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F\u00fcr die Gesamtbewertung des politischen Systems Israels hat diese Frage allerdings ohnehin keine entscheidende Bedeutung mehr. Denn Becks Fazit f\u00e4llt eindeutig aus: Zweifelsfrei um eine Demokratie gehandelt habe es sich bei Israel lediglich in einem kurzen sechsmonatigen Zeitraum zwischen der Abschaffung des Milit\u00e4rrechts f\u00fcr arabische Israelis im November 1966 und dem Beginn des Sechstagekrieges im Juni 1967.<\/p>\n\n\n\n

Sp\u00e4testens mit Beginn der Besatzungsherrschaft habe Israel seinen Charakter als Demokratie verloren. F\u00fcr heutige Debatten rund um Israel empfiehlt der Nahost-Professor deshalb auf das Demokratieargument besser zu verzichten.

der\u00a0Ursprung<\/a><\/p>\n","post_title":"Die einzige Demokratie im Nahen Osten?","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-einzige-demokratie-im-nahen-osten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3775","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":53},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Mit dieser Einsch\u00e4tzung ist Beck nicht allein. Auch die Vereinten Nationen<\/a> und der Internationale Strafgerichtshof<\/a> vertreten die Auffassung, dass die israelische Besatzung \u00fcber den Gazastreifen andauert.<\/p>\n\n\n\n

F\u00fcr die Gesamtbewertung des politischen Systems Israels hat diese Frage allerdings ohnehin keine entscheidende Bedeutung mehr. Denn Becks Fazit f\u00e4llt eindeutig aus: Zweifelsfrei um eine Demokratie gehandelt habe es sich bei Israel lediglich in einem kurzen sechsmonatigen Zeitraum zwischen der Abschaffung des Milit\u00e4rrechts f\u00fcr arabische Israelis im November 1966 und dem Beginn des Sechstagekrieges im Juni 1967.<\/p>\n\n\n\n

Sp\u00e4testens mit Beginn der Besatzungsherrschaft habe Israel seinen Charakter als Demokratie verloren. F\u00fcr heutige Debatten rund um Israel empfiehlt der Nahost-Professor deshalb auf das Demokratieargument besser zu verzichten.

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Beck argumentiert, dass Israel auch heute seine Kontrolle von Land, Luft und Wasser aufrechterh\u00e4lt und die Besatzungsherrschaft damit fortsetzt, ohne \"den dort lebenden Menschen irgendeine Form demokratischer Mitwirkungsrechte zu gew\u00e4hren\".<\/p>\n\n\n\n

Mit dieser Einsch\u00e4tzung ist Beck nicht allein. Auch die Vereinten Nationen<\/a> und der Internationale Strafgerichtshof<\/a> vertreten die Auffassung, dass die israelische Besatzung \u00fcber den Gazastreifen andauert.<\/p>\n\n\n\n

F\u00fcr die Gesamtbewertung des politischen Systems Israels hat diese Frage allerdings ohnehin keine entscheidende Bedeutung mehr. Denn Becks Fazit f\u00e4llt eindeutig aus: Zweifelsfrei um eine Demokratie gehandelt habe es sich bei Israel lediglich in einem kurzen sechsmonatigen Zeitraum zwischen der Abschaffung des Milit\u00e4rrechts f\u00fcr arabische Israelis im November 1966 und dem Beginn des Sechstagekrieges im Juni 1967.<\/p>\n\n\n\n

Sp\u00e4testens mit Beginn der Besatzungsherrschaft habe Israel seinen Charakter als Demokratie verloren. F\u00fcr heutige Debatten rund um Israel empfiehlt der Nahost-Professor deshalb auf das Demokratieargument besser zu verzichten.

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W\u00e4hrend an der israelischen Besatzung des Westjordanlands kein Zweifel besteht, \u00fcberrascht, dass Beck f\u00fcr den Gazastreifen zu einer \u00e4hnlichen Bewertung kommt. Schlie\u00dflich hat Israel seine Soldaten im Jahr 2007 aus dem K\u00fcstenstreifen abgezogen und j\u00fcdische Siedlungen aufgel\u00f6st.<\/p>\n\n\n\n

Beck argumentiert, dass Israel auch heute seine Kontrolle von Land, Luft und Wasser aufrechterh\u00e4lt und die Besatzungsherrschaft damit fortsetzt, ohne \"den dort lebenden Menschen irgendeine Form demokratischer Mitwirkungsrechte zu gew\u00e4hren\".<\/p>\n\n\n\n

Mit dieser Einsch\u00e4tzung ist Beck nicht allein. Auch die Vereinten Nationen<\/a> und der Internationale Strafgerichtshof<\/a> vertreten die Auffassung, dass die israelische Besatzung \u00fcber den Gazastreifen andauert.<\/p>\n\n\n\n

F\u00fcr die Gesamtbewertung des politischen Systems Israels hat diese Frage allerdings ohnehin keine entscheidende Bedeutung mehr. Denn Becks Fazit f\u00e4llt eindeutig aus: Zweifelsfrei um eine Demokratie gehandelt habe es sich bei Israel lediglich in einem kurzen sechsmonatigen Zeitraum zwischen der Abschaffung des Milit\u00e4rrechts f\u00fcr arabische Israelis im November 1966 und dem Beginn des Sechstagekrieges im Juni 1967.<\/p>\n\n\n\n

Sp\u00e4testens mit Beginn der Besatzungsherrschaft habe Israel seinen Charakter als Demokratie verloren. F\u00fcr heutige Debatten rund um Israel empfiehlt der Nahost-Professor deshalb auf das Demokratieargument besser zu verzichten.

der\u00a0Ursprung<\/a><\/p>\n","post_title":"Die einzige Demokratie im Nahen Osten?","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-einzige-demokratie-im-nahen-osten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3775","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":53},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Zweifelsfrei war Israel lediglich f\u00fcr sechs Monate eine Demokratie<\/h3>\n\n\n\n

W\u00e4hrend an der israelischen Besatzung des Westjordanlands kein Zweifel besteht, \u00fcberrascht, dass Beck f\u00fcr den Gazastreifen zu einer \u00e4hnlichen Bewertung kommt. Schlie\u00dflich hat Israel seine Soldaten im Jahr 2007 aus dem K\u00fcstenstreifen abgezogen und j\u00fcdische Siedlungen aufgel\u00f6st.<\/p>\n\n\n\n

Beck argumentiert, dass Israel auch heute seine Kontrolle von Land, Luft und Wasser aufrechterh\u00e4lt und die Besatzungsherrschaft damit fortsetzt, ohne \"den dort lebenden Menschen irgendeine Form demokratischer Mitwirkungsrechte zu gew\u00e4hren\".<\/p>\n\n\n\n

Mit dieser Einsch\u00e4tzung ist Beck nicht allein. Auch die Vereinten Nationen<\/a> und der Internationale Strafgerichtshof<\/a> vertreten die Auffassung, dass die israelische Besatzung \u00fcber den Gazastreifen andauert.<\/p>\n\n\n\n

F\u00fcr die Gesamtbewertung des politischen Systems Israels hat diese Frage allerdings ohnehin keine entscheidende Bedeutung mehr. Denn Becks Fazit f\u00e4llt eindeutig aus: Zweifelsfrei um eine Demokratie gehandelt habe es sich bei Israel lediglich in einem kurzen sechsmonatigen Zeitraum zwischen der Abschaffung des Milit\u00e4rrechts f\u00fcr arabische Israelis im November 1966 und dem Beginn des Sechstagekrieges im Juni 1967.<\/p>\n\n\n\n

Sp\u00e4testens mit Beginn der Besatzungsherrschaft habe Israel seinen Charakter als Demokratie verloren. F\u00fcr heutige Debatten rund um Israel empfiehlt der Nahost-Professor deshalb auf das Demokratieargument besser zu verzichten.

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Alle Indizien verweisen also darauf, dass die israelische Herrschaft \u00fcber das Westjordanland auf Dauer angelegt ist. In einer Demokratie m\u00fcsste daher allen dort Wohnenden der uneingeschr\u00e4nkte Zugang zu den staatsb\u00fcrgerlichen Rechten des politischen Gemeinwesens gew\u00e4hrt werden. Dies ist aber nicht der Fall.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Zweifelsfrei war Israel lediglich f\u00fcr sechs Monate eine Demokratie<\/h3>\n\n\n\n

W\u00e4hrend an der israelischen Besatzung des Westjordanlands kein Zweifel besteht, \u00fcberrascht, dass Beck f\u00fcr den Gazastreifen zu einer \u00e4hnlichen Bewertung kommt. Schlie\u00dflich hat Israel seine Soldaten im Jahr 2007 aus dem K\u00fcstenstreifen abgezogen und j\u00fcdische Siedlungen aufgel\u00f6st.<\/p>\n\n\n\n

Beck argumentiert, dass Israel auch heute seine Kontrolle von Land, Luft und Wasser aufrechterh\u00e4lt und die Besatzungsherrschaft damit fortsetzt, ohne \"den dort lebenden Menschen irgendeine Form demokratischer Mitwirkungsrechte zu gew\u00e4hren\".<\/p>\n\n\n\n

Mit dieser Einsch\u00e4tzung ist Beck nicht allein. Auch die Vereinten Nationen<\/a> und der Internationale Strafgerichtshof<\/a> vertreten die Auffassung, dass die israelische Besatzung \u00fcber den Gazastreifen andauert.<\/p>\n\n\n\n

F\u00fcr die Gesamtbewertung des politischen Systems Israels hat diese Frage allerdings ohnehin keine entscheidende Bedeutung mehr. Denn Becks Fazit f\u00e4llt eindeutig aus: Zweifelsfrei um eine Demokratie gehandelt habe es sich bei Israel lediglich in einem kurzen sechsmonatigen Zeitraum zwischen der Abschaffung des Milit\u00e4rrechts f\u00fcr arabische Israelis im November 1966 und dem Beginn des Sechstagekrieges im Juni 1967.<\/p>\n\n\n\n

Sp\u00e4testens mit Beginn der Besatzungsherrschaft habe Israel seinen Charakter als Demokratie verloren. F\u00fcr heutige Debatten rund um Israel empfiehlt der Nahost-Professor deshalb auf das Demokratieargument besser zu verzichten.

der\u00a0Ursprung<\/a><\/p>\n","post_title":"Die einzige Demokratie im Nahen Osten?","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-einzige-demokratie-im-nahen-osten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3775","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":53},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Hinzu kommen weitere Indizien: Das Scheitern des Osloer Verhandlungsprozess in den 1990er Jahren und im ersten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts, der anhaltende Siedlungsprozess sowie die weitgehenden Einigkeit unter den gro\u00dfen politischen Parteien Israels - und dass gro\u00dfe Teile des Westjordanlands dauerhaft unter israelischer Kontrolle verbleiben sollen. Beck kommt zu dem Schluss:<\/p>\n\n\n\n

Alle Indizien verweisen also darauf, dass die israelische Herrschaft \u00fcber das Westjordanland auf Dauer angelegt ist. In einer Demokratie m\u00fcsste daher allen dort Wohnenden der uneingeschr\u00e4nkte Zugang zu den staatsb\u00fcrgerlichen Rechten des politischen Gemeinwesens gew\u00e4hrt werden. Dies ist aber nicht der Fall.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Zweifelsfrei war Israel lediglich f\u00fcr sechs Monate eine Demokratie<\/h3>\n\n\n\n

W\u00e4hrend an der israelischen Besatzung des Westjordanlands kein Zweifel besteht, \u00fcberrascht, dass Beck f\u00fcr den Gazastreifen zu einer \u00e4hnlichen Bewertung kommt. Schlie\u00dflich hat Israel seine Soldaten im Jahr 2007 aus dem K\u00fcstenstreifen abgezogen und j\u00fcdische Siedlungen aufgel\u00f6st.<\/p>\n\n\n\n

Beck argumentiert, dass Israel auch heute seine Kontrolle von Land, Luft und Wasser aufrechterh\u00e4lt und die Besatzungsherrschaft damit fortsetzt, ohne \"den dort lebenden Menschen irgendeine Form demokratischer Mitwirkungsrechte zu gew\u00e4hren\".<\/p>\n\n\n\n

Mit dieser Einsch\u00e4tzung ist Beck nicht allein. Auch die Vereinten Nationen<\/a> und der Internationale Strafgerichtshof<\/a> vertreten die Auffassung, dass die israelische Besatzung \u00fcber den Gazastreifen andauert.<\/p>\n\n\n\n

F\u00fcr die Gesamtbewertung des politischen Systems Israels hat diese Frage allerdings ohnehin keine entscheidende Bedeutung mehr. Denn Becks Fazit f\u00e4llt eindeutig aus: Zweifelsfrei um eine Demokratie gehandelt habe es sich bei Israel lediglich in einem kurzen sechsmonatigen Zeitraum zwischen der Abschaffung des Milit\u00e4rrechts f\u00fcr arabische Israelis im November 1966 und dem Beginn des Sechstagekrieges im Juni 1967.<\/p>\n\n\n\n

Sp\u00e4testens mit Beginn der Besatzungsherrschaft habe Israel seinen Charakter als Demokratie verloren. F\u00fcr heutige Debatten rund um Israel empfiehlt der Nahost-Professor deshalb auf das Demokratieargument besser zu verzichten.

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Nur im letzteren Fall m\u00fcsse man das Besatzungsregime als Teil des politischen Systems Israels bewerten, so Beck. F\u00fcr den anhaltenden Charakter spreche allein schon die schiere Dauer der Besatzung: So dauert die israelische Besatzung schon \u00fcber ein halbes Jahrhundert und damit dreimal so lange wie Israel in den Grenzen von 1949 bis 1967 existierte.<\/p>\n\n\n\n

Hinzu kommen weitere Indizien: Das Scheitern des Osloer Verhandlungsprozess in den 1990er Jahren und im ersten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts, der anhaltende Siedlungsprozess sowie die weitgehenden Einigkeit unter den gro\u00dfen politischen Parteien Israels - und dass gro\u00dfe Teile des Westjordanlands dauerhaft unter israelischer Kontrolle verbleiben sollen. Beck kommt zu dem Schluss:<\/p>\n\n\n\n

Alle Indizien verweisen also darauf, dass die israelische Herrschaft \u00fcber das Westjordanland auf Dauer angelegt ist. In einer Demokratie m\u00fcsste daher allen dort Wohnenden der uneingeschr\u00e4nkte Zugang zu den staatsb\u00fcrgerlichen Rechten des politischen Gemeinwesens gew\u00e4hrt werden. Dies ist aber nicht der Fall.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Zweifelsfrei war Israel lediglich f\u00fcr sechs Monate eine Demokratie<\/h3>\n\n\n\n

W\u00e4hrend an der israelischen Besatzung des Westjordanlands kein Zweifel besteht, \u00fcberrascht, dass Beck f\u00fcr den Gazastreifen zu einer \u00e4hnlichen Bewertung kommt. Schlie\u00dflich hat Israel seine Soldaten im Jahr 2007 aus dem K\u00fcstenstreifen abgezogen und j\u00fcdische Siedlungen aufgel\u00f6st.<\/p>\n\n\n\n

Beck argumentiert, dass Israel auch heute seine Kontrolle von Land, Luft und Wasser aufrechterh\u00e4lt und die Besatzungsherrschaft damit fortsetzt, ohne \"den dort lebenden Menschen irgendeine Form demokratischer Mitwirkungsrechte zu gew\u00e4hren\".<\/p>\n\n\n\n

Mit dieser Einsch\u00e4tzung ist Beck nicht allein. Auch die Vereinten Nationen<\/a> und der Internationale Strafgerichtshof<\/a> vertreten die Auffassung, dass die israelische Besatzung \u00fcber den Gazastreifen andauert.<\/p>\n\n\n\n

F\u00fcr die Gesamtbewertung des politischen Systems Israels hat diese Frage allerdings ohnehin keine entscheidende Bedeutung mehr. Denn Becks Fazit f\u00e4llt eindeutig aus: Zweifelsfrei um eine Demokratie gehandelt habe es sich bei Israel lediglich in einem kurzen sechsmonatigen Zeitraum zwischen der Abschaffung des Milit\u00e4rrechts f\u00fcr arabische Israelis im November 1966 und dem Beginn des Sechstagekrieges im Juni 1967.<\/p>\n\n\n\n

Sp\u00e4testens mit Beginn der Besatzungsherrschaft habe Israel seinen Charakter als Demokratie verloren. F\u00fcr heutige Debatten rund um Israel empfiehlt der Nahost-Professor deshalb auf das Demokratieargument besser zu verzichten.

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Ob auch die Situation im Westjordanland und Gazastreifen eine Rolle f\u00fcr die Bewertung des politischen Systems Israels spielt, entscheidet sich dem Spezialisten f\u00fcr politische Systeme im Nahen Osten<\/a> zufolge vor allem an einer Frage: Ist die Besetzung der Gebiete ein vor\u00fcbergehendes Ph\u00e4nomen oder auf Dauer angelegt?<\/p>\n\n\n\n

Nur im letzteren Fall m\u00fcsse man das Besatzungsregime als Teil des politischen Systems Israels bewerten, so Beck. F\u00fcr den anhaltenden Charakter spreche allein schon die schiere Dauer der Besatzung: So dauert die israelische Besatzung schon \u00fcber ein halbes Jahrhundert und damit dreimal so lange wie Israel in den Grenzen von 1949 bis 1967 existierte.<\/p>\n\n\n\n

Hinzu kommen weitere Indizien: Das Scheitern des Osloer Verhandlungsprozess in den 1990er Jahren und im ersten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts, der anhaltende Siedlungsprozess sowie die weitgehenden Einigkeit unter den gro\u00dfen politischen Parteien Israels - und dass gro\u00dfe Teile des Westjordanlands dauerhaft unter israelischer Kontrolle verbleiben sollen. Beck kommt zu dem Schluss:<\/p>\n\n\n\n

Alle Indizien verweisen also darauf, dass die israelische Herrschaft \u00fcber das Westjordanland auf Dauer angelegt ist. In einer Demokratie m\u00fcsste daher allen dort Wohnenden der uneingeschr\u00e4nkte Zugang zu den staatsb\u00fcrgerlichen Rechten des politischen Gemeinwesens gew\u00e4hrt werden. Dies ist aber nicht der Fall.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Zweifelsfrei war Israel lediglich f\u00fcr sechs Monate eine Demokratie<\/h3>\n\n\n\n

W\u00e4hrend an der israelischen Besatzung des Westjordanlands kein Zweifel besteht, \u00fcberrascht, dass Beck f\u00fcr den Gazastreifen zu einer \u00e4hnlichen Bewertung kommt. Schlie\u00dflich hat Israel seine Soldaten im Jahr 2007 aus dem K\u00fcstenstreifen abgezogen und j\u00fcdische Siedlungen aufgel\u00f6st.<\/p>\n\n\n\n

Beck argumentiert, dass Israel auch heute seine Kontrolle von Land, Luft und Wasser aufrechterh\u00e4lt und die Besatzungsherrschaft damit fortsetzt, ohne \"den dort lebenden Menschen irgendeine Form demokratischer Mitwirkungsrechte zu gew\u00e4hren\".<\/p>\n\n\n\n

Mit dieser Einsch\u00e4tzung ist Beck nicht allein. Auch die Vereinten Nationen<\/a> und der Internationale Strafgerichtshof<\/a> vertreten die Auffassung, dass die israelische Besatzung \u00fcber den Gazastreifen andauert.<\/p>\n\n\n\n

F\u00fcr die Gesamtbewertung des politischen Systems Israels hat diese Frage allerdings ohnehin keine entscheidende Bedeutung mehr. Denn Becks Fazit f\u00e4llt eindeutig aus: Zweifelsfrei um eine Demokratie gehandelt habe es sich bei Israel lediglich in einem kurzen sechsmonatigen Zeitraum zwischen der Abschaffung des Milit\u00e4rrechts f\u00fcr arabische Israelis im November 1966 und dem Beginn des Sechstagekrieges im Juni 1967.<\/p>\n\n\n\n

Sp\u00e4testens mit Beginn der Besatzungsherrschaft habe Israel seinen Charakter als Demokratie verloren. F\u00fcr heutige Debatten rund um Israel empfiehlt der Nahost-Professor deshalb auf das Demokratieargument besser zu verzichten.

der\u00a0Ursprung<\/a><\/p>\n","post_title":"Die einzige Demokratie im Nahen Osten?","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-einzige-demokratie-im-nahen-osten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3775","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":53},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Besatzung beenden oder dieselben staatsb\u00fcrgerlichen Rechte f\u00fcr Pal\u00e4stinenser<\/h3>\n\n\n\n

Ob auch die Situation im Westjordanland und Gazastreifen eine Rolle f\u00fcr die Bewertung des politischen Systems Israels spielt, entscheidet sich dem Spezialisten f\u00fcr politische Systeme im Nahen Osten<\/a> zufolge vor allem an einer Frage: Ist die Besetzung der Gebiete ein vor\u00fcbergehendes Ph\u00e4nomen oder auf Dauer angelegt?<\/p>\n\n\n\n

Nur im letzteren Fall m\u00fcsse man das Besatzungsregime als Teil des politischen Systems Israels bewerten, so Beck. F\u00fcr den anhaltenden Charakter spreche allein schon die schiere Dauer der Besatzung: So dauert die israelische Besatzung schon \u00fcber ein halbes Jahrhundert und damit dreimal so lange wie Israel in den Grenzen von 1949 bis 1967 existierte.<\/p>\n\n\n\n

Hinzu kommen weitere Indizien: Das Scheitern des Osloer Verhandlungsprozess in den 1990er Jahren und im ersten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts, der anhaltende Siedlungsprozess sowie die weitgehenden Einigkeit unter den gro\u00dfen politischen Parteien Israels - und dass gro\u00dfe Teile des Westjordanlands dauerhaft unter israelischer Kontrolle verbleiben sollen. Beck kommt zu dem Schluss:<\/p>\n\n\n\n

Alle Indizien verweisen also darauf, dass die israelische Herrschaft \u00fcber das Westjordanland auf Dauer angelegt ist. In einer Demokratie m\u00fcsste daher allen dort Wohnenden der uneingeschr\u00e4nkte Zugang zu den staatsb\u00fcrgerlichen Rechten des politischen Gemeinwesens gew\u00e4hrt werden. Dies ist aber nicht der Fall.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Zweifelsfrei war Israel lediglich f\u00fcr sechs Monate eine Demokratie<\/h3>\n\n\n\n

W\u00e4hrend an der israelischen Besatzung des Westjordanlands kein Zweifel besteht, \u00fcberrascht, dass Beck f\u00fcr den Gazastreifen zu einer \u00e4hnlichen Bewertung kommt. Schlie\u00dflich hat Israel seine Soldaten im Jahr 2007 aus dem K\u00fcstenstreifen abgezogen und j\u00fcdische Siedlungen aufgel\u00f6st.<\/p>\n\n\n\n

Beck argumentiert, dass Israel auch heute seine Kontrolle von Land, Luft und Wasser aufrechterh\u00e4lt und die Besatzungsherrschaft damit fortsetzt, ohne \"den dort lebenden Menschen irgendeine Form demokratischer Mitwirkungsrechte zu gew\u00e4hren\".<\/p>\n\n\n\n

Mit dieser Einsch\u00e4tzung ist Beck nicht allein. Auch die Vereinten Nationen<\/a> und der Internationale Strafgerichtshof<\/a> vertreten die Auffassung, dass die israelische Besatzung \u00fcber den Gazastreifen andauert.<\/p>\n\n\n\n

F\u00fcr die Gesamtbewertung des politischen Systems Israels hat diese Frage allerdings ohnehin keine entscheidende Bedeutung mehr. Denn Becks Fazit f\u00e4llt eindeutig aus: Zweifelsfrei um eine Demokratie gehandelt habe es sich bei Israel lediglich in einem kurzen sechsmonatigen Zeitraum zwischen der Abschaffung des Milit\u00e4rrechts f\u00fcr arabische Israelis im November 1966 und dem Beginn des Sechstagekrieges im Juni 1967.<\/p>\n\n\n\n

Sp\u00e4testens mit Beginn der Besatzungsherrschaft habe Israel seinen Charakter als Demokratie verloren. F\u00fcr heutige Debatten rund um Israel empfiehlt der Nahost-Professor deshalb auf das Demokratieargument besser zu verzichten.

der\u00a0Ursprung<\/a><\/p>\n","post_title":"Die einzige Demokratie im Nahen Osten?","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-einzige-demokratie-im-nahen-osten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3775","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":53},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Damit sind sie in Israel zwar steuerpflichtig, haben Zugang zu Sozialleistungen und k\u00f6nnen sich innerhalb Israel frei bewegen, staatsb\u00fcrgerlichen Rechte, wie beispielsweise das aktive und passive Wahlrecht besitzen sie allerdings nicht. Als undemokratisch bewertet Beck deshalb das \"israelische Herrschaftsregime in Jerusalem\".<\/p>\n\n\n\n

Besatzung beenden oder dieselben staatsb\u00fcrgerlichen Rechte f\u00fcr Pal\u00e4stinenser<\/h3>\n\n\n\n

Ob auch die Situation im Westjordanland und Gazastreifen eine Rolle f\u00fcr die Bewertung des politischen Systems Israels spielt, entscheidet sich dem Spezialisten f\u00fcr politische Systeme im Nahen Osten<\/a> zufolge vor allem an einer Frage: Ist die Besetzung der Gebiete ein vor\u00fcbergehendes Ph\u00e4nomen oder auf Dauer angelegt?<\/p>\n\n\n\n

Nur im letzteren Fall m\u00fcsse man das Besatzungsregime als Teil des politischen Systems Israels bewerten, so Beck. F\u00fcr den anhaltenden Charakter spreche allein schon die schiere Dauer der Besatzung: So dauert die israelische Besatzung schon \u00fcber ein halbes Jahrhundert und damit dreimal so lange wie Israel in den Grenzen von 1949 bis 1967 existierte.<\/p>\n\n\n\n

Hinzu kommen weitere Indizien: Das Scheitern des Osloer Verhandlungsprozess in den 1990er Jahren und im ersten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts, der anhaltende Siedlungsprozess sowie die weitgehenden Einigkeit unter den gro\u00dfen politischen Parteien Israels - und dass gro\u00dfe Teile des Westjordanlands dauerhaft unter israelischer Kontrolle verbleiben sollen. Beck kommt zu dem Schluss:<\/p>\n\n\n\n

Alle Indizien verweisen also darauf, dass die israelische Herrschaft \u00fcber das Westjordanland auf Dauer angelegt ist. In einer Demokratie m\u00fcsste daher allen dort Wohnenden der uneingeschr\u00e4nkte Zugang zu den staatsb\u00fcrgerlichen Rechten des politischen Gemeinwesens gew\u00e4hrt werden. Dies ist aber nicht der Fall.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Zweifelsfrei war Israel lediglich f\u00fcr sechs Monate eine Demokratie<\/h3>\n\n\n\n

W\u00e4hrend an der israelischen Besatzung des Westjordanlands kein Zweifel besteht, \u00fcberrascht, dass Beck f\u00fcr den Gazastreifen zu einer \u00e4hnlichen Bewertung kommt. Schlie\u00dflich hat Israel seine Soldaten im Jahr 2007 aus dem K\u00fcstenstreifen abgezogen und j\u00fcdische Siedlungen aufgel\u00f6st.<\/p>\n\n\n\n

Beck argumentiert, dass Israel auch heute seine Kontrolle von Land, Luft und Wasser aufrechterh\u00e4lt und die Besatzungsherrschaft damit fortsetzt, ohne \"den dort lebenden Menschen irgendeine Form demokratischer Mitwirkungsrechte zu gew\u00e4hren\".<\/p>\n\n\n\n

Mit dieser Einsch\u00e4tzung ist Beck nicht allein. Auch die Vereinten Nationen<\/a> und der Internationale Strafgerichtshof<\/a> vertreten die Auffassung, dass die israelische Besatzung \u00fcber den Gazastreifen andauert.<\/p>\n\n\n\n

F\u00fcr die Gesamtbewertung des politischen Systems Israels hat diese Frage allerdings ohnehin keine entscheidende Bedeutung mehr. Denn Becks Fazit f\u00e4llt eindeutig aus: Zweifelsfrei um eine Demokratie gehandelt habe es sich bei Israel lediglich in einem kurzen sechsmonatigen Zeitraum zwischen der Abschaffung des Milit\u00e4rrechts f\u00fcr arabische Israelis im November 1966 und dem Beginn des Sechstagekrieges im Juni 1967.<\/p>\n\n\n\n

Sp\u00e4testens mit Beginn der Besatzungsherrschaft habe Israel seinen Charakter als Demokratie verloren. F\u00fcr heutige Debatten rund um Israel empfiehlt der Nahost-Professor deshalb auf das Demokratieargument besser zu verzichten.

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Wichtiger noch sei allerdings, dass viele von der Annexion betroffene Pal\u00e4stinenser bis heute nicht \u00fcber dieselben Rechte verf\u00fcgen wie ihre israelischen Nachbarn. Statt der israelischen Staatsb\u00fcrgerschaft tragen pal\u00e4stinensische Bewohner Ostjerusalems lediglich Identit\u00e4tskarten, die sie als st\u00e4ndige Bewohner der Stadt ausweisen.<\/p>\n\n\n\n

Damit sind sie in Israel zwar steuerpflichtig, haben Zugang zu Sozialleistungen und k\u00f6nnen sich innerhalb Israel frei bewegen, staatsb\u00fcrgerlichen Rechte, wie beispielsweise das aktive und passive Wahlrecht besitzen sie allerdings nicht. Als undemokratisch bewertet Beck deshalb das \"israelische Herrschaftsregime in Jerusalem\".<\/p>\n\n\n\n

Besatzung beenden oder dieselben staatsb\u00fcrgerlichen Rechte f\u00fcr Pal\u00e4stinenser<\/h3>\n\n\n\n

Ob auch die Situation im Westjordanland und Gazastreifen eine Rolle f\u00fcr die Bewertung des politischen Systems Israels spielt, entscheidet sich dem Spezialisten f\u00fcr politische Systeme im Nahen Osten<\/a> zufolge vor allem an einer Frage: Ist die Besetzung der Gebiete ein vor\u00fcbergehendes Ph\u00e4nomen oder auf Dauer angelegt?<\/p>\n\n\n\n

Nur im letzteren Fall m\u00fcsse man das Besatzungsregime als Teil des politischen Systems Israels bewerten, so Beck. F\u00fcr den anhaltenden Charakter spreche allein schon die schiere Dauer der Besatzung: So dauert die israelische Besatzung schon \u00fcber ein halbes Jahrhundert und damit dreimal so lange wie Israel in den Grenzen von 1949 bis 1967 existierte.<\/p>\n\n\n\n

Hinzu kommen weitere Indizien: Das Scheitern des Osloer Verhandlungsprozess in den 1990er Jahren und im ersten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts, der anhaltende Siedlungsprozess sowie die weitgehenden Einigkeit unter den gro\u00dfen politischen Parteien Israels - und dass gro\u00dfe Teile des Westjordanlands dauerhaft unter israelischer Kontrolle verbleiben sollen. Beck kommt zu dem Schluss:<\/p>\n\n\n\n

Alle Indizien verweisen also darauf, dass die israelische Herrschaft \u00fcber das Westjordanland auf Dauer angelegt ist. In einer Demokratie m\u00fcsste daher allen dort Wohnenden der uneingeschr\u00e4nkte Zugang zu den staatsb\u00fcrgerlichen Rechten des politischen Gemeinwesens gew\u00e4hrt werden. Dies ist aber nicht der Fall.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Zweifelsfrei war Israel lediglich f\u00fcr sechs Monate eine Demokratie<\/h3>\n\n\n\n

W\u00e4hrend an der israelischen Besatzung des Westjordanlands kein Zweifel besteht, \u00fcberrascht, dass Beck f\u00fcr den Gazastreifen zu einer \u00e4hnlichen Bewertung kommt. Schlie\u00dflich hat Israel seine Soldaten im Jahr 2007 aus dem K\u00fcstenstreifen abgezogen und j\u00fcdische Siedlungen aufgel\u00f6st.<\/p>\n\n\n\n

Beck argumentiert, dass Israel auch heute seine Kontrolle von Land, Luft und Wasser aufrechterh\u00e4lt und die Besatzungsherrschaft damit fortsetzt, ohne \"den dort lebenden Menschen irgendeine Form demokratischer Mitwirkungsrechte zu gew\u00e4hren\".<\/p>\n\n\n\n

Mit dieser Einsch\u00e4tzung ist Beck nicht allein. Auch die Vereinten Nationen<\/a> und der Internationale Strafgerichtshof<\/a> vertreten die Auffassung, dass die israelische Besatzung \u00fcber den Gazastreifen andauert.<\/p>\n\n\n\n

F\u00fcr die Gesamtbewertung des politischen Systems Israels hat diese Frage allerdings ohnehin keine entscheidende Bedeutung mehr. Denn Becks Fazit f\u00e4llt eindeutig aus: Zweifelsfrei um eine Demokratie gehandelt habe es sich bei Israel lediglich in einem kurzen sechsmonatigen Zeitraum zwischen der Abschaffung des Milit\u00e4rrechts f\u00fcr arabische Israelis im November 1966 und dem Beginn des Sechstagekrieges im Juni 1967.<\/p>\n\n\n\n

Sp\u00e4testens mit Beginn der Besatzungsherrschaft habe Israel seinen Charakter als Demokratie verloren. F\u00fcr heutige Debatten rund um Israel empfiehlt der Nahost-Professor deshalb auf das Demokratieargument besser zu verzichten.

der\u00a0Ursprung<\/a><\/p>\n","post_title":"Die einzige Demokratie im Nahen Osten?","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-einzige-demokratie-im-nahen-osten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3775","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":53},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Die Annexion eines Territoriums durch einen Staat ohne Referendum, d.h. eine Abstimmung durch die betroffene Bev\u00f6lkerung, widerspricht demokratischen Prinzipien fundamental.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Wichtiger noch sei allerdings, dass viele von der Annexion betroffene Pal\u00e4stinenser bis heute nicht \u00fcber dieselben Rechte verf\u00fcgen wie ihre israelischen Nachbarn. Statt der israelischen Staatsb\u00fcrgerschaft tragen pal\u00e4stinensische Bewohner Ostjerusalems lediglich Identit\u00e4tskarten, die sie als st\u00e4ndige Bewohner der Stadt ausweisen.<\/p>\n\n\n\n

Damit sind sie in Israel zwar steuerpflichtig, haben Zugang zu Sozialleistungen und k\u00f6nnen sich innerhalb Israel frei bewegen, staatsb\u00fcrgerlichen Rechte, wie beispielsweise das aktive und passive Wahlrecht besitzen sie allerdings nicht. Als undemokratisch bewertet Beck deshalb das \"israelische Herrschaftsregime in Jerusalem\".<\/p>\n\n\n\n

Besatzung beenden oder dieselben staatsb\u00fcrgerlichen Rechte f\u00fcr Pal\u00e4stinenser<\/h3>\n\n\n\n

Ob auch die Situation im Westjordanland und Gazastreifen eine Rolle f\u00fcr die Bewertung des politischen Systems Israels spielt, entscheidet sich dem Spezialisten f\u00fcr politische Systeme im Nahen Osten<\/a> zufolge vor allem an einer Frage: Ist die Besetzung der Gebiete ein vor\u00fcbergehendes Ph\u00e4nomen oder auf Dauer angelegt?<\/p>\n\n\n\n

Nur im letzteren Fall m\u00fcsse man das Besatzungsregime als Teil des politischen Systems Israels bewerten, so Beck. F\u00fcr den anhaltenden Charakter spreche allein schon die schiere Dauer der Besatzung: So dauert die israelische Besatzung schon \u00fcber ein halbes Jahrhundert und damit dreimal so lange wie Israel in den Grenzen von 1949 bis 1967 existierte.<\/p>\n\n\n\n

Hinzu kommen weitere Indizien: Das Scheitern des Osloer Verhandlungsprozess in den 1990er Jahren und im ersten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts, der anhaltende Siedlungsprozess sowie die weitgehenden Einigkeit unter den gro\u00dfen politischen Parteien Israels - und dass gro\u00dfe Teile des Westjordanlands dauerhaft unter israelischer Kontrolle verbleiben sollen. Beck kommt zu dem Schluss:<\/p>\n\n\n\n

Alle Indizien verweisen also darauf, dass die israelische Herrschaft \u00fcber das Westjordanland auf Dauer angelegt ist. In einer Demokratie m\u00fcsste daher allen dort Wohnenden der uneingeschr\u00e4nkte Zugang zu den staatsb\u00fcrgerlichen Rechten des politischen Gemeinwesens gew\u00e4hrt werden. Dies ist aber nicht der Fall.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Zweifelsfrei war Israel lediglich f\u00fcr sechs Monate eine Demokratie<\/h3>\n\n\n\n

