschiebung von Afghanen. Auf einem der Transparente steht \u201eAfghanistan is not safe\u201c. (AFP \/ Daniel Roland)<\/p>\n\n\n\n

Alis Vater und Onkel k\u00e4mpfen in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein \u00e4hnliches Schicksal wie Abu Fazel erlitt der 18-j\u00e4hrige Ali (Namen ge\u00e4ndert). Auch er floh aus dem Iran nach Deutschland, um der Rekrutierung f\u00fcr Assads Milizen zu entgehen. Viele seiner afghanischen Freunde sind bereits nach Syrien gezogen \u2013 und kamen niemals zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Alis Familie, ebenfalls Angeh\u00f6rige der Hazara-Minderheit, stammt urspr\u00fcnglich aus der Provinz Ghor im Nordosten Afghanistans. Ihre Heimat verlie\u00dfen sie w\u00e4hrend der sowjetischen Besatzung in den 1980er-Jahren.<\/p>\n\n\n\n

Seit jeher lebt die Familie in der iranischen Gro\u00dfstadt Maschhad. Als der Krieg in Syrien ausbrach, erreichte sie ein Konflikt, mit dem sie nicht gerechnet hatten. Im Juli 2015 reiste Alis Vater nach Teheran. Er wollte einen Weg finden, um f\u00fcr seine Familie Aufenthaltspapiere zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Beh\u00f6rden sagten ihm, dass die Rekrutierung f\u00fcr den Krieg in Syrien eine M\u00f6glichkeit darstellen k\u00f6nnte, um Papiere f\u00fcr uns alle zu erhalten. Andernfalls w\u00fcrde man uns sehr bald nach Afghanistan abschieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Mittlerweile k\u00e4mpfen Alis Vater und sein Onkel seit \u00fcber einem Jahr in Syrien. Am Aufenthaltsstatus seiner Familienmitglieder hat sich bis heute allerdings nichts ge\u00e4ndert. F\u00fcr Ali ist klar, dass dies nur eine Falle gewesen ist, um noch mehr Afghanen als Kanonenfutter zu missbrauchen.<\/p>\n\n\n\n

Anfangs gab es Papiere f\u00fcr K\u00e4mpfer-Familien<\/h2>\n\n\n\n

Den Kontakt zu seinem Vater hat der Afghane mittlerweile verloren. W\u00e4hrenddessen schickt ihm sein Onkel, der in Aleppo stationiert ist, hin und wieder Bilder \u00fcber den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ali denkt, dass nur sehr wenige Afghanen der Propaganda der iranischen Regierung glauben und in Syrien f\u00fcr eine \u201egute Sache\u201c k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

Source<\/a><\/p>\n","post_title":"Warum Afghanen in Syrien f\u00fcr Assad k\u00e4mpfen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"warum-afghanen-in-syrien-fur-assad-kampfen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3709","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":9},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Vielmehr stelle sich die Frage, ob die Frauen nicht eher als Opfer betrachtet werden m\u00fcssten. Viele h\u00e4tten sich wie unter Zwang auf die Situation eingelassen \u2013 diese k\u00f6nne man strukturell durchaus mit den Bedingungen von Zwangsprostitution vergleichen. Viele der jungen Frauen seien auch unter Drogen gesetzt worden.<\/p>\n\n\n\n

Zugest\u00e4ndnis an Irak?<\/h2>\n\n\n\n

Eine m\u00f6gliche Erkl\u00e4rung der harten Linie der Generalbundesanwaltschaft \u00fcber die man nur spekulieren k\u00f6nne: \u201eIch kann mir auch vorstellen, dass, wenn es jetzt darum geht, Irak davon zu \u00fcberzeugen, die deutschen Staatsangeh\u00f6rigen, die dort einsitzen, auszuliefern, man ihnen gegen\u00fcber auch zu verstehen geben muss, dass die hier einer Strafverfolgung zugef\u00fchrt werden. Ansonsten w\u00fcrde der Irak sich vielleicht weigern, sie auszuliefern.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Safferling h\u00e4lt eine intensive Betreuung der zur\u00fcckgekehrten Frauen und M\u00e4dchen f\u00fcr unerl\u00e4sslich \u2013 man d\u00fcrfe sie keinesfalls alleine lassen und nicht wie Schwerverbrecherinnen behandeln. Es m\u00fcsse vielmehr verhindert werden, dass die jungen Frauen etwa in die Salafisten-Szene abtauchten.<\/p>\n","post_title":"Sie sind eher Opfer als Schwerverbrecherinnen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"sie-sind-eher-opfer-als-schwerverbrecherinnen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3719","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3709,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:30:50","post_date_gmt":"2020-08-13 21:30:50","post_content":"\n

Drei Millionen Afghanen sind ins Nachbarland Iran geflohen. Viele arbeiten schwarz. Die Aussicht auf einen festen Lohn plus Papiere f\u00fcr die Familie ist verlockend. Die Gegenleistung daf\u00fcr: K\u00e4mpfen in Syrien.<\/p>\n\n\n\n

Wenn Abu Fazel von den Gr\u00e4ueltaten des syrischen B\u00fcrgerkriegs h\u00f6rt, denkt er immer daran, dass er auch beinahe als K\u00e4mpfer auf diesem Schlachtfeld gelandet w\u00e4re. Doch Abu Fazel ist weder Syrer noch wollte er zum sogenannten \u201eIslamischen Staat\u201c. Der 18-J\u00e4hrige ist ein afghanischer Gefl\u00fcchteter, der zur Zeit in Leverkusen lebt.<\/p>\n\n\n\n

Den Gro\u00dfteil seines Lebens verbrachte er im Iran. Seine Familie ist dorthin gefl\u00fcchtet, als er ein Kind war. Doch als die iranische Regierung ihn nach Syrien schicken wollte, um auf der Seite von Machthaber Baschar al-Assad zu k\u00e4mpfen, entschloss er sich zu fliehen.<\/p>\n\n\n\n

\"Fl\u00fcchtlingeGefl\u00fcchtete aus dem Iran und Afghanistan an der Grenze zwischen Mazedonien und Griechenland. (picture alliance \/ dpa \/ Georgi Licovski)<\/p>\n\n\n\n

Tausende afghanische Jugendliche \u2013 die genaue Zahl ist nicht bekannt \u2013 wurden im Iran rekrutiert, um im Krieg in Syrien zu k\u00e4mpfen. Erst vor Kurzem berichtete die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, dass sie die Gr\u00e4ber von acht afghanischen Kindern, die in Syrien get\u00f6tet wurden, identifiziert hat. Laut der Organisation rekrutiert der Iran regelm\u00e4\u00dfig minderj\u00e4hrige K\u00e4mpfer, um sie nach Syrien zu schicken. Unter afghanischen Gefl\u00fcchteten ist diese Praxis schon l\u00e4nger bekannt.<\/p>\n\n\n\n

Rassismus gegen Afghanen im Iran<\/h2>\n\n\n\n

Fast drei Millionen Gefl\u00fcchtete aus Afghanistan sind inzwischen im Iran. Die meisten von ihnen leben in der Illegalit\u00e4t und werden als Schwarzarbeiter, etwa am Bau, ausgebeutet. Rassismus und Ausgrenzung geh\u00f6ren zu ihrem gesellschaftlichen Alltag. Kinder sind davon nicht ausgeschlossen. Im Gegenteil: Vielen afghanischen Kinderm ist es nicht erlaubt, staatliche Schulen zu besuchen. Abu Fazel wurde Zeit seines Lebens von dieser Diskrimierung beeinflusst und verfolgt.<\/p>\n\n\n\n

\u201e'Afghane\u2018 \u2013 das ist dort ein Schimpfwort. Ich h\u00f6rte es von klein auf immer wieder. Der Rassismus gegen Afghanen ist dort v\u00f6llig normal. Meine Herkunft, auf der ich eigentlich stolz war, ist im Iran stets eine Last gewesen. Wir sind dort B\u00fcrger zweiter Klasse.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung der afghanischen Gefl\u00fcchteten ist f\u00fcr Abu Fazel die Spitze jenes Rassismus, den er erlebt hat.<\/p>\n\n\n\n

Iran: Syrien vor sunnitischen Extremisten verteidigen<\/h2>\n\n\n\n

In Syrien k\u00e4mpfen neben den afghanischen Milizen auch andere paramilit\u00e4rische Gruppierungen im Auftrag des Irans: etwa die ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigten Revolutionsgarden, die einst Ayatollah Ruhollah Khomeini pers\u00f6nlich ins Leben rief oder die Basidsch-Milizen. Beiden Gruppierungen sind nicht nur in Syrien aktiv, sondern auch im Irak.<\/p>\n\n\n\n

Obowhl sich das syrische Regime von Baschar al-Assad als s\u00e4kular ausweist, wird es vom Iran, der sich als Repr\u00e4sentant aller muslimischen Schiiten betrachtet, unterst\u00fctzt. Gemeinsames Ziel in Syrien ist es: Schiiten vor sunnitische Extremisten zu verteidigen. Dennoch ist das Regime darauf bedacht, m\u00f6glichst wenig eigene K\u00e4mpfer nach Syrien zu schicken. \u00c4hnlich wie einst w\u00e4hrend des Krieges gegen Saddam Husseins Irak, setzt der Iran auf ausl\u00e4ndische K\u00e4mpfer.<\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung war wie eine Gehirnw\u00e4sche<\/h2>\n\n\n\n

Abu Fazels Familie geh\u00f6rt zur afghanischen Minderheit der schiitischen Hazara \u2013 wie viele Afghanen, die in den Iran gekommen sind. Mittlerweile k\u00e4mpfen Tausende von ihnen in Syrien. Der Iran bezahlt die Afghanen mit einem Sold von wenigen hundert Dollar pro Monat und verspricht ihren Familien eine Aufenthaltsgenehmigung oder eine Arbeitserlaubnis.<\/p>\n\n\n\n

An der Rekrutierung der Afghanen sind sowohl die Revolutionsgarden als auch die erw\u00e4hnten Basidsch-Milizen beteiligt. Abu Fazel beschreibt, wie das Viertel, in dem er gemeinsam mit seiner Familie in Teheran lebte, regelm\u00e4\u00dfig von den K\u00e4mpfern aufgesucht wurde. Viele afghanische Gefl\u00fcchtete lebten dort \u2013 und fielen auf die Gehirnw\u00e4sche der Rattenf\u00e4nger herein.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie trafen junge M\u00e4nner und Jugendliche in den Moscheen und \u00fcberredeten sie, gegen den IS oder Al Qaida zu k\u00e4mpfen. Die Gehirnw\u00e4sche war perfekt. Am Ende merkten viele, darunter auch ich, nicht einmal, dass wir in ihre Propaganda getappt waren. Ihre \u00dcberredungskunst war wirklich sehr speziell. Am Ende hat man Lust, nach Syrien zu gehen, um zu k\u00e4mpfen\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Erfolg hatten die Rekrutierer des Regimes auch bei Abu Fazels Cousin, der zum damaligen Zeitpunkt ebenfalls minderj\u00e4hrig gewesen ist. Er ging nach Syrien und k\u00e4mpfte unter der Flagge der \u201eLiwa Fatemiyoun\u201c, wie die afghanische Division auf Seiten Assads hei\u00dft. Offiziell ist die Aufgabe der Miliz die Verteidigung des Schreines von Zaynab im S\u00fcden von Damaskus. Zaynab war die Enkelin des islamischen Propheten Mohammad. Laut iranischen Staatsmedien k\u00e4mpfen mindestens 20.000 Afghanen in der Division.<\/p>\n\n\n\n

Im August 2014 entschloss sich auch Abu Fazel, nach Syrien zu gehen und zu k\u00e4mpfen. Im selben Monat wurde sein Cousin in der N\u00e4he von Aleppo im Kampf gegen syrische Rebellen get\u00f6tet.<\/p>\n\n\n\n

\u201eMein Cousin wurde dort get\u00f6tet. Auch andere Jungs aus unserer Gegend gingen nach Syrien und fielen dort. Lokale Zeitungen nannten sie \u201aM\u00e4rtyrer\u2018.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Lieber Flucht statt K\u00e4mpfer in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein solcher \u201eM\u00e4rtyrer\u201c wollte Abu Fazel allerdings nicht werden. Er floh eine Woche vor dem Beginn seiner dreimonatigen Kampfausbildung. Es war ihm lieber, ein Leben auf der Flucht zu verbringen, als in Syrien unschuldige Menschen f\u00fcr einen Diktator zu t\u00f6ten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch kam zu dem Schluss, dass ich nicht als M\u00f6rder weiterleben k\u00f6nnte. Stets dachte ich mir, dass selbst die schlimmsten Al-Qaida- oder IS-Terroristen Kinder haben k\u00f6nnten, die ihren Vater lieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Fazel verlor seinen eigenen Vater bereits sehr fr\u00fch. Er wurde Opfer des B\u00fcrgerkriegs in Afghanistan, der von 1989 bis 2001 tausende Menschen das Leben kostete. Auch der Iran mischte in der Zeit schon mit. Es ist allgemein bekannt, dass die schiitischen Hazara-Milizen, die den B\u00fcrgerkrieg ebenfalls mitanfachten, von der Regierung in Teheran unterst\u00fctzt wurden.<\/p>\n\n\n\n

Als Abu Fazel sich nun entschloss, aus der Gewaltspirale auszusteigen und nicht in Syrien zu k\u00e4mpfen, wuchs die Angst bei seiner Familie. Denn f\u00fcr die iranischen Beh\u00f6rden gilt: Hat man sich einmal gemeldet, gibt es kein zur\u00fcck. Man muss an die Front nach Syrien \u2013 oder wird zur\u00fcck nach Afghanistan abgeschoben, wo ebenfalls Krieg herrscht.<\/p>\n\n\n\n

Der einzige Ausweg f\u00fcr den jungen Afghanen war die Flucht. \u00dcber die T\u00fcrkei, Griechenland und die Balkranroute erreichte er mit gro\u00dfer M\u00fche Deutschland, wo er einen Asylantrag stellte.<\/p>\n\n\n\n

Erster Asylantrag in Deutschland abgelehnt<\/h2>\n\n\n\n

Als Grund nannte er seine Rekrutierung als Kindersoldat seitens des iranischen Regimes. Doch w\u00e4hrend diese Begr\u00fcndung in Abu Fazels Augen v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich war, sahen deutsche Beh\u00f6rden das anders. Sein erster Antrag wurde abgelehnt. Derzeit versucht er es ein zweites Mal. Die Bundesrepublik schiebt afghanische Gefl\u00fcchtete weiterhin ab.<\/p>\n\n\n\n

\"EinAbschiebung von Afghanen im Dezember 2016 mit einem Charterflug von Frankfurt nach Kabul. (dpa \/picture alliance \/ Boris Roessler)<\/p>\n\n\n\n

Die Verantwortlichen weisen in diesem Kontext immer wieder auf vermeintlich \u201esichere Gebiete\u201c im Land, die nicht n\u00e4her benannt werden.<\/p>\n\n\n\n

W\u00e4hrenddessen machen Menschenrechtsorganisationen regelm\u00e4\u00dfig darauf aufmerksam, dass keine Region am Hindukusch sicher ist. Stattdessen wird in manchen Gebieten nur weniger Krieg gef\u00fchrt als in anderen.<\/p>\n\n\n\n

\"SieDemonstranten protestieren in Frankfurt am Main gegen die Abschiebung von Afghanen. Auf einem der Transparente steht \u201eAfghanistan is not safe\u201c. (AFP \/ Daniel Roland)<\/p>\n\n\n\n

Alis Vater und Onkel k\u00e4mpfen in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein \u00e4hnliches Schicksal wie Abu Fazel erlitt der 18-j\u00e4hrige Ali (Namen ge\u00e4ndert). Auch er floh aus dem Iran nach Deutschland, um der Rekrutierung f\u00fcr Assads Milizen zu entgehen. Viele seiner afghanischen Freunde sind bereits nach Syrien gezogen \u2013 und kamen niemals zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Alis Familie, ebenfalls Angeh\u00f6rige der Hazara-Minderheit, stammt urspr\u00fcnglich aus der Provinz Ghor im Nordosten Afghanistans. Ihre Heimat verlie\u00dfen sie w\u00e4hrend der sowjetischen Besatzung in den 1980er-Jahren.<\/p>\n\n\n\n

Seit jeher lebt die Familie in der iranischen Gro\u00dfstadt Maschhad. Als der Krieg in Syrien ausbrach, erreichte sie ein Konflikt, mit dem sie nicht gerechnet hatten. Im Juli 2015 reiste Alis Vater nach Teheran. Er wollte einen Weg finden, um f\u00fcr seine Familie Aufenthaltspapiere zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Beh\u00f6rden sagten ihm, dass die Rekrutierung f\u00fcr den Krieg in Syrien eine M\u00f6glichkeit darstellen k\u00f6nnte, um Papiere f\u00fcr uns alle zu erhalten. Andernfalls w\u00fcrde man uns sehr bald nach Afghanistan abschieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Mittlerweile k\u00e4mpfen Alis Vater und sein Onkel seit \u00fcber einem Jahr in Syrien. Am Aufenthaltsstatus seiner Familienmitglieder hat sich bis heute allerdings nichts ge\u00e4ndert. F\u00fcr Ali ist klar, dass dies nur eine Falle gewesen ist, um noch mehr Afghanen als Kanonenfutter zu missbrauchen.<\/p>\n\n\n\n

Anfangs gab es Papiere f\u00fcr K\u00e4mpfer-Familien<\/h2>\n\n\n\n

Den Kontakt zu seinem Vater hat der Afghane mittlerweile verloren. W\u00e4hrenddessen schickt ihm sein Onkel, der in Aleppo stationiert ist, hin und wieder Bilder \u00fcber den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ali denkt, dass nur sehr wenige Afghanen der Propaganda der iranischen Regierung glauben und in Syrien f\u00fcr eine \u201egute Sache\u201c k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

Source<\/a><\/p>\n","post_title":"Warum Afghanen in Syrien f\u00fcr Assad k\u00e4mpfen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"warum-afghanen-in-syrien-fur-assad-kampfen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3709","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":9},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Christoph Safferling, Professor f\u00fcr Strafrecht an der Universit\u00e4t Erlangen-N\u00fcrnberg, sagt, er halte die Argumentation des Generalbundesanwalts f\u00fcr problematisch. Es handle sich zun\u00e4chst einmal um allt\u00e4gliche Handlungen wie Kochen und Sorge um die Kinder. \u201eUnd die Frage ist: Wann sind solche neutralen Handlungen tats\u00e4chlich straftatunterst\u00fctzend.\u201c Ein Vorsatz, die terroristischen Strukturen zu unterst\u00fctzen, m\u00fcsse klar nachgewiesen werden.<\/p>\n\n\n\n

Vielmehr stelle sich die Frage, ob die Frauen nicht eher als Opfer betrachtet werden m\u00fcssten. Viele h\u00e4tten sich wie unter Zwang auf die Situation eingelassen \u2013 diese k\u00f6nne man strukturell durchaus mit den Bedingungen von Zwangsprostitution vergleichen. Viele der jungen Frauen seien auch unter Drogen gesetzt worden.<\/p>\n\n\n\n

Zugest\u00e4ndnis an Irak?<\/h2>\n\n\n\n

Eine m\u00f6gliche Erkl\u00e4rung der harten Linie der Generalbundesanwaltschaft \u00fcber die man nur spekulieren k\u00f6nne: \u201eIch kann mir auch vorstellen, dass, wenn es jetzt darum geht, Irak davon zu \u00fcberzeugen, die deutschen Staatsangeh\u00f6rigen, die dort einsitzen, auszuliefern, man ihnen gegen\u00fcber auch zu verstehen geben muss, dass die hier einer Strafverfolgung zugef\u00fchrt werden. Ansonsten w\u00fcrde der Irak sich vielleicht weigern, sie auszuliefern.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Safferling h\u00e4lt eine intensive Betreuung der zur\u00fcckgekehrten Frauen und M\u00e4dchen f\u00fcr unerl\u00e4sslich \u2013 man d\u00fcrfe sie keinesfalls alleine lassen und nicht wie Schwerverbrecherinnen behandeln. Es m\u00fcsse vielmehr verhindert werden, dass die jungen Frauen etwa in die Salafisten-Szene abtauchten.<\/p>\n","post_title":"Sie sind eher Opfer als Schwerverbrecherinnen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"sie-sind-eher-opfer-als-schwerverbrecherinnen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3719","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3709,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:30:50","post_date_gmt":"2020-08-13 21:30:50","post_content":"\n

Drei Millionen Afghanen sind ins Nachbarland Iran geflohen. Viele arbeiten schwarz. Die Aussicht auf einen festen Lohn plus Papiere f\u00fcr die Familie ist verlockend. Die Gegenleistung daf\u00fcr: K\u00e4mpfen in Syrien.<\/p>\n\n\n\n

Wenn Abu Fazel von den Gr\u00e4ueltaten des syrischen B\u00fcrgerkriegs h\u00f6rt, denkt er immer daran, dass er auch beinahe als K\u00e4mpfer auf diesem Schlachtfeld gelandet w\u00e4re. Doch Abu Fazel ist weder Syrer noch wollte er zum sogenannten \u201eIslamischen Staat\u201c. Der 18-J\u00e4hrige ist ein afghanischer Gefl\u00fcchteter, der zur Zeit in Leverkusen lebt.<\/p>\n\n\n\n

Den Gro\u00dfteil seines Lebens verbrachte er im Iran. Seine Familie ist dorthin gefl\u00fcchtet, als er ein Kind war. Doch als die iranische Regierung ihn nach Syrien schicken wollte, um auf der Seite von Machthaber Baschar al-Assad zu k\u00e4mpfen, entschloss er sich zu fliehen.<\/p>\n\n\n\n

\"Fl\u00fcchtlingeGefl\u00fcchtete aus dem Iran und Afghanistan an der Grenze zwischen Mazedonien und Griechenland. (picture alliance \/ dpa \/ Georgi Licovski)<\/p>\n\n\n\n

Tausende afghanische Jugendliche \u2013 die genaue Zahl ist nicht bekannt \u2013 wurden im Iran rekrutiert, um im Krieg in Syrien zu k\u00e4mpfen. Erst vor Kurzem berichtete die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, dass sie die Gr\u00e4ber von acht afghanischen Kindern, die in Syrien get\u00f6tet wurden, identifiziert hat. Laut der Organisation rekrutiert der Iran regelm\u00e4\u00dfig minderj\u00e4hrige K\u00e4mpfer, um sie nach Syrien zu schicken. Unter afghanischen Gefl\u00fcchteten ist diese Praxis schon l\u00e4nger bekannt.<\/p>\n\n\n\n

Rassismus gegen Afghanen im Iran<\/h2>\n\n\n\n

Fast drei Millionen Gefl\u00fcchtete aus Afghanistan sind inzwischen im Iran. Die meisten von ihnen leben in der Illegalit\u00e4t und werden als Schwarzarbeiter, etwa am Bau, ausgebeutet. Rassismus und Ausgrenzung geh\u00f6ren zu ihrem gesellschaftlichen Alltag. Kinder sind davon nicht ausgeschlossen. Im Gegenteil: Vielen afghanischen Kinderm ist es nicht erlaubt, staatliche Schulen zu besuchen. Abu Fazel wurde Zeit seines Lebens von dieser Diskrimierung beeinflusst und verfolgt.<\/p>\n\n\n\n

\u201e'Afghane\u2018 \u2013 das ist dort ein Schimpfwort. Ich h\u00f6rte es von klein auf immer wieder. Der Rassismus gegen Afghanen ist dort v\u00f6llig normal. Meine Herkunft, auf der ich eigentlich stolz war, ist im Iran stets eine Last gewesen. Wir sind dort B\u00fcrger zweiter Klasse.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung der afghanischen Gefl\u00fcchteten ist f\u00fcr Abu Fazel die Spitze jenes Rassismus, den er erlebt hat.<\/p>\n\n\n\n

Iran: Syrien vor sunnitischen Extremisten verteidigen<\/h2>\n\n\n\n

In Syrien k\u00e4mpfen neben den afghanischen Milizen auch andere paramilit\u00e4rische Gruppierungen im Auftrag des Irans: etwa die ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigten Revolutionsgarden, die einst Ayatollah Ruhollah Khomeini pers\u00f6nlich ins Leben rief oder die Basidsch-Milizen. Beiden Gruppierungen sind nicht nur in Syrien aktiv, sondern auch im Irak.<\/p>\n\n\n\n

Obowhl sich das syrische Regime von Baschar al-Assad als s\u00e4kular ausweist, wird es vom Iran, der sich als Repr\u00e4sentant aller muslimischen Schiiten betrachtet, unterst\u00fctzt. Gemeinsames Ziel in Syrien ist es: Schiiten vor sunnitische Extremisten zu verteidigen. Dennoch ist das Regime darauf bedacht, m\u00f6glichst wenig eigene K\u00e4mpfer nach Syrien zu schicken. \u00c4hnlich wie einst w\u00e4hrend des Krieges gegen Saddam Husseins Irak, setzt der Iran auf ausl\u00e4ndische K\u00e4mpfer.<\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung war wie eine Gehirnw\u00e4sche<\/h2>\n\n\n\n

Abu Fazels Familie geh\u00f6rt zur afghanischen Minderheit der schiitischen Hazara \u2013 wie viele Afghanen, die in den Iran gekommen sind. Mittlerweile k\u00e4mpfen Tausende von ihnen in Syrien. Der Iran bezahlt die Afghanen mit einem Sold von wenigen hundert Dollar pro Monat und verspricht ihren Familien eine Aufenthaltsgenehmigung oder eine Arbeitserlaubnis.<\/p>\n\n\n\n

An der Rekrutierung der Afghanen sind sowohl die Revolutionsgarden als auch die erw\u00e4hnten Basidsch-Milizen beteiligt. Abu Fazel beschreibt, wie das Viertel, in dem er gemeinsam mit seiner Familie in Teheran lebte, regelm\u00e4\u00dfig von den K\u00e4mpfern aufgesucht wurde. Viele afghanische Gefl\u00fcchtete lebten dort \u2013 und fielen auf die Gehirnw\u00e4sche der Rattenf\u00e4nger herein.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie trafen junge M\u00e4nner und Jugendliche in den Moscheen und \u00fcberredeten sie, gegen den IS oder Al Qaida zu k\u00e4mpfen. Die Gehirnw\u00e4sche war perfekt. Am Ende merkten viele, darunter auch ich, nicht einmal, dass wir in ihre Propaganda getappt waren. Ihre \u00dcberredungskunst war wirklich sehr speziell. Am Ende hat man Lust, nach Syrien zu gehen, um zu k\u00e4mpfen\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Erfolg hatten die Rekrutierer des Regimes auch bei Abu Fazels Cousin, der zum damaligen Zeitpunkt ebenfalls minderj\u00e4hrig gewesen ist. Er ging nach Syrien und k\u00e4mpfte unter der Flagge der \u201eLiwa Fatemiyoun\u201c, wie die afghanische Division auf Seiten Assads hei\u00dft. Offiziell ist die Aufgabe der Miliz die Verteidigung des Schreines von Zaynab im S\u00fcden von Damaskus. Zaynab war die Enkelin des islamischen Propheten Mohammad. Laut iranischen Staatsmedien k\u00e4mpfen mindestens 20.000 Afghanen in der Division.<\/p>\n\n\n\n

Im August 2014 entschloss sich auch Abu Fazel, nach Syrien zu gehen und zu k\u00e4mpfen. Im selben Monat wurde sein Cousin in der N\u00e4he von Aleppo im Kampf gegen syrische Rebellen get\u00f6tet.<\/p>\n\n\n\n

\u201eMein Cousin wurde dort get\u00f6tet. Auch andere Jungs aus unserer Gegend gingen nach Syrien und fielen dort. Lokale Zeitungen nannten sie \u201aM\u00e4rtyrer\u2018.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Lieber Flucht statt K\u00e4mpfer in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein solcher \u201eM\u00e4rtyrer\u201c wollte Abu Fazel allerdings nicht werden. Er floh eine Woche vor dem Beginn seiner dreimonatigen Kampfausbildung. Es war ihm lieber, ein Leben auf der Flucht zu verbringen, als in Syrien unschuldige Menschen f\u00fcr einen Diktator zu t\u00f6ten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch kam zu dem Schluss, dass ich nicht als M\u00f6rder weiterleben k\u00f6nnte. Stets dachte ich mir, dass selbst die schlimmsten Al-Qaida- oder IS-Terroristen Kinder haben k\u00f6nnten, die ihren Vater lieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Fazel verlor seinen eigenen Vater bereits sehr fr\u00fch. Er wurde Opfer des B\u00fcrgerkriegs in Afghanistan, der von 1989 bis 2001 tausende Menschen das Leben kostete. Auch der Iran mischte in der Zeit schon mit. Es ist allgemein bekannt, dass die schiitischen Hazara-Milizen, die den B\u00fcrgerkrieg ebenfalls mitanfachten, von der Regierung in Teheran unterst\u00fctzt wurden.<\/p>\n\n\n\n

Als Abu Fazel sich nun entschloss, aus der Gewaltspirale auszusteigen und nicht in Syrien zu k\u00e4mpfen, wuchs die Angst bei seiner Familie. Denn f\u00fcr die iranischen Beh\u00f6rden gilt: Hat man sich einmal gemeldet, gibt es kein zur\u00fcck. Man muss an die Front nach Syrien \u2013 oder wird zur\u00fcck nach Afghanistan abgeschoben, wo ebenfalls Krieg herrscht.<\/p>\n\n\n\n

Der einzige Ausweg f\u00fcr den jungen Afghanen war die Flucht. \u00dcber die T\u00fcrkei, Griechenland und die Balkranroute erreichte er mit gro\u00dfer M\u00fche Deutschland, wo er einen Asylantrag stellte.<\/p>\n\n\n\n

Erster Asylantrag in Deutschland abgelehnt<\/h2>\n\n\n\n

Als Grund nannte er seine Rekrutierung als Kindersoldat seitens des iranischen Regimes. Doch w\u00e4hrend diese Begr\u00fcndung in Abu Fazels Augen v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich war, sahen deutsche Beh\u00f6rden das anders. Sein erster Antrag wurde abgelehnt. Derzeit versucht er es ein zweites Mal. Die Bundesrepublik schiebt afghanische Gefl\u00fcchtete weiterhin ab.<\/p>\n\n\n\n

\"EinAbschiebung von Afghanen im Dezember 2016 mit einem Charterflug von Frankfurt nach Kabul. (dpa \/picture alliance \/ Boris Roessler)<\/p>\n\n\n\n

Die Verantwortlichen weisen in diesem Kontext immer wieder auf vermeintlich \u201esichere Gebiete\u201c im Land, die nicht n\u00e4her benannt werden.<\/p>\n\n\n\n

W\u00e4hrenddessen machen Menschenrechtsorganisationen regelm\u00e4\u00dfig darauf aufmerksam, dass keine Region am Hindukusch sicher ist. Stattdessen wird in manchen Gebieten nur weniger Krieg gef\u00fchrt als in anderen.<\/p>\n\n\n\n

\"SieDemonstranten protestieren in Frankfurt am Main gegen die Abschiebung von Afghanen. Auf einem der Transparente steht \u201eAfghanistan is not safe\u201c. (AFP \/ Daniel Roland)<\/p>\n\n\n\n

Alis Vater und Onkel k\u00e4mpfen in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein \u00e4hnliches Schicksal wie Abu Fazel erlitt der 18-j\u00e4hrige Ali (Namen ge\u00e4ndert). Auch er floh aus dem Iran nach Deutschland, um der Rekrutierung f\u00fcr Assads Milizen zu entgehen. Viele seiner afghanischen Freunde sind bereits nach Syrien gezogen \u2013 und kamen niemals zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Alis Familie, ebenfalls Angeh\u00f6rige der Hazara-Minderheit, stammt urspr\u00fcnglich aus der Provinz Ghor im Nordosten Afghanistans. Ihre Heimat verlie\u00dfen sie w\u00e4hrend der sowjetischen Besatzung in den 1980er-Jahren.<\/p>\n\n\n\n

Seit jeher lebt die Familie in der iranischen Gro\u00dfstadt Maschhad. Als der Krieg in Syrien ausbrach, erreichte sie ein Konflikt, mit dem sie nicht gerechnet hatten. Im Juli 2015 reiste Alis Vater nach Teheran. Er wollte einen Weg finden, um f\u00fcr seine Familie Aufenthaltspapiere zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Beh\u00f6rden sagten ihm, dass die Rekrutierung f\u00fcr den Krieg in Syrien eine M\u00f6glichkeit darstellen k\u00f6nnte, um Papiere f\u00fcr uns alle zu erhalten. Andernfalls w\u00fcrde man uns sehr bald nach Afghanistan abschieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Mittlerweile k\u00e4mpfen Alis Vater und sein Onkel seit \u00fcber einem Jahr in Syrien. Am Aufenthaltsstatus seiner Familienmitglieder hat sich bis heute allerdings nichts ge\u00e4ndert. F\u00fcr Ali ist klar, dass dies nur eine Falle gewesen ist, um noch mehr Afghanen als Kanonenfutter zu missbrauchen.<\/p>\n\n\n\n

Anfangs gab es Papiere f\u00fcr K\u00e4mpfer-Familien<\/h2>\n\n\n\n

Den Kontakt zu seinem Vater hat der Afghane mittlerweile verloren. W\u00e4hrenddessen schickt ihm sein Onkel, der in Aleppo stationiert ist, hin und wieder Bilder \u00fcber den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ali denkt, dass nur sehr wenige Afghanen der Propaganda der iranischen Regierung glauben und in Syrien f\u00fcr eine \u201egute Sache\u201c k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

Source<\/a><\/p>\n","post_title":"Warum Afghanen in Syrien f\u00fcr Assad k\u00e4mpfen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"warum-afghanen-in-syrien-fur-assad-kampfen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3709","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":9},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

\n

Nicht wie Schwerverbrecherinnen behandeln<\/h2>\n\n\n\n

Christoph Safferling, Professor f\u00fcr Strafrecht an der Universit\u00e4t Erlangen-N\u00fcrnberg, sagt, er halte die Argumentation des Generalbundesanwalts f\u00fcr problematisch. Es handle sich zun\u00e4chst einmal um allt\u00e4gliche Handlungen wie Kochen und Sorge um die Kinder. \u201eUnd die Frage ist: Wann sind solche neutralen Handlungen tats\u00e4chlich straftatunterst\u00fctzend.\u201c Ein Vorsatz, die terroristischen Strukturen zu unterst\u00fctzen, m\u00fcsse klar nachgewiesen werden.<\/p>\n\n\n\n

Vielmehr stelle sich die Frage, ob die Frauen nicht eher als Opfer betrachtet werden m\u00fcssten. Viele h\u00e4tten sich wie unter Zwang auf die Situation eingelassen \u2013 diese k\u00f6nne man strukturell durchaus mit den Bedingungen von Zwangsprostitution vergleichen. Viele der jungen Frauen seien auch unter Drogen gesetzt worden.<\/p>\n\n\n\n

Zugest\u00e4ndnis an Irak?<\/h2>\n\n\n\n

Eine m\u00f6gliche Erkl\u00e4rung der harten Linie der Generalbundesanwaltschaft \u00fcber die man nur spekulieren k\u00f6nne: \u201eIch kann mir auch vorstellen, dass, wenn es jetzt darum geht, Irak davon zu \u00fcberzeugen, die deutschen Staatsangeh\u00f6rigen, die dort einsitzen, auszuliefern, man ihnen gegen\u00fcber auch zu verstehen geben muss, dass die hier einer Strafverfolgung zugef\u00fchrt werden. Ansonsten w\u00fcrde der Irak sich vielleicht weigern, sie auszuliefern.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Safferling h\u00e4lt eine intensive Betreuung der zur\u00fcckgekehrten Frauen und M\u00e4dchen f\u00fcr unerl\u00e4sslich \u2013 man d\u00fcrfe sie keinesfalls alleine lassen und nicht wie Schwerverbrecherinnen behandeln. Es m\u00fcsse vielmehr verhindert werden, dass die jungen Frauen etwa in die Salafisten-Szene abtauchten.<\/p>\n","post_title":"Sie sind eher Opfer als Schwerverbrecherinnen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"sie-sind-eher-opfer-als-schwerverbrecherinnen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3719","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3709,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:30:50","post_date_gmt":"2020-08-13 21:30:50","post_content":"\n

Drei Millionen Afghanen sind ins Nachbarland Iran geflohen. Viele arbeiten schwarz. Die Aussicht auf einen festen Lohn plus Papiere f\u00fcr die Familie ist verlockend. Die Gegenleistung daf\u00fcr: K\u00e4mpfen in Syrien.<\/p>\n\n\n\n

Wenn Abu Fazel von den Gr\u00e4ueltaten des syrischen B\u00fcrgerkriegs h\u00f6rt, denkt er immer daran, dass er auch beinahe als K\u00e4mpfer auf diesem Schlachtfeld gelandet w\u00e4re. Doch Abu Fazel ist weder Syrer noch wollte er zum sogenannten \u201eIslamischen Staat\u201c. Der 18-J\u00e4hrige ist ein afghanischer Gefl\u00fcchteter, der zur Zeit in Leverkusen lebt.<\/p>\n\n\n\n

Den Gro\u00dfteil seines Lebens verbrachte er im Iran. Seine Familie ist dorthin gefl\u00fcchtet, als er ein Kind war. Doch als die iranische Regierung ihn nach Syrien schicken wollte, um auf der Seite von Machthaber Baschar al-Assad zu k\u00e4mpfen, entschloss er sich zu fliehen.<\/p>\n\n\n\n

\"Fl\u00fcchtlingeGefl\u00fcchtete aus dem Iran und Afghanistan an der Grenze zwischen Mazedonien und Griechenland. (picture alliance \/ dpa \/ Georgi Licovski)<\/p>\n\n\n\n

Tausende afghanische Jugendliche \u2013 die genaue Zahl ist nicht bekannt \u2013 wurden im Iran rekrutiert, um im Krieg in Syrien zu k\u00e4mpfen. Erst vor Kurzem berichtete die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, dass sie die Gr\u00e4ber von acht afghanischen Kindern, die in Syrien get\u00f6tet wurden, identifiziert hat. Laut der Organisation rekrutiert der Iran regelm\u00e4\u00dfig minderj\u00e4hrige K\u00e4mpfer, um sie nach Syrien zu schicken. Unter afghanischen Gefl\u00fcchteten ist diese Praxis schon l\u00e4nger bekannt.<\/p>\n\n\n\n

Rassismus gegen Afghanen im Iran<\/h2>\n\n\n\n

Fast drei Millionen Gefl\u00fcchtete aus Afghanistan sind inzwischen im Iran. Die meisten von ihnen leben in der Illegalit\u00e4t und werden als Schwarzarbeiter, etwa am Bau, ausgebeutet. Rassismus und Ausgrenzung geh\u00f6ren zu ihrem gesellschaftlichen Alltag. Kinder sind davon nicht ausgeschlossen. Im Gegenteil: Vielen afghanischen Kinderm ist es nicht erlaubt, staatliche Schulen zu besuchen. Abu Fazel wurde Zeit seines Lebens von dieser Diskrimierung beeinflusst und verfolgt.<\/p>\n\n\n\n

\u201e'Afghane\u2018 \u2013 das ist dort ein Schimpfwort. Ich h\u00f6rte es von klein auf immer wieder. Der Rassismus gegen Afghanen ist dort v\u00f6llig normal. Meine Herkunft, auf der ich eigentlich stolz war, ist im Iran stets eine Last gewesen. Wir sind dort B\u00fcrger zweiter Klasse.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung der afghanischen Gefl\u00fcchteten ist f\u00fcr Abu Fazel die Spitze jenes Rassismus, den er erlebt hat.<\/p>\n\n\n\n

Iran: Syrien vor sunnitischen Extremisten verteidigen<\/h2>\n\n\n\n

In Syrien k\u00e4mpfen neben den afghanischen Milizen auch andere paramilit\u00e4rische Gruppierungen im Auftrag des Irans: etwa die ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigten Revolutionsgarden, die einst Ayatollah Ruhollah Khomeini pers\u00f6nlich ins Leben rief oder die Basidsch-Milizen. Beiden Gruppierungen sind nicht nur in Syrien aktiv, sondern auch im Irak.<\/p>\n\n\n\n

Obowhl sich das syrische Regime von Baschar al-Assad als s\u00e4kular ausweist, wird es vom Iran, der sich als Repr\u00e4sentant aller muslimischen Schiiten betrachtet, unterst\u00fctzt. Gemeinsames Ziel in Syrien ist es: Schiiten vor sunnitische Extremisten zu verteidigen. Dennoch ist das Regime darauf bedacht, m\u00f6glichst wenig eigene K\u00e4mpfer nach Syrien zu schicken. \u00c4hnlich wie einst w\u00e4hrend des Krieges gegen Saddam Husseins Irak, setzt der Iran auf ausl\u00e4ndische K\u00e4mpfer.<\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung war wie eine Gehirnw\u00e4sche<\/h2>\n\n\n\n

Abu Fazels Familie geh\u00f6rt zur afghanischen Minderheit der schiitischen Hazara \u2013 wie viele Afghanen, die in den Iran gekommen sind. Mittlerweile k\u00e4mpfen Tausende von ihnen in Syrien. Der Iran bezahlt die Afghanen mit einem Sold von wenigen hundert Dollar pro Monat und verspricht ihren Familien eine Aufenthaltsgenehmigung oder eine Arbeitserlaubnis.<\/p>\n\n\n\n

An der Rekrutierung der Afghanen sind sowohl die Revolutionsgarden als auch die erw\u00e4hnten Basidsch-Milizen beteiligt. Abu Fazel beschreibt, wie das Viertel, in dem er gemeinsam mit seiner Familie in Teheran lebte, regelm\u00e4\u00dfig von den K\u00e4mpfern aufgesucht wurde. Viele afghanische Gefl\u00fcchtete lebten dort \u2013 und fielen auf die Gehirnw\u00e4sche der Rattenf\u00e4nger herein.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie trafen junge M\u00e4nner und Jugendliche in den Moscheen und \u00fcberredeten sie, gegen den IS oder Al Qaida zu k\u00e4mpfen. Die Gehirnw\u00e4sche war perfekt. Am Ende merkten viele, darunter auch ich, nicht einmal, dass wir in ihre Propaganda getappt waren. Ihre \u00dcberredungskunst war wirklich sehr speziell. Am Ende hat man Lust, nach Syrien zu gehen, um zu k\u00e4mpfen\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Erfolg hatten die Rekrutierer des Regimes auch bei Abu Fazels Cousin, der zum damaligen Zeitpunkt ebenfalls minderj\u00e4hrig gewesen ist. Er ging nach Syrien und k\u00e4mpfte unter der Flagge der \u201eLiwa Fatemiyoun\u201c, wie die afghanische Division auf Seiten Assads hei\u00dft. Offiziell ist die Aufgabe der Miliz die Verteidigung des Schreines von Zaynab im S\u00fcden von Damaskus. Zaynab war die Enkelin des islamischen Propheten Mohammad. Laut iranischen Staatsmedien k\u00e4mpfen mindestens 20.000 Afghanen in der Division.<\/p>\n\n\n\n

Im August 2014 entschloss sich auch Abu Fazel, nach Syrien zu gehen und zu k\u00e4mpfen. Im selben Monat wurde sein Cousin in der N\u00e4he von Aleppo im Kampf gegen syrische Rebellen get\u00f6tet.<\/p>\n\n\n\n

\u201eMein Cousin wurde dort get\u00f6tet. Auch andere Jungs aus unserer Gegend gingen nach Syrien und fielen dort. Lokale Zeitungen nannten sie \u201aM\u00e4rtyrer\u2018.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Lieber Flucht statt K\u00e4mpfer in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein solcher \u201eM\u00e4rtyrer\u201c wollte Abu Fazel allerdings nicht werden. Er floh eine Woche vor dem Beginn seiner dreimonatigen Kampfausbildung. Es war ihm lieber, ein Leben auf der Flucht zu verbringen, als in Syrien unschuldige Menschen f\u00fcr einen Diktator zu t\u00f6ten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch kam zu dem Schluss, dass ich nicht als M\u00f6rder weiterleben k\u00f6nnte. Stets dachte ich mir, dass selbst die schlimmsten Al-Qaida- oder IS-Terroristen Kinder haben k\u00f6nnten, die ihren Vater lieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Fazel verlor seinen eigenen Vater bereits sehr fr\u00fch. Er wurde Opfer des B\u00fcrgerkriegs in Afghanistan, der von 1989 bis 2001 tausende Menschen das Leben kostete. Auch der Iran mischte in der Zeit schon mit. Es ist allgemein bekannt, dass die schiitischen Hazara-Milizen, die den B\u00fcrgerkrieg ebenfalls mitanfachten, von der Regierung in Teheran unterst\u00fctzt wurden.<\/p>\n\n\n\n

Als Abu Fazel sich nun entschloss, aus der Gewaltspirale auszusteigen und nicht in Syrien zu k\u00e4mpfen, wuchs die Angst bei seiner Familie. Denn f\u00fcr die iranischen Beh\u00f6rden gilt: Hat man sich einmal gemeldet, gibt es kein zur\u00fcck. Man muss an die Front nach Syrien \u2013 oder wird zur\u00fcck nach Afghanistan abgeschoben, wo ebenfalls Krieg herrscht.<\/p>\n\n\n\n

Der einzige Ausweg f\u00fcr den jungen Afghanen war die Flucht. \u00dcber die T\u00fcrkei, Griechenland und die Balkranroute erreichte er mit gro\u00dfer M\u00fche Deutschland, wo er einen Asylantrag stellte.<\/p>\n\n\n\n

Erster Asylantrag in Deutschland abgelehnt<\/h2>\n\n\n\n

Als Grund nannte er seine Rekrutierung als Kindersoldat seitens des iranischen Regimes. Doch w\u00e4hrend diese Begr\u00fcndung in Abu Fazels Augen v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich war, sahen deutsche Beh\u00f6rden das anders. Sein erster Antrag wurde abgelehnt. Derzeit versucht er es ein zweites Mal. Die Bundesrepublik schiebt afghanische Gefl\u00fcchtete weiterhin ab.<\/p>\n\n\n\n

\"EinAbschiebung von Afghanen im Dezember 2016 mit einem Charterflug von Frankfurt nach Kabul. (dpa \/picture alliance \/ Boris Roessler)<\/p>\n\n\n\n

Die Verantwortlichen weisen in diesem Kontext immer wieder auf vermeintlich \u201esichere Gebiete\u201c im Land, die nicht n\u00e4her benannt werden.<\/p>\n\n\n\n

W\u00e4hrenddessen machen Menschenrechtsorganisationen regelm\u00e4\u00dfig darauf aufmerksam, dass keine Region am Hindukusch sicher ist. Stattdessen wird in manchen Gebieten nur weniger Krieg gef\u00fchrt als in anderen.<\/p>\n\n\n\n

\"SieDemonstranten protestieren in Frankfurt am Main gegen die Abschiebung von Afghanen. Auf einem der Transparente steht \u201eAfghanistan is not safe\u201c. (AFP \/ Daniel Roland)<\/p>\n\n\n\n

Alis Vater und Onkel k\u00e4mpfen in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein \u00e4hnliches Schicksal wie Abu Fazel erlitt der 18-j\u00e4hrige Ali (Namen ge\u00e4ndert). Auch er floh aus dem Iran nach Deutschland, um der Rekrutierung f\u00fcr Assads Milizen zu entgehen. Viele seiner afghanischen Freunde sind bereits nach Syrien gezogen \u2013 und kamen niemals zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Alis Familie, ebenfalls Angeh\u00f6rige der Hazara-Minderheit, stammt urspr\u00fcnglich aus der Provinz Ghor im Nordosten Afghanistans. Ihre Heimat verlie\u00dfen sie w\u00e4hrend der sowjetischen Besatzung in den 1980er-Jahren.<\/p>\n\n\n\n

Seit jeher lebt die Familie in der iranischen Gro\u00dfstadt Maschhad. Als der Krieg in Syrien ausbrach, erreichte sie ein Konflikt, mit dem sie nicht gerechnet hatten. Im Juli 2015 reiste Alis Vater nach Teheran. Er wollte einen Weg finden, um f\u00fcr seine Familie Aufenthaltspapiere zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Beh\u00f6rden sagten ihm, dass die Rekrutierung f\u00fcr den Krieg in Syrien eine M\u00f6glichkeit darstellen k\u00f6nnte, um Papiere f\u00fcr uns alle zu erhalten. Andernfalls w\u00fcrde man uns sehr bald nach Afghanistan abschieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Mittlerweile k\u00e4mpfen Alis Vater und sein Onkel seit \u00fcber einem Jahr in Syrien. Am Aufenthaltsstatus seiner Familienmitglieder hat sich bis heute allerdings nichts ge\u00e4ndert. F\u00fcr Ali ist klar, dass dies nur eine Falle gewesen ist, um noch mehr Afghanen als Kanonenfutter zu missbrauchen.<\/p>\n\n\n\n

Anfangs gab es Papiere f\u00fcr K\u00e4mpfer-Familien<\/h2>\n\n\n\n

Den Kontakt zu seinem Vater hat der Afghane mittlerweile verloren. W\u00e4hrenddessen schickt ihm sein Onkel, der in Aleppo stationiert ist, hin und wieder Bilder \u00fcber den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ali denkt, dass nur sehr wenige Afghanen der Propaganda der iranischen Regierung glauben und in Syrien f\u00fcr eine \u201egute Sache\u201c k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

Source<\/a><\/p>\n","post_title":"Warum Afghanen in Syrien f\u00fcr Assad k\u00e4mpfen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"warum-afghanen-in-syrien-fur-assad-kampfen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3709","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":9},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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\"DieDie Journalistin Jenni Zylka (Deutschlandradio \/ Andreas Buron)<\/p>\n\n\n\n

Nicht wie Schwerverbrecherinnen behandeln<\/h2>\n\n\n\n

Christoph Safferling, Professor f\u00fcr Strafrecht an der Universit\u00e4t Erlangen-N\u00fcrnberg, sagt, er halte die Argumentation des Generalbundesanwalts f\u00fcr problematisch. Es handle sich zun\u00e4chst einmal um allt\u00e4gliche Handlungen wie Kochen und Sorge um die Kinder. \u201eUnd die Frage ist: Wann sind solche neutralen Handlungen tats\u00e4chlich straftatunterst\u00fctzend.\u201c Ein Vorsatz, die terroristischen Strukturen zu unterst\u00fctzen, m\u00fcsse klar nachgewiesen werden.<\/p>\n\n\n\n

Vielmehr stelle sich die Frage, ob die Frauen nicht eher als Opfer betrachtet werden m\u00fcssten. Viele h\u00e4tten sich wie unter Zwang auf die Situation eingelassen \u2013 diese k\u00f6nne man strukturell durchaus mit den Bedingungen von Zwangsprostitution vergleichen. Viele der jungen Frauen seien auch unter Drogen gesetzt worden.<\/p>\n\n\n\n

Zugest\u00e4ndnis an Irak?<\/h2>\n\n\n\n

Eine m\u00f6gliche Erkl\u00e4rung der harten Linie der Generalbundesanwaltschaft \u00fcber die man nur spekulieren k\u00f6nne: \u201eIch kann mir auch vorstellen, dass, wenn es jetzt darum geht, Irak davon zu \u00fcberzeugen, die deutschen Staatsangeh\u00f6rigen, die dort einsitzen, auszuliefern, man ihnen gegen\u00fcber auch zu verstehen geben muss, dass die hier einer Strafverfolgung zugef\u00fchrt werden. Ansonsten w\u00fcrde der Irak sich vielleicht weigern, sie auszuliefern.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Safferling h\u00e4lt eine intensive Betreuung der zur\u00fcckgekehrten Frauen und M\u00e4dchen f\u00fcr unerl\u00e4sslich \u2013 man d\u00fcrfe sie keinesfalls alleine lassen und nicht wie Schwerverbrecherinnen behandeln. Es m\u00fcsse vielmehr verhindert werden, dass die jungen Frauen etwa in die Salafisten-Szene abtauchten.<\/p>\n","post_title":"Sie sind eher Opfer als Schwerverbrecherinnen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"sie-sind-eher-opfer-als-schwerverbrecherinnen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3719","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3709,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:30:50","post_date_gmt":"2020-08-13 21:30:50","post_content":"\n

Drei Millionen Afghanen sind ins Nachbarland Iran geflohen. Viele arbeiten schwarz. Die Aussicht auf einen festen Lohn plus Papiere f\u00fcr die Familie ist verlockend. Die Gegenleistung daf\u00fcr: K\u00e4mpfen in Syrien.<\/p>\n\n\n\n

Wenn Abu Fazel von den Gr\u00e4ueltaten des syrischen B\u00fcrgerkriegs h\u00f6rt, denkt er immer daran, dass er auch beinahe als K\u00e4mpfer auf diesem Schlachtfeld gelandet w\u00e4re. Doch Abu Fazel ist weder Syrer noch wollte er zum sogenannten \u201eIslamischen Staat\u201c. Der 18-J\u00e4hrige ist ein afghanischer Gefl\u00fcchteter, der zur Zeit in Leverkusen lebt.<\/p>\n\n\n\n

Den Gro\u00dfteil seines Lebens verbrachte er im Iran. Seine Familie ist dorthin gefl\u00fcchtet, als er ein Kind war. Doch als die iranische Regierung ihn nach Syrien schicken wollte, um auf der Seite von Machthaber Baschar al-Assad zu k\u00e4mpfen, entschloss er sich zu fliehen.<\/p>\n\n\n\n

\"Fl\u00fcchtlingeGefl\u00fcchtete aus dem Iran und Afghanistan an der Grenze zwischen Mazedonien und Griechenland. (picture alliance \/ dpa \/ Georgi Licovski)<\/p>\n\n\n\n

Tausende afghanische Jugendliche \u2013 die genaue Zahl ist nicht bekannt \u2013 wurden im Iran rekrutiert, um im Krieg in Syrien zu k\u00e4mpfen. Erst vor Kurzem berichtete die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, dass sie die Gr\u00e4ber von acht afghanischen Kindern, die in Syrien get\u00f6tet wurden, identifiziert hat. Laut der Organisation rekrutiert der Iran regelm\u00e4\u00dfig minderj\u00e4hrige K\u00e4mpfer, um sie nach Syrien zu schicken. Unter afghanischen Gefl\u00fcchteten ist diese Praxis schon l\u00e4nger bekannt.<\/p>\n\n\n\n

Rassismus gegen Afghanen im Iran<\/h2>\n\n\n\n

Fast drei Millionen Gefl\u00fcchtete aus Afghanistan sind inzwischen im Iran. Die meisten von ihnen leben in der Illegalit\u00e4t und werden als Schwarzarbeiter, etwa am Bau, ausgebeutet. Rassismus und Ausgrenzung geh\u00f6ren zu ihrem gesellschaftlichen Alltag. Kinder sind davon nicht ausgeschlossen. Im Gegenteil: Vielen afghanischen Kinderm ist es nicht erlaubt, staatliche Schulen zu besuchen. Abu Fazel wurde Zeit seines Lebens von dieser Diskrimierung beeinflusst und verfolgt.<\/p>\n\n\n\n

\u201e'Afghane\u2018 \u2013 das ist dort ein Schimpfwort. Ich h\u00f6rte es von klein auf immer wieder. Der Rassismus gegen Afghanen ist dort v\u00f6llig normal. Meine Herkunft, auf der ich eigentlich stolz war, ist im Iran stets eine Last gewesen. Wir sind dort B\u00fcrger zweiter Klasse.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung der afghanischen Gefl\u00fcchteten ist f\u00fcr Abu Fazel die Spitze jenes Rassismus, den er erlebt hat.<\/p>\n\n\n\n

Iran: Syrien vor sunnitischen Extremisten verteidigen<\/h2>\n\n\n\n

In Syrien k\u00e4mpfen neben den afghanischen Milizen auch andere paramilit\u00e4rische Gruppierungen im Auftrag des Irans: etwa die ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigten Revolutionsgarden, die einst Ayatollah Ruhollah Khomeini pers\u00f6nlich ins Leben rief oder die Basidsch-Milizen. Beiden Gruppierungen sind nicht nur in Syrien aktiv, sondern auch im Irak.<\/p>\n\n\n\n

Obowhl sich das syrische Regime von Baschar al-Assad als s\u00e4kular ausweist, wird es vom Iran, der sich als Repr\u00e4sentant aller muslimischen Schiiten betrachtet, unterst\u00fctzt. Gemeinsames Ziel in Syrien ist es: Schiiten vor sunnitische Extremisten zu verteidigen. Dennoch ist das Regime darauf bedacht, m\u00f6glichst wenig eigene K\u00e4mpfer nach Syrien zu schicken. \u00c4hnlich wie einst w\u00e4hrend des Krieges gegen Saddam Husseins Irak, setzt der Iran auf ausl\u00e4ndische K\u00e4mpfer.<\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung war wie eine Gehirnw\u00e4sche<\/h2>\n\n\n\n

Abu Fazels Familie geh\u00f6rt zur afghanischen Minderheit der schiitischen Hazara \u2013 wie viele Afghanen, die in den Iran gekommen sind. Mittlerweile k\u00e4mpfen Tausende von ihnen in Syrien. Der Iran bezahlt die Afghanen mit einem Sold von wenigen hundert Dollar pro Monat und verspricht ihren Familien eine Aufenthaltsgenehmigung oder eine Arbeitserlaubnis.<\/p>\n\n\n\n

An der Rekrutierung der Afghanen sind sowohl die Revolutionsgarden als auch die erw\u00e4hnten Basidsch-Milizen beteiligt. Abu Fazel beschreibt, wie das Viertel, in dem er gemeinsam mit seiner Familie in Teheran lebte, regelm\u00e4\u00dfig von den K\u00e4mpfern aufgesucht wurde. Viele afghanische Gefl\u00fcchtete lebten dort \u2013 und fielen auf die Gehirnw\u00e4sche der Rattenf\u00e4nger herein.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie trafen junge M\u00e4nner und Jugendliche in den Moscheen und \u00fcberredeten sie, gegen den IS oder Al Qaida zu k\u00e4mpfen. Die Gehirnw\u00e4sche war perfekt. Am Ende merkten viele, darunter auch ich, nicht einmal, dass wir in ihre Propaganda getappt waren. Ihre \u00dcberredungskunst war wirklich sehr speziell. Am Ende hat man Lust, nach Syrien zu gehen, um zu k\u00e4mpfen\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Erfolg hatten die Rekrutierer des Regimes auch bei Abu Fazels Cousin, der zum damaligen Zeitpunkt ebenfalls minderj\u00e4hrig gewesen ist. Er ging nach Syrien und k\u00e4mpfte unter der Flagge der \u201eLiwa Fatemiyoun\u201c, wie die afghanische Division auf Seiten Assads hei\u00dft. Offiziell ist die Aufgabe der Miliz die Verteidigung des Schreines von Zaynab im S\u00fcden von Damaskus. Zaynab war die Enkelin des islamischen Propheten Mohammad. Laut iranischen Staatsmedien k\u00e4mpfen mindestens 20.000 Afghanen in der Division.<\/p>\n\n\n\n

Im August 2014 entschloss sich auch Abu Fazel, nach Syrien zu gehen und zu k\u00e4mpfen. Im selben Monat wurde sein Cousin in der N\u00e4he von Aleppo im Kampf gegen syrische Rebellen get\u00f6tet.<\/p>\n\n\n\n

\u201eMein Cousin wurde dort get\u00f6tet. Auch andere Jungs aus unserer Gegend gingen nach Syrien und fielen dort. Lokale Zeitungen nannten sie \u201aM\u00e4rtyrer\u2018.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Lieber Flucht statt K\u00e4mpfer in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein solcher \u201eM\u00e4rtyrer\u201c wollte Abu Fazel allerdings nicht werden. Er floh eine Woche vor dem Beginn seiner dreimonatigen Kampfausbildung. Es war ihm lieber, ein Leben auf der Flucht zu verbringen, als in Syrien unschuldige Menschen f\u00fcr einen Diktator zu t\u00f6ten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch kam zu dem Schluss, dass ich nicht als M\u00f6rder weiterleben k\u00f6nnte. Stets dachte ich mir, dass selbst die schlimmsten Al-Qaida- oder IS-Terroristen Kinder haben k\u00f6nnten, die ihren Vater lieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Fazel verlor seinen eigenen Vater bereits sehr fr\u00fch. Er wurde Opfer des B\u00fcrgerkriegs in Afghanistan, der von 1989 bis 2001 tausende Menschen das Leben kostete. Auch der Iran mischte in der Zeit schon mit. Es ist allgemein bekannt, dass die schiitischen Hazara-Milizen, die den B\u00fcrgerkrieg ebenfalls mitanfachten, von der Regierung in Teheran unterst\u00fctzt wurden.<\/p>\n\n\n\n

Als Abu Fazel sich nun entschloss, aus der Gewaltspirale auszusteigen und nicht in Syrien zu k\u00e4mpfen, wuchs die Angst bei seiner Familie. Denn f\u00fcr die iranischen Beh\u00f6rden gilt: Hat man sich einmal gemeldet, gibt es kein zur\u00fcck. Man muss an die Front nach Syrien \u2013 oder wird zur\u00fcck nach Afghanistan abgeschoben, wo ebenfalls Krieg herrscht.<\/p>\n\n\n\n

Der einzige Ausweg f\u00fcr den jungen Afghanen war die Flucht. \u00dcber die T\u00fcrkei, Griechenland und die Balkranroute erreichte er mit gro\u00dfer M\u00fche Deutschland, wo er einen Asylantrag stellte.<\/p>\n\n\n\n

Erster Asylantrag in Deutschland abgelehnt<\/h2>\n\n\n\n

Als Grund nannte er seine Rekrutierung als Kindersoldat seitens des iranischen Regimes. Doch w\u00e4hrend diese Begr\u00fcndung in Abu Fazels Augen v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich war, sahen deutsche Beh\u00f6rden das anders. Sein erster Antrag wurde abgelehnt. Derzeit versucht er es ein zweites Mal. Die Bundesrepublik schiebt afghanische Gefl\u00fcchtete weiterhin ab.<\/p>\n\n\n\n

\"EinAbschiebung von Afghanen im Dezember 2016 mit einem Charterflug von Frankfurt nach Kabul. (dpa \/picture alliance \/ Boris Roessler)<\/p>\n\n\n\n

Die Verantwortlichen weisen in diesem Kontext immer wieder auf vermeintlich \u201esichere Gebiete\u201c im Land, die nicht n\u00e4her benannt werden.<\/p>\n\n\n\n

W\u00e4hrenddessen machen Menschenrechtsorganisationen regelm\u00e4\u00dfig darauf aufmerksam, dass keine Region am Hindukusch sicher ist. Stattdessen wird in manchen Gebieten nur weniger Krieg gef\u00fchrt als in anderen.<\/p>\n\n\n\n

\"SieDemonstranten protestieren in Frankfurt am Main gegen die Abschiebung von Afghanen. Auf einem der Transparente steht \u201eAfghanistan is not safe\u201c. (AFP \/ Daniel Roland)<\/p>\n\n\n\n

Alis Vater und Onkel k\u00e4mpfen in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein \u00e4hnliches Schicksal wie Abu Fazel erlitt der 18-j\u00e4hrige Ali (Namen ge\u00e4ndert). Auch er floh aus dem Iran nach Deutschland, um der Rekrutierung f\u00fcr Assads Milizen zu entgehen. Viele seiner afghanischen Freunde sind bereits nach Syrien gezogen \u2013 und kamen niemals zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Alis Familie, ebenfalls Angeh\u00f6rige der Hazara-Minderheit, stammt urspr\u00fcnglich aus der Provinz Ghor im Nordosten Afghanistans. Ihre Heimat verlie\u00dfen sie w\u00e4hrend der sowjetischen Besatzung in den 1980er-Jahren.<\/p>\n\n\n\n

Seit jeher lebt die Familie in der iranischen Gro\u00dfstadt Maschhad. Als der Krieg in Syrien ausbrach, erreichte sie ein Konflikt, mit dem sie nicht gerechnet hatten. Im Juli 2015 reiste Alis Vater nach Teheran. Er wollte einen Weg finden, um f\u00fcr seine Familie Aufenthaltspapiere zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Beh\u00f6rden sagten ihm, dass die Rekrutierung f\u00fcr den Krieg in Syrien eine M\u00f6glichkeit darstellen k\u00f6nnte, um Papiere f\u00fcr uns alle zu erhalten. Andernfalls w\u00fcrde man uns sehr bald nach Afghanistan abschieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Mittlerweile k\u00e4mpfen Alis Vater und sein Onkel seit \u00fcber einem Jahr in Syrien. Am Aufenthaltsstatus seiner Familienmitglieder hat sich bis heute allerdings nichts ge\u00e4ndert. F\u00fcr Ali ist klar, dass dies nur eine Falle gewesen ist, um noch mehr Afghanen als Kanonenfutter zu missbrauchen.<\/p>\n\n\n\n

Anfangs gab es Papiere f\u00fcr K\u00e4mpfer-Familien<\/h2>\n\n\n\n

Den Kontakt zu seinem Vater hat der Afghane mittlerweile verloren. W\u00e4hrenddessen schickt ihm sein Onkel, der in Aleppo stationiert ist, hin und wieder Bilder \u00fcber den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ali denkt, dass nur sehr wenige Afghanen der Propaganda der iranischen Regierung glauben und in Syrien f\u00fcr eine \u201egute Sache\u201c k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

Source<\/a><\/p>\n","post_title":"Warum Afghanen in Syrien f\u00fcr Assad k\u00e4mpfen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"warum-afghanen-in-syrien-fur-assad-kampfen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3709","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":9},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Aber sind diese Frauen nicht eher Opfer? Weil sie Angst um ihre Kinder hatten, den Umgang mit der Waffe zur Selbstverteidigung gelernt haben? Jenni Zylka meint dazu:  \u00dcber eine Mitschuld solcher Frauen nachzudenken, sei nachvollziehbar und auch legitim. Jedoch m\u00fcsse sehr genau hingeschaut und jede dieser Frauen einzeln betrachtet werden. Man m\u00fcsse unterscheiden, ob Frauen mit IS-Terroristen zusammengelebt und f\u00fcr diese gesorgt h\u00e4tten oder ob sie selbst militant geworden seien. Viele von ihnen seien zudem traumatisiert durch die Erlebnisse in den IS-Lagern.<\/p>\n\n\n\n

\"DieDie Journalistin Jenni Zylka (Deutschlandradio \/ Andreas Buron)<\/p>\n\n\n\n

Nicht wie Schwerverbrecherinnen behandeln<\/h2>\n\n\n\n

Christoph Safferling, Professor f\u00fcr Strafrecht an der Universit\u00e4t Erlangen-N\u00fcrnberg, sagt, er halte die Argumentation des Generalbundesanwalts f\u00fcr problematisch. Es handle sich zun\u00e4chst einmal um allt\u00e4gliche Handlungen wie Kochen und Sorge um die Kinder. \u201eUnd die Frage ist: Wann sind solche neutralen Handlungen tats\u00e4chlich straftatunterst\u00fctzend.\u201c Ein Vorsatz, die terroristischen Strukturen zu unterst\u00fctzen, m\u00fcsse klar nachgewiesen werden.<\/p>\n\n\n\n

Vielmehr stelle sich die Frage, ob die Frauen nicht eher als Opfer betrachtet werden m\u00fcssten. Viele h\u00e4tten sich wie unter Zwang auf die Situation eingelassen \u2013 diese k\u00f6nne man strukturell durchaus mit den Bedingungen von Zwangsprostitution vergleichen. Viele der jungen Frauen seien auch unter Drogen gesetzt worden.<\/p>\n\n\n\n

Zugest\u00e4ndnis an Irak?<\/h2>\n\n\n\n

Eine m\u00f6gliche Erkl\u00e4rung der harten Linie der Generalbundesanwaltschaft \u00fcber die man nur spekulieren k\u00f6nne: \u201eIch kann mir auch vorstellen, dass, wenn es jetzt darum geht, Irak davon zu \u00fcberzeugen, die deutschen Staatsangeh\u00f6rigen, die dort einsitzen, auszuliefern, man ihnen gegen\u00fcber auch zu verstehen geben muss, dass die hier einer Strafverfolgung zugef\u00fchrt werden. Ansonsten w\u00fcrde der Irak sich vielleicht weigern, sie auszuliefern.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Safferling h\u00e4lt eine intensive Betreuung der zur\u00fcckgekehrten Frauen und M\u00e4dchen f\u00fcr unerl\u00e4sslich \u2013 man d\u00fcrfe sie keinesfalls alleine lassen und nicht wie Schwerverbrecherinnen behandeln. Es m\u00fcsse vielmehr verhindert werden, dass die jungen Frauen etwa in die Salafisten-Szene abtauchten.<\/p>\n","post_title":"Sie sind eher Opfer als Schwerverbrecherinnen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"sie-sind-eher-opfer-als-schwerverbrecherinnen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3719","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3709,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:30:50","post_date_gmt":"2020-08-13 21:30:50","post_content":"\n

Drei Millionen Afghanen sind ins Nachbarland Iran geflohen. Viele arbeiten schwarz. Die Aussicht auf einen festen Lohn plus Papiere f\u00fcr die Familie ist verlockend. Die Gegenleistung daf\u00fcr: K\u00e4mpfen in Syrien.<\/p>\n\n\n\n

Wenn Abu Fazel von den Gr\u00e4ueltaten des syrischen B\u00fcrgerkriegs h\u00f6rt, denkt er immer daran, dass er auch beinahe als K\u00e4mpfer auf diesem Schlachtfeld gelandet w\u00e4re. Doch Abu Fazel ist weder Syrer noch wollte er zum sogenannten \u201eIslamischen Staat\u201c. Der 18-J\u00e4hrige ist ein afghanischer Gefl\u00fcchteter, der zur Zeit in Leverkusen lebt.<\/p>\n\n\n\n

Den Gro\u00dfteil seines Lebens verbrachte er im Iran. Seine Familie ist dorthin gefl\u00fcchtet, als er ein Kind war. Doch als die iranische Regierung ihn nach Syrien schicken wollte, um auf der Seite von Machthaber Baschar al-Assad zu k\u00e4mpfen, entschloss er sich zu fliehen.<\/p>\n\n\n\n

\"Fl\u00fcchtlingeGefl\u00fcchtete aus dem Iran und Afghanistan an der Grenze zwischen Mazedonien und Griechenland. (picture alliance \/ dpa \/ Georgi Licovski)<\/p>\n\n\n\n

Tausende afghanische Jugendliche \u2013 die genaue Zahl ist nicht bekannt \u2013 wurden im Iran rekrutiert, um im Krieg in Syrien zu k\u00e4mpfen. Erst vor Kurzem berichtete die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, dass sie die Gr\u00e4ber von acht afghanischen Kindern, die in Syrien get\u00f6tet wurden, identifiziert hat. Laut der Organisation rekrutiert der Iran regelm\u00e4\u00dfig minderj\u00e4hrige K\u00e4mpfer, um sie nach Syrien zu schicken. Unter afghanischen Gefl\u00fcchteten ist diese Praxis schon l\u00e4nger bekannt.<\/p>\n\n\n\n

Rassismus gegen Afghanen im Iran<\/h2>\n\n\n\n

Fast drei Millionen Gefl\u00fcchtete aus Afghanistan sind inzwischen im Iran. Die meisten von ihnen leben in der Illegalit\u00e4t und werden als Schwarzarbeiter, etwa am Bau, ausgebeutet. Rassismus und Ausgrenzung geh\u00f6ren zu ihrem gesellschaftlichen Alltag. Kinder sind davon nicht ausgeschlossen. Im Gegenteil: Vielen afghanischen Kinderm ist es nicht erlaubt, staatliche Schulen zu besuchen. Abu Fazel wurde Zeit seines Lebens von dieser Diskrimierung beeinflusst und verfolgt.<\/p>\n\n\n\n

\u201e'Afghane\u2018 \u2013 das ist dort ein Schimpfwort. Ich h\u00f6rte es von klein auf immer wieder. Der Rassismus gegen Afghanen ist dort v\u00f6llig normal. Meine Herkunft, auf der ich eigentlich stolz war, ist im Iran stets eine Last gewesen. Wir sind dort B\u00fcrger zweiter Klasse.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung der afghanischen Gefl\u00fcchteten ist f\u00fcr Abu Fazel die Spitze jenes Rassismus, den er erlebt hat.<\/p>\n\n\n\n

Iran: Syrien vor sunnitischen Extremisten verteidigen<\/h2>\n\n\n\n

In Syrien k\u00e4mpfen neben den afghanischen Milizen auch andere paramilit\u00e4rische Gruppierungen im Auftrag des Irans: etwa die ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigten Revolutionsgarden, die einst Ayatollah Ruhollah Khomeini pers\u00f6nlich ins Leben rief oder die Basidsch-Milizen. Beiden Gruppierungen sind nicht nur in Syrien aktiv, sondern auch im Irak.<\/p>\n\n\n\n

Obowhl sich das syrische Regime von Baschar al-Assad als s\u00e4kular ausweist, wird es vom Iran, der sich als Repr\u00e4sentant aller muslimischen Schiiten betrachtet, unterst\u00fctzt. Gemeinsames Ziel in Syrien ist es: Schiiten vor sunnitische Extremisten zu verteidigen. Dennoch ist das Regime darauf bedacht, m\u00f6glichst wenig eigene K\u00e4mpfer nach Syrien zu schicken. \u00c4hnlich wie einst w\u00e4hrend des Krieges gegen Saddam Husseins Irak, setzt der Iran auf ausl\u00e4ndische K\u00e4mpfer.<\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung war wie eine Gehirnw\u00e4sche<\/h2>\n\n\n\n

Abu Fazels Familie geh\u00f6rt zur afghanischen Minderheit der schiitischen Hazara \u2013 wie viele Afghanen, die in den Iran gekommen sind. Mittlerweile k\u00e4mpfen Tausende von ihnen in Syrien. Der Iran bezahlt die Afghanen mit einem Sold von wenigen hundert Dollar pro Monat und verspricht ihren Familien eine Aufenthaltsgenehmigung oder eine Arbeitserlaubnis.<\/p>\n\n\n\n

An der Rekrutierung der Afghanen sind sowohl die Revolutionsgarden als auch die erw\u00e4hnten Basidsch-Milizen beteiligt. Abu Fazel beschreibt, wie das Viertel, in dem er gemeinsam mit seiner Familie in Teheran lebte, regelm\u00e4\u00dfig von den K\u00e4mpfern aufgesucht wurde. Viele afghanische Gefl\u00fcchtete lebten dort \u2013 und fielen auf die Gehirnw\u00e4sche der Rattenf\u00e4nger herein.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie trafen junge M\u00e4nner und Jugendliche in den Moscheen und \u00fcberredeten sie, gegen den IS oder Al Qaida zu k\u00e4mpfen. Die Gehirnw\u00e4sche war perfekt. Am Ende merkten viele, darunter auch ich, nicht einmal, dass wir in ihre Propaganda getappt waren. Ihre \u00dcberredungskunst war wirklich sehr speziell. Am Ende hat man Lust, nach Syrien zu gehen, um zu k\u00e4mpfen\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Erfolg hatten die Rekrutierer des Regimes auch bei Abu Fazels Cousin, der zum damaligen Zeitpunkt ebenfalls minderj\u00e4hrig gewesen ist. Er ging nach Syrien und k\u00e4mpfte unter der Flagge der \u201eLiwa Fatemiyoun\u201c, wie die afghanische Division auf Seiten Assads hei\u00dft. Offiziell ist die Aufgabe der Miliz die Verteidigung des Schreines von Zaynab im S\u00fcden von Damaskus. Zaynab war die Enkelin des islamischen Propheten Mohammad. Laut iranischen Staatsmedien k\u00e4mpfen mindestens 20.000 Afghanen in der Division.<\/p>\n\n\n\n

Im August 2014 entschloss sich auch Abu Fazel, nach Syrien zu gehen und zu k\u00e4mpfen. Im selben Monat wurde sein Cousin in der N\u00e4he von Aleppo im Kampf gegen syrische Rebellen get\u00f6tet.<\/p>\n\n\n\n

\u201eMein Cousin wurde dort get\u00f6tet. Auch andere Jungs aus unserer Gegend gingen nach Syrien und fielen dort. Lokale Zeitungen nannten sie \u201aM\u00e4rtyrer\u2018.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Lieber Flucht statt K\u00e4mpfer in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein solcher \u201eM\u00e4rtyrer\u201c wollte Abu Fazel allerdings nicht werden. Er floh eine Woche vor dem Beginn seiner dreimonatigen Kampfausbildung. Es war ihm lieber, ein Leben auf der Flucht zu verbringen, als in Syrien unschuldige Menschen f\u00fcr einen Diktator zu t\u00f6ten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch kam zu dem Schluss, dass ich nicht als M\u00f6rder weiterleben k\u00f6nnte. Stets dachte ich mir, dass selbst die schlimmsten Al-Qaida- oder IS-Terroristen Kinder haben k\u00f6nnten, die ihren Vater lieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Fazel verlor seinen eigenen Vater bereits sehr fr\u00fch. Er wurde Opfer des B\u00fcrgerkriegs in Afghanistan, der von 1989 bis 2001 tausende Menschen das Leben kostete. Auch der Iran mischte in der Zeit schon mit. Es ist allgemein bekannt, dass die schiitischen Hazara-Milizen, die den B\u00fcrgerkrieg ebenfalls mitanfachten, von der Regierung in Teheran unterst\u00fctzt wurden.<\/p>\n\n\n\n

Als Abu Fazel sich nun entschloss, aus der Gewaltspirale auszusteigen und nicht in Syrien zu k\u00e4mpfen, wuchs die Angst bei seiner Familie. Denn f\u00fcr die iranischen Beh\u00f6rden gilt: Hat man sich einmal gemeldet, gibt es kein zur\u00fcck. Man muss an die Front nach Syrien \u2013 oder wird zur\u00fcck nach Afghanistan abgeschoben, wo ebenfalls Krieg herrscht.<\/p>\n\n\n\n

Der einzige Ausweg f\u00fcr den jungen Afghanen war die Flucht. \u00dcber die T\u00fcrkei, Griechenland und die Balkranroute erreichte er mit gro\u00dfer M\u00fche Deutschland, wo er einen Asylantrag stellte.<\/p>\n\n\n\n

Erster Asylantrag in Deutschland abgelehnt<\/h2>\n\n\n\n

Als Grund nannte er seine Rekrutierung als Kindersoldat seitens des iranischen Regimes. Doch w\u00e4hrend diese Begr\u00fcndung in Abu Fazels Augen v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich war, sahen deutsche Beh\u00f6rden das anders. Sein erster Antrag wurde abgelehnt. Derzeit versucht er es ein zweites Mal. Die Bundesrepublik schiebt afghanische Gefl\u00fcchtete weiterhin ab.<\/p>\n\n\n\n

\"EinAbschiebung von Afghanen im Dezember 2016 mit einem Charterflug von Frankfurt nach Kabul. (dpa \/picture alliance \/ Boris Roessler)<\/p>\n\n\n\n

Die Verantwortlichen weisen in diesem Kontext immer wieder auf vermeintlich \u201esichere Gebiete\u201c im Land, die nicht n\u00e4her benannt werden.<\/p>\n\n\n\n

W\u00e4hrenddessen machen Menschenrechtsorganisationen regelm\u00e4\u00dfig darauf aufmerksam, dass keine Region am Hindukusch sicher ist. Stattdessen wird in manchen Gebieten nur weniger Krieg gef\u00fchrt als in anderen.<\/p>\n\n\n\n

\"SieDemonstranten protestieren in Frankfurt am Main gegen die Abschiebung von Afghanen. Auf einem der Transparente steht \u201eAfghanistan is not safe\u201c. (AFP \/ Daniel Roland)<\/p>\n\n\n\n

Alis Vater und Onkel k\u00e4mpfen in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein \u00e4hnliches Schicksal wie Abu Fazel erlitt der 18-j\u00e4hrige Ali (Namen ge\u00e4ndert). Auch er floh aus dem Iran nach Deutschland, um der Rekrutierung f\u00fcr Assads Milizen zu entgehen. Viele seiner afghanischen Freunde sind bereits nach Syrien gezogen \u2013 und kamen niemals zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Alis Familie, ebenfalls Angeh\u00f6rige der Hazara-Minderheit, stammt urspr\u00fcnglich aus der Provinz Ghor im Nordosten Afghanistans. Ihre Heimat verlie\u00dfen sie w\u00e4hrend der sowjetischen Besatzung in den 1980er-Jahren.<\/p>\n\n\n\n

Seit jeher lebt die Familie in der iranischen Gro\u00dfstadt Maschhad. Als der Krieg in Syrien ausbrach, erreichte sie ein Konflikt, mit dem sie nicht gerechnet hatten. Im Juli 2015 reiste Alis Vater nach Teheran. Er wollte einen Weg finden, um f\u00fcr seine Familie Aufenthaltspapiere zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Beh\u00f6rden sagten ihm, dass die Rekrutierung f\u00fcr den Krieg in Syrien eine M\u00f6glichkeit darstellen k\u00f6nnte, um Papiere f\u00fcr uns alle zu erhalten. Andernfalls w\u00fcrde man uns sehr bald nach Afghanistan abschieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Mittlerweile k\u00e4mpfen Alis Vater und sein Onkel seit \u00fcber einem Jahr in Syrien. Am Aufenthaltsstatus seiner Familienmitglieder hat sich bis heute allerdings nichts ge\u00e4ndert. F\u00fcr Ali ist klar, dass dies nur eine Falle gewesen ist, um noch mehr Afghanen als Kanonenfutter zu missbrauchen.<\/p>\n\n\n\n

Anfangs gab es Papiere f\u00fcr K\u00e4mpfer-Familien<\/h2>\n\n\n\n

Den Kontakt zu seinem Vater hat der Afghane mittlerweile verloren. W\u00e4hrenddessen schickt ihm sein Onkel, der in Aleppo stationiert ist, hin und wieder Bilder \u00fcber den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ali denkt, dass nur sehr wenige Afghanen der Propaganda der iranischen Regierung glauben und in Syrien f\u00fcr eine \u201egute Sache\u201c k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

Source<\/a><\/p>\n","post_title":"Warum Afghanen in Syrien f\u00fcr Assad k\u00e4mpfen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"warum-afghanen-in-syrien-fur-assad-kampfen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3709","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":9},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Frauen, die sich dem IS angeschlossen, aber selbst nicht gek\u00e4mpft haben, sollen laut Generalbundesanwalt Peter Frank als Mitl\u00e4uferinnen h\u00e4rter bestraft werden k\u00f6nnen. Frank meint: \u201eWir sind der Meinung, dass sich  auch bei diesen Frauen die Mitgliedschaft in einer ausl\u00e4ndischen terroristischen Organisation bejahen l\u00e4sst, weil diese Frauen die innere Struktur des sogenannten Islamischen Staates und damit diese Terrororganisation von innen heraus st\u00e4rken.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Aber sind diese Frauen nicht eher Opfer? Weil sie Angst um ihre Kinder hatten, den Umgang mit der Waffe zur Selbstverteidigung gelernt haben? Jenni Zylka meint dazu:  \u00dcber eine Mitschuld solcher Frauen nachzudenken, sei nachvollziehbar und auch legitim. Jedoch m\u00fcsse sehr genau hingeschaut und jede dieser Frauen einzeln betrachtet werden. Man m\u00fcsse unterscheiden, ob Frauen mit IS-Terroristen zusammengelebt und f\u00fcr diese gesorgt h\u00e4tten oder ob sie selbst militant geworden seien. Viele von ihnen seien zudem traumatisiert durch die Erlebnisse in den IS-Lagern.<\/p>\n\n\n\n

\"DieDie Journalistin Jenni Zylka (Deutschlandradio \/ Andreas Buron)<\/p>\n\n\n\n

Nicht wie Schwerverbrecherinnen behandeln<\/h2>\n\n\n\n

Christoph Safferling, Professor f\u00fcr Strafrecht an der Universit\u00e4t Erlangen-N\u00fcrnberg, sagt, er halte die Argumentation des Generalbundesanwalts f\u00fcr problematisch. Es handle sich zun\u00e4chst einmal um allt\u00e4gliche Handlungen wie Kochen und Sorge um die Kinder. \u201eUnd die Frage ist: Wann sind solche neutralen Handlungen tats\u00e4chlich straftatunterst\u00fctzend.\u201c Ein Vorsatz, die terroristischen Strukturen zu unterst\u00fctzen, m\u00fcsse klar nachgewiesen werden.<\/p>\n\n\n\n

Vielmehr stelle sich die Frage, ob die Frauen nicht eher als Opfer betrachtet werden m\u00fcssten. Viele h\u00e4tten sich wie unter Zwang auf die Situation eingelassen \u2013 diese k\u00f6nne man strukturell durchaus mit den Bedingungen von Zwangsprostitution vergleichen. Viele der jungen Frauen seien auch unter Drogen gesetzt worden.<\/p>\n\n\n\n

Zugest\u00e4ndnis an Irak?<\/h2>\n\n\n\n

Eine m\u00f6gliche Erkl\u00e4rung der harten Linie der Generalbundesanwaltschaft \u00fcber die man nur spekulieren k\u00f6nne: \u201eIch kann mir auch vorstellen, dass, wenn es jetzt darum geht, Irak davon zu \u00fcberzeugen, die deutschen Staatsangeh\u00f6rigen, die dort einsitzen, auszuliefern, man ihnen gegen\u00fcber auch zu verstehen geben muss, dass die hier einer Strafverfolgung zugef\u00fchrt werden. Ansonsten w\u00fcrde der Irak sich vielleicht weigern, sie auszuliefern.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Safferling h\u00e4lt eine intensive Betreuung der zur\u00fcckgekehrten Frauen und M\u00e4dchen f\u00fcr unerl\u00e4sslich \u2013 man d\u00fcrfe sie keinesfalls alleine lassen und nicht wie Schwerverbrecherinnen behandeln. Es m\u00fcsse vielmehr verhindert werden, dass die jungen Frauen etwa in die Salafisten-Szene abtauchten.<\/p>\n","post_title":"Sie sind eher Opfer als Schwerverbrecherinnen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"sie-sind-eher-opfer-als-schwerverbrecherinnen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3719","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3709,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:30:50","post_date_gmt":"2020-08-13 21:30:50","post_content":"\n

Drei Millionen Afghanen sind ins Nachbarland Iran geflohen. Viele arbeiten schwarz. Die Aussicht auf einen festen Lohn plus Papiere f\u00fcr die Familie ist verlockend. Die Gegenleistung daf\u00fcr: K\u00e4mpfen in Syrien.<\/p>\n\n\n\n

Wenn Abu Fazel von den Gr\u00e4ueltaten des syrischen B\u00fcrgerkriegs h\u00f6rt, denkt er immer daran, dass er auch beinahe als K\u00e4mpfer auf diesem Schlachtfeld gelandet w\u00e4re. Doch Abu Fazel ist weder Syrer noch wollte er zum sogenannten \u201eIslamischen Staat\u201c. Der 18-J\u00e4hrige ist ein afghanischer Gefl\u00fcchteter, der zur Zeit in Leverkusen lebt.<\/p>\n\n\n\n

Den Gro\u00dfteil seines Lebens verbrachte er im Iran. Seine Familie ist dorthin gefl\u00fcchtet, als er ein Kind war. Doch als die iranische Regierung ihn nach Syrien schicken wollte, um auf der Seite von Machthaber Baschar al-Assad zu k\u00e4mpfen, entschloss er sich zu fliehen.<\/p>\n\n\n\n

\"Fl\u00fcchtlingeGefl\u00fcchtete aus dem Iran und Afghanistan an der Grenze zwischen Mazedonien und Griechenland. (picture alliance \/ dpa \/ Georgi Licovski)<\/p>\n\n\n\n

Tausende afghanische Jugendliche \u2013 die genaue Zahl ist nicht bekannt \u2013 wurden im Iran rekrutiert, um im Krieg in Syrien zu k\u00e4mpfen. Erst vor Kurzem berichtete die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, dass sie die Gr\u00e4ber von acht afghanischen Kindern, die in Syrien get\u00f6tet wurden, identifiziert hat. Laut der Organisation rekrutiert der Iran regelm\u00e4\u00dfig minderj\u00e4hrige K\u00e4mpfer, um sie nach Syrien zu schicken. Unter afghanischen Gefl\u00fcchteten ist diese Praxis schon l\u00e4nger bekannt.<\/p>\n\n\n\n

Rassismus gegen Afghanen im Iran<\/h2>\n\n\n\n

Fast drei Millionen Gefl\u00fcchtete aus Afghanistan sind inzwischen im Iran. Die meisten von ihnen leben in der Illegalit\u00e4t und werden als Schwarzarbeiter, etwa am Bau, ausgebeutet. Rassismus und Ausgrenzung geh\u00f6ren zu ihrem gesellschaftlichen Alltag. Kinder sind davon nicht ausgeschlossen. Im Gegenteil: Vielen afghanischen Kinderm ist es nicht erlaubt, staatliche Schulen zu besuchen. Abu Fazel wurde Zeit seines Lebens von dieser Diskrimierung beeinflusst und verfolgt.<\/p>\n\n\n\n

\u201e'Afghane\u2018 \u2013 das ist dort ein Schimpfwort. Ich h\u00f6rte es von klein auf immer wieder. Der Rassismus gegen Afghanen ist dort v\u00f6llig normal. Meine Herkunft, auf der ich eigentlich stolz war, ist im Iran stets eine Last gewesen. Wir sind dort B\u00fcrger zweiter Klasse.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung der afghanischen Gefl\u00fcchteten ist f\u00fcr Abu Fazel die Spitze jenes Rassismus, den er erlebt hat.<\/p>\n\n\n\n

Iran: Syrien vor sunnitischen Extremisten verteidigen<\/h2>\n\n\n\n

In Syrien k\u00e4mpfen neben den afghanischen Milizen auch andere paramilit\u00e4rische Gruppierungen im Auftrag des Irans: etwa die ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigten Revolutionsgarden, die einst Ayatollah Ruhollah Khomeini pers\u00f6nlich ins Leben rief oder die Basidsch-Milizen. Beiden Gruppierungen sind nicht nur in Syrien aktiv, sondern auch im Irak.<\/p>\n\n\n\n

Obowhl sich das syrische Regime von Baschar al-Assad als s\u00e4kular ausweist, wird es vom Iran, der sich als Repr\u00e4sentant aller muslimischen Schiiten betrachtet, unterst\u00fctzt. Gemeinsames Ziel in Syrien ist es: Schiiten vor sunnitische Extremisten zu verteidigen. Dennoch ist das Regime darauf bedacht, m\u00f6glichst wenig eigene K\u00e4mpfer nach Syrien zu schicken. \u00c4hnlich wie einst w\u00e4hrend des Krieges gegen Saddam Husseins Irak, setzt der Iran auf ausl\u00e4ndische K\u00e4mpfer.<\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung war wie eine Gehirnw\u00e4sche<\/h2>\n\n\n\n

Abu Fazels Familie geh\u00f6rt zur afghanischen Minderheit der schiitischen Hazara \u2013 wie viele Afghanen, die in den Iran gekommen sind. Mittlerweile k\u00e4mpfen Tausende von ihnen in Syrien. Der Iran bezahlt die Afghanen mit einem Sold von wenigen hundert Dollar pro Monat und verspricht ihren Familien eine Aufenthaltsgenehmigung oder eine Arbeitserlaubnis.<\/p>\n\n\n\n

An der Rekrutierung der Afghanen sind sowohl die Revolutionsgarden als auch die erw\u00e4hnten Basidsch-Milizen beteiligt. Abu Fazel beschreibt, wie das Viertel, in dem er gemeinsam mit seiner Familie in Teheran lebte, regelm\u00e4\u00dfig von den K\u00e4mpfern aufgesucht wurde. Viele afghanische Gefl\u00fcchtete lebten dort \u2013 und fielen auf die Gehirnw\u00e4sche der Rattenf\u00e4nger herein.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie trafen junge M\u00e4nner und Jugendliche in den Moscheen und \u00fcberredeten sie, gegen den IS oder Al Qaida zu k\u00e4mpfen. Die Gehirnw\u00e4sche war perfekt. Am Ende merkten viele, darunter auch ich, nicht einmal, dass wir in ihre Propaganda getappt waren. Ihre \u00dcberredungskunst war wirklich sehr speziell. Am Ende hat man Lust, nach Syrien zu gehen, um zu k\u00e4mpfen\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Erfolg hatten die Rekrutierer des Regimes auch bei Abu Fazels Cousin, der zum damaligen Zeitpunkt ebenfalls minderj\u00e4hrig gewesen ist. Er ging nach Syrien und k\u00e4mpfte unter der Flagge der \u201eLiwa Fatemiyoun\u201c, wie die afghanische Division auf Seiten Assads hei\u00dft. Offiziell ist die Aufgabe der Miliz die Verteidigung des Schreines von Zaynab im S\u00fcden von Damaskus. Zaynab war die Enkelin des islamischen Propheten Mohammad. Laut iranischen Staatsmedien k\u00e4mpfen mindestens 20.000 Afghanen in der Division.<\/p>\n\n\n\n

Im August 2014 entschloss sich auch Abu Fazel, nach Syrien zu gehen und zu k\u00e4mpfen. Im selben Monat wurde sein Cousin in der N\u00e4he von Aleppo im Kampf gegen syrische Rebellen get\u00f6tet.<\/p>\n\n\n\n

\u201eMein Cousin wurde dort get\u00f6tet. Auch andere Jungs aus unserer Gegend gingen nach Syrien und fielen dort. Lokale Zeitungen nannten sie \u201aM\u00e4rtyrer\u2018.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Lieber Flucht statt K\u00e4mpfer in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein solcher \u201eM\u00e4rtyrer\u201c wollte Abu Fazel allerdings nicht werden. Er floh eine Woche vor dem Beginn seiner dreimonatigen Kampfausbildung. Es war ihm lieber, ein Leben auf der Flucht zu verbringen, als in Syrien unschuldige Menschen f\u00fcr einen Diktator zu t\u00f6ten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch kam zu dem Schluss, dass ich nicht als M\u00f6rder weiterleben k\u00f6nnte. Stets dachte ich mir, dass selbst die schlimmsten Al-Qaida- oder IS-Terroristen Kinder haben k\u00f6nnten, die ihren Vater lieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Fazel verlor seinen eigenen Vater bereits sehr fr\u00fch. Er wurde Opfer des B\u00fcrgerkriegs in Afghanistan, der von 1989 bis 2001 tausende Menschen das Leben kostete. Auch der Iran mischte in der Zeit schon mit. Es ist allgemein bekannt, dass die schiitischen Hazara-Milizen, die den B\u00fcrgerkrieg ebenfalls mitanfachten, von der Regierung in Teheran unterst\u00fctzt wurden.<\/p>\n\n\n\n

Als Abu Fazel sich nun entschloss, aus der Gewaltspirale auszusteigen und nicht in Syrien zu k\u00e4mpfen, wuchs die Angst bei seiner Familie. Denn f\u00fcr die iranischen Beh\u00f6rden gilt: Hat man sich einmal gemeldet, gibt es kein zur\u00fcck. Man muss an die Front nach Syrien \u2013 oder wird zur\u00fcck nach Afghanistan abgeschoben, wo ebenfalls Krieg herrscht.<\/p>\n\n\n\n

Der einzige Ausweg f\u00fcr den jungen Afghanen war die Flucht. \u00dcber die T\u00fcrkei, Griechenland und die Balkranroute erreichte er mit gro\u00dfer M\u00fche Deutschland, wo er einen Asylantrag stellte.<\/p>\n\n\n\n

Erster Asylantrag in Deutschland abgelehnt<\/h2>\n\n\n\n

Als Grund nannte er seine Rekrutierung als Kindersoldat seitens des iranischen Regimes. Doch w\u00e4hrend diese Begr\u00fcndung in Abu Fazels Augen v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich war, sahen deutsche Beh\u00f6rden das anders. Sein erster Antrag wurde abgelehnt. Derzeit versucht er es ein zweites Mal. Die Bundesrepublik schiebt afghanische Gefl\u00fcchtete weiterhin ab.<\/p>\n\n\n\n

\"EinAbschiebung von Afghanen im Dezember 2016 mit einem Charterflug von Frankfurt nach Kabul. (dpa \/picture alliance \/ Boris Roessler)<\/p>\n\n\n\n

Die Verantwortlichen weisen in diesem Kontext immer wieder auf vermeintlich \u201esichere Gebiete\u201c im Land, die nicht n\u00e4her benannt werden.<\/p>\n\n\n\n

W\u00e4hrenddessen machen Menschenrechtsorganisationen regelm\u00e4\u00dfig darauf aufmerksam, dass keine Region am Hindukusch sicher ist. Stattdessen wird in manchen Gebieten nur weniger Krieg gef\u00fchrt als in anderen.<\/p>\n\n\n\n

\"SieDemonstranten protestieren in Frankfurt am Main gegen die Abschiebung von Afghanen. Auf einem der Transparente steht \u201eAfghanistan is not safe\u201c. (AFP \/ Daniel Roland)<\/p>\n\n\n\n

Alis Vater und Onkel k\u00e4mpfen in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein \u00e4hnliches Schicksal wie Abu Fazel erlitt der 18-j\u00e4hrige Ali (Namen ge\u00e4ndert). Auch er floh aus dem Iran nach Deutschland, um der Rekrutierung f\u00fcr Assads Milizen zu entgehen. Viele seiner afghanischen Freunde sind bereits nach Syrien gezogen \u2013 und kamen niemals zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Alis Familie, ebenfalls Angeh\u00f6rige der Hazara-Minderheit, stammt urspr\u00fcnglich aus der Provinz Ghor im Nordosten Afghanistans. Ihre Heimat verlie\u00dfen sie w\u00e4hrend der sowjetischen Besatzung in den 1980er-Jahren.<\/p>\n\n\n\n

Seit jeher lebt die Familie in der iranischen Gro\u00dfstadt Maschhad. Als der Krieg in Syrien ausbrach, erreichte sie ein Konflikt, mit dem sie nicht gerechnet hatten. Im Juli 2015 reiste Alis Vater nach Teheran. Er wollte einen Weg finden, um f\u00fcr seine Familie Aufenthaltspapiere zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Beh\u00f6rden sagten ihm, dass die Rekrutierung f\u00fcr den Krieg in Syrien eine M\u00f6glichkeit darstellen k\u00f6nnte, um Papiere f\u00fcr uns alle zu erhalten. Andernfalls w\u00fcrde man uns sehr bald nach Afghanistan abschieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Mittlerweile k\u00e4mpfen Alis Vater und sein Onkel seit \u00fcber einem Jahr in Syrien. Am Aufenthaltsstatus seiner Familienmitglieder hat sich bis heute allerdings nichts ge\u00e4ndert. F\u00fcr Ali ist klar, dass dies nur eine Falle gewesen ist, um noch mehr Afghanen als Kanonenfutter zu missbrauchen.<\/p>\n\n\n\n

Anfangs gab es Papiere f\u00fcr K\u00e4mpfer-Familien<\/h2>\n\n\n\n

Den Kontakt zu seinem Vater hat der Afghane mittlerweile verloren. W\u00e4hrenddessen schickt ihm sein Onkel, der in Aleppo stationiert ist, hin und wieder Bilder \u00fcber den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ali denkt, dass nur sehr wenige Afghanen der Propaganda der iranischen Regierung glauben und in Syrien f\u00fcr eine \u201egute Sache\u201c k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

Source<\/a><\/p>\n","post_title":"Warum Afghanen in Syrien f\u00fcr Assad k\u00e4mpfen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"warum-afghanen-in-syrien-fur-assad-kampfen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3709","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":9},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Jenni Zylka und Christoph Safferling im Gespr\u00e4ch mit Anke Schaefer<\/a>- Sie kommen aus Syrien und dem Irak nach Deutschland zur\u00fcck: Frauen, die sich dem sogenannten Islamischen Staat (IS) angeschlossen haben, mit Terroristen zusammenlebten. Soll man sie k\u00fcnftig h\u00e4rter bestrafen? Die Journalistin Jenni Zylka und der Jurist Christoph Safferling sehen das kritisch.<\/p>\n\n\n\n

Frauen, die sich dem IS angeschlossen, aber selbst nicht gek\u00e4mpft haben, sollen laut Generalbundesanwalt Peter Frank als Mitl\u00e4uferinnen h\u00e4rter bestraft werden k\u00f6nnen. Frank meint: \u201eWir sind der Meinung, dass sich  auch bei diesen Frauen die Mitgliedschaft in einer ausl\u00e4ndischen terroristischen Organisation bejahen l\u00e4sst, weil diese Frauen die innere Struktur des sogenannten Islamischen Staates und damit diese Terrororganisation von innen heraus st\u00e4rken.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Aber sind diese Frauen nicht eher Opfer? Weil sie Angst um ihre Kinder hatten, den Umgang mit der Waffe zur Selbstverteidigung gelernt haben? Jenni Zylka meint dazu:  \u00dcber eine Mitschuld solcher Frauen nachzudenken, sei nachvollziehbar und auch legitim. Jedoch m\u00fcsse sehr genau hingeschaut und jede dieser Frauen einzeln betrachtet werden. Man m\u00fcsse unterscheiden, ob Frauen mit IS-Terroristen zusammengelebt und f\u00fcr diese gesorgt h\u00e4tten oder ob sie selbst militant geworden seien. Viele von ihnen seien zudem traumatisiert durch die Erlebnisse in den IS-Lagern.<\/p>\n\n\n\n

\"DieDie Journalistin Jenni Zylka (Deutschlandradio \/ Andreas Buron)<\/p>\n\n\n\n

Nicht wie Schwerverbrecherinnen behandeln<\/h2>\n\n\n\n

Christoph Safferling, Professor f\u00fcr Strafrecht an der Universit\u00e4t Erlangen-N\u00fcrnberg, sagt, er halte die Argumentation des Generalbundesanwalts f\u00fcr problematisch. Es handle sich zun\u00e4chst einmal um allt\u00e4gliche Handlungen wie Kochen und Sorge um die Kinder. \u201eUnd die Frage ist: Wann sind solche neutralen Handlungen tats\u00e4chlich straftatunterst\u00fctzend.\u201c Ein Vorsatz, die terroristischen Strukturen zu unterst\u00fctzen, m\u00fcsse klar nachgewiesen werden.<\/p>\n\n\n\n

Vielmehr stelle sich die Frage, ob die Frauen nicht eher als Opfer betrachtet werden m\u00fcssten. Viele h\u00e4tten sich wie unter Zwang auf die Situation eingelassen \u2013 diese k\u00f6nne man strukturell durchaus mit den Bedingungen von Zwangsprostitution vergleichen. Viele der jungen Frauen seien auch unter Drogen gesetzt worden.<\/p>\n\n\n\n

Zugest\u00e4ndnis an Irak?<\/h2>\n\n\n\n

Eine m\u00f6gliche Erkl\u00e4rung der harten Linie der Generalbundesanwaltschaft \u00fcber die man nur spekulieren k\u00f6nne: \u201eIch kann mir auch vorstellen, dass, wenn es jetzt darum geht, Irak davon zu \u00fcberzeugen, die deutschen Staatsangeh\u00f6rigen, die dort einsitzen, auszuliefern, man ihnen gegen\u00fcber auch zu verstehen geben muss, dass die hier einer Strafverfolgung zugef\u00fchrt werden. Ansonsten w\u00fcrde der Irak sich vielleicht weigern, sie auszuliefern.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Safferling h\u00e4lt eine intensive Betreuung der zur\u00fcckgekehrten Frauen und M\u00e4dchen f\u00fcr unerl\u00e4sslich \u2013 man d\u00fcrfe sie keinesfalls alleine lassen und nicht wie Schwerverbrecherinnen behandeln. Es m\u00fcsse vielmehr verhindert werden, dass die jungen Frauen etwa in die Salafisten-Szene abtauchten.<\/p>\n","post_title":"Sie sind eher Opfer als Schwerverbrecherinnen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"sie-sind-eher-opfer-als-schwerverbrecherinnen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3719","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3709,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:30:50","post_date_gmt":"2020-08-13 21:30:50","post_content":"\n

Drei Millionen Afghanen sind ins Nachbarland Iran geflohen. Viele arbeiten schwarz. Die Aussicht auf einen festen Lohn plus Papiere f\u00fcr die Familie ist verlockend. Die Gegenleistung daf\u00fcr: K\u00e4mpfen in Syrien.<\/p>\n\n\n\n

Wenn Abu Fazel von den Gr\u00e4ueltaten des syrischen B\u00fcrgerkriegs h\u00f6rt, denkt er immer daran, dass er auch beinahe als K\u00e4mpfer auf diesem Schlachtfeld gelandet w\u00e4re. Doch Abu Fazel ist weder Syrer noch wollte er zum sogenannten \u201eIslamischen Staat\u201c. Der 18-J\u00e4hrige ist ein afghanischer Gefl\u00fcchteter, der zur Zeit in Leverkusen lebt.<\/p>\n\n\n\n

Den Gro\u00dfteil seines Lebens verbrachte er im Iran. Seine Familie ist dorthin gefl\u00fcchtet, als er ein Kind war. Doch als die iranische Regierung ihn nach Syrien schicken wollte, um auf der Seite von Machthaber Baschar al-Assad zu k\u00e4mpfen, entschloss er sich zu fliehen.<\/p>\n\n\n\n

\"Fl\u00fcchtlingeGefl\u00fcchtete aus dem Iran und Afghanistan an der Grenze zwischen Mazedonien und Griechenland. (picture alliance \/ dpa \/ Georgi Licovski)<\/p>\n\n\n\n

Tausende afghanische Jugendliche \u2013 die genaue Zahl ist nicht bekannt \u2013 wurden im Iran rekrutiert, um im Krieg in Syrien zu k\u00e4mpfen. Erst vor Kurzem berichtete die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, dass sie die Gr\u00e4ber von acht afghanischen Kindern, die in Syrien get\u00f6tet wurden, identifiziert hat. Laut der Organisation rekrutiert der Iran regelm\u00e4\u00dfig minderj\u00e4hrige K\u00e4mpfer, um sie nach Syrien zu schicken. Unter afghanischen Gefl\u00fcchteten ist diese Praxis schon l\u00e4nger bekannt.<\/p>\n\n\n\n

Rassismus gegen Afghanen im Iran<\/h2>\n\n\n\n

Fast drei Millionen Gefl\u00fcchtete aus Afghanistan sind inzwischen im Iran. Die meisten von ihnen leben in der Illegalit\u00e4t und werden als Schwarzarbeiter, etwa am Bau, ausgebeutet. Rassismus und Ausgrenzung geh\u00f6ren zu ihrem gesellschaftlichen Alltag. Kinder sind davon nicht ausgeschlossen. Im Gegenteil: Vielen afghanischen Kinderm ist es nicht erlaubt, staatliche Schulen zu besuchen. Abu Fazel wurde Zeit seines Lebens von dieser Diskrimierung beeinflusst und verfolgt.<\/p>\n\n\n\n

\u201e'Afghane\u2018 \u2013 das ist dort ein Schimpfwort. Ich h\u00f6rte es von klein auf immer wieder. Der Rassismus gegen Afghanen ist dort v\u00f6llig normal. Meine Herkunft, auf der ich eigentlich stolz war, ist im Iran stets eine Last gewesen. Wir sind dort B\u00fcrger zweiter Klasse.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung der afghanischen Gefl\u00fcchteten ist f\u00fcr Abu Fazel die Spitze jenes Rassismus, den er erlebt hat.<\/p>\n\n\n\n

Iran: Syrien vor sunnitischen Extremisten verteidigen<\/h2>\n\n\n\n

In Syrien k\u00e4mpfen neben den afghanischen Milizen auch andere paramilit\u00e4rische Gruppierungen im Auftrag des Irans: etwa die ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigten Revolutionsgarden, die einst Ayatollah Ruhollah Khomeini pers\u00f6nlich ins Leben rief oder die Basidsch-Milizen. Beiden Gruppierungen sind nicht nur in Syrien aktiv, sondern auch im Irak.<\/p>\n\n\n\n

Obowhl sich das syrische Regime von Baschar al-Assad als s\u00e4kular ausweist, wird es vom Iran, der sich als Repr\u00e4sentant aller muslimischen Schiiten betrachtet, unterst\u00fctzt. Gemeinsames Ziel in Syrien ist es: Schiiten vor sunnitische Extremisten zu verteidigen. Dennoch ist das Regime darauf bedacht, m\u00f6glichst wenig eigene K\u00e4mpfer nach Syrien zu schicken. \u00c4hnlich wie einst w\u00e4hrend des Krieges gegen Saddam Husseins Irak, setzt der Iran auf ausl\u00e4ndische K\u00e4mpfer.<\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung war wie eine Gehirnw\u00e4sche<\/h2>\n\n\n\n

Abu Fazels Familie geh\u00f6rt zur afghanischen Minderheit der schiitischen Hazara \u2013 wie viele Afghanen, die in den Iran gekommen sind. Mittlerweile k\u00e4mpfen Tausende von ihnen in Syrien. Der Iran bezahlt die Afghanen mit einem Sold von wenigen hundert Dollar pro Monat und verspricht ihren Familien eine Aufenthaltsgenehmigung oder eine Arbeitserlaubnis.<\/p>\n\n\n\n

An der Rekrutierung der Afghanen sind sowohl die Revolutionsgarden als auch die erw\u00e4hnten Basidsch-Milizen beteiligt. Abu Fazel beschreibt, wie das Viertel, in dem er gemeinsam mit seiner Familie in Teheran lebte, regelm\u00e4\u00dfig von den K\u00e4mpfern aufgesucht wurde. Viele afghanische Gefl\u00fcchtete lebten dort \u2013 und fielen auf die Gehirnw\u00e4sche der Rattenf\u00e4nger herein.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie trafen junge M\u00e4nner und Jugendliche in den Moscheen und \u00fcberredeten sie, gegen den IS oder Al Qaida zu k\u00e4mpfen. Die Gehirnw\u00e4sche war perfekt. Am Ende merkten viele, darunter auch ich, nicht einmal, dass wir in ihre Propaganda getappt waren. Ihre \u00dcberredungskunst war wirklich sehr speziell. Am Ende hat man Lust, nach Syrien zu gehen, um zu k\u00e4mpfen\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Erfolg hatten die Rekrutierer des Regimes auch bei Abu Fazels Cousin, der zum damaligen Zeitpunkt ebenfalls minderj\u00e4hrig gewesen ist. Er ging nach Syrien und k\u00e4mpfte unter der Flagge der \u201eLiwa Fatemiyoun\u201c, wie die afghanische Division auf Seiten Assads hei\u00dft. Offiziell ist die Aufgabe der Miliz die Verteidigung des Schreines von Zaynab im S\u00fcden von Damaskus. Zaynab war die Enkelin des islamischen Propheten Mohammad. Laut iranischen Staatsmedien k\u00e4mpfen mindestens 20.000 Afghanen in der Division.<\/p>\n\n\n\n

Im August 2014 entschloss sich auch Abu Fazel, nach Syrien zu gehen und zu k\u00e4mpfen. Im selben Monat wurde sein Cousin in der N\u00e4he von Aleppo im Kampf gegen syrische Rebellen get\u00f6tet.<\/p>\n\n\n\n

\u201eMein Cousin wurde dort get\u00f6tet. Auch andere Jungs aus unserer Gegend gingen nach Syrien und fielen dort. Lokale Zeitungen nannten sie \u201aM\u00e4rtyrer\u2018.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Lieber Flucht statt K\u00e4mpfer in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein solcher \u201eM\u00e4rtyrer\u201c wollte Abu Fazel allerdings nicht werden. Er floh eine Woche vor dem Beginn seiner dreimonatigen Kampfausbildung. Es war ihm lieber, ein Leben auf der Flucht zu verbringen, als in Syrien unschuldige Menschen f\u00fcr einen Diktator zu t\u00f6ten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch kam zu dem Schluss, dass ich nicht als M\u00f6rder weiterleben k\u00f6nnte. Stets dachte ich mir, dass selbst die schlimmsten Al-Qaida- oder IS-Terroristen Kinder haben k\u00f6nnten, die ihren Vater lieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Fazel verlor seinen eigenen Vater bereits sehr fr\u00fch. Er wurde Opfer des B\u00fcrgerkriegs in Afghanistan, der von 1989 bis 2001 tausende Menschen das Leben kostete. Auch der Iran mischte in der Zeit schon mit. Es ist allgemein bekannt, dass die schiitischen Hazara-Milizen, die den B\u00fcrgerkrieg ebenfalls mitanfachten, von der Regierung in Teheran unterst\u00fctzt wurden.<\/p>\n\n\n\n

Als Abu Fazel sich nun entschloss, aus der Gewaltspirale auszusteigen und nicht in Syrien zu k\u00e4mpfen, wuchs die Angst bei seiner Familie. Denn f\u00fcr die iranischen Beh\u00f6rden gilt: Hat man sich einmal gemeldet, gibt es kein zur\u00fcck. Man muss an die Front nach Syrien \u2013 oder wird zur\u00fcck nach Afghanistan abgeschoben, wo ebenfalls Krieg herrscht.<\/p>\n\n\n\n

Der einzige Ausweg f\u00fcr den jungen Afghanen war die Flucht. \u00dcber die T\u00fcrkei, Griechenland und die Balkranroute erreichte er mit gro\u00dfer M\u00fche Deutschland, wo er einen Asylantrag stellte.<\/p>\n\n\n\n

Erster Asylantrag in Deutschland abgelehnt<\/h2>\n\n\n\n

Als Grund nannte er seine Rekrutierung als Kindersoldat seitens des iranischen Regimes. Doch w\u00e4hrend diese Begr\u00fcndung in Abu Fazels Augen v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich war, sahen deutsche Beh\u00f6rden das anders. Sein erster Antrag wurde abgelehnt. Derzeit versucht er es ein zweites Mal. Die Bundesrepublik schiebt afghanische Gefl\u00fcchtete weiterhin ab.<\/p>\n\n\n\n

\"EinAbschiebung von Afghanen im Dezember 2016 mit einem Charterflug von Frankfurt nach Kabul. (dpa \/picture alliance \/ Boris Roessler)<\/p>\n\n\n\n

Die Verantwortlichen weisen in diesem Kontext immer wieder auf vermeintlich \u201esichere Gebiete\u201c im Land, die nicht n\u00e4her benannt werden.<\/p>\n\n\n\n

W\u00e4hrenddessen machen Menschenrechtsorganisationen regelm\u00e4\u00dfig darauf aufmerksam, dass keine Region am Hindukusch sicher ist. Stattdessen wird in manchen Gebieten nur weniger Krieg gef\u00fchrt als in anderen.<\/p>\n\n\n\n

\"SieDemonstranten protestieren in Frankfurt am Main gegen die Abschiebung von Afghanen. Auf einem der Transparente steht \u201eAfghanistan is not safe\u201c. (AFP \/ Daniel Roland)<\/p>\n\n\n\n

Alis Vater und Onkel k\u00e4mpfen in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein \u00e4hnliches Schicksal wie Abu Fazel erlitt der 18-j\u00e4hrige Ali (Namen ge\u00e4ndert). Auch er floh aus dem Iran nach Deutschland, um der Rekrutierung f\u00fcr Assads Milizen zu entgehen. Viele seiner afghanischen Freunde sind bereits nach Syrien gezogen \u2013 und kamen niemals zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Alis Familie, ebenfalls Angeh\u00f6rige der Hazara-Minderheit, stammt urspr\u00fcnglich aus der Provinz Ghor im Nordosten Afghanistans. Ihre Heimat verlie\u00dfen sie w\u00e4hrend der sowjetischen Besatzung in den 1980er-Jahren.<\/p>\n\n\n\n

Seit jeher lebt die Familie in der iranischen Gro\u00dfstadt Maschhad. Als der Krieg in Syrien ausbrach, erreichte sie ein Konflikt, mit dem sie nicht gerechnet hatten. Im Juli 2015 reiste Alis Vater nach Teheran. Er wollte einen Weg finden, um f\u00fcr seine Familie Aufenthaltspapiere zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Beh\u00f6rden sagten ihm, dass die Rekrutierung f\u00fcr den Krieg in Syrien eine M\u00f6glichkeit darstellen k\u00f6nnte, um Papiere f\u00fcr uns alle zu erhalten. Andernfalls w\u00fcrde man uns sehr bald nach Afghanistan abschieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Mittlerweile k\u00e4mpfen Alis Vater und sein Onkel seit \u00fcber einem Jahr in Syrien. Am Aufenthaltsstatus seiner Familienmitglieder hat sich bis heute allerdings nichts ge\u00e4ndert. F\u00fcr Ali ist klar, dass dies nur eine Falle gewesen ist, um noch mehr Afghanen als Kanonenfutter zu missbrauchen.<\/p>\n\n\n\n

Anfangs gab es Papiere f\u00fcr K\u00e4mpfer-Familien<\/h2>\n\n\n\n

Den Kontakt zu seinem Vater hat der Afghane mittlerweile verloren. W\u00e4hrenddessen schickt ihm sein Onkel, der in Aleppo stationiert ist, hin und wieder Bilder \u00fcber den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ali denkt, dass nur sehr wenige Afghanen der Propaganda der iranischen Regierung glauben und in Syrien f\u00fcr eine \u201egute Sache\u201c k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

Source<\/a><\/p>\n","post_title":"Warum Afghanen in Syrien f\u00fcr Assad k\u00e4mpfen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"warum-afghanen-in-syrien-fur-assad-kampfen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3709","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":9},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Sp\u00e4testens mit Beginn der Besatzungsherrschaft habe Israel seinen Charakter als Demokratie verloren. F\u00fcr heutige Debatten rund um Israel empfiehlt der Nahost-Professor deshalb auf das Demokratieargument besser zu verzichten.

der\u00a0Ursprung<\/a><\/p>\n","post_title":"Die einzige Demokratie im Nahen Osten?","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-einzige-demokratie-im-nahen-osten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3775","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3719,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:39:47","post_date_gmt":"2020-08-13 21:39:47","post_content":"\n

Jenni Zylka und Christoph Safferling im Gespr\u00e4ch mit Anke Schaefer<\/a>- Sie kommen aus Syrien und dem Irak nach Deutschland zur\u00fcck: Frauen, die sich dem sogenannten Islamischen Staat (IS) angeschlossen haben, mit Terroristen zusammenlebten. Soll man sie k\u00fcnftig h\u00e4rter bestrafen? Die Journalistin Jenni Zylka und der Jurist Christoph Safferling sehen das kritisch.<\/p>\n\n\n\n

Frauen, die sich dem IS angeschlossen, aber selbst nicht gek\u00e4mpft haben, sollen laut Generalbundesanwalt Peter Frank als Mitl\u00e4uferinnen h\u00e4rter bestraft werden k\u00f6nnen. Frank meint: \u201eWir sind der Meinung, dass sich  auch bei diesen Frauen die Mitgliedschaft in einer ausl\u00e4ndischen terroristischen Organisation bejahen l\u00e4sst, weil diese Frauen die innere Struktur des sogenannten Islamischen Staates und damit diese Terrororganisation von innen heraus st\u00e4rken.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Aber sind diese Frauen nicht eher Opfer? Weil sie Angst um ihre Kinder hatten, den Umgang mit der Waffe zur Selbstverteidigung gelernt haben? Jenni Zylka meint dazu:  \u00dcber eine Mitschuld solcher Frauen nachzudenken, sei nachvollziehbar und auch legitim. Jedoch m\u00fcsse sehr genau hingeschaut und jede dieser Frauen einzeln betrachtet werden. Man m\u00fcsse unterscheiden, ob Frauen mit IS-Terroristen zusammengelebt und f\u00fcr diese gesorgt h\u00e4tten oder ob sie selbst militant geworden seien. Viele von ihnen seien zudem traumatisiert durch die Erlebnisse in den IS-Lagern.<\/p>\n\n\n\n

\"DieDie Journalistin Jenni Zylka (Deutschlandradio \/ Andreas Buron)<\/p>\n\n\n\n

Nicht wie Schwerverbrecherinnen behandeln<\/h2>\n\n\n\n

Christoph Safferling, Professor f\u00fcr Strafrecht an der Universit\u00e4t Erlangen-N\u00fcrnberg, sagt, er halte die Argumentation des Generalbundesanwalts f\u00fcr problematisch. Es handle sich zun\u00e4chst einmal um allt\u00e4gliche Handlungen wie Kochen und Sorge um die Kinder. \u201eUnd die Frage ist: Wann sind solche neutralen Handlungen tats\u00e4chlich straftatunterst\u00fctzend.\u201c Ein Vorsatz, die terroristischen Strukturen zu unterst\u00fctzen, m\u00fcsse klar nachgewiesen werden.<\/p>\n\n\n\n

Vielmehr stelle sich die Frage, ob die Frauen nicht eher als Opfer betrachtet werden m\u00fcssten. Viele h\u00e4tten sich wie unter Zwang auf die Situation eingelassen \u2013 diese k\u00f6nne man strukturell durchaus mit den Bedingungen von Zwangsprostitution vergleichen. Viele der jungen Frauen seien auch unter Drogen gesetzt worden.<\/p>\n\n\n\n

Zugest\u00e4ndnis an Irak?<\/h2>\n\n\n\n

Eine m\u00f6gliche Erkl\u00e4rung der harten Linie der Generalbundesanwaltschaft \u00fcber die man nur spekulieren k\u00f6nne: \u201eIch kann mir auch vorstellen, dass, wenn es jetzt darum geht, Irak davon zu \u00fcberzeugen, die deutschen Staatsangeh\u00f6rigen, die dort einsitzen, auszuliefern, man ihnen gegen\u00fcber auch zu verstehen geben muss, dass die hier einer Strafverfolgung zugef\u00fchrt werden. Ansonsten w\u00fcrde der Irak sich vielleicht weigern, sie auszuliefern.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Safferling h\u00e4lt eine intensive Betreuung der zur\u00fcckgekehrten Frauen und M\u00e4dchen f\u00fcr unerl\u00e4sslich \u2013 man d\u00fcrfe sie keinesfalls alleine lassen und nicht wie Schwerverbrecherinnen behandeln. Es m\u00fcsse vielmehr verhindert werden, dass die jungen Frauen etwa in die Salafisten-Szene abtauchten.<\/p>\n","post_title":"Sie sind eher Opfer als Schwerverbrecherinnen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"sie-sind-eher-opfer-als-schwerverbrecherinnen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3719","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3709,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:30:50","post_date_gmt":"2020-08-13 21:30:50","post_content":"\n

Drei Millionen Afghanen sind ins Nachbarland Iran geflohen. Viele arbeiten schwarz. Die Aussicht auf einen festen Lohn plus Papiere f\u00fcr die Familie ist verlockend. Die Gegenleistung daf\u00fcr: K\u00e4mpfen in Syrien.<\/p>\n\n\n\n

Wenn Abu Fazel von den Gr\u00e4ueltaten des syrischen B\u00fcrgerkriegs h\u00f6rt, denkt er immer daran, dass er auch beinahe als K\u00e4mpfer auf diesem Schlachtfeld gelandet w\u00e4re. Doch Abu Fazel ist weder Syrer noch wollte er zum sogenannten \u201eIslamischen Staat\u201c. Der 18-J\u00e4hrige ist ein afghanischer Gefl\u00fcchteter, der zur Zeit in Leverkusen lebt.<\/p>\n\n\n\n

Den Gro\u00dfteil seines Lebens verbrachte er im Iran. Seine Familie ist dorthin gefl\u00fcchtet, als er ein Kind war. Doch als die iranische Regierung ihn nach Syrien schicken wollte, um auf der Seite von Machthaber Baschar al-Assad zu k\u00e4mpfen, entschloss er sich zu fliehen.<\/p>\n\n\n\n

\"Fl\u00fcchtlingeGefl\u00fcchtete aus dem Iran und Afghanistan an der Grenze zwischen Mazedonien und Griechenland. (picture alliance \/ dpa \/ Georgi Licovski)<\/p>\n\n\n\n

Tausende afghanische Jugendliche \u2013 die genaue Zahl ist nicht bekannt \u2013 wurden im Iran rekrutiert, um im Krieg in Syrien zu k\u00e4mpfen. Erst vor Kurzem berichtete die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, dass sie die Gr\u00e4ber von acht afghanischen Kindern, die in Syrien get\u00f6tet wurden, identifiziert hat. Laut der Organisation rekrutiert der Iran regelm\u00e4\u00dfig minderj\u00e4hrige K\u00e4mpfer, um sie nach Syrien zu schicken. Unter afghanischen Gefl\u00fcchteten ist diese Praxis schon l\u00e4nger bekannt.<\/p>\n\n\n\n

Rassismus gegen Afghanen im Iran<\/h2>\n\n\n\n

Fast drei Millionen Gefl\u00fcchtete aus Afghanistan sind inzwischen im Iran. Die meisten von ihnen leben in der Illegalit\u00e4t und werden als Schwarzarbeiter, etwa am Bau, ausgebeutet. Rassismus und Ausgrenzung geh\u00f6ren zu ihrem gesellschaftlichen Alltag. Kinder sind davon nicht ausgeschlossen. Im Gegenteil: Vielen afghanischen Kinderm ist es nicht erlaubt, staatliche Schulen zu besuchen. Abu Fazel wurde Zeit seines Lebens von dieser Diskrimierung beeinflusst und verfolgt.<\/p>\n\n\n\n

\u201e'Afghane\u2018 \u2013 das ist dort ein Schimpfwort. Ich h\u00f6rte es von klein auf immer wieder. Der Rassismus gegen Afghanen ist dort v\u00f6llig normal. Meine Herkunft, auf der ich eigentlich stolz war, ist im Iran stets eine Last gewesen. Wir sind dort B\u00fcrger zweiter Klasse.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung der afghanischen Gefl\u00fcchteten ist f\u00fcr Abu Fazel die Spitze jenes Rassismus, den er erlebt hat.<\/p>\n\n\n\n

Iran: Syrien vor sunnitischen Extremisten verteidigen<\/h2>\n\n\n\n

In Syrien k\u00e4mpfen neben den afghanischen Milizen auch andere paramilit\u00e4rische Gruppierungen im Auftrag des Irans: etwa die ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigten Revolutionsgarden, die einst Ayatollah Ruhollah Khomeini pers\u00f6nlich ins Leben rief oder die Basidsch-Milizen. Beiden Gruppierungen sind nicht nur in Syrien aktiv, sondern auch im Irak.<\/p>\n\n\n\n

Obowhl sich das syrische Regime von Baschar al-Assad als s\u00e4kular ausweist, wird es vom Iran, der sich als Repr\u00e4sentant aller muslimischen Schiiten betrachtet, unterst\u00fctzt. Gemeinsames Ziel in Syrien ist es: Schiiten vor sunnitische Extremisten zu verteidigen. Dennoch ist das Regime darauf bedacht, m\u00f6glichst wenig eigene K\u00e4mpfer nach Syrien zu schicken. \u00c4hnlich wie einst w\u00e4hrend des Krieges gegen Saddam Husseins Irak, setzt der Iran auf ausl\u00e4ndische K\u00e4mpfer.<\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung war wie eine Gehirnw\u00e4sche<\/h2>\n\n\n\n

Abu Fazels Familie geh\u00f6rt zur afghanischen Minderheit der schiitischen Hazara \u2013 wie viele Afghanen, die in den Iran gekommen sind. Mittlerweile k\u00e4mpfen Tausende von ihnen in Syrien. Der Iran bezahlt die Afghanen mit einem Sold von wenigen hundert Dollar pro Monat und verspricht ihren Familien eine Aufenthaltsgenehmigung oder eine Arbeitserlaubnis.<\/p>\n\n\n\n

An der Rekrutierung der Afghanen sind sowohl die Revolutionsgarden als auch die erw\u00e4hnten Basidsch-Milizen beteiligt. Abu Fazel beschreibt, wie das Viertel, in dem er gemeinsam mit seiner Familie in Teheran lebte, regelm\u00e4\u00dfig von den K\u00e4mpfern aufgesucht wurde. Viele afghanische Gefl\u00fcchtete lebten dort \u2013 und fielen auf die Gehirnw\u00e4sche der Rattenf\u00e4nger herein.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie trafen junge M\u00e4nner und Jugendliche in den Moscheen und \u00fcberredeten sie, gegen den IS oder Al Qaida zu k\u00e4mpfen. Die Gehirnw\u00e4sche war perfekt. Am Ende merkten viele, darunter auch ich, nicht einmal, dass wir in ihre Propaganda getappt waren. Ihre \u00dcberredungskunst war wirklich sehr speziell. Am Ende hat man Lust, nach Syrien zu gehen, um zu k\u00e4mpfen\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Erfolg hatten die Rekrutierer des Regimes auch bei Abu Fazels Cousin, der zum damaligen Zeitpunkt ebenfalls minderj\u00e4hrig gewesen ist. Er ging nach Syrien und k\u00e4mpfte unter der Flagge der \u201eLiwa Fatemiyoun\u201c, wie die afghanische Division auf Seiten Assads hei\u00dft. Offiziell ist die Aufgabe der Miliz die Verteidigung des Schreines von Zaynab im S\u00fcden von Damaskus. Zaynab war die Enkelin des islamischen Propheten Mohammad. Laut iranischen Staatsmedien k\u00e4mpfen mindestens 20.000 Afghanen in der Division.<\/p>\n\n\n\n

Im August 2014 entschloss sich auch Abu Fazel, nach Syrien zu gehen und zu k\u00e4mpfen. Im selben Monat wurde sein Cousin in der N\u00e4he von Aleppo im Kampf gegen syrische Rebellen get\u00f6tet.<\/p>\n\n\n\n

\u201eMein Cousin wurde dort get\u00f6tet. Auch andere Jungs aus unserer Gegend gingen nach Syrien und fielen dort. Lokale Zeitungen nannten sie \u201aM\u00e4rtyrer\u2018.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Lieber Flucht statt K\u00e4mpfer in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein solcher \u201eM\u00e4rtyrer\u201c wollte Abu Fazel allerdings nicht werden. Er floh eine Woche vor dem Beginn seiner dreimonatigen Kampfausbildung. Es war ihm lieber, ein Leben auf der Flucht zu verbringen, als in Syrien unschuldige Menschen f\u00fcr einen Diktator zu t\u00f6ten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch kam zu dem Schluss, dass ich nicht als M\u00f6rder weiterleben k\u00f6nnte. Stets dachte ich mir, dass selbst die schlimmsten Al-Qaida- oder IS-Terroristen Kinder haben k\u00f6nnten, die ihren Vater lieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Fazel verlor seinen eigenen Vater bereits sehr fr\u00fch. Er wurde Opfer des B\u00fcrgerkriegs in Afghanistan, der von 1989 bis 2001 tausende Menschen das Leben kostete. Auch der Iran mischte in der Zeit schon mit. Es ist allgemein bekannt, dass die schiitischen Hazara-Milizen, die den B\u00fcrgerkrieg ebenfalls mitanfachten, von der Regierung in Teheran unterst\u00fctzt wurden.<\/p>\n\n\n\n

Als Abu Fazel sich nun entschloss, aus der Gewaltspirale auszusteigen und nicht in Syrien zu k\u00e4mpfen, wuchs die Angst bei seiner Familie. Denn f\u00fcr die iranischen Beh\u00f6rden gilt: Hat man sich einmal gemeldet, gibt es kein zur\u00fcck. Man muss an die Front nach Syrien \u2013 oder wird zur\u00fcck nach Afghanistan abgeschoben, wo ebenfalls Krieg herrscht.<\/p>\n\n\n\n

Der einzige Ausweg f\u00fcr den jungen Afghanen war die Flucht. \u00dcber die T\u00fcrkei, Griechenland und die Balkranroute erreichte er mit gro\u00dfer M\u00fche Deutschland, wo er einen Asylantrag stellte.<\/p>\n\n\n\n

Erster Asylantrag in Deutschland abgelehnt<\/h2>\n\n\n\n

Als Grund nannte er seine Rekrutierung als Kindersoldat seitens des iranischen Regimes. Doch w\u00e4hrend diese Begr\u00fcndung in Abu Fazels Augen v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich war, sahen deutsche Beh\u00f6rden das anders. Sein erster Antrag wurde abgelehnt. Derzeit versucht er es ein zweites Mal. Die Bundesrepublik schiebt afghanische Gefl\u00fcchtete weiterhin ab.<\/p>\n\n\n\n

\"EinAbschiebung von Afghanen im Dezember 2016 mit einem Charterflug von Frankfurt nach Kabul. (dpa \/picture alliance \/ Boris Roessler)<\/p>\n\n\n\n

Die Verantwortlichen weisen in diesem Kontext immer wieder auf vermeintlich \u201esichere Gebiete\u201c im Land, die nicht n\u00e4her benannt werden.<\/p>\n\n\n\n

W\u00e4hrenddessen machen Menschenrechtsorganisationen regelm\u00e4\u00dfig darauf aufmerksam, dass keine Region am Hindukusch sicher ist. Stattdessen wird in manchen Gebieten nur weniger Krieg gef\u00fchrt als in anderen.<\/p>\n\n\n\n

\"SieDemonstranten protestieren in Frankfurt am Main gegen die Abschiebung von Afghanen. Auf einem der Transparente steht \u201eAfghanistan is not safe\u201c. (AFP \/ Daniel Roland)<\/p>\n\n\n\n

Alis Vater und Onkel k\u00e4mpfen in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein \u00e4hnliches Schicksal wie Abu Fazel erlitt der 18-j\u00e4hrige Ali (Namen ge\u00e4ndert). Auch er floh aus dem Iran nach Deutschland, um der Rekrutierung f\u00fcr Assads Milizen zu entgehen. Viele seiner afghanischen Freunde sind bereits nach Syrien gezogen \u2013 und kamen niemals zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Alis Familie, ebenfalls Angeh\u00f6rige der Hazara-Minderheit, stammt urspr\u00fcnglich aus der Provinz Ghor im Nordosten Afghanistans. Ihre Heimat verlie\u00dfen sie w\u00e4hrend der sowjetischen Besatzung in den 1980er-Jahren.<\/p>\n\n\n\n

Seit jeher lebt die Familie in der iranischen Gro\u00dfstadt Maschhad. Als der Krieg in Syrien ausbrach, erreichte sie ein Konflikt, mit dem sie nicht gerechnet hatten. Im Juli 2015 reiste Alis Vater nach Teheran. Er wollte einen Weg finden, um f\u00fcr seine Familie Aufenthaltspapiere zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Beh\u00f6rden sagten ihm, dass die Rekrutierung f\u00fcr den Krieg in Syrien eine M\u00f6glichkeit darstellen k\u00f6nnte, um Papiere f\u00fcr uns alle zu erhalten. Andernfalls w\u00fcrde man uns sehr bald nach Afghanistan abschieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Mittlerweile k\u00e4mpfen Alis Vater und sein Onkel seit \u00fcber einem Jahr in Syrien. Am Aufenthaltsstatus seiner Familienmitglieder hat sich bis heute allerdings nichts ge\u00e4ndert. F\u00fcr Ali ist klar, dass dies nur eine Falle gewesen ist, um noch mehr Afghanen als Kanonenfutter zu missbrauchen.<\/p>\n\n\n\n

Anfangs gab es Papiere f\u00fcr K\u00e4mpfer-Familien<\/h2>\n\n\n\n

Den Kontakt zu seinem Vater hat der Afghane mittlerweile verloren. W\u00e4hrenddessen schickt ihm sein Onkel, der in Aleppo stationiert ist, hin und wieder Bilder \u00fcber den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ali denkt, dass nur sehr wenige Afghanen der Propaganda der iranischen Regierung glauben und in Syrien f\u00fcr eine \u201egute Sache\u201c k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

Source<\/a><\/p>\n","post_title":"Warum Afghanen in Syrien f\u00fcr Assad k\u00e4mpfen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"warum-afghanen-in-syrien-fur-assad-kampfen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3709","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":9},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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F\u00fcr die Gesamtbewertung des politischen Systems Israels hat diese Frage allerdings ohnehin keine entscheidende Bedeutung mehr. Denn Becks Fazit f\u00e4llt eindeutig aus: Zweifelsfrei um eine Demokratie gehandelt habe es sich bei Israel lediglich in einem kurzen sechsmonatigen Zeitraum zwischen der Abschaffung des Milit\u00e4rrechts f\u00fcr arabische Israelis im November 1966 und dem Beginn des Sechstagekrieges im Juni 1967.<\/p>\n\n\n\n

Sp\u00e4testens mit Beginn der Besatzungsherrschaft habe Israel seinen Charakter als Demokratie verloren. F\u00fcr heutige Debatten rund um Israel empfiehlt der Nahost-Professor deshalb auf das Demokratieargument besser zu verzichten.

der\u00a0Ursprung<\/a><\/p>\n","post_title":"Die einzige Demokratie im Nahen Osten?","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-einzige-demokratie-im-nahen-osten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3775","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3719,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:39:47","post_date_gmt":"2020-08-13 21:39:47","post_content":"\n

Jenni Zylka und Christoph Safferling im Gespr\u00e4ch mit Anke Schaefer<\/a>- Sie kommen aus Syrien und dem Irak nach Deutschland zur\u00fcck: Frauen, die sich dem sogenannten Islamischen Staat (IS) angeschlossen haben, mit Terroristen zusammenlebten. Soll man sie k\u00fcnftig h\u00e4rter bestrafen? Die Journalistin Jenni Zylka und der Jurist Christoph Safferling sehen das kritisch.<\/p>\n\n\n\n

Frauen, die sich dem IS angeschlossen, aber selbst nicht gek\u00e4mpft haben, sollen laut Generalbundesanwalt Peter Frank als Mitl\u00e4uferinnen h\u00e4rter bestraft werden k\u00f6nnen. Frank meint: \u201eWir sind der Meinung, dass sich  auch bei diesen Frauen die Mitgliedschaft in einer ausl\u00e4ndischen terroristischen Organisation bejahen l\u00e4sst, weil diese Frauen die innere Struktur des sogenannten Islamischen Staates und damit diese Terrororganisation von innen heraus st\u00e4rken.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Aber sind diese Frauen nicht eher Opfer? Weil sie Angst um ihre Kinder hatten, den Umgang mit der Waffe zur Selbstverteidigung gelernt haben? Jenni Zylka meint dazu:  \u00dcber eine Mitschuld solcher Frauen nachzudenken, sei nachvollziehbar und auch legitim. Jedoch m\u00fcsse sehr genau hingeschaut und jede dieser Frauen einzeln betrachtet werden. Man m\u00fcsse unterscheiden, ob Frauen mit IS-Terroristen zusammengelebt und f\u00fcr diese gesorgt h\u00e4tten oder ob sie selbst militant geworden seien. Viele von ihnen seien zudem traumatisiert durch die Erlebnisse in den IS-Lagern.<\/p>\n\n\n\n

\"DieDie Journalistin Jenni Zylka (Deutschlandradio \/ Andreas Buron)<\/p>\n\n\n\n

Nicht wie Schwerverbrecherinnen behandeln<\/h2>\n\n\n\n

Christoph Safferling, Professor f\u00fcr Strafrecht an der Universit\u00e4t Erlangen-N\u00fcrnberg, sagt, er halte die Argumentation des Generalbundesanwalts f\u00fcr problematisch. Es handle sich zun\u00e4chst einmal um allt\u00e4gliche Handlungen wie Kochen und Sorge um die Kinder. \u201eUnd die Frage ist: Wann sind solche neutralen Handlungen tats\u00e4chlich straftatunterst\u00fctzend.\u201c Ein Vorsatz, die terroristischen Strukturen zu unterst\u00fctzen, m\u00fcsse klar nachgewiesen werden.<\/p>\n\n\n\n

