Zu diesem Zweck sollten die Europ\u00e4er klarstellen, dass der EU-Beitrittsprozess entweder zur\u00fcckgedreht oder vorangetrieben werden kann und dass eine eher transaktionale Beziehung sowohl Zuckerbrot als auch Peitsche beinhaltet. Die Herausforderung wird darin bestehen, daf\u00fcr zu sorgen, dass es in einer Region, die nicht nur von Europa und der T\u00fcrkei, sondern auch von Russland, den USA und einem aufstrebenden China beeinflusst wird, noch Raum f\u00fcr politisches Engagement in Fragen der gemeinsamen Sicherheit gibt. (Mark Leonard, \u00dcbersetzung: Eva G\u00f6llner, Copyright: Project Syndicate, 10.8.2020)<\/p>\n\n\n\n
Die T\u00fcrkei ist noch kein neues Russland, aber sie k\u00f6nnte dazu werden, wenn die Situation falsch gehandhabt wird. Vorerst betrachten die meisten Europ\u00e4er die T\u00fcrkei noch immer als einen komplizierten Partner und nicht als \"Systemrivalen\". Aber die Europ\u00e4er sollten die hart erk\u00e4mpften Lehren aus dem Umgang mit Russland in den letzten 15 Jahren beherzigen. Die Beziehungen zwischen der EU und der T\u00fcrkei brauchen neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen, um eine weitere Destabilisierung in der Region zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n
Zu diesem Zweck sollten die Europ\u00e4er klarstellen, dass der EU-Beitrittsprozess entweder zur\u00fcckgedreht oder vorangetrieben werden kann und dass eine eher transaktionale Beziehung sowohl Zuckerbrot als auch Peitsche beinhaltet. Die Herausforderung wird darin bestehen, daf\u00fcr zu sorgen, dass es in einer Region, die nicht nur von Europa und der T\u00fcrkei, sondern auch von Russland, den USA und einem aufstrebenden China beeinflusst wird, noch Raum f\u00fcr politisches Engagement in Fragen der gemeinsamen Sicherheit gibt. (Mark Leonard, \u00dcbersetzung: Eva G\u00f6llner, Copyright: Project Syndicate, 10.8.2020)<\/p>\n\n\n\n
Mark Leonard <\/strong>ist Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen.<\/a><\/p>\n","post_title":"Erdo\u011fan \u2013 der andere Putin vor der Haust\u00fcr Europas","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"erdogan-der-andere-putin-vor-der-haustur-europas","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3789","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":39},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};
\n Jahrelang redeten sich die Europ\u00e4er ein, dass Russland eine Art verlorener Sohn sei und dass die europ\u00e4ische unipolare Ordnung gesund bleibe. Doch das machte Europa zu einem leichten Ziel f\u00fcr die Trennungs-und-Eroberungs-Strategie des Kreml. Erst vor relativ kurzer Zeit entwarf die Union eine neue Politik und ein robustes Sanktionsregime, um die russische Aggression abzuschrecken. Und selbst jetzt \u2013 trotz der besten Bem\u00fchungen der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und des franz\u00f6sischen Pr\u00e4sidenten Emmanuel Macron \u2013 hat die EU noch immer keine wirksamen Kommunikationskan\u00e4le mit Russland geschaffen, um gemeinsame Probleme anzugehen.<\/p>\n\n\n\n Die T\u00fcrkei ist noch kein neues Russland, aber sie k\u00f6nnte dazu werden, wenn die Situation falsch gehandhabt wird. Vorerst betrachten die meisten Europ\u00e4er die T\u00fcrkei noch immer als einen komplizierten Partner und nicht als \"Systemrivalen\". Aber die Europ\u00e4er sollten die hart erk\u00e4mpften Lehren aus dem Umgang mit Russland in den letzten 15 Jahren beherzigen. Die Beziehungen zwischen der EU und der T\u00fcrkei brauchen neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen, um eine weitere Destabilisierung in der Region zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n Zu diesem Zweck sollten die Europ\u00e4er klarstellen, dass der EU-Beitrittsprozess entweder zur\u00fcckgedreht oder vorangetrieben werden kann und dass eine eher transaktionale Beziehung sowohl Zuckerbrot als auch Peitsche beinhaltet. Die Herausforderung wird darin bestehen, daf\u00fcr zu sorgen, dass es in einer Region, die nicht nur von Europa und der T\u00fcrkei, sondern auch von Russland, den USA und einem aufstrebenden China beeinflusst wird, noch Raum f\u00fcr politisches Engagement in Fragen der gemeinsamen Sicherheit gibt. (Mark Leonard, \u00dcbersetzung: Eva G\u00f6llner, Copyright: Project Syndicate, 10.8.2020)<\/p>\n\n\n\n Mark Leonard <\/strong>ist Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen.<\/a><\/p>\n","post_title":"Erdo\u011fan \u2013 der andere Putin vor der Haust\u00fcr Europas","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"erdogan-der-andere-putin-vor-der-haustur-europas","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3789","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":39},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};
\n Jahrelang redeten sich die Europ\u00e4er ein, dass Russland eine Art verlorener Sohn sei und dass die europ\u00e4ische unipolare Ordnung gesund bleibe. Doch das machte Europa zu einem leichten Ziel f\u00fcr die Trennungs-und-Eroberungs-Strategie des Kreml. Erst vor relativ kurzer Zeit entwarf die Union eine neue Politik und ein robustes Sanktionsregime, um die russische Aggression abzuschrecken. Und selbst jetzt \u2013 trotz der besten Bem\u00fchungen der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und des franz\u00f6sischen Pr\u00e4sidenten Emmanuel Macron \u2013 hat die EU noch immer keine wirksamen Kommunikationskan\u00e4le mit Russland geschaffen, um gemeinsame Probleme anzugehen.<\/p>\n\n\n\n Die T\u00fcrkei ist noch kein neues Russland, aber sie k\u00f6nnte dazu werden, wenn die Situation falsch gehandhabt wird. Vorerst betrachten die meisten Europ\u00e4er die T\u00fcrkei noch immer als einen komplizierten Partner und nicht als \"Systemrivalen\". Aber die Europ\u00e4er sollten die hart erk\u00e4mpften Lehren aus dem Umgang mit Russland in den letzten 15 Jahren beherzigen. Die Beziehungen zwischen der EU und der T\u00fcrkei brauchen neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen, um eine weitere Destabilisierung in der Region zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n Zu diesem Zweck sollten die Europ\u00e4er klarstellen, dass der EU-Beitrittsprozess entweder zur\u00fcckgedreht oder vorangetrieben werden kann und dass eine eher transaktionale Beziehung sowohl Zuckerbrot als auch Peitsche beinhaltet. Die Herausforderung wird darin bestehen, daf\u00fcr zu sorgen, dass es in einer Region, die nicht nur von Europa und der T\u00fcrkei, sondern auch von Russland, den USA und einem aufstrebenden China beeinflusst wird, noch Raum f\u00fcr politisches Engagement in Fragen der gemeinsamen Sicherheit gibt. (Mark Leonard, \u00dcbersetzung: Eva G\u00f6llner, Copyright: Project Syndicate, 10.8.2020)<\/p>\n\n\n\n Mark Leonard <\/strong>ist Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen.<\/a><\/p>\n","post_title":"Erdo\u011fan \u2013 der andere Putin vor der Haust\u00fcr Europas","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"erdogan-der-andere-putin-vor-der-haustur-europas","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3789","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":39},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};
\n Erdo\u011fan scheint auch von der Spalt-und-Eroberungs-Strategie des Kreml in Europa inspiriert worden zu sein, der zufolge oft diejenigen EU-Mitgliedsstaaten unter Druck gesetzt werden, die am meisten von russischen Kohlenwasserstoffen oder M\u00e4rkten abh\u00e4ngig sind. So wie Putin lange Zeit die Energieversorgung instrumentalisiert hat, hat Erdo\u011fan versucht, den Strom von Migranten und Fl\u00fcchtlingen, die vor Konflikten im Nahen Osten fliehen, zu instrumentalisieren. Als die EU eine neue Marinemission ank\u00fcndigte, um den Waffenstrom nach Libyen zu blockieren, malte die T\u00fcrkei f\u00fcr Malta das Schreckgespenst der angeblichen Bedrohung durch Migranten an die Wand. Malta reagierte prompt und signalisierte, dass es gegen die Finanzierung der Mission ein Veto einlegen werde.<\/p>\n\n\n\n Jahrelang redeten sich die Europ\u00e4er ein, dass Russland eine Art verlorener Sohn sei und dass die europ\u00e4ische unipolare Ordnung gesund bleibe. Doch das machte Europa zu einem leichten Ziel f\u00fcr die Trennungs-und-Eroberungs-Strategie des Kreml. Erst vor relativ kurzer Zeit entwarf die Union eine neue Politik und ein robustes Sanktionsregime, um die russische Aggression abzuschrecken. Und selbst jetzt \u2013 trotz der besten Bem\u00fchungen der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und des franz\u00f6sischen Pr\u00e4sidenten Emmanuel Macron \u2013 hat die EU noch immer keine wirksamen Kommunikationskan\u00e4le mit Russland geschaffen, um gemeinsame Probleme anzugehen.