W\u00e4hrend an der israelischen Besatzung des Westjordanlands kein Zweifel besteht, \u00fcberrascht, dass Beck f\u00fcr den Gazastreifen zu einer \u00e4hnlichen Bewertung kommt. Schlie\u00dflich hat Israel seine Soldaten im Jahr 2007 aus dem K\u00fcstenstreifen abgezogen und j\u00fcdische Siedlungen aufgel\u00f6st.<\/p>\n\n\n\n

Beck argumentiert, dass Israel auch heute seine Kontrolle von Land, Luft und Wasser aufrechterh\u00e4lt und die Besatzungsherrschaft damit fortsetzt, ohne \"den dort lebenden Menschen irgendeine Form demokratischer Mitwirkungsrechte zu gew\u00e4hren\".<\/p>\n\n\n\n

Mit dieser Einsch\u00e4tzung ist Beck nicht allein. Auch die Vereinten Nationen<\/a> und der Internationale Strafgerichtshof<\/a> vertreten die Auffassung, dass die israelische Besatzung \u00fcber den Gazastreifen andauert.<\/p>\n\n\n\n

F\u00fcr die Gesamtbewertung des politischen Systems Israels hat diese Frage allerdings ohnehin keine entscheidende Bedeutung mehr. Denn Becks Fazit f\u00e4llt eindeutig aus: Zweifelsfrei um eine Demokratie gehandelt habe es sich bei Israel lediglich in einem kurzen sechsmonatigen Zeitraum zwischen der Abschaffung des Milit\u00e4rrechts f\u00fcr arabische Israelis im November 1966 und dem Beginn des Sechstagekrieges im Juni 1967.<\/p>\n\n\n\n

Sp\u00e4testens mit Beginn der Besatzungsherrschaft habe Israel seinen Charakter als Demokratie verloren. F\u00fcr heutige Debatten rund um Israel empfiehlt der Nahost-Professor deshalb auf das Demokratieargument besser zu verzichten.

der\u00a0Ursprung<\/a><\/p>\n","post_title":"Die einzige Demokratie im Nahen Osten?","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-einzige-demokratie-im-nahen-osten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3775","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":53},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Sehr wohl anrechnen lassen m\u00fcsse sich Israel aber die Situation auf den syrischen Golanh\u00f6hen und in Ostjerusalem, da diese mittlerweile ins israelische Staatsgebiet annektiert wurden. Beck schreibt:<\/p>\n\n\n\n

Die Annexion eines Territoriums durch einen Staat ohne Referendum, d.h. eine Abstimmung durch die betroffene Bev\u00f6lkerung, widerspricht demokratischen Prinzipien fundamental.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Wichtiger noch sei allerdings, dass viele von der Annexion betroffene Pal\u00e4stinenser bis heute nicht \u00fcber dieselben Rechte verf\u00fcgen wie ihre israelischen Nachbarn. Statt der israelischen Staatsb\u00fcrgerschaft tragen pal\u00e4stinensische Bewohner Ostjerusalems lediglich Identit\u00e4tskarten, die sie als st\u00e4ndige Bewohner der Stadt ausweisen.<\/p>\n\n\n\n

Damit sind sie in Israel zwar steuerpflichtig, haben Zugang zu Sozialleistungen und k\u00f6nnen sich innerhalb Israel frei bewegen, staatsb\u00fcrgerlichen Rechte, wie beispielsweise das aktive und passive Wahlrecht besitzen sie allerdings nicht. Als undemokratisch bewertet Beck deshalb das \"israelische Herrschaftsregime in Jerusalem\".<\/p>\n\n\n\n

Besatzung beenden oder dieselben staatsb\u00fcrgerlichen Rechte f\u00fcr Pal\u00e4stinenser<\/h3>\n\n\n\n

Ob auch die Situation im Westjordanland und Gazastreifen eine Rolle f\u00fcr die Bewertung des politischen Systems Israels spielt, entscheidet sich dem Spezialisten f\u00fcr politische Systeme im Nahen Osten<\/a> zufolge vor allem an einer Frage: Ist die Besetzung der Gebiete ein vor\u00fcbergehendes Ph\u00e4nomen oder auf Dauer angelegt?<\/p>\n\n\n\n

Nur im letzteren Fall m\u00fcsse man das Besatzungsregime als Teil des politischen Systems Israels bewerten, so Beck. F\u00fcr den anhaltenden Charakter spreche allein schon die schiere Dauer der Besatzung: So dauert die israelische Besatzung schon \u00fcber ein halbes Jahrhundert und damit dreimal so lange wie Israel in den Grenzen von 1949 bis 1967 existierte.<\/p>\n\n\n\n

Hinzu kommen weitere Indizien: Das Scheitern des Osloer Verhandlungsprozess in den 1990er Jahren und im ersten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts, der anhaltende Siedlungsprozess sowie die weitgehenden Einigkeit unter den gro\u00dfen politischen Parteien Israels - und dass gro\u00dfe Teile des Westjordanlands dauerhaft unter israelischer Kontrolle verbleiben sollen. Beck kommt zu dem Schluss:<\/p>\n\n\n\n

Alle Indizien verweisen also darauf, dass die israelische Herrschaft \u00fcber das Westjordanland auf Dauer angelegt ist. In einer Demokratie m\u00fcsste daher allen dort Wohnenden der uneingeschr\u00e4nkte Zugang zu den staatsb\u00fcrgerlichen Rechten des politischen Gemeinwesens gew\u00e4hrt werden. Dies ist aber nicht der Fall.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Zweifelsfrei war Israel lediglich f\u00fcr sechs Monate eine Demokratie<\/h3>\n\n\n\n

W\u00e4hrend an der israelischen Besatzung des Westjordanlands kein Zweifel besteht, \u00fcberrascht, dass Beck f\u00fcr den Gazastreifen zu einer \u00e4hnlichen Bewertung kommt. Schlie\u00dflich hat Israel seine Soldaten im Jahr 2007 aus dem K\u00fcstenstreifen abgezogen und j\u00fcdische Siedlungen aufgel\u00f6st.<\/p>\n\n\n\n

Beck argumentiert, dass Israel auch heute seine Kontrolle von Land, Luft und Wasser aufrechterh\u00e4lt und die Besatzungsherrschaft damit fortsetzt, ohne \"den dort lebenden Menschen irgendeine Form demokratischer Mitwirkungsrechte zu gew\u00e4hren\".<\/p>\n\n\n\n

Mit dieser Einsch\u00e4tzung ist Beck nicht allein. Auch die Vereinten Nationen<\/a> und der Internationale Strafgerichtshof<\/a> vertreten die Auffassung, dass die israelische Besatzung \u00fcber den Gazastreifen andauert.<\/p>\n\n\n\n

F\u00fcr die Gesamtbewertung des politischen Systems Israels hat diese Frage allerdings ohnehin keine entscheidende Bedeutung mehr. Denn Becks Fazit f\u00e4llt eindeutig aus: Zweifelsfrei um eine Demokratie gehandelt habe es sich bei Israel lediglich in einem kurzen sechsmonatigen Zeitraum zwischen der Abschaffung des Milit\u00e4rrechts f\u00fcr arabische Israelis im November 1966 und dem Beginn des Sechstagekrieges im Juni 1967.<\/p>\n\n\n\n

Sp\u00e4testens mit Beginn der Besatzungsherrschaft habe Israel seinen Charakter als Demokratie verloren. F\u00fcr heutige Debatten rund um Israel empfiehlt der Nahost-Professor deshalb auf das Demokratieargument besser zu verzichten.

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Die 1982 an \u00c4gypten zur\u00fcckgegebene Sinai-Halbinsel ausgenommen, dauert Israels Kontrolle \u00fcber jene Gebiete bis heute auf die ein oder andere Weise an. Spielt sie deshalb auch eine Rolle, wenn es um die Bewertung des politischen Systems Israels geht? Beck schreibt, dass \"die Errichtung der Besatzungsregime im Jahr 1967 zweifelsohne ein undemokratischer Akt [war]\", diese aber nicht zwangsl\u00e4ufig etwas am demokratischen Charakter des politischen Systems Israel \u00e4ndern w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n

Sehr wohl anrechnen lassen m\u00fcsse sich Israel aber die Situation auf den syrischen Golanh\u00f6hen und in Ostjerusalem, da diese mittlerweile ins israelische Staatsgebiet annektiert wurden. Beck schreibt:<\/p>\n\n\n\n

Die Annexion eines Territoriums durch einen Staat ohne Referendum, d.h. eine Abstimmung durch die betroffene Bev\u00f6lkerung, widerspricht demokratischen Prinzipien fundamental.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Wichtiger noch sei allerdings, dass viele von der Annexion betroffene Pal\u00e4stinenser bis heute nicht \u00fcber dieselben Rechte verf\u00fcgen wie ihre israelischen Nachbarn. Statt der israelischen Staatsb\u00fcrgerschaft tragen pal\u00e4stinensische Bewohner Ostjerusalems lediglich Identit\u00e4tskarten, die sie als st\u00e4ndige Bewohner der Stadt ausweisen.<\/p>\n\n\n\n

Damit sind sie in Israel zwar steuerpflichtig, haben Zugang zu Sozialleistungen und k\u00f6nnen sich innerhalb Israel frei bewegen, staatsb\u00fcrgerlichen Rechte, wie beispielsweise das aktive und passive Wahlrecht besitzen sie allerdings nicht. Als undemokratisch bewertet Beck deshalb das \"israelische Herrschaftsregime in Jerusalem\".<\/p>\n\n\n\n

Besatzung beenden oder dieselben staatsb\u00fcrgerlichen Rechte f\u00fcr Pal\u00e4stinenser<\/h3>\n\n\n\n

Ob auch die Situation im Westjordanland und Gazastreifen eine Rolle f\u00fcr die Bewertung des politischen Systems Israels spielt, entscheidet sich dem Spezialisten f\u00fcr politische Systeme im Nahen Osten<\/a> zufolge vor allem an einer Frage: Ist die Besetzung der Gebiete ein vor\u00fcbergehendes Ph\u00e4nomen oder auf Dauer angelegt?<\/p>\n\n\n\n

Nur im letzteren Fall m\u00fcsse man das Besatzungsregime als Teil des politischen Systems Israels bewerten, so Beck. F\u00fcr den anhaltenden Charakter spreche allein schon die schiere Dauer der Besatzung: So dauert die israelische Besatzung schon \u00fcber ein halbes Jahrhundert und damit dreimal so lange wie Israel in den Grenzen von 1949 bis 1967 existierte.<\/p>\n\n\n\n

Hinzu kommen weitere Indizien: Das Scheitern des Osloer Verhandlungsprozess in den 1990er Jahren und im ersten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts, der anhaltende Siedlungsprozess sowie die weitgehenden Einigkeit unter den gro\u00dfen politischen Parteien Israels - und dass gro\u00dfe Teile des Westjordanlands dauerhaft unter israelischer Kontrolle verbleiben sollen. Beck kommt zu dem Schluss:<\/p>\n\n\n\n

Alle Indizien verweisen also darauf, dass die israelische Herrschaft \u00fcber das Westjordanland auf Dauer angelegt ist. In einer Demokratie m\u00fcsste daher allen dort Wohnenden der uneingeschr\u00e4nkte Zugang zu den staatsb\u00fcrgerlichen Rechten des politischen Gemeinwesens gew\u00e4hrt werden. Dies ist aber nicht der Fall.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Zweifelsfrei war Israel lediglich f\u00fcr sechs Monate eine Demokratie<\/h3>\n\n\n\n

W\u00e4hrend an der israelischen Besatzung des Westjordanlands kein Zweifel besteht, \u00fcberrascht, dass Beck f\u00fcr den Gazastreifen zu einer \u00e4hnlichen Bewertung kommt. Schlie\u00dflich hat Israel seine Soldaten im Jahr 2007 aus dem K\u00fcstenstreifen abgezogen und j\u00fcdische Siedlungen aufgel\u00f6st.<\/p>\n\n\n\n

Beck argumentiert, dass Israel auch heute seine Kontrolle von Land, Luft und Wasser aufrechterh\u00e4lt und die Besatzungsherrschaft damit fortsetzt, ohne \"den dort lebenden Menschen irgendeine Form demokratischer Mitwirkungsrechte zu gew\u00e4hren\".<\/p>\n\n\n\n

Mit dieser Einsch\u00e4tzung ist Beck nicht allein. Auch die Vereinten Nationen<\/a> und der Internationale Strafgerichtshof<\/a> vertreten die Auffassung, dass die israelische Besatzung \u00fcber den Gazastreifen andauert.<\/p>\n\n\n\n

F\u00fcr die Gesamtbewertung des politischen Systems Israels hat diese Frage allerdings ohnehin keine entscheidende Bedeutung mehr. Denn Becks Fazit f\u00e4llt eindeutig aus: Zweifelsfrei um eine Demokratie gehandelt habe es sich bei Israel lediglich in einem kurzen sechsmonatigen Zeitraum zwischen der Abschaffung des Milit\u00e4rrechts f\u00fcr arabische Israelis im November 1966 und dem Beginn des Sechstagekrieges im Juni 1967.<\/p>\n\n\n\n

Sp\u00e4testens mit Beginn der Besatzungsherrschaft habe Israel seinen Charakter als Demokratie verloren. F\u00fcr heutige Debatten rund um Israel empfiehlt der Nahost-Professor deshalb auf das Demokratieargument besser zu verzichten.

der\u00a0Ursprung<\/a><\/p>\n","post_title":"Die einzige Demokratie im Nahen Osten?","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-einzige-demokratie-im-nahen-osten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3775","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":53},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Nur wenige Monate folgte allerdings ein Ereignis, dass Israels Bewertung als demokratischen Staat abermals in Zweifel zieht. Im Zuge des Sechstagekrieges besetzte Israel im Juni 1967 die \u00e4gyptische Sinai-Halbinsel, den Gazastreifen, das zuvor von Jordanien kontrollierte Westjordanland und Ostjerusalem sowie die syrischen Golanh\u00f6hen.<\/p>\n\n\n\n

Die 1982 an \u00c4gypten zur\u00fcckgegebene Sinai-Halbinsel ausgenommen, dauert Israels Kontrolle \u00fcber jene Gebiete bis heute auf die ein oder andere Weise an. Spielt sie deshalb auch eine Rolle, wenn es um die Bewertung des politischen Systems Israels geht? Beck schreibt, dass \"die Errichtung der Besatzungsregime im Jahr 1967 zweifelsohne ein undemokratischer Akt [war]\", diese aber nicht zwangsl\u00e4ufig etwas am demokratischen Charakter des politischen Systems Israel \u00e4ndern w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n

Sehr wohl anrechnen lassen m\u00fcsse sich Israel aber die Situation auf den syrischen Golanh\u00f6hen und in Ostjerusalem, da diese mittlerweile ins israelische Staatsgebiet annektiert wurden. Beck schreibt:<\/p>\n\n\n\n

Die Annexion eines Territoriums durch einen Staat ohne Referendum, d.h. eine Abstimmung durch die betroffene Bev\u00f6lkerung, widerspricht demokratischen Prinzipien fundamental.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Wichtiger noch sei allerdings, dass viele von der Annexion betroffene Pal\u00e4stinenser bis heute nicht \u00fcber dieselben Rechte verf\u00fcgen wie ihre israelischen Nachbarn. Statt der israelischen Staatsb\u00fcrgerschaft tragen pal\u00e4stinensische Bewohner Ostjerusalems lediglich Identit\u00e4tskarten, die sie als st\u00e4ndige Bewohner der Stadt ausweisen.<\/p>\n\n\n\n

Damit sind sie in Israel zwar steuerpflichtig, haben Zugang zu Sozialleistungen und k\u00f6nnen sich innerhalb Israel frei bewegen, staatsb\u00fcrgerlichen Rechte, wie beispielsweise das aktive und passive Wahlrecht besitzen sie allerdings nicht. Als undemokratisch bewertet Beck deshalb das \"israelische Herrschaftsregime in Jerusalem\".<\/p>\n\n\n\n

Besatzung beenden oder dieselben staatsb\u00fcrgerlichen Rechte f\u00fcr Pal\u00e4stinenser<\/h3>\n\n\n\n

Ob auch die Situation im Westjordanland und Gazastreifen eine Rolle f\u00fcr die Bewertung des politischen Systems Israels spielt, entscheidet sich dem Spezialisten f\u00fcr politische Systeme im Nahen Osten<\/a> zufolge vor allem an einer Frage: Ist die Besetzung der Gebiete ein vor\u00fcbergehendes Ph\u00e4nomen oder auf Dauer angelegt?<\/p>\n\n\n\n

Nur im letzteren Fall m\u00fcsse man das Besatzungsregime als Teil des politischen Systems Israels bewerten, so Beck. F\u00fcr den anhaltenden Charakter spreche allein schon die schiere Dauer der Besatzung: So dauert die israelische Besatzung schon \u00fcber ein halbes Jahrhundert und damit dreimal so lange wie Israel in den Grenzen von 1949 bis 1967 existierte.<\/p>\n\n\n\n

Hinzu kommen weitere Indizien: Das Scheitern des Osloer Verhandlungsprozess in den 1990er Jahren und im ersten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts, der anhaltende Siedlungsprozess sowie die weitgehenden Einigkeit unter den gro\u00dfen politischen Parteien Israels - und dass gro\u00dfe Teile des Westjordanlands dauerhaft unter israelischer Kontrolle verbleiben sollen. Beck kommt zu dem Schluss:<\/p>\n\n\n\n

Alle Indizien verweisen also darauf, dass die israelische Herrschaft \u00fcber das Westjordanland auf Dauer angelegt ist. In einer Demokratie m\u00fcsste daher allen dort Wohnenden der uneingeschr\u00e4nkte Zugang zu den staatsb\u00fcrgerlichen Rechten des politischen Gemeinwesens gew\u00e4hrt werden. Dies ist aber nicht der Fall.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Zweifelsfrei war Israel lediglich f\u00fcr sechs Monate eine Demokratie<\/h3>\n\n\n\n

W\u00e4hrend an der israelischen Besatzung des Westjordanlands kein Zweifel besteht, \u00fcberrascht, dass Beck f\u00fcr den Gazastreifen zu einer \u00e4hnlichen Bewertung kommt. Schlie\u00dflich hat Israel seine Soldaten im Jahr 2007 aus dem K\u00fcstenstreifen abgezogen und j\u00fcdische Siedlungen aufgel\u00f6st.<\/p>\n\n\n\n

Beck argumentiert, dass Israel auch heute seine Kontrolle von Land, Luft und Wasser aufrechterh\u00e4lt und die Besatzungsherrschaft damit fortsetzt, ohne \"den dort lebenden Menschen irgendeine Form demokratischer Mitwirkungsrechte zu gew\u00e4hren\".<\/p>\n\n\n\n

Mit dieser Einsch\u00e4tzung ist Beck nicht allein. Auch die Vereinten Nationen<\/a> und der Internationale Strafgerichtshof<\/a> vertreten die Auffassung, dass die israelische Besatzung \u00fcber den Gazastreifen andauert.<\/p>\n\n\n\n

F\u00fcr die Gesamtbewertung des politischen Systems Israels hat diese Frage allerdings ohnehin keine entscheidende Bedeutung mehr. Denn Becks Fazit f\u00e4llt eindeutig aus: Zweifelsfrei um eine Demokratie gehandelt habe es sich bei Israel lediglich in einem kurzen sechsmonatigen Zeitraum zwischen der Abschaffung des Milit\u00e4rrechts f\u00fcr arabische Israelis im November 1966 und dem Beginn des Sechstagekrieges im Juni 1967.<\/p>\n\n\n\n

Sp\u00e4testens mit Beginn der Besatzungsherrschaft habe Israel seinen Charakter als Demokratie verloren. F\u00fcr heutige Debatten rund um Israel empfiehlt der Nahost-Professor deshalb auf das Demokratieargument besser zu verzichten.

der\u00a0Ursprung<\/a><\/p>\n","post_title":"Die einzige Demokratie im Nahen Osten?","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-einzige-demokratie-im-nahen-osten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3775","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":53},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Macht die Besatzung Israel zu einem undemokratischen Staat?<\/h3>\n\n\n\n

Nur wenige Monate folgte allerdings ein Ereignis, dass Israels Bewertung als demokratischen Staat abermals in Zweifel zieht. Im Zuge des Sechstagekrieges besetzte Israel im Juni 1967 die \u00e4gyptische Sinai-Halbinsel, den Gazastreifen, das zuvor von Jordanien kontrollierte Westjordanland und Ostjerusalem sowie die syrischen Golanh\u00f6hen.<\/p>\n\n\n\n

Die 1982 an \u00c4gypten zur\u00fcckgegebene Sinai-Halbinsel ausgenommen, dauert Israels Kontrolle \u00fcber jene Gebiete bis heute auf die ein oder andere Weise an. Spielt sie deshalb auch eine Rolle, wenn es um die Bewertung des politischen Systems Israels geht? Beck schreibt, dass \"die Errichtung der Besatzungsregime im Jahr 1967 zweifelsohne ein undemokratischer Akt [war]\", diese aber nicht zwangsl\u00e4ufig etwas am demokratischen Charakter des politischen Systems Israel \u00e4ndern w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n

Sehr wohl anrechnen lassen m\u00fcsse sich Israel aber die Situation auf den syrischen Golanh\u00f6hen und in Ostjerusalem, da diese mittlerweile ins israelische Staatsgebiet annektiert wurden. Beck schreibt:<\/p>\n\n\n\n

Die Annexion eines Territoriums durch einen Staat ohne Referendum, d.h. eine Abstimmung durch die betroffene Bev\u00f6lkerung, widerspricht demokratischen Prinzipien fundamental.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Wichtiger noch sei allerdings, dass viele von der Annexion betroffene Pal\u00e4stinenser bis heute nicht \u00fcber dieselben Rechte verf\u00fcgen wie ihre israelischen Nachbarn. Statt der israelischen Staatsb\u00fcrgerschaft tragen pal\u00e4stinensische Bewohner Ostjerusalems lediglich Identit\u00e4tskarten, die sie als st\u00e4ndige Bewohner der Stadt ausweisen.<\/p>\n\n\n\n

Damit sind sie in Israel zwar steuerpflichtig, haben Zugang zu Sozialleistungen und k\u00f6nnen sich innerhalb Israel frei bewegen, staatsb\u00fcrgerlichen Rechte, wie beispielsweise das aktive und passive Wahlrecht besitzen sie allerdings nicht. Als undemokratisch bewertet Beck deshalb das \"israelische Herrschaftsregime in Jerusalem\".<\/p>\n\n\n\n

Besatzung beenden oder dieselben staatsb\u00fcrgerlichen Rechte f\u00fcr Pal\u00e4stinenser<\/h3>\n\n\n\n

Ob auch die Situation im Westjordanland und Gazastreifen eine Rolle f\u00fcr die Bewertung des politischen Systems Israels spielt, entscheidet sich dem Spezialisten f\u00fcr politische Systeme im Nahen Osten<\/a> zufolge vor allem an einer Frage: Ist die Besetzung der Gebiete ein vor\u00fcbergehendes Ph\u00e4nomen oder auf Dauer angelegt?<\/p>\n\n\n\n

Nur im letzteren Fall m\u00fcsse man das Besatzungsregime als Teil des politischen Systems Israels bewerten, so Beck. F\u00fcr den anhaltenden Charakter spreche allein schon die schiere Dauer der Besatzung: So dauert die israelische Besatzung schon \u00fcber ein halbes Jahrhundert und damit dreimal so lange wie Israel in den Grenzen von 1949 bis 1967 existierte.<\/p>\n\n\n\n

Hinzu kommen weitere Indizien: Das Scheitern des Osloer Verhandlungsprozess in den 1990er Jahren und im ersten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts, der anhaltende Siedlungsprozess sowie die weitgehenden Einigkeit unter den gro\u00dfen politischen Parteien Israels - und dass gro\u00dfe Teile des Westjordanlands dauerhaft unter israelischer Kontrolle verbleiben sollen. Beck kommt zu dem Schluss:<\/p>\n\n\n\n

Alle Indizien verweisen also darauf, dass die israelische Herrschaft \u00fcber das Westjordanland auf Dauer angelegt ist. In einer Demokratie m\u00fcsste daher allen dort Wohnenden der uneingeschr\u00e4nkte Zugang zu den staatsb\u00fcrgerlichen Rechten des politischen Gemeinwesens gew\u00e4hrt werden. Dies ist aber nicht der Fall.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Zweifelsfrei war Israel lediglich f\u00fcr sechs Monate eine Demokratie<\/h3>\n\n\n\n

W\u00e4hrend an der israelischen Besatzung des Westjordanlands kein Zweifel besteht, \u00fcberrascht, dass Beck f\u00fcr den Gazastreifen zu einer \u00e4hnlichen Bewertung kommt. Schlie\u00dflich hat Israel seine Soldaten im Jahr 2007 aus dem K\u00fcstenstreifen abgezogen und j\u00fcdische Siedlungen aufgel\u00f6st.<\/p>\n\n\n\n

Beck argumentiert, dass Israel auch heute seine Kontrolle von Land, Luft und Wasser aufrechterh\u00e4lt und die Besatzungsherrschaft damit fortsetzt, ohne \"den dort lebenden Menschen irgendeine Form demokratischer Mitwirkungsrechte zu gew\u00e4hren\".<\/p>\n\n\n\n

Mit dieser Einsch\u00e4tzung ist Beck nicht allein. Auch die Vereinten Nationen<\/a> und der Internationale Strafgerichtshof<\/a> vertreten die Auffassung, dass die israelische Besatzung \u00fcber den Gazastreifen andauert.<\/p>\n\n\n\n

F\u00fcr die Gesamtbewertung des politischen Systems Israels hat diese Frage allerdings ohnehin keine entscheidende Bedeutung mehr. Denn Becks Fazit f\u00e4llt eindeutig aus: Zweifelsfrei um eine Demokratie gehandelt habe es sich bei Israel lediglich in einem kurzen sechsmonatigen Zeitraum zwischen der Abschaffung des Milit\u00e4rrechts f\u00fcr arabische Israelis im November 1966 und dem Beginn des Sechstagekrieges im Juni 1967.<\/p>\n\n\n\n

Sp\u00e4testens mit Beginn der Besatzungsherrschaft habe Israel seinen Charakter als Demokratie verloren. F\u00fcr heutige Debatten rund um Israel empfiehlt der Nahost-Professor deshalb auf das Demokratieargument besser zu verzichten.

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Allerdings liefert er dazu eine gro\u00dfe zeitliche Einschr\u00e4nkung: So lebten in den ersten Jahren gro\u00dfe Teile der arabischen Bev\u00f6lkerung Israels unter Milit\u00e4rverwaltung und genossen nicht dieselben staatsb\u00fcrgerlichen Rechte wie der Rest der Bev\u00f6lkerung. Aufgehoben wurde das Milit\u00e4rrecht f\u00fcr arabische Israelis erst am 8. November 1966. Um einen demokratischen Staat k\u00f6nne es sich also fr\u00fchestens ab diesem Zeitpunkt handeln.<\/p>\n\n\n\n

Macht die Besatzung Israel zu einem undemokratischen Staat?<\/h3>\n\n\n\n

Nur wenige Monate folgte allerdings ein Ereignis, dass Israels Bewertung als demokratischen Staat abermals in Zweifel zieht. Im Zuge des Sechstagekrieges besetzte Israel im Juni 1967 die \u00e4gyptische Sinai-Halbinsel, den Gazastreifen, das zuvor von Jordanien kontrollierte Westjordanland und Ostjerusalem sowie die syrischen Golanh\u00f6hen.<\/p>\n\n\n\n

Die 1982 an \u00c4gypten zur\u00fcckgegebene Sinai-Halbinsel ausgenommen, dauert Israels Kontrolle \u00fcber jene Gebiete bis heute auf die ein oder andere Weise an. Spielt sie deshalb auch eine Rolle, wenn es um die Bewertung des politischen Systems Israels geht? Beck schreibt, dass \"die Errichtung der Besatzungsregime im Jahr 1967 zweifelsohne ein undemokratischer Akt [war]\", diese aber nicht zwangsl\u00e4ufig etwas am demokratischen Charakter des politischen Systems Israel \u00e4ndern w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n

Sehr wohl anrechnen lassen m\u00fcsse sich Israel aber die Situation auf den syrischen Golanh\u00f6hen und in Ostjerusalem, da diese mittlerweile ins israelische Staatsgebiet annektiert wurden. Beck schreibt:<\/p>\n\n\n\n

Die Annexion eines Territoriums durch einen Staat ohne Referendum, d.h. eine Abstimmung durch die betroffene Bev\u00f6lkerung, widerspricht demokratischen Prinzipien fundamental.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Wichtiger noch sei allerdings, dass viele von der Annexion betroffene Pal\u00e4stinenser bis heute nicht \u00fcber dieselben Rechte verf\u00fcgen wie ihre israelischen Nachbarn. Statt der israelischen Staatsb\u00fcrgerschaft tragen pal\u00e4stinensische Bewohner Ostjerusalems lediglich Identit\u00e4tskarten, die sie als st\u00e4ndige Bewohner der Stadt ausweisen.<\/p>\n\n\n\n

Damit sind sie in Israel zwar steuerpflichtig, haben Zugang zu Sozialleistungen und k\u00f6nnen sich innerhalb Israel frei bewegen, staatsb\u00fcrgerlichen Rechte, wie beispielsweise das aktive und passive Wahlrecht besitzen sie allerdings nicht. Als undemokratisch bewertet Beck deshalb das \"israelische Herrschaftsregime in Jerusalem\".<\/p>\n\n\n\n

Besatzung beenden oder dieselben staatsb\u00fcrgerlichen Rechte f\u00fcr Pal\u00e4stinenser<\/h3>\n\n\n\n

Ob auch die Situation im Westjordanland und Gazastreifen eine Rolle f\u00fcr die Bewertung des politischen Systems Israels spielt, entscheidet sich dem Spezialisten f\u00fcr politische Systeme im Nahen Osten<\/a> zufolge vor allem an einer Frage: Ist die Besetzung der Gebiete ein vor\u00fcbergehendes Ph\u00e4nomen oder auf Dauer angelegt?<\/p>\n\n\n\n

Nur im letzteren Fall m\u00fcsse man das Besatzungsregime als Teil des politischen Systems Israels bewerten, so Beck. F\u00fcr den anhaltenden Charakter spreche allein schon die schiere Dauer der Besatzung: So dauert die israelische Besatzung schon \u00fcber ein halbes Jahrhundert und damit dreimal so lange wie Israel in den Grenzen von 1949 bis 1967 existierte.<\/p>\n\n\n\n

Hinzu kommen weitere Indizien: Das Scheitern des Osloer Verhandlungsprozess in den 1990er Jahren und im ersten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts, der anhaltende Siedlungsprozess sowie die weitgehenden Einigkeit unter den gro\u00dfen politischen Parteien Israels - und dass gro\u00dfe Teile des Westjordanlands dauerhaft unter israelischer Kontrolle verbleiben sollen. Beck kommt zu dem Schluss:<\/p>\n\n\n\n

Alle Indizien verweisen also darauf, dass die israelische Herrschaft \u00fcber das Westjordanland auf Dauer angelegt ist. In einer Demokratie m\u00fcsste daher allen dort Wohnenden der uneingeschr\u00e4nkte Zugang zu den staatsb\u00fcrgerlichen Rechten des politischen Gemeinwesens gew\u00e4hrt werden. Dies ist aber nicht der Fall.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Zweifelsfrei war Israel lediglich f\u00fcr sechs Monate eine Demokratie<\/h3>\n\n\n\n

W\u00e4hrend an der israelischen Besatzung des Westjordanlands kein Zweifel besteht, \u00fcberrascht, dass Beck f\u00fcr den Gazastreifen zu einer \u00e4hnlichen Bewertung kommt. Schlie\u00dflich hat Israel seine Soldaten im Jahr 2007 aus dem K\u00fcstenstreifen abgezogen und j\u00fcdische Siedlungen aufgel\u00f6st.<\/p>\n\n\n\n

Beck argumentiert, dass Israel auch heute seine Kontrolle von Land, Luft und Wasser aufrechterh\u00e4lt und die Besatzungsherrschaft damit fortsetzt, ohne \"den dort lebenden Menschen irgendeine Form demokratischer Mitwirkungsrechte zu gew\u00e4hren\".<\/p>\n\n\n\n

Mit dieser Einsch\u00e4tzung ist Beck nicht allein. Auch die Vereinten Nationen<\/a> und der Internationale Strafgerichtshof<\/a> vertreten die Auffassung, dass die israelische Besatzung \u00fcber den Gazastreifen andauert.<\/p>\n\n\n\n

F\u00fcr die Gesamtbewertung des politischen Systems Israels hat diese Frage allerdings ohnehin keine entscheidende Bedeutung mehr. Denn Becks Fazit f\u00e4llt eindeutig aus: Zweifelsfrei um eine Demokratie gehandelt habe es sich bei Israel lediglich in einem kurzen sechsmonatigen Zeitraum zwischen der Abschaffung des Milit\u00e4rrechts f\u00fcr arabische Israelis im November 1966 und dem Beginn des Sechstagekrieges im Juni 1967.<\/p>\n\n\n\n

Sp\u00e4testens mit Beginn der Besatzungsherrschaft habe Israel seinen Charakter als Demokratie verloren. F\u00fcr heutige Debatten rund um Israel empfiehlt der Nahost-Professor deshalb auf das Demokratieargument besser zu verzichten.

der\u00a0Ursprung<\/a><\/p>\n","post_title":"Die einzige Demokratie im Nahen Osten?","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-einzige-demokratie-im-nahen-osten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3775","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":53},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Legt man diese Minimaldefinition von Demokratie zugrunde, besteht Israel die Pr\u00fcfung. \"Mit Blick auf Israel erscheinen all diese Bedingungen nicht nur f\u00fcr seine j\u00fcdischen, sondern auch f\u00fcr seine arabischen Staatsb\u00fcrgerinnen und Staatsb\u00fcrger erf\u00fcllt\", schreibt Beck.<\/p>\n\n\n\n

Allerdings liefert er dazu eine gro\u00dfe zeitliche Einschr\u00e4nkung: So lebten in den ersten Jahren gro\u00dfe Teile der arabischen Bev\u00f6lkerung Israels unter Milit\u00e4rverwaltung und genossen nicht dieselben staatsb\u00fcrgerlichen Rechte wie der Rest der Bev\u00f6lkerung. Aufgehoben wurde das Milit\u00e4rrecht f\u00fcr arabische Israelis erst am 8. November 1966. Um einen demokratischen Staat k\u00f6nne es sich also fr\u00fchestens ab diesem Zeitpunkt handeln.<\/p>\n\n\n\n

Macht die Besatzung Israel zu einem undemokratischen Staat?<\/h3>\n\n\n\n

Nur wenige Monate folgte allerdings ein Ereignis, dass Israels Bewertung als demokratischen Staat abermals in Zweifel zieht. Im Zuge des Sechstagekrieges besetzte Israel im Juni 1967 die \u00e4gyptische Sinai-Halbinsel, den Gazastreifen, das zuvor von Jordanien kontrollierte Westjordanland und Ostjerusalem sowie die syrischen Golanh\u00f6hen.<\/p>\n\n\n\n

Die 1982 an \u00c4gypten zur\u00fcckgegebene Sinai-Halbinsel ausgenommen, dauert Israels Kontrolle \u00fcber jene Gebiete bis heute auf die ein oder andere Weise an. Spielt sie deshalb auch eine Rolle, wenn es um die Bewertung des politischen Systems Israels geht? Beck schreibt, dass \"die Errichtung der Besatzungsregime im Jahr 1967 zweifelsohne ein undemokratischer Akt [war]\", diese aber nicht zwangsl\u00e4ufig etwas am demokratischen Charakter des politischen Systems Israel \u00e4ndern w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n

Sehr wohl anrechnen lassen m\u00fcsse sich Israel aber die Situation auf den syrischen Golanh\u00f6hen und in Ostjerusalem, da diese mittlerweile ins israelische Staatsgebiet annektiert wurden. Beck schreibt:<\/p>\n\n\n\n

Die Annexion eines Territoriums durch einen Staat ohne Referendum, d.h. eine Abstimmung durch die betroffene Bev\u00f6lkerung, widerspricht demokratischen Prinzipien fundamental.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Wichtiger noch sei allerdings, dass viele von der Annexion betroffene Pal\u00e4stinenser bis heute nicht \u00fcber dieselben Rechte verf\u00fcgen wie ihre israelischen Nachbarn. Statt der israelischen Staatsb\u00fcrgerschaft tragen pal\u00e4stinensische Bewohner Ostjerusalems lediglich Identit\u00e4tskarten, die sie als st\u00e4ndige Bewohner der Stadt ausweisen.<\/p>\n\n\n\n

Damit sind sie in Israel zwar steuerpflichtig, haben Zugang zu Sozialleistungen und k\u00f6nnen sich innerhalb Israel frei bewegen, staatsb\u00fcrgerlichen Rechte, wie beispielsweise das aktive und passive Wahlrecht besitzen sie allerdings nicht. Als undemokratisch bewertet Beck deshalb das \"israelische Herrschaftsregime in Jerusalem\".<\/p>\n\n\n\n

Besatzung beenden oder dieselben staatsb\u00fcrgerlichen Rechte f\u00fcr Pal\u00e4stinenser<\/h3>\n\n\n\n

Ob auch die Situation im Westjordanland und Gazastreifen eine Rolle f\u00fcr die Bewertung des politischen Systems Israels spielt, entscheidet sich dem Spezialisten f\u00fcr politische Systeme im Nahen Osten<\/a> zufolge vor allem an einer Frage: Ist die Besetzung der Gebiete ein vor\u00fcbergehendes Ph\u00e4nomen oder auf Dauer angelegt?<\/p>\n\n\n\n

Nur im letzteren Fall m\u00fcsse man das Besatzungsregime als Teil des politischen Systems Israels bewerten, so Beck. F\u00fcr den anhaltenden Charakter spreche allein schon die schiere Dauer der Besatzung: So dauert die israelische Besatzung schon \u00fcber ein halbes Jahrhundert und damit dreimal so lange wie Israel in den Grenzen von 1949 bis 1967 existierte.<\/p>\n\n\n\n

Hinzu kommen weitere Indizien: Das Scheitern des Osloer Verhandlungsprozess in den 1990er Jahren und im ersten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts, der anhaltende Siedlungsprozess sowie die weitgehenden Einigkeit unter den gro\u00dfen politischen Parteien Israels - und dass gro\u00dfe Teile des Westjordanlands dauerhaft unter israelischer Kontrolle verbleiben sollen. Beck kommt zu dem Schluss:<\/p>\n\n\n\n

Alle Indizien verweisen also darauf, dass die israelische Herrschaft \u00fcber das Westjordanland auf Dauer angelegt ist. In einer Demokratie m\u00fcsste daher allen dort Wohnenden der uneingeschr\u00e4nkte Zugang zu den staatsb\u00fcrgerlichen Rechten des politischen Gemeinwesens gew\u00e4hrt werden. Dies ist aber nicht der Fall.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Zweifelsfrei war Israel lediglich f\u00fcr sechs Monate eine Demokratie<\/h3>\n\n\n\n

W\u00e4hrend an der israelischen Besatzung des Westjordanlands kein Zweifel besteht, \u00fcberrascht, dass Beck f\u00fcr den Gazastreifen zu einer \u00e4hnlichen Bewertung kommt. Schlie\u00dflich hat Israel seine Soldaten im Jahr 2007 aus dem K\u00fcstenstreifen abgezogen und j\u00fcdische Siedlungen aufgel\u00f6st.<\/p>\n\n\n\n

Beck argumentiert, dass Israel auch heute seine Kontrolle von Land, Luft und Wasser aufrechterh\u00e4lt und die Besatzungsherrschaft damit fortsetzt, ohne \"den dort lebenden Menschen irgendeine Form demokratischer Mitwirkungsrechte zu gew\u00e4hren\".<\/p>\n\n\n\n

Mit dieser Einsch\u00e4tzung ist Beck nicht allein. Auch die Vereinten Nationen<\/a> und der Internationale Strafgerichtshof<\/a> vertreten die Auffassung, dass die israelische Besatzung \u00fcber den Gazastreifen andauert.<\/p>\n\n\n\n

F\u00fcr die Gesamtbewertung des politischen Systems Israels hat diese Frage allerdings ohnehin keine entscheidende Bedeutung mehr. Denn Becks Fazit f\u00e4llt eindeutig aus: Zweifelsfrei um eine Demokratie gehandelt habe es sich bei Israel lediglich in einem kurzen sechsmonatigen Zeitraum zwischen der Abschaffung des Milit\u00e4rrechts f\u00fcr arabische Israelis im November 1966 und dem Beginn des Sechstagekrieges im Juni 1967.<\/p>\n\n\n\n

Sp\u00e4testens mit Beginn der Besatzungsherrschaft habe Israel seinen Charakter als Demokratie verloren. F\u00fcr heutige Debatten rund um Israel empfiehlt der Nahost-Professor deshalb auf das Demokratieargument besser zu verzichten.