Vielmehr stelle sich die Frage, ob die Frauen nicht eher als Opfer betrachtet werden m\u00fcssten. Viele h\u00e4tten sich wie unter Zwang auf die Situation eingelassen \u2013 diese k\u00f6nne man strukturell durchaus mit den Bedingungen von Zwangsprostitution vergleichen. Viele der jungen Frauen seien auch unter Drogen gesetzt worden.<\/p>\n\n\n\n

Zugest\u00e4ndnis an Irak?<\/h2>\n\n\n\n

Eine m\u00f6gliche Erkl\u00e4rung der harten Linie der Generalbundesanwaltschaft \u00fcber die man nur spekulieren k\u00f6nne: \u201eIch kann mir auch vorstellen, dass, wenn es jetzt darum geht, Irak davon zu \u00fcberzeugen, die deutschen Staatsangeh\u00f6rigen, die dort einsitzen, auszuliefern, man ihnen gegen\u00fcber auch zu verstehen geben muss, dass die hier einer Strafverfolgung zugef\u00fchrt werden. Ansonsten w\u00fcrde der Irak sich vielleicht weigern, sie auszuliefern.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Safferling h\u00e4lt eine intensive Betreuung der zur\u00fcckgekehrten Frauen und M\u00e4dchen f\u00fcr unerl\u00e4sslich \u2013 man d\u00fcrfe sie keinesfalls alleine lassen und nicht wie Schwerverbrecherinnen behandeln. Es m\u00fcsse vielmehr verhindert werden, dass die jungen Frauen etwa in die Salafisten-Szene abtauchten.<\/p>\n","post_title":"Sie sind eher Opfer als Schwerverbrecherinnen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"sie-sind-eher-opfer-als-schwerverbrecherinnen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3719","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3709,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:30:50","post_date_gmt":"2020-08-13 21:30:50","post_content":"\n

Drei Millionen Afghanen sind ins Nachbarland Iran geflohen. Viele arbeiten schwarz. Die Aussicht auf einen festen Lohn plus Papiere f\u00fcr die Familie ist verlockend. Die Gegenleistung daf\u00fcr: K\u00e4mpfen in Syrien.<\/p>\n\n\n\n

Wenn Abu Fazel von den Gr\u00e4ueltaten des syrischen B\u00fcrgerkriegs h\u00f6rt, denkt er immer daran, dass er auch beinahe als K\u00e4mpfer auf diesem Schlachtfeld gelandet w\u00e4re. Doch Abu Fazel ist weder Syrer noch wollte er zum sogenannten \u201eIslamischen Staat\u201c. Der 18-J\u00e4hrige ist ein afghanischer Gefl\u00fcchteter, der zur Zeit in Leverkusen lebt.<\/p>\n\n\n\n

Den Gro\u00dfteil seines Lebens verbrachte er im Iran. Seine Familie ist dorthin gefl\u00fcchtet, als er ein Kind war. Doch als die iranische Regierung ihn nach Syrien schicken wollte, um auf der Seite von Machthaber Baschar al-Assad zu k\u00e4mpfen, entschloss er sich zu fliehen.<\/p>\n\n\n\n

\"Fl\u00fcchtlingeGefl\u00fcchtete aus dem Iran und Afghanistan an der Grenze zwischen Mazedonien und Griechenland. (picture alliance \/ dpa \/ Georgi Licovski)<\/p>\n\n\n\n

Tausende afghanische Jugendliche \u2013 die genaue Zahl ist nicht bekannt \u2013 wurden im Iran rekrutiert, um im Krieg in Syrien zu k\u00e4mpfen. Erst vor Kurzem berichtete die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, dass sie die Gr\u00e4ber von acht afghanischen Kindern, die in Syrien get\u00f6tet wurden, identifiziert hat. Laut der Organisation rekrutiert der Iran regelm\u00e4\u00dfig minderj\u00e4hrige K\u00e4mpfer, um sie nach Syrien zu schicken. Unter afghanischen Gefl\u00fcchteten ist diese Praxis schon l\u00e4nger bekannt.<\/p>\n\n\n\n

Rassismus gegen Afghanen im Iran<\/h2>\n\n\n\n

Fast drei Millionen Gefl\u00fcchtete aus Afghanistan sind inzwischen im Iran. Die meisten von ihnen leben in der Illegalit\u00e4t und werden als Schwarzarbeiter, etwa am Bau, ausgebeutet. Rassismus und Ausgrenzung geh\u00f6ren zu ihrem gesellschaftlichen Alltag. Kinder sind davon nicht ausgeschlossen. Im Gegenteil: Vielen afghanischen Kinderm ist es nicht erlaubt, staatliche Schulen zu besuchen. Abu Fazel wurde Zeit seines Lebens von dieser Diskrimierung beeinflusst und verfolgt.<\/p>\n\n\n\n

\u201e'Afghane\u2018 \u2013 das ist dort ein Schimpfwort. Ich h\u00f6rte es von klein auf immer wieder. Der Rassismus gegen Afghanen ist dort v\u00f6llig normal. Meine Herkunft, auf der ich eigentlich stolz war, ist im Iran stets eine Last gewesen. Wir sind dort B\u00fcrger zweiter Klasse.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung der afghanischen Gefl\u00fcchteten ist f\u00fcr Abu Fazel die Spitze jenes Rassismus, den er erlebt hat.<\/p>\n\n\n\n

Iran: Syrien vor sunnitischen Extremisten verteidigen<\/h2>\n\n\n\n

In Syrien k\u00e4mpfen neben den afghanischen Milizen auch andere paramilit\u00e4rische Gruppierungen im Auftrag des Irans: etwa die ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigten Revolutionsgarden, die einst Ayatollah Ruhollah Khomeini pers\u00f6nlich ins Leben rief oder die Basidsch-Milizen. Beiden Gruppierungen sind nicht nur in Syrien aktiv, sondern auch im Irak.<\/p>\n\n\n\n

Obowhl sich das syrische Regime von Baschar al-Assad als s\u00e4kular ausweist, wird es vom Iran, der sich als Repr\u00e4sentant aller muslimischen Schiiten betrachtet, unterst\u00fctzt. Gemeinsames Ziel in Syrien ist es: Schiiten vor sunnitische Extremisten zu verteidigen. Dennoch ist das Regime darauf bedacht, m\u00f6glichst wenig eigene K\u00e4mpfer nach Syrien zu schicken. \u00c4hnlich wie einst w\u00e4hrend des Krieges gegen Saddam Husseins Irak, setzt der Iran auf ausl\u00e4ndische K\u00e4mpfer.<\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung war wie eine Gehirnw\u00e4sche<\/h2>\n\n\n\n

Abu Fazels Familie geh\u00f6rt zur afghanischen Minderheit der schiitischen Hazara \u2013 wie viele Afghanen, die in den Iran gekommen sind. Mittlerweile k\u00e4mpfen Tausende von ihnen in Syrien. Der Iran bezahlt die Afghanen mit einem Sold von wenigen hundert Dollar pro Monat und verspricht ihren Familien eine Aufenthaltsgenehmigung oder eine Arbeitserlaubnis.<\/p>\n\n\n\n

An der Rekrutierung der Afghanen sind sowohl die Revolutionsgarden als auch die erw\u00e4hnten Basidsch-Milizen beteiligt. Abu Fazel beschreibt, wie das Viertel, in dem er gemeinsam mit seiner Familie in Teheran lebte, regelm\u00e4\u00dfig von den K\u00e4mpfern aufgesucht wurde. Viele afghanische Gefl\u00fcchtete lebten dort \u2013 und fielen auf die Gehirnw\u00e4sche der Rattenf\u00e4nger herein.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie trafen junge M\u00e4nner und Jugendliche in den Moscheen und \u00fcberredeten sie, gegen den IS oder Al Qaida zu k\u00e4mpfen. Die Gehirnw\u00e4sche war perfekt. Am Ende merkten viele, darunter auch ich, nicht einmal, dass wir in ihre Propaganda getappt waren. Ihre \u00dcberredungskunst war wirklich sehr speziell. Am Ende hat man Lust, nach Syrien zu gehen, um zu k\u00e4mpfen\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Erfolg hatten die Rekrutierer des Regimes auch bei Abu Fazels Cousin, der zum damaligen Zeitpunkt ebenfalls minderj\u00e4hrig gewesen ist. Er ging nach Syrien und k\u00e4mpfte unter der Flagge der \u201eLiwa Fatemiyoun\u201c, wie die afghanische Division auf Seiten Assads hei\u00dft. Offiziell ist die Aufgabe der Miliz die Verteidigung des Schreines von Zaynab im S\u00fcden von Damaskus. Zaynab war die Enkelin des islamischen Propheten Mohammad. Laut iranischen Staatsmedien k\u00e4mpfen mindestens 20.000 Afghanen in der Division.<\/p>\n\n\n\n

Im August 2014 entschloss sich auch Abu Fazel, nach Syrien zu gehen und zu k\u00e4mpfen. Im selben Monat wurde sein Cousin in der N\u00e4he von Aleppo im Kampf gegen syrische Rebellen get\u00f6tet.<\/p>\n\n\n\n

\u201eMein Cousin wurde dort get\u00f6tet. Auch andere Jungs aus unserer Gegend gingen nach Syrien und fielen dort. Lokale Zeitungen nannten sie \u201aM\u00e4rtyrer\u2018.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Lieber Flucht statt K\u00e4mpfer in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein solcher \u201eM\u00e4rtyrer\u201c wollte Abu Fazel allerdings nicht werden. Er floh eine Woche vor dem Beginn seiner dreimonatigen Kampfausbildung. Es war ihm lieber, ein Leben auf der Flucht zu verbringen, als in Syrien unschuldige Menschen f\u00fcr einen Diktator zu t\u00f6ten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch kam zu dem Schluss, dass ich nicht als M\u00f6rder weiterleben k\u00f6nnte. Stets dachte ich mir, dass selbst die schlimmsten Al-Qaida- oder IS-Terroristen Kinder haben k\u00f6nnten, die ihren Vater lieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Fazel verlor seinen eigenen Vater bereits sehr fr\u00fch. Er wurde Opfer des B\u00fcrgerkriegs in Afghanistan, der von 1989 bis 2001 tausende Menschen das Leben kostete. Auch der Iran mischte in der Zeit schon mit. Es ist allgemein bekannt, dass die schiitischen Hazara-Milizen, die den B\u00fcrgerkrieg ebenfalls mitanfachten, von der Regierung in Teheran unterst\u00fctzt wurden.<\/p>\n\n\n\n

Als Abu Fazel sich nun entschloss, aus der Gewaltspirale auszusteigen und nicht in Syrien zu k\u00e4mpfen, wuchs die Angst bei seiner Familie. Denn f\u00fcr die iranischen Beh\u00f6rden gilt: Hat man sich einmal gemeldet, gibt es kein zur\u00fcck. Man muss an die Front nach Syrien \u2013 oder wird zur\u00fcck nach Afghanistan abgeschoben, wo ebenfalls Krieg herrscht.<\/p>\n\n\n\n

Der einzige Ausweg f\u00fcr den jungen Afghanen war die Flucht. \u00dcber die T\u00fcrkei, Griechenland und die Balkranroute erreichte er mit gro\u00dfer M\u00fche Deutschland, wo er einen Asylantrag stellte.<\/p>\n\n\n\n

Erster Asylantrag in Deutschland abgelehnt<\/h2>\n\n\n\n

Als Grund nannte er seine Rekrutierung als Kindersoldat seitens des iranischen Regimes. Doch w\u00e4hrend diese Begr\u00fcndung in Abu Fazels Augen v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich war, sahen deutsche Beh\u00f6rden das anders. Sein erster Antrag wurde abgelehnt. Derzeit versucht er es ein zweites Mal. Die Bundesrepublik schiebt afghanische Gefl\u00fcchtete weiterhin ab.<\/p>\n\n\n\n

\"EinAbschiebung von Afghanen im Dezember 2016 mit einem Charterflug von Frankfurt nach Kabul. (dpa \/picture alliance \/ Boris Roessler)<\/p>\n\n\n\n

Die Verantwortlichen weisen in diesem Kontext immer wieder auf vermeintlich \u201esichere Gebiete\u201c im Land, die nicht n\u00e4her benannt werden.<\/p>\n\n\n\n

W\u00e4hrenddessen machen Menschenrechtsorganisationen regelm\u00e4\u00dfig darauf aufmerksam, dass keine Region am Hindukusch sicher ist. Stattdessen wird in manchen Gebieten nur weniger Krieg gef\u00fchrt als in anderen.<\/p>\n\n\n\n

\"SieDemonstranten protestieren in Frankfurt am Main gegen die Abschiebung von Afghanen. Auf einem der Transparente steht \u201eAfghanistan is not safe\u201c. (AFP \/ Daniel Roland)<\/p>\n\n\n\n

Alis Vater und Onkel k\u00e4mpfen in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein \u00e4hnliches Schicksal wie Abu Fazel erlitt der 18-j\u00e4hrige Ali (Namen ge\u00e4ndert). Auch er floh aus dem Iran nach Deutschland, um der Rekrutierung f\u00fcr Assads Milizen zu entgehen. Viele seiner afghanischen Freunde sind bereits nach Syrien gezogen \u2013 und kamen niemals zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Alis Familie, ebenfalls Angeh\u00f6rige der Hazara-Minderheit, stammt urspr\u00fcnglich aus der Provinz Ghor im Nordosten Afghanistans. Ihre Heimat verlie\u00dfen sie w\u00e4hrend der sowjetischen Besatzung in den 1980er-Jahren.<\/p>\n\n\n\n

Seit jeher lebt die Familie in der iranischen Gro\u00dfstadt Maschhad. Als der Krieg in Syrien ausbrach, erreichte sie ein Konflikt, mit dem sie nicht gerechnet hatten. Im Juli 2015 reiste Alis Vater nach Teheran. Er wollte einen Weg finden, um f\u00fcr seine Familie Aufenthaltspapiere zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Beh\u00f6rden sagten ihm, dass die Rekrutierung f\u00fcr den Krieg in Syrien eine M\u00f6glichkeit darstellen k\u00f6nnte, um Papiere f\u00fcr uns alle zu erhalten. Andernfalls w\u00fcrde man uns sehr bald nach Afghanistan abschieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Mittlerweile k\u00e4mpfen Alis Vater und sein Onkel seit \u00fcber einem Jahr in Syrien. Am Aufenthaltsstatus seiner Familienmitglieder hat sich bis heute allerdings nichts ge\u00e4ndert. F\u00fcr Ali ist klar, dass dies nur eine Falle gewesen ist, um noch mehr Afghanen als Kanonenfutter zu missbrauchen.<\/p>\n\n\n\n

Anfangs gab es Papiere f\u00fcr K\u00e4mpfer-Familien<\/h2>\n\n\n\n

Den Kontakt zu seinem Vater hat der Afghane mittlerweile verloren. W\u00e4hrenddessen schickt ihm sein Onkel, der in Aleppo stationiert ist, hin und wieder Bilder \u00fcber den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ali denkt, dass nur sehr wenige Afghanen der Propaganda der iranischen Regierung glauben und in Syrien f\u00fcr eine \u201egute Sache\u201c k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

Source<\/a><\/p>\n","post_title":"Warum Afghanen in Syrien f\u00fcr Assad k\u00e4mpfen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"warum-afghanen-in-syrien-fur-assad-kampfen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3709","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":9},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Mit dieser Einsch\u00e4tzung ist Beck nicht allein. Auch die Vereinten Nationen<\/a> und der Internationale Strafgerichtshof<\/a> vertreten die Auffassung, dass die israelische Besatzung \u00fcber den Gazastreifen andauert.<\/p>\n\n\n\n

F\u00fcr die Gesamtbewertung des politischen Systems Israels hat diese Frage allerdings ohnehin keine entscheidende Bedeutung mehr. Denn Becks Fazit f\u00e4llt eindeutig aus: Zweifelsfrei um eine Demokratie gehandelt habe es sich bei Israel lediglich in einem kurzen sechsmonatigen Zeitraum zwischen der Abschaffung des Milit\u00e4rrechts f\u00fcr arabische Israelis im November 1966 und dem Beginn des Sechstagekrieges im Juni 1967.<\/p>\n\n\n\n

Sp\u00e4testens mit Beginn der Besatzungsherrschaft habe Israel seinen Charakter als Demokratie verloren. F\u00fcr heutige Debatten rund um Israel empfiehlt der Nahost-Professor deshalb auf das Demokratieargument besser zu verzichten.

der\u00a0Ursprung<\/a><\/p>\n","post_title":"Die einzige Demokratie im Nahen Osten?","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-einzige-demokratie-im-nahen-osten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3775","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3719,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:39:47","post_date_gmt":"2020-08-13 21:39:47","post_content":"\n

Jenni Zylka und Christoph Safferling im Gespr\u00e4ch mit Anke Schaefer<\/a>- Sie kommen aus Syrien und dem Irak nach Deutschland zur\u00fcck: Frauen, die sich dem sogenannten Islamischen Staat (IS) angeschlossen haben, mit Terroristen zusammenlebten. Soll man sie k\u00fcnftig h\u00e4rter bestrafen? Die Journalistin Jenni Zylka und der Jurist Christoph Safferling sehen das kritisch.<\/p>\n\n\n\n

Frauen, die sich dem IS angeschlossen, aber selbst nicht gek\u00e4mpft haben, sollen laut Generalbundesanwalt Peter Frank als Mitl\u00e4uferinnen h\u00e4rter bestraft werden k\u00f6nnen. Frank meint: \u201eWir sind der Meinung, dass sich  auch bei diesen Frauen die Mitgliedschaft in einer ausl\u00e4ndischen terroristischen Organisation bejahen l\u00e4sst, weil diese Frauen die innere Struktur des sogenannten Islamischen Staates und damit diese Terrororganisation von innen heraus st\u00e4rken.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Aber sind diese Frauen nicht eher Opfer? Weil sie Angst um ihre Kinder hatten, den Umgang mit der Waffe zur Selbstverteidigung gelernt haben? Jenni Zylka meint dazu:  \u00dcber eine Mitschuld solcher Frauen nachzudenken, sei nachvollziehbar und auch legitim. Jedoch m\u00fcsse sehr genau hingeschaut und jede dieser Frauen einzeln betrachtet werden. Man m\u00fcsse unterscheiden, ob Frauen mit IS-Terroristen zusammengelebt und f\u00fcr diese gesorgt h\u00e4tten oder ob sie selbst militant geworden seien. Viele von ihnen seien zudem traumatisiert durch die Erlebnisse in den IS-Lagern.<\/p>\n\n\n\n

\"DieDie Journalistin Jenni Zylka (Deutschlandradio \/ Andreas Buron)<\/p>\n\n\n\n

Nicht wie Schwerverbrecherinnen behandeln<\/h2>\n\n\n\n

Christoph Safferling, Professor f\u00fcr Strafrecht an der Universit\u00e4t Erlangen-N\u00fcrnberg, sagt, er halte die Argumentation des Generalbundesanwalts f\u00fcr problematisch. Es handle sich zun\u00e4chst einmal um allt\u00e4gliche Handlungen wie Kochen und Sorge um die Kinder. \u201eUnd die Frage ist: Wann sind solche neutralen Handlungen tats\u00e4chlich straftatunterst\u00fctzend.\u201c Ein Vorsatz, die terroristischen Strukturen zu unterst\u00fctzen, m\u00fcsse klar nachgewiesen werden.<\/p>\n\n\n\n

Vielmehr stelle sich die Frage, ob die Frauen nicht eher als Opfer betrachtet werden m\u00fcssten. Viele h\u00e4tten sich wie unter Zwang auf die Situation eingelassen \u2013 diese k\u00f6nne man strukturell durchaus mit den Bedingungen von Zwangsprostitution vergleichen. Viele der jungen Frauen seien auch unter Drogen gesetzt worden.<\/p>\n\n\n\n

Zugest\u00e4ndnis an Irak?<\/h2>\n\n\n\n

Eine m\u00f6gliche Erkl\u00e4rung der harten Linie der Generalbundesanwaltschaft \u00fcber die man nur spekulieren k\u00f6nne: \u201eIch kann mir auch vorstellen, dass, wenn es jetzt darum geht, Irak davon zu \u00fcberzeugen, die deutschen Staatsangeh\u00f6rigen, die dort einsitzen, auszuliefern, man ihnen gegen\u00fcber auch zu verstehen geben muss, dass die hier einer Strafverfolgung zugef\u00fchrt werden. Ansonsten w\u00fcrde der Irak sich vielleicht weigern, sie auszuliefern.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Safferling h\u00e4lt eine intensive Betreuung der zur\u00fcckgekehrten Frauen und M\u00e4dchen f\u00fcr unerl\u00e4sslich \u2013 man d\u00fcrfe sie keinesfalls alleine lassen und nicht wie Schwerverbrecherinnen behandeln. Es m\u00fcsse vielmehr verhindert werden, dass die jungen Frauen etwa in die Salafisten-Szene abtauchten.<\/p>\n","post_title":"Sie sind eher Opfer als Schwerverbrecherinnen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"sie-sind-eher-opfer-als-schwerverbrecherinnen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3719","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3709,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:30:50","post_date_gmt":"2020-08-13 21:30:50","post_content":"\n

Drei Millionen Afghanen sind ins Nachbarland Iran geflohen. Viele arbeiten schwarz. Die Aussicht auf einen festen Lohn plus Papiere f\u00fcr die Familie ist verlockend. Die Gegenleistung daf\u00fcr: K\u00e4mpfen in Syrien.<\/p>\n\n\n\n

Wenn Abu Fazel von den Gr\u00e4ueltaten des syrischen B\u00fcrgerkriegs h\u00f6rt, denkt er immer daran, dass er auch beinahe als K\u00e4mpfer auf diesem Schlachtfeld gelandet w\u00e4re. Doch Abu Fazel ist weder Syrer noch wollte er zum sogenannten \u201eIslamischen Staat\u201c. Der 18-J\u00e4hrige ist ein afghanischer Gefl\u00fcchteter, der zur Zeit in Leverkusen lebt.<\/p>\n\n\n\n

Den Gro\u00dfteil seines Lebens verbrachte er im Iran. Seine Familie ist dorthin gefl\u00fcchtet, als er ein Kind war. Doch als die iranische Regierung ihn nach Syrien schicken wollte, um auf der Seite von Machthaber Baschar al-Assad zu k\u00e4mpfen, entschloss er sich zu fliehen.<\/p>\n\n\n\n

\"Fl\u00fcchtlingeGefl\u00fcchtete aus dem Iran und Afghanistan an der Grenze zwischen Mazedonien und Griechenland. (picture alliance \/ dpa \/ Georgi Licovski)<\/p>\n\n\n\n

Tausende afghanische Jugendliche \u2013 die genaue Zahl ist nicht bekannt \u2013 wurden im Iran rekrutiert, um im Krieg in Syrien zu k\u00e4mpfen. Erst vor Kurzem berichtete die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, dass sie die Gr\u00e4ber von acht afghanischen Kindern, die in Syrien get\u00f6tet wurden, identifiziert hat. Laut der Organisation rekrutiert der Iran regelm\u00e4\u00dfig minderj\u00e4hrige K\u00e4mpfer, um sie nach Syrien zu schicken. Unter afghanischen Gefl\u00fcchteten ist diese Praxis schon l\u00e4nger bekannt.<\/p>\n\n\n\n

Rassismus gegen Afghanen im Iran<\/h2>\n\n\n\n

Fast drei Millionen Gefl\u00fcchtete aus Afghanistan sind inzwischen im Iran. Die meisten von ihnen leben in der Illegalit\u00e4t und werden als Schwarzarbeiter, etwa am Bau, ausgebeutet. Rassismus und Ausgrenzung geh\u00f6ren zu ihrem gesellschaftlichen Alltag. Kinder sind davon nicht ausgeschlossen. Im Gegenteil: Vielen afghanischen Kinderm ist es nicht erlaubt, staatliche Schulen zu besuchen. Abu Fazel wurde Zeit seines Lebens von dieser Diskrimierung beeinflusst und verfolgt.<\/p>\n\n\n\n

\u201e'Afghane\u2018 \u2013 das ist dort ein Schimpfwort. Ich h\u00f6rte es von klein auf immer wieder. Der Rassismus gegen Afghanen ist dort v\u00f6llig normal. Meine Herkunft, auf der ich eigentlich stolz war, ist im Iran stets eine Last gewesen. Wir sind dort B\u00fcrger zweiter Klasse.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung der afghanischen Gefl\u00fcchteten ist f\u00fcr Abu Fazel die Spitze jenes Rassismus, den er erlebt hat.<\/p>\n\n\n\n

Iran: Syrien vor sunnitischen Extremisten verteidigen<\/h2>\n\n\n\n

In Syrien k\u00e4mpfen neben den afghanischen Milizen auch andere paramilit\u00e4rische Gruppierungen im Auftrag des Irans: etwa die ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigten Revolutionsgarden, die einst Ayatollah Ruhollah Khomeini pers\u00f6nlich ins Leben rief oder die Basidsch-Milizen. Beiden Gruppierungen sind nicht nur in Syrien aktiv, sondern auch im Irak.<\/p>\n\n\n\n

Obowhl sich das syrische Regime von Baschar al-Assad als s\u00e4kular ausweist, wird es vom Iran, der sich als Repr\u00e4sentant aller muslimischen Schiiten betrachtet, unterst\u00fctzt. Gemeinsames Ziel in Syrien ist es: Schiiten vor sunnitische Extremisten zu verteidigen. Dennoch ist das Regime darauf bedacht, m\u00f6glichst wenig eigene K\u00e4mpfer nach Syrien zu schicken. \u00c4hnlich wie einst w\u00e4hrend des Krieges gegen Saddam Husseins Irak, setzt der Iran auf ausl\u00e4ndische K\u00e4mpfer.<\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung war wie eine Gehirnw\u00e4sche<\/h2>\n\n\n\n

Abu Fazels Familie geh\u00f6rt zur afghanischen Minderheit der schiitischen Hazara \u2013 wie viele Afghanen, die in den Iran gekommen sind. Mittlerweile k\u00e4mpfen Tausende von ihnen in Syrien. Der Iran bezahlt die Afghanen mit einem Sold von wenigen hundert Dollar pro Monat und verspricht ihren Familien eine Aufenthaltsgenehmigung oder eine Arbeitserlaubnis.<\/p>\n\n\n\n

An der Rekrutierung der Afghanen sind sowohl die Revolutionsgarden als auch die erw\u00e4hnten Basidsch-Milizen beteiligt. Abu Fazel beschreibt, wie das Viertel, in dem er gemeinsam mit seiner Familie in Teheran lebte, regelm\u00e4\u00dfig von den K\u00e4mpfern aufgesucht wurde. Viele afghanische Gefl\u00fcchtete lebten dort \u2013 und fielen auf die Gehirnw\u00e4sche der Rattenf\u00e4nger herein.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie trafen junge M\u00e4nner und Jugendliche in den Moscheen und \u00fcberredeten sie, gegen den IS oder Al Qaida zu k\u00e4mpfen. Die Gehirnw\u00e4sche war perfekt. Am Ende merkten viele, darunter auch ich, nicht einmal, dass wir in ihre Propaganda getappt waren. Ihre \u00dcberredungskunst war wirklich sehr speziell. Am Ende hat man Lust, nach Syrien zu gehen, um zu k\u00e4mpfen\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Erfolg hatten die Rekrutierer des Regimes auch bei Abu Fazels Cousin, der zum damaligen Zeitpunkt ebenfalls minderj\u00e4hrig gewesen ist. Er ging nach Syrien und k\u00e4mpfte unter der Flagge der \u201eLiwa Fatemiyoun\u201c, wie die afghanische Division auf Seiten Assads hei\u00dft. Offiziell ist die Aufgabe der Miliz die Verteidigung des Schreines von Zaynab im S\u00fcden von Damaskus. Zaynab war die Enkelin des islamischen Propheten Mohammad. Laut iranischen Staatsmedien k\u00e4mpfen mindestens 20.000 Afghanen in der Division.<\/p>\n\n\n\n

Im August 2014 entschloss sich auch Abu Fazel, nach Syrien zu gehen und zu k\u00e4mpfen. Im selben Monat wurde sein Cousin in der N\u00e4he von Aleppo im Kampf gegen syrische Rebellen get\u00f6tet.<\/p>\n\n\n\n

\u201eMein Cousin wurde dort get\u00f6tet. Auch andere Jungs aus unserer Gegend gingen nach Syrien und fielen dort. Lokale Zeitungen nannten sie \u201aM\u00e4rtyrer\u2018.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Lieber Flucht statt K\u00e4mpfer in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein solcher \u201eM\u00e4rtyrer\u201c wollte Abu Fazel allerdings nicht werden. Er floh eine Woche vor dem Beginn seiner dreimonatigen Kampfausbildung. Es war ihm lieber, ein Leben auf der Flucht zu verbringen, als in Syrien unschuldige Menschen f\u00fcr einen Diktator zu t\u00f6ten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch kam zu dem Schluss, dass ich nicht als M\u00f6rder weiterleben k\u00f6nnte. Stets dachte ich mir, dass selbst die schlimmsten Al-Qaida- oder IS-Terroristen Kinder haben k\u00f6nnten, die ihren Vater lieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Fazel verlor seinen eigenen Vater bereits sehr fr\u00fch. Er wurde Opfer des B\u00fcrgerkriegs in Afghanistan, der von 1989 bis 2001 tausende Menschen das Leben kostete. Auch der Iran mischte in der Zeit schon mit. Es ist allgemein bekannt, dass die schiitischen Hazara-Milizen, die den B\u00fcrgerkrieg ebenfalls mitanfachten, von der Regierung in Teheran unterst\u00fctzt wurden.<\/p>\n\n\n\n

Als Abu Fazel sich nun entschloss, aus der Gewaltspirale auszusteigen und nicht in Syrien zu k\u00e4mpfen, wuchs die Angst bei seiner Familie. Denn f\u00fcr die iranischen Beh\u00f6rden gilt: Hat man sich einmal gemeldet, gibt es kein zur\u00fcck. Man muss an die Front nach Syrien \u2013 oder wird zur\u00fcck nach Afghanistan abgeschoben, wo ebenfalls Krieg herrscht.<\/p>\n\n\n\n

Der einzige Ausweg f\u00fcr den jungen Afghanen war die Flucht. \u00dcber die T\u00fcrkei, Griechenland und die Balkranroute erreichte er mit gro\u00dfer M\u00fche Deutschland, wo er einen Asylantrag stellte.<\/p>\n\n\n\n

Erster Asylantrag in Deutschland abgelehnt<\/h2>\n\n\n\n

Als Grund nannte er seine Rekrutierung als Kindersoldat seitens des iranischen Regimes. Doch w\u00e4hrend diese Begr\u00fcndung in Abu Fazels Augen v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich war, sahen deutsche Beh\u00f6rden das anders. Sein erster Antrag wurde abgelehnt. Derzeit versucht er es ein zweites Mal. Die Bundesrepublik schiebt afghanische Gefl\u00fcchtete weiterhin ab.<\/p>\n\n\n\n

\"EinAbschiebung von Afghanen im Dezember 2016 mit einem Charterflug von Frankfurt nach Kabul. (dpa \/picture alliance \/ Boris Roessler)<\/p>\n\n\n\n

Die Verantwortlichen weisen in diesem Kontext immer wieder auf vermeintlich \u201esichere Gebiete\u201c im Land, die nicht n\u00e4her benannt werden.<\/p>\n\n\n\n

W\u00e4hrenddessen machen Menschenrechtsorganisationen regelm\u00e4\u00dfig darauf aufmerksam, dass keine Region am Hindukusch sicher ist. Stattdessen wird in manchen Gebieten nur weniger Krieg gef\u00fchrt als in anderen.<\/p>\n\n\n\n

\"SieDemonstranten protestieren in Frankfurt am Main gegen die Abschiebung von Afghanen. Auf einem der Transparente steht \u201eAfghanistan is not safe\u201c. (AFP \/ Daniel Roland)<\/p>\n\n\n\n

Alis Vater und Onkel k\u00e4mpfen in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein \u00e4hnliches Schicksal wie Abu Fazel erlitt der 18-j\u00e4hrige Ali (Namen ge\u00e4ndert). Auch er floh aus dem Iran nach Deutschland, um der Rekrutierung f\u00fcr Assads Milizen zu entgehen. Viele seiner afghanischen Freunde sind bereits nach Syrien gezogen \u2013 und kamen niemals zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Alis Familie, ebenfalls Angeh\u00f6rige der Hazara-Minderheit, stammt urspr\u00fcnglich aus der Provinz Ghor im Nordosten Afghanistans. Ihre Heimat verlie\u00dfen sie w\u00e4hrend der sowjetischen Besatzung in den 1980er-Jahren.<\/p>\n\n\n\n

Seit jeher lebt die Familie in der iranischen Gro\u00dfstadt Maschhad. Als der Krieg in Syrien ausbrach, erreichte sie ein Konflikt, mit dem sie nicht gerechnet hatten. Im Juli 2015 reiste Alis Vater nach Teheran. Er wollte einen Weg finden, um f\u00fcr seine Familie Aufenthaltspapiere zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Beh\u00f6rden sagten ihm, dass die Rekrutierung f\u00fcr den Krieg in Syrien eine M\u00f6glichkeit darstellen k\u00f6nnte, um Papiere f\u00fcr uns alle zu erhalten. Andernfalls w\u00fcrde man uns sehr bald nach Afghanistan abschieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Mittlerweile k\u00e4mpfen Alis Vater und sein Onkel seit \u00fcber einem Jahr in Syrien. Am Aufenthaltsstatus seiner Familienmitglieder hat sich bis heute allerdings nichts ge\u00e4ndert. F\u00fcr Ali ist klar, dass dies nur eine Falle gewesen ist, um noch mehr Afghanen als Kanonenfutter zu missbrauchen.<\/p>\n\n\n\n

Anfangs gab es Papiere f\u00fcr K\u00e4mpfer-Familien<\/h2>\n\n\n\n

Den Kontakt zu seinem Vater hat der Afghane mittlerweile verloren. W\u00e4hrenddessen schickt ihm sein Onkel, der in Aleppo stationiert ist, hin und wieder Bilder \u00fcber den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ali denkt, dass nur sehr wenige Afghanen der Propaganda der iranischen Regierung glauben und in Syrien f\u00fcr eine \u201egute Sache\u201c k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

Source<\/a><\/p>\n","post_title":"Warum Afghanen in Syrien f\u00fcr Assad k\u00e4mpfen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"warum-afghanen-in-syrien-fur-assad-kampfen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3709","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":9},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Beck argumentiert, dass Israel auch heute seine Kontrolle von Land, Luft und Wasser aufrechterh\u00e4lt und die Besatzungsherrschaft damit fortsetzt, ohne \"den dort lebenden Menschen irgendeine Form demokratischer Mitwirkungsrechte zu gew\u00e4hren\".<\/p>\n\n\n\n

Mit dieser Einsch\u00e4tzung ist Beck nicht allein. Auch die Vereinten Nationen<\/a> und der Internationale Strafgerichtshof<\/a> vertreten die Auffassung, dass die israelische Besatzung \u00fcber den Gazastreifen andauert.<\/p>\n\n\n\n

F\u00fcr die Gesamtbewertung des politischen Systems Israels hat diese Frage allerdings ohnehin keine entscheidende Bedeutung mehr. Denn Becks Fazit f\u00e4llt eindeutig aus: Zweifelsfrei um eine Demokratie gehandelt habe es sich bei Israel lediglich in einem kurzen sechsmonatigen Zeitraum zwischen der Abschaffung des Milit\u00e4rrechts f\u00fcr arabische Israelis im November 1966 und dem Beginn des Sechstagekrieges im Juni 1967.<\/p>\n\n\n\n

Sp\u00e4testens mit Beginn der Besatzungsherrschaft habe Israel seinen Charakter als Demokratie verloren. F\u00fcr heutige Debatten rund um Israel empfiehlt der Nahost-Professor deshalb auf das Demokratieargument besser zu verzichten.

der\u00a0Ursprung<\/a><\/p>\n","post_title":"Die einzige Demokratie im Nahen Osten?","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-einzige-demokratie-im-nahen-osten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3775","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3719,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:39:47","post_date_gmt":"2020-08-13 21:39:47","post_content":"\n

Jenni Zylka und Christoph Safferling im Gespr\u00e4ch mit Anke Schaefer<\/a>- Sie kommen aus Syrien und dem Irak nach Deutschland zur\u00fcck: Frauen, die sich dem sogenannten Islamischen Staat (IS) angeschlossen haben, mit Terroristen zusammenlebten. Soll man sie k\u00fcnftig h\u00e4rter bestrafen? Die Journalistin Jenni Zylka und der Jurist Christoph Safferling sehen das kritisch.<\/p>\n\n\n\n

Frauen, die sich dem IS angeschlossen, aber selbst nicht gek\u00e4mpft haben, sollen laut Generalbundesanwalt Peter Frank als Mitl\u00e4uferinnen h\u00e4rter bestraft werden k\u00f6nnen. Frank meint: \u201eWir sind der Meinung, dass sich  auch bei diesen Frauen die Mitgliedschaft in einer ausl\u00e4ndischen terroristischen Organisation bejahen l\u00e4sst, weil diese Frauen die innere Struktur des sogenannten Islamischen Staates und damit diese Terrororganisation von innen heraus st\u00e4rken.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Aber sind diese Frauen nicht eher Opfer? Weil sie Angst um ihre Kinder hatten, den Umgang mit der Waffe zur Selbstverteidigung gelernt haben? Jenni Zylka meint dazu:  \u00dcber eine Mitschuld solcher Frauen nachzudenken, sei nachvollziehbar und auch legitim. Jedoch m\u00fcsse sehr genau hingeschaut und jede dieser Frauen einzeln betrachtet werden. Man m\u00fcsse unterscheiden, ob Frauen mit IS-Terroristen zusammengelebt und f\u00fcr diese gesorgt h\u00e4tten oder ob sie selbst militant geworden seien. Viele von ihnen seien zudem traumatisiert durch die Erlebnisse in den IS-Lagern.<\/p>\n\n\n\n

\"DieDie Journalistin Jenni Zylka (Deutschlandradio \/ Andreas Buron)<\/p>\n\n\n\n

Nicht wie Schwerverbrecherinnen behandeln<\/h2>\n\n\n\n

Christoph Safferling, Professor f\u00fcr Strafrecht an der Universit\u00e4t Erlangen-N\u00fcrnberg, sagt, er halte die Argumentation des Generalbundesanwalts f\u00fcr problematisch. Es handle sich zun\u00e4chst einmal um allt\u00e4gliche Handlungen wie Kochen und Sorge um die Kinder. \u201eUnd die Frage ist: Wann sind solche neutralen Handlungen tats\u00e4chlich straftatunterst\u00fctzend.\u201c Ein Vorsatz, die terroristischen Strukturen zu unterst\u00fctzen, m\u00fcsse klar nachgewiesen werden.<\/p>\n\n\n\n

Vielmehr stelle sich die Frage, ob die Frauen nicht eher als Opfer betrachtet werden m\u00fcssten. Viele h\u00e4tten sich wie unter Zwang auf die Situation eingelassen \u2013 diese k\u00f6nne man strukturell durchaus mit den Bedingungen von Zwangsprostitution vergleichen. Viele der jungen Frauen seien auch unter Drogen gesetzt worden.<\/p>\n\n\n\n

Zugest\u00e4ndnis an Irak?<\/h2>\n\n\n\n

Eine m\u00f6gliche Erkl\u00e4rung der harten Linie der Generalbundesanwaltschaft \u00fcber die man nur spekulieren k\u00f6nne: \u201eIch kann mir auch vorstellen, dass, wenn es jetzt darum geht, Irak davon zu \u00fcberzeugen, die deutschen Staatsangeh\u00f6rigen, die dort einsitzen, auszuliefern, man ihnen gegen\u00fcber auch zu verstehen geben muss, dass die hier einer Strafverfolgung zugef\u00fchrt werden. Ansonsten w\u00fcrde der Irak sich vielleicht weigern, sie auszuliefern.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Safferling h\u00e4lt eine intensive Betreuung der zur\u00fcckgekehrten Frauen und M\u00e4dchen f\u00fcr unerl\u00e4sslich \u2013 man d\u00fcrfe sie keinesfalls alleine lassen und nicht wie Schwerverbrecherinnen behandeln. Es m\u00fcsse vielmehr verhindert werden, dass die jungen Frauen etwa in die Salafisten-Szene abtauchten.<\/p>\n","post_title":"Sie sind eher Opfer als Schwerverbrecherinnen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"sie-sind-eher-opfer-als-schwerverbrecherinnen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3719","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3709,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:30:50","post_date_gmt":"2020-08-13 21:30:50","post_content":"\n

Drei Millionen Afghanen sind ins Nachbarland Iran geflohen. Viele arbeiten schwarz. Die Aussicht auf einen festen Lohn plus Papiere f\u00fcr die Familie ist verlockend. Die Gegenleistung daf\u00fcr: K\u00e4mpfen in Syrien.<\/p>\n\n\n\n

Wenn Abu Fazel von den Gr\u00e4ueltaten des syrischen B\u00fcrgerkriegs h\u00f6rt, denkt er immer daran, dass er auch beinahe als K\u00e4mpfer auf diesem Schlachtfeld gelandet w\u00e4re. Doch Abu Fazel ist weder Syrer noch wollte er zum sogenannten \u201eIslamischen Staat\u201c. Der 18-J\u00e4hrige ist ein afghanischer Gefl\u00fcchteter, der zur Zeit in Leverkusen lebt.<\/p>\n\n\n\n

Den Gro\u00dfteil seines Lebens verbrachte er im Iran. Seine Familie ist dorthin gefl\u00fcchtet, als er ein Kind war. Doch als die iranische Regierung ihn nach Syrien schicken wollte, um auf der Seite von Machthaber Baschar al-Assad zu k\u00e4mpfen, entschloss er sich zu fliehen.<\/p>\n\n\n\n

\"Fl\u00fcchtlingeGefl\u00fcchtete aus dem Iran und Afghanistan an der Grenze zwischen Mazedonien und Griechenland. (picture alliance \/ dpa \/ Georgi Licovski)<\/p>\n\n\n\n

Tausende afghanische Jugendliche \u2013 die genaue Zahl ist nicht bekannt \u2013 wurden im Iran rekrutiert, um im Krieg in Syrien zu k\u00e4mpfen. Erst vor Kurzem berichtete die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, dass sie die Gr\u00e4ber von acht afghanischen Kindern, die in Syrien get\u00f6tet wurden, identifiziert hat. Laut der Organisation rekrutiert der Iran regelm\u00e4\u00dfig minderj\u00e4hrige K\u00e4mpfer, um sie nach Syrien zu schicken. Unter afghanischen Gefl\u00fcchteten ist diese Praxis schon l\u00e4nger bekannt.<\/p>\n\n\n\n

Rassismus gegen Afghanen im Iran<\/h2>\n\n\n\n

Fast drei Millionen Gefl\u00fcchtete aus Afghanistan sind inzwischen im Iran. Die meisten von ihnen leben in der Illegalit\u00e4t und werden als Schwarzarbeiter, etwa am Bau, ausgebeutet. Rassismus und Ausgrenzung geh\u00f6ren zu ihrem gesellschaftlichen Alltag. Kinder sind davon nicht ausgeschlossen. Im Gegenteil: Vielen afghanischen Kinderm ist es nicht erlaubt, staatliche Schulen zu besuchen. Abu Fazel wurde Zeit seines Lebens von dieser Diskrimierung beeinflusst und verfolgt.<\/p>\n\n\n\n

\u201e'Afghane\u2018 \u2013 das ist dort ein Schimpfwort. Ich h\u00f6rte es von klein auf immer wieder. Der Rassismus gegen Afghanen ist dort v\u00f6llig normal. Meine Herkunft, auf der ich eigentlich stolz war, ist im Iran stets eine Last gewesen. Wir sind dort B\u00fcrger zweiter Klasse.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung der afghanischen Gefl\u00fcchteten ist f\u00fcr Abu Fazel die Spitze jenes Rassismus, den er erlebt hat.<\/p>\n\n\n\n

Iran: Syrien vor sunnitischen Extremisten verteidigen<\/h2>\n\n\n\n

In Syrien k\u00e4mpfen neben den afghanischen Milizen auch andere paramilit\u00e4rische Gruppierungen im Auftrag des Irans: etwa die ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigten Revolutionsgarden, die einst Ayatollah Ruhollah Khomeini pers\u00f6nlich ins Leben rief oder die Basidsch-Milizen. Beiden Gruppierungen sind nicht nur in Syrien aktiv, sondern auch im Irak.<\/p>\n\n\n\n

Obowhl sich das syrische Regime von Baschar al-Assad als s\u00e4kular ausweist, wird es vom Iran, der sich als Repr\u00e4sentant aller muslimischen Schiiten betrachtet, unterst\u00fctzt. Gemeinsames Ziel in Syrien ist es: Schiiten vor sunnitische Extremisten zu verteidigen. Dennoch ist das Regime darauf bedacht, m\u00f6glichst wenig eigene K\u00e4mpfer nach Syrien zu schicken. \u00c4hnlich wie einst w\u00e4hrend des Krieges gegen Saddam Husseins Irak, setzt der Iran auf ausl\u00e4ndische K\u00e4mpfer.<\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung war wie eine Gehirnw\u00e4sche<\/h2>\n\n\n\n

Abu Fazels Familie geh\u00f6rt zur afghanischen Minderheit der schiitischen Hazara \u2013 wie viele Afghanen, die in den Iran gekommen sind. Mittlerweile k\u00e4mpfen Tausende von ihnen in Syrien. Der Iran bezahlt die Afghanen mit einem Sold von wenigen hundert Dollar pro Monat und verspricht ihren Familien eine Aufenthaltsgenehmigung oder eine Arbeitserlaubnis.<\/p>\n\n\n\n

An der Rekrutierung der Afghanen sind sowohl die Revolutionsgarden als auch die erw\u00e4hnten Basidsch-Milizen beteiligt. Abu Fazel beschreibt, wie das Viertel, in dem er gemeinsam mit seiner Familie in Teheran lebte, regelm\u00e4\u00dfig von den K\u00e4mpfern aufgesucht wurde. Viele afghanische Gefl\u00fcchtete lebten dort \u2013 und fielen auf die Gehirnw\u00e4sche der Rattenf\u00e4nger herein.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie trafen junge M\u00e4nner und Jugendliche in den Moscheen und \u00fcberredeten sie, gegen den IS oder Al Qaida zu k\u00e4mpfen. Die Gehirnw\u00e4sche war perfekt. Am Ende merkten viele, darunter auch ich, nicht einmal, dass wir in ihre Propaganda getappt waren. Ihre \u00dcberredungskunst war wirklich sehr speziell. Am Ende hat man Lust, nach Syrien zu gehen, um zu k\u00e4mpfen\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Erfolg hatten die Rekrutierer des Regimes auch bei Abu Fazels Cousin, der zum damaligen Zeitpunkt ebenfalls minderj\u00e4hrig gewesen ist. Er ging nach Syrien und k\u00e4mpfte unter der Flagge der \u201eLiwa Fatemiyoun\u201c, wie die afghanische Division auf Seiten Assads hei\u00dft. Offiziell ist die Aufgabe der Miliz die Verteidigung des Schreines von Zaynab im S\u00fcden von Damaskus. Zaynab war die Enkelin des islamischen Propheten Mohammad. Laut iranischen Staatsmedien k\u00e4mpfen mindestens 20.000 Afghanen in der Division.<\/p>\n\n\n\n

Im August 2014 entschloss sich auch Abu Fazel, nach Syrien zu gehen und zu k\u00e4mpfen. Im selben Monat wurde sein Cousin in der N\u00e4he von Aleppo im Kampf gegen syrische Rebellen get\u00f6tet.<\/p>\n\n\n\n

\u201eMein Cousin wurde dort get\u00f6tet. Auch andere Jungs aus unserer Gegend gingen nach Syrien und fielen dort. Lokale Zeitungen nannten sie \u201aM\u00e4rtyrer\u2018.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Lieber Flucht statt K\u00e4mpfer in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein solcher \u201eM\u00e4rtyrer\u201c wollte Abu Fazel allerdings nicht werden. Er floh eine Woche vor dem Beginn seiner dreimonatigen Kampfausbildung. Es war ihm lieber, ein Leben auf der Flucht zu verbringen, als in Syrien unschuldige Menschen f\u00fcr einen Diktator zu t\u00f6ten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch kam zu dem Schluss, dass ich nicht als M\u00f6rder weiterleben k\u00f6nnte. Stets dachte ich mir, dass selbst die schlimmsten Al-Qaida- oder IS-Terroristen Kinder haben k\u00f6nnten, die ihren Vater lieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Fazel verlor seinen eigenen Vater bereits sehr fr\u00fch. Er wurde Opfer des B\u00fcrgerkriegs in Afghanistan, der von 1989 bis 2001 tausende Menschen das Leben kostete. Auch der Iran mischte in der Zeit schon mit. Es ist allgemein bekannt, dass die schiitischen Hazara-Milizen, die den B\u00fcrgerkrieg ebenfalls mitanfachten, von der Regierung in Teheran unterst\u00fctzt wurden.<\/p>\n\n\n\n

Als Abu Fazel sich nun entschloss, aus der Gewaltspirale auszusteigen und nicht in Syrien zu k\u00e4mpfen, wuchs die Angst bei seiner Familie. Denn f\u00fcr die iranischen Beh\u00f6rden gilt: Hat man sich einmal gemeldet, gibt es kein zur\u00fcck. Man muss an die Front nach Syrien \u2013 oder wird zur\u00fcck nach Afghanistan abgeschoben, wo ebenfalls Krieg herrscht.<\/p>\n\n\n\n

Der einzige Ausweg f\u00fcr den jungen Afghanen war die Flucht. \u00dcber die T\u00fcrkei, Griechenland und die Balkranroute erreichte er mit gro\u00dfer M\u00fche Deutschland, wo er einen Asylantrag stellte.<\/p>\n\n\n\n

Erster Asylantrag in Deutschland abgelehnt<\/h2>\n\n\n\n

Als Grund nannte er seine Rekrutierung als Kindersoldat seitens des iranischen Regimes. Doch w\u00e4hrend diese Begr\u00fcndung in Abu Fazels Augen v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich war, sahen deutsche Beh\u00f6rden das anders. Sein erster Antrag wurde abgelehnt. Derzeit versucht er es ein zweites Mal. Die Bundesrepublik schiebt afghanische Gefl\u00fcchtete weiterhin ab.<\/p>\n\n\n\n

\"EinAbschiebung von Afghanen im Dezember 2016 mit einem Charterflug von Frankfurt nach Kabul. (dpa \/picture alliance \/ Boris Roessler)<\/p>\n\n\n\n

Die Verantwortlichen weisen in diesem Kontext immer wieder auf vermeintlich \u201esichere Gebiete\u201c im Land, die nicht n\u00e4her benannt werden.<\/p>\n\n\n\n

W\u00e4hrenddessen machen Menschenrechtsorganisationen regelm\u00e4\u00dfig darauf aufmerksam, dass keine Region am Hindukusch sicher ist. Stattdessen wird in manchen Gebieten nur weniger Krieg gef\u00fchrt als in anderen.<\/p>\n\n\n\n

\"SieDemonstranten protestieren in Frankfurt am Main gegen die Abschiebung von Afghanen. Auf einem der Transparente steht \u201eAfghanistan is not safe\u201c. (AFP \/ Daniel Roland)<\/p>\n\n\n\n

Alis Vater und Onkel k\u00e4mpfen in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein \u00e4hnliches Schicksal wie Abu Fazel erlitt der 18-j\u00e4hrige Ali (Namen ge\u00e4ndert). Auch er floh aus dem Iran nach Deutschland, um der Rekrutierung f\u00fcr Assads Milizen zu entgehen. Viele seiner afghanischen Freunde sind bereits nach Syrien gezogen \u2013 und kamen niemals zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Alis Familie, ebenfalls Angeh\u00f6rige der Hazara-Minderheit, stammt urspr\u00fcnglich aus der Provinz Ghor im Nordosten Afghanistans. Ihre Heimat verlie\u00dfen sie w\u00e4hrend der sowjetischen Besatzung in den 1980er-Jahren.<\/p>\n\n\n\n

Seit jeher lebt die Familie in der iranischen Gro\u00dfstadt Maschhad. Als der Krieg in Syrien ausbrach, erreichte sie ein Konflikt, mit dem sie nicht gerechnet hatten. Im Juli 2015 reiste Alis Vater nach Teheran. Er wollte einen Weg finden, um f\u00fcr seine Familie Aufenthaltspapiere zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Beh\u00f6rden sagten ihm, dass die Rekrutierung f\u00fcr den Krieg in Syrien eine M\u00f6glichkeit darstellen k\u00f6nnte, um Papiere f\u00fcr uns alle zu erhalten. Andernfalls w\u00fcrde man uns sehr bald nach Afghanistan abschieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Mittlerweile k\u00e4mpfen Alis Vater und sein Onkel seit \u00fcber einem Jahr in Syrien. Am Aufenthaltsstatus seiner Familienmitglieder hat sich bis heute allerdings nichts ge\u00e4ndert. F\u00fcr Ali ist klar, dass dies nur eine Falle gewesen ist, um noch mehr Afghanen als Kanonenfutter zu missbrauchen.<\/p>\n\n\n\n

Anfangs gab es Papiere f\u00fcr K\u00e4mpfer-Familien<\/h2>\n\n\n\n

Den Kontakt zu seinem Vater hat der Afghane mittlerweile verloren. W\u00e4hrenddessen schickt ihm sein Onkel, der in Aleppo stationiert ist, hin und wieder Bilder \u00fcber den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ali denkt, dass nur sehr wenige Afghanen der Propaganda der iranischen Regierung glauben und in Syrien f\u00fcr eine \u201egute Sache\u201c k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

Source<\/a><\/p>\n","post_title":"Warum Afghanen in Syrien f\u00fcr Assad k\u00e4mpfen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"warum-afghanen-in-syrien-fur-assad-kampfen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3709","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":9},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

\n

W\u00e4hrend an der israelischen Besatzung des Westjordanlands kein Zweifel besteht, \u00fcberrascht, dass Beck f\u00fcr den Gazastreifen zu einer \u00e4hnlichen Bewertung kommt. Schlie\u00dflich hat Israel seine Soldaten im Jahr 2007 aus dem K\u00fcstenstreifen abgezogen und j\u00fcdische Siedlungen aufgel\u00f6st.<\/p>\n\n\n\n

Beck argumentiert, dass Israel auch heute seine Kontrolle von Land, Luft und Wasser aufrechterh\u00e4lt und die Besatzungsherrschaft damit fortsetzt, ohne \"den dort lebenden Menschen irgendeine Form demokratischer Mitwirkungsrechte zu gew\u00e4hren\".<\/p>\n\n\n\n

Mit dieser Einsch\u00e4tzung ist Beck nicht allein. Auch die Vereinten Nationen<\/a> und der Internationale Strafgerichtshof<\/a> vertreten die Auffassung, dass die israelische Besatzung \u00fcber den Gazastreifen andauert.<\/p>\n\n\n\n

F\u00fcr die Gesamtbewertung des politischen Systems Israels hat diese Frage allerdings ohnehin keine entscheidende Bedeutung mehr. Denn Becks Fazit f\u00e4llt eindeutig aus: Zweifelsfrei um eine Demokratie gehandelt habe es sich bei Israel lediglich in einem kurzen sechsmonatigen Zeitraum zwischen der Abschaffung des Milit\u00e4rrechts f\u00fcr arabische Israelis im November 1966 und dem Beginn des Sechstagekrieges im Juni 1967.<\/p>\n\n\n\n

Sp\u00e4testens mit Beginn der Besatzungsherrschaft habe Israel seinen Charakter als Demokratie verloren. F\u00fcr heutige Debatten rund um Israel empfiehlt der Nahost-Professor deshalb auf das Demokratieargument besser zu verzichten.

der\u00a0Ursprung<\/a><\/p>\n","post_title":"Die einzige Demokratie im Nahen Osten?","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-einzige-demokratie-im-nahen-osten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3775","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3719,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:39:47","post_date_gmt":"2020-08-13 21:39:47","post_content":"\n

Jenni Zylka und Christoph Safferling im Gespr\u00e4ch mit Anke Schaefer<\/a>- Sie kommen aus Syrien und dem Irak nach Deutschland zur\u00fcck: Frauen, die sich dem sogenannten Islamischen Staat (IS) angeschlossen haben, mit Terroristen zusammenlebten. Soll man sie k\u00fcnftig h\u00e4rter bestrafen? Die Journalistin Jenni Zylka und der Jurist Christoph Safferling sehen das kritisch.<\/p>\n\n\n\n

Frauen, die sich dem IS angeschlossen, aber selbst nicht gek\u00e4mpft haben, sollen laut Generalbundesanwalt Peter Frank als Mitl\u00e4uferinnen h\u00e4rter bestraft werden k\u00f6nnen. Frank meint: \u201eWir sind der Meinung, dass sich  auch bei diesen Frauen die Mitgliedschaft in einer ausl\u00e4ndischen terroristischen Organisation bejahen l\u00e4sst, weil diese Frauen die innere Struktur des sogenannten Islamischen Staates und damit diese Terrororganisation von innen heraus st\u00e4rken.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Aber sind diese Frauen nicht eher Opfer? Weil sie Angst um ihre Kinder hatten, den Umgang mit der Waffe zur Selbstverteidigung gelernt haben? Jenni Zylka meint dazu:  \u00dcber eine Mitschuld solcher Frauen nachzudenken, sei nachvollziehbar und auch legitim. Jedoch m\u00fcsse sehr genau hingeschaut und jede dieser Frauen einzeln betrachtet werden. Man m\u00fcsse unterscheiden, ob Frauen mit IS-Terroristen zusammengelebt und f\u00fcr diese gesorgt h\u00e4tten oder ob sie selbst militant geworden seien. Viele von ihnen seien zudem traumatisiert durch die Erlebnisse in den IS-Lagern.<\/p>\n\n\n\n

\"DieDie Journalistin Jenni Zylka (Deutschlandradio \/ Andreas Buron)<\/p>\n\n\n\n

Nicht wie Schwerverbrecherinnen behandeln<\/h2>\n\n\n\n

Christoph Safferling, Professor f\u00fcr Strafrecht an der Universit\u00e4t Erlangen-N\u00fcrnberg, sagt, er halte die Argumentation des Generalbundesanwalts f\u00fcr problematisch. Es handle sich zun\u00e4chst einmal um allt\u00e4gliche Handlungen wie Kochen und Sorge um die Kinder. \u201eUnd die Frage ist: Wann sind solche neutralen Handlungen tats\u00e4chlich straftatunterst\u00fctzend.\u201c Ein Vorsatz, die terroristischen Strukturen zu unterst\u00fctzen, m\u00fcsse klar nachgewiesen werden.<\/p>\n\n\n\n

Vielmehr stelle sich die Frage, ob die Frauen nicht eher als Opfer betrachtet werden m\u00fcssten. Viele h\u00e4tten sich wie unter Zwang auf die Situation eingelassen \u2013 diese k\u00f6nne man strukturell durchaus mit den Bedingungen von Zwangsprostitution vergleichen. Viele der jungen Frauen seien auch unter Drogen gesetzt worden.<\/p>\n\n\n\n

Zugest\u00e4ndnis an Irak?<\/h2>\n\n\n\n

Eine m\u00f6gliche Erkl\u00e4rung der harten Linie der Generalbundesanwaltschaft \u00fcber die man nur spekulieren k\u00f6nne: \u201eIch kann mir auch vorstellen, dass, wenn es jetzt darum geht, Irak davon zu \u00fcberzeugen, die deutschen Staatsangeh\u00f6rigen, die dort einsitzen, auszuliefern, man ihnen gegen\u00fcber auch zu verstehen geben muss, dass die hier einer Strafverfolgung zugef\u00fchrt werden. Ansonsten w\u00fcrde der Irak sich vielleicht weigern, sie auszuliefern.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Safferling h\u00e4lt eine intensive Betreuung der zur\u00fcckgekehrten Frauen und M\u00e4dchen f\u00fcr unerl\u00e4sslich \u2013 man d\u00fcrfe sie keinesfalls alleine lassen und nicht wie Schwerverbrecherinnen behandeln. Es m\u00fcsse vielmehr verhindert werden, dass die jungen Frauen etwa in die Salafisten-Szene abtauchten.<\/p>\n","post_title":"Sie sind eher Opfer als Schwerverbrecherinnen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"sie-sind-eher-opfer-als-schwerverbrecherinnen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3719","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3709,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:30:50","post_date_gmt":"2020-08-13 21:30:50","post_content":"\n

Drei Millionen Afghanen sind ins Nachbarland Iran geflohen. Viele arbeiten schwarz. Die Aussicht auf einen festen Lohn plus Papiere f\u00fcr die Familie ist verlockend. Die Gegenleistung daf\u00fcr: K\u00e4mpfen in Syrien.<\/p>\n\n\n\n

Wenn Abu Fazel von den Gr\u00e4ueltaten des syrischen B\u00fcrgerkriegs h\u00f6rt, denkt er immer daran, dass er auch beinahe als K\u00e4mpfer auf diesem Schlachtfeld gelandet w\u00e4re. Doch Abu Fazel ist weder Syrer noch wollte er zum sogenannten \u201eIslamischen Staat\u201c. Der 18-J\u00e4hrige ist ein afghanischer Gefl\u00fcchteter, der zur Zeit in Leverkusen lebt.<\/p>\n\n\n\n

Den Gro\u00dfteil seines Lebens verbrachte er im Iran. Seine Familie ist dorthin gefl\u00fcchtet, als er ein Kind war. Doch als die iranische Regierung ihn nach Syrien schicken wollte, um auf der Seite von Machthaber Baschar al-Assad zu k\u00e4mpfen, entschloss er sich zu fliehen.<\/p>\n\n\n\n

\"Fl\u00fcchtlingeGefl\u00fcchtete aus dem Iran und Afghanistan an der Grenze zwischen Mazedonien und Griechenland. (picture alliance \/ dpa \/ Georgi Licovski)<\/p>\n\n\n\n

Tausende afghanische Jugendliche \u2013 die genaue Zahl ist nicht bekannt \u2013 wurden im Iran rekrutiert, um im Krieg in Syrien zu k\u00e4mpfen. Erst vor Kurzem berichtete die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, dass sie die Gr\u00e4ber von acht afghanischen Kindern, die in Syrien get\u00f6tet wurden, identifiziert hat. Laut der Organisation rekrutiert der Iran regelm\u00e4\u00dfig minderj\u00e4hrige K\u00e4mpfer, um sie nach Syrien zu schicken. Unter afghanischen Gefl\u00fcchteten ist diese Praxis schon l\u00e4nger bekannt.<\/p>\n\n\n\n

Rassismus gegen Afghanen im Iran<\/h2>\n\n\n\n

Fast drei Millionen Gefl\u00fcchtete aus Afghanistan sind inzwischen im Iran. Die meisten von ihnen leben in der Illegalit\u00e4t und werden als Schwarzarbeiter, etwa am Bau, ausgebeutet. Rassismus und Ausgrenzung geh\u00f6ren zu ihrem gesellschaftlichen Alltag. Kinder sind davon nicht ausgeschlossen. Im Gegenteil: Vielen afghanischen Kinderm ist es nicht erlaubt, staatliche Schulen zu besuchen. Abu Fazel wurde Zeit seines Lebens von dieser Diskrimierung beeinflusst und verfolgt.<\/p>\n\n\n\n

\u201e'Afghane\u2018 \u2013 das ist dort ein Schimpfwort. Ich h\u00f6rte es von klein auf immer wieder. Der Rassismus gegen Afghanen ist dort v\u00f6llig normal. Meine Herkunft, auf der ich eigentlich stolz war, ist im Iran stets eine Last gewesen. Wir sind dort B\u00fcrger zweiter Klasse.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung der afghanischen Gefl\u00fcchteten ist f\u00fcr Abu Fazel die Spitze jenes Rassismus, den er erlebt hat.<\/p>\n\n\n\n

Iran: Syrien vor sunnitischen Extremisten verteidigen<\/h2>\n\n\n\n

In Syrien k\u00e4mpfen neben den afghanischen Milizen auch andere paramilit\u00e4rische Gruppierungen im Auftrag des Irans: etwa die ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigten Revolutionsgarden, die einst Ayatollah Ruhollah Khomeini pers\u00f6nlich ins Leben rief oder die Basidsch-Milizen. Beiden Gruppierungen sind nicht nur in Syrien aktiv, sondern auch im Irak.<\/p>\n\n\n\n

Obowhl sich das syrische Regime von Baschar al-Assad als s\u00e4kular ausweist, wird es vom Iran, der sich als Repr\u00e4sentant aller muslimischen Schiiten betrachtet, unterst\u00fctzt. Gemeinsames Ziel in Syrien ist es: Schiiten vor sunnitische Extremisten zu verteidigen. Dennoch ist das Regime darauf bedacht, m\u00f6glichst wenig eigene K\u00e4mpfer nach Syrien zu schicken. \u00c4hnlich wie einst w\u00e4hrend des Krieges gegen Saddam Husseins Irak, setzt der Iran auf ausl\u00e4ndische K\u00e4mpfer.<\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung war wie eine Gehirnw\u00e4sche<\/h2>\n\n\n\n

Abu Fazels Familie geh\u00f6rt zur afghanischen Minderheit der schiitischen Hazara \u2013 wie viele Afghanen, die in den Iran gekommen sind. Mittlerweile k\u00e4mpfen Tausende von ihnen in Syrien. Der Iran bezahlt die Afghanen mit einem Sold von wenigen hundert Dollar pro Monat und verspricht ihren Familien eine Aufenthaltsgenehmigung oder eine Arbeitserlaubnis.<\/p>\n\n\n\n

An der Rekrutierung der Afghanen sind sowohl die Revolutionsgarden als auch die erw\u00e4hnten Basidsch-Milizen beteiligt. Abu Fazel beschreibt, wie das Viertel, in dem er gemeinsam mit seiner Familie in Teheran lebte, regelm\u00e4\u00dfig von den K\u00e4mpfern aufgesucht wurde. Viele afghanische Gefl\u00fcchtete lebten dort \u2013 und fielen auf die Gehirnw\u00e4sche der Rattenf\u00e4nger herein.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie trafen junge M\u00e4nner und Jugendliche in den Moscheen und \u00fcberredeten sie, gegen den IS oder Al Qaida zu k\u00e4mpfen. Die Gehirnw\u00e4sche war perfekt. Am Ende merkten viele, darunter auch ich, nicht einmal, dass wir in ihre Propaganda getappt waren. Ihre \u00dcberredungskunst war wirklich sehr speziell. Am Ende hat man Lust, nach Syrien zu gehen, um zu k\u00e4mpfen\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Erfolg hatten die Rekrutierer des Regimes auch bei Abu Fazels Cousin, der zum damaligen Zeitpunkt ebenfalls minderj\u00e4hrig gewesen ist. Er ging nach Syrien und k\u00e4mpfte unter der Flagge der \u201eLiwa Fatemiyoun\u201c, wie die afghanische Division auf Seiten Assads hei\u00dft. Offiziell ist die Aufgabe der Miliz die Verteidigung des Schreines von Zaynab im S\u00fcden von Damaskus. Zaynab war die Enkelin des islamischen Propheten Mohammad. Laut iranischen Staatsmedien k\u00e4mpfen mindestens 20.000 Afghanen in der Division.<\/p>\n\n\n\n

Im August 2014 entschloss sich auch Abu Fazel, nach Syrien zu gehen und zu k\u00e4mpfen. Im selben Monat wurde sein Cousin in der N\u00e4he von Aleppo im Kampf gegen syrische Rebellen get\u00f6tet.<\/p>\n\n\n\n

\u201eMein Cousin wurde dort get\u00f6tet. Auch andere Jungs aus unserer Gegend gingen nach Syrien und fielen dort. Lokale Zeitungen nannten sie \u201aM\u00e4rtyrer\u2018.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Lieber Flucht statt K\u00e4mpfer in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein solcher \u201eM\u00e4rtyrer\u201c wollte Abu Fazel allerdings nicht werden. Er floh eine Woche vor dem Beginn seiner dreimonatigen Kampfausbildung. Es war ihm lieber, ein Leben auf der Flucht zu verbringen, als in Syrien unschuldige Menschen f\u00fcr einen Diktator zu t\u00f6ten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch kam zu dem Schluss, dass ich nicht als M\u00f6rder weiterleben k\u00f6nnte. Stets dachte ich mir, dass selbst die schlimmsten Al-Qaida- oder IS-Terroristen Kinder haben k\u00f6nnten, die ihren Vater lieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Fazel verlor seinen eigenen Vater bereits sehr fr\u00fch. Er wurde Opfer des B\u00fcrgerkriegs in Afghanistan, der von 1989 bis 2001 tausende Menschen das Leben kostete. Auch der Iran mischte in der Zeit schon mit. Es ist allgemein bekannt, dass die schiitischen Hazara-Milizen, die den B\u00fcrgerkrieg ebenfalls mitanfachten, von der Regierung in Teheran unterst\u00fctzt wurden.<\/p>\n\n\n\n

Als Abu Fazel sich nun entschloss, aus der Gewaltspirale auszusteigen und nicht in Syrien zu k\u00e4mpfen, wuchs die Angst bei seiner Familie. Denn f\u00fcr die iranischen Beh\u00f6rden gilt: Hat man sich einmal gemeldet, gibt es kein zur\u00fcck. Man muss an die Front nach Syrien \u2013 oder wird zur\u00fcck nach Afghanistan abgeschoben, wo ebenfalls Krieg herrscht.<\/p>\n\n\n\n

Der einzige Ausweg f\u00fcr den jungen Afghanen war die Flucht. \u00dcber die T\u00fcrkei, Griechenland und die Balkranroute erreichte er mit gro\u00dfer M\u00fche Deutschland, wo er einen Asylantrag stellte.<\/p>\n\n\n\n

Erster Asylantrag in Deutschland abgelehnt<\/h2>\n\n\n\n

Als Grund nannte er seine Rekrutierung als Kindersoldat seitens des iranischen Regimes. Doch w\u00e4hrend diese Begr\u00fcndung in Abu Fazels Augen v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich war, sahen deutsche Beh\u00f6rden das anders. Sein erster Antrag wurde abgelehnt. Derzeit versucht er es ein zweites Mal. Die Bundesrepublik schiebt afghanische Gefl\u00fcchtete weiterhin ab.<\/p>\n\n\n\n

\"EinAbschiebung von Afghanen im Dezember 2016 mit einem Charterflug von Frankfurt nach Kabul. (dpa \/picture alliance \/ Boris Roessler)<\/p>\n\n\n\n

Die Verantwortlichen weisen in diesem Kontext immer wieder auf vermeintlich \u201esichere Gebiete\u201c im Land, die nicht n\u00e4her benannt werden.<\/p>\n\n\n\n

W\u00e4hrenddessen machen Menschenrechtsorganisationen regelm\u00e4\u00dfig darauf aufmerksam, dass keine Region am Hindukusch sicher ist. Stattdessen wird in manchen Gebieten nur weniger Krieg gef\u00fchrt als in anderen.<\/p>\n\n\n\n

\"SieDemonstranten protestieren in Frankfurt am Main gegen die Abschiebung von Afghanen. Auf einem der Transparente steht \u201eAfghanistan is not safe\u201c. (AFP \/ Daniel Roland)<\/p>\n\n\n\n

Alis Vater und Onkel k\u00e4mpfen in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein \u00e4hnliches Schicksal wie Abu Fazel erlitt der 18-j\u00e4hrige Ali (Namen ge\u00e4ndert). Auch er floh aus dem Iran nach Deutschland, um der Rekrutierung f\u00fcr Assads Milizen zu entgehen. Viele seiner afghanischen Freunde sind bereits nach Syrien gezogen \u2013 und kamen niemals zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Alis Familie, ebenfalls Angeh\u00f6rige der Hazara-Minderheit, stammt urspr\u00fcnglich aus der Provinz Ghor im Nordosten Afghanistans. Ihre Heimat verlie\u00dfen sie w\u00e4hrend der sowjetischen Besatzung in den 1980er-Jahren.<\/p>\n\n\n\n

Seit jeher lebt die Familie in der iranischen Gro\u00dfstadt Maschhad. Als der Krieg in Syrien ausbrach, erreichte sie ein Konflikt, mit dem sie nicht gerechnet hatten. Im Juli 2015 reiste Alis Vater nach Teheran. Er wollte einen Weg finden, um f\u00fcr seine Familie Aufenthaltspapiere zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Beh\u00f6rden sagten ihm, dass die Rekrutierung f\u00fcr den Krieg in Syrien eine M\u00f6glichkeit darstellen k\u00f6nnte, um Papiere f\u00fcr uns alle zu erhalten. Andernfalls w\u00fcrde man uns sehr bald nach Afghanistan abschieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Mittlerweile k\u00e4mpfen Alis Vater und sein Onkel seit \u00fcber einem Jahr in Syrien. Am Aufenthaltsstatus seiner Familienmitglieder hat sich bis heute allerdings nichts ge\u00e4ndert. F\u00fcr Ali ist klar, dass dies nur eine Falle gewesen ist, um noch mehr Afghanen als Kanonenfutter zu missbrauchen.<\/p>\n\n\n\n

Anfangs gab es Papiere f\u00fcr K\u00e4mpfer-Familien<\/h2>\n\n\n\n

Den Kontakt zu seinem Vater hat der Afghane mittlerweile verloren. W\u00e4hrenddessen schickt ihm sein Onkel, der in Aleppo stationiert ist, hin und wieder Bilder \u00fcber den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ali denkt, dass nur sehr wenige Afghanen der Propaganda der iranischen Regierung glauben und in Syrien f\u00fcr eine \u201egute Sache\u201c k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

Source<\/a><\/p>\n","post_title":"Warum Afghanen in Syrien f\u00fcr Assad k\u00e4mpfen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"warum-afghanen-in-syrien-fur-assad-kampfen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3709","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":9},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

\n

Zweifelsfrei war Israel lediglich f\u00fcr sechs Monate eine Demokratie<\/h3>\n\n\n\n

W\u00e4hrend an der israelischen Besatzung des Westjordanlands kein Zweifel besteht, \u00fcberrascht, dass Beck f\u00fcr den Gazastreifen zu einer \u00e4hnlichen Bewertung kommt. Schlie\u00dflich hat Israel seine Soldaten im Jahr 2007 aus dem K\u00fcstenstreifen abgezogen und j\u00fcdische Siedlungen aufgel\u00f6st.<\/p>\n\n\n\n

Beck argumentiert, dass Israel auch heute seine Kontrolle von Land, Luft und Wasser aufrechterh\u00e4lt und die Besatzungsherrschaft damit fortsetzt, ohne \"den dort lebenden Menschen irgendeine Form demokratischer Mitwirkungsrechte zu gew\u00e4hren\".<\/p>\n\n\n\n

Mit dieser Einsch\u00e4tzung ist Beck nicht allein. Auch die Vereinten Nationen<\/a> und der Internationale Strafgerichtshof<\/a> vertreten die Auffassung, dass die israelische Besatzung \u00fcber den Gazastreifen andauert.<\/p>\n\n\n\n

F\u00fcr die Gesamtbewertung des politischen Systems Israels hat diese Frage allerdings ohnehin keine entscheidende Bedeutung mehr. Denn Becks Fazit f\u00e4llt eindeutig aus: Zweifelsfrei um eine Demokratie gehandelt habe es sich bei Israel lediglich in einem kurzen sechsmonatigen Zeitraum zwischen der Abschaffung des Milit\u00e4rrechts f\u00fcr arabische Israelis im November 1966 und dem Beginn des Sechstagekrieges im Juni 1967.<\/p>\n\n\n\n

Sp\u00e4testens mit Beginn der Besatzungsherrschaft habe Israel seinen Charakter als Demokratie verloren. F\u00fcr heutige Debatten rund um Israel empfiehlt der Nahost-Professor deshalb auf das Demokratieargument besser zu verzichten.

der\u00a0Ursprung<\/a><\/p>\n","post_title":"Die einzige Demokratie im Nahen Osten?","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-einzige-demokratie-im-nahen-osten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3775","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3719,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:39:47","post_date_gmt":"2020-08-13 21:39:47","post_content":"\n

Jenni Zylka und Christoph Safferling im Gespr\u00e4ch mit Anke Schaefer<\/a>- Sie kommen aus Syrien und dem Irak nach Deutschland zur\u00fcck: Frauen, die sich dem sogenannten Islamischen Staat (IS) angeschlossen haben, mit Terroristen zusammenlebten. Soll man sie k\u00fcnftig h\u00e4rter bestrafen? Die Journalistin Jenni Zylka und der Jurist Christoph Safferling sehen das kritisch.<\/p>\n\n\n\n

Frauen, die sich dem IS angeschlossen, aber selbst nicht gek\u00e4mpft haben, sollen laut Generalbundesanwalt Peter Frank als Mitl\u00e4uferinnen h\u00e4rter bestraft werden k\u00f6nnen. Frank meint: \u201eWir sind der Meinung, dass sich  auch bei diesen Frauen die Mitgliedschaft in einer ausl\u00e4ndischen terroristischen Organisation bejahen l\u00e4sst, weil diese Frauen die innere Struktur des sogenannten Islamischen Staates und damit diese Terrororganisation von innen heraus st\u00e4rken.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Aber sind diese Frauen nicht eher Opfer? Weil sie Angst um ihre Kinder hatten, den Umgang mit der Waffe zur Selbstverteidigung gelernt haben? Jenni Zylka meint dazu:  \u00dcber eine Mitschuld solcher Frauen nachzudenken, sei nachvollziehbar und auch legitim. Jedoch m\u00fcsse sehr genau hingeschaut und jede dieser Frauen einzeln betrachtet werden. Man m\u00fcsse unterscheiden, ob Frauen mit IS-Terroristen zusammengelebt und f\u00fcr diese gesorgt h\u00e4tten oder ob sie selbst militant geworden seien. Viele von ihnen seien zudem traumatisiert durch die Erlebnisse in den IS-Lagern.<\/p>\n\n\n\n

\"DieDie Journalistin Jenni Zylka (Deutschlandradio \/ Andreas Buron)<\/p>\n\n\n\n

Nicht wie Schwerverbrecherinnen behandeln<\/h2>\n\n\n\n

Christoph Safferling, Professor f\u00fcr Strafrecht an der Universit\u00e4t Erlangen-N\u00fcrnberg, sagt, er halte die Argumentation des Generalbundesanwalts f\u00fcr problematisch. Es handle sich zun\u00e4chst einmal um allt\u00e4gliche Handlungen wie Kochen und Sorge um die Kinder. \u201eUnd die Frage ist: Wann sind solche neutralen Handlungen tats\u00e4chlich straftatunterst\u00fctzend.\u201c Ein Vorsatz, die terroristischen Strukturen zu unterst\u00fctzen, m\u00fcsse klar nachgewiesen werden.<\/p>\n\n\n\n

Vielmehr stelle sich die Frage, ob die Frauen nicht eher als Opfer betrachtet werden m\u00fcssten. Viele h\u00e4tten sich wie unter Zwang auf die Situation eingelassen \u2013 diese k\u00f6nne man strukturell durchaus mit den Bedingungen von Zwangsprostitution vergleichen. Viele der jungen Frauen seien auch unter Drogen gesetzt worden.<\/p>\n\n\n\n

Zugest\u00e4ndnis an Irak?<\/h2>\n\n\n\n

Eine m\u00f6gliche Erkl\u00e4rung der harten Linie der Generalbundesanwaltschaft \u00fcber die man nur spekulieren k\u00f6nne: \u201eIch kann mir auch vorstellen, dass, wenn es jetzt darum geht, Irak davon zu \u00fcberzeugen, die deutschen Staatsangeh\u00f6rigen, die dort einsitzen, auszuliefern, man ihnen gegen\u00fcber auch zu verstehen geben muss, dass die hier einer Strafverfolgung zugef\u00fchrt werden. Ansonsten w\u00fcrde der Irak sich vielleicht weigern, sie auszuliefern.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Safferling h\u00e4lt eine intensive Betreuung der zur\u00fcckgekehrten Frauen und M\u00e4dchen f\u00fcr unerl\u00e4sslich \u2013 man d\u00fcrfe sie keinesfalls alleine lassen und nicht wie Schwerverbrecherinnen behandeln. Es m\u00fcsse vielmehr verhindert werden, dass die jungen Frauen etwa in die Salafisten-Szene abtauchten.<\/p>\n","post_title":"Sie sind eher Opfer als Schwerverbrecherinnen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"sie-sind-eher-opfer-als-schwerverbrecherinnen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3719","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3709,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:30:50","post_date_gmt":"2020-08-13 21:30:50","post_content":"\n

Drei Millionen Afghanen sind ins Nachbarland Iran geflohen. Viele arbeiten schwarz. Die Aussicht auf einen festen Lohn plus Papiere f\u00fcr die Familie ist verlockend. Die Gegenleistung daf\u00fcr: K\u00e4mpfen in Syrien.<\/p>\n\n\n\n

Wenn Abu Fazel von den Gr\u00e4ueltaten des syrischen B\u00fcrgerkriegs h\u00f6rt, denkt er immer daran, dass er auch beinahe als K\u00e4mpfer auf diesem Schlachtfeld gelandet w\u00e4re. Doch Abu Fazel ist weder Syrer noch wollte er zum sogenannten \u201eIslamischen Staat\u201c. Der 18-J\u00e4hrige ist ein afghanischer Gefl\u00fcchteter, der zur Zeit in Leverkusen lebt.<\/p>\n\n\n\n

Den Gro\u00dfteil seines Lebens verbrachte er im Iran. Seine Familie ist dorthin gefl\u00fcchtet, als er ein Kind war. Doch als die iranische Regierung ihn nach Syrien schicken wollte, um auf der Seite von Machthaber Baschar al-Assad zu k\u00e4mpfen, entschloss er sich zu fliehen.<\/p>\n\n\n\n

\"Fl\u00fcchtlingeGefl\u00fcchtete aus dem Iran und Afghanistan an der Grenze zwischen Mazedonien und Griechenland. (picture alliance \/ dpa \/ Georgi Licovski)<\/p>\n\n\n\n

Tausende afghanische Jugendliche \u2013 die genaue Zahl ist nicht bekannt \u2013 wurden im Iran rekrutiert, um im Krieg in Syrien zu k\u00e4mpfen. Erst vor Kurzem berichtete die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, dass sie die Gr\u00e4ber von acht afghanischen Kindern, die in Syrien get\u00f6tet wurden, identifiziert hat. Laut der Organisation rekrutiert der Iran regelm\u00e4\u00dfig minderj\u00e4hrige K\u00e4mpfer, um sie nach Syrien zu schicken. Unter afghanischen Gefl\u00fcchteten ist diese Praxis schon l\u00e4nger bekannt.<\/p>\n\n\n\n

Rassismus gegen Afghanen im Iran<\/h2>\n\n\n\n

Fast drei Millionen Gefl\u00fcchtete aus Afghanistan sind inzwischen im Iran. Die meisten von ihnen leben in der Illegalit\u00e4t und werden als Schwarzarbeiter, etwa am Bau, ausgebeutet. Rassismus und Ausgrenzung geh\u00f6ren zu ihrem gesellschaftlichen Alltag. Kinder sind davon nicht ausgeschlossen. Im Gegenteil: Vielen afghanischen Kinderm ist es nicht erlaubt, staatliche Schulen zu besuchen. Abu Fazel wurde Zeit seines Lebens von dieser Diskrimierung beeinflusst und verfolgt.<\/p>\n\n\n\n

\u201e'Afghane\u2018 \u2013 das ist dort ein Schimpfwort. Ich h\u00f6rte es von klein auf immer wieder. Der Rassismus gegen Afghanen ist dort v\u00f6llig normal. Meine Herkunft, auf der ich eigentlich stolz war, ist im Iran stets eine Last gewesen. Wir sind dort B\u00fcrger zweiter Klasse.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung der afghanischen Gefl\u00fcchteten ist f\u00fcr Abu Fazel die Spitze jenes Rassismus, den er erlebt hat.<\/p>\n\n\n\n

Iran: Syrien vor sunnitischen Extremisten verteidigen<\/h2>\n\n\n\n

In Syrien k\u00e4mpfen neben den afghanischen Milizen auch andere paramilit\u00e4rische Gruppierungen im Auftrag des Irans: etwa die ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigten Revolutionsgarden, die einst Ayatollah Ruhollah Khomeini pers\u00f6nlich ins Leben rief oder die Basidsch-Milizen. Beiden Gruppierungen sind nicht nur in Syrien aktiv, sondern auch im Irak.<\/p>\n\n\n\n

Obowhl sich das syrische Regime von Baschar al-Assad als s\u00e4kular ausweist, wird es vom Iran, der sich als Repr\u00e4sentant aller muslimischen Schiiten betrachtet, unterst\u00fctzt. Gemeinsames Ziel in Syrien ist es: Schiiten vor sunnitische Extremisten zu verteidigen. Dennoch ist das Regime darauf bedacht, m\u00f6glichst wenig eigene K\u00e4mpfer nach Syrien zu schicken. \u00c4hnlich wie einst w\u00e4hrend des Krieges gegen Saddam Husseins Irak, setzt der Iran auf ausl\u00e4ndische K\u00e4mpfer.<\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung war wie eine Gehirnw\u00e4sche<\/h2>\n\n\n\n

Abu Fazels Familie geh\u00f6rt zur afghanischen Minderheit der schiitischen Hazara \u2013 wie viele Afghanen, die in den Iran gekommen sind. Mittlerweile k\u00e4mpfen Tausende von ihnen in Syrien. Der Iran bezahlt die Afghanen mit einem Sold von wenigen hundert Dollar pro Monat und verspricht ihren Familien eine Aufenthaltsgenehmigung oder eine Arbeitserlaubnis.<\/p>\n\n\n\n

An der Rekrutierung der Afghanen sind sowohl die Revolutionsgarden als auch die erw\u00e4hnten Basidsch-Milizen beteiligt. Abu Fazel beschreibt, wie das Viertel, in dem er gemeinsam mit seiner Familie in Teheran lebte, regelm\u00e4\u00dfig von den K\u00e4mpfern aufgesucht wurde. Viele afghanische Gefl\u00fcchtete lebten dort \u2013 und fielen auf die Gehirnw\u00e4sche der Rattenf\u00e4nger herein.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie trafen junge M\u00e4nner und Jugendliche in den Moscheen und \u00fcberredeten sie, gegen den IS oder Al Qaida zu k\u00e4mpfen. Die Gehirnw\u00e4sche war perfekt. Am Ende merkten viele, darunter auch ich, nicht einmal, dass wir in ihre Propaganda getappt waren. Ihre \u00dcberredungskunst war wirklich sehr speziell. Am Ende hat man Lust, nach Syrien zu gehen, um zu k\u00e4mpfen\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Erfolg hatten die Rekrutierer des Regimes auch bei Abu Fazels Cousin, der zum damaligen Zeitpunkt ebenfalls minderj\u00e4hrig gewesen ist. Er ging nach Syrien und k\u00e4mpfte unter der Flagge der \u201eLiwa Fatemiyoun\u201c, wie die afghanische Division auf Seiten Assads hei\u00dft. Offiziell ist die Aufgabe der Miliz die Verteidigung des Schreines von Zaynab im S\u00fcden von Damaskus. Zaynab war die Enkelin des islamischen Propheten Mohammad. Laut iranischen Staatsmedien k\u00e4mpfen mindestens 20.000 Afghanen in der Division.<\/p>\n\n\n\n

Im August 2014 entschloss sich auch Abu Fazel, nach Syrien zu gehen und zu k\u00e4mpfen. Im selben Monat wurde sein Cousin in der N\u00e4he von Aleppo im Kampf gegen syrische Rebellen get\u00f6tet.<\/p>\n\n\n\n

\u201eMein Cousin wurde dort get\u00f6tet. Auch andere Jungs aus unserer Gegend gingen nach Syrien und fielen dort. Lokale Zeitungen nannten sie \u201aM\u00e4rtyrer\u2018.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Lieber Flucht statt K\u00e4mpfer in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein solcher \u201eM\u00e4rtyrer\u201c wollte Abu Fazel allerdings nicht werden. Er floh eine Woche vor dem Beginn seiner dreimonatigen Kampfausbildung. Es war ihm lieber, ein Leben auf der Flucht zu verbringen, als in Syrien unschuldige Menschen f\u00fcr einen Diktator zu t\u00f6ten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch kam zu dem Schluss, dass ich nicht als M\u00f6rder weiterleben k\u00f6nnte. Stets dachte ich mir, dass selbst die schlimmsten Al-Qaida- oder IS-Terroristen Kinder haben k\u00f6nnten, die ihren Vater lieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Fazel verlor seinen eigenen Vater bereits sehr fr\u00fch. Er wurde Opfer des B\u00fcrgerkriegs in Afghanistan, der von 1989 bis 2001 tausende Menschen das Leben kostete. Auch der Iran mischte in der Zeit schon mit. Es ist allgemein bekannt, dass die schiitischen Hazara-Milizen, die den B\u00fcrgerkrieg ebenfalls mitanfachten, von der Regierung in Teheran unterst\u00fctzt wurden.<\/p>\n\n\n\n

Als Abu Fazel sich nun entschloss, aus der Gewaltspirale auszusteigen und nicht in Syrien zu k\u00e4mpfen, wuchs die Angst bei seiner Familie. Denn f\u00fcr die iranischen Beh\u00f6rden gilt: Hat man sich einmal gemeldet, gibt es kein zur\u00fcck. Man muss an die Front nach Syrien \u2013 oder wird zur\u00fcck nach Afghanistan abgeschoben, wo ebenfalls Krieg herrscht.<\/p>\n\n\n\n

Der einzige Ausweg f\u00fcr den jungen Afghanen war die Flucht. \u00dcber die T\u00fcrkei, Griechenland und die Balkranroute erreichte er mit gro\u00dfer M\u00fche Deutschland, wo er einen Asylantrag stellte.<\/p>\n\n\n\n

Erster Asylantrag in Deutschland abgelehnt<\/h2>\n\n\n\n

Als Grund nannte er seine Rekrutierung als Kindersoldat seitens des iranischen Regimes. Doch w\u00e4hrend diese Begr\u00fcndung in Abu Fazels Augen v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich war, sahen deutsche Beh\u00f6rden das anders. Sein erster Antrag wurde abgelehnt. Derzeit versucht er es ein zweites Mal. Die Bundesrepublik schiebt afghanische Gefl\u00fcchtete weiterhin ab.<\/p>\n\n\n\n

\"EinAbschiebung von Afghanen im Dezember 2016 mit einem Charterflug von Frankfurt nach Kabul. (dpa \/picture alliance \/ Boris Roessler)<\/p>\n\n\n\n

Die Verantwortlichen weisen in diesem Kontext immer wieder auf vermeintlich \u201esichere Gebiete\u201c im Land, die nicht n\u00e4her benannt werden.<\/p>\n\n\n\n

W\u00e4hrenddessen machen Menschenrechtsorganisationen regelm\u00e4\u00dfig darauf aufmerksam, dass keine Region am Hindukusch sicher ist. Stattdessen wird in manchen Gebieten nur weniger Krieg gef\u00fchrt als in anderen.<\/p>\n\n\n\n

\"SieDemonstranten protestieren in Frankfurt am Main gegen die Abschiebung von Afghanen. Auf einem der Transparente steht \u201eAfghanistan is not safe\u201c. (AFP \/ Daniel Roland)<\/p>\n\n\n\n

Alis Vater und Onkel k\u00e4mpfen in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein \u00e4hnliches Schicksal wie Abu Fazel erlitt der 18-j\u00e4hrige Ali (Namen ge\u00e4ndert). Auch er floh aus dem Iran nach Deutschland, um der Rekrutierung f\u00fcr Assads Milizen zu entgehen. Viele seiner afghanischen Freunde sind bereits nach Syrien gezogen \u2013 und kamen niemals zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Alis Familie, ebenfalls Angeh\u00f6rige der Hazara-Minderheit, stammt urspr\u00fcnglich aus der Provinz Ghor im Nordosten Afghanistans. Ihre Heimat verlie\u00dfen sie w\u00e4hrend der sowjetischen Besatzung in den 1980er-Jahren.<\/p>\n\n\n\n

Seit jeher lebt die Familie in der iranischen Gro\u00dfstadt Maschhad. Als der Krieg in Syrien ausbrach, erreichte sie ein Konflikt, mit dem sie nicht gerechnet hatten. Im Juli 2015 reiste Alis Vater nach Teheran. Er wollte einen Weg finden, um f\u00fcr seine Familie Aufenthaltspapiere zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Beh\u00f6rden sagten ihm, dass die Rekrutierung f\u00fcr den Krieg in Syrien eine M\u00f6glichkeit darstellen k\u00f6nnte, um Papiere f\u00fcr uns alle zu erhalten. Andernfalls w\u00fcrde man uns sehr bald nach Afghanistan abschieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Mittlerweile k\u00e4mpfen Alis Vater und sein Onkel seit \u00fcber einem Jahr in Syrien. Am Aufenthaltsstatus seiner Familienmitglieder hat sich bis heute allerdings nichts ge\u00e4ndert. F\u00fcr Ali ist klar, dass dies nur eine Falle gewesen ist, um noch mehr Afghanen als Kanonenfutter zu missbrauchen.<\/p>\n\n\n\n

Anfangs gab es Papiere f\u00fcr K\u00e4mpfer-Familien<\/h2>\n\n\n\n

Den Kontakt zu seinem Vater hat der Afghane mittlerweile verloren. W\u00e4hrenddessen schickt ihm sein Onkel, der in Aleppo stationiert ist, hin und wieder Bilder \u00fcber den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ali denkt, dass nur sehr wenige Afghanen der Propaganda der iranischen Regierung glauben und in Syrien f\u00fcr eine \u201egute Sache\u201c k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

Source<\/a><\/p>\n","post_title":"Warum Afghanen in Syrien f\u00fcr Assad k\u00e4mpfen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"warum-afghanen-in-syrien-fur-assad-kampfen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3709","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":9},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Alle Indizien verweisen also darauf, dass die israelische Herrschaft \u00fcber das Westjordanland auf Dauer angelegt ist. In einer Demokratie m\u00fcsste daher allen dort Wohnenden der uneingeschr\u00e4nkte Zugang zu den staatsb\u00fcrgerlichen Rechten des politischen Gemeinwesens gew\u00e4hrt werden. Dies ist aber nicht der Fall.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Zweifelsfrei war Israel lediglich f\u00fcr sechs Monate eine Demokratie<\/h3>\n\n\n\n

W\u00e4hrend an der israelischen Besatzung des Westjordanlands kein Zweifel besteht, \u00fcberrascht, dass Beck f\u00fcr den Gazastreifen zu einer \u00e4hnlichen Bewertung kommt. Schlie\u00dflich hat Israel seine Soldaten im Jahr 2007 aus dem K\u00fcstenstreifen abgezogen und j\u00fcdische Siedlungen aufgel\u00f6st.<\/p>\n\n\n\n

Beck argumentiert, dass Israel auch heute seine Kontrolle von Land, Luft und Wasser aufrechterh\u00e4lt und die Besatzungsherrschaft damit fortsetzt, ohne \"den dort lebenden Menschen irgendeine Form demokratischer Mitwirkungsrechte zu gew\u00e4hren\".<\/p>\n\n\n\n

Mit dieser Einsch\u00e4tzung ist Beck nicht allein. Auch die Vereinten Nationen<\/a> und der Internationale Strafgerichtshof<\/a> vertreten die Auffassung, dass die israelische Besatzung \u00fcber den Gazastreifen andauert.<\/p>\n\n\n\n

F\u00fcr die Gesamtbewertung des politischen Systems Israels hat diese Frage allerdings ohnehin keine entscheidende Bedeutung mehr. Denn Becks Fazit f\u00e4llt eindeutig aus: Zweifelsfrei um eine Demokratie gehandelt habe es sich bei Israel lediglich in einem kurzen sechsmonatigen Zeitraum zwischen der Abschaffung des Milit\u00e4rrechts f\u00fcr arabische Israelis im November 1966 und dem Beginn des Sechstagekrieges im Juni 1967.<\/p>\n\n\n\n

Sp\u00e4testens mit Beginn der Besatzungsherrschaft habe Israel seinen Charakter als Demokratie verloren. F\u00fcr heutige Debatten rund um Israel empfiehlt der Nahost-Professor deshalb auf das Demokratieargument besser zu verzichten.

der\u00a0Ursprung<\/a><\/p>\n","post_title":"Die einzige Demokratie im Nahen Osten?","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-einzige-demokratie-im-nahen-osten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3775","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3719,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:39:47","post_date_gmt":"2020-08-13 21:39:47","post_content":"\n

Jenni Zylka und Christoph Safferling im Gespr\u00e4ch mit Anke Schaefer<\/a>- Sie kommen aus Syrien und dem Irak nach Deutschland zur\u00fcck: Frauen, die sich dem sogenannten Islamischen Staat (IS) angeschlossen haben, mit Terroristen zusammenlebten. Soll man sie k\u00fcnftig h\u00e4rter bestrafen? Die Journalistin Jenni Zylka und der Jurist Christoph Safferling sehen das kritisch.<\/p>\n\n\n\n

Frauen, die sich dem IS angeschlossen, aber selbst nicht gek\u00e4mpft haben, sollen laut Generalbundesanwalt Peter Frank als Mitl\u00e4uferinnen h\u00e4rter bestraft werden k\u00f6nnen. Frank meint: \u201eWir sind der Meinung, dass sich  auch bei diesen Frauen die Mitgliedschaft in einer ausl\u00e4ndischen terroristischen Organisation bejahen l\u00e4sst, weil diese Frauen die innere Struktur des sogenannten Islamischen Staates und damit diese Terrororganisation von innen heraus st\u00e4rken.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Aber sind diese Frauen nicht eher Opfer? Weil sie Angst um ihre Kinder hatten, den Umgang mit der Waffe zur Selbstverteidigung gelernt haben? Jenni Zylka meint dazu:  \u00dcber eine Mitschuld solcher Frauen nachzudenken, sei nachvollziehbar und auch legitim. Jedoch m\u00fcsse sehr genau hingeschaut und jede dieser Frauen einzeln betrachtet werden. Man m\u00fcsse unterscheiden, ob Frauen mit IS-Terroristen zusammengelebt und f\u00fcr diese gesorgt h\u00e4tten oder ob sie selbst militant geworden seien. Viele von ihnen seien zudem traumatisiert durch die Erlebnisse in den IS-Lagern.<\/p>\n\n\n\n

\"DieDie Journalistin Jenni Zylka (Deutschlandradio \/ Andreas Buron)<\/p>\n\n\n\n

Nicht wie Schwerverbrecherinnen behandeln<\/h2>\n\n\n\n

Christoph Safferling, Professor f\u00fcr Strafrecht an der Universit\u00e4t Erlangen-N\u00fcrnberg, sagt, er halte die Argumentation des Generalbundesanwalts f\u00fcr problematisch. Es handle sich zun\u00e4chst einmal um allt\u00e4gliche Handlungen wie Kochen und Sorge um die Kinder. \u201eUnd die Frage ist: Wann sind solche neutralen Handlungen tats\u00e4chlich straftatunterst\u00fctzend.\u201c Ein Vorsatz, die terroristischen Strukturen zu unterst\u00fctzen, m\u00fcsse klar nachgewiesen werden.<\/p>\n\n\n\n

Vielmehr stelle sich die Frage, ob die Frauen nicht eher als Opfer betrachtet werden m\u00fcssten. Viele h\u00e4tten sich wie unter Zwang auf die Situation eingelassen \u2013 diese k\u00f6nne man strukturell durchaus mit den Bedingungen von Zwangsprostitution vergleichen. Viele der jungen Frauen seien auch unter Drogen gesetzt worden.<\/p>\n\n\n\n

Zugest\u00e4ndnis an Irak?<\/h2>\n\n\n\n

Eine m\u00f6gliche Erkl\u00e4rung der harten Linie der Generalbundesanwaltschaft \u00fcber die man nur spekulieren k\u00f6nne: \u201eIch kann mir auch vorstellen, dass, wenn es jetzt darum geht, Irak davon zu \u00fcberzeugen, die deutschen Staatsangeh\u00f6rigen, die dort einsitzen, auszuliefern, man ihnen gegen\u00fcber auch zu verstehen geben muss, dass die hier einer Strafverfolgung zugef\u00fchrt werden. Ansonsten w\u00fcrde der Irak sich vielleicht weigern, sie auszuliefern.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Safferling h\u00e4lt eine intensive Betreuung der zur\u00fcckgekehrten Frauen und M\u00e4dchen f\u00fcr unerl\u00e4sslich \u2013 man d\u00fcrfe sie keinesfalls alleine lassen und nicht wie Schwerverbrecherinnen behandeln. Es m\u00fcsse vielmehr verhindert werden, dass die jungen Frauen etwa in die Salafisten-Szene abtauchten.<\/p>\n","post_title":"Sie sind eher Opfer als Schwerverbrecherinnen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"sie-sind-eher-opfer-als-schwerverbrecherinnen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3719","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3709,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:30:50","post_date_gmt":"2020-08-13 21:30:50","post_content":"\n

Drei Millionen Afghanen sind ins Nachbarland Iran geflohen. Viele arbeiten schwarz. Die Aussicht auf einen festen Lohn plus Papiere f\u00fcr die Familie ist verlockend. Die Gegenleistung daf\u00fcr: K\u00e4mpfen in Syrien.<\/p>\n\n\n\n

Wenn Abu Fazel von den Gr\u00e4ueltaten des syrischen B\u00fcrgerkriegs h\u00f6rt, denkt er immer daran, dass er auch beinahe als K\u00e4mpfer auf diesem Schlachtfeld gelandet w\u00e4re. Doch Abu Fazel ist weder Syrer noch wollte er zum sogenannten \u201eIslamischen Staat\u201c. Der 18-J\u00e4hrige ist ein afghanischer Gefl\u00fcchteter, der zur Zeit in Leverkusen lebt.<\/p>\n\n\n\n

Den Gro\u00dfteil seines Lebens verbrachte er im Iran. Seine Familie ist dorthin gefl\u00fcchtet, als er ein Kind war. Doch als die iranische Regierung ihn nach Syrien schicken wollte, um auf der Seite von Machthaber Baschar al-Assad zu k\u00e4mpfen, entschloss er sich zu fliehen.<\/p>\n\n\n\n

\"Fl\u00fcchtlingeGefl\u00fcchtete aus dem Iran und Afghanistan an der Grenze zwischen Mazedonien und Griechenland. (picture alliance \/ dpa \/ Georgi Licovski)<\/p>\n\n\n\n

Tausende afghanische Jugendliche \u2013 die genaue Zahl ist nicht bekannt \u2013 wurden im Iran rekrutiert, um im Krieg in Syrien zu k\u00e4mpfen. Erst vor Kurzem berichtete die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, dass sie die Gr\u00e4ber von acht afghanischen Kindern, die in Syrien get\u00f6tet wurden, identifiziert hat. Laut der Organisation rekrutiert der Iran regelm\u00e4\u00dfig minderj\u00e4hrige K\u00e4mpfer, um sie nach Syrien zu schicken. Unter afghanischen Gefl\u00fcchteten ist diese Praxis schon l\u00e4nger bekannt.<\/p>\n\n\n\n

Rassismus gegen Afghanen im Iran<\/h2>\n\n\n\n

Fast drei Millionen Gefl\u00fcchtete aus Afghanistan sind inzwischen im Iran. Die meisten von ihnen leben in der Illegalit\u00e4t und werden als Schwarzarbeiter, etwa am Bau, ausgebeutet. Rassismus und Ausgrenzung geh\u00f6ren zu ihrem gesellschaftlichen Alltag. Kinder sind davon nicht ausgeschlossen. Im Gegenteil: Vielen afghanischen Kinderm ist es nicht erlaubt, staatliche Schulen zu besuchen. Abu Fazel wurde Zeit seines Lebens von dieser Diskrimierung beeinflusst und verfolgt.<\/p>\n\n\n\n

\u201e'Afghane\u2018 \u2013 das ist dort ein Schimpfwort. Ich h\u00f6rte es von klein auf immer wieder. Der Rassismus gegen Afghanen ist dort v\u00f6llig normal. Meine Herkunft, auf der ich eigentlich stolz war, ist im Iran stets eine Last gewesen. Wir sind dort B\u00fcrger zweiter Klasse.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung der afghanischen Gefl\u00fcchteten ist f\u00fcr Abu Fazel die Spitze jenes Rassismus, den er erlebt hat.<\/p>\n\n\n\n

Iran: Syrien vor sunnitischen Extremisten verteidigen<\/h2>\n\n\n\n

In Syrien k\u00e4mpfen neben den afghanischen Milizen auch andere paramilit\u00e4rische Gruppierungen im Auftrag des Irans: etwa die ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigten Revolutionsgarden, die einst Ayatollah Ruhollah Khomeini pers\u00f6nlich ins Leben rief oder die Basidsch-Milizen. Beiden Gruppierungen sind nicht nur in Syrien aktiv, sondern auch im Irak.<\/p>\n\n\n\n

Obowhl sich das syrische Regime von Baschar al-Assad als s\u00e4kular ausweist, wird es vom Iran, der sich als Repr\u00e4sentant aller muslimischen Schiiten betrachtet, unterst\u00fctzt. Gemeinsames Ziel in Syrien ist es: Schiiten vor sunnitische Extremisten zu verteidigen. Dennoch ist das Regime darauf bedacht, m\u00f6glichst wenig eigene K\u00e4mpfer nach Syrien zu schicken. \u00c4hnlich wie einst w\u00e4hrend des Krieges gegen Saddam Husseins Irak, setzt der Iran auf ausl\u00e4ndische K\u00e4mpfer.<\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung war wie eine Gehirnw\u00e4sche<\/h2>\n\n\n\n

Abu Fazels Familie geh\u00f6rt zur afghanischen Minderheit der schiitischen Hazara \u2013 wie viele Afghanen, die in den Iran gekommen sind. Mittlerweile k\u00e4mpfen Tausende von ihnen in Syrien. Der Iran bezahlt die Afghanen mit einem Sold von wenigen hundert Dollar pro Monat und verspricht ihren Familien eine Aufenthaltsgenehmigung oder eine Arbeitserlaubnis.<\/p>\n\n\n\n

An der Rekrutierung der Afghanen sind sowohl die Revolutionsgarden als auch die erw\u00e4hnten Basidsch-Milizen beteiligt. Abu Fazel beschreibt, wie das Viertel, in dem er gemeinsam mit seiner Familie in Teheran lebte, regelm\u00e4\u00dfig von den K\u00e4mpfern aufgesucht wurde. Viele afghanische Gefl\u00fcchtete lebten dort \u2013 und fielen auf die Gehirnw\u00e4sche der Rattenf\u00e4nger herein.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie trafen junge M\u00e4nner und Jugendliche in den Moscheen und \u00fcberredeten sie, gegen den IS oder Al Qaida zu k\u00e4mpfen. Die Gehirnw\u00e4sche war perfekt. Am Ende merkten viele, darunter auch ich, nicht einmal, dass wir in ihre Propaganda getappt waren. Ihre \u00dcberredungskunst war wirklich sehr speziell. Am Ende hat man Lust, nach Syrien zu gehen, um zu k\u00e4mpfen\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Erfolg hatten die Rekrutierer des Regimes auch bei Abu Fazels Cousin, der zum damaligen Zeitpunkt ebenfalls minderj\u00e4hrig gewesen ist. Er ging nach Syrien und k\u00e4mpfte unter der Flagge der \u201eLiwa Fatemiyoun\u201c, wie die afghanische Division auf Seiten Assads hei\u00dft. Offiziell ist die Aufgabe der Miliz die Verteidigung des Schreines von Zaynab im S\u00fcden von Damaskus. Zaynab war die Enkelin des islamischen Propheten Mohammad. Laut iranischen Staatsmedien k\u00e4mpfen mindestens 20.000 Afghanen in der Division.<\/p>\n\n\n\n

Im August 2014 entschloss sich auch Abu Fazel, nach Syrien zu gehen und zu k\u00e4mpfen. Im selben Monat wurde sein Cousin in der N\u00e4he von Aleppo im Kampf gegen syrische Rebellen get\u00f6tet.<\/p>\n\n\n\n

\u201eMein Cousin wurde dort get\u00f6tet. Auch andere Jungs aus unserer Gegend gingen nach Syrien und fielen dort. Lokale Zeitungen nannten sie \u201aM\u00e4rtyrer\u2018.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Lieber Flucht statt K\u00e4mpfer in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein solcher \u201eM\u00e4rtyrer\u201c wollte Abu Fazel allerdings nicht werden. Er floh eine Woche vor dem Beginn seiner dreimonatigen Kampfausbildung. Es war ihm lieber, ein Leben auf der Flucht zu verbringen, als in Syrien unschuldige Menschen f\u00fcr einen Diktator zu t\u00f6ten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch kam zu dem Schluss, dass ich nicht als M\u00f6rder weiterleben k\u00f6nnte. Stets dachte ich mir, dass selbst die schlimmsten Al-Qaida- oder IS-Terroristen Kinder haben k\u00f6nnten, die ihren Vater lieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Fazel verlor seinen eigenen Vater bereits sehr fr\u00fch. Er wurde Opfer des B\u00fcrgerkriegs in Afghanistan, der von 1989 bis 2001 tausende Menschen das Leben kostete. Auch der Iran mischte in der Zeit schon mit. Es ist allgemein bekannt, dass die schiitischen Hazara-Milizen, die den B\u00fcrgerkrieg ebenfalls mitanfachten, von der Regierung in Teheran unterst\u00fctzt wurden.<\/p>\n\n\n\n

Als Abu Fazel sich nun entschloss, aus der Gewaltspirale auszusteigen und nicht in Syrien zu k\u00e4mpfen, wuchs die Angst bei seiner Familie. Denn f\u00fcr die iranischen Beh\u00f6rden gilt: Hat man sich einmal gemeldet, gibt es kein zur\u00fcck. Man muss an die Front nach Syrien \u2013 oder wird zur\u00fcck nach Afghanistan abgeschoben, wo ebenfalls Krieg herrscht.<\/p>\n\n\n\n

Der einzige Ausweg f\u00fcr den jungen Afghanen war die Flucht. \u00dcber die T\u00fcrkei, Griechenland und die Balkranroute erreichte er mit gro\u00dfer M\u00fche Deutschland, wo er einen Asylantrag stellte.<\/p>\n\n\n\n

Erster Asylantrag in Deutschland abgelehnt<\/h2>\n\n\n\n

Als Grund nannte er seine Rekrutierung als Kindersoldat seitens des iranischen Regimes. Doch w\u00e4hrend diese Begr\u00fcndung in Abu Fazels Augen v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich war, sahen deutsche Beh\u00f6rden das anders. Sein erster Antrag wurde abgelehnt. Derzeit versucht er es ein zweites Mal. Die Bundesrepublik schiebt afghanische Gefl\u00fcchtete weiterhin ab.<\/p>\n\n\n\n

\"EinAbschiebung von Afghanen im Dezember 2016 mit einem Charterflug von Frankfurt nach Kabul. (dpa \/picture alliance \/ Boris Roessler)<\/p>\n\n\n\n

Die Verantwortlichen weisen in diesem Kontext immer wieder auf vermeintlich \u201esichere Gebiete\u201c im Land, die nicht n\u00e4her benannt werden.<\/p>\n\n\n\n

W\u00e4hrenddessen machen Menschenrechtsorganisationen regelm\u00e4\u00dfig darauf aufmerksam, dass keine Region am Hindukusch sicher ist. Stattdessen wird in manchen Gebieten nur weniger Krieg gef\u00fchrt als in anderen.<\/p>\n\n\n\n

\"SieDemonstranten protestieren in Frankfurt am Main gegen die Abschiebung von Afghanen. Auf einem der Transparente steht \u201eAfghanistan is not safe\u201c. (AFP \/ Daniel Roland)<\/p>\n\n\n\n

Alis Vater und Onkel k\u00e4mpfen in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein \u00e4hnliches Schicksal wie Abu Fazel erlitt der 18-j\u00e4hrige Ali (Namen ge\u00e4ndert). Auch er floh aus dem Iran nach Deutschland, um der Rekrutierung f\u00fcr Assads Milizen zu entgehen. Viele seiner afghanischen Freunde sind bereits nach Syrien gezogen \u2013 und kamen niemals zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Alis Familie, ebenfalls Angeh\u00f6rige der Hazara-Minderheit, stammt urspr\u00fcnglich aus der Provinz Ghor im Nordosten Afghanistans. Ihre Heimat verlie\u00dfen sie w\u00e4hrend der sowjetischen Besatzung in den 1980er-Jahren.<\/p>\n\n\n\n

Seit jeher lebt die Familie in der iranischen Gro\u00dfstadt Maschhad. Als der Krieg in Syrien ausbrach, erreichte sie ein Konflikt, mit dem sie nicht gerechnet hatten. Im Juli 2015 reiste Alis Vater nach Teheran. Er wollte einen Weg finden, um f\u00fcr seine Familie Aufenthaltspapiere zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Beh\u00f6rden sagten ihm, dass die Rekrutierung f\u00fcr den Krieg in Syrien eine M\u00f6glichkeit darstellen k\u00f6nnte, um Papiere f\u00fcr uns alle zu erhalten. Andernfalls w\u00fcrde man uns sehr bald nach Afghanistan abschieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Mittlerweile k\u00e4mpfen Alis Vater und sein Onkel seit \u00fcber einem Jahr in Syrien. Am Aufenthaltsstatus seiner Familienmitglieder hat sich bis heute allerdings nichts ge\u00e4ndert. F\u00fcr Ali ist klar, dass dies nur eine Falle gewesen ist, um noch mehr Afghanen als Kanonenfutter zu missbrauchen.<\/p>\n\n\n\n

Anfangs gab es Papiere f\u00fcr K\u00e4mpfer-Familien<\/h2>\n\n\n\n

Den Kontakt zu seinem Vater hat der Afghane mittlerweile verloren. W\u00e4hrenddessen schickt ihm sein Onkel, der in Aleppo stationiert ist, hin und wieder Bilder \u00fcber den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ali denkt, dass nur sehr wenige Afghanen der Propaganda der iranischen Regierung glauben und in Syrien f\u00fcr eine \u201egute Sache\u201c k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

Source<\/a><\/p>\n","post_title":"Warum Afghanen in Syrien f\u00fcr Assad k\u00e4mpfen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"warum-afghanen-in-syrien-fur-assad-kampfen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3709","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":9},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

\n

Hinzu kommen weitere Indizien: Das Scheitern des Osloer Verhandlungsprozess in den 1990er Jahren und im ersten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts, der anhaltende Siedlungsprozess sowie die weitgehenden Einigkeit unter den gro\u00dfen politischen Parteien Israels - und dass gro\u00dfe Teile des Westjordanlands dauerhaft unter israelischer Kontrolle verbleiben sollen. Beck kommt zu dem Schluss:<\/p>\n\n\n\n

Alle Indizien verweisen also darauf, dass die israelische Herrschaft \u00fcber das Westjordanland auf Dauer angelegt ist. In einer Demokratie m\u00fcsste daher allen dort Wohnenden der uneingeschr\u00e4nkte Zugang zu den staatsb\u00fcrgerlichen Rechten des politischen Gemeinwesens gew\u00e4hrt werden. Dies ist aber nicht der Fall.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Zweifelsfrei war Israel lediglich f\u00fcr sechs Monate eine Demokratie<\/h3>\n\n\n\n

W\u00e4hrend an der israelischen Besatzung des Westjordanlands kein Zweifel besteht, \u00fcberrascht, dass Beck f\u00fcr den Gazastreifen zu einer \u00e4hnlichen Bewertung kommt. Schlie\u00dflich hat Israel seine Soldaten im Jahr 2007 aus dem K\u00fcstenstreifen abgezogen und j\u00fcdische Siedlungen aufgel\u00f6st.<\/p>\n\n\n\n

Beck argumentiert, dass Israel auch heute seine Kontrolle von Land, Luft und Wasser aufrechterh\u00e4lt und die Besatzungsherrschaft damit fortsetzt, ohne \"den dort lebenden Menschen irgendeine Form demokratischer Mitwirkungsrechte zu gew\u00e4hren\".<\/p>\n\n\n\n

Mit dieser Einsch\u00e4tzung ist Beck nicht allein. Auch die Vereinten Nationen<\/a> und der Internationale Strafgerichtshof<\/a> vertreten die Auffassung, dass die israelische Besatzung \u00fcber den Gazastreifen andauert.<\/p>\n\n\n\n

F\u00fcr die Gesamtbewertung des politischen Systems Israels hat diese Frage allerdings ohnehin keine entscheidende Bedeutung mehr. Denn Becks Fazit f\u00e4llt eindeutig aus: Zweifelsfrei um eine Demokratie gehandelt habe es sich bei Israel lediglich in einem kurzen sechsmonatigen Zeitraum zwischen der Abschaffung des Milit\u00e4rrechts f\u00fcr arabische Israelis im November 1966 und dem Beginn des Sechstagekrieges im Juni 1967.<\/p>\n\n\n\n

Sp\u00e4testens mit Beginn der Besatzungsherrschaft habe Israel seinen Charakter als Demokratie verloren. F\u00fcr heutige Debatten rund um Israel empfiehlt der Nahost-Professor deshalb auf das Demokratieargument besser zu verzichten.

der\u00a0Ursprung<\/a><\/p>\n","post_title":"Die einzige Demokratie im Nahen Osten?","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-einzige-demokratie-im-nahen-osten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3775","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3719,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:39:47","post_date_gmt":"2020-08-13 21:39:47","post_content":"\n

Jenni Zylka und Christoph Safferling im Gespr\u00e4ch mit Anke Schaefer<\/a>- Sie kommen aus Syrien und dem Irak nach Deutschland zur\u00fcck: Frauen, die sich dem sogenannten Islamischen Staat (IS) angeschlossen haben, mit Terroristen zusammenlebten. Soll man sie k\u00fcnftig h\u00e4rter bestrafen? Die Journalistin Jenni Zylka und der Jurist Christoph Safferling sehen das kritisch.<\/p>\n\n\n\n

Frauen, die sich dem IS angeschlossen, aber selbst nicht gek\u00e4mpft haben, sollen laut Generalbundesanwalt Peter Frank als Mitl\u00e4uferinnen h\u00e4rter bestraft werden k\u00f6nnen. Frank meint: \u201eWir sind der Meinung, dass sich  auch bei diesen Frauen die Mitgliedschaft in einer ausl\u00e4ndischen terroristischen Organisation bejahen l\u00e4sst, weil diese Frauen die innere Struktur des sogenannten Islamischen Staates und damit diese Terrororganisation von innen heraus st\u00e4rken.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Aber sind diese Frauen nicht eher Opfer? Weil sie Angst um ihre Kinder hatten, den Umgang mit der Waffe zur Selbstverteidigung gelernt haben? Jenni Zylka meint dazu:  \u00dcber eine Mitschuld solcher Frauen nachzudenken, sei nachvollziehbar und auch legitim. Jedoch m\u00fcsse sehr genau hingeschaut und jede dieser Frauen einzeln betrachtet werden. Man m\u00fcsse unterscheiden, ob Frauen mit IS-Terroristen zusammengelebt und f\u00fcr diese gesorgt h\u00e4tten oder ob sie selbst militant geworden seien. Viele von ihnen seien zudem traumatisiert durch die Erlebnisse in den IS-Lagern.<\/p>\n\n\n\n

\"DieDie Journalistin Jenni Zylka (Deutschlandradio \/ Andreas Buron)<\/p>\n\n\n\n

Nicht wie Schwerverbrecherinnen behandeln<\/h2>\n\n\n\n

Christoph Safferling, Professor f\u00fcr Strafrecht an der Universit\u00e4t Erlangen-N\u00fcrnberg, sagt, er halte die Argumentation des Generalbundesanwalts f\u00fcr problematisch. Es handle sich zun\u00e4chst einmal um allt\u00e4gliche Handlungen wie Kochen und Sorge um die Kinder. \u201eUnd die Frage ist: Wann sind solche neutralen Handlungen tats\u00e4chlich straftatunterst\u00fctzend.\u201c Ein Vorsatz, die terroristischen Strukturen zu unterst\u00fctzen, m\u00fcsse klar nachgewiesen werden.<\/p>\n\n\n\n

Vielmehr stelle sich die Frage, ob die Frauen nicht eher als Opfer betrachtet werden m\u00fcssten. Viele h\u00e4tten sich wie unter Zwang auf die Situation eingelassen \u2013 diese k\u00f6nne man strukturell durchaus mit den Bedingungen von Zwangsprostitution vergleichen. Viele der jungen Frauen seien auch unter Drogen gesetzt worden.<\/p>\n\n\n\n

Zugest\u00e4ndnis an Irak?<\/h2>\n\n\n\n

Eine m\u00f6gliche Erkl\u00e4rung der harten Linie der Generalbundesanwaltschaft \u00fcber die man nur spekulieren k\u00f6nne: \u201eIch kann mir auch vorstellen, dass, wenn es jetzt darum geht, Irak davon zu \u00fcberzeugen, die deutschen Staatsangeh\u00f6rigen, die dort einsitzen, auszuliefern, man ihnen gegen\u00fcber auch zu verstehen geben muss, dass die hier einer Strafverfolgung zugef\u00fchrt werden. Ansonsten w\u00fcrde der Irak sich vielleicht weigern, sie auszuliefern.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Safferling h\u00e4lt eine intensive Betreuung der zur\u00fcckgekehrten Frauen und M\u00e4dchen f\u00fcr unerl\u00e4sslich \u2013 man d\u00fcrfe sie keinesfalls alleine lassen und nicht wie Schwerverbrecherinnen behandeln. Es m\u00fcsse vielmehr verhindert werden, dass die jungen Frauen etwa in die Salafisten-Szene abtauchten.<\/p>\n","post_title":"Sie sind eher Opfer als Schwerverbrecherinnen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"sie-sind-eher-opfer-als-schwerverbrecherinnen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3719","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3709,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:30:50","post_date_gmt":"2020-08-13 21:30:50","post_content":"\n

Drei Millionen Afghanen sind ins Nachbarland Iran geflohen. Viele arbeiten schwarz. Die Aussicht auf einen festen Lohn plus Papiere f\u00fcr die Familie ist verlockend. Die Gegenleistung daf\u00fcr: K\u00e4mpfen in Syrien.<\/p>\n\n\n\n

Wenn Abu Fazel von den Gr\u00e4ueltaten des syrischen B\u00fcrgerkriegs h\u00f6rt, denkt er immer daran, dass er auch beinahe als K\u00e4mpfer auf diesem Schlachtfeld gelandet w\u00e4re. Doch Abu Fazel ist weder Syrer noch wollte er zum sogenannten \u201eIslamischen Staat\u201c. Der 18-J\u00e4hrige ist ein afghanischer Gefl\u00fcchteter, der zur Zeit in Leverkusen lebt.<\/p>\n\n\n\n

Den Gro\u00dfteil seines Lebens verbrachte er im Iran. Seine Familie ist dorthin gefl\u00fcchtet, als er ein Kind war. Doch als die iranische Regierung ihn nach Syrien schicken wollte, um auf der Seite von Machthaber Baschar al-Assad zu k\u00e4mpfen, entschloss er sich zu fliehen.<\/p>\n\n\n\n

\"Fl\u00fcchtlingeGefl\u00fcchtete aus dem Iran und Afghanistan an der Grenze zwischen Mazedonien und Griechenland. (picture alliance \/ dpa \/ Georgi Licovski)<\/p>\n\n\n\n

Tausende afghanische Jugendliche \u2013 die genaue Zahl ist nicht bekannt \u2013 wurden im Iran rekrutiert, um im Krieg in Syrien zu k\u00e4mpfen. Erst vor Kurzem berichtete die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, dass sie die Gr\u00e4ber von acht afghanischen Kindern, die in Syrien get\u00f6tet wurden, identifiziert hat. Laut der Organisation rekrutiert der Iran regelm\u00e4\u00dfig minderj\u00e4hrige K\u00e4mpfer, um sie nach Syrien zu schicken. Unter afghanischen Gefl\u00fcchteten ist diese Praxis schon l\u00e4nger bekannt.<\/p>\n\n\n\n

Rassismus gegen Afghanen im Iran<\/h2>\n\n\n\n

Fast drei Millionen Gefl\u00fcchtete aus Afghanistan sind inzwischen im Iran. Die meisten von ihnen leben in der Illegalit\u00e4t und werden als Schwarzarbeiter, etwa am Bau, ausgebeutet. Rassismus und Ausgrenzung geh\u00f6ren zu ihrem gesellschaftlichen Alltag. Kinder sind davon nicht ausgeschlossen. Im Gegenteil: Vielen afghanischen Kinderm ist es nicht erlaubt, staatliche Schulen zu besuchen. Abu Fazel wurde Zeit seines Lebens von dieser Diskrimierung beeinflusst und verfolgt.<\/p>\n\n\n\n

\u201e'Afghane\u2018 \u2013 das ist dort ein Schimpfwort. Ich h\u00f6rte es von klein auf immer wieder. Der Rassismus gegen Afghanen ist dort v\u00f6llig normal. Meine Herkunft, auf der ich eigentlich stolz war, ist im Iran stets eine Last gewesen. Wir sind dort B\u00fcrger zweiter Klasse.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung der afghanischen Gefl\u00fcchteten ist f\u00fcr Abu Fazel die Spitze jenes Rassismus, den er erlebt hat.<\/p>\n\n\n\n

Iran: Syrien vor sunnitischen Extremisten verteidigen<\/h2>\n\n\n\n

In Syrien k\u00e4mpfen neben den afghanischen Milizen auch andere paramilit\u00e4rische Gruppierungen im Auftrag des Irans: etwa die ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigten Revolutionsgarden, die einst Ayatollah Ruhollah Khomeini pers\u00f6nlich ins Leben rief oder die Basidsch-Milizen. Beiden Gruppierungen sind nicht nur in Syrien aktiv, sondern auch im Irak.<\/p>\n\n\n\n

Obowhl sich das syrische Regime von Baschar al-Assad als s\u00e4kular ausweist, wird es vom Iran, der sich als Repr\u00e4sentant aller muslimischen Schiiten betrachtet, unterst\u00fctzt. Gemeinsames Ziel in Syrien ist es: Schiiten vor sunnitische Extremisten zu verteidigen. Dennoch ist das Regime darauf bedacht, m\u00f6glichst wenig eigene K\u00e4mpfer nach Syrien zu schicken. \u00c4hnlich wie einst w\u00e4hrend des Krieges gegen Saddam Husseins Irak, setzt der Iran auf ausl\u00e4ndische K\u00e4mpfer.<\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung war wie eine Gehirnw\u00e4sche<\/h2>\n\n\n\n

Abu Fazels Familie geh\u00f6rt zur afghanischen Minderheit der schiitischen Hazara \u2013 wie viele Afghanen, die in den Iran gekommen sind. Mittlerweile k\u00e4mpfen Tausende von ihnen in Syrien. Der Iran bezahlt die Afghanen mit einem Sold von wenigen hundert Dollar pro Monat und verspricht ihren Familien eine Aufenthaltsgenehmigung oder eine Arbeitserlaubnis.<\/p>\n\n\n\n

An der Rekrutierung der Afghanen sind sowohl die Revolutionsgarden als auch die erw\u00e4hnten Basidsch-Milizen beteiligt. Abu Fazel beschreibt, wie das Viertel, in dem er gemeinsam mit seiner Familie in Teheran lebte, regelm\u00e4\u00dfig von den K\u00e4mpfern aufgesucht wurde. Viele afghanische Gefl\u00fcchtete lebten dort \u2013 und fielen auf die Gehirnw\u00e4sche der Rattenf\u00e4nger herein.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie trafen junge M\u00e4nner und Jugendliche in den Moscheen und \u00fcberredeten sie, gegen den IS oder Al Qaida zu k\u00e4mpfen. Die Gehirnw\u00e4sche war perfekt. Am Ende merkten viele, darunter auch ich, nicht einmal, dass wir in ihre Propaganda getappt waren. Ihre \u00dcberredungskunst war wirklich sehr speziell. Am Ende hat man Lust, nach Syrien zu gehen, um zu k\u00e4mpfen\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Erfolg hatten die Rekrutierer des Regimes auch bei Abu Fazels Cousin, der zum damaligen Zeitpunkt ebenfalls minderj\u00e4hrig gewesen ist. Er ging nach Syrien und k\u00e4mpfte unter der Flagge der \u201eLiwa Fatemiyoun\u201c, wie die afghanische Division auf Seiten Assads hei\u00dft. Offiziell ist die Aufgabe der Miliz die Verteidigung des Schreines von Zaynab im S\u00fcden von Damaskus. Zaynab war die Enkelin des islamischen Propheten Mohammad. Laut iranischen Staatsmedien k\u00e4mpfen mindestens 20.000 Afghanen in der Division.<\/p>\n\n\n\n

Im August 2014 entschloss sich auch Abu Fazel, nach Syrien zu gehen und zu k\u00e4mpfen. Im selben Monat wurde sein Cousin in der N\u00e4he von Aleppo im Kampf gegen syrische Rebellen get\u00f6tet.<\/p>\n\n\n\n

\u201eMein Cousin wurde dort get\u00f6tet. Auch andere Jungs aus unserer Gegend gingen nach Syrien und fielen dort. Lokale Zeitungen nannten sie \u201aM\u00e4rtyrer\u2018.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Lieber Flucht statt K\u00e4mpfer in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein solcher \u201eM\u00e4rtyrer\u201c wollte Abu Fazel allerdings nicht werden. Er floh eine Woche vor dem Beginn seiner dreimonatigen Kampfausbildung. Es war ihm lieber, ein Leben auf der Flucht zu verbringen, als in Syrien unschuldige Menschen f\u00fcr einen Diktator zu t\u00f6ten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch kam zu dem Schluss, dass ich nicht als M\u00f6rder weiterleben k\u00f6nnte. Stets dachte ich mir, dass selbst die schlimmsten Al-Qaida- oder IS-Terroristen Kinder haben k\u00f6nnten, die ihren Vater lieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Fazel verlor seinen eigenen Vater bereits sehr fr\u00fch. Er wurde Opfer des B\u00fcrgerkriegs in Afghanistan, der von 1989 bis 2001 tausende Menschen das Leben kostete. Auch der Iran mischte in der Zeit schon mit. Es ist allgemein bekannt, dass die schiitischen Hazara-Milizen, die den B\u00fcrgerkrieg ebenfalls mitanfachten, von der Regierung in Teheran unterst\u00fctzt wurden.<\/p>\n\n\n\n

Als Abu Fazel sich nun entschloss, aus der Gewaltspirale auszusteigen und nicht in Syrien zu k\u00e4mpfen, wuchs die Angst bei seiner Familie. Denn f\u00fcr die iranischen Beh\u00f6rden gilt: Hat man sich einmal gemeldet, gibt es kein zur\u00fcck. Man muss an die Front nach Syrien \u2013 oder wird zur\u00fcck nach Afghanistan abgeschoben, wo ebenfalls Krieg herrscht.<\/p>\n\n\n\n

Der einzige Ausweg f\u00fcr den jungen Afghanen war die Flucht. \u00dcber die T\u00fcrkei, Griechenland und die Balkranroute erreichte er mit gro\u00dfer M\u00fche Deutschland, wo er einen Asylantrag stellte.<\/p>\n\n\n\n

Erster Asylantrag in Deutschland abgelehnt<\/h2>\n\n\n\n

Als Grund nannte er seine Rekrutierung als Kindersoldat seitens des iranischen Regimes. Doch w\u00e4hrend diese Begr\u00fcndung in Abu Fazels Augen v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich war, sahen deutsche Beh\u00f6rden das anders. Sein erster Antrag wurde abgelehnt. Derzeit versucht er es ein zweites Mal. Die Bundesrepublik schiebt afghanische Gefl\u00fcchtete weiterhin ab.<\/p>\n\n\n\n

\"EinAbschiebung von Afghanen im Dezember 2016 mit einem Charterflug von Frankfurt nach Kabul. (dpa \/picture alliance \/ Boris Roessler)<\/p>\n\n\n\n

Die Verantwortlichen weisen in diesem Kontext immer wieder auf vermeintlich \u201esichere Gebiete\u201c im Land, die nicht n\u00e4her benannt werden.<\/p>\n\n\n\n

W\u00e4hrenddessen machen Menschenrechtsorganisationen regelm\u00e4\u00dfig darauf aufmerksam, dass keine Region am Hindukusch sicher ist. Stattdessen wird in manchen Gebieten nur weniger Krieg gef\u00fchrt als in anderen.<\/p>\n\n\n\n

\"SieDemonstranten protestieren in Frankfurt am Main gegen die Abschiebung von Afghanen. Auf einem der Transparente steht \u201eAfghanistan is not safe\u201c. (AFP \/ Daniel Roland)<\/p>\n\n\n\n

Alis Vater und Onkel k\u00e4mpfen in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein \u00e4hnliches Schicksal wie Abu Fazel erlitt der 18-j\u00e4hrige Ali (Namen ge\u00e4ndert). Auch er floh aus dem Iran nach Deutschland, um der Rekrutierung f\u00fcr Assads Milizen zu entgehen. Viele seiner afghanischen Freunde sind bereits nach Syrien gezogen \u2013 und kamen niemals zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Alis Familie, ebenfalls Angeh\u00f6rige der Hazara-Minderheit, stammt urspr\u00fcnglich aus der Provinz Ghor im Nordosten Afghanistans. Ihre Heimat verlie\u00dfen sie w\u00e4hrend der sowjetischen Besatzung in den 1980er-Jahren.<\/p>\n\n\n\n

Seit jeher lebt die Familie in der iranischen Gro\u00dfstadt Maschhad. Als der Krieg in Syrien ausbrach, erreichte sie ein Konflikt, mit dem sie nicht gerechnet hatten. Im Juli 2015 reiste Alis Vater nach Teheran. Er wollte einen Weg finden, um f\u00fcr seine Familie Aufenthaltspapiere zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Beh\u00f6rden sagten ihm, dass die Rekrutierung f\u00fcr den Krieg in Syrien eine M\u00f6glichkeit darstellen k\u00f6nnte, um Papiere f\u00fcr uns alle zu erhalten. Andernfalls w\u00fcrde man uns sehr bald nach Afghanistan abschieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Mittlerweile k\u00e4mpfen Alis Vater und sein Onkel seit \u00fcber einem Jahr in Syrien. Am Aufenthaltsstatus seiner Familienmitglieder hat sich bis heute allerdings nichts ge\u00e4ndert. F\u00fcr Ali ist klar, dass dies nur eine Falle gewesen ist, um noch mehr Afghanen als Kanonenfutter zu missbrauchen.<\/p>\n\n\n\n

Anfangs gab es Papiere f\u00fcr K\u00e4mpfer-Familien<\/h2>\n\n\n\n

Den Kontakt zu seinem Vater hat der Afghane mittlerweile verloren. W\u00e4hrenddessen schickt ihm sein Onkel, der in Aleppo stationiert ist, hin und wieder Bilder \u00fcber den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ali denkt, dass nur sehr wenige Afghanen der Propaganda der iranischen Regierung glauben und in Syrien f\u00fcr eine \u201egute Sache\u201c k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

Source<\/a><\/p>\n","post_title":"Warum Afghanen in Syrien f\u00fcr Assad k\u00e4mpfen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"warum-afghanen-in-syrien-fur-assad-kampfen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3709","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":9},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

\n

Nur im letzteren Fall m\u00fcsse man das Besatzungsregime als Teil des politischen Systems Israels bewerten, so Beck. F\u00fcr den anhaltenden Charakter spreche allein schon die schiere Dauer der Besatzung: So dauert die israelische Besatzung schon \u00fcber ein halbes Jahrhundert und damit dreimal so lange wie Israel in den Grenzen von 1949 bis 1967 existierte.<\/p>\n\n\n\n

Hinzu kommen weitere Indizien: Das Scheitern des Osloer Verhandlungsprozess in den 1990er Jahren und im ersten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts, der anhaltende Siedlungsprozess sowie die weitgehenden Einigkeit unter den gro\u00dfen politischen Parteien Israels - und dass gro\u00dfe Teile des Westjordanlands dauerhaft unter israelischer Kontrolle verbleiben sollen. Beck kommt zu dem Schluss:<\/p>\n\n\n\n

Alle Indizien verweisen also darauf, dass die israelische Herrschaft \u00fcber das Westjordanland auf Dauer angelegt ist. In einer Demokratie m\u00fcsste daher allen dort Wohnenden der uneingeschr\u00e4nkte Zugang zu den staatsb\u00fcrgerlichen Rechten des politischen Gemeinwesens gew\u00e4hrt werden. Dies ist aber nicht der Fall.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Zweifelsfrei war Israel lediglich f\u00fcr sechs Monate eine Demokratie<\/h3>\n\n\n\n

W\u00e4hrend an der israelischen Besatzung des Westjordanlands kein Zweifel besteht, \u00fcberrascht, dass Beck f\u00fcr den Gazastreifen zu einer \u00e4hnlichen Bewertung kommt. Schlie\u00dflich hat Israel seine Soldaten im Jahr 2007 aus dem K\u00fcstenstreifen abgezogen und j\u00fcdische Siedlungen aufgel\u00f6st.<\/p>\n\n\n\n

Beck argumentiert, dass Israel auch heute seine Kontrolle von Land, Luft und Wasser aufrechterh\u00e4lt und die Besatzungsherrschaft damit fortsetzt, ohne \"den dort lebenden Menschen irgendeine Form demokratischer Mitwirkungsrechte zu gew\u00e4hren\".<\/p>\n\n\n\n

Mit dieser Einsch\u00e4tzung ist Beck nicht allein. Auch die Vereinten Nationen<\/a> und der Internationale Strafgerichtshof<\/a> vertreten die Auffassung, dass die israelische Besatzung \u00fcber den Gazastreifen andauert.<\/p>\n\n\n\n

F\u00fcr die Gesamtbewertung des politischen Systems Israels hat diese Frage allerdings ohnehin keine entscheidende Bedeutung mehr. Denn Becks Fazit f\u00e4llt eindeutig aus: Zweifelsfrei um eine Demokratie gehandelt habe es sich bei Israel lediglich in einem kurzen sechsmonatigen Zeitraum zwischen der Abschaffung des Milit\u00e4rrechts f\u00fcr arabische Israelis im November 1966 und dem Beginn des Sechstagekrieges im Juni 1967.<\/p>\n\n\n\n

Sp\u00e4testens mit Beginn der Besatzungsherrschaft habe Israel seinen Charakter als Demokratie verloren. F\u00fcr heutige Debatten rund um Israel empfiehlt der Nahost-Professor deshalb auf das Demokratieargument besser zu verzichten.

der\u00a0Ursprung<\/a><\/p>\n","post_title":"Die einzige Demokratie im Nahen Osten?","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-einzige-demokratie-im-nahen-osten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3775","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3719,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:39:47","post_date_gmt":"2020-08-13 21:39:47","post_content":"\n