<\/p>\n\n\n\n Die T\u00fcrkei ist noch kein neues Russland, aber sie k\u00f6nnte dazu werden, wenn die Situation falsch gehandhabt wird. Vorerst betrachten die meisten Europ\u00e4er die T\u00fcrkei noch immer als einen komplizierten Partner und nicht als \"Systemrivalen\". Aber die Europ\u00e4er sollten die hart erk\u00e4mpften Lehren aus dem Umgang mit Russland in den letzten 15 Jahren beherzigen. Die Beziehungen zwischen der EU und der T\u00fcrkei brauchen neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen, um eine weitere Destabilisierung in der Region zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n Zu diesem Zweck sollten die Europ\u00e4er klarstellen, dass der EU-Beitrittsprozess entweder zur\u00fcckgedreht oder vorangetrieben werden kann und dass eine eher transaktionale Beziehung sowohl Zuckerbrot als auch Peitsche beinhaltet. Die Herausforderung wird darin bestehen, daf\u00fcr zu sorgen, dass es in einer Region, die nicht nur von Europa und der T\u00fcrkei, sondern auch von Russland, den USA und einem aufstrebenden China beeinflusst wird, noch Raum f\u00fcr politisches Engagement in Fragen der gemeinsamen Sicherheit gibt. (Mark Leonard, \u00dcbersetzung: Eva G\u00f6llner, Copyright: Project Syndicate, 10.8.2020)<\/p>\n\n\n\n Mark Leonard <\/strong>ist Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen.<\/a><\/p>\n","post_title":"Erdo\u011fan \u2013 der andere Putin vor der Haust\u00fcr Europas","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"erdogan-der-andere-putin-vor-der-haustur-europas","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3789","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":39},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};
\n Angesichts des wachsenden Widerstands im eigenen Land macht es Erdo\u011fan Putin gleich. Da der Westen nicht bereit war, (erneut) milit\u00e4risch in Libyen zu intervenieren, sah Erdo\u011fan eine Gelegenheit, die T\u00fcrkei zu positionieren. Nach dem Vorgehen Russlands in Syrien sicherte er sich eine formelle Einladung der libyschen Regierung zur Intervention. Mit einem Schlag Ende letzten Jahres hat er nicht nur das Image der T\u00fcrkei als Regionalmacht gest\u00e4rkt, sondern auch ein Abkommen mit Libyen \u00fcber die Seegrenze abgeschlossen und damit einen Plan Griechenlands, Zyperns, \u00c4gyptens und Israels zur Erschlie\u00dfung von Unterwasser\u00f6l- und -gasfeldern in der N\u00e4he zunichtegemacht.<\/p>\n\n\n\n Erdo\u011fan scheint auch von der Spalt-und-Eroberungs-Strategie des Kreml in Europa inspiriert worden zu sein, der zufolge oft diejenigen EU-Mitgliedsstaaten unter Druck gesetzt werden, die am meisten von russischen Kohlenwasserstoffen oder M\u00e4rkten abh\u00e4ngig sind. So wie Putin lange Zeit die Energieversorgung instrumentalisiert hat, hat Erdo\u011fan versucht, den Strom von Migranten und Fl\u00fcchtlingen, die vor Konflikten im Nahen Osten fliehen, zu instrumentalisieren. Als die EU eine neue Marinemission ank\u00fcndigte, um den Waffenstrom nach Libyen zu blockieren, malte die T\u00fcrkei f\u00fcr Malta das Schreckgespenst der angeblichen Bedrohung durch Migranten an die Wand. Malta reagierte prompt und signalisierte, dass es gegen die Finanzierung der Mission ein Veto einlegen werde.<\/p>\n\n\n\n Jahrelang redeten sich die Europ\u00e4er ein, dass Russland eine Art verlorener Sohn sei und dass die europ\u00e4ische unipolare Ordnung gesund bleibe. Doch das machte Europa zu einem leichten Ziel f\u00fcr die Trennungs-und-Eroberungs-Strategie des Kreml. Erst vor relativ kurzer Zeit entwarf die Union eine neue Politik und ein robustes Sanktionsregime, um die russische Aggression abzuschrecken. Und selbst jetzt \u2013 trotz der besten Bem\u00fchungen der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und des franz\u00f6sischen Pr\u00e4sidenten Emmanuel Macron \u2013 hat die EU noch immer keine wirksamen Kommunikationskan\u00e4le mit Russland geschaffen, um gemeinsame Probleme anzugehen.<\/p>\n\n\n\n Die T\u00fcrkei ist noch kein neues Russland, aber sie k\u00f6nnte dazu werden, wenn die Situation falsch gehandhabt wird. Vorerst betrachten die meisten Europ\u00e4er die T\u00fcrkei noch immer als einen komplizierten Partner und nicht als \"Systemrivalen\". Aber die Europ\u00e4er sollten die hart erk\u00e4mpften Lehren aus dem Umgang mit Russland in den letzten 15 Jahren beherzigen. Die Beziehungen zwischen der EU und der T\u00fcrkei brauchen neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen, um eine weitere Destabilisierung in der Region zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n Zu diesem Zweck sollten die Europ\u00e4er klarstellen, dass der EU-Beitrittsprozess entweder zur\u00fcckgedreht oder vorangetrieben werden kann und dass eine eher transaktionale Beziehung sowohl Zuckerbrot als auch Peitsche beinhaltet. Die Herausforderung wird darin bestehen, daf\u00fcr zu sorgen, dass es in einer Region, die nicht nur von Europa und der T\u00fcrkei, sondern auch von Russland, den USA und einem aufstrebenden China beeinflusst wird, noch Raum f\u00fcr politisches Engagement in Fragen der gemeinsamen Sicherheit gibt. (Mark Leonard, \u00dcbersetzung: Eva G\u00f6llner, Copyright: Project Syndicate, 10.8.2020)<\/p>\n\n\n\n Mark Leonard <\/strong>ist Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen.<\/a><\/p>\n","post_title":"Erdo\u011fan \u2013 der andere Putin vor der Haust\u00fcr Europas","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"erdogan-der-andere-putin-vor-der-haustur-europas","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3789","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":39},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};
\n Angesichts des wachsenden Widerstands im eigenen Land macht es Erdo\u011fan Putin gleich. Da der Westen nicht bereit war, (erneut) milit\u00e4risch in Libyen zu intervenieren, sah Erdo\u011fan eine Gelegenheit, die T\u00fcrkei zu positionieren. Nach dem Vorgehen Russlands in Syrien sicherte er sich eine formelle Einladung der libyschen Regierung zur Intervention. Mit einem Schlag Ende letzten Jahres hat er nicht nur das Image der T\u00fcrkei als Regionalmacht gest\u00e4rkt, sondern auch ein Abkommen mit Libyen \u00fcber die Seegrenze abgeschlossen und damit einen Plan Griechenlands, Zyperns, \u00c4gyptens und Israels zur Erschlie\u00dfung von Unterwasser\u00f6l- und -gasfeldern in der N\u00e4he zunichtegemacht.<\/p>\n\n\n\n Erdo\u011fan scheint auch von der Spalt-und-Eroberungs-Strategie des Kreml in Europa inspiriert worden zu sein, der zufolge oft diejenigen EU-Mitgliedsstaaten unter Druck gesetzt werden, die am meisten von russischen Kohlenwasserstoffen oder M\u00e4rkten abh\u00e4ngig sind. So wie Putin lange Zeit die Energieversorgung instrumentalisiert hat, hat Erdo\u011fan versucht, den Strom von Migranten und Fl\u00fcchtlingen, die vor Konflikten im Nahen Osten fliehen, zu instrumentalisieren. Als die EU eine neue Marinemission ank\u00fcndigte, um den Waffenstrom nach Libyen zu blockieren, malte die T\u00fcrkei f\u00fcr Malta das Schreckgespenst der angeblichen Bedrohung durch Migranten an die Wand. Malta reagierte prompt und signalisierte, dass es gegen die Finanzierung der Mission ein Veto einlegen werde.<\/p>\n\n\n\n Jahrelang redeten sich die Europ\u00e4er ein, dass Russland eine Art verlorener Sohn sei und dass die europ\u00e4ische unipolare Ordnung gesund bleibe. Doch das machte Europa zu einem leichten Ziel f\u00fcr die Trennungs-und-Eroberungs-Strategie des Kreml. Erst vor relativ kurzer Zeit entwarf die Union eine neue Politik und ein robustes Sanktionsregime, um die russische Aggression abzuschrecken. Und selbst jetzt \u2013 trotz der besten Bem\u00fchungen der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und des franz\u00f6sischen Pr\u00e4sidenten Emmanuel Macron \u2013 hat die EU noch immer keine wirksamen Kommunikationskan\u00e4le mit Russland geschaffen, um gemeinsame Probleme anzugehen.<\/p>\n\n\n\n Die T\u00fcrkei ist noch kein neues Russland, aber sie k\u00f6nnte dazu werden, wenn die Situation falsch gehandhabt wird. Vorerst betrachten die meisten Europ\u00e4er die T\u00fcrkei noch immer als einen komplizierten Partner und nicht als \"Systemrivalen\". Aber die Europ\u00e4er sollten die hart erk\u00e4mpften Lehren aus dem Umgang mit Russland in den letzten 15 Jahren beherzigen. Die Beziehungen zwischen der EU und der T\u00fcrkei brauchen neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen, um eine weitere Destabilisierung in der Region zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n Zu diesem Zweck sollten die Europ\u00e4er klarstellen, dass der EU-Beitrittsprozess entweder zur\u00fcckgedreht oder vorangetrieben werden kann und dass eine eher transaktionale Beziehung sowohl Zuckerbrot als auch Peitsche beinhaltet. Die Herausforderung wird darin bestehen, daf\u00fcr zu sorgen, dass es in einer Region, die nicht nur von Europa und der T\u00fcrkei, sondern auch von Russland, den USA und einem aufstrebenden China beeinflusst wird, noch Raum f\u00fcr politisches Engagement in Fragen der gemeinsamen Sicherheit gibt. (Mark Leonard, \u00dcbersetzung: Eva G\u00f6llner, Copyright: Project Syndicate, 10.8.2020)<\/p>\n\n\n\n Mark Leonard <\/strong>ist Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen.<\/a><\/p>\n","post_title":"Erdo\u011fan \u2013 der andere Putin vor der Haust\u00fcr Europas","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"erdogan-der-andere-putin-vor-der-haustur-europas","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3789","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":39},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};