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Diese sind: Organisationsfreiheit, Meinungsfreiheit, aktives und passives Wahlrecht, das Recht politischer Eliten auf Werbung f\u00fcr Unterst\u00fctzung und um W\u00e4hlerstimmen, der Zugang zu alternativen Informationsquellen, freie und faire Wahlen sowie die institutionelle Bindung von Regierungspolitik an Wahlen und andere Formen der Willensbildung.<\/p>\n\n\n\n

Legt man diese Minimaldefinition von Demokratie zugrunde, besteht Israel die Pr\u00fcfung. \"Mit Blick auf Israel erscheinen all diese Bedingungen nicht nur f\u00fcr seine j\u00fcdischen, sondern auch f\u00fcr seine arabischen Staatsb\u00fcrgerinnen und Staatsb\u00fcrger erf\u00fcllt\", schreibt Beck.<\/p>\n\n\n\n

Allerdings liefert er dazu eine gro\u00dfe zeitliche Einschr\u00e4nkung: So lebten in den ersten Jahren gro\u00dfe Teile der arabischen Bev\u00f6lkerung Israels unter Milit\u00e4rverwaltung und genossen nicht dieselben staatsb\u00fcrgerlichen Rechte wie der Rest der Bev\u00f6lkerung. Aufgehoben wurde das Milit\u00e4rrecht f\u00fcr arabische Israelis erst am 8. November 1966. Um einen demokratischen Staat k\u00f6nne es sich also fr\u00fchestens ab diesem Zeitpunkt handeln.<\/p>\n\n\n\n

Macht die Besatzung Israel zu einem undemokratischen Staat?<\/h3>\n\n\n\n

Nur wenige Monate folgte allerdings ein Ereignis, dass Israels Bewertung als demokratischen Staat abermals in Zweifel zieht. Im Zuge des Sechstagekrieges besetzte Israel im Juni 1967 die \u00e4gyptische Sinai-Halbinsel, den Gazastreifen, das zuvor von Jordanien kontrollierte Westjordanland und Ostjerusalem sowie die syrischen Golanh\u00f6hen.<\/p>\n\n\n\n

Die 1982 an \u00c4gypten zur\u00fcckgegebene Sinai-Halbinsel ausgenommen, dauert Israels Kontrolle \u00fcber jene Gebiete bis heute auf die ein oder andere Weise an. Spielt sie deshalb auch eine Rolle, wenn es um die Bewertung des politischen Systems Israels geht? Beck schreibt, dass \"die Errichtung der Besatzungsregime im Jahr 1967 zweifelsohne ein undemokratischer Akt [war]\", diese aber nicht zwangsl\u00e4ufig etwas am demokratischen Charakter des politischen Systems Israel \u00e4ndern w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n

Sehr wohl anrechnen lassen m\u00fcsse sich Israel aber die Situation auf den syrischen Golanh\u00f6hen und in Ostjerusalem, da diese mittlerweile ins israelische Staatsgebiet annektiert wurden. Beck schreibt:<\/p>\n\n\n\n

Die Annexion eines Territoriums durch einen Staat ohne Referendum, d.h. eine Abstimmung durch die betroffene Bev\u00f6lkerung, widerspricht demokratischen Prinzipien fundamental.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Wichtiger noch sei allerdings, dass viele von der Annexion betroffene Pal\u00e4stinenser bis heute nicht \u00fcber dieselben Rechte verf\u00fcgen wie ihre israelischen Nachbarn. Statt der israelischen Staatsb\u00fcrgerschaft tragen pal\u00e4stinensische Bewohner Ostjerusalems lediglich Identit\u00e4tskarten, die sie als st\u00e4ndige Bewohner der Stadt ausweisen.<\/p>\n\n\n\n

Damit sind sie in Israel zwar steuerpflichtig, haben Zugang zu Sozialleistungen und k\u00f6nnen sich innerhalb Israel frei bewegen, staatsb\u00fcrgerlichen Rechte, wie beispielsweise das aktive und passive Wahlrecht besitzen sie allerdings nicht. Als undemokratisch bewertet Beck deshalb das \"israelische Herrschaftsregime in Jerusalem\".<\/p>\n\n\n\n

Besatzung beenden oder dieselben staatsb\u00fcrgerlichen Rechte f\u00fcr Pal\u00e4stinenser<\/h3>\n\n\n\n

Ob auch die Situation im Westjordanland und Gazastreifen eine Rolle f\u00fcr die Bewertung des politischen Systems Israels spielt, entscheidet sich dem Spezialisten f\u00fcr politische Systeme im Nahen Osten<\/a> zufolge vor allem an einer Frage: Ist die Besetzung der Gebiete ein vor\u00fcbergehendes Ph\u00e4nomen oder auf Dauer angelegt?<\/p>\n\n\n\n

Nur im letzteren Fall m\u00fcsse man das Besatzungsregime als Teil des politischen Systems Israels bewerten, so Beck. F\u00fcr den anhaltenden Charakter spreche allein schon die schiere Dauer der Besatzung: So dauert die israelische Besatzung schon \u00fcber ein halbes Jahrhundert und damit dreimal so lange wie Israel in den Grenzen von 1949 bis 1967 existierte.<\/p>\n\n\n\n

Hinzu kommen weitere Indizien: Das Scheitern des Osloer Verhandlungsprozess in den 1990er Jahren und im ersten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts, der anhaltende Siedlungsprozess sowie die weitgehenden Einigkeit unter den gro\u00dfen politischen Parteien Israels - und dass gro\u00dfe Teile des Westjordanlands dauerhaft unter israelischer Kontrolle verbleiben sollen. Beck kommt zu dem Schluss:<\/p>\n\n\n\n

Alle Indizien verweisen also darauf, dass die israelische Herrschaft \u00fcber das Westjordanland auf Dauer angelegt ist. In einer Demokratie m\u00fcsste daher allen dort Wohnenden der uneingeschr\u00e4nkte Zugang zu den staatsb\u00fcrgerlichen Rechten des politischen Gemeinwesens gew\u00e4hrt werden. Dies ist aber nicht der Fall.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Zweifelsfrei war Israel lediglich f\u00fcr sechs Monate eine Demokratie<\/h3>\n\n\n\n

W\u00e4hrend an der israelischen Besatzung des Westjordanlands kein Zweifel besteht, \u00fcberrascht, dass Beck f\u00fcr den Gazastreifen zu einer \u00e4hnlichen Bewertung kommt. Schlie\u00dflich hat Israel seine Soldaten im Jahr 2007 aus dem K\u00fcstenstreifen abgezogen und j\u00fcdische Siedlungen aufgel\u00f6st.<\/p>\n\n\n\n

Beck argumentiert, dass Israel auch heute seine Kontrolle von Land, Luft und Wasser aufrechterh\u00e4lt und die Besatzungsherrschaft damit fortsetzt, ohne \"den dort lebenden Menschen irgendeine Form demokratischer Mitwirkungsrechte zu gew\u00e4hren\".<\/p>\n\n\n\n

Mit dieser Einsch\u00e4tzung ist Beck nicht allein. Auch die Vereinten Nationen<\/a> und der Internationale Strafgerichtshof<\/a> vertreten die Auffassung, dass die israelische Besatzung \u00fcber den Gazastreifen andauert.<\/p>\n\n\n\n

F\u00fcr die Gesamtbewertung des politischen Systems Israels hat diese Frage allerdings ohnehin keine entscheidende Bedeutung mehr. Denn Becks Fazit f\u00e4llt eindeutig aus: Zweifelsfrei um eine Demokratie gehandelt habe es sich bei Israel lediglich in einem kurzen sechsmonatigen Zeitraum zwischen der Abschaffung des Milit\u00e4rrechts f\u00fcr arabische Israelis im November 1966 und dem Beginn des Sechstagekrieges im Juni 1967.<\/p>\n\n\n\n

Sp\u00e4testens mit Beginn der Besatzungsherrschaft habe Israel seinen Charakter als Demokratie verloren. F\u00fcr heutige Debatten rund um Israel empfiehlt der Nahost-Professor deshalb auf das Demokratieargument besser zu verzichten.

der\u00a0Ursprung<\/a><\/p>\n","post_title":"Die einzige Demokratie im Nahen Osten?","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-einzige-demokratie-im-nahen-osten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3775","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":53},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Beck unterzieht Israels politisches Systems deshalb einer zweiten Pr\u00fcfung. Der amerikanische Politikwissenschaftler Robert Dahl hat acht Bedingungen formuliert, die ein politisches System mindestens erf\u00fcllen muss, um als Demokratie zu gelten.<\/p>\n\n\n\n

Diese sind: Organisationsfreiheit, Meinungsfreiheit, aktives und passives Wahlrecht, das Recht politischer Eliten auf Werbung f\u00fcr Unterst\u00fctzung und um W\u00e4hlerstimmen, der Zugang zu alternativen Informationsquellen, freie und faire Wahlen sowie die institutionelle Bindung von Regierungspolitik an Wahlen und andere Formen der Willensbildung.<\/p>\n\n\n\n

Legt man diese Minimaldefinition von Demokratie zugrunde, besteht Israel die Pr\u00fcfung. \"Mit Blick auf Israel erscheinen all diese Bedingungen nicht nur f\u00fcr seine j\u00fcdischen, sondern auch f\u00fcr seine arabischen Staatsb\u00fcrgerinnen und Staatsb\u00fcrger erf\u00fcllt\", schreibt Beck.<\/p>\n\n\n\n

Allerdings liefert er dazu eine gro\u00dfe zeitliche Einschr\u00e4nkung: So lebten in den ersten Jahren gro\u00dfe Teile der arabischen Bev\u00f6lkerung Israels unter Milit\u00e4rverwaltung und genossen nicht dieselben staatsb\u00fcrgerlichen Rechte wie der Rest der Bev\u00f6lkerung. Aufgehoben wurde das Milit\u00e4rrecht f\u00fcr arabische Israelis erst am 8. November 1966. Um einen demokratischen Staat k\u00f6nne es sich also fr\u00fchestens ab diesem Zeitpunkt handeln.<\/p>\n\n\n\n

Macht die Besatzung Israel zu einem undemokratischen Staat?<\/h3>\n\n\n\n

Nur wenige Monate folgte allerdings ein Ereignis, dass Israels Bewertung als demokratischen Staat abermals in Zweifel zieht. Im Zuge des Sechstagekrieges besetzte Israel im Juni 1967 die \u00e4gyptische Sinai-Halbinsel, den Gazastreifen, das zuvor von Jordanien kontrollierte Westjordanland und Ostjerusalem sowie die syrischen Golanh\u00f6hen.<\/p>\n\n\n\n

Die 1982 an \u00c4gypten zur\u00fcckgegebene Sinai-Halbinsel ausgenommen, dauert Israels Kontrolle \u00fcber jene Gebiete bis heute auf die ein oder andere Weise an. Spielt sie deshalb auch eine Rolle, wenn es um die Bewertung des politischen Systems Israels geht? Beck schreibt, dass \"die Errichtung der Besatzungsregime im Jahr 1967 zweifelsohne ein undemokratischer Akt [war]\", diese aber nicht zwangsl\u00e4ufig etwas am demokratischen Charakter des politischen Systems Israel \u00e4ndern w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n

Sehr wohl anrechnen lassen m\u00fcsse sich Israel aber die Situation auf den syrischen Golanh\u00f6hen und in Ostjerusalem, da diese mittlerweile ins israelische Staatsgebiet annektiert wurden. Beck schreibt:<\/p>\n\n\n\n

Die Annexion eines Territoriums durch einen Staat ohne Referendum, d.h. eine Abstimmung durch die betroffene Bev\u00f6lkerung, widerspricht demokratischen Prinzipien fundamental.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Wichtiger noch sei allerdings, dass viele von der Annexion betroffene Pal\u00e4stinenser bis heute nicht \u00fcber dieselben Rechte verf\u00fcgen wie ihre israelischen Nachbarn. Statt der israelischen Staatsb\u00fcrgerschaft tragen pal\u00e4stinensische Bewohner Ostjerusalems lediglich Identit\u00e4tskarten, die sie als st\u00e4ndige Bewohner der Stadt ausweisen.<\/p>\n\n\n\n

Damit sind sie in Israel zwar steuerpflichtig, haben Zugang zu Sozialleistungen und k\u00f6nnen sich innerhalb Israel frei bewegen, staatsb\u00fcrgerlichen Rechte, wie beispielsweise das aktive und passive Wahlrecht besitzen sie allerdings nicht. Als undemokratisch bewertet Beck deshalb das \"israelische Herrschaftsregime in Jerusalem\".<\/p>\n\n\n\n

Besatzung beenden oder dieselben staatsb\u00fcrgerlichen Rechte f\u00fcr Pal\u00e4stinenser<\/h3>\n\n\n\n

Ob auch die Situation im Westjordanland und Gazastreifen eine Rolle f\u00fcr die Bewertung des politischen Systems Israels spielt, entscheidet sich dem Spezialisten f\u00fcr politische Systeme im Nahen Osten<\/a> zufolge vor allem an einer Frage: Ist die Besetzung der Gebiete ein vor\u00fcbergehendes Ph\u00e4nomen oder auf Dauer angelegt?<\/p>\n\n\n\n

Nur im letzteren Fall m\u00fcsse man das Besatzungsregime als Teil des politischen Systems Israels bewerten, so Beck. F\u00fcr den anhaltenden Charakter spreche allein schon die schiere Dauer der Besatzung: So dauert die israelische Besatzung schon \u00fcber ein halbes Jahrhundert und damit dreimal so lange wie Israel in den Grenzen von 1949 bis 1967 existierte.<\/p>\n\n\n\n

Hinzu kommen weitere Indizien: Das Scheitern des Osloer Verhandlungsprozess in den 1990er Jahren und im ersten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts, der anhaltende Siedlungsprozess sowie die weitgehenden Einigkeit unter den gro\u00dfen politischen Parteien Israels - und dass gro\u00dfe Teile des Westjordanlands dauerhaft unter israelischer Kontrolle verbleiben sollen. Beck kommt zu dem Schluss:<\/p>\n\n\n\n

Alle Indizien verweisen also darauf, dass die israelische Herrschaft \u00fcber das Westjordanland auf Dauer angelegt ist. In einer Demokratie m\u00fcsste daher allen dort Wohnenden der uneingeschr\u00e4nkte Zugang zu den staatsb\u00fcrgerlichen Rechten des politischen Gemeinwesens gew\u00e4hrt werden. Dies ist aber nicht der Fall.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Zweifelsfrei war Israel lediglich f\u00fcr sechs Monate eine Demokratie<\/h3>\n\n\n\n

W\u00e4hrend an der israelischen Besatzung des Westjordanlands kein Zweifel besteht, \u00fcberrascht, dass Beck f\u00fcr den Gazastreifen zu einer \u00e4hnlichen Bewertung kommt. Schlie\u00dflich hat Israel seine Soldaten im Jahr 2007 aus dem K\u00fcstenstreifen abgezogen und j\u00fcdische Siedlungen aufgel\u00f6st.<\/p>\n\n\n\n

Beck argumentiert, dass Israel auch heute seine Kontrolle von Land, Luft und Wasser aufrechterh\u00e4lt und die Besatzungsherrschaft damit fortsetzt, ohne \"den dort lebenden Menschen irgendeine Form demokratischer Mitwirkungsrechte zu gew\u00e4hren\".<\/p>\n\n\n\n

Mit dieser Einsch\u00e4tzung ist Beck nicht allein. Auch die Vereinten Nationen<\/a> und der Internationale Strafgerichtshof<\/a> vertreten die Auffassung, dass die israelische Besatzung \u00fcber den Gazastreifen andauert.<\/p>\n\n\n\n

F\u00fcr die Gesamtbewertung des politischen Systems Israels hat diese Frage allerdings ohnehin keine entscheidende Bedeutung mehr. Denn Becks Fazit f\u00e4llt eindeutig aus: Zweifelsfrei um eine Demokratie gehandelt habe es sich bei Israel lediglich in einem kurzen sechsmonatigen Zeitraum zwischen der Abschaffung des Milit\u00e4rrechts f\u00fcr arabische Israelis im November 1966 und dem Beginn des Sechstagekrieges im Juni 1967.<\/p>\n\n\n\n

Sp\u00e4testens mit Beginn der Besatzungsherrschaft habe Israel seinen Charakter als Demokratie verloren. F\u00fcr heutige Debatten rund um Israel empfiehlt der Nahost-Professor deshalb auf das Demokratieargument besser zu verzichten.

der\u00a0Ursprung<\/a><\/p>\n","post_title":"Die einzige Demokratie im Nahen Osten?","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-einzige-demokratie-im-nahen-osten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3775","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":53},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Demokratie-Pr\u00fcfung scheiterte am Milit\u00e4rrecht f\u00fcr arabische Israelis<\/h3>\n\n\n\n

Beck unterzieht Israels politisches Systems deshalb einer zweiten Pr\u00fcfung. Der amerikanische Politikwissenschaftler Robert Dahl hat acht Bedingungen formuliert, die ein politisches System mindestens erf\u00fcllen muss, um als Demokratie zu gelten.<\/p>\n\n\n\n

Diese sind: Organisationsfreiheit, Meinungsfreiheit, aktives und passives Wahlrecht, das Recht politischer Eliten auf Werbung f\u00fcr Unterst\u00fctzung und um W\u00e4hlerstimmen, der Zugang zu alternativen Informationsquellen, freie und faire Wahlen sowie die institutionelle Bindung von Regierungspolitik an Wahlen und andere Formen der Willensbildung.<\/p>\n\n\n\n

Legt man diese Minimaldefinition von Demokratie zugrunde, besteht Israel die Pr\u00fcfung. \"Mit Blick auf Israel erscheinen all diese Bedingungen nicht nur f\u00fcr seine j\u00fcdischen, sondern auch f\u00fcr seine arabischen Staatsb\u00fcrgerinnen und Staatsb\u00fcrger erf\u00fcllt\", schreibt Beck.<\/p>\n\n\n\n

Allerdings liefert er dazu eine gro\u00dfe zeitliche Einschr\u00e4nkung: So lebten in den ersten Jahren gro\u00dfe Teile der arabischen Bev\u00f6lkerung Israels unter Milit\u00e4rverwaltung und genossen nicht dieselben staatsb\u00fcrgerlichen Rechte wie der Rest der Bev\u00f6lkerung. Aufgehoben wurde das Milit\u00e4rrecht f\u00fcr arabische Israelis erst am 8. November 1966. Um einen demokratischen Staat k\u00f6nne es sich also fr\u00fchestens ab diesem Zeitpunkt handeln.<\/p>\n\n\n\n

Macht die Besatzung Israel zu einem undemokratischen Staat?<\/h3>\n\n\n\n

Nur wenige Monate folgte allerdings ein Ereignis, dass Israels Bewertung als demokratischen Staat abermals in Zweifel zieht. Im Zuge des Sechstagekrieges besetzte Israel im Juni 1967 die \u00e4gyptische Sinai-Halbinsel, den Gazastreifen, das zuvor von Jordanien kontrollierte Westjordanland und Ostjerusalem sowie die syrischen Golanh\u00f6hen.<\/p>\n\n\n\n

Die 1982 an \u00c4gypten zur\u00fcckgegebene Sinai-Halbinsel ausgenommen, dauert Israels Kontrolle \u00fcber jene Gebiete bis heute auf die ein oder andere Weise an. Spielt sie deshalb auch eine Rolle, wenn es um die Bewertung des politischen Systems Israels geht? Beck schreibt, dass \"die Errichtung der Besatzungsregime im Jahr 1967 zweifelsohne ein undemokratischer Akt [war]\", diese aber nicht zwangsl\u00e4ufig etwas am demokratischen Charakter des politischen Systems Israel \u00e4ndern w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n

Sehr wohl anrechnen lassen m\u00fcsse sich Israel aber die Situation auf den syrischen Golanh\u00f6hen und in Ostjerusalem, da diese mittlerweile ins israelische Staatsgebiet annektiert wurden. Beck schreibt:<\/p>\n\n\n\n

Die Annexion eines Territoriums durch einen Staat ohne Referendum, d.h. eine Abstimmung durch die betroffene Bev\u00f6lkerung, widerspricht demokratischen Prinzipien fundamental.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Wichtiger noch sei allerdings, dass viele von der Annexion betroffene Pal\u00e4stinenser bis heute nicht \u00fcber dieselben Rechte verf\u00fcgen wie ihre israelischen Nachbarn. Statt der israelischen Staatsb\u00fcrgerschaft tragen pal\u00e4stinensische Bewohner Ostjerusalems lediglich Identit\u00e4tskarten, die sie als st\u00e4ndige Bewohner der Stadt ausweisen.<\/p>\n\n\n\n

Damit sind sie in Israel zwar steuerpflichtig, haben Zugang zu Sozialleistungen und k\u00f6nnen sich innerhalb Israel frei bewegen, staatsb\u00fcrgerlichen Rechte, wie beispielsweise das aktive und passive Wahlrecht besitzen sie allerdings nicht. Als undemokratisch bewertet Beck deshalb das \"israelische Herrschaftsregime in Jerusalem\".<\/p>\n\n\n\n

Besatzung beenden oder dieselben staatsb\u00fcrgerlichen Rechte f\u00fcr Pal\u00e4stinenser<\/h3>\n\n\n\n

Ob auch die Situation im Westjordanland und Gazastreifen eine Rolle f\u00fcr die Bewertung des politischen Systems Israels spielt, entscheidet sich dem Spezialisten f\u00fcr politische Systeme im Nahen Osten<\/a> zufolge vor allem an einer Frage: Ist die Besetzung der Gebiete ein vor\u00fcbergehendes Ph\u00e4nomen oder auf Dauer angelegt?<\/p>\n\n\n\n

Nur im letzteren Fall m\u00fcsse man das Besatzungsregime als Teil des politischen Systems Israels bewerten, so Beck. F\u00fcr den anhaltenden Charakter spreche allein schon die schiere Dauer der Besatzung: So dauert die israelische Besatzung schon \u00fcber ein halbes Jahrhundert und damit dreimal so lange wie Israel in den Grenzen von 1949 bis 1967 existierte.<\/p>\n\n\n\n

Hinzu kommen weitere Indizien: Das Scheitern des Osloer Verhandlungsprozess in den 1990er Jahren und im ersten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts, der anhaltende Siedlungsprozess sowie die weitgehenden Einigkeit unter den gro\u00dfen politischen Parteien Israels - und dass gro\u00dfe Teile des Westjordanlands dauerhaft unter israelischer Kontrolle verbleiben sollen. Beck kommt zu dem Schluss:<\/p>\n\n\n\n

Alle Indizien verweisen also darauf, dass die israelische Herrschaft \u00fcber das Westjordanland auf Dauer angelegt ist. In einer Demokratie m\u00fcsste daher allen dort Wohnenden der uneingeschr\u00e4nkte Zugang zu den staatsb\u00fcrgerlichen Rechten des politischen Gemeinwesens gew\u00e4hrt werden. Dies ist aber nicht der Fall.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Zweifelsfrei war Israel lediglich f\u00fcr sechs Monate eine Demokratie<\/h3>\n\n\n\n

W\u00e4hrend an der israelischen Besatzung des Westjordanlands kein Zweifel besteht, \u00fcberrascht, dass Beck f\u00fcr den Gazastreifen zu einer \u00e4hnlichen Bewertung kommt. Schlie\u00dflich hat Israel seine Soldaten im Jahr 2007 aus dem K\u00fcstenstreifen abgezogen und j\u00fcdische Siedlungen aufgel\u00f6st.<\/p>\n\n\n\n

Beck argumentiert, dass Israel auch heute seine Kontrolle von Land, Luft und Wasser aufrechterh\u00e4lt und die Besatzungsherrschaft damit fortsetzt, ohne \"den dort lebenden Menschen irgendeine Form demokratischer Mitwirkungsrechte zu gew\u00e4hren\".<\/p>\n\n\n\n

Mit dieser Einsch\u00e4tzung ist Beck nicht allein. Auch die Vereinten Nationen<\/a> und der Internationale Strafgerichtshof<\/a> vertreten die Auffassung, dass die israelische Besatzung \u00fcber den Gazastreifen andauert.<\/p>\n\n\n\n

F\u00fcr die Gesamtbewertung des politischen Systems Israels hat diese Frage allerdings ohnehin keine entscheidende Bedeutung mehr. Denn Becks Fazit f\u00e4llt eindeutig aus: Zweifelsfrei um eine Demokratie gehandelt habe es sich bei Israel lediglich in einem kurzen sechsmonatigen Zeitraum zwischen der Abschaffung des Milit\u00e4rrechts f\u00fcr arabische Israelis im November 1966 und dem Beginn des Sechstagekrieges im Juni 1967.<\/p>\n\n\n\n

Sp\u00e4testens mit Beginn der Besatzungsherrschaft habe Israel seinen Charakter als Demokratie verloren. F\u00fcr heutige Debatten rund um Israel empfiehlt der Nahost-Professor deshalb auf das Demokratieargument besser zu verzichten.

der\u00a0Ursprung<\/a><\/p>\n","post_title":"Die einzige Demokratie im Nahen Osten?","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-einzige-demokratie-im-nahen-osten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3775","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":53},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Beck verweist allerdings darauf, dass dieses weite Demokratie-Verst\u00e4ndnis zwar unter Kritikern Israels verbreitet, in der wissenschaftlichen Debatte aber eher un\u00fcblich sei. Zudem w\u00fcrden andere als demokratisch geltende Staaten, diese Anforderungen ebenso nicht erf\u00fcllen.<\/p>\n\n\n\n

Demokratie-Pr\u00fcfung scheiterte am Milit\u00e4rrecht f\u00fcr arabische Israelis<\/h3>\n\n\n\n

Beck unterzieht Israels politisches Systems deshalb einer zweiten Pr\u00fcfung. Der amerikanische Politikwissenschaftler Robert Dahl hat acht Bedingungen formuliert, die ein politisches System mindestens erf\u00fcllen muss, um als Demokratie zu gelten.<\/p>\n\n\n\n

Diese sind: Organisationsfreiheit, Meinungsfreiheit, aktives und passives Wahlrecht, das Recht politischer Eliten auf Werbung f\u00fcr Unterst\u00fctzung und um W\u00e4hlerstimmen, der Zugang zu alternativen Informationsquellen, freie und faire Wahlen sowie die institutionelle Bindung von Regierungspolitik an Wahlen und andere Formen der Willensbildung.<\/p>\n\n\n\n

Legt man diese Minimaldefinition von Demokratie zugrunde, besteht Israel die Pr\u00fcfung. \"Mit Blick auf Israel erscheinen all diese Bedingungen nicht nur f\u00fcr seine j\u00fcdischen, sondern auch f\u00fcr seine arabischen Staatsb\u00fcrgerinnen und Staatsb\u00fcrger erf\u00fcllt\", schreibt Beck.<\/p>\n\n\n\n

Allerdings liefert er dazu eine gro\u00dfe zeitliche Einschr\u00e4nkung: So lebten in den ersten Jahren gro\u00dfe Teile der arabischen Bev\u00f6lkerung Israels unter Milit\u00e4rverwaltung und genossen nicht dieselben staatsb\u00fcrgerlichen Rechte wie der Rest der Bev\u00f6lkerung. Aufgehoben wurde das Milit\u00e4rrecht f\u00fcr arabische Israelis erst am 8. November 1966. Um einen demokratischen Staat k\u00f6nne es sich also fr\u00fchestens ab diesem Zeitpunkt handeln.<\/p>\n\n\n\n

Macht die Besatzung Israel zu einem undemokratischen Staat?<\/h3>\n\n\n\n

Nur wenige Monate folgte allerdings ein Ereignis, dass Israels Bewertung als demokratischen Staat abermals in Zweifel zieht. Im Zuge des Sechstagekrieges besetzte Israel im Juni 1967 die \u00e4gyptische Sinai-Halbinsel, den Gazastreifen, das zuvor von Jordanien kontrollierte Westjordanland und Ostjerusalem sowie die syrischen Golanh\u00f6hen.<\/p>\n\n\n\n

Die 1982 an \u00c4gypten zur\u00fcckgegebene Sinai-Halbinsel ausgenommen, dauert Israels Kontrolle \u00fcber jene Gebiete bis heute auf die ein oder andere Weise an. Spielt sie deshalb auch eine Rolle, wenn es um die Bewertung des politischen Systems Israels geht? Beck schreibt, dass \"die Errichtung der Besatzungsregime im Jahr 1967 zweifelsohne ein undemokratischer Akt [war]\", diese aber nicht zwangsl\u00e4ufig etwas am demokratischen Charakter des politischen Systems Israel \u00e4ndern w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n

Sehr wohl anrechnen lassen m\u00fcsse sich Israel aber die Situation auf den syrischen Golanh\u00f6hen und in Ostjerusalem, da diese mittlerweile ins israelische Staatsgebiet annektiert wurden. Beck schreibt:<\/p>\n\n\n\n

Die Annexion eines Territoriums durch einen Staat ohne Referendum, d.h. eine Abstimmung durch die betroffene Bev\u00f6lkerung, widerspricht demokratischen Prinzipien fundamental.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Wichtiger noch sei allerdings, dass viele von der Annexion betroffene Pal\u00e4stinenser bis heute nicht \u00fcber dieselben Rechte verf\u00fcgen wie ihre israelischen Nachbarn. Statt der israelischen Staatsb\u00fcrgerschaft tragen pal\u00e4stinensische Bewohner Ostjerusalems lediglich Identit\u00e4tskarten, die sie als st\u00e4ndige Bewohner der Stadt ausweisen.<\/p>\n\n\n\n

Damit sind sie in Israel zwar steuerpflichtig, haben Zugang zu Sozialleistungen und k\u00f6nnen sich innerhalb Israel frei bewegen, staatsb\u00fcrgerlichen Rechte, wie beispielsweise das aktive und passive Wahlrecht besitzen sie allerdings nicht. Als undemokratisch bewertet Beck deshalb das \"israelische Herrschaftsregime in Jerusalem\".<\/p>\n\n\n\n

Besatzung beenden oder dieselben staatsb\u00fcrgerlichen Rechte f\u00fcr Pal\u00e4stinenser<\/h3>\n\n\n\n

Ob auch die Situation im Westjordanland und Gazastreifen eine Rolle f\u00fcr die Bewertung des politischen Systems Israels spielt, entscheidet sich dem Spezialisten f\u00fcr politische Systeme im Nahen Osten<\/a> zufolge vor allem an einer Frage: Ist die Besetzung der Gebiete ein vor\u00fcbergehendes Ph\u00e4nomen oder auf Dauer angelegt?<\/p>\n\n\n\n

Nur im letzteren Fall m\u00fcsse man das Besatzungsregime als Teil des politischen Systems Israels bewerten, so Beck. F\u00fcr den anhaltenden Charakter spreche allein schon die schiere Dauer der Besatzung: So dauert die israelische Besatzung schon \u00fcber ein halbes Jahrhundert und damit dreimal so lange wie Israel in den Grenzen von 1949 bis 1967 existierte.<\/p>\n\n\n\n

Hinzu kommen weitere Indizien: Das Scheitern des Osloer Verhandlungsprozess in den 1990er Jahren und im ersten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts, der anhaltende Siedlungsprozess sowie die weitgehenden Einigkeit unter den gro\u00dfen politischen Parteien Israels - und dass gro\u00dfe Teile des Westjordanlands dauerhaft unter israelischer Kontrolle verbleiben sollen. Beck kommt zu dem Schluss:<\/p>\n\n\n\n

Alle Indizien verweisen also darauf, dass die israelische Herrschaft \u00fcber das Westjordanland auf Dauer angelegt ist. In einer Demokratie m\u00fcsste daher allen dort Wohnenden der uneingeschr\u00e4nkte Zugang zu den staatsb\u00fcrgerlichen Rechten des politischen Gemeinwesens gew\u00e4hrt werden. Dies ist aber nicht der Fall.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Zweifelsfrei war Israel lediglich f\u00fcr sechs Monate eine Demokratie<\/h3>\n\n\n\n

W\u00e4hrend an der israelischen Besatzung des Westjordanlands kein Zweifel besteht, \u00fcberrascht, dass Beck f\u00fcr den Gazastreifen zu einer \u00e4hnlichen Bewertung kommt. Schlie\u00dflich hat Israel seine Soldaten im Jahr 2007 aus dem K\u00fcstenstreifen abgezogen und j\u00fcdische Siedlungen aufgel\u00f6st.<\/p>\n\n\n\n

Beck argumentiert, dass Israel auch heute seine Kontrolle von Land, Luft und Wasser aufrechterh\u00e4lt und die Besatzungsherrschaft damit fortsetzt, ohne \"den dort lebenden Menschen irgendeine Form demokratischer Mitwirkungsrechte zu gew\u00e4hren\".<\/p>\n\n\n\n