Jenni Zylka und Christoph Safferling im Gespr\u00e4ch mit Anke Schaefer<\/a>- Sie kommen aus Syrien und dem Irak nach Deutschland zur\u00fcck: Frauen, die sich dem sogenannten Islamischen Staat (IS) angeschlossen haben, mit Terroristen zusammenlebten. Soll man sie k\u00fcnftig h\u00e4rter bestrafen? Die Journalistin Jenni Zylka und der Jurist Christoph Safferling sehen das kritisch.<\/p>\n\n\n\n

Frauen, die sich dem IS angeschlossen, aber selbst nicht gek\u00e4mpft haben, sollen laut Generalbundesanwalt Peter Frank als Mitl\u00e4uferinnen h\u00e4rter bestraft werden k\u00f6nnen. Frank meint: \u201eWir sind der Meinung, dass sich  auch bei diesen Frauen die Mitgliedschaft in einer ausl\u00e4ndischen terroristischen Organisation bejahen l\u00e4sst, weil diese Frauen die innere Struktur des sogenannten Islamischen Staates und damit diese Terrororganisation von innen heraus st\u00e4rken.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Aber sind diese Frauen nicht eher Opfer? Weil sie Angst um ihre Kinder hatten, den Umgang mit der Waffe zur Selbstverteidigung gelernt haben? Jenni Zylka meint dazu:  \u00dcber eine Mitschuld solcher Frauen nachzudenken, sei nachvollziehbar und auch legitim. Jedoch m\u00fcsse sehr genau hingeschaut und jede dieser Frauen einzeln betrachtet werden. Man m\u00fcsse unterscheiden, ob Frauen mit IS-Terroristen zusammengelebt und f\u00fcr diese gesorgt h\u00e4tten oder ob sie selbst militant geworden seien. Viele von ihnen seien zudem traumatisiert durch die Erlebnisse in den IS-Lagern.<\/p>\n\n\n\n

\"DieDie Journalistin Jenni Zylka (Deutschlandradio \/ Andreas Buron)<\/p>\n\n\n\n

Nicht wie Schwerverbrecherinnen behandeln<\/h2>\n\n\n\n

Christoph Safferling, Professor f\u00fcr Strafrecht an der Universit\u00e4t Erlangen-N\u00fcrnberg, sagt, er halte die Argumentation des Generalbundesanwalts f\u00fcr problematisch. Es handle sich zun\u00e4chst einmal um allt\u00e4gliche Handlungen wie Kochen und Sorge um die Kinder. \u201eUnd die Frage ist: Wann sind solche neutralen Handlungen tats\u00e4chlich straftatunterst\u00fctzend.\u201c Ein Vorsatz, die terroristischen Strukturen zu unterst\u00fctzen, m\u00fcsse klar nachgewiesen werden.<\/p>\n\n\n\n

Vielmehr stelle sich die Frage, ob die Frauen nicht eher als Opfer betrachtet werden m\u00fcssten. Viele h\u00e4tten sich wie unter Zwang auf die Situation eingelassen \u2013 diese k\u00f6nne man strukturell durchaus mit den Bedingungen von Zwangsprostitution vergleichen. Viele der jungen Frauen seien auch unter Drogen gesetzt worden.<\/p>\n\n\n\n

Zugest\u00e4ndnis an Irak?<\/h2>\n\n\n\n

Eine m\u00f6gliche Erkl\u00e4rung der harten Linie der Generalbundesanwaltschaft \u00fcber die man nur spekulieren k\u00f6nne: \u201eIch kann mir auch vorstellen, dass, wenn es jetzt darum geht, Irak davon zu \u00fcberzeugen, die deutschen Staatsangeh\u00f6rigen, die dort einsitzen, auszuliefern, man ihnen gegen\u00fcber auch zu verstehen geben muss, dass die hier einer Strafverfolgung zugef\u00fchrt werden. Ansonsten w\u00fcrde der Irak sich vielleicht weigern, sie auszuliefern.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Safferling h\u00e4lt eine intensive Betreuung der zur\u00fcckgekehrten Frauen und M\u00e4dchen f\u00fcr unerl\u00e4sslich \u2013 man d\u00fcrfe sie keinesfalls alleine lassen und nicht wie Schwerverbrecherinnen behandeln. Es m\u00fcsse vielmehr verhindert werden, dass die jungen Frauen etwa in die Salafisten-Szene abtauchten.<\/p>\n","post_title":"Sie sind eher Opfer als Schwerverbrecherinnen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"sie-sind-eher-opfer-als-schwerverbrecherinnen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3719","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3709,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:30:50","post_date_gmt":"2020-08-13 21:30:50","post_content":"\n

Drei Millionen Afghanen sind ins Nachbarland Iran geflohen. Viele arbeiten schwarz. Die Aussicht auf einen festen Lohn plus Papiere f\u00fcr die Familie ist verlockend. Die Gegenleistung daf\u00fcr: K\u00e4mpfen in Syrien.<\/p>\n\n\n\n

Wenn Abu Fazel von den Gr\u00e4ueltaten des syrischen B\u00fcrgerkriegs h\u00f6rt, denkt er immer daran, dass er auch beinahe als K\u00e4mpfer auf diesem Schlachtfeld gelandet w\u00e4re. Doch Abu Fazel ist weder Syrer noch wollte er zum sogenannten \u201eIslamischen Staat\u201c. Der 18-J\u00e4hrige ist ein afghanischer Gefl\u00fcchteter, der zur Zeit in Leverkusen lebt.<\/p>\n\n\n\n

Den Gro\u00dfteil seines Lebens verbrachte er im Iran. Seine Familie ist dorthin gefl\u00fcchtet, als er ein Kind war. Doch als die iranische Regierung ihn nach Syrien schicken wollte, um auf der Seite von Machthaber Baschar al-Assad zu k\u00e4mpfen, entschloss er sich zu fliehen.<\/p>\n\n\n\n

\"Fl\u00fcchtlingeGefl\u00fcchtete aus dem Iran und Afghanistan an der Grenze zwischen Mazedonien und Griechenland. (picture alliance \/ dpa \/ Georgi Licovski)<\/p>\n\n\n\n

Tausende afghanische Jugendliche \u2013 die genaue Zahl ist nicht bekannt \u2013 wurden im Iran rekrutiert, um im Krieg in Syrien zu k\u00e4mpfen. Erst vor Kurzem berichtete die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, dass sie die Gr\u00e4ber von acht afghanischen Kindern, die in Syrien get\u00f6tet wurden, identifiziert hat. Laut der Organisation rekrutiert der Iran regelm\u00e4\u00dfig minderj\u00e4hrige K\u00e4mpfer, um sie nach Syrien zu schicken. Unter afghanischen Gefl\u00fcchteten ist diese Praxis schon l\u00e4nger bekannt.<\/p>\n\n\n\n

Rassismus gegen Afghanen im Iran<\/h2>\n\n\n\n

Fast drei Millionen Gefl\u00fcchtete aus Afghanistan sind inzwischen im Iran. Die meisten von ihnen leben in der Illegalit\u00e4t und werden als Schwarzarbeiter, etwa am Bau, ausgebeutet. Rassismus und Ausgrenzung geh\u00f6ren zu ihrem gesellschaftlichen Alltag. Kinder sind davon nicht ausgeschlossen. Im Gegenteil: Vielen afghanischen Kinderm ist es nicht erlaubt, staatliche Schulen zu besuchen. Abu Fazel wurde Zeit seines Lebens von dieser Diskrimierung beeinflusst und verfolgt.<\/p>\n\n\n\n

\u201e'Afghane\u2018 \u2013 das ist dort ein Schimpfwort. Ich h\u00f6rte es von klein auf immer wieder. Der Rassismus gegen Afghanen ist dort v\u00f6llig normal. Meine Herkunft, auf der ich eigentlich stolz war, ist im Iran stets eine Last gewesen. Wir sind dort B\u00fcrger zweiter Klasse.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung der afghanischen Gefl\u00fcchteten ist f\u00fcr Abu Fazel die Spitze jenes Rassismus, den er erlebt hat.<\/p>\n\n\n\n

Iran: Syrien vor sunnitischen Extremisten verteidigen<\/h2>\n\n\n\n

In Syrien k\u00e4mpfen neben den afghanischen Milizen auch andere paramilit\u00e4rische Gruppierungen im Auftrag des Irans: etwa die ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigten Revolutionsgarden, die einst Ayatollah Ruhollah Khomeini pers\u00f6nlich ins Leben rief oder die Basidsch-Milizen. Beiden Gruppierungen sind nicht nur in Syrien aktiv, sondern auch im Irak.<\/p>\n\n\n\n

Obowhl sich das syrische Regime von Baschar al-Assad als s\u00e4kular ausweist, wird es vom Iran, der sich als Repr\u00e4sentant aller muslimischen Schiiten betrachtet, unterst\u00fctzt. Gemeinsames Ziel in Syrien ist es: Schiiten vor sunnitische Extremisten zu verteidigen. Dennoch ist das Regime darauf bedacht, m\u00f6glichst wenig eigene K\u00e4mpfer nach Syrien zu schicken. \u00c4hnlich wie einst w\u00e4hrend des Krieges gegen Saddam Husseins Irak, setzt der Iran auf ausl\u00e4ndische K\u00e4mpfer.<\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung war wie eine Gehirnw\u00e4sche<\/h2>\n\n\n\n

Abu Fazels Familie geh\u00f6rt zur afghanischen Minderheit der schiitischen Hazara \u2013 wie viele Afghanen, die in den Iran gekommen sind. Mittlerweile k\u00e4mpfen Tausende von ihnen in Syrien. Der Iran bezahlt die Afghanen mit einem Sold von wenigen hundert Dollar pro Monat und verspricht ihren Familien eine Aufenthaltsgenehmigung oder eine Arbeitserlaubnis.<\/p>\n\n\n\n

An der Rekrutierung der Afghanen sind sowohl die Revolutionsgarden als auch die erw\u00e4hnten Basidsch-Milizen beteiligt. Abu Fazel beschreibt, wie das Viertel, in dem er gemeinsam mit seiner Familie in Teheran lebte, regelm\u00e4\u00dfig von den K\u00e4mpfern aufgesucht wurde. Viele afghanische Gefl\u00fcchtete lebten dort \u2013 und fielen auf die Gehirnw\u00e4sche der Rattenf\u00e4nger herein.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie trafen junge M\u00e4nner und Jugendliche in den Moscheen und \u00fcberredeten sie, gegen den IS oder Al Qaida zu k\u00e4mpfen. Die Gehirnw\u00e4sche war perfekt. Am Ende merkten viele, darunter auch ich, nicht einmal, dass wir in ihre Propaganda getappt waren. Ihre \u00dcberredungskunst war wirklich sehr speziell. Am Ende hat man Lust, nach Syrien zu gehen, um zu k\u00e4mpfen\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Erfolg hatten die Rekrutierer des Regimes auch bei Abu Fazels Cousin, der zum damaligen Zeitpunkt ebenfalls minderj\u00e4hrig gewesen ist. Er ging nach Syrien und k\u00e4mpfte unter der Flagge der \u201eLiwa Fatemiyoun\u201c, wie die afghanische Division auf Seiten Assads hei\u00dft. Offiziell ist die Aufgabe der Miliz die Verteidigung des Schreines von Zaynab im S\u00fcden von Damaskus. Zaynab war die Enkelin des islamischen Propheten Mohammad. Laut iranischen Staatsmedien k\u00e4mpfen mindestens 20.000 Afghanen in der Division.<\/p>\n\n\n\n

Im August 2014 entschloss sich auch Abu Fazel, nach Syrien zu gehen und zu k\u00e4mpfen. Im selben Monat wurde sein Cousin in der N\u00e4he von Aleppo im Kampf gegen syrische Rebellen get\u00f6tet.<\/p>\n\n\n\n

\u201eMein Cousin wurde dort get\u00f6tet. Auch andere Jungs aus unserer Gegend gingen nach Syrien und fielen dort. Lokale Zeitungen nannten sie \u201aM\u00e4rtyrer\u2018.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Lieber Flucht statt K\u00e4mpfer in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein solcher \u201eM\u00e4rtyrer\u201c wollte Abu Fazel allerdings nicht werden. Er floh eine Woche vor dem Beginn seiner dreimonatigen Kampfausbildung. Es war ihm lieber, ein Leben auf der Flucht zu verbringen, als in Syrien unschuldige Menschen f\u00fcr einen Diktator zu t\u00f6ten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch kam zu dem Schluss, dass ich nicht als M\u00f6rder weiterleben k\u00f6nnte. Stets dachte ich mir, dass selbst die schlimmsten Al-Qaida- oder IS-Terroristen Kinder haben k\u00f6nnten, die ihren Vater lieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Fazel verlor seinen eigenen Vater bereits sehr fr\u00fch. Er wurde Opfer des B\u00fcrgerkriegs in Afghanistan, der von 1989 bis 2001 tausende Menschen das Leben kostete. Auch der Iran mischte in der Zeit schon mit. Es ist allgemein bekannt, dass die schiitischen Hazara-Milizen, die den B\u00fcrgerkrieg ebenfalls mitanfachten, von der Regierung in Teheran unterst\u00fctzt wurden.<\/p>\n\n\n\n

Als Abu Fazel sich nun entschloss, aus der Gewaltspirale auszusteigen und nicht in Syrien zu k\u00e4mpfen, wuchs die Angst bei seiner Familie. Denn f\u00fcr die iranischen Beh\u00f6rden gilt: Hat man sich einmal gemeldet, gibt es kein zur\u00fcck. Man muss an die Front nach Syrien \u2013 oder wird zur\u00fcck nach Afghanistan abgeschoben, wo ebenfalls Krieg herrscht.<\/p>\n\n\n\n

Der einzige Ausweg f\u00fcr den jungen Afghanen war die Flucht. \u00dcber die T\u00fcrkei, Griechenland und die Balkranroute erreichte er mit gro\u00dfer M\u00fche Deutschland, wo er einen Asylantrag stellte.<\/p>\n\n\n\n

Erster Asylantrag in Deutschland abgelehnt<\/h2>\n\n\n\n

Als Grund nannte er seine Rekrutierung als Kindersoldat seitens des iranischen Regimes. Doch w\u00e4hrend diese Begr\u00fcndung in Abu Fazels Augen v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich war, sahen deutsche Beh\u00f6rden das anders. Sein erster Antrag wurde abgelehnt. Derzeit versucht er es ein zweites Mal. Die Bundesrepublik schiebt afghanische Gefl\u00fcchtete weiterhin ab.<\/p>\n\n\n\n

\"EinAbschiebung von Afghanen im Dezember 2016 mit einem Charterflug von Frankfurt nach Kabul. (dpa \/picture alliance \/ Boris Roessler)<\/p>\n\n\n\n

Die Verantwortlichen weisen in diesem Kontext immer wieder auf vermeintlich \u201esichere Gebiete\u201c im Land, die nicht n\u00e4her benannt werden.<\/p>\n\n\n\n

W\u00e4hrenddessen machen Menschenrechtsorganisationen regelm\u00e4\u00dfig darauf aufmerksam, dass keine Region am Hindukusch sicher ist. Stattdessen wird in manchen Gebieten nur weniger Krieg gef\u00fchrt als in anderen.<\/p>\n\n\n\n

\"SieDemonstranten protestieren in Frankfurt am Main gegen die Abschiebung von Afghanen. Auf einem der Transparente steht \u201eAfghanistan is not safe\u201c. (AFP \/ Daniel Roland)<\/p>\n\n\n\n

Alis Vater und Onkel k\u00e4mpfen in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein \u00e4hnliches Schicksal wie Abu Fazel erlitt der 18-j\u00e4hrige Ali (Namen ge\u00e4ndert). Auch er floh aus dem Iran nach Deutschland, um der Rekrutierung f\u00fcr Assads Milizen zu entgehen. Viele seiner afghanischen Freunde sind bereits nach Syrien gezogen \u2013 und kamen niemals zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Alis Familie, ebenfalls Angeh\u00f6rige der Hazara-Minderheit, stammt urspr\u00fcnglich aus der Provinz Ghor im Nordosten Afghanistans. Ihre Heimat verlie\u00dfen sie w\u00e4hrend der sowjetischen Besatzung in den 1980er-Jahren.<\/p>\n\n\n\n

Seit jeher lebt die Familie in der iranischen Gro\u00dfstadt Maschhad. Als der Krieg in Syrien ausbrach, erreichte sie ein Konflikt, mit dem sie nicht gerechnet hatten. Im Juli 2015 reiste Alis Vater nach Teheran. Er wollte einen Weg finden, um f\u00fcr seine Familie Aufenthaltspapiere zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Beh\u00f6rden sagten ihm, dass die Rekrutierung f\u00fcr den Krieg in Syrien eine M\u00f6glichkeit darstellen k\u00f6nnte, um Papiere f\u00fcr uns alle zu erhalten. Andernfalls w\u00fcrde man uns sehr bald nach Afghanistan abschieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Mittlerweile k\u00e4mpfen Alis Vater und sein Onkel seit \u00fcber einem Jahr in Syrien. Am Aufenthaltsstatus seiner Familienmitglieder hat sich bis heute allerdings nichts ge\u00e4ndert. F\u00fcr Ali ist klar, dass dies nur eine Falle gewesen ist, um noch mehr Afghanen als Kanonenfutter zu missbrauchen.<\/p>\n\n\n\n

Anfangs gab es Papiere f\u00fcr K\u00e4mpfer-Familien<\/h2>\n\n\n\n

Den Kontakt zu seinem Vater hat der Afghane mittlerweile verloren. W\u00e4hrenddessen schickt ihm sein Onkel, der in Aleppo stationiert ist, hin und wieder Bilder \u00fcber den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ali denkt, dass nur sehr wenige Afghanen der Propaganda der iranischen Regierung glauben und in Syrien f\u00fcr eine \u201egute Sache\u201c k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

Source<\/a><\/p>\n","post_title":"Warum Afghanen in Syrien f\u00fcr Assad k\u00e4mpfen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"warum-afghanen-in-syrien-fur-assad-kampfen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3709","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":9},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

\n

Ob auch die Situation im Westjordanland und Gazastreifen eine Rolle f\u00fcr die Bewertung des politischen Systems Israels spielt, entscheidet sich dem Spezialisten f\u00fcr politische Systeme im Nahen Osten<\/a> zufolge vor allem an einer Frage: Ist die Besetzung der Gebiete ein vor\u00fcbergehendes Ph\u00e4nomen oder auf Dauer angelegt?<\/p>\n\n\n\n

Nur im letzteren Fall m\u00fcsse man das Besatzungsregime als Teil des politischen Systems Israels bewerten, so Beck. F\u00fcr den anhaltenden Charakter spreche allein schon die schiere Dauer der Besatzung: So dauert die israelische Besatzung schon \u00fcber ein halbes Jahrhundert und damit dreimal so lange wie Israel in den Grenzen von 1949 bis 1967 existierte.<\/p>\n\n\n\n

Hinzu kommen weitere Indizien: Das Scheitern des Osloer Verhandlungsprozess in den 1990er Jahren und im ersten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts, der anhaltende Siedlungsprozess sowie die weitgehenden Einigkeit unter den gro\u00dfen politischen Parteien Israels - und dass gro\u00dfe Teile des Westjordanlands dauerhaft unter israelischer Kontrolle verbleiben sollen. Beck kommt zu dem Schluss:<\/p>\n\n\n\n

Alle Indizien verweisen also darauf, dass die israelische Herrschaft \u00fcber das Westjordanland auf Dauer angelegt ist. In einer Demokratie m\u00fcsste daher allen dort Wohnenden der uneingeschr\u00e4nkte Zugang zu den staatsb\u00fcrgerlichen Rechten des politischen Gemeinwesens gew\u00e4hrt werden. Dies ist aber nicht der Fall.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Zweifelsfrei war Israel lediglich f\u00fcr sechs Monate eine Demokratie<\/h3>\n\n\n\n

W\u00e4hrend an der israelischen Besatzung des Westjordanlands kein Zweifel besteht, \u00fcberrascht, dass Beck f\u00fcr den Gazastreifen zu einer \u00e4hnlichen Bewertung kommt. Schlie\u00dflich hat Israel seine Soldaten im Jahr 2007 aus dem K\u00fcstenstreifen abgezogen und j\u00fcdische Siedlungen aufgel\u00f6st.<\/p>\n\n\n\n

Beck argumentiert, dass Israel auch heute seine Kontrolle von Land, Luft und Wasser aufrechterh\u00e4lt und die Besatzungsherrschaft damit fortsetzt, ohne \"den dort lebenden Menschen irgendeine Form demokratischer Mitwirkungsrechte zu gew\u00e4hren\".<\/p>\n\n\n\n

Mit dieser Einsch\u00e4tzung ist Beck nicht allein. Auch die Vereinten Nationen<\/a> und der Internationale Strafgerichtshof<\/a> vertreten die Auffassung, dass die israelische Besatzung \u00fcber den Gazastreifen andauert.<\/p>\n\n\n\n

F\u00fcr die Gesamtbewertung des politischen Systems Israels hat diese Frage allerdings ohnehin keine entscheidende Bedeutung mehr. Denn Becks Fazit f\u00e4llt eindeutig aus: Zweifelsfrei um eine Demokratie gehandelt habe es sich bei Israel lediglich in einem kurzen sechsmonatigen Zeitraum zwischen der Abschaffung des Milit\u00e4rrechts f\u00fcr arabische Israelis im November 1966 und dem Beginn des Sechstagekrieges im Juni 1967.<\/p>\n\n\n\n

Sp\u00e4testens mit Beginn der Besatzungsherrschaft habe Israel seinen Charakter als Demokratie verloren. F\u00fcr heutige Debatten rund um Israel empfiehlt der Nahost-Professor deshalb auf das Demokratieargument besser zu verzichten.

der\u00a0Ursprung<\/a><\/p>\n","post_title":"Die einzige Demokratie im Nahen Osten?","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-einzige-demokratie-im-nahen-osten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3775","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3719,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:39:47","post_date_gmt":"2020-08-13 21:39:47","post_content":"\n

Jenni Zylka und Christoph Safferling im Gespr\u00e4ch mit Anke Schaefer<\/a>- Sie kommen aus Syrien und dem Irak nach Deutschland zur\u00fcck: Frauen, die sich dem sogenannten Islamischen Staat (IS) angeschlossen haben, mit Terroristen zusammenlebten. Soll man sie k\u00fcnftig h\u00e4rter bestrafen? Die Journalistin Jenni Zylka und der Jurist Christoph Safferling sehen das kritisch.<\/p>\n\n\n\n

Frauen, die sich dem IS angeschlossen, aber selbst nicht gek\u00e4mpft haben, sollen laut Generalbundesanwalt Peter Frank als Mitl\u00e4uferinnen h\u00e4rter bestraft werden k\u00f6nnen. Frank meint: \u201eWir sind der Meinung, dass sich  auch bei diesen Frauen die Mitgliedschaft in einer ausl\u00e4ndischen terroristischen Organisation bejahen l\u00e4sst, weil diese Frauen die innere Struktur des sogenannten Islamischen Staates und damit diese Terrororganisation von innen heraus st\u00e4rken.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Aber sind diese Frauen nicht eher Opfer? Weil sie Angst um ihre Kinder hatten, den Umgang mit der Waffe zur Selbstverteidigung gelernt haben? Jenni Zylka meint dazu:  \u00dcber eine Mitschuld solcher Frauen nachzudenken, sei nachvollziehbar und auch legitim. Jedoch m\u00fcsse sehr genau hingeschaut und jede dieser Frauen einzeln betrachtet werden. Man m\u00fcsse unterscheiden, ob Frauen mit IS-Terroristen zusammengelebt und f\u00fcr diese gesorgt h\u00e4tten oder ob sie selbst militant geworden seien. Viele von ihnen seien zudem traumatisiert durch die Erlebnisse in den IS-Lagern.<\/p>\n\n\n\n

\"DieDie Journalistin Jenni Zylka (Deutschlandradio \/ Andreas Buron)<\/p>\n\n\n\n

Nicht wie Schwerverbrecherinnen behandeln<\/h2>\n\n\n\n

Christoph Safferling, Professor f\u00fcr Strafrecht an der Universit\u00e4t Erlangen-N\u00fcrnberg, sagt, er halte die Argumentation des Generalbundesanwalts f\u00fcr problematisch. Es handle sich zun\u00e4chst einmal um allt\u00e4gliche Handlungen wie Kochen und Sorge um die Kinder. \u201eUnd die Frage ist: Wann sind solche neutralen Handlungen tats\u00e4chlich straftatunterst\u00fctzend.\u201c Ein Vorsatz, die terroristischen Strukturen zu unterst\u00fctzen, m\u00fcsse klar nachgewiesen werden.<\/p>\n\n\n\n

Vielmehr stelle sich die Frage, ob die Frauen nicht eher als Opfer betrachtet werden m\u00fcssten. Viele h\u00e4tten sich wie unter Zwang auf die Situation eingelassen \u2013 diese k\u00f6nne man strukturell durchaus mit den Bedingungen von Zwangsprostitution vergleichen. Viele der jungen Frauen seien auch unter Drogen gesetzt worden.<\/p>\n\n\n\n

Zugest\u00e4ndnis an Irak?<\/h2>\n\n\n\n

Eine m\u00f6gliche Erkl\u00e4rung der harten Linie der Generalbundesanwaltschaft \u00fcber die man nur spekulieren k\u00f6nne: \u201eIch kann mir auch vorstellen, dass, wenn es jetzt darum geht, Irak davon zu \u00fcberzeugen, die deutschen Staatsangeh\u00f6rigen, die dort einsitzen, auszuliefern, man ihnen gegen\u00fcber auch zu verstehen geben muss, dass die hier einer Strafverfolgung zugef\u00fchrt werden. Ansonsten w\u00fcrde der Irak sich vielleicht weigern, sie auszuliefern.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Safferling h\u00e4lt eine intensive Betreuung der zur\u00fcckgekehrten Frauen und M\u00e4dchen f\u00fcr unerl\u00e4sslich \u2013 man d\u00fcrfe sie keinesfalls alleine lassen und nicht wie Schwerverbrecherinnen behandeln. Es m\u00fcsse vielmehr verhindert werden, dass die jungen Frauen etwa in die Salafisten-Szene abtauchten.<\/p>\n","post_title":"Sie sind eher Opfer als Schwerverbrecherinnen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"sie-sind-eher-opfer-als-schwerverbrecherinnen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3719","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3709,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:30:50","post_date_gmt":"2020-08-13 21:30:50","post_content":"\n

Drei Millionen Afghanen sind ins Nachbarland Iran geflohen. Viele arbeiten schwarz. Die Aussicht auf einen festen Lohn plus Papiere f\u00fcr die Familie ist verlockend. Die Gegenleistung daf\u00fcr: K\u00e4mpfen in Syrien.<\/p>\n\n\n\n

Wenn Abu Fazel von den Gr\u00e4ueltaten des syrischen B\u00fcrgerkriegs h\u00f6rt, denkt er immer daran, dass er auch beinahe als K\u00e4mpfer auf diesem Schlachtfeld gelandet w\u00e4re. Doch Abu Fazel ist weder Syrer noch wollte er zum sogenannten \u201eIslamischen Staat\u201c. Der 18-J\u00e4hrige ist ein afghanischer Gefl\u00fcchteter, der zur Zeit in Leverkusen lebt.<\/p>\n\n\n\n

Den Gro\u00dfteil seines Lebens verbrachte er im Iran. Seine Familie ist dorthin gefl\u00fcchtet, als er ein Kind war. Doch als die iranische Regierung ihn nach Syrien schicken wollte, um auf der Seite von Machthaber Baschar al-Assad zu k\u00e4mpfen, entschloss er sich zu fliehen.<\/p>\n\n\n\n

\"Fl\u00fcchtlingeGefl\u00fcchtete aus dem Iran und Afghanistan an der Grenze zwischen Mazedonien und Griechenland. (picture alliance \/ dpa \/ Georgi Licovski)<\/p>\n\n\n\n

Tausende afghanische Jugendliche \u2013 die genaue Zahl ist nicht bekannt \u2013 wurden im Iran rekrutiert, um im Krieg in Syrien zu k\u00e4mpfen. Erst vor Kurzem berichtete die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, dass sie die Gr\u00e4ber von acht afghanischen Kindern, die in Syrien get\u00f6tet wurden, identifiziert hat. Laut der Organisation rekrutiert der Iran regelm\u00e4\u00dfig minderj\u00e4hrige K\u00e4mpfer, um sie nach Syrien zu schicken. Unter afghanischen Gefl\u00fcchteten ist diese Praxis schon l\u00e4nger bekannt.<\/p>\n\n\n\n

Rassismus gegen Afghanen im Iran<\/h2>\n\n\n\n

Fast drei Millionen Gefl\u00fcchtete aus Afghanistan sind inzwischen im Iran. Die meisten von ihnen leben in der Illegalit\u00e4t und werden als Schwarzarbeiter, etwa am Bau, ausgebeutet. Rassismus und Ausgrenzung geh\u00f6ren zu ihrem gesellschaftlichen Alltag. Kinder sind davon nicht ausgeschlossen. Im Gegenteil: Vielen afghanischen Kinderm ist es nicht erlaubt, staatliche Schulen zu besuchen. Abu Fazel wurde Zeit seines Lebens von dieser Diskrimierung beeinflusst und verfolgt.<\/p>\n\n\n\n

\u201e'Afghane\u2018 \u2013 das ist dort ein Schimpfwort. Ich h\u00f6rte es von klein auf immer wieder. Der Rassismus gegen Afghanen ist dort v\u00f6llig normal. Meine Herkunft, auf der ich eigentlich stolz war, ist im Iran stets eine Last gewesen. Wir sind dort B\u00fcrger zweiter Klasse.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung der afghanischen Gefl\u00fcchteten ist f\u00fcr Abu Fazel die Spitze jenes Rassismus, den er erlebt hat.<\/p>\n\n\n\n

Iran: Syrien vor sunnitischen Extremisten verteidigen<\/h2>\n\n\n\n

In Syrien k\u00e4mpfen neben den afghanischen Milizen auch andere paramilit\u00e4rische Gruppierungen im Auftrag des Irans: etwa die ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigten Revolutionsgarden, die einst Ayatollah Ruhollah Khomeini pers\u00f6nlich ins Leben rief oder die Basidsch-Milizen. Beiden Gruppierungen sind nicht nur in Syrien aktiv, sondern auch im Irak.<\/p>\n\n\n\n

Obowhl sich das syrische Regime von Baschar al-Assad als s\u00e4kular ausweist, wird es vom Iran, der sich als Repr\u00e4sentant aller muslimischen Schiiten betrachtet, unterst\u00fctzt. Gemeinsames Ziel in Syrien ist es: Schiiten vor sunnitische Extremisten zu verteidigen. Dennoch ist das Regime darauf bedacht, m\u00f6glichst wenig eigene K\u00e4mpfer nach Syrien zu schicken. \u00c4hnlich wie einst w\u00e4hrend des Krieges gegen Saddam Husseins Irak, setzt der Iran auf ausl\u00e4ndische K\u00e4mpfer.<\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung war wie eine Gehirnw\u00e4sche<\/h2>\n\n\n\n

Abu Fazels Familie geh\u00f6rt zur afghanischen Minderheit der schiitischen Hazara \u2013 wie viele Afghanen, die in den Iran gekommen sind. Mittlerweile k\u00e4mpfen Tausende von ihnen in Syrien. Der Iran bezahlt die Afghanen mit einem Sold von wenigen hundert Dollar pro Monat und verspricht ihren Familien eine Aufenthaltsgenehmigung oder eine Arbeitserlaubnis.<\/p>\n\n\n\n

An der Rekrutierung der Afghanen sind sowohl die Revolutionsgarden als auch die erw\u00e4hnten Basidsch-Milizen beteiligt. Abu Fazel beschreibt, wie das Viertel, in dem er gemeinsam mit seiner Familie in Teheran lebte, regelm\u00e4\u00dfig von den K\u00e4mpfern aufgesucht wurde. Viele afghanische Gefl\u00fcchtete lebten dort \u2013 und fielen auf die Gehirnw\u00e4sche der Rattenf\u00e4nger herein.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie trafen junge M\u00e4nner und Jugendliche in den Moscheen und \u00fcberredeten sie, gegen den IS oder Al Qaida zu k\u00e4mpfen. Die Gehirnw\u00e4sche war perfekt. Am Ende merkten viele, darunter auch ich, nicht einmal, dass wir in ihre Propaganda getappt waren. Ihre \u00dcberredungskunst war wirklich sehr speziell. Am Ende hat man Lust, nach Syrien zu gehen, um zu k\u00e4mpfen\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Erfolg hatten die Rekrutierer des Regimes auch bei Abu Fazels Cousin, der zum damaligen Zeitpunkt ebenfalls minderj\u00e4hrig gewesen ist. Er ging nach Syrien und k\u00e4mpfte unter der Flagge der \u201eLiwa Fatemiyoun\u201c, wie die afghanische Division auf Seiten Assads hei\u00dft. Offiziell ist die Aufgabe der Miliz die Verteidigung des Schreines von Zaynab im S\u00fcden von Damaskus. Zaynab war die Enkelin des islamischen Propheten Mohammad. Laut iranischen Staatsmedien k\u00e4mpfen mindestens 20.000 Afghanen in der Division.<\/p>\n\n\n\n

Im August 2014 entschloss sich auch Abu Fazel, nach Syrien zu gehen und zu k\u00e4mpfen. Im selben Monat wurde sein Cousin in der N\u00e4he von Aleppo im Kampf gegen syrische Rebellen get\u00f6tet.<\/p>\n\n\n\n

\u201eMein Cousin wurde dort get\u00f6tet. Auch andere Jungs aus unserer Gegend gingen nach Syrien und fielen dort. Lokale Zeitungen nannten sie \u201aM\u00e4rtyrer\u2018.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Lieber Flucht statt K\u00e4mpfer in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein solcher \u201eM\u00e4rtyrer\u201c wollte Abu Fazel allerdings nicht werden. Er floh eine Woche vor dem Beginn seiner dreimonatigen Kampfausbildung. Es war ihm lieber, ein Leben auf der Flucht zu verbringen, als in Syrien unschuldige Menschen f\u00fcr einen Diktator zu t\u00f6ten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch kam zu dem Schluss, dass ich nicht als M\u00f6rder weiterleben k\u00f6nnte. Stets dachte ich mir, dass selbst die schlimmsten Al-Qaida- oder IS-Terroristen Kinder haben k\u00f6nnten, die ihren Vater lieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Fazel verlor seinen eigenen Vater bereits sehr fr\u00fch. Er wurde Opfer des B\u00fcrgerkriegs in Afghanistan, der von 1989 bis 2001 tausende Menschen das Leben kostete. Auch der Iran mischte in der Zeit schon mit. Es ist allgemein bekannt, dass die schiitischen Hazara-Milizen, die den B\u00fcrgerkrieg ebenfalls mitanfachten, von der Regierung in Teheran unterst\u00fctzt wurden.<\/p>\n\n\n\n

Als Abu Fazel sich nun entschloss, aus der Gewaltspirale auszusteigen und nicht in Syrien zu k\u00e4mpfen, wuchs die Angst bei seiner Familie. Denn f\u00fcr die iranischen Beh\u00f6rden gilt: Hat man sich einmal gemeldet, gibt es kein zur\u00fcck. Man muss an die Front nach Syrien \u2013 oder wird zur\u00fcck nach Afghanistan abgeschoben, wo ebenfalls Krieg herrscht.<\/p>\n\n\n\n

Der einzige Ausweg f\u00fcr den jungen Afghanen war die Flucht. \u00dcber die T\u00fcrkei, Griechenland und die Balkranroute erreichte er mit gro\u00dfer M\u00fche Deutschland, wo er einen Asylantrag stellte.<\/p>\n\n\n\n

Erster Asylantrag in Deutschland abgelehnt<\/h2>\n\n\n\n

Als Grund nannte er seine Rekrutierung als Kindersoldat seitens des iranischen Regimes. Doch w\u00e4hrend diese Begr\u00fcndung in Abu Fazels Augen v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich war, sahen deutsche Beh\u00f6rden das anders. Sein erster Antrag wurde abgelehnt. Derzeit versucht er es ein zweites Mal. Die Bundesrepublik schiebt afghanische Gefl\u00fcchtete weiterhin ab.<\/p>\n\n\n\n

\"EinAbschiebung von Afghanen im Dezember 2016 mit einem Charterflug von Frankfurt nach Kabul. (dpa \/picture alliance \/ Boris Roessler)<\/p>\n\n\n\n

Die Verantwortlichen weisen in diesem Kontext immer wieder auf vermeintlich \u201esichere Gebiete\u201c im Land, die nicht n\u00e4her benannt werden.<\/p>\n\n\n\n

W\u00e4hrenddessen machen Menschenrechtsorganisationen regelm\u00e4\u00dfig darauf aufmerksam, dass keine Region am Hindukusch sicher ist. Stattdessen wird in manchen Gebieten nur weniger Krieg gef\u00fchrt als in anderen.<\/p>\n\n\n\n

\"SieDemonstranten protestieren in Frankfurt am Main gegen die Abschiebung von Afghanen. Auf einem der Transparente steht \u201eAfghanistan is not safe\u201c. (AFP \/ Daniel Roland)<\/p>\n\n\n\n

Alis Vater und Onkel k\u00e4mpfen in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein \u00e4hnliches Schicksal wie Abu Fazel erlitt der 18-j\u00e4hrige Ali (Namen ge\u00e4ndert). Auch er floh aus dem Iran nach Deutschland, um der Rekrutierung f\u00fcr Assads Milizen zu entgehen. Viele seiner afghanischen Freunde sind bereits nach Syrien gezogen \u2013 und kamen niemals zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Alis Familie, ebenfalls Angeh\u00f6rige der Hazara-Minderheit, stammt urspr\u00fcnglich aus der Provinz Ghor im Nordosten Afghanistans. Ihre Heimat verlie\u00dfen sie w\u00e4hrend der sowjetischen Besatzung in den 1980er-Jahren.<\/p>\n\n\n\n

Seit jeher lebt die Familie in der iranischen Gro\u00dfstadt Maschhad. Als der Krieg in Syrien ausbrach, erreichte sie ein Konflikt, mit dem sie nicht gerechnet hatten. Im Juli 2015 reiste Alis Vater nach Teheran. Er wollte einen Weg finden, um f\u00fcr seine Familie Aufenthaltspapiere zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Beh\u00f6rden sagten ihm, dass die Rekrutierung f\u00fcr den Krieg in Syrien eine M\u00f6glichkeit darstellen k\u00f6nnte, um Papiere f\u00fcr uns alle zu erhalten. Andernfalls w\u00fcrde man uns sehr bald nach Afghanistan abschieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Mittlerweile k\u00e4mpfen Alis Vater und sein Onkel seit \u00fcber einem Jahr in Syrien. Am Aufenthaltsstatus seiner Familienmitglieder hat sich bis heute allerdings nichts ge\u00e4ndert. F\u00fcr Ali ist klar, dass dies nur eine Falle gewesen ist, um noch mehr Afghanen als Kanonenfutter zu missbrauchen.<\/p>\n\n\n\n

Anfangs gab es Papiere f\u00fcr K\u00e4mpfer-Familien<\/h2>\n\n\n\n

Den Kontakt zu seinem Vater hat der Afghane mittlerweile verloren. W\u00e4hrenddessen schickt ihm sein Onkel, der in Aleppo stationiert ist, hin und wieder Bilder \u00fcber den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ali denkt, dass nur sehr wenige Afghanen der Propaganda der iranischen Regierung glauben und in Syrien f\u00fcr eine \u201egute Sache\u201c k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

Source<\/a><\/p>\n","post_title":"Warum Afghanen in Syrien f\u00fcr Assad k\u00e4mpfen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"warum-afghanen-in-syrien-fur-assad-kampfen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3709","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":9},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

\n

Besatzung beenden oder dieselben staatsb\u00fcrgerlichen Rechte f\u00fcr Pal\u00e4stinenser<\/h3>\n\n\n\n

Ob auch die Situation im Westjordanland und Gazastreifen eine Rolle f\u00fcr die Bewertung des politischen Systems Israels spielt, entscheidet sich dem Spezialisten f\u00fcr politische Systeme im Nahen Osten<\/a> zufolge vor allem an einer Frage: Ist die Besetzung der Gebiete ein vor\u00fcbergehendes Ph\u00e4nomen oder auf Dauer angelegt?<\/p>\n\n\n\n

Nur im letzteren Fall m\u00fcsse man das Besatzungsregime als Teil des politischen Systems Israels bewerten, so Beck. F\u00fcr den anhaltenden Charakter spreche allein schon die schiere Dauer der Besatzung: So dauert die israelische Besatzung schon \u00fcber ein halbes Jahrhundert und damit dreimal so lange wie Israel in den Grenzen von 1949 bis 1967 existierte.<\/p>\n\n\n\n

Hinzu kommen weitere Indizien: Das Scheitern des Osloer Verhandlungsprozess in den 1990er Jahren und im ersten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts, der anhaltende Siedlungsprozess sowie die weitgehenden Einigkeit unter den gro\u00dfen politischen Parteien Israels - und dass gro\u00dfe Teile des Westjordanlands dauerhaft unter israelischer Kontrolle verbleiben sollen. Beck kommt zu dem Schluss:<\/p>\n\n\n\n

Alle Indizien verweisen also darauf, dass die israelische Herrschaft \u00fcber das Westjordanland auf Dauer angelegt ist. In einer Demokratie m\u00fcsste daher allen dort Wohnenden der uneingeschr\u00e4nkte Zugang zu den staatsb\u00fcrgerlichen Rechten des politischen Gemeinwesens gew\u00e4hrt werden. Dies ist aber nicht der Fall.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Zweifelsfrei war Israel lediglich f\u00fcr sechs Monate eine Demokratie<\/h3>\n\n\n\n

W\u00e4hrend an der israelischen Besatzung des Westjordanlands kein Zweifel besteht, \u00fcberrascht, dass Beck f\u00fcr den Gazastreifen zu einer \u00e4hnlichen Bewertung kommt. Schlie\u00dflich hat Israel seine Soldaten im Jahr 2007 aus dem K\u00fcstenstreifen abgezogen und j\u00fcdische Siedlungen aufgel\u00f6st.<\/p>\n\n\n\n

Beck argumentiert, dass Israel auch heute seine Kontrolle von Land, Luft und Wasser aufrechterh\u00e4lt und die Besatzungsherrschaft damit fortsetzt, ohne \"den dort lebenden Menschen irgendeine Form demokratischer Mitwirkungsrechte zu gew\u00e4hren\".<\/p>\n\n\n\n

Mit dieser Einsch\u00e4tzung ist Beck nicht allein. Auch die Vereinten Nationen<\/a> und der Internationale Strafgerichtshof<\/a> vertreten die Auffassung, dass die israelische Besatzung \u00fcber den Gazastreifen andauert.<\/p>\n\n\n\n

F\u00fcr die Gesamtbewertung des politischen Systems Israels hat diese Frage allerdings ohnehin keine entscheidende Bedeutung mehr. Denn Becks Fazit f\u00e4llt eindeutig aus: Zweifelsfrei um eine Demokratie gehandelt habe es sich bei Israel lediglich in einem kurzen sechsmonatigen Zeitraum zwischen der Abschaffung des Milit\u00e4rrechts f\u00fcr arabische Israelis im November 1966 und dem Beginn des Sechstagekrieges im Juni 1967.<\/p>\n\n\n\n

Sp\u00e4testens mit Beginn der Besatzungsherrschaft habe Israel seinen Charakter als Demokratie verloren. F\u00fcr heutige Debatten rund um Israel empfiehlt der Nahost-Professor deshalb auf das Demokratieargument besser zu verzichten.

der\u00a0Ursprung<\/a><\/p>\n","post_title":"Die einzige Demokratie im Nahen Osten?","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-einzige-demokratie-im-nahen-osten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3775","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3719,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:39:47","post_date_gmt":"2020-08-13 21:39:47","post_content":"\n

Jenni Zylka und Christoph Safferling im Gespr\u00e4ch mit Anke Schaefer<\/a>- Sie kommen aus Syrien und dem Irak nach Deutschland zur\u00fcck: Frauen, die sich dem sogenannten Islamischen Staat (IS) angeschlossen haben, mit Terroristen zusammenlebten. Soll man sie k\u00fcnftig h\u00e4rter bestrafen? Die Journalistin Jenni Zylka und der Jurist Christoph Safferling sehen das kritisch.<\/p>\n\n\n\n

Frauen, die sich dem IS angeschlossen, aber selbst nicht gek\u00e4mpft haben, sollen laut Generalbundesanwalt Peter Frank als Mitl\u00e4uferinnen h\u00e4rter bestraft werden k\u00f6nnen. Frank meint: \u201eWir sind der Meinung, dass sich  auch bei diesen Frauen die Mitgliedschaft in einer ausl\u00e4ndischen terroristischen Organisation bejahen l\u00e4sst, weil diese Frauen die innere Struktur des sogenannten Islamischen Staates und damit diese Terrororganisation von innen heraus st\u00e4rken.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Aber sind diese Frauen nicht eher Opfer? Weil sie Angst um ihre Kinder hatten, den Umgang mit der Waffe zur Selbstverteidigung gelernt haben? Jenni Zylka meint dazu:  \u00dcber eine Mitschuld solcher Frauen nachzudenken, sei nachvollziehbar und auch legitim. Jedoch m\u00fcsse sehr genau hingeschaut und jede dieser Frauen einzeln betrachtet werden. Man m\u00fcsse unterscheiden, ob Frauen mit IS-Terroristen zusammengelebt und f\u00fcr diese gesorgt h\u00e4tten oder ob sie selbst militant geworden seien. Viele von ihnen seien zudem traumatisiert durch die Erlebnisse in den IS-Lagern.<\/p>\n\n\n\n

\"DieDie Journalistin Jenni Zylka (Deutschlandradio \/ Andreas Buron)<\/p>\n\n\n\n

Nicht wie Schwerverbrecherinnen behandeln<\/h2>\n\n\n\n

Christoph Safferling, Professor f\u00fcr Strafrecht an der Universit\u00e4t Erlangen-N\u00fcrnberg, sagt, er halte die Argumentation des Generalbundesanwalts f\u00fcr problematisch. Es handle sich zun\u00e4chst einmal um allt\u00e4gliche Handlungen wie Kochen und Sorge um die Kinder. \u201eUnd die Frage ist: Wann sind solche neutralen Handlungen tats\u00e4chlich straftatunterst\u00fctzend.\u201c Ein Vorsatz, die terroristischen Strukturen zu unterst\u00fctzen, m\u00fcsse klar nachgewiesen werden.<\/p>\n\n\n\n

Vielmehr stelle sich die Frage, ob die Frauen nicht eher als Opfer betrachtet werden m\u00fcssten. Viele h\u00e4tten sich wie unter Zwang auf die Situation eingelassen \u2013 diese k\u00f6nne man strukturell durchaus mit den Bedingungen von Zwangsprostitution vergleichen. Viele der jungen Frauen seien auch unter Drogen gesetzt worden.<\/p>\n\n\n\n

Zugest\u00e4ndnis an Irak?<\/h2>\n\n\n\n

Eine m\u00f6gliche Erkl\u00e4rung der harten Linie der Generalbundesanwaltschaft \u00fcber die man nur spekulieren k\u00f6nne: \u201eIch kann mir auch vorstellen, dass, wenn es jetzt darum geht, Irak davon zu \u00fcberzeugen, die deutschen Staatsangeh\u00f6rigen, die dort einsitzen, auszuliefern, man ihnen gegen\u00fcber auch zu verstehen geben muss, dass die hier einer Strafverfolgung zugef\u00fchrt werden. Ansonsten w\u00fcrde der Irak sich vielleicht weigern, sie auszuliefern.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Safferling h\u00e4lt eine intensive Betreuung der zur\u00fcckgekehrten Frauen und M\u00e4dchen f\u00fcr unerl\u00e4sslich \u2013 man d\u00fcrfe sie keinesfalls alleine lassen und nicht wie Schwerverbrecherinnen behandeln. Es m\u00fcsse vielmehr verhindert werden, dass die jungen Frauen etwa in die Salafisten-Szene abtauchten.<\/p>\n","post_title":"Sie sind eher Opfer als Schwerverbrecherinnen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"sie-sind-eher-opfer-als-schwerverbrecherinnen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3719","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3709,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:30:50","post_date_gmt":"2020-08-13 21:30:50","post_content":"\n

Drei Millionen Afghanen sind ins Nachbarland Iran geflohen. Viele arbeiten schwarz. Die Aussicht auf einen festen Lohn plus Papiere f\u00fcr die Familie ist verlockend. Die Gegenleistung daf\u00fcr: K\u00e4mpfen in Syrien.<\/p>\n\n\n\n

Wenn Abu Fazel von den Gr\u00e4ueltaten des syrischen B\u00fcrgerkriegs h\u00f6rt, denkt er immer daran, dass er auch beinahe als K\u00e4mpfer auf diesem Schlachtfeld gelandet w\u00e4re. Doch Abu Fazel ist weder Syrer noch wollte er zum sogenannten \u201eIslamischen Staat\u201c. Der 18-J\u00e4hrige ist ein afghanischer Gefl\u00fcchteter, der zur Zeit in Leverkusen lebt.<\/p>\n\n\n\n

Den Gro\u00dfteil seines Lebens verbrachte er im Iran. Seine Familie ist dorthin gefl\u00fcchtet, als er ein Kind war. Doch als die iranische Regierung ihn nach Syrien schicken wollte, um auf der Seite von Machthaber Baschar al-Assad zu k\u00e4mpfen, entschloss er sich zu fliehen.<\/p>\n\n\n\n

\"Fl\u00fcchtlingeGefl\u00fcchtete aus dem Iran und Afghanistan an der Grenze zwischen Mazedonien und Griechenland. (picture alliance \/ dpa \/ Georgi Licovski)<\/p>\n\n\n\n

Tausende afghanische Jugendliche \u2013 die genaue Zahl ist nicht bekannt \u2013 wurden im Iran rekrutiert, um im Krieg in Syrien zu k\u00e4mpfen. Erst vor Kurzem berichtete die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, dass sie die Gr\u00e4ber von acht afghanischen Kindern, die in Syrien get\u00f6tet wurden, identifiziert hat. Laut der Organisation rekrutiert der Iran regelm\u00e4\u00dfig minderj\u00e4hrige K\u00e4mpfer, um sie nach Syrien zu schicken. Unter afghanischen Gefl\u00fcchteten ist diese Praxis schon l\u00e4nger bekannt.<\/p>\n\n\n\n

Rassismus gegen Afghanen im Iran<\/h2>\n\n\n\n

Fast drei Millionen Gefl\u00fcchtete aus Afghanistan sind inzwischen im Iran. Die meisten von ihnen leben in der Illegalit\u00e4t und werden als Schwarzarbeiter, etwa am Bau, ausgebeutet. Rassismus und Ausgrenzung geh\u00f6ren zu ihrem gesellschaftlichen Alltag. Kinder sind davon nicht ausgeschlossen. Im Gegenteil: Vielen afghanischen Kinderm ist es nicht erlaubt, staatliche Schulen zu besuchen. Abu Fazel wurde Zeit seines Lebens von dieser Diskrimierung beeinflusst und verfolgt.<\/p>\n\n\n\n

\u201e'Afghane\u2018 \u2013 das ist dort ein Schimpfwort. Ich h\u00f6rte es von klein auf immer wieder. Der Rassismus gegen Afghanen ist dort v\u00f6llig normal. Meine Herkunft, auf der ich eigentlich stolz war, ist im Iran stets eine Last gewesen. Wir sind dort B\u00fcrger zweiter Klasse.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung der afghanischen Gefl\u00fcchteten ist f\u00fcr Abu Fazel die Spitze jenes Rassismus, den er erlebt hat.<\/p>\n\n\n\n

Iran: Syrien vor sunnitischen Extremisten verteidigen<\/h2>\n\n\n\n

In Syrien k\u00e4mpfen neben den afghanischen Milizen auch andere paramilit\u00e4rische Gruppierungen im Auftrag des Irans: etwa die ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigten Revolutionsgarden, die einst Ayatollah Ruhollah Khomeini pers\u00f6nlich ins Leben rief oder die Basidsch-Milizen. Beiden Gruppierungen sind nicht nur in Syrien aktiv, sondern auch im Irak.<\/p>\n\n\n\n

Obowhl sich das syrische Regime von Baschar al-Assad als s\u00e4kular ausweist, wird es vom Iran, der sich als Repr\u00e4sentant aller muslimischen Schiiten betrachtet, unterst\u00fctzt. Gemeinsames Ziel in Syrien ist es: Schiiten vor sunnitische Extremisten zu verteidigen. Dennoch ist das Regime darauf bedacht, m\u00f6glichst wenig eigene K\u00e4mpfer nach Syrien zu schicken. \u00c4hnlich wie einst w\u00e4hrend des Krieges gegen Saddam Husseins Irak, setzt der Iran auf ausl\u00e4ndische K\u00e4mpfer.<\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung war wie eine Gehirnw\u00e4sche<\/h2>\n\n\n\n

Abu Fazels Familie geh\u00f6rt zur afghanischen Minderheit der schiitischen Hazara \u2013 wie viele Afghanen, die in den Iran gekommen sind. Mittlerweile k\u00e4mpfen Tausende von ihnen in Syrien. Der Iran bezahlt die Afghanen mit einem Sold von wenigen hundert Dollar pro Monat und verspricht ihren Familien eine Aufenthaltsgenehmigung oder eine Arbeitserlaubnis.<\/p>\n\n\n\n

An der Rekrutierung der Afghanen sind sowohl die Revolutionsgarden als auch die erw\u00e4hnten Basidsch-Milizen beteiligt. Abu Fazel beschreibt, wie das Viertel, in dem er gemeinsam mit seiner Familie in Teheran lebte, regelm\u00e4\u00dfig von den K\u00e4mpfern aufgesucht wurde. Viele afghanische Gefl\u00fcchtete lebten dort \u2013 und fielen auf die Gehirnw\u00e4sche der Rattenf\u00e4nger herein.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie trafen junge M\u00e4nner und Jugendliche in den Moscheen und \u00fcberredeten sie, gegen den IS oder Al Qaida zu k\u00e4mpfen. Die Gehirnw\u00e4sche war perfekt. Am Ende merkten viele, darunter auch ich, nicht einmal, dass wir in ihre Propaganda getappt waren. Ihre \u00dcberredungskunst war wirklich sehr speziell. Am Ende hat man Lust, nach Syrien zu gehen, um zu k\u00e4mpfen\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Erfolg hatten die Rekrutierer des Regimes auch bei Abu Fazels Cousin, der zum damaligen Zeitpunkt ebenfalls minderj\u00e4hrig gewesen ist. Er ging nach Syrien und k\u00e4mpfte unter der Flagge der \u201eLiwa Fatemiyoun\u201c, wie die afghanische Division auf Seiten Assads hei\u00dft. Offiziell ist die Aufgabe der Miliz die Verteidigung des Schreines von Zaynab im S\u00fcden von Damaskus. Zaynab war die Enkelin des islamischen Propheten Mohammad. Laut iranischen Staatsmedien k\u00e4mpfen mindestens 20.000 Afghanen in der Division.<\/p>\n\n\n\n

Im August 2014 entschloss sich auch Abu Fazel, nach Syrien zu gehen und zu k\u00e4mpfen. Im selben Monat wurde sein Cousin in der N\u00e4he von Aleppo im Kampf gegen syrische Rebellen get\u00f6tet.<\/p>\n\n\n\n

\u201eMein Cousin wurde dort get\u00f6tet. Auch andere Jungs aus unserer Gegend gingen nach Syrien und fielen dort. Lokale Zeitungen nannten sie \u201aM\u00e4rtyrer\u2018.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Lieber Flucht statt K\u00e4mpfer in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein solcher \u201eM\u00e4rtyrer\u201c wollte Abu Fazel allerdings nicht werden. Er floh eine Woche vor dem Beginn seiner dreimonatigen Kampfausbildung. Es war ihm lieber, ein Leben auf der Flucht zu verbringen, als in Syrien unschuldige Menschen f\u00fcr einen Diktator zu t\u00f6ten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch kam zu dem Schluss, dass ich nicht als M\u00f6rder weiterleben k\u00f6nnte. Stets dachte ich mir, dass selbst die schlimmsten Al-Qaida- oder IS-Terroristen Kinder haben k\u00f6nnten, die ihren Vater lieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Fazel verlor seinen eigenen Vater bereits sehr fr\u00fch. Er wurde Opfer des B\u00fcrgerkriegs in Afghanistan, der von 1989 bis 2001 tausende Menschen das Leben kostete. Auch der Iran mischte in der Zeit schon mit. Es ist allgemein bekannt, dass die schiitischen Hazara-Milizen, die den B\u00fcrgerkrieg ebenfalls mitanfachten, von der Regierung in Teheran unterst\u00fctzt wurden.<\/p>\n\n\n\n

Als Abu Fazel sich nun entschloss, aus der Gewaltspirale auszusteigen und nicht in Syrien zu k\u00e4mpfen, wuchs die Angst bei seiner Familie. Denn f\u00fcr die iranischen Beh\u00f6rden gilt: Hat man sich einmal gemeldet, gibt es kein zur\u00fcck. Man muss an die Front nach Syrien \u2013 oder wird zur\u00fcck nach Afghanistan abgeschoben, wo ebenfalls Krieg herrscht.<\/p>\n\n\n\n

Der einzige Ausweg f\u00fcr den jungen Afghanen war die Flucht. \u00dcber die T\u00fcrkei, Griechenland und die Balkranroute erreichte er mit gro\u00dfer M\u00fche Deutschland, wo er einen Asylantrag stellte.<\/p>\n\n\n\n

Erster Asylantrag in Deutschland abgelehnt<\/h2>\n\n\n\n

Als Grund nannte er seine Rekrutierung als Kindersoldat seitens des iranischen Regimes. Doch w\u00e4hrend diese Begr\u00fcndung in Abu Fazels Augen v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich war, sahen deutsche Beh\u00f6rden das anders. Sein erster Antrag wurde abgelehnt. Derzeit versucht er es ein zweites Mal. Die Bundesrepublik schiebt afghanische Gefl\u00fcchtete weiterhin ab.<\/p>\n\n\n\n

\"EinAbschiebung von Afghanen im Dezember 2016 mit einem Charterflug von Frankfurt nach Kabul. (dpa \/picture alliance \/ Boris Roessler)<\/p>\n\n\n\n

Die Verantwortlichen weisen in diesem Kontext immer wieder auf vermeintlich \u201esichere Gebiete\u201c im Land, die nicht n\u00e4her benannt werden.<\/p>\n\n\n\n

W\u00e4hrenddessen machen Menschenrechtsorganisationen regelm\u00e4\u00dfig darauf aufmerksam, dass keine Region am Hindukusch sicher ist. Stattdessen wird in manchen Gebieten nur weniger Krieg gef\u00fchrt als in anderen.<\/p>\n\n\n\n

\"SieDemonstranten protestieren in Frankfurt am Main gegen die Abschiebung von Afghanen. Auf einem der Transparente steht \u201eAfghanistan is not safe\u201c. (AFP \/ Daniel Roland)<\/p>\n\n\n\n

Alis Vater und Onkel k\u00e4mpfen in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein \u00e4hnliches Schicksal wie Abu Fazel erlitt der 18-j\u00e4hrige Ali (Namen ge\u00e4ndert). Auch er floh aus dem Iran nach Deutschland, um der Rekrutierung f\u00fcr Assads Milizen zu entgehen. Viele seiner afghanischen Freunde sind bereits nach Syrien gezogen \u2013 und kamen niemals zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Alis Familie, ebenfalls Angeh\u00f6rige der Hazara-Minderheit, stammt urspr\u00fcnglich aus der Provinz Ghor im Nordosten Afghanistans. Ihre Heimat verlie\u00dfen sie w\u00e4hrend der sowjetischen Besatzung in den 1980er-Jahren.<\/p>\n\n\n\n

Seit jeher lebt die Familie in der iranischen Gro\u00dfstadt Maschhad. Als der Krieg in Syrien ausbrach, erreichte sie ein Konflikt, mit dem sie nicht gerechnet hatten. Im Juli 2015 reiste Alis Vater nach Teheran. Er wollte einen Weg finden, um f\u00fcr seine Familie Aufenthaltspapiere zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Beh\u00f6rden sagten ihm, dass die Rekrutierung f\u00fcr den Krieg in Syrien eine M\u00f6glichkeit darstellen k\u00f6nnte, um Papiere f\u00fcr uns alle zu erhalten. Andernfalls w\u00fcrde man uns sehr bald nach Afghanistan abschieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Mittlerweile k\u00e4mpfen Alis Vater und sein Onkel seit \u00fcber einem Jahr in Syrien. Am Aufenthaltsstatus seiner Familienmitglieder hat sich bis heute allerdings nichts ge\u00e4ndert. F\u00fcr Ali ist klar, dass dies nur eine Falle gewesen ist, um noch mehr Afghanen als Kanonenfutter zu missbrauchen.<\/p>\n\n\n\n

Anfangs gab es Papiere f\u00fcr K\u00e4mpfer-Familien<\/h2>\n\n\n\n

Den Kontakt zu seinem Vater hat der Afghane mittlerweile verloren. W\u00e4hrenddessen schickt ihm sein Onkel, der in Aleppo stationiert ist, hin und wieder Bilder \u00fcber den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ali denkt, dass nur sehr wenige Afghanen der Propaganda der iranischen Regierung glauben und in Syrien f\u00fcr eine \u201egute Sache\u201c k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

Source<\/a><\/p>\n","post_title":"Warum Afghanen in Syrien f\u00fcr Assad k\u00e4mpfen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"warum-afghanen-in-syrien-fur-assad-kampfen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3709","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":9},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Damit sind sie in Israel zwar steuerpflichtig, haben Zugang zu Sozialleistungen und k\u00f6nnen sich innerhalb Israel frei bewegen, staatsb\u00fcrgerlichen Rechte, wie beispielsweise das aktive und passive Wahlrecht besitzen sie allerdings nicht. Als undemokratisch bewertet Beck deshalb das \"israelische Herrschaftsregime in Jerusalem\".<\/p>\n\n\n\n

Besatzung beenden oder dieselben staatsb\u00fcrgerlichen Rechte f\u00fcr Pal\u00e4stinenser<\/h3>\n\n\n\n

Ob auch die Situation im Westjordanland und Gazastreifen eine Rolle f\u00fcr die Bewertung des politischen Systems Israels spielt, entscheidet sich dem Spezialisten f\u00fcr politische Systeme im Nahen Osten<\/a> zufolge vor allem an einer Frage: Ist die Besetzung der Gebiete ein vor\u00fcbergehendes Ph\u00e4nomen oder auf Dauer angelegt?<\/p>\n\n\n\n

Nur im letzteren Fall m\u00fcsse man das Besatzungsregime als Teil des politischen Systems Israels bewerten, so Beck. F\u00fcr den anhaltenden Charakter spreche allein schon die schiere Dauer der Besatzung: So dauert die israelische Besatzung schon \u00fcber ein halbes Jahrhundert und damit dreimal so lange wie Israel in den Grenzen von 1949 bis 1967 existierte.<\/p>\n\n\n\n

Hinzu kommen weitere Indizien: Das Scheitern des Osloer Verhandlungsprozess in den 1990er Jahren und im ersten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts, der anhaltende Siedlungsprozess sowie die weitgehenden Einigkeit unter den gro\u00dfen politischen Parteien Israels - und dass gro\u00dfe Teile des Westjordanlands dauerhaft unter israelischer Kontrolle verbleiben sollen. Beck kommt zu dem Schluss:<\/p>\n\n\n\n

Alle Indizien verweisen also darauf, dass die israelische Herrschaft \u00fcber das Westjordanland auf Dauer angelegt ist. In einer Demokratie m\u00fcsste daher allen dort Wohnenden der uneingeschr\u00e4nkte Zugang zu den staatsb\u00fcrgerlichen Rechten des politischen Gemeinwesens gew\u00e4hrt werden. Dies ist aber nicht der Fall.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Zweifelsfrei war Israel lediglich f\u00fcr sechs Monate eine Demokratie<\/h3>\n\n\n\n

W\u00e4hrend an der israelischen Besatzung des Westjordanlands kein Zweifel besteht, \u00fcberrascht, dass Beck f\u00fcr den Gazastreifen zu einer \u00e4hnlichen Bewertung kommt. Schlie\u00dflich hat Israel seine Soldaten im Jahr 2007 aus dem K\u00fcstenstreifen abgezogen und j\u00fcdische Siedlungen aufgel\u00f6st.<\/p>\n\n\n\n

Beck argumentiert, dass Israel auch heute seine Kontrolle von Land, Luft und Wasser aufrechterh\u00e4lt und die Besatzungsherrschaft damit fortsetzt, ohne \"den dort lebenden Menschen irgendeine Form demokratischer Mitwirkungsrechte zu gew\u00e4hren\".<\/p>\n\n\n\n

Mit dieser Einsch\u00e4tzung ist Beck nicht allein. Auch die Vereinten Nationen<\/a> und der Internationale Strafgerichtshof<\/a> vertreten die Auffassung, dass die israelische Besatzung \u00fcber den Gazastreifen andauert.<\/p>\n\n\n\n

F\u00fcr die Gesamtbewertung des politischen Systems Israels hat diese Frage allerdings ohnehin keine entscheidende Bedeutung mehr. Denn Becks Fazit f\u00e4llt eindeutig aus: Zweifelsfrei um eine Demokratie gehandelt habe es sich bei Israel lediglich in einem kurzen sechsmonatigen Zeitraum zwischen der Abschaffung des Milit\u00e4rrechts f\u00fcr arabische Israelis im November 1966 und dem Beginn des Sechstagekrieges im Juni 1967.<\/p>\n\n\n\n

Sp\u00e4testens mit Beginn der Besatzungsherrschaft habe Israel seinen Charakter als Demokratie verloren. F\u00fcr heutige Debatten rund um Israel empfiehlt der Nahost-Professor deshalb auf das Demokratieargument besser zu verzichten.

der\u00a0Ursprung<\/a><\/p>\n","post_title":"Die einzige Demokratie im Nahen Osten?","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-einzige-demokratie-im-nahen-osten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3775","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3719,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:39:47","post_date_gmt":"2020-08-13 21:39:47","post_content":"\n

Jenni Zylka und Christoph Safferling im Gespr\u00e4ch mit Anke Schaefer<\/a>- Sie kommen aus Syrien und dem Irak nach Deutschland zur\u00fcck: Frauen, die sich dem sogenannten Islamischen Staat (IS) angeschlossen haben, mit Terroristen zusammenlebten. Soll man sie k\u00fcnftig h\u00e4rter bestrafen? Die Journalistin Jenni Zylka und der Jurist Christoph Safferling sehen das kritisch.<\/p>\n\n\n\n

Frauen, die sich dem IS angeschlossen, aber selbst nicht gek\u00e4mpft haben, sollen laut Generalbundesanwalt Peter Frank als Mitl\u00e4uferinnen h\u00e4rter bestraft werden k\u00f6nnen. Frank meint: \u201eWir sind der Meinung, dass sich  auch bei diesen Frauen die Mitgliedschaft in einer ausl\u00e4ndischen terroristischen Organisation bejahen l\u00e4sst, weil diese Frauen die innere Struktur des sogenannten Islamischen Staates und damit diese Terrororganisation von innen heraus st\u00e4rken.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Aber sind diese Frauen nicht eher Opfer? Weil sie Angst um ihre Kinder hatten, den Umgang mit der Waffe zur Selbstverteidigung gelernt haben? Jenni Zylka meint dazu:  \u00dcber eine Mitschuld solcher Frauen nachzudenken, sei nachvollziehbar und auch legitim. Jedoch m\u00fcsse sehr genau hingeschaut und jede dieser Frauen einzeln betrachtet werden. Man m\u00fcsse unterscheiden, ob Frauen mit IS-Terroristen zusammengelebt und f\u00fcr diese gesorgt h\u00e4tten oder ob sie selbst militant geworden seien. Viele von ihnen seien zudem traumatisiert durch die Erlebnisse in den IS-Lagern.<\/p>\n\n\n\n

\"DieDie Journalistin Jenni Zylka (Deutschlandradio \/ Andreas Buron)<\/p>\n\n\n\n

Nicht wie Schwerverbrecherinnen behandeln<\/h2>\n\n\n\n

Christoph Safferling, Professor f\u00fcr Strafrecht an der Universit\u00e4t Erlangen-N\u00fcrnberg, sagt, er halte die Argumentation des Generalbundesanwalts f\u00fcr problematisch. Es handle sich zun\u00e4chst einmal um allt\u00e4gliche Handlungen wie Kochen und Sorge um die Kinder. \u201eUnd die Frage ist: Wann sind solche neutralen Handlungen tats\u00e4chlich straftatunterst\u00fctzend.\u201c Ein Vorsatz, die terroristischen Strukturen zu unterst\u00fctzen, m\u00fcsse klar nachgewiesen werden.<\/p>\n\n\n\n

Vielmehr stelle sich die Frage, ob die Frauen nicht eher als Opfer betrachtet werden m\u00fcssten. Viele h\u00e4tten sich wie unter Zwang auf die Situation eingelassen \u2013 diese k\u00f6nne man strukturell durchaus mit den Bedingungen von Zwangsprostitution vergleichen. Viele der jungen Frauen seien auch unter Drogen gesetzt worden.<\/p>\n\n\n\n

Zugest\u00e4ndnis an Irak?<\/h2>\n\n\n\n

Eine m\u00f6gliche Erkl\u00e4rung der harten Linie der Generalbundesanwaltschaft \u00fcber die man nur spekulieren k\u00f6nne: \u201eIch kann mir auch vorstellen, dass, wenn es jetzt darum geht, Irak davon zu \u00fcberzeugen, die deutschen Staatsangeh\u00f6rigen, die dort einsitzen, auszuliefern, man ihnen gegen\u00fcber auch zu verstehen geben muss, dass die hier einer Strafverfolgung zugef\u00fchrt werden. Ansonsten w\u00fcrde der Irak sich vielleicht weigern, sie auszuliefern.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Safferling h\u00e4lt eine intensive Betreuung der zur\u00fcckgekehrten Frauen und M\u00e4dchen f\u00fcr unerl\u00e4sslich \u2013 man d\u00fcrfe sie keinesfalls alleine lassen und nicht wie Schwerverbrecherinnen behandeln. Es m\u00fcsse vielmehr verhindert werden, dass die jungen Frauen etwa in die Salafisten-Szene abtauchten.<\/p>\n","post_title":"Sie sind eher Opfer als Schwerverbrecherinnen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"sie-sind-eher-opfer-als-schwerverbrecherinnen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3719","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3709,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:30:50","post_date_gmt":"2020-08-13 21:30:50","post_content":"\n

Drei Millionen Afghanen sind ins Nachbarland Iran geflohen. Viele arbeiten schwarz. Die Aussicht auf einen festen Lohn plus Papiere f\u00fcr die Familie ist verlockend. Die Gegenleistung daf\u00fcr: K\u00e4mpfen in Syrien.<\/p>\n\n\n\n

Wenn Abu Fazel von den Gr\u00e4ueltaten des syrischen B\u00fcrgerkriegs h\u00f6rt, denkt er immer daran, dass er auch beinahe als K\u00e4mpfer auf diesem Schlachtfeld gelandet w\u00e4re. Doch Abu Fazel ist weder Syrer noch wollte er zum sogenannten \u201eIslamischen Staat\u201c. Der 18-J\u00e4hrige ist ein afghanischer Gefl\u00fcchteter, der zur Zeit in Leverkusen lebt.<\/p>\n\n\n\n

Den Gro\u00dfteil seines Lebens verbrachte er im Iran. Seine Familie ist dorthin gefl\u00fcchtet, als er ein Kind war. Doch als die iranische Regierung ihn nach Syrien schicken wollte, um auf der Seite von Machthaber Baschar al-Assad zu k\u00e4mpfen, entschloss er sich zu fliehen.<\/p>\n\n\n\n

\"Fl\u00fcchtlingeGefl\u00fcchtete aus dem Iran und Afghanistan an der Grenze zwischen Mazedonien und Griechenland. (picture alliance \/ dpa \/ Georgi Licovski)<\/p>\n\n\n\n

Tausende afghanische Jugendliche \u2013 die genaue Zahl ist nicht bekannt \u2013 wurden im Iran rekrutiert, um im Krieg in Syrien zu k\u00e4mpfen. Erst vor Kurzem berichtete die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, dass sie die Gr\u00e4ber von acht afghanischen Kindern, die in Syrien get\u00f6tet wurden, identifiziert hat. Laut der Organisation rekrutiert der Iran regelm\u00e4\u00dfig minderj\u00e4hrige K\u00e4mpfer, um sie nach Syrien zu schicken. Unter afghanischen Gefl\u00fcchteten ist diese Praxis schon l\u00e4nger bekannt.<\/p>\n\n\n\n

Rassismus gegen Afghanen im Iran<\/h2>\n\n\n\n

Fast drei Millionen Gefl\u00fcchtete aus Afghanistan sind inzwischen im Iran. Die meisten von ihnen leben in der Illegalit\u00e4t und werden als Schwarzarbeiter, etwa am Bau, ausgebeutet. Rassismus und Ausgrenzung geh\u00f6ren zu ihrem gesellschaftlichen Alltag. Kinder sind davon nicht ausgeschlossen. Im Gegenteil: Vielen afghanischen Kinderm ist es nicht erlaubt, staatliche Schulen zu besuchen. Abu Fazel wurde Zeit seines Lebens von dieser Diskrimierung beeinflusst und verfolgt.<\/p>\n\n\n\n

\u201e'Afghane\u2018 \u2013 das ist dort ein Schimpfwort. Ich h\u00f6rte es von klein auf immer wieder. Der Rassismus gegen Afghanen ist dort v\u00f6llig normal. Meine Herkunft, auf der ich eigentlich stolz war, ist im Iran stets eine Last gewesen. Wir sind dort B\u00fcrger zweiter Klasse.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung der afghanischen Gefl\u00fcchteten ist f\u00fcr Abu Fazel die Spitze jenes Rassismus, den er erlebt hat.<\/p>\n\n\n\n

Iran: Syrien vor sunnitischen Extremisten verteidigen<\/h2>\n\n\n\n

In Syrien k\u00e4mpfen neben den afghanischen Milizen auch andere paramilit\u00e4rische Gruppierungen im Auftrag des Irans: etwa die ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigten Revolutionsgarden, die einst Ayatollah Ruhollah Khomeini pers\u00f6nlich ins Leben rief oder die Basidsch-Milizen. Beiden Gruppierungen sind nicht nur in Syrien aktiv, sondern auch im Irak.<\/p>\n\n\n\n

Obowhl sich das syrische Regime von Baschar al-Assad als s\u00e4kular ausweist, wird es vom Iran, der sich als Repr\u00e4sentant aller muslimischen Schiiten betrachtet, unterst\u00fctzt. Gemeinsames Ziel in Syrien ist es: Schiiten vor sunnitische Extremisten zu verteidigen. Dennoch ist das Regime darauf bedacht, m\u00f6glichst wenig eigene K\u00e4mpfer nach Syrien zu schicken. \u00c4hnlich wie einst w\u00e4hrend des Krieges gegen Saddam Husseins Irak, setzt der Iran auf ausl\u00e4ndische K\u00e4mpfer.<\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung war wie eine Gehirnw\u00e4sche<\/h2>\n\n\n\n

Abu Fazels Familie geh\u00f6rt zur afghanischen Minderheit der schiitischen Hazara \u2013 wie viele Afghanen, die in den Iran gekommen sind. Mittlerweile k\u00e4mpfen Tausende von ihnen in Syrien. Der Iran bezahlt die Afghanen mit einem Sold von wenigen hundert Dollar pro Monat und verspricht ihren Familien eine Aufenthaltsgenehmigung oder eine Arbeitserlaubnis.<\/p>\n\n\n\n

An der Rekrutierung der Afghanen sind sowohl die Revolutionsgarden als auch die erw\u00e4hnten Basidsch-Milizen beteiligt. Abu Fazel beschreibt, wie das Viertel, in dem er gemeinsam mit seiner Familie in Teheran lebte, regelm\u00e4\u00dfig von den K\u00e4mpfern aufgesucht wurde. Viele afghanische Gefl\u00fcchtete lebten dort \u2013 und fielen auf die Gehirnw\u00e4sche der Rattenf\u00e4nger herein.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie trafen junge M\u00e4nner und Jugendliche in den Moscheen und \u00fcberredeten sie, gegen den IS oder Al Qaida zu k\u00e4mpfen. Die Gehirnw\u00e4sche war perfekt. Am Ende merkten viele, darunter auch ich, nicht einmal, dass wir in ihre Propaganda getappt waren. Ihre \u00dcberredungskunst war wirklich sehr speziell. Am Ende hat man Lust, nach Syrien zu gehen, um zu k\u00e4mpfen\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Erfolg hatten die Rekrutierer des Regimes auch bei Abu Fazels Cousin, der zum damaligen Zeitpunkt ebenfalls minderj\u00e4hrig gewesen ist. Er ging nach Syrien und k\u00e4mpfte unter der Flagge der \u201eLiwa Fatemiyoun\u201c, wie die afghanische Division auf Seiten Assads hei\u00dft. Offiziell ist die Aufgabe der Miliz die Verteidigung des Schreines von Zaynab im S\u00fcden von Damaskus. Zaynab war die Enkelin des islamischen Propheten Mohammad. Laut iranischen Staatsmedien k\u00e4mpfen mindestens 20.000 Afghanen in der Division.<\/p>\n\n\n\n

Im August 2014 entschloss sich auch Abu Fazel, nach Syrien zu gehen und zu k\u00e4mpfen. Im selben Monat wurde sein Cousin in der N\u00e4he von Aleppo im Kampf gegen syrische Rebellen get\u00f6tet.<\/p>\n\n\n\n

\u201eMein Cousin wurde dort get\u00f6tet. Auch andere Jungs aus unserer Gegend gingen nach Syrien und fielen dort. Lokale Zeitungen nannten sie \u201aM\u00e4rtyrer\u2018.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Lieber Flucht statt K\u00e4mpfer in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein solcher \u201eM\u00e4rtyrer\u201c wollte Abu Fazel allerdings nicht werden. Er floh eine Woche vor dem Beginn seiner dreimonatigen Kampfausbildung. Es war ihm lieber, ein Leben auf der Flucht zu verbringen, als in Syrien unschuldige Menschen f\u00fcr einen Diktator zu t\u00f6ten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch kam zu dem Schluss, dass ich nicht als M\u00f6rder weiterleben k\u00f6nnte. Stets dachte ich mir, dass selbst die schlimmsten Al-Qaida- oder IS-Terroristen Kinder haben k\u00f6nnten, die ihren Vater lieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Fazel verlor seinen eigenen Vater bereits sehr fr\u00fch. Er wurde Opfer des B\u00fcrgerkriegs in Afghanistan, der von 1989 bis 2001 tausende Menschen das Leben kostete. Auch der Iran mischte in der Zeit schon mit. Es ist allgemein bekannt, dass die schiitischen Hazara-Milizen, die den B\u00fcrgerkrieg ebenfalls mitanfachten, von der Regierung in Teheran unterst\u00fctzt wurden.<\/p>\n\n\n\n

Als Abu Fazel sich nun entschloss, aus der Gewaltspirale auszusteigen und nicht in Syrien zu k\u00e4mpfen, wuchs die Angst bei seiner Familie. Denn f\u00fcr die iranischen Beh\u00f6rden gilt: Hat man sich einmal gemeldet, gibt es kein zur\u00fcck. Man muss an die Front nach Syrien \u2013 oder wird zur\u00fcck nach Afghanistan abgeschoben, wo ebenfalls Krieg herrscht.<\/p>\n\n\n\n

Der einzige Ausweg f\u00fcr den jungen Afghanen war die Flucht. \u00dcber die T\u00fcrkei, Griechenland und die Balkranroute erreichte er mit gro\u00dfer M\u00fche Deutschland, wo er einen Asylantrag stellte.<\/p>\n\n\n\n

Erster Asylantrag in Deutschland abgelehnt<\/h2>\n\n\n\n

Als Grund nannte er seine Rekrutierung als Kindersoldat seitens des iranischen Regimes. Doch w\u00e4hrend diese Begr\u00fcndung in Abu Fazels Augen v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich war, sahen deutsche Beh\u00f6rden das anders. Sein erster Antrag wurde abgelehnt. Derzeit versucht er es ein zweites Mal. Die Bundesrepublik schiebt afghanische Gefl\u00fcchtete weiterhin ab.<\/p>\n\n\n\n

\"EinAbschiebung von Afghanen im Dezember 2016 mit einem Charterflug von Frankfurt nach Kabul. (dpa \/picture alliance \/ Boris Roessler)<\/p>\n\n\n\n

Die Verantwortlichen weisen in diesem Kontext immer wieder auf vermeintlich \u201esichere Gebiete\u201c im Land, die nicht n\u00e4her benannt werden.<\/p>\n\n\n\n

W\u00e4hrenddessen machen Menschenrechtsorganisationen regelm\u00e4\u00dfig darauf aufmerksam, dass keine Region am Hindukusch sicher ist. Stattdessen wird in manchen Gebieten nur weniger Krieg gef\u00fchrt als in anderen.<\/p>\n\n\n\n

\"SieDemonstranten protestieren in Frankfurt am Main gegen die Abschiebung von Afghanen. Auf einem der Transparente steht \u201eAfghanistan is not safe\u201c. (AFP \/ Daniel Roland)<\/p>\n\n\n\n

Alis Vater und Onkel k\u00e4mpfen in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein \u00e4hnliches Schicksal wie Abu Fazel erlitt der 18-j\u00e4hrige Ali (Namen ge\u00e4ndert). Auch er floh aus dem Iran nach Deutschland, um der Rekrutierung f\u00fcr Assads Milizen zu entgehen. Viele seiner afghanischen Freunde sind bereits nach Syrien gezogen \u2013 und kamen niemals zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Alis Familie, ebenfalls Angeh\u00f6rige der Hazara-Minderheit, stammt urspr\u00fcnglich aus der Provinz Ghor im Nordosten Afghanistans. Ihre Heimat verlie\u00dfen sie w\u00e4hrend der sowjetischen Besatzung in den 1980er-Jahren.<\/p>\n\n\n\n

Seit jeher lebt die Familie in der iranischen Gro\u00dfstadt Maschhad. Als der Krieg in Syrien ausbrach, erreichte sie ein Konflikt, mit dem sie nicht gerechnet hatten. Im Juli 2015 reiste Alis Vater nach Teheran. Er wollte einen Weg finden, um f\u00fcr seine Familie Aufenthaltspapiere zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Beh\u00f6rden sagten ihm, dass die Rekrutierung f\u00fcr den Krieg in Syrien eine M\u00f6glichkeit darstellen k\u00f6nnte, um Papiere f\u00fcr uns alle zu erhalten. Andernfalls w\u00fcrde man uns sehr bald nach Afghanistan abschieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Mittlerweile k\u00e4mpfen Alis Vater und sein Onkel seit \u00fcber einem Jahr in Syrien. Am Aufenthaltsstatus seiner Familienmitglieder hat sich bis heute allerdings nichts ge\u00e4ndert. F\u00fcr Ali ist klar, dass dies nur eine Falle gewesen ist, um noch mehr Afghanen als Kanonenfutter zu missbrauchen.<\/p>\n\n\n\n

Anfangs gab es Papiere f\u00fcr K\u00e4mpfer-Familien<\/h2>\n\n\n\n

Den Kontakt zu seinem Vater hat der Afghane mittlerweile verloren. W\u00e4hrenddessen schickt ihm sein Onkel, der in Aleppo stationiert ist, hin und wieder Bilder \u00fcber den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ali denkt, dass nur sehr wenige Afghanen der Propaganda der iranischen Regierung glauben und in Syrien f\u00fcr eine \u201egute Sache\u201c k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

Source<\/a><\/p>\n","post_title":"Warum Afghanen in Syrien f\u00fcr Assad k\u00e4mpfen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"warum-afghanen-in-syrien-fur-assad-kampfen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3709","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":9},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Wichtiger noch sei allerdings, dass viele von der Annexion betroffene Pal\u00e4stinenser bis heute nicht \u00fcber dieselben Rechte verf\u00fcgen wie ihre israelischen Nachbarn. Statt der israelischen Staatsb\u00fcrgerschaft tragen pal\u00e4stinensische Bewohner Ostjerusalems lediglich Identit\u00e4tskarten, die sie als st\u00e4ndige Bewohner der Stadt ausweisen.<\/p>\n\n\n\n

Damit sind sie in Israel zwar steuerpflichtig, haben Zugang zu Sozialleistungen und k\u00f6nnen sich innerhalb Israel frei bewegen, staatsb\u00fcrgerlichen Rechte, wie beispielsweise das aktive und passive Wahlrecht besitzen sie allerdings nicht. Als undemokratisch bewertet Beck deshalb das \"israelische Herrschaftsregime in Jerusalem\".<\/p>\n\n\n\n

Besatzung beenden oder dieselben staatsb\u00fcrgerlichen Rechte f\u00fcr Pal\u00e4stinenser<\/h3>\n\n\n\n

Ob auch die Situation im Westjordanland und Gazastreifen eine Rolle f\u00fcr die Bewertung des politischen Systems Israels spielt, entscheidet sich dem Spezialisten f\u00fcr politische Systeme im Nahen Osten<\/a> zufolge vor allem an einer Frage: Ist die Besetzung der Gebiete ein vor\u00fcbergehendes Ph\u00e4nomen oder auf Dauer angelegt?<\/p>\n\n\n\n

Nur im letzteren Fall m\u00fcsse man das Besatzungsregime als Teil des politischen Systems Israels bewerten, so Beck. F\u00fcr den anhaltenden Charakter spreche allein schon die schiere Dauer der Besatzung: So dauert die israelische Besatzung schon \u00fcber ein halbes Jahrhundert und damit dreimal so lange wie Israel in den Grenzen von 1949 bis 1967 existierte.<\/p>\n\n\n\n

Hinzu kommen weitere Indizien: Das Scheitern des Osloer Verhandlungsprozess in den 1990er Jahren und im ersten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts, der anhaltende Siedlungsprozess sowie die weitgehenden Einigkeit unter den gro\u00dfen politischen Parteien Israels - und dass gro\u00dfe Teile des Westjordanlands dauerhaft unter israelischer Kontrolle verbleiben sollen. Beck kommt zu dem Schluss:<\/p>\n\n\n\n

Alle Indizien verweisen also darauf, dass die israelische Herrschaft \u00fcber das Westjordanland auf Dauer angelegt ist. In einer Demokratie m\u00fcsste daher allen dort Wohnenden der uneingeschr\u00e4nkte Zugang zu den staatsb\u00fcrgerlichen Rechten des politischen Gemeinwesens gew\u00e4hrt werden. Dies ist aber nicht der Fall.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Zweifelsfrei war Israel lediglich f\u00fcr sechs Monate eine Demokratie<\/h3>\n\n\n\n

W\u00e4hrend an der israelischen Besatzung des Westjordanlands kein Zweifel besteht, \u00fcberrascht, dass Beck f\u00fcr den Gazastreifen zu einer \u00e4hnlichen Bewertung kommt. Schlie\u00dflich hat Israel seine Soldaten im Jahr 2007 aus dem K\u00fcstenstreifen abgezogen und j\u00fcdische Siedlungen aufgel\u00f6st.<\/p>\n\n\n\n

Beck argumentiert, dass Israel auch heute seine Kontrolle von Land, Luft und Wasser aufrechterh\u00e4lt und die Besatzungsherrschaft damit fortsetzt, ohne \"den dort lebenden Menschen irgendeine Form demokratischer Mitwirkungsrechte zu gew\u00e4hren\".<\/p>\n\n\n\n

Mit dieser Einsch\u00e4tzung ist Beck nicht allein. Auch die Vereinten Nationen<\/a> und der Internationale Strafgerichtshof<\/a> vertreten die Auffassung, dass die israelische Besatzung \u00fcber den Gazastreifen andauert.<\/p>\n\n\n\n

F\u00fcr die Gesamtbewertung des politischen Systems Israels hat diese Frage allerdings ohnehin keine entscheidende Bedeutung mehr. Denn Becks Fazit f\u00e4llt eindeutig aus: Zweifelsfrei um eine Demokratie gehandelt habe es sich bei Israel lediglich in einem kurzen sechsmonatigen Zeitraum zwischen der Abschaffung des Milit\u00e4rrechts f\u00fcr arabische Israelis im November 1966 und dem Beginn des Sechstagekrieges im Juni 1967.<\/p>\n\n\n\n

Sp\u00e4testens mit Beginn der Besatzungsherrschaft habe Israel seinen Charakter als Demokratie verloren. F\u00fcr heutige Debatten rund um Israel empfiehlt der Nahost-Professor deshalb auf das Demokratieargument besser zu verzichten.

der\u00a0Ursprung<\/a><\/p>\n","post_title":"Die einzige Demokratie im Nahen Osten?","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-einzige-demokratie-im-nahen-osten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3775","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3719,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:39:47","post_date_gmt":"2020-08-13 21:39:47","post_content":"\n

Jenni Zylka und Christoph Safferling im Gespr\u00e4ch mit Anke Schaefer<\/a>- Sie kommen aus Syrien und dem Irak nach Deutschland zur\u00fcck: Frauen, die sich dem sogenannten Islamischen Staat (IS) angeschlossen haben, mit Terroristen zusammenlebten. Soll man sie k\u00fcnftig h\u00e4rter bestrafen? Die Journalistin Jenni Zylka und der Jurist Christoph Safferling sehen das kritisch.<\/p>\n\n\n\n

Frauen, die sich dem IS angeschlossen, aber selbst nicht gek\u00e4mpft haben, sollen laut Generalbundesanwalt Peter Frank als Mitl\u00e4uferinnen h\u00e4rter bestraft werden k\u00f6nnen. Frank meint: \u201eWir sind der Meinung, dass sich  auch bei diesen Frauen die Mitgliedschaft in einer ausl\u00e4ndischen terroristischen Organisation bejahen l\u00e4sst, weil diese Frauen die innere Struktur des sogenannten Islamischen Staates und damit diese Terrororganisation von innen heraus st\u00e4rken.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Aber sind diese Frauen nicht eher Opfer? Weil sie Angst um ihre Kinder hatten, den Umgang mit der Waffe zur Selbstverteidigung gelernt haben? Jenni Zylka meint dazu:  \u00dcber eine Mitschuld solcher Frauen nachzudenken, sei nachvollziehbar und auch legitim. Jedoch m\u00fcsse sehr genau hingeschaut und jede dieser Frauen einzeln betrachtet werden. Man m\u00fcsse unterscheiden, ob Frauen mit IS-Terroristen zusammengelebt und f\u00fcr diese gesorgt h\u00e4tten oder ob sie selbst militant geworden seien. Viele von ihnen seien zudem traumatisiert durch die Erlebnisse in den IS-Lagern.<\/p>\n\n\n\n

\"DieDie Journalistin Jenni Zylka (Deutschlandradio \/ Andreas Buron)<\/p>\n\n\n\n

Nicht wie Schwerverbrecherinnen behandeln<\/h2>\n\n\n\n

Christoph Safferling, Professor f\u00fcr Strafrecht an der Universit\u00e4t Erlangen-N\u00fcrnberg, sagt, er halte die Argumentation des Generalbundesanwalts f\u00fcr problematisch. Es handle sich zun\u00e4chst einmal um allt\u00e4gliche Handlungen wie Kochen und Sorge um die Kinder. \u201eUnd die Frage ist: Wann sind solche neutralen Handlungen tats\u00e4chlich straftatunterst\u00fctzend.\u201c Ein Vorsatz, die terroristischen Strukturen zu unterst\u00fctzen, m\u00fcsse klar nachgewiesen werden.<\/p>\n\n\n\n

Vielmehr stelle sich die Frage, ob die Frauen nicht eher als Opfer betrachtet werden m\u00fcssten. Viele h\u00e4tten sich wie unter Zwang auf die Situation eingelassen \u2013 diese k\u00f6nne man strukturell durchaus mit den Bedingungen von Zwangsprostitution vergleichen. Viele der jungen Frauen seien auch unter Drogen gesetzt worden.<\/p>\n\n\n\n

Zugest\u00e4ndnis an Irak?<\/h2>\n\n\n\n

Eine m\u00f6gliche Erkl\u00e4rung der harten Linie der Generalbundesanwaltschaft \u00fcber die man nur spekulieren k\u00f6nne: \u201eIch kann mir auch vorstellen, dass, wenn es jetzt darum geht, Irak davon zu \u00fcberzeugen, die deutschen Staatsangeh\u00f6rigen, die dort einsitzen, auszuliefern, man ihnen gegen\u00fcber auch zu verstehen geben muss, dass die hier einer Strafverfolgung zugef\u00fchrt werden. Ansonsten w\u00fcrde der Irak sich vielleicht weigern, sie auszuliefern.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Safferling h\u00e4lt eine intensive Betreuung der zur\u00fcckgekehrten Frauen und M\u00e4dchen f\u00fcr unerl\u00e4sslich \u2013 man d\u00fcrfe sie keinesfalls alleine lassen und nicht wie Schwerverbrecherinnen behandeln. Es m\u00fcsse vielmehr verhindert werden, dass die jungen Frauen etwa in die Salafisten-Szene abtauchten.<\/p>\n","post_title":"Sie sind eher Opfer als Schwerverbrecherinnen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"sie-sind-eher-opfer-als-schwerverbrecherinnen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3719","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3709,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:30:50","post_date_gmt":"2020-08-13 21:30:50","post_content":"\n

Drei Millionen Afghanen sind ins Nachbarland Iran geflohen. Viele arbeiten schwarz. Die Aussicht auf einen festen Lohn plus Papiere f\u00fcr die Familie ist verlockend. Die Gegenleistung daf\u00fcr: K\u00e4mpfen in Syrien.<\/p>\n\n\n\n

Wenn Abu Fazel von den Gr\u00e4ueltaten des syrischen B\u00fcrgerkriegs h\u00f6rt, denkt er immer daran, dass er auch beinahe als K\u00e4mpfer auf diesem Schlachtfeld gelandet w\u00e4re. Doch Abu Fazel ist weder Syrer noch wollte er zum sogenannten \u201eIslamischen Staat\u201c. Der 18-J\u00e4hrige ist ein afghanischer Gefl\u00fcchteter, der zur Zeit in Leverkusen lebt.<\/p>\n\n\n\n

Den Gro\u00dfteil seines Lebens verbrachte er im Iran. Seine Familie ist dorthin gefl\u00fcchtet, als er ein Kind war. Doch als die iranische Regierung ihn nach Syrien schicken wollte, um auf der Seite von Machthaber Baschar al-Assad zu k\u00e4mpfen, entschloss er sich zu fliehen.<\/p>\n\n\n\n

\"Fl\u00fcchtlingeGefl\u00fcchtete aus dem Iran und Afghanistan an der Grenze zwischen Mazedonien und Griechenland. (picture alliance \/ dpa \/ Georgi Licovski)<\/p>\n\n\n\n

Tausende afghanische Jugendliche \u2013 die genaue Zahl ist nicht bekannt \u2013 wurden im Iran rekrutiert, um im Krieg in Syrien zu k\u00e4mpfen. Erst vor Kurzem berichtete die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, dass sie die Gr\u00e4ber von acht afghanischen Kindern, die in Syrien get\u00f6tet wurden, identifiziert hat. Laut der Organisation rekrutiert der Iran regelm\u00e4\u00dfig minderj\u00e4hrige K\u00e4mpfer, um sie nach Syrien zu schicken. Unter afghanischen Gefl\u00fcchteten ist diese Praxis schon l\u00e4nger bekannt.<\/p>\n\n\n\n

Rassismus gegen Afghanen im Iran<\/h2>\n\n\n\n

Fast drei Millionen Gefl\u00fcchtete aus Afghanistan sind inzwischen im Iran. Die meisten von ihnen leben in der Illegalit\u00e4t und werden als Schwarzarbeiter, etwa am Bau, ausgebeutet. Rassismus und Ausgrenzung geh\u00f6ren zu ihrem gesellschaftlichen Alltag. Kinder sind davon nicht ausgeschlossen. Im Gegenteil: Vielen afghanischen Kinderm ist es nicht erlaubt, staatliche Schulen zu besuchen. Abu Fazel wurde Zeit seines Lebens von dieser Diskrimierung beeinflusst und verfolgt.<\/p>\n\n\n\n

\u201e'Afghane\u2018 \u2013 das ist dort ein Schimpfwort. Ich h\u00f6rte es von klein auf immer wieder. Der Rassismus gegen Afghanen ist dort v\u00f6llig normal. Meine Herkunft, auf der ich eigentlich stolz war, ist im Iran stets eine Last gewesen. Wir sind dort B\u00fcrger zweiter Klasse.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung der afghanischen Gefl\u00fcchteten ist f\u00fcr Abu Fazel die Spitze jenes Rassismus, den er erlebt hat.<\/p>\n\n\n\n

Iran: Syrien vor sunnitischen Extremisten verteidigen<\/h2>\n\n\n\n

In Syrien k\u00e4mpfen neben den afghanischen Milizen auch andere paramilit\u00e4rische Gruppierungen im Auftrag des Irans: etwa die ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigten Revolutionsgarden, die einst Ayatollah Ruhollah Khomeini pers\u00f6nlich ins Leben rief oder die Basidsch-Milizen. Beiden Gruppierungen sind nicht nur in Syrien aktiv, sondern auch im Irak.<\/p>\n\n\n\n

Obowhl sich das syrische Regime von Baschar al-Assad als s\u00e4kular ausweist, wird es vom Iran, der sich als Repr\u00e4sentant aller muslimischen Schiiten betrachtet, unterst\u00fctzt. Gemeinsames Ziel in Syrien ist es: Schiiten vor sunnitische Extremisten zu verteidigen. Dennoch ist das Regime darauf bedacht, m\u00f6glichst wenig eigene K\u00e4mpfer nach Syrien zu schicken. \u00c4hnlich wie einst w\u00e4hrend des Krieges gegen Saddam Husseins Irak, setzt der Iran auf ausl\u00e4ndische K\u00e4mpfer.<\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung war wie eine Gehirnw\u00e4sche<\/h2>\n\n\n\n

Abu Fazels Familie geh\u00f6rt zur afghanischen Minderheit der schiitischen Hazara \u2013 wie viele Afghanen, die in den Iran gekommen sind. Mittlerweile k\u00e4mpfen Tausende von ihnen in Syrien. Der Iran bezahlt die Afghanen mit einem Sold von wenigen hundert Dollar pro Monat und verspricht ihren Familien eine Aufenthaltsgenehmigung oder eine Arbeitserlaubnis.<\/p>\n\n\n\n

An der Rekrutierung der Afghanen sind sowohl die Revolutionsgarden als auch die erw\u00e4hnten Basidsch-Milizen beteiligt. Abu Fazel beschreibt, wie das Viertel, in dem er gemeinsam mit seiner Familie in Teheran lebte, regelm\u00e4\u00dfig von den K\u00e4mpfern aufgesucht wurde. Viele afghanische Gefl\u00fcchtete lebten dort \u2013 und fielen auf die Gehirnw\u00e4sche der Rattenf\u00e4nger herein.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie trafen junge M\u00e4nner und Jugendliche in den Moscheen und \u00fcberredeten sie, gegen den IS oder Al Qaida zu k\u00e4mpfen. Die Gehirnw\u00e4sche war perfekt. Am Ende merkten viele, darunter auch ich, nicht einmal, dass wir in ihre Propaganda getappt waren. Ihre \u00dcberredungskunst war wirklich sehr speziell. Am Ende hat man Lust, nach Syrien zu gehen, um zu k\u00e4mpfen\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Erfolg hatten die Rekrutierer des Regimes auch bei Abu Fazels Cousin, der zum damaligen Zeitpunkt ebenfalls minderj\u00e4hrig gewesen ist. Er ging nach Syrien und k\u00e4mpfte unter der Flagge der \u201eLiwa Fatemiyoun\u201c, wie die afghanische Division auf Seiten Assads hei\u00dft. Offiziell ist die Aufgabe der Miliz die Verteidigung des Schreines von Zaynab im S\u00fcden von Damaskus. Zaynab war die Enkelin des islamischen Propheten Mohammad. Laut iranischen Staatsmedien k\u00e4mpfen mindestens 20.000 Afghanen in der Division.<\/p>\n\n\n\n

Im August 2014 entschloss sich auch Abu Fazel, nach Syrien zu gehen und zu k\u00e4mpfen. Im selben Monat wurde sein Cousin in der N\u00e4he von Aleppo im Kampf gegen syrische Rebellen get\u00f6tet.<\/p>\n\n\n\n

\u201eMein Cousin wurde dort get\u00f6tet. Auch andere Jungs aus unserer Gegend gingen nach Syrien und fielen dort. Lokale Zeitungen nannten sie \u201aM\u00e4rtyrer\u2018.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Lieber Flucht statt K\u00e4mpfer in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein solcher \u201eM\u00e4rtyrer\u201c wollte Abu Fazel allerdings nicht werden. Er floh eine Woche vor dem Beginn seiner dreimonatigen Kampfausbildung. Es war ihm lieber, ein Leben auf der Flucht zu verbringen, als in Syrien unschuldige Menschen f\u00fcr einen Diktator zu t\u00f6ten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch kam zu dem Schluss, dass ich nicht als M\u00f6rder weiterleben k\u00f6nnte. Stets dachte ich mir, dass selbst die schlimmsten Al-Qaida- oder IS-Terroristen Kinder haben k\u00f6nnten, die ihren Vater lieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Fazel verlor seinen eigenen Vater bereits sehr fr\u00fch. Er wurde Opfer des B\u00fcrgerkriegs in Afghanistan, der von 1989 bis 2001 tausende Menschen das Leben kostete. Auch der Iran mischte in der Zeit schon mit. Es ist allgemein bekannt, dass die schiitischen Hazara-Milizen, die den B\u00fcrgerkrieg ebenfalls mitanfachten, von der Regierung in Teheran unterst\u00fctzt wurden.<\/p>\n\n\n\n

Als Abu Fazel sich nun entschloss, aus der Gewaltspirale auszusteigen und nicht in Syrien zu k\u00e4mpfen, wuchs die Angst bei seiner Familie. Denn f\u00fcr die iranischen Beh\u00f6rden gilt: Hat man sich einmal gemeldet, gibt es kein zur\u00fcck. Man muss an die Front nach Syrien \u2013 oder wird zur\u00fcck nach Afghanistan abgeschoben, wo ebenfalls Krieg herrscht.<\/p>\n\n\n\n

Der einzige Ausweg f\u00fcr den jungen Afghanen war die Flucht. \u00dcber die T\u00fcrkei, Griechenland und die Balkranroute erreichte er mit gro\u00dfer M\u00fche Deutschland, wo er einen Asylantrag stellte.<\/p>\n\n\n\n

Erster Asylantrag in Deutschland abgelehnt<\/h2>\n\n\n\n

Als Grund nannte er seine Rekrutierung als Kindersoldat seitens des iranischen Regimes. Doch w\u00e4hrend diese Begr\u00fcndung in Abu Fazels Augen v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich war, sahen deutsche Beh\u00f6rden das anders. Sein erster Antrag wurde abgelehnt. Derzeit versucht er es ein zweites Mal. Die Bundesrepublik schiebt afghanische Gefl\u00fcchtete weiterhin ab.<\/p>\n\n\n\n

\"EinAbschiebung von Afghanen im Dezember 2016 mit einem Charterflug von Frankfurt nach Kabul. (dpa \/picture alliance \/ Boris Roessler)<\/p>\n\n\n\n

Die Verantwortlichen weisen in diesem Kontext immer wieder auf vermeintlich \u201esichere Gebiete\u201c im Land, die nicht n\u00e4her benannt werden.<\/p>\n\n\n\n

W\u00e4hrenddessen machen Menschenrechtsorganisationen regelm\u00e4\u00dfig darauf aufmerksam, dass keine Region am Hindukusch sicher ist. Stattdessen wird in manchen Gebieten nur weniger Krieg gef\u00fchrt als in anderen.<\/p>\n\n\n\n

\"SieDemonstranten protestieren in Frankfurt am Main gegen die Abschiebung von Afghanen. Auf einem der Transparente steht \u201eAfghanistan is not safe\u201c. (AFP \/ Daniel Roland)<\/p>\n\n\n\n

Alis Vater und Onkel k\u00e4mpfen in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein \u00e4hnliches Schicksal wie Abu Fazel erlitt der 18-j\u00e4hrige Ali (Namen ge\u00e4ndert). Auch er floh aus dem Iran nach Deutschland, um der Rekrutierung f\u00fcr Assads Milizen zu entgehen. Viele seiner afghanischen Freunde sind bereits nach Syrien gezogen \u2013 und kamen niemals zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Alis Familie, ebenfalls Angeh\u00f6rige der Hazara-Minderheit, stammt urspr\u00fcnglich aus der Provinz Ghor im Nordosten Afghanistans. Ihre Heimat verlie\u00dfen sie w\u00e4hrend der sowjetischen Besatzung in den 1980er-Jahren.<\/p>\n\n\n\n

Seit jeher lebt die Familie in der iranischen Gro\u00dfstadt Maschhad. Als der Krieg in Syrien ausbrach, erreichte sie ein Konflikt, mit dem sie nicht gerechnet hatten. Im Juli 2015 reiste Alis Vater nach Teheran. Er wollte einen Weg finden, um f\u00fcr seine Familie Aufenthaltspapiere zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Beh\u00f6rden sagten ihm, dass die Rekrutierung f\u00fcr den Krieg in Syrien eine M\u00f6glichkeit darstellen k\u00f6nnte, um Papiere f\u00fcr uns alle zu erhalten. Andernfalls w\u00fcrde man uns sehr bald nach Afghanistan abschieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Mittlerweile k\u00e4mpfen Alis Vater und sein Onkel seit \u00fcber einem Jahr in Syrien. Am Aufenthaltsstatus seiner Familienmitglieder hat sich bis heute allerdings nichts ge\u00e4ndert. F\u00fcr Ali ist klar, dass dies nur eine Falle gewesen ist, um noch mehr Afghanen als Kanonenfutter zu missbrauchen.<\/p>\n\n\n\n

Anfangs gab es Papiere f\u00fcr K\u00e4mpfer-Familien<\/h2>\n\n\n\n

Den Kontakt zu seinem Vater hat der Afghane mittlerweile verloren. W\u00e4hrenddessen schickt ihm sein Onkel, der in Aleppo stationiert ist, hin und wieder Bilder \u00fcber den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ali denkt, dass nur sehr wenige Afghanen der Propaganda der iranischen Regierung glauben und in Syrien f\u00fcr eine \u201egute Sache\u201c k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

Source<\/a><\/p>\n","post_title":"Warum Afghanen in Syrien f\u00fcr Assad k\u00e4mpfen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"warum-afghanen-in-syrien-fur-assad-kampfen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3709","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":9},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

\n

Die Annexion eines Territoriums durch einen Staat ohne Referendum, d.h. eine Abstimmung durch die betroffene Bev\u00f6lkerung, widerspricht demokratischen Prinzipien fundamental.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Wichtiger noch sei allerdings, dass viele von der Annexion betroffene Pal\u00e4stinenser bis heute nicht \u00fcber dieselben Rechte verf\u00fcgen wie ihre israelischen Nachbarn. Statt der israelischen Staatsb\u00fcrgerschaft tragen pal\u00e4stinensische Bewohner Ostjerusalems lediglich Identit\u00e4tskarten, die sie als st\u00e4ndige Bewohner der Stadt ausweisen.<\/p>\n\n\n\n

Damit sind sie in Israel zwar steuerpflichtig, haben Zugang zu Sozialleistungen und k\u00f6nnen sich innerhalb Israel frei bewegen, staatsb\u00fcrgerlichen Rechte, wie beispielsweise das aktive und passive Wahlrecht besitzen sie allerdings nicht. Als undemokratisch bewertet Beck deshalb das \"israelische Herrschaftsregime in Jerusalem\".<\/p>\n\n\n\n

Besatzung beenden oder dieselben staatsb\u00fcrgerlichen Rechte f\u00fcr Pal\u00e4stinenser<\/h3>\n\n\n\n

Ob auch die Situation im Westjordanland und Gazastreifen eine Rolle f\u00fcr die Bewertung des politischen Systems Israels spielt, entscheidet sich dem Spezialisten f\u00fcr politische Systeme im Nahen Osten<\/a> zufolge vor allem an einer Frage: Ist die Besetzung der Gebiete ein vor\u00fcbergehendes Ph\u00e4nomen oder auf Dauer angelegt?<\/p>\n\n\n\n

Nur im letzteren Fall m\u00fcsse man das Besatzungsregime als Teil des politischen Systems Israels bewerten, so Beck. F\u00fcr den anhaltenden Charakter spreche allein schon die schiere Dauer der Besatzung: So dauert die israelische Besatzung schon \u00fcber ein halbes Jahrhundert und damit dreimal so lange wie Israel in den Grenzen von 1949 bis 1967 existierte.<\/p>\n\n\n\n

Hinzu kommen weitere Indizien: Das Scheitern des Osloer Verhandlungsprozess in den 1990er Jahren und im ersten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts, der anhaltende Siedlungsprozess sowie die weitgehenden Einigkeit unter den gro\u00dfen politischen Parteien Israels - und dass gro\u00dfe Teile des Westjordanlands dauerhaft unter israelischer Kontrolle verbleiben sollen. Beck kommt zu dem Schluss:<\/p>\n\n\n\n

Alle Indizien verweisen also darauf, dass die israelische Herrschaft \u00fcber das Westjordanland auf Dauer angelegt ist. In einer Demokratie m\u00fcsste daher allen dort Wohnenden der uneingeschr\u00e4nkte Zugang zu den staatsb\u00fcrgerlichen Rechten des politischen Gemeinwesens gew\u00e4hrt werden. Dies ist aber nicht der Fall.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Zweifelsfrei war Israel lediglich f\u00fcr sechs Monate eine Demokratie<\/h3>\n\n\n\n

W\u00e4hrend an der israelischen Besatzung des Westjordanlands kein Zweifel besteht, \u00fcberrascht, dass Beck f\u00fcr den Gazastreifen zu einer \u00e4hnlichen Bewertung kommt. Schlie\u00dflich hat Israel seine Soldaten im Jahr 2007 aus dem K\u00fcstenstreifen abgezogen und j\u00fcdische Siedlungen aufgel\u00f6st.<\/p>\n\n\n\n

Beck argumentiert, dass Israel auch heute seine Kontrolle von Land, Luft und Wasser aufrechterh\u00e4lt und die Besatzungsherrschaft damit fortsetzt, ohne \"den dort lebenden Menschen irgendeine Form demokratischer Mitwirkungsrechte zu gew\u00e4hren\".<\/p>\n\n\n\n

Mit dieser Einsch\u00e4tzung ist Beck nicht allein. Auch die Vereinten Nationen<\/a> und der Internationale Strafgerichtshof<\/a> vertreten die Auffassung, dass die israelische Besatzung \u00fcber den Gazastreifen andauert.<\/p>\n\n\n\n

F\u00fcr die Gesamtbewertung des politischen Systems Israels hat diese Frage allerdings ohnehin keine entscheidende Bedeutung mehr. Denn Becks Fazit f\u00e4llt eindeutig aus: Zweifelsfrei um eine Demokratie gehandelt habe es sich bei Israel lediglich in einem kurzen sechsmonatigen Zeitraum zwischen der Abschaffung des Milit\u00e4rrechts f\u00fcr arabische Israelis im November 1966 und dem Beginn des Sechstagekrieges im Juni 1967.<\/p>\n\n\n\n

Sp\u00e4testens mit Beginn der Besatzungsherrschaft habe Israel seinen Charakter als Demokratie verloren. F\u00fcr heutige Debatten rund um Israel empfiehlt der Nahost-Professor deshalb auf das Demokratieargument besser zu verzichten.

der\u00a0Ursprung<\/a><\/p>\n","post_title":"Die einzige Demokratie im Nahen Osten?","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-einzige-demokratie-im-nahen-osten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3775","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3719,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:39:47","post_date_gmt":"2020-08-13 21:39:47","post_content":"\n

Jenni Zylka und Christoph Safferling im Gespr\u00e4ch mit Anke Schaefer<\/a>- Sie kommen aus Syrien und dem Irak nach Deutschland zur\u00fcck: Frauen, die sich dem sogenannten Islamischen Staat (IS) angeschlossen haben, mit Terroristen zusammenlebten. Soll man sie k\u00fcnftig h\u00e4rter bestrafen? Die Journalistin Jenni Zylka und der Jurist Christoph Safferling sehen das kritisch.<\/p>\n\n\n\n

Frauen, die sich dem IS angeschlossen, aber selbst nicht gek\u00e4mpft haben, sollen laut Generalbundesanwalt Peter Frank als Mitl\u00e4uferinnen h\u00e4rter bestraft werden k\u00f6nnen. Frank meint: \u201eWir sind der Meinung, dass sich  auch bei diesen Frauen die Mitgliedschaft in einer ausl\u00e4ndischen terroristischen Organisation bejahen l\u00e4sst, weil diese Frauen die innere Struktur des sogenannten Islamischen Staates und damit diese Terrororganisation von innen heraus st\u00e4rken.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Aber sind diese Frauen nicht eher Opfer? Weil sie Angst um ihre Kinder hatten, den Umgang mit der Waffe zur Selbstverteidigung gelernt haben? Jenni Zylka meint dazu:  \u00dcber eine Mitschuld solcher Frauen nachzudenken, sei nachvollziehbar und auch legitim. Jedoch m\u00fcsse sehr genau hingeschaut und jede dieser Frauen einzeln betrachtet werden. Man m\u00fcsse unterscheiden, ob Frauen mit IS-Terroristen zusammengelebt und f\u00fcr diese gesorgt h\u00e4tten oder ob sie selbst militant geworden seien. Viele von ihnen seien zudem traumatisiert durch die Erlebnisse in den IS-Lagern.<\/p>\n\n\n\n

\"DieDie Journalistin Jenni Zylka (Deutschlandradio \/ Andreas Buron)<\/p>\n\n\n\n

Nicht wie Schwerverbrecherinnen behandeln<\/h2>\n\n\n\n

Christoph Safferling, Professor f\u00fcr Strafrecht an der Universit\u00e4t Erlangen-N\u00fcrnberg, sagt, er halte die Argumentation des Generalbundesanwalts f\u00fcr problematisch. Es handle sich zun\u00e4chst einmal um allt\u00e4gliche Handlungen wie Kochen und Sorge um die Kinder. \u201eUnd die Frage ist: Wann sind solche neutralen Handlungen tats\u00e4chlich straftatunterst\u00fctzend.\u201c Ein Vorsatz, die terroristischen Strukturen zu unterst\u00fctzen, m\u00fcsse klar nachgewiesen werden.<\/p>\n\n\n\n

Vielmehr stelle sich die Frage, ob die Frauen nicht eher als Opfer betrachtet werden m\u00fcssten. Viele h\u00e4tten sich wie unter Zwang auf die Situation eingelassen \u2013 diese k\u00f6nne man strukturell durchaus mit den Bedingungen von Zwangsprostitution vergleichen. Viele der jungen Frauen seien auch unter Drogen gesetzt worden.<\/p>\n\n\n\n

Zugest\u00e4ndnis an Irak?<\/h2>\n\n\n\n

Eine m\u00f6gliche Erkl\u00e4rung der harten Linie der Generalbundesanwaltschaft \u00fcber die man nur spekulieren k\u00f6nne: \u201eIch kann mir auch vorstellen, dass, wenn es jetzt darum geht, Irak davon zu \u00fcberzeugen, die deutschen Staatsangeh\u00f6rigen, die dort einsitzen, auszuliefern, man ihnen gegen\u00fcber auch zu verstehen geben muss, dass die hier einer Strafverfolgung zugef\u00fchrt werden. Ansonsten w\u00fcrde der Irak sich vielleicht weigern, sie auszuliefern.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Safferling h\u00e4lt eine intensive Betreuung der zur\u00fcckgekehrten Frauen und M\u00e4dchen f\u00fcr unerl\u00e4sslich \u2013 man d\u00fcrfe sie keinesfalls alleine lassen und nicht wie Schwerverbrecherinnen behandeln. Es m\u00fcsse vielmehr verhindert werden, dass die jungen Frauen etwa in die Salafisten-Szene abtauchten.<\/p>\n","post_title":"Sie sind eher Opfer als Schwerverbrecherinnen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"sie-sind-eher-opfer-als-schwerverbrecherinnen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3719","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3709,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:30:50","post_date_gmt":"2020-08-13 21:30:50","post_content":"\n

Drei Millionen Afghanen sind ins Nachbarland Iran geflohen. Viele arbeiten schwarz. Die Aussicht auf einen festen Lohn plus Papiere f\u00fcr die Familie ist verlockend. Die Gegenleistung daf\u00fcr: K\u00e4mpfen in Syrien.<\/p>\n\n\n\n

Wenn Abu Fazel von den Gr\u00e4ueltaten des syrischen B\u00fcrgerkriegs h\u00f6rt, denkt er immer daran, dass er auch beinahe als K\u00e4mpfer auf diesem Schlachtfeld gelandet w\u00e4re. Doch Abu Fazel ist weder Syrer noch wollte er zum sogenannten \u201eIslamischen Staat\u201c. Der 18-J\u00e4hrige ist ein afghanischer Gefl\u00fcchteter, der zur Zeit in Leverkusen lebt.<\/p>\n\n\n\n

Den Gro\u00dfteil seines Lebens verbrachte er im Iran. Seine Familie ist dorthin gefl\u00fcchtet, als er ein Kind war. Doch als die iranische Regierung ihn nach Syrien schicken wollte, um auf der Seite von Machthaber Baschar al-Assad zu k\u00e4mpfen, entschloss er sich zu fliehen.<\/p>\n\n\n\n

\"Fl\u00fcchtlingeGefl\u00fcchtete aus dem Iran und Afghanistan an der Grenze zwischen Mazedonien und Griechenland. (picture alliance \/ dpa \/ Georgi Licovski)<\/p>\n\n\n\n

Tausende afghanische Jugendliche \u2013 die genaue Zahl ist nicht bekannt \u2013 wurden im Iran rekrutiert, um im Krieg in Syrien zu k\u00e4mpfen. Erst vor Kurzem berichtete die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, dass sie die Gr\u00e4ber von acht afghanischen Kindern, die in Syrien get\u00f6tet wurden, identifiziert hat. Laut der Organisation rekrutiert der Iran regelm\u00e4\u00dfig minderj\u00e4hrige K\u00e4mpfer, um sie nach Syrien zu schicken. Unter afghanischen Gefl\u00fcchteten ist diese Praxis schon l\u00e4nger bekannt.<\/p>\n\n\n\n

Rassismus gegen Afghanen im Iran<\/h2>\n\n\n\n

Fast drei Millionen Gefl\u00fcchtete aus Afghanistan sind inzwischen im Iran. Die meisten von ihnen leben in der Illegalit\u00e4t und werden als Schwarzarbeiter, etwa am Bau, ausgebeutet. Rassismus und Ausgrenzung geh\u00f6ren zu ihrem gesellschaftlichen Alltag. Kinder sind davon nicht ausgeschlossen. Im Gegenteil: Vielen afghanischen Kinderm ist es nicht erlaubt, staatliche Schulen zu besuchen. Abu Fazel wurde Zeit seines Lebens von dieser Diskrimierung beeinflusst und verfolgt.<\/p>\n\n\n\n

\u201e'Afghane\u2018 \u2013 das ist dort ein Schimpfwort. Ich h\u00f6rte es von klein auf immer wieder. Der Rassismus gegen Afghanen ist dort v\u00f6llig normal. Meine Herkunft, auf der ich eigentlich stolz war, ist im Iran stets eine Last gewesen. Wir sind dort B\u00fcrger zweiter Klasse.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung der afghanischen Gefl\u00fcchteten ist f\u00fcr Abu Fazel die Spitze jenes Rassismus, den er erlebt hat.<\/p>\n\n\n\n

Iran: Syrien vor sunnitischen Extremisten verteidigen<\/h2>\n\n\n\n

In Syrien k\u00e4mpfen neben den afghanischen Milizen auch andere paramilit\u00e4rische Gruppierungen im Auftrag des Irans: etwa die ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigten Revolutionsgarden, die einst Ayatollah Ruhollah Khomeini pers\u00f6nlich ins Leben rief oder die Basidsch-Milizen. Beiden Gruppierungen sind nicht nur in Syrien aktiv, sondern auch im Irak.<\/p>\n\n\n\n

Obowhl sich das syrische Regime von Baschar al-Assad als s\u00e4kular ausweist, wird es vom Iran, der sich als Repr\u00e4sentant aller muslimischen Schiiten betrachtet, unterst\u00fctzt. Gemeinsames Ziel in Syrien ist es: Schiiten vor sunnitische Extremisten zu verteidigen. Dennoch ist das Regime darauf bedacht, m\u00f6glichst wenig eigene K\u00e4mpfer nach Syrien zu schicken. \u00c4hnlich wie einst w\u00e4hrend des Krieges gegen Saddam Husseins Irak, setzt der Iran auf ausl\u00e4ndische K\u00e4mpfer.<\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung war wie eine Gehirnw\u00e4sche<\/h2>\n\n\n\n

Abu Fazels Familie geh\u00f6rt zur afghanischen Minderheit der schiitischen Hazara \u2013 wie viele Afghanen, die in den Iran gekommen sind. Mittlerweile k\u00e4mpfen Tausende von ihnen in Syrien. Der Iran bezahlt die Afghanen mit einem Sold von wenigen hundert Dollar pro Monat und verspricht ihren Familien eine Aufenthaltsgenehmigung oder eine Arbeitserlaubnis.<\/p>\n\n\n\n

An der Rekrutierung der Afghanen sind sowohl die Revolutionsgarden als auch die erw\u00e4hnten Basidsch-Milizen beteiligt. Abu Fazel beschreibt, wie das Viertel, in dem er gemeinsam mit seiner Familie in Teheran lebte, regelm\u00e4\u00dfig von den K\u00e4mpfern aufgesucht wurde. Viele afghanische Gefl\u00fcchtete lebten dort \u2013 und fielen auf die Gehirnw\u00e4sche der Rattenf\u00e4nger herein.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie trafen junge M\u00e4nner und Jugendliche in den Moscheen und \u00fcberredeten sie, gegen den IS oder Al Qaida zu k\u00e4mpfen. Die Gehirnw\u00e4sche war perfekt. Am Ende merkten viele, darunter auch ich, nicht einmal, dass wir in ihre Propaganda getappt waren. Ihre \u00dcberredungskunst war wirklich sehr speziell. Am Ende hat man Lust, nach Syrien zu gehen, um zu k\u00e4mpfen\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Erfolg hatten die Rekrutierer des Regimes auch bei Abu Fazels Cousin, der zum damaligen Zeitpunkt ebenfalls minderj\u00e4hrig gewesen ist. Er ging nach Syrien und k\u00e4mpfte unter der Flagge der \u201eLiwa Fatemiyoun\u201c, wie die afghanische Division auf Seiten Assads hei\u00dft. Offiziell ist die Aufgabe der Miliz die Verteidigung des Schreines von Zaynab im S\u00fcden von Damaskus. Zaynab war die Enkelin des islamischen Propheten Mohammad. Laut iranischen Staatsmedien k\u00e4mpfen mindestens 20.000 Afghanen in der Division.<\/p>\n\n\n\n

Im August 2014 entschloss sich auch Abu Fazel, nach Syrien zu gehen und zu k\u00e4mpfen. Im selben Monat wurde sein Cousin in der N\u00e4he von Aleppo im Kampf gegen syrische Rebellen get\u00f6tet.<\/p>\n\n\n\n

\u201eMein Cousin wurde dort get\u00f6tet. Auch andere Jungs aus unserer Gegend gingen nach Syrien und fielen dort. Lokale Zeitungen nannten sie \u201aM\u00e4rtyrer\u2018.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Lieber Flucht statt K\u00e4mpfer in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein solcher \u201eM\u00e4rtyrer\u201c wollte Abu Fazel allerdings nicht werden. Er floh eine Woche vor dem Beginn seiner dreimonatigen Kampfausbildung. Es war ihm lieber, ein Leben auf der Flucht zu verbringen, als in Syrien unschuldige Menschen f\u00fcr einen Diktator zu t\u00f6ten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch kam zu dem Schluss, dass ich nicht als M\u00f6rder weiterleben k\u00f6nnte. Stets dachte ich mir, dass selbst die schlimmsten Al-Qaida- oder IS-Terroristen Kinder haben k\u00f6nnten, die ihren Vater lieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Fazel verlor seinen eigenen Vater bereits sehr fr\u00fch. Er wurde Opfer des B\u00fcrgerkriegs in Afghanistan, der von 1989 bis 2001 tausende Menschen das Leben kostete. Auch der Iran mischte in der Zeit schon mit. Es ist allgemein bekannt, dass die schiitischen Hazara-Milizen, die den B\u00fcrgerkrieg ebenfalls mitanfachten, von der Regierung in Teheran unterst\u00fctzt wurden.<\/p>\n\n\n\n

Als Abu Fazel sich nun entschloss, aus der Gewaltspirale auszusteigen und nicht in Syrien zu k\u00e4mpfen, wuchs die Angst bei seiner Familie. Denn f\u00fcr die iranischen Beh\u00f6rden gilt: Hat man sich einmal gemeldet, gibt es kein zur\u00fcck. Man muss an die Front nach Syrien \u2013 oder wird zur\u00fcck nach Afghanistan abgeschoben, wo ebenfalls Krieg herrscht.<\/p>\n\n\n\n

Der einzige Ausweg f\u00fcr den jungen Afghanen war die Flucht. \u00dcber die T\u00fcrkei, Griechenland und die Balkranroute erreichte er mit gro\u00dfer M\u00fche Deutschland, wo er einen Asylantrag stellte.<\/p>\n\n\n\n

Erster Asylantrag in Deutschland abgelehnt<\/h2>\n\n\n\n

Als Grund nannte er seine Rekrutierung als Kindersoldat seitens des iranischen Regimes. Doch w\u00e4hrend diese Begr\u00fcndung in Abu Fazels Augen v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich war, sahen deutsche Beh\u00f6rden das anders. Sein erster Antrag wurde abgelehnt. Derzeit versucht er es ein zweites Mal. Die Bundesrepublik schiebt afghanische Gefl\u00fcchtete weiterhin ab.<\/p>\n\n\n\n

\"EinAbschiebung von Afghanen im Dezember 2016 mit einem Charterflug von Frankfurt nach Kabul. (dpa \/picture alliance \/ Boris Roessler)<\/p>\n\n\n\n

Die Verantwortlichen weisen in diesem Kontext immer wieder auf vermeintlich \u201esichere Gebiete\u201c im Land, die nicht n\u00e4her benannt werden.<\/p>\n\n\n\n

W\u00e4hrenddessen machen Menschenrechtsorganisationen regelm\u00e4\u00dfig darauf aufmerksam, dass keine Region am Hindukusch sicher ist. Stattdessen wird in manchen Gebieten nur weniger Krieg gef\u00fchrt als in anderen.<\/p>\n\n\n\n

\"SieDemonstranten protestieren in Frankfurt am Main gegen die Abschiebung von Afghanen. Auf einem der Transparente steht \u201eAfghanistan is not safe\u201c. (AFP \/ Daniel Roland)<\/p>\n\n\n\n

Alis Vater und Onkel k\u00e4mpfen in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein \u00e4hnliches Schicksal wie Abu Fazel erlitt der 18-j\u00e4hrige Ali (Namen ge\u00e4ndert). Auch er floh aus dem Iran nach Deutschland, um der Rekrutierung f\u00fcr Assads Milizen zu entgehen. Viele seiner afghanischen Freunde sind bereits nach Syrien gezogen \u2013 und kamen niemals zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Alis Familie, ebenfalls Angeh\u00f6rige der Hazara-Minderheit, stammt urspr\u00fcnglich aus der Provinz Ghor im Nordosten Afghanistans. Ihre Heimat verlie\u00dfen sie w\u00e4hrend der sowjetischen Besatzung in den 1980er-Jahren.<\/p>\n\n\n\n

Seit jeher lebt die Familie in der iranischen Gro\u00dfstadt Maschhad. Als der Krieg in Syrien ausbrach, erreichte sie ein Konflikt, mit dem sie nicht gerechnet hatten. Im Juli 2015 reiste Alis Vater nach Teheran. Er wollte einen Weg finden, um f\u00fcr seine Familie Aufenthaltspapiere zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Beh\u00f6rden sagten ihm, dass die Rekrutierung f\u00fcr den Krieg in Syrien eine M\u00f6glichkeit darstellen k\u00f6nnte, um Papiere f\u00fcr uns alle zu erhalten. Andernfalls w\u00fcrde man uns sehr bald nach Afghanistan abschieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Mittlerweile k\u00e4mpfen Alis Vater und sein Onkel seit \u00fcber einem Jahr in Syrien. Am Aufenthaltsstatus seiner Familienmitglieder hat sich bis heute allerdings nichts ge\u00e4ndert. F\u00fcr Ali ist klar, dass dies nur eine Falle gewesen ist, um noch mehr Afghanen als Kanonenfutter zu missbrauchen.<\/p>\n\n\n\n

Anfangs gab es Papiere f\u00fcr K\u00e4mpfer-Familien<\/h2>\n\n\n\n

Den Kontakt zu seinem Vater hat der Afghane mittlerweile verloren. W\u00e4hrenddessen schickt ihm sein Onkel, der in Aleppo stationiert ist, hin und wieder Bilder \u00fcber den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ali denkt, dass nur sehr wenige Afghanen der Propaganda der iranischen Regierung glauben und in Syrien f\u00fcr eine \u201egute Sache\u201c k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

Source<\/a><\/p>\n","post_title":"Warum Afghanen in Syrien f\u00fcr Assad k\u00e4mpfen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"warum-afghanen-in-syrien-fur-assad-kampfen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3709","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":9},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Sehr wohl anrechnen lassen m\u00fcsse sich Israel aber die Situation auf den syrischen Golanh\u00f6hen und in Ostjerusalem, da diese mittlerweile ins israelische Staatsgebiet annektiert wurden. Beck schreibt:<\/p>\n\n\n\n

Die Annexion eines Territoriums durch einen Staat ohne Referendum, d.h. eine Abstimmung durch die betroffene Bev\u00f6lkerung, widerspricht demokratischen Prinzipien fundamental.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Wichtiger noch sei allerdings, dass viele von der Annexion betroffene Pal\u00e4stinenser bis heute nicht \u00fcber dieselben Rechte verf\u00fcgen wie ihre israelischen Nachbarn. Statt der israelischen Staatsb\u00fcrgerschaft tragen pal\u00e4stinensische Bewohner Ostjerusalems lediglich Identit\u00e4tskarten, die sie als st\u00e4ndige Bewohner der Stadt ausweisen.<\/p>\n\n\n\n

Damit sind sie in Israel zwar steuerpflichtig, haben Zugang zu Sozialleistungen und k\u00f6nnen sich innerhalb Israel frei bewegen, staatsb\u00fcrgerlichen Rechte, wie beispielsweise das aktive und passive Wahlrecht besitzen sie allerdings nicht. Als undemokratisch bewertet Beck deshalb das \"israelische Herrschaftsregime in Jerusalem\".<\/p>\n\n\n\n

Besatzung beenden oder dieselben staatsb\u00fcrgerlichen Rechte f\u00fcr Pal\u00e4stinenser<\/h3>\n\n\n\n

Ob auch die Situation im Westjordanland und Gazastreifen eine Rolle f\u00fcr die Bewertung des politischen Systems Israels spielt, entscheidet sich dem Spezialisten f\u00fcr politische Systeme im Nahen Osten<\/a> zufolge vor allem an einer Frage: Ist die Besetzung der Gebiete ein vor\u00fcbergehendes Ph\u00e4nomen oder auf Dauer angelegt?<\/p>\n\n\n\n

Nur im letzteren Fall m\u00fcsse man das Besatzungsregime als Teil des politischen Systems Israels bewerten, so Beck. F\u00fcr den anhaltenden Charakter spreche allein schon die schiere Dauer der Besatzung: So dauert die israelische Besatzung schon \u00fcber ein halbes Jahrhundert und damit dreimal so lange wie Israel in den Grenzen von 1949 bis 1967 existierte.<\/p>\n\n\n\n

Hinzu kommen weitere Indizien: Das Scheitern des Osloer Verhandlungsprozess in den 1990er Jahren und im ersten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts, der anhaltende Siedlungsprozess sowie die weitgehenden Einigkeit unter den gro\u00dfen politischen Parteien Israels - und dass gro\u00dfe Teile des Westjordanlands dauerhaft unter israelischer Kontrolle verbleiben sollen. Beck kommt zu dem Schluss:<\/p>\n\n\n\n

Alle Indizien verweisen also darauf, dass die israelische Herrschaft \u00fcber das Westjordanland auf Dauer angelegt ist. In einer Demokratie m\u00fcsste daher allen dort Wohnenden der uneingeschr\u00e4nkte Zugang zu den staatsb\u00fcrgerlichen Rechten des politischen Gemeinwesens gew\u00e4hrt werden. Dies ist aber nicht der Fall.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Zweifelsfrei war Israel lediglich f\u00fcr sechs Monate eine Demokratie<\/h3>\n\n\n\n

W\u00e4hrend an der israelischen Besatzung des Westjordanlands kein Zweifel besteht, \u00fcberrascht, dass Beck f\u00fcr den Gazastreifen zu einer \u00e4hnlichen Bewertung kommt. Schlie\u00dflich hat Israel seine Soldaten im Jahr 2007 aus dem K\u00fcstenstreifen abgezogen und j\u00fcdische Siedlungen aufgel\u00f6st.<\/p>\n\n\n\n

Beck argumentiert, dass Israel auch heute seine Kontrolle von Land, Luft und Wasser aufrechterh\u00e4lt und die Besatzungsherrschaft damit fortsetzt, ohne \"den dort lebenden Menschen irgendeine Form demokratischer Mitwirkungsrechte zu gew\u00e4hren\".<\/p>\n\n\n\n

Mit dieser Einsch\u00e4tzung ist Beck nicht allein. Auch die Vereinten Nationen<\/a> und der Internationale Strafgerichtshof<\/a> vertreten die Auffassung, dass die israelische Besatzung \u00fcber den Gazastreifen andauert.<\/p>\n\n\n\n

F\u00fcr die Gesamtbewertung des politischen Systems Israels hat diese Frage allerdings ohnehin keine entscheidende Bedeutung mehr. Denn Becks Fazit f\u00e4llt eindeutig aus: Zweifelsfrei um eine Demokratie gehandelt habe es sich bei Israel lediglich in einem kurzen sechsmonatigen Zeitraum zwischen der Abschaffung des Milit\u00e4rrechts f\u00fcr arabische Israelis im November 1966 und dem Beginn des Sechstagekrieges im Juni 1967.<\/p>\n\n\n\n

Sp\u00e4testens mit Beginn der Besatzungsherrschaft habe Israel seinen Charakter als Demokratie verloren. F\u00fcr heutige Debatten rund um Israel empfiehlt der Nahost-Professor deshalb auf das Demokratieargument besser zu verzichten.

der\u00a0Ursprung<\/a><\/p>\n","post_title":"Die einzige Demokratie im Nahen Osten?","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-einzige-demokratie-im-nahen-osten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3775","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3719,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:39:47","post_date_gmt":"2020-08-13 21:39:47","post_content":"\n

Jenni Zylka und Christoph Safferling im Gespr\u00e4ch mit Anke Schaefer<\/a>- Sie kommen aus Syrien und dem Irak nach Deutschland zur\u00fcck: Frauen, die sich dem sogenannten Islamischen Staat (IS) angeschlossen haben, mit Terroristen zusammenlebten. Soll man sie k\u00fcnftig h\u00e4rter bestrafen? Die Journalistin Jenni Zylka und der Jurist Christoph Safferling sehen das kritisch.<\/p>\n\n\n\n

Frauen, die sich dem IS angeschlossen, aber selbst nicht gek\u00e4mpft haben, sollen laut Generalbundesanwalt Peter Frank als Mitl\u00e4uferinnen h\u00e4rter bestraft werden k\u00f6nnen. Frank meint: \u201eWir sind der Meinung, dass sich  auch bei diesen Frauen die Mitgliedschaft in einer ausl\u00e4ndischen terroristischen Organisation bejahen l\u00e4sst, weil diese Frauen die innere Struktur des sogenannten Islamischen Staates und damit diese Terrororganisation von innen heraus st\u00e4rken.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Aber sind diese Frauen nicht eher Opfer? Weil sie Angst um ihre Kinder hatten, den Umgang mit der Waffe zur Selbstverteidigung gelernt haben? Jenni Zylka meint dazu:  \u00dcber eine Mitschuld solcher Frauen nachzudenken, sei nachvollziehbar und auch legitim. Jedoch m\u00fcsse sehr genau hingeschaut und jede dieser Frauen einzeln betrachtet werden. Man m\u00fcsse unterscheiden, ob Frauen mit IS-Terroristen zusammengelebt und f\u00fcr diese gesorgt h\u00e4tten oder ob sie selbst militant geworden seien. Viele von ihnen seien zudem traumatisiert durch die Erlebnisse in den IS-Lagern.<\/p>\n\n\n\n

\"DieDie Journalistin Jenni Zylka (Deutschlandradio \/ Andreas Buron)<\/p>\n\n\n\n

Nicht wie Schwerverbrecherinnen behandeln<\/h2>\n\n\n\n

Christoph Safferling, Professor f\u00fcr Strafrecht an der Universit\u00e4t Erlangen-N\u00fcrnberg, sagt, er halte die Argumentation des Generalbundesanwalts f\u00fcr problematisch. Es handle sich zun\u00e4chst einmal um allt\u00e4gliche Handlungen wie Kochen und Sorge um die Kinder. \u201eUnd die Frage ist: Wann sind solche neutralen Handlungen tats\u00e4chlich straftatunterst\u00fctzend.\u201c Ein Vorsatz, die terroristischen Strukturen zu unterst\u00fctzen, m\u00fcsse klar nachgewiesen werden.<\/p>\n\n\n\n

Vielmehr stelle sich die Frage, ob die Frauen nicht eher als Opfer betrachtet werden m\u00fcssten. Viele h\u00e4tten sich wie unter Zwang auf die Situation eingelassen \u2013 diese k\u00f6nne man strukturell durchaus mit den Bedingungen von Zwangsprostitution vergleichen. Viele der jungen Frauen seien auch unter Drogen gesetzt worden.<\/p>\n\n\n\n