\n Nachdem er in einen nicht zu gewinnenden Krieg im Osten der Ukraine verwickelt war, schien Putins weitgehend erfolgreicher Feldzug in Syrien einen Teil seiner innenpolitischen Autorit\u00e4t wiederherzustellen. Der Westen hatte f\u00fcnf Jahre lang darauf bestanden, dass es keine milit\u00e4rische L\u00f6sung des Konflikts gebe und dass der syrische Pr\u00e4sident Baschar al-Assad gehen m\u00fcsse. Doch w\u00e4hrend die von den Vereinten Nationen unterst\u00fctzten Gespr\u00e4che in Genf zu keinem Ergebnis f\u00fchrten, schienen die von Russland geleiteten Gespr\u00e4che in Astana voranzukommen. Indem der Kreml die T\u00fcrkei und den Iran einbezog, w\u00e4hrend er die westlichen M\u00e4chte ausschloss, erweckte er den Eindruck, dass Russland als wiedergeborene Supermacht aus der Asche auferstanden sei.<\/p>\n\n\n\n Angesichts des wachsenden Widerstands im eigenen Land macht es Erdo\u011fan Putin gleich. Da der Westen nicht bereit war, (erneut) milit\u00e4risch in Libyen zu intervenieren, sah Erdo\u011fan eine Gelegenheit, die T\u00fcrkei zu positionieren. Nach dem Vorgehen Russlands in Syrien sicherte er sich eine formelle Einladung der libyschen Regierung zur Intervention. Mit einem Schlag Ende letzten Jahres hat er nicht nur das Image der T\u00fcrkei als Regionalmacht gest\u00e4rkt, sondern auch ein Abkommen mit Libyen \u00fcber die Seegrenze abgeschlossen und damit einen Plan Griechenlands, Zyperns, \u00c4gyptens und Israels zur Erschlie\u00dfung von Unterwasser\u00f6l- und -gasfeldern in der N\u00e4he zunichtegemacht.<\/p>\n\n\n\n Erdo\u011fan scheint auch von der Spalt-und-Eroberungs-Strategie des Kreml in Europa inspiriert worden zu sein, der zufolge oft diejenigen EU-Mitgliedsstaaten unter Druck gesetzt werden, die am meisten von russischen Kohlenwasserstoffen oder M\u00e4rkten abh\u00e4ngig sind. So wie Putin lange Zeit die Energieversorgung instrumentalisiert hat, hat Erdo\u011fan versucht, den Strom von Migranten und Fl\u00fcchtlingen, die vor Konflikten im Nahen Osten fliehen, zu instrumentalisieren. Als die EU eine neue Marinemission ank\u00fcndigte, um den Waffenstrom nach Libyen zu blockieren, malte die T\u00fcrkei f\u00fcr Malta das Schreckgespenst der angeblichen Bedrohung durch Migranten an die Wand. Malta reagierte prompt und signalisierte, dass es gegen die Finanzierung der Mission ein Veto einlegen werde.<\/p>\n\n\n\n Jahrelang redeten sich die Europ\u00e4er ein, dass Russland eine Art verlorener Sohn sei und dass die europ\u00e4ische unipolare Ordnung gesund bleibe. Doch das machte Europa zu einem leichten Ziel f\u00fcr die Trennungs-und-Eroberungs-Strategie des Kreml. Erst vor relativ kurzer Zeit entwarf die Union eine neue Politik und ein robustes Sanktionsregime, um die russische Aggression abzuschrecken. Und selbst jetzt \u2013 trotz der besten Bem\u00fchungen der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und des franz\u00f6sischen Pr\u00e4sidenten Emmanuel Macron \u2013 hat die EU noch immer keine wirksamen Kommunikationskan\u00e4le mit Russland geschaffen, um gemeinsame Probleme anzugehen.<\/p>\n\n\n\n Die T\u00fcrkei ist noch kein neues Russland, aber sie k\u00f6nnte dazu werden, wenn die Situation falsch gehandhabt wird. Vorerst betrachten die meisten Europ\u00e4er die T\u00fcrkei noch immer als einen komplizierten Partner und nicht als \"Systemrivalen\". Aber die Europ\u00e4er sollten die hart erk\u00e4mpften Lehren aus dem Umgang mit Russland in den letzten 15 Jahren beherzigen. Die Beziehungen zwischen der EU und der T\u00fcrkei brauchen neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen, um eine weitere Destabilisierung in der Region zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n Zu diesem Zweck sollten die Europ\u00e4er klarstellen, dass der EU-Beitrittsprozess entweder zur\u00fcckgedreht oder vorangetrieben werden kann und dass eine eher transaktionale Beziehung sowohl Zuckerbrot als auch Peitsche beinhaltet. Die Herausforderung wird darin bestehen, daf\u00fcr zu sorgen, dass es in einer Region, die nicht nur von Europa und der T\u00fcrkei, sondern auch von Russland, den USA und einem aufstrebenden China beeinflusst wird, noch Raum f\u00fcr politisches Engagement in Fragen der gemeinsamen Sicherheit gibt. (Mark Leonard, \u00dcbersetzung: Eva G\u00f6llner, Copyright: Project Syndicate, 10.8.2020)<\/p>\n\n\n\n Mark Leonard <\/strong>ist Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen.<\/a><\/p>\n","post_title":"Erdo\u011fan \u2013 der andere Putin vor der Haust\u00fcr Europas","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"erdogan-der-andere-putin-vor-der-haustur-europas","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3789","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":39},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};
\n Nat\u00fcrlich sind die Beziehungen zwischen der T\u00fcrkei und Russland nicht weniger kompliziert, nicht zuletzt weil Erdo\u011fan und der russische Pr\u00e4sident Wladimir Putin im syrischen B\u00fcrgerkrieg verschiedene Seiten unterst\u00fctzten.Und w\u00e4hrend die Spannungen wegen des Syrien-Konflikts weiterhin bestehen, bewundert Erdo\u011fan deutlich, wie Russland sich \u2013 bei relativ geringen Kosten \u2013 wieder als wichtiger Akteur im Nahen Osten und in Nordafrika etabliert hat.<\/p>\n\n\n\n Nachdem er in einen nicht zu gewinnenden Krieg im Osten der Ukraine verwickelt war, schien Putins weitgehend erfolgreicher Feldzug in Syrien einen Teil seiner innenpolitischen Autorit\u00e4t wiederherzustellen. Der Westen hatte f\u00fcnf Jahre lang darauf bestanden, dass es keine milit\u00e4rische L\u00f6sung des Konflikts gebe und dass der syrische Pr\u00e4sident Baschar al-Assad gehen m\u00fcsse. Doch w\u00e4hrend die von den Vereinten Nationen unterst\u00fctzten Gespr\u00e4che in Genf zu keinem Ergebnis f\u00fchrten, schienen die von Russland geleiteten Gespr\u00e4che in Astana voranzukommen. Indem der Kreml die T\u00fcrkei und den Iran einbezog, w\u00e4hrend er die westlichen M\u00e4chte ausschloss, erweckte er den Eindruck, dass Russland als wiedergeborene Supermacht aus der Asche auferstanden sei.<\/p>\n\n\n\n Angesichts des wachsenden Widerstands im eigenen Land macht es Erdo\u011fan Putin gleich. Da der Westen nicht bereit war, (erneut) milit\u00e4risch in Libyen zu intervenieren, sah Erdo\u011fan eine Gelegenheit, die T\u00fcrkei zu positionieren. Nach dem Vorgehen Russlands in Syrien sicherte er sich eine formelle Einladung der libyschen Regierung zur Intervention. Mit einem Schlag Ende letzten Jahres hat er nicht nur das Image der T\u00fcrkei als Regionalmacht gest\u00e4rkt, sondern auch ein Abkommen mit Libyen \u00fcber die Seegrenze abgeschlossen und damit einen Plan Griechenlands, Zyperns, \u00c4gyptens und Israels zur Erschlie\u00dfung von Unterwasser\u00f6l- und -gasfeldern in der N\u00e4he zunichtegemacht.<\/p>\n\n\n\n Erdo\u011fan scheint auch von der Spalt-und-Eroberungs-Strategie des Kreml in Europa inspiriert worden zu sein, der zufolge oft diejenigen EU-Mitgliedsstaaten unter Druck gesetzt werden, die am meisten von russischen Kohlenwasserstoffen oder M\u00e4rkten abh\u00e4ngig sind. So wie Putin lange Zeit die Energieversorgung instrumentalisiert hat, hat Erdo\u011fan versucht, den Strom von Migranten und Fl\u00fcchtlingen, die vor Konflikten im Nahen Osten fliehen, zu instrumentalisieren. Als die EU eine neue Marinemission ank\u00fcndigte, um den Waffenstrom nach Libyen zu blockieren, malte die T\u00fcrkei f\u00fcr Malta das Schreckgespenst der angeblichen Bedrohung durch Migranten an die Wand. Malta reagierte prompt und signalisierte, dass es gegen die Finanzierung der Mission ein Veto einlegen werde.