Mit dieser Einsch\u00e4tzung ist Beck nicht allein. Auch die Vereinten Nationen<\/a> und der Internationale Strafgerichtshof<\/a> vertreten die Auffassung, dass die israelische Besatzung \u00fcber den Gazastreifen andauert.<\/p>\n\n\n\n

F\u00fcr die Gesamtbewertung des politischen Systems Israels hat diese Frage allerdings ohnehin keine entscheidende Bedeutung mehr. Denn Becks Fazit f\u00e4llt eindeutig aus: Zweifelsfrei um eine Demokratie gehandelt habe es sich bei Israel lediglich in einem kurzen sechsmonatigen Zeitraum zwischen der Abschaffung des Milit\u00e4rrechts f\u00fcr arabische Israelis im November 1966 und dem Beginn des Sechstagekrieges im Juni 1967.<\/p>\n\n\n\n

Sp\u00e4testens mit Beginn der Besatzungsherrschaft habe Israel seinen Charakter als Demokratie verloren. F\u00fcr heutige Debatten rund um Israel empfiehlt der Nahost-Professor deshalb auf das Demokratieargument besser zu verzichten.

der\u00a0Ursprung<\/a><\/p>\n","post_title":"Die einzige Demokratie im Nahen Osten?","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-einzige-demokratie-im-nahen-osten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3775","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":53},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Da die Staatsr\u00e4son Israels auf seinem j\u00fcdischen Charakter fu\u00dft und Gesetze hervorgebracht hat, die in zentralen Bereichen der Ressourcenverteilung wie beispielsweise Landbesitz arabische Israelis systematisch diskriminiert, erscheint Israel als undemokratisch.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Beck verweist allerdings darauf, dass dieses weite Demokratie-Verst\u00e4ndnis zwar unter Kritikern Israels verbreitet, in der wissenschaftlichen Debatte aber eher un\u00fcblich sei. Zudem w\u00fcrden andere als demokratisch geltende Staaten, diese Anforderungen ebenso nicht erf\u00fcllen.<\/p>\n\n\n\n

Demokratie-Pr\u00fcfung scheiterte am Milit\u00e4rrecht f\u00fcr arabische Israelis<\/h3>\n\n\n\n

Beck unterzieht Israels politisches Systems deshalb einer zweiten Pr\u00fcfung. Der amerikanische Politikwissenschaftler Robert Dahl hat acht Bedingungen formuliert, die ein politisches System mindestens erf\u00fcllen muss, um als Demokratie zu gelten.<\/p>\n\n\n\n

Diese sind: Organisationsfreiheit, Meinungsfreiheit, aktives und passives Wahlrecht, das Recht politischer Eliten auf Werbung f\u00fcr Unterst\u00fctzung und um W\u00e4hlerstimmen, der Zugang zu alternativen Informationsquellen, freie und faire Wahlen sowie die institutionelle Bindung von Regierungspolitik an Wahlen und andere Formen der Willensbildung.<\/p>\n\n\n\n

Legt man diese Minimaldefinition von Demokratie zugrunde, besteht Israel die Pr\u00fcfung. \"Mit Blick auf Israel erscheinen all diese Bedingungen nicht nur f\u00fcr seine j\u00fcdischen, sondern auch f\u00fcr seine arabischen Staatsb\u00fcrgerinnen und Staatsb\u00fcrger erf\u00fcllt\", schreibt Beck.<\/p>\n\n\n\n

Allerdings liefert er dazu eine gro\u00dfe zeitliche Einschr\u00e4nkung: So lebten in den ersten Jahren gro\u00dfe Teile der arabischen Bev\u00f6lkerung Israels unter Milit\u00e4rverwaltung und genossen nicht dieselben staatsb\u00fcrgerlichen Rechte wie der Rest der Bev\u00f6lkerung. Aufgehoben wurde das Milit\u00e4rrecht f\u00fcr arabische Israelis erst am 8. November 1966. Um einen demokratischen Staat k\u00f6nne es sich also fr\u00fchestens ab diesem Zeitpunkt handeln.<\/p>\n\n\n\n

Macht die Besatzung Israel zu einem undemokratischen Staat?<\/h3>\n\n\n\n

Nur wenige Monate folgte allerdings ein Ereignis, dass Israels Bewertung als demokratischen Staat abermals in Zweifel zieht. Im Zuge des Sechstagekrieges besetzte Israel im Juni 1967 die \u00e4gyptische Sinai-Halbinsel, den Gazastreifen, das zuvor von Jordanien kontrollierte Westjordanland und Ostjerusalem sowie die syrischen Golanh\u00f6hen.<\/p>\n\n\n\n

Die 1982 an \u00c4gypten zur\u00fcckgegebene Sinai-Halbinsel ausgenommen, dauert Israels Kontrolle \u00fcber jene Gebiete bis heute auf die ein oder andere Weise an. Spielt sie deshalb auch eine Rolle, wenn es um die Bewertung des politischen Systems Israels geht? Beck schreibt, dass \"die Errichtung der Besatzungsregime im Jahr 1967 zweifelsohne ein undemokratischer Akt [war]\", diese aber nicht zwangsl\u00e4ufig etwas am demokratischen Charakter des politischen Systems Israel \u00e4ndern w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n

Sehr wohl anrechnen lassen m\u00fcsse sich Israel aber die Situation auf den syrischen Golanh\u00f6hen und in Ostjerusalem, da diese mittlerweile ins israelische Staatsgebiet annektiert wurden. Beck schreibt:<\/p>\n\n\n\n

Die Annexion eines Territoriums durch einen Staat ohne Referendum, d.h. eine Abstimmung durch die betroffene Bev\u00f6lkerung, widerspricht demokratischen Prinzipien fundamental.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Wichtiger noch sei allerdings, dass viele von der Annexion betroffene Pal\u00e4stinenser bis heute nicht \u00fcber dieselben Rechte verf\u00fcgen wie ihre israelischen Nachbarn. Statt der israelischen Staatsb\u00fcrgerschaft tragen pal\u00e4stinensische Bewohner Ostjerusalems lediglich Identit\u00e4tskarten, die sie als st\u00e4ndige Bewohner der Stadt ausweisen.<\/p>\n\n\n\n

Damit sind sie in Israel zwar steuerpflichtig, haben Zugang zu Sozialleistungen und k\u00f6nnen sich innerhalb Israel frei bewegen, staatsb\u00fcrgerlichen Rechte, wie beispielsweise das aktive und passive Wahlrecht besitzen sie allerdings nicht. Als undemokratisch bewertet Beck deshalb das \"israelische Herrschaftsregime in Jerusalem\".<\/p>\n\n\n\n

Besatzung beenden oder dieselben staatsb\u00fcrgerlichen Rechte f\u00fcr Pal\u00e4stinenser<\/h3>\n\n\n\n

Ob auch die Situation im Westjordanland und Gazastreifen eine Rolle f\u00fcr die Bewertung des politischen Systems Israels spielt, entscheidet sich dem Spezialisten f\u00fcr politische Systeme im Nahen Osten<\/a> zufolge vor allem an einer Frage: Ist die Besetzung der Gebiete ein vor\u00fcbergehendes Ph\u00e4nomen oder auf Dauer angelegt?<\/p>\n\n\n\n

Nur im letzteren Fall m\u00fcsse man das Besatzungsregime als Teil des politischen Systems Israels bewerten, so Beck. F\u00fcr den anhaltenden Charakter spreche allein schon die schiere Dauer der Besatzung: So dauert die israelische Besatzung schon \u00fcber ein halbes Jahrhundert und damit dreimal so lange wie Israel in den Grenzen von 1949 bis 1967 existierte.<\/p>\n\n\n\n

Hinzu kommen weitere Indizien: Das Scheitern des Osloer Verhandlungsprozess in den 1990er Jahren und im ersten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts, der anhaltende Siedlungsprozess sowie die weitgehenden Einigkeit unter den gro\u00dfen politischen Parteien Israels - und dass gro\u00dfe Teile des Westjordanlands dauerhaft unter israelischer Kontrolle verbleiben sollen. Beck kommt zu dem Schluss:<\/p>\n\n\n\n

Alle Indizien verweisen also darauf, dass die israelische Herrschaft \u00fcber das Westjordanland auf Dauer angelegt ist. In einer Demokratie m\u00fcsste daher allen dort Wohnenden der uneingeschr\u00e4nkte Zugang zu den staatsb\u00fcrgerlichen Rechten des politischen Gemeinwesens gew\u00e4hrt werden. Dies ist aber nicht der Fall.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Zweifelsfrei war Israel lediglich f\u00fcr sechs Monate eine Demokratie<\/h3>\n\n\n\n

W\u00e4hrend an der israelischen Besatzung des Westjordanlands kein Zweifel besteht, \u00fcberrascht, dass Beck f\u00fcr den Gazastreifen zu einer \u00e4hnlichen Bewertung kommt. Schlie\u00dflich hat Israel seine Soldaten im Jahr 2007 aus dem K\u00fcstenstreifen abgezogen und j\u00fcdische Siedlungen aufgel\u00f6st.<\/p>\n\n\n\n

Beck argumentiert, dass Israel auch heute seine Kontrolle von Land, Luft und Wasser aufrechterh\u00e4lt und die Besatzungsherrschaft damit fortsetzt, ohne \"den dort lebenden Menschen irgendeine Form demokratischer Mitwirkungsrechte zu gew\u00e4hren\".<\/p>\n\n\n\n

Mit dieser Einsch\u00e4tzung ist Beck nicht allein. Auch die Vereinten Nationen<\/a> und der Internationale Strafgerichtshof<\/a> vertreten die Auffassung, dass die israelische Besatzung \u00fcber den Gazastreifen andauert.<\/p>\n\n\n\n

F\u00fcr die Gesamtbewertung des politischen Systems Israels hat diese Frage allerdings ohnehin keine entscheidende Bedeutung mehr. Denn Becks Fazit f\u00e4llt eindeutig aus: Zweifelsfrei um eine Demokratie gehandelt habe es sich bei Israel lediglich in einem kurzen sechsmonatigen Zeitraum zwischen der Abschaffung des Milit\u00e4rrechts f\u00fcr arabische Israelis im November 1966 und dem Beginn des Sechstagekrieges im Juni 1967.<\/p>\n\n\n\n

Sp\u00e4testens mit Beginn der Besatzungsherrschaft habe Israel seinen Charakter als Demokratie verloren. F\u00fcr heutige Debatten rund um Israel empfiehlt der Nahost-Professor deshalb auf das Demokratieargument besser zu verzichten.

der\u00a0Ursprung<\/a><\/p>\n","post_title":"Die einzige Demokratie im Nahen Osten?","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-einzige-demokratie-im-nahen-osten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3775","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":53},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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So umfasst ein \"weiter Demokratiebegriff\" zum Beispiel die Gleichheit aller Staatsb\u00fcrger. Folgt man diesem Verst\u00e4ndnis spreche die Benachteiligung der arabischen Staatsb\u00fcrger Israels gegen eine Einordnung Israel als Demokratie. Beck schreibt:<\/p>\n\n\n\n

Da die Staatsr\u00e4son Israels auf seinem j\u00fcdischen Charakter fu\u00dft und Gesetze hervorgebracht hat, die in zentralen Bereichen der Ressourcenverteilung wie beispielsweise Landbesitz arabische Israelis systematisch diskriminiert, erscheint Israel als undemokratisch.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Beck verweist allerdings darauf, dass dieses weite Demokratie-Verst\u00e4ndnis zwar unter Kritikern Israels verbreitet, in der wissenschaftlichen Debatte aber eher un\u00fcblich sei. Zudem w\u00fcrden andere als demokratisch geltende Staaten, diese Anforderungen ebenso nicht erf\u00fcllen.<\/p>\n\n\n\n

Demokratie-Pr\u00fcfung scheiterte am Milit\u00e4rrecht f\u00fcr arabische Israelis<\/h3>\n\n\n\n

Beck unterzieht Israels politisches Systems deshalb einer zweiten Pr\u00fcfung. Der amerikanische Politikwissenschaftler Robert Dahl hat acht Bedingungen formuliert, die ein politisches System mindestens erf\u00fcllen muss, um als Demokratie zu gelten.<\/p>\n\n\n\n

Diese sind: Organisationsfreiheit, Meinungsfreiheit, aktives und passives Wahlrecht, das Recht politischer Eliten auf Werbung f\u00fcr Unterst\u00fctzung und um W\u00e4hlerstimmen, der Zugang zu alternativen Informationsquellen, freie und faire Wahlen sowie die institutionelle Bindung von Regierungspolitik an Wahlen und andere Formen der Willensbildung.<\/p>\n\n\n\n

Legt man diese Minimaldefinition von Demokratie zugrunde, besteht Israel die Pr\u00fcfung. \"Mit Blick auf Israel erscheinen all diese Bedingungen nicht nur f\u00fcr seine j\u00fcdischen, sondern auch f\u00fcr seine arabischen Staatsb\u00fcrgerinnen und Staatsb\u00fcrger erf\u00fcllt\", schreibt Beck.<\/p>\n\n\n\n

Allerdings liefert er dazu eine gro\u00dfe zeitliche Einschr\u00e4nkung: So lebten in den ersten Jahren gro\u00dfe Teile der arabischen Bev\u00f6lkerung Israels unter Milit\u00e4rverwaltung und genossen nicht dieselben staatsb\u00fcrgerlichen Rechte wie der Rest der Bev\u00f6lkerung. Aufgehoben wurde das Milit\u00e4rrecht f\u00fcr arabische Israelis erst am 8. November 1966. Um einen demokratischen Staat k\u00f6nne es sich also fr\u00fchestens ab diesem Zeitpunkt handeln.<\/p>\n\n\n\n

Macht die Besatzung Israel zu einem undemokratischen Staat?<\/h3>\n\n\n\n

Nur wenige Monate folgte allerdings ein Ereignis, dass Israels Bewertung als demokratischen Staat abermals in Zweifel zieht. Im Zuge des Sechstagekrieges besetzte Israel im Juni 1967 die \u00e4gyptische Sinai-Halbinsel, den Gazastreifen, das zuvor von Jordanien kontrollierte Westjordanland und Ostjerusalem sowie die syrischen Golanh\u00f6hen.<\/p>\n\n\n\n

Die 1982 an \u00c4gypten zur\u00fcckgegebene Sinai-Halbinsel ausgenommen, dauert Israels Kontrolle \u00fcber jene Gebiete bis heute auf die ein oder andere Weise an. Spielt sie deshalb auch eine Rolle, wenn es um die Bewertung des politischen Systems Israels geht? Beck schreibt, dass \"die Errichtung der Besatzungsregime im Jahr 1967 zweifelsohne ein undemokratischer Akt [war]\", diese aber nicht zwangsl\u00e4ufig etwas am demokratischen Charakter des politischen Systems Israel \u00e4ndern w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n

Sehr wohl anrechnen lassen m\u00fcsse sich Israel aber die Situation auf den syrischen Golanh\u00f6hen und in Ostjerusalem, da diese mittlerweile ins israelische Staatsgebiet annektiert wurden. Beck schreibt:<\/p>\n\n\n\n

Die Annexion eines Territoriums durch einen Staat ohne Referendum, d.h. eine Abstimmung durch die betroffene Bev\u00f6lkerung, widerspricht demokratischen Prinzipien fundamental.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Wichtiger noch sei allerdings, dass viele von der Annexion betroffene Pal\u00e4stinenser bis heute nicht \u00fcber dieselben Rechte verf\u00fcgen wie ihre israelischen Nachbarn. Statt der israelischen Staatsb\u00fcrgerschaft tragen pal\u00e4stinensische Bewohner Ostjerusalems lediglich Identit\u00e4tskarten, die sie als st\u00e4ndige Bewohner der Stadt ausweisen.<\/p>\n\n\n\n

Damit sind sie in Israel zwar steuerpflichtig, haben Zugang zu Sozialleistungen und k\u00f6nnen sich innerhalb Israel frei bewegen, staatsb\u00fcrgerlichen Rechte, wie beispielsweise das aktive und passive Wahlrecht besitzen sie allerdings nicht. Als undemokratisch bewertet Beck deshalb das \"israelische Herrschaftsregime in Jerusalem\".<\/p>\n\n\n\n

Besatzung beenden oder dieselben staatsb\u00fcrgerlichen Rechte f\u00fcr Pal\u00e4stinenser<\/h3>\n\n\n\n

Ob auch die Situation im Westjordanland und Gazastreifen eine Rolle f\u00fcr die Bewertung des politischen Systems Israels spielt, entscheidet sich dem Spezialisten f\u00fcr politische Systeme im Nahen Osten<\/a> zufolge vor allem an einer Frage: Ist die Besetzung der Gebiete ein vor\u00fcbergehendes Ph\u00e4nomen oder auf Dauer angelegt?<\/p>\n\n\n\n

Nur im letzteren Fall m\u00fcsse man das Besatzungsregime als Teil des politischen Systems Israels bewerten, so Beck. F\u00fcr den anhaltenden Charakter spreche allein schon die schiere Dauer der Besatzung: So dauert die israelische Besatzung schon \u00fcber ein halbes Jahrhundert und damit dreimal so lange wie Israel in den Grenzen von 1949 bis 1967 existierte.<\/p>\n\n\n\n

Hinzu kommen weitere Indizien: Das Scheitern des Osloer Verhandlungsprozess in den 1990er Jahren und im ersten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts, der anhaltende Siedlungsprozess sowie die weitgehenden Einigkeit unter den gro\u00dfen politischen Parteien Israels - und dass gro\u00dfe Teile des Westjordanlands dauerhaft unter israelischer Kontrolle verbleiben sollen. Beck kommt zu dem Schluss:<\/p>\n\n\n\n

Alle Indizien verweisen also darauf, dass die israelische Herrschaft \u00fcber das Westjordanland auf Dauer angelegt ist. In einer Demokratie m\u00fcsste daher allen dort Wohnenden der uneingeschr\u00e4nkte Zugang zu den staatsb\u00fcrgerlichen Rechten des politischen Gemeinwesens gew\u00e4hrt werden. Dies ist aber nicht der Fall.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Zweifelsfrei war Israel lediglich f\u00fcr sechs Monate eine Demokratie<\/h3>\n\n\n\n

W\u00e4hrend an der israelischen Besatzung des Westjordanlands kein Zweifel besteht, \u00fcberrascht, dass Beck f\u00fcr den Gazastreifen zu einer \u00e4hnlichen Bewertung kommt. Schlie\u00dflich hat Israel seine Soldaten im Jahr 2007 aus dem K\u00fcstenstreifen abgezogen und j\u00fcdische Siedlungen aufgel\u00f6st.<\/p>\n\n\n\n

Beck argumentiert, dass Israel auch heute seine Kontrolle von Land, Luft und Wasser aufrechterh\u00e4lt und die Besatzungsherrschaft damit fortsetzt, ohne \"den dort lebenden Menschen irgendeine Form demokratischer Mitwirkungsrechte zu gew\u00e4hren\".<\/p>\n\n\n\n

Mit dieser Einsch\u00e4tzung ist Beck nicht allein. Auch die Vereinten Nationen<\/a> und der Internationale Strafgerichtshof<\/a> vertreten die Auffassung, dass die israelische Besatzung \u00fcber den Gazastreifen andauert.<\/p>\n\n\n\n

F\u00fcr die Gesamtbewertung des politischen Systems Israels hat diese Frage allerdings ohnehin keine entscheidende Bedeutung mehr. Denn Becks Fazit f\u00e4llt eindeutig aus: Zweifelsfrei um eine Demokratie gehandelt habe es sich bei Israel lediglich in einem kurzen sechsmonatigen Zeitraum zwischen der Abschaffung des Milit\u00e4rrechts f\u00fcr arabische Israelis im November 1966 und dem Beginn des Sechstagekrieges im Juni 1967.<\/p>\n\n\n\n

Sp\u00e4testens mit Beginn der Besatzungsherrschaft habe Israel seinen Charakter als Demokratie verloren. F\u00fcr heutige Debatten rund um Israel empfiehlt der Nahost-Professor deshalb auf das Demokratieargument besser zu verzichten.

der\u00a0Ursprung<\/a><\/p>\n","post_title":"Die einzige Demokratie im Nahen Osten?","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-einzige-demokratie-im-nahen-osten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3775","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":53},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Becks Analyse macht aber zun\u00e4chst ein anderes Problem deutlich: Die Frage, ob es sich bei einem Staat um eine Demokratie handelt, ist auch deshalb nicht einfach zu beantworten, weil es kein einheitliches Verst\u00e4ndnis davon gibt, was eine Demokratie eigentlich ist. In seiner Bewertung des politischen Systems Israel geht er deshalb von unterschiedlichen Definitionen aus.<\/p>\n\n\n\n

So umfasst ein \"weiter Demokratiebegriff\" zum Beispiel die Gleichheit aller Staatsb\u00fcrger. Folgt man diesem Verst\u00e4ndnis spreche die Benachteiligung der arabischen Staatsb\u00fcrger Israels gegen eine Einordnung Israel als Demokratie. Beck schreibt:<\/p>\n\n\n\n

Da die Staatsr\u00e4son Israels auf seinem j\u00fcdischen Charakter fu\u00dft und Gesetze hervorgebracht hat, die in zentralen Bereichen der Ressourcenverteilung wie beispielsweise Landbesitz arabische Israelis systematisch diskriminiert, erscheint Israel als undemokratisch.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Beck verweist allerdings darauf, dass dieses weite Demokratie-Verst\u00e4ndnis zwar unter Kritikern Israels verbreitet, in der wissenschaftlichen Debatte aber eher un\u00fcblich sei. Zudem w\u00fcrden andere als demokratisch geltende Staaten, diese Anforderungen ebenso nicht erf\u00fcllen.<\/p>\n\n\n\n

Demokratie-Pr\u00fcfung scheiterte am Milit\u00e4rrecht f\u00fcr arabische Israelis<\/h3>\n\n\n\n

Beck unterzieht Israels politisches Systems deshalb einer zweiten Pr\u00fcfung. Der amerikanische Politikwissenschaftler Robert Dahl hat acht Bedingungen formuliert, die ein politisches System mindestens erf\u00fcllen muss, um als Demokratie zu gelten.<\/p>\n\n\n\n

Diese sind: Organisationsfreiheit, Meinungsfreiheit, aktives und passives Wahlrecht, das Recht politischer Eliten auf Werbung f\u00fcr Unterst\u00fctzung und um W\u00e4hlerstimmen, der Zugang zu alternativen Informationsquellen, freie und faire Wahlen sowie die institutionelle Bindung von Regierungspolitik an Wahlen und andere Formen der Willensbildung.<\/p>\n\n\n\n

Legt man diese Minimaldefinition von Demokratie zugrunde, besteht Israel die Pr\u00fcfung. \"Mit Blick auf Israel erscheinen all diese Bedingungen nicht nur f\u00fcr seine j\u00fcdischen, sondern auch f\u00fcr seine arabischen Staatsb\u00fcrgerinnen und Staatsb\u00fcrger erf\u00fcllt\", schreibt Beck.<\/p>\n\n\n\n

Allerdings liefert er dazu eine gro\u00dfe zeitliche Einschr\u00e4nkung: So lebten in den ersten Jahren gro\u00dfe Teile der arabischen Bev\u00f6lkerung Israels unter Milit\u00e4rverwaltung und genossen nicht dieselben staatsb\u00fcrgerlichen Rechte wie der Rest der Bev\u00f6lkerung. Aufgehoben wurde das Milit\u00e4rrecht f\u00fcr arabische Israelis erst am 8. November 1966. Um einen demokratischen Staat k\u00f6nne es sich also fr\u00fchestens ab diesem Zeitpunkt handeln.<\/p>\n\n\n\n

Macht die Besatzung Israel zu einem undemokratischen Staat?<\/h3>\n\n\n\n

Nur wenige Monate folgte allerdings ein Ereignis, dass Israels Bewertung als demokratischen Staat abermals in Zweifel zieht. Im Zuge des Sechstagekrieges besetzte Israel im Juni 1967 die \u00e4gyptische Sinai-Halbinsel, den Gazastreifen, das zuvor von Jordanien kontrollierte Westjordanland und Ostjerusalem sowie die syrischen Golanh\u00f6hen.<\/p>\n\n\n\n

Die 1982 an \u00c4gypten zur\u00fcckgegebene Sinai-Halbinsel ausgenommen, dauert Israels Kontrolle \u00fcber jene Gebiete bis heute auf die ein oder andere Weise an. Spielt sie deshalb auch eine Rolle, wenn es um die Bewertung des politischen Systems Israels geht? Beck schreibt, dass \"die Errichtung der Besatzungsregime im Jahr 1967 zweifelsohne ein undemokratischer Akt [war]\", diese aber nicht zwangsl\u00e4ufig etwas am demokratischen Charakter des politischen Systems Israel \u00e4ndern w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n

Sehr wohl anrechnen lassen m\u00fcsse sich Israel aber die Situation auf den syrischen Golanh\u00f6hen und in Ostjerusalem, da diese mittlerweile ins israelische Staatsgebiet annektiert wurden. Beck schreibt:<\/p>\n\n\n\n

Die Annexion eines Territoriums durch einen Staat ohne Referendum, d.h. eine Abstimmung durch die betroffene Bev\u00f6lkerung, widerspricht demokratischen Prinzipien fundamental.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Wichtiger noch sei allerdings, dass viele von der Annexion betroffene Pal\u00e4stinenser bis heute nicht \u00fcber dieselben Rechte verf\u00fcgen wie ihre israelischen Nachbarn. Statt der israelischen Staatsb\u00fcrgerschaft tragen pal\u00e4stinensische Bewohner Ostjerusalems lediglich Identit\u00e4tskarten, die sie als st\u00e4ndige Bewohner der Stadt ausweisen.<\/p>\n\n\n\n

Damit sind sie in Israel zwar steuerpflichtig, haben Zugang zu Sozialleistungen und k\u00f6nnen sich innerhalb Israel frei bewegen, staatsb\u00fcrgerlichen Rechte, wie beispielsweise das aktive und passive Wahlrecht besitzen sie allerdings nicht. Als undemokratisch bewertet Beck deshalb das \"israelische Herrschaftsregime in Jerusalem\".<\/p>\n\n\n\n

Besatzung beenden oder dieselben staatsb\u00fcrgerlichen Rechte f\u00fcr Pal\u00e4stinenser<\/h3>\n\n\n\n

Ob auch die Situation im Westjordanland und Gazastreifen eine Rolle f\u00fcr die Bewertung des politischen Systems Israels spielt, entscheidet sich dem Spezialisten f\u00fcr politische Systeme im Nahen Osten<\/a> zufolge vor allem an einer Frage: Ist die Besetzung der Gebiete ein vor\u00fcbergehendes Ph\u00e4nomen oder auf Dauer angelegt?<\/p>\n\n\n\n

Nur im letzteren Fall m\u00fcsse man das Besatzungsregime als Teil des politischen Systems Israels bewerten, so Beck. F\u00fcr den anhaltenden Charakter spreche allein schon die schiere Dauer der Besatzung: So dauert die israelische Besatzung schon \u00fcber ein halbes Jahrhundert und damit dreimal so lange wie Israel in den Grenzen von 1949 bis 1967 existierte.<\/p>\n\n\n\n

Hinzu kommen weitere Indizien: Das Scheitern des Osloer Verhandlungsprozess in den 1990er Jahren und im ersten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts, der anhaltende Siedlungsprozess sowie die weitgehenden Einigkeit unter den gro\u00dfen politischen Parteien Israels - und dass gro\u00dfe Teile des Westjordanlands dauerhaft unter israelischer Kontrolle verbleiben sollen. Beck kommt zu dem Schluss:<\/p>\n\n\n\n

Alle Indizien verweisen also darauf, dass die israelische Herrschaft \u00fcber das Westjordanland auf Dauer angelegt ist. In einer Demokratie m\u00fcsste daher allen dort Wohnenden der uneingeschr\u00e4nkte Zugang zu den staatsb\u00fcrgerlichen Rechten des politischen Gemeinwesens gew\u00e4hrt werden. Dies ist aber nicht der Fall.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Zweifelsfrei war Israel lediglich f\u00fcr sechs Monate eine Demokratie<\/h3>\n\n\n\n

W\u00e4hrend an der israelischen Besatzung des Westjordanlands kein Zweifel besteht, \u00fcberrascht, dass Beck f\u00fcr den Gazastreifen zu einer \u00e4hnlichen Bewertung kommt. Schlie\u00dflich hat Israel seine Soldaten im Jahr 2007 aus dem K\u00fcstenstreifen abgezogen und j\u00fcdische Siedlungen aufgel\u00f6st.<\/p>\n\n\n\n

Beck argumentiert, dass Israel auch heute seine Kontrolle von Land, Luft und Wasser aufrechterh\u00e4lt und die Besatzungsherrschaft damit fortsetzt, ohne \"den dort lebenden Menschen irgendeine Form demokratischer Mitwirkungsrechte zu gew\u00e4hren\".<\/p>\n\n\n\n

Mit dieser Einsch\u00e4tzung ist Beck nicht allein. Auch die Vereinten Nationen<\/a> und der Internationale Strafgerichtshof<\/a> vertreten die Auffassung, dass die israelische Besatzung \u00fcber den Gazastreifen andauert.<\/p>\n\n\n\n

F\u00fcr die Gesamtbewertung des politischen Systems Israels hat diese Frage allerdings ohnehin keine entscheidende Bedeutung mehr. Denn Becks Fazit f\u00e4llt eindeutig aus: Zweifelsfrei um eine Demokratie gehandelt habe es sich bei Israel lediglich in einem kurzen sechsmonatigen Zeitraum zwischen der Abschaffung des Milit\u00e4rrechts f\u00fcr arabische Israelis im November 1966 und dem Beginn des Sechstagekrieges im Juni 1967.<\/p>\n\n\n\n

Sp\u00e4testens mit Beginn der Besatzungsherrschaft habe Israel seinen Charakter als Demokratie verloren. F\u00fcr heutige Debatten rund um Israel empfiehlt der Nahost-Professor deshalb auf das Demokratieargument besser zu verzichten.

der\u00a0Ursprung<\/a><\/p>\n","post_title":"Die einzige Demokratie im Nahen Osten?","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-einzige-demokratie-im-nahen-osten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3775","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":53},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Eine Antwort auf diese Fragen hat Martin Beck<\/a> versucht zu finden. F\u00fcr das Hamburger GIGA Institut<\/em> hat der Professor f\u00fcr Nahost-Studien ein Gutachten zum politischen Systems Israels erstellt<\/a>. In der im Februar ver\u00f6ffentlichten Untersuchung listet er Argumente auf, die f\u00fcr und gegen den demokratischen Charakter des Staates sprechen. Sein Fazit zu der Frage, ob es sich bei Israel um eine Demokratie handelt: eher nicht. Israel habe \"sein fr\u00fcheres Alleinstellungsmerkmal als einzige Demokratie im Nahen und Mittleren Osten verloren\".<\/p>\n\n\n\n

Becks Analyse macht aber zun\u00e4chst ein anderes Problem deutlich: Die Frage, ob es sich bei einem Staat um eine Demokratie handelt, ist auch deshalb nicht einfach zu beantworten, weil es kein einheitliches Verst\u00e4ndnis davon gibt, was eine Demokratie eigentlich ist. In seiner Bewertung des politischen Systems Israel geht er deshalb von unterschiedlichen Definitionen aus.<\/p>\n\n\n\n

So umfasst ein \"weiter Demokratiebegriff\" zum Beispiel die Gleichheit aller Staatsb\u00fcrger. Folgt man diesem Verst\u00e4ndnis spreche die Benachteiligung der arabischen Staatsb\u00fcrger Israels gegen eine Einordnung Israel als Demokratie. Beck schreibt:<\/p>\n\n\n\n

Da die Staatsr\u00e4son Israels auf seinem j\u00fcdischen Charakter fu\u00dft und Gesetze hervorgebracht hat, die in zentralen Bereichen der Ressourcenverteilung wie beispielsweise Landbesitz arabische Israelis systematisch diskriminiert, erscheint Israel als undemokratisch.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Beck verweist allerdings darauf, dass dieses weite Demokratie-Verst\u00e4ndnis zwar unter Kritikern Israels verbreitet, in der wissenschaftlichen Debatte aber eher un\u00fcblich sei. Zudem w\u00fcrden andere als demokratisch geltende Staaten, diese Anforderungen ebenso nicht erf\u00fcllen.<\/p>\n\n\n\n

Demokratie-Pr\u00fcfung scheiterte am Milit\u00e4rrecht f\u00fcr arabische Israelis<\/h3>\n\n\n\n

Beck unterzieht Israels politisches Systems deshalb einer zweiten Pr\u00fcfung. Der amerikanische Politikwissenschaftler Robert Dahl hat acht Bedingungen formuliert, die ein politisches System mindestens erf\u00fcllen muss, um als Demokratie zu gelten.<\/p>\n\n\n\n

Diese sind: Organisationsfreiheit, Meinungsfreiheit, aktives und passives Wahlrecht, das Recht politischer Eliten auf Werbung f\u00fcr Unterst\u00fctzung und um W\u00e4hlerstimmen, der Zugang zu alternativen Informationsquellen, freie und faire Wahlen sowie die institutionelle Bindung von Regierungspolitik an Wahlen und andere Formen der Willensbildung.<\/p>\n\n\n\n

Legt man diese Minimaldefinition von Demokratie zugrunde, besteht Israel die Pr\u00fcfung. \"Mit Blick auf Israel erscheinen all diese Bedingungen nicht nur f\u00fcr seine j\u00fcdischen, sondern auch f\u00fcr seine arabischen Staatsb\u00fcrgerinnen und Staatsb\u00fcrger erf\u00fcllt\", schreibt Beck.<\/p>\n\n\n\n

Allerdings liefert er dazu eine gro\u00dfe zeitliche Einschr\u00e4nkung: So lebten in den ersten Jahren gro\u00dfe Teile der arabischen Bev\u00f6lkerung Israels unter Milit\u00e4rverwaltung und genossen nicht dieselben staatsb\u00fcrgerlichen Rechte wie der Rest der Bev\u00f6lkerung. Aufgehoben wurde das Milit\u00e4rrecht f\u00fcr arabische Israelis erst am 8. November 1966. Um einen demokratischen Staat k\u00f6nne es sich also fr\u00fchestens ab diesem Zeitpunkt handeln.<\/p>\n\n\n\n

Macht die Besatzung Israel zu einem undemokratischen Staat?<\/h3>\n\n\n\n

Nur wenige Monate folgte allerdings ein Ereignis, dass Israels Bewertung als demokratischen Staat abermals in Zweifel zieht. Im Zuge des Sechstagekrieges besetzte Israel im Juni 1967 die \u00e4gyptische Sinai-Halbinsel, den Gazastreifen, das zuvor von Jordanien kontrollierte Westjordanland und Ostjerusalem sowie die syrischen Golanh\u00f6hen.<\/p>\n\n\n\n

Die 1982 an \u00c4gypten zur\u00fcckgegebene Sinai-Halbinsel ausgenommen, dauert Israels Kontrolle \u00fcber jene Gebiete bis heute auf die ein oder andere Weise an. Spielt sie deshalb auch eine Rolle, wenn es um die Bewertung des politischen Systems Israels geht? Beck schreibt, dass \"die Errichtung der Besatzungsregime im Jahr 1967 zweifelsohne ein undemokratischer Akt [war]\", diese aber nicht zwangsl\u00e4ufig etwas am demokratischen Charakter des politischen Systems Israel \u00e4ndern w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n

Sehr wohl anrechnen lassen m\u00fcsse sich Israel aber die Situation auf den syrischen Golanh\u00f6hen und in Ostjerusalem, da diese mittlerweile ins israelische Staatsgebiet annektiert wurden. Beck schreibt:<\/p>\n\n\n\n

Die Annexion eines Territoriums durch einen Staat ohne Referendum, d.h. eine Abstimmung durch die betroffene Bev\u00f6lkerung, widerspricht demokratischen Prinzipien fundamental.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Wichtiger noch sei allerdings, dass viele von der Annexion betroffene Pal\u00e4stinenser bis heute nicht \u00fcber dieselben Rechte verf\u00fcgen wie ihre israelischen Nachbarn. Statt der israelischen Staatsb\u00fcrgerschaft tragen pal\u00e4stinensische Bewohner Ostjerusalems lediglich Identit\u00e4tskarten, die sie als st\u00e4ndige Bewohner der Stadt ausweisen.<\/p>\n\n\n\n

Damit sind sie in Israel zwar steuerpflichtig, haben Zugang zu Sozialleistungen und k\u00f6nnen sich innerhalb Israel frei bewegen, staatsb\u00fcrgerlichen Rechte, wie beispielsweise das aktive und passive Wahlrecht besitzen sie allerdings nicht. Als undemokratisch bewertet Beck deshalb das \"israelische Herrschaftsregime in Jerusalem\".<\/p>\n\n\n\n

Besatzung beenden oder dieselben staatsb\u00fcrgerlichen Rechte f\u00fcr Pal\u00e4stinenser<\/h3>\n\n\n\n