Zugest\u00e4ndnis an Irak?<\/h2>\n\n\n\n

Eine m\u00f6gliche Erkl\u00e4rung der harten Linie der Generalbundesanwaltschaft \u00fcber die man nur spekulieren k\u00f6nne: \u201eIch kann mir auch vorstellen, dass, wenn es jetzt darum geht, Irak davon zu \u00fcberzeugen, die deutschen Staatsangeh\u00f6rigen, die dort einsitzen, auszuliefern, man ihnen gegen\u00fcber auch zu verstehen geben muss, dass die hier einer Strafverfolgung zugef\u00fchrt werden. Ansonsten w\u00fcrde der Irak sich vielleicht weigern, sie auszuliefern.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Safferling h\u00e4lt eine intensive Betreuung der zur\u00fcckgekehrten Frauen und M\u00e4dchen f\u00fcr unerl\u00e4sslich \u2013 man d\u00fcrfe sie keinesfalls alleine lassen und nicht wie Schwerverbrecherinnen behandeln. Es m\u00fcsse vielmehr verhindert werden, dass die jungen Frauen etwa in die Salafisten-Szene abtauchten.<\/p>\n","post_title":"Sie sind eher Opfer als Schwerverbrecherinnen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"sie-sind-eher-opfer-als-schwerverbrecherinnen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3719","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3709,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:30:50","post_date_gmt":"2020-08-13 21:30:50","post_content":"\n

Drei Millionen Afghanen sind ins Nachbarland Iran geflohen. Viele arbeiten schwarz. Die Aussicht auf einen festen Lohn plus Papiere f\u00fcr die Familie ist verlockend. Die Gegenleistung daf\u00fcr: K\u00e4mpfen in Syrien.<\/p>\n\n\n\n

Wenn Abu Fazel von den Gr\u00e4ueltaten des syrischen B\u00fcrgerkriegs h\u00f6rt, denkt er immer daran, dass er auch beinahe als K\u00e4mpfer auf diesem Schlachtfeld gelandet w\u00e4re. Doch Abu Fazel ist weder Syrer noch wollte er zum sogenannten \u201eIslamischen Staat\u201c. Der 18-J\u00e4hrige ist ein afghanischer Gefl\u00fcchteter, der zur Zeit in Leverkusen lebt.<\/p>\n\n\n\n

Den Gro\u00dfteil seines Lebens verbrachte er im Iran. Seine Familie ist dorthin gefl\u00fcchtet, als er ein Kind war. Doch als die iranische Regierung ihn nach Syrien schicken wollte, um auf der Seite von Machthaber Baschar al-Assad zu k\u00e4mpfen, entschloss er sich zu fliehen.<\/p>\n\n\n\n

\"Fl\u00fcchtlingeGefl\u00fcchtete aus dem Iran und Afghanistan an der Grenze zwischen Mazedonien und Griechenland. (picture alliance \/ dpa \/ Georgi Licovski)<\/p>\n\n\n\n

Tausende afghanische Jugendliche \u2013 die genaue Zahl ist nicht bekannt \u2013 wurden im Iran rekrutiert, um im Krieg in Syrien zu k\u00e4mpfen. Erst vor Kurzem berichtete die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, dass sie die Gr\u00e4ber von acht afghanischen Kindern, die in Syrien get\u00f6tet wurden, identifiziert hat. Laut der Organisation rekrutiert der Iran regelm\u00e4\u00dfig minderj\u00e4hrige K\u00e4mpfer, um sie nach Syrien zu schicken. Unter afghanischen Gefl\u00fcchteten ist diese Praxis schon l\u00e4nger bekannt.<\/p>\n\n\n\n

Rassismus gegen Afghanen im Iran<\/h2>\n\n\n\n

Fast drei Millionen Gefl\u00fcchtete aus Afghanistan sind inzwischen im Iran. Die meisten von ihnen leben in der Illegalit\u00e4t und werden als Schwarzarbeiter, etwa am Bau, ausgebeutet. Rassismus und Ausgrenzung geh\u00f6ren zu ihrem gesellschaftlichen Alltag. Kinder sind davon nicht ausgeschlossen. Im Gegenteil: Vielen afghanischen Kinderm ist es nicht erlaubt, staatliche Schulen zu besuchen. Abu Fazel wurde Zeit seines Lebens von dieser Diskrimierung beeinflusst und verfolgt.<\/p>\n\n\n\n

\u201e'Afghane\u2018 \u2013 das ist dort ein Schimpfwort. Ich h\u00f6rte es von klein auf immer wieder. Der Rassismus gegen Afghanen ist dort v\u00f6llig normal. Meine Herkunft, auf der ich eigentlich stolz war, ist im Iran stets eine Last gewesen. Wir sind dort B\u00fcrger zweiter Klasse.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung der afghanischen Gefl\u00fcchteten ist f\u00fcr Abu Fazel die Spitze jenes Rassismus, den er erlebt hat.<\/p>\n\n\n\n

Iran: Syrien vor sunnitischen Extremisten verteidigen<\/h2>\n\n\n\n

In Syrien k\u00e4mpfen neben den afghanischen Milizen auch andere paramilit\u00e4rische Gruppierungen im Auftrag des Irans: etwa die ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigten Revolutionsgarden, die einst Ayatollah Ruhollah Khomeini pers\u00f6nlich ins Leben rief oder die Basidsch-Milizen. Beiden Gruppierungen sind nicht nur in Syrien aktiv, sondern auch im Irak.<\/p>\n\n\n\n

Obowhl sich das syrische Regime von Baschar al-Assad als s\u00e4kular ausweist, wird es vom Iran, der sich als Repr\u00e4sentant aller muslimischen Schiiten betrachtet, unterst\u00fctzt. Gemeinsames Ziel in Syrien ist es: Schiiten vor sunnitische Extremisten zu verteidigen. Dennoch ist das Regime darauf bedacht, m\u00f6glichst wenig eigene K\u00e4mpfer nach Syrien zu schicken. \u00c4hnlich wie einst w\u00e4hrend des Krieges gegen Saddam Husseins Irak, setzt der Iran auf ausl\u00e4ndische K\u00e4mpfer.<\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung war wie eine Gehirnw\u00e4sche<\/h2>\n\n\n\n

Abu Fazels Familie geh\u00f6rt zur afghanischen Minderheit der schiitischen Hazara \u2013 wie viele Afghanen, die in den Iran gekommen sind. Mittlerweile k\u00e4mpfen Tausende von ihnen in Syrien. Der Iran bezahlt die Afghanen mit einem Sold von wenigen hundert Dollar pro Monat und verspricht ihren Familien eine Aufenthaltsgenehmigung oder eine Arbeitserlaubnis.<\/p>\n\n\n\n

An der Rekrutierung der Afghanen sind sowohl die Revolutionsgarden als auch die erw\u00e4hnten Basidsch-Milizen beteiligt. Abu Fazel beschreibt, wie das Viertel, in dem er gemeinsam mit seiner Familie in Teheran lebte, regelm\u00e4\u00dfig von den K\u00e4mpfern aufgesucht wurde. Viele afghanische Gefl\u00fcchtete lebten dort \u2013 und fielen auf die Gehirnw\u00e4sche der Rattenf\u00e4nger herein.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie trafen junge M\u00e4nner und Jugendliche in den Moscheen und \u00fcberredeten sie, gegen den IS oder Al Qaida zu k\u00e4mpfen. Die Gehirnw\u00e4sche war perfekt. Am Ende merkten viele, darunter auch ich, nicht einmal, dass wir in ihre Propaganda getappt waren. Ihre \u00dcberredungskunst war wirklich sehr speziell. Am Ende hat man Lust, nach Syrien zu gehen, um zu k\u00e4mpfen\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Erfolg hatten die Rekrutierer des Regimes auch bei Abu Fazels Cousin, der zum damaligen Zeitpunkt ebenfalls minderj\u00e4hrig gewesen ist. Er ging nach Syrien und k\u00e4mpfte unter der Flagge der \u201eLiwa Fatemiyoun\u201c, wie die afghanische Division auf Seiten Assads hei\u00dft. Offiziell ist die Aufgabe der Miliz die Verteidigung des Schreines von Zaynab im S\u00fcden von Damaskus. Zaynab war die Enkelin des islamischen Propheten Mohammad. Laut iranischen Staatsmedien k\u00e4mpfen mindestens 20.000 Afghanen in der Division.<\/p>\n\n\n\n

Im August 2014 entschloss sich auch Abu Fazel, nach Syrien zu gehen und zu k\u00e4mpfen. Im selben Monat wurde sein Cousin in der N\u00e4he von Aleppo im Kampf gegen syrische Rebellen get\u00f6tet.<\/p>\n\n\n\n

\u201eMein Cousin wurde dort get\u00f6tet. Auch andere Jungs aus unserer Gegend gingen nach Syrien und fielen dort. Lokale Zeitungen nannten sie \u201aM\u00e4rtyrer\u2018.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Lieber Flucht statt K\u00e4mpfer in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein solcher \u201eM\u00e4rtyrer\u201c wollte Abu Fazel allerdings nicht werden. Er floh eine Woche vor dem Beginn seiner dreimonatigen Kampfausbildung. Es war ihm lieber, ein Leben auf der Flucht zu verbringen, als in Syrien unschuldige Menschen f\u00fcr einen Diktator zu t\u00f6ten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch kam zu dem Schluss, dass ich nicht als M\u00f6rder weiterleben k\u00f6nnte. Stets dachte ich mir, dass selbst die schlimmsten Al-Qaida- oder IS-Terroristen Kinder haben k\u00f6nnten, die ihren Vater lieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Fazel verlor seinen eigenen Vater bereits sehr fr\u00fch. Er wurde Opfer des B\u00fcrgerkriegs in Afghanistan, der von 1989 bis 2001 tausende Menschen das Leben kostete. Auch der Iran mischte in der Zeit schon mit. Es ist allgemein bekannt, dass die schiitischen Hazara-Milizen, die den B\u00fcrgerkrieg ebenfalls mitanfachten, von der Regierung in Teheran unterst\u00fctzt wurden.<\/p>\n\n\n\n

Als Abu Fazel sich nun entschloss, aus der Gewaltspirale auszusteigen und nicht in Syrien zu k\u00e4mpfen, wuchs die Angst bei seiner Familie. Denn f\u00fcr die iranischen Beh\u00f6rden gilt: Hat man sich einmal gemeldet, gibt es kein zur\u00fcck. Man muss an die Front nach Syrien \u2013 oder wird zur\u00fcck nach Afghanistan abgeschoben, wo ebenfalls Krieg herrscht.<\/p>\n\n\n\n

Der einzige Ausweg f\u00fcr den jungen Afghanen war die Flucht. \u00dcber die T\u00fcrkei, Griechenland und die Balkranroute erreichte er mit gro\u00dfer M\u00fche Deutschland, wo er einen Asylantrag stellte.<\/p>\n\n\n\n

Erster Asylantrag in Deutschland abgelehnt<\/h2>\n\n\n\n

Als Grund nannte er seine Rekrutierung als Kindersoldat seitens des iranischen Regimes. Doch w\u00e4hrend diese Begr\u00fcndung in Abu Fazels Augen v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich war, sahen deutsche Beh\u00f6rden das anders. Sein erster Antrag wurde abgelehnt. Derzeit versucht er es ein zweites Mal. Die Bundesrepublik schiebt afghanische Gefl\u00fcchtete weiterhin ab.<\/p>\n\n\n\n

\"EinAbschiebung von Afghanen im Dezember 2016 mit einem Charterflug von Frankfurt nach Kabul. (dpa \/picture alliance \/ Boris Roessler)<\/p>\n\n\n\n

Die Verantwortlichen weisen in diesem Kontext immer wieder auf vermeintlich \u201esichere Gebiete\u201c im Land, die nicht n\u00e4her benannt werden.<\/p>\n\n\n\n

W\u00e4hrenddessen machen Menschenrechtsorganisationen regelm\u00e4\u00dfig darauf aufmerksam, dass keine Region am Hindukusch sicher ist. Stattdessen wird in manchen Gebieten nur weniger Krieg gef\u00fchrt als in anderen.<\/p>\n\n\n\n

\"SieDemonstranten protestieren in Frankfurt am Main gegen die Abschiebung von Afghanen. Auf einem der Transparente steht \u201eAfghanistan is not safe\u201c. (AFP \/ Daniel Roland)<\/p>\n\n\n\n

Alis Vater und Onkel k\u00e4mpfen in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein \u00e4hnliches Schicksal wie Abu Fazel erlitt der 18-j\u00e4hrige Ali (Namen ge\u00e4ndert). Auch er floh aus dem Iran nach Deutschland, um der Rekrutierung f\u00fcr Assads Milizen zu entgehen. Viele seiner afghanischen Freunde sind bereits nach Syrien gezogen \u2013 und kamen niemals zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Alis Familie, ebenfalls Angeh\u00f6rige der Hazara-Minderheit, stammt urspr\u00fcnglich aus der Provinz Ghor im Nordosten Afghanistans. Ihre Heimat verlie\u00dfen sie w\u00e4hrend der sowjetischen Besatzung in den 1980er-Jahren.<\/p>\n\n\n\n

Seit jeher lebt die Familie in der iranischen Gro\u00dfstadt Maschhad. Als der Krieg in Syrien ausbrach, erreichte sie ein Konflikt, mit dem sie nicht gerechnet hatten. Im Juli 2015 reiste Alis Vater nach Teheran. Er wollte einen Weg finden, um f\u00fcr seine Familie Aufenthaltspapiere zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Beh\u00f6rden sagten ihm, dass die Rekrutierung f\u00fcr den Krieg in Syrien eine M\u00f6glichkeit darstellen k\u00f6nnte, um Papiere f\u00fcr uns alle zu erhalten. Andernfalls w\u00fcrde man uns sehr bald nach Afghanistan abschieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Mittlerweile k\u00e4mpfen Alis Vater und sein Onkel seit \u00fcber einem Jahr in Syrien. Am Aufenthaltsstatus seiner Familienmitglieder hat sich bis heute allerdings nichts ge\u00e4ndert. F\u00fcr Ali ist klar, dass dies nur eine Falle gewesen ist, um noch mehr Afghanen als Kanonenfutter zu missbrauchen.<\/p>\n\n\n\n

Anfangs gab es Papiere f\u00fcr K\u00e4mpfer-Familien<\/h2>\n\n\n\n

Den Kontakt zu seinem Vater hat der Afghane mittlerweile verloren. W\u00e4hrenddessen schickt ihm sein Onkel, der in Aleppo stationiert ist, hin und wieder Bilder \u00fcber den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ali denkt, dass nur sehr wenige Afghanen der Propaganda der iranischen Regierung glauben und in Syrien f\u00fcr eine \u201egute Sache\u201c k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

Source<\/a><\/p>\n","post_title":"Warum Afghanen in Syrien f\u00fcr Assad k\u00e4mpfen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"warum-afghanen-in-syrien-fur-assad-kampfen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3709","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":9},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Die 1982 an \u00c4gypten zur\u00fcckgegebene Sinai-Halbinsel ausgenommen, dauert Israels Kontrolle \u00fcber jene Gebiete bis heute auf die ein oder andere Weise an. Spielt sie deshalb auch eine Rolle, wenn es um die Bewertung des politischen Systems Israels geht? Beck schreibt, dass \"die Errichtung der Besatzungsregime im Jahr 1967 zweifelsohne ein undemokratischer Akt [war]\", diese aber nicht zwangsl\u00e4ufig etwas am demokratischen Charakter des politischen Systems Israel \u00e4ndern w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n

Sehr wohl anrechnen lassen m\u00fcsse sich Israel aber die Situation auf den syrischen Golanh\u00f6hen und in Ostjerusalem, da diese mittlerweile ins israelische Staatsgebiet annektiert wurden. Beck schreibt:<\/p>\n\n\n\n

Die Annexion eines Territoriums durch einen Staat ohne Referendum, d.h. eine Abstimmung durch die betroffene Bev\u00f6lkerung, widerspricht demokratischen Prinzipien fundamental.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Wichtiger noch sei allerdings, dass viele von der Annexion betroffene Pal\u00e4stinenser bis heute nicht \u00fcber dieselben Rechte verf\u00fcgen wie ihre israelischen Nachbarn. Statt der israelischen Staatsb\u00fcrgerschaft tragen pal\u00e4stinensische Bewohner Ostjerusalems lediglich Identit\u00e4tskarten, die sie als st\u00e4ndige Bewohner der Stadt ausweisen.<\/p>\n\n\n\n

Damit sind sie in Israel zwar steuerpflichtig, haben Zugang zu Sozialleistungen und k\u00f6nnen sich innerhalb Israel frei bewegen, staatsb\u00fcrgerlichen Rechte, wie beispielsweise das aktive und passive Wahlrecht besitzen sie allerdings nicht. Als undemokratisch bewertet Beck deshalb das \"israelische Herrschaftsregime in Jerusalem\".<\/p>\n\n\n\n

Besatzung beenden oder dieselben staatsb\u00fcrgerlichen Rechte f\u00fcr Pal\u00e4stinenser<\/h3>\n\n\n\n

Ob auch die Situation im Westjordanland und Gazastreifen eine Rolle f\u00fcr die Bewertung des politischen Systems Israels spielt, entscheidet sich dem Spezialisten f\u00fcr politische Systeme im Nahen Osten<\/a> zufolge vor allem an einer Frage: Ist die Besetzung der Gebiete ein vor\u00fcbergehendes Ph\u00e4nomen oder auf Dauer angelegt?<\/p>\n\n\n\n

Nur im letzteren Fall m\u00fcsse man das Besatzungsregime als Teil des politischen Systems Israels bewerten, so Beck. F\u00fcr den anhaltenden Charakter spreche allein schon die schiere Dauer der Besatzung: So dauert die israelische Besatzung schon \u00fcber ein halbes Jahrhundert und damit dreimal so lange wie Israel in den Grenzen von 1949 bis 1967 existierte.<\/p>\n\n\n\n

Hinzu kommen weitere Indizien: Das Scheitern des Osloer Verhandlungsprozess in den 1990er Jahren und im ersten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts, der anhaltende Siedlungsprozess sowie die weitgehenden Einigkeit unter den gro\u00dfen politischen Parteien Israels - und dass gro\u00dfe Teile des Westjordanlands dauerhaft unter israelischer Kontrolle verbleiben sollen. Beck kommt zu dem Schluss:<\/p>\n\n\n\n

Alle Indizien verweisen also darauf, dass die israelische Herrschaft \u00fcber das Westjordanland auf Dauer angelegt ist. In einer Demokratie m\u00fcsste daher allen dort Wohnenden der uneingeschr\u00e4nkte Zugang zu den staatsb\u00fcrgerlichen Rechten des politischen Gemeinwesens gew\u00e4hrt werden. Dies ist aber nicht der Fall.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Zweifelsfrei war Israel lediglich f\u00fcr sechs Monate eine Demokratie<\/h3>\n\n\n\n

W\u00e4hrend an der israelischen Besatzung des Westjordanlands kein Zweifel besteht, \u00fcberrascht, dass Beck f\u00fcr den Gazastreifen zu einer \u00e4hnlichen Bewertung kommt. Schlie\u00dflich hat Israel seine Soldaten im Jahr 2007 aus dem K\u00fcstenstreifen abgezogen und j\u00fcdische Siedlungen aufgel\u00f6st.<\/p>\n\n\n\n

Beck argumentiert, dass Israel auch heute seine Kontrolle von Land, Luft und Wasser aufrechterh\u00e4lt und die Besatzungsherrschaft damit fortsetzt, ohne \"den dort lebenden Menschen irgendeine Form demokratischer Mitwirkungsrechte zu gew\u00e4hren\".<\/p>\n\n\n\n

Mit dieser Einsch\u00e4tzung ist Beck nicht allein. Auch die Vereinten Nationen<\/a> und der Internationale Strafgerichtshof<\/a> vertreten die Auffassung, dass die israelische Besatzung \u00fcber den Gazastreifen andauert.<\/p>\n\n\n\n

F\u00fcr die Gesamtbewertung des politischen Systems Israels hat diese Frage allerdings ohnehin keine entscheidende Bedeutung mehr. Denn Becks Fazit f\u00e4llt eindeutig aus: Zweifelsfrei um eine Demokratie gehandelt habe es sich bei Israel lediglich in einem kurzen sechsmonatigen Zeitraum zwischen der Abschaffung des Milit\u00e4rrechts f\u00fcr arabische Israelis im November 1966 und dem Beginn des Sechstagekrieges im Juni 1967.<\/p>\n\n\n\n

Sp\u00e4testens mit Beginn der Besatzungsherrschaft habe Israel seinen Charakter als Demokratie verloren. F\u00fcr heutige Debatten rund um Israel empfiehlt der Nahost-Professor deshalb auf das Demokratieargument besser zu verzichten.

der\u00a0Ursprung<\/a><\/p>\n","post_title":"Die einzige Demokratie im Nahen Osten?","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-einzige-demokratie-im-nahen-osten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3775","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3719,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:39:47","post_date_gmt":"2020-08-13 21:39:47","post_content":"\n

Jenni Zylka und Christoph Safferling im Gespr\u00e4ch mit Anke Schaefer<\/a>- Sie kommen aus Syrien und dem Irak nach Deutschland zur\u00fcck: Frauen, die sich dem sogenannten Islamischen Staat (IS) angeschlossen haben, mit Terroristen zusammenlebten. Soll man sie k\u00fcnftig h\u00e4rter bestrafen? Die Journalistin Jenni Zylka und der Jurist Christoph Safferling sehen das kritisch.<\/p>\n\n\n\n

Frauen, die sich dem IS angeschlossen, aber selbst nicht gek\u00e4mpft haben, sollen laut Generalbundesanwalt Peter Frank als Mitl\u00e4uferinnen h\u00e4rter bestraft werden k\u00f6nnen. Frank meint: \u201eWir sind der Meinung, dass sich  auch bei diesen Frauen die Mitgliedschaft in einer ausl\u00e4ndischen terroristischen Organisation bejahen l\u00e4sst, weil diese Frauen die innere Struktur des sogenannten Islamischen Staates und damit diese Terrororganisation von innen heraus st\u00e4rken.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Aber sind diese Frauen nicht eher Opfer? Weil sie Angst um ihre Kinder hatten, den Umgang mit der Waffe zur Selbstverteidigung gelernt haben? Jenni Zylka meint dazu:  \u00dcber eine Mitschuld solcher Frauen nachzudenken, sei nachvollziehbar und auch legitim. Jedoch m\u00fcsse sehr genau hingeschaut und jede dieser Frauen einzeln betrachtet werden. Man m\u00fcsse unterscheiden, ob Frauen mit IS-Terroristen zusammengelebt und f\u00fcr diese gesorgt h\u00e4tten oder ob sie selbst militant geworden seien. Viele von ihnen seien zudem traumatisiert durch die Erlebnisse in den IS-Lagern.<\/p>\n\n\n\n

\"DieDie Journalistin Jenni Zylka (Deutschlandradio \/ Andreas Buron)<\/p>\n\n\n\n

Nicht wie Schwerverbrecherinnen behandeln<\/h2>\n\n\n\n

Christoph Safferling, Professor f\u00fcr Strafrecht an der Universit\u00e4t Erlangen-N\u00fcrnberg, sagt, er halte die Argumentation des Generalbundesanwalts f\u00fcr problematisch. Es handle sich zun\u00e4chst einmal um allt\u00e4gliche Handlungen wie Kochen und Sorge um die Kinder. \u201eUnd die Frage ist: Wann sind solche neutralen Handlungen tats\u00e4chlich straftatunterst\u00fctzend.\u201c Ein Vorsatz, die terroristischen Strukturen zu unterst\u00fctzen, m\u00fcsse klar nachgewiesen werden.<\/p>\n\n\n\n

Vielmehr stelle sich die Frage, ob die Frauen nicht eher als Opfer betrachtet werden m\u00fcssten. Viele h\u00e4tten sich wie unter Zwang auf die Situation eingelassen \u2013 diese k\u00f6nne man strukturell durchaus mit den Bedingungen von Zwangsprostitution vergleichen. Viele der jungen Frauen seien auch unter Drogen gesetzt worden.<\/p>\n\n\n\n

Zugest\u00e4ndnis an Irak?<\/h2>\n\n\n\n

Eine m\u00f6gliche Erkl\u00e4rung der harten Linie der Generalbundesanwaltschaft \u00fcber die man nur spekulieren k\u00f6nne: \u201eIch kann mir auch vorstellen, dass, wenn es jetzt darum geht, Irak davon zu \u00fcberzeugen, die deutschen Staatsangeh\u00f6rigen, die dort einsitzen, auszuliefern, man ihnen gegen\u00fcber auch zu verstehen geben muss, dass die hier einer Strafverfolgung zugef\u00fchrt werden. Ansonsten w\u00fcrde der Irak sich vielleicht weigern, sie auszuliefern.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Safferling h\u00e4lt eine intensive Betreuung der zur\u00fcckgekehrten Frauen und M\u00e4dchen f\u00fcr unerl\u00e4sslich \u2013 man d\u00fcrfe sie keinesfalls alleine lassen und nicht wie Schwerverbrecherinnen behandeln. Es m\u00fcsse vielmehr verhindert werden, dass die jungen Frauen etwa in die Salafisten-Szene abtauchten.<\/p>\n","post_title":"Sie sind eher Opfer als Schwerverbrecherinnen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"sie-sind-eher-opfer-als-schwerverbrecherinnen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3719","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3709,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:30:50","post_date_gmt":"2020-08-13 21:30:50","post_content":"\n

Drei Millionen Afghanen sind ins Nachbarland Iran geflohen. Viele arbeiten schwarz. Die Aussicht auf einen festen Lohn plus Papiere f\u00fcr die Familie ist verlockend. Die Gegenleistung daf\u00fcr: K\u00e4mpfen in Syrien.<\/p>\n\n\n\n

Wenn Abu Fazel von den Gr\u00e4ueltaten des syrischen B\u00fcrgerkriegs h\u00f6rt, denkt er immer daran, dass er auch beinahe als K\u00e4mpfer auf diesem Schlachtfeld gelandet w\u00e4re. Doch Abu Fazel ist weder Syrer noch wollte er zum sogenannten \u201eIslamischen Staat\u201c. Der 18-J\u00e4hrige ist ein afghanischer Gefl\u00fcchteter, der zur Zeit in Leverkusen lebt.<\/p>\n\n\n\n

Den Gro\u00dfteil seines Lebens verbrachte er im Iran. Seine Familie ist dorthin gefl\u00fcchtet, als er ein Kind war. Doch als die iranische Regierung ihn nach Syrien schicken wollte, um auf der Seite von Machthaber Baschar al-Assad zu k\u00e4mpfen, entschloss er sich zu fliehen.<\/p>\n\n\n\n

\"Fl\u00fcchtlingeGefl\u00fcchtete aus dem Iran und Afghanistan an der Grenze zwischen Mazedonien und Griechenland. (picture alliance \/ dpa \/ Georgi Licovski)<\/p>\n\n\n\n

Tausende afghanische Jugendliche \u2013 die genaue Zahl ist nicht bekannt \u2013 wurden im Iran rekrutiert, um im Krieg in Syrien zu k\u00e4mpfen. Erst vor Kurzem berichtete die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, dass sie die Gr\u00e4ber von acht afghanischen Kindern, die in Syrien get\u00f6tet wurden, identifiziert hat. Laut der Organisation rekrutiert der Iran regelm\u00e4\u00dfig minderj\u00e4hrige K\u00e4mpfer, um sie nach Syrien zu schicken. Unter afghanischen Gefl\u00fcchteten ist diese Praxis schon l\u00e4nger bekannt.<\/p>\n\n\n\n

Rassismus gegen Afghanen im Iran<\/h2>\n\n\n\n

Fast drei Millionen Gefl\u00fcchtete aus Afghanistan sind inzwischen im Iran. Die meisten von ihnen leben in der Illegalit\u00e4t und werden als Schwarzarbeiter, etwa am Bau, ausgebeutet. Rassismus und Ausgrenzung geh\u00f6ren zu ihrem gesellschaftlichen Alltag. Kinder sind davon nicht ausgeschlossen. Im Gegenteil: Vielen afghanischen Kinderm ist es nicht erlaubt, staatliche Schulen zu besuchen. Abu Fazel wurde Zeit seines Lebens von dieser Diskrimierung beeinflusst und verfolgt.<\/p>\n\n\n\n

\u201e'Afghane\u2018 \u2013 das ist dort ein Schimpfwort. Ich h\u00f6rte es von klein auf immer wieder. Der Rassismus gegen Afghanen ist dort v\u00f6llig normal. Meine Herkunft, auf der ich eigentlich stolz war, ist im Iran stets eine Last gewesen. Wir sind dort B\u00fcrger zweiter Klasse.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung der afghanischen Gefl\u00fcchteten ist f\u00fcr Abu Fazel die Spitze jenes Rassismus, den er erlebt hat.<\/p>\n\n\n\n

Iran: Syrien vor sunnitischen Extremisten verteidigen<\/h2>\n\n\n\n

In Syrien k\u00e4mpfen neben den afghanischen Milizen auch andere paramilit\u00e4rische Gruppierungen im Auftrag des Irans: etwa die ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigten Revolutionsgarden, die einst Ayatollah Ruhollah Khomeini pers\u00f6nlich ins Leben rief oder die Basidsch-Milizen. Beiden Gruppierungen sind nicht nur in Syrien aktiv, sondern auch im Irak.<\/p>\n\n\n\n

Obowhl sich das syrische Regime von Baschar al-Assad als s\u00e4kular ausweist, wird es vom Iran, der sich als Repr\u00e4sentant aller muslimischen Schiiten betrachtet, unterst\u00fctzt. Gemeinsames Ziel in Syrien ist es: Schiiten vor sunnitische Extremisten zu verteidigen. Dennoch ist das Regime darauf bedacht, m\u00f6glichst wenig eigene K\u00e4mpfer nach Syrien zu schicken. \u00c4hnlich wie einst w\u00e4hrend des Krieges gegen Saddam Husseins Irak, setzt der Iran auf ausl\u00e4ndische K\u00e4mpfer.<\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung war wie eine Gehirnw\u00e4sche<\/h2>\n\n\n\n

Abu Fazels Familie geh\u00f6rt zur afghanischen Minderheit der schiitischen Hazara \u2013 wie viele Afghanen, die in den Iran gekommen sind. Mittlerweile k\u00e4mpfen Tausende von ihnen in Syrien. Der Iran bezahlt die Afghanen mit einem Sold von wenigen hundert Dollar pro Monat und verspricht ihren Familien eine Aufenthaltsgenehmigung oder eine Arbeitserlaubnis.<\/p>\n\n\n\n

An der Rekrutierung der Afghanen sind sowohl die Revolutionsgarden als auch die erw\u00e4hnten Basidsch-Milizen beteiligt. Abu Fazel beschreibt, wie das Viertel, in dem er gemeinsam mit seiner Familie in Teheran lebte, regelm\u00e4\u00dfig von den K\u00e4mpfern aufgesucht wurde. Viele afghanische Gefl\u00fcchtete lebten dort \u2013 und fielen auf die Gehirnw\u00e4sche der Rattenf\u00e4nger herein.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie trafen junge M\u00e4nner und Jugendliche in den Moscheen und \u00fcberredeten sie, gegen den IS oder Al Qaida zu k\u00e4mpfen. Die Gehirnw\u00e4sche war perfekt. Am Ende merkten viele, darunter auch ich, nicht einmal, dass wir in ihre Propaganda getappt waren. Ihre \u00dcberredungskunst war wirklich sehr speziell. Am Ende hat man Lust, nach Syrien zu gehen, um zu k\u00e4mpfen\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Erfolg hatten die Rekrutierer des Regimes auch bei Abu Fazels Cousin, der zum damaligen Zeitpunkt ebenfalls minderj\u00e4hrig gewesen ist. Er ging nach Syrien und k\u00e4mpfte unter der Flagge der \u201eLiwa Fatemiyoun\u201c, wie die afghanische Division auf Seiten Assads hei\u00dft. Offiziell ist die Aufgabe der Miliz die Verteidigung des Schreines von Zaynab im S\u00fcden von Damaskus. Zaynab war die Enkelin des islamischen Propheten Mohammad. Laut iranischen Staatsmedien k\u00e4mpfen mindestens 20.000 Afghanen in der Division.<\/p>\n\n\n\n

Im August 2014 entschloss sich auch Abu Fazel, nach Syrien zu gehen und zu k\u00e4mpfen. Im selben Monat wurde sein Cousin in der N\u00e4he von Aleppo im Kampf gegen syrische Rebellen get\u00f6tet.<\/p>\n\n\n\n

\u201eMein Cousin wurde dort get\u00f6tet. Auch andere Jungs aus unserer Gegend gingen nach Syrien und fielen dort. Lokale Zeitungen nannten sie \u201aM\u00e4rtyrer\u2018.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Lieber Flucht statt K\u00e4mpfer in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein solcher \u201eM\u00e4rtyrer\u201c wollte Abu Fazel allerdings nicht werden. Er floh eine Woche vor dem Beginn seiner dreimonatigen Kampfausbildung. Es war ihm lieber, ein Leben auf der Flucht zu verbringen, als in Syrien unschuldige Menschen f\u00fcr einen Diktator zu t\u00f6ten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch kam zu dem Schluss, dass ich nicht als M\u00f6rder weiterleben k\u00f6nnte. Stets dachte ich mir, dass selbst die schlimmsten Al-Qaida- oder IS-Terroristen Kinder haben k\u00f6nnten, die ihren Vater lieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Fazel verlor seinen eigenen Vater bereits sehr fr\u00fch. Er wurde Opfer des B\u00fcrgerkriegs in Afghanistan, der von 1989 bis 2001 tausende Menschen das Leben kostete. Auch der Iran mischte in der Zeit schon mit. Es ist allgemein bekannt, dass die schiitischen Hazara-Milizen, die den B\u00fcrgerkrieg ebenfalls mitanfachten, von der Regierung in Teheran unterst\u00fctzt wurden.<\/p>\n\n\n\n

Als Abu Fazel sich nun entschloss, aus der Gewaltspirale auszusteigen und nicht in Syrien zu k\u00e4mpfen, wuchs die Angst bei seiner Familie. Denn f\u00fcr die iranischen Beh\u00f6rden gilt: Hat man sich einmal gemeldet, gibt es kein zur\u00fcck. Man muss an die Front nach Syrien \u2013 oder wird zur\u00fcck nach Afghanistan abgeschoben, wo ebenfalls Krieg herrscht.<\/p>\n\n\n\n

Der einzige Ausweg f\u00fcr den jungen Afghanen war die Flucht. \u00dcber die T\u00fcrkei, Griechenland und die Balkranroute erreichte er mit gro\u00dfer M\u00fche Deutschland, wo er einen Asylantrag stellte.<\/p>\n\n\n\n

Erster Asylantrag in Deutschland abgelehnt<\/h2>\n\n\n\n

Als Grund nannte er seine Rekrutierung als Kindersoldat seitens des iranischen Regimes. Doch w\u00e4hrend diese Begr\u00fcndung in Abu Fazels Augen v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich war, sahen deutsche Beh\u00f6rden das anders. Sein erster Antrag wurde abgelehnt. Derzeit versucht er es ein zweites Mal. Die Bundesrepublik schiebt afghanische Gefl\u00fcchtete weiterhin ab.<\/p>\n\n\n\n

\"EinAbschiebung von Afghanen im Dezember 2016 mit einem Charterflug von Frankfurt nach Kabul. (dpa \/picture alliance \/ Boris Roessler)<\/p>\n\n\n\n

Die Verantwortlichen weisen in diesem Kontext immer wieder auf vermeintlich \u201esichere Gebiete\u201c im Land, die nicht n\u00e4her benannt werden.<\/p>\n\n\n\n

W\u00e4hrenddessen machen Menschenrechtsorganisationen regelm\u00e4\u00dfig darauf aufmerksam, dass keine Region am Hindukusch sicher ist. Stattdessen wird in manchen Gebieten nur weniger Krieg gef\u00fchrt als in anderen.<\/p>\n\n\n\n

\"SieDemonstranten protestieren in Frankfurt am Main gegen die Abschiebung von Afghanen. Auf einem der Transparente steht \u201eAfghanistan is not safe\u201c. (AFP \/ Daniel Roland)<\/p>\n\n\n\n

Alis Vater und Onkel k\u00e4mpfen in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein \u00e4hnliches Schicksal wie Abu Fazel erlitt der 18-j\u00e4hrige Ali (Namen ge\u00e4ndert). Auch er floh aus dem Iran nach Deutschland, um der Rekrutierung f\u00fcr Assads Milizen zu entgehen. Viele seiner afghanischen Freunde sind bereits nach Syrien gezogen \u2013 und kamen niemals zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Alis Familie, ebenfalls Angeh\u00f6rige der Hazara-Minderheit, stammt urspr\u00fcnglich aus der Provinz Ghor im Nordosten Afghanistans. Ihre Heimat verlie\u00dfen sie w\u00e4hrend der sowjetischen Besatzung in den 1980er-Jahren.<\/p>\n\n\n\n

Seit jeher lebt die Familie in der iranischen Gro\u00dfstadt Maschhad. Als der Krieg in Syrien ausbrach, erreichte sie ein Konflikt, mit dem sie nicht gerechnet hatten. Im Juli 2015 reiste Alis Vater nach Teheran. Er wollte einen Weg finden, um f\u00fcr seine Familie Aufenthaltspapiere zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Beh\u00f6rden sagten ihm, dass die Rekrutierung f\u00fcr den Krieg in Syrien eine M\u00f6glichkeit darstellen k\u00f6nnte, um Papiere f\u00fcr uns alle zu erhalten. Andernfalls w\u00fcrde man uns sehr bald nach Afghanistan abschieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Mittlerweile k\u00e4mpfen Alis Vater und sein Onkel seit \u00fcber einem Jahr in Syrien. Am Aufenthaltsstatus seiner Familienmitglieder hat sich bis heute allerdings nichts ge\u00e4ndert. F\u00fcr Ali ist klar, dass dies nur eine Falle gewesen ist, um noch mehr Afghanen als Kanonenfutter zu missbrauchen.<\/p>\n\n\n\n

Anfangs gab es Papiere f\u00fcr K\u00e4mpfer-Familien<\/h2>\n\n\n\n

Den Kontakt zu seinem Vater hat der Afghane mittlerweile verloren. W\u00e4hrenddessen schickt ihm sein Onkel, der in Aleppo stationiert ist, hin und wieder Bilder \u00fcber den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ali denkt, dass nur sehr wenige Afghanen der Propaganda der iranischen Regierung glauben und in Syrien f\u00fcr eine \u201egute Sache\u201c k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

Source<\/a><\/p>\n","post_title":"Warum Afghanen in Syrien f\u00fcr Assad k\u00e4mpfen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"warum-afghanen-in-syrien-fur-assad-kampfen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3709","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":9},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Nur wenige Monate folgte allerdings ein Ereignis, dass Israels Bewertung als demokratischen Staat abermals in Zweifel zieht. Im Zuge des Sechstagekrieges besetzte Israel im Juni 1967 die \u00e4gyptische Sinai-Halbinsel, den Gazastreifen, das zuvor von Jordanien kontrollierte Westjordanland und Ostjerusalem sowie die syrischen Golanh\u00f6hen.<\/p>\n\n\n\n

Die 1982 an \u00c4gypten zur\u00fcckgegebene Sinai-Halbinsel ausgenommen, dauert Israels Kontrolle \u00fcber jene Gebiete bis heute auf die ein oder andere Weise an. Spielt sie deshalb auch eine Rolle, wenn es um die Bewertung des politischen Systems Israels geht? Beck schreibt, dass \"die Errichtung der Besatzungsregime im Jahr 1967 zweifelsohne ein undemokratischer Akt [war]\", diese aber nicht zwangsl\u00e4ufig etwas am demokratischen Charakter des politischen Systems Israel \u00e4ndern w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n

Sehr wohl anrechnen lassen m\u00fcsse sich Israel aber die Situation auf den syrischen Golanh\u00f6hen und in Ostjerusalem, da diese mittlerweile ins israelische Staatsgebiet annektiert wurden. Beck schreibt:<\/p>\n\n\n\n

Die Annexion eines Territoriums durch einen Staat ohne Referendum, d.h. eine Abstimmung durch die betroffene Bev\u00f6lkerung, widerspricht demokratischen Prinzipien fundamental.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Wichtiger noch sei allerdings, dass viele von der Annexion betroffene Pal\u00e4stinenser bis heute nicht \u00fcber dieselben Rechte verf\u00fcgen wie ihre israelischen Nachbarn. Statt der israelischen Staatsb\u00fcrgerschaft tragen pal\u00e4stinensische Bewohner Ostjerusalems lediglich Identit\u00e4tskarten, die sie als st\u00e4ndige Bewohner der Stadt ausweisen.<\/p>\n\n\n\n

Damit sind sie in Israel zwar steuerpflichtig, haben Zugang zu Sozialleistungen und k\u00f6nnen sich innerhalb Israel frei bewegen, staatsb\u00fcrgerlichen Rechte, wie beispielsweise das aktive und passive Wahlrecht besitzen sie allerdings nicht. Als undemokratisch bewertet Beck deshalb das \"israelische Herrschaftsregime in Jerusalem\".<\/p>\n\n\n\n

Besatzung beenden oder dieselben staatsb\u00fcrgerlichen Rechte f\u00fcr Pal\u00e4stinenser<\/h3>\n\n\n\n

Ob auch die Situation im Westjordanland und Gazastreifen eine Rolle f\u00fcr die Bewertung des politischen Systems Israels spielt, entscheidet sich dem Spezialisten f\u00fcr politische Systeme im Nahen Osten<\/a> zufolge vor allem an einer Frage: Ist die Besetzung der Gebiete ein vor\u00fcbergehendes Ph\u00e4nomen oder auf Dauer angelegt?<\/p>\n\n\n\n

Nur im letzteren Fall m\u00fcsse man das Besatzungsregime als Teil des politischen Systems Israels bewerten, so Beck. F\u00fcr den anhaltenden Charakter spreche allein schon die schiere Dauer der Besatzung: So dauert die israelische Besatzung schon \u00fcber ein halbes Jahrhundert und damit dreimal so lange wie Israel in den Grenzen von 1949 bis 1967 existierte.<\/p>\n\n\n\n

Hinzu kommen weitere Indizien: Das Scheitern des Osloer Verhandlungsprozess in den 1990er Jahren und im ersten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts, der anhaltende Siedlungsprozess sowie die weitgehenden Einigkeit unter den gro\u00dfen politischen Parteien Israels - und dass gro\u00dfe Teile des Westjordanlands dauerhaft unter israelischer Kontrolle verbleiben sollen. Beck kommt zu dem Schluss:<\/p>\n\n\n\n

Alle Indizien verweisen also darauf, dass die israelische Herrschaft \u00fcber das Westjordanland auf Dauer angelegt ist. In einer Demokratie m\u00fcsste daher allen dort Wohnenden der uneingeschr\u00e4nkte Zugang zu den staatsb\u00fcrgerlichen Rechten des politischen Gemeinwesens gew\u00e4hrt werden. Dies ist aber nicht der Fall.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Zweifelsfrei war Israel lediglich f\u00fcr sechs Monate eine Demokratie<\/h3>\n\n\n\n

W\u00e4hrend an der israelischen Besatzung des Westjordanlands kein Zweifel besteht, \u00fcberrascht, dass Beck f\u00fcr den Gazastreifen zu einer \u00e4hnlichen Bewertung kommt. Schlie\u00dflich hat Israel seine Soldaten im Jahr 2007 aus dem K\u00fcstenstreifen abgezogen und j\u00fcdische Siedlungen aufgel\u00f6st.<\/p>\n\n\n\n

Beck argumentiert, dass Israel auch heute seine Kontrolle von Land, Luft und Wasser aufrechterh\u00e4lt und die Besatzungsherrschaft damit fortsetzt, ohne \"den dort lebenden Menschen irgendeine Form demokratischer Mitwirkungsrechte zu gew\u00e4hren\".<\/p>\n\n\n\n

Mit dieser Einsch\u00e4tzung ist Beck nicht allein. Auch die Vereinten Nationen<\/a> und der Internationale Strafgerichtshof<\/a> vertreten die Auffassung, dass die israelische Besatzung \u00fcber den Gazastreifen andauert.<\/p>\n\n\n\n

F\u00fcr die Gesamtbewertung des politischen Systems Israels hat diese Frage allerdings ohnehin keine entscheidende Bedeutung mehr. Denn Becks Fazit f\u00e4llt eindeutig aus: Zweifelsfrei um eine Demokratie gehandelt habe es sich bei Israel lediglich in einem kurzen sechsmonatigen Zeitraum zwischen der Abschaffung des Milit\u00e4rrechts f\u00fcr arabische Israelis im November 1966 und dem Beginn des Sechstagekrieges im Juni 1967.<\/p>\n\n\n\n

Sp\u00e4testens mit Beginn der Besatzungsherrschaft habe Israel seinen Charakter als Demokratie verloren. F\u00fcr heutige Debatten rund um Israel empfiehlt der Nahost-Professor deshalb auf das Demokratieargument besser zu verzichten.

der\u00a0Ursprung<\/a><\/p>\n","post_title":"Die einzige Demokratie im Nahen Osten?","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-einzige-demokratie-im-nahen-osten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3775","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3719,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:39:47","post_date_gmt":"2020-08-13 21:39:47","post_content":"\n

Jenni Zylka und Christoph Safferling im Gespr\u00e4ch mit Anke Schaefer<\/a>- Sie kommen aus Syrien und dem Irak nach Deutschland zur\u00fcck: Frauen, die sich dem sogenannten Islamischen Staat (IS) angeschlossen haben, mit Terroristen zusammenlebten. Soll man sie k\u00fcnftig h\u00e4rter bestrafen? Die Journalistin Jenni Zylka und der Jurist Christoph Safferling sehen das kritisch.<\/p>\n\n\n\n

Frauen, die sich dem IS angeschlossen, aber selbst nicht gek\u00e4mpft haben, sollen laut Generalbundesanwalt Peter Frank als Mitl\u00e4uferinnen h\u00e4rter bestraft werden k\u00f6nnen. Frank meint: \u201eWir sind der Meinung, dass sich  auch bei diesen Frauen die Mitgliedschaft in einer ausl\u00e4ndischen terroristischen Organisation bejahen l\u00e4sst, weil diese Frauen die innere Struktur des sogenannten Islamischen Staates und damit diese Terrororganisation von innen heraus st\u00e4rken.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Aber sind diese Frauen nicht eher Opfer? Weil sie Angst um ihre Kinder hatten, den Umgang mit der Waffe zur Selbstverteidigung gelernt haben? Jenni Zylka meint dazu:  \u00dcber eine Mitschuld solcher Frauen nachzudenken, sei nachvollziehbar und auch legitim. Jedoch m\u00fcsse sehr genau hingeschaut und jede dieser Frauen einzeln betrachtet werden. Man m\u00fcsse unterscheiden, ob Frauen mit IS-Terroristen zusammengelebt und f\u00fcr diese gesorgt h\u00e4tten oder ob sie selbst militant geworden seien. Viele von ihnen seien zudem traumatisiert durch die Erlebnisse in den IS-Lagern.<\/p>\n\n\n\n

\"DieDie Journalistin Jenni Zylka (Deutschlandradio \/ Andreas Buron)<\/p>\n\n\n\n

Nicht wie Schwerverbrecherinnen behandeln<\/h2>\n\n\n\n

Christoph Safferling, Professor f\u00fcr Strafrecht an der Universit\u00e4t Erlangen-N\u00fcrnberg, sagt, er halte die Argumentation des Generalbundesanwalts f\u00fcr problematisch. Es handle sich zun\u00e4chst einmal um allt\u00e4gliche Handlungen wie Kochen und Sorge um die Kinder. \u201eUnd die Frage ist: Wann sind solche neutralen Handlungen tats\u00e4chlich straftatunterst\u00fctzend.\u201c Ein Vorsatz, die terroristischen Strukturen zu unterst\u00fctzen, m\u00fcsse klar nachgewiesen werden.<\/p>\n\n\n\n

Vielmehr stelle sich die Frage, ob die Frauen nicht eher als Opfer betrachtet werden m\u00fcssten. Viele h\u00e4tten sich wie unter Zwang auf die Situation eingelassen \u2013 diese k\u00f6nne man strukturell durchaus mit den Bedingungen von Zwangsprostitution vergleichen. Viele der jungen Frauen seien auch unter Drogen gesetzt worden.<\/p>\n\n\n\n

Zugest\u00e4ndnis an Irak?<\/h2>\n\n\n\n

Eine m\u00f6gliche Erkl\u00e4rung der harten Linie der Generalbundesanwaltschaft \u00fcber die man nur spekulieren k\u00f6nne: \u201eIch kann mir auch vorstellen, dass, wenn es jetzt darum geht, Irak davon zu \u00fcberzeugen, die deutschen Staatsangeh\u00f6rigen, die dort einsitzen, auszuliefern, man ihnen gegen\u00fcber auch zu verstehen geben muss, dass die hier einer Strafverfolgung zugef\u00fchrt werden. Ansonsten w\u00fcrde der Irak sich vielleicht weigern, sie auszuliefern.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Safferling h\u00e4lt eine intensive Betreuung der zur\u00fcckgekehrten Frauen und M\u00e4dchen f\u00fcr unerl\u00e4sslich \u2013 man d\u00fcrfe sie keinesfalls alleine lassen und nicht wie Schwerverbrecherinnen behandeln. Es m\u00fcsse vielmehr verhindert werden, dass die jungen Frauen etwa in die Salafisten-Szene abtauchten.<\/p>\n","post_title":"Sie sind eher Opfer als Schwerverbrecherinnen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"sie-sind-eher-opfer-als-schwerverbrecherinnen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3719","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3709,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:30:50","post_date_gmt":"2020-08-13 21:30:50","post_content":"\n

Drei Millionen Afghanen sind ins Nachbarland Iran geflohen. Viele arbeiten schwarz. Die Aussicht auf einen festen Lohn plus Papiere f\u00fcr die Familie ist verlockend. Die Gegenleistung daf\u00fcr: K\u00e4mpfen in Syrien.<\/p>\n\n\n\n

Wenn Abu Fazel von den Gr\u00e4ueltaten des syrischen B\u00fcrgerkriegs h\u00f6rt, denkt er immer daran, dass er auch beinahe als K\u00e4mpfer auf diesem Schlachtfeld gelandet w\u00e4re. Doch Abu Fazel ist weder Syrer noch wollte er zum sogenannten \u201eIslamischen Staat\u201c. Der 18-J\u00e4hrige ist ein afghanischer Gefl\u00fcchteter, der zur Zeit in Leverkusen lebt.<\/p>\n\n\n\n

Den Gro\u00dfteil seines Lebens verbrachte er im Iran. Seine Familie ist dorthin gefl\u00fcchtet, als er ein Kind war. Doch als die iranische Regierung ihn nach Syrien schicken wollte, um auf der Seite von Machthaber Baschar al-Assad zu k\u00e4mpfen, entschloss er sich zu fliehen.<\/p>\n\n\n\n

\"Fl\u00fcchtlingeGefl\u00fcchtete aus dem Iran und Afghanistan an der Grenze zwischen Mazedonien und Griechenland. (picture alliance \/ dpa \/ Georgi Licovski)<\/p>\n\n\n\n

Tausende afghanische Jugendliche \u2013 die genaue Zahl ist nicht bekannt \u2013 wurden im Iran rekrutiert, um im Krieg in Syrien zu k\u00e4mpfen. Erst vor Kurzem berichtete die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, dass sie die Gr\u00e4ber von acht afghanischen Kindern, die in Syrien get\u00f6tet wurden, identifiziert hat. Laut der Organisation rekrutiert der Iran regelm\u00e4\u00dfig minderj\u00e4hrige K\u00e4mpfer, um sie nach Syrien zu schicken. Unter afghanischen Gefl\u00fcchteten ist diese Praxis schon l\u00e4nger bekannt.<\/p>\n\n\n\n

Rassismus gegen Afghanen im Iran<\/h2>\n\n\n\n

Fast drei Millionen Gefl\u00fcchtete aus Afghanistan sind inzwischen im Iran. Die meisten von ihnen leben in der Illegalit\u00e4t und werden als Schwarzarbeiter, etwa am Bau, ausgebeutet. Rassismus und Ausgrenzung geh\u00f6ren zu ihrem gesellschaftlichen Alltag. Kinder sind davon nicht ausgeschlossen. Im Gegenteil: Vielen afghanischen Kinderm ist es nicht erlaubt, staatliche Schulen zu besuchen. Abu Fazel wurde Zeit seines Lebens von dieser Diskrimierung beeinflusst und verfolgt.<\/p>\n\n\n\n

\u201e'Afghane\u2018 \u2013 das ist dort ein Schimpfwort. Ich h\u00f6rte es von klein auf immer wieder. Der Rassismus gegen Afghanen ist dort v\u00f6llig normal. Meine Herkunft, auf der ich eigentlich stolz war, ist im Iran stets eine Last gewesen. Wir sind dort B\u00fcrger zweiter Klasse.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung der afghanischen Gefl\u00fcchteten ist f\u00fcr Abu Fazel die Spitze jenes Rassismus, den er erlebt hat.<\/p>\n\n\n\n

Iran: Syrien vor sunnitischen Extremisten verteidigen<\/h2>\n\n\n\n

In Syrien k\u00e4mpfen neben den afghanischen Milizen auch andere paramilit\u00e4rische Gruppierungen im Auftrag des Irans: etwa die ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigten Revolutionsgarden, die einst Ayatollah Ruhollah Khomeini pers\u00f6nlich ins Leben rief oder die Basidsch-Milizen. Beiden Gruppierungen sind nicht nur in Syrien aktiv, sondern auch im Irak.<\/p>\n\n\n\n

Obowhl sich das syrische Regime von Baschar al-Assad als s\u00e4kular ausweist, wird es vom Iran, der sich als Repr\u00e4sentant aller muslimischen Schiiten betrachtet, unterst\u00fctzt. Gemeinsames Ziel in Syrien ist es: Schiiten vor sunnitische Extremisten zu verteidigen. Dennoch ist das Regime darauf bedacht, m\u00f6glichst wenig eigene K\u00e4mpfer nach Syrien zu schicken. \u00c4hnlich wie einst w\u00e4hrend des Krieges gegen Saddam Husseins Irak, setzt der Iran auf ausl\u00e4ndische K\u00e4mpfer.<\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung war wie eine Gehirnw\u00e4sche<\/h2>\n\n\n\n

Abu Fazels Familie geh\u00f6rt zur afghanischen Minderheit der schiitischen Hazara \u2013 wie viele Afghanen, die in den Iran gekommen sind. Mittlerweile k\u00e4mpfen Tausende von ihnen in Syrien. Der Iran bezahlt die Afghanen mit einem Sold von wenigen hundert Dollar pro Monat und verspricht ihren Familien eine Aufenthaltsgenehmigung oder eine Arbeitserlaubnis.<\/p>\n\n\n\n

An der Rekrutierung der Afghanen sind sowohl die Revolutionsgarden als auch die erw\u00e4hnten Basidsch-Milizen beteiligt. Abu Fazel beschreibt, wie das Viertel, in dem er gemeinsam mit seiner Familie in Teheran lebte, regelm\u00e4\u00dfig von den K\u00e4mpfern aufgesucht wurde. Viele afghanische Gefl\u00fcchtete lebten dort \u2013 und fielen auf die Gehirnw\u00e4sche der Rattenf\u00e4nger herein.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie trafen junge M\u00e4nner und Jugendliche in den Moscheen und \u00fcberredeten sie, gegen den IS oder Al Qaida zu k\u00e4mpfen. Die Gehirnw\u00e4sche war perfekt. Am Ende merkten viele, darunter auch ich, nicht einmal, dass wir in ihre Propaganda getappt waren. Ihre \u00dcberredungskunst war wirklich sehr speziell. Am Ende hat man Lust, nach Syrien zu gehen, um zu k\u00e4mpfen\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Erfolg hatten die Rekrutierer des Regimes auch bei Abu Fazels Cousin, der zum damaligen Zeitpunkt ebenfalls minderj\u00e4hrig gewesen ist. Er ging nach Syrien und k\u00e4mpfte unter der Flagge der \u201eLiwa Fatemiyoun\u201c, wie die afghanische Division auf Seiten Assads hei\u00dft. Offiziell ist die Aufgabe der Miliz die Verteidigung des Schreines von Zaynab im S\u00fcden von Damaskus. Zaynab war die Enkelin des islamischen Propheten Mohammad. Laut iranischen Staatsmedien k\u00e4mpfen mindestens 20.000 Afghanen in der Division.<\/p>\n\n\n\n

Im August 2014 entschloss sich auch Abu Fazel, nach Syrien zu gehen und zu k\u00e4mpfen. Im selben Monat wurde sein Cousin in der N\u00e4he von Aleppo im Kampf gegen syrische Rebellen get\u00f6tet.<\/p>\n\n\n\n

\u201eMein Cousin wurde dort get\u00f6tet. Auch andere Jungs aus unserer Gegend gingen nach Syrien und fielen dort. Lokale Zeitungen nannten sie \u201aM\u00e4rtyrer\u2018.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Lieber Flucht statt K\u00e4mpfer in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein solcher \u201eM\u00e4rtyrer\u201c wollte Abu Fazel allerdings nicht werden. Er floh eine Woche vor dem Beginn seiner dreimonatigen Kampfausbildung. Es war ihm lieber, ein Leben auf der Flucht zu verbringen, als in Syrien unschuldige Menschen f\u00fcr einen Diktator zu t\u00f6ten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch kam zu dem Schluss, dass ich nicht als M\u00f6rder weiterleben k\u00f6nnte. Stets dachte ich mir, dass selbst die schlimmsten Al-Qaida- oder IS-Terroristen Kinder haben k\u00f6nnten, die ihren Vater lieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Fazel verlor seinen eigenen Vater bereits sehr fr\u00fch. Er wurde Opfer des B\u00fcrgerkriegs in Afghanistan, der von 1989 bis 2001 tausende Menschen das Leben kostete. Auch der Iran mischte in der Zeit schon mit. Es ist allgemein bekannt, dass die schiitischen Hazara-Milizen, die den B\u00fcrgerkrieg ebenfalls mitanfachten, von der Regierung in Teheran unterst\u00fctzt wurden.<\/p>\n\n\n\n

Als Abu Fazel sich nun entschloss, aus der Gewaltspirale auszusteigen und nicht in Syrien zu k\u00e4mpfen, wuchs die Angst bei seiner Familie. Denn f\u00fcr die iranischen Beh\u00f6rden gilt: Hat man sich einmal gemeldet, gibt es kein zur\u00fcck. Man muss an die Front nach Syrien \u2013 oder wird zur\u00fcck nach Afghanistan abgeschoben, wo ebenfalls Krieg herrscht.<\/p>\n\n\n\n

Der einzige Ausweg f\u00fcr den jungen Afghanen war die Flucht. \u00dcber die T\u00fcrkei, Griechenland und die Balkranroute erreichte er mit gro\u00dfer M\u00fche Deutschland, wo er einen Asylantrag stellte.<\/p>\n\n\n\n

Erster Asylantrag in Deutschland abgelehnt<\/h2>\n\n\n\n

Als Grund nannte er seine Rekrutierung als Kindersoldat seitens des iranischen Regimes. Doch w\u00e4hrend diese Begr\u00fcndung in Abu Fazels Augen v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich war, sahen deutsche Beh\u00f6rden das anders. Sein erster Antrag wurde abgelehnt. Derzeit versucht er es ein zweites Mal. Die Bundesrepublik schiebt afghanische Gefl\u00fcchtete weiterhin ab.<\/p>\n\n\n\n

\"EinAbschiebung von Afghanen im Dezember 2016 mit einem Charterflug von Frankfurt nach Kabul. (dpa \/picture alliance \/ Boris Roessler)<\/p>\n\n\n\n

Die Verantwortlichen weisen in diesem Kontext immer wieder auf vermeintlich \u201esichere Gebiete\u201c im Land, die nicht n\u00e4her benannt werden.<\/p>\n\n\n\n

W\u00e4hrenddessen machen Menschenrechtsorganisationen regelm\u00e4\u00dfig darauf aufmerksam, dass keine Region am Hindukusch sicher ist. Stattdessen wird in manchen Gebieten nur weniger Krieg gef\u00fchrt als in anderen.<\/p>\n\n\n\n

\"SieDemonstranten protestieren in Frankfurt am Main gegen die Abschiebung von Afghanen. Auf einem der Transparente steht \u201eAfghanistan is not safe\u201c. (AFP \/ Daniel Roland)<\/p>\n\n\n\n

Alis Vater und Onkel k\u00e4mpfen in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein \u00e4hnliches Schicksal wie Abu Fazel erlitt der 18-j\u00e4hrige Ali (Namen ge\u00e4ndert). Auch er floh aus dem Iran nach Deutschland, um der Rekrutierung f\u00fcr Assads Milizen zu entgehen. Viele seiner afghanischen Freunde sind bereits nach Syrien gezogen \u2013 und kamen niemals zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Alis Familie, ebenfalls Angeh\u00f6rige der Hazara-Minderheit, stammt urspr\u00fcnglich aus der Provinz Ghor im Nordosten Afghanistans. Ihre Heimat verlie\u00dfen sie w\u00e4hrend der sowjetischen Besatzung in den 1980er-Jahren.<\/p>\n\n\n\n

Seit jeher lebt die Familie in der iranischen Gro\u00dfstadt Maschhad. Als der Krieg in Syrien ausbrach, erreichte sie ein Konflikt, mit dem sie nicht gerechnet hatten. Im Juli 2015 reiste Alis Vater nach Teheran. Er wollte einen Weg finden, um f\u00fcr seine Familie Aufenthaltspapiere zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Beh\u00f6rden sagten ihm, dass die Rekrutierung f\u00fcr den Krieg in Syrien eine M\u00f6glichkeit darstellen k\u00f6nnte, um Papiere f\u00fcr uns alle zu erhalten. Andernfalls w\u00fcrde man uns sehr bald nach Afghanistan abschieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Mittlerweile k\u00e4mpfen Alis Vater und sein Onkel seit \u00fcber einem Jahr in Syrien. Am Aufenthaltsstatus seiner Familienmitglieder hat sich bis heute allerdings nichts ge\u00e4ndert. F\u00fcr Ali ist klar, dass dies nur eine Falle gewesen ist, um noch mehr Afghanen als Kanonenfutter zu missbrauchen.<\/p>\n\n\n\n

Anfangs gab es Papiere f\u00fcr K\u00e4mpfer-Familien<\/h2>\n\n\n\n

Den Kontakt zu seinem Vater hat der Afghane mittlerweile verloren. W\u00e4hrenddessen schickt ihm sein Onkel, der in Aleppo stationiert ist, hin und wieder Bilder \u00fcber den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ali denkt, dass nur sehr wenige Afghanen der Propaganda der iranischen Regierung glauben und in Syrien f\u00fcr eine \u201egute Sache\u201c k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

Source<\/a><\/p>\n","post_title":"Warum Afghanen in Syrien f\u00fcr Assad k\u00e4mpfen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"warum-afghanen-in-syrien-fur-assad-kampfen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3709","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":9},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Macht die Besatzung Israel zu einem undemokratischen Staat?<\/h3>\n\n\n\n

Nur wenige Monate folgte allerdings ein Ereignis, dass Israels Bewertung als demokratischen Staat abermals in Zweifel zieht. Im Zuge des Sechstagekrieges besetzte Israel im Juni 1967 die \u00e4gyptische Sinai-Halbinsel, den Gazastreifen, das zuvor von Jordanien kontrollierte Westjordanland und Ostjerusalem sowie die syrischen Golanh\u00f6hen.<\/p>\n\n\n\n

Die 1982 an \u00c4gypten zur\u00fcckgegebene Sinai-Halbinsel ausgenommen, dauert Israels Kontrolle \u00fcber jene Gebiete bis heute auf die ein oder andere Weise an. Spielt sie deshalb auch eine Rolle, wenn es um die Bewertung des politischen Systems Israels geht? Beck schreibt, dass \"die Errichtung der Besatzungsregime im Jahr 1967 zweifelsohne ein undemokratischer Akt [war]\", diese aber nicht zwangsl\u00e4ufig etwas am demokratischen Charakter des politischen Systems Israel \u00e4ndern w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n

Sehr wohl anrechnen lassen m\u00fcsse sich Israel aber die Situation auf den syrischen Golanh\u00f6hen und in Ostjerusalem, da diese mittlerweile ins israelische Staatsgebiet annektiert wurden. Beck schreibt:<\/p>\n\n\n\n

Die Annexion eines Territoriums durch einen Staat ohne Referendum, d.h. eine Abstimmung durch die betroffene Bev\u00f6lkerung, widerspricht demokratischen Prinzipien fundamental.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Wichtiger noch sei allerdings, dass viele von der Annexion betroffene Pal\u00e4stinenser bis heute nicht \u00fcber dieselben Rechte verf\u00fcgen wie ihre israelischen Nachbarn. Statt der israelischen Staatsb\u00fcrgerschaft tragen pal\u00e4stinensische Bewohner Ostjerusalems lediglich Identit\u00e4tskarten, die sie als st\u00e4ndige Bewohner der Stadt ausweisen.<\/p>\n\n\n\n

Damit sind sie in Israel zwar steuerpflichtig, haben Zugang zu Sozialleistungen und k\u00f6nnen sich innerhalb Israel frei bewegen, staatsb\u00fcrgerlichen Rechte, wie beispielsweise das aktive und passive Wahlrecht besitzen sie allerdings nicht. Als undemokratisch bewertet Beck deshalb das \"israelische Herrschaftsregime in Jerusalem\".<\/p>\n\n\n\n

Besatzung beenden oder dieselben staatsb\u00fcrgerlichen Rechte f\u00fcr Pal\u00e4stinenser<\/h3>\n\n\n\n

Ob auch die Situation im Westjordanland und Gazastreifen eine Rolle f\u00fcr die Bewertung des politischen Systems Israels spielt, entscheidet sich dem Spezialisten f\u00fcr politische Systeme im Nahen Osten<\/a> zufolge vor allem an einer Frage: Ist die Besetzung der Gebiete ein vor\u00fcbergehendes Ph\u00e4nomen oder auf Dauer angelegt?<\/p>\n\n\n\n

Nur im letzteren Fall m\u00fcsse man das Besatzungsregime als Teil des politischen Systems Israels bewerten, so Beck. F\u00fcr den anhaltenden Charakter spreche allein schon die schiere Dauer der Besatzung: So dauert die israelische Besatzung schon \u00fcber ein halbes Jahrhundert und damit dreimal so lange wie Israel in den Grenzen von 1949 bis 1967 existierte.<\/p>\n\n\n\n

Hinzu kommen weitere Indizien: Das Scheitern des Osloer Verhandlungsprozess in den 1990er Jahren und im ersten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts, der anhaltende Siedlungsprozess sowie die weitgehenden Einigkeit unter den gro\u00dfen politischen Parteien Israels - und dass gro\u00dfe Teile des Westjordanlands dauerhaft unter israelischer Kontrolle verbleiben sollen. Beck kommt zu dem Schluss:<\/p>\n\n\n\n

Alle Indizien verweisen also darauf, dass die israelische Herrschaft \u00fcber das Westjordanland auf Dauer angelegt ist. In einer Demokratie m\u00fcsste daher allen dort Wohnenden der uneingeschr\u00e4nkte Zugang zu den staatsb\u00fcrgerlichen Rechten des politischen Gemeinwesens gew\u00e4hrt werden. Dies ist aber nicht der Fall.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Zweifelsfrei war Israel lediglich f\u00fcr sechs Monate eine Demokratie<\/h3>\n\n\n\n

W\u00e4hrend an der israelischen Besatzung des Westjordanlands kein Zweifel besteht, \u00fcberrascht, dass Beck f\u00fcr den Gazastreifen zu einer \u00e4hnlichen Bewertung kommt. Schlie\u00dflich hat Israel seine Soldaten im Jahr 2007 aus dem K\u00fcstenstreifen abgezogen und j\u00fcdische Siedlungen aufgel\u00f6st.<\/p>\n\n\n\n

Beck argumentiert, dass Israel auch heute seine Kontrolle von Land, Luft und Wasser aufrechterh\u00e4lt und die Besatzungsherrschaft damit fortsetzt, ohne \"den dort lebenden Menschen irgendeine Form demokratischer Mitwirkungsrechte zu gew\u00e4hren\".<\/p>\n\n\n\n

Mit dieser Einsch\u00e4tzung ist Beck nicht allein. Auch die Vereinten Nationen<\/a> und der Internationale Strafgerichtshof<\/a> vertreten die Auffassung, dass die israelische Besatzung \u00fcber den Gazastreifen andauert.<\/p>\n\n\n\n

F\u00fcr die Gesamtbewertung des politischen Systems Israels hat diese Frage allerdings ohnehin keine entscheidende Bedeutung mehr. Denn Becks Fazit f\u00e4llt eindeutig aus: Zweifelsfrei um eine Demokratie gehandelt habe es sich bei Israel lediglich in einem kurzen sechsmonatigen Zeitraum zwischen der Abschaffung des Milit\u00e4rrechts f\u00fcr arabische Israelis im November 1966 und dem Beginn des Sechstagekrieges im Juni 1967.<\/p>\n\n\n\n

Sp\u00e4testens mit Beginn der Besatzungsherrschaft habe Israel seinen Charakter als Demokratie verloren. F\u00fcr heutige Debatten rund um Israel empfiehlt der Nahost-Professor deshalb auf das Demokratieargument besser zu verzichten.

der\u00a0Ursprung<\/a><\/p>\n","post_title":"Die einzige Demokratie im Nahen Osten?","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-einzige-demokratie-im-nahen-osten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3775","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3719,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:39:47","post_date_gmt":"2020-08-13 21:39:47","post_content":"\n

Jenni Zylka und Christoph Safferling im Gespr\u00e4ch mit Anke Schaefer<\/a>- Sie kommen aus Syrien und dem Irak nach Deutschland zur\u00fcck: Frauen, die sich dem sogenannten Islamischen Staat (IS) angeschlossen haben, mit Terroristen zusammenlebten. Soll man sie k\u00fcnftig h\u00e4rter bestrafen? Die Journalistin Jenni Zylka und der Jurist Christoph Safferling sehen das kritisch.<\/p>\n\n\n\n

Frauen, die sich dem IS angeschlossen, aber selbst nicht gek\u00e4mpft haben, sollen laut Generalbundesanwalt Peter Frank als Mitl\u00e4uferinnen h\u00e4rter bestraft werden k\u00f6nnen. Frank meint: \u201eWir sind der Meinung, dass sich  auch bei diesen Frauen die Mitgliedschaft in einer ausl\u00e4ndischen terroristischen Organisation bejahen l\u00e4sst, weil diese Frauen die innere Struktur des sogenannten Islamischen Staates und damit diese Terrororganisation von innen heraus st\u00e4rken.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Aber sind diese Frauen nicht eher Opfer? Weil sie Angst um ihre Kinder hatten, den Umgang mit der Waffe zur Selbstverteidigung gelernt haben? Jenni Zylka meint dazu:  \u00dcber eine Mitschuld solcher Frauen nachzudenken, sei nachvollziehbar und auch legitim. Jedoch m\u00fcsse sehr genau hingeschaut und jede dieser Frauen einzeln betrachtet werden. Man m\u00fcsse unterscheiden, ob Frauen mit IS-Terroristen zusammengelebt und f\u00fcr diese gesorgt h\u00e4tten oder ob sie selbst militant geworden seien. Viele von ihnen seien zudem traumatisiert durch die Erlebnisse in den IS-Lagern.<\/p>\n\n\n\n

\"DieDie Journalistin Jenni Zylka (Deutschlandradio \/ Andreas Buron)<\/p>\n\n\n\n

Nicht wie Schwerverbrecherinnen behandeln<\/h2>\n\n\n\n

Christoph Safferling, Professor f\u00fcr Strafrecht an der Universit\u00e4t Erlangen-N\u00fcrnberg, sagt, er halte die Argumentation des Generalbundesanwalts f\u00fcr problematisch. Es handle sich zun\u00e4chst einmal um allt\u00e4gliche Handlungen wie Kochen und Sorge um die Kinder. \u201eUnd die Frage ist: Wann sind solche neutralen Handlungen tats\u00e4chlich straftatunterst\u00fctzend.\u201c Ein Vorsatz, die terroristischen Strukturen zu unterst\u00fctzen, m\u00fcsse klar nachgewiesen werden.<\/p>\n\n\n\n

Vielmehr stelle sich die Frage, ob die Frauen nicht eher als Opfer betrachtet werden m\u00fcssten. Viele h\u00e4tten sich wie unter Zwang auf die Situation eingelassen \u2013 diese k\u00f6nne man strukturell durchaus mit den Bedingungen von Zwangsprostitution vergleichen. Viele der jungen Frauen seien auch unter Drogen gesetzt worden.<\/p>\n\n\n\n

Zugest\u00e4ndnis an Irak?<\/h2>\n\n\n\n

Eine m\u00f6gliche Erkl\u00e4rung der harten Linie der Generalbundesanwaltschaft \u00fcber die man nur spekulieren k\u00f6nne: \u201eIch kann mir auch vorstellen, dass, wenn es jetzt darum geht, Irak davon zu \u00fcberzeugen, die deutschen Staatsangeh\u00f6rigen, die dort einsitzen, auszuliefern, man ihnen gegen\u00fcber auch zu verstehen geben muss, dass die hier einer Strafverfolgung zugef\u00fchrt werden. Ansonsten w\u00fcrde der Irak sich vielleicht weigern, sie auszuliefern.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Safferling h\u00e4lt eine intensive Betreuung der zur\u00fcckgekehrten Frauen und M\u00e4dchen f\u00fcr unerl\u00e4sslich \u2013 man d\u00fcrfe sie keinesfalls alleine lassen und nicht wie Schwerverbrecherinnen behandeln. Es m\u00fcsse vielmehr verhindert werden, dass die jungen Frauen etwa in die Salafisten-Szene abtauchten.<\/p>\n","post_title":"Sie sind eher Opfer als Schwerverbrecherinnen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"sie-sind-eher-opfer-als-schwerverbrecherinnen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3719","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3709,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:30:50","post_date_gmt":"2020-08-13 21:30:50","post_content":"\n

Drei Millionen Afghanen sind ins Nachbarland Iran geflohen. Viele arbeiten schwarz. Die Aussicht auf einen festen Lohn plus Papiere f\u00fcr die Familie ist verlockend. Die Gegenleistung daf\u00fcr: K\u00e4mpfen in Syrien.<\/p>\n\n\n\n

Wenn Abu Fazel von den Gr\u00e4ueltaten des syrischen B\u00fcrgerkriegs h\u00f6rt, denkt er immer daran, dass er auch beinahe als K\u00e4mpfer auf diesem Schlachtfeld gelandet w\u00e4re. Doch Abu Fazel ist weder Syrer noch wollte er zum sogenannten \u201eIslamischen Staat\u201c. Der 18-J\u00e4hrige ist ein afghanischer Gefl\u00fcchteter, der zur Zeit in Leverkusen lebt.<\/p>\n\n\n\n

Den Gro\u00dfteil seines Lebens verbrachte er im Iran. Seine Familie ist dorthin gefl\u00fcchtet, als er ein Kind war. Doch als die iranische Regierung ihn nach Syrien schicken wollte, um auf der Seite von Machthaber Baschar al-Assad zu k\u00e4mpfen, entschloss er sich zu fliehen.<\/p>\n\n\n\n

\"Fl\u00fcchtlingeGefl\u00fcchtete aus dem Iran und Afghanistan an der Grenze zwischen Mazedonien und Griechenland. (picture alliance \/ dpa \/ Georgi Licovski)<\/p>\n\n\n\n

Tausende afghanische Jugendliche \u2013 die genaue Zahl ist nicht bekannt \u2013 wurden im Iran rekrutiert, um im Krieg in Syrien zu k\u00e4mpfen. Erst vor Kurzem berichtete die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, dass sie die Gr\u00e4ber von acht afghanischen Kindern, die in Syrien get\u00f6tet wurden, identifiziert hat. Laut der Organisation rekrutiert der Iran regelm\u00e4\u00dfig minderj\u00e4hrige K\u00e4mpfer, um sie nach Syrien zu schicken. Unter afghanischen Gefl\u00fcchteten ist diese Praxis schon l\u00e4nger bekannt.<\/p>\n\n\n\n

Rassismus gegen Afghanen im Iran<\/h2>\n\n\n\n

Fast drei Millionen Gefl\u00fcchtete aus Afghanistan sind inzwischen im Iran. Die meisten von ihnen leben in der Illegalit\u00e4t und werden als Schwarzarbeiter, etwa am Bau, ausgebeutet. Rassismus und Ausgrenzung geh\u00f6ren zu ihrem gesellschaftlichen Alltag. Kinder sind davon nicht ausgeschlossen. Im Gegenteil: Vielen afghanischen Kinderm ist es nicht erlaubt, staatliche Schulen zu besuchen. Abu Fazel wurde Zeit seines Lebens von dieser Diskrimierung beeinflusst und verfolgt.<\/p>\n\n\n\n

\u201e'Afghane\u2018 \u2013 das ist dort ein Schimpfwort. Ich h\u00f6rte es von klein auf immer wieder. Der Rassismus gegen Afghanen ist dort v\u00f6llig normal. Meine Herkunft, auf der ich eigentlich stolz war, ist im Iran stets eine Last gewesen. Wir sind dort B\u00fcrger zweiter Klasse.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung der afghanischen Gefl\u00fcchteten ist f\u00fcr Abu Fazel die Spitze jenes Rassismus, den er erlebt hat.<\/p>\n\n\n\n

Iran: Syrien vor sunnitischen Extremisten verteidigen<\/h2>\n\n\n\n

In Syrien k\u00e4mpfen neben den afghanischen Milizen auch andere paramilit\u00e4rische Gruppierungen im Auftrag des Irans: etwa die ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigten Revolutionsgarden, die einst Ayatollah Ruhollah Khomeini pers\u00f6nlich ins Leben rief oder die Basidsch-Milizen. Beiden Gruppierungen sind nicht nur in Syrien aktiv, sondern auch im Irak.<\/p>\n\n\n\n

Obowhl sich das syrische Regime von Baschar al-Assad als s\u00e4kular ausweist, wird es vom Iran, der sich als Repr\u00e4sentant aller muslimischen Schiiten betrachtet, unterst\u00fctzt. Gemeinsames Ziel in Syrien ist es: Schiiten vor sunnitische Extremisten zu verteidigen. Dennoch ist das Regime darauf bedacht, m\u00f6glichst wenig eigene K\u00e4mpfer nach Syrien zu schicken. \u00c4hnlich wie einst w\u00e4hrend des Krieges gegen Saddam Husseins Irak, setzt der Iran auf ausl\u00e4ndische K\u00e4mpfer.<\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung war wie eine Gehirnw\u00e4sche<\/h2>\n\n\n\n

Abu Fazels Familie geh\u00f6rt zur afghanischen Minderheit der schiitischen Hazara \u2013 wie viele Afghanen, die in den Iran gekommen sind. Mittlerweile k\u00e4mpfen Tausende von ihnen in Syrien. Der Iran bezahlt die Afghanen mit einem Sold von wenigen hundert Dollar pro Monat und verspricht ihren Familien eine Aufenthaltsgenehmigung oder eine Arbeitserlaubnis.<\/p>\n\n\n\n

An der Rekrutierung der Afghanen sind sowohl die Revolutionsgarden als auch die erw\u00e4hnten Basidsch-Milizen beteiligt. Abu Fazel beschreibt, wie das Viertel, in dem er gemeinsam mit seiner Familie in Teheran lebte, regelm\u00e4\u00dfig von den K\u00e4mpfern aufgesucht wurde. Viele afghanische Gefl\u00fcchtete lebten dort \u2013 und fielen auf die Gehirnw\u00e4sche der Rattenf\u00e4nger herein.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie trafen junge M\u00e4nner und Jugendliche in den Moscheen und \u00fcberredeten sie, gegen den IS oder Al Qaida zu k\u00e4mpfen. Die Gehirnw\u00e4sche war perfekt. Am Ende merkten viele, darunter auch ich, nicht einmal, dass wir in ihre Propaganda getappt waren. Ihre \u00dcberredungskunst war wirklich sehr speziell. Am Ende hat man Lust, nach Syrien zu gehen, um zu k\u00e4mpfen\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Erfolg hatten die Rekrutierer des Regimes auch bei Abu Fazels Cousin, der zum damaligen Zeitpunkt ebenfalls minderj\u00e4hrig gewesen ist. Er ging nach Syrien und k\u00e4mpfte unter der Flagge der \u201eLiwa Fatemiyoun\u201c, wie die afghanische Division auf Seiten Assads hei\u00dft. Offiziell ist die Aufgabe der Miliz die Verteidigung des Schreines von Zaynab im S\u00fcden von Damaskus. Zaynab war die Enkelin des islamischen Propheten Mohammad. Laut iranischen Staatsmedien k\u00e4mpfen mindestens 20.000 Afghanen in der Division.<\/p>\n\n\n\n

Im August 2014 entschloss sich auch Abu Fazel, nach Syrien zu gehen und zu k\u00e4mpfen. Im selben Monat wurde sein Cousin in der N\u00e4he von Aleppo im Kampf gegen syrische Rebellen get\u00f6tet.<\/p>\n\n\n\n

\u201eMein Cousin wurde dort get\u00f6tet. Auch andere Jungs aus unserer Gegend gingen nach Syrien und fielen dort. Lokale Zeitungen nannten sie \u201aM\u00e4rtyrer\u2018.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Lieber Flucht statt K\u00e4mpfer in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein solcher \u201eM\u00e4rtyrer\u201c wollte Abu Fazel allerdings nicht werden. Er floh eine Woche vor dem Beginn seiner dreimonatigen Kampfausbildung. Es war ihm lieber, ein Leben auf der Flucht zu verbringen, als in Syrien unschuldige Menschen f\u00fcr einen Diktator zu t\u00f6ten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch kam zu dem Schluss, dass ich nicht als M\u00f6rder weiterleben k\u00f6nnte. Stets dachte ich mir, dass selbst die schlimmsten Al-Qaida- oder IS-Terroristen Kinder haben k\u00f6nnten, die ihren Vater lieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Fazel verlor seinen eigenen Vater bereits sehr fr\u00fch. Er wurde Opfer des B\u00fcrgerkriegs in Afghanistan, der von 1989 bis 2001 tausende Menschen das Leben kostete. Auch der Iran mischte in der Zeit schon mit. Es ist allgemein bekannt, dass die schiitischen Hazara-Milizen, die den B\u00fcrgerkrieg ebenfalls mitanfachten, von der Regierung in Teheran unterst\u00fctzt wurden.<\/p>\n\n\n\n

Als Abu Fazel sich nun entschloss, aus der Gewaltspirale auszusteigen und nicht in Syrien zu k\u00e4mpfen, wuchs die Angst bei seiner Familie. Denn f\u00fcr die iranischen Beh\u00f6rden gilt: Hat man sich einmal gemeldet, gibt es kein zur\u00fcck. Man muss an die Front nach Syrien \u2013 oder wird zur\u00fcck nach Afghanistan abgeschoben, wo ebenfalls Krieg herrscht.<\/p>\n\n\n\n

Der einzige Ausweg f\u00fcr den jungen Afghanen war die Flucht. \u00dcber die T\u00fcrkei, Griechenland und die Balkranroute erreichte er mit gro\u00dfer M\u00fche Deutschland, wo er einen Asylantrag stellte.<\/p>\n\n\n\n

Erster Asylantrag in Deutschland abgelehnt<\/h2>\n\n\n\n

Als Grund nannte er seine Rekrutierung als Kindersoldat seitens des iranischen Regimes. Doch w\u00e4hrend diese Begr\u00fcndung in Abu Fazels Augen v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich war, sahen deutsche Beh\u00f6rden das anders. Sein erster Antrag wurde abgelehnt. Derzeit versucht er es ein zweites Mal. Die Bundesrepublik schiebt afghanische Gefl\u00fcchtete weiterhin ab.<\/p>\n\n\n\n

\"EinAbschiebung von Afghanen im Dezember 2016 mit einem Charterflug von Frankfurt nach Kabul. (dpa \/picture alliance \/ Boris Roessler)<\/p>\n\n\n\n

Die Verantwortlichen weisen in diesem Kontext immer wieder auf vermeintlich \u201esichere Gebiete\u201c im Land, die nicht n\u00e4her benannt werden.<\/p>\n\n\n\n

W\u00e4hrenddessen machen Menschenrechtsorganisationen regelm\u00e4\u00dfig darauf aufmerksam, dass keine Region am Hindukusch sicher ist. Stattdessen wird in manchen Gebieten nur weniger Krieg gef\u00fchrt als in anderen.<\/p>\n\n\n\n

\"SieDemonstranten protestieren in Frankfurt am Main gegen die Abschiebung von Afghanen. Auf einem der Transparente steht \u201eAfghanistan is not safe\u201c. (AFP \/ Daniel Roland)<\/p>\n\n\n\n

Alis Vater und Onkel k\u00e4mpfen in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein \u00e4hnliches Schicksal wie Abu Fazel erlitt der 18-j\u00e4hrige Ali (Namen ge\u00e4ndert). Auch er floh aus dem Iran nach Deutschland, um der Rekrutierung f\u00fcr Assads Milizen zu entgehen. Viele seiner afghanischen Freunde sind bereits nach Syrien gezogen \u2013 und kamen niemals zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Alis Familie, ebenfalls Angeh\u00f6rige der Hazara-Minderheit, stammt urspr\u00fcnglich aus der Provinz Ghor im Nordosten Afghanistans. Ihre Heimat verlie\u00dfen sie w\u00e4hrend der sowjetischen Besatzung in den 1980er-Jahren.<\/p>\n\n\n\n

Seit jeher lebt die Familie in der iranischen Gro\u00dfstadt Maschhad. Als der Krieg in Syrien ausbrach, erreichte sie ein Konflikt, mit dem sie nicht gerechnet hatten. Im Juli 2015 reiste Alis Vater nach Teheran. Er wollte einen Weg finden, um f\u00fcr seine Familie Aufenthaltspapiere zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Beh\u00f6rden sagten ihm, dass die Rekrutierung f\u00fcr den Krieg in Syrien eine M\u00f6glichkeit darstellen k\u00f6nnte, um Papiere f\u00fcr uns alle zu erhalten. Andernfalls w\u00fcrde man uns sehr bald nach Afghanistan abschieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Mittlerweile k\u00e4mpfen Alis Vater und sein Onkel seit \u00fcber einem Jahr in Syrien. Am Aufenthaltsstatus seiner Familienmitglieder hat sich bis heute allerdings nichts ge\u00e4ndert. F\u00fcr Ali ist klar, dass dies nur eine Falle gewesen ist, um noch mehr Afghanen als Kanonenfutter zu missbrauchen.<\/p>\n\n\n\n

Anfangs gab es Papiere f\u00fcr K\u00e4mpfer-Familien<\/h2>\n\n\n\n

Den Kontakt zu seinem Vater hat der Afghane mittlerweile verloren. W\u00e4hrenddessen schickt ihm sein Onkel, der in Aleppo stationiert ist, hin und wieder Bilder \u00fcber den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ali denkt, dass nur sehr wenige Afghanen der Propaganda der iranischen Regierung glauben und in Syrien f\u00fcr eine \u201egute Sache\u201c k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

Source<\/a><\/p>\n","post_title":"Warum Afghanen in Syrien f\u00fcr Assad k\u00e4mpfen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"warum-afghanen-in-syrien-fur-assad-kampfen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3709","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":9},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Allerdings liefert er dazu eine gro\u00dfe zeitliche Einschr\u00e4nkung: So lebten in den ersten Jahren gro\u00dfe Teile der arabischen Bev\u00f6lkerung Israels unter Milit\u00e4rverwaltung und genossen nicht dieselben staatsb\u00fcrgerlichen Rechte wie der Rest der Bev\u00f6lkerung. Aufgehoben wurde das Milit\u00e4rrecht f\u00fcr arabische Israelis erst am 8. November 1966. Um einen demokratischen Staat k\u00f6nne es sich also fr\u00fchestens ab diesem Zeitpunkt handeln.<\/p>\n\n\n\n

Macht die Besatzung Israel zu einem undemokratischen Staat?<\/h3>\n\n\n\n

Nur wenige Monate folgte allerdings ein Ereignis, dass Israels Bewertung als demokratischen Staat abermals in Zweifel zieht. Im Zuge des Sechstagekrieges besetzte Israel im Juni 1967 die \u00e4gyptische Sinai-Halbinsel, den Gazastreifen, das zuvor von Jordanien kontrollierte Westjordanland und Ostjerusalem sowie die syrischen Golanh\u00f6hen.<\/p>\n\n\n\n

Die 1982 an \u00c4gypten zur\u00fcckgegebene Sinai-Halbinsel ausgenommen, dauert Israels Kontrolle \u00fcber jene Gebiete bis heute auf die ein oder andere Weise an. Spielt sie deshalb auch eine Rolle, wenn es um die Bewertung des politischen Systems Israels geht? Beck schreibt, dass \"die Errichtung der Besatzungsregime im Jahr 1967 zweifelsohne ein undemokratischer Akt [war]\", diese aber nicht zwangsl\u00e4ufig etwas am demokratischen Charakter des politischen Systems Israel \u00e4ndern w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n

Sehr wohl anrechnen lassen m\u00fcsse sich Israel aber die Situation auf den syrischen Golanh\u00f6hen und in Ostjerusalem, da diese mittlerweile ins israelische Staatsgebiet annektiert wurden. Beck schreibt:<\/p>\n\n\n\n

Die Annexion eines Territoriums durch einen Staat ohne Referendum, d.h. eine Abstimmung durch die betroffene Bev\u00f6lkerung, widerspricht demokratischen Prinzipien fundamental.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Wichtiger noch sei allerdings, dass viele von der Annexion betroffene Pal\u00e4stinenser bis heute nicht \u00fcber dieselben Rechte verf\u00fcgen wie ihre israelischen Nachbarn. Statt der israelischen Staatsb\u00fcrgerschaft tragen pal\u00e4stinensische Bewohner Ostjerusalems lediglich Identit\u00e4tskarten, die sie als st\u00e4ndige Bewohner der Stadt ausweisen.<\/p>\n\n\n\n

Damit sind sie in Israel zwar steuerpflichtig, haben Zugang zu Sozialleistungen und k\u00f6nnen sich innerhalb Israel frei bewegen, staatsb\u00fcrgerlichen Rechte, wie beispielsweise das aktive und passive Wahlrecht besitzen sie allerdings nicht. Als undemokratisch bewertet Beck deshalb das \"israelische Herrschaftsregime in Jerusalem\".<\/p>\n\n\n\n

Besatzung beenden oder dieselben staatsb\u00fcrgerlichen Rechte f\u00fcr Pal\u00e4stinenser<\/h3>\n\n\n\n

Ob auch die Situation im Westjordanland und Gazastreifen eine Rolle f\u00fcr die Bewertung des politischen Systems Israels spielt, entscheidet sich dem Spezialisten f\u00fcr politische Systeme im Nahen Osten<\/a> zufolge vor allem an einer Frage: Ist die Besetzung der Gebiete ein vor\u00fcbergehendes Ph\u00e4nomen oder auf Dauer angelegt?<\/p>\n\n\n\n

Nur im letzteren Fall m\u00fcsse man das Besatzungsregime als Teil des politischen Systems Israels bewerten, so Beck. F\u00fcr den anhaltenden Charakter spreche allein schon die schiere Dauer der Besatzung: So dauert die israelische Besatzung schon \u00fcber ein halbes Jahrhundert und damit dreimal so lange wie Israel in den Grenzen von 1949 bis 1967 existierte.<\/p>\n\n\n\n

Hinzu kommen weitere Indizien: Das Scheitern des Osloer Verhandlungsprozess in den 1990er Jahren und im ersten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts, der anhaltende Siedlungsprozess sowie die weitgehenden Einigkeit unter den gro\u00dfen politischen Parteien Israels - und dass gro\u00dfe Teile des Westjordanlands dauerhaft unter israelischer Kontrolle verbleiben sollen. Beck kommt zu dem Schluss:<\/p>\n\n\n\n

Alle Indizien verweisen also darauf, dass die israelische Herrschaft \u00fcber das Westjordanland auf Dauer angelegt ist. In einer Demokratie m\u00fcsste daher allen dort Wohnenden der uneingeschr\u00e4nkte Zugang zu den staatsb\u00fcrgerlichen Rechten des politischen Gemeinwesens gew\u00e4hrt werden. Dies ist aber nicht der Fall.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Zweifelsfrei war Israel lediglich f\u00fcr sechs Monate eine Demokratie<\/h3>\n\n\n\n

W\u00e4hrend an der israelischen Besatzung des Westjordanlands kein Zweifel besteht, \u00fcberrascht, dass Beck f\u00fcr den Gazastreifen zu einer \u00e4hnlichen Bewertung kommt. Schlie\u00dflich hat Israel seine Soldaten im Jahr 2007 aus dem K\u00fcstenstreifen abgezogen und j\u00fcdische Siedlungen aufgel\u00f6st.<\/p>\n\n\n\n

Beck argumentiert, dass Israel auch heute seine Kontrolle von Land, Luft und Wasser aufrechterh\u00e4lt und die Besatzungsherrschaft damit fortsetzt, ohne \"den dort lebenden Menschen irgendeine Form demokratischer Mitwirkungsrechte zu gew\u00e4hren\".<\/p>\n\n\n\n

Mit dieser Einsch\u00e4tzung ist Beck nicht allein. Auch die Vereinten Nationen<\/a> und der Internationale Strafgerichtshof<\/a> vertreten die Auffassung, dass die israelische Besatzung \u00fcber den Gazastreifen andauert.<\/p>\n\n\n\n

F\u00fcr die Gesamtbewertung des politischen Systems Israels hat diese Frage allerdings ohnehin keine entscheidende Bedeutung mehr. Denn Becks Fazit f\u00e4llt eindeutig aus: Zweifelsfrei um eine Demokratie gehandelt habe es sich bei Israel lediglich in einem kurzen sechsmonatigen Zeitraum zwischen der Abschaffung des Milit\u00e4rrechts f\u00fcr arabische Israelis im November 1966 und dem Beginn des Sechstagekrieges im Juni 1967.<\/p>\n\n\n\n

Sp\u00e4testens mit Beginn der Besatzungsherrschaft habe Israel seinen Charakter als Demokratie verloren. F\u00fcr heutige Debatten rund um Israel empfiehlt der Nahost-Professor deshalb auf das Demokratieargument besser zu verzichten.

der\u00a0Ursprung<\/a><\/p>\n","post_title":"Die einzige Demokratie im Nahen Osten?","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-einzige-demokratie-im-nahen-osten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3775","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3719,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:39:47","post_date_gmt":"2020-08-13 21:39:47","post_content":"\n

Jenni Zylka und Christoph Safferling im Gespr\u00e4ch mit Anke Schaefer<\/a>- Sie kommen aus Syrien und dem Irak nach Deutschland zur\u00fcck: Frauen, die sich dem sogenannten Islamischen Staat (IS) angeschlossen haben, mit Terroristen zusammenlebten. Soll man sie k\u00fcnftig h\u00e4rter bestrafen? Die Journalistin Jenni Zylka und der Jurist Christoph Safferling sehen das kritisch.<\/p>\n\n\n\n

Frauen, die sich dem IS angeschlossen, aber selbst nicht gek\u00e4mpft haben, sollen laut Generalbundesanwalt Peter Frank als Mitl\u00e4uferinnen h\u00e4rter bestraft werden k\u00f6nnen. Frank meint: \u201eWir sind der Meinung, dass sich  auch bei diesen Frauen die Mitgliedschaft in einer ausl\u00e4ndischen terroristischen Organisation bejahen l\u00e4sst, weil diese Frauen die innere Struktur des sogenannten Islamischen Staates und damit diese Terrororganisation von innen heraus st\u00e4rken.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Aber sind diese Frauen nicht eher Opfer? Weil sie Angst um ihre Kinder hatten, den Umgang mit der Waffe zur Selbstverteidigung gelernt haben? Jenni Zylka meint dazu:  \u00dcber eine Mitschuld solcher Frauen nachzudenken, sei nachvollziehbar und auch legitim. Jedoch m\u00fcsse sehr genau hingeschaut und jede dieser Frauen einzeln betrachtet werden. Man m\u00fcsse unterscheiden, ob Frauen mit IS-Terroristen zusammengelebt und f\u00fcr diese gesorgt h\u00e4tten oder ob sie selbst militant geworden seien. Viele von ihnen seien zudem traumatisiert durch die Erlebnisse in den IS-Lagern.<\/p>\n\n\n\n

\"DieDie Journalistin Jenni Zylka (Deutschlandradio \/ Andreas Buron)<\/p>\n\n\n\n

Nicht wie Schwerverbrecherinnen behandeln<\/h2>\n\n\n\n

Christoph Safferling, Professor f\u00fcr Strafrecht an der Universit\u00e4t Erlangen-N\u00fcrnberg, sagt, er halte die Argumentation des Generalbundesanwalts f\u00fcr problematisch. Es handle sich zun\u00e4chst einmal um allt\u00e4gliche Handlungen wie Kochen und Sorge um die Kinder. \u201eUnd die Frage ist: Wann sind solche neutralen Handlungen tats\u00e4chlich straftatunterst\u00fctzend.\u201c Ein Vorsatz, die terroristischen Strukturen zu unterst\u00fctzen, m\u00fcsse klar nachgewiesen werden.<\/p>\n\n\n\n

Vielmehr stelle sich die Frage, ob die Frauen nicht eher als Opfer betrachtet werden m\u00fcssten. Viele h\u00e4tten sich wie unter Zwang auf die Situation eingelassen \u2013 diese k\u00f6nne man strukturell durchaus mit den Bedingungen von Zwangsprostitution vergleichen. Viele der jungen Frauen seien auch unter Drogen gesetzt worden.<\/p>\n\n\n\n

Zugest\u00e4ndnis an Irak?<\/h2>\n\n\n\n

Eine m\u00f6gliche Erkl\u00e4rung der harten Linie der Generalbundesanwaltschaft \u00fcber die man nur spekulieren k\u00f6nne: \u201eIch kann mir auch vorstellen, dass, wenn es jetzt darum geht, Irak davon zu \u00fcberzeugen, die deutschen Staatsangeh\u00f6rigen, die dort einsitzen, auszuliefern, man ihnen gegen\u00fcber auch zu verstehen geben muss, dass die hier einer Strafverfolgung zugef\u00fchrt werden. Ansonsten w\u00fcrde der Irak sich vielleicht weigern, sie auszuliefern.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Safferling h\u00e4lt eine intensive Betreuung der zur\u00fcckgekehrten Frauen und M\u00e4dchen f\u00fcr unerl\u00e4sslich \u2013 man d\u00fcrfe sie keinesfalls alleine lassen und nicht wie Schwerverbrecherinnen behandeln. Es m\u00fcsse vielmehr verhindert werden, dass die jungen Frauen etwa in die Salafisten-Szene abtauchten.<\/p>\n","post_title":"Sie sind eher Opfer als Schwerverbrecherinnen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"sie-sind-eher-opfer-als-schwerverbrecherinnen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3719","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3709,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:30:50","post_date_gmt":"2020-08-13 21:30:50","post_content":"\n

Drei Millionen Afghanen sind ins Nachbarland Iran geflohen. Viele arbeiten schwarz. Die Aussicht auf einen festen Lohn plus Papiere f\u00fcr die Familie ist verlockend. Die Gegenleistung daf\u00fcr: K\u00e4mpfen in Syrien.<\/p>\n\n\n\n

Wenn Abu Fazel von den Gr\u00e4ueltaten des syrischen B\u00fcrgerkriegs h\u00f6rt, denkt er immer daran, dass er auch beinahe als K\u00e4mpfer auf diesem Schlachtfeld gelandet w\u00e4re. Doch Abu Fazel ist weder Syrer noch wollte er zum sogenannten \u201eIslamischen Staat\u201c. Der 18-J\u00e4hrige ist ein afghanischer Gefl\u00fcchteter, der zur Zeit in Leverkusen lebt.<\/p>\n\n\n\n

Den Gro\u00dfteil seines Lebens verbrachte er im Iran. Seine Familie ist dorthin gefl\u00fcchtet, als er ein Kind war. Doch als die iranische Regierung ihn nach Syrien schicken wollte, um auf der Seite von Machthaber Baschar al-Assad zu k\u00e4mpfen, entschloss er sich zu fliehen.<\/p>\n\n\n\n

\"Fl\u00fcchtlingeGefl\u00fcchtete aus dem Iran und Afghanistan an der Grenze zwischen Mazedonien und Griechenland. (picture alliance \/ dpa \/ Georgi Licovski)<\/p>\n\n\n\n

Tausende afghanische Jugendliche \u2013 die genaue Zahl ist nicht bekannt \u2013 wurden im Iran rekrutiert, um im Krieg in Syrien zu k\u00e4mpfen. Erst vor Kurzem berichtete die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, dass sie die Gr\u00e4ber von acht afghanischen Kindern, die in Syrien get\u00f6tet wurden, identifiziert hat. Laut der Organisation rekrutiert der Iran regelm\u00e4\u00dfig minderj\u00e4hrige K\u00e4mpfer, um sie nach Syrien zu schicken. Unter afghanischen Gefl\u00fcchteten ist diese Praxis schon l\u00e4nger bekannt.<\/p>\n\n\n\n

Rassismus gegen Afghanen im Iran<\/h2>\n\n\n\n

Fast drei Millionen Gefl\u00fcchtete aus Afghanistan sind inzwischen im Iran. Die meisten von ihnen leben in der Illegalit\u00e4t und werden als Schwarzarbeiter, etwa am Bau, ausgebeutet. Rassismus und Ausgrenzung geh\u00f6ren zu ihrem gesellschaftlichen Alltag. Kinder sind davon nicht ausgeschlossen. Im Gegenteil: Vielen afghanischen Kinderm ist es nicht erlaubt, staatliche Schulen zu besuchen. Abu Fazel wurde Zeit seines Lebens von dieser Diskrimierung beeinflusst und verfolgt.<\/p>\n\n\n\n

\u201e'Afghane\u2018 \u2013 das ist dort ein Schimpfwort. Ich h\u00f6rte es von klein auf immer wieder. Der Rassismus gegen Afghanen ist dort v\u00f6llig normal. Meine Herkunft, auf der ich eigentlich stolz war, ist im Iran stets eine Last gewesen. Wir sind dort B\u00fcrger zweiter Klasse.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung der afghanischen Gefl\u00fcchteten ist f\u00fcr Abu Fazel die Spitze jenes Rassismus, den er erlebt hat.<\/p>\n\n\n\n

Iran: Syrien vor sunnitischen Extremisten verteidigen<\/h2>\n\n\n\n

In Syrien k\u00e4mpfen neben den afghanischen Milizen auch andere paramilit\u00e4rische Gruppierungen im Auftrag des Irans: etwa die ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigten Revolutionsgarden, die einst Ayatollah Ruhollah Khomeini pers\u00f6nlich ins Leben rief oder die Basidsch-Milizen. Beiden Gruppierungen sind nicht nur in Syrien aktiv, sondern auch im Irak.<\/p>\n\n\n\n

Obowhl sich das syrische Regime von Baschar al-Assad als s\u00e4kular ausweist, wird es vom Iran, der sich als Repr\u00e4sentant aller muslimischen Schiiten betrachtet, unterst\u00fctzt. Gemeinsames Ziel in Syrien ist es: Schiiten vor sunnitische Extremisten zu verteidigen. Dennoch ist das Regime darauf bedacht, m\u00f6glichst wenig eigene K\u00e4mpfer nach Syrien zu schicken. \u00c4hnlich wie einst w\u00e4hrend des Krieges gegen Saddam Husseins Irak, setzt der Iran auf ausl\u00e4ndische K\u00e4mpfer.<\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung war wie eine Gehirnw\u00e4sche<\/h2>\n\n\n\n

Abu Fazels Familie geh\u00f6rt zur afghanischen Minderheit der schiitischen Hazara \u2013 wie viele Afghanen, die in den Iran gekommen sind. Mittlerweile k\u00e4mpfen Tausende von ihnen in Syrien. Der Iran bezahlt die Afghanen mit einem Sold von wenigen hundert Dollar pro Monat und verspricht ihren Familien eine Aufenthaltsgenehmigung oder eine Arbeitserlaubnis.<\/p>\n\n\n\n

An der Rekrutierung der Afghanen sind sowohl die Revolutionsgarden als auch die erw\u00e4hnten Basidsch-Milizen beteiligt. Abu Fazel beschreibt, wie das Viertel, in dem er gemeinsam mit seiner Familie in Teheran lebte, regelm\u00e4\u00dfig von den K\u00e4mpfern aufgesucht wurde. Viele afghanische Gefl\u00fcchtete lebten dort \u2013 und fielen auf die Gehirnw\u00e4sche der Rattenf\u00e4nger herein.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie trafen junge M\u00e4nner und Jugendliche in den Moscheen und \u00fcberredeten sie, gegen den IS oder Al Qaida zu k\u00e4mpfen. Die Gehirnw\u00e4sche war perfekt. Am Ende merkten viele, darunter auch ich, nicht einmal, dass wir in ihre Propaganda getappt waren. Ihre \u00dcberredungskunst war wirklich sehr speziell. Am Ende hat man Lust, nach Syrien zu gehen, um zu k\u00e4mpfen\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Erfolg hatten die Rekrutierer des Regimes auch bei Abu Fazels Cousin, der zum damaligen Zeitpunkt ebenfalls minderj\u00e4hrig gewesen ist. Er ging nach Syrien und k\u00e4mpfte unter der Flagge der \u201eLiwa Fatemiyoun\u201c, wie die afghanische Division auf Seiten Assads hei\u00dft. Offiziell ist die Aufgabe der Miliz die Verteidigung des Schreines von Zaynab im S\u00fcden von Damaskus. Zaynab war die Enkelin des islamischen Propheten Mohammad. Laut iranischen Staatsmedien k\u00e4mpfen mindestens 20.000 Afghanen in der Division.<\/p>\n\n\n\n

Im August 2014 entschloss sich auch Abu Fazel, nach Syrien zu gehen und zu k\u00e4mpfen. Im selben Monat wurde sein Cousin in der N\u00e4he von Aleppo im Kampf gegen syrische Rebellen get\u00f6tet.<\/p>\n\n\n\n

\u201eMein Cousin wurde dort get\u00f6tet. Auch andere Jungs aus unserer Gegend gingen nach Syrien und fielen dort. Lokale Zeitungen nannten sie \u201aM\u00e4rtyrer\u2018.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Lieber Flucht statt K\u00e4mpfer in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein solcher \u201eM\u00e4rtyrer\u201c wollte Abu Fazel allerdings nicht werden. Er floh eine Woche vor dem Beginn seiner dreimonatigen Kampfausbildung. Es war ihm lieber, ein Leben auf der Flucht zu verbringen, als in Syrien unschuldige Menschen f\u00fcr einen Diktator zu t\u00f6ten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch kam zu dem Schluss, dass ich nicht als M\u00f6rder weiterleben k\u00f6nnte. Stets dachte ich mir, dass selbst die schlimmsten Al-Qaida- oder IS-Terroristen Kinder haben k\u00f6nnten, die ihren Vater lieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Fazel verlor seinen eigenen Vater bereits sehr fr\u00fch. Er wurde Opfer des B\u00fcrgerkriegs in Afghanistan, der von 1989 bis 2001 tausende Menschen das Leben kostete. Auch der Iran mischte in der Zeit schon mit. Es ist allgemein bekannt, dass die schiitischen Hazara-Milizen, die den B\u00fcrgerkrieg ebenfalls mitanfachten, von der Regierung in Teheran unterst\u00fctzt wurden.<\/p>\n\n\n\n

Als Abu Fazel sich nun entschloss, aus der Gewaltspirale auszusteigen und nicht in Syrien zu k\u00e4mpfen, wuchs die Angst bei seiner Familie. Denn f\u00fcr die iranischen Beh\u00f6rden gilt: Hat man sich einmal gemeldet, gibt es kein zur\u00fcck. Man muss an die Front nach Syrien \u2013 oder wird zur\u00fcck nach Afghanistan abgeschoben, wo ebenfalls Krieg herrscht.<\/p>\n\n\n\n

Der einzige Ausweg f\u00fcr den jungen Afghanen war die Flucht. \u00dcber die T\u00fcrkei, Griechenland und die Balkranroute erreichte er mit gro\u00dfer M\u00fche Deutschland, wo er einen Asylantrag stellte.<\/p>\n\n\n\n

Erster Asylantrag in Deutschland abgelehnt<\/h2>\n\n\n\n

Als Grund nannte er seine Rekrutierung als Kindersoldat seitens des iranischen Regimes. Doch w\u00e4hrend diese Begr\u00fcndung in Abu Fazels Augen v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich war, sahen deutsche Beh\u00f6rden das anders. Sein erster Antrag wurde abgelehnt. Derzeit versucht er es ein zweites Mal. Die Bundesrepublik schiebt afghanische Gefl\u00fcchtete weiterhin ab.<\/p>\n\n\n\n

\"EinAbschiebung von Afghanen im Dezember 2016 mit einem Charterflug von Frankfurt nach Kabul. (dpa \/picture alliance \/ Boris Roessler)<\/p>\n\n\n\n

Die Verantwortlichen weisen in diesem Kontext immer wieder auf vermeintlich \u201esichere Gebiete\u201c im Land, die nicht n\u00e4her benannt werden.<\/p>\n\n\n\n

W\u00e4hrenddessen machen Menschenrechtsorganisationen regelm\u00e4\u00dfig darauf aufmerksam, dass keine Region am Hindukusch sicher ist. Stattdessen wird in manchen Gebieten nur weniger Krieg gef\u00fchrt als in anderen.<\/p>\n\n\n\n

\"SieDemonstranten protestieren in Frankfurt am Main gegen die Abschiebung von Afghanen. Auf einem der Transparente steht \u201eAfghanistan is not safe\u201c. (AFP \/ Daniel Roland)<\/p>\n\n\n\n

Alis Vater und Onkel k\u00e4mpfen in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein \u00e4hnliches Schicksal wie Abu Fazel erlitt der 18-j\u00e4hrige Ali (Namen ge\u00e4ndert). Auch er floh aus dem Iran nach Deutschland, um der Rekrutierung f\u00fcr Assads Milizen zu entgehen. Viele seiner afghanischen Freunde sind bereits nach Syrien gezogen \u2013 und kamen niemals zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Alis Familie, ebenfalls Angeh\u00f6rige der Hazara-Minderheit, stammt urspr\u00fcnglich aus der Provinz Ghor im Nordosten Afghanistans. Ihre Heimat verlie\u00dfen sie w\u00e4hrend der sowjetischen Besatzung in den 1980er-Jahren.<\/p>\n\n\n\n

Seit jeher lebt die Familie in der iranischen Gro\u00dfstadt Maschhad. Als der Krieg in Syrien ausbrach, erreichte sie ein Konflikt, mit dem sie nicht gerechnet hatten. Im Juli 2015 reiste Alis Vater nach Teheran. Er wollte einen Weg finden, um f\u00fcr seine Familie Aufenthaltspapiere zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Beh\u00f6rden sagten ihm, dass die Rekrutierung f\u00fcr den Krieg in Syrien eine M\u00f6glichkeit darstellen k\u00f6nnte, um Papiere f\u00fcr uns alle zu erhalten. Andernfalls w\u00fcrde man uns sehr bald nach Afghanistan abschieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Mittlerweile k\u00e4mpfen Alis Vater und sein Onkel seit \u00fcber einem Jahr in Syrien. Am Aufenthaltsstatus seiner Familienmitglieder hat sich bis heute allerdings nichts ge\u00e4ndert. F\u00fcr Ali ist klar, dass dies nur eine Falle gewesen ist, um noch mehr Afghanen als Kanonenfutter zu missbrauchen.<\/p>\n\n\n\n

Anfangs gab es Papiere f\u00fcr K\u00e4mpfer-Familien<\/h2>\n\n\n\n

Den Kontakt zu seinem Vater hat der Afghane mittlerweile verloren. W\u00e4hrenddessen schickt ihm sein Onkel, der in Aleppo stationiert ist, hin und wieder Bilder \u00fcber den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ali denkt, dass nur sehr wenige Afghanen der Propaganda der iranischen Regierung glauben und in Syrien f\u00fcr eine \u201egute Sache\u201c k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

Source<\/a><\/p>\n","post_title":"Warum Afghanen in Syrien f\u00fcr Assad k\u00e4mpfen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"warum-afghanen-in-syrien-fur-assad-kampfen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3709","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":9},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Legt man diese Minimaldefinition von Demokratie zugrunde, besteht Israel die Pr\u00fcfung. \"Mit Blick auf Israel erscheinen all diese Bedingungen nicht nur f\u00fcr seine j\u00fcdischen, sondern auch f\u00fcr seine arabischen Staatsb\u00fcrgerinnen und Staatsb\u00fcrger erf\u00fcllt\", schreibt Beck.<\/p>\n\n\n\n

Allerdings liefert er dazu eine gro\u00dfe zeitliche Einschr\u00e4nkung: So lebten in den ersten Jahren gro\u00dfe Teile der arabischen Bev\u00f6lkerung Israels unter Milit\u00e4rverwaltung und genossen nicht dieselben staatsb\u00fcrgerlichen Rechte wie der Rest der Bev\u00f6lkerung. Aufgehoben wurde das Milit\u00e4rrecht f\u00fcr arabische Israelis erst am 8. November 1966. Um einen demokratischen Staat k\u00f6nne es sich also fr\u00fchestens ab diesem Zeitpunkt handeln.<\/p>\n\n\n\n

Macht die Besatzung Israel zu einem undemokratischen Staat?<\/h3>\n\n\n\n

Nur wenige Monate folgte allerdings ein Ereignis, dass Israels Bewertung als demokratischen Staat abermals in Zweifel zieht. Im Zuge des Sechstagekrieges besetzte Israel im Juni 1967 die \u00e4gyptische Sinai-Halbinsel, den Gazastreifen, das zuvor von Jordanien kontrollierte Westjordanland und Ostjerusalem sowie die syrischen Golanh\u00f6hen.<\/p>\n\n\n\n

Die 1982 an \u00c4gypten zur\u00fcckgegebene Sinai-Halbinsel ausgenommen, dauert Israels Kontrolle \u00fcber jene Gebiete bis heute auf die ein oder andere Weise an. Spielt sie deshalb auch eine Rolle, wenn es um die Bewertung des politischen Systems Israels geht? Beck schreibt, dass \"die Errichtung der Besatzungsregime im Jahr 1967 zweifelsohne ein undemokratischer Akt [war]\", diese aber nicht zwangsl\u00e4ufig etwas am demokratischen Charakter des politischen Systems Israel \u00e4ndern w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n

Sehr wohl anrechnen lassen m\u00fcsse sich Israel aber die Situation auf den syrischen Golanh\u00f6hen und in Ostjerusalem, da diese mittlerweile ins israelische Staatsgebiet annektiert wurden. Beck schreibt:<\/p>\n\n\n\n

Die Annexion eines Territoriums durch einen Staat ohne Referendum, d.h. eine Abstimmung durch die betroffene Bev\u00f6lkerung, widerspricht demokratischen Prinzipien fundamental.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Wichtiger noch sei allerdings, dass viele von der Annexion betroffene Pal\u00e4stinenser bis heute nicht \u00fcber dieselben Rechte verf\u00fcgen wie ihre israelischen Nachbarn. Statt der israelischen Staatsb\u00fcrgerschaft tragen pal\u00e4stinensische Bewohner Ostjerusalems lediglich Identit\u00e4tskarten, die sie als st\u00e4ndige Bewohner der Stadt ausweisen.<\/p>\n\n\n\n

Damit sind sie in Israel zwar steuerpflichtig, haben Zugang zu Sozialleistungen und k\u00f6nnen sich innerhalb Israel frei bewegen, staatsb\u00fcrgerlichen Rechte, wie beispielsweise das aktive und passive Wahlrecht besitzen sie allerdings nicht. Als undemokratisch bewertet Beck deshalb das \"israelische Herrschaftsregime in Jerusalem\".<\/p>\n\n\n\n

Besatzung beenden oder dieselben staatsb\u00fcrgerlichen Rechte f\u00fcr Pal\u00e4stinenser<\/h3>\n\n\n\n

Ob auch die Situation im Westjordanland und Gazastreifen eine Rolle f\u00fcr die Bewertung des politischen Systems Israels spielt, entscheidet sich dem Spezialisten f\u00fcr politische Systeme im Nahen Osten<\/a> zufolge vor allem an einer Frage: Ist die Besetzung der Gebiete ein vor\u00fcbergehendes Ph\u00e4nomen oder auf Dauer angelegt?<\/p>\n\n\n\n

Nur im letzteren Fall m\u00fcsse man das Besatzungsregime als Teil des politischen Systems Israels bewerten, so Beck. F\u00fcr den anhaltenden Charakter spreche allein schon die schiere Dauer der Besatzung: So dauert die israelische Besatzung schon \u00fcber ein halbes Jahrhundert und damit dreimal so lange wie Israel in den Grenzen von 1949 bis 1967 existierte.<\/p>\n\n\n\n

Hinzu kommen weitere Indizien: Das Scheitern des Osloer Verhandlungsprozess in den 1990er Jahren und im ersten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts, der anhaltende Siedlungsprozess sowie die weitgehenden Einigkeit unter den gro\u00dfen politischen Parteien Israels - und dass gro\u00dfe Teile des Westjordanlands dauerhaft unter israelischer Kontrolle verbleiben sollen. Beck kommt zu dem Schluss:<\/p>\n\n\n\n

Alle Indizien verweisen also darauf, dass die israelische Herrschaft \u00fcber das Westjordanland auf Dauer angelegt ist. In einer Demokratie m\u00fcsste daher allen dort Wohnenden der uneingeschr\u00e4nkte Zugang zu den staatsb\u00fcrgerlichen Rechten des politischen Gemeinwesens gew\u00e4hrt werden. Dies ist aber nicht der Fall.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Zweifelsfrei war Israel lediglich f\u00fcr sechs Monate eine Demokratie<\/h3>\n\n\n\n

W\u00e4hrend an der israelischen Besatzung des Westjordanlands kein Zweifel besteht, \u00fcberrascht, dass Beck f\u00fcr den Gazastreifen zu einer \u00e4hnlichen Bewertung kommt. Schlie\u00dflich hat Israel seine Soldaten im Jahr 2007 aus dem K\u00fcstenstreifen abgezogen und j\u00fcdische Siedlungen aufgel\u00f6st.<\/p>\n\n\n\n

Beck argumentiert, dass Israel auch heute seine Kontrolle von Land, Luft und Wasser aufrechterh\u00e4lt und die Besatzungsherrschaft damit fortsetzt, ohne \"den dort lebenden Menschen irgendeine Form demokratischer Mitwirkungsrechte zu gew\u00e4hren\".<\/p>\n\n\n\n

Mit dieser Einsch\u00e4tzung ist Beck nicht allein. Auch die Vereinten Nationen<\/a> und der Internationale Strafgerichtshof<\/a> vertreten die Auffassung, dass die israelische Besatzung \u00fcber den Gazastreifen andauert.<\/p>\n\n\n\n

F\u00fcr die Gesamtbewertung des politischen Systems Israels hat diese Frage allerdings ohnehin keine entscheidende Bedeutung mehr. Denn Becks Fazit f\u00e4llt eindeutig aus: Zweifelsfrei um eine Demokratie gehandelt habe es sich bei Israel lediglich in einem kurzen sechsmonatigen Zeitraum zwischen der Abschaffung des Milit\u00e4rrechts f\u00fcr arabische Israelis im November 1966 und dem Beginn des Sechstagekrieges im Juni 1967.<\/p>\n\n\n\n

Sp\u00e4testens mit Beginn der Besatzungsherrschaft habe Israel seinen Charakter als Demokratie verloren. F\u00fcr heutige Debatten rund um Israel empfiehlt der Nahost-Professor deshalb auf das Demokratieargument besser zu verzichten.

der\u00a0Ursprung<\/a><\/p>\n","post_title":"Die einzige Demokratie im Nahen Osten?","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-einzige-demokratie-im-nahen-osten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3775","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3719,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:39:47","post_date_gmt":"2020-08-13 21:39:47","post_content":"\n

Jenni Zylka und Christoph Safferling im Gespr\u00e4ch mit Anke Schaefer<\/a>- Sie kommen aus Syrien und dem Irak nach Deutschland zur\u00fcck: Frauen, die sich dem sogenannten Islamischen Staat (IS) angeschlossen haben, mit Terroristen zusammenlebten. Soll man sie k\u00fcnftig h\u00e4rter bestrafen? Die Journalistin Jenni Zylka und der Jurist Christoph Safferling sehen das kritisch.<\/p>\n\n\n\n

Frauen, die sich dem IS angeschlossen, aber selbst nicht gek\u00e4mpft haben, sollen laut Generalbundesanwalt Peter Frank als Mitl\u00e4uferinnen h\u00e4rter bestraft werden k\u00f6nnen. Frank meint: \u201eWir sind der Meinung, dass sich  auch bei diesen Frauen die Mitgliedschaft in einer ausl\u00e4ndischen terroristischen Organisation bejahen l\u00e4sst, weil diese Frauen die innere Struktur des sogenannten Islamischen Staates und damit diese Terrororganisation von innen heraus st\u00e4rken.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Aber sind diese Frauen nicht eher Opfer? Weil sie Angst um ihre Kinder hatten, den Umgang mit der Waffe zur Selbstverteidigung gelernt haben? Jenni Zylka meint dazu:  \u00dcber eine Mitschuld solcher Frauen nachzudenken, sei nachvollziehbar und auch legitim. Jedoch m\u00fcsse sehr genau hingeschaut und jede dieser Frauen einzeln betrachtet werden. Man m\u00fcsse unterscheiden, ob Frauen mit IS-Terroristen zusammengelebt und f\u00fcr diese gesorgt h\u00e4tten oder ob sie selbst militant geworden seien. Viele von ihnen seien zudem traumatisiert durch die Erlebnisse in den IS-Lagern.<\/p>\n\n\n\n

\"DieDie Journalistin Jenni Zylka (Deutschlandradio \/ Andreas Buron)<\/p>\n\n\n\n

Nicht wie Schwerverbrecherinnen behandeln<\/h2>\n\n\n\n

Christoph Safferling, Professor f\u00fcr Strafrecht an der Universit\u00e4t Erlangen-N\u00fcrnberg, sagt, er halte die Argumentation des Generalbundesanwalts f\u00fcr problematisch. Es handle sich zun\u00e4chst einmal um allt\u00e4gliche Handlungen wie Kochen und Sorge um die Kinder. \u201eUnd die Frage ist: Wann sind solche neutralen Handlungen tats\u00e4chlich straftatunterst\u00fctzend.\u201c Ein Vorsatz, die terroristischen Strukturen zu unterst\u00fctzen, m\u00fcsse klar nachgewiesen werden.<\/p>\n\n\n\n

Vielmehr stelle sich die Frage, ob die Frauen nicht eher als Opfer betrachtet werden m\u00fcssten. Viele h\u00e4tten sich wie unter Zwang auf die Situation eingelassen \u2013 diese k\u00f6nne man strukturell durchaus mit den Bedingungen von Zwangsprostitution vergleichen. Viele der jungen Frauen seien auch unter Drogen gesetzt worden.<\/p>\n\n\n\n

Zugest\u00e4ndnis an Irak?<\/h2>\n\n\n\n

Eine m\u00f6gliche Erkl\u00e4rung der harten Linie der Generalbundesanwaltschaft \u00fcber die man nur spekulieren k\u00f6nne: \u201eIch kann mir auch vorstellen, dass, wenn es jetzt darum geht, Irak davon zu \u00fcberzeugen, die deutschen Staatsangeh\u00f6rigen, die dort einsitzen, auszuliefern, man ihnen gegen\u00fcber auch zu verstehen geben muss, dass die hier einer Strafverfolgung zugef\u00fchrt werden. Ansonsten w\u00fcrde der Irak sich vielleicht weigern, sie auszuliefern.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Safferling h\u00e4lt eine intensive Betreuung der zur\u00fcckgekehrten Frauen und M\u00e4dchen f\u00fcr unerl\u00e4sslich \u2013 man d\u00fcrfe sie keinesfalls alleine lassen und nicht wie Schwerverbrecherinnen behandeln. Es m\u00fcsse vielmehr verhindert werden, dass die jungen Frauen etwa in die Salafisten-Szene abtauchten.<\/p>\n","post_title":"Sie sind eher Opfer als Schwerverbrecherinnen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"sie-sind-eher-opfer-als-schwerverbrecherinnen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3719","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3709,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:30:50","post_date_gmt":"2020-08-13 21:30:50","post_content":"\n

Drei Millionen Afghanen sind ins Nachbarland Iran geflohen. Viele arbeiten schwarz. Die Aussicht auf einen festen Lohn plus Papiere f\u00fcr die Familie ist verlockend. Die Gegenleistung daf\u00fcr: K\u00e4mpfen in Syrien.<\/p>\n\n\n\n

Wenn Abu Fazel von den Gr\u00e4ueltaten des syrischen B\u00fcrgerkriegs h\u00f6rt, denkt er immer daran, dass er auch beinahe als K\u00e4mpfer auf diesem Schlachtfeld gelandet w\u00e4re. Doch Abu Fazel ist weder Syrer noch wollte er zum sogenannten \u201eIslamischen Staat\u201c. Der 18-J\u00e4hrige ist ein afghanischer Gefl\u00fcchteter, der zur Zeit in Leverkusen lebt.<\/p>\n\n\n\n

Den Gro\u00dfteil seines Lebens verbrachte er im Iran. Seine Familie ist dorthin gefl\u00fcchtet, als er ein Kind war. Doch als die iranische Regierung ihn nach Syrien schicken wollte, um auf der Seite von Machthaber Baschar al-Assad zu k\u00e4mpfen, entschloss er sich zu fliehen.<\/p>\n\n\n\n

\"Fl\u00fcchtlingeGefl\u00fcchtete aus dem Iran und Afghanistan an der Grenze zwischen Mazedonien und Griechenland. (picture alliance \/ dpa \/ Georgi Licovski)<\/p>\n\n\n\n

Tausende afghanische Jugendliche \u2013 die genaue Zahl ist nicht bekannt \u2013 wurden im Iran rekrutiert, um im Krieg in Syrien zu k\u00e4mpfen. Erst vor Kurzem berichtete die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, dass sie die Gr\u00e4ber von acht afghanischen Kindern, die in Syrien get\u00f6tet wurden, identifiziert hat. Laut der Organisation rekrutiert der Iran regelm\u00e4\u00dfig minderj\u00e4hrige K\u00e4mpfer, um sie nach Syrien zu schicken. Unter afghanischen Gefl\u00fcchteten ist diese Praxis schon l\u00e4nger bekannt.<\/p>\n\n\n\n

Rassismus gegen Afghanen im Iran<\/h2>\n\n\n\n

Fast drei Millionen Gefl\u00fcchtete aus Afghanistan sind inzwischen im Iran. Die meisten von ihnen leben in der Illegalit\u00e4t und werden als Schwarzarbeiter, etwa am Bau, ausgebeutet. Rassismus und Ausgrenzung geh\u00f6ren zu ihrem gesellschaftlichen Alltag. Kinder sind davon nicht ausgeschlossen. Im Gegenteil: Vielen afghanischen Kinderm ist es nicht erlaubt, staatliche Schulen zu besuchen. Abu Fazel wurde Zeit seines Lebens von dieser Diskrimierung beeinflusst und verfolgt.<\/p>\n\n\n\n

\u201e'Afghane\u2018 \u2013 das ist dort ein Schimpfwort. Ich h\u00f6rte es von klein auf immer wieder. Der Rassismus gegen Afghanen ist dort v\u00f6llig normal. Meine Herkunft, auf der ich eigentlich stolz war, ist im Iran stets eine Last gewesen. Wir sind dort B\u00fcrger zweiter Klasse.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung der afghanischen Gefl\u00fcchteten ist f\u00fcr Abu Fazel die Spitze jenes Rassismus, den er erlebt hat.<\/p>\n\n\n\n

Iran: Syrien vor sunnitischen Extremisten verteidigen<\/h2>\n\n\n\n

In Syrien k\u00e4mpfen neben den afghanischen Milizen auch andere paramilit\u00e4rische Gruppierungen im Auftrag des Irans: etwa die ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigten Revolutionsgarden, die einst Ayatollah Ruhollah Khomeini pers\u00f6nlich ins Leben rief oder die Basidsch-Milizen. Beiden Gruppierungen sind nicht nur in Syrien aktiv, sondern auch im Irak.<\/p>\n\n\n\n

Obowhl sich das syrische Regime von Baschar al-Assad als s\u00e4kular ausweist, wird es vom Iran, der sich als Repr\u00e4sentant aller muslimischen Schiiten betrachtet, unterst\u00fctzt. Gemeinsames Ziel in Syrien ist es: Schiiten vor sunnitische Extremisten zu verteidigen. Dennoch ist das Regime darauf bedacht, m\u00f6glichst wenig eigene K\u00e4mpfer nach Syrien zu schicken. \u00c4hnlich wie einst w\u00e4hrend des Krieges gegen Saddam Husseins Irak, setzt der Iran auf ausl\u00e4ndische K\u00e4mpfer.<\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung war wie eine Gehirnw\u00e4sche<\/h2>\n\n\n\n

Abu Fazels Familie geh\u00f6rt zur afghanischen Minderheit der schiitischen Hazara \u2013 wie viele Afghanen, die in den Iran gekommen sind. Mittlerweile k\u00e4mpfen Tausende von ihnen in Syrien. Der Iran bezahlt die Afghanen mit einem Sold von wenigen hundert Dollar pro Monat und verspricht ihren Familien eine Aufenthaltsgenehmigung oder eine Arbeitserlaubnis.<\/p>\n\n\n\n

An der Rekrutierung der Afghanen sind sowohl die Revolutionsgarden als auch die erw\u00e4hnten Basidsch-Milizen beteiligt. Abu Fazel beschreibt, wie das Viertel, in dem er gemeinsam mit seiner Familie in Teheran lebte, regelm\u00e4\u00dfig von den K\u00e4mpfern aufgesucht wurde. Viele afghanische Gefl\u00fcchtete lebten dort \u2013 und fielen auf die Gehirnw\u00e4sche der Rattenf\u00e4nger herein.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie trafen junge M\u00e4nner und Jugendliche in den Moscheen und \u00fcberredeten sie, gegen den IS oder Al Qaida zu k\u00e4mpfen. Die Gehirnw\u00e4sche war perfekt. Am Ende merkten viele, darunter auch ich, nicht einmal, dass wir in ihre Propaganda getappt waren. Ihre \u00dcberredungskunst war wirklich sehr speziell. Am Ende hat man Lust, nach Syrien zu gehen, um zu k\u00e4mpfen\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Erfolg hatten die Rekrutierer des Regimes auch bei Abu Fazels Cousin, der zum damaligen Zeitpunkt ebenfalls minderj\u00e4hrig gewesen ist. Er ging nach Syrien und k\u00e4mpfte unter der Flagge der \u201eLiwa Fatemiyoun\u201c, wie die afghanische Division auf Seiten Assads hei\u00dft. Offiziell ist die Aufgabe der Miliz die Verteidigung des Schreines von Zaynab im S\u00fcden von Damaskus. Zaynab war die Enkelin des islamischen Propheten Mohammad. Laut iranischen Staatsmedien k\u00e4mpfen mindestens 20.000 Afghanen in der Division.<\/p>\n\n\n\n

Im August 2014 entschloss sich auch Abu Fazel, nach Syrien zu gehen und zu k\u00e4mpfen. Im selben Monat wurde sein Cousin in der N\u00e4he von Aleppo im Kampf gegen syrische Rebellen get\u00f6tet.<\/p>\n\n\n\n

\u201eMein Cousin wurde dort get\u00f6tet. Auch andere Jungs aus unserer Gegend gingen nach Syrien und fielen dort. Lokale Zeitungen nannten sie \u201aM\u00e4rtyrer\u2018.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Lieber Flucht statt K\u00e4mpfer in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein solcher \u201eM\u00e4rtyrer\u201c wollte Abu Fazel allerdings nicht werden. Er floh eine Woche vor dem Beginn seiner dreimonatigen Kampfausbildung. Es war ihm lieber, ein Leben auf der Flucht zu verbringen, als in Syrien unschuldige Menschen f\u00fcr einen Diktator zu t\u00f6ten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch kam zu dem Schluss, dass ich nicht als M\u00f6rder weiterleben k\u00f6nnte. Stets dachte ich mir, dass selbst die schlimmsten Al-Qaida- oder IS-Terroristen Kinder haben k\u00f6nnten, die ihren Vater lieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Fazel verlor seinen eigenen Vater bereits sehr fr\u00fch. Er wurde Opfer des B\u00fcrgerkriegs in Afghanistan, der von 1989 bis 2001 tausende Menschen das Leben kostete. Auch der Iran mischte in der Zeit schon mit. Es ist allgemein bekannt, dass die schiitischen Hazara-Milizen, die den B\u00fcrgerkrieg ebenfalls mitanfachten, von der Regierung in Teheran unterst\u00fctzt wurden.<\/p>\n\n\n\n

Als Abu Fazel sich nun entschloss, aus der Gewaltspirale auszusteigen und nicht in Syrien zu k\u00e4mpfen, wuchs die Angst bei seiner Familie. Denn f\u00fcr die iranischen Beh\u00f6rden gilt: Hat man sich einmal gemeldet, gibt es kein zur\u00fcck. Man muss an die Front nach Syrien \u2013 oder wird zur\u00fcck nach Afghanistan abgeschoben, wo ebenfalls Krieg herrscht.<\/p>\n\n\n\n

Der einzige Ausweg f\u00fcr den jungen Afghanen war die Flucht. \u00dcber die T\u00fcrkei, Griechenland und die Balkranroute erreichte er mit gro\u00dfer M\u00fche Deutschland, wo er einen Asylantrag stellte.<\/p>\n\n\n\n

Erster Asylantrag in Deutschland abgelehnt<\/h2>\n\n\n\n

Als Grund nannte er seine Rekrutierung als Kindersoldat seitens des iranischen Regimes. Doch w\u00e4hrend diese Begr\u00fcndung in Abu Fazels Augen v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich war, sahen deutsche Beh\u00f6rden das anders. Sein erster Antrag wurde abgelehnt. Derzeit versucht er es ein zweites Mal. Die Bundesrepublik schiebt afghanische Gefl\u00fcchtete weiterhin ab.<\/p>\n\n\n\n

\"EinAbschiebung von Afghanen im Dezember 2016 mit einem Charterflug von Frankfurt nach Kabul. (dpa \/picture alliance \/ Boris Roessler)<\/p>\n\n\n\n

Die Verantwortlichen weisen in diesem Kontext immer wieder auf vermeintlich \u201esichere Gebiete\u201c im Land, die nicht n\u00e4her benannt werden.<\/p>\n\n\n\n

W\u00e4hrenddessen machen Menschenrechtsorganisationen regelm\u00e4\u00dfig darauf aufmerksam, dass keine Region am Hindukusch sicher ist. Stattdessen wird in manchen Gebieten nur weniger Krieg gef\u00fchrt als in anderen.<\/p>\n\n\n\n

\"SieDemonstranten protestieren in Frankfurt am Main gegen die Abschiebung von Afghanen. Auf einem der Transparente steht \u201eAfghanistan is not safe\u201c. (AFP \/ Daniel Roland)<\/p>\n\n\n\n

Alis Vater und Onkel k\u00e4mpfen in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein \u00e4hnliches Schicksal wie Abu Fazel erlitt der 18-j\u00e4hrige Ali (Namen ge\u00e4ndert). Auch er floh aus dem Iran nach Deutschland, um der Rekrutierung f\u00fcr Assads Milizen zu entgehen. Viele seiner afghanischen Freunde sind bereits nach Syrien gezogen \u2013 und kamen niemals zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Alis Familie, ebenfalls Angeh\u00f6rige der Hazara-Minderheit, stammt urspr\u00fcnglich aus der Provinz Ghor im Nordosten Afghanistans. Ihre Heimat verlie\u00dfen sie w\u00e4hrend der sowjetischen Besatzung in den 1980er-Jahren.<\/p>\n\n\n\n

Seit jeher lebt die Familie in der iranischen Gro\u00dfstadt Maschhad. Als der Krieg in Syrien ausbrach, erreichte sie ein Konflikt, mit dem sie nicht gerechnet hatten. Im Juli 2015 reiste Alis Vater nach Teheran. Er wollte einen Weg finden, um f\u00fcr seine Familie Aufenthaltspapiere zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Beh\u00f6rden sagten ihm, dass die Rekrutierung f\u00fcr den Krieg in Syrien eine M\u00f6glichkeit darstellen k\u00f6nnte, um Papiere f\u00fcr uns alle zu erhalten. Andernfalls w\u00fcrde man uns sehr bald nach Afghanistan abschieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Mittlerweile k\u00e4mpfen Alis Vater und sein Onkel seit \u00fcber einem Jahr in Syrien. Am Aufenthaltsstatus seiner Familienmitglieder hat sich bis heute allerdings nichts ge\u00e4ndert. F\u00fcr Ali ist klar, dass dies nur eine Falle gewesen ist, um noch mehr Afghanen als Kanonenfutter zu missbrauchen.<\/p>\n\n\n\n

Anfangs gab es Papiere f\u00fcr K\u00e4mpfer-Familien<\/h2>\n\n\n\n

Den Kontakt zu seinem Vater hat der Afghane mittlerweile verloren. W\u00e4hrenddessen schickt ihm sein Onkel, der in Aleppo stationiert ist, hin und wieder Bilder \u00fcber den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ali denkt, dass nur sehr wenige Afghanen der Propaganda der iranischen Regierung glauben und in Syrien f\u00fcr eine \u201egute Sache\u201c k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

Source<\/a><\/p>\n","post_title":"Warum Afghanen in Syrien f\u00fcr Assad k\u00e4mpfen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"warum-afghanen-in-syrien-fur-assad-kampfen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3709","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":9},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Diese sind: Organisationsfreiheit, Meinungsfreiheit, aktives und passives Wahlrecht, das Recht politischer Eliten auf Werbung f\u00fcr Unterst\u00fctzung und um W\u00e4hlerstimmen, der Zugang zu alternativen Informationsquellen, freie und faire Wahlen sowie die institutionelle Bindung von Regierungspolitik an Wahlen und andere Formen der Willensbildung.<\/p>\n\n\n\n

Legt man diese Minimaldefinition von Demokratie zugrunde, besteht Israel die Pr\u00fcfung. \"Mit Blick auf Israel erscheinen all diese Bedingungen nicht nur f\u00fcr seine j\u00fcdischen, sondern auch f\u00fcr seine arabischen Staatsb\u00fcrgerinnen und Staatsb\u00fcrger erf\u00fcllt\", schreibt Beck.<\/p>\n\n\n\n

Allerdings liefert er dazu eine gro\u00dfe zeitliche Einschr\u00e4nkung: So lebten in den ersten Jahren gro\u00dfe Teile der arabischen Bev\u00f6lkerung Israels unter Milit\u00e4rverwaltung und genossen nicht dieselben staatsb\u00fcrgerlichen Rechte wie der Rest der Bev\u00f6lkerung. Aufgehoben wurde das Milit\u00e4rrecht f\u00fcr arabische Israelis erst am 8. November 1966. Um einen demokratischen Staat k\u00f6nne es sich also fr\u00fchestens ab diesem Zeitpunkt handeln.<\/p>\n\n\n\n