<\/p>\n\n\n\n Jahrelang redeten sich die Europ\u00e4er ein, dass Russland eine Art verlorener Sohn sei und dass die europ\u00e4ische unipolare Ordnung gesund bleibe. Doch das machte Europa zu einem leichten Ziel f\u00fcr die Trennungs-und-Eroberungs-Strategie des Kreml. Erst vor relativ kurzer Zeit entwarf die Union eine neue Politik und ein robustes Sanktionsregime, um die russische Aggression abzuschrecken. Und selbst jetzt \u2013 trotz der besten Bem\u00fchungen der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und des franz\u00f6sischen Pr\u00e4sidenten Emmanuel Macron \u2013 hat die EU noch immer keine wirksamen Kommunikationskan\u00e4le mit Russland geschaffen, um gemeinsame Probleme anzugehen.<\/p>\n\n\n\n Die T\u00fcrkei ist noch kein neues Russland, aber sie k\u00f6nnte dazu werden, wenn die Situation falsch gehandhabt wird. Vorerst betrachten die meisten Europ\u00e4er die T\u00fcrkei noch immer als einen komplizierten Partner und nicht als \"Systemrivalen\". Aber die Europ\u00e4er sollten die hart erk\u00e4mpften Lehren aus dem Umgang mit Russland in den letzten 15 Jahren beherzigen. Die Beziehungen zwischen der EU und der T\u00fcrkei brauchen neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen, um eine weitere Destabilisierung in der Region zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n Zu diesem Zweck sollten die Europ\u00e4er klarstellen, dass der EU-Beitrittsprozess entweder zur\u00fcckgedreht oder vorangetrieben werden kann und dass eine eher transaktionale Beziehung sowohl Zuckerbrot als auch Peitsche beinhaltet. Die Herausforderung wird darin bestehen, daf\u00fcr zu sorgen, dass es in einer Region, die nicht nur von Europa und der T\u00fcrkei, sondern auch von Russland, den USA und einem aufstrebenden China beeinflusst wird, noch Raum f\u00fcr politisches Engagement in Fragen der gemeinsamen Sicherheit gibt. (Mark Leonard, \u00dcbersetzung: Eva G\u00f6llner, Copyright: Project Syndicate, 10.8.2020)<\/p>\n\n\n\n Mark Leonard <\/strong>ist Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen.<\/a><\/p>\n","post_title":"Erdo\u011fan \u2013 der andere Putin vor der Haust\u00fcr Europas","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"erdogan-der-andere-putin-vor-der-haustur-europas","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3789","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":39},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};
\n Nat\u00fcrlich sind die Beziehungen zwischen der T\u00fcrkei und Russland nicht weniger kompliziert, nicht zuletzt weil Erdo\u011fan und der russische Pr\u00e4sident Wladimir Putin im syrischen B\u00fcrgerkrieg verschiedene Seiten unterst\u00fctzten.Und w\u00e4hrend die Spannungen wegen des Syrien-Konflikts weiterhin bestehen, bewundert Erdo\u011fan deutlich, wie Russland sich \u2013 bei relativ geringen Kosten \u2013 wieder als wichtiger Akteur im Nahen Osten und in Nordafrika etabliert hat.<\/p>\n\n\n\n Nachdem er in einen nicht zu gewinnenden Krieg im Osten der Ukraine verwickelt war, schien Putins weitgehend erfolgreicher Feldzug in Syrien einen Teil seiner innenpolitischen Autorit\u00e4t wiederherzustellen. Der Westen hatte f\u00fcnf Jahre lang darauf bestanden, dass es keine milit\u00e4rische L\u00f6sung des Konflikts gebe und dass der syrische Pr\u00e4sident Baschar al-Assad gehen m\u00fcsse. Doch w\u00e4hrend die von den Vereinten Nationen unterst\u00fctzten Gespr\u00e4che in Genf zu keinem Ergebnis f\u00fchrten, schienen die von Russland geleiteten Gespr\u00e4che in Astana voranzukommen. Indem der Kreml die T\u00fcrkei und den Iran einbezog, w\u00e4hrend er die westlichen M\u00e4chte ausschloss, erweckte er den Eindruck, dass Russland als wiedergeborene Supermacht aus der Asche auferstanden sei.<\/p>\n\n\n\n Angesichts des wachsenden Widerstands im eigenen Land macht es Erdo\u011fan Putin gleich. Da der Westen nicht bereit war, (erneut) milit\u00e4risch in Libyen zu intervenieren, sah Erdo\u011fan eine Gelegenheit, die T\u00fcrkei zu positionieren. Nach dem Vorgehen Russlands in Syrien sicherte er sich eine formelle Einladung der libyschen Regierung zur Intervention. Mit einem Schlag Ende letzten Jahres hat er nicht nur das Image der T\u00fcrkei als Regionalmacht gest\u00e4rkt, sondern auch ein Abkommen mit Libyen \u00fcber die Seegrenze abgeschlossen und damit einen Plan Griechenlands, Zyperns, \u00c4gyptens und Israels zur Erschlie\u00dfung von Unterwasser\u00f6l- und -gasfeldern in der N\u00e4he zunichtegemacht.<\/p>\n\n\n\n Erdo\u011fan scheint auch von der Spalt-und-Eroberungs-Strategie des Kreml in Europa inspiriert worden zu sein, der zufolge oft diejenigen EU-Mitgliedsstaaten unter Druck gesetzt werden, die am meisten von russischen Kohlenwasserstoffen oder M\u00e4rkten abh\u00e4ngig sind. So wie Putin lange Zeit die Energieversorgung instrumentalisiert hat, hat Erdo\u011fan versucht, den Strom von Migranten und Fl\u00fcchtlingen, die vor Konflikten im Nahen Osten fliehen, zu instrumentalisieren. Als die EU eine neue Marinemission ank\u00fcndigte, um den Waffenstrom nach Libyen zu blockieren, malte die T\u00fcrkei f\u00fcr Malta das Schreckgespenst der angeblichen Bedrohung durch Migranten an die Wand. Malta reagierte prompt und signalisierte, dass es gegen die Finanzierung der Mission ein Veto einlegen werde.<\/p>\n\n\n\n Jahrelang redeten sich die Europ\u00e4er ein, dass Russland eine Art verlorener Sohn sei und dass die europ\u00e4ische unipolare Ordnung gesund bleibe. Doch das machte Europa zu einem leichten Ziel f\u00fcr die Trennungs-und-Eroberungs-Strategie des Kreml. Erst vor relativ kurzer Zeit entwarf die Union eine neue Politik und ein robustes Sanktionsregime, um die russische Aggression abzuschrecken. Und selbst jetzt \u2013 trotz der besten Bem\u00fchungen der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und des franz\u00f6sischen Pr\u00e4sidenten Emmanuel Macron \u2013 hat die EU noch immer keine wirksamen Kommunikationskan\u00e4le mit Russland geschaffen, um gemeinsame Probleme anzugehen.<\/p>\n\n\n\n Die T\u00fcrkei ist noch kein neues Russland, aber sie k\u00f6nnte dazu werden, wenn die Situation falsch gehandhabt wird. Vorerst betrachten die meisten Europ\u00e4er die T\u00fcrkei noch immer als einen komplizierten Partner und nicht als \"Systemrivalen\". Aber die Europ\u00e4er sollten die hart erk\u00e4mpften Lehren aus dem Umgang mit Russland in den letzten 15 Jahren beherzigen. Die Beziehungen zwischen der EU und der T\u00fcrkei brauchen neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen, um eine weitere Destabilisierung in der Region zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n Zu diesem Zweck sollten die Europ\u00e4er klarstellen, dass der EU-Beitrittsprozess entweder zur\u00fcckgedreht oder vorangetrieben werden kann und dass eine eher transaktionale Beziehung sowohl Zuckerbrot als auch Peitsche beinhaltet. Die Herausforderung wird darin bestehen, daf\u00fcr zu sorgen, dass es in einer Region, die nicht nur von Europa und der T\u00fcrkei, sondern auch von Russland, den USA und einem aufstrebenden China beeinflusst wird, noch Raum f\u00fcr politisches Engagement in Fragen der gemeinsamen Sicherheit gibt. 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\n Die zunehmende Verschlechterung der Beziehungen zwischen der EU und Russland ist gut dokumentiert, der Fall der T\u00fcrkei weniger. Der Irakkrieg im Jahr 2003 komplizierte das Verh\u00e4ltnis der T\u00fcrkei zur Nato, und ihr Verh\u00e4ltnis zur EU verschlechterte sich 2007, als Frankreich einen wichtigen Teil ihrer EU-Beitrittsverhandlungen blockierte. Seitdem hat die T\u00fcrkei ihren eigenen Weg in Syrien, auf dem Balkan und in Libyen eingeschlagen und neue Beziehungen zu Russland und China aufgebaut.<\/p>\n\n\n\n Nat\u00fcrlich sind die Beziehungen zwischen der T\u00fcrkei und Russland nicht weniger kompliziert, nicht zuletzt weil Erdo\u011fan und der russische Pr\u00e4sident Wladimir Putin im syrischen B\u00fcrgerkrieg verschiedene Seiten unterst\u00fctzten.Und w\u00e4hrend die Spannungen wegen des Syrien-Konflikts weiterhin bestehen, bewundert Erdo\u011fan deutlich, wie Russland sich \u2013 bei relativ geringen Kosten \u2013 wieder als wichtiger Akteur im Nahen Osten und in Nordafrika etabliert hat.<\/p>\n\n\n\n Nachdem er in einen nicht zu gewinnenden Krieg im Osten der Ukraine verwickelt war, schien Putins weitgehend erfolgreicher Feldzug in Syrien einen Teil seiner innenpolitischen Autorit\u00e4t wiederherzustellen. Der Westen hatte f\u00fcnf Jahre lang darauf bestanden, dass es keine milit\u00e4rische L\u00f6sung des Konflikts gebe und dass der syrische Pr\u00e4sident Baschar al-Assad gehen m\u00fcsse. Doch w\u00e4hrend die von den Vereinten Nationen unterst\u00fctzten Gespr\u00e4che in Genf zu keinem Ergebnis f\u00fchrten, schienen die von Russland geleiteten Gespr\u00e4che in Astana voranzukommen. Indem der Kreml die T\u00fcrkei und den Iran einbezog, w\u00e4hrend er die westlichen M\u00e4chte ausschloss, erweckte er den Eindruck, dass Russland als wiedergeborene Supermacht aus der Asche auferstanden sei.