Ob auch die Situation im Westjordanland und Gazastreifen eine Rolle f\u00fcr die Bewertung des politischen Systems Israels spielt, entscheidet sich dem Spezialisten f\u00fcr politische Systeme im Nahen Osten<\/a> zufolge vor allem an einer Frage: Ist die Besetzung der Gebiete ein vor\u00fcbergehendes Ph\u00e4nomen oder auf Dauer angelegt?<\/p>\n\n\n\n

Nur im letzteren Fall m\u00fcsse man das Besatzungsregime als Teil des politischen Systems Israels bewerten, so Beck. F\u00fcr den anhaltenden Charakter spreche allein schon die schiere Dauer der Besatzung: So dauert die israelische Besatzung schon \u00fcber ein halbes Jahrhundert und damit dreimal so lange wie Israel in den Grenzen von 1949 bis 1967 existierte.<\/p>\n\n\n\n

Hinzu kommen weitere Indizien: Das Scheitern des Osloer Verhandlungsprozess in den 1990er Jahren und im ersten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts, der anhaltende Siedlungsprozess sowie die weitgehenden Einigkeit unter den gro\u00dfen politischen Parteien Israels - und dass gro\u00dfe Teile des Westjordanlands dauerhaft unter israelischer Kontrolle verbleiben sollen. Beck kommt zu dem Schluss:<\/p>\n\n\n\n

Alle Indizien verweisen also darauf, dass die israelische Herrschaft \u00fcber das Westjordanland auf Dauer angelegt ist. In einer Demokratie m\u00fcsste daher allen dort Wohnenden der uneingeschr\u00e4nkte Zugang zu den staatsb\u00fcrgerlichen Rechten des politischen Gemeinwesens gew\u00e4hrt werden. Dies ist aber nicht der Fall.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Zweifelsfrei war Israel lediglich f\u00fcr sechs Monate eine Demokratie<\/h3>\n\n\n\n

W\u00e4hrend an der israelischen Besatzung des Westjordanlands kein Zweifel besteht, \u00fcberrascht, dass Beck f\u00fcr den Gazastreifen zu einer \u00e4hnlichen Bewertung kommt. Schlie\u00dflich hat Israel seine Soldaten im Jahr 2007 aus dem K\u00fcstenstreifen abgezogen und j\u00fcdische Siedlungen aufgel\u00f6st.<\/p>\n\n\n\n

Beck argumentiert, dass Israel auch heute seine Kontrolle von Land, Luft und Wasser aufrechterh\u00e4lt und die Besatzungsherrschaft damit fortsetzt, ohne \"den dort lebenden Menschen irgendeine Form demokratischer Mitwirkungsrechte zu gew\u00e4hren\".<\/p>\n\n\n\n

Mit dieser Einsch\u00e4tzung ist Beck nicht allein. Auch die Vereinten Nationen<\/a> und der Internationale Strafgerichtshof<\/a> vertreten die Auffassung, dass die israelische Besatzung \u00fcber den Gazastreifen andauert.<\/p>\n\n\n\n

F\u00fcr die Gesamtbewertung des politischen Systems Israels hat diese Frage allerdings ohnehin keine entscheidende Bedeutung mehr. Denn Becks Fazit f\u00e4llt eindeutig aus: Zweifelsfrei um eine Demokratie gehandelt habe es sich bei Israel lediglich in einem kurzen sechsmonatigen Zeitraum zwischen der Abschaffung des Milit\u00e4rrechts f\u00fcr arabische Israelis im November 1966 und dem Beginn des Sechstagekrieges im Juni 1967.<\/p>\n\n\n\n

Sp\u00e4testens mit Beginn der Besatzungsherrschaft habe Israel seinen Charakter als Demokratie verloren. F\u00fcr heutige Debatten rund um Israel empfiehlt der Nahost-Professor deshalb auf das Demokratieargument besser zu verzichten.

der\u00a0Ursprung<\/a><\/p>\n","post_title":"Die einzige Demokratie im Nahen Osten?","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-einzige-demokratie-im-nahen-osten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3775","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":53},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Ob Israel eine Demokratie ist, h\u00e4ngt auch davon ab, was man unter Demokratie versteht<\/h3>\n\n\n\n

Eine Antwort auf diese Fragen hat Martin Beck<\/a> versucht zu finden. F\u00fcr das Hamburger GIGA Institut<\/em> hat der Professor f\u00fcr Nahost-Studien ein Gutachten zum politischen Systems Israels erstellt<\/a>. In der im Februar ver\u00f6ffentlichten Untersuchung listet er Argumente auf, die f\u00fcr und gegen den demokratischen Charakter des Staates sprechen. Sein Fazit zu der Frage, ob es sich bei Israel um eine Demokratie handelt: eher nicht. Israel habe \"sein fr\u00fcheres Alleinstellungsmerkmal als einzige Demokratie im Nahen und Mittleren Osten verloren\".<\/p>\n\n\n\n

Becks Analyse macht aber zun\u00e4chst ein anderes Problem deutlich: Die Frage, ob es sich bei einem Staat um eine Demokratie handelt, ist auch deshalb nicht einfach zu beantworten, weil es kein einheitliches Verst\u00e4ndnis davon gibt, was eine Demokratie eigentlich ist. In seiner Bewertung des politischen Systems Israel geht er deshalb von unterschiedlichen Definitionen aus.<\/p>\n\n\n\n

So umfasst ein \"weiter Demokratiebegriff\" zum Beispiel die Gleichheit aller Staatsb\u00fcrger. Folgt man diesem Verst\u00e4ndnis spreche die Benachteiligung der arabischen Staatsb\u00fcrger Israels gegen eine Einordnung Israel als Demokratie. Beck schreibt:<\/p>\n\n\n\n

Da die Staatsr\u00e4son Israels auf seinem j\u00fcdischen Charakter fu\u00dft und Gesetze hervorgebracht hat, die in zentralen Bereichen der Ressourcenverteilung wie beispielsweise Landbesitz arabische Israelis systematisch diskriminiert, erscheint Israel als undemokratisch.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Beck verweist allerdings darauf, dass dieses weite Demokratie-Verst\u00e4ndnis zwar unter Kritikern Israels verbreitet, in der wissenschaftlichen Debatte aber eher un\u00fcblich sei. Zudem w\u00fcrden andere als demokratisch geltende Staaten, diese Anforderungen ebenso nicht erf\u00fcllen.<\/p>\n\n\n\n

Demokratie-Pr\u00fcfung scheiterte am Milit\u00e4rrecht f\u00fcr arabische Israelis<\/h3>\n\n\n\n

Beck unterzieht Israels politisches Systems deshalb einer zweiten Pr\u00fcfung. Der amerikanische Politikwissenschaftler Robert Dahl hat acht Bedingungen formuliert, die ein politisches System mindestens erf\u00fcllen muss, um als Demokratie zu gelten.<\/p>\n\n\n\n

Diese sind: Organisationsfreiheit, Meinungsfreiheit, aktives und passives Wahlrecht, das Recht politischer Eliten auf Werbung f\u00fcr Unterst\u00fctzung und um W\u00e4hlerstimmen, der Zugang zu alternativen Informationsquellen, freie und faire Wahlen sowie die institutionelle Bindung von Regierungspolitik an Wahlen und andere Formen der Willensbildung.<\/p>\n\n\n\n

Legt man diese Minimaldefinition von Demokratie zugrunde, besteht Israel die Pr\u00fcfung. \"Mit Blick auf Israel erscheinen all diese Bedingungen nicht nur f\u00fcr seine j\u00fcdischen, sondern auch f\u00fcr seine arabischen Staatsb\u00fcrgerinnen und Staatsb\u00fcrger erf\u00fcllt\", schreibt Beck.<\/p>\n\n\n\n

Allerdings liefert er dazu eine gro\u00dfe zeitliche Einschr\u00e4nkung: So lebten in den ersten Jahren gro\u00dfe Teile der arabischen Bev\u00f6lkerung Israels unter Milit\u00e4rverwaltung und genossen nicht dieselben staatsb\u00fcrgerlichen Rechte wie der Rest der Bev\u00f6lkerung. Aufgehoben wurde das Milit\u00e4rrecht f\u00fcr arabische Israelis erst am 8. November 1966. Um einen demokratischen Staat k\u00f6nne es sich also fr\u00fchestens ab diesem Zeitpunkt handeln.<\/p>\n\n\n\n

Macht die Besatzung Israel zu einem undemokratischen Staat?<\/h3>\n\n\n\n

Nur wenige Monate folgte allerdings ein Ereignis, dass Israels Bewertung als demokratischen Staat abermals in Zweifel zieht. Im Zuge des Sechstagekrieges besetzte Israel im Juni 1967 die \u00e4gyptische Sinai-Halbinsel, den Gazastreifen, das zuvor von Jordanien kontrollierte Westjordanland und Ostjerusalem sowie die syrischen Golanh\u00f6hen.<\/p>\n\n\n\n

Die 1982 an \u00c4gypten zur\u00fcckgegebene Sinai-Halbinsel ausgenommen, dauert Israels Kontrolle \u00fcber jene Gebiete bis heute auf die ein oder andere Weise an. Spielt sie deshalb auch eine Rolle, wenn es um die Bewertung des politischen Systems Israels geht? Beck schreibt, dass \"die Errichtung der Besatzungsregime im Jahr 1967 zweifelsohne ein undemokratischer Akt [war]\", diese aber nicht zwangsl\u00e4ufig etwas am demokratischen Charakter des politischen Systems Israel \u00e4ndern w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n

Sehr wohl anrechnen lassen m\u00fcsse sich Israel aber die Situation auf den syrischen Golanh\u00f6hen und in Ostjerusalem, da diese mittlerweile ins israelische Staatsgebiet annektiert wurden. Beck schreibt:<\/p>\n\n\n\n

Die Annexion eines Territoriums durch einen Staat ohne Referendum, d.h. eine Abstimmung durch die betroffene Bev\u00f6lkerung, widerspricht demokratischen Prinzipien fundamental.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Wichtiger noch sei allerdings, dass viele von der Annexion betroffene Pal\u00e4stinenser bis heute nicht \u00fcber dieselben Rechte verf\u00fcgen wie ihre israelischen Nachbarn. Statt der israelischen Staatsb\u00fcrgerschaft tragen pal\u00e4stinensische Bewohner Ostjerusalems lediglich Identit\u00e4tskarten, die sie als st\u00e4ndige Bewohner der Stadt ausweisen.<\/p>\n\n\n\n

Damit sind sie in Israel zwar steuerpflichtig, haben Zugang zu Sozialleistungen und k\u00f6nnen sich innerhalb Israel frei bewegen, staatsb\u00fcrgerlichen Rechte, wie beispielsweise das aktive und passive Wahlrecht besitzen sie allerdings nicht. Als undemokratisch bewertet Beck deshalb das \"israelische Herrschaftsregime in Jerusalem\".<\/p>\n\n\n\n

Besatzung beenden oder dieselben staatsb\u00fcrgerlichen Rechte f\u00fcr Pal\u00e4stinenser<\/h3>\n\n\n\n

Ob auch die Situation im Westjordanland und Gazastreifen eine Rolle f\u00fcr die Bewertung des politischen Systems Israels spielt, entscheidet sich dem Spezialisten f\u00fcr politische Systeme im Nahen Osten<\/a> zufolge vor allem an einer Frage: Ist die Besetzung der Gebiete ein vor\u00fcbergehendes Ph\u00e4nomen oder auf Dauer angelegt?<\/p>\n\n\n\n

Nur im letzteren Fall m\u00fcsse man das Besatzungsregime als Teil des politischen Systems Israels bewerten, so Beck. F\u00fcr den anhaltenden Charakter spreche allein schon die schiere Dauer der Besatzung: So dauert die israelische Besatzung schon \u00fcber ein halbes Jahrhundert und damit dreimal so lange wie Israel in den Grenzen von 1949 bis 1967 existierte.<\/p>\n\n\n\n

Hinzu kommen weitere Indizien: Das Scheitern des Osloer Verhandlungsprozess in den 1990er Jahren und im ersten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts, der anhaltende Siedlungsprozess sowie die weitgehenden Einigkeit unter den gro\u00dfen politischen Parteien Israels - und dass gro\u00dfe Teile des Westjordanlands dauerhaft unter israelischer Kontrolle verbleiben sollen. Beck kommt zu dem Schluss:<\/p>\n\n\n\n

Alle Indizien verweisen also darauf, dass die israelische Herrschaft \u00fcber das Westjordanland auf Dauer angelegt ist. In einer Demokratie m\u00fcsste daher allen dort Wohnenden der uneingeschr\u00e4nkte Zugang zu den staatsb\u00fcrgerlichen Rechten des politischen Gemeinwesens gew\u00e4hrt werden. Dies ist aber nicht der Fall.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Zweifelsfrei war Israel lediglich f\u00fcr sechs Monate eine Demokratie<\/h3>\n\n\n\n

W\u00e4hrend an der israelischen Besatzung des Westjordanlands kein Zweifel besteht, \u00fcberrascht, dass Beck f\u00fcr den Gazastreifen zu einer \u00e4hnlichen Bewertung kommt. Schlie\u00dflich hat Israel seine Soldaten im Jahr 2007 aus dem K\u00fcstenstreifen abgezogen und j\u00fcdische Siedlungen aufgel\u00f6st.<\/p>\n\n\n\n

Beck argumentiert, dass Israel auch heute seine Kontrolle von Land, Luft und Wasser aufrechterh\u00e4lt und die Besatzungsherrschaft damit fortsetzt, ohne \"den dort lebenden Menschen irgendeine Form demokratischer Mitwirkungsrechte zu gew\u00e4hren\".<\/p>\n\n\n\n

Mit dieser Einsch\u00e4tzung ist Beck nicht allein. Auch die Vereinten Nationen<\/a> und der Internationale Strafgerichtshof<\/a> vertreten die Auffassung, dass die israelische Besatzung \u00fcber den Gazastreifen andauert.<\/p>\n\n\n\n

F\u00fcr die Gesamtbewertung des politischen Systems Israels hat diese Frage allerdings ohnehin keine entscheidende Bedeutung mehr. Denn Becks Fazit f\u00e4llt eindeutig aus: Zweifelsfrei um eine Demokratie gehandelt habe es sich bei Israel lediglich in einem kurzen sechsmonatigen Zeitraum zwischen der Abschaffung des Milit\u00e4rrechts f\u00fcr arabische Israelis im November 1966 und dem Beginn des Sechstagekrieges im Juni 1967.<\/p>\n\n\n\n

Sp\u00e4testens mit Beginn der Besatzungsherrschaft habe Israel seinen Charakter als Demokratie verloren. F\u00fcr heutige Debatten rund um Israel empfiehlt der Nahost-Professor deshalb auf das Demokratieargument besser zu verzichten.

der\u00a0Ursprung<\/a><\/p>\n","post_title":"Die einzige Demokratie im Nahen Osten?","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-einzige-demokratie-im-nahen-osten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3775","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":53},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Uneinigkeit besteht schon dar\u00fcber, um wessen demokratische Rechte es eigentlich geht: Die von den rund 8,5 Millionen Menschen innerhalb der v\u00f6lkerrechtlich anerkannten Grenzen Israels? Oder auch jene der rund 5 Millionen Pal\u00e4stinenser im Gazastreifen und dem Westjordanland, also den Regionen, die Israel 1967 besetzt hat?<\/p>\n\n\n\n

Ob Israel eine Demokratie ist, h\u00e4ngt auch davon ab, was man unter Demokratie versteht<\/h3>\n\n\n\n

Eine Antwort auf diese Fragen hat Martin Beck<\/a> versucht zu finden. F\u00fcr das Hamburger GIGA Institut<\/em> hat der Professor f\u00fcr Nahost-Studien ein Gutachten zum politischen Systems Israels erstellt<\/a>. In der im Februar ver\u00f6ffentlichten Untersuchung listet er Argumente auf, die f\u00fcr und gegen den demokratischen Charakter des Staates sprechen. Sein Fazit zu der Frage, ob es sich bei Israel um eine Demokratie handelt: eher nicht. Israel habe \"sein fr\u00fcheres Alleinstellungsmerkmal als einzige Demokratie im Nahen und Mittleren Osten verloren\".<\/p>\n\n\n\n

Becks Analyse macht aber zun\u00e4chst ein anderes Problem deutlich: Die Frage, ob es sich bei einem Staat um eine Demokratie handelt, ist auch deshalb nicht einfach zu beantworten, weil es kein einheitliches Verst\u00e4ndnis davon gibt, was eine Demokratie eigentlich ist. In seiner Bewertung des politischen Systems Israel geht er deshalb von unterschiedlichen Definitionen aus.<\/p>\n\n\n\n

So umfasst ein \"weiter Demokratiebegriff\" zum Beispiel die Gleichheit aller Staatsb\u00fcrger. Folgt man diesem Verst\u00e4ndnis spreche die Benachteiligung der arabischen Staatsb\u00fcrger Israels gegen eine Einordnung Israel als Demokratie. Beck schreibt:<\/p>\n\n\n\n

Da die Staatsr\u00e4son Israels auf seinem j\u00fcdischen Charakter fu\u00dft und Gesetze hervorgebracht hat, die in zentralen Bereichen der Ressourcenverteilung wie beispielsweise Landbesitz arabische Israelis systematisch diskriminiert, erscheint Israel als undemokratisch.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Beck verweist allerdings darauf, dass dieses weite Demokratie-Verst\u00e4ndnis zwar unter Kritikern Israels verbreitet, in der wissenschaftlichen Debatte aber eher un\u00fcblich sei. Zudem w\u00fcrden andere als demokratisch geltende Staaten, diese Anforderungen ebenso nicht erf\u00fcllen.<\/p>\n\n\n\n

Demokratie-Pr\u00fcfung scheiterte am Milit\u00e4rrecht f\u00fcr arabische Israelis<\/h3>\n\n\n\n

Beck unterzieht Israels politisches Systems deshalb einer zweiten Pr\u00fcfung. Der amerikanische Politikwissenschaftler Robert Dahl hat acht Bedingungen formuliert, die ein politisches System mindestens erf\u00fcllen muss, um als Demokratie zu gelten.<\/p>\n\n\n\n

Diese sind: Organisationsfreiheit, Meinungsfreiheit, aktives und passives Wahlrecht, das Recht politischer Eliten auf Werbung f\u00fcr Unterst\u00fctzung und um W\u00e4hlerstimmen, der Zugang zu alternativen Informationsquellen, freie und faire Wahlen sowie die institutionelle Bindung von Regierungspolitik an Wahlen und andere Formen der Willensbildung.<\/p>\n\n\n\n

Legt man diese Minimaldefinition von Demokratie zugrunde, besteht Israel die Pr\u00fcfung. \"Mit Blick auf Israel erscheinen all diese Bedingungen nicht nur f\u00fcr seine j\u00fcdischen, sondern auch f\u00fcr seine arabischen Staatsb\u00fcrgerinnen und Staatsb\u00fcrger erf\u00fcllt\", schreibt Beck.<\/p>\n\n\n\n

Allerdings liefert er dazu eine gro\u00dfe zeitliche Einschr\u00e4nkung: So lebten in den ersten Jahren gro\u00dfe Teile der arabischen Bev\u00f6lkerung Israels unter Milit\u00e4rverwaltung und genossen nicht dieselben staatsb\u00fcrgerlichen Rechte wie der Rest der Bev\u00f6lkerung. Aufgehoben wurde das Milit\u00e4rrecht f\u00fcr arabische Israelis erst am 8. November 1966. Um einen demokratischen Staat k\u00f6nne es sich also fr\u00fchestens ab diesem Zeitpunkt handeln.<\/p>\n\n\n\n

Macht die Besatzung Israel zu einem undemokratischen Staat?<\/h3>\n\n\n\n

Nur wenige Monate folgte allerdings ein Ereignis, dass Israels Bewertung als demokratischen Staat abermals in Zweifel zieht. Im Zuge des Sechstagekrieges besetzte Israel im Juni 1967 die \u00e4gyptische Sinai-Halbinsel, den Gazastreifen, das zuvor von Jordanien kontrollierte Westjordanland und Ostjerusalem sowie die syrischen Golanh\u00f6hen.<\/p>\n\n\n\n

Die 1982 an \u00c4gypten zur\u00fcckgegebene Sinai-Halbinsel ausgenommen, dauert Israels Kontrolle \u00fcber jene Gebiete bis heute auf die ein oder andere Weise an. Spielt sie deshalb auch eine Rolle, wenn es um die Bewertung des politischen Systems Israels geht? Beck schreibt, dass \"die Errichtung der Besatzungsregime im Jahr 1967 zweifelsohne ein undemokratischer Akt [war]\", diese aber nicht zwangsl\u00e4ufig etwas am demokratischen Charakter des politischen Systems Israel \u00e4ndern w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n

Sehr wohl anrechnen lassen m\u00fcsse sich Israel aber die Situation auf den syrischen Golanh\u00f6hen und in Ostjerusalem, da diese mittlerweile ins israelische Staatsgebiet annektiert wurden. Beck schreibt:<\/p>\n\n\n\n

Die Annexion eines Territoriums durch einen Staat ohne Referendum, d.h. eine Abstimmung durch die betroffene Bev\u00f6lkerung, widerspricht demokratischen Prinzipien fundamental.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Wichtiger noch sei allerdings, dass viele von der Annexion betroffene Pal\u00e4stinenser bis heute nicht \u00fcber dieselben Rechte verf\u00fcgen wie ihre israelischen Nachbarn. Statt der israelischen Staatsb\u00fcrgerschaft tragen pal\u00e4stinensische Bewohner Ostjerusalems lediglich Identit\u00e4tskarten, die sie als st\u00e4ndige Bewohner der Stadt ausweisen.<\/p>\n\n\n\n

Damit sind sie in Israel zwar steuerpflichtig, haben Zugang zu Sozialleistungen und k\u00f6nnen sich innerhalb Israel frei bewegen, staatsb\u00fcrgerlichen Rechte, wie beispielsweise das aktive und passive Wahlrecht besitzen sie allerdings nicht. Als undemokratisch bewertet Beck deshalb das \"israelische Herrschaftsregime in Jerusalem\".<\/p>\n\n\n\n

Besatzung beenden oder dieselben staatsb\u00fcrgerlichen Rechte f\u00fcr Pal\u00e4stinenser<\/h3>\n\n\n\n

Ob auch die Situation im Westjordanland und Gazastreifen eine Rolle f\u00fcr die Bewertung des politischen Systems Israels spielt, entscheidet sich dem Spezialisten f\u00fcr politische Systeme im Nahen Osten<\/a> zufolge vor allem an einer Frage: Ist die Besetzung der Gebiete ein vor\u00fcbergehendes Ph\u00e4nomen oder auf Dauer angelegt?<\/p>\n\n\n\n

Nur im letzteren Fall m\u00fcsse man das Besatzungsregime als Teil des politischen Systems Israels bewerten, so Beck. F\u00fcr den anhaltenden Charakter spreche allein schon die schiere Dauer der Besatzung: So dauert die israelische Besatzung schon \u00fcber ein halbes Jahrhundert und damit dreimal so lange wie Israel in den Grenzen von 1949 bis 1967 existierte.<\/p>\n\n\n\n

Hinzu kommen weitere Indizien: Das Scheitern des Osloer Verhandlungsprozess in den 1990er Jahren und im ersten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts, der anhaltende Siedlungsprozess sowie die weitgehenden Einigkeit unter den gro\u00dfen politischen Parteien Israels - und dass gro\u00dfe Teile des Westjordanlands dauerhaft unter israelischer Kontrolle verbleiben sollen. Beck kommt zu dem Schluss:<\/p>\n\n\n\n

Alle Indizien verweisen also darauf, dass die israelische Herrschaft \u00fcber das Westjordanland auf Dauer angelegt ist. In einer Demokratie m\u00fcsste daher allen dort Wohnenden der uneingeschr\u00e4nkte Zugang zu den staatsb\u00fcrgerlichen Rechten des politischen Gemeinwesens gew\u00e4hrt werden. Dies ist aber nicht der Fall.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Zweifelsfrei war Israel lediglich f\u00fcr sechs Monate eine Demokratie<\/h3>\n\n\n\n

W\u00e4hrend an der israelischen Besatzung des Westjordanlands kein Zweifel besteht, \u00fcberrascht, dass Beck f\u00fcr den Gazastreifen zu einer \u00e4hnlichen Bewertung kommt. Schlie\u00dflich hat Israel seine Soldaten im Jahr 2007 aus dem K\u00fcstenstreifen abgezogen und j\u00fcdische Siedlungen aufgel\u00f6st.<\/p>\n\n\n\n

Beck argumentiert, dass Israel auch heute seine Kontrolle von Land, Luft und Wasser aufrechterh\u00e4lt und die Besatzungsherrschaft damit fortsetzt, ohne \"den dort lebenden Menschen irgendeine Form demokratischer Mitwirkungsrechte zu gew\u00e4hren\".<\/p>\n\n\n\n

Mit dieser Einsch\u00e4tzung ist Beck nicht allein. Auch die Vereinten Nationen<\/a> und der Internationale Strafgerichtshof<\/a> vertreten die Auffassung, dass die israelische Besatzung \u00fcber den Gazastreifen andauert.<\/p>\n\n\n\n

F\u00fcr die Gesamtbewertung des politischen Systems Israels hat diese Frage allerdings ohnehin keine entscheidende Bedeutung mehr. Denn Becks Fazit f\u00e4llt eindeutig aus: Zweifelsfrei um eine Demokratie gehandelt habe es sich bei Israel lediglich in einem kurzen sechsmonatigen Zeitraum zwischen der Abschaffung des Milit\u00e4rrechts f\u00fcr arabische Israelis im November 1966 und dem Beginn des Sechstagekrieges im Juni 1967.<\/p>\n\n\n\n

Sp\u00e4testens mit Beginn der Besatzungsherrschaft habe Israel seinen Charakter als Demokratie verloren. F\u00fcr heutige Debatten rund um Israel empfiehlt der Nahost-Professor deshalb auf das Demokratieargument besser zu verzichten.

der\u00a0Ursprung<\/a><\/p>\n","post_title":"Die einzige Demokratie im Nahen Osten?","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-einzige-demokratie-im-nahen-osten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3775","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":53},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Wer von beiden Seiten mehr Recht hat, ist seit Jahrzehnten Gegenstand erbitterter Diskussion. W\u00e4hrend es bei Israels Nachbarstaaten wie \u00c4gypten, Saudi Arabien oder Jordanien wenig Zweifel am autorit\u00e4ren Charakter des politischen Systems gibt und formell demokratische Staaten wie Irak, Tunesien oder der Libanon in Demokratie-Ratings weit unten rangieren<\/a>, scheint die Bewertung bei Israel komplizierter.<\/p>\n\n\n\n

Uneinigkeit besteht schon dar\u00fcber, um wessen demokratische Rechte es eigentlich geht: Die von den rund 8,5 Millionen Menschen innerhalb der v\u00f6lkerrechtlich anerkannten Grenzen Israels? Oder auch jene der rund 5 Millionen Pal\u00e4stinenser im Gazastreifen und dem Westjordanland, also den Regionen, die Israel 1967 besetzt hat?<\/p>\n\n\n\n

Ob Israel eine Demokratie ist, h\u00e4ngt auch davon ab, was man unter Demokratie versteht<\/h3>\n\n\n\n

Eine Antwort auf diese Fragen hat Martin Beck<\/a> versucht zu finden. F\u00fcr das Hamburger GIGA Institut<\/em> hat der Professor f\u00fcr Nahost-Studien ein Gutachten zum politischen Systems Israels erstellt<\/a>. In der im Februar ver\u00f6ffentlichten Untersuchung listet er Argumente auf, die f\u00fcr und gegen den demokratischen Charakter des Staates sprechen. Sein Fazit zu der Frage, ob es sich bei Israel um eine Demokratie handelt: eher nicht. Israel habe \"sein fr\u00fcheres Alleinstellungsmerkmal als einzige Demokratie im Nahen und Mittleren Osten verloren\".<\/p>\n\n\n\n

Becks Analyse macht aber zun\u00e4chst ein anderes Problem deutlich: Die Frage, ob es sich bei einem Staat um eine Demokratie handelt, ist auch deshalb nicht einfach zu beantworten, weil es kein einheitliches Verst\u00e4ndnis davon gibt, was eine Demokratie eigentlich ist. In seiner Bewertung des politischen Systems Israel geht er deshalb von unterschiedlichen Definitionen aus.<\/p>\n\n\n\n

So umfasst ein \"weiter Demokratiebegriff\" zum Beispiel die Gleichheit aller Staatsb\u00fcrger. Folgt man diesem Verst\u00e4ndnis spreche die Benachteiligung der arabischen Staatsb\u00fcrger Israels gegen eine Einordnung Israel als Demokratie. Beck schreibt:<\/p>\n\n\n\n

Da die Staatsr\u00e4son Israels auf seinem j\u00fcdischen Charakter fu\u00dft und Gesetze hervorgebracht hat, die in zentralen Bereichen der Ressourcenverteilung wie beispielsweise Landbesitz arabische Israelis systematisch diskriminiert, erscheint Israel als undemokratisch.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Beck verweist allerdings darauf, dass dieses weite Demokratie-Verst\u00e4ndnis zwar unter Kritikern Israels verbreitet, in der wissenschaftlichen Debatte aber eher un\u00fcblich sei. Zudem w\u00fcrden andere als demokratisch geltende Staaten, diese Anforderungen ebenso nicht erf\u00fcllen.<\/p>\n\n\n\n

Demokratie-Pr\u00fcfung scheiterte am Milit\u00e4rrecht f\u00fcr arabische Israelis<\/h3>\n\n\n\n

Beck unterzieht Israels politisches Systems deshalb einer zweiten Pr\u00fcfung. Der amerikanische Politikwissenschaftler Robert Dahl hat acht Bedingungen formuliert, die ein politisches System mindestens erf\u00fcllen muss, um als Demokratie zu gelten.<\/p>\n\n\n\n

Diese sind: Organisationsfreiheit, Meinungsfreiheit, aktives und passives Wahlrecht, das Recht politischer Eliten auf Werbung f\u00fcr Unterst\u00fctzung und um W\u00e4hlerstimmen, der Zugang zu alternativen Informationsquellen, freie und faire Wahlen sowie die institutionelle Bindung von Regierungspolitik an Wahlen und andere Formen der Willensbildung.<\/p>\n\n\n\n

Legt man diese Minimaldefinition von Demokratie zugrunde, besteht Israel die Pr\u00fcfung. \"Mit Blick auf Israel erscheinen all diese Bedingungen nicht nur f\u00fcr seine j\u00fcdischen, sondern auch f\u00fcr seine arabischen Staatsb\u00fcrgerinnen und Staatsb\u00fcrger erf\u00fcllt\", schreibt Beck.<\/p>\n\n\n\n

Allerdings liefert er dazu eine gro\u00dfe zeitliche Einschr\u00e4nkung: So lebten in den ersten Jahren gro\u00dfe Teile der arabischen Bev\u00f6lkerung Israels unter Milit\u00e4rverwaltung und genossen nicht dieselben staatsb\u00fcrgerlichen Rechte wie der Rest der Bev\u00f6lkerung. Aufgehoben wurde das Milit\u00e4rrecht f\u00fcr arabische Israelis erst am 8. November 1966. Um einen demokratischen Staat k\u00f6nne es sich also fr\u00fchestens ab diesem Zeitpunkt handeln.<\/p>\n\n\n\n

Macht die Besatzung Israel zu einem undemokratischen Staat?<\/h3>\n\n\n\n

Nur wenige Monate folgte allerdings ein Ereignis, dass Israels Bewertung als demokratischen Staat abermals in Zweifel zieht. Im Zuge des Sechstagekrieges besetzte Israel im Juni 1967 die \u00e4gyptische Sinai-Halbinsel, den Gazastreifen, das zuvor von Jordanien kontrollierte Westjordanland und Ostjerusalem sowie die syrischen Golanh\u00f6hen.<\/p>\n\n\n\n

Die 1982 an \u00c4gypten zur\u00fcckgegebene Sinai-Halbinsel ausgenommen, dauert Israels Kontrolle \u00fcber jene Gebiete bis heute auf die ein oder andere Weise an. Spielt sie deshalb auch eine Rolle, wenn es um die Bewertung des politischen Systems Israels geht? Beck schreibt, dass \"die Errichtung der Besatzungsregime im Jahr 1967 zweifelsohne ein undemokratischer Akt [war]\", diese aber nicht zwangsl\u00e4ufig etwas am demokratischen Charakter des politischen Systems Israel \u00e4ndern w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n

Sehr wohl anrechnen lassen m\u00fcsse sich Israel aber die Situation auf den syrischen Golanh\u00f6hen und in Ostjerusalem, da diese mittlerweile ins israelische Staatsgebiet annektiert wurden. Beck schreibt:<\/p>\n\n\n\n

Die Annexion eines Territoriums durch einen Staat ohne Referendum, d.h. eine Abstimmung durch die betroffene Bev\u00f6lkerung, widerspricht demokratischen Prinzipien fundamental.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Wichtiger noch sei allerdings, dass viele von der Annexion betroffene Pal\u00e4stinenser bis heute nicht \u00fcber dieselben Rechte verf\u00fcgen wie ihre israelischen Nachbarn. Statt der israelischen Staatsb\u00fcrgerschaft tragen pal\u00e4stinensische Bewohner Ostjerusalems lediglich Identit\u00e4tskarten, die sie als st\u00e4ndige Bewohner der Stadt ausweisen.<\/p>\n\n\n\n

Damit sind sie in Israel zwar steuerpflichtig, haben Zugang zu Sozialleistungen und k\u00f6nnen sich innerhalb Israel frei bewegen, staatsb\u00fcrgerlichen Rechte, wie beispielsweise das aktive und passive Wahlrecht besitzen sie allerdings nicht. Als undemokratisch bewertet Beck deshalb das \"israelische Herrschaftsregime in Jerusalem\".<\/p>\n\n\n\n

Besatzung beenden oder dieselben staatsb\u00fcrgerlichen Rechte f\u00fcr Pal\u00e4stinenser<\/h3>\n\n\n\n

Ob auch die Situation im Westjordanland und Gazastreifen eine Rolle f\u00fcr die Bewertung des politischen Systems Israels spielt, entscheidet sich dem Spezialisten f\u00fcr politische Systeme im Nahen Osten<\/a> zufolge vor allem an einer Frage: Ist die Besetzung der Gebiete ein vor\u00fcbergehendes Ph\u00e4nomen oder auf Dauer angelegt?<\/p>\n\n\n\n

Nur im letzteren Fall m\u00fcsse man das Besatzungsregime als Teil des politischen Systems Israels bewerten, so Beck. F\u00fcr den anhaltenden Charakter spreche allein schon die schiere Dauer der Besatzung: So dauert die israelische Besatzung schon \u00fcber ein halbes Jahrhundert und damit dreimal so lange wie Israel in den Grenzen von 1949 bis 1967 existierte.<\/p>\n\n\n\n

Hinzu kommen weitere Indizien: Das Scheitern des Osloer Verhandlungsprozess in den 1990er Jahren und im ersten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts, der anhaltende Siedlungsprozess sowie die weitgehenden Einigkeit unter den gro\u00dfen politischen Parteien Israels - und dass gro\u00dfe Teile des Westjordanlands dauerhaft unter israelischer Kontrolle verbleiben sollen. Beck kommt zu dem Schluss:<\/p>\n\n\n\n

Alle Indizien verweisen also darauf, dass die israelische Herrschaft \u00fcber das Westjordanland auf Dauer angelegt ist. In einer Demokratie m\u00fcsste daher allen dort Wohnenden der uneingeschr\u00e4nkte Zugang zu den staatsb\u00fcrgerlichen Rechten des politischen Gemeinwesens gew\u00e4hrt werden. Dies ist aber nicht der Fall.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Zweifelsfrei war Israel lediglich f\u00fcr sechs Monate eine Demokratie<\/h3>\n\n\n\n

W\u00e4hrend an der israelischen Besatzung des Westjordanlands kein Zweifel besteht, \u00fcberrascht, dass Beck f\u00fcr den Gazastreifen zu einer \u00e4hnlichen Bewertung kommt. Schlie\u00dflich hat Israel seine Soldaten im Jahr 2007 aus dem K\u00fcstenstreifen abgezogen und j\u00fcdische Siedlungen aufgel\u00f6st.<\/p>\n\n\n\n

Beck argumentiert, dass Israel auch heute seine Kontrolle von Land, Luft und Wasser aufrechterh\u00e4lt und die Besatzungsherrschaft damit fortsetzt, ohne \"den dort lebenden Menschen irgendeine Form demokratischer Mitwirkungsrechte zu gew\u00e4hren\".<\/p>\n\n\n\n

Mit dieser Einsch\u00e4tzung ist Beck nicht allein. Auch die Vereinten Nationen<\/a> und der Internationale Strafgerichtshof<\/a> vertreten die Auffassung, dass die israelische Besatzung \u00fcber den Gazastreifen andauert.<\/p>\n\n\n\n