Macht die Besatzung Israel zu einem undemokratischen Staat?<\/h3>\n\n\n\n

Nur wenige Monate folgte allerdings ein Ereignis, dass Israels Bewertung als demokratischen Staat abermals in Zweifel zieht. Im Zuge des Sechstagekrieges besetzte Israel im Juni 1967 die \u00e4gyptische Sinai-Halbinsel, den Gazastreifen, das zuvor von Jordanien kontrollierte Westjordanland und Ostjerusalem sowie die syrischen Golanh\u00f6hen.<\/p>\n\n\n\n

Die 1982 an \u00c4gypten zur\u00fcckgegebene Sinai-Halbinsel ausgenommen, dauert Israels Kontrolle \u00fcber jene Gebiete bis heute auf die ein oder andere Weise an. Spielt sie deshalb auch eine Rolle, wenn es um die Bewertung des politischen Systems Israels geht? Beck schreibt, dass \"die Errichtung der Besatzungsregime im Jahr 1967 zweifelsohne ein undemokratischer Akt [war]\", diese aber nicht zwangsl\u00e4ufig etwas am demokratischen Charakter des politischen Systems Israel \u00e4ndern w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n

Sehr wohl anrechnen lassen m\u00fcsse sich Israel aber die Situation auf den syrischen Golanh\u00f6hen und in Ostjerusalem, da diese mittlerweile ins israelische Staatsgebiet annektiert wurden. Beck schreibt:<\/p>\n\n\n\n

Die Annexion eines Territoriums durch einen Staat ohne Referendum, d.h. eine Abstimmung durch die betroffene Bev\u00f6lkerung, widerspricht demokratischen Prinzipien fundamental.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Wichtiger noch sei allerdings, dass viele von der Annexion betroffene Pal\u00e4stinenser bis heute nicht \u00fcber dieselben Rechte verf\u00fcgen wie ihre israelischen Nachbarn. Statt der israelischen Staatsb\u00fcrgerschaft tragen pal\u00e4stinensische Bewohner Ostjerusalems lediglich Identit\u00e4tskarten, die sie als st\u00e4ndige Bewohner der Stadt ausweisen.<\/p>\n\n\n\n

Damit sind sie in Israel zwar steuerpflichtig, haben Zugang zu Sozialleistungen und k\u00f6nnen sich innerhalb Israel frei bewegen, staatsb\u00fcrgerlichen Rechte, wie beispielsweise das aktive und passive Wahlrecht besitzen sie allerdings nicht. Als undemokratisch bewertet Beck deshalb das \"israelische Herrschaftsregime in Jerusalem\".<\/p>\n\n\n\n

Besatzung beenden oder dieselben staatsb\u00fcrgerlichen Rechte f\u00fcr Pal\u00e4stinenser<\/h3>\n\n\n\n

Ob auch die Situation im Westjordanland und Gazastreifen eine Rolle f\u00fcr die Bewertung des politischen Systems Israels spielt, entscheidet sich dem Spezialisten f\u00fcr politische Systeme im Nahen Osten<\/a> zufolge vor allem an einer Frage: Ist die Besetzung der Gebiete ein vor\u00fcbergehendes Ph\u00e4nomen oder auf Dauer angelegt?<\/p>\n\n\n\n

Nur im letzteren Fall m\u00fcsse man das Besatzungsregime als Teil des politischen Systems Israels bewerten, so Beck. F\u00fcr den anhaltenden Charakter spreche allein schon die schiere Dauer der Besatzung: So dauert die israelische Besatzung schon \u00fcber ein halbes Jahrhundert und damit dreimal so lange wie Israel in den Grenzen von 1949 bis 1967 existierte.<\/p>\n\n\n\n

Hinzu kommen weitere Indizien: Das Scheitern des Osloer Verhandlungsprozess in den 1990er Jahren und im ersten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts, der anhaltende Siedlungsprozess sowie die weitgehenden Einigkeit unter den gro\u00dfen politischen Parteien Israels - und dass gro\u00dfe Teile des Westjordanlands dauerhaft unter israelischer Kontrolle verbleiben sollen. Beck kommt zu dem Schluss:<\/p>\n\n\n\n

Alle Indizien verweisen also darauf, dass die israelische Herrschaft \u00fcber das Westjordanland auf Dauer angelegt ist. In einer Demokratie m\u00fcsste daher allen dort Wohnenden der uneingeschr\u00e4nkte Zugang zu den staatsb\u00fcrgerlichen Rechten des politischen Gemeinwesens gew\u00e4hrt werden. Dies ist aber nicht der Fall.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Zweifelsfrei war Israel lediglich f\u00fcr sechs Monate eine Demokratie<\/h3>\n\n\n\n

W\u00e4hrend an der israelischen Besatzung des Westjordanlands kein Zweifel besteht, \u00fcberrascht, dass Beck f\u00fcr den Gazastreifen zu einer \u00e4hnlichen Bewertung kommt. Schlie\u00dflich hat Israel seine Soldaten im Jahr 2007 aus dem K\u00fcstenstreifen abgezogen und j\u00fcdische Siedlungen aufgel\u00f6st.<\/p>\n\n\n\n

Beck argumentiert, dass Israel auch heute seine Kontrolle von Land, Luft und Wasser aufrechterh\u00e4lt und die Besatzungsherrschaft damit fortsetzt, ohne \"den dort lebenden Menschen irgendeine Form demokratischer Mitwirkungsrechte zu gew\u00e4hren\".<\/p>\n\n\n\n

Mit dieser Einsch\u00e4tzung ist Beck nicht allein. Auch die Vereinten Nationen<\/a> und der Internationale Strafgerichtshof<\/a> vertreten die Auffassung, dass die israelische Besatzung \u00fcber den Gazastreifen andauert.<\/p>\n\n\n\n

F\u00fcr die Gesamtbewertung des politischen Systems Israels hat diese Frage allerdings ohnehin keine entscheidende Bedeutung mehr. Denn Becks Fazit f\u00e4llt eindeutig aus: Zweifelsfrei um eine Demokratie gehandelt habe es sich bei Israel lediglich in einem kurzen sechsmonatigen Zeitraum zwischen der Abschaffung des Milit\u00e4rrechts f\u00fcr arabische Israelis im November 1966 und dem Beginn des Sechstagekrieges im Juni 1967.<\/p>\n\n\n\n

Sp\u00e4testens mit Beginn der Besatzungsherrschaft habe Israel seinen Charakter als Demokratie verloren. F\u00fcr heutige Debatten rund um Israel empfiehlt der Nahost-Professor deshalb auf das Demokratieargument besser zu verzichten.

der\u00a0Ursprung<\/a><\/p>\n","post_title":"Die einzige Demokratie im Nahen Osten?","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-einzige-demokratie-im-nahen-osten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3775","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3719,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:39:47","post_date_gmt":"2020-08-13 21:39:47","post_content":"\n

Jenni Zylka und Christoph Safferling im Gespr\u00e4ch mit Anke Schaefer<\/a>- Sie kommen aus Syrien und dem Irak nach Deutschland zur\u00fcck: Frauen, die sich dem sogenannten Islamischen Staat (IS) angeschlossen haben, mit Terroristen zusammenlebten. Soll man sie k\u00fcnftig h\u00e4rter bestrafen? Die Journalistin Jenni Zylka und der Jurist Christoph Safferling sehen das kritisch.<\/p>\n\n\n\n

Frauen, die sich dem IS angeschlossen, aber selbst nicht gek\u00e4mpft haben, sollen laut Generalbundesanwalt Peter Frank als Mitl\u00e4uferinnen h\u00e4rter bestraft werden k\u00f6nnen. Frank meint: \u201eWir sind der Meinung, dass sich  auch bei diesen Frauen die Mitgliedschaft in einer ausl\u00e4ndischen terroristischen Organisation bejahen l\u00e4sst, weil diese Frauen die innere Struktur des sogenannten Islamischen Staates und damit diese Terrororganisation von innen heraus st\u00e4rken.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Aber sind diese Frauen nicht eher Opfer? Weil sie Angst um ihre Kinder hatten, den Umgang mit der Waffe zur Selbstverteidigung gelernt haben? Jenni Zylka meint dazu:  \u00dcber eine Mitschuld solcher Frauen nachzudenken, sei nachvollziehbar und auch legitim. Jedoch m\u00fcsse sehr genau hingeschaut und jede dieser Frauen einzeln betrachtet werden. Man m\u00fcsse unterscheiden, ob Frauen mit IS-Terroristen zusammengelebt und f\u00fcr diese gesorgt h\u00e4tten oder ob sie selbst militant geworden seien. Viele von ihnen seien zudem traumatisiert durch die Erlebnisse in den IS-Lagern.<\/p>\n\n\n\n

\"DieDie Journalistin Jenni Zylka (Deutschlandradio \/ Andreas Buron)<\/p>\n\n\n\n

Nicht wie Schwerverbrecherinnen behandeln<\/h2>\n\n\n\n

Christoph Safferling, Professor f\u00fcr Strafrecht an der Universit\u00e4t Erlangen-N\u00fcrnberg, sagt, er halte die Argumentation des Generalbundesanwalts f\u00fcr problematisch. Es handle sich zun\u00e4chst einmal um allt\u00e4gliche Handlungen wie Kochen und Sorge um die Kinder. \u201eUnd die Frage ist: Wann sind solche neutralen Handlungen tats\u00e4chlich straftatunterst\u00fctzend.\u201c Ein Vorsatz, die terroristischen Strukturen zu unterst\u00fctzen, m\u00fcsse klar nachgewiesen werden.<\/p>\n\n\n\n

Vielmehr stelle sich die Frage, ob die Frauen nicht eher als Opfer betrachtet werden m\u00fcssten. Viele h\u00e4tten sich wie unter Zwang auf die Situation eingelassen \u2013 diese k\u00f6nne man strukturell durchaus mit den Bedingungen von Zwangsprostitution vergleichen. Viele der jungen Frauen seien auch unter Drogen gesetzt worden.<\/p>\n\n\n\n

Zugest\u00e4ndnis an Irak?<\/h2>\n\n\n\n

Eine m\u00f6gliche Erkl\u00e4rung der harten Linie der Generalbundesanwaltschaft \u00fcber die man nur spekulieren k\u00f6nne: \u201eIch kann mir auch vorstellen, dass, wenn es jetzt darum geht, Irak davon zu \u00fcberzeugen, die deutschen Staatsangeh\u00f6rigen, die dort einsitzen, auszuliefern, man ihnen gegen\u00fcber auch zu verstehen geben muss, dass die hier einer Strafverfolgung zugef\u00fchrt werden. Ansonsten w\u00fcrde der Irak sich vielleicht weigern, sie auszuliefern.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Safferling h\u00e4lt eine intensive Betreuung der zur\u00fcckgekehrten Frauen und M\u00e4dchen f\u00fcr unerl\u00e4sslich \u2013 man d\u00fcrfe sie keinesfalls alleine lassen und nicht wie Schwerverbrecherinnen behandeln. Es m\u00fcsse vielmehr verhindert werden, dass die jungen Frauen etwa in die Salafisten-Szene abtauchten.<\/p>\n","post_title":"Sie sind eher Opfer als Schwerverbrecherinnen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"sie-sind-eher-opfer-als-schwerverbrecherinnen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3719","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3709,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:30:50","post_date_gmt":"2020-08-13 21:30:50","post_content":"\n

Drei Millionen Afghanen sind ins Nachbarland Iran geflohen. Viele arbeiten schwarz. Die Aussicht auf einen festen Lohn plus Papiere f\u00fcr die Familie ist verlockend. Die Gegenleistung daf\u00fcr: K\u00e4mpfen in Syrien.<\/p>\n\n\n\n

Wenn Abu Fazel von den Gr\u00e4ueltaten des syrischen B\u00fcrgerkriegs h\u00f6rt, denkt er immer daran, dass er auch beinahe als K\u00e4mpfer auf diesem Schlachtfeld gelandet w\u00e4re. Doch Abu Fazel ist weder Syrer noch wollte er zum sogenannten \u201eIslamischen Staat\u201c. Der 18-J\u00e4hrige ist ein afghanischer Gefl\u00fcchteter, der zur Zeit in Leverkusen lebt.<\/p>\n\n\n\n

Den Gro\u00dfteil seines Lebens verbrachte er im Iran. Seine Familie ist dorthin gefl\u00fcchtet, als er ein Kind war. Doch als die iranische Regierung ihn nach Syrien schicken wollte, um auf der Seite von Machthaber Baschar al-Assad zu k\u00e4mpfen, entschloss er sich zu fliehen.<\/p>\n\n\n\n

\"Fl\u00fcchtlingeGefl\u00fcchtete aus dem Iran und Afghanistan an der Grenze zwischen Mazedonien und Griechenland. (picture alliance \/ dpa \/ Georgi Licovski)<\/p>\n\n\n\n

Tausende afghanische Jugendliche \u2013 die genaue Zahl ist nicht bekannt \u2013 wurden im Iran rekrutiert, um im Krieg in Syrien zu k\u00e4mpfen. Erst vor Kurzem berichtete die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, dass sie die Gr\u00e4ber von acht afghanischen Kindern, die in Syrien get\u00f6tet wurden, identifiziert hat. Laut der Organisation rekrutiert der Iran regelm\u00e4\u00dfig minderj\u00e4hrige K\u00e4mpfer, um sie nach Syrien zu schicken. Unter afghanischen Gefl\u00fcchteten ist diese Praxis schon l\u00e4nger bekannt.<\/p>\n\n\n\n

Rassismus gegen Afghanen im Iran<\/h2>\n\n\n\n

Fast drei Millionen Gefl\u00fcchtete aus Afghanistan sind inzwischen im Iran. Die meisten von ihnen leben in der Illegalit\u00e4t und werden als Schwarzarbeiter, etwa am Bau, ausgebeutet. Rassismus und Ausgrenzung geh\u00f6ren zu ihrem gesellschaftlichen Alltag. Kinder sind davon nicht ausgeschlossen. Im Gegenteil: Vielen afghanischen Kinderm ist es nicht erlaubt, staatliche Schulen zu besuchen. Abu Fazel wurde Zeit seines Lebens von dieser Diskrimierung beeinflusst und verfolgt.<\/p>\n\n\n\n

\u201e'Afghane\u2018 \u2013 das ist dort ein Schimpfwort. Ich h\u00f6rte es von klein auf immer wieder. Der Rassismus gegen Afghanen ist dort v\u00f6llig normal. Meine Herkunft, auf der ich eigentlich stolz war, ist im Iran stets eine Last gewesen. Wir sind dort B\u00fcrger zweiter Klasse.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung der afghanischen Gefl\u00fcchteten ist f\u00fcr Abu Fazel die Spitze jenes Rassismus, den er erlebt hat.<\/p>\n\n\n\n

Iran: Syrien vor sunnitischen Extremisten verteidigen<\/h2>\n\n\n\n

In Syrien k\u00e4mpfen neben den afghanischen Milizen auch andere paramilit\u00e4rische Gruppierungen im Auftrag des Irans: etwa die ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigten Revolutionsgarden, die einst Ayatollah Ruhollah Khomeini pers\u00f6nlich ins Leben rief oder die Basidsch-Milizen. Beiden Gruppierungen sind nicht nur in Syrien aktiv, sondern auch im Irak.<\/p>\n\n\n\n

Obowhl sich das syrische Regime von Baschar al-Assad als s\u00e4kular ausweist, wird es vom Iran, der sich als Repr\u00e4sentant aller muslimischen Schiiten betrachtet, unterst\u00fctzt. Gemeinsames Ziel in Syrien ist es: Schiiten vor sunnitische Extremisten zu verteidigen. Dennoch ist das Regime darauf bedacht, m\u00f6glichst wenig eigene K\u00e4mpfer nach Syrien zu schicken. \u00c4hnlich wie einst w\u00e4hrend des Krieges gegen Saddam Husseins Irak, setzt der Iran auf ausl\u00e4ndische K\u00e4mpfer.<\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung war wie eine Gehirnw\u00e4sche<\/h2>\n\n\n\n

Abu Fazels Familie geh\u00f6rt zur afghanischen Minderheit der schiitischen Hazara \u2013 wie viele Afghanen, die in den Iran gekommen sind. Mittlerweile k\u00e4mpfen Tausende von ihnen in Syrien. Der Iran bezahlt die Afghanen mit einem Sold von wenigen hundert Dollar pro Monat und verspricht ihren Familien eine Aufenthaltsgenehmigung oder eine Arbeitserlaubnis.<\/p>\n\n\n\n

An der Rekrutierung der Afghanen sind sowohl die Revolutionsgarden als auch die erw\u00e4hnten Basidsch-Milizen beteiligt. Abu Fazel beschreibt, wie das Viertel, in dem er gemeinsam mit seiner Familie in Teheran lebte, regelm\u00e4\u00dfig von den K\u00e4mpfern aufgesucht wurde. Viele afghanische Gefl\u00fcchtete lebten dort \u2013 und fielen auf die Gehirnw\u00e4sche der Rattenf\u00e4nger herein.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie trafen junge M\u00e4nner und Jugendliche in den Moscheen und \u00fcberredeten sie, gegen den IS oder Al Qaida zu k\u00e4mpfen. Die Gehirnw\u00e4sche war perfekt. Am Ende merkten viele, darunter auch ich, nicht einmal, dass wir in ihre Propaganda getappt waren. Ihre \u00dcberredungskunst war wirklich sehr speziell. Am Ende hat man Lust, nach Syrien zu gehen, um zu k\u00e4mpfen\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Erfolg hatten die Rekrutierer des Regimes auch bei Abu Fazels Cousin, der zum damaligen Zeitpunkt ebenfalls minderj\u00e4hrig gewesen ist. Er ging nach Syrien und k\u00e4mpfte unter der Flagge der \u201eLiwa Fatemiyoun\u201c, wie die afghanische Division auf Seiten Assads hei\u00dft. Offiziell ist die Aufgabe der Miliz die Verteidigung des Schreines von Zaynab im S\u00fcden von Damaskus. Zaynab war die Enkelin des islamischen Propheten Mohammad. Laut iranischen Staatsmedien k\u00e4mpfen mindestens 20.000 Afghanen in der Division.<\/p>\n\n\n\n

Im August 2014 entschloss sich auch Abu Fazel, nach Syrien zu gehen und zu k\u00e4mpfen. Im selben Monat wurde sein Cousin in der N\u00e4he von Aleppo im Kampf gegen syrische Rebellen get\u00f6tet.<\/p>\n\n\n\n

\u201eMein Cousin wurde dort get\u00f6tet. Auch andere Jungs aus unserer Gegend gingen nach Syrien und fielen dort. Lokale Zeitungen nannten sie \u201aM\u00e4rtyrer\u2018.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Lieber Flucht statt K\u00e4mpfer in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein solcher \u201eM\u00e4rtyrer\u201c wollte Abu Fazel allerdings nicht werden. Er floh eine Woche vor dem Beginn seiner dreimonatigen Kampfausbildung. Es war ihm lieber, ein Leben auf der Flucht zu verbringen, als in Syrien unschuldige Menschen f\u00fcr einen Diktator zu t\u00f6ten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch kam zu dem Schluss, dass ich nicht als M\u00f6rder weiterleben k\u00f6nnte. Stets dachte ich mir, dass selbst die schlimmsten Al-Qaida- oder IS-Terroristen Kinder haben k\u00f6nnten, die ihren Vater lieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Fazel verlor seinen eigenen Vater bereits sehr fr\u00fch. Er wurde Opfer des B\u00fcrgerkriegs in Afghanistan, der von 1989 bis 2001 tausende Menschen das Leben kostete. Auch der Iran mischte in der Zeit schon mit. Es ist allgemein bekannt, dass die schiitischen Hazara-Milizen, die den B\u00fcrgerkrieg ebenfalls mitanfachten, von der Regierung in Teheran unterst\u00fctzt wurden.<\/p>\n\n\n\n

Als Abu Fazel sich nun entschloss, aus der Gewaltspirale auszusteigen und nicht in Syrien zu k\u00e4mpfen, wuchs die Angst bei seiner Familie. Denn f\u00fcr die iranischen Beh\u00f6rden gilt: Hat man sich einmal gemeldet, gibt es kein zur\u00fcck. Man muss an die Front nach Syrien \u2013 oder wird zur\u00fcck nach Afghanistan abgeschoben, wo ebenfalls Krieg herrscht.<\/p>\n\n\n\n

Der einzige Ausweg f\u00fcr den jungen Afghanen war die Flucht. \u00dcber die T\u00fcrkei, Griechenland und die Balkranroute erreichte er mit gro\u00dfer M\u00fche Deutschland, wo er einen Asylantrag stellte.<\/p>\n\n\n\n

Erster Asylantrag in Deutschland abgelehnt<\/h2>\n\n\n\n

Als Grund nannte er seine Rekrutierung als Kindersoldat seitens des iranischen Regimes. Doch w\u00e4hrend diese Begr\u00fcndung in Abu Fazels Augen v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich war, sahen deutsche Beh\u00f6rden das anders. Sein erster Antrag wurde abgelehnt. Derzeit versucht er es ein zweites Mal. Die Bundesrepublik schiebt afghanische Gefl\u00fcchtete weiterhin ab.<\/p>\n\n\n\n

\"EinAbschiebung von Afghanen im Dezember 2016 mit einem Charterflug von Frankfurt nach Kabul. (dpa \/picture alliance \/ Boris Roessler)<\/p>\n\n\n\n

Die Verantwortlichen weisen in diesem Kontext immer wieder auf vermeintlich \u201esichere Gebiete\u201c im Land, die nicht n\u00e4her benannt werden.<\/p>\n\n\n\n

W\u00e4hrenddessen machen Menschenrechtsorganisationen regelm\u00e4\u00dfig darauf aufmerksam, dass keine Region am Hindukusch sicher ist. Stattdessen wird in manchen Gebieten nur weniger Krieg gef\u00fchrt als in anderen.<\/p>\n\n\n\n

\"SieDemonstranten protestieren in Frankfurt am Main gegen die Abschiebung von Afghanen. Auf einem der Transparente steht \u201eAfghanistan is not safe\u201c. (AFP \/ Daniel Roland)<\/p>\n\n\n\n

Alis Vater und Onkel k\u00e4mpfen in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein \u00e4hnliches Schicksal wie Abu Fazel erlitt der 18-j\u00e4hrige Ali (Namen ge\u00e4ndert). Auch er floh aus dem Iran nach Deutschland, um der Rekrutierung f\u00fcr Assads Milizen zu entgehen. Viele seiner afghanischen Freunde sind bereits nach Syrien gezogen \u2013 und kamen niemals zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Alis Familie, ebenfalls Angeh\u00f6rige der Hazara-Minderheit, stammt urspr\u00fcnglich aus der Provinz Ghor im Nordosten Afghanistans. Ihre Heimat verlie\u00dfen sie w\u00e4hrend der sowjetischen Besatzung in den 1980er-Jahren.<\/p>\n\n\n\n

Seit jeher lebt die Familie in der iranischen Gro\u00dfstadt Maschhad. Als der Krieg in Syrien ausbrach, erreichte sie ein Konflikt, mit dem sie nicht gerechnet hatten. Im Juli 2015 reiste Alis Vater nach Teheran. Er wollte einen Weg finden, um f\u00fcr seine Familie Aufenthaltspapiere zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Beh\u00f6rden sagten ihm, dass die Rekrutierung f\u00fcr den Krieg in Syrien eine M\u00f6glichkeit darstellen k\u00f6nnte, um Papiere f\u00fcr uns alle zu erhalten. Andernfalls w\u00fcrde man uns sehr bald nach Afghanistan abschieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Mittlerweile k\u00e4mpfen Alis Vater und sein Onkel seit \u00fcber einem Jahr in Syrien. Am Aufenthaltsstatus seiner Familienmitglieder hat sich bis heute allerdings nichts ge\u00e4ndert. F\u00fcr Ali ist klar, dass dies nur eine Falle gewesen ist, um noch mehr Afghanen als Kanonenfutter zu missbrauchen.<\/p>\n\n\n\n

Anfangs gab es Papiere f\u00fcr K\u00e4mpfer-Familien<\/h2>\n\n\n\n

Den Kontakt zu seinem Vater hat der Afghane mittlerweile verloren. W\u00e4hrenddessen schickt ihm sein Onkel, der in Aleppo stationiert ist, hin und wieder Bilder \u00fcber den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ali denkt, dass nur sehr wenige Afghanen der Propaganda der iranischen Regierung glauben und in Syrien f\u00fcr eine \u201egute Sache\u201c k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

Source<\/a><\/p>\n","post_title":"Warum Afghanen in Syrien f\u00fcr Assad k\u00e4mpfen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"warum-afghanen-in-syrien-fur-assad-kampfen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3709","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":9},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Beck unterzieht Israels politisches Systems deshalb einer zweiten Pr\u00fcfung. Der amerikanische Politikwissenschaftler Robert Dahl hat acht Bedingungen formuliert, die ein politisches System mindestens erf\u00fcllen muss, um als Demokratie zu gelten.<\/p>\n\n\n\n

Diese sind: Organisationsfreiheit, Meinungsfreiheit, aktives und passives Wahlrecht, das Recht politischer Eliten auf Werbung f\u00fcr Unterst\u00fctzung und um W\u00e4hlerstimmen, der Zugang zu alternativen Informationsquellen, freie und faire Wahlen sowie die institutionelle Bindung von Regierungspolitik an Wahlen und andere Formen der Willensbildung.<\/p>\n\n\n\n

Legt man diese Minimaldefinition von Demokratie zugrunde, besteht Israel die Pr\u00fcfung. \"Mit Blick auf Israel erscheinen all diese Bedingungen nicht nur f\u00fcr seine j\u00fcdischen, sondern auch f\u00fcr seine arabischen Staatsb\u00fcrgerinnen und Staatsb\u00fcrger erf\u00fcllt\", schreibt Beck.<\/p>\n\n\n\n

Allerdings liefert er dazu eine gro\u00dfe zeitliche Einschr\u00e4nkung: So lebten in den ersten Jahren gro\u00dfe Teile der arabischen Bev\u00f6lkerung Israels unter Milit\u00e4rverwaltung und genossen nicht dieselben staatsb\u00fcrgerlichen Rechte wie der Rest der Bev\u00f6lkerung. Aufgehoben wurde das Milit\u00e4rrecht f\u00fcr arabische Israelis erst am 8. November 1966. Um einen demokratischen Staat k\u00f6nne es sich also fr\u00fchestens ab diesem Zeitpunkt handeln.<\/p>\n\n\n\n

Macht die Besatzung Israel zu einem undemokratischen Staat?<\/h3>\n\n\n\n

Nur wenige Monate folgte allerdings ein Ereignis, dass Israels Bewertung als demokratischen Staat abermals in Zweifel zieht. Im Zuge des Sechstagekrieges besetzte Israel im Juni 1967 die \u00e4gyptische Sinai-Halbinsel, den Gazastreifen, das zuvor von Jordanien kontrollierte Westjordanland und Ostjerusalem sowie die syrischen Golanh\u00f6hen.<\/p>\n\n\n\n

Die 1982 an \u00c4gypten zur\u00fcckgegebene Sinai-Halbinsel ausgenommen, dauert Israels Kontrolle \u00fcber jene Gebiete bis heute auf die ein oder andere Weise an. Spielt sie deshalb auch eine Rolle, wenn es um die Bewertung des politischen Systems Israels geht? Beck schreibt, dass \"die Errichtung der Besatzungsregime im Jahr 1967 zweifelsohne ein undemokratischer Akt [war]\", diese aber nicht zwangsl\u00e4ufig etwas am demokratischen Charakter des politischen Systems Israel \u00e4ndern w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n

Sehr wohl anrechnen lassen m\u00fcsse sich Israel aber die Situation auf den syrischen Golanh\u00f6hen und in Ostjerusalem, da diese mittlerweile ins israelische Staatsgebiet annektiert wurden. Beck schreibt:<\/p>\n\n\n\n

Die Annexion eines Territoriums durch einen Staat ohne Referendum, d.h. eine Abstimmung durch die betroffene Bev\u00f6lkerung, widerspricht demokratischen Prinzipien fundamental.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Wichtiger noch sei allerdings, dass viele von der Annexion betroffene Pal\u00e4stinenser bis heute nicht \u00fcber dieselben Rechte verf\u00fcgen wie ihre israelischen Nachbarn. Statt der israelischen Staatsb\u00fcrgerschaft tragen pal\u00e4stinensische Bewohner Ostjerusalems lediglich Identit\u00e4tskarten, die sie als st\u00e4ndige Bewohner der Stadt ausweisen.<\/p>\n\n\n\n

Damit sind sie in Israel zwar steuerpflichtig, haben Zugang zu Sozialleistungen und k\u00f6nnen sich innerhalb Israel frei bewegen, staatsb\u00fcrgerlichen Rechte, wie beispielsweise das aktive und passive Wahlrecht besitzen sie allerdings nicht. Als undemokratisch bewertet Beck deshalb das \"israelische Herrschaftsregime in Jerusalem\".<\/p>\n\n\n\n

Besatzung beenden oder dieselben staatsb\u00fcrgerlichen Rechte f\u00fcr Pal\u00e4stinenser<\/h3>\n\n\n\n

Ob auch die Situation im Westjordanland und Gazastreifen eine Rolle f\u00fcr die Bewertung des politischen Systems Israels spielt, entscheidet sich dem Spezialisten f\u00fcr politische Systeme im Nahen Osten<\/a> zufolge vor allem an einer Frage: Ist die Besetzung der Gebiete ein vor\u00fcbergehendes Ph\u00e4nomen oder auf Dauer angelegt?<\/p>\n\n\n\n

Nur im letzteren Fall m\u00fcsse man das Besatzungsregime als Teil des politischen Systems Israels bewerten, so Beck. F\u00fcr den anhaltenden Charakter spreche allein schon die schiere Dauer der Besatzung: So dauert die israelische Besatzung schon \u00fcber ein halbes Jahrhundert und damit dreimal so lange wie Israel in den Grenzen von 1949 bis 1967 existierte.<\/p>\n\n\n\n

Hinzu kommen weitere Indizien: Das Scheitern des Osloer Verhandlungsprozess in den 1990er Jahren und im ersten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts, der anhaltende Siedlungsprozess sowie die weitgehenden Einigkeit unter den gro\u00dfen politischen Parteien Israels - und dass gro\u00dfe Teile des Westjordanlands dauerhaft unter israelischer Kontrolle verbleiben sollen. Beck kommt zu dem Schluss:<\/p>\n\n\n\n

Alle Indizien verweisen also darauf, dass die israelische Herrschaft \u00fcber das Westjordanland auf Dauer angelegt ist. In einer Demokratie m\u00fcsste daher allen dort Wohnenden der uneingeschr\u00e4nkte Zugang zu den staatsb\u00fcrgerlichen Rechten des politischen Gemeinwesens gew\u00e4hrt werden. Dies ist aber nicht der Fall.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Zweifelsfrei war Israel lediglich f\u00fcr sechs Monate eine Demokratie<\/h3>\n\n\n\n

W\u00e4hrend an der israelischen Besatzung des Westjordanlands kein Zweifel besteht, \u00fcberrascht, dass Beck f\u00fcr den Gazastreifen zu einer \u00e4hnlichen Bewertung kommt. Schlie\u00dflich hat Israel seine Soldaten im Jahr 2007 aus dem K\u00fcstenstreifen abgezogen und j\u00fcdische Siedlungen aufgel\u00f6st.<\/p>\n\n\n\n

Beck argumentiert, dass Israel auch heute seine Kontrolle von Land, Luft und Wasser aufrechterh\u00e4lt und die Besatzungsherrschaft damit fortsetzt, ohne \"den dort lebenden Menschen irgendeine Form demokratischer Mitwirkungsrechte zu gew\u00e4hren\".<\/p>\n\n\n\n

Mit dieser Einsch\u00e4tzung ist Beck nicht allein. Auch die Vereinten Nationen<\/a> und der Internationale Strafgerichtshof<\/a> vertreten die Auffassung, dass die israelische Besatzung \u00fcber den Gazastreifen andauert.<\/p>\n\n\n\n

F\u00fcr die Gesamtbewertung des politischen Systems Israels hat diese Frage allerdings ohnehin keine entscheidende Bedeutung mehr. Denn Becks Fazit f\u00e4llt eindeutig aus: Zweifelsfrei um eine Demokratie gehandelt habe es sich bei Israel lediglich in einem kurzen sechsmonatigen Zeitraum zwischen der Abschaffung des Milit\u00e4rrechts f\u00fcr arabische Israelis im November 1966 und dem Beginn des Sechstagekrieges im Juni 1967.<\/p>\n\n\n\n

Sp\u00e4testens mit Beginn der Besatzungsherrschaft habe Israel seinen Charakter als Demokratie verloren. F\u00fcr heutige Debatten rund um Israel empfiehlt der Nahost-Professor deshalb auf das Demokratieargument besser zu verzichten.

der\u00a0Ursprung<\/a><\/p>\n","post_title":"Die einzige Demokratie im Nahen Osten?","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-einzige-demokratie-im-nahen-osten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3775","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3719,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:39:47","post_date_gmt":"2020-08-13 21:39:47","post_content":"\n

Jenni Zylka und Christoph Safferling im Gespr\u00e4ch mit Anke Schaefer<\/a>- Sie kommen aus Syrien und dem Irak nach Deutschland zur\u00fcck: Frauen, die sich dem sogenannten Islamischen Staat (IS) angeschlossen haben, mit Terroristen zusammenlebten. Soll man sie k\u00fcnftig h\u00e4rter bestrafen? Die Journalistin Jenni Zylka und der Jurist Christoph Safferling sehen das kritisch.<\/p>\n\n\n\n

Frauen, die sich dem IS angeschlossen, aber selbst nicht gek\u00e4mpft haben, sollen laut Generalbundesanwalt Peter Frank als Mitl\u00e4uferinnen h\u00e4rter bestraft werden k\u00f6nnen. Frank meint: \u201eWir sind der Meinung, dass sich  auch bei diesen Frauen die Mitgliedschaft in einer ausl\u00e4ndischen terroristischen Organisation bejahen l\u00e4sst, weil diese Frauen die innere Struktur des sogenannten Islamischen Staates und damit diese Terrororganisation von innen heraus st\u00e4rken.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Aber sind diese Frauen nicht eher Opfer? Weil sie Angst um ihre Kinder hatten, den Umgang mit der Waffe zur Selbstverteidigung gelernt haben? Jenni Zylka meint dazu:  \u00dcber eine Mitschuld solcher Frauen nachzudenken, sei nachvollziehbar und auch legitim. Jedoch m\u00fcsse sehr genau hingeschaut und jede dieser Frauen einzeln betrachtet werden. Man m\u00fcsse unterscheiden, ob Frauen mit IS-Terroristen zusammengelebt und f\u00fcr diese gesorgt h\u00e4tten oder ob sie selbst militant geworden seien. Viele von ihnen seien zudem traumatisiert durch die Erlebnisse in den IS-Lagern.<\/p>\n\n\n\n

\"DieDie Journalistin Jenni Zylka (Deutschlandradio \/ Andreas Buron)<\/p>\n\n\n\n

Nicht wie Schwerverbrecherinnen behandeln<\/h2>\n\n\n\n

Christoph Safferling, Professor f\u00fcr Strafrecht an der Universit\u00e4t Erlangen-N\u00fcrnberg, sagt, er halte die Argumentation des Generalbundesanwalts f\u00fcr problematisch. Es handle sich zun\u00e4chst einmal um allt\u00e4gliche Handlungen wie Kochen und Sorge um die Kinder. \u201eUnd die Frage ist: Wann sind solche neutralen Handlungen tats\u00e4chlich straftatunterst\u00fctzend.\u201c Ein Vorsatz, die terroristischen Strukturen zu unterst\u00fctzen, m\u00fcsse klar nachgewiesen werden.<\/p>\n\n\n\n

Vielmehr stelle sich die Frage, ob die Frauen nicht eher als Opfer betrachtet werden m\u00fcssten. Viele h\u00e4tten sich wie unter Zwang auf die Situation eingelassen \u2013 diese k\u00f6nne man strukturell durchaus mit den Bedingungen von Zwangsprostitution vergleichen. Viele der jungen Frauen seien auch unter Drogen gesetzt worden.<\/p>\n\n\n\n

Zugest\u00e4ndnis an Irak?<\/h2>\n\n\n\n

Eine m\u00f6gliche Erkl\u00e4rung der harten Linie der Generalbundesanwaltschaft \u00fcber die man nur spekulieren k\u00f6nne: \u201eIch kann mir auch vorstellen, dass, wenn es jetzt darum geht, Irak davon zu \u00fcberzeugen, die deutschen Staatsangeh\u00f6rigen, die dort einsitzen, auszuliefern, man ihnen gegen\u00fcber auch zu verstehen geben muss, dass die hier einer Strafverfolgung zugef\u00fchrt werden. Ansonsten w\u00fcrde der Irak sich vielleicht weigern, sie auszuliefern.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Safferling h\u00e4lt eine intensive Betreuung der zur\u00fcckgekehrten Frauen und M\u00e4dchen f\u00fcr unerl\u00e4sslich \u2013 man d\u00fcrfe sie keinesfalls alleine lassen und nicht wie Schwerverbrecherinnen behandeln. Es m\u00fcsse vielmehr verhindert werden, dass die jungen Frauen etwa in die Salafisten-Szene abtauchten.<\/p>\n","post_title":"Sie sind eher Opfer als Schwerverbrecherinnen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"sie-sind-eher-opfer-als-schwerverbrecherinnen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3719","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3709,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:30:50","post_date_gmt":"2020-08-13 21:30:50","post_content":"\n

Drei Millionen Afghanen sind ins Nachbarland Iran geflohen. Viele arbeiten schwarz. Die Aussicht auf einen festen Lohn plus Papiere f\u00fcr die Familie ist verlockend. Die Gegenleistung daf\u00fcr: K\u00e4mpfen in Syrien.<\/p>\n\n\n\n

Wenn Abu Fazel von den Gr\u00e4ueltaten des syrischen B\u00fcrgerkriegs h\u00f6rt, denkt er immer daran, dass er auch beinahe als K\u00e4mpfer auf diesem Schlachtfeld gelandet w\u00e4re. Doch Abu Fazel ist weder Syrer noch wollte er zum sogenannten \u201eIslamischen Staat\u201c. Der 18-J\u00e4hrige ist ein afghanischer Gefl\u00fcchteter, der zur Zeit in Leverkusen lebt.<\/p>\n\n\n\n

Den Gro\u00dfteil seines Lebens verbrachte er im Iran. Seine Familie ist dorthin gefl\u00fcchtet, als er ein Kind war. Doch als die iranische Regierung ihn nach Syrien schicken wollte, um auf der Seite von Machthaber Baschar al-Assad zu k\u00e4mpfen, entschloss er sich zu fliehen.<\/p>\n\n\n\n

\"Fl\u00fcchtlingeGefl\u00fcchtete aus dem Iran und Afghanistan an der Grenze zwischen Mazedonien und Griechenland. (picture alliance \/ dpa \/ Georgi Licovski)<\/p>\n\n\n\n

Tausende afghanische Jugendliche \u2013 die genaue Zahl ist nicht bekannt \u2013 wurden im Iran rekrutiert, um im Krieg in Syrien zu k\u00e4mpfen. Erst vor Kurzem berichtete die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, dass sie die Gr\u00e4ber von acht afghanischen Kindern, die in Syrien get\u00f6tet wurden, identifiziert hat. Laut der Organisation rekrutiert der Iran regelm\u00e4\u00dfig minderj\u00e4hrige K\u00e4mpfer, um sie nach Syrien zu schicken. Unter afghanischen Gefl\u00fcchteten ist diese Praxis schon l\u00e4nger bekannt.<\/p>\n\n\n\n

Rassismus gegen Afghanen im Iran<\/h2>\n\n\n\n

Fast drei Millionen Gefl\u00fcchtete aus Afghanistan sind inzwischen im Iran. Die meisten von ihnen leben in der Illegalit\u00e4t und werden als Schwarzarbeiter, etwa am Bau, ausgebeutet. Rassismus und Ausgrenzung geh\u00f6ren zu ihrem gesellschaftlichen Alltag. Kinder sind davon nicht ausgeschlossen. Im Gegenteil: Vielen afghanischen Kinderm ist es nicht erlaubt, staatliche Schulen zu besuchen. Abu Fazel wurde Zeit seines Lebens von dieser Diskrimierung beeinflusst und verfolgt.<\/p>\n\n\n\n

\u201e'Afghane\u2018 \u2013 das ist dort ein Schimpfwort. Ich h\u00f6rte es von klein auf immer wieder. Der Rassismus gegen Afghanen ist dort v\u00f6llig normal. Meine Herkunft, auf der ich eigentlich stolz war, ist im Iran stets eine Last gewesen. Wir sind dort B\u00fcrger zweiter Klasse.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung der afghanischen Gefl\u00fcchteten ist f\u00fcr Abu Fazel die Spitze jenes Rassismus, den er erlebt hat.<\/p>\n\n\n\n

Iran: Syrien vor sunnitischen Extremisten verteidigen<\/h2>\n\n\n\n

In Syrien k\u00e4mpfen neben den afghanischen Milizen auch andere paramilit\u00e4rische Gruppierungen im Auftrag des Irans: etwa die ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigten Revolutionsgarden, die einst Ayatollah Ruhollah Khomeini pers\u00f6nlich ins Leben rief oder die Basidsch-Milizen. Beiden Gruppierungen sind nicht nur in Syrien aktiv, sondern auch im Irak.<\/p>\n\n\n\n

Obowhl sich das syrische Regime von Baschar al-Assad als s\u00e4kular ausweist, wird es vom Iran, der sich als Repr\u00e4sentant aller muslimischen Schiiten betrachtet, unterst\u00fctzt. Gemeinsames Ziel in Syrien ist es: Schiiten vor sunnitische Extremisten zu verteidigen. Dennoch ist das Regime darauf bedacht, m\u00f6glichst wenig eigene K\u00e4mpfer nach Syrien zu schicken. \u00c4hnlich wie einst w\u00e4hrend des Krieges gegen Saddam Husseins Irak, setzt der Iran auf ausl\u00e4ndische K\u00e4mpfer.<\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung war wie eine Gehirnw\u00e4sche<\/h2>\n\n\n\n

Abu Fazels Familie geh\u00f6rt zur afghanischen Minderheit der schiitischen Hazara \u2013 wie viele Afghanen, die in den Iran gekommen sind. Mittlerweile k\u00e4mpfen Tausende von ihnen in Syrien. Der Iran bezahlt die Afghanen mit einem Sold von wenigen hundert Dollar pro Monat und verspricht ihren Familien eine Aufenthaltsgenehmigung oder eine Arbeitserlaubnis.<\/p>\n\n\n\n

An der Rekrutierung der Afghanen sind sowohl die Revolutionsgarden als auch die erw\u00e4hnten Basidsch-Milizen beteiligt. Abu Fazel beschreibt, wie das Viertel, in dem er gemeinsam mit seiner Familie in Teheran lebte, regelm\u00e4\u00dfig von den K\u00e4mpfern aufgesucht wurde. Viele afghanische Gefl\u00fcchtete lebten dort \u2013 und fielen auf die Gehirnw\u00e4sche der Rattenf\u00e4nger herein.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie trafen junge M\u00e4nner und Jugendliche in den Moscheen und \u00fcberredeten sie, gegen den IS oder Al Qaida zu k\u00e4mpfen. Die Gehirnw\u00e4sche war perfekt. Am Ende merkten viele, darunter auch ich, nicht einmal, dass wir in ihre Propaganda getappt waren. Ihre \u00dcberredungskunst war wirklich sehr speziell. Am Ende hat man Lust, nach Syrien zu gehen, um zu k\u00e4mpfen\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Erfolg hatten die Rekrutierer des Regimes auch bei Abu Fazels Cousin, der zum damaligen Zeitpunkt ebenfalls minderj\u00e4hrig gewesen ist. Er ging nach Syrien und k\u00e4mpfte unter der Flagge der \u201eLiwa Fatemiyoun\u201c, wie die afghanische Division auf Seiten Assads hei\u00dft. Offiziell ist die Aufgabe der Miliz die Verteidigung des Schreines von Zaynab im S\u00fcden von Damaskus. Zaynab war die Enkelin des islamischen Propheten Mohammad. Laut iranischen Staatsmedien k\u00e4mpfen mindestens 20.000 Afghanen in der Division.<\/p>\n\n\n\n

Im August 2014 entschloss sich auch Abu Fazel, nach Syrien zu gehen und zu k\u00e4mpfen. Im selben Monat wurde sein Cousin in der N\u00e4he von Aleppo im Kampf gegen syrische Rebellen get\u00f6tet.<\/p>\n\n\n\n

\u201eMein Cousin wurde dort get\u00f6tet. Auch andere Jungs aus unserer Gegend gingen nach Syrien und fielen dort. Lokale Zeitungen nannten sie \u201aM\u00e4rtyrer\u2018.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Lieber Flucht statt K\u00e4mpfer in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein solcher \u201eM\u00e4rtyrer\u201c wollte Abu Fazel allerdings nicht werden. Er floh eine Woche vor dem Beginn seiner dreimonatigen Kampfausbildung. Es war ihm lieber, ein Leben auf der Flucht zu verbringen, als in Syrien unschuldige Menschen f\u00fcr einen Diktator zu t\u00f6ten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch kam zu dem Schluss, dass ich nicht als M\u00f6rder weiterleben k\u00f6nnte. Stets dachte ich mir, dass selbst die schlimmsten Al-Qaida- oder IS-Terroristen Kinder haben k\u00f6nnten, die ihren Vater lieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Fazel verlor seinen eigenen Vater bereits sehr fr\u00fch. Er wurde Opfer des B\u00fcrgerkriegs in Afghanistan, der von 1989 bis 2001 tausende Menschen das Leben kostete. Auch der Iran mischte in der Zeit schon mit. Es ist allgemein bekannt, dass die schiitischen Hazara-Milizen, die den B\u00fcrgerkrieg ebenfalls mitanfachten, von der Regierung in Teheran unterst\u00fctzt wurden.<\/p>\n\n\n\n

Als Abu Fazel sich nun entschloss, aus der Gewaltspirale auszusteigen und nicht in Syrien zu k\u00e4mpfen, wuchs die Angst bei seiner Familie. Denn f\u00fcr die iranischen Beh\u00f6rden gilt: Hat man sich einmal gemeldet, gibt es kein zur\u00fcck. Man muss an die Front nach Syrien \u2013 oder wird zur\u00fcck nach Afghanistan abgeschoben, wo ebenfalls Krieg herrscht.<\/p>\n\n\n\n

Der einzige Ausweg f\u00fcr den jungen Afghanen war die Flucht. \u00dcber die T\u00fcrkei, Griechenland und die Balkranroute erreichte er mit gro\u00dfer M\u00fche Deutschland, wo er einen Asylantrag stellte.<\/p>\n\n\n\n

Erster Asylantrag in Deutschland abgelehnt<\/h2>\n\n\n\n

Als Grund nannte er seine Rekrutierung als Kindersoldat seitens des iranischen Regimes. Doch w\u00e4hrend diese Begr\u00fcndung in Abu Fazels Augen v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich war, sahen deutsche Beh\u00f6rden das anders. Sein erster Antrag wurde abgelehnt. Derzeit versucht er es ein zweites Mal. Die Bundesrepublik schiebt afghanische Gefl\u00fcchtete weiterhin ab.<\/p>\n\n\n\n

\"EinAbschiebung von Afghanen im Dezember 2016 mit einem Charterflug von Frankfurt nach Kabul. (dpa \/picture alliance \/ Boris Roessler)<\/p>\n\n\n\n

Die Verantwortlichen weisen in diesem Kontext immer wieder auf vermeintlich \u201esichere Gebiete\u201c im Land, die nicht n\u00e4her benannt werden.<\/p>\n\n\n\n

W\u00e4hrenddessen machen Menschenrechtsorganisationen regelm\u00e4\u00dfig darauf aufmerksam, dass keine Region am Hindukusch sicher ist. Stattdessen wird in manchen Gebieten nur weniger Krieg gef\u00fchrt als in anderen.<\/p>\n\n\n\n

\"SieDemonstranten protestieren in Frankfurt am Main gegen die Abschiebung von Afghanen. Auf einem der Transparente steht \u201eAfghanistan is not safe\u201c. (AFP \/ Daniel Roland)<\/p>\n\n\n\n

Alis Vater und Onkel k\u00e4mpfen in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein \u00e4hnliches Schicksal wie Abu Fazel erlitt der 18-j\u00e4hrige Ali (Namen ge\u00e4ndert). Auch er floh aus dem Iran nach Deutschland, um der Rekrutierung f\u00fcr Assads Milizen zu entgehen. Viele seiner afghanischen Freunde sind bereits nach Syrien gezogen \u2013 und kamen niemals zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Alis Familie, ebenfalls Angeh\u00f6rige der Hazara-Minderheit, stammt urspr\u00fcnglich aus der Provinz Ghor im Nordosten Afghanistans. Ihre Heimat verlie\u00dfen sie w\u00e4hrend der sowjetischen Besatzung in den 1980er-Jahren.<\/p>\n\n\n\n

Seit jeher lebt die Familie in der iranischen Gro\u00dfstadt Maschhad. Als der Krieg in Syrien ausbrach, erreichte sie ein Konflikt, mit dem sie nicht gerechnet hatten. Im Juli 2015 reiste Alis Vater nach Teheran. Er wollte einen Weg finden, um f\u00fcr seine Familie Aufenthaltspapiere zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Beh\u00f6rden sagten ihm, dass die Rekrutierung f\u00fcr den Krieg in Syrien eine M\u00f6glichkeit darstellen k\u00f6nnte, um Papiere f\u00fcr uns alle zu erhalten. Andernfalls w\u00fcrde man uns sehr bald nach Afghanistan abschieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Mittlerweile k\u00e4mpfen Alis Vater und sein Onkel seit \u00fcber einem Jahr in Syrien. Am Aufenthaltsstatus seiner Familienmitglieder hat sich bis heute allerdings nichts ge\u00e4ndert. F\u00fcr Ali ist klar, dass dies nur eine Falle gewesen ist, um noch mehr Afghanen als Kanonenfutter zu missbrauchen.<\/p>\n\n\n\n

Anfangs gab es Papiere f\u00fcr K\u00e4mpfer-Familien<\/h2>\n\n\n\n

Den Kontakt zu seinem Vater hat der Afghane mittlerweile verloren. W\u00e4hrenddessen schickt ihm sein Onkel, der in Aleppo stationiert ist, hin und wieder Bilder \u00fcber den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ali denkt, dass nur sehr wenige Afghanen der Propaganda der iranischen Regierung glauben und in Syrien f\u00fcr eine \u201egute Sache\u201c k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

Source<\/a><\/p>\n","post_title":"Warum Afghanen in Syrien f\u00fcr Assad k\u00e4mpfen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"warum-afghanen-in-syrien-fur-assad-kampfen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3709","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":9},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

\n

Demokratie-Pr\u00fcfung scheiterte am Milit\u00e4rrecht f\u00fcr arabische Israelis<\/h3>\n\n\n\n

Beck unterzieht Israels politisches Systems deshalb einer zweiten Pr\u00fcfung. Der amerikanische Politikwissenschaftler Robert Dahl hat acht Bedingungen formuliert, die ein politisches System mindestens erf\u00fcllen muss, um als Demokratie zu gelten.<\/p>\n\n\n\n

Diese sind: Organisationsfreiheit, Meinungsfreiheit, aktives und passives Wahlrecht, das Recht politischer Eliten auf Werbung f\u00fcr Unterst\u00fctzung und um W\u00e4hlerstimmen, der Zugang zu alternativen Informationsquellen, freie und faire Wahlen sowie die institutionelle Bindung von Regierungspolitik an Wahlen und andere Formen der Willensbildung.<\/p>\n\n\n\n

Legt man diese Minimaldefinition von Demokratie zugrunde, besteht Israel die Pr\u00fcfung. \"Mit Blick auf Israel erscheinen all diese Bedingungen nicht nur f\u00fcr seine j\u00fcdischen, sondern auch f\u00fcr seine arabischen Staatsb\u00fcrgerinnen und Staatsb\u00fcrger erf\u00fcllt\", schreibt Beck.<\/p>\n\n\n\n

Allerdings liefert er dazu eine gro\u00dfe zeitliche Einschr\u00e4nkung: So lebten in den ersten Jahren gro\u00dfe Teile der arabischen Bev\u00f6lkerung Israels unter Milit\u00e4rverwaltung und genossen nicht dieselben staatsb\u00fcrgerlichen Rechte wie der Rest der Bev\u00f6lkerung. Aufgehoben wurde das Milit\u00e4rrecht f\u00fcr arabische Israelis erst am 8. November 1966. Um einen demokratischen Staat k\u00f6nne es sich also fr\u00fchestens ab diesem Zeitpunkt handeln.<\/p>\n\n\n\n

Macht die Besatzung Israel zu einem undemokratischen Staat?<\/h3>\n\n\n\n

Nur wenige Monate folgte allerdings ein Ereignis, dass Israels Bewertung als demokratischen Staat abermals in Zweifel zieht. Im Zuge des Sechstagekrieges besetzte Israel im Juni 1967 die \u00e4gyptische Sinai-Halbinsel, den Gazastreifen, das zuvor von Jordanien kontrollierte Westjordanland und Ostjerusalem sowie die syrischen Golanh\u00f6hen.<\/p>\n\n\n\n

Die 1982 an \u00c4gypten zur\u00fcckgegebene Sinai-Halbinsel ausgenommen, dauert Israels Kontrolle \u00fcber jene Gebiete bis heute auf die ein oder andere Weise an. Spielt sie deshalb auch eine Rolle, wenn es um die Bewertung des politischen Systems Israels geht? Beck schreibt, dass \"die Errichtung der Besatzungsregime im Jahr 1967 zweifelsohne ein undemokratischer Akt [war]\", diese aber nicht zwangsl\u00e4ufig etwas am demokratischen Charakter des politischen Systems Israel \u00e4ndern w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n

Sehr wohl anrechnen lassen m\u00fcsse sich Israel aber die Situation auf den syrischen Golanh\u00f6hen und in Ostjerusalem, da diese mittlerweile ins israelische Staatsgebiet annektiert wurden. Beck schreibt:<\/p>\n\n\n\n

Die Annexion eines Territoriums durch einen Staat ohne Referendum, d.h. eine Abstimmung durch die betroffene Bev\u00f6lkerung, widerspricht demokratischen Prinzipien fundamental.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Wichtiger noch sei allerdings, dass viele von der Annexion betroffene Pal\u00e4stinenser bis heute nicht \u00fcber dieselben Rechte verf\u00fcgen wie ihre israelischen Nachbarn. Statt der israelischen Staatsb\u00fcrgerschaft tragen pal\u00e4stinensische Bewohner Ostjerusalems lediglich Identit\u00e4tskarten, die sie als st\u00e4ndige Bewohner der Stadt ausweisen.<\/p>\n\n\n\n

Damit sind sie in Israel zwar steuerpflichtig, haben Zugang zu Sozialleistungen und k\u00f6nnen sich innerhalb Israel frei bewegen, staatsb\u00fcrgerlichen Rechte, wie beispielsweise das aktive und passive Wahlrecht besitzen sie allerdings nicht. Als undemokratisch bewertet Beck deshalb das \"israelische Herrschaftsregime in Jerusalem\".<\/p>\n\n\n\n

Besatzung beenden oder dieselben staatsb\u00fcrgerlichen Rechte f\u00fcr Pal\u00e4stinenser<\/h3>\n\n\n\n

Ob auch die Situation im Westjordanland und Gazastreifen eine Rolle f\u00fcr die Bewertung des politischen Systems Israels spielt, entscheidet sich dem Spezialisten f\u00fcr politische Systeme im Nahen Osten<\/a> zufolge vor allem an einer Frage: Ist die Besetzung der Gebiete ein vor\u00fcbergehendes Ph\u00e4nomen oder auf Dauer angelegt?<\/p>\n\n\n\n

Nur im letzteren Fall m\u00fcsse man das Besatzungsregime als Teil des politischen Systems Israels bewerten, so Beck. F\u00fcr den anhaltenden Charakter spreche allein schon die schiere Dauer der Besatzung: So dauert die israelische Besatzung schon \u00fcber ein halbes Jahrhundert und damit dreimal so lange wie Israel in den Grenzen von 1949 bis 1967 existierte.<\/p>\n\n\n\n

Hinzu kommen weitere Indizien: Das Scheitern des Osloer Verhandlungsprozess in den 1990er Jahren und im ersten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts, der anhaltende Siedlungsprozess sowie die weitgehenden Einigkeit unter den gro\u00dfen politischen Parteien Israels - und dass gro\u00dfe Teile des Westjordanlands dauerhaft unter israelischer Kontrolle verbleiben sollen. Beck kommt zu dem Schluss:<\/p>\n\n\n\n

Alle Indizien verweisen also darauf, dass die israelische Herrschaft \u00fcber das Westjordanland auf Dauer angelegt ist. In einer Demokratie m\u00fcsste daher allen dort Wohnenden der uneingeschr\u00e4nkte Zugang zu den staatsb\u00fcrgerlichen Rechten des politischen Gemeinwesens gew\u00e4hrt werden. Dies ist aber nicht der Fall.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Zweifelsfrei war Israel lediglich f\u00fcr sechs Monate eine Demokratie<\/h3>\n\n\n\n

W\u00e4hrend an der israelischen Besatzung des Westjordanlands kein Zweifel besteht, \u00fcberrascht, dass Beck f\u00fcr den Gazastreifen zu einer \u00e4hnlichen Bewertung kommt. Schlie\u00dflich hat Israel seine Soldaten im Jahr 2007 aus dem K\u00fcstenstreifen abgezogen und j\u00fcdische Siedlungen aufgel\u00f6st.<\/p>\n\n\n\n

Beck argumentiert, dass Israel auch heute seine Kontrolle von Land, Luft und Wasser aufrechterh\u00e4lt und die Besatzungsherrschaft damit fortsetzt, ohne \"den dort lebenden Menschen irgendeine Form demokratischer Mitwirkungsrechte zu gew\u00e4hren\".<\/p>\n\n\n\n

Mit dieser Einsch\u00e4tzung ist Beck nicht allein. Auch die Vereinten Nationen<\/a> und der Internationale Strafgerichtshof<\/a> vertreten die Auffassung, dass die israelische Besatzung \u00fcber den Gazastreifen andauert.<\/p>\n\n\n\n

F\u00fcr die Gesamtbewertung des politischen Systems Israels hat diese Frage allerdings ohnehin keine entscheidende Bedeutung mehr. Denn Becks Fazit f\u00e4llt eindeutig aus: Zweifelsfrei um eine Demokratie gehandelt habe es sich bei Israel lediglich in einem kurzen sechsmonatigen Zeitraum zwischen der Abschaffung des Milit\u00e4rrechts f\u00fcr arabische Israelis im November 1966 und dem Beginn des Sechstagekrieges im Juni 1967.<\/p>\n\n\n\n

Sp\u00e4testens mit Beginn der Besatzungsherrschaft habe Israel seinen Charakter als Demokratie verloren. F\u00fcr heutige Debatten rund um Israel empfiehlt der Nahost-Professor deshalb auf das Demokratieargument besser zu verzichten.

der\u00a0Ursprung<\/a><\/p>\n","post_title":"Die einzige Demokratie im Nahen Osten?","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-einzige-demokratie-im-nahen-osten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3775","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3719,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:39:47","post_date_gmt":"2020-08-13 21:39:47","post_content":"\n

Jenni Zylka und Christoph Safferling im Gespr\u00e4ch mit Anke Schaefer<\/a>- Sie kommen aus Syrien und dem Irak nach Deutschland zur\u00fcck: Frauen, die sich dem sogenannten Islamischen Staat (IS) angeschlossen haben, mit Terroristen zusammenlebten. Soll man sie k\u00fcnftig h\u00e4rter bestrafen? Die Journalistin Jenni Zylka und der Jurist Christoph Safferling sehen das kritisch.<\/p>\n\n\n\n

Frauen, die sich dem IS angeschlossen, aber selbst nicht gek\u00e4mpft haben, sollen laut Generalbundesanwalt Peter Frank als Mitl\u00e4uferinnen h\u00e4rter bestraft werden k\u00f6nnen. Frank meint: \u201eWir sind der Meinung, dass sich  auch bei diesen Frauen die Mitgliedschaft in einer ausl\u00e4ndischen terroristischen Organisation bejahen l\u00e4sst, weil diese Frauen die innere Struktur des sogenannten Islamischen Staates und damit diese Terrororganisation von innen heraus st\u00e4rken.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Aber sind diese Frauen nicht eher Opfer? Weil sie Angst um ihre Kinder hatten, den Umgang mit der Waffe zur Selbstverteidigung gelernt haben? Jenni Zylka meint dazu:  \u00dcber eine Mitschuld solcher Frauen nachzudenken, sei nachvollziehbar und auch legitim. Jedoch m\u00fcsse sehr genau hingeschaut und jede dieser Frauen einzeln betrachtet werden. Man m\u00fcsse unterscheiden, ob Frauen mit IS-Terroristen zusammengelebt und f\u00fcr diese gesorgt h\u00e4tten oder ob sie selbst militant geworden seien. Viele von ihnen seien zudem traumatisiert durch die Erlebnisse in den IS-Lagern.<\/p>\n\n\n\n

\"DieDie Journalistin Jenni Zylka (Deutschlandradio \/ Andreas Buron)<\/p>\n\n\n\n

Nicht wie Schwerverbrecherinnen behandeln<\/h2>\n\n\n\n

Christoph Safferling, Professor f\u00fcr Strafrecht an der Universit\u00e4t Erlangen-N\u00fcrnberg, sagt, er halte die Argumentation des Generalbundesanwalts f\u00fcr problematisch. Es handle sich zun\u00e4chst einmal um allt\u00e4gliche Handlungen wie Kochen und Sorge um die Kinder. \u201eUnd die Frage ist: Wann sind solche neutralen Handlungen tats\u00e4chlich straftatunterst\u00fctzend.\u201c Ein Vorsatz, die terroristischen Strukturen zu unterst\u00fctzen, m\u00fcsse klar nachgewiesen werden.<\/p>\n\n\n\n

Vielmehr stelle sich die Frage, ob die Frauen nicht eher als Opfer betrachtet werden m\u00fcssten. Viele h\u00e4tten sich wie unter Zwang auf die Situation eingelassen \u2013 diese k\u00f6nne man strukturell durchaus mit den Bedingungen von Zwangsprostitution vergleichen. Viele der jungen Frauen seien auch unter Drogen gesetzt worden.<\/p>\n\n\n\n

Zugest\u00e4ndnis an Irak?<\/h2>\n\n\n\n

Eine m\u00f6gliche Erkl\u00e4rung der harten Linie der Generalbundesanwaltschaft \u00fcber die man nur spekulieren k\u00f6nne: \u201eIch kann mir auch vorstellen, dass, wenn es jetzt darum geht, Irak davon zu \u00fcberzeugen, die deutschen Staatsangeh\u00f6rigen, die dort einsitzen, auszuliefern, man ihnen gegen\u00fcber auch zu verstehen geben muss, dass die hier einer Strafverfolgung zugef\u00fchrt werden. Ansonsten w\u00fcrde der Irak sich vielleicht weigern, sie auszuliefern.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Safferling h\u00e4lt eine intensive Betreuung der zur\u00fcckgekehrten Frauen und M\u00e4dchen f\u00fcr unerl\u00e4sslich \u2013 man d\u00fcrfe sie keinesfalls alleine lassen und nicht wie Schwerverbrecherinnen behandeln. Es m\u00fcsse vielmehr verhindert werden, dass die jungen Frauen etwa in die Salafisten-Szene abtauchten.<\/p>\n","post_title":"Sie sind eher Opfer als Schwerverbrecherinnen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"sie-sind-eher-opfer-als-schwerverbrecherinnen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3719","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3709,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:30:50","post_date_gmt":"2020-08-13 21:30:50","post_content":"\n

Drei Millionen Afghanen sind ins Nachbarland Iran geflohen. Viele arbeiten schwarz. Die Aussicht auf einen festen Lohn plus Papiere f\u00fcr die Familie ist verlockend. Die Gegenleistung daf\u00fcr: K\u00e4mpfen in Syrien.<\/p>\n\n\n\n

Wenn Abu Fazel von den Gr\u00e4ueltaten des syrischen B\u00fcrgerkriegs h\u00f6rt, denkt er immer daran, dass er auch beinahe als K\u00e4mpfer auf diesem Schlachtfeld gelandet w\u00e4re. Doch Abu Fazel ist weder Syrer noch wollte er zum sogenannten \u201eIslamischen Staat\u201c. Der 18-J\u00e4hrige ist ein afghanischer Gefl\u00fcchteter, der zur Zeit in Leverkusen lebt.<\/p>\n\n\n\n

Den Gro\u00dfteil seines Lebens verbrachte er im Iran. Seine Familie ist dorthin gefl\u00fcchtet, als er ein Kind war. Doch als die iranische Regierung ihn nach Syrien schicken wollte, um auf der Seite von Machthaber Baschar al-Assad zu k\u00e4mpfen, entschloss er sich zu fliehen.<\/p>\n\n\n\n

\"Fl\u00fcchtlingeGefl\u00fcchtete aus dem Iran und Afghanistan an der Grenze zwischen Mazedonien und Griechenland. (picture alliance \/ dpa \/ Georgi Licovski)<\/p>\n\n\n\n

Tausende afghanische Jugendliche \u2013 die genaue Zahl ist nicht bekannt \u2013 wurden im Iran rekrutiert, um im Krieg in Syrien zu k\u00e4mpfen. Erst vor Kurzem berichtete die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, dass sie die Gr\u00e4ber von acht afghanischen Kindern, die in Syrien get\u00f6tet wurden, identifiziert hat. Laut der Organisation rekrutiert der Iran regelm\u00e4\u00dfig minderj\u00e4hrige K\u00e4mpfer, um sie nach Syrien zu schicken. Unter afghanischen Gefl\u00fcchteten ist diese Praxis schon l\u00e4nger bekannt.<\/p>\n\n\n\n

Rassismus gegen Afghanen im Iran<\/h2>\n\n\n\n

Fast drei Millionen Gefl\u00fcchtete aus Afghanistan sind inzwischen im Iran. Die meisten von ihnen leben in der Illegalit\u00e4t und werden als Schwarzarbeiter, etwa am Bau, ausgebeutet. Rassismus und Ausgrenzung geh\u00f6ren zu ihrem gesellschaftlichen Alltag. Kinder sind davon nicht ausgeschlossen. Im Gegenteil: Vielen afghanischen Kinderm ist es nicht erlaubt, staatliche Schulen zu besuchen. Abu Fazel wurde Zeit seines Lebens von dieser Diskrimierung beeinflusst und verfolgt.<\/p>\n\n\n\n

\u201e'Afghane\u2018 \u2013 das ist dort ein Schimpfwort. Ich h\u00f6rte es von klein auf immer wieder. Der Rassismus gegen Afghanen ist dort v\u00f6llig normal. Meine Herkunft, auf der ich eigentlich stolz war, ist im Iran stets eine Last gewesen. Wir sind dort B\u00fcrger zweiter Klasse.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung der afghanischen Gefl\u00fcchteten ist f\u00fcr Abu Fazel die Spitze jenes Rassismus, den er erlebt hat.<\/p>\n\n\n\n

Iran: Syrien vor sunnitischen Extremisten verteidigen<\/h2>\n\n\n\n

In Syrien k\u00e4mpfen neben den afghanischen Milizen auch andere paramilit\u00e4rische Gruppierungen im Auftrag des Irans: etwa die ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigten Revolutionsgarden, die einst Ayatollah Ruhollah Khomeini pers\u00f6nlich ins Leben rief oder die Basidsch-Milizen. Beiden Gruppierungen sind nicht nur in Syrien aktiv, sondern auch im Irak.<\/p>\n\n\n\n

Obowhl sich das syrische Regime von Baschar al-Assad als s\u00e4kular ausweist, wird es vom Iran, der sich als Repr\u00e4sentant aller muslimischen Schiiten betrachtet, unterst\u00fctzt. Gemeinsames Ziel in Syrien ist es: Schiiten vor sunnitische Extremisten zu verteidigen. Dennoch ist das Regime darauf bedacht, m\u00f6glichst wenig eigene K\u00e4mpfer nach Syrien zu schicken. \u00c4hnlich wie einst w\u00e4hrend des Krieges gegen Saddam Husseins Irak, setzt der Iran auf ausl\u00e4ndische K\u00e4mpfer.<\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung war wie eine Gehirnw\u00e4sche<\/h2>\n\n\n\n

Abu Fazels Familie geh\u00f6rt zur afghanischen Minderheit der schiitischen Hazara \u2013 wie viele Afghanen, die in den Iran gekommen sind. Mittlerweile k\u00e4mpfen Tausende von ihnen in Syrien. Der Iran bezahlt die Afghanen mit einem Sold von wenigen hundert Dollar pro Monat und verspricht ihren Familien eine Aufenthaltsgenehmigung oder eine Arbeitserlaubnis.<\/p>\n\n\n\n

An der Rekrutierung der Afghanen sind sowohl die Revolutionsgarden als auch die erw\u00e4hnten Basidsch-Milizen beteiligt. Abu Fazel beschreibt, wie das Viertel, in dem er gemeinsam mit seiner Familie in Teheran lebte, regelm\u00e4\u00dfig von den K\u00e4mpfern aufgesucht wurde. Viele afghanische Gefl\u00fcchtete lebten dort \u2013 und fielen auf die Gehirnw\u00e4sche der Rattenf\u00e4nger herein.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie trafen junge M\u00e4nner und Jugendliche in den Moscheen und \u00fcberredeten sie, gegen den IS oder Al Qaida zu k\u00e4mpfen. Die Gehirnw\u00e4sche war perfekt. Am Ende merkten viele, darunter auch ich, nicht einmal, dass wir in ihre Propaganda getappt waren. Ihre \u00dcberredungskunst war wirklich sehr speziell. Am Ende hat man Lust, nach Syrien zu gehen, um zu k\u00e4mpfen\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Erfolg hatten die Rekrutierer des Regimes auch bei Abu Fazels Cousin, der zum damaligen Zeitpunkt ebenfalls minderj\u00e4hrig gewesen ist. Er ging nach Syrien und k\u00e4mpfte unter der Flagge der \u201eLiwa Fatemiyoun\u201c, wie die afghanische Division auf Seiten Assads hei\u00dft. Offiziell ist die Aufgabe der Miliz die Verteidigung des Schreines von Zaynab im S\u00fcden von Damaskus. Zaynab war die Enkelin des islamischen Propheten Mohammad. Laut iranischen Staatsmedien k\u00e4mpfen mindestens 20.000 Afghanen in der Division.<\/p>\n\n\n\n

Im August 2014 entschloss sich auch Abu Fazel, nach Syrien zu gehen und zu k\u00e4mpfen. Im selben Monat wurde sein Cousin in der N\u00e4he von Aleppo im Kampf gegen syrische Rebellen get\u00f6tet.<\/p>\n\n\n\n

\u201eMein Cousin wurde dort get\u00f6tet. Auch andere Jungs aus unserer Gegend gingen nach Syrien und fielen dort. Lokale Zeitungen nannten sie \u201aM\u00e4rtyrer\u2018.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Lieber Flucht statt K\u00e4mpfer in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein solcher \u201eM\u00e4rtyrer\u201c wollte Abu Fazel allerdings nicht werden. Er floh eine Woche vor dem Beginn seiner dreimonatigen Kampfausbildung. Es war ihm lieber, ein Leben auf der Flucht zu verbringen, als in Syrien unschuldige Menschen f\u00fcr einen Diktator zu t\u00f6ten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch kam zu dem Schluss, dass ich nicht als M\u00f6rder weiterleben k\u00f6nnte. Stets dachte ich mir, dass selbst die schlimmsten Al-Qaida- oder IS-Terroristen Kinder haben k\u00f6nnten, die ihren Vater lieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Fazel verlor seinen eigenen Vater bereits sehr fr\u00fch. Er wurde Opfer des B\u00fcrgerkriegs in Afghanistan, der von 1989 bis 2001 tausende Menschen das Leben kostete. Auch der Iran mischte in der Zeit schon mit. Es ist allgemein bekannt, dass die schiitischen Hazara-Milizen, die den B\u00fcrgerkrieg ebenfalls mitanfachten, von der Regierung in Teheran unterst\u00fctzt wurden.<\/p>\n\n\n\n

Als Abu Fazel sich nun entschloss, aus der Gewaltspirale auszusteigen und nicht in Syrien zu k\u00e4mpfen, wuchs die Angst bei seiner Familie. Denn f\u00fcr die iranischen Beh\u00f6rden gilt: Hat man sich einmal gemeldet, gibt es kein zur\u00fcck. Man muss an die Front nach Syrien \u2013 oder wird zur\u00fcck nach Afghanistan abgeschoben, wo ebenfalls Krieg herrscht.<\/p>\n\n\n\n

Der einzige Ausweg f\u00fcr den jungen Afghanen war die Flucht. \u00dcber die T\u00fcrkei, Griechenland und die Balkranroute erreichte er mit gro\u00dfer M\u00fche Deutschland, wo er einen Asylantrag stellte.<\/p>\n\n\n\n

Erster Asylantrag in Deutschland abgelehnt<\/h2>\n\n\n\n

Als Grund nannte er seine Rekrutierung als Kindersoldat seitens des iranischen Regimes. Doch w\u00e4hrend diese Begr\u00fcndung in Abu Fazels Augen v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich war, sahen deutsche Beh\u00f6rden das anders. Sein erster Antrag wurde abgelehnt. Derzeit versucht er es ein zweites Mal. Die Bundesrepublik schiebt afghanische Gefl\u00fcchtete weiterhin ab.<\/p>\n\n\n\n

\"EinAbschiebung von Afghanen im Dezember 2016 mit einem Charterflug von Frankfurt nach Kabul. (dpa \/picture alliance \/ Boris Roessler)<\/p>\n\n\n\n

Die Verantwortlichen weisen in diesem Kontext immer wieder auf vermeintlich \u201esichere Gebiete\u201c im Land, die nicht n\u00e4her benannt werden.<\/p>\n\n\n\n

W\u00e4hrenddessen machen Menschenrechtsorganisationen regelm\u00e4\u00dfig darauf aufmerksam, dass keine Region am Hindukusch sicher ist. Stattdessen wird in manchen Gebieten nur weniger Krieg gef\u00fchrt als in anderen.<\/p>\n\n\n\n

\"SieDemonstranten protestieren in Frankfurt am Main gegen die Abschiebung von Afghanen. Auf einem der Transparente steht \u201eAfghanistan is not safe\u201c. (AFP \/ Daniel Roland)<\/p>\n\n\n\n

Alis Vater und Onkel k\u00e4mpfen in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein \u00e4hnliches Schicksal wie Abu Fazel erlitt der 18-j\u00e4hrige Ali (Namen ge\u00e4ndert). Auch er floh aus dem Iran nach Deutschland, um der Rekrutierung f\u00fcr Assads Milizen zu entgehen. Viele seiner afghanischen Freunde sind bereits nach Syrien gezogen \u2013 und kamen niemals zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Alis Familie, ebenfalls Angeh\u00f6rige der Hazara-Minderheit, stammt urspr\u00fcnglich aus der Provinz Ghor im Nordosten Afghanistans. Ihre Heimat verlie\u00dfen sie w\u00e4hrend der sowjetischen Besatzung in den 1980er-Jahren.<\/p>\n\n\n\n

Seit jeher lebt die Familie in der iranischen Gro\u00dfstadt Maschhad. Als der Krieg in Syrien ausbrach, erreichte sie ein Konflikt, mit dem sie nicht gerechnet hatten. Im Juli 2015 reiste Alis Vater nach Teheran. Er wollte einen Weg finden, um f\u00fcr seine Familie Aufenthaltspapiere zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Beh\u00f6rden sagten ihm, dass die Rekrutierung f\u00fcr den Krieg in Syrien eine M\u00f6glichkeit darstellen k\u00f6nnte, um Papiere f\u00fcr uns alle zu erhalten. Andernfalls w\u00fcrde man uns sehr bald nach Afghanistan abschieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Mittlerweile k\u00e4mpfen Alis Vater und sein Onkel seit \u00fcber einem Jahr in Syrien. Am Aufenthaltsstatus seiner Familienmitglieder hat sich bis heute allerdings nichts ge\u00e4ndert. F\u00fcr Ali ist klar, dass dies nur eine Falle gewesen ist, um noch mehr Afghanen als Kanonenfutter zu missbrauchen.<\/p>\n\n\n\n

Anfangs gab es Papiere f\u00fcr K\u00e4mpfer-Familien<\/h2>\n\n\n\n

Den Kontakt zu seinem Vater hat der Afghane mittlerweile verloren. W\u00e4hrenddessen schickt ihm sein Onkel, der in Aleppo stationiert ist, hin und wieder Bilder \u00fcber den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ali denkt, dass nur sehr wenige Afghanen der Propaganda der iranischen Regierung glauben und in Syrien f\u00fcr eine \u201egute Sache\u201c k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

Source<\/a><\/p>\n","post_title":"Warum Afghanen in Syrien f\u00fcr Assad k\u00e4mpfen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"warum-afghanen-in-syrien-fur-assad-kampfen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3709","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":9},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Beck verweist allerdings darauf, dass dieses weite Demokratie-Verst\u00e4ndnis zwar unter Kritikern Israels verbreitet, in der wissenschaftlichen Debatte aber eher un\u00fcblich sei. Zudem w\u00fcrden andere als demokratisch geltende Staaten, diese Anforderungen ebenso nicht erf\u00fcllen.<\/p>\n\n\n\n

Demokratie-Pr\u00fcfung scheiterte am Milit\u00e4rrecht f\u00fcr arabische Israelis<\/h3>\n\n\n\n

Beck unterzieht Israels politisches Systems deshalb einer zweiten Pr\u00fcfung. Der amerikanische Politikwissenschaftler Robert Dahl hat acht Bedingungen formuliert, die ein politisches System mindestens erf\u00fcllen muss, um als Demokratie zu gelten.<\/p>\n\n\n\n

Diese sind: Organisationsfreiheit, Meinungsfreiheit, aktives und passives Wahlrecht, das Recht politischer Eliten auf Werbung f\u00fcr Unterst\u00fctzung und um W\u00e4hlerstimmen, der Zugang zu alternativen Informationsquellen, freie und faire Wahlen sowie die institutionelle Bindung von Regierungspolitik an Wahlen und andere Formen der Willensbildung.<\/p>\n\n\n\n

Legt man diese Minimaldefinition von Demokratie zugrunde, besteht Israel die Pr\u00fcfung. \"Mit Blick auf Israel erscheinen all diese Bedingungen nicht nur f\u00fcr seine j\u00fcdischen, sondern auch f\u00fcr seine arabischen Staatsb\u00fcrgerinnen und Staatsb\u00fcrger erf\u00fcllt\", schreibt Beck.<\/p>\n\n\n\n

Allerdings liefert er dazu eine gro\u00dfe zeitliche Einschr\u00e4nkung: So lebten in den ersten Jahren gro\u00dfe Teile der arabischen Bev\u00f6lkerung Israels unter Milit\u00e4rverwaltung und genossen nicht dieselben staatsb\u00fcrgerlichen Rechte wie der Rest der Bev\u00f6lkerung. Aufgehoben wurde das Milit\u00e4rrecht f\u00fcr arabische Israelis erst am 8. November 1966. Um einen demokratischen Staat k\u00f6nne es sich also fr\u00fchestens ab diesem Zeitpunkt handeln.<\/p>\n\n\n\n

Macht die Besatzung Israel zu einem undemokratischen Staat?<\/h3>\n\n\n\n

Nur wenige Monate folgte allerdings ein Ereignis, dass Israels Bewertung als demokratischen Staat abermals in Zweifel zieht. Im Zuge des Sechstagekrieges besetzte Israel im Juni 1967 die \u00e4gyptische Sinai-Halbinsel, den Gazastreifen, das zuvor von Jordanien kontrollierte Westjordanland und Ostjerusalem sowie die syrischen Golanh\u00f6hen.<\/p>\n\n\n\n

Die 1982 an \u00c4gypten zur\u00fcckgegebene Sinai-Halbinsel ausgenommen, dauert Israels Kontrolle \u00fcber jene Gebiete bis heute auf die ein oder andere Weise an. Spielt sie deshalb auch eine Rolle, wenn es um die Bewertung des politischen Systems Israels geht? Beck schreibt, dass \"die Errichtung der Besatzungsregime im Jahr 1967 zweifelsohne ein undemokratischer Akt [war]\", diese aber nicht zwangsl\u00e4ufig etwas am demokratischen Charakter des politischen Systems Israel \u00e4ndern w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n

Sehr wohl anrechnen lassen m\u00fcsse sich Israel aber die Situation auf den syrischen Golanh\u00f6hen und in Ostjerusalem, da diese mittlerweile ins israelische Staatsgebiet annektiert wurden. Beck schreibt:<\/p>\n\n\n\n

Die Annexion eines Territoriums durch einen Staat ohne Referendum, d.h. eine Abstimmung durch die betroffene Bev\u00f6lkerung, widerspricht demokratischen Prinzipien fundamental.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Wichtiger noch sei allerdings, dass viele von der Annexion betroffene Pal\u00e4stinenser bis heute nicht \u00fcber dieselben Rechte verf\u00fcgen wie ihre israelischen Nachbarn. Statt der israelischen Staatsb\u00fcrgerschaft tragen pal\u00e4stinensische Bewohner Ostjerusalems lediglich Identit\u00e4tskarten, die sie als st\u00e4ndige Bewohner der Stadt ausweisen.<\/p>\n\n\n\n

Damit sind sie in Israel zwar steuerpflichtig, haben Zugang zu Sozialleistungen und k\u00f6nnen sich innerhalb Israel frei bewegen, staatsb\u00fcrgerlichen Rechte, wie beispielsweise das aktive und passive Wahlrecht besitzen sie allerdings nicht. Als undemokratisch bewertet Beck deshalb das \"israelische Herrschaftsregime in Jerusalem\".<\/p>\n\n\n\n

Besatzung beenden oder dieselben staatsb\u00fcrgerlichen Rechte f\u00fcr Pal\u00e4stinenser<\/h3>\n\n\n\n

Ob auch die Situation im Westjordanland und Gazastreifen eine Rolle f\u00fcr die Bewertung des politischen Systems Israels spielt, entscheidet sich dem Spezialisten f\u00fcr politische Systeme im Nahen Osten<\/a> zufolge vor allem an einer Frage: Ist die Besetzung der Gebiete ein vor\u00fcbergehendes Ph\u00e4nomen oder auf Dauer angelegt?<\/p>\n\n\n\n

Nur im letzteren Fall m\u00fcsse man das Besatzungsregime als Teil des politischen Systems Israels bewerten, so Beck. F\u00fcr den anhaltenden Charakter spreche allein schon die schiere Dauer der Besatzung: So dauert die israelische Besatzung schon \u00fcber ein halbes Jahrhundert und damit dreimal so lange wie Israel in den Grenzen von 1949 bis 1967 existierte.<\/p>\n\n\n\n

Hinzu kommen weitere Indizien: Das Scheitern des Osloer Verhandlungsprozess in den 1990er Jahren und im ersten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts, der anhaltende Siedlungsprozess sowie die weitgehenden Einigkeit unter den gro\u00dfen politischen Parteien Israels - und dass gro\u00dfe Teile des Westjordanlands dauerhaft unter israelischer Kontrolle verbleiben sollen. Beck kommt zu dem Schluss:<\/p>\n\n\n\n

Alle Indizien verweisen also darauf, dass die israelische Herrschaft \u00fcber das Westjordanland auf Dauer angelegt ist. In einer Demokratie m\u00fcsste daher allen dort Wohnenden der uneingeschr\u00e4nkte Zugang zu den staatsb\u00fcrgerlichen Rechten des politischen Gemeinwesens gew\u00e4hrt werden. Dies ist aber nicht der Fall.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Zweifelsfrei war Israel lediglich f\u00fcr sechs Monate eine Demokratie<\/h3>\n\n\n\n

W\u00e4hrend an der israelischen Besatzung des Westjordanlands kein Zweifel besteht, \u00fcberrascht, dass Beck f\u00fcr den Gazastreifen zu einer \u00e4hnlichen Bewertung kommt. Schlie\u00dflich hat Israel seine Soldaten im Jahr 2007 aus dem K\u00fcstenstreifen abgezogen und j\u00fcdische Siedlungen aufgel\u00f6st.<\/p>\n\n\n\n

Beck argumentiert, dass Israel auch heute seine Kontrolle von Land, Luft und Wasser aufrechterh\u00e4lt und die Besatzungsherrschaft damit fortsetzt, ohne \"den dort lebenden Menschen irgendeine Form demokratischer Mitwirkungsrechte zu gew\u00e4hren\".<\/p>\n\n\n\n

Mit dieser Einsch\u00e4tzung ist Beck nicht allein. Auch die Vereinten Nationen<\/a> und der Internationale Strafgerichtshof<\/a> vertreten die Auffassung, dass die israelische Besatzung \u00fcber den Gazastreifen andauert.<\/p>\n\n\n\n

F\u00fcr die Gesamtbewertung des politischen Systems Israels hat diese Frage allerdings ohnehin keine entscheidende Bedeutung mehr. Denn Becks Fazit f\u00e4llt eindeutig aus: Zweifelsfrei um eine Demokratie gehandelt habe es sich bei Israel lediglich in einem kurzen sechsmonatigen Zeitraum zwischen der Abschaffung des Milit\u00e4rrechts f\u00fcr arabische Israelis im November 1966 und dem Beginn des Sechstagekrieges im Juni 1967.<\/p>\n\n\n\n

Sp\u00e4testens mit Beginn der Besatzungsherrschaft habe Israel seinen Charakter als Demokratie verloren. F\u00fcr heutige Debatten rund um Israel empfiehlt der Nahost-Professor deshalb auf das Demokratieargument besser zu verzichten.

der\u00a0Ursprung<\/a><\/p>\n","post_title":"Die einzige Demokratie im Nahen Osten?","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-einzige-demokratie-im-nahen-osten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3775","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3719,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:39:47","post_date_gmt":"2020-08-13 21:39:47","post_content":"\n

Jenni Zylka und Christoph Safferling im Gespr\u00e4ch mit Anke Schaefer<\/a>- Sie kommen aus Syrien und dem Irak nach Deutschland zur\u00fcck: Frauen, die sich dem sogenannten Islamischen Staat (IS) angeschlossen haben, mit Terroristen zusammenlebten. Soll man sie k\u00fcnftig h\u00e4rter bestrafen? Die Journalistin Jenni Zylka und der Jurist Christoph Safferling sehen das kritisch.<\/p>\n\n\n\n

Frauen, die sich dem IS angeschlossen, aber selbst nicht gek\u00e4mpft haben, sollen laut Generalbundesanwalt Peter Frank als Mitl\u00e4uferinnen h\u00e4rter bestraft werden k\u00f6nnen. Frank meint: \u201eWir sind der Meinung, dass sich  auch bei diesen Frauen die Mitgliedschaft in einer ausl\u00e4ndischen terroristischen Organisation bejahen l\u00e4sst, weil diese Frauen die innere Struktur des sogenannten Islamischen Staates und damit diese Terrororganisation von innen heraus st\u00e4rken.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Aber sind diese Frauen nicht eher Opfer? Weil sie Angst um ihre Kinder hatten, den Umgang mit der Waffe zur Selbstverteidigung gelernt haben? Jenni Zylka meint dazu:  \u00dcber eine Mitschuld solcher Frauen nachzudenken, sei nachvollziehbar und auch legitim. Jedoch m\u00fcsse sehr genau hingeschaut und jede dieser Frauen einzeln betrachtet werden. Man m\u00fcsse unterscheiden, ob Frauen mit IS-Terroristen zusammengelebt und f\u00fcr diese gesorgt h\u00e4tten oder ob sie selbst militant geworden seien. Viele von ihnen seien zudem traumatisiert durch die Erlebnisse in den IS-Lagern.<\/p>\n\n\n\n

\"DieDie Journalistin Jenni Zylka (Deutschlandradio \/ Andreas Buron)<\/p>\n\n\n\n

Nicht wie Schwerverbrecherinnen behandeln<\/h2>\n\n\n\n

Christoph Safferling, Professor f\u00fcr Strafrecht an der Universit\u00e4t Erlangen-N\u00fcrnberg, sagt, er halte die Argumentation des Generalbundesanwalts f\u00fcr problematisch. Es handle sich zun\u00e4chst einmal um allt\u00e4gliche Handlungen wie Kochen und Sorge um die Kinder. \u201eUnd die Frage ist: Wann sind solche neutralen Handlungen tats\u00e4chlich straftatunterst\u00fctzend.\u201c Ein Vorsatz, die terroristischen Strukturen zu unterst\u00fctzen, m\u00fcsse klar nachgewiesen werden.<\/p>\n\n\n\n

Vielmehr stelle sich die Frage, ob die Frauen nicht eher als Opfer betrachtet werden m\u00fcssten. Viele h\u00e4tten sich wie unter Zwang auf die Situation eingelassen \u2013 diese k\u00f6nne man strukturell durchaus mit den Bedingungen von Zwangsprostitution vergleichen. Viele der jungen Frauen seien auch unter Drogen gesetzt worden.<\/p>\n\n\n\n

Zugest\u00e4ndnis an Irak?<\/h2>\n\n\n\n

Eine m\u00f6gliche Erkl\u00e4rung der harten Linie der Generalbundesanwaltschaft \u00fcber die man nur spekulieren k\u00f6nne: \u201eIch kann mir auch vorstellen, dass, wenn es jetzt darum geht, Irak davon zu \u00fcberzeugen, die deutschen Staatsangeh\u00f6rigen, die dort einsitzen, auszuliefern, man ihnen gegen\u00fcber auch zu verstehen geben muss, dass die hier einer Strafverfolgung zugef\u00fchrt werden. Ansonsten w\u00fcrde der Irak sich vielleicht weigern, sie auszuliefern.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Safferling h\u00e4lt eine intensive Betreuung der zur\u00fcckgekehrten Frauen und M\u00e4dchen f\u00fcr unerl\u00e4sslich \u2013 man d\u00fcrfe sie keinesfalls alleine lassen und nicht wie Schwerverbrecherinnen behandeln. Es m\u00fcsse vielmehr verhindert werden, dass die jungen Frauen etwa in die Salafisten-Szene abtauchten.<\/p>\n","post_title":"Sie sind eher Opfer als Schwerverbrecherinnen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"sie-sind-eher-opfer-als-schwerverbrecherinnen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3719","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3709,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:30:50","post_date_gmt":"2020-08-13 21:30:50","post_content":"\n

Drei Millionen Afghanen sind ins Nachbarland Iran geflohen. Viele arbeiten schwarz. Die Aussicht auf einen festen Lohn plus Papiere f\u00fcr die Familie ist verlockend. Die Gegenleistung daf\u00fcr: K\u00e4mpfen in Syrien.<\/p>\n\n\n\n

Wenn Abu Fazel von den Gr\u00e4ueltaten des syrischen B\u00fcrgerkriegs h\u00f6rt, denkt er immer daran, dass er auch beinahe als K\u00e4mpfer auf diesem Schlachtfeld gelandet w\u00e4re. Doch Abu Fazel ist weder Syrer noch wollte er zum sogenannten \u201eIslamischen Staat\u201c. Der 18-J\u00e4hrige ist ein afghanischer Gefl\u00fcchteter, der zur Zeit in Leverkusen lebt.<\/p>\n\n\n\n

Den Gro\u00dfteil seines Lebens verbrachte er im Iran. Seine Familie ist dorthin gefl\u00fcchtet, als er ein Kind war. Doch als die iranische Regierung ihn nach Syrien schicken wollte, um auf der Seite von Machthaber Baschar al-Assad zu k\u00e4mpfen, entschloss er sich zu fliehen.<\/p>\n\n\n\n

\"Fl\u00fcchtlingeGefl\u00fcchtete aus dem Iran und Afghanistan an der Grenze zwischen Mazedonien und Griechenland. (picture alliance \/ dpa \/ Georgi Licovski)<\/p>\n\n\n\n

Tausende afghanische Jugendliche \u2013 die genaue Zahl ist nicht bekannt \u2013 wurden im Iran rekrutiert, um im Krieg in Syrien zu k\u00e4mpfen. Erst vor Kurzem berichtete die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, dass sie die Gr\u00e4ber von acht afghanischen Kindern, die in Syrien get\u00f6tet wurden, identifiziert hat. Laut der Organisation rekrutiert der Iran regelm\u00e4\u00dfig minderj\u00e4hrige K\u00e4mpfer, um sie nach Syrien zu schicken. Unter afghanischen Gefl\u00fcchteten ist diese Praxis schon l\u00e4nger bekannt.<\/p>\n\n\n\n

Rassismus gegen Afghanen im Iran<\/h2>\n\n\n\n

Fast drei Millionen Gefl\u00fcchtete aus Afghanistan sind inzwischen im Iran. Die meisten von ihnen leben in der Illegalit\u00e4t und werden als Schwarzarbeiter, etwa am Bau, ausgebeutet. Rassismus und Ausgrenzung geh\u00f6ren zu ihrem gesellschaftlichen Alltag. Kinder sind davon nicht ausgeschlossen. Im Gegenteil: Vielen afghanischen Kinderm ist es nicht erlaubt, staatliche Schulen zu besuchen. Abu Fazel wurde Zeit seines Lebens von dieser Diskrimierung beeinflusst und verfolgt.<\/p>\n\n\n\n

\u201e'Afghane\u2018 \u2013 das ist dort ein Schimpfwort. Ich h\u00f6rte es von klein auf immer wieder. Der Rassismus gegen Afghanen ist dort v\u00f6llig normal. Meine Herkunft, auf der ich eigentlich stolz war, ist im Iran stets eine Last gewesen. Wir sind dort B\u00fcrger zweiter Klasse.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung der afghanischen Gefl\u00fcchteten ist f\u00fcr Abu Fazel die Spitze jenes Rassismus, den er erlebt hat.<\/p>\n\n\n\n

Iran: Syrien vor sunnitischen Extremisten verteidigen<\/h2>\n\n\n\n

In Syrien k\u00e4mpfen neben den afghanischen Milizen auch andere paramilit\u00e4rische Gruppierungen im Auftrag des Irans: etwa die ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigten Revolutionsgarden, die einst Ayatollah Ruhollah Khomeini pers\u00f6nlich ins Leben rief oder die Basidsch-Milizen. Beiden Gruppierungen sind nicht nur in Syrien aktiv, sondern auch im Irak.<\/p>\n\n\n\n

Obowhl sich das syrische Regime von Baschar al-Assad als s\u00e4kular ausweist, wird es vom Iran, der sich als Repr\u00e4sentant aller muslimischen Schiiten betrachtet, unterst\u00fctzt. Gemeinsames Ziel in Syrien ist es: Schiiten vor sunnitische Extremisten zu verteidigen. Dennoch ist das Regime darauf bedacht, m\u00f6glichst wenig eigene K\u00e4mpfer nach Syrien zu schicken. \u00c4hnlich wie einst w\u00e4hrend des Krieges gegen Saddam Husseins Irak, setzt der Iran auf ausl\u00e4ndische K\u00e4mpfer.<\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung war wie eine Gehirnw\u00e4sche<\/h2>\n\n\n\n

Abu Fazels Familie geh\u00f6rt zur afghanischen Minderheit der schiitischen Hazara \u2013 wie viele Afghanen, die in den Iran gekommen sind. Mittlerweile k\u00e4mpfen Tausende von ihnen in Syrien. Der Iran bezahlt die Afghanen mit einem Sold von wenigen hundert Dollar pro Monat und verspricht ihren Familien eine Aufenthaltsgenehmigung oder eine Arbeitserlaubnis.<\/p>\n\n\n\n

An der Rekrutierung der Afghanen sind sowohl die Revolutionsgarden als auch die erw\u00e4hnten Basidsch-Milizen beteiligt. Abu Fazel beschreibt, wie das Viertel, in dem er gemeinsam mit seiner Familie in Teheran lebte, regelm\u00e4\u00dfig von den K\u00e4mpfern aufgesucht wurde. Viele afghanische Gefl\u00fcchtete lebten dort \u2013 und fielen auf die Gehirnw\u00e4sche der Rattenf\u00e4nger herein.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie trafen junge M\u00e4nner und Jugendliche in den Moscheen und \u00fcberredeten sie, gegen den IS oder Al Qaida zu k\u00e4mpfen. Die Gehirnw\u00e4sche war perfekt. Am Ende merkten viele, darunter auch ich, nicht einmal, dass wir in ihre Propaganda getappt waren. Ihre \u00dcberredungskunst war wirklich sehr speziell. Am Ende hat man Lust, nach Syrien zu gehen, um zu k\u00e4mpfen\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Erfolg hatten die Rekrutierer des Regimes auch bei Abu Fazels Cousin, der zum damaligen Zeitpunkt ebenfalls minderj\u00e4hrig gewesen ist. Er ging nach Syrien und k\u00e4mpfte unter der Flagge der \u201eLiwa Fatemiyoun\u201c, wie die afghanische Division auf Seiten Assads hei\u00dft. Offiziell ist die Aufgabe der Miliz die Verteidigung des Schreines von Zaynab im S\u00fcden von Damaskus. Zaynab war die Enkelin des islamischen Propheten Mohammad. Laut iranischen Staatsmedien k\u00e4mpfen mindestens 20.000 Afghanen in der Division.<\/p>\n\n\n\n

Im August 2014 entschloss sich auch Abu Fazel, nach Syrien zu gehen und zu k\u00e4mpfen. Im selben Monat wurde sein Cousin in der N\u00e4he von Aleppo im Kampf gegen syrische Rebellen get\u00f6tet.<\/p>\n\n\n\n

\u201eMein Cousin wurde dort get\u00f6tet. Auch andere Jungs aus unserer Gegend gingen nach Syrien und fielen dort. Lokale Zeitungen nannten sie \u201aM\u00e4rtyrer\u2018.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Lieber Flucht statt K\u00e4mpfer in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein solcher \u201eM\u00e4rtyrer\u201c wollte Abu Fazel allerdings nicht werden. Er floh eine Woche vor dem Beginn seiner dreimonatigen Kampfausbildung. Es war ihm lieber, ein Leben auf der Flucht zu verbringen, als in Syrien unschuldige Menschen f\u00fcr einen Diktator zu t\u00f6ten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch kam zu dem Schluss, dass ich nicht als M\u00f6rder weiterleben k\u00f6nnte. Stets dachte ich mir, dass selbst die schlimmsten Al-Qaida- oder IS-Terroristen Kinder haben k\u00f6nnten, die ihren Vater lieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Fazel verlor seinen eigenen Vater bereits sehr fr\u00fch. Er wurde Opfer des B\u00fcrgerkriegs in Afghanistan, der von 1989 bis 2001 tausende Menschen das Leben kostete. Auch der Iran mischte in der Zeit schon mit. Es ist allgemein bekannt, dass die schiitischen Hazara-Milizen, die den B\u00fcrgerkrieg ebenfalls mitanfachten, von der Regierung in Teheran unterst\u00fctzt wurden.<\/p>\n\n\n\n

Als Abu Fazel sich nun entschloss, aus der Gewaltspirale auszusteigen und nicht in Syrien zu k\u00e4mpfen, wuchs die Angst bei seiner Familie. Denn f\u00fcr die iranischen Beh\u00f6rden gilt: Hat man sich einmal gemeldet, gibt es kein zur\u00fcck. Man muss an die Front nach Syrien \u2013 oder wird zur\u00fcck nach Afghanistan abgeschoben, wo ebenfalls Krieg herrscht.<\/p>\n\n\n\n

Der einzige Ausweg f\u00fcr den jungen Afghanen war die Flucht. \u00dcber die T\u00fcrkei, Griechenland und die Balkranroute erreichte er mit gro\u00dfer M\u00fche Deutschland, wo er einen Asylantrag stellte.<\/p>\n\n\n\n

Erster Asylantrag in Deutschland abgelehnt<\/h2>\n\n\n\n

Als Grund nannte er seine Rekrutierung als Kindersoldat seitens des iranischen Regimes. Doch w\u00e4hrend diese Begr\u00fcndung in Abu Fazels Augen v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich war, sahen deutsche Beh\u00f6rden das anders. Sein erster Antrag wurde abgelehnt. Derzeit versucht er es ein zweites Mal. Die Bundesrepublik schiebt afghanische Gefl\u00fcchtete weiterhin ab.<\/p>\n\n\n\n

\"EinAbschiebung von Afghanen im Dezember 2016 mit einem Charterflug von Frankfurt nach Kabul. (dpa \/picture alliance \/ Boris Roessler)<\/p>\n\n\n\n

Die Verantwortlichen weisen in diesem Kontext immer wieder auf vermeintlich \u201esichere Gebiete\u201c im Land, die nicht n\u00e4her benannt werden.<\/p>\n\n\n\n

W\u00e4hrenddessen machen Menschenrechtsorganisationen regelm\u00e4\u00dfig darauf aufmerksam, dass keine Region am Hindukusch sicher ist. Stattdessen wird in manchen Gebieten nur weniger Krieg gef\u00fchrt als in anderen.<\/p>\n\n\n\n

\"SieDemonstranten protestieren in Frankfurt am Main gegen die Abschiebung von Afghanen. Auf einem der Transparente steht \u201eAfghanistan is not safe\u201c. (AFP \/ Daniel Roland)<\/p>\n\n\n\n

Alis Vater und Onkel k\u00e4mpfen in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein \u00e4hnliches Schicksal wie Abu Fazel erlitt der 18-j\u00e4hrige Ali (Namen ge\u00e4ndert). Auch er floh aus dem Iran nach Deutschland, um der Rekrutierung f\u00fcr Assads Milizen zu entgehen. Viele seiner afghanischen Freunde sind bereits nach Syrien gezogen \u2013 und kamen niemals zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Alis Familie, ebenfalls Angeh\u00f6rige der Hazara-Minderheit, stammt urspr\u00fcnglich aus der Provinz Ghor im Nordosten Afghanistans. Ihre Heimat verlie\u00dfen sie w\u00e4hrend der sowjetischen Besatzung in den 1980er-Jahren.<\/p>\n\n\n\n

Seit jeher lebt die Familie in der iranischen Gro\u00dfstadt Maschhad. Als der Krieg in Syrien ausbrach, erreichte sie ein Konflikt, mit dem sie nicht gerechnet hatten. Im Juli 2015 reiste Alis Vater nach Teheran. Er wollte einen Weg finden, um f\u00fcr seine Familie Aufenthaltspapiere zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Beh\u00f6rden sagten ihm, dass die Rekrutierung f\u00fcr den Krieg in Syrien eine M\u00f6glichkeit darstellen k\u00f6nnte, um Papiere f\u00fcr uns alle zu erhalten. Andernfalls w\u00fcrde man uns sehr bald nach Afghanistan abschieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Mittlerweile k\u00e4mpfen Alis Vater und sein Onkel seit \u00fcber einem Jahr in Syrien. Am Aufenthaltsstatus seiner Familienmitglieder hat sich bis heute allerdings nichts ge\u00e4ndert. F\u00fcr Ali ist klar, dass dies nur eine Falle gewesen ist, um noch mehr Afghanen als Kanonenfutter zu missbrauchen.<\/p>\n\n\n\n

Anfangs gab es Papiere f\u00fcr K\u00e4mpfer-Familien<\/h2>\n\n\n\n

Den Kontakt zu seinem Vater hat der Afghane mittlerweile verloren. W\u00e4hrenddessen schickt ihm sein Onkel, der in Aleppo stationiert ist, hin und wieder Bilder \u00fcber den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ali denkt, dass nur sehr wenige Afghanen der Propaganda der iranischen Regierung glauben und in Syrien f\u00fcr eine \u201egute Sache\u201c k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

Source<\/a><\/p>\n","post_title":"Warum Afghanen in Syrien f\u00fcr Assad k\u00e4mpfen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"warum-afghanen-in-syrien-fur-assad-kampfen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3709","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":9},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Da die Staatsr\u00e4son Israels auf seinem j\u00fcdischen Charakter fu\u00dft und Gesetze hervorgebracht hat, die in zentralen Bereichen der Ressourcenverteilung wie beispielsweise Landbesitz arabische Israelis systematisch diskriminiert, erscheint Israel als undemokratisch.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Beck verweist allerdings darauf, dass dieses weite Demokratie-Verst\u00e4ndnis zwar unter Kritikern Israels verbreitet, in der wissenschaftlichen Debatte aber eher un\u00fcblich sei. Zudem w\u00fcrden andere als demokratisch geltende Staaten, diese Anforderungen ebenso nicht erf\u00fcllen.<\/p>\n\n\n\n

Demokratie-Pr\u00fcfung scheiterte am Milit\u00e4rrecht f\u00fcr arabische Israelis<\/h3>\n\n\n\n

Beck unterzieht Israels politisches Systems deshalb einer zweiten Pr\u00fcfung. Der amerikanische Politikwissenschaftler Robert Dahl hat acht Bedingungen formuliert, die ein politisches System mindestens erf\u00fcllen muss, um als Demokratie zu gelten.<\/p>\n\n\n\n

Diese sind: Organisationsfreiheit, Meinungsfreiheit, aktives und passives Wahlrecht, das Recht politischer Eliten auf Werbung f\u00fcr Unterst\u00fctzung und um W\u00e4hlerstimmen, der Zugang zu alternativen Informationsquellen, freie und faire Wahlen sowie die institutionelle Bindung von Regierungspolitik an Wahlen und andere Formen der Willensbildung.<\/p>\n\n\n\n

Legt man diese Minimaldefinition von Demokratie zugrunde, besteht Israel die Pr\u00fcfung. \"Mit Blick auf Israel erscheinen all diese Bedingungen nicht nur f\u00fcr seine j\u00fcdischen, sondern auch f\u00fcr seine arabischen Staatsb\u00fcrgerinnen und Staatsb\u00fcrger erf\u00fcllt\", schreibt Beck.<\/p>\n\n\n\n

Allerdings liefert er dazu eine gro\u00dfe zeitliche Einschr\u00e4nkung: So lebten in den ersten Jahren gro\u00dfe Teile der arabischen Bev\u00f6lkerung Israels unter Milit\u00e4rverwaltung und genossen nicht dieselben staatsb\u00fcrgerlichen Rechte wie der Rest der Bev\u00f6lkerung. Aufgehoben wurde das Milit\u00e4rrecht f\u00fcr arabische Israelis erst am 8. November 1966. Um einen demokratischen Staat k\u00f6nne es sich also fr\u00fchestens ab diesem Zeitpunkt handeln.<\/p>\n\n\n\n

Macht die Besatzung Israel zu einem undemokratischen Staat?<\/h3>\n\n\n\n

Nur wenige Monate folgte allerdings ein Ereignis, dass Israels Bewertung als demokratischen Staat abermals in Zweifel zieht. Im Zuge des Sechstagekrieges besetzte Israel im Juni 1967 die \u00e4gyptische Sinai-Halbinsel, den Gazastreifen, das zuvor von Jordanien kontrollierte Westjordanland und Ostjerusalem sowie die syrischen Golanh\u00f6hen.<\/p>\n\n\n\n

Die 1982 an \u00c4gypten zur\u00fcckgegebene Sinai-Halbinsel ausgenommen, dauert Israels Kontrolle \u00fcber jene Gebiete bis heute auf die ein oder andere Weise an. Spielt sie deshalb auch eine Rolle, wenn es um die Bewertung des politischen Systems Israels geht? Beck schreibt, dass \"die Errichtung der Besatzungsregime im Jahr 1967 zweifelsohne ein undemokratischer Akt [war]\", diese aber nicht zwangsl\u00e4ufig etwas am demokratischen Charakter des politischen Systems Israel \u00e4ndern w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n

Sehr wohl anrechnen lassen m\u00fcsse sich Israel aber die Situation auf den syrischen Golanh\u00f6hen und in Ostjerusalem, da diese mittlerweile ins israelische Staatsgebiet annektiert wurden. Beck schreibt:<\/p>\n\n\n\n

Die Annexion eines Territoriums durch einen Staat ohne Referendum, d.h. eine Abstimmung durch die betroffene Bev\u00f6lkerung, widerspricht demokratischen Prinzipien fundamental.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Wichtiger noch sei allerdings, dass viele von der Annexion betroffene Pal\u00e4stinenser bis heute nicht \u00fcber dieselben Rechte verf\u00fcgen wie ihre israelischen Nachbarn. Statt der israelischen Staatsb\u00fcrgerschaft tragen pal\u00e4stinensische Bewohner Ostjerusalems lediglich Identit\u00e4tskarten, die sie als st\u00e4ndige Bewohner der Stadt ausweisen.<\/p>\n\n\n\n

Damit sind sie in Israel zwar steuerpflichtig, haben Zugang zu Sozialleistungen und k\u00f6nnen sich innerhalb Israel frei bewegen, staatsb\u00fcrgerlichen Rechte, wie beispielsweise das aktive und passive Wahlrecht besitzen sie allerdings nicht. Als undemokratisch bewertet Beck deshalb das \"israelische Herrschaftsregime in Jerusalem\".<\/p>\n\n\n\n

Besatzung beenden oder dieselben staatsb\u00fcrgerlichen Rechte f\u00fcr Pal\u00e4stinenser<\/h3>\n\n\n\n

Ob auch die Situation im Westjordanland und Gazastreifen eine Rolle f\u00fcr die Bewertung des politischen Systems Israels spielt, entscheidet sich dem Spezialisten f\u00fcr politische Systeme im Nahen Osten<\/a> zufolge vor allem an einer Frage: Ist die Besetzung der Gebiete ein vor\u00fcbergehendes Ph\u00e4nomen oder auf Dauer angelegt?<\/p>\n\n\n\n

Nur im letzteren Fall m\u00fcsse man das Besatzungsregime als Teil des politischen Systems Israels bewerten, so Beck. F\u00fcr den anhaltenden Charakter spreche allein schon die schiere Dauer der Besatzung: So dauert die israelische Besatzung schon \u00fcber ein halbes Jahrhundert und damit dreimal so lange wie Israel in den Grenzen von 1949 bis 1967 existierte.<\/p>\n\n\n\n

Hinzu kommen weitere Indizien: Das Scheitern des Osloer Verhandlungsprozess in den 1990er Jahren und im ersten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts, der anhaltende Siedlungsprozess sowie die weitgehenden Einigkeit unter den gro\u00dfen politischen Parteien Israels - und dass gro\u00dfe Teile des Westjordanlands dauerhaft unter israelischer Kontrolle verbleiben sollen. Beck kommt zu dem Schluss:<\/p>\n\n\n\n

Alle Indizien verweisen also darauf, dass die israelische Herrschaft \u00fcber das Westjordanland auf Dauer angelegt ist. In einer Demokratie m\u00fcsste daher allen dort Wohnenden der uneingeschr\u00e4nkte Zugang zu den staatsb\u00fcrgerlichen Rechten des politischen Gemeinwesens gew\u00e4hrt werden. Dies ist aber nicht der Fall.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Zweifelsfrei war Israel lediglich f\u00fcr sechs Monate eine Demokratie<\/h3>\n\n\n\n

W\u00e4hrend an der israelischen Besatzung des Westjordanlands kein Zweifel besteht, \u00fcberrascht, dass Beck f\u00fcr den Gazastreifen zu einer \u00e4hnlichen Bewertung kommt. Schlie\u00dflich hat Israel seine Soldaten im Jahr 2007 aus dem K\u00fcstenstreifen abgezogen und j\u00fcdische Siedlungen aufgel\u00f6st.<\/p>\n\n\n\n

Beck argumentiert, dass Israel auch heute seine Kontrolle von Land, Luft und Wasser aufrechterh\u00e4lt und die Besatzungsherrschaft damit fortsetzt, ohne \"den dort lebenden Menschen irgendeine Form demokratischer Mitwirkungsrechte zu gew\u00e4hren\".<\/p>\n\n\n\n

Mit dieser Einsch\u00e4tzung ist Beck nicht allein. Auch die Vereinten Nationen<\/a> und der Internationale Strafgerichtshof<\/a> vertreten die Auffassung, dass die israelische Besatzung \u00fcber den Gazastreifen andauert.<\/p>\n\n\n\n

F\u00fcr die Gesamtbewertung des politischen Systems Israels hat diese Frage allerdings ohnehin keine entscheidende Bedeutung mehr. Denn Becks Fazit f\u00e4llt eindeutig aus: Zweifelsfrei um eine Demokratie gehandelt habe es sich bei Israel lediglich in einem kurzen sechsmonatigen Zeitraum zwischen der Abschaffung des Milit\u00e4rrechts f\u00fcr arabische Israelis im November 1966 und dem Beginn des Sechstagekrieges im Juni 1967.<\/p>\n\n\n\n

Sp\u00e4testens mit Beginn der Besatzungsherrschaft habe Israel seinen Charakter als Demokratie verloren. F\u00fcr heutige Debatten rund um Israel empfiehlt der Nahost-Professor deshalb auf das Demokratieargument besser zu verzichten.

der\u00a0Ursprung<\/a><\/p>\n","post_title":"Die einzige Demokratie im Nahen Osten?","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-einzige-demokratie-im-nahen-osten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3775","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3719,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:39:47","post_date_gmt":"2020-08-13 21:39:47","post_content":"\n

Jenni Zylka und Christoph Safferling im Gespr\u00e4ch mit Anke Schaefer<\/a>- Sie kommen aus Syrien und dem Irak nach Deutschland zur\u00fcck: Frauen, die sich dem sogenannten Islamischen Staat (IS) angeschlossen haben, mit Terroristen zusammenlebten. Soll man sie k\u00fcnftig h\u00e4rter bestrafen? Die Journalistin Jenni Zylka und der Jurist Christoph Safferling sehen das kritisch.<\/p>\n\n\n\n

Frauen, die sich dem IS angeschlossen, aber selbst nicht gek\u00e4mpft haben, sollen laut Generalbundesanwalt Peter Frank als Mitl\u00e4uferinnen h\u00e4rter bestraft werden k\u00f6nnen. Frank meint: \u201eWir sind der Meinung, dass sich  auch bei diesen Frauen die Mitgliedschaft in einer ausl\u00e4ndischen terroristischen Organisation bejahen l\u00e4sst, weil diese Frauen die innere Struktur des sogenannten Islamischen Staates und damit diese Terrororganisation von innen heraus st\u00e4rken.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Aber sind diese Frauen nicht eher Opfer? Weil sie Angst um ihre Kinder hatten, den Umgang mit der Waffe zur Selbstverteidigung gelernt haben? Jenni Zylka meint dazu:  \u00dcber eine Mitschuld solcher Frauen nachzudenken, sei nachvollziehbar und auch legitim. Jedoch m\u00fcsse sehr genau hingeschaut und jede dieser Frauen einzeln betrachtet werden. Man m\u00fcsse unterscheiden, ob Frauen mit IS-Terroristen zusammengelebt und f\u00fcr diese gesorgt h\u00e4tten oder ob sie selbst militant geworden seien. Viele von ihnen seien zudem traumatisiert durch die Erlebnisse in den IS-Lagern.<\/p>\n\n\n\n

\"DieDie Journalistin Jenni Zylka (Deutschlandradio \/ Andreas Buron)<\/p>\n\n\n\n

Nicht wie Schwerverbrecherinnen behandeln<\/h2>\n\n\n\n

Christoph Safferling, Professor f\u00fcr Strafrecht an der Universit\u00e4t Erlangen-N\u00fcrnberg, sagt, er halte die Argumentation des Generalbundesanwalts f\u00fcr problematisch. Es handle sich zun\u00e4chst einmal um allt\u00e4gliche Handlungen wie Kochen und Sorge um die Kinder. \u201eUnd die Frage ist: Wann sind solche neutralen Handlungen tats\u00e4chlich straftatunterst\u00fctzend.\u201c Ein Vorsatz, die terroristischen Strukturen zu unterst\u00fctzen, m\u00fcsse klar nachgewiesen werden.<\/p>\n\n\n\n

Vielmehr stelle sich die Frage, ob die Frauen nicht eher als Opfer betrachtet werden m\u00fcssten. Viele h\u00e4tten sich wie unter Zwang auf die Situation eingelassen \u2013 diese k\u00f6nne man strukturell durchaus mit den Bedingungen von Zwangsprostitution vergleichen. Viele der jungen Frauen seien auch unter Drogen gesetzt worden.<\/p>\n\n\n\n

Zugest\u00e4ndnis an Irak?<\/h2>\n\n\n\n

Eine m\u00f6gliche Erkl\u00e4rung der harten Linie der Generalbundesanwaltschaft \u00fcber die man nur spekulieren k\u00f6nne: \u201eIch kann mir auch vorstellen, dass, wenn es jetzt darum geht, Irak davon zu \u00fcberzeugen, die deutschen Staatsangeh\u00f6rigen, die dort einsitzen, auszuliefern, man ihnen gegen\u00fcber auch zu verstehen geben muss, dass die hier einer Strafverfolgung zugef\u00fchrt werden. Ansonsten w\u00fcrde der Irak sich vielleicht weigern, sie auszuliefern.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Safferling h\u00e4lt eine intensive Betreuung der zur\u00fcckgekehrten Frauen und M\u00e4dchen f\u00fcr unerl\u00e4sslich \u2013 man d\u00fcrfe sie keinesfalls alleine lassen und nicht wie Schwerverbrecherinnen behandeln. Es m\u00fcsse vielmehr verhindert werden, dass die jungen Frauen etwa in die Salafisten-Szene abtauchten.<\/p>\n","post_title":"Sie sind eher Opfer als Schwerverbrecherinnen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"sie-sind-eher-opfer-als-schwerverbrecherinnen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3719","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3709,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:30:50","post_date_gmt":"2020-08-13 21:30:50","post_content":"\n

Drei Millionen Afghanen sind ins Nachbarland Iran geflohen. Viele arbeiten schwarz. Die Aussicht auf einen festen Lohn plus Papiere f\u00fcr die Familie ist verlockend. Die Gegenleistung daf\u00fcr: K\u00e4mpfen in Syrien.<\/p>\n\n\n\n

Wenn Abu Fazel von den Gr\u00e4ueltaten des syrischen B\u00fcrgerkriegs h\u00f6rt, denkt er immer daran, dass er auch beinahe als K\u00e4mpfer auf diesem Schlachtfeld gelandet w\u00e4re. Doch Abu Fazel ist weder Syrer noch wollte er zum sogenannten \u201eIslamischen Staat\u201c. Der 18-J\u00e4hrige ist ein afghanischer Gefl\u00fcchteter, der zur Zeit in Leverkusen lebt.<\/p>\n\n\n\n

Den Gro\u00dfteil seines Lebens verbrachte er im Iran. Seine Familie ist dorthin gefl\u00fcchtet, als er ein Kind war. Doch als die iranische Regierung ihn nach Syrien schicken wollte, um auf der Seite von Machthaber Baschar al-Assad zu k\u00e4mpfen, entschloss er sich zu fliehen.<\/p>\n\n\n\n

\"Fl\u00fcchtlingeGefl\u00fcchtete aus dem Iran und Afghanistan an der Grenze zwischen Mazedonien und Griechenland. (picture alliance \/ dpa \/ Georgi Licovski)<\/p>\n\n\n\n

Tausende afghanische Jugendliche \u2013 die genaue Zahl ist nicht bekannt \u2013 wurden im Iran rekrutiert, um im Krieg in Syrien zu k\u00e4mpfen. Erst vor Kurzem berichtete die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, dass sie die Gr\u00e4ber von acht afghanischen Kindern, die in Syrien get\u00f6tet wurden, identifiziert hat. Laut der Organisation rekrutiert der Iran regelm\u00e4\u00dfig minderj\u00e4hrige K\u00e4mpfer, um sie nach Syrien zu schicken. Unter afghanischen Gefl\u00fcchteten ist diese Praxis schon l\u00e4nger bekannt.<\/p>\n\n\n\n

Rassismus gegen Afghanen im Iran<\/h2>\n\n\n\n

Fast drei Millionen Gefl\u00fcchtete aus Afghanistan sind inzwischen im Iran. Die meisten von ihnen leben in der Illegalit\u00e4t und werden als Schwarzarbeiter, etwa am Bau, ausgebeutet. Rassismus und Ausgrenzung geh\u00f6ren zu ihrem gesellschaftlichen Alltag. Kinder sind davon nicht ausgeschlossen. Im Gegenteil: Vielen afghanischen Kinderm ist es nicht erlaubt, staatliche Schulen zu besuchen. Abu Fazel wurde Zeit seines Lebens von dieser Diskrimierung beeinflusst und verfolgt.<\/p>\n\n\n\n

\u201e'Afghane\u2018 \u2013 das ist dort ein Schimpfwort. Ich h\u00f6rte es von klein auf immer wieder. Der Rassismus gegen Afghanen ist dort v\u00f6llig normal. Meine Herkunft, auf der ich eigentlich stolz war, ist im Iran stets eine Last gewesen. Wir sind dort B\u00fcrger zweiter Klasse.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung der afghanischen Gefl\u00fcchteten ist f\u00fcr Abu Fazel die Spitze jenes Rassismus, den er erlebt hat.<\/p>\n\n\n\n

Iran: Syrien vor sunnitischen Extremisten verteidigen<\/h2>\n\n\n\n

In Syrien k\u00e4mpfen neben den afghanischen Milizen auch andere paramilit\u00e4rische Gruppierungen im Auftrag des Irans: etwa die ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigten Revolutionsgarden, die einst Ayatollah Ruhollah Khomeini pers\u00f6nlich ins Leben rief oder die Basidsch-Milizen. Beiden Gruppierungen sind nicht nur in Syrien aktiv, sondern auch im Irak.<\/p>\n\n\n\n

Obowhl sich das syrische Regime von Baschar al-Assad als s\u00e4kular ausweist, wird es vom Iran, der sich als Repr\u00e4sentant aller muslimischen Schiiten betrachtet, unterst\u00fctzt. Gemeinsames Ziel in Syrien ist es: Schiiten vor sunnitische Extremisten zu verteidigen. Dennoch ist das Regime darauf bedacht, m\u00f6glichst wenig eigene K\u00e4mpfer nach Syrien zu schicken. \u00c4hnlich wie einst w\u00e4hrend des Krieges gegen Saddam Husseins Irak, setzt der Iran auf ausl\u00e4ndische K\u00e4mpfer.<\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung war wie eine Gehirnw\u00e4sche<\/h2>\n\n\n\n

Abu Fazels Familie geh\u00f6rt zur afghanischen Minderheit der schiitischen Hazara \u2013 wie viele Afghanen, die in den Iran gekommen sind. Mittlerweile k\u00e4mpfen Tausende von ihnen in Syrien. Der Iran bezahlt die Afghanen mit einem Sold von wenigen hundert Dollar pro Monat und verspricht ihren Familien eine Aufenthaltsgenehmigung oder eine Arbeitserlaubnis.<\/p>\n\n\n\n

An der Rekrutierung der Afghanen sind sowohl die Revolutionsgarden als auch die erw\u00e4hnten Basidsch-Milizen beteiligt. Abu Fazel beschreibt, wie das Viertel, in dem er gemeinsam mit seiner Familie in Teheran lebte, regelm\u00e4\u00dfig von den K\u00e4mpfern aufgesucht wurde. Viele afghanische Gefl\u00fcchtete lebten dort \u2013 und fielen auf die Gehirnw\u00e4sche der Rattenf\u00e4nger herein.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie trafen junge M\u00e4nner und Jugendliche in den Moscheen und \u00fcberredeten sie, gegen den IS oder Al Qaida zu k\u00e4mpfen. Die Gehirnw\u00e4sche war perfekt. Am Ende merkten viele, darunter auch ich, nicht einmal, dass wir in ihre Propaganda getappt waren. Ihre \u00dcberredungskunst war wirklich sehr speziell. Am Ende hat man Lust, nach Syrien zu gehen, um zu k\u00e4mpfen\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Erfolg hatten die Rekrutierer des Regimes auch bei Abu Fazels Cousin, der zum damaligen Zeitpunkt ebenfalls minderj\u00e4hrig gewesen ist. Er ging nach Syrien und k\u00e4mpfte unter der Flagge der \u201eLiwa Fatemiyoun\u201c, wie die afghanische Division auf Seiten Assads hei\u00dft. Offiziell ist die Aufgabe der Miliz die Verteidigung des Schreines von Zaynab im S\u00fcden von Damaskus. Zaynab war die Enkelin des islamischen Propheten Mohammad. Laut iranischen Staatsmedien k\u00e4mpfen mindestens 20.000 Afghanen in der Division.<\/p>\n\n\n\n

Im August 2014 entschloss sich auch Abu Fazel, nach Syrien zu gehen und zu k\u00e4mpfen. Im selben Monat wurde sein Cousin in der N\u00e4he von Aleppo im Kampf gegen syrische Rebellen get\u00f6tet.<\/p>\n\n\n\n

\u201eMein Cousin wurde dort get\u00f6tet. Auch andere Jungs aus unserer Gegend gingen nach Syrien und fielen dort. Lokale Zeitungen nannten sie \u201aM\u00e4rtyrer\u2018.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Lieber Flucht statt K\u00e4mpfer in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein solcher \u201eM\u00e4rtyrer\u201c wollte Abu Fazel allerdings nicht werden. Er floh eine Woche vor dem Beginn seiner dreimonatigen Kampfausbildung. Es war ihm lieber, ein Leben auf der Flucht zu verbringen, als in Syrien unschuldige Menschen f\u00fcr einen Diktator zu t\u00f6ten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch kam zu dem Schluss, dass ich nicht als M\u00f6rder weiterleben k\u00f6nnte. Stets dachte ich mir, dass selbst die schlimmsten Al-Qaida- oder IS-Terroristen Kinder haben k\u00f6nnten, die ihren Vater lieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Fazel verlor seinen eigenen Vater bereits sehr fr\u00fch. Er wurde Opfer des B\u00fcrgerkriegs in Afghanistan, der von 1989 bis 2001 tausende Menschen das Leben kostete. Auch der Iran mischte in der Zeit schon mit. Es ist allgemein bekannt, dass die schiitischen Hazara-Milizen, die den B\u00fcrgerkrieg ebenfalls mitanfachten, von der Regierung in Teheran unterst\u00fctzt wurden.<\/p>\n\n\n\n

Als Abu Fazel sich nun entschloss, aus der Gewaltspirale auszusteigen und nicht in Syrien zu k\u00e4mpfen, wuchs die Angst bei seiner Familie. Denn f\u00fcr die iranischen Beh\u00f6rden gilt: Hat man sich einmal gemeldet, gibt es kein zur\u00fcck. Man muss an die Front nach Syrien \u2013 oder wird zur\u00fcck nach Afghanistan abgeschoben, wo ebenfalls Krieg herrscht.<\/p>\n\n\n\n

Der einzige Ausweg f\u00fcr den jungen Afghanen war die Flucht. \u00dcber die T\u00fcrkei, Griechenland und die Balkranroute erreichte er mit gro\u00dfer M\u00fche Deutschland, wo er einen Asylantrag stellte.<\/p>\n\n\n\n

Erster Asylantrag in Deutschland abgelehnt<\/h2>\n\n\n\n

Als Grund nannte er seine Rekrutierung als Kindersoldat seitens des iranischen Regimes. Doch w\u00e4hrend diese Begr\u00fcndung in Abu Fazels Augen v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich war, sahen deutsche Beh\u00f6rden das anders. Sein erster Antrag wurde abgelehnt. Derzeit versucht er es ein zweites Mal. Die Bundesrepublik schiebt afghanische Gefl\u00fcchtete weiterhin ab.<\/p>\n\n\n\n

\"EinAbschiebung von Afghanen im Dezember 2016 mit einem Charterflug von Frankfurt nach Kabul. (dpa \/picture alliance \/ Boris Roessler)<\/p>\n\n\n\n

Die Verantwortlichen weisen in diesem Kontext immer wieder auf vermeintlich \u201esichere Gebiete\u201c im Land, die nicht n\u00e4her benannt werden.<\/p>\n\n\n\n

W\u00e4hrenddessen machen Menschenrechtsorganisationen regelm\u00e4\u00dfig darauf aufmerksam, dass keine Region am Hindukusch sicher ist. Stattdessen wird in manchen Gebieten nur weniger Krieg gef\u00fchrt als in anderen.<\/p>\n\n\n\n

\"SieDemonstranten protestieren in Frankfurt am Main gegen die Abschiebung von Afghanen. Auf einem der Transparente steht \u201eAfghanistan is not safe\u201c. (AFP \/ Daniel Roland)<\/p>\n\n\n\n

Alis Vater und Onkel k\u00e4mpfen in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein \u00e4hnliches Schicksal wie Abu Fazel erlitt der 18-j\u00e4hrige Ali (Namen ge\u00e4ndert). Auch er floh aus dem Iran nach Deutschland, um der Rekrutierung f\u00fcr Assads Milizen zu entgehen. Viele seiner afghanischen Freunde sind bereits nach Syrien gezogen \u2013 und kamen niemals zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Alis Familie, ebenfalls Angeh\u00f6rige der Hazara-Minderheit, stammt urspr\u00fcnglich aus der Provinz Ghor im Nordosten Afghanistans. Ihre Heimat verlie\u00dfen sie w\u00e4hrend der sowjetischen Besatzung in den 1980er-Jahren.<\/p>\n\n\n\n

Seit jeher lebt die Familie in der iranischen Gro\u00dfstadt Maschhad. Als der Krieg in Syrien ausbrach, erreichte sie ein Konflikt, mit dem sie nicht gerechnet hatten. Im Juli 2015 reiste Alis Vater nach Teheran. Er wollte einen Weg finden, um f\u00fcr seine Familie Aufenthaltspapiere zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Beh\u00f6rden sagten ihm, dass die Rekrutierung f\u00fcr den Krieg in Syrien eine M\u00f6glichkeit darstellen k\u00f6nnte, um Papiere f\u00fcr uns alle zu erhalten. Andernfalls w\u00fcrde man uns sehr bald nach Afghanistan abschieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Mittlerweile k\u00e4mpfen Alis Vater und sein Onkel seit \u00fcber einem Jahr in Syrien. Am Aufenthaltsstatus seiner Familienmitglieder hat sich bis heute allerdings nichts ge\u00e4ndert. F\u00fcr Ali ist klar, dass dies nur eine Falle gewesen ist, um noch mehr Afghanen als Kanonenfutter zu missbrauchen.<\/p>\n\n\n\n

Anfangs gab es Papiere f\u00fcr K\u00e4mpfer-Familien<\/h2>\n\n\n\n

Den Kontakt zu seinem Vater hat der Afghane mittlerweile verloren. W\u00e4hrenddessen schickt ihm sein Onkel, der in Aleppo stationiert ist, hin und wieder Bilder \u00fcber den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ali denkt, dass nur sehr wenige Afghanen der Propaganda der iranischen Regierung glauben und in Syrien f\u00fcr eine \u201egute Sache\u201c k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

Source<\/a><\/p>\n","post_title":"Warum Afghanen in Syrien f\u00fcr Assad k\u00e4mpfen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"warum-afghanen-in-syrien-fur-assad-kampfen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3709","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":9},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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So umfasst ein \"weiter Demokratiebegriff\" zum Beispiel die Gleichheit aller Staatsb\u00fcrger. Folgt man diesem Verst\u00e4ndnis spreche die Benachteiligung der arabischen Staatsb\u00fcrger Israels gegen eine Einordnung Israel als Demokratie. Beck schreibt:<\/p>\n\n\n\n

Da die Staatsr\u00e4son Israels auf seinem j\u00fcdischen Charakter fu\u00dft und Gesetze hervorgebracht hat, die in zentralen Bereichen der Ressourcenverteilung wie beispielsweise Landbesitz arabische Israelis systematisch diskriminiert, erscheint Israel als undemokratisch.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Beck verweist allerdings darauf, dass dieses weite Demokratie-Verst\u00e4ndnis zwar unter Kritikern Israels verbreitet, in der wissenschaftlichen Debatte aber eher un\u00fcblich sei. Zudem w\u00fcrden andere als demokratisch geltende Staaten, diese Anforderungen ebenso nicht erf\u00fcllen.<\/p>\n\n\n\n

Demokratie-Pr\u00fcfung scheiterte am Milit\u00e4rrecht f\u00fcr arabische Israelis<\/h3>\n\n\n\n

Beck unterzieht Israels politisches Systems deshalb einer zweiten Pr\u00fcfung. Der amerikanische Politikwissenschaftler Robert Dahl hat acht Bedingungen formuliert, die ein politisches System mindestens erf\u00fcllen muss, um als Demokratie zu gelten.<\/p>\n\n\n\n

Diese sind: Organisationsfreiheit, Meinungsfreiheit, aktives und passives Wahlrecht, das Recht politischer Eliten auf Werbung f\u00fcr Unterst\u00fctzung und um W\u00e4hlerstimmen, der Zugang zu alternativen Informationsquellen, freie und faire Wahlen sowie die institutionelle Bindung von Regierungspolitik an Wahlen und andere Formen der Willensbildung.<\/p>\n\n\n\n

Legt man diese Minimaldefinition von Demokratie zugrunde, besteht Israel die Pr\u00fcfung. \"Mit Blick auf Israel erscheinen all diese Bedingungen nicht nur f\u00fcr seine j\u00fcdischen, sondern auch f\u00fcr seine arabischen Staatsb\u00fcrgerinnen und Staatsb\u00fcrger erf\u00fcllt\", schreibt Beck.<\/p>\n\n\n\n

Allerdings liefert er dazu eine gro\u00dfe zeitliche Einschr\u00e4nkung: So lebten in den ersten Jahren gro\u00dfe Teile der arabischen Bev\u00f6lkerung Israels unter Milit\u00e4rverwaltung und genossen nicht dieselben staatsb\u00fcrgerlichen Rechte wie der Rest der Bev\u00f6lkerung. Aufgehoben wurde das Milit\u00e4rrecht f\u00fcr arabische Israelis erst am 8. November 1966. Um einen demokratischen Staat k\u00f6nne es sich also fr\u00fchestens ab diesem Zeitpunkt handeln.<\/p>\n\n\n\n

Macht die Besatzung Israel zu einem undemokratischen Staat?<\/h3>\n\n\n\n

Nur wenige Monate folgte allerdings ein Ereignis, dass Israels Bewertung als demokratischen Staat abermals in Zweifel zieht. Im Zuge des Sechstagekrieges besetzte Israel im Juni 1967 die \u00e4gyptische Sinai-Halbinsel, den Gazastreifen, das zuvor von Jordanien kontrollierte Westjordanland und Ostjerusalem sowie die syrischen Golanh\u00f6hen.<\/p>\n\n\n\n

Die 1982 an \u00c4gypten zur\u00fcckgegebene Sinai-Halbinsel ausgenommen, dauert Israels Kontrolle \u00fcber jene Gebiete bis heute auf die ein oder andere Weise an. Spielt sie deshalb auch eine Rolle, wenn es um die Bewertung des politischen Systems Israels geht? Beck schreibt, dass \"die Errichtung der Besatzungsregime im Jahr 1967 zweifelsohne ein undemokratischer Akt [war]\", diese aber nicht zwangsl\u00e4ufig etwas am demokratischen Charakter des politischen Systems Israel \u00e4ndern w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n

Sehr wohl anrechnen lassen m\u00fcsse sich Israel aber die Situation auf den syrischen Golanh\u00f6hen und in Ostjerusalem, da diese mittlerweile ins israelische Staatsgebiet annektiert wurden. Beck schreibt:<\/p>\n\n\n\n

Die Annexion eines Territoriums durch einen Staat ohne Referendum, d.h. eine Abstimmung durch die betroffene Bev\u00f6lkerung, widerspricht demokratischen Prinzipien fundamental.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Wichtiger noch sei allerdings, dass viele von der Annexion betroffene Pal\u00e4stinenser bis heute nicht \u00fcber dieselben Rechte verf\u00fcgen wie ihre israelischen Nachbarn. Statt der israelischen Staatsb\u00fcrgerschaft tragen pal\u00e4stinensische Bewohner Ostjerusalems lediglich Identit\u00e4tskarten, die sie als st\u00e4ndige Bewohner der Stadt ausweisen.<\/p>\n\n\n\n

Damit sind sie in Israel zwar steuerpflichtig, haben Zugang zu Sozialleistungen und k\u00f6nnen sich innerhalb Israel frei bewegen, staatsb\u00fcrgerlichen Rechte, wie beispielsweise das aktive und passive Wahlrecht besitzen sie allerdings nicht. Als undemokratisch bewertet Beck deshalb das \"israelische Herrschaftsregime in Jerusalem\".<\/p>\n\n\n\n

Besatzung beenden oder dieselben staatsb\u00fcrgerlichen Rechte f\u00fcr Pal\u00e4stinenser<\/h3>\n\n\n\n

Ob auch die Situation im Westjordanland und Gazastreifen eine Rolle f\u00fcr die Bewertung des politischen Systems Israels spielt, entscheidet sich dem Spezialisten f\u00fcr politische Systeme im Nahen Osten<\/a> zufolge vor allem an einer Frage: Ist die Besetzung der Gebiete ein vor\u00fcbergehendes Ph\u00e4nomen oder auf Dauer angelegt?<\/p>\n\n\n\n

Nur im letzteren Fall m\u00fcsse man das Besatzungsregime als Teil des politischen Systems Israels bewerten, so Beck. F\u00fcr den anhaltenden Charakter spreche allein schon die schiere Dauer der Besatzung: So dauert die israelische Besatzung schon \u00fcber ein halbes Jahrhundert und damit dreimal so lange wie Israel in den Grenzen von 1949 bis 1967 existierte.<\/p>\n\n\n\n

Hinzu kommen weitere Indizien: Das Scheitern des Osloer Verhandlungsprozess in den 1990er Jahren und im ersten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts, der anhaltende Siedlungsprozess sowie die weitgehenden Einigkeit unter den gro\u00dfen politischen Parteien Israels - und dass gro\u00dfe Teile des Westjordanlands dauerhaft unter israelischer Kontrolle verbleiben sollen. Beck kommt zu dem Schluss:<\/p>\n\n\n\n

Alle Indizien verweisen also darauf, dass die israelische Herrschaft \u00fcber das Westjordanland auf Dauer angelegt ist. In einer Demokratie m\u00fcsste daher allen dort Wohnenden der uneingeschr\u00e4nkte Zugang zu den staatsb\u00fcrgerlichen Rechten des politischen Gemeinwesens gew\u00e4hrt werden. Dies ist aber nicht der Fall.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Zweifelsfrei war Israel lediglich f\u00fcr sechs Monate eine Demokratie<\/h3>\n\n\n\n

W\u00e4hrend an der israelischen Besatzung des Westjordanlands kein Zweifel besteht, \u00fcberrascht, dass Beck f\u00fcr den Gazastreifen zu einer \u00e4hnlichen Bewertung kommt. Schlie\u00dflich hat Israel seine Soldaten im Jahr 2007 aus dem K\u00fcstenstreifen abgezogen und j\u00fcdische Siedlungen aufgel\u00f6st.<\/p>\n\n\n\n

Beck argumentiert, dass Israel auch heute seine Kontrolle von Land, Luft und Wasser aufrechterh\u00e4lt und die Besatzungsherrschaft damit fortsetzt, ohne \"den dort lebenden Menschen irgendeine Form demokratischer Mitwirkungsrechte zu gew\u00e4hren\".<\/p>\n\n\n\n