<\/p>\n\n\n\n Angesichts des wachsenden Widerstands im eigenen Land macht es Erdo\u011fan Putin gleich. Da der Westen nicht bereit war, (erneut) milit\u00e4risch in Libyen zu intervenieren, sah Erdo\u011fan eine Gelegenheit, die T\u00fcrkei zu positionieren. Nach dem Vorgehen Russlands in Syrien sicherte er sich eine formelle Einladung der libyschen Regierung zur Intervention. Mit einem Schlag Ende letzten Jahres hat er nicht nur das Image der T\u00fcrkei als Regionalmacht gest\u00e4rkt, sondern auch ein Abkommen mit Libyen \u00fcber die Seegrenze abgeschlossen und damit einen Plan Griechenlands, Zyperns, \u00c4gyptens und Israels zur Erschlie\u00dfung von Unterwasser\u00f6l- und -gasfeldern in der N\u00e4he zunichtegemacht.<\/p>\n\n\n\n Erdo\u011fan scheint auch von der Spalt-und-Eroberungs-Strategie des Kreml in Europa inspiriert worden zu sein, der zufolge oft diejenigen EU-Mitgliedsstaaten unter Druck gesetzt werden, die am meisten von russischen Kohlenwasserstoffen oder M\u00e4rkten abh\u00e4ngig sind. So wie Putin lange Zeit die Energieversorgung instrumentalisiert hat, hat Erdo\u011fan versucht, den Strom von Migranten und Fl\u00fcchtlingen, die vor Konflikten im Nahen Osten fliehen, zu instrumentalisieren. Als die EU eine neue Marinemission ank\u00fcndigte, um den Waffenstrom nach Libyen zu blockieren, malte die T\u00fcrkei f\u00fcr Malta das Schreckgespenst der angeblichen Bedrohung durch Migranten an die Wand. Malta reagierte prompt und signalisierte, dass es gegen die Finanzierung der Mission ein Veto einlegen werde.<\/p>\n\n\n\n Jahrelang redeten sich die Europ\u00e4er ein, dass Russland eine Art verlorener Sohn sei und dass die europ\u00e4ische unipolare Ordnung gesund bleibe. Doch das machte Europa zu einem leichten Ziel f\u00fcr die Trennungs-und-Eroberungs-Strategie des Kreml. Erst vor relativ kurzer Zeit entwarf die Union eine neue Politik und ein robustes Sanktionsregime, um die russische Aggression abzuschrecken. Und selbst jetzt \u2013 trotz der besten Bem\u00fchungen der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und des franz\u00f6sischen Pr\u00e4sidenten Emmanuel Macron \u2013 hat die EU noch immer keine wirksamen Kommunikationskan\u00e4le mit Russland geschaffen, um gemeinsame Probleme anzugehen.<\/p>\n\n\n\n Die T\u00fcrkei ist noch kein neues Russland, aber sie k\u00f6nnte dazu werden, wenn die Situation falsch gehandhabt wird. Vorerst betrachten die meisten Europ\u00e4er die T\u00fcrkei noch immer als einen komplizierten Partner und nicht als \"Systemrivalen\". Aber die Europ\u00e4er sollten die hart erk\u00e4mpften Lehren aus dem Umgang mit Russland in den letzten 15 Jahren beherzigen. Die Beziehungen zwischen der EU und der T\u00fcrkei brauchen neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen, um eine weitere Destabilisierung in der Region zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n Zu diesem Zweck sollten die Europ\u00e4er klarstellen, dass der EU-Beitrittsprozess entweder zur\u00fcckgedreht oder vorangetrieben werden kann und dass eine eher transaktionale Beziehung sowohl Zuckerbrot als auch Peitsche beinhaltet. Die Herausforderung wird darin bestehen, daf\u00fcr zu sorgen, dass es in einer Region, die nicht nur von Europa und der T\u00fcrkei, sondern auch von Russland, den USA und einem aufstrebenden China beeinflusst wird, noch Raum f\u00fcr politisches Engagement in Fragen der gemeinsamen Sicherheit gibt. (Mark Leonard, \u00dcbersetzung: Eva G\u00f6llner, Copyright: Project Syndicate, 10.8.2020)<\/p>\n\n\n\n Mark Leonard <\/strong>ist Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen.<\/a><\/p>\n","post_title":"Erdo\u011fan \u2013 der andere Putin vor der Haust\u00fcr Europas","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"erdogan-der-andere-putin-vor-der-haustur-europas","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3789","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":39},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};
\n Doch in den letzten 15 Jahren ist der Traum von der europ\u00e4ischen Unipolarit\u00e4t einer multipolaren Realit\u00e4t gewichen. Sowohl Russland als auch die T\u00fcrkei haben eine lange, qu\u00e4lende Hassliebe zu Europa, und beide sind unter nationalen Machthabern, denen die Verachtung der Normen und Werte der EU gemeinsam ist, durchsetzungsf\u00e4higer geworden.<\/p>\n\n\n\n Die zunehmende Verschlechterung der Beziehungen zwischen der EU und Russland ist gut dokumentiert, der Fall der T\u00fcrkei weniger. Der Irakkrieg im Jahr 2003 komplizierte das Verh\u00e4ltnis der T\u00fcrkei zur Nato, und ihr Verh\u00e4ltnis zur EU verschlechterte sich 2007, als Frankreich einen wichtigen Teil ihrer EU-Beitrittsverhandlungen blockierte. Seitdem hat die T\u00fcrkei ihren eigenen Weg in Syrien, auf dem Balkan und in Libyen eingeschlagen und neue Beziehungen zu Russland und China aufgebaut.<\/p>\n\n\n\n Nat\u00fcrlich sind die Beziehungen zwischen der T\u00fcrkei und Russland nicht weniger kompliziert, nicht zuletzt weil Erdo\u011fan und der russische Pr\u00e4sident Wladimir Putin im syrischen B\u00fcrgerkrieg verschiedene Seiten unterst\u00fctzten.Und w\u00e4hrend die Spannungen wegen des Syrien-Konflikts weiterhin bestehen, bewundert Erdo\u011fan deutlich, wie Russland sich \u2013 bei relativ geringen Kosten \u2013 wieder als wichtiger Akteur im Nahen Osten und in Nordafrika etabliert hat.<\/p>\n\n\n\n Nachdem er in einen nicht zu gewinnenden Krieg im Osten der Ukraine verwickelt war, schien Putins weitgehend erfolgreicher Feldzug in Syrien einen Teil seiner innenpolitischen Autorit\u00e4t wiederherzustellen. Der Westen hatte f\u00fcnf Jahre lang darauf bestanden, dass es keine milit\u00e4rische L\u00f6sung des Konflikts gebe und dass der syrische Pr\u00e4sident Baschar al-Assad gehen m\u00fcsse. Doch w\u00e4hrend die von den Vereinten Nationen unterst\u00fctzten Gespr\u00e4che in Genf zu keinem Ergebnis f\u00fchrten, schienen die von Russland geleiteten Gespr\u00e4che in Astana voranzukommen. Indem der Kreml die T\u00fcrkei und den Iran einbezog, w\u00e4hrend er die westlichen M\u00e4chte ausschloss, erweckte er den Eindruck, dass Russland als wiedergeborene Supermacht aus der Asche auferstanden sei.<\/p>\n\n\n\n Angesichts des wachsenden Widerstands im eigenen Land macht es Erdo\u011fan Putin gleich. Da der Westen nicht bereit war, (erneut) milit\u00e4risch in Libyen zu intervenieren, sah Erdo\u011fan eine Gelegenheit, die T\u00fcrkei zu positionieren. Nach dem Vorgehen Russlands in Syrien sicherte er sich eine formelle Einladung der libyschen Regierung zur Intervention. Mit einem Schlag Ende letzten Jahres hat er nicht nur das Image der T\u00fcrkei als Regionalmacht gest\u00e4rkt, sondern auch ein Abkommen mit Libyen \u00fcber die Seegrenze abgeschlossen und damit einen Plan Griechenlands, Zyperns, \u00c4gyptens und Israels zur Erschlie\u00dfung von Unterwasser\u00f6l- und -gasfeldern in der N\u00e4he zunichtegemacht.<\/p>\n\n\n\n Erdo\u011fan scheint auch von der Spalt-und-Eroberungs-Strategie des Kreml in Europa inspiriert worden zu sein, der zufolge oft diejenigen EU-Mitgliedsstaaten unter Druck gesetzt werden, die am meisten von russischen Kohlenwasserstoffen oder M\u00e4rkten abh\u00e4ngig sind. So wie Putin lange Zeit die Energieversorgung instrumentalisiert hat, hat Erdo\u011fan versucht, den Strom von Migranten und Fl\u00fcchtlingen, die vor Konflikten im Nahen Osten fliehen, zu instrumentalisieren. Als die EU eine neue Marinemission ank\u00fcndigte, um den Waffenstrom nach Libyen zu blockieren, malte die T\u00fcrkei f\u00fcr Malta das Schreckgespenst der angeblichen Bedrohung durch Migranten an die Wand. Malta reagierte prompt und signalisierte, dass es gegen die Finanzierung der Mission ein Veto einlegen werde.<\/p>\n\n\n\n Jahrelang redeten sich die Europ\u00e4er ein, dass Russland eine Art verlorener Sohn sei und dass die europ\u00e4ische unipolare Ordnung gesund bleibe. Doch das machte Europa zu einem leichten Ziel f\u00fcr die Trennungs-und-Eroberungs-Strategie des Kreml. Erst vor relativ kurzer Zeit entwarf die Union eine neue Politik und ein robustes Sanktionsregime, um die russische Aggression abzuschrecken. Und selbst jetzt \u2013 trotz der besten Bem\u00fchungen der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und des franz\u00f6sischen Pr\u00e4sidenten Emmanuel Macron \u2013 hat die EU noch immer keine wirksamen Kommunikationskan\u00e4le mit Russland geschaffen, um gemeinsame Probleme anzugehen.<\/p>\n\n\n\n Die T\u00fcrkei ist noch kein neues Russland, aber sie k\u00f6nnte dazu werden, wenn die Situation falsch gehandhabt wird. Vorerst betrachten die meisten Europ\u00e4er die T\u00fcrkei noch immer als einen komplizierten Partner und nicht als \"Systemrivalen\". Aber die Europ\u00e4er sollten die hart erk\u00e4mpften Lehren aus dem Umgang mit Russland in den letzten 15 Jahren beherzigen. Die Beziehungen zwischen der EU und der T\u00fcrkei brauchen neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen, um eine weitere Destabilisierung in der Region zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n Zu diesem Zweck sollten die Europ\u00e4er klarstellen, dass der EU-Beitrittsprozess entweder zur\u00fcckgedreht oder vorangetrieben werden kann und dass eine eher transaktionale Beziehung sowohl Zuckerbrot als auch Peitsche beinhaltet. Die Herausforderung wird darin bestehen, daf\u00fcr zu sorgen, dass es in einer Region, die nicht nur von Europa und der T\u00fcrkei, sondern auch von Russland, den USA und einem aufstrebenden China beeinflusst wird, noch Raum f\u00fcr politisches Engagement in Fragen der gemeinsamen Sicherheit gibt. (Mark Leonard, \u00dcbersetzung: Eva G\u00f6llner, Copyright: Project Syndicate, 10.8.2020)<\/p>\n\n\n\n Mark Leonard <\/strong>ist Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen.<\/a><\/p>\n","post_title":"Erdo\u011fan \u2013 der andere Putin vor der Haust\u00fcr Europas","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"erdogan-der-andere-putin-vor-der-haustur-europas","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3789","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":39},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};
