Die Zustände in „Moria 2.0“ verschlechtern sich

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Nachdem das schreckliche Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos im September niedergebrannt ist und damit einen internationalen Aufschrei über die unmenschlichen Bedingungen, unter denen Asylsuchende leben mussten, ausgelöst hat, verschlechtern sich die Zustände im provisorischen Ersatzlager weiter.

Von Demokratiezentrum für Transparenz

(22. Oktober 2020 – Berlin) Die NGOs Oxfam und der Griechische Flüchtlingsrat berichteten am Dienstag, dass die Zustände in Morias Ersatzlager, einer informellen Unterkunft auf einem ehemaligen Schießstand, die den 13.000 Menschen, die nach einem Brand obdachlos geworden sind, vorübergehend Schutz bieten soll, schlechter sind als im ursprünglichen Lager. Über 7.500 Personen wurden trotz der bevorstehenden Wintermonate unter Zwang in wetteruntauglichen Zelten untergebracht, die oft schon nach 10 Minuten Regen durchnässt sind. Laut Berichten gibt es im Lager, dessen Zelte teilweise nur zwanzig Meter vom Meer entfernt stehen, während einer Pandemie kaum fließendes Wasser, eingeschränkte medizinische Versorgung und keinen Zugang zu Rechtsbeistand, was das Erreichen von Bewegungsfreiheit schwieriger denn je macht. Auch der klägliche Mangel an Toiletten und Duschen setzt die Bewohner einem erhöhten Risiko sexueller und geschlechtsbezogener Gewalt aus. Einige verzweifelte Bewohner baden und waschen sich im nahe gelegenen Meer und riskieren dabei, zu ertrinken oder sich Krankheiten einzufangen, da das Abwasser des Lagers ins Meer geleitet wird. Kinder und Erwachsene müssen Schlange stehen, um ihre Behälter mit kaltem Wasser aus einem Schlauch zu füllen, während es im ganzen Lager keine Möglichkeiten für physische Distanz- oder Hygienemaßnahmen gibt.

Obwohl Deutschland seine anfängliche Zusage, 150 Flüchtlinge aufzunehmen, auf 1.600 erhöht hat, gibt es immer noch 7.500 Personen, die diesen verschlechterten Zuständen nicht entkommen können und ernstlich vom Risiko eines massiven Covid-19-Ausbruchs bedroht sind. In diesem Zusammenhang hat der Guardian berichtet, dass zwei weitere Lager auf Lesbos, die speziell für gefährdete Menschen eingerichtet wurden, bereits zur nächsten Woche geschlossen werden sollen. Niedersachsens Innenminister Pistorius kritisierte am Freitag die mangelnde Bereitschaft anderer EU-Länder, Flüchtlinge aufzunehmen, als „beschämend“, da große EU-Staaten wie Großbritannien sich weigerten, jegliche Asylbewerber aufzunehmen. Da es derzeit keine EU-weiten Standards für die Unterbringung von Flüchtlingen gebe, seien „Massenunterkünfte, sei es in Deutschland oder anderswo in Europa, weder menschenwürdig noch [sei] es möglich, Infektionsschutz oder auch nur minimale Hygieneanforderungen zu erfüllen“, fügte der SPD-Politiker Aziz Bozkurt hinzu.

Während 85% der Flüchtlinge weltweit, laut Berichten von Amnesty International, in Entwicklungsländern untergebracht sind, haben die EU-Staaten ihre Bemühungen darauf gerichtet, Verfolgte davon abzuhalten, in der Europäischen Union Schutz zu suchen, und unabhängig von der jeweiligen Menschenrechtslage Migrationskooperationen mit den Herkunftsorten aufzubauen. Weit über fünf Jahre nach der sogenannten Flüchtlingskrise von 2015 blockieren immer noch Differenzen dringende Reformen des EU-Asylrechts, und es wurde kein Verteilungssystem für die gesamte Region eingerichtet, was zu einer massenhaften Überfüllung der Ankunftsorte und zum fehlendem Zugang zu wichtigen Ressourcen führt, was sich weiter verschlimmern wird, wenn sich die Prioritäten nicht verschieben und endlich bilaterale Vereinbarungen getroffen werden.

Demokratiezentrum für Transparenz

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