Mit dieser Einsch\u00e4tzung ist Beck nicht allein. Auch die Vereinten Nationen<\/a> und der Internationale Strafgerichtshof<\/a> vertreten die Auffassung, dass die israelische Besatzung \u00fcber den Gazastreifen andauert.<\/p>\n\n\n\n

F\u00fcr die Gesamtbewertung des politischen Systems Israels hat diese Frage allerdings ohnehin keine entscheidende Bedeutung mehr. Denn Becks Fazit f\u00e4llt eindeutig aus: Zweifelsfrei um eine Demokratie gehandelt habe es sich bei Israel lediglich in einem kurzen sechsmonatigen Zeitraum zwischen der Abschaffung des Milit\u00e4rrechts f\u00fcr arabische Israelis im November 1966 und dem Beginn des Sechstagekrieges im Juni 1967.<\/p>\n\n\n\n

Sp\u00e4testens mit Beginn der Besatzungsherrschaft habe Israel seinen Charakter als Demokratie verloren. F\u00fcr heutige Debatten rund um Israel empfiehlt der Nahost-Professor deshalb auf das Demokratieargument besser zu verzichten.

der\u00a0Ursprung<\/a><\/p>\n","post_title":"Die einzige Demokratie im Nahen Osten?","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-einzige-demokratie-im-nahen-osten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3775","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3719,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:39:47","post_date_gmt":"2020-08-13 21:39:47","post_content":"\n

Jenni Zylka und Christoph Safferling im Gespr\u00e4ch mit Anke Schaefer<\/a>- Sie kommen aus Syrien und dem Irak nach Deutschland zur\u00fcck: Frauen, die sich dem sogenannten Islamischen Staat (IS) angeschlossen haben, mit Terroristen zusammenlebten. Soll man sie k\u00fcnftig h\u00e4rter bestrafen? Die Journalistin Jenni Zylka und der Jurist Christoph Safferling sehen das kritisch.<\/p>\n\n\n\n

Frauen, die sich dem IS angeschlossen, aber selbst nicht gek\u00e4mpft haben, sollen laut Generalbundesanwalt Peter Frank als Mitl\u00e4uferinnen h\u00e4rter bestraft werden k\u00f6nnen. Frank meint: \u201eWir sind der Meinung, dass sich  auch bei diesen Frauen die Mitgliedschaft in einer ausl\u00e4ndischen terroristischen Organisation bejahen l\u00e4sst, weil diese Frauen die innere Struktur des sogenannten Islamischen Staates und damit diese Terrororganisation von innen heraus st\u00e4rken.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Aber sind diese Frauen nicht eher Opfer? Weil sie Angst um ihre Kinder hatten, den Umgang mit der Waffe zur Selbstverteidigung gelernt haben? Jenni Zylka meint dazu:  \u00dcber eine Mitschuld solcher Frauen nachzudenken, sei nachvollziehbar und auch legitim. Jedoch m\u00fcsse sehr genau hingeschaut und jede dieser Frauen einzeln betrachtet werden. Man m\u00fcsse unterscheiden, ob Frauen mit IS-Terroristen zusammengelebt und f\u00fcr diese gesorgt h\u00e4tten oder ob sie selbst militant geworden seien. Viele von ihnen seien zudem traumatisiert durch die Erlebnisse in den IS-Lagern.<\/p>\n\n\n\n

\"DieDie Journalistin Jenni Zylka (Deutschlandradio \/ Andreas Buron)<\/p>\n\n\n\n

Nicht wie Schwerverbrecherinnen behandeln<\/h2>\n\n\n\n

Christoph Safferling, Professor f\u00fcr Strafrecht an der Universit\u00e4t Erlangen-N\u00fcrnberg, sagt, er halte die Argumentation des Generalbundesanwalts f\u00fcr problematisch. Es handle sich zun\u00e4chst einmal um allt\u00e4gliche Handlungen wie Kochen und Sorge um die Kinder. \u201eUnd die Frage ist: Wann sind solche neutralen Handlungen tats\u00e4chlich straftatunterst\u00fctzend.\u201c Ein Vorsatz, die terroristischen Strukturen zu unterst\u00fctzen, m\u00fcsse klar nachgewiesen werden.<\/p>\n\n\n\n

Vielmehr stelle sich die Frage, ob die Frauen nicht eher als Opfer betrachtet werden m\u00fcssten. Viele h\u00e4tten sich wie unter Zwang auf die Situation eingelassen \u2013 diese k\u00f6nne man strukturell durchaus mit den Bedingungen von Zwangsprostitution vergleichen. Viele der jungen Frauen seien auch unter Drogen gesetzt worden.<\/p>\n\n\n\n

Zugest\u00e4ndnis an Irak?<\/h2>\n\n\n\n

Eine m\u00f6gliche Erkl\u00e4rung der harten Linie der Generalbundesanwaltschaft \u00fcber die man nur spekulieren k\u00f6nne: \u201eIch kann mir auch vorstellen, dass, wenn es jetzt darum geht, Irak davon zu \u00fcberzeugen, die deutschen Staatsangeh\u00f6rigen, die dort einsitzen, auszuliefern, man ihnen gegen\u00fcber auch zu verstehen geben muss, dass die hier einer Strafverfolgung zugef\u00fchrt werden. Ansonsten w\u00fcrde der Irak sich vielleicht weigern, sie auszuliefern.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Safferling h\u00e4lt eine intensive Betreuung der zur\u00fcckgekehrten Frauen und M\u00e4dchen f\u00fcr unerl\u00e4sslich \u2013 man d\u00fcrfe sie keinesfalls alleine lassen und nicht wie Schwerverbrecherinnen behandeln. Es m\u00fcsse vielmehr verhindert werden, dass die jungen Frauen etwa in die Salafisten-Szene abtauchten.<\/p>\n","post_title":"Sie sind eher Opfer als Schwerverbrecherinnen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"sie-sind-eher-opfer-als-schwerverbrecherinnen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3719","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3709,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:30:50","post_date_gmt":"2020-08-13 21:30:50","post_content":"\n

Drei Millionen Afghanen sind ins Nachbarland Iran geflohen. Viele arbeiten schwarz. Die Aussicht auf einen festen Lohn plus Papiere f\u00fcr die Familie ist verlockend. Die Gegenleistung daf\u00fcr: K\u00e4mpfen in Syrien.<\/p>\n\n\n\n

Wenn Abu Fazel von den Gr\u00e4ueltaten des syrischen B\u00fcrgerkriegs h\u00f6rt, denkt er immer daran, dass er auch beinahe als K\u00e4mpfer auf diesem Schlachtfeld gelandet w\u00e4re. Doch Abu Fazel ist weder Syrer noch wollte er zum sogenannten \u201eIslamischen Staat\u201c. Der 18-J\u00e4hrige ist ein afghanischer Gefl\u00fcchteter, der zur Zeit in Leverkusen lebt.<\/p>\n\n\n\n

Den Gro\u00dfteil seines Lebens verbrachte er im Iran. Seine Familie ist dorthin gefl\u00fcchtet, als er ein Kind war. Doch als die iranische Regierung ihn nach Syrien schicken wollte, um auf der Seite von Machthaber Baschar al-Assad zu k\u00e4mpfen, entschloss er sich zu fliehen.<\/p>\n\n\n\n

\"Fl\u00fcchtlingeGefl\u00fcchtete aus dem Iran und Afghanistan an der Grenze zwischen Mazedonien und Griechenland. (picture alliance \/ dpa \/ Georgi Licovski)<\/p>\n\n\n\n

Tausende afghanische Jugendliche \u2013 die genaue Zahl ist nicht bekannt \u2013 wurden im Iran rekrutiert, um im Krieg in Syrien zu k\u00e4mpfen. Erst vor Kurzem berichtete die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, dass sie die Gr\u00e4ber von acht afghanischen Kindern, die in Syrien get\u00f6tet wurden, identifiziert hat. Laut der Organisation rekrutiert der Iran regelm\u00e4\u00dfig minderj\u00e4hrige K\u00e4mpfer, um sie nach Syrien zu schicken. Unter afghanischen Gefl\u00fcchteten ist diese Praxis schon l\u00e4nger bekannt.<\/p>\n\n\n\n

Rassismus gegen Afghanen im Iran<\/h2>\n\n\n\n

Fast drei Millionen Gefl\u00fcchtete aus Afghanistan sind inzwischen im Iran. Die meisten von ihnen leben in der Illegalit\u00e4t und werden als Schwarzarbeiter, etwa am Bau, ausgebeutet. Rassismus und Ausgrenzung geh\u00f6ren zu ihrem gesellschaftlichen Alltag. Kinder sind davon nicht ausgeschlossen. Im Gegenteil: Vielen afghanischen Kinderm ist es nicht erlaubt, staatliche Schulen zu besuchen. Abu Fazel wurde Zeit seines Lebens von dieser Diskrimierung beeinflusst und verfolgt.<\/p>\n\n\n\n

\u201e'Afghane\u2018 \u2013 das ist dort ein Schimpfwort. Ich h\u00f6rte es von klein auf immer wieder. Der Rassismus gegen Afghanen ist dort v\u00f6llig normal. Meine Herkunft, auf der ich eigentlich stolz war, ist im Iran stets eine Last gewesen. Wir sind dort B\u00fcrger zweiter Klasse.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung der afghanischen Gefl\u00fcchteten ist f\u00fcr Abu Fazel die Spitze jenes Rassismus, den er erlebt hat.<\/p>\n\n\n\n

Iran: Syrien vor sunnitischen Extremisten verteidigen<\/h2>\n\n\n\n

In Syrien k\u00e4mpfen neben den afghanischen Milizen auch andere paramilit\u00e4rische Gruppierungen im Auftrag des Irans: etwa die ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigten Revolutionsgarden, die einst Ayatollah Ruhollah Khomeini pers\u00f6nlich ins Leben rief oder die Basidsch-Milizen. Beiden Gruppierungen sind nicht nur in Syrien aktiv, sondern auch im Irak.<\/p>\n\n\n\n

Obowhl sich das syrische Regime von Baschar al-Assad als s\u00e4kular ausweist, wird es vom Iran, der sich als Repr\u00e4sentant aller muslimischen Schiiten betrachtet, unterst\u00fctzt. Gemeinsames Ziel in Syrien ist es: Schiiten vor sunnitische Extremisten zu verteidigen. Dennoch ist das Regime darauf bedacht, m\u00f6glichst wenig eigene K\u00e4mpfer nach Syrien zu schicken. \u00c4hnlich wie einst w\u00e4hrend des Krieges gegen Saddam Husseins Irak, setzt der Iran auf ausl\u00e4ndische K\u00e4mpfer.<\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung war wie eine Gehirnw\u00e4sche<\/h2>\n\n\n\n

Abu Fazels Familie geh\u00f6rt zur afghanischen Minderheit der schiitischen Hazara \u2013 wie viele Afghanen, die in den Iran gekommen sind. Mittlerweile k\u00e4mpfen Tausende von ihnen in Syrien. Der Iran bezahlt die Afghanen mit einem Sold von wenigen hundert Dollar pro Monat und verspricht ihren Familien eine Aufenthaltsgenehmigung oder eine Arbeitserlaubnis.<\/p>\n\n\n\n

An der Rekrutierung der Afghanen sind sowohl die Revolutionsgarden als auch die erw\u00e4hnten Basidsch-Milizen beteiligt. Abu Fazel beschreibt, wie das Viertel, in dem er gemeinsam mit seiner Familie in Teheran lebte, regelm\u00e4\u00dfig von den K\u00e4mpfern aufgesucht wurde. Viele afghanische Gefl\u00fcchtete lebten dort \u2013 und fielen auf die Gehirnw\u00e4sche der Rattenf\u00e4nger herein.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie trafen junge M\u00e4nner und Jugendliche in den Moscheen und \u00fcberredeten sie, gegen den IS oder Al Qaida zu k\u00e4mpfen. Die Gehirnw\u00e4sche war perfekt. Am Ende merkten viele, darunter auch ich, nicht einmal, dass wir in ihre Propaganda getappt waren. Ihre \u00dcberredungskunst war wirklich sehr speziell. Am Ende hat man Lust, nach Syrien zu gehen, um zu k\u00e4mpfen\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Erfolg hatten die Rekrutierer des Regimes auch bei Abu Fazels Cousin, der zum damaligen Zeitpunkt ebenfalls minderj\u00e4hrig gewesen ist. Er ging nach Syrien und k\u00e4mpfte unter der Flagge der \u201eLiwa Fatemiyoun\u201c, wie die afghanische Division auf Seiten Assads hei\u00dft. Offiziell ist die Aufgabe der Miliz die Verteidigung des Schreines von Zaynab im S\u00fcden von Damaskus. Zaynab war die Enkelin des islamischen Propheten Mohammad. Laut iranischen Staatsmedien k\u00e4mpfen mindestens 20.000 Afghanen in der Division.<\/p>\n\n\n\n

Im August 2014 entschloss sich auch Abu Fazel, nach Syrien zu gehen und zu k\u00e4mpfen. Im selben Monat wurde sein Cousin in der N\u00e4he von Aleppo im Kampf gegen syrische Rebellen get\u00f6tet.<\/p>\n\n\n\n

\u201eMein Cousin wurde dort get\u00f6tet. Auch andere Jungs aus unserer Gegend gingen nach Syrien und fielen dort. Lokale Zeitungen nannten sie \u201aM\u00e4rtyrer\u2018.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Lieber Flucht statt K\u00e4mpfer in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein solcher \u201eM\u00e4rtyrer\u201c wollte Abu Fazel allerdings nicht werden. Er floh eine Woche vor dem Beginn seiner dreimonatigen Kampfausbildung. Es war ihm lieber, ein Leben auf der Flucht zu verbringen, als in Syrien unschuldige Menschen f\u00fcr einen Diktator zu t\u00f6ten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch kam zu dem Schluss, dass ich nicht als M\u00f6rder weiterleben k\u00f6nnte. Stets dachte ich mir, dass selbst die schlimmsten Al-Qaida- oder IS-Terroristen Kinder haben k\u00f6nnten, die ihren Vater lieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Fazel verlor seinen eigenen Vater bereits sehr fr\u00fch. Er wurde Opfer des B\u00fcrgerkriegs in Afghanistan, der von 1989 bis 2001 tausende Menschen das Leben kostete. Auch der Iran mischte in der Zeit schon mit. Es ist allgemein bekannt, dass die schiitischen Hazara-Milizen, die den B\u00fcrgerkrieg ebenfalls mitanfachten, von der Regierung in Teheran unterst\u00fctzt wurden.<\/p>\n\n\n\n

Als Abu Fazel sich nun entschloss, aus der Gewaltspirale auszusteigen und nicht in Syrien zu k\u00e4mpfen, wuchs die Angst bei seiner Familie. Denn f\u00fcr die iranischen Beh\u00f6rden gilt: Hat man sich einmal gemeldet, gibt es kein zur\u00fcck. Man muss an die Front nach Syrien \u2013 oder wird zur\u00fcck nach Afghanistan abgeschoben, wo ebenfalls Krieg herrscht.<\/p>\n\n\n\n

Der einzige Ausweg f\u00fcr den jungen Afghanen war die Flucht. \u00dcber die T\u00fcrkei, Griechenland und die Balkranroute erreichte er mit gro\u00dfer M\u00fche Deutschland, wo er einen Asylantrag stellte.<\/p>\n\n\n\n

Erster Asylantrag in Deutschland abgelehnt<\/h2>\n\n\n\n

Als Grund nannte er seine Rekrutierung als Kindersoldat seitens des iranischen Regimes. Doch w\u00e4hrend diese Begr\u00fcndung in Abu Fazels Augen v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich war, sahen deutsche Beh\u00f6rden das anders. Sein erster Antrag wurde abgelehnt. Derzeit versucht er es ein zweites Mal. Die Bundesrepublik schiebt afghanische Gefl\u00fcchtete weiterhin ab.<\/p>\n\n\n\n

\"EinAbschiebung von Afghanen im Dezember 2016 mit einem Charterflug von Frankfurt nach Kabul. (dpa \/picture alliance \/ Boris Roessler)<\/p>\n\n\n\n

Die Verantwortlichen weisen in diesem Kontext immer wieder auf vermeintlich \u201esichere Gebiete\u201c im Land, die nicht n\u00e4her benannt werden.<\/p>\n\n\n\n

W\u00e4hrenddessen machen Menschenrechtsorganisationen regelm\u00e4\u00dfig darauf aufmerksam, dass keine Region am Hindukusch sicher ist. Stattdessen wird in manchen Gebieten nur weniger Krieg gef\u00fchrt als in anderen.<\/p>\n\n\n\n

\"SieDemonstranten protestieren in Frankfurt am Main gegen die Abschiebung von Afghanen. Auf einem der Transparente steht \u201eAfghanistan is not safe\u201c. (AFP \/ Daniel Roland)<\/p>\n\n\n\n

Alis Vater und Onkel k\u00e4mpfen in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein \u00e4hnliches Schicksal wie Abu Fazel erlitt der 18-j\u00e4hrige Ali (Namen ge\u00e4ndert). Auch er floh aus dem Iran nach Deutschland, um der Rekrutierung f\u00fcr Assads Milizen zu entgehen. Viele seiner afghanischen Freunde sind bereits nach Syrien gezogen \u2013 und kamen niemals zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Alis Familie, ebenfalls Angeh\u00f6rige der Hazara-Minderheit, stammt urspr\u00fcnglich aus der Provinz Ghor im Nordosten Afghanistans. Ihre Heimat verlie\u00dfen sie w\u00e4hrend der sowjetischen Besatzung in den 1980er-Jahren.<\/p>\n\n\n\n

Seit jeher lebt die Familie in der iranischen Gro\u00dfstadt Maschhad. Als der Krieg in Syrien ausbrach, erreichte sie ein Konflikt, mit dem sie nicht gerechnet hatten. Im Juli 2015 reiste Alis Vater nach Teheran. Er wollte einen Weg finden, um f\u00fcr seine Familie Aufenthaltspapiere zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Beh\u00f6rden sagten ihm, dass die Rekrutierung f\u00fcr den Krieg in Syrien eine M\u00f6glichkeit darstellen k\u00f6nnte, um Papiere f\u00fcr uns alle zu erhalten. Andernfalls w\u00fcrde man uns sehr bald nach Afghanistan abschieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Mittlerweile k\u00e4mpfen Alis Vater und sein Onkel seit \u00fcber einem Jahr in Syrien. Am Aufenthaltsstatus seiner Familienmitglieder hat sich bis heute allerdings nichts ge\u00e4ndert. F\u00fcr Ali ist klar, dass dies nur eine Falle gewesen ist, um noch mehr Afghanen als Kanonenfutter zu missbrauchen.<\/p>\n\n\n\n

Anfangs gab es Papiere f\u00fcr K\u00e4mpfer-Familien<\/h2>\n\n\n\n

Den Kontakt zu seinem Vater hat der Afghane mittlerweile verloren. W\u00e4hrenddessen schickt ihm sein Onkel, der in Aleppo stationiert ist, hin und wieder Bilder \u00fcber den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ali denkt, dass nur sehr wenige Afghanen der Propaganda der iranischen Regierung glauben und in Syrien f\u00fcr eine \u201egute Sache\u201c k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

Source<\/a><\/p>\n","post_title":"Warum Afghanen in Syrien f\u00fcr Assad k\u00e4mpfen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"warum-afghanen-in-syrien-fur-assad-kampfen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3709","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":9},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

\n

Becks Analyse macht aber zun\u00e4chst ein anderes Problem deutlich: Die Frage, ob es sich bei einem Staat um eine Demokratie handelt, ist auch deshalb nicht einfach zu beantworten, weil es kein einheitliches Verst\u00e4ndnis davon gibt, was eine Demokratie eigentlich ist. In seiner Bewertung des politischen Systems Israel geht er deshalb von unterschiedlichen Definitionen aus.<\/p>\n\n\n\n

So umfasst ein \"weiter Demokratiebegriff\" zum Beispiel die Gleichheit aller Staatsb\u00fcrger. Folgt man diesem Verst\u00e4ndnis spreche die Benachteiligung der arabischen Staatsb\u00fcrger Israels gegen eine Einordnung Israel als Demokratie. Beck schreibt:<\/p>\n\n\n\n

Da die Staatsr\u00e4son Israels auf seinem j\u00fcdischen Charakter fu\u00dft und Gesetze hervorgebracht hat, die in zentralen Bereichen der Ressourcenverteilung wie beispielsweise Landbesitz arabische Israelis systematisch diskriminiert, erscheint Israel als undemokratisch.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Beck verweist allerdings darauf, dass dieses weite Demokratie-Verst\u00e4ndnis zwar unter Kritikern Israels verbreitet, in der wissenschaftlichen Debatte aber eher un\u00fcblich sei. Zudem w\u00fcrden andere als demokratisch geltende Staaten, diese Anforderungen ebenso nicht erf\u00fcllen.<\/p>\n\n\n\n

Demokratie-Pr\u00fcfung scheiterte am Milit\u00e4rrecht f\u00fcr arabische Israelis<\/h3>\n\n\n\n

Beck unterzieht Israels politisches Systems deshalb einer zweiten Pr\u00fcfung. Der amerikanische Politikwissenschaftler Robert Dahl hat acht Bedingungen formuliert, die ein politisches System mindestens erf\u00fcllen muss, um als Demokratie zu gelten.<\/p>\n\n\n\n

Diese sind: Organisationsfreiheit, Meinungsfreiheit, aktives und passives Wahlrecht, das Recht politischer Eliten auf Werbung f\u00fcr Unterst\u00fctzung und um W\u00e4hlerstimmen, der Zugang zu alternativen Informationsquellen, freie und faire Wahlen sowie die institutionelle Bindung von Regierungspolitik an Wahlen und andere Formen der Willensbildung.<\/p>\n\n\n\n

Legt man diese Minimaldefinition von Demokratie zugrunde, besteht Israel die Pr\u00fcfung. \"Mit Blick auf Israel erscheinen all diese Bedingungen nicht nur f\u00fcr seine j\u00fcdischen, sondern auch f\u00fcr seine arabischen Staatsb\u00fcrgerinnen und Staatsb\u00fcrger erf\u00fcllt\", schreibt Beck.<\/p>\n\n\n\n

Allerdings liefert er dazu eine gro\u00dfe zeitliche Einschr\u00e4nkung: So lebten in den ersten Jahren gro\u00dfe Teile der arabischen Bev\u00f6lkerung Israels unter Milit\u00e4rverwaltung und genossen nicht dieselben staatsb\u00fcrgerlichen Rechte wie der Rest der Bev\u00f6lkerung. Aufgehoben wurde das Milit\u00e4rrecht f\u00fcr arabische Israelis erst am 8. November 1966. Um einen demokratischen Staat k\u00f6nne es sich also fr\u00fchestens ab diesem Zeitpunkt handeln.<\/p>\n\n\n\n

Macht die Besatzung Israel zu einem undemokratischen Staat?<\/h3>\n\n\n\n

Nur wenige Monate folgte allerdings ein Ereignis, dass Israels Bewertung als demokratischen Staat abermals in Zweifel zieht. Im Zuge des Sechstagekrieges besetzte Israel im Juni 1967 die \u00e4gyptische Sinai-Halbinsel, den Gazastreifen, das zuvor von Jordanien kontrollierte Westjordanland und Ostjerusalem sowie die syrischen Golanh\u00f6hen.<\/p>\n\n\n\n

Die 1982 an \u00c4gypten zur\u00fcckgegebene Sinai-Halbinsel ausgenommen, dauert Israels Kontrolle \u00fcber jene Gebiete bis heute auf die ein oder andere Weise an. Spielt sie deshalb auch eine Rolle, wenn es um die Bewertung des politischen Systems Israels geht? Beck schreibt, dass \"die Errichtung der Besatzungsregime im Jahr 1967 zweifelsohne ein undemokratischer Akt [war]\", diese aber nicht zwangsl\u00e4ufig etwas am demokratischen Charakter des politischen Systems Israel \u00e4ndern w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n

Sehr wohl anrechnen lassen m\u00fcsse sich Israel aber die Situation auf den syrischen Golanh\u00f6hen und in Ostjerusalem, da diese mittlerweile ins israelische Staatsgebiet annektiert wurden. Beck schreibt:<\/p>\n\n\n\n

Die Annexion eines Territoriums durch einen Staat ohne Referendum, d.h. eine Abstimmung durch die betroffene Bev\u00f6lkerung, widerspricht demokratischen Prinzipien fundamental.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Wichtiger noch sei allerdings, dass viele von der Annexion betroffene Pal\u00e4stinenser bis heute nicht \u00fcber dieselben Rechte verf\u00fcgen wie ihre israelischen Nachbarn. Statt der israelischen Staatsb\u00fcrgerschaft tragen pal\u00e4stinensische Bewohner Ostjerusalems lediglich Identit\u00e4tskarten, die sie als st\u00e4ndige Bewohner der Stadt ausweisen.<\/p>\n\n\n\n

Damit sind sie in Israel zwar steuerpflichtig, haben Zugang zu Sozialleistungen und k\u00f6nnen sich innerhalb Israel frei bewegen, staatsb\u00fcrgerlichen Rechte, wie beispielsweise das aktive und passive Wahlrecht besitzen sie allerdings nicht. Als undemokratisch bewertet Beck deshalb das \"israelische Herrschaftsregime in Jerusalem\".<\/p>\n\n\n\n

Besatzung beenden oder dieselben staatsb\u00fcrgerlichen Rechte f\u00fcr Pal\u00e4stinenser<\/h3>\n\n\n\n

Ob auch die Situation im Westjordanland und Gazastreifen eine Rolle f\u00fcr die Bewertung des politischen Systems Israels spielt, entscheidet sich dem Spezialisten f\u00fcr politische Systeme im Nahen Osten<\/a> zufolge vor allem an einer Frage: Ist die Besetzung der Gebiete ein vor\u00fcbergehendes Ph\u00e4nomen oder auf Dauer angelegt?<\/p>\n\n\n\n

Nur im letzteren Fall m\u00fcsse man das Besatzungsregime als Teil des politischen Systems Israels bewerten, so Beck. F\u00fcr den anhaltenden Charakter spreche allein schon die schiere Dauer der Besatzung: So dauert die israelische Besatzung schon \u00fcber ein halbes Jahrhundert und damit dreimal so lange wie Israel in den Grenzen von 1949 bis 1967 existierte.<\/p>\n\n\n\n

Hinzu kommen weitere Indizien: Das Scheitern des Osloer Verhandlungsprozess in den 1990er Jahren und im ersten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts, der anhaltende Siedlungsprozess sowie die weitgehenden Einigkeit unter den gro\u00dfen politischen Parteien Israels - und dass gro\u00dfe Teile des Westjordanlands dauerhaft unter israelischer Kontrolle verbleiben sollen. Beck kommt zu dem Schluss:<\/p>\n\n\n\n

Alle Indizien verweisen also darauf, dass die israelische Herrschaft \u00fcber das Westjordanland auf Dauer angelegt ist. In einer Demokratie m\u00fcsste daher allen dort Wohnenden der uneingeschr\u00e4nkte Zugang zu den staatsb\u00fcrgerlichen Rechten des politischen Gemeinwesens gew\u00e4hrt werden. Dies ist aber nicht der Fall.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Zweifelsfrei war Israel lediglich f\u00fcr sechs Monate eine Demokratie<\/h3>\n\n\n\n

W\u00e4hrend an der israelischen Besatzung des Westjordanlands kein Zweifel besteht, \u00fcberrascht, dass Beck f\u00fcr den Gazastreifen zu einer \u00e4hnlichen Bewertung kommt. Schlie\u00dflich hat Israel seine Soldaten im Jahr 2007 aus dem K\u00fcstenstreifen abgezogen und j\u00fcdische Siedlungen aufgel\u00f6st.<\/p>\n\n\n\n

Beck argumentiert, dass Israel auch heute seine Kontrolle von Land, Luft und Wasser aufrechterh\u00e4lt und die Besatzungsherrschaft damit fortsetzt, ohne \"den dort lebenden Menschen irgendeine Form demokratischer Mitwirkungsrechte zu gew\u00e4hren\".<\/p>\n\n\n\n

Mit dieser Einsch\u00e4tzung ist Beck nicht allein. Auch die Vereinten Nationen<\/a> und der Internationale Strafgerichtshof<\/a> vertreten die Auffassung, dass die israelische Besatzung \u00fcber den Gazastreifen andauert.<\/p>\n\n\n\n

F\u00fcr die Gesamtbewertung des politischen Systems Israels hat diese Frage allerdings ohnehin keine entscheidende Bedeutung mehr. Denn Becks Fazit f\u00e4llt eindeutig aus: Zweifelsfrei um eine Demokratie gehandelt habe es sich bei Israel lediglich in einem kurzen sechsmonatigen Zeitraum zwischen der Abschaffung des Milit\u00e4rrechts f\u00fcr arabische Israelis im November 1966 und dem Beginn des Sechstagekrieges im Juni 1967.<\/p>\n\n\n\n

Sp\u00e4testens mit Beginn der Besatzungsherrschaft habe Israel seinen Charakter als Demokratie verloren. F\u00fcr heutige Debatten rund um Israel empfiehlt der Nahost-Professor deshalb auf das Demokratieargument besser zu verzichten.

der\u00a0Ursprung<\/a><\/p>\n","post_title":"Die einzige Demokratie im Nahen Osten?","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-einzige-demokratie-im-nahen-osten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3775","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3719,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:39:47","post_date_gmt":"2020-08-13 21:39:47","post_content":"\n

Jenni Zylka und Christoph Safferling im Gespr\u00e4ch mit Anke Schaefer<\/a>- Sie kommen aus Syrien und dem Irak nach Deutschland zur\u00fcck: Frauen, die sich dem sogenannten Islamischen Staat (IS) angeschlossen haben, mit Terroristen zusammenlebten. Soll man sie k\u00fcnftig h\u00e4rter bestrafen? Die Journalistin Jenni Zylka und der Jurist Christoph Safferling sehen das kritisch.<\/p>\n\n\n\n

Frauen, die sich dem IS angeschlossen, aber selbst nicht gek\u00e4mpft haben, sollen laut Generalbundesanwalt Peter Frank als Mitl\u00e4uferinnen h\u00e4rter bestraft werden k\u00f6nnen. Frank meint: \u201eWir sind der Meinung, dass sich  auch bei diesen Frauen die Mitgliedschaft in einer ausl\u00e4ndischen terroristischen Organisation bejahen l\u00e4sst, weil diese Frauen die innere Struktur des sogenannten Islamischen Staates und damit diese Terrororganisation von innen heraus st\u00e4rken.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Aber sind diese Frauen nicht eher Opfer? Weil sie Angst um ihre Kinder hatten, den Umgang mit der Waffe zur Selbstverteidigung gelernt haben? Jenni Zylka meint dazu:  \u00dcber eine Mitschuld solcher Frauen nachzudenken, sei nachvollziehbar und auch legitim. Jedoch m\u00fcsse sehr genau hingeschaut und jede dieser Frauen einzeln betrachtet werden. Man m\u00fcsse unterscheiden, ob Frauen mit IS-Terroristen zusammengelebt und f\u00fcr diese gesorgt h\u00e4tten oder ob sie selbst militant geworden seien. Viele von ihnen seien zudem traumatisiert durch die Erlebnisse in den IS-Lagern.<\/p>\n\n\n\n

\"DieDie Journalistin Jenni Zylka (Deutschlandradio \/ Andreas Buron)<\/p>\n\n\n\n

Nicht wie Schwerverbrecherinnen behandeln<\/h2>\n\n\n\n

Christoph Safferling, Professor f\u00fcr Strafrecht an der Universit\u00e4t Erlangen-N\u00fcrnberg, sagt, er halte die Argumentation des Generalbundesanwalts f\u00fcr problematisch. Es handle sich zun\u00e4chst einmal um allt\u00e4gliche Handlungen wie Kochen und Sorge um die Kinder. \u201eUnd die Frage ist: Wann sind solche neutralen Handlungen tats\u00e4chlich straftatunterst\u00fctzend.\u201c Ein Vorsatz, die terroristischen Strukturen zu unterst\u00fctzen, m\u00fcsse klar nachgewiesen werden.<\/p>\n\n\n\n

Vielmehr stelle sich die Frage, ob die Frauen nicht eher als Opfer betrachtet werden m\u00fcssten. Viele h\u00e4tten sich wie unter Zwang auf die Situation eingelassen \u2013 diese k\u00f6nne man strukturell durchaus mit den Bedingungen von Zwangsprostitution vergleichen. Viele der jungen Frauen seien auch unter Drogen gesetzt worden.<\/p>\n\n\n\n

Zugest\u00e4ndnis an Irak?<\/h2>\n\n\n\n

Eine m\u00f6gliche Erkl\u00e4rung der harten Linie der Generalbundesanwaltschaft \u00fcber die man nur spekulieren k\u00f6nne: \u201eIch kann mir auch vorstellen, dass, wenn es jetzt darum geht, Irak davon zu \u00fcberzeugen, die deutschen Staatsangeh\u00f6rigen, die dort einsitzen, auszuliefern, man ihnen gegen\u00fcber auch zu verstehen geben muss, dass die hier einer Strafverfolgung zugef\u00fchrt werden. Ansonsten w\u00fcrde der Irak sich vielleicht weigern, sie auszuliefern.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Safferling h\u00e4lt eine intensive Betreuung der zur\u00fcckgekehrten Frauen und M\u00e4dchen f\u00fcr unerl\u00e4sslich \u2013 man d\u00fcrfe sie keinesfalls alleine lassen und nicht wie Schwerverbrecherinnen behandeln. Es m\u00fcsse vielmehr verhindert werden, dass die jungen Frauen etwa in die Salafisten-Szene abtauchten.<\/p>\n","post_title":"Sie sind eher Opfer als Schwerverbrecherinnen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"sie-sind-eher-opfer-als-schwerverbrecherinnen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3719","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3709,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:30:50","post_date_gmt":"2020-08-13 21:30:50","post_content":"\n

Drei Millionen Afghanen sind ins Nachbarland Iran geflohen. Viele arbeiten schwarz. Die Aussicht auf einen festen Lohn plus Papiere f\u00fcr die Familie ist verlockend. Die Gegenleistung daf\u00fcr: K\u00e4mpfen in Syrien.<\/p>\n\n\n\n

Wenn Abu Fazel von den Gr\u00e4ueltaten des syrischen B\u00fcrgerkriegs h\u00f6rt, denkt er immer daran, dass er auch beinahe als K\u00e4mpfer auf diesem Schlachtfeld gelandet w\u00e4re. Doch Abu Fazel ist weder Syrer noch wollte er zum sogenannten \u201eIslamischen Staat\u201c. Der 18-J\u00e4hrige ist ein afghanischer Gefl\u00fcchteter, der zur Zeit in Leverkusen lebt.<\/p>\n\n\n\n

Den Gro\u00dfteil seines Lebens verbrachte er im Iran. Seine Familie ist dorthin gefl\u00fcchtet, als er ein Kind war. Doch als die iranische Regierung ihn nach Syrien schicken wollte, um auf der Seite von Machthaber Baschar al-Assad zu k\u00e4mpfen, entschloss er sich zu fliehen.<\/p>\n\n\n\n

\"Fl\u00fcchtlingeGefl\u00fcchtete aus dem Iran und Afghanistan an der Grenze zwischen Mazedonien und Griechenland. (picture alliance \/ dpa \/ Georgi Licovski)<\/p>\n\n\n\n

Tausende afghanische Jugendliche \u2013 die genaue Zahl ist nicht bekannt \u2013 wurden im Iran rekrutiert, um im Krieg in Syrien zu k\u00e4mpfen. Erst vor Kurzem berichtete die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, dass sie die Gr\u00e4ber von acht afghanischen Kindern, die in Syrien get\u00f6tet wurden, identifiziert hat. Laut der Organisation rekrutiert der Iran regelm\u00e4\u00dfig minderj\u00e4hrige K\u00e4mpfer, um sie nach Syrien zu schicken. Unter afghanischen Gefl\u00fcchteten ist diese Praxis schon l\u00e4nger bekannt.<\/p>\n\n\n\n

Rassismus gegen Afghanen im Iran<\/h2>\n\n\n\n

Fast drei Millionen Gefl\u00fcchtete aus Afghanistan sind inzwischen im Iran. Die meisten von ihnen leben in der Illegalit\u00e4t und werden als Schwarzarbeiter, etwa am Bau, ausgebeutet. Rassismus und Ausgrenzung geh\u00f6ren zu ihrem gesellschaftlichen Alltag. Kinder sind davon nicht ausgeschlossen. Im Gegenteil: Vielen afghanischen Kinderm ist es nicht erlaubt, staatliche Schulen zu besuchen. Abu Fazel wurde Zeit seines Lebens von dieser Diskrimierung beeinflusst und verfolgt.<\/p>\n\n\n\n

\u201e'Afghane\u2018 \u2013 das ist dort ein Schimpfwort. Ich h\u00f6rte es von klein auf immer wieder. Der Rassismus gegen Afghanen ist dort v\u00f6llig normal. Meine Herkunft, auf der ich eigentlich stolz war, ist im Iran stets eine Last gewesen. Wir sind dort B\u00fcrger zweiter Klasse.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung der afghanischen Gefl\u00fcchteten ist f\u00fcr Abu Fazel die Spitze jenes Rassismus, den er erlebt hat.<\/p>\n\n\n\n

Iran: Syrien vor sunnitischen Extremisten verteidigen<\/h2>\n\n\n\n

In Syrien k\u00e4mpfen neben den afghanischen Milizen auch andere paramilit\u00e4rische Gruppierungen im Auftrag des Irans: etwa die ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigten Revolutionsgarden, die einst Ayatollah Ruhollah Khomeini pers\u00f6nlich ins Leben rief oder die Basidsch-Milizen. Beiden Gruppierungen sind nicht nur in Syrien aktiv, sondern auch im Irak.<\/p>\n\n\n\n

Obowhl sich das syrische Regime von Baschar al-Assad als s\u00e4kular ausweist, wird es vom Iran, der sich als Repr\u00e4sentant aller muslimischen Schiiten betrachtet, unterst\u00fctzt. Gemeinsames Ziel in Syrien ist es: Schiiten vor sunnitische Extremisten zu verteidigen. Dennoch ist das Regime darauf bedacht, m\u00f6glichst wenig eigene K\u00e4mpfer nach Syrien zu schicken. \u00c4hnlich wie einst w\u00e4hrend des Krieges gegen Saddam Husseins Irak, setzt der Iran auf ausl\u00e4ndische K\u00e4mpfer.<\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung war wie eine Gehirnw\u00e4sche<\/h2>\n\n\n\n

Abu Fazels Familie geh\u00f6rt zur afghanischen Minderheit der schiitischen Hazara \u2013 wie viele Afghanen, die in den Iran gekommen sind. Mittlerweile k\u00e4mpfen Tausende von ihnen in Syrien. Der Iran bezahlt die Afghanen mit einem Sold von wenigen hundert Dollar pro Monat und verspricht ihren Familien eine Aufenthaltsgenehmigung oder eine Arbeitserlaubnis.<\/p>\n\n\n\n

An der Rekrutierung der Afghanen sind sowohl die Revolutionsgarden als auch die erw\u00e4hnten Basidsch-Milizen beteiligt. Abu Fazel beschreibt, wie das Viertel, in dem er gemeinsam mit seiner Familie in Teheran lebte, regelm\u00e4\u00dfig von den K\u00e4mpfern aufgesucht wurde. Viele afghanische Gefl\u00fcchtete lebten dort \u2013 und fielen auf die Gehirnw\u00e4sche der Rattenf\u00e4nger herein.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie trafen junge M\u00e4nner und Jugendliche in den Moscheen und \u00fcberredeten sie, gegen den IS oder Al Qaida zu k\u00e4mpfen. Die Gehirnw\u00e4sche war perfekt. Am Ende merkten viele, darunter auch ich, nicht einmal, dass wir in ihre Propaganda getappt waren. Ihre \u00dcberredungskunst war wirklich sehr speziell. Am Ende hat man Lust, nach Syrien zu gehen, um zu k\u00e4mpfen\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Erfolg hatten die Rekrutierer des Regimes auch bei Abu Fazels Cousin, der zum damaligen Zeitpunkt ebenfalls minderj\u00e4hrig gewesen ist. Er ging nach Syrien und k\u00e4mpfte unter der Flagge der \u201eLiwa Fatemiyoun\u201c, wie die afghanische Division auf Seiten Assads hei\u00dft. Offiziell ist die Aufgabe der Miliz die Verteidigung des Schreines von Zaynab im S\u00fcden von Damaskus. Zaynab war die Enkelin des islamischen Propheten Mohammad. Laut iranischen Staatsmedien k\u00e4mpfen mindestens 20.000 Afghanen in der Division.<\/p>\n\n\n\n

Im August 2014 entschloss sich auch Abu Fazel, nach Syrien zu gehen und zu k\u00e4mpfen. Im selben Monat wurde sein Cousin in der N\u00e4he von Aleppo im Kampf gegen syrische Rebellen get\u00f6tet.<\/p>\n\n\n\n

\u201eMein Cousin wurde dort get\u00f6tet. Auch andere Jungs aus unserer Gegend gingen nach Syrien und fielen dort. Lokale Zeitungen nannten sie \u201aM\u00e4rtyrer\u2018.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Lieber Flucht statt K\u00e4mpfer in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein solcher \u201eM\u00e4rtyrer\u201c wollte Abu Fazel allerdings nicht werden. Er floh eine Woche vor dem Beginn seiner dreimonatigen Kampfausbildung. Es war ihm lieber, ein Leben auf der Flucht zu verbringen, als in Syrien unschuldige Menschen f\u00fcr einen Diktator zu t\u00f6ten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch kam zu dem Schluss, dass ich nicht als M\u00f6rder weiterleben k\u00f6nnte. Stets dachte ich mir, dass selbst die schlimmsten Al-Qaida- oder IS-Terroristen Kinder haben k\u00f6nnten, die ihren Vater lieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Fazel verlor seinen eigenen Vater bereits sehr fr\u00fch. Er wurde Opfer des B\u00fcrgerkriegs in Afghanistan, der von 1989 bis 2001 tausende Menschen das Leben kostete. Auch der Iran mischte in der Zeit schon mit. Es ist allgemein bekannt, dass die schiitischen Hazara-Milizen, die den B\u00fcrgerkrieg ebenfalls mitanfachten, von der Regierung in Teheran unterst\u00fctzt wurden.<\/p>\n\n\n\n

Als Abu Fazel sich nun entschloss, aus der Gewaltspirale auszusteigen und nicht in Syrien zu k\u00e4mpfen, wuchs die Angst bei seiner Familie. Denn f\u00fcr die iranischen Beh\u00f6rden gilt: Hat man sich einmal gemeldet, gibt es kein zur\u00fcck. Man muss an die Front nach Syrien \u2013 oder wird zur\u00fcck nach Afghanistan abgeschoben, wo ebenfalls Krieg herrscht.<\/p>\n\n\n\n

Der einzige Ausweg f\u00fcr den jungen Afghanen war die Flucht. \u00dcber die T\u00fcrkei, Griechenland und die Balkranroute erreichte er mit gro\u00dfer M\u00fche Deutschland, wo er einen Asylantrag stellte.<\/p>\n\n\n\n

Erster Asylantrag in Deutschland abgelehnt<\/h2>\n\n\n\n

Als Grund nannte er seine Rekrutierung als Kindersoldat seitens des iranischen Regimes. Doch w\u00e4hrend diese Begr\u00fcndung in Abu Fazels Augen v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich war, sahen deutsche Beh\u00f6rden das anders. Sein erster Antrag wurde abgelehnt. Derzeit versucht er es ein zweites Mal. Die Bundesrepublik schiebt afghanische Gefl\u00fcchtete weiterhin ab.<\/p>\n\n\n\n

\"EinAbschiebung von Afghanen im Dezember 2016 mit einem Charterflug von Frankfurt nach Kabul. (dpa \/picture alliance \/ Boris Roessler)<\/p>\n\n\n\n

Die Verantwortlichen weisen in diesem Kontext immer wieder auf vermeintlich \u201esichere Gebiete\u201c im Land, die nicht n\u00e4her benannt werden.<\/p>\n\n\n\n

W\u00e4hrenddessen machen Menschenrechtsorganisationen regelm\u00e4\u00dfig darauf aufmerksam, dass keine Region am Hindukusch sicher ist. Stattdessen wird in manchen Gebieten nur weniger Krieg gef\u00fchrt als in anderen.<\/p>\n\n\n\n

\"SieDemonstranten protestieren in Frankfurt am Main gegen die Abschiebung von Afghanen. Auf einem der Transparente steht \u201eAfghanistan is not safe\u201c. (AFP \/ Daniel Roland)<\/p>\n\n\n\n

Alis Vater und Onkel k\u00e4mpfen in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein \u00e4hnliches Schicksal wie Abu Fazel erlitt der 18-j\u00e4hrige Ali (Namen ge\u00e4ndert). Auch er floh aus dem Iran nach Deutschland, um der Rekrutierung f\u00fcr Assads Milizen zu entgehen. Viele seiner afghanischen Freunde sind bereits nach Syrien gezogen \u2013 und kamen niemals zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Alis Familie, ebenfalls Angeh\u00f6rige der Hazara-Minderheit, stammt urspr\u00fcnglich aus der Provinz Ghor im Nordosten Afghanistans. Ihre Heimat verlie\u00dfen sie w\u00e4hrend der sowjetischen Besatzung in den 1980er-Jahren.<\/p>\n\n\n\n

Seit jeher lebt die Familie in der iranischen Gro\u00dfstadt Maschhad. Als der Krieg in Syrien ausbrach, erreichte sie ein Konflikt, mit dem sie nicht gerechnet hatten. Im Juli 2015 reiste Alis Vater nach Teheran. Er wollte einen Weg finden, um f\u00fcr seine Familie Aufenthaltspapiere zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Beh\u00f6rden sagten ihm, dass die Rekrutierung f\u00fcr den Krieg in Syrien eine M\u00f6glichkeit darstellen k\u00f6nnte, um Papiere f\u00fcr uns alle zu erhalten. Andernfalls w\u00fcrde man uns sehr bald nach Afghanistan abschieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Mittlerweile k\u00e4mpfen Alis Vater und sein Onkel seit \u00fcber einem Jahr in Syrien. Am Aufenthaltsstatus seiner Familienmitglieder hat sich bis heute allerdings nichts ge\u00e4ndert. F\u00fcr Ali ist klar, dass dies nur eine Falle gewesen ist, um noch mehr Afghanen als Kanonenfutter zu missbrauchen.<\/p>\n\n\n\n

Anfangs gab es Papiere f\u00fcr K\u00e4mpfer-Familien<\/h2>\n\n\n\n

Den Kontakt zu seinem Vater hat der Afghane mittlerweile verloren. W\u00e4hrenddessen schickt ihm sein Onkel, der in Aleppo stationiert ist, hin und wieder Bilder \u00fcber den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ali denkt, dass nur sehr wenige Afghanen der Propaganda der iranischen Regierung glauben und in Syrien f\u00fcr eine \u201egute Sache\u201c k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

Source<\/a><\/p>\n","post_title":"Warum Afghanen in Syrien f\u00fcr Assad k\u00e4mpfen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"warum-afghanen-in-syrien-fur-assad-kampfen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3709","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":9},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

\n

Eine Antwort auf diese Fragen hat Martin Beck<\/a> versucht zu finden. F\u00fcr das Hamburger GIGA Institut<\/em> hat der Professor f\u00fcr Nahost-Studien ein Gutachten zum politischen Systems Israels erstellt<\/a>. In der im Februar ver\u00f6ffentlichten Untersuchung listet er Argumente auf, die f\u00fcr und gegen den demokratischen Charakter des Staates sprechen. Sein Fazit zu der Frage, ob es sich bei Israel um eine Demokratie handelt: eher nicht. Israel habe \"sein fr\u00fcheres Alleinstellungsmerkmal als einzige Demokratie im Nahen und Mittleren Osten verloren\".<\/p>\n\n\n\n

Becks Analyse macht aber zun\u00e4chst ein anderes Problem deutlich: Die Frage, ob es sich bei einem Staat um eine Demokratie handelt, ist auch deshalb nicht einfach zu beantworten, weil es kein einheitliches Verst\u00e4ndnis davon gibt, was eine Demokratie eigentlich ist. In seiner Bewertung des politischen Systems Israel geht er deshalb von unterschiedlichen Definitionen aus.<\/p>\n\n\n\n

So umfasst ein \"weiter Demokratiebegriff\" zum Beispiel die Gleichheit aller Staatsb\u00fcrger. Folgt man diesem Verst\u00e4ndnis spreche die Benachteiligung der arabischen Staatsb\u00fcrger Israels gegen eine Einordnung Israel als Demokratie. Beck schreibt:<\/p>\n\n\n\n

Da die Staatsr\u00e4son Israels auf seinem j\u00fcdischen Charakter fu\u00dft und Gesetze hervorgebracht hat, die in zentralen Bereichen der Ressourcenverteilung wie beispielsweise Landbesitz arabische Israelis systematisch diskriminiert, erscheint Israel als undemokratisch.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Beck verweist allerdings darauf, dass dieses weite Demokratie-Verst\u00e4ndnis zwar unter Kritikern Israels verbreitet, in der wissenschaftlichen Debatte aber eher un\u00fcblich sei. Zudem w\u00fcrden andere als demokratisch geltende Staaten, diese Anforderungen ebenso nicht erf\u00fcllen.<\/p>\n\n\n\n

Demokratie-Pr\u00fcfung scheiterte am Milit\u00e4rrecht f\u00fcr arabische Israelis<\/h3>\n\n\n\n

Beck unterzieht Israels politisches Systems deshalb einer zweiten Pr\u00fcfung. Der amerikanische Politikwissenschaftler Robert Dahl hat acht Bedingungen formuliert, die ein politisches System mindestens erf\u00fcllen muss, um als Demokratie zu gelten.<\/p>\n\n\n\n

Diese sind: Organisationsfreiheit, Meinungsfreiheit, aktives und passives Wahlrecht, das Recht politischer Eliten auf Werbung f\u00fcr Unterst\u00fctzung und um W\u00e4hlerstimmen, der Zugang zu alternativen Informationsquellen, freie und faire Wahlen sowie die institutionelle Bindung von Regierungspolitik an Wahlen und andere Formen der Willensbildung.<\/p>\n\n\n\n

Legt man diese Minimaldefinition von Demokratie zugrunde, besteht Israel die Pr\u00fcfung. \"Mit Blick auf Israel erscheinen all diese Bedingungen nicht nur f\u00fcr seine j\u00fcdischen, sondern auch f\u00fcr seine arabischen Staatsb\u00fcrgerinnen und Staatsb\u00fcrger erf\u00fcllt\", schreibt Beck.<\/p>\n\n\n\n

Allerdings liefert er dazu eine gro\u00dfe zeitliche Einschr\u00e4nkung: So lebten in den ersten Jahren gro\u00dfe Teile der arabischen Bev\u00f6lkerung Israels unter Milit\u00e4rverwaltung und genossen nicht dieselben staatsb\u00fcrgerlichen Rechte wie der Rest der Bev\u00f6lkerung. Aufgehoben wurde das Milit\u00e4rrecht f\u00fcr arabische Israelis erst am 8. November 1966. Um einen demokratischen Staat k\u00f6nne es sich also fr\u00fchestens ab diesem Zeitpunkt handeln.<\/p>\n\n\n\n

Macht die Besatzung Israel zu einem undemokratischen Staat?<\/h3>\n\n\n\n

Nur wenige Monate folgte allerdings ein Ereignis, dass Israels Bewertung als demokratischen Staat abermals in Zweifel zieht. Im Zuge des Sechstagekrieges besetzte Israel im Juni 1967 die \u00e4gyptische Sinai-Halbinsel, den Gazastreifen, das zuvor von Jordanien kontrollierte Westjordanland und Ostjerusalem sowie die syrischen Golanh\u00f6hen.<\/p>\n\n\n\n

Die 1982 an \u00c4gypten zur\u00fcckgegebene Sinai-Halbinsel ausgenommen, dauert Israels Kontrolle \u00fcber jene Gebiete bis heute auf die ein oder andere Weise an. Spielt sie deshalb auch eine Rolle, wenn es um die Bewertung des politischen Systems Israels geht? Beck schreibt, dass \"die Errichtung der Besatzungsregime im Jahr 1967 zweifelsohne ein undemokratischer Akt [war]\", diese aber nicht zwangsl\u00e4ufig etwas am demokratischen Charakter des politischen Systems Israel \u00e4ndern w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n

Sehr wohl anrechnen lassen m\u00fcsse sich Israel aber die Situation auf den syrischen Golanh\u00f6hen und in Ostjerusalem, da diese mittlerweile ins israelische Staatsgebiet annektiert wurden. Beck schreibt:<\/p>\n\n\n\n

Die Annexion eines Territoriums durch einen Staat ohne Referendum, d.h. eine Abstimmung durch die betroffene Bev\u00f6lkerung, widerspricht demokratischen Prinzipien fundamental.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Wichtiger noch sei allerdings, dass viele von der Annexion betroffene Pal\u00e4stinenser bis heute nicht \u00fcber dieselben Rechte verf\u00fcgen wie ihre israelischen Nachbarn. Statt der israelischen Staatsb\u00fcrgerschaft tragen pal\u00e4stinensische Bewohner Ostjerusalems lediglich Identit\u00e4tskarten, die sie als st\u00e4ndige Bewohner der Stadt ausweisen.<\/p>\n\n\n\n

Damit sind sie in Israel zwar steuerpflichtig, haben Zugang zu Sozialleistungen und k\u00f6nnen sich innerhalb Israel frei bewegen, staatsb\u00fcrgerlichen Rechte, wie beispielsweise das aktive und passive Wahlrecht besitzen sie allerdings nicht. Als undemokratisch bewertet Beck deshalb das \"israelische Herrschaftsregime in Jerusalem\".<\/p>\n\n\n\n

Besatzung beenden oder dieselben staatsb\u00fcrgerlichen Rechte f\u00fcr Pal\u00e4stinenser<\/h3>\n\n\n\n

Ob auch die Situation im Westjordanland und Gazastreifen eine Rolle f\u00fcr die Bewertung des politischen Systems Israels spielt, entscheidet sich dem Spezialisten f\u00fcr politische Systeme im Nahen Osten<\/a> zufolge vor allem an einer Frage: Ist die Besetzung der Gebiete ein vor\u00fcbergehendes Ph\u00e4nomen oder auf Dauer angelegt?<\/p>\n\n\n\n

Nur im letzteren Fall m\u00fcsse man das Besatzungsregime als Teil des politischen Systems Israels bewerten, so Beck. F\u00fcr den anhaltenden Charakter spreche allein schon die schiere Dauer der Besatzung: So dauert die israelische Besatzung schon \u00fcber ein halbes Jahrhundert und damit dreimal so lange wie Israel in den Grenzen von 1949 bis 1967 existierte.<\/p>\n\n\n\n

Hinzu kommen weitere Indizien: Das Scheitern des Osloer Verhandlungsprozess in den 1990er Jahren und im ersten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts, der anhaltende Siedlungsprozess sowie die weitgehenden Einigkeit unter den gro\u00dfen politischen Parteien Israels - und dass gro\u00dfe Teile des Westjordanlands dauerhaft unter israelischer Kontrolle verbleiben sollen. Beck kommt zu dem Schluss:<\/p>\n\n\n\n

Alle Indizien verweisen also darauf, dass die israelische Herrschaft \u00fcber das Westjordanland auf Dauer angelegt ist. In einer Demokratie m\u00fcsste daher allen dort Wohnenden der uneingeschr\u00e4nkte Zugang zu den staatsb\u00fcrgerlichen Rechten des politischen Gemeinwesens gew\u00e4hrt werden. Dies ist aber nicht der Fall.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Zweifelsfrei war Israel lediglich f\u00fcr sechs Monate eine Demokratie<\/h3>\n\n\n\n

W\u00e4hrend an der israelischen Besatzung des Westjordanlands kein Zweifel besteht, \u00fcberrascht, dass Beck f\u00fcr den Gazastreifen zu einer \u00e4hnlichen Bewertung kommt. Schlie\u00dflich hat Israel seine Soldaten im Jahr 2007 aus dem K\u00fcstenstreifen abgezogen und j\u00fcdische Siedlungen aufgel\u00f6st.<\/p>\n\n\n\n

Beck argumentiert, dass Israel auch heute seine Kontrolle von Land, Luft und Wasser aufrechterh\u00e4lt und die Besatzungsherrschaft damit fortsetzt, ohne \"den dort lebenden Menschen irgendeine Form demokratischer Mitwirkungsrechte zu gew\u00e4hren\".<\/p>\n\n\n\n

Mit dieser Einsch\u00e4tzung ist Beck nicht allein. Auch die Vereinten Nationen<\/a> und der Internationale Strafgerichtshof<\/a> vertreten die Auffassung, dass die israelische Besatzung \u00fcber den Gazastreifen andauert.<\/p>\n\n\n\n

F\u00fcr die Gesamtbewertung des politischen Systems Israels hat diese Frage allerdings ohnehin keine entscheidende Bedeutung mehr. Denn Becks Fazit f\u00e4llt eindeutig aus: Zweifelsfrei um eine Demokratie gehandelt habe es sich bei Israel lediglich in einem kurzen sechsmonatigen Zeitraum zwischen der Abschaffung des Milit\u00e4rrechts f\u00fcr arabische Israelis im November 1966 und dem Beginn des Sechstagekrieges im Juni 1967.<\/p>\n\n\n\n

Sp\u00e4testens mit Beginn der Besatzungsherrschaft habe Israel seinen Charakter als Demokratie verloren. F\u00fcr heutige Debatten rund um Israel empfiehlt der Nahost-Professor deshalb auf das Demokratieargument besser zu verzichten.

der\u00a0Ursprung<\/a><\/p>\n","post_title":"Die einzige Demokratie im Nahen Osten?","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-einzige-demokratie-im-nahen-osten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3775","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3719,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:39:47","post_date_gmt":"2020-08-13 21:39:47","post_content":"\n

Jenni Zylka und Christoph Safferling im Gespr\u00e4ch mit Anke Schaefer<\/a>- Sie kommen aus Syrien und dem Irak nach Deutschland zur\u00fcck: Frauen, die sich dem sogenannten Islamischen Staat (IS) angeschlossen haben, mit Terroristen zusammenlebten. Soll man sie k\u00fcnftig h\u00e4rter bestrafen? Die Journalistin Jenni Zylka und der Jurist Christoph Safferling sehen das kritisch.<\/p>\n\n\n\n

Frauen, die sich dem IS angeschlossen, aber selbst nicht gek\u00e4mpft haben, sollen laut Generalbundesanwalt Peter Frank als Mitl\u00e4uferinnen h\u00e4rter bestraft werden k\u00f6nnen. Frank meint: \u201eWir sind der Meinung, dass sich  auch bei diesen Frauen die Mitgliedschaft in einer ausl\u00e4ndischen terroristischen Organisation bejahen l\u00e4sst, weil diese Frauen die innere Struktur des sogenannten Islamischen Staates und damit diese Terrororganisation von innen heraus st\u00e4rken.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Aber sind diese Frauen nicht eher Opfer? Weil sie Angst um ihre Kinder hatten, den Umgang mit der Waffe zur Selbstverteidigung gelernt haben? Jenni Zylka meint dazu:  \u00dcber eine Mitschuld solcher Frauen nachzudenken, sei nachvollziehbar und auch legitim. Jedoch m\u00fcsse sehr genau hingeschaut und jede dieser Frauen einzeln betrachtet werden. Man m\u00fcsse unterscheiden, ob Frauen mit IS-Terroristen zusammengelebt und f\u00fcr diese gesorgt h\u00e4tten oder ob sie selbst militant geworden seien. Viele von ihnen seien zudem traumatisiert durch die Erlebnisse in den IS-Lagern.<\/p>\n\n\n\n

\"DieDie Journalistin Jenni Zylka (Deutschlandradio \/ Andreas Buron)<\/p>\n\n\n\n

Nicht wie Schwerverbrecherinnen behandeln<\/h2>\n\n\n\n

Christoph Safferling, Professor f\u00fcr Strafrecht an der Universit\u00e4t Erlangen-N\u00fcrnberg, sagt, er halte die Argumentation des Generalbundesanwalts f\u00fcr problematisch. Es handle sich zun\u00e4chst einmal um allt\u00e4gliche Handlungen wie Kochen und Sorge um die Kinder. \u201eUnd die Frage ist: Wann sind solche neutralen Handlungen tats\u00e4chlich straftatunterst\u00fctzend.\u201c Ein Vorsatz, die terroristischen Strukturen zu unterst\u00fctzen, m\u00fcsse klar nachgewiesen werden.<\/p>\n\n\n\n

Vielmehr stelle sich die Frage, ob die Frauen nicht eher als Opfer betrachtet werden m\u00fcssten. Viele h\u00e4tten sich wie unter Zwang auf die Situation eingelassen \u2013 diese k\u00f6nne man strukturell durchaus mit den Bedingungen von Zwangsprostitution vergleichen. Viele der jungen Frauen seien auch unter Drogen gesetzt worden.<\/p>\n\n\n\n

Zugest\u00e4ndnis an Irak?<\/h2>\n\n\n\n

Eine m\u00f6gliche Erkl\u00e4rung der harten Linie der Generalbundesanwaltschaft \u00fcber die man nur spekulieren k\u00f6nne: \u201eIch kann mir auch vorstellen, dass, wenn es jetzt darum geht, Irak davon zu \u00fcberzeugen, die deutschen Staatsangeh\u00f6rigen, die dort einsitzen, auszuliefern, man ihnen gegen\u00fcber auch zu verstehen geben muss, dass die hier einer Strafverfolgung zugef\u00fchrt werden. Ansonsten w\u00fcrde der Irak sich vielleicht weigern, sie auszuliefern.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Safferling h\u00e4lt eine intensive Betreuung der zur\u00fcckgekehrten Frauen und M\u00e4dchen f\u00fcr unerl\u00e4sslich \u2013 man d\u00fcrfe sie keinesfalls alleine lassen und nicht wie Schwerverbrecherinnen behandeln. Es m\u00fcsse vielmehr verhindert werden, dass die jungen Frauen etwa in die Salafisten-Szene abtauchten.<\/p>\n","post_title":"Sie sind eher Opfer als Schwerverbrecherinnen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"sie-sind-eher-opfer-als-schwerverbrecherinnen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3719","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3709,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:30:50","post_date_gmt":"2020-08-13 21:30:50","post_content":"\n

Drei Millionen Afghanen sind ins Nachbarland Iran geflohen. Viele arbeiten schwarz. Die Aussicht auf einen festen Lohn plus Papiere f\u00fcr die Familie ist verlockend. Die Gegenleistung daf\u00fcr: K\u00e4mpfen in Syrien.<\/p>\n\n\n\n

Wenn Abu Fazel von den Gr\u00e4ueltaten des syrischen B\u00fcrgerkriegs h\u00f6rt, denkt er immer daran, dass er auch beinahe als K\u00e4mpfer auf diesem Schlachtfeld gelandet w\u00e4re. Doch Abu Fazel ist weder Syrer noch wollte er zum sogenannten \u201eIslamischen Staat\u201c. Der 18-J\u00e4hrige ist ein afghanischer Gefl\u00fcchteter, der zur Zeit in Leverkusen lebt.<\/p>\n\n\n\n

Den Gro\u00dfteil seines Lebens verbrachte er im Iran. Seine Familie ist dorthin gefl\u00fcchtet, als er ein Kind war. Doch als die iranische Regierung ihn nach Syrien schicken wollte, um auf der Seite von Machthaber Baschar al-Assad zu k\u00e4mpfen, entschloss er sich zu fliehen.<\/p>\n\n\n\n

\"Fl\u00fcchtlingeGefl\u00fcchtete aus dem Iran und Afghanistan an der Grenze zwischen Mazedonien und Griechenland. (picture alliance \/ dpa \/ Georgi Licovski)<\/p>\n\n\n\n

Tausende afghanische Jugendliche \u2013 die genaue Zahl ist nicht bekannt \u2013 wurden im Iran rekrutiert, um im Krieg in Syrien zu k\u00e4mpfen. Erst vor Kurzem berichtete die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, dass sie die Gr\u00e4ber von acht afghanischen Kindern, die in Syrien get\u00f6tet wurden, identifiziert hat. Laut der Organisation rekrutiert der Iran regelm\u00e4\u00dfig minderj\u00e4hrige K\u00e4mpfer, um sie nach Syrien zu schicken. Unter afghanischen Gefl\u00fcchteten ist diese Praxis schon l\u00e4nger bekannt.<\/p>\n\n\n\n

Rassismus gegen Afghanen im Iran<\/h2>\n\n\n\n

Fast drei Millionen Gefl\u00fcchtete aus Afghanistan sind inzwischen im Iran. Die meisten von ihnen leben in der Illegalit\u00e4t und werden als Schwarzarbeiter, etwa am Bau, ausgebeutet. Rassismus und Ausgrenzung geh\u00f6ren zu ihrem gesellschaftlichen Alltag. Kinder sind davon nicht ausgeschlossen. Im Gegenteil: Vielen afghanischen Kinderm ist es nicht erlaubt, staatliche Schulen zu besuchen. Abu Fazel wurde Zeit seines Lebens von dieser Diskrimierung beeinflusst und verfolgt.<\/p>\n\n\n\n

\u201e'Afghane\u2018 \u2013 das ist dort ein Schimpfwort. Ich h\u00f6rte es von klein auf immer wieder. Der Rassismus gegen Afghanen ist dort v\u00f6llig normal. Meine Herkunft, auf der ich eigentlich stolz war, ist im Iran stets eine Last gewesen. Wir sind dort B\u00fcrger zweiter Klasse.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung der afghanischen Gefl\u00fcchteten ist f\u00fcr Abu Fazel die Spitze jenes Rassismus, den er erlebt hat.<\/p>\n\n\n\n

Iran: Syrien vor sunnitischen Extremisten verteidigen<\/h2>\n\n\n\n

In Syrien k\u00e4mpfen neben den afghanischen Milizen auch andere paramilit\u00e4rische Gruppierungen im Auftrag des Irans: etwa die ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigten Revolutionsgarden, die einst Ayatollah Ruhollah Khomeini pers\u00f6nlich ins Leben rief oder die Basidsch-Milizen. Beiden Gruppierungen sind nicht nur in Syrien aktiv, sondern auch im Irak.<\/p>\n\n\n\n

Obowhl sich das syrische Regime von Baschar al-Assad als s\u00e4kular ausweist, wird es vom Iran, der sich als Repr\u00e4sentant aller muslimischen Schiiten betrachtet, unterst\u00fctzt. Gemeinsames Ziel in Syrien ist es: Schiiten vor sunnitische Extremisten zu verteidigen. Dennoch ist das Regime darauf bedacht, m\u00f6glichst wenig eigene K\u00e4mpfer nach Syrien zu schicken. \u00c4hnlich wie einst w\u00e4hrend des Krieges gegen Saddam Husseins Irak, setzt der Iran auf ausl\u00e4ndische K\u00e4mpfer.<\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung war wie eine Gehirnw\u00e4sche<\/h2>\n\n\n\n

Abu Fazels Familie geh\u00f6rt zur afghanischen Minderheit der schiitischen Hazara \u2013 wie viele Afghanen, die in den Iran gekommen sind. Mittlerweile k\u00e4mpfen Tausende von ihnen in Syrien. Der Iran bezahlt die Afghanen mit einem Sold von wenigen hundert Dollar pro Monat und verspricht ihren Familien eine Aufenthaltsgenehmigung oder eine Arbeitserlaubnis.<\/p>\n\n\n\n

An der Rekrutierung der Afghanen sind sowohl die Revolutionsgarden als auch die erw\u00e4hnten Basidsch-Milizen beteiligt. Abu Fazel beschreibt, wie das Viertel, in dem er gemeinsam mit seiner Familie in Teheran lebte, regelm\u00e4\u00dfig von den K\u00e4mpfern aufgesucht wurde. Viele afghanische Gefl\u00fcchtete lebten dort \u2013 und fielen auf die Gehirnw\u00e4sche der Rattenf\u00e4nger herein.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie trafen junge M\u00e4nner und Jugendliche in den Moscheen und \u00fcberredeten sie, gegen den IS oder Al Qaida zu k\u00e4mpfen. Die Gehirnw\u00e4sche war perfekt. Am Ende merkten viele, darunter auch ich, nicht einmal, dass wir in ihre Propaganda getappt waren. Ihre \u00dcberredungskunst war wirklich sehr speziell. Am Ende hat man Lust, nach Syrien zu gehen, um zu k\u00e4mpfen\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Erfolg hatten die Rekrutierer des Regimes auch bei Abu Fazels Cousin, der zum damaligen Zeitpunkt ebenfalls minderj\u00e4hrig gewesen ist. Er ging nach Syrien und k\u00e4mpfte unter der Flagge der \u201eLiwa Fatemiyoun\u201c, wie die afghanische Division auf Seiten Assads hei\u00dft. Offiziell ist die Aufgabe der Miliz die Verteidigung des Schreines von Zaynab im S\u00fcden von Damaskus. Zaynab war die Enkelin des islamischen Propheten Mohammad. Laut iranischen Staatsmedien k\u00e4mpfen mindestens 20.000 Afghanen in der Division.<\/p>\n\n\n\n

Im August 2014 entschloss sich auch Abu Fazel, nach Syrien zu gehen und zu k\u00e4mpfen. Im selben Monat wurde sein Cousin in der N\u00e4he von Aleppo im Kampf gegen syrische Rebellen get\u00f6tet.<\/p>\n\n\n\n

\u201eMein Cousin wurde dort get\u00f6tet. Auch andere Jungs aus unserer Gegend gingen nach Syrien und fielen dort. Lokale Zeitungen nannten sie \u201aM\u00e4rtyrer\u2018.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Lieber Flucht statt K\u00e4mpfer in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein solcher \u201eM\u00e4rtyrer\u201c wollte Abu Fazel allerdings nicht werden. Er floh eine Woche vor dem Beginn seiner dreimonatigen Kampfausbildung. Es war ihm lieber, ein Leben auf der Flucht zu verbringen, als in Syrien unschuldige Menschen f\u00fcr einen Diktator zu t\u00f6ten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch kam zu dem Schluss, dass ich nicht als M\u00f6rder weiterleben k\u00f6nnte. Stets dachte ich mir, dass selbst die schlimmsten Al-Qaida- oder IS-Terroristen Kinder haben k\u00f6nnten, die ihren Vater lieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Fazel verlor seinen eigenen Vater bereits sehr fr\u00fch. Er wurde Opfer des B\u00fcrgerkriegs in Afghanistan, der von 1989 bis 2001 tausende Menschen das Leben kostete. Auch der Iran mischte in der Zeit schon mit. Es ist allgemein bekannt, dass die schiitischen Hazara-Milizen, die den B\u00fcrgerkrieg ebenfalls mitanfachten, von der Regierung in Teheran unterst\u00fctzt wurden.<\/p>\n\n\n\n

Als Abu Fazel sich nun entschloss, aus der Gewaltspirale auszusteigen und nicht in Syrien zu k\u00e4mpfen, wuchs die Angst bei seiner Familie. Denn f\u00fcr die iranischen Beh\u00f6rden gilt: Hat man sich einmal gemeldet, gibt es kein zur\u00fcck. Man muss an die Front nach Syrien \u2013 oder wird zur\u00fcck nach Afghanistan abgeschoben, wo ebenfalls Krieg herrscht.<\/p>\n\n\n\n

Der einzige Ausweg f\u00fcr den jungen Afghanen war die Flucht. \u00dcber die T\u00fcrkei, Griechenland und die Balkranroute erreichte er mit gro\u00dfer M\u00fche Deutschland, wo er einen Asylantrag stellte.<\/p>\n\n\n\n

Erster Asylantrag in Deutschland abgelehnt<\/h2>\n\n\n\n

Als Grund nannte er seine Rekrutierung als Kindersoldat seitens des iranischen Regimes. Doch w\u00e4hrend diese Begr\u00fcndung in Abu Fazels Augen v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich war, sahen deutsche Beh\u00f6rden das anders. Sein erster Antrag wurde abgelehnt. Derzeit versucht er es ein zweites Mal. Die Bundesrepublik schiebt afghanische Gefl\u00fcchtete weiterhin ab.<\/p>\n\n\n\n

\"EinAbschiebung von Afghanen im Dezember 2016 mit einem Charterflug von Frankfurt nach Kabul. (dpa \/picture alliance \/ Boris Roessler)<\/p>\n\n\n\n

Die Verantwortlichen weisen in diesem Kontext immer wieder auf vermeintlich \u201esichere Gebiete\u201c im Land, die nicht n\u00e4her benannt werden.<\/p>\n\n\n\n

W\u00e4hrenddessen machen Menschenrechtsorganisationen regelm\u00e4\u00dfig darauf aufmerksam, dass keine Region am Hindukusch sicher ist. Stattdessen wird in manchen Gebieten nur weniger Krieg gef\u00fchrt als in anderen.<\/p>\n\n\n\n

\"SieDemonstranten protestieren in Frankfurt am Main gegen die Abschiebung von Afghanen. Auf einem der Transparente steht \u201eAfghanistan is not safe\u201c. (AFP \/ Daniel Roland)<\/p>\n\n\n\n

Alis Vater und Onkel k\u00e4mpfen in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein \u00e4hnliches Schicksal wie Abu Fazel erlitt der 18-j\u00e4hrige Ali (Namen ge\u00e4ndert). Auch er floh aus dem Iran nach Deutschland, um der Rekrutierung f\u00fcr Assads Milizen zu entgehen. Viele seiner afghanischen Freunde sind bereits nach Syrien gezogen \u2013 und kamen niemals zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Alis Familie, ebenfalls Angeh\u00f6rige der Hazara-Minderheit, stammt urspr\u00fcnglich aus der Provinz Ghor im Nordosten Afghanistans. Ihre Heimat verlie\u00dfen sie w\u00e4hrend der sowjetischen Besatzung in den 1980er-Jahren.<\/p>\n\n\n\n

Seit jeher lebt die Familie in der iranischen Gro\u00dfstadt Maschhad. Als der Krieg in Syrien ausbrach, erreichte sie ein Konflikt, mit dem sie nicht gerechnet hatten. Im Juli 2015 reiste Alis Vater nach Teheran. Er wollte einen Weg finden, um f\u00fcr seine Familie Aufenthaltspapiere zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Beh\u00f6rden sagten ihm, dass die Rekrutierung f\u00fcr den Krieg in Syrien eine M\u00f6glichkeit darstellen k\u00f6nnte, um Papiere f\u00fcr uns alle zu erhalten. Andernfalls w\u00fcrde man uns sehr bald nach Afghanistan abschieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Mittlerweile k\u00e4mpfen Alis Vater und sein Onkel seit \u00fcber einem Jahr in Syrien. Am Aufenthaltsstatus seiner Familienmitglieder hat sich bis heute allerdings nichts ge\u00e4ndert. F\u00fcr Ali ist klar, dass dies nur eine Falle gewesen ist, um noch mehr Afghanen als Kanonenfutter zu missbrauchen.<\/p>\n\n\n\n

Anfangs gab es Papiere f\u00fcr K\u00e4mpfer-Familien<\/h2>\n\n\n\n

Den Kontakt zu seinem Vater hat der Afghane mittlerweile verloren. W\u00e4hrenddessen schickt ihm sein Onkel, der in Aleppo stationiert ist, hin und wieder Bilder \u00fcber den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ali denkt, dass nur sehr wenige Afghanen der Propaganda der iranischen Regierung glauben und in Syrien f\u00fcr eine \u201egute Sache\u201c k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

Source<\/a><\/p>\n","post_title":"Warum Afghanen in Syrien f\u00fcr Assad k\u00e4mpfen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"warum-afghanen-in-syrien-fur-assad-kampfen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3709","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":9},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Ob Israel eine Demokratie ist, h\u00e4ngt auch davon ab, was man unter Demokratie versteht<\/h3>\n\n\n\n

Eine Antwort auf diese Fragen hat Martin Beck<\/a> versucht zu finden. F\u00fcr das Hamburger GIGA Institut<\/em> hat der Professor f\u00fcr Nahost-Studien ein Gutachten zum politischen Systems Israels erstellt<\/a>. In der im Februar ver\u00f6ffentlichten Untersuchung listet er Argumente auf, die f\u00fcr und gegen den demokratischen Charakter des Staates sprechen. Sein Fazit zu der Frage, ob es sich bei Israel um eine Demokratie handelt: eher nicht. Israel habe \"sein fr\u00fcheres Alleinstellungsmerkmal als einzige Demokratie im Nahen und Mittleren Osten verloren\".<\/p>\n\n\n\n

Becks Analyse macht aber zun\u00e4chst ein anderes Problem deutlich: Die Frage, ob es sich bei einem Staat um eine Demokratie handelt, ist auch deshalb nicht einfach zu beantworten, weil es kein einheitliches Verst\u00e4ndnis davon gibt, was eine Demokratie eigentlich ist. In seiner Bewertung des politischen Systems Israel geht er deshalb von unterschiedlichen Definitionen aus.<\/p>\n\n\n\n

So umfasst ein \"weiter Demokratiebegriff\" zum Beispiel die Gleichheit aller Staatsb\u00fcrger. Folgt man diesem Verst\u00e4ndnis spreche die Benachteiligung der arabischen Staatsb\u00fcrger Israels gegen eine Einordnung Israel als Demokratie. Beck schreibt:<\/p>\n\n\n\n

Da die Staatsr\u00e4son Israels auf seinem j\u00fcdischen Charakter fu\u00dft und Gesetze hervorgebracht hat, die in zentralen Bereichen der Ressourcenverteilung wie beispielsweise Landbesitz arabische Israelis systematisch diskriminiert, erscheint Israel als undemokratisch.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Beck verweist allerdings darauf, dass dieses weite Demokratie-Verst\u00e4ndnis zwar unter Kritikern Israels verbreitet, in der wissenschaftlichen Debatte aber eher un\u00fcblich sei. Zudem w\u00fcrden andere als demokratisch geltende Staaten, diese Anforderungen ebenso nicht erf\u00fcllen.<\/p>\n\n\n\n

Demokratie-Pr\u00fcfung scheiterte am Milit\u00e4rrecht f\u00fcr arabische Israelis<\/h3>\n\n\n\n

Beck unterzieht Israels politisches Systems deshalb einer zweiten Pr\u00fcfung. Der amerikanische Politikwissenschaftler Robert Dahl hat acht Bedingungen formuliert, die ein politisches System mindestens erf\u00fcllen muss, um als Demokratie zu gelten.<\/p>\n\n\n\n

Diese sind: Organisationsfreiheit, Meinungsfreiheit, aktives und passives Wahlrecht, das Recht politischer Eliten auf Werbung f\u00fcr Unterst\u00fctzung und um W\u00e4hlerstimmen, der Zugang zu alternativen Informationsquellen, freie und faire Wahlen sowie die institutionelle Bindung von Regierungspolitik an Wahlen und andere Formen der Willensbildung.<\/p>\n\n\n\n

Legt man diese Minimaldefinition von Demokratie zugrunde, besteht Israel die Pr\u00fcfung. \"Mit Blick auf Israel erscheinen all diese Bedingungen nicht nur f\u00fcr seine j\u00fcdischen, sondern auch f\u00fcr seine arabischen Staatsb\u00fcrgerinnen und Staatsb\u00fcrger erf\u00fcllt\", schreibt Beck.<\/p>\n\n\n\n

Allerdings liefert er dazu eine gro\u00dfe zeitliche Einschr\u00e4nkung: So lebten in den ersten Jahren gro\u00dfe Teile der arabischen Bev\u00f6lkerung Israels unter Milit\u00e4rverwaltung und genossen nicht dieselben staatsb\u00fcrgerlichen Rechte wie der Rest der Bev\u00f6lkerung. Aufgehoben wurde das Milit\u00e4rrecht f\u00fcr arabische Israelis erst am 8. November 1966. Um einen demokratischen Staat k\u00f6nne es sich also fr\u00fchestens ab diesem Zeitpunkt handeln.<\/p>\n\n\n\n

Macht die Besatzung Israel zu einem undemokratischen Staat?<\/h3>\n\n\n\n

Nur wenige Monate folgte allerdings ein Ereignis, dass Israels Bewertung als demokratischen Staat abermals in Zweifel zieht. Im Zuge des Sechstagekrieges besetzte Israel im Juni 1967 die \u00e4gyptische Sinai-Halbinsel, den Gazastreifen, das zuvor von Jordanien kontrollierte Westjordanland und Ostjerusalem sowie die syrischen Golanh\u00f6hen.<\/p>\n\n\n\n

Die 1982 an \u00c4gypten zur\u00fcckgegebene Sinai-Halbinsel ausgenommen, dauert Israels Kontrolle \u00fcber jene Gebiete bis heute auf die ein oder andere Weise an. Spielt sie deshalb auch eine Rolle, wenn es um die Bewertung des politischen Systems Israels geht? Beck schreibt, dass \"die Errichtung der Besatzungsregime im Jahr 1967 zweifelsohne ein undemokratischer Akt [war]\", diese aber nicht zwangsl\u00e4ufig etwas am demokratischen Charakter des politischen Systems Israel \u00e4ndern w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n

Sehr wohl anrechnen lassen m\u00fcsse sich Israel aber die Situation auf den syrischen Golanh\u00f6hen und in Ostjerusalem, da diese mittlerweile ins israelische Staatsgebiet annektiert wurden. Beck schreibt:<\/p>\n\n\n\n

Die Annexion eines Territoriums durch einen Staat ohne Referendum, d.h. eine Abstimmung durch die betroffene Bev\u00f6lkerung, widerspricht demokratischen Prinzipien fundamental.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Wichtiger noch sei allerdings, dass viele von der Annexion betroffene Pal\u00e4stinenser bis heute nicht \u00fcber dieselben Rechte verf\u00fcgen wie ihre israelischen Nachbarn. Statt der israelischen Staatsb\u00fcrgerschaft tragen pal\u00e4stinensische Bewohner Ostjerusalems lediglich Identit\u00e4tskarten, die sie als st\u00e4ndige Bewohner der Stadt ausweisen.<\/p>\n\n\n\n

Damit sind sie in Israel zwar steuerpflichtig, haben Zugang zu Sozialleistungen und k\u00f6nnen sich innerhalb Israel frei bewegen, staatsb\u00fcrgerlichen Rechte, wie beispielsweise das aktive und passive Wahlrecht besitzen sie allerdings nicht. Als undemokratisch bewertet Beck deshalb das \"israelische Herrschaftsregime in Jerusalem\".<\/p>\n\n\n\n

Besatzung beenden oder dieselben staatsb\u00fcrgerlichen Rechte f\u00fcr Pal\u00e4stinenser<\/h3>\n\n\n\n

Ob auch die Situation im Westjordanland und Gazastreifen eine Rolle f\u00fcr die Bewertung des politischen Systems Israels spielt, entscheidet sich dem Spezialisten f\u00fcr politische Systeme im Nahen Osten<\/a> zufolge vor allem an einer Frage: Ist die Besetzung der Gebiete ein vor\u00fcbergehendes Ph\u00e4nomen oder auf Dauer angelegt?<\/p>\n\n\n\n

Nur im letzteren Fall m\u00fcsse man das Besatzungsregime als Teil des politischen Systems Israels bewerten, so Beck. F\u00fcr den anhaltenden Charakter spreche allein schon die schiere Dauer der Besatzung: So dauert die israelische Besatzung schon \u00fcber ein halbes Jahrhundert und damit dreimal so lange wie Israel in den Grenzen von 1949 bis 1967 existierte.<\/p>\n\n\n\n

Hinzu kommen weitere Indizien: Das Scheitern des Osloer Verhandlungsprozess in den 1990er Jahren und im ersten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts, der anhaltende Siedlungsprozess sowie die weitgehenden Einigkeit unter den gro\u00dfen politischen Parteien Israels - und dass gro\u00dfe Teile des Westjordanlands dauerhaft unter israelischer Kontrolle verbleiben sollen. Beck kommt zu dem Schluss:<\/p>\n\n\n\n

Alle Indizien verweisen also darauf, dass die israelische Herrschaft \u00fcber das Westjordanland auf Dauer angelegt ist. In einer Demokratie m\u00fcsste daher allen dort Wohnenden der uneingeschr\u00e4nkte Zugang zu den staatsb\u00fcrgerlichen Rechten des politischen Gemeinwesens gew\u00e4hrt werden. Dies ist aber nicht der Fall.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Zweifelsfrei war Israel lediglich f\u00fcr sechs Monate eine Demokratie<\/h3>\n\n\n\n

W\u00e4hrend an der israelischen Besatzung des Westjordanlands kein Zweifel besteht, \u00fcberrascht, dass Beck f\u00fcr den Gazastreifen zu einer \u00e4hnlichen Bewertung kommt. Schlie\u00dflich hat Israel seine Soldaten im Jahr 2007 aus dem K\u00fcstenstreifen abgezogen und j\u00fcdische Siedlungen aufgel\u00f6st.<\/p>\n\n\n\n

Beck argumentiert, dass Israel auch heute seine Kontrolle von Land, Luft und Wasser aufrechterh\u00e4lt und die Besatzungsherrschaft damit fortsetzt, ohne \"den dort lebenden Menschen irgendeine Form demokratischer Mitwirkungsrechte zu gew\u00e4hren\".<\/p>\n\n\n\n

Mit dieser Einsch\u00e4tzung ist Beck nicht allein. Auch die Vereinten Nationen<\/a> und der Internationale Strafgerichtshof<\/a> vertreten die Auffassung, dass die israelische Besatzung \u00fcber den Gazastreifen andauert.<\/p>\n\n\n\n

F\u00fcr die Gesamtbewertung des politischen Systems Israels hat diese Frage allerdings ohnehin keine entscheidende Bedeutung mehr. Denn Becks Fazit f\u00e4llt eindeutig aus: Zweifelsfrei um eine Demokratie gehandelt habe es sich bei Israel lediglich in einem kurzen sechsmonatigen Zeitraum zwischen der Abschaffung des Milit\u00e4rrechts f\u00fcr arabische Israelis im November 1966 und dem Beginn des Sechstagekrieges im Juni 1967.<\/p>\n\n\n\n

Sp\u00e4testens mit Beginn der Besatzungsherrschaft habe Israel seinen Charakter als Demokratie verloren. F\u00fcr heutige Debatten rund um Israel empfiehlt der Nahost-Professor deshalb auf das Demokratieargument besser zu verzichten.

der\u00a0Ursprung<\/a><\/p>\n","post_title":"Die einzige Demokratie im Nahen Osten?","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-einzige-demokratie-im-nahen-osten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3775","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3719,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:39:47","post_date_gmt":"2020-08-13 21:39:47","post_content":"\n

Jenni Zylka und Christoph Safferling im Gespr\u00e4ch mit Anke Schaefer<\/a>- Sie kommen aus Syrien und dem Irak nach Deutschland zur\u00fcck: Frauen, die sich dem sogenannten Islamischen Staat (IS) angeschlossen haben, mit Terroristen zusammenlebten. Soll man sie k\u00fcnftig h\u00e4rter bestrafen? Die Journalistin Jenni Zylka und der Jurist Christoph Safferling sehen das kritisch.<\/p>\n\n\n\n

Frauen, die sich dem IS angeschlossen, aber selbst nicht gek\u00e4mpft haben, sollen laut Generalbundesanwalt Peter Frank als Mitl\u00e4uferinnen h\u00e4rter bestraft werden k\u00f6nnen. Frank meint: \u201eWir sind der Meinung, dass sich  auch bei diesen Frauen die Mitgliedschaft in einer ausl\u00e4ndischen terroristischen Organisation bejahen l\u00e4sst, weil diese Frauen die innere Struktur des sogenannten Islamischen Staates und damit diese Terrororganisation von innen heraus st\u00e4rken.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Aber sind diese Frauen nicht eher Opfer? Weil sie Angst um ihre Kinder hatten, den Umgang mit der Waffe zur Selbstverteidigung gelernt haben? Jenni Zylka meint dazu:  \u00dcber eine Mitschuld solcher Frauen nachzudenken, sei nachvollziehbar und auch legitim. Jedoch m\u00fcsse sehr genau hingeschaut und jede dieser Frauen einzeln betrachtet werden. Man m\u00fcsse unterscheiden, ob Frauen mit IS-Terroristen zusammengelebt und f\u00fcr diese gesorgt h\u00e4tten oder ob sie selbst militant geworden seien. Viele von ihnen seien zudem traumatisiert durch die Erlebnisse in den IS-Lagern.<\/p>\n\n\n\n

\"DieDie Journalistin Jenni Zylka (Deutschlandradio \/ Andreas Buron)<\/p>\n\n\n\n

Nicht wie Schwerverbrecherinnen behandeln<\/h2>\n\n\n\n

Christoph Safferling, Professor f\u00fcr Strafrecht an der Universit\u00e4t Erlangen-N\u00fcrnberg, sagt, er halte die Argumentation des Generalbundesanwalts f\u00fcr problematisch. Es handle sich zun\u00e4chst einmal um allt\u00e4gliche Handlungen wie Kochen und Sorge um die Kinder. \u201eUnd die Frage ist: Wann sind solche neutralen Handlungen tats\u00e4chlich straftatunterst\u00fctzend.\u201c Ein Vorsatz, die terroristischen Strukturen zu unterst\u00fctzen, m\u00fcsse klar nachgewiesen werden.<\/p>\n\n\n\n

Vielmehr stelle sich die Frage, ob die Frauen nicht eher als Opfer betrachtet werden m\u00fcssten. Viele h\u00e4tten sich wie unter Zwang auf die Situation eingelassen \u2013 diese k\u00f6nne man strukturell durchaus mit den Bedingungen von Zwangsprostitution vergleichen. Viele der jungen Frauen seien auch unter Drogen gesetzt worden.<\/p>\n\n\n\n

Zugest\u00e4ndnis an Irak?<\/h2>\n\n\n\n

Eine m\u00f6gliche Erkl\u00e4rung der harten Linie der Generalbundesanwaltschaft \u00fcber die man nur spekulieren k\u00f6nne: \u201eIch kann mir auch vorstellen, dass, wenn es jetzt darum geht, Irak davon zu \u00fcberzeugen, die deutschen Staatsangeh\u00f6rigen, die dort einsitzen, auszuliefern, man ihnen gegen\u00fcber auch zu verstehen geben muss, dass die hier einer Strafverfolgung zugef\u00fchrt werden. Ansonsten w\u00fcrde der Irak sich vielleicht weigern, sie auszuliefern.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Safferling h\u00e4lt eine intensive Betreuung der zur\u00fcckgekehrten Frauen und M\u00e4dchen f\u00fcr unerl\u00e4sslich \u2013 man d\u00fcrfe sie keinesfalls alleine lassen und nicht wie Schwerverbrecherinnen behandeln. Es m\u00fcsse vielmehr verhindert werden, dass die jungen Frauen etwa in die Salafisten-Szene abtauchten.<\/p>\n","post_title":"Sie sind eher Opfer als Schwerverbrecherinnen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"sie-sind-eher-opfer-als-schwerverbrecherinnen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3719","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3709,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:30:50","post_date_gmt":"2020-08-13 21:30:50","post_content":"\n

Drei Millionen Afghanen sind ins Nachbarland Iran geflohen. Viele arbeiten schwarz. Die Aussicht auf einen festen Lohn plus Papiere f\u00fcr die Familie ist verlockend. Die Gegenleistung daf\u00fcr: K\u00e4mpfen in Syrien.<\/p>\n\n\n\n

Wenn Abu Fazel von den Gr\u00e4ueltaten des syrischen B\u00fcrgerkriegs h\u00f6rt, denkt er immer daran, dass er auch beinahe als K\u00e4mpfer auf diesem Schlachtfeld gelandet w\u00e4re. Doch Abu Fazel ist weder Syrer noch wollte er zum sogenannten \u201eIslamischen Staat\u201c. Der 18-J\u00e4hrige ist ein afghanischer Gefl\u00fcchteter, der zur Zeit in Leverkusen lebt.<\/p>\n\n\n\n

Den Gro\u00dfteil seines Lebens verbrachte er im Iran. Seine Familie ist dorthin gefl\u00fcchtet, als er ein Kind war. Doch als die iranische Regierung ihn nach Syrien schicken wollte, um auf der Seite von Machthaber Baschar al-Assad zu k\u00e4mpfen, entschloss er sich zu fliehen.<\/p>\n\n\n\n

\"Fl\u00fcchtlingeGefl\u00fcchtete aus dem Iran und Afghanistan an der Grenze zwischen Mazedonien und Griechenland. (picture alliance \/ dpa \/ Georgi Licovski)<\/p>\n\n\n\n

Tausende afghanische Jugendliche \u2013 die genaue Zahl ist nicht bekannt \u2013 wurden im Iran rekrutiert, um im Krieg in Syrien zu k\u00e4mpfen. Erst vor Kurzem berichtete die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, dass sie die Gr\u00e4ber von acht afghanischen Kindern, die in Syrien get\u00f6tet wurden, identifiziert hat. Laut der Organisation rekrutiert der Iran regelm\u00e4\u00dfig minderj\u00e4hrige K\u00e4mpfer, um sie nach Syrien zu schicken. Unter afghanischen Gefl\u00fcchteten ist diese Praxis schon l\u00e4nger bekannt.<\/p>\n\n\n\n

Rassismus gegen Afghanen im Iran<\/h2>\n\n\n\n

Fast drei Millionen Gefl\u00fcchtete aus Afghanistan sind inzwischen im Iran. Die meisten von ihnen leben in der Illegalit\u00e4t und werden als Schwarzarbeiter, etwa am Bau, ausgebeutet. Rassismus und Ausgrenzung geh\u00f6ren zu ihrem gesellschaftlichen Alltag. Kinder sind davon nicht ausgeschlossen. Im Gegenteil: Vielen afghanischen Kinderm ist es nicht erlaubt, staatliche Schulen zu besuchen. Abu Fazel wurde Zeit seines Lebens von dieser Diskrimierung beeinflusst und verfolgt.<\/p>\n\n\n\n

\u201e'Afghane\u2018 \u2013 das ist dort ein Schimpfwort. Ich h\u00f6rte es von klein auf immer wieder. Der Rassismus gegen Afghanen ist dort v\u00f6llig normal. Meine Herkunft, auf der ich eigentlich stolz war, ist im Iran stets eine Last gewesen. Wir sind dort B\u00fcrger zweiter Klasse.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung der afghanischen Gefl\u00fcchteten ist f\u00fcr Abu Fazel die Spitze jenes Rassismus, den er erlebt hat.<\/p>\n\n\n\n

Iran: Syrien vor sunnitischen Extremisten verteidigen<\/h2>\n\n\n\n

In Syrien k\u00e4mpfen neben den afghanischen Milizen auch andere paramilit\u00e4rische Gruppierungen im Auftrag des Irans: etwa die ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigten Revolutionsgarden, die einst Ayatollah Ruhollah Khomeini pers\u00f6nlich ins Leben rief oder die Basidsch-Milizen. Beiden Gruppierungen sind nicht nur in Syrien aktiv, sondern auch im Irak.<\/p>\n\n\n\n

Obowhl sich das syrische Regime von Baschar al-Assad als s\u00e4kular ausweist, wird es vom Iran, der sich als Repr\u00e4sentant aller muslimischen Schiiten betrachtet, unterst\u00fctzt. Gemeinsames Ziel in Syrien ist es: Schiiten vor sunnitische Extremisten zu verteidigen. Dennoch ist das Regime darauf bedacht, m\u00f6glichst wenig eigene K\u00e4mpfer nach Syrien zu schicken. \u00c4hnlich wie einst w\u00e4hrend des Krieges gegen Saddam Husseins Irak, setzt der Iran auf ausl\u00e4ndische K\u00e4mpfer.<\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung war wie eine Gehirnw\u00e4sche<\/h2>\n\n\n\n

Abu Fazels Familie geh\u00f6rt zur afghanischen Minderheit der schiitischen Hazara \u2013 wie viele Afghanen, die in den Iran gekommen sind. Mittlerweile k\u00e4mpfen Tausende von ihnen in Syrien. Der Iran bezahlt die Afghanen mit einem Sold von wenigen hundert Dollar pro Monat und verspricht ihren Familien eine Aufenthaltsgenehmigung oder eine Arbeitserlaubnis.<\/p>\n\n\n\n

An der Rekrutierung der Afghanen sind sowohl die Revolutionsgarden als auch die erw\u00e4hnten Basidsch-Milizen beteiligt. Abu Fazel beschreibt, wie das Viertel, in dem er gemeinsam mit seiner Familie in Teheran lebte, regelm\u00e4\u00dfig von den K\u00e4mpfern aufgesucht wurde. Viele afghanische Gefl\u00fcchtete lebten dort \u2013 und fielen auf die Gehirnw\u00e4sche der Rattenf\u00e4nger herein.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie trafen junge M\u00e4nner und Jugendliche in den Moscheen und \u00fcberredeten sie, gegen den IS oder Al Qaida zu k\u00e4mpfen. Die Gehirnw\u00e4sche war perfekt. Am Ende merkten viele, darunter auch ich, nicht einmal, dass wir in ihre Propaganda getappt waren. Ihre \u00dcberredungskunst war wirklich sehr speziell. Am Ende hat man Lust, nach Syrien zu gehen, um zu k\u00e4mpfen\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Erfolg hatten die Rekrutierer des Regimes auch bei Abu Fazels Cousin, der zum damaligen Zeitpunkt ebenfalls minderj\u00e4hrig gewesen ist. Er ging nach Syrien und k\u00e4mpfte unter der Flagge der \u201eLiwa Fatemiyoun\u201c, wie die afghanische Division auf Seiten Assads hei\u00dft. Offiziell ist die Aufgabe der Miliz die Verteidigung des Schreines von Zaynab im S\u00fcden von Damaskus. Zaynab war die Enkelin des islamischen Propheten Mohammad. Laut iranischen Staatsmedien k\u00e4mpfen mindestens 20.000 Afghanen in der Division.<\/p>\n\n\n\n

Im August 2014 entschloss sich auch Abu Fazel, nach Syrien zu gehen und zu k\u00e4mpfen. Im selben Monat wurde sein Cousin in der N\u00e4he von Aleppo im Kampf gegen syrische Rebellen get\u00f6tet.<\/p>\n\n\n\n

\u201eMein Cousin wurde dort get\u00f6tet. Auch andere Jungs aus unserer Gegend gingen nach Syrien und fielen dort. Lokale Zeitungen nannten sie \u201aM\u00e4rtyrer\u2018.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Lieber Flucht statt K\u00e4mpfer in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein solcher \u201eM\u00e4rtyrer\u201c wollte Abu Fazel allerdings nicht werden. Er floh eine Woche vor dem Beginn seiner dreimonatigen Kampfausbildung. Es war ihm lieber, ein Leben auf der Flucht zu verbringen, als in Syrien unschuldige Menschen f\u00fcr einen Diktator zu t\u00f6ten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch kam zu dem Schluss, dass ich nicht als M\u00f6rder weiterleben k\u00f6nnte. Stets dachte ich mir, dass selbst die schlimmsten Al-Qaida- oder IS-Terroristen Kinder haben k\u00f6nnten, die ihren Vater lieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Fazel verlor seinen eigenen Vater bereits sehr fr\u00fch. Er wurde Opfer des B\u00fcrgerkriegs in Afghanistan, der von 1989 bis 2001 tausende Menschen das Leben kostete. Auch der Iran mischte in der Zeit schon mit. Es ist allgemein bekannt, dass die schiitischen Hazara-Milizen, die den B\u00fcrgerkrieg ebenfalls mitanfachten, von der Regierung in Teheran unterst\u00fctzt wurden.<\/p>\n\n\n\n

Als Abu Fazel sich nun entschloss, aus der Gewaltspirale auszusteigen und nicht in Syrien zu k\u00e4mpfen, wuchs die Angst bei seiner Familie. Denn f\u00fcr die iranischen Beh\u00f6rden gilt: Hat man sich einmal gemeldet, gibt es kein zur\u00fcck. Man muss an die Front nach Syrien \u2013 oder wird zur\u00fcck nach Afghanistan abgeschoben, wo ebenfalls Krieg herrscht.<\/p>\n\n\n\n

Der einzige Ausweg f\u00fcr den jungen Afghanen war die Flucht. \u00dcber die T\u00fcrkei, Griechenland und die Balkranroute erreichte er mit gro\u00dfer M\u00fche Deutschland, wo er einen Asylantrag stellte.<\/p>\n\n\n\n

Erster Asylantrag in Deutschland abgelehnt<\/h2>\n\n\n\n

Als Grund nannte er seine Rekrutierung als Kindersoldat seitens des iranischen Regimes. Doch w\u00e4hrend diese Begr\u00fcndung in Abu Fazels Augen v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich war, sahen deutsche Beh\u00f6rden das anders. Sein erster Antrag wurde abgelehnt. Derzeit versucht er es ein zweites Mal. Die Bundesrepublik schiebt afghanische Gefl\u00fcchtete weiterhin ab.<\/p>\n\n\n\n

\"EinAbschiebung von Afghanen im Dezember 2016 mit einem Charterflug von Frankfurt nach Kabul. (dpa \/picture alliance \/ Boris Roessler)<\/p>\n\n\n\n

Die Verantwortlichen weisen in diesem Kontext immer wieder auf vermeintlich \u201esichere Gebiete\u201c im Land, die nicht n\u00e4her benannt werden.<\/p>\n\n\n\n

W\u00e4hrenddessen machen Menschenrechtsorganisationen regelm\u00e4\u00dfig darauf aufmerksam, dass keine Region am Hindukusch sicher ist. Stattdessen wird in manchen Gebieten nur weniger Krieg gef\u00fchrt als in anderen.<\/p>\n\n\n\n

\"SieDemonstranten protestieren in Frankfurt am Main gegen die Abschiebung von Afghanen. Auf einem der Transparente steht \u201eAfghanistan is not safe\u201c. (AFP \/ Daniel Roland)<\/p>\n\n\n\n

Alis Vater und Onkel k\u00e4mpfen in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein \u00e4hnliches Schicksal wie Abu Fazel erlitt der 18-j\u00e4hrige Ali (Namen ge\u00e4ndert). Auch er floh aus dem Iran nach Deutschland, um der Rekrutierung f\u00fcr Assads Milizen zu entgehen. Viele seiner afghanischen Freunde sind bereits nach Syrien gezogen \u2013 und kamen niemals zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Alis Familie, ebenfalls Angeh\u00f6rige der Hazara-Minderheit, stammt urspr\u00fcnglich aus der Provinz Ghor im Nordosten Afghanistans. Ihre Heimat verlie\u00dfen sie w\u00e4hrend der sowjetischen Besatzung in den 1980er-Jahren.<\/p>\n\n\n\n

Seit jeher lebt die Familie in der iranischen Gro\u00dfstadt Maschhad. Als der Krieg in Syrien ausbrach, erreichte sie ein Konflikt, mit dem sie nicht gerechnet hatten. Im Juli 2015 reiste Alis Vater nach Teheran. Er wollte einen Weg finden, um f\u00fcr seine Familie Aufenthaltspapiere zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Beh\u00f6rden sagten ihm, dass die Rekrutierung f\u00fcr den Krieg in Syrien eine M\u00f6glichkeit darstellen k\u00f6nnte, um Papiere f\u00fcr uns alle zu erhalten. Andernfalls w\u00fcrde man uns sehr bald nach Afghanistan abschieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Mittlerweile k\u00e4mpfen Alis Vater und sein Onkel seit \u00fcber einem Jahr in Syrien. Am Aufenthaltsstatus seiner Familienmitglieder hat sich bis heute allerdings nichts ge\u00e4ndert. F\u00fcr Ali ist klar, dass dies nur eine Falle gewesen ist, um noch mehr Afghanen als Kanonenfutter zu missbrauchen.<\/p>\n\n\n\n

Anfangs gab es Papiere f\u00fcr K\u00e4mpfer-Familien<\/h2>\n\n\n\n

Den Kontakt zu seinem Vater hat der Afghane mittlerweile verloren. W\u00e4hrenddessen schickt ihm sein Onkel, der in Aleppo stationiert ist, hin und wieder Bilder \u00fcber den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ali denkt, dass nur sehr wenige Afghanen der Propaganda der iranischen Regierung glauben und in Syrien f\u00fcr eine \u201egute Sache\u201c k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

Source<\/a><\/p>\n","post_title":"Warum Afghanen in Syrien f\u00fcr Assad k\u00e4mpfen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"warum-afghanen-in-syrien-fur-assad-kampfen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3709","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":9},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Uneinigkeit besteht schon dar\u00fcber, um wessen demokratische Rechte es eigentlich geht: Die von den rund 8,5 Millionen Menschen innerhalb der v\u00f6lkerrechtlich anerkannten Grenzen Israels? Oder auch jene der rund 5 Millionen Pal\u00e4stinenser im Gazastreifen und dem Westjordanland, also den Regionen, die Israel 1967 besetzt hat?<\/p>\n\n\n\n

Ob Israel eine Demokratie ist, h\u00e4ngt auch davon ab, was man unter Demokratie versteht<\/h3>\n\n\n\n

Eine Antwort auf diese Fragen hat Martin Beck<\/a> versucht zu finden. F\u00fcr das Hamburger GIGA Institut<\/em> hat der Professor f\u00fcr Nahost-Studien ein Gutachten zum politischen Systems Israels erstellt<\/a>. In der im Februar ver\u00f6ffentlichten Untersuchung listet er Argumente auf, die f\u00fcr und gegen den demokratischen Charakter des Staates sprechen. Sein Fazit zu der Frage, ob es sich bei Israel um eine Demokratie handelt: eher nicht. Israel habe \"sein fr\u00fcheres Alleinstellungsmerkmal als einzige Demokratie im Nahen und Mittleren Osten verloren\".<\/p>\n\n\n\n

Becks Analyse macht aber zun\u00e4chst ein anderes Problem deutlich: Die Frage, ob es sich bei einem Staat um eine Demokratie handelt, ist auch deshalb nicht einfach zu beantworten, weil es kein einheitliches Verst\u00e4ndnis davon gibt, was eine Demokratie eigentlich ist. In seiner Bewertung des politischen Systems Israel geht er deshalb von unterschiedlichen Definitionen aus.<\/p>\n\n\n\n

So umfasst ein \"weiter Demokratiebegriff\" zum Beispiel die Gleichheit aller Staatsb\u00fcrger. Folgt man diesem Verst\u00e4ndnis spreche die Benachteiligung der arabischen Staatsb\u00fcrger Israels gegen eine Einordnung Israel als Demokratie. Beck schreibt:<\/p>\n\n\n\n

Da die Staatsr\u00e4son Israels auf seinem j\u00fcdischen Charakter fu\u00dft und Gesetze hervorgebracht hat, die in zentralen Bereichen der Ressourcenverteilung wie beispielsweise Landbesitz arabische Israelis systematisch diskriminiert, erscheint Israel als undemokratisch.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Beck verweist allerdings darauf, dass dieses weite Demokratie-Verst\u00e4ndnis zwar unter Kritikern Israels verbreitet, in der wissenschaftlichen Debatte aber eher un\u00fcblich sei. Zudem w\u00fcrden andere als demokratisch geltende Staaten, diese Anforderungen ebenso nicht erf\u00fcllen.<\/p>\n\n\n\n

Demokratie-Pr\u00fcfung scheiterte am Milit\u00e4rrecht f\u00fcr arabische Israelis<\/h3>\n\n\n\n

Beck unterzieht Israels politisches Systems deshalb einer zweiten Pr\u00fcfung. Der amerikanische Politikwissenschaftler Robert Dahl hat acht Bedingungen formuliert, die ein politisches System mindestens erf\u00fcllen muss, um als Demokratie zu gelten.<\/p>\n\n\n\n

Diese sind: Organisationsfreiheit, Meinungsfreiheit, aktives und passives Wahlrecht, das Recht politischer Eliten auf Werbung f\u00fcr Unterst\u00fctzung und um W\u00e4hlerstimmen, der Zugang zu alternativen Informationsquellen, freie und faire Wahlen sowie die institutionelle Bindung von Regierungspolitik an Wahlen und andere Formen der Willensbildung.<\/p>\n\n\n\n

Legt man diese Minimaldefinition von Demokratie zugrunde, besteht Israel die Pr\u00fcfung. \"Mit Blick auf Israel erscheinen all diese Bedingungen nicht nur f\u00fcr seine j\u00fcdischen, sondern auch f\u00fcr seine arabischen Staatsb\u00fcrgerinnen und Staatsb\u00fcrger erf\u00fcllt\", schreibt Beck.<\/p>\n\n\n\n

Allerdings liefert er dazu eine gro\u00dfe zeitliche Einschr\u00e4nkung: So lebten in den ersten Jahren gro\u00dfe Teile der arabischen Bev\u00f6lkerung Israels unter Milit\u00e4rverwaltung und genossen nicht dieselben staatsb\u00fcrgerlichen Rechte wie der Rest der Bev\u00f6lkerung. Aufgehoben wurde das Milit\u00e4rrecht f\u00fcr arabische Israelis erst am 8. November 1966. Um einen demokratischen Staat k\u00f6nne es sich also fr\u00fchestens ab diesem Zeitpunkt handeln.<\/p>\n\n\n\n

Macht die Besatzung Israel zu einem undemokratischen Staat?<\/h3>\n\n\n\n

Nur wenige Monate folgte allerdings ein Ereignis, dass Israels Bewertung als demokratischen Staat abermals in Zweifel zieht. Im Zuge des Sechstagekrieges besetzte Israel im Juni 1967 die \u00e4gyptische Sinai-Halbinsel, den Gazastreifen, das zuvor von Jordanien kontrollierte Westjordanland und Ostjerusalem sowie die syrischen Golanh\u00f6hen.<\/p>\n\n\n\n

Die 1982 an \u00c4gypten zur\u00fcckgegebene Sinai-Halbinsel ausgenommen, dauert Israels Kontrolle \u00fcber jene Gebiete bis heute auf die ein oder andere Weise an. Spielt sie deshalb auch eine Rolle, wenn es um die Bewertung des politischen Systems Israels geht? Beck schreibt, dass \"die Errichtung der Besatzungsregime im Jahr 1967 zweifelsohne ein undemokratischer Akt [war]\", diese aber nicht zwangsl\u00e4ufig etwas am demokratischen Charakter des politischen Systems Israel \u00e4ndern w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n

Sehr wohl anrechnen lassen m\u00fcsse sich Israel aber die Situation auf den syrischen Golanh\u00f6hen und in Ostjerusalem, da diese mittlerweile ins israelische Staatsgebiet annektiert wurden. Beck schreibt:<\/p>\n\n\n\n

Die Annexion eines Territoriums durch einen Staat ohne Referendum, d.h. eine Abstimmung durch die betroffene Bev\u00f6lkerung, widerspricht demokratischen Prinzipien fundamental.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Wichtiger noch sei allerdings, dass viele von der Annexion betroffene Pal\u00e4stinenser bis heute nicht \u00fcber dieselben Rechte verf\u00fcgen wie ihre israelischen Nachbarn. Statt der israelischen Staatsb\u00fcrgerschaft tragen pal\u00e4stinensische Bewohner Ostjerusalems lediglich Identit\u00e4tskarten, die sie als st\u00e4ndige Bewohner der Stadt ausweisen.<\/p>\n\n\n\n

Damit sind sie in Israel zwar steuerpflichtig, haben Zugang zu Sozialleistungen und k\u00f6nnen sich innerhalb Israel frei bewegen, staatsb\u00fcrgerlichen Rechte, wie beispielsweise das aktive und passive Wahlrecht besitzen sie allerdings nicht. Als undemokratisch bewertet Beck deshalb das \"israelische Herrschaftsregime in Jerusalem\".<\/p>\n\n\n\n

Besatzung beenden oder dieselben staatsb\u00fcrgerlichen Rechte f\u00fcr Pal\u00e4stinenser<\/h3>\n\n\n\n

Ob auch die Situation im Westjordanland und Gazastreifen eine Rolle f\u00fcr die Bewertung des politischen Systems Israels spielt, entscheidet sich dem Spezialisten f\u00fcr politische Systeme im Nahen Osten<\/a> zufolge vor allem an einer Frage: Ist die Besetzung der Gebiete ein vor\u00fcbergehendes Ph\u00e4nomen oder auf Dauer angelegt?<\/p>\n\n\n\n

Nur im letzteren Fall m\u00fcsse man das Besatzungsregime als Teil des politischen Systems Israels bewerten, so Beck. F\u00fcr den anhaltenden Charakter spreche allein schon die schiere Dauer der Besatzung: So dauert die israelische Besatzung schon \u00fcber ein halbes Jahrhundert und damit dreimal so lange wie Israel in den Grenzen von 1949 bis 1967 existierte.<\/p>\n\n\n\n

Hinzu kommen weitere Indizien: Das Scheitern des Osloer Verhandlungsprozess in den 1990er Jahren und im ersten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts, der anhaltende Siedlungsprozess sowie die weitgehenden Einigkeit unter den gro\u00dfen politischen Parteien Israels - und dass gro\u00dfe Teile des Westjordanlands dauerhaft unter israelischer Kontrolle verbleiben sollen. Beck kommt zu dem Schluss:<\/p>\n\n\n\n

Alle Indizien verweisen also darauf, dass die israelische Herrschaft \u00fcber das Westjordanland auf Dauer angelegt ist. In einer Demokratie m\u00fcsste daher allen dort Wohnenden der uneingeschr\u00e4nkte Zugang zu den staatsb\u00fcrgerlichen Rechten des politischen Gemeinwesens gew\u00e4hrt werden. Dies ist aber nicht der Fall.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Zweifelsfrei war Israel lediglich f\u00fcr sechs Monate eine Demokratie<\/h3>\n\n\n\n

W\u00e4hrend an der israelischen Besatzung des Westjordanlands kein Zweifel besteht, \u00fcberrascht, dass Beck f\u00fcr den Gazastreifen zu einer \u00e4hnlichen Bewertung kommt. Schlie\u00dflich hat Israel seine Soldaten im Jahr 2007 aus dem K\u00fcstenstreifen abgezogen und j\u00fcdische Siedlungen aufgel\u00f6st.<\/p>\n\n\n\n

Beck argumentiert, dass Israel auch heute seine Kontrolle von Land, Luft und Wasser aufrechterh\u00e4lt und die Besatzungsherrschaft damit fortsetzt, ohne \"den dort lebenden Menschen irgendeine Form demokratischer Mitwirkungsrechte zu gew\u00e4hren\".<\/p>\n\n\n\n

Mit dieser Einsch\u00e4tzung ist Beck nicht allein. Auch die Vereinten Nationen<\/a> und der Internationale Strafgerichtshof<\/a> vertreten die Auffassung, dass die israelische Besatzung \u00fcber den Gazastreifen andauert.<\/p>\n\n\n\n

F\u00fcr die Gesamtbewertung des politischen Systems Israels hat diese Frage allerdings ohnehin keine entscheidende Bedeutung mehr. Denn Becks Fazit f\u00e4llt eindeutig aus: Zweifelsfrei um eine Demokratie gehandelt habe es sich bei Israel lediglich in einem kurzen sechsmonatigen Zeitraum zwischen der Abschaffung des Milit\u00e4rrechts f\u00fcr arabische Israelis im November 1966 und dem Beginn des Sechstagekrieges im Juni 1967.<\/p>\n\n\n\n

Sp\u00e4testens mit Beginn der Besatzungsherrschaft habe Israel seinen Charakter als Demokratie verloren. F\u00fcr heutige Debatten rund um Israel empfiehlt der Nahost-Professor deshalb auf das Demokratieargument besser zu verzichten.

der\u00a0Ursprung<\/a><\/p>\n","post_title":"Die einzige Demokratie im Nahen Osten?","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-einzige-demokratie-im-nahen-osten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3775","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3719,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:39:47","post_date_gmt":"2020-08-13 21:39:47","post_content":"\n

Jenni Zylka und Christoph Safferling im Gespr\u00e4ch mit Anke Schaefer<\/a>- Sie kommen aus Syrien und dem Irak nach Deutschland zur\u00fcck: Frauen, die sich dem sogenannten Islamischen Staat (IS) angeschlossen haben, mit Terroristen zusammenlebten. Soll man sie k\u00fcnftig h\u00e4rter bestrafen? Die Journalistin Jenni Zylka und der Jurist Christoph Safferling sehen das kritisch.<\/p>\n\n\n\n

Frauen, die sich dem IS angeschlossen, aber selbst nicht gek\u00e4mpft haben, sollen laut Generalbundesanwalt Peter Frank als Mitl\u00e4uferinnen h\u00e4rter bestraft werden k\u00f6nnen. Frank meint: \u201eWir sind der Meinung, dass sich  auch bei diesen Frauen die Mitgliedschaft in einer ausl\u00e4ndischen terroristischen Organisation bejahen l\u00e4sst, weil diese Frauen die innere Struktur des sogenannten Islamischen Staates und damit diese Terrororganisation von innen heraus st\u00e4rken.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Aber sind diese Frauen nicht eher Opfer? Weil sie Angst um ihre Kinder hatten, den Umgang mit der Waffe zur Selbstverteidigung gelernt haben? Jenni Zylka meint dazu:  \u00dcber eine Mitschuld solcher Frauen nachzudenken, sei nachvollziehbar und auch legitim. Jedoch m\u00fcsse sehr genau hingeschaut und jede dieser Frauen einzeln betrachtet werden. Man m\u00fcsse unterscheiden, ob Frauen mit IS-Terroristen zusammengelebt und f\u00fcr diese gesorgt h\u00e4tten oder ob sie selbst militant geworden seien. Viele von ihnen seien zudem traumatisiert durch die Erlebnisse in den IS-Lagern.<\/p>\n\n\n\n

\"DieDie Journalistin Jenni Zylka (Deutschlandradio \/ Andreas Buron)<\/p>\n\n\n\n

Nicht wie Schwerverbrecherinnen behandeln<\/h2>\n\n\n\n

Christoph Safferling, Professor f\u00fcr Strafrecht an der Universit\u00e4t Erlangen-N\u00fcrnberg, sagt, er halte die Argumentation des Generalbundesanwalts f\u00fcr problematisch. Es handle sich zun\u00e4chst einmal um allt\u00e4gliche Handlungen wie Kochen und Sorge um die Kinder. \u201eUnd die Frage ist: Wann sind solche neutralen Handlungen tats\u00e4chlich straftatunterst\u00fctzend.\u201c Ein Vorsatz, die terroristischen Strukturen zu unterst\u00fctzen, m\u00fcsse klar nachgewiesen werden.<\/p>\n\n\n\n

Vielmehr stelle sich die Frage, ob die Frauen nicht eher als Opfer betrachtet werden m\u00fcssten. Viele h\u00e4tten sich wie unter Zwang auf die Situation eingelassen \u2013 diese k\u00f6nne man strukturell durchaus mit den Bedingungen von Zwangsprostitution vergleichen. Viele der jungen Frauen seien auch unter Drogen gesetzt worden.<\/p>\n\n\n\n

Zugest\u00e4ndnis an Irak?<\/h2>\n\n\n\n

Eine m\u00f6gliche Erkl\u00e4rung der harten Linie der Generalbundesanwaltschaft \u00fcber die man nur spekulieren k\u00f6nne: \u201eIch kann mir auch vorstellen, dass, wenn es jetzt darum geht, Irak davon zu \u00fcberzeugen, die deutschen Staatsangeh\u00f6rigen, die dort einsitzen, auszuliefern, man ihnen gegen\u00fcber auch zu verstehen geben muss, dass die hier einer Strafverfolgung zugef\u00fchrt werden. Ansonsten w\u00fcrde der Irak sich vielleicht weigern, sie auszuliefern.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Safferling h\u00e4lt eine intensive Betreuung der zur\u00fcckgekehrten Frauen und M\u00e4dchen f\u00fcr unerl\u00e4sslich \u2013 man d\u00fcrfe sie keinesfalls alleine lassen und nicht wie Schwerverbrecherinnen behandeln. Es m\u00fcsse vielmehr verhindert werden, dass die jungen Frauen etwa in die Salafisten-Szene abtauchten.<\/p>\n","post_title":"Sie sind eher Opfer als Schwerverbrecherinnen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"sie-sind-eher-opfer-als-schwerverbrecherinnen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3719","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3709,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:30:50","post_date_gmt":"2020-08-13 21:30:50","post_content":"\n

Drei Millionen Afghanen sind ins Nachbarland Iran geflohen. Viele arbeiten schwarz. Die Aussicht auf einen festen Lohn plus Papiere f\u00fcr die Familie ist verlockend. Die Gegenleistung daf\u00fcr: K\u00e4mpfen in Syrien.<\/p>\n\n\n\n

Wenn Abu Fazel von den Gr\u00e4ueltaten des syrischen B\u00fcrgerkriegs h\u00f6rt, denkt er immer daran, dass er auch beinahe als K\u00e4mpfer auf diesem Schlachtfeld gelandet w\u00e4re. Doch Abu Fazel ist weder Syrer noch wollte er zum sogenannten \u201eIslamischen Staat\u201c. Der 18-J\u00e4hrige ist ein afghanischer Gefl\u00fcchteter, der zur Zeit in Leverkusen lebt.<\/p>\n\n\n\n

Den Gro\u00dfteil seines Lebens verbrachte er im Iran. Seine Familie ist dorthin gefl\u00fcchtet, als er ein Kind war. Doch als die iranische Regierung ihn nach Syrien schicken wollte, um auf der Seite von Machthaber Baschar al-Assad zu k\u00e4mpfen, entschloss er sich zu fliehen.<\/p>\n\n\n\n

\"Fl\u00fcchtlingeGefl\u00fcchtete aus dem Iran und Afghanistan an der Grenze zwischen Mazedonien und Griechenland. (picture alliance \/ dpa \/ Georgi Licovski)<\/p>\n\n\n\n

Tausende afghanische Jugendliche \u2013 die genaue Zahl ist nicht bekannt \u2013 wurden im Iran rekrutiert, um im Krieg in Syrien zu k\u00e4mpfen. Erst vor Kurzem berichtete die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, dass sie die Gr\u00e4ber von acht afghanischen Kindern, die in Syrien get\u00f6tet wurden, identifiziert hat. Laut der Organisation rekrutiert der Iran regelm\u00e4\u00dfig minderj\u00e4hrige K\u00e4mpfer, um sie nach Syrien zu schicken. Unter afghanischen Gefl\u00fcchteten ist diese Praxis schon l\u00e4nger bekannt.<\/p>\n\n\n\n

Rassismus gegen Afghanen im Iran<\/h2>\n\n\n\n

Fast drei Millionen Gefl\u00fcchtete aus Afghanistan sind inzwischen im Iran. Die meisten von ihnen leben in der Illegalit\u00e4t und werden als Schwarzarbeiter, etwa am Bau, ausgebeutet. Rassismus und Ausgrenzung geh\u00f6ren zu ihrem gesellschaftlichen Alltag. Kinder sind davon nicht ausgeschlossen. Im Gegenteil: Vielen afghanischen Kinderm ist es nicht erlaubt, staatliche Schulen zu besuchen. Abu Fazel wurde Zeit seines Lebens von dieser Diskrimierung beeinflusst und verfolgt.<\/p>\n\n\n\n

\u201e'Afghane\u2018 \u2013 das ist dort ein Schimpfwort. Ich h\u00f6rte es von klein auf immer wieder. Der Rassismus gegen Afghanen ist dort v\u00f6llig normal. Meine Herkunft, auf der ich eigentlich stolz war, ist im Iran stets eine Last gewesen. Wir sind dort B\u00fcrger zweiter Klasse.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung der afghanischen Gefl\u00fcchteten ist f\u00fcr Abu Fazel die Spitze jenes Rassismus, den er erlebt hat.<\/p>\n\n\n\n

Iran: Syrien vor sunnitischen Extremisten verteidigen<\/h2>\n\n\n\n

In Syrien k\u00e4mpfen neben den afghanischen Milizen auch andere paramilit\u00e4rische Gruppierungen im Auftrag des Irans: etwa die ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigten Revolutionsgarden, die einst Ayatollah Ruhollah Khomeini pers\u00f6nlich ins Leben rief oder die Basidsch-Milizen. Beiden Gruppierungen sind nicht nur in Syrien aktiv, sondern auch im Irak.<\/p>\n\n\n\n

Obowhl sich das syrische Regime von Baschar al-Assad als s\u00e4kular ausweist, wird es vom Iran, der sich als Repr\u00e4sentant aller muslimischen Schiiten betrachtet, unterst\u00fctzt. Gemeinsames Ziel in Syrien ist es: Schiiten vor sunnitische Extremisten zu verteidigen. Dennoch ist das Regime darauf bedacht, m\u00f6glichst wenig eigene K\u00e4mpfer nach Syrien zu schicken. \u00c4hnlich wie einst w\u00e4hrend des Krieges gegen Saddam Husseins Irak, setzt der Iran auf ausl\u00e4ndische K\u00e4mpfer.<\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung war wie eine Gehirnw\u00e4sche<\/h2>\n\n\n\n

Abu Fazels Familie geh\u00f6rt zur afghanischen Minderheit der schiitischen Hazara \u2013 wie viele Afghanen, die in den Iran gekommen sind. Mittlerweile k\u00e4mpfen Tausende von ihnen in Syrien. Der Iran bezahlt die Afghanen mit einem Sold von wenigen hundert Dollar pro Monat und verspricht ihren Familien eine Aufenthaltsgenehmigung oder eine Arbeitserlaubnis.<\/p>\n\n\n\n

An der Rekrutierung der Afghanen sind sowohl die Revolutionsgarden als auch die erw\u00e4hnten Basidsch-Milizen beteiligt. Abu Fazel beschreibt, wie das Viertel, in dem er gemeinsam mit seiner Familie in Teheran lebte, regelm\u00e4\u00dfig von den K\u00e4mpfern aufgesucht wurde. Viele afghanische Gefl\u00fcchtete lebten dort \u2013 und fielen auf die Gehirnw\u00e4sche der Rattenf\u00e4nger herein.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie trafen junge M\u00e4nner und Jugendliche in den Moscheen und \u00fcberredeten sie, gegen den IS oder Al Qaida zu k\u00e4mpfen. Die Gehirnw\u00e4sche war perfekt. Am Ende merkten viele, darunter auch ich, nicht einmal, dass wir in ihre Propaganda getappt waren. Ihre \u00dcberredungskunst war wirklich sehr speziell. Am Ende hat man Lust, nach Syrien zu gehen, um zu k\u00e4mpfen\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Erfolg hatten die Rekrutierer des Regimes auch bei Abu Fazels Cousin, der zum damaligen Zeitpunkt ebenfalls minderj\u00e4hrig gewesen ist. Er ging nach Syrien und k\u00e4mpfte unter der Flagge der \u201eLiwa Fatemiyoun\u201c, wie die afghanische Division auf Seiten Assads hei\u00dft. Offiziell ist die Aufgabe der Miliz die Verteidigung des Schreines von Zaynab im S\u00fcden von Damaskus. Zaynab war die Enkelin des islamischen Propheten Mohammad. Laut iranischen Staatsmedien k\u00e4mpfen mindestens 20.000 Afghanen in der Division.<\/p>\n\n\n\n

Im August 2014 entschloss sich auch Abu Fazel, nach Syrien zu gehen und zu k\u00e4mpfen. Im selben Monat wurde sein Cousin in der N\u00e4he von Aleppo im Kampf gegen syrische Rebellen get\u00f6tet.<\/p>\n\n\n\n

\u201eMein Cousin wurde dort get\u00f6tet. Auch andere Jungs aus unserer Gegend gingen nach Syrien und fielen dort. Lokale Zeitungen nannten sie \u201aM\u00e4rtyrer\u2018.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Lieber Flucht statt K\u00e4mpfer in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein solcher \u201eM\u00e4rtyrer\u201c wollte Abu Fazel allerdings nicht werden. Er floh eine Woche vor dem Beginn seiner dreimonatigen Kampfausbildung. Es war ihm lieber, ein Leben auf der Flucht zu verbringen, als in Syrien unschuldige Menschen f\u00fcr einen Diktator zu t\u00f6ten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch kam zu dem Schluss, dass ich nicht als M\u00f6rder weiterleben k\u00f6nnte. Stets dachte ich mir, dass selbst die schlimmsten Al-Qaida- oder IS-Terroristen Kinder haben k\u00f6nnten, die ihren Vater lieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Fazel verlor seinen eigenen Vater bereits sehr fr\u00fch. Er wurde Opfer des B\u00fcrgerkriegs in Afghanistan, der von 1989 bis 2001 tausende Menschen das Leben kostete. Auch der Iran mischte in der Zeit schon mit. Es ist allgemein bekannt, dass die schiitischen Hazara-Milizen, die den B\u00fcrgerkrieg ebenfalls mitanfachten, von der Regierung in Teheran unterst\u00fctzt wurden.<\/p>\n\n\n\n

Als Abu Fazel sich nun entschloss, aus der Gewaltspirale auszusteigen und nicht in Syrien zu k\u00e4mpfen, wuchs die Angst bei seiner Familie. Denn f\u00fcr die iranischen Beh\u00f6rden gilt: Hat man sich einmal gemeldet, gibt es kein zur\u00fcck. Man muss an die Front nach Syrien \u2013 oder wird zur\u00fcck nach Afghanistan abgeschoben, wo ebenfalls Krieg herrscht.<\/p>\n\n\n\n

Der einzige Ausweg f\u00fcr den jungen Afghanen war die Flucht. \u00dcber die T\u00fcrkei, Griechenland und die Balkranroute erreichte er mit gro\u00dfer M\u00fche Deutschland, wo er einen Asylantrag stellte.<\/p>\n\n\n\n

Erster Asylantrag in Deutschland abgelehnt<\/h2>\n\n\n\n

Als Grund nannte er seine Rekrutierung als Kindersoldat seitens des iranischen Regimes. Doch w\u00e4hrend diese Begr\u00fcndung in Abu Fazels Augen v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich war, sahen deutsche Beh\u00f6rden das anders. Sein erster Antrag wurde abgelehnt. Derzeit versucht er es ein zweites Mal. Die Bundesrepublik schiebt afghanische Gefl\u00fcchtete weiterhin ab.<\/p>\n\n\n\n

\"EinAbschiebung von Afghanen im Dezember 2016 mit einem Charterflug von Frankfurt nach Kabul. (dpa \/picture alliance \/ Boris Roessler)<\/p>\n\n\n\n

Die Verantwortlichen weisen in diesem Kontext immer wieder auf vermeintlich \u201esichere Gebiete\u201c im Land, die nicht n\u00e4her benannt werden.<\/p>\n\n\n\n

W\u00e4hrenddessen machen Menschenrechtsorganisationen regelm\u00e4\u00dfig darauf aufmerksam, dass keine Region am Hindukusch sicher ist. Stattdessen wird in manchen Gebieten nur weniger Krieg gef\u00fchrt als in anderen.<\/p>\n\n\n\n

\"SieDemonstranten protestieren in Frankfurt am Main gegen die Abschiebung von Afghanen. Auf einem der Transparente steht \u201eAfghanistan is not safe\u201c. (AFP \/ Daniel Roland)<\/p>\n\n\n\n

Alis Vater und Onkel k\u00e4mpfen in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein \u00e4hnliches Schicksal wie Abu Fazel erlitt der 18-j\u00e4hrige Ali (Namen ge\u00e4ndert). Auch er floh aus dem Iran nach Deutschland, um der Rekrutierung f\u00fcr Assads Milizen zu entgehen. Viele seiner afghanischen Freunde sind bereits nach Syrien gezogen \u2013 und kamen niemals zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Alis Familie, ebenfalls Angeh\u00f6rige der Hazara-Minderheit, stammt urspr\u00fcnglich aus der Provinz Ghor im Nordosten Afghanistans. Ihre Heimat verlie\u00dfen sie w\u00e4hrend der sowjetischen Besatzung in den 1980er-Jahren.<\/p>\n\n\n\n

Seit jeher lebt die Familie in der iranischen Gro\u00dfstadt Maschhad. Als der Krieg in Syrien ausbrach, erreichte sie ein Konflikt, mit dem sie nicht gerechnet hatten. Im Juli 2015 reiste Alis Vater nach Teheran. Er wollte einen Weg finden, um f\u00fcr seine Familie Aufenthaltspapiere zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Beh\u00f6rden sagten ihm, dass die Rekrutierung f\u00fcr den Krieg in Syrien eine M\u00f6glichkeit darstellen k\u00f6nnte, um Papiere f\u00fcr uns alle zu erhalten. Andernfalls w\u00fcrde man uns sehr bald nach Afghanistan abschieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Mittlerweile k\u00e4mpfen Alis Vater und sein Onkel seit \u00fcber einem Jahr in Syrien. Am Aufenthaltsstatus seiner Familienmitglieder hat sich bis heute allerdings nichts ge\u00e4ndert. F\u00fcr Ali ist klar, dass dies nur eine Falle gewesen ist, um noch mehr Afghanen als Kanonenfutter zu missbrauchen.<\/p>\n\n\n\n

Anfangs gab es Papiere f\u00fcr K\u00e4mpfer-Familien<\/h2>\n\n\n\n

Den Kontakt zu seinem Vater hat der Afghane mittlerweile verloren. W\u00e4hrenddessen schickt ihm sein Onkel, der in Aleppo stationiert ist, hin und wieder Bilder \u00fcber den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ali denkt, dass nur sehr wenige Afghanen der Propaganda der iranischen Regierung glauben und in Syrien f\u00fcr eine \u201egute Sache\u201c k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

Source<\/a><\/p>\n","post_title":"Warum Afghanen in Syrien f\u00fcr Assad k\u00e4mpfen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"warum-afghanen-in-syrien-fur-assad-kampfen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3709","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":9},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Wer von beiden Seiten mehr Recht hat, ist seit Jahrzehnten Gegenstand erbitterter Diskussion. W\u00e4hrend es bei Israels Nachbarstaaten wie \u00c4gypten, Saudi Arabien oder Jordanien wenig Zweifel am autorit\u00e4ren Charakter des politischen Systems gibt und formell demokratische Staaten wie Irak, Tunesien oder der Libanon in Demokratie-Ratings weit unten rangieren<\/a>, scheint die Bewertung bei Israel komplizierter.<\/p>\n\n\n\n

Uneinigkeit besteht schon dar\u00fcber, um wessen demokratische Rechte es eigentlich geht: Die von den rund 8,5 Millionen Menschen innerhalb der v\u00f6lkerrechtlich anerkannten Grenzen Israels? Oder auch jene der rund 5 Millionen Pal\u00e4stinenser im Gazastreifen und dem Westjordanland, also den Regionen, die Israel 1967 besetzt hat?<\/p>\n\n\n\n

Ob Israel eine Demokratie ist, h\u00e4ngt auch davon ab, was man unter Demokratie versteht<\/h3>\n\n\n\n

Eine Antwort auf diese Fragen hat Martin Beck<\/a> versucht zu finden. F\u00fcr das Hamburger GIGA Institut<\/em> hat der Professor f\u00fcr Nahost-Studien ein Gutachten zum politischen Systems Israels erstellt<\/a>. In der im Februar ver\u00f6ffentlichten Untersuchung listet er Argumente auf, die f\u00fcr und gegen den demokratischen Charakter des Staates sprechen. Sein Fazit zu der Frage, ob es sich bei Israel um eine Demokratie handelt: eher nicht. Israel habe \"sein fr\u00fcheres Alleinstellungsmerkmal als einzige Demokratie im Nahen und Mittleren Osten verloren\".<\/p>\n\n\n\n

Becks Analyse macht aber zun\u00e4chst ein anderes Problem deutlich: Die Frage, ob es sich bei einem Staat um eine Demokratie handelt, ist auch deshalb nicht einfach zu beantworten, weil es kein einheitliches Verst\u00e4ndnis davon gibt, was eine Demokratie eigentlich ist. In seiner Bewertung des politischen Systems Israel geht er deshalb von unterschiedlichen Definitionen aus.<\/p>\n\n\n\n

So umfasst ein \"weiter Demokratiebegriff\" zum Beispiel die Gleichheit aller Staatsb\u00fcrger. Folgt man diesem Verst\u00e4ndnis spreche die Benachteiligung der arabischen Staatsb\u00fcrger Israels gegen eine Einordnung Israel als Demokratie. Beck schreibt:<\/p>\n\n\n\n

Da die Staatsr\u00e4son Israels auf seinem j\u00fcdischen Charakter fu\u00dft und Gesetze hervorgebracht hat, die in zentralen Bereichen der Ressourcenverteilung wie beispielsweise Landbesitz arabische Israelis systematisch diskriminiert, erscheint Israel als undemokratisch.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Beck verweist allerdings darauf, dass dieses weite Demokratie-Verst\u00e4ndnis zwar unter Kritikern Israels verbreitet, in der wissenschaftlichen Debatte aber eher un\u00fcblich sei. Zudem w\u00fcrden andere als demokratisch geltende Staaten, diese Anforderungen ebenso nicht erf\u00fcllen.<\/p>\n\n\n\n

Demokratie-Pr\u00fcfung scheiterte am Milit\u00e4rrecht f\u00fcr arabische Israelis<\/h3>\n\n\n\n

Beck unterzieht Israels politisches Systems deshalb einer zweiten Pr\u00fcfung. Der amerikanische Politikwissenschaftler Robert Dahl hat acht Bedingungen formuliert, die ein politisches System mindestens erf\u00fcllen muss, um als Demokratie zu gelten.<\/p>\n\n\n\n

Diese sind: Organisationsfreiheit, Meinungsfreiheit, aktives und passives Wahlrecht, das Recht politischer Eliten auf Werbung f\u00fcr Unterst\u00fctzung und um W\u00e4hlerstimmen, der Zugang zu alternativen Informationsquellen, freie und faire Wahlen sowie die institutionelle Bindung von Regierungspolitik an Wahlen und andere Formen der Willensbildung.<\/p>\n\n\n\n

Legt man diese Minimaldefinition von Demokratie zugrunde, besteht Israel die Pr\u00fcfung. \"Mit Blick auf Israel erscheinen all diese Bedingungen nicht nur f\u00fcr seine j\u00fcdischen, sondern auch f\u00fcr seine arabischen Staatsb\u00fcrgerinnen und Staatsb\u00fcrger erf\u00fcllt\", schreibt Beck.<\/p>\n\n\n\n

Allerdings liefert er dazu eine gro\u00dfe zeitliche Einschr\u00e4nkung: So lebten in den ersten Jahren gro\u00dfe Teile der arabischen Bev\u00f6lkerung Israels unter Milit\u00e4rverwaltung und genossen nicht dieselben staatsb\u00fcrgerlichen Rechte wie der Rest der Bev\u00f6lkerung. Aufgehoben wurde das Milit\u00e4rrecht f\u00fcr arabische Israelis erst am 8. November 1966. Um einen demokratischen Staat k\u00f6nne es sich also fr\u00fchestens ab diesem Zeitpunkt handeln.<\/p>\n\n\n\n

Macht die Besatzung Israel zu einem undemokratischen Staat?<\/h3>\n\n\n\n

Nur wenige Monate folgte allerdings ein Ereignis, dass Israels Bewertung als demokratischen Staat abermals in Zweifel zieht. Im Zuge des Sechstagekrieges besetzte Israel im Juni 1967 die \u00e4gyptische Sinai-Halbinsel, den Gazastreifen, das zuvor von Jordanien kontrollierte Westjordanland und Ostjerusalem sowie die syrischen Golanh\u00f6hen.<\/p>\n\n\n\n