\n Doch in den letzten 15 Jahren ist der Traum von der europ\u00e4ischen Unipolarit\u00e4t einer multipolaren Realit\u00e4t gewichen. Sowohl Russland als auch die T\u00fcrkei haben eine lange, qu\u00e4lende Hassliebe zu Europa, und beide sind unter nationalen Machthabern, denen die Verachtung der Normen und Werte der EU gemeinsam ist, durchsetzungsf\u00e4higer geworden.<\/p>\n\n\n\n Die zunehmende Verschlechterung der Beziehungen zwischen der EU und Russland ist gut dokumentiert, der Fall der T\u00fcrkei weniger. Der Irakkrieg im Jahr 2003 komplizierte das Verh\u00e4ltnis der T\u00fcrkei zur Nato, und ihr Verh\u00e4ltnis zur EU verschlechterte sich 2007, als Frankreich einen wichtigen Teil ihrer EU-Beitrittsverhandlungen blockierte. Seitdem hat die T\u00fcrkei ihren eigenen Weg in Syrien, auf dem Balkan und in Libyen eingeschlagen und neue Beziehungen zu Russland und China aufgebaut.<\/p>\n\n\n\n Nat\u00fcrlich sind die Beziehungen zwischen der T\u00fcrkei und Russland nicht weniger kompliziert, nicht zuletzt weil Erdo\u011fan und der russische Pr\u00e4sident Wladimir Putin im syrischen B\u00fcrgerkrieg verschiedene Seiten unterst\u00fctzten.Und w\u00e4hrend die Spannungen wegen des Syrien-Konflikts weiterhin bestehen, bewundert Erdo\u011fan deutlich, wie Russland sich \u2013 bei relativ geringen Kosten \u2013 wieder als wichtiger Akteur im Nahen Osten und in Nordafrika etabliert hat.<\/p>\n\n\n\n Nachdem er in einen nicht zu gewinnenden Krieg im Osten der Ukraine verwickelt war, schien Putins weitgehend erfolgreicher Feldzug in Syrien einen Teil seiner innenpolitischen Autorit\u00e4t wiederherzustellen. Der Westen hatte f\u00fcnf Jahre lang darauf bestanden, dass es keine milit\u00e4rische L\u00f6sung des Konflikts gebe und dass der syrische Pr\u00e4sident Baschar al-Assad gehen m\u00fcsse. Doch w\u00e4hrend die von den Vereinten Nationen unterst\u00fctzten Gespr\u00e4che in Genf zu keinem Ergebnis f\u00fchrten, schienen die von Russland geleiteten Gespr\u00e4che in Astana voranzukommen. Indem der Kreml die T\u00fcrkei und den Iran einbezog, w\u00e4hrend er die westlichen M\u00e4chte ausschloss, erweckte er den Eindruck, dass Russland als wiedergeborene Supermacht aus der Asche auferstanden sei.<\/p>\n\n\n\n Angesichts des wachsenden Widerstands im eigenen Land macht es Erdo\u011fan Putin gleich. Da der Westen nicht bereit war, (erneut) milit\u00e4risch in Libyen zu intervenieren, sah Erdo\u011fan eine Gelegenheit, die T\u00fcrkei zu positionieren. Nach dem Vorgehen Russlands in Syrien sicherte er sich eine formelle Einladung der libyschen Regierung zur Intervention. Mit einem Schlag Ende letzten Jahres hat er nicht nur das Image der T\u00fcrkei als Regionalmacht gest\u00e4rkt, sondern auch ein Abkommen mit Libyen \u00fcber die Seegrenze abgeschlossen und damit einen Plan Griechenlands, Zyperns, \u00c4gyptens und Israels zur Erschlie\u00dfung von Unterwasser\u00f6l- und -gasfeldern in der N\u00e4he zunichtegemacht.<\/p>\n\n\n\n Erdo\u011fan scheint auch von der Spalt-und-Eroberungs-Strategie des Kreml in Europa inspiriert worden zu sein, der zufolge oft diejenigen EU-Mitgliedsstaaten unter Druck gesetzt werden, die am meisten von russischen Kohlenwasserstoffen oder M\u00e4rkten abh\u00e4ngig sind. So wie Putin lange Zeit die Energieversorgung instrumentalisiert hat, hat Erdo\u011fan versucht, den Strom von Migranten und Fl\u00fcchtlingen, die vor Konflikten im Nahen Osten fliehen, zu instrumentalisieren. Als die EU eine neue Marinemission ank\u00fcndigte, um den Waffenstrom nach Libyen zu blockieren, malte die T\u00fcrkei f\u00fcr Malta das Schreckgespenst der angeblichen Bedrohung durch Migranten an die Wand. Malta reagierte prompt und signalisierte, dass es gegen die Finanzierung der Mission ein Veto einlegen werde.<\/p>\n\n\n\n Jahrelang redeten sich die Europ\u00e4er ein, dass Russland eine Art verlorener Sohn sei und dass die europ\u00e4ische unipolare Ordnung gesund bleibe. Doch das machte Europa zu einem leichten Ziel f\u00fcr die Trennungs-und-Eroberungs-Strategie des Kreml. Erst vor relativ kurzer Zeit entwarf die Union eine neue Politik und ein robustes Sanktionsregime, um die russische Aggression abzuschrecken. Und selbst jetzt \u2013 trotz der besten Bem\u00fchungen der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und des franz\u00f6sischen Pr\u00e4sidenten Emmanuel Macron \u2013 hat die EU noch immer keine wirksamen Kommunikationskan\u00e4le mit Russland geschaffen, um gemeinsame Probleme anzugehen.<\/p>\n\n\n\n Die T\u00fcrkei ist noch kein neues Russland, aber sie k\u00f6nnte dazu werden, wenn die Situation falsch gehandhabt wird. Vorerst betrachten die meisten Europ\u00e4er die T\u00fcrkei noch immer als einen komplizierten Partner und nicht als \"Systemrivalen\". Aber die Europ\u00e4er sollten die hart erk\u00e4mpften Lehren aus dem Umgang mit Russland in den letzten 15 Jahren beherzigen. Die Beziehungen zwischen der EU und der T\u00fcrkei brauchen neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen, um eine weitere Destabilisierung in der Region zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n Zu diesem Zweck sollten die Europ\u00e4er klarstellen, dass der EU-Beitrittsprozess entweder zur\u00fcckgedreht oder vorangetrieben werden kann und dass eine eher transaktionale Beziehung sowohl Zuckerbrot als auch Peitsche beinhaltet. Die Herausforderung wird darin bestehen, daf\u00fcr zu sorgen, dass es in einer Region, die nicht nur von Europa und der T\u00fcrkei, sondern auch von Russland, den USA und einem aufstrebenden China beeinflusst wird, noch Raum f\u00fcr politisches Engagement in Fragen der gemeinsamen Sicherheit gibt. (Mark Leonard, \u00dcbersetzung: Eva G\u00f6llner, Copyright: Project Syndicate, 10.8.2020)<\/p>\n\n\n\n Mark Leonard <\/strong>ist Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen.<\/a><\/p>\n","post_title":"Erdo\u011fan \u2013 der andere Putin vor der Haust\u00fcr Europas","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"erdogan-der-andere-putin-vor-der-haustur-europas","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3789","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":39},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};