F\u00fcr die Gesamtbewertung des politischen Systems Israels hat diese Frage allerdings ohnehin keine entscheidende Bedeutung mehr. Denn Becks Fazit f\u00e4llt eindeutig aus: Zweifelsfrei um eine Demokratie gehandelt habe es sich bei Israel lediglich in einem kurzen sechsmonatigen Zeitraum zwischen der Abschaffung des Milit\u00e4rrechts f\u00fcr arabische Israelis im November 1966 und dem Beginn des Sechstagekrieges im Juni 1967.<\/p>\n\n\n\n

Sp\u00e4testens mit Beginn der Besatzungsherrschaft habe Israel seinen Charakter als Demokratie verloren. F\u00fcr heutige Debatten rund um Israel empfiehlt der Nahost-Professor deshalb auf das Demokratieargument besser zu verzichten.

der\u00a0Ursprung<\/a><\/p>\n","post_title":"Die einzige Demokratie im Nahen Osten?","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-einzige-demokratie-im-nahen-osten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3775","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":53},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Wahlen in Israel (Netanjahu gewinnt - aber wahrscheinlich keine absolute Mehrheit<\/a>) werden immer davon begleitet, dass es in Sozialen Medien turbulent zugeht: Die einen sehen Israel als \"Apartheidstaat\", in dem Wahlen allein deshalb schon bedeutungslos seien, weil Millionen Pal\u00e4stinenser in den besetzten Gebieten davon ausgeschlossen<\/a> werden. Die anderen feiern die Wahlen hingegen als abermaligen Beweis daf\u00fcr, dass es sich bei Israel um die \"einzige Demokratie im Nahen Osten\" handle.<\/p>\n\n\n\n

Wer von beiden Seiten mehr Recht hat, ist seit Jahrzehnten Gegenstand erbitterter Diskussion. W\u00e4hrend es bei Israels Nachbarstaaten wie \u00c4gypten, Saudi Arabien oder Jordanien wenig Zweifel am autorit\u00e4ren Charakter des politischen Systems gibt und formell demokratische Staaten wie Irak, Tunesien oder der Libanon in Demokratie-Ratings weit unten rangieren<\/a>, scheint die Bewertung bei Israel komplizierter.<\/p>\n\n\n\n

Uneinigkeit besteht schon dar\u00fcber, um wessen demokratische Rechte es eigentlich geht: Die von den rund 8,5 Millionen Menschen innerhalb der v\u00f6lkerrechtlich anerkannten Grenzen Israels? Oder auch jene der rund 5 Millionen Pal\u00e4stinenser im Gazastreifen und dem Westjordanland, also den Regionen, die Israel 1967 besetzt hat?<\/p>\n\n\n\n

Ob Israel eine Demokratie ist, h\u00e4ngt auch davon ab, was man unter Demokratie versteht<\/h3>\n\n\n\n

Eine Antwort auf diese Fragen hat Martin Beck<\/a> versucht zu finden. F\u00fcr das Hamburger GIGA Institut<\/em> hat der Professor f\u00fcr Nahost-Studien ein Gutachten zum politischen Systems Israels erstellt<\/a>. In der im Februar ver\u00f6ffentlichten Untersuchung listet er Argumente auf, die f\u00fcr und gegen den demokratischen Charakter des Staates sprechen. Sein Fazit zu der Frage, ob es sich bei Israel um eine Demokratie handelt: eher nicht. Israel habe \"sein fr\u00fcheres Alleinstellungsmerkmal als einzige Demokratie im Nahen und Mittleren Osten verloren\".<\/p>\n\n\n\n

Becks Analyse macht aber zun\u00e4chst ein anderes Problem deutlich: Die Frage, ob es sich bei einem Staat um eine Demokratie handelt, ist auch deshalb nicht einfach zu beantworten, weil es kein einheitliches Verst\u00e4ndnis davon gibt, was eine Demokratie eigentlich ist. In seiner Bewertung des politischen Systems Israel geht er deshalb von unterschiedlichen Definitionen aus.<\/p>\n\n\n\n

So umfasst ein \"weiter Demokratiebegriff\" zum Beispiel die Gleichheit aller Staatsb\u00fcrger. Folgt man diesem Verst\u00e4ndnis spreche die Benachteiligung der arabischen Staatsb\u00fcrger Israels gegen eine Einordnung Israel als Demokratie. Beck schreibt:<\/p>\n\n\n\n

Da die Staatsr\u00e4son Israels auf seinem j\u00fcdischen Charakter fu\u00dft und Gesetze hervorgebracht hat, die in zentralen Bereichen der Ressourcenverteilung wie beispielsweise Landbesitz arabische Israelis systematisch diskriminiert, erscheint Israel als undemokratisch.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Beck verweist allerdings darauf, dass dieses weite Demokratie-Verst\u00e4ndnis zwar unter Kritikern Israels verbreitet, in der wissenschaftlichen Debatte aber eher un\u00fcblich sei. Zudem w\u00fcrden andere als demokratisch geltende Staaten, diese Anforderungen ebenso nicht erf\u00fcllen.<\/p>\n\n\n\n

Demokratie-Pr\u00fcfung scheiterte am Milit\u00e4rrecht f\u00fcr arabische Israelis<\/h3>\n\n\n\n

Beck unterzieht Israels politisches Systems deshalb einer zweiten Pr\u00fcfung. Der amerikanische Politikwissenschaftler Robert Dahl hat acht Bedingungen formuliert, die ein politisches System mindestens erf\u00fcllen muss, um als Demokratie zu gelten.<\/p>\n\n\n\n

Diese sind: Organisationsfreiheit, Meinungsfreiheit, aktives und passives Wahlrecht, das Recht politischer Eliten auf Werbung f\u00fcr Unterst\u00fctzung und um W\u00e4hlerstimmen, der Zugang zu alternativen Informationsquellen, freie und faire Wahlen sowie die institutionelle Bindung von Regierungspolitik an Wahlen und andere Formen der Willensbildung.<\/p>\n\n\n\n

Legt man diese Minimaldefinition von Demokratie zugrunde, besteht Israel die Pr\u00fcfung. \"Mit Blick auf Israel erscheinen all diese Bedingungen nicht nur f\u00fcr seine j\u00fcdischen, sondern auch f\u00fcr seine arabischen Staatsb\u00fcrgerinnen und Staatsb\u00fcrger erf\u00fcllt\", schreibt Beck.<\/p>\n\n\n\n

Allerdings liefert er dazu eine gro\u00dfe zeitliche Einschr\u00e4nkung: So lebten in den ersten Jahren gro\u00dfe Teile der arabischen Bev\u00f6lkerung Israels unter Milit\u00e4rverwaltung und genossen nicht dieselben staatsb\u00fcrgerlichen Rechte wie der Rest der Bev\u00f6lkerung. Aufgehoben wurde das Milit\u00e4rrecht f\u00fcr arabische Israelis erst am 8. November 1966. Um einen demokratischen Staat k\u00f6nne es sich also fr\u00fchestens ab diesem Zeitpunkt handeln.<\/p>\n\n\n\n

Macht die Besatzung Israel zu einem undemokratischen Staat?<\/h3>\n\n\n\n

Nur wenige Monate folgte allerdings ein Ereignis, dass Israels Bewertung als demokratischen Staat abermals in Zweifel zieht. Im Zuge des Sechstagekrieges besetzte Israel im Juni 1967 die \u00e4gyptische Sinai-Halbinsel, den Gazastreifen, das zuvor von Jordanien kontrollierte Westjordanland und Ostjerusalem sowie die syrischen Golanh\u00f6hen.<\/p>\n\n\n\n

Die 1982 an \u00c4gypten zur\u00fcckgegebene Sinai-Halbinsel ausgenommen, dauert Israels Kontrolle \u00fcber jene Gebiete bis heute auf die ein oder andere Weise an. Spielt sie deshalb auch eine Rolle, wenn es um die Bewertung des politischen Systems Israels geht? Beck schreibt, dass \"die Errichtung der Besatzungsregime im Jahr 1967 zweifelsohne ein undemokratischer Akt [war]\", diese aber nicht zwangsl\u00e4ufig etwas am demokratischen Charakter des politischen Systems Israel \u00e4ndern w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n

Sehr wohl anrechnen lassen m\u00fcsse sich Israel aber die Situation auf den syrischen Golanh\u00f6hen und in Ostjerusalem, da diese mittlerweile ins israelische Staatsgebiet annektiert wurden. Beck schreibt:<\/p>\n\n\n\n

Die Annexion eines Territoriums durch einen Staat ohne Referendum, d.h. eine Abstimmung durch die betroffene Bev\u00f6lkerung, widerspricht demokratischen Prinzipien fundamental.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Wichtiger noch sei allerdings, dass viele von der Annexion betroffene Pal\u00e4stinenser bis heute nicht \u00fcber dieselben Rechte verf\u00fcgen wie ihre israelischen Nachbarn. Statt der israelischen Staatsb\u00fcrgerschaft tragen pal\u00e4stinensische Bewohner Ostjerusalems lediglich Identit\u00e4tskarten, die sie als st\u00e4ndige Bewohner der Stadt ausweisen.<\/p>\n\n\n\n

Damit sind sie in Israel zwar steuerpflichtig, haben Zugang zu Sozialleistungen und k\u00f6nnen sich innerhalb Israel frei bewegen, staatsb\u00fcrgerlichen Rechte, wie beispielsweise das aktive und passive Wahlrecht besitzen sie allerdings nicht. Als undemokratisch bewertet Beck deshalb das \"israelische Herrschaftsregime in Jerusalem\".<\/p>\n\n\n\n

Besatzung beenden oder dieselben staatsb\u00fcrgerlichen Rechte f\u00fcr Pal\u00e4stinenser<\/h3>\n\n\n\n

Ob auch die Situation im Westjordanland und Gazastreifen eine Rolle f\u00fcr die Bewertung des politischen Systems Israels spielt, entscheidet sich dem Spezialisten f\u00fcr politische Systeme im Nahen Osten<\/a> zufolge vor allem an einer Frage: Ist die Besetzung der Gebiete ein vor\u00fcbergehendes Ph\u00e4nomen oder auf Dauer angelegt?<\/p>\n\n\n\n

Nur im letzteren Fall m\u00fcsse man das Besatzungsregime als Teil des politischen Systems Israels bewerten, so Beck. F\u00fcr den anhaltenden Charakter spreche allein schon die schiere Dauer der Besatzung: So dauert die israelische Besatzung schon \u00fcber ein halbes Jahrhundert und damit dreimal so lange wie Israel in den Grenzen von 1949 bis 1967 existierte.<\/p>\n\n\n\n

Hinzu kommen weitere Indizien: Das Scheitern des Osloer Verhandlungsprozess in den 1990er Jahren und im ersten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts, der anhaltende Siedlungsprozess sowie die weitgehenden Einigkeit unter den gro\u00dfen politischen Parteien Israels - und dass gro\u00dfe Teile des Westjordanlands dauerhaft unter israelischer Kontrolle verbleiben sollen. Beck kommt zu dem Schluss:<\/p>\n\n\n\n

Alle Indizien verweisen also darauf, dass die israelische Herrschaft \u00fcber das Westjordanland auf Dauer angelegt ist. In einer Demokratie m\u00fcsste daher allen dort Wohnenden der uneingeschr\u00e4nkte Zugang zu den staatsb\u00fcrgerlichen Rechten des politischen Gemeinwesens gew\u00e4hrt werden. Dies ist aber nicht der Fall.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Zweifelsfrei war Israel lediglich f\u00fcr sechs Monate eine Demokratie<\/h3>\n\n\n\n

W\u00e4hrend an der israelischen Besatzung des Westjordanlands kein Zweifel besteht, \u00fcberrascht, dass Beck f\u00fcr den Gazastreifen zu einer \u00e4hnlichen Bewertung kommt. Schlie\u00dflich hat Israel seine Soldaten im Jahr 2007 aus dem K\u00fcstenstreifen abgezogen und j\u00fcdische Siedlungen aufgel\u00f6st.<\/p>\n\n\n\n

Beck argumentiert, dass Israel auch heute seine Kontrolle von Land, Luft und Wasser aufrechterh\u00e4lt und die Besatzungsherrschaft damit fortsetzt, ohne \"den dort lebenden Menschen irgendeine Form demokratischer Mitwirkungsrechte zu gew\u00e4hren\".<\/p>\n\n\n\n

Mit dieser Einsch\u00e4tzung ist Beck nicht allein. Auch die Vereinten Nationen<\/a> und der Internationale Strafgerichtshof<\/a> vertreten die Auffassung, dass die israelische Besatzung \u00fcber den Gazastreifen andauert.<\/p>\n\n\n\n

F\u00fcr die Gesamtbewertung des politischen Systems Israels hat diese Frage allerdings ohnehin keine entscheidende Bedeutung mehr. Denn Becks Fazit f\u00e4llt eindeutig aus: Zweifelsfrei um eine Demokratie gehandelt habe es sich bei Israel lediglich in einem kurzen sechsmonatigen Zeitraum zwischen der Abschaffung des Milit\u00e4rrechts f\u00fcr arabische Israelis im November 1966 und dem Beginn des Sechstagekrieges im Juni 1967.<\/p>\n\n\n\n

Sp\u00e4testens mit Beginn der Besatzungsherrschaft habe Israel seinen Charakter als Demokratie verloren. F\u00fcr heutige Debatten rund um Israel empfiehlt der Nahost-Professor deshalb auf das Demokratieargument besser zu verzichten.

der\u00a0Ursprung<\/a><\/p>\n","post_title":"Die einzige Demokratie im Nahen Osten?","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-einzige-demokratie-im-nahen-osten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3775","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":53},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Eine neue wissenschaftliche Untersuchung behauptet: Wirklich demokratisch war Israel nur f\u00fcr sechs Monate vor \u00fcber 40 Jahren<\/p>\n\n\n\n

Wahlen in Israel (Netanjahu gewinnt - aber wahrscheinlich keine absolute Mehrheit<\/a>) werden immer davon begleitet, dass es in Sozialen Medien turbulent zugeht: Die einen sehen Israel als \"Apartheidstaat\", in dem Wahlen allein deshalb schon bedeutungslos seien, weil Millionen Pal\u00e4stinenser in den besetzten Gebieten davon ausgeschlossen<\/a> werden. Die anderen feiern die Wahlen hingegen als abermaligen Beweis daf\u00fcr, dass es sich bei Israel um die \"einzige Demokratie im Nahen Osten\" handle.<\/p>\n\n\n\n

Wer von beiden Seiten mehr Recht hat, ist seit Jahrzehnten Gegenstand erbitterter Diskussion. W\u00e4hrend es bei Israels Nachbarstaaten wie \u00c4gypten, Saudi Arabien oder Jordanien wenig Zweifel am autorit\u00e4ren Charakter des politischen Systems gibt und formell demokratische Staaten wie Irak, Tunesien oder der Libanon in Demokratie-Ratings weit unten rangieren<\/a>, scheint die Bewertung bei Israel komplizierter.<\/p>\n\n\n\n

Uneinigkeit besteht schon dar\u00fcber, um wessen demokratische Rechte es eigentlich geht: Die von den rund 8,5 Millionen Menschen innerhalb der v\u00f6lkerrechtlich anerkannten Grenzen Israels? Oder auch jene der rund 5 Millionen Pal\u00e4stinenser im Gazastreifen und dem Westjordanland, also den Regionen, die Israel 1967 besetzt hat?<\/p>\n\n\n\n

Ob Israel eine Demokratie ist, h\u00e4ngt auch davon ab, was man unter Demokratie versteht<\/h3>\n\n\n\n

Eine Antwort auf diese Fragen hat Martin Beck<\/a> versucht zu finden. F\u00fcr das Hamburger GIGA Institut<\/em> hat der Professor f\u00fcr Nahost-Studien ein Gutachten zum politischen Systems Israels erstellt<\/a>. In der im Februar ver\u00f6ffentlichten Untersuchung listet er Argumente auf, die f\u00fcr und gegen den demokratischen Charakter des Staates sprechen. Sein Fazit zu der Frage, ob es sich bei Israel um eine Demokratie handelt: eher nicht. Israel habe \"sein fr\u00fcheres Alleinstellungsmerkmal als einzige Demokratie im Nahen und Mittleren Osten verloren\".<\/p>\n\n\n\n

Becks Analyse macht aber zun\u00e4chst ein anderes Problem deutlich: Die Frage, ob es sich bei einem Staat um eine Demokratie handelt, ist auch deshalb nicht einfach zu beantworten, weil es kein einheitliches Verst\u00e4ndnis davon gibt, was eine Demokratie eigentlich ist. In seiner Bewertung des politischen Systems Israel geht er deshalb von unterschiedlichen Definitionen aus.<\/p>\n\n\n\n

So umfasst ein \"weiter Demokratiebegriff\" zum Beispiel die Gleichheit aller Staatsb\u00fcrger. Folgt man diesem Verst\u00e4ndnis spreche die Benachteiligung der arabischen Staatsb\u00fcrger Israels gegen eine Einordnung Israel als Demokratie. Beck schreibt:<\/p>\n\n\n\n

Da die Staatsr\u00e4son Israels auf seinem j\u00fcdischen Charakter fu\u00dft und Gesetze hervorgebracht hat, die in zentralen Bereichen der Ressourcenverteilung wie beispielsweise Landbesitz arabische Israelis systematisch diskriminiert, erscheint Israel als undemokratisch.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Beck verweist allerdings darauf, dass dieses weite Demokratie-Verst\u00e4ndnis zwar unter Kritikern Israels verbreitet, in der wissenschaftlichen Debatte aber eher un\u00fcblich sei. Zudem w\u00fcrden andere als demokratisch geltende Staaten, diese Anforderungen ebenso nicht erf\u00fcllen.<\/p>\n\n\n\n

Demokratie-Pr\u00fcfung scheiterte am Milit\u00e4rrecht f\u00fcr arabische Israelis<\/h3>\n\n\n\n

Beck unterzieht Israels politisches Systems deshalb einer zweiten Pr\u00fcfung. Der amerikanische Politikwissenschaftler Robert Dahl hat acht Bedingungen formuliert, die ein politisches System mindestens erf\u00fcllen muss, um als Demokratie zu gelten.<\/p>\n\n\n\n

Diese sind: Organisationsfreiheit, Meinungsfreiheit, aktives und passives Wahlrecht, das Recht politischer Eliten auf Werbung f\u00fcr Unterst\u00fctzung und um W\u00e4hlerstimmen, der Zugang zu alternativen Informationsquellen, freie und faire Wahlen sowie die institutionelle Bindung von Regierungspolitik an Wahlen und andere Formen der Willensbildung.<\/p>\n\n\n\n

Legt man diese Minimaldefinition von Demokratie zugrunde, besteht Israel die Pr\u00fcfung. \"Mit Blick auf Israel erscheinen all diese Bedingungen nicht nur f\u00fcr seine j\u00fcdischen, sondern auch f\u00fcr seine arabischen Staatsb\u00fcrgerinnen und Staatsb\u00fcrger erf\u00fcllt\", schreibt Beck.<\/p>\n\n\n\n

Allerdings liefert er dazu eine gro\u00dfe zeitliche Einschr\u00e4nkung: So lebten in den ersten Jahren gro\u00dfe Teile der arabischen Bev\u00f6lkerung Israels unter Milit\u00e4rverwaltung und genossen nicht dieselben staatsb\u00fcrgerlichen Rechte wie der Rest der Bev\u00f6lkerung. Aufgehoben wurde das Milit\u00e4rrecht f\u00fcr arabische Israelis erst am 8. November 1966. Um einen demokratischen Staat k\u00f6nne es sich also fr\u00fchestens ab diesem Zeitpunkt handeln.<\/p>\n\n\n\n

Macht die Besatzung Israel zu einem undemokratischen Staat?<\/h3>\n\n\n\n

Nur wenige Monate folgte allerdings ein Ereignis, dass Israels Bewertung als demokratischen Staat abermals in Zweifel zieht. Im Zuge des Sechstagekrieges besetzte Israel im Juni 1967 die \u00e4gyptische Sinai-Halbinsel, den Gazastreifen, das zuvor von Jordanien kontrollierte Westjordanland und Ostjerusalem sowie die syrischen Golanh\u00f6hen.<\/p>\n\n\n\n

Die 1982 an \u00c4gypten zur\u00fcckgegebene Sinai-Halbinsel ausgenommen, dauert Israels Kontrolle \u00fcber jene Gebiete bis heute auf die ein oder andere Weise an. Spielt sie deshalb auch eine Rolle, wenn es um die Bewertung des politischen Systems Israels geht? Beck schreibt, dass \"die Errichtung der Besatzungsregime im Jahr 1967 zweifelsohne ein undemokratischer Akt [war]\", diese aber nicht zwangsl\u00e4ufig etwas am demokratischen Charakter des politischen Systems Israel \u00e4ndern w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n

Sehr wohl anrechnen lassen m\u00fcsse sich Israel aber die Situation auf den syrischen Golanh\u00f6hen und in Ostjerusalem, da diese mittlerweile ins israelische Staatsgebiet annektiert wurden. Beck schreibt:<\/p>\n\n\n\n

Die Annexion eines Territoriums durch einen Staat ohne Referendum, d.h. eine Abstimmung durch die betroffene Bev\u00f6lkerung, widerspricht demokratischen Prinzipien fundamental.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Wichtiger noch sei allerdings, dass viele von der Annexion betroffene Pal\u00e4stinenser bis heute nicht \u00fcber dieselben Rechte verf\u00fcgen wie ihre israelischen Nachbarn. Statt der israelischen Staatsb\u00fcrgerschaft tragen pal\u00e4stinensische Bewohner Ostjerusalems lediglich Identit\u00e4tskarten, die sie als st\u00e4ndige Bewohner der Stadt ausweisen.<\/p>\n\n\n\n

Damit sind sie in Israel zwar steuerpflichtig, haben Zugang zu Sozialleistungen und k\u00f6nnen sich innerhalb Israel frei bewegen, staatsb\u00fcrgerlichen Rechte, wie beispielsweise das aktive und passive Wahlrecht besitzen sie allerdings nicht. Als undemokratisch bewertet Beck deshalb das \"israelische Herrschaftsregime in Jerusalem\".<\/p>\n\n\n\n

Besatzung beenden oder dieselben staatsb\u00fcrgerlichen Rechte f\u00fcr Pal\u00e4stinenser<\/h3>\n\n\n\n

Ob auch die Situation im Westjordanland und Gazastreifen eine Rolle f\u00fcr die Bewertung des politischen Systems Israels spielt, entscheidet sich dem Spezialisten f\u00fcr politische Systeme im Nahen Osten<\/a> zufolge vor allem an einer Frage: Ist die Besetzung der Gebiete ein vor\u00fcbergehendes Ph\u00e4nomen oder auf Dauer angelegt?<\/p>\n\n\n\n

Nur im letzteren Fall m\u00fcsse man das Besatzungsregime als Teil des politischen Systems Israels bewerten, so Beck. F\u00fcr den anhaltenden Charakter spreche allein schon die schiere Dauer der Besatzung: So dauert die israelische Besatzung schon \u00fcber ein halbes Jahrhundert und damit dreimal so lange wie Israel in den Grenzen von 1949 bis 1967 existierte.<\/p>\n\n\n\n

Hinzu kommen weitere Indizien: Das Scheitern des Osloer Verhandlungsprozess in den 1990er Jahren und im ersten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts, der anhaltende Siedlungsprozess sowie die weitgehenden Einigkeit unter den gro\u00dfen politischen Parteien Israels - und dass gro\u00dfe Teile des Westjordanlands dauerhaft unter israelischer Kontrolle verbleiben sollen. Beck kommt zu dem Schluss:<\/p>\n\n\n\n

Alle Indizien verweisen also darauf, dass die israelische Herrschaft \u00fcber das Westjordanland auf Dauer angelegt ist. In einer Demokratie m\u00fcsste daher allen dort Wohnenden der uneingeschr\u00e4nkte Zugang zu den staatsb\u00fcrgerlichen Rechten des politischen Gemeinwesens gew\u00e4hrt werden. Dies ist aber nicht der Fall.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Zweifelsfrei war Israel lediglich f\u00fcr sechs Monate eine Demokratie<\/h3>\n\n\n\n

W\u00e4hrend an der israelischen Besatzung des Westjordanlands kein Zweifel besteht, \u00fcberrascht, dass Beck f\u00fcr den Gazastreifen zu einer \u00e4hnlichen Bewertung kommt. Schlie\u00dflich hat Israel seine Soldaten im Jahr 2007 aus dem K\u00fcstenstreifen abgezogen und j\u00fcdische Siedlungen aufgel\u00f6st.<\/p>\n\n\n\n

Beck argumentiert, dass Israel auch heute seine Kontrolle von Land, Luft und Wasser aufrechterh\u00e4lt und die Besatzungsherrschaft damit fortsetzt, ohne \"den dort lebenden Menschen irgendeine Form demokratischer Mitwirkungsrechte zu gew\u00e4hren\".<\/p>\n\n\n\n

Mit dieser Einsch\u00e4tzung ist Beck nicht allein. Auch die Vereinten Nationen<\/a> und der Internationale Strafgerichtshof<\/a> vertreten die Auffassung, dass die israelische Besatzung \u00fcber den Gazastreifen andauert.<\/p>\n\n\n\n

F\u00fcr die Gesamtbewertung des politischen Systems Israels hat diese Frage allerdings ohnehin keine entscheidende Bedeutung mehr. Denn Becks Fazit f\u00e4llt eindeutig aus: Zweifelsfrei um eine Demokratie gehandelt habe es sich bei Israel lediglich in einem kurzen sechsmonatigen Zeitraum zwischen der Abschaffung des Milit\u00e4rrechts f\u00fcr arabische Israelis im November 1966 und dem Beginn des Sechstagekrieges im Juni 1967.<\/p>\n\n\n\n

Sp\u00e4testens mit Beginn der Besatzungsherrschaft habe Israel seinen Charakter als Demokratie verloren. F\u00fcr heutige Debatten rund um Israel empfiehlt der Nahost-Professor deshalb auf das Demokratieargument besser zu verzichten.

der\u00a0Ursprung<\/a><\/p>\n","post_title":"Die einzige Demokratie im Nahen Osten?","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-einzige-demokratie-im-nahen-osten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3775","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":53},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Erwartet wird, dass die Strafanzeige am Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag nun bis zu zwei Jahre lang gepr\u00fcft wird, ehe es zu einer Entscheidung \u00fcber ein m\u00f6gliches Verfahren kommt. Da weder Jemen noch Saudi-Arabien der internationalen Strafgerichtsbarkeit beigetreten sind, kann das Gericht nicht ohne Weiteres gegen Staatsb\u00fcrger dieser L\u00e4nder ermitteln.

Quelle<\/a><\/p>\n","post_title":"Anzeige gegen deutsche Waffenfirmen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"anzeige-gegen-deutsche-waffenfirmen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3778","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3775,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:37:30","post_date_gmt":"2020-08-14 13:37:30","post_content":"\n

Eine neue wissenschaftliche Untersuchung behauptet: Wirklich demokratisch war Israel nur f\u00fcr sechs Monate vor \u00fcber 40 Jahren<\/p>\n\n\n\n

Wahlen in Israel (Netanjahu gewinnt - aber wahrscheinlich keine absolute Mehrheit<\/a>) werden immer davon begleitet, dass es in Sozialen Medien turbulent zugeht: Die einen sehen Israel als \"Apartheidstaat\", in dem Wahlen allein deshalb schon bedeutungslos seien, weil Millionen Pal\u00e4stinenser in den besetzten Gebieten davon ausgeschlossen<\/a> werden. Die anderen feiern die Wahlen hingegen als abermaligen Beweis daf\u00fcr, dass es sich bei Israel um die \"einzige Demokratie im Nahen Osten\" handle.<\/p>\n\n\n\n

Wer von beiden Seiten mehr Recht hat, ist seit Jahrzehnten Gegenstand erbitterter Diskussion. W\u00e4hrend es bei Israels Nachbarstaaten wie \u00c4gypten, Saudi Arabien oder Jordanien wenig Zweifel am autorit\u00e4ren Charakter des politischen Systems gibt und formell demokratische Staaten wie Irak, Tunesien oder der Libanon in Demokratie-Ratings weit unten rangieren<\/a>, scheint die Bewertung bei Israel komplizierter.<\/p>\n\n\n\n

Uneinigkeit besteht schon dar\u00fcber, um wessen demokratische Rechte es eigentlich geht: Die von den rund 8,5 Millionen Menschen innerhalb der v\u00f6lkerrechtlich anerkannten Grenzen Israels? Oder auch jene der rund 5 Millionen Pal\u00e4stinenser im Gazastreifen und dem Westjordanland, also den Regionen, die Israel 1967 besetzt hat?<\/p>\n\n\n\n

Ob Israel eine Demokratie ist, h\u00e4ngt auch davon ab, was man unter Demokratie versteht<\/h3>\n\n\n\n

Eine Antwort auf diese Fragen hat Martin Beck<\/a> versucht zu finden. F\u00fcr das Hamburger GIGA Institut<\/em> hat der Professor f\u00fcr Nahost-Studien ein Gutachten zum politischen Systems Israels erstellt<\/a>. In der im Februar ver\u00f6ffentlichten Untersuchung listet er Argumente auf, die f\u00fcr und gegen den demokratischen Charakter des Staates sprechen. Sein Fazit zu der Frage, ob es sich bei Israel um eine Demokratie handelt: eher nicht. Israel habe \"sein fr\u00fcheres Alleinstellungsmerkmal als einzige Demokratie im Nahen und Mittleren Osten verloren\".<\/p>\n\n\n\n

Becks Analyse macht aber zun\u00e4chst ein anderes Problem deutlich: Die Frage, ob es sich bei einem Staat um eine Demokratie handelt, ist auch deshalb nicht einfach zu beantworten, weil es kein einheitliches Verst\u00e4ndnis davon gibt, was eine Demokratie eigentlich ist. In seiner Bewertung des politischen Systems Israel geht er deshalb von unterschiedlichen Definitionen aus.<\/p>\n\n\n\n

So umfasst ein \"weiter Demokratiebegriff\" zum Beispiel die Gleichheit aller Staatsb\u00fcrger. Folgt man diesem Verst\u00e4ndnis spreche die Benachteiligung der arabischen Staatsb\u00fcrger Israels gegen eine Einordnung Israel als Demokratie. Beck schreibt:<\/p>\n\n\n\n

Da die Staatsr\u00e4son Israels auf seinem j\u00fcdischen Charakter fu\u00dft und Gesetze hervorgebracht hat, die in zentralen Bereichen der Ressourcenverteilung wie beispielsweise Landbesitz arabische Israelis systematisch diskriminiert, erscheint Israel als undemokratisch.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Beck verweist allerdings darauf, dass dieses weite Demokratie-Verst\u00e4ndnis zwar unter Kritikern Israels verbreitet, in der wissenschaftlichen Debatte aber eher un\u00fcblich sei. Zudem w\u00fcrden andere als demokratisch geltende Staaten, diese Anforderungen ebenso nicht erf\u00fcllen.<\/p>\n\n\n\n

Demokratie-Pr\u00fcfung scheiterte am Milit\u00e4rrecht f\u00fcr arabische Israelis<\/h3>\n\n\n\n

Beck unterzieht Israels politisches Systems deshalb einer zweiten Pr\u00fcfung. Der amerikanische Politikwissenschaftler Robert Dahl hat acht Bedingungen formuliert, die ein politisches System mindestens erf\u00fcllen muss, um als Demokratie zu gelten.<\/p>\n\n\n\n

Diese sind: Organisationsfreiheit, Meinungsfreiheit, aktives und passives Wahlrecht, das Recht politischer Eliten auf Werbung f\u00fcr Unterst\u00fctzung und um W\u00e4hlerstimmen, der Zugang zu alternativen Informationsquellen, freie und faire Wahlen sowie die institutionelle Bindung von Regierungspolitik an Wahlen und andere Formen der Willensbildung.<\/p>\n\n\n\n

Legt man diese Minimaldefinition von Demokratie zugrunde, besteht Israel die Pr\u00fcfung. \"Mit Blick auf Israel erscheinen all diese Bedingungen nicht nur f\u00fcr seine j\u00fcdischen, sondern auch f\u00fcr seine arabischen Staatsb\u00fcrgerinnen und Staatsb\u00fcrger erf\u00fcllt\", schreibt Beck.<\/p>\n\n\n\n

Allerdings liefert er dazu eine gro\u00dfe zeitliche Einschr\u00e4nkung: So lebten in den ersten Jahren gro\u00dfe Teile der arabischen Bev\u00f6lkerung Israels unter Milit\u00e4rverwaltung und genossen nicht dieselben staatsb\u00fcrgerlichen Rechte wie der Rest der Bev\u00f6lkerung. Aufgehoben wurde das Milit\u00e4rrecht f\u00fcr arabische Israelis erst am 8. November 1966. Um einen demokratischen Staat k\u00f6nne es sich also fr\u00fchestens ab diesem Zeitpunkt handeln.<\/p>\n\n\n\n

Macht die Besatzung Israel zu einem undemokratischen Staat?<\/h3>\n\n\n\n

Nur wenige Monate folgte allerdings ein Ereignis, dass Israels Bewertung als demokratischen Staat abermals in Zweifel zieht. Im Zuge des Sechstagekrieges besetzte Israel im Juni 1967 die \u00e4gyptische Sinai-Halbinsel, den Gazastreifen, das zuvor von Jordanien kontrollierte Westjordanland und Ostjerusalem sowie die syrischen Golanh\u00f6hen.<\/p>\n\n\n\n

Die 1982 an \u00c4gypten zur\u00fcckgegebene Sinai-Halbinsel ausgenommen, dauert Israels Kontrolle \u00fcber jene Gebiete bis heute auf die ein oder andere Weise an. Spielt sie deshalb auch eine Rolle, wenn es um die Bewertung des politischen Systems Israels geht? Beck schreibt, dass \"die Errichtung der Besatzungsregime im Jahr 1967 zweifelsohne ein undemokratischer Akt [war]\", diese aber nicht zwangsl\u00e4ufig etwas am demokratischen Charakter des politischen Systems Israel \u00e4ndern w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n

Sehr wohl anrechnen lassen m\u00fcsse sich Israel aber die Situation auf den syrischen Golanh\u00f6hen und in Ostjerusalem, da diese mittlerweile ins israelische Staatsgebiet annektiert wurden. Beck schreibt:<\/p>\n\n\n\n

Die Annexion eines Territoriums durch einen Staat ohne Referendum, d.h. eine Abstimmung durch die betroffene Bev\u00f6lkerung, widerspricht demokratischen Prinzipien fundamental.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Wichtiger noch sei allerdings, dass viele von der Annexion betroffene Pal\u00e4stinenser bis heute nicht \u00fcber dieselben Rechte verf\u00fcgen wie ihre israelischen Nachbarn. Statt der israelischen Staatsb\u00fcrgerschaft tragen pal\u00e4stinensische Bewohner Ostjerusalems lediglich Identit\u00e4tskarten, die sie als st\u00e4ndige Bewohner der Stadt ausweisen.<\/p>\n\n\n\n

Damit sind sie in Israel zwar steuerpflichtig, haben Zugang zu Sozialleistungen und k\u00f6nnen sich innerhalb Israel frei bewegen, staatsb\u00fcrgerlichen Rechte, wie beispielsweise das aktive und passive Wahlrecht besitzen sie allerdings nicht. Als undemokratisch bewertet Beck deshalb das \"israelische Herrschaftsregime in Jerusalem\".<\/p>\n\n\n\n

Besatzung beenden oder dieselben staatsb\u00fcrgerlichen Rechte f\u00fcr Pal\u00e4stinenser<\/h3>\n\n\n\n

Ob auch die Situation im Westjordanland und Gazastreifen eine Rolle f\u00fcr die Bewertung des politischen Systems Israels spielt, entscheidet sich dem Spezialisten f\u00fcr politische Systeme im Nahen Osten<\/a> zufolge vor allem an einer Frage: Ist die Besetzung der Gebiete ein vor\u00fcbergehendes Ph\u00e4nomen oder auf Dauer angelegt?<\/p>\n\n\n\n

Nur im letzteren Fall m\u00fcsse man das Besatzungsregime als Teil des politischen Systems Israels bewerten, so Beck. F\u00fcr den anhaltenden Charakter spreche allein schon die schiere Dauer der Besatzung: So dauert die israelische Besatzung schon \u00fcber ein halbes Jahrhundert und damit dreimal so lange wie Israel in den Grenzen von 1949 bis 1967 existierte.<\/p>\n\n\n\n

Hinzu kommen weitere Indizien: Das Scheitern des Osloer Verhandlungsprozess in den 1990er Jahren und im ersten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts, der anhaltende Siedlungsprozess sowie die weitgehenden Einigkeit unter den gro\u00dfen politischen Parteien Israels - und dass gro\u00dfe Teile des Westjordanlands dauerhaft unter israelischer Kontrolle verbleiben sollen. Beck kommt zu dem Schluss:<\/p>\n\n\n\n

Alle Indizien verweisen also darauf, dass die israelische Herrschaft \u00fcber das Westjordanland auf Dauer angelegt ist. In einer Demokratie m\u00fcsste daher allen dort Wohnenden der uneingeschr\u00e4nkte Zugang zu den staatsb\u00fcrgerlichen Rechten des politischen Gemeinwesens gew\u00e4hrt werden. Dies ist aber nicht der Fall.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Zweifelsfrei war Israel lediglich f\u00fcr sechs Monate eine Demokratie<\/h3>\n\n\n\n

W\u00e4hrend an der israelischen Besatzung des Westjordanlands kein Zweifel besteht, \u00fcberrascht, dass Beck f\u00fcr den Gazastreifen zu einer \u00e4hnlichen Bewertung kommt. Schlie\u00dflich hat Israel seine Soldaten im Jahr 2007 aus dem K\u00fcstenstreifen abgezogen und j\u00fcdische Siedlungen aufgel\u00f6st.<\/p>\n\n\n\n

Beck argumentiert, dass Israel auch heute seine Kontrolle von Land, Luft und Wasser aufrechterh\u00e4lt und die Besatzungsherrschaft damit fortsetzt, ohne \"den dort lebenden Menschen irgendeine Form demokratischer Mitwirkungsrechte zu gew\u00e4hren\".<\/p>\n\n\n\n

Mit dieser Einsch\u00e4tzung ist Beck nicht allein. Auch die Vereinten Nationen<\/a> und der Internationale Strafgerichtshof<\/a> vertreten die Auffassung, dass die israelische Besatzung \u00fcber den Gazastreifen andauert.<\/p>\n\n\n\n

F\u00fcr die Gesamtbewertung des politischen Systems Israels hat diese Frage allerdings ohnehin keine entscheidende Bedeutung mehr. Denn Becks Fazit f\u00e4llt eindeutig aus: Zweifelsfrei um eine Demokratie gehandelt habe es sich bei Israel lediglich in einem kurzen sechsmonatigen Zeitraum zwischen der Abschaffung des Milit\u00e4rrechts f\u00fcr arabische Israelis im November 1966 und dem Beginn des Sechstagekrieges im Juni 1967.<\/p>\n\n\n\n

Sp\u00e4testens mit Beginn der Besatzungsherrschaft habe Israel seinen Charakter als Demokratie verloren. F\u00fcr heutige Debatten rund um Israel empfiehlt der Nahost-Professor deshalb auf das Demokratieargument besser zu verzichten.

der\u00a0Ursprung<\/a><\/p>\n","post_title":"Die einzige Demokratie im Nahen Osten?","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-einzige-demokratie-im-nahen-osten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3775","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":53},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Jahrelange Pr\u00fcfung wahrscheinlich<\/h2>\n\n\n\n

Erwartet wird, dass die Strafanzeige am Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag nun bis zu zwei Jahre lang gepr\u00fcft wird, ehe es zu einer Entscheidung \u00fcber ein m\u00f6gliches Verfahren kommt. Da weder Jemen noch Saudi-Arabien der internationalen Strafgerichtsbarkeit beigetreten sind, kann das Gericht nicht ohne Weiteres gegen Staatsb\u00fcrger dieser L\u00e4nder ermitteln.