Die 1982 an \u00c4gypten zur\u00fcckgegebene Sinai-Halbinsel ausgenommen, dauert Israels Kontrolle \u00fcber jene Gebiete bis heute auf die ein oder andere Weise an. Spielt sie deshalb auch eine Rolle, wenn es um die Bewertung des politischen Systems Israels geht? Beck schreibt, dass \"die Errichtung der Besatzungsregime im Jahr 1967 zweifelsohne ein undemokratischer Akt [war]\", diese aber nicht zwangsl\u00e4ufig etwas am demokratischen Charakter des politischen Systems Israel \u00e4ndern w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n

Sehr wohl anrechnen lassen m\u00fcsse sich Israel aber die Situation auf den syrischen Golanh\u00f6hen und in Ostjerusalem, da diese mittlerweile ins israelische Staatsgebiet annektiert wurden. Beck schreibt:<\/p>\n\n\n\n

Die Annexion eines Territoriums durch einen Staat ohne Referendum, d.h. eine Abstimmung durch die betroffene Bev\u00f6lkerung, widerspricht demokratischen Prinzipien fundamental.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Wichtiger noch sei allerdings, dass viele von der Annexion betroffene Pal\u00e4stinenser bis heute nicht \u00fcber dieselben Rechte verf\u00fcgen wie ihre israelischen Nachbarn. Statt der israelischen Staatsb\u00fcrgerschaft tragen pal\u00e4stinensische Bewohner Ostjerusalems lediglich Identit\u00e4tskarten, die sie als st\u00e4ndige Bewohner der Stadt ausweisen.<\/p>\n\n\n\n

Damit sind sie in Israel zwar steuerpflichtig, haben Zugang zu Sozialleistungen und k\u00f6nnen sich innerhalb Israel frei bewegen, staatsb\u00fcrgerlichen Rechte, wie beispielsweise das aktive und passive Wahlrecht besitzen sie allerdings nicht. Als undemokratisch bewertet Beck deshalb das \"israelische Herrschaftsregime in Jerusalem\".<\/p>\n\n\n\n

Besatzung beenden oder dieselben staatsb\u00fcrgerlichen Rechte f\u00fcr Pal\u00e4stinenser<\/h3>\n\n\n\n

Ob auch die Situation im Westjordanland und Gazastreifen eine Rolle f\u00fcr die Bewertung des politischen Systems Israels spielt, entscheidet sich dem Spezialisten f\u00fcr politische Systeme im Nahen Osten<\/a> zufolge vor allem an einer Frage: Ist die Besetzung der Gebiete ein vor\u00fcbergehendes Ph\u00e4nomen oder auf Dauer angelegt?<\/p>\n\n\n\n

Nur im letzteren Fall m\u00fcsse man das Besatzungsregime als Teil des politischen Systems Israels bewerten, so Beck. F\u00fcr den anhaltenden Charakter spreche allein schon die schiere Dauer der Besatzung: So dauert die israelische Besatzung schon \u00fcber ein halbes Jahrhundert und damit dreimal so lange wie Israel in den Grenzen von 1949 bis 1967 existierte.<\/p>\n\n\n\n

Hinzu kommen weitere Indizien: Das Scheitern des Osloer Verhandlungsprozess in den 1990er Jahren und im ersten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts, der anhaltende Siedlungsprozess sowie die weitgehenden Einigkeit unter den gro\u00dfen politischen Parteien Israels - und dass gro\u00dfe Teile des Westjordanlands dauerhaft unter israelischer Kontrolle verbleiben sollen. Beck kommt zu dem Schluss:<\/p>\n\n\n\n

Alle Indizien verweisen also darauf, dass die israelische Herrschaft \u00fcber das Westjordanland auf Dauer angelegt ist. In einer Demokratie m\u00fcsste daher allen dort Wohnenden der uneingeschr\u00e4nkte Zugang zu den staatsb\u00fcrgerlichen Rechten des politischen Gemeinwesens gew\u00e4hrt werden. Dies ist aber nicht der Fall.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Zweifelsfrei war Israel lediglich f\u00fcr sechs Monate eine Demokratie<\/h3>\n\n\n\n

W\u00e4hrend an der israelischen Besatzung des Westjordanlands kein Zweifel besteht, \u00fcberrascht, dass Beck f\u00fcr den Gazastreifen zu einer \u00e4hnlichen Bewertung kommt. Schlie\u00dflich hat Israel seine Soldaten im Jahr 2007 aus dem K\u00fcstenstreifen abgezogen und j\u00fcdische Siedlungen aufgel\u00f6st.<\/p>\n\n\n\n

Beck argumentiert, dass Israel auch heute seine Kontrolle von Land, Luft und Wasser aufrechterh\u00e4lt und die Besatzungsherrschaft damit fortsetzt, ohne \"den dort lebenden Menschen irgendeine Form demokratischer Mitwirkungsrechte zu gew\u00e4hren\".<\/p>\n\n\n\n

Mit dieser Einsch\u00e4tzung ist Beck nicht allein. Auch die Vereinten Nationen<\/a> und der Internationale Strafgerichtshof<\/a> vertreten die Auffassung, dass die israelische Besatzung \u00fcber den Gazastreifen andauert.<\/p>\n\n\n\n

F\u00fcr die Gesamtbewertung des politischen Systems Israels hat diese Frage allerdings ohnehin keine entscheidende Bedeutung mehr. Denn Becks Fazit f\u00e4llt eindeutig aus: Zweifelsfrei um eine Demokratie gehandelt habe es sich bei Israel lediglich in einem kurzen sechsmonatigen Zeitraum zwischen der Abschaffung des Milit\u00e4rrechts f\u00fcr arabische Israelis im November 1966 und dem Beginn des Sechstagekrieges im Juni 1967.<\/p>\n\n\n\n

Sp\u00e4testens mit Beginn der Besatzungsherrschaft habe Israel seinen Charakter als Demokratie verloren. F\u00fcr heutige Debatten rund um Israel empfiehlt der Nahost-Professor deshalb auf das Demokratieargument besser zu verzichten.

der\u00a0Ursprung<\/a><\/p>\n","post_title":"Die einzige Demokratie im Nahen Osten?","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-einzige-demokratie-im-nahen-osten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3775","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3719,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:39:47","post_date_gmt":"2020-08-13 21:39:47","post_content":"\n

Jenni Zylka und Christoph Safferling im Gespr\u00e4ch mit Anke Schaefer<\/a>- Sie kommen aus Syrien und dem Irak nach Deutschland zur\u00fcck: Frauen, die sich dem sogenannten Islamischen Staat (IS) angeschlossen haben, mit Terroristen zusammenlebten. Soll man sie k\u00fcnftig h\u00e4rter bestrafen? Die Journalistin Jenni Zylka und der Jurist Christoph Safferling sehen das kritisch.<\/p>\n\n\n\n

Frauen, die sich dem IS angeschlossen, aber selbst nicht gek\u00e4mpft haben, sollen laut Generalbundesanwalt Peter Frank als Mitl\u00e4uferinnen h\u00e4rter bestraft werden k\u00f6nnen. Frank meint: \u201eWir sind der Meinung, dass sich  auch bei diesen Frauen die Mitgliedschaft in einer ausl\u00e4ndischen terroristischen Organisation bejahen l\u00e4sst, weil diese Frauen die innere Struktur des sogenannten Islamischen Staates und damit diese Terrororganisation von innen heraus st\u00e4rken.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Aber sind diese Frauen nicht eher Opfer? Weil sie Angst um ihre Kinder hatten, den Umgang mit der Waffe zur Selbstverteidigung gelernt haben? Jenni Zylka meint dazu:  \u00dcber eine Mitschuld solcher Frauen nachzudenken, sei nachvollziehbar und auch legitim. Jedoch m\u00fcsse sehr genau hingeschaut und jede dieser Frauen einzeln betrachtet werden. Man m\u00fcsse unterscheiden, ob Frauen mit IS-Terroristen zusammengelebt und f\u00fcr diese gesorgt h\u00e4tten oder ob sie selbst militant geworden seien. Viele von ihnen seien zudem traumatisiert durch die Erlebnisse in den IS-Lagern.<\/p>\n\n\n\n

\"DieDie Journalistin Jenni Zylka (Deutschlandradio \/ Andreas Buron)<\/p>\n\n\n\n

Nicht wie Schwerverbrecherinnen behandeln<\/h2>\n\n\n\n

Christoph Safferling, Professor f\u00fcr Strafrecht an der Universit\u00e4t Erlangen-N\u00fcrnberg, sagt, er halte die Argumentation des Generalbundesanwalts f\u00fcr problematisch. Es handle sich zun\u00e4chst einmal um allt\u00e4gliche Handlungen wie Kochen und Sorge um die Kinder. \u201eUnd die Frage ist: Wann sind solche neutralen Handlungen tats\u00e4chlich straftatunterst\u00fctzend.\u201c Ein Vorsatz, die terroristischen Strukturen zu unterst\u00fctzen, m\u00fcsse klar nachgewiesen werden.<\/p>\n\n\n\n

Vielmehr stelle sich die Frage, ob die Frauen nicht eher als Opfer betrachtet werden m\u00fcssten. Viele h\u00e4tten sich wie unter Zwang auf die Situation eingelassen \u2013 diese k\u00f6nne man strukturell durchaus mit den Bedingungen von Zwangsprostitution vergleichen. Viele der jungen Frauen seien auch unter Drogen gesetzt worden.<\/p>\n\n\n\n

Zugest\u00e4ndnis an Irak?<\/h2>\n\n\n\n

Eine m\u00f6gliche Erkl\u00e4rung der harten Linie der Generalbundesanwaltschaft \u00fcber die man nur spekulieren k\u00f6nne: \u201eIch kann mir auch vorstellen, dass, wenn es jetzt darum geht, Irak davon zu \u00fcberzeugen, die deutschen Staatsangeh\u00f6rigen, die dort einsitzen, auszuliefern, man ihnen gegen\u00fcber auch zu verstehen geben muss, dass die hier einer Strafverfolgung zugef\u00fchrt werden. Ansonsten w\u00fcrde der Irak sich vielleicht weigern, sie auszuliefern.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Safferling h\u00e4lt eine intensive Betreuung der zur\u00fcckgekehrten Frauen und M\u00e4dchen f\u00fcr unerl\u00e4sslich \u2013 man d\u00fcrfe sie keinesfalls alleine lassen und nicht wie Schwerverbrecherinnen behandeln. Es m\u00fcsse vielmehr verhindert werden, dass die jungen Frauen etwa in die Salafisten-Szene abtauchten.<\/p>\n","post_title":"Sie sind eher Opfer als Schwerverbrecherinnen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"sie-sind-eher-opfer-als-schwerverbrecherinnen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3719","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3709,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:30:50","post_date_gmt":"2020-08-13 21:30:50","post_content":"\n

Drei Millionen Afghanen sind ins Nachbarland Iran geflohen. Viele arbeiten schwarz. Die Aussicht auf einen festen Lohn plus Papiere f\u00fcr die Familie ist verlockend. Die Gegenleistung daf\u00fcr: K\u00e4mpfen in Syrien.<\/p>\n\n\n\n

Wenn Abu Fazel von den Gr\u00e4ueltaten des syrischen B\u00fcrgerkriegs h\u00f6rt, denkt er immer daran, dass er auch beinahe als K\u00e4mpfer auf diesem Schlachtfeld gelandet w\u00e4re. Doch Abu Fazel ist weder Syrer noch wollte er zum sogenannten \u201eIslamischen Staat\u201c. Der 18-J\u00e4hrige ist ein afghanischer Gefl\u00fcchteter, der zur Zeit in Leverkusen lebt.<\/p>\n\n\n\n

Den Gro\u00dfteil seines Lebens verbrachte er im Iran. Seine Familie ist dorthin gefl\u00fcchtet, als er ein Kind war. Doch als die iranische Regierung ihn nach Syrien schicken wollte, um auf der Seite von Machthaber Baschar al-Assad zu k\u00e4mpfen, entschloss er sich zu fliehen.<\/p>\n\n\n\n

\"Fl\u00fcchtlingeGefl\u00fcchtete aus dem Iran und Afghanistan an der Grenze zwischen Mazedonien und Griechenland. (picture alliance \/ dpa \/ Georgi Licovski)<\/p>\n\n\n\n

Tausende afghanische Jugendliche \u2013 die genaue Zahl ist nicht bekannt \u2013 wurden im Iran rekrutiert, um im Krieg in Syrien zu k\u00e4mpfen. Erst vor Kurzem berichtete die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, dass sie die Gr\u00e4ber von acht afghanischen Kindern, die in Syrien get\u00f6tet wurden, identifiziert hat. Laut der Organisation rekrutiert der Iran regelm\u00e4\u00dfig minderj\u00e4hrige K\u00e4mpfer, um sie nach Syrien zu schicken. Unter afghanischen Gefl\u00fcchteten ist diese Praxis schon l\u00e4nger bekannt.<\/p>\n\n\n\n

Rassismus gegen Afghanen im Iran<\/h2>\n\n\n\n

Fast drei Millionen Gefl\u00fcchtete aus Afghanistan sind inzwischen im Iran. Die meisten von ihnen leben in der Illegalit\u00e4t und werden als Schwarzarbeiter, etwa am Bau, ausgebeutet. Rassismus und Ausgrenzung geh\u00f6ren zu ihrem gesellschaftlichen Alltag. Kinder sind davon nicht ausgeschlossen. Im Gegenteil: Vielen afghanischen Kinderm ist es nicht erlaubt, staatliche Schulen zu besuchen. Abu Fazel wurde Zeit seines Lebens von dieser Diskrimierung beeinflusst und verfolgt.<\/p>\n\n\n\n

\u201e'Afghane\u2018 \u2013 das ist dort ein Schimpfwort. Ich h\u00f6rte es von klein auf immer wieder. Der Rassismus gegen Afghanen ist dort v\u00f6llig normal. Meine Herkunft, auf der ich eigentlich stolz war, ist im Iran stets eine Last gewesen. Wir sind dort B\u00fcrger zweiter Klasse.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung der afghanischen Gefl\u00fcchteten ist f\u00fcr Abu Fazel die Spitze jenes Rassismus, den er erlebt hat.<\/p>\n\n\n\n

Iran: Syrien vor sunnitischen Extremisten verteidigen<\/h2>\n\n\n\n

In Syrien k\u00e4mpfen neben den afghanischen Milizen auch andere paramilit\u00e4rische Gruppierungen im Auftrag des Irans: etwa die ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigten Revolutionsgarden, die einst Ayatollah Ruhollah Khomeini pers\u00f6nlich ins Leben rief oder die Basidsch-Milizen. Beiden Gruppierungen sind nicht nur in Syrien aktiv, sondern auch im Irak.<\/p>\n\n\n\n

Obowhl sich das syrische Regime von Baschar al-Assad als s\u00e4kular ausweist, wird es vom Iran, der sich als Repr\u00e4sentant aller muslimischen Schiiten betrachtet, unterst\u00fctzt. Gemeinsames Ziel in Syrien ist es: Schiiten vor sunnitische Extremisten zu verteidigen. Dennoch ist das Regime darauf bedacht, m\u00f6glichst wenig eigene K\u00e4mpfer nach Syrien zu schicken. \u00c4hnlich wie einst w\u00e4hrend des Krieges gegen Saddam Husseins Irak, setzt der Iran auf ausl\u00e4ndische K\u00e4mpfer.<\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung war wie eine Gehirnw\u00e4sche<\/h2>\n\n\n\n

Abu Fazels Familie geh\u00f6rt zur afghanischen Minderheit der schiitischen Hazara \u2013 wie viele Afghanen, die in den Iran gekommen sind. Mittlerweile k\u00e4mpfen Tausende von ihnen in Syrien. Der Iran bezahlt die Afghanen mit einem Sold von wenigen hundert Dollar pro Monat und verspricht ihren Familien eine Aufenthaltsgenehmigung oder eine Arbeitserlaubnis.<\/p>\n\n\n\n

An der Rekrutierung der Afghanen sind sowohl die Revolutionsgarden als auch die erw\u00e4hnten Basidsch-Milizen beteiligt. Abu Fazel beschreibt, wie das Viertel, in dem er gemeinsam mit seiner Familie in Teheran lebte, regelm\u00e4\u00dfig von den K\u00e4mpfern aufgesucht wurde. Viele afghanische Gefl\u00fcchtete lebten dort \u2013 und fielen auf die Gehirnw\u00e4sche der Rattenf\u00e4nger herein.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie trafen junge M\u00e4nner und Jugendliche in den Moscheen und \u00fcberredeten sie, gegen den IS oder Al Qaida zu k\u00e4mpfen. Die Gehirnw\u00e4sche war perfekt. Am Ende merkten viele, darunter auch ich, nicht einmal, dass wir in ihre Propaganda getappt waren. Ihre \u00dcberredungskunst war wirklich sehr speziell. Am Ende hat man Lust, nach Syrien zu gehen, um zu k\u00e4mpfen\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Erfolg hatten die Rekrutierer des Regimes auch bei Abu Fazels Cousin, der zum damaligen Zeitpunkt ebenfalls minderj\u00e4hrig gewesen ist. Er ging nach Syrien und k\u00e4mpfte unter der Flagge der \u201eLiwa Fatemiyoun\u201c, wie die afghanische Division auf Seiten Assads hei\u00dft. Offiziell ist die Aufgabe der Miliz die Verteidigung des Schreines von Zaynab im S\u00fcden von Damaskus. Zaynab war die Enkelin des islamischen Propheten Mohammad. Laut iranischen Staatsmedien k\u00e4mpfen mindestens 20.000 Afghanen in der Division.<\/p>\n\n\n\n

Im August 2014 entschloss sich auch Abu Fazel, nach Syrien zu gehen und zu k\u00e4mpfen. Im selben Monat wurde sein Cousin in der N\u00e4he von Aleppo im Kampf gegen syrische Rebellen get\u00f6tet.<\/p>\n\n\n\n

\u201eMein Cousin wurde dort get\u00f6tet. Auch andere Jungs aus unserer Gegend gingen nach Syrien und fielen dort. Lokale Zeitungen nannten sie \u201aM\u00e4rtyrer\u2018.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Lieber Flucht statt K\u00e4mpfer in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein solcher \u201eM\u00e4rtyrer\u201c wollte Abu Fazel allerdings nicht werden. Er floh eine Woche vor dem Beginn seiner dreimonatigen Kampfausbildung. Es war ihm lieber, ein Leben auf der Flucht zu verbringen, als in Syrien unschuldige Menschen f\u00fcr einen Diktator zu t\u00f6ten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch kam zu dem Schluss, dass ich nicht als M\u00f6rder weiterleben k\u00f6nnte. Stets dachte ich mir, dass selbst die schlimmsten Al-Qaida- oder IS-Terroristen Kinder haben k\u00f6nnten, die ihren Vater lieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Fazel verlor seinen eigenen Vater bereits sehr fr\u00fch. Er wurde Opfer des B\u00fcrgerkriegs in Afghanistan, der von 1989 bis 2001 tausende Menschen das Leben kostete. Auch der Iran mischte in der Zeit schon mit. Es ist allgemein bekannt, dass die schiitischen Hazara-Milizen, die den B\u00fcrgerkrieg ebenfalls mitanfachten, von der Regierung in Teheran unterst\u00fctzt wurden.<\/p>\n\n\n\n

Als Abu Fazel sich nun entschloss, aus der Gewaltspirale auszusteigen und nicht in Syrien zu k\u00e4mpfen, wuchs die Angst bei seiner Familie. Denn f\u00fcr die iranischen Beh\u00f6rden gilt: Hat man sich einmal gemeldet, gibt es kein zur\u00fcck. Man muss an die Front nach Syrien \u2013 oder wird zur\u00fcck nach Afghanistan abgeschoben, wo ebenfalls Krieg herrscht.<\/p>\n\n\n\n

Der einzige Ausweg f\u00fcr den jungen Afghanen war die Flucht. \u00dcber die T\u00fcrkei, Griechenland und die Balkranroute erreichte er mit gro\u00dfer M\u00fche Deutschland, wo er einen Asylantrag stellte.<\/p>\n\n\n\n

Erster Asylantrag in Deutschland abgelehnt<\/h2>\n\n\n\n

Als Grund nannte er seine Rekrutierung als Kindersoldat seitens des iranischen Regimes. Doch w\u00e4hrend diese Begr\u00fcndung in Abu Fazels Augen v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich war, sahen deutsche Beh\u00f6rden das anders. Sein erster Antrag wurde abgelehnt. Derzeit versucht er es ein zweites Mal. Die Bundesrepublik schiebt afghanische Gefl\u00fcchtete weiterhin ab.<\/p>\n\n\n\n

\"EinAbschiebung von Afghanen im Dezember 2016 mit einem Charterflug von Frankfurt nach Kabul. (dpa \/picture alliance \/ Boris Roessler)<\/p>\n\n\n\n

Die Verantwortlichen weisen in diesem Kontext immer wieder auf vermeintlich \u201esichere Gebiete\u201c im Land, die nicht n\u00e4her benannt werden.<\/p>\n\n\n\n

W\u00e4hrenddessen machen Menschenrechtsorganisationen regelm\u00e4\u00dfig darauf aufmerksam, dass keine Region am Hindukusch sicher ist. Stattdessen wird in manchen Gebieten nur weniger Krieg gef\u00fchrt als in anderen.<\/p>\n\n\n\n

\"SieDemonstranten protestieren in Frankfurt am Main gegen die Abschiebung von Afghanen. Auf einem der Transparente steht \u201eAfghanistan is not safe\u201c. (AFP \/ Daniel Roland)<\/p>\n\n\n\n

Alis Vater und Onkel k\u00e4mpfen in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein \u00e4hnliches Schicksal wie Abu Fazel erlitt der 18-j\u00e4hrige Ali (Namen ge\u00e4ndert). Auch er floh aus dem Iran nach Deutschland, um der Rekrutierung f\u00fcr Assads Milizen zu entgehen. Viele seiner afghanischen Freunde sind bereits nach Syrien gezogen \u2013 und kamen niemals zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Alis Familie, ebenfalls Angeh\u00f6rige der Hazara-Minderheit, stammt urspr\u00fcnglich aus der Provinz Ghor im Nordosten Afghanistans. Ihre Heimat verlie\u00dfen sie w\u00e4hrend der sowjetischen Besatzung in den 1980er-Jahren.<\/p>\n\n\n\n

Seit jeher lebt die Familie in der iranischen Gro\u00dfstadt Maschhad. Als der Krieg in Syrien ausbrach, erreichte sie ein Konflikt, mit dem sie nicht gerechnet hatten. Im Juli 2015 reiste Alis Vater nach Teheran. Er wollte einen Weg finden, um f\u00fcr seine Familie Aufenthaltspapiere zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Beh\u00f6rden sagten ihm, dass die Rekrutierung f\u00fcr den Krieg in Syrien eine M\u00f6glichkeit darstellen k\u00f6nnte, um Papiere f\u00fcr uns alle zu erhalten. Andernfalls w\u00fcrde man uns sehr bald nach Afghanistan abschieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Mittlerweile k\u00e4mpfen Alis Vater und sein Onkel seit \u00fcber einem Jahr in Syrien. Am Aufenthaltsstatus seiner Familienmitglieder hat sich bis heute allerdings nichts ge\u00e4ndert. F\u00fcr Ali ist klar, dass dies nur eine Falle gewesen ist, um noch mehr Afghanen als Kanonenfutter zu missbrauchen.<\/p>\n\n\n\n

Anfangs gab es Papiere f\u00fcr K\u00e4mpfer-Familien<\/h2>\n\n\n\n

Den Kontakt zu seinem Vater hat der Afghane mittlerweile verloren. W\u00e4hrenddessen schickt ihm sein Onkel, der in Aleppo stationiert ist, hin und wieder Bilder \u00fcber den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ali denkt, dass nur sehr wenige Afghanen der Propaganda der iranischen Regierung glauben und in Syrien f\u00fcr eine \u201egute Sache\u201c k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

Source<\/a><\/p>\n","post_title":"Warum Afghanen in Syrien f\u00fcr Assad k\u00e4mpfen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"warum-afghanen-in-syrien-fur-assad-kampfen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3709","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":9},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Wahlen in Israel (Netanjahu gewinnt - aber wahrscheinlich keine absolute Mehrheit<\/a>) werden immer davon begleitet, dass es in Sozialen Medien turbulent zugeht: Die einen sehen Israel als \"Apartheidstaat\", in dem Wahlen allein deshalb schon bedeutungslos seien, weil Millionen Pal\u00e4stinenser in den besetzten Gebieten davon ausgeschlossen<\/a> werden. Die anderen feiern die Wahlen hingegen als abermaligen Beweis daf\u00fcr, dass es sich bei Israel um die \"einzige Demokratie im Nahen Osten\" handle.<\/p>\n\n\n\n

Wer von beiden Seiten mehr Recht hat, ist seit Jahrzehnten Gegenstand erbitterter Diskussion. W\u00e4hrend es bei Israels Nachbarstaaten wie \u00c4gypten, Saudi Arabien oder Jordanien wenig Zweifel am autorit\u00e4ren Charakter des politischen Systems gibt und formell demokratische Staaten wie Irak, Tunesien oder der Libanon in Demokratie-Ratings weit unten rangieren<\/a>, scheint die Bewertung bei Israel komplizierter.<\/p>\n\n\n\n

Uneinigkeit besteht schon dar\u00fcber, um wessen demokratische Rechte es eigentlich geht: Die von den rund 8,5 Millionen Menschen innerhalb der v\u00f6lkerrechtlich anerkannten Grenzen Israels? Oder auch jene der rund 5 Millionen Pal\u00e4stinenser im Gazastreifen und dem Westjordanland, also den Regionen, die Israel 1967 besetzt hat?<\/p>\n\n\n\n

Ob Israel eine Demokratie ist, h\u00e4ngt auch davon ab, was man unter Demokratie versteht<\/h3>\n\n\n\n

Eine Antwort auf diese Fragen hat Martin Beck<\/a> versucht zu finden. F\u00fcr das Hamburger GIGA Institut<\/em> hat der Professor f\u00fcr Nahost-Studien ein Gutachten zum politischen Systems Israels erstellt<\/a>. In der im Februar ver\u00f6ffentlichten Untersuchung listet er Argumente auf, die f\u00fcr und gegen den demokratischen Charakter des Staates sprechen. Sein Fazit zu der Frage, ob es sich bei Israel um eine Demokratie handelt: eher nicht. Israel habe \"sein fr\u00fcheres Alleinstellungsmerkmal als einzige Demokratie im Nahen und Mittleren Osten verloren\".<\/p>\n\n\n\n

Becks Analyse macht aber zun\u00e4chst ein anderes Problem deutlich: Die Frage, ob es sich bei einem Staat um eine Demokratie handelt, ist auch deshalb nicht einfach zu beantworten, weil es kein einheitliches Verst\u00e4ndnis davon gibt, was eine Demokratie eigentlich ist. In seiner Bewertung des politischen Systems Israel geht er deshalb von unterschiedlichen Definitionen aus.<\/p>\n\n\n\n

So umfasst ein \"weiter Demokratiebegriff\" zum Beispiel die Gleichheit aller Staatsb\u00fcrger. Folgt man diesem Verst\u00e4ndnis spreche die Benachteiligung der arabischen Staatsb\u00fcrger Israels gegen eine Einordnung Israel als Demokratie. Beck schreibt:<\/p>\n\n\n\n

Da die Staatsr\u00e4son Israels auf seinem j\u00fcdischen Charakter fu\u00dft und Gesetze hervorgebracht hat, die in zentralen Bereichen der Ressourcenverteilung wie beispielsweise Landbesitz arabische Israelis systematisch diskriminiert, erscheint Israel als undemokratisch.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Beck verweist allerdings darauf, dass dieses weite Demokratie-Verst\u00e4ndnis zwar unter Kritikern Israels verbreitet, in der wissenschaftlichen Debatte aber eher un\u00fcblich sei. Zudem w\u00fcrden andere als demokratisch geltende Staaten, diese Anforderungen ebenso nicht erf\u00fcllen.<\/p>\n\n\n\n

Demokratie-Pr\u00fcfung scheiterte am Milit\u00e4rrecht f\u00fcr arabische Israelis<\/h3>\n\n\n\n

Beck unterzieht Israels politisches Systems deshalb einer zweiten Pr\u00fcfung. Der amerikanische Politikwissenschaftler Robert Dahl hat acht Bedingungen formuliert, die ein politisches System mindestens erf\u00fcllen muss, um als Demokratie zu gelten.<\/p>\n\n\n\n

Diese sind: Organisationsfreiheit, Meinungsfreiheit, aktives und passives Wahlrecht, das Recht politischer Eliten auf Werbung f\u00fcr Unterst\u00fctzung und um W\u00e4hlerstimmen, der Zugang zu alternativen Informationsquellen, freie und faire Wahlen sowie die institutionelle Bindung von Regierungspolitik an Wahlen und andere Formen der Willensbildung.<\/p>\n\n\n\n

Legt man diese Minimaldefinition von Demokratie zugrunde, besteht Israel die Pr\u00fcfung. \"Mit Blick auf Israel erscheinen all diese Bedingungen nicht nur f\u00fcr seine j\u00fcdischen, sondern auch f\u00fcr seine arabischen Staatsb\u00fcrgerinnen und Staatsb\u00fcrger erf\u00fcllt\", schreibt Beck.<\/p>\n\n\n\n

Allerdings liefert er dazu eine gro\u00dfe zeitliche Einschr\u00e4nkung: So lebten in den ersten Jahren gro\u00dfe Teile der arabischen Bev\u00f6lkerung Israels unter Milit\u00e4rverwaltung und genossen nicht dieselben staatsb\u00fcrgerlichen Rechte wie der Rest der Bev\u00f6lkerung. Aufgehoben wurde das Milit\u00e4rrecht f\u00fcr arabische Israelis erst am 8. November 1966. Um einen demokratischen Staat k\u00f6nne es sich also fr\u00fchestens ab diesem Zeitpunkt handeln.<\/p>\n\n\n\n

Macht die Besatzung Israel zu einem undemokratischen Staat?<\/h3>\n\n\n\n

Nur wenige Monate folgte allerdings ein Ereignis, dass Israels Bewertung als demokratischen Staat abermals in Zweifel zieht. Im Zuge des Sechstagekrieges besetzte Israel im Juni 1967 die \u00e4gyptische Sinai-Halbinsel, den Gazastreifen, das zuvor von Jordanien kontrollierte Westjordanland und Ostjerusalem sowie die syrischen Golanh\u00f6hen.<\/p>\n\n\n\n

Die 1982 an \u00c4gypten zur\u00fcckgegebene Sinai-Halbinsel ausgenommen, dauert Israels Kontrolle \u00fcber jene Gebiete bis heute auf die ein oder andere Weise an. Spielt sie deshalb auch eine Rolle, wenn es um die Bewertung des politischen Systems Israels geht? Beck schreibt, dass \"die Errichtung der Besatzungsregime im Jahr 1967 zweifelsohne ein undemokratischer Akt [war]\", diese aber nicht zwangsl\u00e4ufig etwas am demokratischen Charakter des politischen Systems Israel \u00e4ndern w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n

Sehr wohl anrechnen lassen m\u00fcsse sich Israel aber die Situation auf den syrischen Golanh\u00f6hen und in Ostjerusalem, da diese mittlerweile ins israelische Staatsgebiet annektiert wurden. Beck schreibt:<\/p>\n\n\n\n

Die Annexion eines Territoriums durch einen Staat ohne Referendum, d.h. eine Abstimmung durch die betroffene Bev\u00f6lkerung, widerspricht demokratischen Prinzipien fundamental.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Wichtiger noch sei allerdings, dass viele von der Annexion betroffene Pal\u00e4stinenser bis heute nicht \u00fcber dieselben Rechte verf\u00fcgen wie ihre israelischen Nachbarn. Statt der israelischen Staatsb\u00fcrgerschaft tragen pal\u00e4stinensische Bewohner Ostjerusalems lediglich Identit\u00e4tskarten, die sie als st\u00e4ndige Bewohner der Stadt ausweisen.<\/p>\n\n\n\n

Damit sind sie in Israel zwar steuerpflichtig, haben Zugang zu Sozialleistungen und k\u00f6nnen sich innerhalb Israel frei bewegen, staatsb\u00fcrgerlichen Rechte, wie beispielsweise das aktive und passive Wahlrecht besitzen sie allerdings nicht. Als undemokratisch bewertet Beck deshalb das \"israelische Herrschaftsregime in Jerusalem\".<\/p>\n\n\n\n

Besatzung beenden oder dieselben staatsb\u00fcrgerlichen Rechte f\u00fcr Pal\u00e4stinenser<\/h3>\n\n\n\n

Ob auch die Situation im Westjordanland und Gazastreifen eine Rolle f\u00fcr die Bewertung des politischen Systems Israels spielt, entscheidet sich dem Spezialisten f\u00fcr politische Systeme im Nahen Osten<\/a> zufolge vor allem an einer Frage: Ist die Besetzung der Gebiete ein vor\u00fcbergehendes Ph\u00e4nomen oder auf Dauer angelegt?<\/p>\n\n\n\n

Nur im letzteren Fall m\u00fcsse man das Besatzungsregime als Teil des politischen Systems Israels bewerten, so Beck. F\u00fcr den anhaltenden Charakter spreche allein schon die schiere Dauer der Besatzung: So dauert die israelische Besatzung schon \u00fcber ein halbes Jahrhundert und damit dreimal so lange wie Israel in den Grenzen von 1949 bis 1967 existierte.<\/p>\n\n\n\n

Hinzu kommen weitere Indizien: Das Scheitern des Osloer Verhandlungsprozess in den 1990er Jahren und im ersten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts, der anhaltende Siedlungsprozess sowie die weitgehenden Einigkeit unter den gro\u00dfen politischen Parteien Israels - und dass gro\u00dfe Teile des Westjordanlands dauerhaft unter israelischer Kontrolle verbleiben sollen. Beck kommt zu dem Schluss:<\/p>\n\n\n\n

Alle Indizien verweisen also darauf, dass die israelische Herrschaft \u00fcber das Westjordanland auf Dauer angelegt ist. In einer Demokratie m\u00fcsste daher allen dort Wohnenden der uneingeschr\u00e4nkte Zugang zu den staatsb\u00fcrgerlichen Rechten des politischen Gemeinwesens gew\u00e4hrt werden. Dies ist aber nicht der Fall.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Zweifelsfrei war Israel lediglich f\u00fcr sechs Monate eine Demokratie<\/h3>\n\n\n\n

W\u00e4hrend an der israelischen Besatzung des Westjordanlands kein Zweifel besteht, \u00fcberrascht, dass Beck f\u00fcr den Gazastreifen zu einer \u00e4hnlichen Bewertung kommt. Schlie\u00dflich hat Israel seine Soldaten im Jahr 2007 aus dem K\u00fcstenstreifen abgezogen und j\u00fcdische Siedlungen aufgel\u00f6st.<\/p>\n\n\n\n

Beck argumentiert, dass Israel auch heute seine Kontrolle von Land, Luft und Wasser aufrechterh\u00e4lt und die Besatzungsherrschaft damit fortsetzt, ohne \"den dort lebenden Menschen irgendeine Form demokratischer Mitwirkungsrechte zu gew\u00e4hren\".<\/p>\n\n\n\n

Mit dieser Einsch\u00e4tzung ist Beck nicht allein. Auch die Vereinten Nationen<\/a> und der Internationale Strafgerichtshof<\/a> vertreten die Auffassung, dass die israelische Besatzung \u00fcber den Gazastreifen andauert.<\/p>\n\n\n\n

F\u00fcr die Gesamtbewertung des politischen Systems Israels hat diese Frage allerdings ohnehin keine entscheidende Bedeutung mehr. Denn Becks Fazit f\u00e4llt eindeutig aus: Zweifelsfrei um eine Demokratie gehandelt habe es sich bei Israel lediglich in einem kurzen sechsmonatigen Zeitraum zwischen der Abschaffung des Milit\u00e4rrechts f\u00fcr arabische Israelis im November 1966 und dem Beginn des Sechstagekrieges im Juni 1967.<\/p>\n\n\n\n

Sp\u00e4testens mit Beginn der Besatzungsherrschaft habe Israel seinen Charakter als Demokratie verloren. F\u00fcr heutige Debatten rund um Israel empfiehlt der Nahost-Professor deshalb auf das Demokratieargument besser zu verzichten.

der\u00a0Ursprung<\/a><\/p>\n","post_title":"Die einzige Demokratie im Nahen Osten?","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-einzige-demokratie-im-nahen-osten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3775","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3719,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:39:47","post_date_gmt":"2020-08-13 21:39:47","post_content":"\n

Jenni Zylka und Christoph Safferling im Gespr\u00e4ch mit Anke Schaefer<\/a>- Sie kommen aus Syrien und dem Irak nach Deutschland zur\u00fcck: Frauen, die sich dem sogenannten Islamischen Staat (IS) angeschlossen haben, mit Terroristen zusammenlebten. Soll man sie k\u00fcnftig h\u00e4rter bestrafen? Die Journalistin Jenni Zylka und der Jurist Christoph Safferling sehen das kritisch.<\/p>\n\n\n\n

Frauen, die sich dem IS angeschlossen, aber selbst nicht gek\u00e4mpft haben, sollen laut Generalbundesanwalt Peter Frank als Mitl\u00e4uferinnen h\u00e4rter bestraft werden k\u00f6nnen. Frank meint: \u201eWir sind der Meinung, dass sich  auch bei diesen Frauen die Mitgliedschaft in einer ausl\u00e4ndischen terroristischen Organisation bejahen l\u00e4sst, weil diese Frauen die innere Struktur des sogenannten Islamischen Staates und damit diese Terrororganisation von innen heraus st\u00e4rken.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Aber sind diese Frauen nicht eher Opfer? Weil sie Angst um ihre Kinder hatten, den Umgang mit der Waffe zur Selbstverteidigung gelernt haben? Jenni Zylka meint dazu:  \u00dcber eine Mitschuld solcher Frauen nachzudenken, sei nachvollziehbar und auch legitim. Jedoch m\u00fcsse sehr genau hingeschaut und jede dieser Frauen einzeln betrachtet werden. Man m\u00fcsse unterscheiden, ob Frauen mit IS-Terroristen zusammengelebt und f\u00fcr diese gesorgt h\u00e4tten oder ob sie selbst militant geworden seien. Viele von ihnen seien zudem traumatisiert durch die Erlebnisse in den IS-Lagern.<\/p>\n\n\n\n

\"DieDie Journalistin Jenni Zylka (Deutschlandradio \/ Andreas Buron)<\/p>\n\n\n\n

Nicht wie Schwerverbrecherinnen behandeln<\/h2>\n\n\n\n

Christoph Safferling, Professor f\u00fcr Strafrecht an der Universit\u00e4t Erlangen-N\u00fcrnberg, sagt, er halte die Argumentation des Generalbundesanwalts f\u00fcr problematisch. Es handle sich zun\u00e4chst einmal um allt\u00e4gliche Handlungen wie Kochen und Sorge um die Kinder. \u201eUnd die Frage ist: Wann sind solche neutralen Handlungen tats\u00e4chlich straftatunterst\u00fctzend.\u201c Ein Vorsatz, die terroristischen Strukturen zu unterst\u00fctzen, m\u00fcsse klar nachgewiesen werden.<\/p>\n\n\n\n

Vielmehr stelle sich die Frage, ob die Frauen nicht eher als Opfer betrachtet werden m\u00fcssten. Viele h\u00e4tten sich wie unter Zwang auf die Situation eingelassen \u2013 diese k\u00f6nne man strukturell durchaus mit den Bedingungen von Zwangsprostitution vergleichen. Viele der jungen Frauen seien auch unter Drogen gesetzt worden.<\/p>\n\n\n\n

Zugest\u00e4ndnis an Irak?<\/h2>\n\n\n\n

Eine m\u00f6gliche Erkl\u00e4rung der harten Linie der Generalbundesanwaltschaft \u00fcber die man nur spekulieren k\u00f6nne: \u201eIch kann mir auch vorstellen, dass, wenn es jetzt darum geht, Irak davon zu \u00fcberzeugen, die deutschen Staatsangeh\u00f6rigen, die dort einsitzen, auszuliefern, man ihnen gegen\u00fcber auch zu verstehen geben muss, dass die hier einer Strafverfolgung zugef\u00fchrt werden. Ansonsten w\u00fcrde der Irak sich vielleicht weigern, sie auszuliefern.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Safferling h\u00e4lt eine intensive Betreuung der zur\u00fcckgekehrten Frauen und M\u00e4dchen f\u00fcr unerl\u00e4sslich \u2013 man d\u00fcrfe sie keinesfalls alleine lassen und nicht wie Schwerverbrecherinnen behandeln. Es m\u00fcsse vielmehr verhindert werden, dass die jungen Frauen etwa in die Salafisten-Szene abtauchten.<\/p>\n","post_title":"Sie sind eher Opfer als Schwerverbrecherinnen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"sie-sind-eher-opfer-als-schwerverbrecherinnen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3719","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3709,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:30:50","post_date_gmt":"2020-08-13 21:30:50","post_content":"\n

Drei Millionen Afghanen sind ins Nachbarland Iran geflohen. Viele arbeiten schwarz. Die Aussicht auf einen festen Lohn plus Papiere f\u00fcr die Familie ist verlockend. Die Gegenleistung daf\u00fcr: K\u00e4mpfen in Syrien.<\/p>\n\n\n\n

Wenn Abu Fazel von den Gr\u00e4ueltaten des syrischen B\u00fcrgerkriegs h\u00f6rt, denkt er immer daran, dass er auch beinahe als K\u00e4mpfer auf diesem Schlachtfeld gelandet w\u00e4re. Doch Abu Fazel ist weder Syrer noch wollte er zum sogenannten \u201eIslamischen Staat\u201c. Der 18-J\u00e4hrige ist ein afghanischer Gefl\u00fcchteter, der zur Zeit in Leverkusen lebt.<\/p>\n\n\n\n

Den Gro\u00dfteil seines Lebens verbrachte er im Iran. Seine Familie ist dorthin gefl\u00fcchtet, als er ein Kind war. Doch als die iranische Regierung ihn nach Syrien schicken wollte, um auf der Seite von Machthaber Baschar al-Assad zu k\u00e4mpfen, entschloss er sich zu fliehen.<\/p>\n\n\n\n

\"Fl\u00fcchtlingeGefl\u00fcchtete aus dem Iran und Afghanistan an der Grenze zwischen Mazedonien und Griechenland. (picture alliance \/ dpa \/ Georgi Licovski)<\/p>\n\n\n\n

Tausende afghanische Jugendliche \u2013 die genaue Zahl ist nicht bekannt \u2013 wurden im Iran rekrutiert, um im Krieg in Syrien zu k\u00e4mpfen. Erst vor Kurzem berichtete die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, dass sie die Gr\u00e4ber von acht afghanischen Kindern, die in Syrien get\u00f6tet wurden, identifiziert hat. Laut der Organisation rekrutiert der Iran regelm\u00e4\u00dfig minderj\u00e4hrige K\u00e4mpfer, um sie nach Syrien zu schicken. Unter afghanischen Gefl\u00fcchteten ist diese Praxis schon l\u00e4nger bekannt.<\/p>\n\n\n\n

Rassismus gegen Afghanen im Iran<\/h2>\n\n\n\n

Fast drei Millionen Gefl\u00fcchtete aus Afghanistan sind inzwischen im Iran. Die meisten von ihnen leben in der Illegalit\u00e4t und werden als Schwarzarbeiter, etwa am Bau, ausgebeutet. Rassismus und Ausgrenzung geh\u00f6ren zu ihrem gesellschaftlichen Alltag. Kinder sind davon nicht ausgeschlossen. Im Gegenteil: Vielen afghanischen Kinderm ist es nicht erlaubt, staatliche Schulen zu besuchen. Abu Fazel wurde Zeit seines Lebens von dieser Diskrimierung beeinflusst und verfolgt.<\/p>\n\n\n\n

\u201e'Afghane\u2018 \u2013 das ist dort ein Schimpfwort. Ich h\u00f6rte es von klein auf immer wieder. Der Rassismus gegen Afghanen ist dort v\u00f6llig normal. Meine Herkunft, auf der ich eigentlich stolz war, ist im Iran stets eine Last gewesen. Wir sind dort B\u00fcrger zweiter Klasse.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung der afghanischen Gefl\u00fcchteten ist f\u00fcr Abu Fazel die Spitze jenes Rassismus, den er erlebt hat.<\/p>\n\n\n\n

Iran: Syrien vor sunnitischen Extremisten verteidigen<\/h2>\n\n\n\n

In Syrien k\u00e4mpfen neben den afghanischen Milizen auch andere paramilit\u00e4rische Gruppierungen im Auftrag des Irans: etwa die ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigten Revolutionsgarden, die einst Ayatollah Ruhollah Khomeini pers\u00f6nlich ins Leben rief oder die Basidsch-Milizen. Beiden Gruppierungen sind nicht nur in Syrien aktiv, sondern auch im Irak.<\/p>\n\n\n\n

Obowhl sich das syrische Regime von Baschar al-Assad als s\u00e4kular ausweist, wird es vom Iran, der sich als Repr\u00e4sentant aller muslimischen Schiiten betrachtet, unterst\u00fctzt. Gemeinsames Ziel in Syrien ist es: Schiiten vor sunnitische Extremisten zu verteidigen. Dennoch ist das Regime darauf bedacht, m\u00f6glichst wenig eigene K\u00e4mpfer nach Syrien zu schicken. \u00c4hnlich wie einst w\u00e4hrend des Krieges gegen Saddam Husseins Irak, setzt der Iran auf ausl\u00e4ndische K\u00e4mpfer.<\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung war wie eine Gehirnw\u00e4sche<\/h2>\n\n\n\n

Abu Fazels Familie geh\u00f6rt zur afghanischen Minderheit der schiitischen Hazara \u2013 wie viele Afghanen, die in den Iran gekommen sind. Mittlerweile k\u00e4mpfen Tausende von ihnen in Syrien. Der Iran bezahlt die Afghanen mit einem Sold von wenigen hundert Dollar pro Monat und verspricht ihren Familien eine Aufenthaltsgenehmigung oder eine Arbeitserlaubnis.<\/p>\n\n\n\n

An der Rekrutierung der Afghanen sind sowohl die Revolutionsgarden als auch die erw\u00e4hnten Basidsch-Milizen beteiligt. Abu Fazel beschreibt, wie das Viertel, in dem er gemeinsam mit seiner Familie in Teheran lebte, regelm\u00e4\u00dfig von den K\u00e4mpfern aufgesucht wurde. Viele afghanische Gefl\u00fcchtete lebten dort \u2013 und fielen auf die Gehirnw\u00e4sche der Rattenf\u00e4nger herein.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie trafen junge M\u00e4nner und Jugendliche in den Moscheen und \u00fcberredeten sie, gegen den IS oder Al Qaida zu k\u00e4mpfen. Die Gehirnw\u00e4sche war perfekt. Am Ende merkten viele, darunter auch ich, nicht einmal, dass wir in ihre Propaganda getappt waren. Ihre \u00dcberredungskunst war wirklich sehr speziell. Am Ende hat man Lust, nach Syrien zu gehen, um zu k\u00e4mpfen\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Erfolg hatten die Rekrutierer des Regimes auch bei Abu Fazels Cousin, der zum damaligen Zeitpunkt ebenfalls minderj\u00e4hrig gewesen ist. Er ging nach Syrien und k\u00e4mpfte unter der Flagge der \u201eLiwa Fatemiyoun\u201c, wie die afghanische Division auf Seiten Assads hei\u00dft. Offiziell ist die Aufgabe der Miliz die Verteidigung des Schreines von Zaynab im S\u00fcden von Damaskus. Zaynab war die Enkelin des islamischen Propheten Mohammad. Laut iranischen Staatsmedien k\u00e4mpfen mindestens 20.000 Afghanen in der Division.<\/p>\n\n\n\n

Im August 2014 entschloss sich auch Abu Fazel, nach Syrien zu gehen und zu k\u00e4mpfen. Im selben Monat wurde sein Cousin in der N\u00e4he von Aleppo im Kampf gegen syrische Rebellen get\u00f6tet.<\/p>\n\n\n\n

\u201eMein Cousin wurde dort get\u00f6tet. Auch andere Jungs aus unserer Gegend gingen nach Syrien und fielen dort. Lokale Zeitungen nannten sie \u201aM\u00e4rtyrer\u2018.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Lieber Flucht statt K\u00e4mpfer in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein solcher \u201eM\u00e4rtyrer\u201c wollte Abu Fazel allerdings nicht werden. Er floh eine Woche vor dem Beginn seiner dreimonatigen Kampfausbildung. Es war ihm lieber, ein Leben auf der Flucht zu verbringen, als in Syrien unschuldige Menschen f\u00fcr einen Diktator zu t\u00f6ten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch kam zu dem Schluss, dass ich nicht als M\u00f6rder weiterleben k\u00f6nnte. Stets dachte ich mir, dass selbst die schlimmsten Al-Qaida- oder IS-Terroristen Kinder haben k\u00f6nnten, die ihren Vater lieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Fazel verlor seinen eigenen Vater bereits sehr fr\u00fch. Er wurde Opfer des B\u00fcrgerkriegs in Afghanistan, der von 1989 bis 2001 tausende Menschen das Leben kostete. Auch der Iran mischte in der Zeit schon mit. Es ist allgemein bekannt, dass die schiitischen Hazara-Milizen, die den B\u00fcrgerkrieg ebenfalls mitanfachten, von der Regierung in Teheran unterst\u00fctzt wurden.<\/p>\n\n\n\n

Als Abu Fazel sich nun entschloss, aus der Gewaltspirale auszusteigen und nicht in Syrien zu k\u00e4mpfen, wuchs die Angst bei seiner Familie. Denn f\u00fcr die iranischen Beh\u00f6rden gilt: Hat man sich einmal gemeldet, gibt es kein zur\u00fcck. Man muss an die Front nach Syrien \u2013 oder wird zur\u00fcck nach Afghanistan abgeschoben, wo ebenfalls Krieg herrscht.<\/p>\n\n\n\n

Der einzige Ausweg f\u00fcr den jungen Afghanen war die Flucht. \u00dcber die T\u00fcrkei, Griechenland und die Balkranroute erreichte er mit gro\u00dfer M\u00fche Deutschland, wo er einen Asylantrag stellte.<\/p>\n\n\n\n

Erster Asylantrag in Deutschland abgelehnt<\/h2>\n\n\n\n

Als Grund nannte er seine Rekrutierung als Kindersoldat seitens des iranischen Regimes. Doch w\u00e4hrend diese Begr\u00fcndung in Abu Fazels Augen v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich war, sahen deutsche Beh\u00f6rden das anders. Sein erster Antrag wurde abgelehnt. Derzeit versucht er es ein zweites Mal. Die Bundesrepublik schiebt afghanische Gefl\u00fcchtete weiterhin ab.<\/p>\n\n\n\n

\"EinAbschiebung von Afghanen im Dezember 2016 mit einem Charterflug von Frankfurt nach Kabul. (dpa \/picture alliance \/ Boris Roessler)<\/p>\n\n\n\n

Die Verantwortlichen weisen in diesem Kontext immer wieder auf vermeintlich \u201esichere Gebiete\u201c im Land, die nicht n\u00e4her benannt werden.<\/p>\n\n\n\n

W\u00e4hrenddessen machen Menschenrechtsorganisationen regelm\u00e4\u00dfig darauf aufmerksam, dass keine Region am Hindukusch sicher ist. Stattdessen wird in manchen Gebieten nur weniger Krieg gef\u00fchrt als in anderen.<\/p>\n\n\n\n

\"SieDemonstranten protestieren in Frankfurt am Main gegen die Abschiebung von Afghanen. Auf einem der Transparente steht \u201eAfghanistan is not safe\u201c. (AFP \/ Daniel Roland)<\/p>\n\n\n\n

Alis Vater und Onkel k\u00e4mpfen in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein \u00e4hnliches Schicksal wie Abu Fazel erlitt der 18-j\u00e4hrige Ali (Namen ge\u00e4ndert). Auch er floh aus dem Iran nach Deutschland, um der Rekrutierung f\u00fcr Assads Milizen zu entgehen. Viele seiner afghanischen Freunde sind bereits nach Syrien gezogen \u2013 und kamen niemals zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Alis Familie, ebenfalls Angeh\u00f6rige der Hazara-Minderheit, stammt urspr\u00fcnglich aus der Provinz Ghor im Nordosten Afghanistans. Ihre Heimat verlie\u00dfen sie w\u00e4hrend der sowjetischen Besatzung in den 1980er-Jahren.<\/p>\n\n\n\n

Seit jeher lebt die Familie in der iranischen Gro\u00dfstadt Maschhad. Als der Krieg in Syrien ausbrach, erreichte sie ein Konflikt, mit dem sie nicht gerechnet hatten. Im Juli 2015 reiste Alis Vater nach Teheran. Er wollte einen Weg finden, um f\u00fcr seine Familie Aufenthaltspapiere zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Beh\u00f6rden sagten ihm, dass die Rekrutierung f\u00fcr den Krieg in Syrien eine M\u00f6glichkeit darstellen k\u00f6nnte, um Papiere f\u00fcr uns alle zu erhalten. Andernfalls w\u00fcrde man uns sehr bald nach Afghanistan abschieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Mittlerweile k\u00e4mpfen Alis Vater und sein Onkel seit \u00fcber einem Jahr in Syrien. Am Aufenthaltsstatus seiner Familienmitglieder hat sich bis heute allerdings nichts ge\u00e4ndert. F\u00fcr Ali ist klar, dass dies nur eine Falle gewesen ist, um noch mehr Afghanen als Kanonenfutter zu missbrauchen.<\/p>\n\n\n\n

Anfangs gab es Papiere f\u00fcr K\u00e4mpfer-Familien<\/h2>\n\n\n\n

Den Kontakt zu seinem Vater hat der Afghane mittlerweile verloren. W\u00e4hrenddessen schickt ihm sein Onkel, der in Aleppo stationiert ist, hin und wieder Bilder \u00fcber den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ali denkt, dass nur sehr wenige Afghanen der Propaganda der iranischen Regierung glauben und in Syrien f\u00fcr eine \u201egute Sache\u201c k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

Source<\/a><\/p>\n","post_title":"Warum Afghanen in Syrien f\u00fcr Assad k\u00e4mpfen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"warum-afghanen-in-syrien-fur-assad-kampfen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3709","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":9},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Eine neue wissenschaftliche Untersuchung behauptet: Wirklich demokratisch war Israel nur f\u00fcr sechs Monate vor \u00fcber 40 Jahren<\/p>\n\n\n\n

Wahlen in Israel (Netanjahu gewinnt - aber wahrscheinlich keine absolute Mehrheit<\/a>) werden immer davon begleitet, dass es in Sozialen Medien turbulent zugeht: Die einen sehen Israel als \"Apartheidstaat\", in dem Wahlen allein deshalb schon bedeutungslos seien, weil Millionen Pal\u00e4stinenser in den besetzten Gebieten davon ausgeschlossen<\/a> werden. Die anderen feiern die Wahlen hingegen als abermaligen Beweis daf\u00fcr, dass es sich bei Israel um die \"einzige Demokratie im Nahen Osten\" handle.<\/p>\n\n\n\n

Wer von beiden Seiten mehr Recht hat, ist seit Jahrzehnten Gegenstand erbitterter Diskussion. W\u00e4hrend es bei Israels Nachbarstaaten wie \u00c4gypten, Saudi Arabien oder Jordanien wenig Zweifel am autorit\u00e4ren Charakter des politischen Systems gibt und formell demokratische Staaten wie Irak, Tunesien oder der Libanon in Demokratie-Ratings weit unten rangieren<\/a>, scheint die Bewertung bei Israel komplizierter.<\/p>\n\n\n\n

Uneinigkeit besteht schon dar\u00fcber, um wessen demokratische Rechte es eigentlich geht: Die von den rund 8,5 Millionen Menschen innerhalb der v\u00f6lkerrechtlich anerkannten Grenzen Israels? Oder auch jene der rund 5 Millionen Pal\u00e4stinenser im Gazastreifen und dem Westjordanland, also den Regionen, die Israel 1967 besetzt hat?<\/p>\n\n\n\n

Ob Israel eine Demokratie ist, h\u00e4ngt auch davon ab, was man unter Demokratie versteht<\/h3>\n\n\n\n

Eine Antwort auf diese Fragen hat Martin Beck<\/a> versucht zu finden. F\u00fcr das Hamburger GIGA Institut<\/em> hat der Professor f\u00fcr Nahost-Studien ein Gutachten zum politischen Systems Israels erstellt<\/a>. In der im Februar ver\u00f6ffentlichten Untersuchung listet er Argumente auf, die f\u00fcr und gegen den demokratischen Charakter des Staates sprechen. Sein Fazit zu der Frage, ob es sich bei Israel um eine Demokratie handelt: eher nicht. Israel habe \"sein fr\u00fcheres Alleinstellungsmerkmal als einzige Demokratie im Nahen und Mittleren Osten verloren\".<\/p>\n\n\n\n

Becks Analyse macht aber zun\u00e4chst ein anderes Problem deutlich: Die Frage, ob es sich bei einem Staat um eine Demokratie handelt, ist auch deshalb nicht einfach zu beantworten, weil es kein einheitliches Verst\u00e4ndnis davon gibt, was eine Demokratie eigentlich ist. In seiner Bewertung des politischen Systems Israel geht er deshalb von unterschiedlichen Definitionen aus.<\/p>\n\n\n\n

So umfasst ein \"weiter Demokratiebegriff\" zum Beispiel die Gleichheit aller Staatsb\u00fcrger. Folgt man diesem Verst\u00e4ndnis spreche die Benachteiligung der arabischen Staatsb\u00fcrger Israels gegen eine Einordnung Israel als Demokratie. Beck schreibt:<\/p>\n\n\n\n

Da die Staatsr\u00e4son Israels auf seinem j\u00fcdischen Charakter fu\u00dft und Gesetze hervorgebracht hat, die in zentralen Bereichen der Ressourcenverteilung wie beispielsweise Landbesitz arabische Israelis systematisch diskriminiert, erscheint Israel als undemokratisch.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Beck verweist allerdings darauf, dass dieses weite Demokratie-Verst\u00e4ndnis zwar unter Kritikern Israels verbreitet, in der wissenschaftlichen Debatte aber eher un\u00fcblich sei. Zudem w\u00fcrden andere als demokratisch geltende Staaten, diese Anforderungen ebenso nicht erf\u00fcllen.<\/p>\n\n\n\n

Demokratie-Pr\u00fcfung scheiterte am Milit\u00e4rrecht f\u00fcr arabische Israelis<\/h3>\n\n\n\n

Beck unterzieht Israels politisches Systems deshalb einer zweiten Pr\u00fcfung. Der amerikanische Politikwissenschaftler Robert Dahl hat acht Bedingungen formuliert, die ein politisches System mindestens erf\u00fcllen muss, um als Demokratie zu gelten.<\/p>\n\n\n\n

Diese sind: Organisationsfreiheit, Meinungsfreiheit, aktives und passives Wahlrecht, das Recht politischer Eliten auf Werbung f\u00fcr Unterst\u00fctzung und um W\u00e4hlerstimmen, der Zugang zu alternativen Informationsquellen, freie und faire Wahlen sowie die institutionelle Bindung von Regierungspolitik an Wahlen und andere Formen der Willensbildung.<\/p>\n\n\n\n

Legt man diese Minimaldefinition von Demokratie zugrunde, besteht Israel die Pr\u00fcfung. \"Mit Blick auf Israel erscheinen all diese Bedingungen nicht nur f\u00fcr seine j\u00fcdischen, sondern auch f\u00fcr seine arabischen Staatsb\u00fcrgerinnen und Staatsb\u00fcrger erf\u00fcllt\", schreibt Beck.<\/p>\n\n\n\n

Allerdings liefert er dazu eine gro\u00dfe zeitliche Einschr\u00e4nkung: So lebten in den ersten Jahren gro\u00dfe Teile der arabischen Bev\u00f6lkerung Israels unter Milit\u00e4rverwaltung und genossen nicht dieselben staatsb\u00fcrgerlichen Rechte wie der Rest der Bev\u00f6lkerung. Aufgehoben wurde das Milit\u00e4rrecht f\u00fcr arabische Israelis erst am 8. November 1966. Um einen demokratischen Staat k\u00f6nne es sich also fr\u00fchestens ab diesem Zeitpunkt handeln.<\/p>\n\n\n\n

Macht die Besatzung Israel zu einem undemokratischen Staat?<\/h3>\n\n\n\n

Nur wenige Monate folgte allerdings ein Ereignis, dass Israels Bewertung als demokratischen Staat abermals in Zweifel zieht. Im Zuge des Sechstagekrieges besetzte Israel im Juni 1967 die \u00e4gyptische Sinai-Halbinsel, den Gazastreifen, das zuvor von Jordanien kontrollierte Westjordanland und Ostjerusalem sowie die syrischen Golanh\u00f6hen.<\/p>\n\n\n\n

Die 1982 an \u00c4gypten zur\u00fcckgegebene Sinai-Halbinsel ausgenommen, dauert Israels Kontrolle \u00fcber jene Gebiete bis heute auf die ein oder andere Weise an. Spielt sie deshalb auch eine Rolle, wenn es um die Bewertung des politischen Systems Israels geht? Beck schreibt, dass \"die Errichtung der Besatzungsregime im Jahr 1967 zweifelsohne ein undemokratischer Akt [war]\", diese aber nicht zwangsl\u00e4ufig etwas am demokratischen Charakter des politischen Systems Israel \u00e4ndern w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n

Sehr wohl anrechnen lassen m\u00fcsse sich Israel aber die Situation auf den syrischen Golanh\u00f6hen und in Ostjerusalem, da diese mittlerweile ins israelische Staatsgebiet annektiert wurden. Beck schreibt:<\/p>\n\n\n\n

Die Annexion eines Territoriums durch einen Staat ohne Referendum, d.h. eine Abstimmung durch die betroffene Bev\u00f6lkerung, widerspricht demokratischen Prinzipien fundamental.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Wichtiger noch sei allerdings, dass viele von der Annexion betroffene Pal\u00e4stinenser bis heute nicht \u00fcber dieselben Rechte verf\u00fcgen wie ihre israelischen Nachbarn. Statt der israelischen Staatsb\u00fcrgerschaft tragen pal\u00e4stinensische Bewohner Ostjerusalems lediglich Identit\u00e4tskarten, die sie als st\u00e4ndige Bewohner der Stadt ausweisen.<\/p>\n\n\n\n

Damit sind sie in Israel zwar steuerpflichtig, haben Zugang zu Sozialleistungen und k\u00f6nnen sich innerhalb Israel frei bewegen, staatsb\u00fcrgerlichen Rechte, wie beispielsweise das aktive und passive Wahlrecht besitzen sie allerdings nicht. Als undemokratisch bewertet Beck deshalb das \"israelische Herrschaftsregime in Jerusalem\".<\/p>\n\n\n\n

Besatzung beenden oder dieselben staatsb\u00fcrgerlichen Rechte f\u00fcr Pal\u00e4stinenser<\/h3>\n\n\n\n

Ob auch die Situation im Westjordanland und Gazastreifen eine Rolle f\u00fcr die Bewertung des politischen Systems Israels spielt, entscheidet sich dem Spezialisten f\u00fcr politische Systeme im Nahen Osten<\/a> zufolge vor allem an einer Frage: Ist die Besetzung der Gebiete ein vor\u00fcbergehendes Ph\u00e4nomen oder auf Dauer angelegt?<\/p>\n\n\n\n

Nur im letzteren Fall m\u00fcsse man das Besatzungsregime als Teil des politischen Systems Israels bewerten, so Beck. F\u00fcr den anhaltenden Charakter spreche allein schon die schiere Dauer der Besatzung: So dauert die israelische Besatzung schon \u00fcber ein halbes Jahrhundert und damit dreimal so lange wie Israel in den Grenzen von 1949 bis 1967 existierte.<\/p>\n\n\n\n

Hinzu kommen weitere Indizien: Das Scheitern des Osloer Verhandlungsprozess in den 1990er Jahren und im ersten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts, der anhaltende Siedlungsprozess sowie die weitgehenden Einigkeit unter den gro\u00dfen politischen Parteien Israels - und dass gro\u00dfe Teile des Westjordanlands dauerhaft unter israelischer Kontrolle verbleiben sollen. Beck kommt zu dem Schluss:<\/p>\n\n\n\n

Alle Indizien verweisen also darauf, dass die israelische Herrschaft \u00fcber das Westjordanland auf Dauer angelegt ist. In einer Demokratie m\u00fcsste daher allen dort Wohnenden der uneingeschr\u00e4nkte Zugang zu den staatsb\u00fcrgerlichen Rechten des politischen Gemeinwesens gew\u00e4hrt werden. Dies ist aber nicht der Fall.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Zweifelsfrei war Israel lediglich f\u00fcr sechs Monate eine Demokratie<\/h3>\n\n\n\n

W\u00e4hrend an der israelischen Besatzung des Westjordanlands kein Zweifel besteht, \u00fcberrascht, dass Beck f\u00fcr den Gazastreifen zu einer \u00e4hnlichen Bewertung kommt. Schlie\u00dflich hat Israel seine Soldaten im Jahr 2007 aus dem K\u00fcstenstreifen abgezogen und j\u00fcdische Siedlungen aufgel\u00f6st.<\/p>\n\n\n\n

Beck argumentiert, dass Israel auch heute seine Kontrolle von Land, Luft und Wasser aufrechterh\u00e4lt und die Besatzungsherrschaft damit fortsetzt, ohne \"den dort lebenden Menschen irgendeine Form demokratischer Mitwirkungsrechte zu gew\u00e4hren\".<\/p>\n\n\n\n

Mit dieser Einsch\u00e4tzung ist Beck nicht allein. Auch die Vereinten Nationen<\/a> und der Internationale Strafgerichtshof<\/a> vertreten die Auffassung, dass die israelische Besatzung \u00fcber den Gazastreifen andauert.<\/p>\n\n\n\n

F\u00fcr die Gesamtbewertung des politischen Systems Israels hat diese Frage allerdings ohnehin keine entscheidende Bedeutung mehr. Denn Becks Fazit f\u00e4llt eindeutig aus: Zweifelsfrei um eine Demokratie gehandelt habe es sich bei Israel lediglich in einem kurzen sechsmonatigen Zeitraum zwischen der Abschaffung des Milit\u00e4rrechts f\u00fcr arabische Israelis im November 1966 und dem Beginn des Sechstagekrieges im Juni 1967.<\/p>\n\n\n\n

Sp\u00e4testens mit Beginn der Besatzungsherrschaft habe Israel seinen Charakter als Demokratie verloren. F\u00fcr heutige Debatten rund um Israel empfiehlt der Nahost-Professor deshalb auf das Demokratieargument besser zu verzichten.

der\u00a0Ursprung<\/a><\/p>\n","post_title":"Die einzige Demokratie im Nahen Osten?","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-einzige-demokratie-im-nahen-osten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3775","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3719,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:39:47","post_date_gmt":"2020-08-13 21:39:47","post_content":"\n

Jenni Zylka und Christoph Safferling im Gespr\u00e4ch mit Anke Schaefer<\/a>- Sie kommen aus Syrien und dem Irak nach Deutschland zur\u00fcck: Frauen, die sich dem sogenannten Islamischen Staat (IS) angeschlossen haben, mit Terroristen zusammenlebten. Soll man sie k\u00fcnftig h\u00e4rter bestrafen? Die Journalistin Jenni Zylka und der Jurist Christoph Safferling sehen das kritisch.<\/p>\n\n\n\n

Frauen, die sich dem IS angeschlossen, aber selbst nicht gek\u00e4mpft haben, sollen laut Generalbundesanwalt Peter Frank als Mitl\u00e4uferinnen h\u00e4rter bestraft werden k\u00f6nnen. Frank meint: \u201eWir sind der Meinung, dass sich  auch bei diesen Frauen die Mitgliedschaft in einer ausl\u00e4ndischen terroristischen Organisation bejahen l\u00e4sst, weil diese Frauen die innere Struktur des sogenannten Islamischen Staates und damit diese Terrororganisation von innen heraus st\u00e4rken.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Aber sind diese Frauen nicht eher Opfer? Weil sie Angst um ihre Kinder hatten, den Umgang mit der Waffe zur Selbstverteidigung gelernt haben? Jenni Zylka meint dazu:  \u00dcber eine Mitschuld solcher Frauen nachzudenken, sei nachvollziehbar und auch legitim. Jedoch m\u00fcsse sehr genau hingeschaut und jede dieser Frauen einzeln betrachtet werden. Man m\u00fcsse unterscheiden, ob Frauen mit IS-Terroristen zusammengelebt und f\u00fcr diese gesorgt h\u00e4tten oder ob sie selbst militant geworden seien. Viele von ihnen seien zudem traumatisiert durch die Erlebnisse in den IS-Lagern.<\/p>\n\n\n\n

\"DieDie Journalistin Jenni Zylka (Deutschlandradio \/ Andreas Buron)<\/p>\n\n\n\n

Nicht wie Schwerverbrecherinnen behandeln<\/h2>\n\n\n\n

Christoph Safferling, Professor f\u00fcr Strafrecht an der Universit\u00e4t Erlangen-N\u00fcrnberg, sagt, er halte die Argumentation des Generalbundesanwalts f\u00fcr problematisch. Es handle sich zun\u00e4chst einmal um allt\u00e4gliche Handlungen wie Kochen und Sorge um die Kinder. \u201eUnd die Frage ist: Wann sind solche neutralen Handlungen tats\u00e4chlich straftatunterst\u00fctzend.\u201c Ein Vorsatz, die terroristischen Strukturen zu unterst\u00fctzen, m\u00fcsse klar nachgewiesen werden.<\/p>\n\n\n\n

Vielmehr stelle sich die Frage, ob die Frauen nicht eher als Opfer betrachtet werden m\u00fcssten. Viele h\u00e4tten sich wie unter Zwang auf die Situation eingelassen \u2013 diese k\u00f6nne man strukturell durchaus mit den Bedingungen von Zwangsprostitution vergleichen. Viele der jungen Frauen seien auch unter Drogen gesetzt worden.<\/p>\n\n\n\n

Zugest\u00e4ndnis an Irak?<\/h2>\n\n\n\n

Eine m\u00f6gliche Erkl\u00e4rung der harten Linie der Generalbundesanwaltschaft \u00fcber die man nur spekulieren k\u00f6nne: \u201eIch kann mir auch vorstellen, dass, wenn es jetzt darum geht, Irak davon zu \u00fcberzeugen, die deutschen Staatsangeh\u00f6rigen, die dort einsitzen, auszuliefern, man ihnen gegen\u00fcber auch zu verstehen geben muss, dass die hier einer Strafverfolgung zugef\u00fchrt werden. Ansonsten w\u00fcrde der Irak sich vielleicht weigern, sie auszuliefern.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Safferling h\u00e4lt eine intensive Betreuung der zur\u00fcckgekehrten Frauen und M\u00e4dchen f\u00fcr unerl\u00e4sslich \u2013 man d\u00fcrfe sie keinesfalls alleine lassen und nicht wie Schwerverbrecherinnen behandeln. Es m\u00fcsse vielmehr verhindert werden, dass die jungen Frauen etwa in die Salafisten-Szene abtauchten.<\/p>\n","post_title":"Sie sind eher Opfer als Schwerverbrecherinnen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"sie-sind-eher-opfer-als-schwerverbrecherinnen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3719","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3709,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:30:50","post_date_gmt":"2020-08-13 21:30:50","post_content":"\n

Drei Millionen Afghanen sind ins Nachbarland Iran geflohen. Viele arbeiten schwarz. Die Aussicht auf einen festen Lohn plus Papiere f\u00fcr die Familie ist verlockend. Die Gegenleistung daf\u00fcr: K\u00e4mpfen in Syrien.<\/p>\n\n\n\n

Wenn Abu Fazel von den Gr\u00e4ueltaten des syrischen B\u00fcrgerkriegs h\u00f6rt, denkt er immer daran, dass er auch beinahe als K\u00e4mpfer auf diesem Schlachtfeld gelandet w\u00e4re. Doch Abu Fazel ist weder Syrer noch wollte er zum sogenannten \u201eIslamischen Staat\u201c. Der 18-J\u00e4hrige ist ein afghanischer Gefl\u00fcchteter, der zur Zeit in Leverkusen lebt.<\/p>\n\n\n\n

Den Gro\u00dfteil seines Lebens verbrachte er im Iran. Seine Familie ist dorthin gefl\u00fcchtet, als er ein Kind war. Doch als die iranische Regierung ihn nach Syrien schicken wollte, um auf der Seite von Machthaber Baschar al-Assad zu k\u00e4mpfen, entschloss er sich zu fliehen.<\/p>\n\n\n\n

\"Fl\u00fcchtlingeGefl\u00fcchtete aus dem Iran und Afghanistan an der Grenze zwischen Mazedonien und Griechenland. (picture alliance \/ dpa \/ Georgi Licovski)<\/p>\n\n\n\n

Tausende afghanische Jugendliche \u2013 die genaue Zahl ist nicht bekannt \u2013 wurden im Iran rekrutiert, um im Krieg in Syrien zu k\u00e4mpfen. Erst vor Kurzem berichtete die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, dass sie die Gr\u00e4ber von acht afghanischen Kindern, die in Syrien get\u00f6tet wurden, identifiziert hat. Laut der Organisation rekrutiert der Iran regelm\u00e4\u00dfig minderj\u00e4hrige K\u00e4mpfer, um sie nach Syrien zu schicken. Unter afghanischen Gefl\u00fcchteten ist diese Praxis schon l\u00e4nger bekannt.<\/p>\n\n\n\n

Rassismus gegen Afghanen im Iran<\/h2>\n\n\n\n

Fast drei Millionen Gefl\u00fcchtete aus Afghanistan sind inzwischen im Iran. Die meisten von ihnen leben in der Illegalit\u00e4t und werden als Schwarzarbeiter, etwa am Bau, ausgebeutet. Rassismus und Ausgrenzung geh\u00f6ren zu ihrem gesellschaftlichen Alltag. Kinder sind davon nicht ausgeschlossen. Im Gegenteil: Vielen afghanischen Kinderm ist es nicht erlaubt, staatliche Schulen zu besuchen. Abu Fazel wurde Zeit seines Lebens von dieser Diskrimierung beeinflusst und verfolgt.<\/p>\n\n\n\n

\u201e'Afghane\u2018 \u2013 das ist dort ein Schimpfwort. Ich h\u00f6rte es von klein auf immer wieder. Der Rassismus gegen Afghanen ist dort v\u00f6llig normal. Meine Herkunft, auf der ich eigentlich stolz war, ist im Iran stets eine Last gewesen. Wir sind dort B\u00fcrger zweiter Klasse.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung der afghanischen Gefl\u00fcchteten ist f\u00fcr Abu Fazel die Spitze jenes Rassismus, den er erlebt hat.<\/p>\n\n\n\n

Iran: Syrien vor sunnitischen Extremisten verteidigen<\/h2>\n\n\n\n

In Syrien k\u00e4mpfen neben den afghanischen Milizen auch andere paramilit\u00e4rische Gruppierungen im Auftrag des Irans: etwa die ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigten Revolutionsgarden, die einst Ayatollah Ruhollah Khomeini pers\u00f6nlich ins Leben rief oder die Basidsch-Milizen. Beiden Gruppierungen sind nicht nur in Syrien aktiv, sondern auch im Irak.<\/p>\n\n\n\n

Obowhl sich das syrische Regime von Baschar al-Assad als s\u00e4kular ausweist, wird es vom Iran, der sich als Repr\u00e4sentant aller muslimischen Schiiten betrachtet, unterst\u00fctzt. Gemeinsames Ziel in Syrien ist es: Schiiten vor sunnitische Extremisten zu verteidigen. Dennoch ist das Regime darauf bedacht, m\u00f6glichst wenig eigene K\u00e4mpfer nach Syrien zu schicken. \u00c4hnlich wie einst w\u00e4hrend des Krieges gegen Saddam Husseins Irak, setzt der Iran auf ausl\u00e4ndische K\u00e4mpfer.<\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung war wie eine Gehirnw\u00e4sche<\/h2>\n\n\n\n

Abu Fazels Familie geh\u00f6rt zur afghanischen Minderheit der schiitischen Hazara \u2013 wie viele Afghanen, die in den Iran gekommen sind. Mittlerweile k\u00e4mpfen Tausende von ihnen in Syrien. Der Iran bezahlt die Afghanen mit einem Sold von wenigen hundert Dollar pro Monat und verspricht ihren Familien eine Aufenthaltsgenehmigung oder eine Arbeitserlaubnis.<\/p>\n\n\n\n

An der Rekrutierung der Afghanen sind sowohl die Revolutionsgarden als auch die erw\u00e4hnten Basidsch-Milizen beteiligt. Abu Fazel beschreibt, wie das Viertel, in dem er gemeinsam mit seiner Familie in Teheran lebte, regelm\u00e4\u00dfig von den K\u00e4mpfern aufgesucht wurde. Viele afghanische Gefl\u00fcchtete lebten dort \u2013 und fielen auf die Gehirnw\u00e4sche der Rattenf\u00e4nger herein.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie trafen junge M\u00e4nner und Jugendliche in den Moscheen und \u00fcberredeten sie, gegen den IS oder Al Qaida zu k\u00e4mpfen. Die Gehirnw\u00e4sche war perfekt. Am Ende merkten viele, darunter auch ich, nicht einmal, dass wir in ihre Propaganda getappt waren. Ihre \u00dcberredungskunst war wirklich sehr speziell. Am Ende hat man Lust, nach Syrien zu gehen, um zu k\u00e4mpfen\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Erfolg hatten die Rekrutierer des Regimes auch bei Abu Fazels Cousin, der zum damaligen Zeitpunkt ebenfalls minderj\u00e4hrig gewesen ist. Er ging nach Syrien und k\u00e4mpfte unter der Flagge der \u201eLiwa Fatemiyoun\u201c, wie die afghanische Division auf Seiten Assads hei\u00dft. Offiziell ist die Aufgabe der Miliz die Verteidigung des Schreines von Zaynab im S\u00fcden von Damaskus. Zaynab war die Enkelin des islamischen Propheten Mohammad. Laut iranischen Staatsmedien k\u00e4mpfen mindestens 20.000 Afghanen in der Division.<\/p>\n\n\n\n

Im August 2014 entschloss sich auch Abu Fazel, nach Syrien zu gehen und zu k\u00e4mpfen. Im selben Monat wurde sein Cousin in der N\u00e4he von Aleppo im Kampf gegen syrische Rebellen get\u00f6tet.<\/p>\n\n\n\n

\u201eMein Cousin wurde dort get\u00f6tet. Auch andere Jungs aus unserer Gegend gingen nach Syrien und fielen dort. Lokale Zeitungen nannten sie \u201aM\u00e4rtyrer\u2018.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Lieber Flucht statt K\u00e4mpfer in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein solcher \u201eM\u00e4rtyrer\u201c wollte Abu Fazel allerdings nicht werden. Er floh eine Woche vor dem Beginn seiner dreimonatigen Kampfausbildung. Es war ihm lieber, ein Leben auf der Flucht zu verbringen, als in Syrien unschuldige Menschen f\u00fcr einen Diktator zu t\u00f6ten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch kam zu dem Schluss, dass ich nicht als M\u00f6rder weiterleben k\u00f6nnte. Stets dachte ich mir, dass selbst die schlimmsten Al-Qaida- oder IS-Terroristen Kinder haben k\u00f6nnten, die ihren Vater lieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Fazel verlor seinen eigenen Vater bereits sehr fr\u00fch. Er wurde Opfer des B\u00fcrgerkriegs in Afghanistan, der von 1989 bis 2001 tausende Menschen das Leben kostete. Auch der Iran mischte in der Zeit schon mit. Es ist allgemein bekannt, dass die schiitischen Hazara-Milizen, die den B\u00fcrgerkrieg ebenfalls mitanfachten, von der Regierung in Teheran unterst\u00fctzt wurden.<\/p>\n\n\n\n

Als Abu Fazel sich nun entschloss, aus der Gewaltspirale auszusteigen und nicht in Syrien zu k\u00e4mpfen, wuchs die Angst bei seiner Familie. Denn f\u00fcr die iranischen Beh\u00f6rden gilt: Hat man sich einmal gemeldet, gibt es kein zur\u00fcck. Man muss an die Front nach Syrien \u2013 oder wird zur\u00fcck nach Afghanistan abgeschoben, wo ebenfalls Krieg herrscht.<\/p>\n\n\n\n

Der einzige Ausweg f\u00fcr den jungen Afghanen war die Flucht. \u00dcber die T\u00fcrkei, Griechenland und die Balkranroute erreichte er mit gro\u00dfer M\u00fche Deutschland, wo er einen Asylantrag stellte.<\/p>\n\n\n\n

Erster Asylantrag in Deutschland abgelehnt<\/h2>\n\n\n\n

Als Grund nannte er seine Rekrutierung als Kindersoldat seitens des iranischen Regimes. Doch w\u00e4hrend diese Begr\u00fcndung in Abu Fazels Augen v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich war, sahen deutsche Beh\u00f6rden das anders. Sein erster Antrag wurde abgelehnt. Derzeit versucht er es ein zweites Mal. Die Bundesrepublik schiebt afghanische Gefl\u00fcchtete weiterhin ab.<\/p>\n\n\n\n

\"EinAbschiebung von Afghanen im Dezember 2016 mit einem Charterflug von Frankfurt nach Kabul. (dpa \/picture alliance \/ Boris Roessler)<\/p>\n\n\n\n

Die Verantwortlichen weisen in diesem Kontext immer wieder auf vermeintlich \u201esichere Gebiete\u201c im Land, die nicht n\u00e4her benannt werden.<\/p>\n\n\n\n

W\u00e4hrenddessen machen Menschenrechtsorganisationen regelm\u00e4\u00dfig darauf aufmerksam, dass keine Region am Hindukusch sicher ist. Stattdessen wird in manchen Gebieten nur weniger Krieg gef\u00fchrt als in anderen.<\/p>\n\n\n\n

\"SieDemonstranten protestieren in Frankfurt am Main gegen die Abschiebung von Afghanen. Auf einem der Transparente steht \u201eAfghanistan is not safe\u201c. (AFP \/ Daniel Roland)<\/p>\n\n\n\n

Alis Vater und Onkel k\u00e4mpfen in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein \u00e4hnliches Schicksal wie Abu Fazel erlitt der 18-j\u00e4hrige Ali (Namen ge\u00e4ndert). Auch er floh aus dem Iran nach Deutschland, um der Rekrutierung f\u00fcr Assads Milizen zu entgehen. Viele seiner afghanischen Freunde sind bereits nach Syrien gezogen \u2013 und kamen niemals zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Alis Familie, ebenfalls Angeh\u00f6rige der Hazara-Minderheit, stammt urspr\u00fcnglich aus der Provinz Ghor im Nordosten Afghanistans. Ihre Heimat verlie\u00dfen sie w\u00e4hrend der sowjetischen Besatzung in den 1980er-Jahren.<\/p>\n\n\n\n

Seit jeher lebt die Familie in der iranischen Gro\u00dfstadt Maschhad. Als der Krieg in Syrien ausbrach, erreichte sie ein Konflikt, mit dem sie nicht gerechnet hatten. Im Juli 2015 reiste Alis Vater nach Teheran. Er wollte einen Weg finden, um f\u00fcr seine Familie Aufenthaltspapiere zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Beh\u00f6rden sagten ihm, dass die Rekrutierung f\u00fcr den Krieg in Syrien eine M\u00f6glichkeit darstellen k\u00f6nnte, um Papiere f\u00fcr uns alle zu erhalten. Andernfalls w\u00fcrde man uns sehr bald nach Afghanistan abschieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Mittlerweile k\u00e4mpfen Alis Vater und sein Onkel seit \u00fcber einem Jahr in Syrien. Am Aufenthaltsstatus seiner Familienmitglieder hat sich bis heute allerdings nichts ge\u00e4ndert. F\u00fcr Ali ist klar, dass dies nur eine Falle gewesen ist, um noch mehr Afghanen als Kanonenfutter zu missbrauchen.<\/p>\n\n\n\n

Anfangs gab es Papiere f\u00fcr K\u00e4mpfer-Familien<\/h2>\n\n\n\n

Den Kontakt zu seinem Vater hat der Afghane mittlerweile verloren. W\u00e4hrenddessen schickt ihm sein Onkel, der in Aleppo stationiert ist, hin und wieder Bilder \u00fcber den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ali denkt, dass nur sehr wenige Afghanen der Propaganda der iranischen Regierung glauben und in Syrien f\u00fcr eine \u201egute Sache\u201c k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

Source<\/a><\/p>\n","post_title":"Warum Afghanen in Syrien f\u00fcr Assad k\u00e4mpfen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"warum-afghanen-in-syrien-fur-assad-kampfen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3709","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":9},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Erwartet wird, dass die Strafanzeige am Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag nun bis zu zwei Jahre lang gepr\u00fcft wird, ehe es zu einer Entscheidung \u00fcber ein m\u00f6gliches Verfahren kommt. Da weder Jemen noch Saudi-Arabien der internationalen Strafgerichtsbarkeit beigetreten sind, kann das Gericht nicht ohne Weiteres gegen Staatsb\u00fcrger dieser L\u00e4nder ermitteln.

Quelle<\/a><\/p>\n","post_title":"Anzeige gegen deutsche Waffenfirmen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"anzeige-gegen-deutsche-waffenfirmen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3778","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3775,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:37:30","post_date_gmt":"2020-08-14 13:37:30","post_content":"\n

Eine neue wissenschaftliche Untersuchung behauptet: Wirklich demokratisch war Israel nur f\u00fcr sechs Monate vor \u00fcber 40 Jahren<\/p>\n\n\n\n

Wahlen in Israel (Netanjahu gewinnt - aber wahrscheinlich keine absolute Mehrheit<\/a>) werden immer davon begleitet, dass es in Sozialen Medien turbulent zugeht: Die einen sehen Israel als \"Apartheidstaat\", in dem Wahlen allein deshalb schon bedeutungslos seien, weil Millionen Pal\u00e4stinenser in den besetzten Gebieten davon ausgeschlossen<\/a> werden. Die anderen feiern die Wahlen hingegen als abermaligen Beweis daf\u00fcr, dass es sich bei Israel um die \"einzige Demokratie im Nahen Osten\" handle.<\/p>\n\n\n\n

Wer von beiden Seiten mehr Recht hat, ist seit Jahrzehnten Gegenstand erbitterter Diskussion. W\u00e4hrend es bei Israels Nachbarstaaten wie \u00c4gypten, Saudi Arabien oder Jordanien wenig Zweifel am autorit\u00e4ren Charakter des politischen Systems gibt und formell demokratische Staaten wie Irak, Tunesien oder der Libanon in Demokratie-Ratings weit unten rangieren<\/a>, scheint die Bewertung bei Israel komplizierter.<\/p>\n\n\n\n

Uneinigkeit besteht schon dar\u00fcber, um wessen demokratische Rechte es eigentlich geht: Die von den rund 8,5 Millionen Menschen innerhalb der v\u00f6lkerrechtlich anerkannten Grenzen Israels? Oder auch jene der rund 5 Millionen Pal\u00e4stinenser im Gazastreifen und dem Westjordanland, also den Regionen, die Israel 1967 besetzt hat?<\/p>\n\n\n\n

Ob Israel eine Demokratie ist, h\u00e4ngt auch davon ab, was man unter Demokratie versteht<\/h3>\n\n\n\n

Eine Antwort auf diese Fragen hat Martin Beck<\/a> versucht zu finden. F\u00fcr das Hamburger GIGA Institut<\/em> hat der Professor f\u00fcr Nahost-Studien ein Gutachten zum politischen Systems Israels erstellt<\/a>. In der im Februar ver\u00f6ffentlichten Untersuchung listet er Argumente auf, die f\u00fcr und gegen den demokratischen Charakter des Staates sprechen. Sein Fazit zu der Frage, ob es sich bei Israel um eine Demokratie handelt: eher nicht. Israel habe \"sein fr\u00fcheres Alleinstellungsmerkmal als einzige Demokratie im Nahen und Mittleren Osten verloren\".<\/p>\n\n\n\n

Becks Analyse macht aber zun\u00e4chst ein anderes Problem deutlich: Die Frage, ob es sich bei einem Staat um eine Demokratie handelt, ist auch deshalb nicht einfach zu beantworten, weil es kein einheitliches Verst\u00e4ndnis davon gibt, was eine Demokratie eigentlich ist. In seiner Bewertung des politischen Systems Israel geht er deshalb von unterschiedlichen Definitionen aus.<\/p>\n\n\n\n

So umfasst ein \"weiter Demokratiebegriff\" zum Beispiel die Gleichheit aller Staatsb\u00fcrger. Folgt man diesem Verst\u00e4ndnis spreche die Benachteiligung der arabischen Staatsb\u00fcrger Israels gegen eine Einordnung Israel als Demokratie. Beck schreibt:<\/p>\n\n\n\n

Da die Staatsr\u00e4son Israels auf seinem j\u00fcdischen Charakter fu\u00dft und Gesetze hervorgebracht hat, die in zentralen Bereichen der Ressourcenverteilung wie beispielsweise Landbesitz arabische Israelis systematisch diskriminiert, erscheint Israel als undemokratisch.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Beck verweist allerdings darauf, dass dieses weite Demokratie-Verst\u00e4ndnis zwar unter Kritikern Israels verbreitet, in der wissenschaftlichen Debatte aber eher un\u00fcblich sei. Zudem w\u00fcrden andere als demokratisch geltende Staaten, diese Anforderungen ebenso nicht erf\u00fcllen.<\/p>\n\n\n\n

Demokratie-Pr\u00fcfung scheiterte am Milit\u00e4rrecht f\u00fcr arabische Israelis<\/h3>\n\n\n\n

Beck unterzieht Israels politisches Systems deshalb einer zweiten Pr\u00fcfung. Der amerikanische Politikwissenschaftler Robert Dahl hat acht Bedingungen formuliert, die ein politisches System mindestens erf\u00fcllen muss, um als Demokratie zu gelten.<\/p>\n\n\n\n

Diese sind: Organisationsfreiheit, Meinungsfreiheit, aktives und passives Wahlrecht, das Recht politischer Eliten auf Werbung f\u00fcr Unterst\u00fctzung und um W\u00e4hlerstimmen, der Zugang zu alternativen Informationsquellen, freie und faire Wahlen sowie die institutionelle Bindung von Regierungspolitik an Wahlen und andere Formen der Willensbildung.<\/p>\n\n\n\n

Legt man diese Minimaldefinition von Demokratie zugrunde, besteht Israel die Pr\u00fcfung. \"Mit Blick auf Israel erscheinen all diese Bedingungen nicht nur f\u00fcr seine j\u00fcdischen, sondern auch f\u00fcr seine arabischen Staatsb\u00fcrgerinnen und Staatsb\u00fcrger erf\u00fcllt\", schreibt Beck.<\/p>\n\n\n\n

Allerdings liefert er dazu eine gro\u00dfe zeitliche Einschr\u00e4nkung: So lebten in den ersten Jahren gro\u00dfe Teile der arabischen Bev\u00f6lkerung Israels unter Milit\u00e4rverwaltung und genossen nicht dieselben staatsb\u00fcrgerlichen Rechte wie der Rest der Bev\u00f6lkerung. Aufgehoben wurde das Milit\u00e4rrecht f\u00fcr arabische Israelis erst am 8. November 1966. Um einen demokratischen Staat k\u00f6nne es sich also fr\u00fchestens ab diesem Zeitpunkt handeln.<\/p>\n\n\n\n

Macht die Besatzung Israel zu einem undemokratischen Staat?<\/h3>\n\n\n\n

Nur wenige Monate folgte allerdings ein Ereignis, dass Israels Bewertung als demokratischen Staat abermals in Zweifel zieht. Im Zuge des Sechstagekrieges besetzte Israel im Juni 1967 die \u00e4gyptische Sinai-Halbinsel, den Gazastreifen, das zuvor von Jordanien kontrollierte Westjordanland und Ostjerusalem sowie die syrischen Golanh\u00f6hen.<\/p>\n\n\n\n

Die 1982 an \u00c4gypten zur\u00fcckgegebene Sinai-Halbinsel ausgenommen, dauert Israels Kontrolle \u00fcber jene Gebiete bis heute auf die ein oder andere Weise an. Spielt sie deshalb auch eine Rolle, wenn es um die Bewertung des politischen Systems Israels geht? Beck schreibt, dass \"die Errichtung der Besatzungsregime im Jahr 1967 zweifelsohne ein undemokratischer Akt [war]\", diese aber nicht zwangsl\u00e4ufig etwas am demokratischen Charakter des politischen Systems Israel \u00e4ndern w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n

Sehr wohl anrechnen lassen m\u00fcsse sich Israel aber die Situation auf den syrischen Golanh\u00f6hen und in Ostjerusalem, da diese mittlerweile ins israelische Staatsgebiet annektiert wurden. Beck schreibt:<\/p>\n\n\n\n

Die Annexion eines Territoriums durch einen Staat ohne Referendum, d.h. eine Abstimmung durch die betroffene Bev\u00f6lkerung, widerspricht demokratischen Prinzipien fundamental.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Wichtiger noch sei allerdings, dass viele von der Annexion betroffene Pal\u00e4stinenser bis heute nicht \u00fcber dieselben Rechte verf\u00fcgen wie ihre israelischen Nachbarn. Statt der israelischen Staatsb\u00fcrgerschaft tragen pal\u00e4stinensische Bewohner Ostjerusalems lediglich Identit\u00e4tskarten, die sie als st\u00e4ndige Bewohner der Stadt ausweisen.<\/p>\n\n\n\n

Damit sind sie in Israel zwar steuerpflichtig, haben Zugang zu Sozialleistungen und k\u00f6nnen sich innerhalb Israel frei bewegen, staatsb\u00fcrgerlichen Rechte, wie beispielsweise das aktive und passive Wahlrecht besitzen sie allerdings nicht. Als undemokratisch bewertet Beck deshalb das \"israelische Herrschaftsregime in Jerusalem\".<\/p>\n\n\n\n

Besatzung beenden oder dieselben staatsb\u00fcrgerlichen Rechte f\u00fcr Pal\u00e4stinenser<\/h3>\n\n\n\n

Ob auch die Situation im Westjordanland und Gazastreifen eine Rolle f\u00fcr die Bewertung des politischen Systems Israels spielt, entscheidet sich dem Spezialisten f\u00fcr politische Systeme im Nahen Osten<\/a> zufolge vor allem an einer Frage: Ist die Besetzung der Gebiete ein vor\u00fcbergehendes Ph\u00e4nomen oder auf Dauer angelegt?<\/p>\n\n\n\n

Nur im letzteren Fall m\u00fcsse man das Besatzungsregime als Teil des politischen Systems Israels bewerten, so Beck. F\u00fcr den anhaltenden Charakter spreche allein schon die schiere Dauer der Besatzung: So dauert die israelische Besatzung schon \u00fcber ein halbes Jahrhundert und damit dreimal so lange wie Israel in den Grenzen von 1949 bis 1967 existierte.<\/p>\n\n\n\n

Hinzu kommen weitere Indizien: Das Scheitern des Osloer Verhandlungsprozess in den 1990er Jahren und im ersten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts, der anhaltende Siedlungsprozess sowie die weitgehenden Einigkeit unter den gro\u00dfen politischen Parteien Israels - und dass gro\u00dfe Teile des Westjordanlands dauerhaft unter israelischer Kontrolle verbleiben sollen. Beck kommt zu dem Schluss:<\/p>\n\n\n\n

Alle Indizien verweisen also darauf, dass die israelische Herrschaft \u00fcber das Westjordanland auf Dauer angelegt ist. In einer Demokratie m\u00fcsste daher allen dort Wohnenden der uneingeschr\u00e4nkte Zugang zu den staatsb\u00fcrgerlichen Rechten des politischen Gemeinwesens gew\u00e4hrt werden. Dies ist aber nicht der Fall.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Zweifelsfrei war Israel lediglich f\u00fcr sechs Monate eine Demokratie<\/h3>\n\n\n\n

W\u00e4hrend an der israelischen Besatzung des Westjordanlands kein Zweifel besteht, \u00fcberrascht, dass Beck f\u00fcr den Gazastreifen zu einer \u00e4hnlichen Bewertung kommt. Schlie\u00dflich hat Israel seine Soldaten im Jahr 2007 aus dem K\u00fcstenstreifen abgezogen und j\u00fcdische Siedlungen aufgel\u00f6st.<\/p>\n\n\n\n

Beck argumentiert, dass Israel auch heute seine Kontrolle von Land, Luft und Wasser aufrechterh\u00e4lt und die Besatzungsherrschaft damit fortsetzt, ohne \"den dort lebenden Menschen irgendeine Form demokratischer Mitwirkungsrechte zu gew\u00e4hren\".<\/p>\n\n\n\n

Mit dieser Einsch\u00e4tzung ist Beck nicht allein. Auch die Vereinten Nationen<\/a> und der Internationale Strafgerichtshof<\/a> vertreten die Auffassung, dass die israelische Besatzung \u00fcber den Gazastreifen andauert.<\/p>\n\n\n\n

F\u00fcr die Gesamtbewertung des politischen Systems Israels hat diese Frage allerdings ohnehin keine entscheidende Bedeutung mehr. Denn Becks Fazit f\u00e4llt eindeutig aus: Zweifelsfrei um eine Demokratie gehandelt habe es sich bei Israel lediglich in einem kurzen sechsmonatigen Zeitraum zwischen der Abschaffung des Milit\u00e4rrechts f\u00fcr arabische Israelis im November 1966 und dem Beginn des Sechstagekrieges im Juni 1967.<\/p>\n\n\n\n

Sp\u00e4testens mit Beginn der Besatzungsherrschaft habe Israel seinen Charakter als Demokratie verloren. F\u00fcr heutige Debatten rund um Israel empfiehlt der Nahost-Professor deshalb auf das Demokratieargument besser zu verzichten.

der\u00a0Ursprung<\/a><\/p>\n","post_title":"Die einzige Demokratie im Nahen Osten?","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-einzige-demokratie-im-nahen-osten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3775","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3719,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:39:47","post_date_gmt":"2020-08-13 21:39:47","post_content":"\n

Jenni Zylka und Christoph Safferling im Gespr\u00e4ch mit Anke Schaefer<\/a>- Sie kommen aus Syrien und dem Irak nach Deutschland zur\u00fcck: Frauen, die sich dem sogenannten Islamischen Staat (IS) angeschlossen haben, mit Terroristen zusammenlebten. Soll man sie k\u00fcnftig h\u00e4rter bestrafen? Die Journalistin Jenni Zylka und der Jurist Christoph Safferling sehen das kritisch.<\/p>\n\n\n\n

Frauen, die sich dem IS angeschlossen, aber selbst nicht gek\u00e4mpft haben, sollen laut Generalbundesanwalt Peter Frank als Mitl\u00e4uferinnen h\u00e4rter bestraft werden k\u00f6nnen. Frank meint: \u201eWir sind der Meinung, dass sich  auch bei diesen Frauen die Mitgliedschaft in einer ausl\u00e4ndischen terroristischen Organisation bejahen l\u00e4sst, weil diese Frauen die innere Struktur des sogenannten Islamischen Staates und damit diese Terrororganisation von innen heraus st\u00e4rken.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Aber sind diese Frauen nicht eher Opfer? Weil sie Angst um ihre Kinder hatten, den Umgang mit der Waffe zur Selbstverteidigung gelernt haben? Jenni Zylka meint dazu:  \u00dcber eine Mitschuld solcher Frauen nachzudenken, sei nachvollziehbar und auch legitim. Jedoch m\u00fcsse sehr genau hingeschaut und jede dieser Frauen einzeln betrachtet werden. Man m\u00fcsse unterscheiden, ob Frauen mit IS-Terroristen zusammengelebt und f\u00fcr diese gesorgt h\u00e4tten oder ob sie selbst militant geworden seien. Viele von ihnen seien zudem traumatisiert durch die Erlebnisse in den IS-Lagern.<\/p>\n\n\n\n

\"DieDie Journalistin Jenni Zylka (Deutschlandradio \/ Andreas Buron)<\/p>\n\n\n\n

Nicht wie Schwerverbrecherinnen behandeln<\/h2>\n\n\n\n

Christoph Safferling, Professor f\u00fcr Strafrecht an der Universit\u00e4t Erlangen-N\u00fcrnberg, sagt, er halte die Argumentation des Generalbundesanwalts f\u00fcr problematisch. Es handle sich zun\u00e4chst einmal um allt\u00e4gliche Handlungen wie Kochen und Sorge um die Kinder. \u201eUnd die Frage ist: Wann sind solche neutralen Handlungen tats\u00e4chlich straftatunterst\u00fctzend.\u201c Ein Vorsatz, die terroristischen Strukturen zu unterst\u00fctzen, m\u00fcsse klar nachgewiesen werden.<\/p>\n\n\n\n

Vielmehr stelle sich die Frage, ob die Frauen nicht eher als Opfer betrachtet werden m\u00fcssten. Viele h\u00e4tten sich wie unter Zwang auf die Situation eingelassen \u2013 diese k\u00f6nne man strukturell durchaus mit den Bedingungen von Zwangsprostitution vergleichen. Viele der jungen Frauen seien auch unter Drogen gesetzt worden.<\/p>\n\n\n\n

Zugest\u00e4ndnis an Irak?<\/h2>\n\n\n\n

Eine m\u00f6gliche Erkl\u00e4rung der harten Linie der Generalbundesanwaltschaft \u00fcber die man nur spekulieren k\u00f6nne: \u201eIch kann mir auch vorstellen, dass, wenn es jetzt darum geht, Irak davon zu \u00fcberzeugen, die deutschen Staatsangeh\u00f6rigen, die dort einsitzen, auszuliefern, man ihnen gegen\u00fcber auch zu verstehen geben muss, dass die hier einer Strafverfolgung zugef\u00fchrt werden. Ansonsten w\u00fcrde der Irak sich vielleicht weigern, sie auszuliefern.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Safferling h\u00e4lt eine intensive Betreuung der zur\u00fcckgekehrten Frauen und M\u00e4dchen f\u00fcr unerl\u00e4sslich \u2013 man d\u00fcrfe sie keinesfalls alleine lassen und nicht wie Schwerverbrecherinnen behandeln. Es m\u00fcsse vielmehr verhindert werden, dass die jungen Frauen etwa in die Salafisten-Szene abtauchten.<\/p>\n","post_title":"Sie sind eher Opfer als Schwerverbrecherinnen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"sie-sind-eher-opfer-als-schwerverbrecherinnen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3719","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3709,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:30:50","post_date_gmt":"2020-08-13 21:30:50","post_content":"\n

Drei Millionen Afghanen sind ins Nachbarland Iran geflohen. Viele arbeiten schwarz. Die Aussicht auf einen festen Lohn plus Papiere f\u00fcr die Familie ist verlockend. Die Gegenleistung daf\u00fcr: K\u00e4mpfen in Syrien.<\/p>\n\n\n\n

Wenn Abu Fazel von den Gr\u00e4ueltaten des syrischen B\u00fcrgerkriegs h\u00f6rt, denkt er immer daran, dass er auch beinahe als K\u00e4mpfer auf diesem Schlachtfeld gelandet w\u00e4re. Doch Abu Fazel ist weder Syrer noch wollte er zum sogenannten \u201eIslamischen Staat\u201c. Der 18-J\u00e4hrige ist ein afghanischer Gefl\u00fcchteter, der zur Zeit in Leverkusen lebt.<\/p>\n\n\n\n

Den Gro\u00dfteil seines Lebens verbrachte er im Iran. Seine Familie ist dorthin gefl\u00fcchtet, als er ein Kind war. Doch als die iranische Regierung ihn nach Syrien schicken wollte, um auf der Seite von Machthaber Baschar al-Assad zu k\u00e4mpfen, entschloss er sich zu fliehen.<\/p>\n\n\n\n

\"Fl\u00fcchtlingeGefl\u00fcchtete aus dem Iran und Afghanistan an der Grenze zwischen Mazedonien und Griechenland. (picture alliance \/ dpa \/ Georgi Licovski)<\/p>\n\n\n\n

Tausende afghanische Jugendliche \u2013 die genaue Zahl ist nicht bekannt \u2013 wurden im Iran rekrutiert, um im Krieg in Syrien zu k\u00e4mpfen. Erst vor Kurzem berichtete die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, dass sie die Gr\u00e4ber von acht afghanischen Kindern, die in Syrien get\u00f6tet wurden, identifiziert hat. Laut der Organisation rekrutiert der Iran regelm\u00e4\u00dfig minderj\u00e4hrige K\u00e4mpfer, um sie nach Syrien zu schicken. Unter afghanischen Gefl\u00fcchteten ist diese Praxis schon l\u00e4nger bekannt.<\/p>\n\n\n\n

Rassismus gegen Afghanen im Iran<\/h2>\n\n\n\n

Fast drei Millionen Gefl\u00fcchtete aus Afghanistan sind inzwischen im Iran. Die meisten von ihnen leben in der Illegalit\u00e4t und werden als Schwarzarbeiter, etwa am Bau, ausgebeutet. Rassismus und Ausgrenzung geh\u00f6ren zu ihrem gesellschaftlichen Alltag. Kinder sind davon nicht ausgeschlossen. Im Gegenteil: Vielen afghanischen Kinderm ist es nicht erlaubt, staatliche Schulen zu besuchen. Abu Fazel wurde Zeit seines Lebens von dieser Diskrimierung beeinflusst und verfolgt.<\/p>\n\n\n\n

\u201e'Afghane\u2018 \u2013 das ist dort ein Schimpfwort. Ich h\u00f6rte es von klein auf immer wieder. Der Rassismus gegen Afghanen ist dort v\u00f6llig normal. Meine Herkunft, auf der ich eigentlich stolz war, ist im Iran stets eine Last gewesen. Wir sind dort B\u00fcrger zweiter Klasse.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung der afghanischen Gefl\u00fcchteten ist f\u00fcr Abu Fazel die Spitze jenes Rassismus, den er erlebt hat.<\/p>\n\n\n\n

Iran: Syrien vor sunnitischen Extremisten verteidigen<\/h2>\n\n\n\n

In Syrien k\u00e4mpfen neben den afghanischen Milizen auch andere paramilit\u00e4rische Gruppierungen im Auftrag des Irans: etwa die ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigten Revolutionsgarden, die einst Ayatollah Ruhollah Khomeini pers\u00f6nlich ins Leben rief oder die Basidsch-Milizen. Beiden Gruppierungen sind nicht nur in Syrien aktiv, sondern auch im Irak.<\/p>\n\n\n\n

Obowhl sich das syrische Regime von Baschar al-Assad als s\u00e4kular ausweist, wird es vom Iran, der sich als Repr\u00e4sentant aller muslimischen Schiiten betrachtet, unterst\u00fctzt. Gemeinsames Ziel in Syrien ist es: Schiiten vor sunnitische Extremisten zu verteidigen. Dennoch ist das Regime darauf bedacht, m\u00f6glichst wenig eigene K\u00e4mpfer nach Syrien zu schicken. \u00c4hnlich wie einst w\u00e4hrend des Krieges gegen Saddam Husseins Irak, setzt der Iran auf ausl\u00e4ndische K\u00e4mpfer.<\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung war wie eine Gehirnw\u00e4sche<\/h2>\n\n\n\n

Abu Fazels Familie geh\u00f6rt zur afghanischen Minderheit der schiitischen Hazara \u2013 wie viele Afghanen, die in den Iran gekommen sind. Mittlerweile k\u00e4mpfen Tausende von ihnen in Syrien. Der Iran bezahlt die Afghanen mit einem Sold von wenigen hundert Dollar pro Monat und verspricht ihren Familien eine Aufenthaltsgenehmigung oder eine Arbeitserlaubnis.<\/p>\n\n\n\n

An der Rekrutierung der Afghanen sind sowohl die Revolutionsgarden als auch die erw\u00e4hnten Basidsch-Milizen beteiligt. Abu Fazel beschreibt, wie das Viertel, in dem er gemeinsam mit seiner Familie in Teheran lebte, regelm\u00e4\u00dfig von den K\u00e4mpfern aufgesucht wurde. Viele afghanische Gefl\u00fcchtete lebten dort \u2013 und fielen auf die Gehirnw\u00e4sche der Rattenf\u00e4nger herein.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie trafen junge M\u00e4nner und Jugendliche in den Moscheen und \u00fcberredeten sie, gegen den IS oder Al Qaida zu k\u00e4mpfen. Die Gehirnw\u00e4sche war perfekt. Am Ende merkten viele, darunter auch ich, nicht einmal, dass wir in ihre Propaganda getappt waren. Ihre \u00dcberredungskunst war wirklich sehr speziell. Am Ende hat man Lust, nach Syrien zu gehen, um zu k\u00e4mpfen\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Erfolg hatten die Rekrutierer des Regimes auch bei Abu Fazels Cousin, der zum damaligen Zeitpunkt ebenfalls minderj\u00e4hrig gewesen ist. Er ging nach Syrien und k\u00e4mpfte unter der Flagge der \u201eLiwa Fatemiyoun\u201c, wie die afghanische Division auf Seiten Assads hei\u00dft. Offiziell ist die Aufgabe der Miliz die Verteidigung des Schreines von Zaynab im S\u00fcden von Damaskus. Zaynab war die Enkelin des islamischen Propheten Mohammad. Laut iranischen Staatsmedien k\u00e4mpfen mindestens 20.000 Afghanen in der Division.<\/p>\n\n\n\n

Im August 2014 entschloss sich auch Abu Fazel, nach Syrien zu gehen und zu k\u00e4mpfen. Im selben Monat wurde sein Cousin in der N\u00e4he von Aleppo im Kampf gegen syrische Rebellen get\u00f6tet.<\/p>\n\n\n\n

\u201eMein Cousin wurde dort get\u00f6tet. Auch andere Jungs aus unserer Gegend gingen nach Syrien und fielen dort. Lokale Zeitungen nannten sie \u201aM\u00e4rtyrer\u2018.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Lieber Flucht statt K\u00e4mpfer in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein solcher \u201eM\u00e4rtyrer\u201c wollte Abu Fazel allerdings nicht werden. Er floh eine Woche vor dem Beginn seiner dreimonatigen Kampfausbildung. Es war ihm lieber, ein Leben auf der Flucht zu verbringen, als in Syrien unschuldige Menschen f\u00fcr einen Diktator zu t\u00f6ten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch kam zu dem Schluss, dass ich nicht als M\u00f6rder weiterleben k\u00f6nnte. Stets dachte ich mir, dass selbst die schlimmsten Al-Qaida- oder IS-Terroristen Kinder haben k\u00f6nnten, die ihren Vater lieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Fazel verlor seinen eigenen Vater bereits sehr fr\u00fch. Er wurde Opfer des B\u00fcrgerkriegs in Afghanistan, der von 1989 bis 2001 tausende Menschen das Leben kostete. Auch der Iran mischte in der Zeit schon mit. Es ist allgemein bekannt, dass die schiitischen Hazara-Milizen, die den B\u00fcrgerkrieg ebenfalls mitanfachten, von der Regierung in Teheran unterst\u00fctzt wurden.<\/p>\n\n\n\n

Als Abu Fazel sich nun entschloss, aus der Gewaltspirale auszusteigen und nicht in Syrien zu k\u00e4mpfen, wuchs die Angst bei seiner Familie. Denn f\u00fcr die iranischen Beh\u00f6rden gilt: Hat man sich einmal gemeldet, gibt es kein zur\u00fcck. Man muss an die Front nach Syrien \u2013 oder wird zur\u00fcck nach Afghanistan abgeschoben, wo ebenfalls Krieg herrscht.<\/p>\n\n\n\n

Der einzige Ausweg f\u00fcr den jungen Afghanen war die Flucht. \u00dcber die T\u00fcrkei, Griechenland und die Balkranroute erreichte er mit gro\u00dfer M\u00fche Deutschland, wo er einen Asylantrag stellte.<\/p>\n\n\n\n

Erster Asylantrag in Deutschland abgelehnt<\/h2>\n\n\n\n

Als Grund nannte er seine Rekrutierung als Kindersoldat seitens des iranischen Regimes. Doch w\u00e4hrend diese Begr\u00fcndung in Abu Fazels Augen v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich war, sahen deutsche Beh\u00f6rden das anders. Sein erster Antrag wurde abgelehnt. Derzeit versucht er es ein zweites Mal. Die Bundesrepublik schiebt afghanische Gefl\u00fcchtete weiterhin ab.<\/p>\n\n\n\n

\"EinAbschiebung von Afghanen im Dezember 2016 mit einem Charterflug von Frankfurt nach Kabul. (dpa \/picture alliance \/ Boris Roessler)<\/p>\n\n\n\n

Die Verantwortlichen weisen in diesem Kontext immer wieder auf vermeintlich \u201esichere Gebiete\u201c im Land, die nicht n\u00e4her benannt werden.<\/p>\n\n\n\n

W\u00e4hrenddessen machen Menschenrechtsorganisationen regelm\u00e4\u00dfig darauf aufmerksam, dass keine Region am Hindukusch sicher ist. Stattdessen wird in manchen Gebieten nur weniger Krieg gef\u00fchrt als in anderen.<\/p>\n\n\n\n

\"SieDemonstranten protestieren in Frankfurt am Main gegen die Abschiebung von Afghanen. Auf einem der Transparente steht \u201eAfghanistan is not safe\u201c. (AFP \/ Daniel Roland)<\/p>\n\n\n\n

Alis Vater und Onkel k\u00e4mpfen in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein \u00e4hnliches Schicksal wie Abu Fazel erlitt der 18-j\u00e4hrige Ali (Namen ge\u00e4ndert). Auch er floh aus dem Iran nach Deutschland, um der Rekrutierung f\u00fcr Assads Milizen zu entgehen. Viele seiner afghanischen Freunde sind bereits nach Syrien gezogen \u2013 und kamen niemals zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Alis Familie, ebenfalls Angeh\u00f6rige der Hazara-Minderheit, stammt urspr\u00fcnglich aus der Provinz Ghor im Nordosten Afghanistans. Ihre Heimat verlie\u00dfen sie w\u00e4hrend der sowjetischen Besatzung in den 1980er-Jahren.<\/p>\n\n\n\n

Seit jeher lebt die Familie in der iranischen Gro\u00dfstadt Maschhad. Als der Krieg in Syrien ausbrach, erreichte sie ein Konflikt, mit dem sie nicht gerechnet hatten. Im Juli 2015 reiste Alis Vater nach Teheran. Er wollte einen Weg finden, um f\u00fcr seine Familie Aufenthaltspapiere zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Beh\u00f6rden sagten ihm, dass die Rekrutierung f\u00fcr den Krieg in Syrien eine M\u00f6glichkeit darstellen k\u00f6nnte, um Papiere f\u00fcr uns alle zu erhalten. Andernfalls w\u00fcrde man uns sehr bald nach Afghanistan abschieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Mittlerweile k\u00e4mpfen Alis Vater und sein Onkel seit \u00fcber einem Jahr in Syrien. Am Aufenthaltsstatus seiner Familienmitglieder hat sich bis heute allerdings nichts ge\u00e4ndert. F\u00fcr Ali ist klar, dass dies nur eine Falle gewesen ist, um noch mehr Afghanen als Kanonenfutter zu missbrauchen.<\/p>\n\n\n\n

Anfangs gab es Papiere f\u00fcr K\u00e4mpfer-Familien<\/h2>\n\n\n\n

Den Kontakt zu seinem Vater hat der Afghane mittlerweile verloren. W\u00e4hrenddessen schickt ihm sein Onkel, der in Aleppo stationiert ist, hin und wieder Bilder \u00fcber den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ali denkt, dass nur sehr wenige Afghanen der Propaganda der iranischen Regierung glauben und in Syrien f\u00fcr eine \u201egute Sache\u201c k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

Source<\/a><\/p>\n","post_title":"Warum Afghanen in Syrien f\u00fcr Assad k\u00e4mpfen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"warum-afghanen-in-syrien-fur-assad-kampfen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3709","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":9},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Jahrelange Pr\u00fcfung wahrscheinlich<\/h2>\n\n\n\n

Erwartet wird, dass die Strafanzeige am Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag nun bis zu zwei Jahre lang gepr\u00fcft wird, ehe es zu einer Entscheidung \u00fcber ein m\u00f6gliches Verfahren kommt. Da weder Jemen noch Saudi-Arabien der internationalen Strafgerichtsbarkeit beigetreten sind, kann das Gericht nicht ohne Weiteres gegen Staatsb\u00fcrger dieser L\u00e4nder ermitteln.

Quelle<\/a><\/p>\n","post_title":"Anzeige gegen deutsche Waffenfirmen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"anzeige-gegen-deutsche-waffenfirmen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3778","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3775,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:37:30","post_date_gmt":"2020-08-14 13:37:30","post_content":"\n

Eine neue wissenschaftliche Untersuchung behauptet: Wirklich demokratisch war Israel nur f\u00fcr sechs Monate vor \u00fcber 40 Jahren<\/p>\n\n\n\n

Wahlen in Israel (Netanjahu gewinnt - aber wahrscheinlich keine absolute Mehrheit<\/a>) werden immer davon begleitet, dass es in Sozialen Medien turbulent zugeht: Die einen sehen Israel als \"Apartheidstaat\", in dem Wahlen allein deshalb schon bedeutungslos seien, weil Millionen Pal\u00e4stinenser in den besetzten Gebieten davon ausgeschlossen<\/a> werden. Die anderen feiern die Wahlen hingegen als abermaligen Beweis daf\u00fcr, dass es sich bei Israel um die \"einzige Demokratie im Nahen Osten\" handle.<\/p>\n\n\n\n

Wer von beiden Seiten mehr Recht hat, ist seit Jahrzehnten Gegenstand erbitterter Diskussion. W\u00e4hrend es bei Israels Nachbarstaaten wie \u00c4gypten, Saudi Arabien oder Jordanien wenig Zweifel am autorit\u00e4ren Charakter des politischen Systems gibt und formell demokratische Staaten wie Irak, Tunesien oder der Libanon in Demokratie-Ratings weit unten rangieren<\/a>, scheint die Bewertung bei Israel komplizierter.<\/p>\n\n\n\n

Uneinigkeit besteht schon dar\u00fcber, um wessen demokratische Rechte es eigentlich geht: Die von den rund 8,5 Millionen Menschen innerhalb der v\u00f6lkerrechtlich anerkannten Grenzen Israels? Oder auch jene der rund 5 Millionen Pal\u00e4stinenser im Gazastreifen und dem Westjordanland, also den Regionen, die Israel 1967 besetzt hat?<\/p>\n\n\n\n

Ob Israel eine Demokratie ist, h\u00e4ngt auch davon ab, was man unter Demokratie versteht<\/h3>\n\n\n\n

Eine Antwort auf diese Fragen hat Martin Beck<\/a> versucht zu finden. F\u00fcr das Hamburger GIGA Institut<\/em> hat der Professor f\u00fcr Nahost-Studien ein Gutachten zum politischen Systems Israels erstellt<\/a>. In der im Februar ver\u00f6ffentlichten Untersuchung listet er Argumente auf, die f\u00fcr und gegen den demokratischen Charakter des Staates sprechen. Sein Fazit zu der Frage, ob es sich bei Israel um eine Demokratie handelt: eher nicht. Israel habe \"sein fr\u00fcheres Alleinstellungsmerkmal als einzige Demokratie im Nahen und Mittleren Osten verloren\".<\/p>\n\n\n\n

Becks Analyse macht aber zun\u00e4chst ein anderes Problem deutlich: Die Frage, ob es sich bei einem Staat um eine Demokratie handelt, ist auch deshalb nicht einfach zu beantworten, weil es kein einheitliches Verst\u00e4ndnis davon gibt, was eine Demokratie eigentlich ist. In seiner Bewertung des politischen Systems Israel geht er deshalb von unterschiedlichen Definitionen aus.<\/p>\n\n\n\n

So umfasst ein \"weiter Demokratiebegriff\" zum Beispiel die Gleichheit aller Staatsb\u00fcrger. Folgt man diesem Verst\u00e4ndnis spreche die Benachteiligung der arabischen Staatsb\u00fcrger Israels gegen eine Einordnung Israel als Demokratie. Beck schreibt:<\/p>\n\n\n\n

Da die Staatsr\u00e4son Israels auf seinem j\u00fcdischen Charakter fu\u00dft und Gesetze hervorgebracht hat, die in zentralen Bereichen der Ressourcenverteilung wie beispielsweise Landbesitz arabische Israelis systematisch diskriminiert, erscheint Israel als undemokratisch.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Beck verweist allerdings darauf, dass dieses weite Demokratie-Verst\u00e4ndnis zwar unter Kritikern Israels verbreitet, in der wissenschaftlichen Debatte aber eher un\u00fcblich sei. Zudem w\u00fcrden andere als demokratisch geltende Staaten, diese Anforderungen ebenso nicht erf\u00fcllen.<\/p>\n\n\n\n

Demokratie-Pr\u00fcfung scheiterte am Milit\u00e4rrecht f\u00fcr arabische Israelis<\/h3>\n\n\n\n

Beck unterzieht Israels politisches Systems deshalb einer zweiten Pr\u00fcfung. Der amerikanische Politikwissenschaftler Robert Dahl hat acht Bedingungen formuliert, die ein politisches System mindestens erf\u00fcllen muss, um als Demokratie zu gelten.<\/p>\n\n\n\n

Diese sind: Organisationsfreiheit, Meinungsfreiheit, aktives und passives Wahlrecht, das Recht politischer Eliten auf Werbung f\u00fcr Unterst\u00fctzung und um W\u00e4hlerstimmen, der Zugang zu alternativen Informationsquellen, freie und faire Wahlen sowie die institutionelle Bindung von Regierungspolitik an Wahlen und andere Formen der Willensbildung.<\/p>\n\n\n\n

Legt man diese Minimaldefinition von Demokratie zugrunde, besteht Israel die Pr\u00fcfung. \"Mit Blick auf Israel erscheinen all diese Bedingungen nicht nur f\u00fcr seine j\u00fcdischen, sondern auch f\u00fcr seine arabischen Staatsb\u00fcrgerinnen und Staatsb\u00fcrger erf\u00fcllt\", schreibt Beck.<\/p>\n\n\n\n

Allerdings liefert er dazu eine gro\u00dfe zeitliche Einschr\u00e4nkung: So lebten in den ersten Jahren gro\u00dfe Teile der arabischen Bev\u00f6lkerung Israels unter Milit\u00e4rverwaltung und genossen nicht dieselben staatsb\u00fcrgerlichen Rechte wie der Rest der Bev\u00f6lkerung. Aufgehoben wurde das Milit\u00e4rrecht f\u00fcr arabische Israelis erst am 8. November 1966. Um einen demokratischen Staat k\u00f6nne es sich also fr\u00fchestens ab diesem Zeitpunkt handeln.<\/p>\n\n\n\n

Macht die Besatzung Israel zu einem undemokratischen Staat?<\/h3>\n\n\n\n

Nur wenige Monate folgte allerdings ein Ereignis, dass Israels Bewertung als demokratischen Staat abermals in Zweifel zieht. Im Zuge des Sechstagekrieges besetzte Israel im Juni 1967 die \u00e4gyptische Sinai-Halbinsel, den Gazastreifen, das zuvor von Jordanien kontrollierte Westjordanland und Ostjerusalem sowie die syrischen Golanh\u00f6hen.<\/p>\n\n\n\n

Die 1982 an \u00c4gypten zur\u00fcckgegebene Sinai-Halbinsel ausgenommen, dauert Israels Kontrolle \u00fcber jene Gebiete bis heute auf die ein oder andere Weise an. Spielt sie deshalb auch eine Rolle, wenn es um die Bewertung des politischen Systems Israels geht? Beck schreibt, dass \"die Errichtung der Besatzungsregime im Jahr 1967 zweifelsohne ein undemokratischer Akt [war]\", diese aber nicht zwangsl\u00e4ufig etwas am demokratischen Charakter des politischen Systems Israel \u00e4ndern w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n

Sehr wohl anrechnen lassen m\u00fcsse sich Israel aber die Situation auf den syrischen Golanh\u00f6hen und in Ostjerusalem, da diese mittlerweile ins israelische Staatsgebiet annektiert wurden. Beck schreibt:<\/p>\n\n\n\n

Die Annexion eines Territoriums durch einen Staat ohne Referendum, d.h. eine Abstimmung durch die betroffene Bev\u00f6lkerung, widerspricht demokratischen Prinzipien fundamental.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Wichtiger noch sei allerdings, dass viele von der Annexion betroffene Pal\u00e4stinenser bis heute nicht \u00fcber dieselben Rechte verf\u00fcgen wie ihre israelischen Nachbarn. Statt der israelischen Staatsb\u00fcrgerschaft tragen pal\u00e4stinensische Bewohner Ostjerusalems lediglich Identit\u00e4tskarten, die sie als st\u00e4ndige Bewohner der Stadt ausweisen.<\/p>\n\n\n\n

Damit sind sie in Israel zwar steuerpflichtig, haben Zugang zu Sozialleistungen und k\u00f6nnen sich innerhalb Israel frei bewegen, staatsb\u00fcrgerlichen Rechte, wie beispielsweise das aktive und passive Wahlrecht besitzen sie allerdings nicht. Als undemokratisch bewertet Beck deshalb das \"israelische Herrschaftsregime in Jerusalem\".<\/p>\n\n\n\n

Besatzung beenden oder dieselben staatsb\u00fcrgerlichen Rechte f\u00fcr Pal\u00e4stinenser<\/h3>\n\n\n\n

Ob auch die Situation im Westjordanland und Gazastreifen eine Rolle f\u00fcr die Bewertung des politischen Systems Israels spielt, entscheidet sich dem Spezialisten f\u00fcr politische Systeme im Nahen Osten<\/a> zufolge vor allem an einer Frage: Ist die Besetzung der Gebiete ein vor\u00fcbergehendes Ph\u00e4nomen oder auf Dauer angelegt?<\/p>\n\n\n\n

Nur im letzteren Fall m\u00fcsse man das Besatzungsregime als Teil des politischen Systems Israels bewerten, so Beck. F\u00fcr den anhaltenden Charakter spreche allein schon die schiere Dauer der Besatzung: So dauert die israelische Besatzung schon \u00fcber ein halbes Jahrhundert und damit dreimal so lange wie Israel in den Grenzen von 1949 bis 1967 existierte.<\/p>\n\n\n\n

Hinzu kommen weitere Indizien: Das Scheitern des Osloer Verhandlungsprozess in den 1990er Jahren und im ersten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts, der anhaltende Siedlungsprozess sowie die weitgehenden Einigkeit unter den gro\u00dfen politischen Parteien Israels - und dass gro\u00dfe Teile des Westjordanlands dauerhaft unter israelischer Kontrolle verbleiben sollen. Beck kommt zu dem Schluss:<\/p>\n\n\n\n

Alle Indizien verweisen also darauf, dass die israelische Herrschaft \u00fcber das Westjordanland auf Dauer angelegt ist. In einer Demokratie m\u00fcsste daher allen dort Wohnenden der uneingeschr\u00e4nkte Zugang zu den staatsb\u00fcrgerlichen Rechten des politischen Gemeinwesens gew\u00e4hrt werden. Dies ist aber nicht der Fall.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Zweifelsfrei war Israel lediglich f\u00fcr sechs Monate eine Demokratie<\/h3>\n\n\n\n

W\u00e4hrend an der israelischen Besatzung des Westjordanlands kein Zweifel besteht, \u00fcberrascht, dass Beck f\u00fcr den Gazastreifen zu einer \u00e4hnlichen Bewertung kommt. Schlie\u00dflich hat Israel seine Soldaten im Jahr 2007 aus dem K\u00fcstenstreifen abgezogen und j\u00fcdische Siedlungen aufgel\u00f6st.<\/p>\n\n\n\n

Beck argumentiert, dass Israel auch heute seine Kontrolle von Land, Luft und Wasser aufrechterh\u00e4lt und die Besatzungsherrschaft damit fortsetzt, ohne \"den dort lebenden Menschen irgendeine Form demokratischer Mitwirkungsrechte zu gew\u00e4hren\".<\/p>\n\n\n\n

Mit dieser Einsch\u00e4tzung ist Beck nicht allein. Auch die Vereinten Nationen<\/a> und der Internationale Strafgerichtshof<\/a> vertreten die Auffassung, dass die israelische Besatzung \u00fcber den Gazastreifen andauert.<\/p>\n\n\n\n

F\u00fcr die Gesamtbewertung des politischen Systems Israels hat diese Frage allerdings ohnehin keine entscheidende Bedeutung mehr. Denn Becks Fazit f\u00e4llt eindeutig aus: Zweifelsfrei um eine Demokratie gehandelt habe es sich bei Israel lediglich in einem kurzen sechsmonatigen Zeitraum zwischen der Abschaffung des Milit\u00e4rrechts f\u00fcr arabische Israelis im November 1966 und dem Beginn des Sechstagekrieges im Juni 1967.<\/p>\n\n\n\n

Sp\u00e4testens mit Beginn der Besatzungsherrschaft habe Israel seinen Charakter als Demokratie verloren. F\u00fcr heutige Debatten rund um Israel empfiehlt der Nahost-Professor deshalb auf das Demokratieargument besser zu verzichten.

der\u00a0Ursprung<\/a><\/p>\n","post_title":"Die einzige Demokratie im Nahen Osten?","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-einzige-demokratie-im-nahen-osten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3775","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3719,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:39:47","post_date_gmt":"2020-08-13 21:39:47","post_content":"\n

Jenni Zylka und Christoph Safferling im Gespr\u00e4ch mit Anke Schaefer<\/a>- Sie kommen aus Syrien und dem Irak nach Deutschland zur\u00fcck: Frauen, die sich dem sogenannten Islamischen Staat (IS) angeschlossen haben, mit Terroristen zusammenlebten. Soll man sie k\u00fcnftig h\u00e4rter bestrafen? Die Journalistin Jenni Zylka und der Jurist Christoph Safferling sehen das kritisch.<\/p>\n\n\n\n

Frauen, die sich dem IS angeschlossen, aber selbst nicht gek\u00e4mpft haben, sollen laut Generalbundesanwalt Peter Frank als Mitl\u00e4uferinnen h\u00e4rter bestraft werden k\u00f6nnen. Frank meint: \u201eWir sind der Meinung, dass sich  auch bei diesen Frauen die Mitgliedschaft in einer ausl\u00e4ndischen terroristischen Organisation bejahen l\u00e4sst, weil diese Frauen die innere Struktur des sogenannten Islamischen Staates und damit diese Terrororganisation von innen heraus st\u00e4rken.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Aber sind diese Frauen nicht eher Opfer? Weil sie Angst um ihre Kinder hatten, den Umgang mit der Waffe zur Selbstverteidigung gelernt haben? Jenni Zylka meint dazu:  \u00dcber eine Mitschuld solcher Frauen nachzudenken, sei nachvollziehbar und auch legitim. Jedoch m\u00fcsse sehr genau hingeschaut und jede dieser Frauen einzeln betrachtet werden. Man m\u00fcsse unterscheiden, ob Frauen mit IS-Terroristen zusammengelebt und f\u00fcr diese gesorgt h\u00e4tten oder ob sie selbst militant geworden seien. Viele von ihnen seien zudem traumatisiert durch die Erlebnisse in den IS-Lagern.<\/p>\n\n\n\n

\"DieDie Journalistin Jenni Zylka (Deutschlandradio \/ Andreas Buron)<\/p>\n\n\n\n

Nicht wie Schwerverbrecherinnen behandeln<\/h2>\n\n\n\n

Christoph Safferling, Professor f\u00fcr Strafrecht an der Universit\u00e4t Erlangen-N\u00fcrnberg, sagt, er halte die Argumentation des Generalbundesanwalts f\u00fcr problematisch. Es handle sich zun\u00e4chst einmal um allt\u00e4gliche Handlungen wie Kochen und Sorge um die Kinder. \u201eUnd die Frage ist: Wann sind solche neutralen Handlungen tats\u00e4chlich straftatunterst\u00fctzend.\u201c Ein Vorsatz, die terroristischen Strukturen zu unterst\u00fctzen, m\u00fcsse klar nachgewiesen werden.<\/p>\n\n\n\n

Vielmehr stelle sich die Frage, ob die Frauen nicht eher als Opfer betrachtet werden m\u00fcssten. Viele h\u00e4tten sich wie unter Zwang auf die Situation eingelassen \u2013 diese k\u00f6nne man strukturell durchaus mit den Bedingungen von Zwangsprostitution vergleichen. Viele der jungen Frauen seien auch unter Drogen gesetzt worden.<\/p>\n\n\n\n

Zugest\u00e4ndnis an Irak?<\/h2>\n\n\n\n

Eine m\u00f6gliche Erkl\u00e4rung der harten Linie der Generalbundesanwaltschaft \u00fcber die man nur spekulieren k\u00f6nne: \u201eIch kann mir auch vorstellen, dass, wenn es jetzt darum geht, Irak davon zu \u00fcberzeugen, die deutschen Staatsangeh\u00f6rigen, die dort einsitzen, auszuliefern, man ihnen gegen\u00fcber auch zu verstehen geben muss, dass die hier einer Strafverfolgung zugef\u00fchrt werden. Ansonsten w\u00fcrde der Irak sich vielleicht weigern, sie auszuliefern.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Safferling h\u00e4lt eine intensive Betreuung der zur\u00fcckgekehrten Frauen und M\u00e4dchen f\u00fcr unerl\u00e4sslich \u2013 man d\u00fcrfe sie keinesfalls alleine lassen und nicht wie Schwerverbrecherinnen behandeln. Es m\u00fcsse vielmehr verhindert werden, dass die jungen Frauen etwa in die Salafisten-Szene abtauchten.<\/p>\n","post_title":"Sie sind eher Opfer als Schwerverbrecherinnen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"sie-sind-eher-opfer-als-schwerverbrecherinnen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3719","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3709,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:30:50","post_date_gmt":"2020-08-13 21:30:50","post_content":"\n

Drei Millionen Afghanen sind ins Nachbarland Iran geflohen. Viele arbeiten schwarz. Die Aussicht auf einen festen Lohn plus Papiere f\u00fcr die Familie ist verlockend. Die Gegenleistung daf\u00fcr: K\u00e4mpfen in Syrien.<\/p>\n\n\n\n

Wenn Abu Fazel von den Gr\u00e4ueltaten des syrischen B\u00fcrgerkriegs h\u00f6rt, denkt er immer daran, dass er auch beinahe als K\u00e4mpfer auf diesem Schlachtfeld gelandet w\u00e4re. Doch Abu Fazel ist weder Syrer noch wollte er zum sogenannten \u201eIslamischen Staat\u201c. Der 18-J\u00e4hrige ist ein afghanischer Gefl\u00fcchteter, der zur Zeit in Leverkusen lebt.<\/p>\n\n\n\n

Den Gro\u00dfteil seines Lebens verbrachte er im Iran. Seine Familie ist dorthin gefl\u00fcchtet, als er ein Kind war. Doch als die iranische Regierung ihn nach Syrien schicken wollte, um auf der Seite von Machthaber Baschar al-Assad zu k\u00e4mpfen, entschloss er sich zu fliehen.<\/p>\n\n\n\n

\"Fl\u00fcchtlingeGefl\u00fcchtete aus dem Iran und Afghanistan an der Grenze zwischen Mazedonien und Griechenland. (picture alliance \/ dpa \/ Georgi Licovski)<\/p>\n\n\n\n

Tausende afghanische Jugendliche \u2013 die genaue Zahl ist nicht bekannt \u2013 wurden im Iran rekrutiert, um im Krieg in Syrien zu k\u00e4mpfen. Erst vor Kurzem berichtete die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, dass sie die Gr\u00e4ber von acht afghanischen Kindern, die in Syrien get\u00f6tet wurden, identifiziert hat. Laut der Organisation rekrutiert der Iran regelm\u00e4\u00dfig minderj\u00e4hrige K\u00e4mpfer, um sie nach Syrien zu schicken. Unter afghanischen Gefl\u00fcchteten ist diese Praxis schon l\u00e4nger bekannt.<\/p>\n\n\n\n

Rassismus gegen Afghanen im Iran<\/h2>\n\n\n\n

Fast drei Millionen Gefl\u00fcchtete aus Afghanistan sind inzwischen im Iran. Die meisten von ihnen leben in der Illegalit\u00e4t und werden als Schwarzarbeiter, etwa am Bau, ausgebeutet. Rassismus und Ausgrenzung geh\u00f6ren zu ihrem gesellschaftlichen Alltag. Kinder sind davon nicht ausgeschlossen. Im Gegenteil: Vielen afghanischen Kinderm ist es nicht erlaubt, staatliche Schulen zu besuchen. Abu Fazel wurde Zeit seines Lebens von dieser Diskrimierung beeinflusst und verfolgt.<\/p>\n\n\n\n

\u201e'Afghane\u2018 \u2013 das ist dort ein Schimpfwort. Ich h\u00f6rte es von klein auf immer wieder. Der Rassismus gegen Afghanen ist dort v\u00f6llig normal. Meine Herkunft, auf der ich eigentlich stolz war, ist im Iran stets eine Last gewesen. Wir sind dort B\u00fcrger zweiter Klasse.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung der afghanischen Gefl\u00fcchteten ist f\u00fcr Abu Fazel die Spitze jenes Rassismus, den er erlebt hat.<\/p>\n\n\n\n

Iran: Syrien vor sunnitischen Extremisten verteidigen<\/h2>\n\n\n\n

In Syrien k\u00e4mpfen neben den afghanischen Milizen auch andere paramilit\u00e4rische Gruppierungen im Auftrag des Irans: etwa die ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigten Revolutionsgarden, die einst Ayatollah Ruhollah Khomeini pers\u00f6nlich ins Leben rief oder die Basidsch-Milizen. Beiden Gruppierungen sind nicht nur in Syrien aktiv, sondern auch im Irak.<\/p>\n\n\n\n

Obowhl sich das syrische Regime von Baschar al-Assad als s\u00e4kular ausweist, wird es vom Iran, der sich als Repr\u00e4sentant aller muslimischen Schiiten betrachtet, unterst\u00fctzt. Gemeinsames Ziel in Syrien ist es: Schiiten vor sunnitische Extremisten zu verteidigen. Dennoch ist das Regime darauf bedacht, m\u00f6glichst wenig eigene K\u00e4mpfer nach Syrien zu schicken. \u00c4hnlich wie einst w\u00e4hrend des Krieges gegen Saddam Husseins Irak, setzt der Iran auf ausl\u00e4ndische K\u00e4mpfer.<\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung war wie eine Gehirnw\u00e4sche<\/h2>\n\n\n\n

Abu Fazels Familie geh\u00f6rt zur afghanischen Minderheit der schiitischen Hazara \u2013 wie viele Afghanen, die in den Iran gekommen sind. Mittlerweile k\u00e4mpfen Tausende von ihnen in Syrien. Der Iran bezahlt die Afghanen mit einem Sold von wenigen hundert Dollar pro Monat und verspricht ihren Familien eine Aufenthaltsgenehmigung oder eine Arbeitserlaubnis.<\/p>\n\n\n\n

An der Rekrutierung der Afghanen sind sowohl die Revolutionsgarden als auch die erw\u00e4hnten Basidsch-Milizen beteiligt. Abu Fazel beschreibt, wie das Viertel, in dem er gemeinsam mit seiner Familie in Teheran lebte, regelm\u00e4\u00dfig von den K\u00e4mpfern aufgesucht wurde. Viele afghanische Gefl\u00fcchtete lebten dort \u2013 und fielen auf die Gehirnw\u00e4sche der Rattenf\u00e4nger herein.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie trafen junge M\u00e4nner und Jugendliche in den Moscheen und \u00fcberredeten sie, gegen den IS oder Al Qaida zu k\u00e4mpfen. Die Gehirnw\u00e4sche war perfekt. Am Ende merkten viele, darunter auch ich, nicht einmal, dass wir in ihre Propaganda getappt waren. Ihre \u00dcberredungskunst war wirklich sehr speziell. Am Ende hat man Lust, nach Syrien zu gehen, um zu k\u00e4mpfen\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Erfolg hatten die Rekrutierer des Regimes auch bei Abu Fazels Cousin, der zum damaligen Zeitpunkt ebenfalls minderj\u00e4hrig gewesen ist. Er ging nach Syrien und k\u00e4mpfte unter der Flagge der \u201eLiwa Fatemiyoun\u201c, wie die afghanische Division auf Seiten Assads hei\u00dft. Offiziell ist die Aufgabe der Miliz die Verteidigung des Schreines von Zaynab im S\u00fcden von Damaskus. Zaynab war die Enkelin des islamischen Propheten Mohammad. Laut iranischen Staatsmedien k\u00e4mpfen mindestens 20.000 Afghanen in der Division.<\/p>\n\n\n\n

Im August 2014 entschloss sich auch Abu Fazel, nach Syrien zu gehen und zu k\u00e4mpfen. Im selben Monat wurde sein Cousin in der N\u00e4he von Aleppo im Kampf gegen syrische Rebellen get\u00f6tet.<\/p>\n\n\n\n

\u201eMein Cousin wurde dort get\u00f6tet. Auch andere Jungs aus unserer Gegend gingen nach Syrien und fielen dort. Lokale Zeitungen nannten sie \u201aM\u00e4rtyrer\u2018.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Lieber Flucht statt K\u00e4mpfer in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein solcher \u201eM\u00e4rtyrer\u201c wollte Abu Fazel allerdings nicht werden. Er floh eine Woche vor dem Beginn seiner dreimonatigen Kampfausbildung. Es war ihm lieber, ein Leben auf der Flucht zu verbringen, als in Syrien unschuldige Menschen f\u00fcr einen Diktator zu t\u00f6ten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch kam zu dem Schluss, dass ich nicht als M\u00f6rder weiterleben k\u00f6nnte. Stets dachte ich mir, dass selbst die schlimmsten Al-Qaida- oder IS-Terroristen Kinder haben k\u00f6nnten, die ihren Vater lieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Fazel verlor seinen eigenen Vater bereits sehr fr\u00fch. Er wurde Opfer des B\u00fcrgerkriegs in Afghanistan, der von 1989 bis 2001 tausende Menschen das Leben kostete. Auch der Iran mischte in der Zeit schon mit. Es ist allgemein bekannt, dass die schiitischen Hazara-Milizen, die den B\u00fcrgerkrieg ebenfalls mitanfachten, von der Regierung in Teheran unterst\u00fctzt wurden.<\/p>\n\n\n\n

Als Abu Fazel sich nun entschloss, aus der Gewaltspirale auszusteigen und nicht in Syrien zu k\u00e4mpfen, wuchs die Angst bei seiner Familie. Denn f\u00fcr die iranischen Beh\u00f6rden gilt: Hat man sich einmal gemeldet, gibt es kein zur\u00fcck. Man muss an die Front nach Syrien \u2013 oder wird zur\u00fcck nach Afghanistan abgeschoben, wo ebenfalls Krieg herrscht.<\/p>\n\n\n\n

Der einzige Ausweg f\u00fcr den jungen Afghanen war die Flucht. \u00dcber die T\u00fcrkei, Griechenland und die Balkranroute erreichte er mit gro\u00dfer M\u00fche Deutschland, wo er einen Asylantrag stellte.<\/p>\n\n\n\n

Erster Asylantrag in Deutschland abgelehnt<\/h2>\n\n\n\n

Als Grund nannte er seine Rekrutierung als Kindersoldat seitens des iranischen Regimes. Doch w\u00e4hrend diese Begr\u00fcndung in Abu Fazels Augen v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich war, sahen deutsche Beh\u00f6rden das anders. Sein erster Antrag wurde abgelehnt. Derzeit versucht er es ein zweites Mal. Die Bundesrepublik schiebt afghanische Gefl\u00fcchtete weiterhin ab.<\/p>\n\n\n\n

\"EinAbschiebung von Afghanen im Dezember 2016 mit einem Charterflug von Frankfurt nach Kabul. (dpa \/picture alliance \/ Boris Roessler)<\/p>\n\n\n\n

Die Verantwortlichen weisen in diesem Kontext immer wieder auf vermeintlich \u201esichere Gebiete\u201c im Land, die nicht n\u00e4her benannt werden.<\/p>\n\n\n\n

W\u00e4hrenddessen machen Menschenrechtsorganisationen regelm\u00e4\u00dfig darauf aufmerksam, dass keine Region am Hindukusch sicher ist. Stattdessen wird in manchen Gebieten nur weniger Krieg gef\u00fchrt als in anderen.<\/p>\n\n\n\n

\"SieDemonstranten protestieren in Frankfurt am Main gegen die Abschiebung von Afghanen. Auf einem der Transparente steht \u201eAfghanistan is not safe\u201c. (AFP \/ Daniel Roland)<\/p>\n\n\n\n

Alis Vater und Onkel k\u00e4mpfen in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein \u00e4hnliches Schicksal wie Abu Fazel erlitt der 18-j\u00e4hrige Ali (Namen ge\u00e4ndert). Auch er floh aus dem Iran nach Deutschland, um der Rekrutierung f\u00fcr Assads Milizen zu entgehen. Viele seiner afghanischen Freunde sind bereits nach Syrien gezogen \u2013 und kamen niemals zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Alis Familie, ebenfalls Angeh\u00f6rige der Hazara-Minderheit, stammt urspr\u00fcnglich aus der Provinz Ghor im Nordosten Afghanistans. Ihre Heimat verlie\u00dfen sie w\u00e4hrend der sowjetischen Besatzung in den 1980er-Jahren.<\/p>\n\n\n\n

Seit jeher lebt die Familie in der iranischen Gro\u00dfstadt Maschhad. Als der Krieg in Syrien ausbrach, erreichte sie ein Konflikt, mit dem sie nicht gerechnet hatten. Im Juli 2015 reiste Alis Vater nach Teheran. Er wollte einen Weg finden, um f\u00fcr seine Familie Aufenthaltspapiere zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Beh\u00f6rden sagten ihm, dass die Rekrutierung f\u00fcr den Krieg in Syrien eine M\u00f6glichkeit darstellen k\u00f6nnte, um Papiere f\u00fcr uns alle zu erhalten. Andernfalls w\u00fcrde man uns sehr bald nach Afghanistan abschieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Mittlerweile k\u00e4mpfen Alis Vater und sein Onkel seit \u00fcber einem Jahr in Syrien. Am Aufenthaltsstatus seiner Familienmitglieder hat sich bis heute allerdings nichts ge\u00e4ndert. F\u00fcr Ali ist klar, dass dies nur eine Falle gewesen ist, um noch mehr Afghanen als Kanonenfutter zu missbrauchen.<\/p>\n\n\n\n

Anfangs gab es Papiere f\u00fcr K\u00e4mpfer-Familien<\/h2>\n\n\n\n

Den Kontakt zu seinem Vater hat der Afghane mittlerweile verloren. W\u00e4hrenddessen schickt ihm sein Onkel, der in Aleppo stationiert ist, hin und wieder Bilder \u00fcber den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ali denkt, dass nur sehr wenige Afghanen der Propaganda der iranischen Regierung glauben und in Syrien f\u00fcr eine \u201egute Sache\u201c k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

Source<\/a><\/p>\n","post_title":"Warum Afghanen in Syrien f\u00fcr Assad k\u00e4mpfen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"warum-afghanen-in-syrien-fur-assad-kampfen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3709","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":9},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Vorbild sind den Verfassern der Strafanzeige die sogenannten N\u00fcrnberger Nachfolgeprozesse in Westdeutschland, als sich 1948 unter anderem die F\u00fchrungsriege des Industrieunternehmens IG Farben vor US-Milit\u00e4rrichtern f\u00fcr deren logistische Unterst\u00fctzung der nationalsozialistischen Kriegsverbrechen gerichtlich verantworten mussten. Sollte die Strafanzeige in Den Haag zur Befassung angenommen werden, k\u00f6nnten sich etwa auch deutsche R\u00fcstungsmanager vor Gericht erkl\u00e4ren m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Jahrelange Pr\u00fcfung wahrscheinlich<\/h2>\n\n\n\n

Erwartet wird, dass die Strafanzeige am Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag nun bis zu zwei Jahre lang gepr\u00fcft wird, ehe es zu einer Entscheidung \u00fcber ein m\u00f6gliches Verfahren kommt. Da weder Jemen noch Saudi-Arabien der internationalen Strafgerichtsbarkeit beigetreten sind, kann das Gericht nicht ohne Weiteres gegen Staatsb\u00fcrger dieser L\u00e4nder ermitteln.