\n Seit dem Ende des Kalten Krieges haben die Europ\u00e4er die regionale Sicherheit durch eine unipolare westliche Linse betrachtet. W\u00e4hrend die Nato die milit\u00e4rische Sicherheit garantierte, sorgte die EU mit ihrem 80.000 Seiten starken Regelwerk f\u00fcr alles von LGBTQ-Rechten bis hin zu Rasenm\u00e4her-Sound-Verordnungen f\u00fcr Rechtsordnung. In den 90er-Jahren ging man allgemein davon aus, dass die beiden gro\u00dfen nichtwestlichen regionalen Akteure, Russland und die T\u00fcrkei, nach und nach an diese Regelungen herangef\u00fchrt werden w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n Doch in den letzten 15 Jahren ist der Traum von der europ\u00e4ischen Unipolarit\u00e4t einer multipolaren Realit\u00e4t gewichen. Sowohl Russland als auch die T\u00fcrkei haben eine lange, qu\u00e4lende Hassliebe zu Europa, und beide sind unter nationalen Machthabern, denen die Verachtung der Normen und Werte der EU gemeinsam ist, durchsetzungsf\u00e4higer geworden.<\/p>\n\n\n\n Die zunehmende Verschlechterung der Beziehungen zwischen der EU und Russland ist gut dokumentiert, der Fall der T\u00fcrkei weniger. Der Irakkrieg im Jahr 2003 komplizierte das Verh\u00e4ltnis der T\u00fcrkei zur Nato, und ihr Verh\u00e4ltnis zur EU verschlechterte sich 2007, als Frankreich einen wichtigen Teil ihrer EU-Beitrittsverhandlungen blockierte. Seitdem hat die T\u00fcrkei ihren eigenen Weg in Syrien, auf dem Balkan und in Libyen eingeschlagen und neue Beziehungen zu Russland und China aufgebaut.<\/p>\n\n\n\n Nat\u00fcrlich sind die Beziehungen zwischen der T\u00fcrkei und Russland nicht weniger kompliziert, nicht zuletzt weil Erdo\u011fan und der russische Pr\u00e4sident Wladimir Putin im syrischen B\u00fcrgerkrieg verschiedene Seiten unterst\u00fctzten.Und w\u00e4hrend die Spannungen wegen des Syrien-Konflikts weiterhin bestehen, bewundert Erdo\u011fan deutlich, wie Russland sich \u2013 bei relativ geringen Kosten \u2013 wieder als wichtiger Akteur im Nahen Osten und in Nordafrika etabliert hat.<\/p>\n\n\n\n Nachdem er in einen nicht zu gewinnenden Krieg im Osten der Ukraine verwickelt war, schien Putins weitgehend erfolgreicher Feldzug in Syrien einen Teil seiner innenpolitischen Autorit\u00e4t wiederherzustellen. Der Westen hatte f\u00fcnf Jahre lang darauf bestanden, dass es keine milit\u00e4rische L\u00f6sung des Konflikts gebe und dass der syrische Pr\u00e4sident Baschar al-Assad gehen m\u00fcsse. Doch w\u00e4hrend die von den Vereinten Nationen unterst\u00fctzten Gespr\u00e4che in Genf zu keinem Ergebnis f\u00fchrten, schienen die von Russland geleiteten Gespr\u00e4che in Astana voranzukommen. Indem der Kreml die T\u00fcrkei und den Iran einbezog, w\u00e4hrend er die westlichen M\u00e4chte ausschloss, erweckte er den Eindruck, dass Russland als wiedergeborene Supermacht aus der Asche auferstanden sei.<\/p>\n\n\n\n Angesichts des wachsenden Widerstands im eigenen Land macht es Erdo\u011fan Putin gleich. Da der Westen nicht bereit war, (erneut) milit\u00e4risch in Libyen zu intervenieren, sah Erdo\u011fan eine Gelegenheit, die T\u00fcrkei zu positionieren. Nach dem Vorgehen Russlands in Syrien sicherte er sich eine formelle Einladung der libyschen Regierung zur Intervention. Mit einem Schlag Ende letzten Jahres hat er nicht nur das Image der T\u00fcrkei als Regionalmacht gest\u00e4rkt, sondern auch ein Abkommen mit Libyen \u00fcber die Seegrenze abgeschlossen und damit einen Plan Griechenlands, Zyperns, \u00c4gyptens und Israels zur Erschlie\u00dfung von Unterwasser\u00f6l- und -gasfeldern in der N\u00e4he zunichtegemacht.<\/p>\n\n\n\n Erdo\u011fan scheint auch von der Spalt-und-Eroberungs-Strategie des Kreml in Europa inspiriert worden zu sein, der zufolge oft diejenigen EU-Mitgliedsstaaten unter Druck gesetzt werden, die am meisten von russischen Kohlenwasserstoffen oder M\u00e4rkten abh\u00e4ngig sind. So wie Putin lange Zeit die Energieversorgung instrumentalisiert hat, hat Erdo\u011fan versucht, den Strom von Migranten und Fl\u00fcchtlingen, die vor Konflikten im Nahen Osten fliehen, zu instrumentalisieren. Als die EU eine neue Marinemission ank\u00fcndigte, um den Waffenstrom nach Libyen zu blockieren, malte die T\u00fcrkei f\u00fcr Malta das Schreckgespenst der angeblichen Bedrohung durch Migranten an die Wand. Malta reagierte prompt und signalisierte, dass es gegen die Finanzierung der Mission ein Veto einlegen werde.<\/p>\n\n\n\n Jahrelang redeten sich die Europ\u00e4er ein, dass Russland eine Art verlorener Sohn sei und dass die europ\u00e4ische unipolare Ordnung gesund bleibe. Doch das machte Europa zu einem leichten Ziel f\u00fcr die Trennungs-und-Eroberungs-Strategie des Kreml. Erst vor relativ kurzer Zeit entwarf die Union eine neue Politik und ein robustes Sanktionsregime, um die russische Aggression abzuschrecken. Und selbst jetzt \u2013 trotz der besten Bem\u00fchungen der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und des franz\u00f6sischen Pr\u00e4sidenten Emmanuel Macron \u2013 hat die EU noch immer keine wirksamen Kommunikationskan\u00e4le mit Russland geschaffen, um gemeinsame Probleme anzugehen.<\/p>\n\n\n\n Die T\u00fcrkei ist noch kein neues Russland, aber sie k\u00f6nnte dazu werden, wenn die Situation falsch gehandhabt wird. Vorerst betrachten die meisten Europ\u00e4er die T\u00fcrkei noch immer als einen komplizierten Partner und nicht als \"Systemrivalen\". Aber die Europ\u00e4er sollten die hart erk\u00e4mpften Lehren aus dem Umgang mit Russland in den letzten 15 Jahren beherzigen. Die Beziehungen zwischen der EU und der T\u00fcrkei brauchen neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen, um eine weitere Destabilisierung in der Region zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n Zu diesem Zweck sollten die Europ\u00e4er klarstellen, dass der EU-Beitrittsprozess entweder zur\u00fcckgedreht oder vorangetrieben werden kann und dass eine eher transaktionale Beziehung sowohl Zuckerbrot als auch Peitsche beinhaltet. Die Herausforderung wird darin bestehen, daf\u00fcr zu sorgen, dass es in einer Region, die nicht nur von Europa und der T\u00fcrkei, sondern auch von Russland, den USA und einem aufstrebenden China beeinflusst wird, noch Raum f\u00fcr politisches Engagement in Fragen der gemeinsamen Sicherheit gibt. (Mark Leonard, \u00dcbersetzung: Eva G\u00f6llner, Copyright: Project Syndicate, 10.8.2020)<\/p>\n\n\n\n Mark Leonard <\/strong>ist Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen.<\/a><\/p>\n","post_title":"Erdo\u011fan \u2013 der andere Putin vor der Haust\u00fcr Europas","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"erdogan-der-andere-putin-vor-der-haustur-europas","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3789","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":39},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};
\n Ist die T\u00fcrkei das neue Russland? Diese Frage wird in den europ\u00e4ischen Hauptst\u00e4dten zunehmend gestellt, da die Au\u00dfenpolitik des t\u00fcrkischen Pr\u00e4sidenten Recep Tayyip Erdo\u011fan zunehmend aggressiver wird. Erdo\u011fan nutzt nicht nur die Migration, um die EU zu bedrohen und zu betr\u00fcgen, sondern setzt auch milit\u00e4rische Macht ein, um den Einflussbereich der T\u00fcrkei auf die gesamte Region auszudehnen.<\/p>\n\n\n\n Seit dem Ende des Kalten Krieges haben die Europ\u00e4er die regionale Sicherheit durch eine unipolare westliche Linse betrachtet. W\u00e4hrend die Nato die milit\u00e4rische Sicherheit garantierte, sorgte die EU mit ihrem 80.000 Seiten starken Regelwerk f\u00fcr alles von LGBTQ-Rechten bis hin zu Rasenm\u00e4her-Sound-Verordnungen f\u00fcr Rechtsordnung. In den 90er-Jahren ging man allgemein davon aus, dass die beiden gro\u00dfen nichtwestlichen regionalen Akteure, Russland und die T\u00fcrkei, nach und nach an diese Regelungen herangef\u00fchrt werden w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n Doch in den letzten 15 Jahren ist der Traum von der europ\u00e4ischen Unipolarit\u00e4t einer multipolaren Realit\u00e4t gewichen. Sowohl Russland als auch die T\u00fcrkei haben eine lange, qu\u00e4lende Hassliebe zu Europa, und beide sind unter nationalen Machthabern, denen die Verachtung der Normen und Werte der EU gemeinsam ist, durchsetzungsf\u00e4higer geworden.<\/p>\n\n\n\n Die zunehmende Verschlechterung der Beziehungen zwischen der EU und Russland ist gut dokumentiert, der Fall der T\u00fcrkei weniger. Der Irakkrieg im Jahr 2003 komplizierte das Verh\u00e4ltnis der T\u00fcrkei zur Nato, und ihr Verh\u00e4ltnis zur EU verschlechterte sich 2007, als Frankreich einen wichtigen Teil ihrer EU-Beitrittsverhandlungen blockierte. Seitdem hat die T\u00fcrkei ihren eigenen Weg in Syrien, auf dem Balkan und in Libyen eingeschlagen und neue Beziehungen zu Russland und China aufgebaut.<\/p>\n\n\n\n Nat\u00fcrlich sind die Beziehungen zwischen der T\u00fcrkei und Russland nicht weniger kompliziert, nicht zuletzt weil Erdo\u011fan und der russische Pr\u00e4sident Wladimir Putin im syrischen B\u00fcrgerkrieg verschiedene Seiten unterst\u00fctzten.Und w\u00e4hrend die Spannungen wegen des Syrien-Konflikts weiterhin bestehen, bewundert Erdo\u011fan deutlich, wie Russland sich \u2013 bei relativ geringen Kosten \u2013 wieder als wichtiger Akteur im Nahen Osten und in Nordafrika etabliert hat.<\/p>\n\n\n\n Nachdem er in einen nicht zu gewinnenden Krieg im Osten der Ukraine verwickelt war, schien Putins weitgehend erfolgreicher Feldzug in Syrien einen Teil seiner innenpolitischen Autorit\u00e4t wiederherzustellen. Der Westen hatte f\u00fcnf Jahre lang darauf bestanden, dass es keine milit\u00e4rische L\u00f6sung des Konflikts gebe und dass der syrische Pr\u00e4sident Baschar al-Assad gehen m\u00fcsse. Doch w\u00e4hrend die von den Vereinten Nationen unterst\u00fctzten Gespr\u00e4che in Genf zu keinem Ergebnis f\u00fchrten, schienen die von Russland geleiteten Gespr\u00e4che in Astana voranzukommen. Indem der Kreml die T\u00fcrkei und den Iran einbezog, w\u00e4hrend er die westlichen M\u00e4chte ausschloss, erweckte er den Eindruck, dass Russland als wiedergeborene Supermacht aus der Asche auferstanden sei.