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Eine neue wissenschaftliche Untersuchung behauptet: Wirklich demokratisch war Israel nur f\u00fcr sechs Monate vor \u00fcber 40 Jahren<\/p>\n\n\n\n

Wahlen in Israel (Netanjahu gewinnt - aber wahrscheinlich keine absolute Mehrheit<\/a>) werden immer davon begleitet, dass es in Sozialen Medien turbulent zugeht: Die einen sehen Israel als \"Apartheidstaat\", in dem Wahlen allein deshalb schon bedeutungslos seien, weil Millionen Pal\u00e4stinenser in den besetzten Gebieten davon ausgeschlossen<\/a> werden. Die anderen feiern die Wahlen hingegen als abermaligen Beweis daf\u00fcr, dass es sich bei Israel um die \"einzige Demokratie im Nahen Osten\" handle.<\/p>\n\n\n\n

Wer von beiden Seiten mehr Recht hat, ist seit Jahrzehnten Gegenstand erbitterter Diskussion. W\u00e4hrend es bei Israels Nachbarstaaten wie \u00c4gypten, Saudi Arabien oder Jordanien wenig Zweifel am autorit\u00e4ren Charakter des politischen Systems gibt und formell demokratische Staaten wie Irak, Tunesien oder der Libanon in Demokratie-Ratings weit unten rangieren<\/a>, scheint die Bewertung bei Israel komplizierter.<\/p>\n\n\n\n

Uneinigkeit besteht schon dar\u00fcber, um wessen demokratische Rechte es eigentlich geht: Die von den rund 8,5 Millionen Menschen innerhalb der v\u00f6lkerrechtlich anerkannten Grenzen Israels? Oder auch jene der rund 5 Millionen Pal\u00e4stinenser im Gazastreifen und dem Westjordanland, also den Regionen, die Israel 1967 besetzt hat?<\/p>\n\n\n\n

Ob Israel eine Demokratie ist, h\u00e4ngt auch davon ab, was man unter Demokratie versteht<\/h3>\n\n\n\n

Eine Antwort auf diese Fragen hat Martin Beck<\/a> versucht zu finden. F\u00fcr das Hamburger GIGA Institut<\/em> hat der Professor f\u00fcr Nahost-Studien ein Gutachten zum politischen Systems Israels erstellt<\/a>. In der im Februar ver\u00f6ffentlichten Untersuchung listet er Argumente auf, die f\u00fcr und gegen den demokratischen Charakter des Staates sprechen. Sein Fazit zu der Frage, ob es sich bei Israel um eine Demokratie handelt: eher nicht. Israel habe \"sein fr\u00fcheres Alleinstellungsmerkmal als einzige Demokratie im Nahen und Mittleren Osten verloren\".<\/p>\n\n\n\n

Becks Analyse macht aber zun\u00e4chst ein anderes Problem deutlich: Die Frage, ob es sich bei einem Staat um eine Demokratie handelt, ist auch deshalb nicht einfach zu beantworten, weil es kein einheitliches Verst\u00e4ndnis davon gibt, was eine Demokratie eigentlich ist. In seiner Bewertung des politischen Systems Israel geht er deshalb von unterschiedlichen Definitionen aus.<\/p>\n\n\n\n

So umfasst ein \"weiter Demokratiebegriff\" zum Beispiel die Gleichheit aller Staatsb\u00fcrger. Folgt man diesem Verst\u00e4ndnis spreche die Benachteiligung der arabischen Staatsb\u00fcrger Israels gegen eine Einordnung Israel als Demokratie. Beck schreibt:<\/p>\n\n\n\n

Da die Staatsr\u00e4son Israels auf seinem j\u00fcdischen Charakter fu\u00dft und Gesetze hervorgebracht hat, die in zentralen Bereichen der Ressourcenverteilung wie beispielsweise Landbesitz arabische Israelis systematisch diskriminiert, erscheint Israel als undemokratisch.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Beck verweist allerdings darauf, dass dieses weite Demokratie-Verst\u00e4ndnis zwar unter Kritikern Israels verbreitet, in der wissenschaftlichen Debatte aber eher un\u00fcblich sei. Zudem w\u00fcrden andere als demokratisch geltende Staaten, diese Anforderungen ebenso nicht erf\u00fcllen.<\/p>\n\n\n\n

Demokratie-Pr\u00fcfung scheiterte am Milit\u00e4rrecht f\u00fcr arabische Israelis<\/h3>\n\n\n\n

Beck unterzieht Israels politisches Systems deshalb einer zweiten Pr\u00fcfung. Der amerikanische Politikwissenschaftler Robert Dahl hat acht Bedingungen formuliert, die ein politisches System mindestens erf\u00fcllen muss, um als Demokratie zu gelten.<\/p>\n\n\n\n

Diese sind: Organisationsfreiheit, Meinungsfreiheit, aktives und passives Wahlrecht, das Recht politischer Eliten auf Werbung f\u00fcr Unterst\u00fctzung und um W\u00e4hlerstimmen, der Zugang zu alternativen Informationsquellen, freie und faire Wahlen sowie die institutionelle Bindung von Regierungspolitik an Wahlen und andere Formen der Willensbildung.<\/p>\n\n\n\n

Legt man diese Minimaldefinition von Demokratie zugrunde, besteht Israel die Pr\u00fcfung. \"Mit Blick auf Israel erscheinen all diese Bedingungen nicht nur f\u00fcr seine j\u00fcdischen, sondern auch f\u00fcr seine arabischen Staatsb\u00fcrgerinnen und Staatsb\u00fcrger erf\u00fcllt\", schreibt Beck.<\/p>\n\n\n\n

Allerdings liefert er dazu eine gro\u00dfe zeitliche Einschr\u00e4nkung: So lebten in den ersten Jahren gro\u00dfe Teile der arabischen Bev\u00f6lkerung Israels unter Milit\u00e4rverwaltung und genossen nicht dieselben staatsb\u00fcrgerlichen Rechte wie der Rest der Bev\u00f6lkerung. Aufgehoben wurde das Milit\u00e4rrecht f\u00fcr arabische Israelis erst am 8. November 1966. Um einen demokratischen Staat k\u00f6nne es sich also fr\u00fchestens ab diesem Zeitpunkt handeln.<\/p>\n\n\n\n

Macht die Besatzung Israel zu einem undemokratischen Staat?<\/h3>\n\n\n\n

Nur wenige Monate folgte allerdings ein Ereignis, dass Israels Bewertung als demokratischen Staat abermals in Zweifel zieht. Im Zuge des Sechstagekrieges besetzte Israel im Juni 1967 die \u00e4gyptische Sinai-Halbinsel, den Gazastreifen, das zuvor von Jordanien kontrollierte Westjordanland und Ostjerusalem sowie die syrischen Golanh\u00f6hen.<\/p>\n\n\n\n

Die 1982 an \u00c4gypten zur\u00fcckgegebene Sinai-Halbinsel ausgenommen, dauert Israels Kontrolle \u00fcber jene Gebiete bis heute auf die ein oder andere Weise an. Spielt sie deshalb auch eine Rolle, wenn es um die Bewertung des politischen Systems Israels geht? Beck schreibt, dass \"die Errichtung der Besatzungsregime im Jahr 1967 zweifelsohne ein undemokratischer Akt [war]\", diese aber nicht zwangsl\u00e4ufig etwas am demokratischen Charakter des politischen Systems Israel \u00e4ndern w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n

Sehr wohl anrechnen lassen m\u00fcsse sich Israel aber die Situation auf den syrischen Golanh\u00f6hen und in Ostjerusalem, da diese mittlerweile ins israelische Staatsgebiet annektiert wurden. Beck schreibt:<\/p>\n\n\n\n

Die Annexion eines Territoriums durch einen Staat ohne Referendum, d.h. eine Abstimmung durch die betroffene Bev\u00f6lkerung, widerspricht demokratischen Prinzipien fundamental.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Wichtiger noch sei allerdings, dass viele von der Annexion betroffene Pal\u00e4stinenser bis heute nicht \u00fcber dieselben Rechte verf\u00fcgen wie ihre israelischen Nachbarn. Statt der israelischen Staatsb\u00fcrgerschaft tragen pal\u00e4stinensische Bewohner Ostjerusalems lediglich Identit\u00e4tskarten, die sie als st\u00e4ndige Bewohner der Stadt ausweisen.<\/p>\n\n\n\n

Damit sind sie in Israel zwar steuerpflichtig, haben Zugang zu Sozialleistungen und k\u00f6nnen sich innerhalb Israel frei bewegen, staatsb\u00fcrgerlichen Rechte, wie beispielsweise das aktive und passive Wahlrecht besitzen sie allerdings nicht. Als undemokratisch bewertet Beck deshalb das \"israelische Herrschaftsregime in Jerusalem\".<\/p>\n\n\n\n

Besatzung beenden oder dieselben staatsb\u00fcrgerlichen Rechte f\u00fcr Pal\u00e4stinenser<\/h3>\n\n\n\n

Ob auch die Situation im Westjordanland und Gazastreifen eine Rolle f\u00fcr die Bewertung des politischen Systems Israels spielt, entscheidet sich dem Spezialisten f\u00fcr politische Systeme im Nahen Osten<\/a> zufolge vor allem an einer Frage: Ist die Besetzung der Gebiete ein vor\u00fcbergehendes Ph\u00e4nomen oder auf Dauer angelegt?<\/p>\n\n\n\n

Nur im letzteren Fall m\u00fcsse man das Besatzungsregime als Teil des politischen Systems Israels bewerten, so Beck. F\u00fcr den anhaltenden Charakter spreche allein schon die schiere Dauer der Besatzung: So dauert die israelische Besatzung schon \u00fcber ein halbes Jahrhundert und damit dreimal so lange wie Israel in den Grenzen von 1949 bis 1967 existierte.<\/p>\n\n\n\n

Hinzu kommen weitere Indizien: Das Scheitern des Osloer Verhandlungsprozess in den 1990er Jahren und im ersten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts, der anhaltende Siedlungsprozess sowie die weitgehenden Einigkeit unter den gro\u00dfen politischen Parteien Israels - und dass gro\u00dfe Teile des Westjordanlands dauerhaft unter israelischer Kontrolle verbleiben sollen. Beck kommt zu dem Schluss:<\/p>\n\n\n\n

Alle Indizien verweisen also darauf, dass die israelische Herrschaft \u00fcber das Westjordanland auf Dauer angelegt ist. In einer Demokratie m\u00fcsste daher allen dort Wohnenden der uneingeschr\u00e4nkte Zugang zu den staatsb\u00fcrgerlichen Rechten des politischen Gemeinwesens gew\u00e4hrt werden. Dies ist aber nicht der Fall.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Zweifelsfrei war Israel lediglich f\u00fcr sechs Monate eine Demokratie<\/h3>\n\n\n\n

W\u00e4hrend an der israelischen Besatzung des Westjordanlands kein Zweifel besteht, \u00fcberrascht, dass Beck f\u00fcr den Gazastreifen zu einer \u00e4hnlichen Bewertung kommt. Schlie\u00dflich hat Israel seine Soldaten im Jahr 2007 aus dem K\u00fcstenstreifen abgezogen und j\u00fcdische Siedlungen aufgel\u00f6st.<\/p>\n\n\n\n

Beck argumentiert, dass Israel auch heute seine Kontrolle von Land, Luft und Wasser aufrechterh\u00e4lt und die Besatzungsherrschaft damit fortsetzt, ohne \"den dort lebenden Menschen irgendeine Form demokratischer Mitwirkungsrechte zu gew\u00e4hren\".<\/p>\n\n\n\n

Mit dieser Einsch\u00e4tzung ist Beck nicht allein. Auch die Vereinten Nationen<\/a> und der Internationale Strafgerichtshof<\/a> vertreten die Auffassung, dass die israelische Besatzung \u00fcber den Gazastreifen andauert.<\/p>\n\n\n\n

F\u00fcr die Gesamtbewertung des politischen Systems Israels hat diese Frage allerdings ohnehin keine entscheidende Bedeutung mehr. Denn Becks Fazit f\u00e4llt eindeutig aus: Zweifelsfrei um eine Demokratie gehandelt habe es sich bei Israel lediglich in einem kurzen sechsmonatigen Zeitraum zwischen der Abschaffung des Milit\u00e4rrechts f\u00fcr arabische Israelis im November 1966 und dem Beginn des Sechstagekrieges im Juni 1967.<\/p>\n\n\n\n

Sp\u00e4testens mit Beginn der Besatzungsherrschaft habe Israel seinen Charakter als Demokratie verloren. F\u00fcr heutige Debatten rund um Israel empfiehlt der Nahost-Professor deshalb auf das Demokratieargument besser zu verzichten.

der\u00a0Ursprung<\/a><\/p>\n","post_title":"Die einzige Demokratie im Nahen Osten?","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-einzige-demokratie-im-nahen-osten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3775","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":53},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Vorbild sind den Verfassern der Strafanzeige die sogenannten N\u00fcrnberger Nachfolgeprozesse in Westdeutschland, als sich 1948 unter anderem die F\u00fchrungsriege des Industrieunternehmens IG Farben vor US-Milit\u00e4rrichtern f\u00fcr deren logistische Unterst\u00fctzung der nationalsozialistischen Kriegsverbrechen gerichtlich verantworten mussten. Sollte die Strafanzeige in Den Haag zur Befassung angenommen werden, k\u00f6nnten sich etwa auch deutsche R\u00fcstungsmanager vor Gericht erkl\u00e4ren m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Jahrelange Pr\u00fcfung wahrscheinlich<\/h2>\n\n\n\n

Erwartet wird, dass die Strafanzeige am Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag nun bis zu zwei Jahre lang gepr\u00fcft wird, ehe es zu einer Entscheidung \u00fcber ein m\u00f6gliches Verfahren kommt. Da weder Jemen noch Saudi-Arabien der internationalen Strafgerichtsbarkeit beigetreten sind, kann das Gericht nicht ohne Weiteres gegen Staatsb\u00fcrger dieser L\u00e4nder ermitteln.

Quelle<\/a><\/p>\n","post_title":"Anzeige gegen deutsche Waffenfirmen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"anzeige-gegen-deutsche-waffenfirmen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3778","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3775,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:37:30","post_date_gmt":"2020-08-14 13:37:30","post_content":"\n

Eine neue wissenschaftliche Untersuchung behauptet: Wirklich demokratisch war Israel nur f\u00fcr sechs Monate vor \u00fcber 40 Jahren<\/p>\n\n\n\n

Wahlen in Israel (Netanjahu gewinnt - aber wahrscheinlich keine absolute Mehrheit<\/a>) werden immer davon begleitet, dass es in Sozialen Medien turbulent zugeht: Die einen sehen Israel als \"Apartheidstaat\", in dem Wahlen allein deshalb schon bedeutungslos seien, weil Millionen Pal\u00e4stinenser in den besetzten Gebieten davon ausgeschlossen<\/a> werden. Die anderen feiern die Wahlen hingegen als abermaligen Beweis daf\u00fcr, dass es sich bei Israel um die \"einzige Demokratie im Nahen Osten\" handle.<\/p>\n\n\n\n

Wer von beiden Seiten mehr Recht hat, ist seit Jahrzehnten Gegenstand erbitterter Diskussion. W\u00e4hrend es bei Israels Nachbarstaaten wie \u00c4gypten, Saudi Arabien oder Jordanien wenig Zweifel am autorit\u00e4ren Charakter des politischen Systems gibt und formell demokratische Staaten wie Irak, Tunesien oder der Libanon in Demokratie-Ratings weit unten rangieren<\/a>, scheint die Bewertung bei Israel komplizierter.<\/p>\n\n\n\n

Uneinigkeit besteht schon dar\u00fcber, um wessen demokratische Rechte es eigentlich geht: Die von den rund 8,5 Millionen Menschen innerhalb der v\u00f6lkerrechtlich anerkannten Grenzen Israels? Oder auch jene der rund 5 Millionen Pal\u00e4stinenser im Gazastreifen und dem Westjordanland, also den Regionen, die Israel 1967 besetzt hat?<\/p>\n\n\n\n

Ob Israel eine Demokratie ist, h\u00e4ngt auch davon ab, was man unter Demokratie versteht<\/h3>\n\n\n\n

Eine Antwort auf diese Fragen hat Martin Beck<\/a> versucht zu finden. F\u00fcr das Hamburger GIGA Institut<\/em> hat der Professor f\u00fcr Nahost-Studien ein Gutachten zum politischen Systems Israels erstellt<\/a>. In der im Februar ver\u00f6ffentlichten Untersuchung listet er Argumente auf, die f\u00fcr und gegen den demokratischen Charakter des Staates sprechen. Sein Fazit zu der Frage, ob es sich bei Israel um eine Demokratie handelt: eher nicht. Israel habe \"sein fr\u00fcheres Alleinstellungsmerkmal als einzige Demokratie im Nahen und Mittleren Osten verloren\".<\/p>\n\n\n\n

Becks Analyse macht aber zun\u00e4chst ein anderes Problem deutlich: Die Frage, ob es sich bei einem Staat um eine Demokratie handelt, ist auch deshalb nicht einfach zu beantworten, weil es kein einheitliches Verst\u00e4ndnis davon gibt, was eine Demokratie eigentlich ist. In seiner Bewertung des politischen Systems Israel geht er deshalb von unterschiedlichen Definitionen aus.<\/p>\n\n\n\n

So umfasst ein \"weiter Demokratiebegriff\" zum Beispiel die Gleichheit aller Staatsb\u00fcrger. Folgt man diesem Verst\u00e4ndnis spreche die Benachteiligung der arabischen Staatsb\u00fcrger Israels gegen eine Einordnung Israel als Demokratie. Beck schreibt:<\/p>\n\n\n\n

Da die Staatsr\u00e4son Israels auf seinem j\u00fcdischen Charakter fu\u00dft und Gesetze hervorgebracht hat, die in zentralen Bereichen der Ressourcenverteilung wie beispielsweise Landbesitz arabische Israelis systematisch diskriminiert, erscheint Israel als undemokratisch.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Beck verweist allerdings darauf, dass dieses weite Demokratie-Verst\u00e4ndnis zwar unter Kritikern Israels verbreitet, in der wissenschaftlichen Debatte aber eher un\u00fcblich sei. Zudem w\u00fcrden andere als demokratisch geltende Staaten, diese Anforderungen ebenso nicht erf\u00fcllen.<\/p>\n\n\n\n

Demokratie-Pr\u00fcfung scheiterte am Milit\u00e4rrecht f\u00fcr arabische Israelis<\/h3>\n\n\n\n

Beck unterzieht Israels politisches Systems deshalb einer zweiten Pr\u00fcfung. Der amerikanische Politikwissenschaftler Robert Dahl hat acht Bedingungen formuliert, die ein politisches System mindestens erf\u00fcllen muss, um als Demokratie zu gelten.<\/p>\n\n\n\n

Diese sind: Organisationsfreiheit, Meinungsfreiheit, aktives und passives Wahlrecht, das Recht politischer Eliten auf Werbung f\u00fcr Unterst\u00fctzung und um W\u00e4hlerstimmen, der Zugang zu alternativen Informationsquellen, freie und faire Wahlen sowie die institutionelle Bindung von Regierungspolitik an Wahlen und andere Formen der Willensbildung.<\/p>\n\n\n\n

Legt man diese Minimaldefinition von Demokratie zugrunde, besteht Israel die Pr\u00fcfung. \"Mit Blick auf Israel erscheinen all diese Bedingungen nicht nur f\u00fcr seine j\u00fcdischen, sondern auch f\u00fcr seine arabischen Staatsb\u00fcrgerinnen und Staatsb\u00fcrger erf\u00fcllt\", schreibt Beck.<\/p>\n\n\n\n

Allerdings liefert er dazu eine gro\u00dfe zeitliche Einschr\u00e4nkung: So lebten in den ersten Jahren gro\u00dfe Teile der arabischen Bev\u00f6lkerung Israels unter Milit\u00e4rverwaltung und genossen nicht dieselben staatsb\u00fcrgerlichen Rechte wie der Rest der Bev\u00f6lkerung. Aufgehoben wurde das Milit\u00e4rrecht f\u00fcr arabische Israelis erst am 8. November 1966. Um einen demokratischen Staat k\u00f6nne es sich also fr\u00fchestens ab diesem Zeitpunkt handeln.<\/p>\n\n\n\n

Macht die Besatzung Israel zu einem undemokratischen Staat?<\/h3>\n\n\n\n

Nur wenige Monate folgte allerdings ein Ereignis, dass Israels Bewertung als demokratischen Staat abermals in Zweifel zieht. Im Zuge des Sechstagekrieges besetzte Israel im Juni 1967 die \u00e4gyptische Sinai-Halbinsel, den Gazastreifen, das zuvor von Jordanien kontrollierte Westjordanland und Ostjerusalem sowie die syrischen Golanh\u00f6hen.<\/p>\n\n\n\n

Die 1982 an \u00c4gypten zur\u00fcckgegebene Sinai-Halbinsel ausgenommen, dauert Israels Kontrolle \u00fcber jene Gebiete bis heute auf die ein oder andere Weise an. Spielt sie deshalb auch eine Rolle, wenn es um die Bewertung des politischen Systems Israels geht? Beck schreibt, dass \"die Errichtung der Besatzungsregime im Jahr 1967 zweifelsohne ein undemokratischer Akt [war]\", diese aber nicht zwangsl\u00e4ufig etwas am demokratischen Charakter des politischen Systems Israel \u00e4ndern w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n

Sehr wohl anrechnen lassen m\u00fcsse sich Israel aber die Situation auf den syrischen Golanh\u00f6hen und in Ostjerusalem, da diese mittlerweile ins israelische Staatsgebiet annektiert wurden. Beck schreibt:<\/p>\n\n\n\n

Die Annexion eines Territoriums durch einen Staat ohne Referendum, d.h. eine Abstimmung durch die betroffene Bev\u00f6lkerung, widerspricht demokratischen Prinzipien fundamental.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Wichtiger noch sei allerdings, dass viele von der Annexion betroffene Pal\u00e4stinenser bis heute nicht \u00fcber dieselben Rechte verf\u00fcgen wie ihre israelischen Nachbarn. Statt der israelischen Staatsb\u00fcrgerschaft tragen pal\u00e4stinensische Bewohner Ostjerusalems lediglich Identit\u00e4tskarten, die sie als st\u00e4ndige Bewohner der Stadt ausweisen.<\/p>\n\n\n\n

Damit sind sie in Israel zwar steuerpflichtig, haben Zugang zu Sozialleistungen und k\u00f6nnen sich innerhalb Israel frei bewegen, staatsb\u00fcrgerlichen Rechte, wie beispielsweise das aktive und passive Wahlrecht besitzen sie allerdings nicht. Als undemokratisch bewertet Beck deshalb das \"israelische Herrschaftsregime in Jerusalem\".<\/p>\n\n\n\n

Besatzung beenden oder dieselben staatsb\u00fcrgerlichen Rechte f\u00fcr Pal\u00e4stinenser<\/h3>\n\n\n\n

Ob auch die Situation im Westjordanland und Gazastreifen eine Rolle f\u00fcr die Bewertung des politischen Systems Israels spielt, entscheidet sich dem Spezialisten f\u00fcr politische Systeme im Nahen Osten<\/a> zufolge vor allem an einer Frage: Ist die Besetzung der Gebiete ein vor\u00fcbergehendes Ph\u00e4nomen oder auf Dauer angelegt?<\/p>\n\n\n\n

Nur im letzteren Fall m\u00fcsse man das Besatzungsregime als Teil des politischen Systems Israels bewerten, so Beck. F\u00fcr den anhaltenden Charakter spreche allein schon die schiere Dauer der Besatzung: So dauert die israelische Besatzung schon \u00fcber ein halbes Jahrhundert und damit dreimal so lange wie Israel in den Grenzen von 1949 bis 1967 existierte.<\/p>\n\n\n\n

Hinzu kommen weitere Indizien: Das Scheitern des Osloer Verhandlungsprozess in den 1990er Jahren und im ersten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts, der anhaltende Siedlungsprozess sowie die weitgehenden Einigkeit unter den gro\u00dfen politischen Parteien Israels - und dass gro\u00dfe Teile des Westjordanlands dauerhaft unter israelischer Kontrolle verbleiben sollen. Beck kommt zu dem Schluss:<\/p>\n\n\n\n

Alle Indizien verweisen also darauf, dass die israelische Herrschaft \u00fcber das Westjordanland auf Dauer angelegt ist. In einer Demokratie m\u00fcsste daher allen dort Wohnenden der uneingeschr\u00e4nkte Zugang zu den staatsb\u00fcrgerlichen Rechten des politischen Gemeinwesens gew\u00e4hrt werden. Dies ist aber nicht der Fall.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Zweifelsfrei war Israel lediglich f\u00fcr sechs Monate eine Demokratie<\/h3>\n\n\n\n

W\u00e4hrend an der israelischen Besatzung des Westjordanlands kein Zweifel besteht, \u00fcberrascht, dass Beck f\u00fcr den Gazastreifen zu einer \u00e4hnlichen Bewertung kommt. Schlie\u00dflich hat Israel seine Soldaten im Jahr 2007 aus dem K\u00fcstenstreifen abgezogen und j\u00fcdische Siedlungen aufgel\u00f6st.<\/p>\n\n\n\n

Beck argumentiert, dass Israel auch heute seine Kontrolle von Land, Luft und Wasser aufrechterh\u00e4lt und die Besatzungsherrschaft damit fortsetzt, ohne \"den dort lebenden Menschen irgendeine Form demokratischer Mitwirkungsrechte zu gew\u00e4hren\".<\/p>\n\n\n\n

Mit dieser Einsch\u00e4tzung ist Beck nicht allein. Auch die Vereinten Nationen<\/a> und der Internationale Strafgerichtshof<\/a> vertreten die Auffassung, dass die israelische Besatzung \u00fcber den Gazastreifen andauert.<\/p>\n\n\n\n

F\u00fcr die Gesamtbewertung des politischen Systems Israels hat diese Frage allerdings ohnehin keine entscheidende Bedeutung mehr. Denn Becks Fazit f\u00e4llt eindeutig aus: Zweifelsfrei um eine Demokratie gehandelt habe es sich bei Israel lediglich in einem kurzen sechsmonatigen Zeitraum zwischen der Abschaffung des Milit\u00e4rrechts f\u00fcr arabische Israelis im November 1966 und dem Beginn des Sechstagekrieges im Juni 1967.<\/p>\n\n\n\n

Sp\u00e4testens mit Beginn der Besatzungsherrschaft habe Israel seinen Charakter als Demokratie verloren. F\u00fcr heutige Debatten rund um Israel empfiehlt der Nahost-Professor deshalb auf das Demokratieargument besser zu verzichten.

der\u00a0Ursprung<\/a><\/p>\n","post_title":"Die einzige Demokratie im Nahen Osten?","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-einzige-demokratie-im-nahen-osten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3775","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":53},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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\"Wir wollen vor dem Internationalen Strafgerichtshof einen juristischen Pr\u00e4zedenzfall schaffen, der zeigt, dass auch wirtschaftliche Profiteure eines Krieges mit Konsequenzen zu rechnen haben\", sagt die Rechtsanw\u00e4ltin Linde Bryk vom ECCHR.<\/p>\n\n\n\n

Vorbild sind den Verfassern der Strafanzeige die sogenannten N\u00fcrnberger Nachfolgeprozesse in Westdeutschland, als sich 1948 unter anderem die F\u00fchrungsriege des Industrieunternehmens IG Farben vor US-Milit\u00e4rrichtern f\u00fcr deren logistische Unterst\u00fctzung der nationalsozialistischen Kriegsverbrechen gerichtlich verantworten mussten. Sollte die Strafanzeige in Den Haag zur Befassung angenommen werden, k\u00f6nnten sich etwa auch deutsche R\u00fcstungsmanager vor Gericht erkl\u00e4ren m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Jahrelange Pr\u00fcfung wahrscheinlich<\/h2>\n\n\n\n

Erwartet wird, dass die Strafanzeige am Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag nun bis zu zwei Jahre lang gepr\u00fcft wird, ehe es zu einer Entscheidung \u00fcber ein m\u00f6gliches Verfahren kommt. Da weder Jemen noch Saudi-Arabien der internationalen Strafgerichtsbarkeit beigetreten sind, kann das Gericht nicht ohne Weiteres gegen Staatsb\u00fcrger dieser L\u00e4nder ermitteln.