Quelle<\/a><\/p>\n","post_title":"Anzeige gegen deutsche Waffenfirmen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"anzeige-gegen-deutsche-waffenfirmen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3778","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3775,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:37:30","post_date_gmt":"2020-08-14 13:37:30","post_content":"\n

Eine neue wissenschaftliche Untersuchung behauptet: Wirklich demokratisch war Israel nur f\u00fcr sechs Monate vor \u00fcber 40 Jahren<\/p>\n\n\n\n

Wahlen in Israel (Netanjahu gewinnt - aber wahrscheinlich keine absolute Mehrheit<\/a>) werden immer davon begleitet, dass es in Sozialen Medien turbulent zugeht: Die einen sehen Israel als \"Apartheidstaat\", in dem Wahlen allein deshalb schon bedeutungslos seien, weil Millionen Pal\u00e4stinenser in den besetzten Gebieten davon ausgeschlossen<\/a> werden. Die anderen feiern die Wahlen hingegen als abermaligen Beweis daf\u00fcr, dass es sich bei Israel um die \"einzige Demokratie im Nahen Osten\" handle.<\/p>\n\n\n\n

Wer von beiden Seiten mehr Recht hat, ist seit Jahrzehnten Gegenstand erbitterter Diskussion. W\u00e4hrend es bei Israels Nachbarstaaten wie \u00c4gypten, Saudi Arabien oder Jordanien wenig Zweifel am autorit\u00e4ren Charakter des politischen Systems gibt und formell demokratische Staaten wie Irak, Tunesien oder der Libanon in Demokratie-Ratings weit unten rangieren<\/a>, scheint die Bewertung bei Israel komplizierter.<\/p>\n\n\n\n

Uneinigkeit besteht schon dar\u00fcber, um wessen demokratische Rechte es eigentlich geht: Die von den rund 8,5 Millionen Menschen innerhalb der v\u00f6lkerrechtlich anerkannten Grenzen Israels? Oder auch jene der rund 5 Millionen Pal\u00e4stinenser im Gazastreifen und dem Westjordanland, also den Regionen, die Israel 1967 besetzt hat?<\/p>\n\n\n\n

Ob Israel eine Demokratie ist, h\u00e4ngt auch davon ab, was man unter Demokratie versteht<\/h3>\n\n\n\n

Eine Antwort auf diese Fragen hat Martin Beck<\/a> versucht zu finden. F\u00fcr das Hamburger GIGA Institut<\/em> hat der Professor f\u00fcr Nahost-Studien ein Gutachten zum politischen Systems Israels erstellt<\/a>. In der im Februar ver\u00f6ffentlichten Untersuchung listet er Argumente auf, die f\u00fcr und gegen den demokratischen Charakter des Staates sprechen. Sein Fazit zu der Frage, ob es sich bei Israel um eine Demokratie handelt: eher nicht. Israel habe \"sein fr\u00fcheres Alleinstellungsmerkmal als einzige Demokratie im Nahen und Mittleren Osten verloren\".<\/p>\n\n\n\n

Becks Analyse macht aber zun\u00e4chst ein anderes Problem deutlich: Die Frage, ob es sich bei einem Staat um eine Demokratie handelt, ist auch deshalb nicht einfach zu beantworten, weil es kein einheitliches Verst\u00e4ndnis davon gibt, was eine Demokratie eigentlich ist. In seiner Bewertung des politischen Systems Israel geht er deshalb von unterschiedlichen Definitionen aus.<\/p>\n\n\n\n

So umfasst ein \"weiter Demokratiebegriff\" zum Beispiel die Gleichheit aller Staatsb\u00fcrger. Folgt man diesem Verst\u00e4ndnis spreche die Benachteiligung der arabischen Staatsb\u00fcrger Israels gegen eine Einordnung Israel als Demokratie. Beck schreibt:<\/p>\n\n\n\n

Da die Staatsr\u00e4son Israels auf seinem j\u00fcdischen Charakter fu\u00dft und Gesetze hervorgebracht hat, die in zentralen Bereichen der Ressourcenverteilung wie beispielsweise Landbesitz arabische Israelis systematisch diskriminiert, erscheint Israel als undemokratisch.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Beck verweist allerdings darauf, dass dieses weite Demokratie-Verst\u00e4ndnis zwar unter Kritikern Israels verbreitet, in der wissenschaftlichen Debatte aber eher un\u00fcblich sei. Zudem w\u00fcrden andere als demokratisch geltende Staaten, diese Anforderungen ebenso nicht erf\u00fcllen.<\/p>\n\n\n\n

Demokratie-Pr\u00fcfung scheiterte am Milit\u00e4rrecht f\u00fcr arabische Israelis<\/h3>\n\n\n\n

Beck unterzieht Israels politisches Systems deshalb einer zweiten Pr\u00fcfung. Der amerikanische Politikwissenschaftler Robert Dahl hat acht Bedingungen formuliert, die ein politisches System mindestens erf\u00fcllen muss, um als Demokratie zu gelten.<\/p>\n\n\n\n

Diese sind: Organisationsfreiheit, Meinungsfreiheit, aktives und passives Wahlrecht, das Recht politischer Eliten auf Werbung f\u00fcr Unterst\u00fctzung und um W\u00e4hlerstimmen, der Zugang zu alternativen Informationsquellen, freie und faire Wahlen sowie die institutionelle Bindung von Regierungspolitik an Wahlen und andere Formen der Willensbildung.<\/p>\n\n\n\n

Legt man diese Minimaldefinition von Demokratie zugrunde, besteht Israel die Pr\u00fcfung. \"Mit Blick auf Israel erscheinen all diese Bedingungen nicht nur f\u00fcr seine j\u00fcdischen, sondern auch f\u00fcr seine arabischen Staatsb\u00fcrgerinnen und Staatsb\u00fcrger erf\u00fcllt\", schreibt Beck.<\/p>\n\n\n\n

Allerdings liefert er dazu eine gro\u00dfe zeitliche Einschr\u00e4nkung: So lebten in den ersten Jahren gro\u00dfe Teile der arabischen Bev\u00f6lkerung Israels unter Milit\u00e4rverwaltung und genossen nicht dieselben staatsb\u00fcrgerlichen Rechte wie der Rest der Bev\u00f6lkerung. Aufgehoben wurde das Milit\u00e4rrecht f\u00fcr arabische Israelis erst am 8. November 1966. Um einen demokratischen Staat k\u00f6nne es sich also fr\u00fchestens ab diesem Zeitpunkt handeln.<\/p>\n\n\n\n

Macht die Besatzung Israel zu einem undemokratischen Staat?<\/h3>\n\n\n\n

Nur wenige Monate folgte allerdings ein Ereignis, dass Israels Bewertung als demokratischen Staat abermals in Zweifel zieht. Im Zuge des Sechstagekrieges besetzte Israel im Juni 1967 die \u00e4gyptische Sinai-Halbinsel, den Gazastreifen, das zuvor von Jordanien kontrollierte Westjordanland und Ostjerusalem sowie die syrischen Golanh\u00f6hen.<\/p>\n\n\n\n

Die 1982 an \u00c4gypten zur\u00fcckgegebene Sinai-Halbinsel ausgenommen, dauert Israels Kontrolle \u00fcber jene Gebiete bis heute auf die ein oder andere Weise an. Spielt sie deshalb auch eine Rolle, wenn es um die Bewertung des politischen Systems Israels geht? Beck schreibt, dass \"die Errichtung der Besatzungsregime im Jahr 1967 zweifelsohne ein undemokratischer Akt [war]\", diese aber nicht zwangsl\u00e4ufig etwas am demokratischen Charakter des politischen Systems Israel \u00e4ndern w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n

Sehr wohl anrechnen lassen m\u00fcsse sich Israel aber die Situation auf den syrischen Golanh\u00f6hen und in Ostjerusalem, da diese mittlerweile ins israelische Staatsgebiet annektiert wurden. Beck schreibt:<\/p>\n\n\n\n

Die Annexion eines Territoriums durch einen Staat ohne Referendum, d.h. eine Abstimmung durch die betroffene Bev\u00f6lkerung, widerspricht demokratischen Prinzipien fundamental.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Wichtiger noch sei allerdings, dass viele von der Annexion betroffene Pal\u00e4stinenser bis heute nicht \u00fcber dieselben Rechte verf\u00fcgen wie ihre israelischen Nachbarn. Statt der israelischen Staatsb\u00fcrgerschaft tragen pal\u00e4stinensische Bewohner Ostjerusalems lediglich Identit\u00e4tskarten, die sie als st\u00e4ndige Bewohner der Stadt ausweisen.<\/p>\n\n\n\n

Damit sind sie in Israel zwar steuerpflichtig, haben Zugang zu Sozialleistungen und k\u00f6nnen sich innerhalb Israel frei bewegen, staatsb\u00fcrgerlichen Rechte, wie beispielsweise das aktive und passive Wahlrecht besitzen sie allerdings nicht. Als undemokratisch bewertet Beck deshalb das \"israelische Herrschaftsregime in Jerusalem\".<\/p>\n\n\n\n

Besatzung beenden oder dieselben staatsb\u00fcrgerlichen Rechte f\u00fcr Pal\u00e4stinenser<\/h3>\n\n\n\n

Ob auch die Situation im Westjordanland und Gazastreifen eine Rolle f\u00fcr die Bewertung des politischen Systems Israels spielt, entscheidet sich dem Spezialisten f\u00fcr politische Systeme im Nahen Osten<\/a> zufolge vor allem an einer Frage: Ist die Besetzung der Gebiete ein vor\u00fcbergehendes Ph\u00e4nomen oder auf Dauer angelegt?<\/p>\n\n\n\n

Nur im letzteren Fall m\u00fcsse man das Besatzungsregime als Teil des politischen Systems Israels bewerten, so Beck. F\u00fcr den anhaltenden Charakter spreche allein schon die schiere Dauer der Besatzung: So dauert die israelische Besatzung schon \u00fcber ein halbes Jahrhundert und damit dreimal so lange wie Israel in den Grenzen von 1949 bis 1967 existierte.<\/p>\n\n\n\n

Hinzu kommen weitere Indizien: Das Scheitern des Osloer Verhandlungsprozess in den 1990er Jahren und im ersten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts, der anhaltende Siedlungsprozess sowie die weitgehenden Einigkeit unter den gro\u00dfen politischen Parteien Israels - und dass gro\u00dfe Teile des Westjordanlands dauerhaft unter israelischer Kontrolle verbleiben sollen. Beck kommt zu dem Schluss:<\/p>\n\n\n\n

Alle Indizien verweisen also darauf, dass die israelische Herrschaft \u00fcber das Westjordanland auf Dauer angelegt ist. In einer Demokratie m\u00fcsste daher allen dort Wohnenden der uneingeschr\u00e4nkte Zugang zu den staatsb\u00fcrgerlichen Rechten des politischen Gemeinwesens gew\u00e4hrt werden. Dies ist aber nicht der Fall.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Zweifelsfrei war Israel lediglich f\u00fcr sechs Monate eine Demokratie<\/h3>\n\n\n\n

W\u00e4hrend an der israelischen Besatzung des Westjordanlands kein Zweifel besteht, \u00fcberrascht, dass Beck f\u00fcr den Gazastreifen zu einer \u00e4hnlichen Bewertung kommt. Schlie\u00dflich hat Israel seine Soldaten im Jahr 2007 aus dem K\u00fcstenstreifen abgezogen und j\u00fcdische Siedlungen aufgel\u00f6st.<\/p>\n\n\n\n

Beck argumentiert, dass Israel auch heute seine Kontrolle von Land, Luft und Wasser aufrechterh\u00e4lt und die Besatzungsherrschaft damit fortsetzt, ohne \"den dort lebenden Menschen irgendeine Form demokratischer Mitwirkungsrechte zu gew\u00e4hren\".<\/p>\n\n\n\n

Mit dieser Einsch\u00e4tzung ist Beck nicht allein. Auch die Vereinten Nationen<\/a> und der Internationale Strafgerichtshof<\/a> vertreten die Auffassung, dass die israelische Besatzung \u00fcber den Gazastreifen andauert.<\/p>\n\n\n\n

F\u00fcr die Gesamtbewertung des politischen Systems Israels hat diese Frage allerdings ohnehin keine entscheidende Bedeutung mehr. Denn Becks Fazit f\u00e4llt eindeutig aus: Zweifelsfrei um eine Demokratie gehandelt habe es sich bei Israel lediglich in einem kurzen sechsmonatigen Zeitraum zwischen der Abschaffung des Milit\u00e4rrechts f\u00fcr arabische Israelis im November 1966 und dem Beginn des Sechstagekrieges im Juni 1967.<\/p>\n\n\n\n

Sp\u00e4testens mit Beginn der Besatzungsherrschaft habe Israel seinen Charakter als Demokratie verloren. F\u00fcr heutige Debatten rund um Israel empfiehlt der Nahost-Professor deshalb auf das Demokratieargument besser zu verzichten.

der\u00a0Ursprung<\/a><\/p>\n","post_title":"Die einzige Demokratie im Nahen Osten?","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-einzige-demokratie-im-nahen-osten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3775","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3719,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:39:47","post_date_gmt":"2020-08-13 21:39:47","post_content":"\n

Jenni Zylka und Christoph Safferling im Gespr\u00e4ch mit Anke Schaefer<\/a>- Sie kommen aus Syrien und dem Irak nach Deutschland zur\u00fcck: Frauen, die sich dem sogenannten Islamischen Staat (IS) angeschlossen haben, mit Terroristen zusammenlebten. Soll man sie k\u00fcnftig h\u00e4rter bestrafen? Die Journalistin Jenni Zylka und der Jurist Christoph Safferling sehen das kritisch.<\/p>\n\n\n\n

Frauen, die sich dem IS angeschlossen, aber selbst nicht gek\u00e4mpft haben, sollen laut Generalbundesanwalt Peter Frank als Mitl\u00e4uferinnen h\u00e4rter bestraft werden k\u00f6nnen. Frank meint: \u201eWir sind der Meinung, dass sich  auch bei diesen Frauen die Mitgliedschaft in einer ausl\u00e4ndischen terroristischen Organisation bejahen l\u00e4sst, weil diese Frauen die innere Struktur des sogenannten Islamischen Staates und damit diese Terrororganisation von innen heraus st\u00e4rken.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Aber sind diese Frauen nicht eher Opfer? Weil sie Angst um ihre Kinder hatten, den Umgang mit der Waffe zur Selbstverteidigung gelernt haben? Jenni Zylka meint dazu:  \u00dcber eine Mitschuld solcher Frauen nachzudenken, sei nachvollziehbar und auch legitim. Jedoch m\u00fcsse sehr genau hingeschaut und jede dieser Frauen einzeln betrachtet werden. Man m\u00fcsse unterscheiden, ob Frauen mit IS-Terroristen zusammengelebt und f\u00fcr diese gesorgt h\u00e4tten oder ob sie selbst militant geworden seien. Viele von ihnen seien zudem traumatisiert durch die Erlebnisse in den IS-Lagern.<\/p>\n\n\n\n

\"DieDie Journalistin Jenni Zylka (Deutschlandradio \/ Andreas Buron)<\/p>\n\n\n\n

Nicht wie Schwerverbrecherinnen behandeln<\/h2>\n\n\n\n

Christoph Safferling, Professor f\u00fcr Strafrecht an der Universit\u00e4t Erlangen-N\u00fcrnberg, sagt, er halte die Argumentation des Generalbundesanwalts f\u00fcr problematisch. Es handle sich zun\u00e4chst einmal um allt\u00e4gliche Handlungen wie Kochen und Sorge um die Kinder. \u201eUnd die Frage ist: Wann sind solche neutralen Handlungen tats\u00e4chlich straftatunterst\u00fctzend.\u201c Ein Vorsatz, die terroristischen Strukturen zu unterst\u00fctzen, m\u00fcsse klar nachgewiesen werden.<\/p>\n\n\n\n

Vielmehr stelle sich die Frage, ob die Frauen nicht eher als Opfer betrachtet werden m\u00fcssten. Viele h\u00e4tten sich wie unter Zwang auf die Situation eingelassen \u2013 diese k\u00f6nne man strukturell durchaus mit den Bedingungen von Zwangsprostitution vergleichen. Viele der jungen Frauen seien auch unter Drogen gesetzt worden.<\/p>\n\n\n\n

Zugest\u00e4ndnis an Irak?<\/h2>\n\n\n\n

Eine m\u00f6gliche Erkl\u00e4rung der harten Linie der Generalbundesanwaltschaft \u00fcber die man nur spekulieren k\u00f6nne: \u201eIch kann mir auch vorstellen, dass, wenn es jetzt darum geht, Irak davon zu \u00fcberzeugen, die deutschen Staatsangeh\u00f6rigen, die dort einsitzen, auszuliefern, man ihnen gegen\u00fcber auch zu verstehen geben muss, dass die hier einer Strafverfolgung zugef\u00fchrt werden. Ansonsten w\u00fcrde der Irak sich vielleicht weigern, sie auszuliefern.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Safferling h\u00e4lt eine intensive Betreuung der zur\u00fcckgekehrten Frauen und M\u00e4dchen f\u00fcr unerl\u00e4sslich \u2013 man d\u00fcrfe sie keinesfalls alleine lassen und nicht wie Schwerverbrecherinnen behandeln. Es m\u00fcsse vielmehr verhindert werden, dass die jungen Frauen etwa in die Salafisten-Szene abtauchten.<\/p>\n","post_title":"Sie sind eher Opfer als Schwerverbrecherinnen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"sie-sind-eher-opfer-als-schwerverbrecherinnen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3719","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3709,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:30:50","post_date_gmt":"2020-08-13 21:30:50","post_content":"\n

Drei Millionen Afghanen sind ins Nachbarland Iran geflohen. Viele arbeiten schwarz. Die Aussicht auf einen festen Lohn plus Papiere f\u00fcr die Familie ist verlockend. Die Gegenleistung daf\u00fcr: K\u00e4mpfen in Syrien.<\/p>\n\n\n\n

Wenn Abu Fazel von den Gr\u00e4ueltaten des syrischen B\u00fcrgerkriegs h\u00f6rt, denkt er immer daran, dass er auch beinahe als K\u00e4mpfer auf diesem Schlachtfeld gelandet w\u00e4re. Doch Abu Fazel ist weder Syrer noch wollte er zum sogenannten \u201eIslamischen Staat\u201c. Der 18-J\u00e4hrige ist ein afghanischer Gefl\u00fcchteter, der zur Zeit in Leverkusen lebt.<\/p>\n\n\n\n

Den Gro\u00dfteil seines Lebens verbrachte er im Iran. Seine Familie ist dorthin gefl\u00fcchtet, als er ein Kind war. Doch als die iranische Regierung ihn nach Syrien schicken wollte, um auf der Seite von Machthaber Baschar al-Assad zu k\u00e4mpfen, entschloss er sich zu fliehen.<\/p>\n\n\n\n

\"Fl\u00fcchtlingeGefl\u00fcchtete aus dem Iran und Afghanistan an der Grenze zwischen Mazedonien und Griechenland. (picture alliance \/ dpa \/ Georgi Licovski)<\/p>\n\n\n\n

Tausende afghanische Jugendliche \u2013 die genaue Zahl ist nicht bekannt \u2013 wurden im Iran rekrutiert, um im Krieg in Syrien zu k\u00e4mpfen. Erst vor Kurzem berichtete die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, dass sie die Gr\u00e4ber von acht afghanischen Kindern, die in Syrien get\u00f6tet wurden, identifiziert hat. Laut der Organisation rekrutiert der Iran regelm\u00e4\u00dfig minderj\u00e4hrige K\u00e4mpfer, um sie nach Syrien zu schicken. Unter afghanischen Gefl\u00fcchteten ist diese Praxis schon l\u00e4nger bekannt.<\/p>\n\n\n\n

Rassismus gegen Afghanen im Iran<\/h2>\n\n\n\n

Fast drei Millionen Gefl\u00fcchtete aus Afghanistan sind inzwischen im Iran. Die meisten von ihnen leben in der Illegalit\u00e4t und werden als Schwarzarbeiter, etwa am Bau, ausgebeutet. Rassismus und Ausgrenzung geh\u00f6ren zu ihrem gesellschaftlichen Alltag. Kinder sind davon nicht ausgeschlossen. Im Gegenteil: Vielen afghanischen Kinderm ist es nicht erlaubt, staatliche Schulen zu besuchen. Abu Fazel wurde Zeit seines Lebens von dieser Diskrimierung beeinflusst und verfolgt.<\/p>\n\n\n\n

\u201e'Afghane\u2018 \u2013 das ist dort ein Schimpfwort. Ich h\u00f6rte es von klein auf immer wieder. Der Rassismus gegen Afghanen ist dort v\u00f6llig normal. Meine Herkunft, auf der ich eigentlich stolz war, ist im Iran stets eine Last gewesen. Wir sind dort B\u00fcrger zweiter Klasse.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung der afghanischen Gefl\u00fcchteten ist f\u00fcr Abu Fazel die Spitze jenes Rassismus, den er erlebt hat.<\/p>\n\n\n\n

Iran: Syrien vor sunnitischen Extremisten verteidigen<\/h2>\n\n\n\n

In Syrien k\u00e4mpfen neben den afghanischen Milizen auch andere paramilit\u00e4rische Gruppierungen im Auftrag des Irans: etwa die ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigten Revolutionsgarden, die einst Ayatollah Ruhollah Khomeini pers\u00f6nlich ins Leben rief oder die Basidsch-Milizen. Beiden Gruppierungen sind nicht nur in Syrien aktiv, sondern auch im Irak.<\/p>\n\n\n\n

Obowhl sich das syrische Regime von Baschar al-Assad als s\u00e4kular ausweist, wird es vom Iran, der sich als Repr\u00e4sentant aller muslimischen Schiiten betrachtet, unterst\u00fctzt. Gemeinsames Ziel in Syrien ist es: Schiiten vor sunnitische Extremisten zu verteidigen. Dennoch ist das Regime darauf bedacht, m\u00f6glichst wenig eigene K\u00e4mpfer nach Syrien zu schicken. \u00c4hnlich wie einst w\u00e4hrend des Krieges gegen Saddam Husseins Irak, setzt der Iran auf ausl\u00e4ndische K\u00e4mpfer.<\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung war wie eine Gehirnw\u00e4sche<\/h2>\n\n\n\n

Abu Fazels Familie geh\u00f6rt zur afghanischen Minderheit der schiitischen Hazara \u2013 wie viele Afghanen, die in den Iran gekommen sind. Mittlerweile k\u00e4mpfen Tausende von ihnen in Syrien. Der Iran bezahlt die Afghanen mit einem Sold von wenigen hundert Dollar pro Monat und verspricht ihren Familien eine Aufenthaltsgenehmigung oder eine Arbeitserlaubnis.<\/p>\n\n\n\n

An der Rekrutierung der Afghanen sind sowohl die Revolutionsgarden als auch die erw\u00e4hnten Basidsch-Milizen beteiligt. Abu Fazel beschreibt, wie das Viertel, in dem er gemeinsam mit seiner Familie in Teheran lebte, regelm\u00e4\u00dfig von den K\u00e4mpfern aufgesucht wurde. Viele afghanische Gefl\u00fcchtete lebten dort \u2013 und fielen auf die Gehirnw\u00e4sche der Rattenf\u00e4nger herein.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie trafen junge M\u00e4nner und Jugendliche in den Moscheen und \u00fcberredeten sie, gegen den IS oder Al Qaida zu k\u00e4mpfen. Die Gehirnw\u00e4sche war perfekt. Am Ende merkten viele, darunter auch ich, nicht einmal, dass wir in ihre Propaganda getappt waren. Ihre \u00dcberredungskunst war wirklich sehr speziell. Am Ende hat man Lust, nach Syrien zu gehen, um zu k\u00e4mpfen\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Erfolg hatten die Rekrutierer des Regimes auch bei Abu Fazels Cousin, der zum damaligen Zeitpunkt ebenfalls minderj\u00e4hrig gewesen ist. Er ging nach Syrien und k\u00e4mpfte unter der Flagge der \u201eLiwa Fatemiyoun\u201c, wie die afghanische Division auf Seiten Assads hei\u00dft. Offiziell ist die Aufgabe der Miliz die Verteidigung des Schreines von Zaynab im S\u00fcden von Damaskus. Zaynab war die Enkelin des islamischen Propheten Mohammad. Laut iranischen Staatsmedien k\u00e4mpfen mindestens 20.000 Afghanen in der Division.<\/p>\n\n\n\n

Im August 2014 entschloss sich auch Abu Fazel, nach Syrien zu gehen und zu k\u00e4mpfen. Im selben Monat wurde sein Cousin in der N\u00e4he von Aleppo im Kampf gegen syrische Rebellen get\u00f6tet.<\/p>\n\n\n\n

\u201eMein Cousin wurde dort get\u00f6tet. Auch andere Jungs aus unserer Gegend gingen nach Syrien und fielen dort. Lokale Zeitungen nannten sie \u201aM\u00e4rtyrer\u2018.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Lieber Flucht statt K\u00e4mpfer in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein solcher \u201eM\u00e4rtyrer\u201c wollte Abu Fazel allerdings nicht werden. Er floh eine Woche vor dem Beginn seiner dreimonatigen Kampfausbildung. Es war ihm lieber, ein Leben auf der Flucht zu verbringen, als in Syrien unschuldige Menschen f\u00fcr einen Diktator zu t\u00f6ten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch kam zu dem Schluss, dass ich nicht als M\u00f6rder weiterleben k\u00f6nnte. Stets dachte ich mir, dass selbst die schlimmsten Al-Qaida- oder IS-Terroristen Kinder haben k\u00f6nnten, die ihren Vater lieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Fazel verlor seinen eigenen Vater bereits sehr fr\u00fch. Er wurde Opfer des B\u00fcrgerkriegs in Afghanistan, der von 1989 bis 2001 tausende Menschen das Leben kostete. Auch der Iran mischte in der Zeit schon mit. Es ist allgemein bekannt, dass die schiitischen Hazara-Milizen, die den B\u00fcrgerkrieg ebenfalls mitanfachten, von der Regierung in Teheran unterst\u00fctzt wurden.<\/p>\n\n\n\n

Als Abu Fazel sich nun entschloss, aus der Gewaltspirale auszusteigen und nicht in Syrien zu k\u00e4mpfen, wuchs die Angst bei seiner Familie. Denn f\u00fcr die iranischen Beh\u00f6rden gilt: Hat man sich einmal gemeldet, gibt es kein zur\u00fcck. Man muss an die Front nach Syrien \u2013 oder wird zur\u00fcck nach Afghanistan abgeschoben, wo ebenfalls Krieg herrscht.<\/p>\n\n\n\n

Der einzige Ausweg f\u00fcr den jungen Afghanen war die Flucht. \u00dcber die T\u00fcrkei, Griechenland und die Balkranroute erreichte er mit gro\u00dfer M\u00fche Deutschland, wo er einen Asylantrag stellte.<\/p>\n\n\n\n

Erster Asylantrag in Deutschland abgelehnt<\/h2>\n\n\n\n

Als Grund nannte er seine Rekrutierung als Kindersoldat seitens des iranischen Regimes. Doch w\u00e4hrend diese Begr\u00fcndung in Abu Fazels Augen v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich war, sahen deutsche Beh\u00f6rden das anders. Sein erster Antrag wurde abgelehnt. Derzeit versucht er es ein zweites Mal. Die Bundesrepublik schiebt afghanische Gefl\u00fcchtete weiterhin ab.<\/p>\n\n\n\n

\"EinAbschiebung von Afghanen im Dezember 2016 mit einem Charterflug von Frankfurt nach Kabul. (dpa \/picture alliance \/ Boris Roessler)<\/p>\n\n\n\n

Die Verantwortlichen weisen in diesem Kontext immer wieder auf vermeintlich \u201esichere Gebiete\u201c im Land, die nicht n\u00e4her benannt werden.<\/p>\n\n\n\n

W\u00e4hrenddessen machen Menschenrechtsorganisationen regelm\u00e4\u00dfig darauf aufmerksam, dass keine Region am Hindukusch sicher ist. Stattdessen wird in manchen Gebieten nur weniger Krieg gef\u00fchrt als in anderen.<\/p>\n\n\n\n

\"SieDemonstranten protestieren in Frankfurt am Main gegen die Abschiebung von Afghanen. Auf einem der Transparente steht \u201eAfghanistan is not safe\u201c. (AFP \/ Daniel Roland)<\/p>\n\n\n\n

Alis Vater und Onkel k\u00e4mpfen in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein \u00e4hnliches Schicksal wie Abu Fazel erlitt der 18-j\u00e4hrige Ali (Namen ge\u00e4ndert). Auch er floh aus dem Iran nach Deutschland, um der Rekrutierung f\u00fcr Assads Milizen zu entgehen. Viele seiner afghanischen Freunde sind bereits nach Syrien gezogen \u2013 und kamen niemals zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Alis Familie, ebenfalls Angeh\u00f6rige der Hazara-Minderheit, stammt urspr\u00fcnglich aus der Provinz Ghor im Nordosten Afghanistans. Ihre Heimat verlie\u00dfen sie w\u00e4hrend der sowjetischen Besatzung in den 1980er-Jahren.<\/p>\n\n\n\n

Seit jeher lebt die Familie in der iranischen Gro\u00dfstadt Maschhad. Als der Krieg in Syrien ausbrach, erreichte sie ein Konflikt, mit dem sie nicht gerechnet hatten. Im Juli 2015 reiste Alis Vater nach Teheran. Er wollte einen Weg finden, um f\u00fcr seine Familie Aufenthaltspapiere zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Beh\u00f6rden sagten ihm, dass die Rekrutierung f\u00fcr den Krieg in Syrien eine M\u00f6glichkeit darstellen k\u00f6nnte, um Papiere f\u00fcr uns alle zu erhalten. Andernfalls w\u00fcrde man uns sehr bald nach Afghanistan abschieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Mittlerweile k\u00e4mpfen Alis Vater und sein Onkel seit \u00fcber einem Jahr in Syrien. Am Aufenthaltsstatus seiner Familienmitglieder hat sich bis heute allerdings nichts ge\u00e4ndert. F\u00fcr Ali ist klar, dass dies nur eine Falle gewesen ist, um noch mehr Afghanen als Kanonenfutter zu missbrauchen.<\/p>\n\n\n\n

Anfangs gab es Papiere f\u00fcr K\u00e4mpfer-Familien<\/h2>\n\n\n\n

Den Kontakt zu seinem Vater hat der Afghane mittlerweile verloren. W\u00e4hrenddessen schickt ihm sein Onkel, der in Aleppo stationiert ist, hin und wieder Bilder \u00fcber den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ali denkt, dass nur sehr wenige Afghanen der Propaganda der iranischen Regierung glauben und in Syrien f\u00fcr eine \u201egute Sache\u201c k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

Source<\/a><\/p>\n","post_title":"Warum Afghanen in Syrien f\u00fcr Assad k\u00e4mpfen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"warum-afghanen-in-syrien-fur-assad-kampfen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3709","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":9},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

\n

\"Wir wollen vor dem Internationalen Strafgerichtshof einen juristischen Pr\u00e4zedenzfall schaffen, der zeigt, dass auch wirtschaftliche Profiteure eines Krieges mit Konsequenzen zu rechnen haben\", sagt die Rechtsanw\u00e4ltin Linde Bryk vom ECCHR.<\/p>\n\n\n\n

Vorbild sind den Verfassern der Strafanzeige die sogenannten N\u00fcrnberger Nachfolgeprozesse in Westdeutschland, als sich 1948 unter anderem die F\u00fchrungsriege des Industrieunternehmens IG Farben vor US-Milit\u00e4rrichtern f\u00fcr deren logistische Unterst\u00fctzung der nationalsozialistischen Kriegsverbrechen gerichtlich verantworten mussten. Sollte die Strafanzeige in Den Haag zur Befassung angenommen werden, k\u00f6nnten sich etwa auch deutsche R\u00fcstungsmanager vor Gericht erkl\u00e4ren m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Jahrelange Pr\u00fcfung wahrscheinlich<\/h2>\n\n\n\n

Erwartet wird, dass die Strafanzeige am Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag nun bis zu zwei Jahre lang gepr\u00fcft wird, ehe es zu einer Entscheidung \u00fcber ein m\u00f6gliches Verfahren kommt. Da weder Jemen noch Saudi-Arabien der internationalen Strafgerichtsbarkeit beigetreten sind, kann das Gericht nicht ohne Weiteres gegen Staatsb\u00fcrger dieser L\u00e4nder ermitteln.

Quelle<\/a><\/p>\n","post_title":"Anzeige gegen deutsche Waffenfirmen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"anzeige-gegen-deutsche-waffenfirmen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3778","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3775,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:37:30","post_date_gmt":"2020-08-14 13:37:30","post_content":"\n

Eine neue wissenschaftliche Untersuchung behauptet: Wirklich demokratisch war Israel nur f\u00fcr sechs Monate vor \u00fcber 40 Jahren<\/p>\n\n\n\n

Wahlen in Israel (Netanjahu gewinnt - aber wahrscheinlich keine absolute Mehrheit<\/a>) werden immer davon begleitet, dass es in Sozialen Medien turbulent zugeht: Die einen sehen Israel als \"Apartheidstaat\", in dem Wahlen allein deshalb schon bedeutungslos seien, weil Millionen Pal\u00e4stinenser in den besetzten Gebieten davon ausgeschlossen<\/a> werden. Die anderen feiern die Wahlen hingegen als abermaligen Beweis daf\u00fcr, dass es sich bei Israel um die \"einzige Demokratie im Nahen Osten\" handle.<\/p>\n\n\n\n

Wer von beiden Seiten mehr Recht hat, ist seit Jahrzehnten Gegenstand erbitterter Diskussion. W\u00e4hrend es bei Israels Nachbarstaaten wie \u00c4gypten, Saudi Arabien oder Jordanien wenig Zweifel am autorit\u00e4ren Charakter des politischen Systems gibt und formell demokratische Staaten wie Irak, Tunesien oder der Libanon in Demokratie-Ratings weit unten rangieren<\/a>, scheint die Bewertung bei Israel komplizierter.<\/p>\n\n\n\n

Uneinigkeit besteht schon dar\u00fcber, um wessen demokratische Rechte es eigentlich geht: Die von den rund 8,5 Millionen Menschen innerhalb der v\u00f6lkerrechtlich anerkannten Grenzen Israels? Oder auch jene der rund 5 Millionen Pal\u00e4stinenser im Gazastreifen und dem Westjordanland, also den Regionen, die Israel 1967 besetzt hat?<\/p>\n\n\n\n

Ob Israel eine Demokratie ist, h\u00e4ngt auch davon ab, was man unter Demokratie versteht<\/h3>\n\n\n\n

Eine Antwort auf diese Fragen hat Martin Beck<\/a> versucht zu finden. F\u00fcr das Hamburger GIGA Institut<\/em> hat der Professor f\u00fcr Nahost-Studien ein Gutachten zum politischen Systems Israels erstellt<\/a>. In der im Februar ver\u00f6ffentlichten Untersuchung listet er Argumente auf, die f\u00fcr und gegen den demokratischen Charakter des Staates sprechen. Sein Fazit zu der Frage, ob es sich bei Israel um eine Demokratie handelt: eher nicht. Israel habe \"sein fr\u00fcheres Alleinstellungsmerkmal als einzige Demokratie im Nahen und Mittleren Osten verloren\".<\/p>\n\n\n\n

Becks Analyse macht aber zun\u00e4chst ein anderes Problem deutlich: Die Frage, ob es sich bei einem Staat um eine Demokratie handelt, ist auch deshalb nicht einfach zu beantworten, weil es kein einheitliches Verst\u00e4ndnis davon gibt, was eine Demokratie eigentlich ist. In seiner Bewertung des politischen Systems Israel geht er deshalb von unterschiedlichen Definitionen aus.<\/p>\n\n\n\n

So umfasst ein \"weiter Demokratiebegriff\" zum Beispiel die Gleichheit aller Staatsb\u00fcrger. Folgt man diesem Verst\u00e4ndnis spreche die Benachteiligung der arabischen Staatsb\u00fcrger Israels gegen eine Einordnung Israel als Demokratie. Beck schreibt:<\/p>\n\n\n\n

Da die Staatsr\u00e4son Israels auf seinem j\u00fcdischen Charakter fu\u00dft und Gesetze hervorgebracht hat, die in zentralen Bereichen der Ressourcenverteilung wie beispielsweise Landbesitz arabische Israelis systematisch diskriminiert, erscheint Israel als undemokratisch.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Beck verweist allerdings darauf, dass dieses weite Demokratie-Verst\u00e4ndnis zwar unter Kritikern Israels verbreitet, in der wissenschaftlichen Debatte aber eher un\u00fcblich sei. Zudem w\u00fcrden andere als demokratisch geltende Staaten, diese Anforderungen ebenso nicht erf\u00fcllen.<\/p>\n\n\n\n

Demokratie-Pr\u00fcfung scheiterte am Milit\u00e4rrecht f\u00fcr arabische Israelis<\/h3>\n\n\n\n

Beck unterzieht Israels politisches Systems deshalb einer zweiten Pr\u00fcfung. Der amerikanische Politikwissenschaftler Robert Dahl hat acht Bedingungen formuliert, die ein politisches System mindestens erf\u00fcllen muss, um als Demokratie zu gelten.<\/p>\n\n\n\n

Diese sind: Organisationsfreiheit, Meinungsfreiheit, aktives und passives Wahlrecht, das Recht politischer Eliten auf Werbung f\u00fcr Unterst\u00fctzung und um W\u00e4hlerstimmen, der Zugang zu alternativen Informationsquellen, freie und faire Wahlen sowie die institutionelle Bindung von Regierungspolitik an Wahlen und andere Formen der Willensbildung.<\/p>\n\n\n\n

Legt man diese Minimaldefinition von Demokratie zugrunde, besteht Israel die Pr\u00fcfung. \"Mit Blick auf Israel erscheinen all diese Bedingungen nicht nur f\u00fcr seine j\u00fcdischen, sondern auch f\u00fcr seine arabischen Staatsb\u00fcrgerinnen und Staatsb\u00fcrger erf\u00fcllt\", schreibt Beck.<\/p>\n\n\n\n

Allerdings liefert er dazu eine gro\u00dfe zeitliche Einschr\u00e4nkung: So lebten in den ersten Jahren gro\u00dfe Teile der arabischen Bev\u00f6lkerung Israels unter Milit\u00e4rverwaltung und genossen nicht dieselben staatsb\u00fcrgerlichen Rechte wie der Rest der Bev\u00f6lkerung. Aufgehoben wurde das Milit\u00e4rrecht f\u00fcr arabische Israelis erst am 8. November 1966. Um einen demokratischen Staat k\u00f6nne es sich also fr\u00fchestens ab diesem Zeitpunkt handeln.<\/p>\n\n\n\n

Macht die Besatzung Israel zu einem undemokratischen Staat?<\/h3>\n\n\n\n

Nur wenige Monate folgte allerdings ein Ereignis, dass Israels Bewertung als demokratischen Staat abermals in Zweifel zieht. Im Zuge des Sechstagekrieges besetzte Israel im Juni 1967 die \u00e4gyptische Sinai-Halbinsel, den Gazastreifen, das zuvor von Jordanien kontrollierte Westjordanland und Ostjerusalem sowie die syrischen Golanh\u00f6hen.<\/p>\n\n\n\n

Die 1982 an \u00c4gypten zur\u00fcckgegebene Sinai-Halbinsel ausgenommen, dauert Israels Kontrolle \u00fcber jene Gebiete bis heute auf die ein oder andere Weise an. Spielt sie deshalb auch eine Rolle, wenn es um die Bewertung des politischen Systems Israels geht? Beck schreibt, dass \"die Errichtung der Besatzungsregime im Jahr 1967 zweifelsohne ein undemokratischer Akt [war]\", diese aber nicht zwangsl\u00e4ufig etwas am demokratischen Charakter des politischen Systems Israel \u00e4ndern w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n

Sehr wohl anrechnen lassen m\u00fcsse sich Israel aber die Situation auf den syrischen Golanh\u00f6hen und in Ostjerusalem, da diese mittlerweile ins israelische Staatsgebiet annektiert wurden. Beck schreibt:<\/p>\n\n\n\n

Die Annexion eines Territoriums durch einen Staat ohne Referendum, d.h. eine Abstimmung durch die betroffene Bev\u00f6lkerung, widerspricht demokratischen Prinzipien fundamental.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Wichtiger noch sei allerdings, dass viele von der Annexion betroffene Pal\u00e4stinenser bis heute nicht \u00fcber dieselben Rechte verf\u00fcgen wie ihre israelischen Nachbarn. Statt der israelischen Staatsb\u00fcrgerschaft tragen pal\u00e4stinensische Bewohner Ostjerusalems lediglich Identit\u00e4tskarten, die sie als st\u00e4ndige Bewohner der Stadt ausweisen.<\/p>\n\n\n\n

Damit sind sie in Israel zwar steuerpflichtig, haben Zugang zu Sozialleistungen und k\u00f6nnen sich innerhalb Israel frei bewegen, staatsb\u00fcrgerlichen Rechte, wie beispielsweise das aktive und passive Wahlrecht besitzen sie allerdings nicht. Als undemokratisch bewertet Beck deshalb das \"israelische Herrschaftsregime in Jerusalem\".<\/p>\n\n\n\n

Besatzung beenden oder dieselben staatsb\u00fcrgerlichen Rechte f\u00fcr Pal\u00e4stinenser<\/h3>\n\n\n\n

Ob auch die Situation im Westjordanland und Gazastreifen eine Rolle f\u00fcr die Bewertung des politischen Systems Israels spielt, entscheidet sich dem Spezialisten f\u00fcr politische Systeme im Nahen Osten<\/a> zufolge vor allem an einer Frage: Ist die Besetzung der Gebiete ein vor\u00fcbergehendes Ph\u00e4nomen oder auf Dauer angelegt?<\/p>\n\n\n\n

Nur im letzteren Fall m\u00fcsse man das Besatzungsregime als Teil des politischen Systems Israels bewerten, so Beck. F\u00fcr den anhaltenden Charakter spreche allein schon die schiere Dauer der Besatzung: So dauert die israelische Besatzung schon \u00fcber ein halbes Jahrhundert und damit dreimal so lange wie Israel in den Grenzen von 1949 bis 1967 existierte.<\/p>\n\n\n\n

Hinzu kommen weitere Indizien: Das Scheitern des Osloer Verhandlungsprozess in den 1990er Jahren und im ersten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts, der anhaltende Siedlungsprozess sowie die weitgehenden Einigkeit unter den gro\u00dfen politischen Parteien Israels - und dass gro\u00dfe Teile des Westjordanlands dauerhaft unter israelischer Kontrolle verbleiben sollen. Beck kommt zu dem Schluss:<\/p>\n\n\n\n

Alle Indizien verweisen also darauf, dass die israelische Herrschaft \u00fcber das Westjordanland auf Dauer angelegt ist. In einer Demokratie m\u00fcsste daher allen dort Wohnenden der uneingeschr\u00e4nkte Zugang zu den staatsb\u00fcrgerlichen Rechten des politischen Gemeinwesens gew\u00e4hrt werden. Dies ist aber nicht der Fall.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Zweifelsfrei war Israel lediglich f\u00fcr sechs Monate eine Demokratie<\/h3>\n\n\n\n

W\u00e4hrend an der israelischen Besatzung des Westjordanlands kein Zweifel besteht, \u00fcberrascht, dass Beck f\u00fcr den Gazastreifen zu einer \u00e4hnlichen Bewertung kommt. Schlie\u00dflich hat Israel seine Soldaten im Jahr 2007 aus dem K\u00fcstenstreifen abgezogen und j\u00fcdische Siedlungen aufgel\u00f6st.<\/p>\n\n\n\n

Beck argumentiert, dass Israel auch heute seine Kontrolle von Land, Luft und Wasser aufrechterh\u00e4lt und die Besatzungsherrschaft damit fortsetzt, ohne \"den dort lebenden Menschen irgendeine Form demokratischer Mitwirkungsrechte zu gew\u00e4hren\".<\/p>\n\n\n\n

Mit dieser Einsch\u00e4tzung ist Beck nicht allein. Auch die Vereinten Nationen<\/a> und der Internationale Strafgerichtshof<\/a> vertreten die Auffassung, dass die israelische Besatzung \u00fcber den Gazastreifen andauert.<\/p>\n\n\n\n

F\u00fcr die Gesamtbewertung des politischen Systems Israels hat diese Frage allerdings ohnehin keine entscheidende Bedeutung mehr. Denn Becks Fazit f\u00e4llt eindeutig aus: Zweifelsfrei um eine Demokratie gehandelt habe es sich bei Israel lediglich in einem kurzen sechsmonatigen Zeitraum zwischen der Abschaffung des Milit\u00e4rrechts f\u00fcr arabische Israelis im November 1966 und dem Beginn des Sechstagekrieges im Juni 1967.<\/p>\n\n\n\n

Sp\u00e4testens mit Beginn der Besatzungsherrschaft habe Israel seinen Charakter als Demokratie verloren. F\u00fcr heutige Debatten rund um Israel empfiehlt der Nahost-Professor deshalb auf das Demokratieargument besser zu verzichten.

der\u00a0Ursprung<\/a><\/p>\n","post_title":"Die einzige Demokratie im Nahen Osten?","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-einzige-demokratie-im-nahen-osten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3775","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3719,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:39:47","post_date_gmt":"2020-08-13 21:39:47","post_content":"\n

Jenni Zylka und Christoph Safferling im Gespr\u00e4ch mit Anke Schaefer<\/a>- Sie kommen aus Syrien und dem Irak nach Deutschland zur\u00fcck: Frauen, die sich dem sogenannten Islamischen Staat (IS) angeschlossen haben, mit Terroristen zusammenlebten. Soll man sie k\u00fcnftig h\u00e4rter bestrafen? Die Journalistin Jenni Zylka und der Jurist Christoph Safferling sehen das kritisch.<\/p>\n\n\n\n

Frauen, die sich dem IS angeschlossen, aber selbst nicht gek\u00e4mpft haben, sollen laut Generalbundesanwalt Peter Frank als Mitl\u00e4uferinnen h\u00e4rter bestraft werden k\u00f6nnen. Frank meint: \u201eWir sind der Meinung, dass sich  auch bei diesen Frauen die Mitgliedschaft in einer ausl\u00e4ndischen terroristischen Organisation bejahen l\u00e4sst, weil diese Frauen die innere Struktur des sogenannten Islamischen Staates und damit diese Terrororganisation von innen heraus st\u00e4rken.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Aber sind diese Frauen nicht eher Opfer? Weil sie Angst um ihre Kinder hatten, den Umgang mit der Waffe zur Selbstverteidigung gelernt haben? Jenni Zylka meint dazu:  \u00dcber eine Mitschuld solcher Frauen nachzudenken, sei nachvollziehbar und auch legitim. Jedoch m\u00fcsse sehr genau hingeschaut und jede dieser Frauen einzeln betrachtet werden. Man m\u00fcsse unterscheiden, ob Frauen mit IS-Terroristen zusammengelebt und f\u00fcr diese gesorgt h\u00e4tten oder ob sie selbst militant geworden seien. Viele von ihnen seien zudem traumatisiert durch die Erlebnisse in den IS-Lagern.<\/p>\n\n\n\n

\"DieDie Journalistin Jenni Zylka (Deutschlandradio \/ Andreas Buron)<\/p>\n\n\n\n

Nicht wie Schwerverbrecherinnen behandeln<\/h2>\n\n\n\n

Christoph Safferling, Professor f\u00fcr Strafrecht an der Universit\u00e4t Erlangen-N\u00fcrnberg, sagt, er halte die Argumentation des Generalbundesanwalts f\u00fcr problematisch. Es handle sich zun\u00e4chst einmal um allt\u00e4gliche Handlungen wie Kochen und Sorge um die Kinder. \u201eUnd die Frage ist: Wann sind solche neutralen Handlungen tats\u00e4chlich straftatunterst\u00fctzend.\u201c Ein Vorsatz, die terroristischen Strukturen zu unterst\u00fctzen, m\u00fcsse klar nachgewiesen werden.<\/p>\n\n\n\n

Vielmehr stelle sich die Frage, ob die Frauen nicht eher als Opfer betrachtet werden m\u00fcssten. Viele h\u00e4tten sich wie unter Zwang auf die Situation eingelassen \u2013 diese k\u00f6nne man strukturell durchaus mit den Bedingungen von Zwangsprostitution vergleichen. Viele der jungen Frauen seien auch unter Drogen gesetzt worden.<\/p>\n\n\n\n

Zugest\u00e4ndnis an Irak?<\/h2>\n\n\n\n

Eine m\u00f6gliche Erkl\u00e4rung der harten Linie der Generalbundesanwaltschaft \u00fcber die man nur spekulieren k\u00f6nne: \u201eIch kann mir auch vorstellen, dass, wenn es jetzt darum geht, Irak davon zu \u00fcberzeugen, die deutschen Staatsangeh\u00f6rigen, die dort einsitzen, auszuliefern, man ihnen gegen\u00fcber auch zu verstehen geben muss, dass die hier einer Strafverfolgung zugef\u00fchrt werden. Ansonsten w\u00fcrde der Irak sich vielleicht weigern, sie auszuliefern.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Safferling h\u00e4lt eine intensive Betreuung der zur\u00fcckgekehrten Frauen und M\u00e4dchen f\u00fcr unerl\u00e4sslich \u2013 man d\u00fcrfe sie keinesfalls alleine lassen und nicht wie Schwerverbrecherinnen behandeln. Es m\u00fcsse vielmehr verhindert werden, dass die jungen Frauen etwa in die Salafisten-Szene abtauchten.<\/p>\n","post_title":"Sie sind eher Opfer als Schwerverbrecherinnen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"sie-sind-eher-opfer-als-schwerverbrecherinnen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3719","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3709,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:30:50","post_date_gmt":"2020-08-13 21:30:50","post_content":"\n

Drei Millionen Afghanen sind ins Nachbarland Iran geflohen. Viele arbeiten schwarz. Die Aussicht auf einen festen Lohn plus Papiere f\u00fcr die Familie ist verlockend. Die Gegenleistung daf\u00fcr: K\u00e4mpfen in Syrien.<\/p>\n\n\n\n

Wenn Abu Fazel von den Gr\u00e4ueltaten des syrischen B\u00fcrgerkriegs h\u00f6rt, denkt er immer daran, dass er auch beinahe als K\u00e4mpfer auf diesem Schlachtfeld gelandet w\u00e4re. Doch Abu Fazel ist weder Syrer noch wollte er zum sogenannten \u201eIslamischen Staat\u201c. Der 18-J\u00e4hrige ist ein afghanischer Gefl\u00fcchteter, der zur Zeit in Leverkusen lebt.<\/p>\n\n\n\n

Den Gro\u00dfteil seines Lebens verbrachte er im Iran. Seine Familie ist dorthin gefl\u00fcchtet, als er ein Kind war. Doch als die iranische Regierung ihn nach Syrien schicken wollte, um auf der Seite von Machthaber Baschar al-Assad zu k\u00e4mpfen, entschloss er sich zu fliehen.<\/p>\n\n\n\n

\"Fl\u00fcchtlingeGefl\u00fcchtete aus dem Iran und Afghanistan an der Grenze zwischen Mazedonien und Griechenland. (picture alliance \/ dpa \/ Georgi Licovski)<\/p>\n\n\n\n

Tausende afghanische Jugendliche \u2013 die genaue Zahl ist nicht bekannt \u2013 wurden im Iran rekrutiert, um im Krieg in Syrien zu k\u00e4mpfen. Erst vor Kurzem berichtete die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, dass sie die Gr\u00e4ber von acht afghanischen Kindern, die in Syrien get\u00f6tet wurden, identifiziert hat. Laut der Organisation rekrutiert der Iran regelm\u00e4\u00dfig minderj\u00e4hrige K\u00e4mpfer, um sie nach Syrien zu schicken. Unter afghanischen Gefl\u00fcchteten ist diese Praxis schon l\u00e4nger bekannt.<\/p>\n\n\n\n

Rassismus gegen Afghanen im Iran<\/h2>\n\n\n\n

Fast drei Millionen Gefl\u00fcchtete aus Afghanistan sind inzwischen im Iran. Die meisten von ihnen leben in der Illegalit\u00e4t und werden als Schwarzarbeiter, etwa am Bau, ausgebeutet. Rassismus und Ausgrenzung geh\u00f6ren zu ihrem gesellschaftlichen Alltag. Kinder sind davon nicht ausgeschlossen. Im Gegenteil: Vielen afghanischen Kinderm ist es nicht erlaubt, staatliche Schulen zu besuchen. Abu Fazel wurde Zeit seines Lebens von dieser Diskrimierung beeinflusst und verfolgt.<\/p>\n\n\n\n

\u201e'Afghane\u2018 \u2013 das ist dort ein Schimpfwort. Ich h\u00f6rte es von klein auf immer wieder. Der Rassismus gegen Afghanen ist dort v\u00f6llig normal. Meine Herkunft, auf der ich eigentlich stolz war, ist im Iran stets eine Last gewesen. Wir sind dort B\u00fcrger zweiter Klasse.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung der afghanischen Gefl\u00fcchteten ist f\u00fcr Abu Fazel die Spitze jenes Rassismus, den er erlebt hat.<\/p>\n\n\n\n

Iran: Syrien vor sunnitischen Extremisten verteidigen<\/h2>\n\n\n\n

In Syrien k\u00e4mpfen neben den afghanischen Milizen auch andere paramilit\u00e4rische Gruppierungen im Auftrag des Irans: etwa die ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigten Revolutionsgarden, die einst Ayatollah Ruhollah Khomeini pers\u00f6nlich ins Leben rief oder die Basidsch-Milizen. Beiden Gruppierungen sind nicht nur in Syrien aktiv, sondern auch im Irak.<\/p>\n\n\n\n

Obowhl sich das syrische Regime von Baschar al-Assad als s\u00e4kular ausweist, wird es vom Iran, der sich als Repr\u00e4sentant aller muslimischen Schiiten betrachtet, unterst\u00fctzt. Gemeinsames Ziel in Syrien ist es: Schiiten vor sunnitische Extremisten zu verteidigen. Dennoch ist das Regime darauf bedacht, m\u00f6glichst wenig eigene K\u00e4mpfer nach Syrien zu schicken. \u00c4hnlich wie einst w\u00e4hrend des Krieges gegen Saddam Husseins Irak, setzt der Iran auf ausl\u00e4ndische K\u00e4mpfer.<\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung war wie eine Gehirnw\u00e4sche<\/h2>\n\n\n\n

Abu Fazels Familie geh\u00f6rt zur afghanischen Minderheit der schiitischen Hazara \u2013 wie viele Afghanen, die in den Iran gekommen sind. Mittlerweile k\u00e4mpfen Tausende von ihnen in Syrien. Der Iran bezahlt die Afghanen mit einem Sold von wenigen hundert Dollar pro Monat und verspricht ihren Familien eine Aufenthaltsgenehmigung oder eine Arbeitserlaubnis.<\/p>\n\n\n\n

An der Rekrutierung der Afghanen sind sowohl die Revolutionsgarden als auch die erw\u00e4hnten Basidsch-Milizen beteiligt. Abu Fazel beschreibt, wie das Viertel, in dem er gemeinsam mit seiner Familie in Teheran lebte, regelm\u00e4\u00dfig von den K\u00e4mpfern aufgesucht wurde. Viele afghanische Gefl\u00fcchtete lebten dort \u2013 und fielen auf die Gehirnw\u00e4sche der Rattenf\u00e4nger herein.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie trafen junge M\u00e4nner und Jugendliche in den Moscheen und \u00fcberredeten sie, gegen den IS oder Al Qaida zu k\u00e4mpfen. Die Gehirnw\u00e4sche war perfekt. Am Ende merkten viele, darunter auch ich, nicht einmal, dass wir in ihre Propaganda getappt waren. Ihre \u00dcberredungskunst war wirklich sehr speziell. Am Ende hat man Lust, nach Syrien zu gehen, um zu k\u00e4mpfen\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Erfolg hatten die Rekrutierer des Regimes auch bei Abu Fazels Cousin, der zum damaligen Zeitpunkt ebenfalls minderj\u00e4hrig gewesen ist. Er ging nach Syrien und k\u00e4mpfte unter der Flagge der \u201eLiwa Fatemiyoun\u201c, wie die afghanische Division auf Seiten Assads hei\u00dft. Offiziell ist die Aufgabe der Miliz die Verteidigung des Schreines von Zaynab im S\u00fcden von Damaskus. Zaynab war die Enkelin des islamischen Propheten Mohammad. Laut iranischen Staatsmedien k\u00e4mpfen mindestens 20.000 Afghanen in der Division.<\/p>\n\n\n\n

Im August 2014 entschloss sich auch Abu Fazel, nach Syrien zu gehen und zu k\u00e4mpfen. Im selben Monat wurde sein Cousin in der N\u00e4he von Aleppo im Kampf gegen syrische Rebellen get\u00f6tet.<\/p>\n\n\n\n

\u201eMein Cousin wurde dort get\u00f6tet. Auch andere Jungs aus unserer Gegend gingen nach Syrien und fielen dort. Lokale Zeitungen nannten sie \u201aM\u00e4rtyrer\u2018.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Lieber Flucht statt K\u00e4mpfer in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein solcher \u201eM\u00e4rtyrer\u201c wollte Abu Fazel allerdings nicht werden. Er floh eine Woche vor dem Beginn seiner dreimonatigen Kampfausbildung. Es war ihm lieber, ein Leben auf der Flucht zu verbringen, als in Syrien unschuldige Menschen f\u00fcr einen Diktator zu t\u00f6ten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch kam zu dem Schluss, dass ich nicht als M\u00f6rder weiterleben k\u00f6nnte. Stets dachte ich mir, dass selbst die schlimmsten Al-Qaida- oder IS-Terroristen Kinder haben k\u00f6nnten, die ihren Vater lieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Fazel verlor seinen eigenen Vater bereits sehr fr\u00fch. Er wurde Opfer des B\u00fcrgerkriegs in Afghanistan, der von 1989 bis 2001 tausende Menschen das Leben kostete. Auch der Iran mischte in der Zeit schon mit. Es ist allgemein bekannt, dass die schiitischen Hazara-Milizen, die den B\u00fcrgerkrieg ebenfalls mitanfachten, von der Regierung in Teheran unterst\u00fctzt wurden.<\/p>\n\n\n\n

Als Abu Fazel sich nun entschloss, aus der Gewaltspirale auszusteigen und nicht in Syrien zu k\u00e4mpfen, wuchs die Angst bei seiner Familie. Denn f\u00fcr die iranischen Beh\u00f6rden gilt: Hat man sich einmal gemeldet, gibt es kein zur\u00fcck. Man muss an die Front nach Syrien \u2013 oder wird zur\u00fcck nach Afghanistan abgeschoben, wo ebenfalls Krieg herrscht.<\/p>\n\n\n\n

Der einzige Ausweg f\u00fcr den jungen Afghanen war die Flucht. \u00dcber die T\u00fcrkei, Griechenland und die Balkranroute erreichte er mit gro\u00dfer M\u00fche Deutschland, wo er einen Asylantrag stellte.<\/p>\n\n\n\n

Erster Asylantrag in Deutschland abgelehnt<\/h2>\n\n\n\n

Als Grund nannte er seine Rekrutierung als Kindersoldat seitens des iranischen Regimes. Doch w\u00e4hrend diese Begr\u00fcndung in Abu Fazels Augen v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich war, sahen deutsche Beh\u00f6rden das anders. Sein erster Antrag wurde abgelehnt. Derzeit versucht er es ein zweites Mal. Die Bundesrepublik schiebt afghanische Gefl\u00fcchtete weiterhin ab.<\/p>\n\n\n\n

\"EinAbschiebung von Afghanen im Dezember 2016 mit einem Charterflug von Frankfurt nach Kabul. (dpa \/picture alliance \/ Boris Roessler)<\/p>\n\n\n\n

Die Verantwortlichen weisen in diesem Kontext immer wieder auf vermeintlich \u201esichere Gebiete\u201c im Land, die nicht n\u00e4her benannt werden.<\/p>\n\n\n\n

W\u00e4hrenddessen machen Menschenrechtsorganisationen regelm\u00e4\u00dfig darauf aufmerksam, dass keine Region am Hindukusch sicher ist. Stattdessen wird in manchen Gebieten nur weniger Krieg gef\u00fchrt als in anderen.<\/p>\n\n\n\n

\"SieDemonstranten protestieren in Frankfurt am Main gegen die Abschiebung von Afghanen. Auf einem der Transparente steht \u201eAfghanistan is not safe\u201c. (AFP \/ Daniel Roland)<\/p>\n\n\n\n

Alis Vater und Onkel k\u00e4mpfen in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein \u00e4hnliches Schicksal wie Abu Fazel erlitt der 18-j\u00e4hrige Ali (Namen ge\u00e4ndert). Auch er floh aus dem Iran nach Deutschland, um der Rekrutierung f\u00fcr Assads Milizen zu entgehen. Viele seiner afghanischen Freunde sind bereits nach Syrien gezogen \u2013 und kamen niemals zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Alis Familie, ebenfalls Angeh\u00f6rige der Hazara-Minderheit, stammt urspr\u00fcnglich aus der Provinz Ghor im Nordosten Afghanistans. Ihre Heimat verlie\u00dfen sie w\u00e4hrend der sowjetischen Besatzung in den 1980er-Jahren.<\/p>\n\n\n\n

Seit jeher lebt die Familie in der iranischen Gro\u00dfstadt Maschhad. Als der Krieg in Syrien ausbrach, erreichte sie ein Konflikt, mit dem sie nicht gerechnet hatten. Im Juli 2015 reiste Alis Vater nach Teheran. Er wollte einen Weg finden, um f\u00fcr seine Familie Aufenthaltspapiere zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Beh\u00f6rden sagten ihm, dass die Rekrutierung f\u00fcr den Krieg in Syrien eine M\u00f6glichkeit darstellen k\u00f6nnte, um Papiere f\u00fcr uns alle zu erhalten. Andernfalls w\u00fcrde man uns sehr bald nach Afghanistan abschieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Mittlerweile k\u00e4mpfen Alis Vater und sein Onkel seit \u00fcber einem Jahr in Syrien. Am Aufenthaltsstatus seiner Familienmitglieder hat sich bis heute allerdings nichts ge\u00e4ndert. F\u00fcr Ali ist klar, dass dies nur eine Falle gewesen ist, um noch mehr Afghanen als Kanonenfutter zu missbrauchen.<\/p>\n\n\n\n

Anfangs gab es Papiere f\u00fcr K\u00e4mpfer-Familien<\/h2>\n\n\n\n

Den Kontakt zu seinem Vater hat der Afghane mittlerweile verloren. W\u00e4hrenddessen schickt ihm sein Onkel, der in Aleppo stationiert ist, hin und wieder Bilder \u00fcber den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ali denkt, dass nur sehr wenige Afghanen der Propaganda der iranischen Regierung glauben und in Syrien f\u00fcr eine \u201egute Sache\u201c k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

Source<\/a><\/p>\n","post_title":"Warum Afghanen in Syrien f\u00fcr Assad k\u00e4mpfen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"warum-afghanen-in-syrien-fur-assad-kampfen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3709","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":9},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Hoffnung auf einen Pr\u00e4zedenzfall<\/h2>\n\n\n\n

\"Wir wollen vor dem Internationalen Strafgerichtshof einen juristischen Pr\u00e4zedenzfall schaffen, der zeigt, dass auch wirtschaftliche Profiteure eines Krieges mit Konsequenzen zu rechnen haben\", sagt die Rechtsanw\u00e4ltin Linde Bryk vom ECCHR.<\/p>\n\n\n\n

Vorbild sind den Verfassern der Strafanzeige die sogenannten N\u00fcrnberger Nachfolgeprozesse in Westdeutschland, als sich 1948 unter anderem die F\u00fchrungsriege des Industrieunternehmens IG Farben vor US-Milit\u00e4rrichtern f\u00fcr deren logistische Unterst\u00fctzung der nationalsozialistischen Kriegsverbrechen gerichtlich verantworten mussten. Sollte die Strafanzeige in Den Haag zur Befassung angenommen werden, k\u00f6nnten sich etwa auch deutsche R\u00fcstungsmanager vor Gericht erkl\u00e4ren m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Jahrelange Pr\u00fcfung wahrscheinlich<\/h2>\n\n\n\n

Erwartet wird, dass die Strafanzeige am Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag nun bis zu zwei Jahre lang gepr\u00fcft wird, ehe es zu einer Entscheidung \u00fcber ein m\u00f6gliches Verfahren kommt. Da weder Jemen noch Saudi-Arabien der internationalen Strafgerichtsbarkeit beigetreten sind, kann das Gericht nicht ohne Weiteres gegen Staatsb\u00fcrger dieser L\u00e4nder ermitteln.

Quelle<\/a><\/p>\n","post_title":"Anzeige gegen deutsche Waffenfirmen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"anzeige-gegen-deutsche-waffenfirmen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3778","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3775,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:37:30","post_date_gmt":"2020-08-14 13:37:30","post_content":"\n

Eine neue wissenschaftliche Untersuchung behauptet: Wirklich demokratisch war Israel nur f\u00fcr sechs Monate vor \u00fcber 40 Jahren<\/p>\n\n\n\n

Wahlen in Israel (Netanjahu gewinnt - aber wahrscheinlich keine absolute Mehrheit<\/a>) werden immer davon begleitet, dass es in Sozialen Medien turbulent zugeht: Die einen sehen Israel als \"Apartheidstaat\", in dem Wahlen allein deshalb schon bedeutungslos seien, weil Millionen Pal\u00e4stinenser in den besetzten Gebieten davon ausgeschlossen<\/a> werden. Die anderen feiern die Wahlen hingegen als abermaligen Beweis daf\u00fcr, dass es sich bei Israel um die \"einzige Demokratie im Nahen Osten\" handle.<\/p>\n\n\n\n

Wer von beiden Seiten mehr Recht hat, ist seit Jahrzehnten Gegenstand erbitterter Diskussion. W\u00e4hrend es bei Israels Nachbarstaaten wie \u00c4gypten, Saudi Arabien oder Jordanien wenig Zweifel am autorit\u00e4ren Charakter des politischen Systems gibt und formell demokratische Staaten wie Irak, Tunesien oder der Libanon in Demokratie-Ratings weit unten rangieren<\/a>, scheint die Bewertung bei Israel komplizierter.<\/p>\n\n\n\n

Uneinigkeit besteht schon dar\u00fcber, um wessen demokratische Rechte es eigentlich geht: Die von den rund 8,5 Millionen Menschen innerhalb der v\u00f6lkerrechtlich anerkannten Grenzen Israels? Oder auch jene der rund 5 Millionen Pal\u00e4stinenser im Gazastreifen und dem Westjordanland, also den Regionen, die Israel 1967 besetzt hat?<\/p>\n\n\n\n

Ob Israel eine Demokratie ist, h\u00e4ngt auch davon ab, was man unter Demokratie versteht<\/h3>\n\n\n\n

Eine Antwort auf diese Fragen hat Martin Beck<\/a> versucht zu finden. F\u00fcr das Hamburger GIGA Institut<\/em> hat der Professor f\u00fcr Nahost-Studien ein Gutachten zum politischen Systems Israels erstellt<\/a>. In der im Februar ver\u00f6ffentlichten Untersuchung listet er Argumente auf, die f\u00fcr und gegen den demokratischen Charakter des Staates sprechen. Sein Fazit zu der Frage, ob es sich bei Israel um eine Demokratie handelt: eher nicht. Israel habe \"sein fr\u00fcheres Alleinstellungsmerkmal als einzige Demokratie im Nahen und Mittleren Osten verloren\".<\/p>\n\n\n\n

Becks Analyse macht aber zun\u00e4chst ein anderes Problem deutlich: Die Frage, ob es sich bei einem Staat um eine Demokratie handelt, ist auch deshalb nicht einfach zu beantworten, weil es kein einheitliches Verst\u00e4ndnis davon gibt, was eine Demokratie eigentlich ist. In seiner Bewertung des politischen Systems Israel geht er deshalb von unterschiedlichen Definitionen aus.<\/p>\n\n\n\n

So umfasst ein \"weiter Demokratiebegriff\" zum Beispiel die Gleichheit aller Staatsb\u00fcrger. Folgt man diesem Verst\u00e4ndnis spreche die Benachteiligung der arabischen Staatsb\u00fcrger Israels gegen eine Einordnung Israel als Demokratie. Beck schreibt:<\/p>\n\n\n\n

Da die Staatsr\u00e4son Israels auf seinem j\u00fcdischen Charakter fu\u00dft und Gesetze hervorgebracht hat, die in zentralen Bereichen der Ressourcenverteilung wie beispielsweise Landbesitz arabische Israelis systematisch diskriminiert, erscheint Israel als undemokratisch.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Beck verweist allerdings darauf, dass dieses weite Demokratie-Verst\u00e4ndnis zwar unter Kritikern Israels verbreitet, in der wissenschaftlichen Debatte aber eher un\u00fcblich sei. Zudem w\u00fcrden andere als demokratisch geltende Staaten, diese Anforderungen ebenso nicht erf\u00fcllen.<\/p>\n\n\n\n

Demokratie-Pr\u00fcfung scheiterte am Milit\u00e4rrecht f\u00fcr arabische Israelis<\/h3>\n\n\n\n

Beck unterzieht Israels politisches Systems deshalb einer zweiten Pr\u00fcfung. Der amerikanische Politikwissenschaftler Robert Dahl hat acht Bedingungen formuliert, die ein politisches System mindestens erf\u00fcllen muss, um als Demokratie zu gelten.<\/p>\n\n\n\n

Diese sind: Organisationsfreiheit, Meinungsfreiheit, aktives und passives Wahlrecht, das Recht politischer Eliten auf Werbung f\u00fcr Unterst\u00fctzung und um W\u00e4hlerstimmen, der Zugang zu alternativen Informationsquellen, freie und faire Wahlen sowie die institutionelle Bindung von Regierungspolitik an Wahlen und andere Formen der Willensbildung.<\/p>\n\n\n\n

Legt man diese Minimaldefinition von Demokratie zugrunde, besteht Israel die Pr\u00fcfung. \"Mit Blick auf Israel erscheinen all diese Bedingungen nicht nur f\u00fcr seine j\u00fcdischen, sondern auch f\u00fcr seine arabischen Staatsb\u00fcrgerinnen und Staatsb\u00fcrger erf\u00fcllt\", schreibt Beck.<\/p>\n\n\n\n

Allerdings liefert er dazu eine gro\u00dfe zeitliche Einschr\u00e4nkung: So lebten in den ersten Jahren gro\u00dfe Teile der arabischen Bev\u00f6lkerung Israels unter Milit\u00e4rverwaltung und genossen nicht dieselben staatsb\u00fcrgerlichen Rechte wie der Rest der Bev\u00f6lkerung. Aufgehoben wurde das Milit\u00e4rrecht f\u00fcr arabische Israelis erst am 8. November 1966. Um einen demokratischen Staat k\u00f6nne es sich also fr\u00fchestens ab diesem Zeitpunkt handeln.<\/p>\n\n\n\n

Macht die Besatzung Israel zu einem undemokratischen Staat?<\/h3>\n\n\n\n

Nur wenige Monate folgte allerdings ein Ereignis, dass Israels Bewertung als demokratischen Staat abermals in Zweifel zieht. Im Zuge des Sechstagekrieges besetzte Israel im Juni 1967 die \u00e4gyptische Sinai-Halbinsel, den Gazastreifen, das zuvor von Jordanien kontrollierte Westjordanland und Ostjerusalem sowie die syrischen Golanh\u00f6hen.<\/p>\n\n\n\n

Die 1982 an \u00c4gypten zur\u00fcckgegebene Sinai-Halbinsel ausgenommen, dauert Israels Kontrolle \u00fcber jene Gebiete bis heute auf die ein oder andere Weise an. Spielt sie deshalb auch eine Rolle, wenn es um die Bewertung des politischen Systems Israels geht? Beck schreibt, dass \"die Errichtung der Besatzungsregime im Jahr 1967 zweifelsohne ein undemokratischer Akt [war]\", diese aber nicht zwangsl\u00e4ufig etwas am demokratischen Charakter des politischen Systems Israel \u00e4ndern w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n

Sehr wohl anrechnen lassen m\u00fcsse sich Israel aber die Situation auf den syrischen Golanh\u00f6hen und in Ostjerusalem, da diese mittlerweile ins israelische Staatsgebiet annektiert wurden. Beck schreibt:<\/p>\n\n\n\n

Die Annexion eines Territoriums durch einen Staat ohne Referendum, d.h. eine Abstimmung durch die betroffene Bev\u00f6lkerung, widerspricht demokratischen Prinzipien fundamental.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Wichtiger noch sei allerdings, dass viele von der Annexion betroffene Pal\u00e4stinenser bis heute nicht \u00fcber dieselben Rechte verf\u00fcgen wie ihre israelischen Nachbarn. Statt der israelischen Staatsb\u00fcrgerschaft tragen pal\u00e4stinensische Bewohner Ostjerusalems lediglich Identit\u00e4tskarten, die sie als st\u00e4ndige Bewohner der Stadt ausweisen.<\/p>\n\n\n\n

Damit sind sie in Israel zwar steuerpflichtig, haben Zugang zu Sozialleistungen und k\u00f6nnen sich innerhalb Israel frei bewegen, staatsb\u00fcrgerlichen Rechte, wie beispielsweise das aktive und passive Wahlrecht besitzen sie allerdings nicht. Als undemokratisch bewertet Beck deshalb das \"israelische Herrschaftsregime in Jerusalem\".<\/p>\n\n\n\n

Besatzung beenden oder dieselben staatsb\u00fcrgerlichen Rechte f\u00fcr Pal\u00e4stinenser<\/h3>\n\n\n\n

Ob auch die Situation im Westjordanland und Gazastreifen eine Rolle f\u00fcr die Bewertung des politischen Systems Israels spielt, entscheidet sich dem Spezialisten f\u00fcr politische Systeme im Nahen Osten<\/a> zufolge vor allem an einer Frage: Ist die Besetzung der Gebiete ein vor\u00fcbergehendes Ph\u00e4nomen oder auf Dauer angelegt?<\/p>\n\n\n\n

Nur im letzteren Fall m\u00fcsse man das Besatzungsregime als Teil des politischen Systems Israels bewerten, so Beck. F\u00fcr den anhaltenden Charakter spreche allein schon die schiere Dauer der Besatzung: So dauert die israelische Besatzung schon \u00fcber ein halbes Jahrhundert und damit dreimal so lange wie Israel in den Grenzen von 1949 bis 1967 existierte.<\/p>\n\n\n\n

Hinzu kommen weitere Indizien: Das Scheitern des Osloer Verhandlungsprozess in den 1990er Jahren und im ersten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts, der anhaltende Siedlungsprozess sowie die weitgehenden Einigkeit unter den gro\u00dfen politischen Parteien Israels - und dass gro\u00dfe Teile des Westjordanlands dauerhaft unter israelischer Kontrolle verbleiben sollen. Beck kommt zu dem Schluss:<\/p>\n\n\n\n

Alle Indizien verweisen also darauf, dass die israelische Herrschaft \u00fcber das Westjordanland auf Dauer angelegt ist. In einer Demokratie m\u00fcsste daher allen dort Wohnenden der uneingeschr\u00e4nkte Zugang zu den staatsb\u00fcrgerlichen Rechten des politischen Gemeinwesens gew\u00e4hrt werden. Dies ist aber nicht der Fall.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Zweifelsfrei war Israel lediglich f\u00fcr sechs Monate eine Demokratie<\/h3>\n\n\n\n

W\u00e4hrend an der israelischen Besatzung des Westjordanlands kein Zweifel besteht, \u00fcberrascht, dass Beck f\u00fcr den Gazastreifen zu einer \u00e4hnlichen Bewertung kommt. Schlie\u00dflich hat Israel seine Soldaten im Jahr 2007 aus dem K\u00fcstenstreifen abgezogen und j\u00fcdische Siedlungen aufgel\u00f6st.<\/p>\n\n\n\n

Beck argumentiert, dass Israel auch heute seine Kontrolle von Land, Luft und Wasser aufrechterh\u00e4lt und die Besatzungsherrschaft damit fortsetzt, ohne \"den dort lebenden Menschen irgendeine Form demokratischer Mitwirkungsrechte zu gew\u00e4hren\".<\/p>\n\n\n\n

Mit dieser Einsch\u00e4tzung ist Beck nicht allein. Auch die Vereinten Nationen<\/a> und der Internationale Strafgerichtshof<\/a> vertreten die Auffassung, dass die israelische Besatzung \u00fcber den Gazastreifen andauert.<\/p>\n\n\n\n

F\u00fcr die Gesamtbewertung des politischen Systems Israels hat diese Frage allerdings ohnehin keine entscheidende Bedeutung mehr. Denn Becks Fazit f\u00e4llt eindeutig aus: Zweifelsfrei um eine Demokratie gehandelt habe es sich bei Israel lediglich in einem kurzen sechsmonatigen Zeitraum zwischen der Abschaffung des Milit\u00e4rrechts f\u00fcr arabische Israelis im November 1966 und dem Beginn des Sechstagekrieges im Juni 1967.<\/p>\n\n\n\n

Sp\u00e4testens mit Beginn der Besatzungsherrschaft habe Israel seinen Charakter als Demokratie verloren. F\u00fcr heutige Debatten rund um Israel empfiehlt der Nahost-Professor deshalb auf das Demokratieargument besser zu verzichten.

der\u00a0Ursprung<\/a><\/p>\n","post_title":"Die einzige Demokratie im Nahen Osten?","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-einzige-demokratie-im-nahen-osten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3775","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3719,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:39:47","post_date_gmt":"2020-08-13 21:39:47","post_content":"\n

Jenni Zylka und Christoph Safferling im Gespr\u00e4ch mit Anke Schaefer<\/a>- Sie kommen aus Syrien und dem Irak nach Deutschland zur\u00fcck: Frauen, die sich dem sogenannten Islamischen Staat (IS) angeschlossen haben, mit Terroristen zusammenlebten. Soll man sie k\u00fcnftig h\u00e4rter bestrafen? Die Journalistin Jenni Zylka und der Jurist Christoph Safferling sehen das kritisch.<\/p>\n\n\n\n

Frauen, die sich dem IS angeschlossen, aber selbst nicht gek\u00e4mpft haben, sollen laut Generalbundesanwalt Peter Frank als Mitl\u00e4uferinnen h\u00e4rter bestraft werden k\u00f6nnen. Frank meint: \u201eWir sind der Meinung, dass sich  auch bei diesen Frauen die Mitgliedschaft in einer ausl\u00e4ndischen terroristischen Organisation bejahen l\u00e4sst, weil diese Frauen die innere Struktur des sogenannten Islamischen Staates und damit diese Terrororganisation von innen heraus st\u00e4rken.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Aber sind diese Frauen nicht eher Opfer? Weil sie Angst um ihre Kinder hatten, den Umgang mit der Waffe zur Selbstverteidigung gelernt haben? Jenni Zylka meint dazu:  \u00dcber eine Mitschuld solcher Frauen nachzudenken, sei nachvollziehbar und auch legitim. Jedoch m\u00fcsse sehr genau hingeschaut und jede dieser Frauen einzeln betrachtet werden. Man m\u00fcsse unterscheiden, ob Frauen mit IS-Terroristen zusammengelebt und f\u00fcr diese gesorgt h\u00e4tten oder ob sie selbst militant geworden seien. Viele von ihnen seien zudem traumatisiert durch die Erlebnisse in den IS-Lagern.<\/p>\n\n\n\n

\"DieDie Journalistin Jenni Zylka (Deutschlandradio \/ Andreas Buron)<\/p>\n\n\n\n

Nicht wie Schwerverbrecherinnen behandeln<\/h2>\n\n\n\n

Christoph Safferling, Professor f\u00fcr Strafrecht an der Universit\u00e4t Erlangen-N\u00fcrnberg, sagt, er halte die Argumentation des Generalbundesanwalts f\u00fcr problematisch. Es handle sich zun\u00e4chst einmal um allt\u00e4gliche Handlungen wie Kochen und Sorge um die Kinder. \u201eUnd die Frage ist: Wann sind solche neutralen Handlungen tats\u00e4chlich straftatunterst\u00fctzend.\u201c Ein Vorsatz, die terroristischen Strukturen zu unterst\u00fctzen, m\u00fcsse klar nachgewiesen werden.<\/p>\n\n\n\n

Vielmehr stelle sich die Frage, ob die Frauen nicht eher als Opfer betrachtet werden m\u00fcssten. Viele h\u00e4tten sich wie unter Zwang auf die Situation eingelassen \u2013 diese k\u00f6nne man strukturell durchaus mit den Bedingungen von Zwangsprostitution vergleichen. Viele der jungen Frauen seien auch unter Drogen gesetzt worden.<\/p>\n\n\n\n

Zugest\u00e4ndnis an Irak?<\/h2>\n\n\n\n

Eine m\u00f6gliche Erkl\u00e4rung der harten Linie der Generalbundesanwaltschaft \u00fcber die man nur spekulieren k\u00f6nne: \u201eIch kann mir auch vorstellen, dass, wenn es jetzt darum geht, Irak davon zu \u00fcberzeugen, die deutschen Staatsangeh\u00f6rigen, die dort einsitzen, auszuliefern, man ihnen gegen\u00fcber auch zu verstehen geben muss, dass die hier einer Strafverfolgung zugef\u00fchrt werden. Ansonsten w\u00fcrde der Irak sich vielleicht weigern, sie auszuliefern.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Safferling h\u00e4lt eine intensive Betreuung der zur\u00fcckgekehrten Frauen und M\u00e4dchen f\u00fcr unerl\u00e4sslich \u2013 man d\u00fcrfe sie keinesfalls alleine lassen und nicht wie Schwerverbrecherinnen behandeln. Es m\u00fcsse vielmehr verhindert werden, dass die jungen Frauen etwa in die Salafisten-Szene abtauchten.<\/p>\n","post_title":"Sie sind eher Opfer als Schwerverbrecherinnen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"sie-sind-eher-opfer-als-schwerverbrecherinnen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3719","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3709,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:30:50","post_date_gmt":"2020-08-13 21:30:50","post_content":"\n

Drei Millionen Afghanen sind ins Nachbarland Iran geflohen. Viele arbeiten schwarz. Die Aussicht auf einen festen Lohn plus Papiere f\u00fcr die Familie ist verlockend. Die Gegenleistung daf\u00fcr: K\u00e4mpfen in Syrien.<\/p>\n\n\n\n

Wenn Abu Fazel von den Gr\u00e4ueltaten des syrischen B\u00fcrgerkriegs h\u00f6rt, denkt er immer daran, dass er auch beinahe als K\u00e4mpfer auf diesem Schlachtfeld gelandet w\u00e4re. Doch Abu Fazel ist weder Syrer noch wollte er zum sogenannten \u201eIslamischen Staat\u201c. Der 18-J\u00e4hrige ist ein afghanischer Gefl\u00fcchteter, der zur Zeit in Leverkusen lebt.<\/p>\n\n\n\n

Den Gro\u00dfteil seines Lebens verbrachte er im Iran. Seine Familie ist dorthin gefl\u00fcchtet, als er ein Kind war. Doch als die iranische Regierung ihn nach Syrien schicken wollte, um auf der Seite von Machthaber Baschar al-Assad zu k\u00e4mpfen, entschloss er sich zu fliehen.<\/p>\n\n\n\n

\"Fl\u00fcchtlingeGefl\u00fcchtete aus dem Iran und Afghanistan an der Grenze zwischen Mazedonien und Griechenland. (picture alliance \/ dpa \/ Georgi Licovski)<\/p>\n\n\n\n

Tausende afghanische Jugendliche \u2013 die genaue Zahl ist nicht bekannt \u2013 wurden im Iran rekrutiert, um im Krieg in Syrien zu k\u00e4mpfen. Erst vor Kurzem berichtete die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, dass sie die Gr\u00e4ber von acht afghanischen Kindern, die in Syrien get\u00f6tet wurden, identifiziert hat. Laut der Organisation rekrutiert der Iran regelm\u00e4\u00dfig minderj\u00e4hrige K\u00e4mpfer, um sie nach Syrien zu schicken. Unter afghanischen Gefl\u00fcchteten ist diese Praxis schon l\u00e4nger bekannt.<\/p>\n\n\n\n

Rassismus gegen Afghanen im Iran<\/h2>\n\n\n\n

Fast drei Millionen Gefl\u00fcchtete aus Afghanistan sind inzwischen im Iran. Die meisten von ihnen leben in der Illegalit\u00e4t und werden als Schwarzarbeiter, etwa am Bau, ausgebeutet. Rassismus und Ausgrenzung geh\u00f6ren zu ihrem gesellschaftlichen Alltag. Kinder sind davon nicht ausgeschlossen. Im Gegenteil: Vielen afghanischen Kinderm ist es nicht erlaubt, staatliche Schulen zu besuchen. Abu Fazel wurde Zeit seines Lebens von dieser Diskrimierung beeinflusst und verfolgt.<\/p>\n\n\n\n

\u201e'Afghane\u2018 \u2013 das ist dort ein Schimpfwort. Ich h\u00f6rte es von klein auf immer wieder. Der Rassismus gegen Afghanen ist dort v\u00f6llig normal. Meine Herkunft, auf der ich eigentlich stolz war, ist im Iran stets eine Last gewesen. Wir sind dort B\u00fcrger zweiter Klasse.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung der afghanischen Gefl\u00fcchteten ist f\u00fcr Abu Fazel die Spitze jenes Rassismus, den er erlebt hat.<\/p>\n\n\n\n

Iran: Syrien vor sunnitischen Extremisten verteidigen<\/h2>\n\n\n\n

In Syrien k\u00e4mpfen neben den afghanischen Milizen auch andere paramilit\u00e4rische Gruppierungen im Auftrag des Irans: etwa die ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigten Revolutionsgarden, die einst Ayatollah Ruhollah Khomeini pers\u00f6nlich ins Leben rief oder die Basidsch-Milizen. Beiden Gruppierungen sind nicht nur in Syrien aktiv, sondern auch im Irak.<\/p>\n\n\n\n

Obowhl sich das syrische Regime von Baschar al-Assad als s\u00e4kular ausweist, wird es vom Iran, der sich als Repr\u00e4sentant aller muslimischen Schiiten betrachtet, unterst\u00fctzt. Gemeinsames Ziel in Syrien ist es: Schiiten vor sunnitische Extremisten zu verteidigen. Dennoch ist das Regime darauf bedacht, m\u00f6glichst wenig eigene K\u00e4mpfer nach Syrien zu schicken. \u00c4hnlich wie einst w\u00e4hrend des Krieges gegen Saddam Husseins Irak, setzt der Iran auf ausl\u00e4ndische K\u00e4mpfer.<\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung war wie eine Gehirnw\u00e4sche<\/h2>\n\n\n\n

Abu Fazels Familie geh\u00f6rt zur afghanischen Minderheit der schiitischen Hazara \u2013 wie viele Afghanen, die in den Iran gekommen sind. Mittlerweile k\u00e4mpfen Tausende von ihnen in Syrien. Der Iran bezahlt die Afghanen mit einem Sold von wenigen hundert Dollar pro Monat und verspricht ihren Familien eine Aufenthaltsgenehmigung oder eine Arbeitserlaubnis.<\/p>\n\n\n\n

An der Rekrutierung der Afghanen sind sowohl die Revolutionsgarden als auch die erw\u00e4hnten Basidsch-Milizen beteiligt. Abu Fazel beschreibt, wie das Viertel, in dem er gemeinsam mit seiner Familie in Teheran lebte, regelm\u00e4\u00dfig von den K\u00e4mpfern aufgesucht wurde. Viele afghanische Gefl\u00fcchtete lebten dort \u2013 und fielen auf die Gehirnw\u00e4sche der Rattenf\u00e4nger herein.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie trafen junge M\u00e4nner und Jugendliche in den Moscheen und \u00fcberredeten sie, gegen den IS oder Al Qaida zu k\u00e4mpfen. Die Gehirnw\u00e4sche war perfekt. Am Ende merkten viele, darunter auch ich, nicht einmal, dass wir in ihre Propaganda getappt waren. Ihre \u00dcberredungskunst war wirklich sehr speziell. Am Ende hat man Lust, nach Syrien zu gehen, um zu k\u00e4mpfen\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Erfolg hatten die Rekrutierer des Regimes auch bei Abu Fazels Cousin, der zum damaligen Zeitpunkt ebenfalls minderj\u00e4hrig gewesen ist. Er ging nach Syrien und k\u00e4mpfte unter der Flagge der \u201eLiwa Fatemiyoun\u201c, wie die afghanische Division auf Seiten Assads hei\u00dft. Offiziell ist die Aufgabe der Miliz die Verteidigung des Schreines von Zaynab im S\u00fcden von Damaskus. Zaynab war die Enkelin des islamischen Propheten Mohammad. Laut iranischen Staatsmedien k\u00e4mpfen mindestens 20.000 Afghanen in der Division.<\/p>\n\n\n\n

Im August 2014 entschloss sich auch Abu Fazel, nach Syrien zu gehen und zu k\u00e4mpfen. Im selben Monat wurde sein Cousin in der N\u00e4he von Aleppo im Kampf gegen syrische Rebellen get\u00f6tet.<\/p>\n\n\n\n

\u201eMein Cousin wurde dort get\u00f6tet. Auch andere Jungs aus unserer Gegend gingen nach Syrien und fielen dort. Lokale Zeitungen nannten sie \u201aM\u00e4rtyrer\u2018.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Lieber Flucht statt K\u00e4mpfer in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein solcher \u201eM\u00e4rtyrer\u201c wollte Abu Fazel allerdings nicht werden. Er floh eine Woche vor dem Beginn seiner dreimonatigen Kampfausbildung. Es war ihm lieber, ein Leben auf der Flucht zu verbringen, als in Syrien unschuldige Menschen f\u00fcr einen Diktator zu t\u00f6ten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch kam zu dem Schluss, dass ich nicht als M\u00f6rder weiterleben k\u00f6nnte. Stets dachte ich mir, dass selbst die schlimmsten Al-Qaida- oder IS-Terroristen Kinder haben k\u00f6nnten, die ihren Vater lieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Fazel verlor seinen eigenen Vater bereits sehr fr\u00fch. Er wurde Opfer des B\u00fcrgerkriegs in Afghanistan, der von 1989 bis 2001 tausende Menschen das Leben kostete. Auch der Iran mischte in der Zeit schon mit. Es ist allgemein bekannt, dass die schiitischen Hazara-Milizen, die den B\u00fcrgerkrieg ebenfalls mitanfachten, von der Regierung in Teheran unterst\u00fctzt wurden.<\/p>\n\n\n\n

Als Abu Fazel sich nun entschloss, aus der Gewaltspirale auszusteigen und nicht in Syrien zu k\u00e4mpfen, wuchs die Angst bei seiner Familie. Denn f\u00fcr die iranischen Beh\u00f6rden gilt: Hat man sich einmal gemeldet, gibt es kein zur\u00fcck. Man muss an die Front nach Syrien \u2013 oder wird zur\u00fcck nach Afghanistan abgeschoben, wo ebenfalls Krieg herrscht.<\/p>\n\n\n\n

Der einzige Ausweg f\u00fcr den jungen Afghanen war die Flucht. \u00dcber die T\u00fcrkei, Griechenland und die Balkranroute erreichte er mit gro\u00dfer M\u00fche Deutschland, wo er einen Asylantrag stellte.<\/p>\n\n\n\n

Erster Asylantrag in Deutschland abgelehnt<\/h2>\n\n\n\n

Als Grund nannte er seine Rekrutierung als Kindersoldat seitens des iranischen Regimes. Doch w\u00e4hrend diese Begr\u00fcndung in Abu Fazels Augen v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich war, sahen deutsche Beh\u00f6rden das anders. Sein erster Antrag wurde abgelehnt. Derzeit versucht er es ein zweites Mal. Die Bundesrepublik schiebt afghanische Gefl\u00fcchtete weiterhin ab.<\/p>\n\n\n\n

\"EinAbschiebung von Afghanen im Dezember 2016 mit einem Charterflug von Frankfurt nach Kabul. (dpa \/picture alliance \/ Boris Roessler)<\/p>\n\n\n\n

Die Verantwortlichen weisen in diesem Kontext immer wieder auf vermeintlich \u201esichere Gebiete\u201c im Land, die nicht n\u00e4her benannt werden.<\/p>\n\n\n\n

W\u00e4hrenddessen machen Menschenrechtsorganisationen regelm\u00e4\u00dfig darauf aufmerksam, dass keine Region am Hindukusch sicher ist. Stattdessen wird in manchen Gebieten nur weniger Krieg gef\u00fchrt als in anderen.<\/p>\n\n\n\n

\"SieDemonstranten protestieren in Frankfurt am Main gegen die Abschiebung von Afghanen. Auf einem der Transparente steht \u201eAfghanistan is not safe\u201c. (AFP \/ Daniel Roland)<\/p>\n\n\n\n

Alis Vater und Onkel k\u00e4mpfen in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein \u00e4hnliches Schicksal wie Abu Fazel erlitt der 18-j\u00e4hrige Ali (Namen ge\u00e4ndert). Auch er floh aus dem Iran nach Deutschland, um der Rekrutierung f\u00fcr Assads Milizen zu entgehen. Viele seiner afghanischen Freunde sind bereits nach Syrien gezogen \u2013 und kamen niemals zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Alis Familie, ebenfalls Angeh\u00f6rige der Hazara-Minderheit, stammt urspr\u00fcnglich aus der Provinz Ghor im Nordosten Afghanistans. Ihre Heimat verlie\u00dfen sie w\u00e4hrend der sowjetischen Besatzung in den 1980er-Jahren.<\/p>\n\n\n\n

Seit jeher lebt die Familie in der iranischen Gro\u00dfstadt Maschhad. Als der Krieg in Syrien ausbrach, erreichte sie ein Konflikt, mit dem sie nicht gerechnet hatten. Im Juli 2015 reiste Alis Vater nach Teheran. Er wollte einen Weg finden, um f\u00fcr seine Familie Aufenthaltspapiere zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Beh\u00f6rden sagten ihm, dass die Rekrutierung f\u00fcr den Krieg in Syrien eine M\u00f6glichkeit darstellen k\u00f6nnte, um Papiere f\u00fcr uns alle zu erhalten. Andernfalls w\u00fcrde man uns sehr bald nach Afghanistan abschieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Mittlerweile k\u00e4mpfen Alis Vater und sein Onkel seit \u00fcber einem Jahr in Syrien. Am Aufenthaltsstatus seiner Familienmitglieder hat sich bis heute allerdings nichts ge\u00e4ndert. F\u00fcr Ali ist klar, dass dies nur eine Falle gewesen ist, um noch mehr Afghanen als Kanonenfutter zu missbrauchen.<\/p>\n\n\n\n

Anfangs gab es Papiere f\u00fcr K\u00e4mpfer-Familien<\/h2>\n\n\n\n

Den Kontakt zu seinem Vater hat der Afghane mittlerweile verloren. W\u00e4hrenddessen schickt ihm sein Onkel, der in Aleppo stationiert ist, hin und wieder Bilder \u00fcber den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ali denkt, dass nur sehr wenige Afghanen der Propaganda der iranischen Regierung glauben und in Syrien f\u00fcr eine \u201egute Sache\u201c k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

Source<\/a><\/p>\n","post_title":"Warum Afghanen in Syrien f\u00fcr Assad k\u00e4mpfen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"warum-afghanen-in-syrien-fur-assad-kampfen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3709","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":9},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Das ECCHR und seine Partner, darunter die jemenitische Menschenrechtsorganisation Mwatana, wollen dennoch vor dem Internationalen Strafgerichtshof unter anderem kl\u00e4ren lassen, ob sich die R\u00fcstungsmanager entsprechend dem internationalen V\u00f6lkerstrafrecht mitschuldig gemacht haben - und betreten damit in Den Haag juristisches Neuland. <\/p>\n\n\n\n

Hoffnung auf einen Pr\u00e4zedenzfall<\/h2>\n\n\n\n

\"Wir wollen vor dem Internationalen Strafgerichtshof einen juristischen Pr\u00e4zedenzfall schaffen, der zeigt, dass auch wirtschaftliche Profiteure eines Krieges mit Konsequenzen zu rechnen haben\", sagt die Rechtsanw\u00e4ltin Linde Bryk vom ECCHR.<\/p>\n\n\n\n

Vorbild sind den Verfassern der Strafanzeige die sogenannten N\u00fcrnberger Nachfolgeprozesse in Westdeutschland, als sich 1948 unter anderem die F\u00fchrungsriege des Industrieunternehmens IG Farben vor US-Milit\u00e4rrichtern f\u00fcr deren logistische Unterst\u00fctzung der nationalsozialistischen Kriegsverbrechen gerichtlich verantworten mussten. Sollte die Strafanzeige in Den Haag zur Befassung angenommen werden, k\u00f6nnten sich etwa auch deutsche R\u00fcstungsmanager vor Gericht erkl\u00e4ren m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Jahrelange Pr\u00fcfung wahrscheinlich<\/h2>\n\n\n\n

Erwartet wird, dass die Strafanzeige am Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag nun bis zu zwei Jahre lang gepr\u00fcft wird, ehe es zu einer Entscheidung \u00fcber ein m\u00f6gliches Verfahren kommt. Da weder Jemen noch Saudi-Arabien der internationalen Strafgerichtsbarkeit beigetreten sind, kann das Gericht nicht ohne Weiteres gegen Staatsb\u00fcrger dieser L\u00e4nder ermitteln.

Quelle<\/a><\/p>\n","post_title":"Anzeige gegen deutsche Waffenfirmen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"anzeige-gegen-deutsche-waffenfirmen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3778","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3775,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:37:30","post_date_gmt":"2020-08-14 13:37:30","post_content":"\n

Eine neue wissenschaftliche Untersuchung behauptet: Wirklich demokratisch war Israel nur f\u00fcr sechs Monate vor \u00fcber 40 Jahren<\/p>\n\n\n\n

Wahlen in Israel (Netanjahu gewinnt - aber wahrscheinlich keine absolute Mehrheit<\/a>) werden immer davon begleitet, dass es in Sozialen Medien turbulent zugeht: Die einen sehen Israel als \"Apartheidstaat\", in dem Wahlen allein deshalb schon bedeutungslos seien, weil Millionen Pal\u00e4stinenser in den besetzten Gebieten davon ausgeschlossen<\/a> werden. Die anderen feiern die Wahlen hingegen als abermaligen Beweis daf\u00fcr, dass es sich bei Israel um die \"einzige Demokratie im Nahen Osten\" handle.<\/p>\n\n\n\n

Wer von beiden Seiten mehr Recht hat, ist seit Jahrzehnten Gegenstand erbitterter Diskussion. W\u00e4hrend es bei Israels Nachbarstaaten wie \u00c4gypten, Saudi Arabien oder Jordanien wenig Zweifel am autorit\u00e4ren Charakter des politischen Systems gibt und formell demokratische Staaten wie Irak, Tunesien oder der Libanon in Demokratie-Ratings weit unten rangieren<\/a>, scheint die Bewertung bei Israel komplizierter.<\/p>\n\n\n\n

Uneinigkeit besteht schon dar\u00fcber, um wessen demokratische Rechte es eigentlich geht: Die von den rund 8,5 Millionen Menschen innerhalb der v\u00f6lkerrechtlich anerkannten Grenzen Israels? Oder auch jene der rund 5 Millionen Pal\u00e4stinenser im Gazastreifen und dem Westjordanland, also den Regionen, die Israel 1967 besetzt hat?<\/p>\n\n\n\n

Ob Israel eine Demokratie ist, h\u00e4ngt auch davon ab, was man unter Demokratie versteht<\/h3>\n\n\n\n

Eine Antwort auf diese Fragen hat Martin Beck<\/a> versucht zu finden. F\u00fcr das Hamburger GIGA Institut<\/em> hat der Professor f\u00fcr Nahost-Studien ein Gutachten zum politischen Systems Israels erstellt<\/a>. In der im Februar ver\u00f6ffentlichten Untersuchung listet er Argumente auf, die f\u00fcr und gegen den demokratischen Charakter des Staates sprechen. Sein Fazit zu der Frage, ob es sich bei Israel um eine Demokratie handelt: eher nicht. Israel habe \"sein fr\u00fcheres Alleinstellungsmerkmal als einzige Demokratie im Nahen und Mittleren Osten verloren\".<\/p>\n\n\n\n

Becks Analyse macht aber zun\u00e4chst ein anderes Problem deutlich: Die Frage, ob es sich bei einem Staat um eine Demokratie handelt, ist auch deshalb nicht einfach zu beantworten, weil es kein einheitliches Verst\u00e4ndnis davon gibt, was eine Demokratie eigentlich ist. In seiner Bewertung des politischen Systems Israel geht er deshalb von unterschiedlichen Definitionen aus.<\/p>\n\n\n\n

So umfasst ein \"weiter Demokratiebegriff\" zum Beispiel die Gleichheit aller Staatsb\u00fcrger. Folgt man diesem Verst\u00e4ndnis spreche die Benachteiligung der arabischen Staatsb\u00fcrger Israels gegen eine Einordnung Israel als Demokratie. Beck schreibt:<\/p>\n\n\n\n

Da die Staatsr\u00e4son Israels auf seinem j\u00fcdischen Charakter fu\u00dft und Gesetze hervorgebracht hat, die in zentralen Bereichen der Ressourcenverteilung wie beispielsweise Landbesitz arabische Israelis systematisch diskriminiert, erscheint Israel als undemokratisch.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Beck verweist allerdings darauf, dass dieses weite Demokratie-Verst\u00e4ndnis zwar unter Kritikern Israels verbreitet, in der wissenschaftlichen Debatte aber eher un\u00fcblich sei. Zudem w\u00fcrden andere als demokratisch geltende Staaten, diese Anforderungen ebenso nicht erf\u00fcllen.<\/p>\n\n\n\n

Demokratie-Pr\u00fcfung scheiterte am Milit\u00e4rrecht f\u00fcr arabische Israelis<\/h3>\n\n\n\n

Beck unterzieht Israels politisches Systems deshalb einer zweiten Pr\u00fcfung. Der amerikanische Politikwissenschaftler Robert Dahl hat acht Bedingungen formuliert, die ein politisches System mindestens erf\u00fcllen muss, um als Demokratie zu gelten.<\/p>\n\n\n\n

Diese sind: Organisationsfreiheit, Meinungsfreiheit, aktives und passives Wahlrecht, das Recht politischer Eliten auf Werbung f\u00fcr Unterst\u00fctzung und um W\u00e4hlerstimmen, der Zugang zu alternativen Informationsquellen, freie und faire Wahlen sowie die institutionelle Bindung von Regierungspolitik an Wahlen und andere Formen der Willensbildung.<\/p>\n\n\n\n

Legt man diese Minimaldefinition von Demokratie zugrunde, besteht Israel die Pr\u00fcfung. \"Mit Blick auf Israel erscheinen all diese Bedingungen nicht nur f\u00fcr seine j\u00fcdischen, sondern auch f\u00fcr seine arabischen Staatsb\u00fcrgerinnen und Staatsb\u00fcrger erf\u00fcllt\", schreibt Beck.<\/p>\n\n\n\n

Allerdings liefert er dazu eine gro\u00dfe zeitliche Einschr\u00e4nkung: So lebten in den ersten Jahren gro\u00dfe Teile der arabischen Bev\u00f6lkerung Israels unter Milit\u00e4rverwaltung und genossen nicht dieselben staatsb\u00fcrgerlichen Rechte wie der Rest der Bev\u00f6lkerung. Aufgehoben wurde das Milit\u00e4rrecht f\u00fcr arabische Israelis erst am 8. November 1966. Um einen demokratischen Staat k\u00f6nne es sich also fr\u00fchestens ab diesem Zeitpunkt handeln.<\/p>\n\n\n\n

Macht die Besatzung Israel zu einem undemokratischen Staat?<\/h3>\n\n\n\n

Nur wenige Monate folgte allerdings ein Ereignis, dass Israels Bewertung als demokratischen Staat abermals in Zweifel zieht. Im Zuge des Sechstagekrieges besetzte Israel im Juni 1967 die \u00e4gyptische Sinai-Halbinsel, den Gazastreifen, das zuvor von Jordanien kontrollierte Westjordanland und Ostjerusalem sowie die syrischen Golanh\u00f6hen.<\/p>\n\n\n\n

Die 1982 an \u00c4gypten zur\u00fcckgegebene Sinai-Halbinsel ausgenommen, dauert Israels Kontrolle \u00fcber jene Gebiete bis heute auf die ein oder andere Weise an. Spielt sie deshalb auch eine Rolle, wenn es um die Bewertung des politischen Systems Israels geht? Beck schreibt, dass \"die Errichtung der Besatzungsregime im Jahr 1967 zweifelsohne ein undemokratischer Akt [war]\", diese aber nicht zwangsl\u00e4ufig etwas am demokratischen Charakter des politischen Systems Israel \u00e4ndern w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n

Sehr wohl anrechnen lassen m\u00fcsse sich Israel aber die Situation auf den syrischen Golanh\u00f6hen und in Ostjerusalem, da diese mittlerweile ins israelische Staatsgebiet annektiert wurden. Beck schreibt:<\/p>\n\n\n\n

Die Annexion eines Territoriums durch einen Staat ohne Referendum, d.h. eine Abstimmung durch die betroffene Bev\u00f6lkerung, widerspricht demokratischen Prinzipien fundamental.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Wichtiger noch sei allerdings, dass viele von der Annexion betroffene Pal\u00e4stinenser bis heute nicht \u00fcber dieselben Rechte verf\u00fcgen wie ihre israelischen Nachbarn. Statt der israelischen Staatsb\u00fcrgerschaft tragen pal\u00e4stinensische Bewohner Ostjerusalems lediglich Identit\u00e4tskarten, die sie als st\u00e4ndige Bewohner der Stadt ausweisen.<\/p>\n\n\n\n

Damit sind sie in Israel zwar steuerpflichtig, haben Zugang zu Sozialleistungen und k\u00f6nnen sich innerhalb Israel frei bewegen, staatsb\u00fcrgerlichen Rechte, wie beispielsweise das aktive und passive Wahlrecht besitzen sie allerdings nicht. Als undemokratisch bewertet Beck deshalb das \"israelische Herrschaftsregime in Jerusalem\".<\/p>\n\n\n\n

Besatzung beenden oder dieselben staatsb\u00fcrgerlichen Rechte f\u00fcr Pal\u00e4stinenser<\/h3>\n\n\n\n

Ob auch die Situation im Westjordanland und Gazastreifen eine Rolle f\u00fcr die Bewertung des politischen Systems Israels spielt, entscheidet sich dem Spezialisten f\u00fcr politische Systeme im Nahen Osten<\/a> zufolge vor allem an einer Frage: Ist die Besetzung der Gebiete ein vor\u00fcbergehendes Ph\u00e4nomen oder auf Dauer angelegt?<\/p>\n\n\n\n

Nur im letzteren Fall m\u00fcsse man das Besatzungsregime als Teil des politischen Systems Israels bewerten, so Beck. F\u00fcr den anhaltenden Charakter spreche allein schon die schiere Dauer der Besatzung: So dauert die israelische Besatzung schon \u00fcber ein halbes Jahrhundert und damit dreimal so lange wie Israel in den Grenzen von 1949 bis 1967 existierte.<\/p>\n\n\n\n

Hinzu kommen weitere Indizien: Das Scheitern des Osloer Verhandlungsprozess in den 1990er Jahren und im ersten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts, der anhaltende Siedlungsprozess sowie die weitgehenden Einigkeit unter den gro\u00dfen politischen Parteien Israels - und dass gro\u00dfe Teile des Westjordanlands dauerhaft unter israelischer Kontrolle verbleiben sollen. Beck kommt zu dem Schluss:<\/p>\n\n\n\n

Alle Indizien verweisen also darauf, dass die israelische Herrschaft \u00fcber das Westjordanland auf Dauer angelegt ist. In einer Demokratie m\u00fcsste daher allen dort Wohnenden der uneingeschr\u00e4nkte Zugang zu den staatsb\u00fcrgerlichen Rechten des politischen Gemeinwesens gew\u00e4hrt werden. Dies ist aber nicht der Fall.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Zweifelsfrei war Israel lediglich f\u00fcr sechs Monate eine Demokratie<\/h3>\n\n\n\n

W\u00e4hrend an der israelischen Besatzung des Westjordanlands kein Zweifel besteht, \u00fcberrascht, dass Beck f\u00fcr den Gazastreifen zu einer \u00e4hnlichen Bewertung kommt. Schlie\u00dflich hat Israel seine Soldaten im Jahr 2007 aus dem K\u00fcstenstreifen abgezogen und j\u00fcdische Siedlungen aufgel\u00f6st.<\/p>\n\n\n\n

Beck argumentiert, dass Israel auch heute seine Kontrolle von Land, Luft und Wasser aufrechterh\u00e4lt und die Besatzungsherrschaft damit fortsetzt, ohne \"den dort lebenden Menschen irgendeine Form demokratischer Mitwirkungsrechte zu gew\u00e4hren\".<\/p>\n\n\n\n

Mit dieser Einsch\u00e4tzung ist Beck nicht allein. Auch die Vereinten Nationen<\/a> und der Internationale Strafgerichtshof<\/a> vertreten die Auffassung, dass die israelische Besatzung \u00fcber den Gazastreifen andauert.<\/p>\n\n\n\n

F\u00fcr die Gesamtbewertung des politischen Systems Israels hat diese Frage allerdings ohnehin keine entscheidende Bedeutung mehr. Denn Becks Fazit f\u00e4llt eindeutig aus: Zweifelsfrei um eine Demokratie gehandelt habe es sich bei Israel lediglich in einem kurzen sechsmonatigen Zeitraum zwischen der Abschaffung des Milit\u00e4rrechts f\u00fcr arabische Israelis im November 1966 und dem Beginn des Sechstagekrieges im Juni 1967.<\/p>\n\n\n\n

Sp\u00e4testens mit Beginn der Besatzungsherrschaft habe Israel seinen Charakter als Demokratie verloren. F\u00fcr heutige Debatten rund um Israel empfiehlt der Nahost-Professor deshalb auf das Demokratieargument besser zu verzichten.

der\u00a0Ursprung<\/a><\/p>\n","post_title":"Die einzige Demokratie im Nahen Osten?","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-einzige-demokratie-im-nahen-osten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3775","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3719,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:39:47","post_date_gmt":"2020-08-13 21:39:47","post_content":"\n

Jenni Zylka und Christoph Safferling im Gespr\u00e4ch mit Anke Schaefer<\/a>- Sie kommen aus Syrien und dem Irak nach Deutschland zur\u00fcck: Frauen, die sich dem sogenannten Islamischen Staat (IS) angeschlossen haben, mit Terroristen zusammenlebten. Soll man sie k\u00fcnftig h\u00e4rter bestrafen? Die Journalistin Jenni Zylka und der Jurist Christoph Safferling sehen das kritisch.<\/p>\n\n\n\n

Frauen, die sich dem IS angeschlossen, aber selbst nicht gek\u00e4mpft haben, sollen laut Generalbundesanwalt Peter Frank als Mitl\u00e4uferinnen h\u00e4rter bestraft werden k\u00f6nnen. Frank meint: \u201eWir sind der Meinung, dass sich  auch bei diesen Frauen die Mitgliedschaft in einer ausl\u00e4ndischen terroristischen Organisation bejahen l\u00e4sst, weil diese Frauen die innere Struktur des sogenannten Islamischen Staates und damit diese Terrororganisation von innen heraus st\u00e4rken.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Aber sind diese Frauen nicht eher Opfer? Weil sie Angst um ihre Kinder hatten, den Umgang mit der Waffe zur Selbstverteidigung gelernt haben? Jenni Zylka meint dazu:  \u00dcber eine Mitschuld solcher Frauen nachzudenken, sei nachvollziehbar und auch legitim. Jedoch m\u00fcsse sehr genau hingeschaut und jede dieser Frauen einzeln betrachtet werden. Man m\u00fcsse unterscheiden, ob Frauen mit IS-Terroristen zusammengelebt und f\u00fcr diese gesorgt h\u00e4tten oder ob sie selbst militant geworden seien. Viele von ihnen seien zudem traumatisiert durch die Erlebnisse in den IS-Lagern.<\/p>\n\n\n\n

\"DieDie Journalistin Jenni Zylka (Deutschlandradio \/ Andreas Buron)<\/p>\n\n\n\n

Nicht wie Schwerverbrecherinnen behandeln<\/h2>\n\n\n\n

Christoph Safferling, Professor f\u00fcr Strafrecht an der Universit\u00e4t Erlangen-N\u00fcrnberg, sagt, er halte die Argumentation des Generalbundesanwalts f\u00fcr problematisch. Es handle sich zun\u00e4chst einmal um allt\u00e4gliche Handlungen wie Kochen und Sorge um die Kinder. \u201eUnd die Frage ist: Wann sind solche neutralen Handlungen tats\u00e4chlich straftatunterst\u00fctzend.\u201c Ein Vorsatz, die terroristischen Strukturen zu unterst\u00fctzen, m\u00fcsse klar nachgewiesen werden.<\/p>\n\n\n\n

Vielmehr stelle sich die Frage, ob die Frauen nicht eher als Opfer betrachtet werden m\u00fcssten. Viele h\u00e4tten sich wie unter Zwang auf die Situation eingelassen \u2013 diese k\u00f6nne man strukturell durchaus mit den Bedingungen von Zwangsprostitution vergleichen. Viele der jungen Frauen seien auch unter Drogen gesetzt worden.<\/p>\n\n\n\n

Zugest\u00e4ndnis an Irak?<\/h2>\n\n\n\n

Eine m\u00f6gliche Erkl\u00e4rung der harten Linie der Generalbundesanwaltschaft \u00fcber die man nur spekulieren k\u00f6nne: \u201eIch kann mir auch vorstellen, dass, wenn es jetzt darum geht, Irak davon zu \u00fcberzeugen, die deutschen Staatsangeh\u00f6rigen, die dort einsitzen, auszuliefern, man ihnen gegen\u00fcber auch zu verstehen geben muss, dass die hier einer Strafverfolgung zugef\u00fchrt werden. Ansonsten w\u00fcrde der Irak sich vielleicht weigern, sie auszuliefern.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Safferling h\u00e4lt eine intensive Betreuung der zur\u00fcckgekehrten Frauen und M\u00e4dchen f\u00fcr unerl\u00e4sslich \u2013 man d\u00fcrfe sie keinesfalls alleine lassen und nicht wie Schwerverbrecherinnen behandeln. Es m\u00fcsse vielmehr verhindert werden, dass die jungen Frauen etwa in die Salafisten-Szene abtauchten.<\/p>\n","post_title":"Sie sind eher Opfer als Schwerverbrecherinnen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"sie-sind-eher-opfer-als-schwerverbrecherinnen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3719","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3709,"post_author":"7","post_date":"2020-08-13 21:30:50","post_date_gmt":"2020-08-13 21:30:50","post_content":"\n

Drei Millionen Afghanen sind ins Nachbarland Iran geflohen. Viele arbeiten schwarz. Die Aussicht auf einen festen Lohn plus Papiere f\u00fcr die Familie ist verlockend. Die Gegenleistung daf\u00fcr: K\u00e4mpfen in Syrien.<\/p>\n\n\n\n

Wenn Abu Fazel von den Gr\u00e4ueltaten des syrischen B\u00fcrgerkriegs h\u00f6rt, denkt er immer daran, dass er auch beinahe als K\u00e4mpfer auf diesem Schlachtfeld gelandet w\u00e4re. Doch Abu Fazel ist weder Syrer noch wollte er zum sogenannten \u201eIslamischen Staat\u201c. Der 18-J\u00e4hrige ist ein afghanischer Gefl\u00fcchteter, der zur Zeit in Leverkusen lebt.<\/p>\n\n\n\n

Den Gro\u00dfteil seines Lebens verbrachte er im Iran. Seine Familie ist dorthin gefl\u00fcchtet, als er ein Kind war. Doch als die iranische Regierung ihn nach Syrien schicken wollte, um auf der Seite von Machthaber Baschar al-Assad zu k\u00e4mpfen, entschloss er sich zu fliehen.<\/p>\n\n\n\n

\"Fl\u00fcchtlingeGefl\u00fcchtete aus dem Iran und Afghanistan an der Grenze zwischen Mazedonien und Griechenland. (picture alliance \/ dpa \/ Georgi Licovski)<\/p>\n\n\n\n

Tausende afghanische Jugendliche \u2013 die genaue Zahl ist nicht bekannt \u2013 wurden im Iran rekrutiert, um im Krieg in Syrien zu k\u00e4mpfen. Erst vor Kurzem berichtete die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, dass sie die Gr\u00e4ber von acht afghanischen Kindern, die in Syrien get\u00f6tet wurden, identifiziert hat. Laut der Organisation rekrutiert der Iran regelm\u00e4\u00dfig minderj\u00e4hrige K\u00e4mpfer, um sie nach Syrien zu schicken. Unter afghanischen Gefl\u00fcchteten ist diese Praxis schon l\u00e4nger bekannt.<\/p>\n\n\n\n

Rassismus gegen Afghanen im Iran<\/h2>\n\n\n\n

Fast drei Millionen Gefl\u00fcchtete aus Afghanistan sind inzwischen im Iran. Die meisten von ihnen leben in der Illegalit\u00e4t und werden als Schwarzarbeiter, etwa am Bau, ausgebeutet. Rassismus und Ausgrenzung geh\u00f6ren zu ihrem gesellschaftlichen Alltag. Kinder sind davon nicht ausgeschlossen. Im Gegenteil: Vielen afghanischen Kinderm ist es nicht erlaubt, staatliche Schulen zu besuchen. Abu Fazel wurde Zeit seines Lebens von dieser Diskrimierung beeinflusst und verfolgt.<\/p>\n\n\n\n

\u201e'Afghane\u2018 \u2013 das ist dort ein Schimpfwort. Ich h\u00f6rte es von klein auf immer wieder. Der Rassismus gegen Afghanen ist dort v\u00f6llig normal. Meine Herkunft, auf der ich eigentlich stolz war, ist im Iran stets eine Last gewesen. Wir sind dort B\u00fcrger zweiter Klasse.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung der afghanischen Gefl\u00fcchteten ist f\u00fcr Abu Fazel die Spitze jenes Rassismus, den er erlebt hat.<\/p>\n\n\n\n

Iran: Syrien vor sunnitischen Extremisten verteidigen<\/h2>\n\n\n\n

In Syrien k\u00e4mpfen neben den afghanischen Milizen auch andere paramilit\u00e4rische Gruppierungen im Auftrag des Irans: etwa die ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigten Revolutionsgarden, die einst Ayatollah Ruhollah Khomeini pers\u00f6nlich ins Leben rief oder die Basidsch-Milizen. Beiden Gruppierungen sind nicht nur in Syrien aktiv, sondern auch im Irak.<\/p>\n\n\n\n

Obowhl sich das syrische Regime von Baschar al-Assad als s\u00e4kular ausweist, wird es vom Iran, der sich als Repr\u00e4sentant aller muslimischen Schiiten betrachtet, unterst\u00fctzt. Gemeinsames Ziel in Syrien ist es: Schiiten vor sunnitische Extremisten zu verteidigen. Dennoch ist das Regime darauf bedacht, m\u00f6glichst wenig eigene K\u00e4mpfer nach Syrien zu schicken. \u00c4hnlich wie einst w\u00e4hrend des Krieges gegen Saddam Husseins Irak, setzt der Iran auf ausl\u00e4ndische K\u00e4mpfer.<\/p>\n\n\n\n

Die Rekrutierung war wie eine Gehirnw\u00e4sche<\/h2>\n\n\n\n

Abu Fazels Familie geh\u00f6rt zur afghanischen Minderheit der schiitischen Hazara \u2013 wie viele Afghanen, die in den Iran gekommen sind. Mittlerweile k\u00e4mpfen Tausende von ihnen in Syrien. Der Iran bezahlt die Afghanen mit einem Sold von wenigen hundert Dollar pro Monat und verspricht ihren Familien eine Aufenthaltsgenehmigung oder eine Arbeitserlaubnis.<\/p>\n\n\n\n

An der Rekrutierung der Afghanen sind sowohl die Revolutionsgarden als auch die erw\u00e4hnten Basidsch-Milizen beteiligt. Abu Fazel beschreibt, wie das Viertel, in dem er gemeinsam mit seiner Familie in Teheran lebte, regelm\u00e4\u00dfig von den K\u00e4mpfern aufgesucht wurde. Viele afghanische Gefl\u00fcchtete lebten dort \u2013 und fielen auf die Gehirnw\u00e4sche der Rattenf\u00e4nger herein.<\/p>\n\n\n\n

\u201eSie trafen junge M\u00e4nner und Jugendliche in den Moscheen und \u00fcberredeten sie, gegen den IS oder Al Qaida zu k\u00e4mpfen. Die Gehirnw\u00e4sche war perfekt. Am Ende merkten viele, darunter auch ich, nicht einmal, dass wir in ihre Propaganda getappt waren. Ihre \u00dcberredungskunst war wirklich sehr speziell. Am Ende hat man Lust, nach Syrien zu gehen, um zu k\u00e4mpfen\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Erfolg hatten die Rekrutierer des Regimes auch bei Abu Fazels Cousin, der zum damaligen Zeitpunkt ebenfalls minderj\u00e4hrig gewesen ist. Er ging nach Syrien und k\u00e4mpfte unter der Flagge der \u201eLiwa Fatemiyoun\u201c, wie die afghanische Division auf Seiten Assads hei\u00dft. Offiziell ist die Aufgabe der Miliz die Verteidigung des Schreines von Zaynab im S\u00fcden von Damaskus. Zaynab war die Enkelin des islamischen Propheten Mohammad. Laut iranischen Staatsmedien k\u00e4mpfen mindestens 20.000 Afghanen in der Division.<\/p>\n\n\n\n

Im August 2014 entschloss sich auch Abu Fazel, nach Syrien zu gehen und zu k\u00e4mpfen. Im selben Monat wurde sein Cousin in der N\u00e4he von Aleppo im Kampf gegen syrische Rebellen get\u00f6tet.<\/p>\n\n\n\n

\u201eMein Cousin wurde dort get\u00f6tet. Auch andere Jungs aus unserer Gegend gingen nach Syrien und fielen dort. Lokale Zeitungen nannten sie \u201aM\u00e4rtyrer\u2018.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Lieber Flucht statt K\u00e4mpfer in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein solcher \u201eM\u00e4rtyrer\u201c wollte Abu Fazel allerdings nicht werden. Er floh eine Woche vor dem Beginn seiner dreimonatigen Kampfausbildung. Es war ihm lieber, ein Leben auf der Flucht zu verbringen, als in Syrien unschuldige Menschen f\u00fcr einen Diktator zu t\u00f6ten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eIch kam zu dem Schluss, dass ich nicht als M\u00f6rder weiterleben k\u00f6nnte. Stets dachte ich mir, dass selbst die schlimmsten Al-Qaida- oder IS-Terroristen Kinder haben k\u00f6nnten, die ihren Vater lieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Abu Fazel verlor seinen eigenen Vater bereits sehr fr\u00fch. Er wurde Opfer des B\u00fcrgerkriegs in Afghanistan, der von 1989 bis 2001 tausende Menschen das Leben kostete. Auch der Iran mischte in der Zeit schon mit. Es ist allgemein bekannt, dass die schiitischen Hazara-Milizen, die den B\u00fcrgerkrieg ebenfalls mitanfachten, von der Regierung in Teheran unterst\u00fctzt wurden.<\/p>\n\n\n\n

Als Abu Fazel sich nun entschloss, aus der Gewaltspirale auszusteigen und nicht in Syrien zu k\u00e4mpfen, wuchs die Angst bei seiner Familie. Denn f\u00fcr die iranischen Beh\u00f6rden gilt: Hat man sich einmal gemeldet, gibt es kein zur\u00fcck. Man muss an die Front nach Syrien \u2013 oder wird zur\u00fcck nach Afghanistan abgeschoben, wo ebenfalls Krieg herrscht.<\/p>\n\n\n\n

Der einzige Ausweg f\u00fcr den jungen Afghanen war die Flucht. \u00dcber die T\u00fcrkei, Griechenland und die Balkranroute erreichte er mit gro\u00dfer M\u00fche Deutschland, wo er einen Asylantrag stellte.<\/p>\n\n\n\n

Erster Asylantrag in Deutschland abgelehnt<\/h2>\n\n\n\n

Als Grund nannte er seine Rekrutierung als Kindersoldat seitens des iranischen Regimes. Doch w\u00e4hrend diese Begr\u00fcndung in Abu Fazels Augen v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich war, sahen deutsche Beh\u00f6rden das anders. Sein erster Antrag wurde abgelehnt. Derzeit versucht er es ein zweites Mal. Die Bundesrepublik schiebt afghanische Gefl\u00fcchtete weiterhin ab.<\/p>\n\n\n\n

\"EinAbschiebung von Afghanen im Dezember 2016 mit einem Charterflug von Frankfurt nach Kabul. (dpa \/picture alliance \/ Boris Roessler)<\/p>\n\n\n\n

Die Verantwortlichen weisen in diesem Kontext immer wieder auf vermeintlich \u201esichere Gebiete\u201c im Land, die nicht n\u00e4her benannt werden.<\/p>\n\n\n\n

W\u00e4hrenddessen machen Menschenrechtsorganisationen regelm\u00e4\u00dfig darauf aufmerksam, dass keine Region am Hindukusch sicher ist. Stattdessen wird in manchen Gebieten nur weniger Krieg gef\u00fchrt als in anderen.<\/p>\n\n\n\n

\"SieDemonstranten protestieren in Frankfurt am Main gegen die Abschiebung von Afghanen. Auf einem der Transparente steht \u201eAfghanistan is not safe\u201c. (AFP \/ Daniel Roland)<\/p>\n\n\n\n

Alis Vater und Onkel k\u00e4mpfen in Syrien<\/h2>\n\n\n\n

Ein \u00e4hnliches Schicksal wie Abu Fazel erlitt der 18-j\u00e4hrige Ali (Namen ge\u00e4ndert). Auch er floh aus dem Iran nach Deutschland, um der Rekrutierung f\u00fcr Assads Milizen zu entgehen. Viele seiner afghanischen Freunde sind bereits nach Syrien gezogen \u2013 und kamen niemals zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Alis Familie, ebenfalls Angeh\u00f6rige der Hazara-Minderheit, stammt urspr\u00fcnglich aus der Provinz Ghor im Nordosten Afghanistans. Ihre Heimat verlie\u00dfen sie w\u00e4hrend der sowjetischen Besatzung in den 1980er-Jahren.<\/p>\n\n\n\n

Seit jeher lebt die Familie in der iranischen Gro\u00dfstadt Maschhad. Als der Krieg in Syrien ausbrach, erreichte sie ein Konflikt, mit dem sie nicht gerechnet hatten. Im Juli 2015 reiste Alis Vater nach Teheran. Er wollte einen Weg finden, um f\u00fcr seine Familie Aufenthaltspapiere zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Beh\u00f6rden sagten ihm, dass die Rekrutierung f\u00fcr den Krieg in Syrien eine M\u00f6glichkeit darstellen k\u00f6nnte, um Papiere f\u00fcr uns alle zu erhalten. Andernfalls w\u00fcrde man uns sehr bald nach Afghanistan abschieben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Mittlerweile k\u00e4mpfen Alis Vater und sein Onkel seit \u00fcber einem Jahr in Syrien. Am Aufenthaltsstatus seiner Familienmitglieder hat sich bis heute allerdings nichts ge\u00e4ndert. F\u00fcr Ali ist klar, dass dies nur eine Falle gewesen ist, um noch mehr Afghanen als Kanonenfutter zu missbrauchen.<\/p>\n\n\n\n

Anfangs gab es Papiere f\u00fcr K\u00e4mpfer-Familien<\/h2>\n\n\n\n

Den Kontakt zu seinem Vater hat der Afghane mittlerweile verloren. W\u00e4hrenddessen schickt ihm sein Onkel, der in Aleppo stationiert ist, hin und wieder Bilder \u00fcber den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ali denkt, dass nur sehr wenige Afghanen der Propaganda der iranischen Regierung glauben und in Syrien f\u00fcr eine \u201egute Sache\u201c k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n

Laut Ali erhielten anfangs einige Familien tats\u00e4chlich Dokumente, sie durften arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch dies \u00e4nderte sich mit der Zeit, und zwar gezielt.<\/p>\n\n\n\n

\u201eDie Angeh\u00f6rigen der Rekruten erhielten anfangs Papiere. So hat man auch die anderen afghanischen Gefl\u00fcchteten hinters Licht gef\u00fchrt, damit sich mehr M\u00e4nner freiwillig melden. Viele von ihnen starben. Mein Vater ist weiterhin dort, doch meine Familie hat keine Papiere erhalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n

Der Umstand, dass Iran afghanische Milizen nach Syrien schickt, wird auch von anderen, extremistischen Gruppierungen, die sektiererisch vorgehen, instrumentalisiert.<\/p>\n\n\n\n

Parallel zum Krieg in Syrien sind auch die Angriffe auf Schiiten in Afghanistan gestiegen. In der Hauptstadt Kabul fanden in den letzten Wochen und Monaten mehrere blutige Angriffe auf schiitische Moscheen statt. Regelm\u00e4\u00dfig bekannte sich der afghanische Ableger des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c zu den Bluttaten.<\/p>\n\n\n\n

Als Grund nannten die Extremisten unter anderem immer wieder, dass afghanische Schiiten unschuldige Sunniten in Syrien t\u00f6ten w\u00fcrden.

Source<\/a><\/p>\n","post_title":"Warum Afghanen in Syrien f\u00fcr Assad k\u00e4mpfen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"warum-afghanen-in-syrien-fur-assad-kampfen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3709","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":9},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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