Quelle<\/a><\/p>\n","post_title":"Anzeige gegen deutsche Waffenfirmen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"anzeige-gegen-deutsche-waffenfirmen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3778","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3775,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:37:30","post_date_gmt":"2020-08-14 13:37:30","post_content":"\n

Eine neue wissenschaftliche Untersuchung behauptet: Wirklich demokratisch war Israel nur f\u00fcr sechs Monate vor \u00fcber 40 Jahren<\/p>\n\n\n\n

Wahlen in Israel (Netanjahu gewinnt - aber wahrscheinlich keine absolute Mehrheit<\/a>) werden immer davon begleitet, dass es in Sozialen Medien turbulent zugeht: Die einen sehen Israel als \"Apartheidstaat\", in dem Wahlen allein deshalb schon bedeutungslos seien, weil Millionen Pal\u00e4stinenser in den besetzten Gebieten davon ausgeschlossen<\/a> werden. Die anderen feiern die Wahlen hingegen als abermaligen Beweis daf\u00fcr, dass es sich bei Israel um die \"einzige Demokratie im Nahen Osten\" handle.<\/p>\n\n\n\n

Wer von beiden Seiten mehr Recht hat, ist seit Jahrzehnten Gegenstand erbitterter Diskussion. W\u00e4hrend es bei Israels Nachbarstaaten wie \u00c4gypten, Saudi Arabien oder Jordanien wenig Zweifel am autorit\u00e4ren Charakter des politischen Systems gibt und formell demokratische Staaten wie Irak, Tunesien oder der Libanon in Demokratie-Ratings weit unten rangieren<\/a>, scheint die Bewertung bei Israel komplizierter.<\/p>\n\n\n\n

Uneinigkeit besteht schon dar\u00fcber, um wessen demokratische Rechte es eigentlich geht: Die von den rund 8,5 Millionen Menschen innerhalb der v\u00f6lkerrechtlich anerkannten Grenzen Israels? Oder auch jene der rund 5 Millionen Pal\u00e4stinenser im Gazastreifen und dem Westjordanland, also den Regionen, die Israel 1967 besetzt hat?<\/p>\n\n\n\n

Ob Israel eine Demokratie ist, h\u00e4ngt auch davon ab, was man unter Demokratie versteht<\/h3>\n\n\n\n

Eine Antwort auf diese Fragen hat Martin Beck<\/a> versucht zu finden. F\u00fcr das Hamburger GIGA Institut<\/em> hat der Professor f\u00fcr Nahost-Studien ein Gutachten zum politischen Systems Israels erstellt<\/a>. In der im Februar ver\u00f6ffentlichten Untersuchung listet er Argumente auf, die f\u00fcr und gegen den demokratischen Charakter des Staates sprechen. Sein Fazit zu der Frage, ob es sich bei Israel um eine Demokratie handelt: eher nicht. Israel habe \"sein fr\u00fcheres Alleinstellungsmerkmal als einzige Demokratie im Nahen und Mittleren Osten verloren\".<\/p>\n\n\n\n

Becks Analyse macht aber zun\u00e4chst ein anderes Problem deutlich: Die Frage, ob es sich bei einem Staat um eine Demokratie handelt, ist auch deshalb nicht einfach zu beantworten, weil es kein einheitliches Verst\u00e4ndnis davon gibt, was eine Demokratie eigentlich ist. In seiner Bewertung des politischen Systems Israel geht er deshalb von unterschiedlichen Definitionen aus.<\/p>\n\n\n\n

So umfasst ein \"weiter Demokratiebegriff\" zum Beispiel die Gleichheit aller Staatsb\u00fcrger. Folgt man diesem Verst\u00e4ndnis spreche die Benachteiligung der arabischen Staatsb\u00fcrger Israels gegen eine Einordnung Israel als Demokratie. Beck schreibt:<\/p>\n\n\n\n

Da die Staatsr\u00e4son Israels auf seinem j\u00fcdischen Charakter fu\u00dft und Gesetze hervorgebracht hat, die in zentralen Bereichen der Ressourcenverteilung wie beispielsweise Landbesitz arabische Israelis systematisch diskriminiert, erscheint Israel als undemokratisch.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Beck verweist allerdings darauf, dass dieses weite Demokratie-Verst\u00e4ndnis zwar unter Kritikern Israels verbreitet, in der wissenschaftlichen Debatte aber eher un\u00fcblich sei. Zudem w\u00fcrden andere als demokratisch geltende Staaten, diese Anforderungen ebenso nicht erf\u00fcllen.<\/p>\n\n\n\n

Demokratie-Pr\u00fcfung scheiterte am Milit\u00e4rrecht f\u00fcr arabische Israelis<\/h3>\n\n\n\n

Beck unterzieht Israels politisches Systems deshalb einer zweiten Pr\u00fcfung. Der amerikanische Politikwissenschaftler Robert Dahl hat acht Bedingungen formuliert, die ein politisches System mindestens erf\u00fcllen muss, um als Demokratie zu gelten.<\/p>\n\n\n\n

Diese sind: Organisationsfreiheit, Meinungsfreiheit, aktives und passives Wahlrecht, das Recht politischer Eliten auf Werbung f\u00fcr Unterst\u00fctzung und um W\u00e4hlerstimmen, der Zugang zu alternativen Informationsquellen, freie und faire Wahlen sowie die institutionelle Bindung von Regierungspolitik an Wahlen und andere Formen der Willensbildung.<\/p>\n\n\n\n

Legt man diese Minimaldefinition von Demokratie zugrunde, besteht Israel die Pr\u00fcfung. \"Mit Blick auf Israel erscheinen all diese Bedingungen nicht nur f\u00fcr seine j\u00fcdischen, sondern auch f\u00fcr seine arabischen Staatsb\u00fcrgerinnen und Staatsb\u00fcrger erf\u00fcllt\", schreibt Beck.<\/p>\n\n\n\n

Allerdings liefert er dazu eine gro\u00dfe zeitliche Einschr\u00e4nkung: So lebten in den ersten Jahren gro\u00dfe Teile der arabischen Bev\u00f6lkerung Israels unter Milit\u00e4rverwaltung und genossen nicht dieselben staatsb\u00fcrgerlichen Rechte wie der Rest der Bev\u00f6lkerung. Aufgehoben wurde das Milit\u00e4rrecht f\u00fcr arabische Israelis erst am 8. November 1966. Um einen demokratischen Staat k\u00f6nne es sich also fr\u00fchestens ab diesem Zeitpunkt handeln.<\/p>\n\n\n\n

Macht die Besatzung Israel zu einem undemokratischen Staat?<\/h3>\n\n\n\n

Nur wenige Monate folgte allerdings ein Ereignis, dass Israels Bewertung als demokratischen Staat abermals in Zweifel zieht. Im Zuge des Sechstagekrieges besetzte Israel im Juni 1967 die \u00e4gyptische Sinai-Halbinsel, den Gazastreifen, das zuvor von Jordanien kontrollierte Westjordanland und Ostjerusalem sowie die syrischen Golanh\u00f6hen.<\/p>\n\n\n\n

Die 1982 an \u00c4gypten zur\u00fcckgegebene Sinai-Halbinsel ausgenommen, dauert Israels Kontrolle \u00fcber jene Gebiete bis heute auf die ein oder andere Weise an. Spielt sie deshalb auch eine Rolle, wenn es um die Bewertung des politischen Systems Israels geht? Beck schreibt, dass \"die Errichtung der Besatzungsregime im Jahr 1967 zweifelsohne ein undemokratischer Akt [war]\", diese aber nicht zwangsl\u00e4ufig etwas am demokratischen Charakter des politischen Systems Israel \u00e4ndern w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n

Sehr wohl anrechnen lassen m\u00fcsse sich Israel aber die Situation auf den syrischen Golanh\u00f6hen und in Ostjerusalem, da diese mittlerweile ins israelische Staatsgebiet annektiert wurden. Beck schreibt:<\/p>\n\n\n\n

Die Annexion eines Territoriums durch einen Staat ohne Referendum, d.h. eine Abstimmung durch die betroffene Bev\u00f6lkerung, widerspricht demokratischen Prinzipien fundamental.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Wichtiger noch sei allerdings, dass viele von der Annexion betroffene Pal\u00e4stinenser bis heute nicht \u00fcber dieselben Rechte verf\u00fcgen wie ihre israelischen Nachbarn. Statt der israelischen Staatsb\u00fcrgerschaft tragen pal\u00e4stinensische Bewohner Ostjerusalems lediglich Identit\u00e4tskarten, die sie als st\u00e4ndige Bewohner der Stadt ausweisen.<\/p>\n\n\n\n

Damit sind sie in Israel zwar steuerpflichtig, haben Zugang zu Sozialleistungen und k\u00f6nnen sich innerhalb Israel frei bewegen, staatsb\u00fcrgerlichen Rechte, wie beispielsweise das aktive und passive Wahlrecht besitzen sie allerdings nicht. Als undemokratisch bewertet Beck deshalb das \"israelische Herrschaftsregime in Jerusalem\".<\/p>\n\n\n\n

Besatzung beenden oder dieselben staatsb\u00fcrgerlichen Rechte f\u00fcr Pal\u00e4stinenser<\/h3>\n\n\n\n

Ob auch die Situation im Westjordanland und Gazastreifen eine Rolle f\u00fcr die Bewertung des politischen Systems Israels spielt, entscheidet sich dem Spezialisten f\u00fcr politische Systeme im Nahen Osten<\/a> zufolge vor allem an einer Frage: Ist die Besetzung der Gebiete ein vor\u00fcbergehendes Ph\u00e4nomen oder auf Dauer angelegt?<\/p>\n\n\n\n

Nur im letzteren Fall m\u00fcsse man das Besatzungsregime als Teil des politischen Systems Israels bewerten, so Beck. F\u00fcr den anhaltenden Charakter spreche allein schon die schiere Dauer der Besatzung: So dauert die israelische Besatzung schon \u00fcber ein halbes Jahrhundert und damit dreimal so lange wie Israel in den Grenzen von 1949 bis 1967 existierte.<\/p>\n\n\n\n

Hinzu kommen weitere Indizien: Das Scheitern des Osloer Verhandlungsprozess in den 1990er Jahren und im ersten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts, der anhaltende Siedlungsprozess sowie die weitgehenden Einigkeit unter den gro\u00dfen politischen Parteien Israels - und dass gro\u00dfe Teile des Westjordanlands dauerhaft unter israelischer Kontrolle verbleiben sollen. Beck kommt zu dem Schluss:<\/p>\n\n\n\n

Alle Indizien verweisen also darauf, dass die israelische Herrschaft \u00fcber das Westjordanland auf Dauer angelegt ist. In einer Demokratie m\u00fcsste daher allen dort Wohnenden der uneingeschr\u00e4nkte Zugang zu den staatsb\u00fcrgerlichen Rechten des politischen Gemeinwesens gew\u00e4hrt werden. Dies ist aber nicht der Fall.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Zweifelsfrei war Israel lediglich f\u00fcr sechs Monate eine Demokratie<\/h3>\n\n\n\n

W\u00e4hrend an der israelischen Besatzung des Westjordanlands kein Zweifel besteht, \u00fcberrascht, dass Beck f\u00fcr den Gazastreifen zu einer \u00e4hnlichen Bewertung kommt. Schlie\u00dflich hat Israel seine Soldaten im Jahr 2007 aus dem K\u00fcstenstreifen abgezogen und j\u00fcdische Siedlungen aufgel\u00f6st.<\/p>\n\n\n\n

Beck argumentiert, dass Israel auch heute seine Kontrolle von Land, Luft und Wasser aufrechterh\u00e4lt und die Besatzungsherrschaft damit fortsetzt, ohne \"den dort lebenden Menschen irgendeine Form demokratischer Mitwirkungsrechte zu gew\u00e4hren\".<\/p>\n\n\n\n

Mit dieser Einsch\u00e4tzung ist Beck nicht allein. Auch die Vereinten Nationen<\/a> und der Internationale Strafgerichtshof<\/a> vertreten die Auffassung, dass die israelische Besatzung \u00fcber den Gazastreifen andauert.<\/p>\n\n\n\n

F\u00fcr die Gesamtbewertung des politischen Systems Israels hat diese Frage allerdings ohnehin keine entscheidende Bedeutung mehr. Denn Becks Fazit f\u00e4llt eindeutig aus: Zweifelsfrei um eine Demokratie gehandelt habe es sich bei Israel lediglich in einem kurzen sechsmonatigen Zeitraum zwischen der Abschaffung des Milit\u00e4rrechts f\u00fcr arabische Israelis im November 1966 und dem Beginn des Sechstagekrieges im Juni 1967.<\/p>\n\n\n\n

Sp\u00e4testens mit Beginn der Besatzungsherrschaft habe Israel seinen Charakter als Demokratie verloren. F\u00fcr heutige Debatten rund um Israel empfiehlt der Nahost-Professor deshalb auf das Demokratieargument besser zu verzichten.

der\u00a0Ursprung<\/a><\/p>\n","post_title":"Die einzige Demokratie im Nahen Osten?","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-einzige-demokratie-im-nahen-osten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3775","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":53},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Hoffnung auf einen Pr\u00e4zedenzfall<\/h2>\n\n\n\n

\"Wir wollen vor dem Internationalen Strafgerichtshof einen juristischen Pr\u00e4zedenzfall schaffen, der zeigt, dass auch wirtschaftliche Profiteure eines Krieges mit Konsequenzen zu rechnen haben\", sagt die Rechtsanw\u00e4ltin Linde Bryk vom ECCHR.<\/p>\n\n\n\n

Vorbild sind den Verfassern der Strafanzeige die sogenannten N\u00fcrnberger Nachfolgeprozesse in Westdeutschland, als sich 1948 unter anderem die F\u00fchrungsriege des Industrieunternehmens IG Farben vor US-Milit\u00e4rrichtern f\u00fcr deren logistische Unterst\u00fctzung der nationalsozialistischen Kriegsverbrechen gerichtlich verantworten mussten. Sollte die Strafanzeige in Den Haag zur Befassung angenommen werden, k\u00f6nnten sich etwa auch deutsche R\u00fcstungsmanager vor Gericht erkl\u00e4ren m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Jahrelange Pr\u00fcfung wahrscheinlich<\/h2>\n\n\n\n

Erwartet wird, dass die Strafanzeige am Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag nun bis zu zwei Jahre lang gepr\u00fcft wird, ehe es zu einer Entscheidung \u00fcber ein m\u00f6gliches Verfahren kommt. Da weder Jemen noch Saudi-Arabien der internationalen Strafgerichtsbarkeit beigetreten sind, kann das Gericht nicht ohne Weiteres gegen Staatsb\u00fcrger dieser L\u00e4nder ermitteln.

Quelle<\/a><\/p>\n","post_title":"Anzeige gegen deutsche Waffenfirmen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"anzeige-gegen-deutsche-waffenfirmen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3778","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3775,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:37:30","post_date_gmt":"2020-08-14 13:37:30","post_content":"\n

Eine neue wissenschaftliche Untersuchung behauptet: Wirklich demokratisch war Israel nur f\u00fcr sechs Monate vor \u00fcber 40 Jahren<\/p>\n\n\n\n

Wahlen in Israel (Netanjahu gewinnt - aber wahrscheinlich keine absolute Mehrheit<\/a>) werden immer davon begleitet, dass es in Sozialen Medien turbulent zugeht: Die einen sehen Israel als \"Apartheidstaat\", in dem Wahlen allein deshalb schon bedeutungslos seien, weil Millionen Pal\u00e4stinenser in den besetzten Gebieten davon ausgeschlossen<\/a> werden. Die anderen feiern die Wahlen hingegen als abermaligen Beweis daf\u00fcr, dass es sich bei Israel um die \"einzige Demokratie im Nahen Osten\" handle.<\/p>\n\n\n\n

Wer von beiden Seiten mehr Recht hat, ist seit Jahrzehnten Gegenstand erbitterter Diskussion. W\u00e4hrend es bei Israels Nachbarstaaten wie \u00c4gypten, Saudi Arabien oder Jordanien wenig Zweifel am autorit\u00e4ren Charakter des politischen Systems gibt und formell demokratische Staaten wie Irak, Tunesien oder der Libanon in Demokratie-Ratings weit unten rangieren<\/a>, scheint die Bewertung bei Israel komplizierter.<\/p>\n\n\n\n

Uneinigkeit besteht schon dar\u00fcber, um wessen demokratische Rechte es eigentlich geht: Die von den rund 8,5 Millionen Menschen innerhalb der v\u00f6lkerrechtlich anerkannten Grenzen Israels? Oder auch jene der rund 5 Millionen Pal\u00e4stinenser im Gazastreifen und dem Westjordanland, also den Regionen, die Israel 1967 besetzt hat?<\/p>\n\n\n\n

Ob Israel eine Demokratie ist, h\u00e4ngt auch davon ab, was man unter Demokratie versteht<\/h3>\n\n\n\n

Eine Antwort auf diese Fragen hat Martin Beck<\/a> versucht zu finden. F\u00fcr das Hamburger GIGA Institut<\/em> hat der Professor f\u00fcr Nahost-Studien ein Gutachten zum politischen Systems Israels erstellt<\/a>. In der im Februar ver\u00f6ffentlichten Untersuchung listet er Argumente auf, die f\u00fcr und gegen den demokratischen Charakter des Staates sprechen. Sein Fazit zu der Frage, ob es sich bei Israel um eine Demokratie handelt: eher nicht. Israel habe \"sein fr\u00fcheres Alleinstellungsmerkmal als einzige Demokratie im Nahen und Mittleren Osten verloren\".<\/p>\n\n\n\n

Becks Analyse macht aber zun\u00e4chst ein anderes Problem deutlich: Die Frage, ob es sich bei einem Staat um eine Demokratie handelt, ist auch deshalb nicht einfach zu beantworten, weil es kein einheitliches Verst\u00e4ndnis davon gibt, was eine Demokratie eigentlich ist. In seiner Bewertung des politischen Systems Israel geht er deshalb von unterschiedlichen Definitionen aus.<\/p>\n\n\n\n

So umfasst ein \"weiter Demokratiebegriff\" zum Beispiel die Gleichheit aller Staatsb\u00fcrger. Folgt man diesem Verst\u00e4ndnis spreche die Benachteiligung der arabischen Staatsb\u00fcrger Israels gegen eine Einordnung Israel als Demokratie. Beck schreibt:<\/p>\n\n\n\n

Da die Staatsr\u00e4son Israels auf seinem j\u00fcdischen Charakter fu\u00dft und Gesetze hervorgebracht hat, die in zentralen Bereichen der Ressourcenverteilung wie beispielsweise Landbesitz arabische Israelis systematisch diskriminiert, erscheint Israel als undemokratisch.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Beck verweist allerdings darauf, dass dieses weite Demokratie-Verst\u00e4ndnis zwar unter Kritikern Israels verbreitet, in der wissenschaftlichen Debatte aber eher un\u00fcblich sei. Zudem w\u00fcrden andere als demokratisch geltende Staaten, diese Anforderungen ebenso nicht erf\u00fcllen.<\/p>\n\n\n\n

Demokratie-Pr\u00fcfung scheiterte am Milit\u00e4rrecht f\u00fcr arabische Israelis<\/h3>\n\n\n\n

Beck unterzieht Israels politisches Systems deshalb einer zweiten Pr\u00fcfung. Der amerikanische Politikwissenschaftler Robert Dahl hat acht Bedingungen formuliert, die ein politisches System mindestens erf\u00fcllen muss, um als Demokratie zu gelten.<\/p>\n\n\n\n

Diese sind: Organisationsfreiheit, Meinungsfreiheit, aktives und passives Wahlrecht, das Recht politischer Eliten auf Werbung f\u00fcr Unterst\u00fctzung und um W\u00e4hlerstimmen, der Zugang zu alternativen Informationsquellen, freie und faire Wahlen sowie die institutionelle Bindung von Regierungspolitik an Wahlen und andere Formen der Willensbildung.<\/p>\n\n\n\n

Legt man diese Minimaldefinition von Demokratie zugrunde, besteht Israel die Pr\u00fcfung. \"Mit Blick auf Israel erscheinen all diese Bedingungen nicht nur f\u00fcr seine j\u00fcdischen, sondern auch f\u00fcr seine arabischen Staatsb\u00fcrgerinnen und Staatsb\u00fcrger erf\u00fcllt\", schreibt Beck.<\/p>\n\n\n\n

Allerdings liefert er dazu eine gro\u00dfe zeitliche Einschr\u00e4nkung: So lebten in den ersten Jahren gro\u00dfe Teile der arabischen Bev\u00f6lkerung Israels unter Milit\u00e4rverwaltung und genossen nicht dieselben staatsb\u00fcrgerlichen Rechte wie der Rest der Bev\u00f6lkerung. Aufgehoben wurde das Milit\u00e4rrecht f\u00fcr arabische Israelis erst am 8. November 1966. Um einen demokratischen Staat k\u00f6nne es sich also fr\u00fchestens ab diesem Zeitpunkt handeln.<\/p>\n\n\n\n

Macht die Besatzung Israel zu einem undemokratischen Staat?<\/h3>\n\n\n\n

Nur wenige Monate folgte allerdings ein Ereignis, dass Israels Bewertung als demokratischen Staat abermals in Zweifel zieht. Im Zuge des Sechstagekrieges besetzte Israel im Juni 1967 die \u00e4gyptische Sinai-Halbinsel, den Gazastreifen, das zuvor von Jordanien kontrollierte Westjordanland und Ostjerusalem sowie die syrischen Golanh\u00f6hen.<\/p>\n\n\n\n

Die 1982 an \u00c4gypten zur\u00fcckgegebene Sinai-Halbinsel ausgenommen, dauert Israels Kontrolle \u00fcber jene Gebiete bis heute auf die ein oder andere Weise an. Spielt sie deshalb auch eine Rolle, wenn es um die Bewertung des politischen Systems Israels geht? Beck schreibt, dass \"die Errichtung der Besatzungsregime im Jahr 1967 zweifelsohne ein undemokratischer Akt [war]\", diese aber nicht zwangsl\u00e4ufig etwas am demokratischen Charakter des politischen Systems Israel \u00e4ndern w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n

Sehr wohl anrechnen lassen m\u00fcsse sich Israel aber die Situation auf den syrischen Golanh\u00f6hen und in Ostjerusalem, da diese mittlerweile ins israelische Staatsgebiet annektiert wurden. Beck schreibt:<\/p>\n\n\n\n

Die Annexion eines Territoriums durch einen Staat ohne Referendum, d.h. eine Abstimmung durch die betroffene Bev\u00f6lkerung, widerspricht demokratischen Prinzipien fundamental.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Wichtiger noch sei allerdings, dass viele von der Annexion betroffene Pal\u00e4stinenser bis heute nicht \u00fcber dieselben Rechte verf\u00fcgen wie ihre israelischen Nachbarn. Statt der israelischen Staatsb\u00fcrgerschaft tragen pal\u00e4stinensische Bewohner Ostjerusalems lediglich Identit\u00e4tskarten, die sie als st\u00e4ndige Bewohner der Stadt ausweisen.<\/p>\n\n\n\n

Damit sind sie in Israel zwar steuerpflichtig, haben Zugang zu Sozialleistungen und k\u00f6nnen sich innerhalb Israel frei bewegen, staatsb\u00fcrgerlichen Rechte, wie beispielsweise das aktive und passive Wahlrecht besitzen sie allerdings nicht. Als undemokratisch bewertet Beck deshalb das \"israelische Herrschaftsregime in Jerusalem\".<\/p>\n\n\n\n

Besatzung beenden oder dieselben staatsb\u00fcrgerlichen Rechte f\u00fcr Pal\u00e4stinenser<\/h3>\n\n\n\n

Ob auch die Situation im Westjordanland und Gazastreifen eine Rolle f\u00fcr die Bewertung des politischen Systems Israels spielt, entscheidet sich dem Spezialisten f\u00fcr politische Systeme im Nahen Osten<\/a> zufolge vor allem an einer Frage: Ist die Besetzung der Gebiete ein vor\u00fcbergehendes Ph\u00e4nomen oder auf Dauer angelegt?<\/p>\n\n\n\n

Nur im letzteren Fall m\u00fcsse man das Besatzungsregime als Teil des politischen Systems Israels bewerten, so Beck. F\u00fcr den anhaltenden Charakter spreche allein schon die schiere Dauer der Besatzung: So dauert die israelische Besatzung schon \u00fcber ein halbes Jahrhundert und damit dreimal so lange wie Israel in den Grenzen von 1949 bis 1967 existierte.<\/p>\n\n\n\n

Hinzu kommen weitere Indizien: Das Scheitern des Osloer Verhandlungsprozess in den 1990er Jahren und im ersten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts, der anhaltende Siedlungsprozess sowie die weitgehenden Einigkeit unter den gro\u00dfen politischen Parteien Israels - und dass gro\u00dfe Teile des Westjordanlands dauerhaft unter israelischer Kontrolle verbleiben sollen. Beck kommt zu dem Schluss:<\/p>\n\n\n\n

Alle Indizien verweisen also darauf, dass die israelische Herrschaft \u00fcber das Westjordanland auf Dauer angelegt ist. In einer Demokratie m\u00fcsste daher allen dort Wohnenden der uneingeschr\u00e4nkte Zugang zu den staatsb\u00fcrgerlichen Rechten des politischen Gemeinwesens gew\u00e4hrt werden. Dies ist aber nicht der Fall.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Zweifelsfrei war Israel lediglich f\u00fcr sechs Monate eine Demokratie<\/h3>\n\n\n\n

W\u00e4hrend an der israelischen Besatzung des Westjordanlands kein Zweifel besteht, \u00fcberrascht, dass Beck f\u00fcr den Gazastreifen zu einer \u00e4hnlichen Bewertung kommt. Schlie\u00dflich hat Israel seine Soldaten im Jahr 2007 aus dem K\u00fcstenstreifen abgezogen und j\u00fcdische Siedlungen aufgel\u00f6st.<\/p>\n\n\n\n

Beck argumentiert, dass Israel auch heute seine Kontrolle von Land, Luft und Wasser aufrechterh\u00e4lt und die Besatzungsherrschaft damit fortsetzt, ohne \"den dort lebenden Menschen irgendeine Form demokratischer Mitwirkungsrechte zu gew\u00e4hren\".<\/p>\n\n\n\n

Mit dieser Einsch\u00e4tzung ist Beck nicht allein. Auch die Vereinten Nationen<\/a> und der Internationale Strafgerichtshof<\/a> vertreten die Auffassung, dass die israelische Besatzung \u00fcber den Gazastreifen andauert.<\/p>\n\n\n\n

F\u00fcr die Gesamtbewertung des politischen Systems Israels hat diese Frage allerdings ohnehin keine entscheidende Bedeutung mehr. Denn Becks Fazit f\u00e4llt eindeutig aus: Zweifelsfrei um eine Demokratie gehandelt habe es sich bei Israel lediglich in einem kurzen sechsmonatigen Zeitraum zwischen der Abschaffung des Milit\u00e4rrechts f\u00fcr arabische Israelis im November 1966 und dem Beginn des Sechstagekrieges im Juni 1967.<\/p>\n\n\n\n

Sp\u00e4testens mit Beginn der Besatzungsherrschaft habe Israel seinen Charakter als Demokratie verloren. F\u00fcr heutige Debatten rund um Israel empfiehlt der Nahost-Professor deshalb auf das Demokratieargument besser zu verzichten.

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Das ECCHR und seine Partner, darunter die jemenitische Menschenrechtsorganisation Mwatana, wollen dennoch vor dem Internationalen Strafgerichtshof unter anderem kl\u00e4ren lassen, ob sich die R\u00fcstungsmanager entsprechend dem internationalen V\u00f6lkerstrafrecht mitschuldig gemacht haben - und betreten damit in Den Haag juristisches Neuland. <\/p>\n\n\n\n

Hoffnung auf einen Pr\u00e4zedenzfall<\/h2>\n\n\n\n

\"Wir wollen vor dem Internationalen Strafgerichtshof einen juristischen Pr\u00e4zedenzfall schaffen, der zeigt, dass auch wirtschaftliche Profiteure eines Krieges mit Konsequenzen zu rechnen haben\", sagt die Rechtsanw\u00e4ltin Linde Bryk vom ECCHR.<\/p>\n\n\n\n

Vorbild sind den Verfassern der Strafanzeige die sogenannten N\u00fcrnberger Nachfolgeprozesse in Westdeutschland, als sich 1948 unter anderem die F\u00fchrungsriege des Industrieunternehmens IG Farben vor US-Milit\u00e4rrichtern f\u00fcr deren logistische Unterst\u00fctzung der nationalsozialistischen Kriegsverbrechen gerichtlich verantworten mussten. Sollte die Strafanzeige in Den Haag zur Befassung angenommen werden, k\u00f6nnten sich etwa auch deutsche R\u00fcstungsmanager vor Gericht erkl\u00e4ren m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Jahrelange Pr\u00fcfung wahrscheinlich<\/h2>\n\n\n\n

Erwartet wird, dass die Strafanzeige am Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag nun bis zu zwei Jahre lang gepr\u00fcft wird, ehe es zu einer Entscheidung \u00fcber ein m\u00f6gliches Verfahren kommt. Da weder Jemen noch Saudi-Arabien der internationalen Strafgerichtsbarkeit beigetreten sind, kann das Gericht nicht ohne Weiteres gegen Staatsb\u00fcrger dieser L\u00e4nder ermitteln.

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Eine neue wissenschaftliche Untersuchung behauptet: Wirklich demokratisch war Israel nur f\u00fcr sechs Monate vor \u00fcber 40 Jahren<\/p>\n\n\n\n

Wahlen in Israel (Netanjahu gewinnt - aber wahrscheinlich keine absolute Mehrheit<\/a>) werden immer davon begleitet, dass es in Sozialen Medien turbulent zugeht: Die einen sehen Israel als \"Apartheidstaat\", in dem Wahlen allein deshalb schon bedeutungslos seien, weil Millionen Pal\u00e4stinenser in den besetzten Gebieten davon ausgeschlossen<\/a> werden. Die anderen feiern die Wahlen hingegen als abermaligen Beweis daf\u00fcr, dass es sich bei Israel um die \"einzige Demokratie im Nahen Osten\" handle.<\/p>\n\n\n\n

Wer von beiden Seiten mehr Recht hat, ist seit Jahrzehnten Gegenstand erbitterter Diskussion. W\u00e4hrend es bei Israels Nachbarstaaten wie \u00c4gypten, Saudi Arabien oder Jordanien wenig Zweifel am autorit\u00e4ren Charakter des politischen Systems gibt und formell demokratische Staaten wie Irak, Tunesien oder der Libanon in Demokratie-Ratings weit unten rangieren<\/a>, scheint die Bewertung bei Israel komplizierter.<\/p>\n\n\n\n

Uneinigkeit besteht schon dar\u00fcber, um wessen demokratische Rechte es eigentlich geht: Die von den rund 8,5 Millionen Menschen innerhalb der v\u00f6lkerrechtlich anerkannten Grenzen Israels? Oder auch jene der rund 5 Millionen Pal\u00e4stinenser im Gazastreifen und dem Westjordanland, also den Regionen, die Israel 1967 besetzt hat?<\/p>\n\n\n\n

Ob Israel eine Demokratie ist, h\u00e4ngt auch davon ab, was man unter Demokratie versteht<\/h3>\n\n\n\n

Eine Antwort auf diese Fragen hat Martin Beck<\/a> versucht zu finden. F\u00fcr das Hamburger GIGA Institut<\/em> hat der Professor f\u00fcr Nahost-Studien ein Gutachten zum politischen Systems Israels erstellt<\/a>. In der im Februar ver\u00f6ffentlichten Untersuchung listet er Argumente auf, die f\u00fcr und gegen den demokratischen Charakter des Staates sprechen. Sein Fazit zu der Frage, ob es sich bei Israel um eine Demokratie handelt: eher nicht. Israel habe \"sein fr\u00fcheres Alleinstellungsmerkmal als einzige Demokratie im Nahen und Mittleren Osten verloren\".<\/p>\n\n\n\n

Becks Analyse macht aber zun\u00e4chst ein anderes Problem deutlich: Die Frage, ob es sich bei einem Staat um eine Demokratie handelt, ist auch deshalb nicht einfach zu beantworten, weil es kein einheitliches Verst\u00e4ndnis davon gibt, was eine Demokratie eigentlich ist. In seiner Bewertung des politischen Systems Israel geht er deshalb von unterschiedlichen Definitionen aus.<\/p>\n\n\n\n

So umfasst ein \"weiter Demokratiebegriff\" zum Beispiel die Gleichheit aller Staatsb\u00fcrger. Folgt man diesem Verst\u00e4ndnis spreche die Benachteiligung der arabischen Staatsb\u00fcrger Israels gegen eine Einordnung Israel als Demokratie. Beck schreibt:<\/p>\n\n\n\n

Da die Staatsr\u00e4son Israels auf seinem j\u00fcdischen Charakter fu\u00dft und Gesetze hervorgebracht hat, die in zentralen Bereichen der Ressourcenverteilung wie beispielsweise Landbesitz arabische Israelis systematisch diskriminiert, erscheint Israel als undemokratisch.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Beck verweist allerdings darauf, dass dieses weite Demokratie-Verst\u00e4ndnis zwar unter Kritikern Israels verbreitet, in der wissenschaftlichen Debatte aber eher un\u00fcblich sei. Zudem w\u00fcrden andere als demokratisch geltende Staaten, diese Anforderungen ebenso nicht erf\u00fcllen.<\/p>\n\n\n\n

Demokratie-Pr\u00fcfung scheiterte am Milit\u00e4rrecht f\u00fcr arabische Israelis<\/h3>\n\n\n\n

Beck unterzieht Israels politisches Systems deshalb einer zweiten Pr\u00fcfung. Der amerikanische Politikwissenschaftler Robert Dahl hat acht Bedingungen formuliert, die ein politisches System mindestens erf\u00fcllen muss, um als Demokratie zu gelten.<\/p>\n\n\n\n

Diese sind: Organisationsfreiheit, Meinungsfreiheit, aktives und passives Wahlrecht, das Recht politischer Eliten auf Werbung f\u00fcr Unterst\u00fctzung und um W\u00e4hlerstimmen, der Zugang zu alternativen Informationsquellen, freie und faire Wahlen sowie die institutionelle Bindung von Regierungspolitik an Wahlen und andere Formen der Willensbildung.<\/p>\n\n\n\n

Legt man diese Minimaldefinition von Demokratie zugrunde, besteht Israel die Pr\u00fcfung. \"Mit Blick auf Israel erscheinen all diese Bedingungen nicht nur f\u00fcr seine j\u00fcdischen, sondern auch f\u00fcr seine arabischen Staatsb\u00fcrgerinnen und Staatsb\u00fcrger erf\u00fcllt\", schreibt Beck.<\/p>\n\n\n\n

Allerdings liefert er dazu eine gro\u00dfe zeitliche Einschr\u00e4nkung: So lebten in den ersten Jahren gro\u00dfe Teile der arabischen Bev\u00f6lkerung Israels unter Milit\u00e4rverwaltung und genossen nicht dieselben staatsb\u00fcrgerlichen Rechte wie der Rest der Bev\u00f6lkerung. Aufgehoben wurde das Milit\u00e4rrecht f\u00fcr arabische Israelis erst am 8. November 1966. Um einen demokratischen Staat k\u00f6nne es sich also fr\u00fchestens ab diesem Zeitpunkt handeln.<\/p>\n\n\n\n

Macht die Besatzung Israel zu einem undemokratischen Staat?<\/h3>\n\n\n\n

Nur wenige Monate folgte allerdings ein Ereignis, dass Israels Bewertung als demokratischen Staat abermals in Zweifel zieht. Im Zuge des Sechstagekrieges besetzte Israel im Juni 1967 die \u00e4gyptische Sinai-Halbinsel, den Gazastreifen, das zuvor von Jordanien kontrollierte Westjordanland und Ostjerusalem sowie die syrischen Golanh\u00f6hen.<\/p>\n\n\n\n

Die 1982 an \u00c4gypten zur\u00fcckgegebene Sinai-Halbinsel ausgenommen, dauert Israels Kontrolle \u00fcber jene Gebiete bis heute auf die ein oder andere Weise an. Spielt sie deshalb auch eine Rolle, wenn es um die Bewertung des politischen Systems Israels geht? Beck schreibt, dass \"die Errichtung der Besatzungsregime im Jahr 1967 zweifelsohne ein undemokratischer Akt [war]\", diese aber nicht zwangsl\u00e4ufig etwas am demokratischen Charakter des politischen Systems Israel \u00e4ndern w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n

Sehr wohl anrechnen lassen m\u00fcsse sich Israel aber die Situation auf den syrischen Golanh\u00f6hen und in Ostjerusalem, da diese mittlerweile ins israelische Staatsgebiet annektiert wurden. Beck schreibt:<\/p>\n\n\n\n

Die Annexion eines Territoriums durch einen Staat ohne Referendum, d.h. eine Abstimmung durch die betroffene Bev\u00f6lkerung, widerspricht demokratischen Prinzipien fundamental.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Wichtiger noch sei allerdings, dass viele von der Annexion betroffene Pal\u00e4stinenser bis heute nicht \u00fcber dieselben Rechte verf\u00fcgen wie ihre israelischen Nachbarn. Statt der israelischen Staatsb\u00fcrgerschaft tragen pal\u00e4stinensische Bewohner Ostjerusalems lediglich Identit\u00e4tskarten, die sie als st\u00e4ndige Bewohner der Stadt ausweisen.<\/p>\n\n\n\n

Damit sind sie in Israel zwar steuerpflichtig, haben Zugang zu Sozialleistungen und k\u00f6nnen sich innerhalb Israel frei bewegen, staatsb\u00fcrgerlichen Rechte, wie beispielsweise das aktive und passive Wahlrecht besitzen sie allerdings nicht. Als undemokratisch bewertet Beck deshalb das \"israelische Herrschaftsregime in Jerusalem\".<\/p>\n\n\n\n

Besatzung beenden oder dieselben staatsb\u00fcrgerlichen Rechte f\u00fcr Pal\u00e4stinenser<\/h3>\n\n\n\n

Ob auch die Situation im Westjordanland und Gazastreifen eine Rolle f\u00fcr die Bewertung des politischen Systems Israels spielt, entscheidet sich dem Spezialisten f\u00fcr politische Systeme im Nahen Osten<\/a> zufolge vor allem an einer Frage: Ist die Besetzung der Gebiete ein vor\u00fcbergehendes Ph\u00e4nomen oder auf Dauer angelegt?<\/p>\n\n\n\n

Nur im letzteren Fall m\u00fcsse man das Besatzungsregime als Teil des politischen Systems Israels bewerten, so Beck. F\u00fcr den anhaltenden Charakter spreche allein schon die schiere Dauer der Besatzung: So dauert die israelische Besatzung schon \u00fcber ein halbes Jahrhundert und damit dreimal so lange wie Israel in den Grenzen von 1949 bis 1967 existierte.<\/p>\n\n\n\n

Hinzu kommen weitere Indizien: Das Scheitern des Osloer Verhandlungsprozess in den 1990er Jahren und im ersten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts, der anhaltende Siedlungsprozess sowie die weitgehenden Einigkeit unter den gro\u00dfen politischen Parteien Israels - und dass gro\u00dfe Teile des Westjordanlands dauerhaft unter israelischer Kontrolle verbleiben sollen. Beck kommt zu dem Schluss:<\/p>\n\n\n\n

Alle Indizien verweisen also darauf, dass die israelische Herrschaft \u00fcber das Westjordanland auf Dauer angelegt ist. In einer Demokratie m\u00fcsste daher allen dort Wohnenden der uneingeschr\u00e4nkte Zugang zu den staatsb\u00fcrgerlichen Rechten des politischen Gemeinwesens gew\u00e4hrt werden. Dies ist aber nicht der Fall.<\/p>Martin Beck<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n

Zweifelsfrei war Israel lediglich f\u00fcr sechs Monate eine Demokratie<\/h3>\n\n\n\n

W\u00e4hrend an der israelischen Besatzung des Westjordanlands kein Zweifel besteht, \u00fcberrascht, dass Beck f\u00fcr den Gazastreifen zu einer \u00e4hnlichen Bewertung kommt. Schlie\u00dflich hat Israel seine Soldaten im Jahr 2007 aus dem K\u00fcstenstreifen abgezogen und j\u00fcdische Siedlungen aufgel\u00f6st.<\/p>\n\n\n\n

Beck argumentiert, dass Israel auch heute seine Kontrolle von Land, Luft und Wasser aufrechterh\u00e4lt und die Besatzungsherrschaft damit fortsetzt, ohne \"den dort lebenden Menschen irgendeine Form demokratischer Mitwirkungsrechte zu gew\u00e4hren\".<\/p>\n\n\n\n

Mit dieser Einsch\u00e4tzung ist Beck nicht allein. Auch die Vereinten Nationen<\/a> und der Internationale Strafgerichtshof<\/a> vertreten die Auffassung, dass die israelische Besatzung \u00fcber den Gazastreifen andauert.<\/p>\n\n\n\n

F\u00fcr die Gesamtbewertung des politischen Systems Israels hat diese Frage allerdings ohnehin keine entscheidende Bedeutung mehr. Denn Becks Fazit f\u00e4llt eindeutig aus: Zweifelsfrei um eine Demokratie gehandelt habe es sich bei Israel lediglich in einem kurzen sechsmonatigen Zeitraum zwischen der Abschaffung des Milit\u00e4rrechts f\u00fcr arabische Israelis im November 1966 und dem Beginn des Sechstagekrieges im Juni 1967.<\/p>\n\n\n\n

Sp\u00e4testens mit Beginn der Besatzungsherrschaft habe Israel seinen Charakter als Demokratie verloren. F\u00fcr heutige Debatten rund um Israel empfiehlt der Nahost-Professor deshalb auf das Demokratieargument besser zu verzichten.

der\u00a0Ursprung<\/a><\/p>\n","post_title":"Die einzige Demokratie im Nahen Osten?","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"die-einzige-demokratie-im-nahen-osten","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3775","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":53},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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