<\/p>\n\n\n\n Angesichts des wachsenden Widerstands im eigenen Land macht es Erdo\u011fan Putin gleich. Da der Westen nicht bereit war, (erneut) milit\u00e4risch in Libyen zu intervenieren, sah Erdo\u011fan eine Gelegenheit, die T\u00fcrkei zu positionieren. Nach dem Vorgehen Russlands in Syrien sicherte er sich eine formelle Einladung der libyschen Regierung zur Intervention. Mit einem Schlag Ende letzten Jahres hat er nicht nur das Image der T\u00fcrkei als Regionalmacht gest\u00e4rkt, sondern auch ein Abkommen mit Libyen \u00fcber die Seegrenze abgeschlossen und damit einen Plan Griechenlands, Zyperns, \u00c4gyptens und Israels zur Erschlie\u00dfung von Unterwasser\u00f6l- und -gasfeldern in der N\u00e4he zunichtegemacht.<\/p>\n\n\n\n Erdo\u011fan scheint auch von der Spalt-und-Eroberungs-Strategie des Kreml in Europa inspiriert worden zu sein, der zufolge oft diejenigen EU-Mitgliedsstaaten unter Druck gesetzt werden, die am meisten von russischen Kohlenwasserstoffen oder M\u00e4rkten abh\u00e4ngig sind. So wie Putin lange Zeit die Energieversorgung instrumentalisiert hat, hat Erdo\u011fan versucht, den Strom von Migranten und Fl\u00fcchtlingen, die vor Konflikten im Nahen Osten fliehen, zu instrumentalisieren. Als die EU eine neue Marinemission ank\u00fcndigte, um den Waffenstrom nach Libyen zu blockieren, malte die T\u00fcrkei f\u00fcr Malta das Schreckgespenst der angeblichen Bedrohung durch Migranten an die Wand. Malta reagierte prompt und signalisierte, dass es gegen die Finanzierung der Mission ein Veto einlegen werde.<\/p>\n\n\n\n Jahrelang redeten sich die Europ\u00e4er ein, dass Russland eine Art verlorener Sohn sei und dass die europ\u00e4ische unipolare Ordnung gesund bleibe. Doch das machte Europa zu einem leichten Ziel f\u00fcr die Trennungs-und-Eroberungs-Strategie des Kreml. Erst vor relativ kurzer Zeit entwarf die Union eine neue Politik und ein robustes Sanktionsregime, um die russische Aggression abzuschrecken. Und selbst jetzt \u2013 trotz der besten Bem\u00fchungen der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und des franz\u00f6sischen Pr\u00e4sidenten Emmanuel Macron \u2013 hat die EU noch immer keine wirksamen Kommunikationskan\u00e4le mit Russland geschaffen, um gemeinsame Probleme anzugehen.<\/p>\n\n\n\n Die T\u00fcrkei ist noch kein neues Russland, aber sie k\u00f6nnte dazu werden, wenn die Situation falsch gehandhabt wird. Vorerst betrachten die meisten Europ\u00e4er die T\u00fcrkei noch immer als einen komplizierten Partner und nicht als \"Systemrivalen\". Aber die Europ\u00e4er sollten die hart erk\u00e4mpften Lehren aus dem Umgang mit Russland in den letzten 15 Jahren beherzigen. Die Beziehungen zwischen der EU und der T\u00fcrkei brauchen neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen, um eine weitere Destabilisierung in der Region zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n Zu diesem Zweck sollten die Europ\u00e4er klarstellen, dass der EU-Beitrittsprozess entweder zur\u00fcckgedreht oder vorangetrieben werden kann und dass eine eher transaktionale Beziehung sowohl Zuckerbrot als auch Peitsche beinhaltet. Die Herausforderung wird darin bestehen, daf\u00fcr zu sorgen, dass es in einer Region, die nicht nur von Europa und der T\u00fcrkei, sondern auch von Russland, den USA und einem aufstrebenden China beeinflusst wird, noch Raum f\u00fcr politisches Engagement in Fragen der gemeinsamen Sicherheit gibt. (Mark Leonard, \u00dcbersetzung: Eva G\u00f6llner, Copyright: Project Syndicate, 10.8.2020)<\/p>\n\n\n\n Mark Leonard <\/strong>ist Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen.<\/a><\/p>\n","post_title":"Erdo\u011fan \u2013 der andere Putin vor der Haust\u00fcr Europas","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"erdogan-der-andere-putin-vor-der-haustur-europas","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3789","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":39},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};
\n Im Gastkommentar pocht Mark Leonard, Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen, auf \"neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen\", nur so k\u00f6nne eine weitere Destabilisierung in der Region verhindert werden.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n Ist die T\u00fcrkei das neue Russland? Diese Frage wird in den europ\u00e4ischen Hauptst\u00e4dten zunehmend gestellt, da die Au\u00dfenpolitik des t\u00fcrkischen Pr\u00e4sidenten Recep Tayyip Erdo\u011fan zunehmend aggressiver wird. Erdo\u011fan nutzt nicht nur die Migration, um die EU zu bedrohen und zu betr\u00fcgen, sondern setzt auch milit\u00e4rische Macht ein, um den Einflussbereich der T\u00fcrkei auf die gesamte Region auszudehnen.<\/p>\n\n\n\n Seit dem Ende des Kalten Krieges haben die Europ\u00e4er die regionale Sicherheit durch eine unipolare westliche Linse betrachtet. W\u00e4hrend die Nato die milit\u00e4rische Sicherheit garantierte, sorgte die EU mit ihrem 80.000 Seiten starken Regelwerk f\u00fcr alles von LGBTQ-Rechten bis hin zu Rasenm\u00e4her-Sound-Verordnungen f\u00fcr Rechtsordnung. In den 90er-Jahren ging man allgemein davon aus, dass die beiden gro\u00dfen nichtwestlichen regionalen Akteure, Russland und die T\u00fcrkei, nach und nach an diese Regelungen herangef\u00fchrt werden w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n Doch in den letzten 15 Jahren ist der Traum von der europ\u00e4ischen Unipolarit\u00e4t einer multipolaren Realit\u00e4t gewichen. Sowohl Russland als auch die T\u00fcrkei haben eine lange, qu\u00e4lende Hassliebe zu Europa, und beide sind unter nationalen Machthabern, denen die Verachtung der Normen und Werte der EU gemeinsam ist, durchsetzungsf\u00e4higer geworden.<\/p>\n\n\n\n Die zunehmende Verschlechterung der Beziehungen zwischen der EU und Russland ist gut dokumentiert, der Fall der T\u00fcrkei weniger. Der Irakkrieg im Jahr 2003 komplizierte das Verh\u00e4ltnis der T\u00fcrkei zur Nato, und ihr Verh\u00e4ltnis zur EU verschlechterte sich 2007, als Frankreich einen wichtigen Teil ihrer EU-Beitrittsverhandlungen blockierte. Seitdem hat die T\u00fcrkei ihren eigenen Weg in Syrien, auf dem Balkan und in Libyen eingeschlagen und neue Beziehungen zu Russland und China aufgebaut.<\/p>\n\n\n\n Nat\u00fcrlich sind die Beziehungen zwischen der T\u00fcrkei und Russland nicht weniger kompliziert, nicht zuletzt weil Erdo\u011fan und der russische Pr\u00e4sident Wladimir Putin im syrischen B\u00fcrgerkrieg verschiedene Seiten unterst\u00fctzten.Und w\u00e4hrend die Spannungen wegen des Syrien-Konflikts weiterhin bestehen, bewundert Erdo\u011fan deutlich, wie Russland sich \u2013 bei relativ geringen Kosten \u2013 wieder als wichtiger Akteur im Nahen Osten und in Nordafrika etabliert hat.<\/p>\n\n\n\n Nachdem er in einen nicht zu gewinnenden Krieg im Osten der Ukraine verwickelt war, schien Putins weitgehend erfolgreicher Feldzug in Syrien einen Teil seiner innenpolitischen Autorit\u00e4t wiederherzustellen. Der Westen hatte f\u00fcnf Jahre lang darauf bestanden, dass es keine milit\u00e4rische L\u00f6sung des Konflikts gebe und dass der syrische Pr\u00e4sident Baschar al-Assad gehen m\u00fcsse. Doch w\u00e4hrend die von den Vereinten Nationen unterst\u00fctzten Gespr\u00e4che in Genf zu keinem Ergebnis f\u00fchrten, schienen die von Russland geleiteten Gespr\u00e4che in Astana voranzukommen. Indem der Kreml die T\u00fcrkei und den Iran einbezog, w\u00e4hrend er die westlichen M\u00e4chte ausschloss, erweckte er den Eindruck, dass Russland als wiedergeborene Supermacht aus der Asche auferstanden sei.<\/p>\n\n\n\n Angesichts des wachsenden Widerstands im eigenen Land macht es Erdo\u011fan Putin gleich. Da der Westen nicht bereit war, (erneut) milit\u00e4risch in Libyen zu intervenieren, sah Erdo\u011fan eine Gelegenheit, die T\u00fcrkei zu positionieren. Nach dem Vorgehen Russlands in Syrien sicherte er sich eine formelle Einladung der libyschen Regierung zur Intervention. Mit einem Schlag Ende letzten Jahres hat er nicht nur das Image der T\u00fcrkei als Regionalmacht gest\u00e4rkt, sondern auch ein Abkommen mit Libyen \u00fcber die Seegrenze abgeschlossen und damit einen Plan Griechenlands, Zyperns, \u00c4gyptens und Israels zur Erschlie\u00dfung von Unterwasser\u00f6l- und -gasfeldern in der N\u00e4he zunichtegemacht.<\/p>\n\n\n\n Erdo\u011fan scheint auch von der Spalt-und-Eroberungs-Strategie des Kreml in Europa inspiriert worden zu sein, der zufolge oft diejenigen EU-Mitgliedsstaaten unter Druck gesetzt werden, die am meisten von russischen Kohlenwasserstoffen oder M\u00e4rkten abh\u00e4ngig sind. So wie Putin lange Zeit die Energieversorgung instrumentalisiert hat, hat Erdo\u011fan versucht, den Strom von Migranten und Fl\u00fcchtlingen, die vor Konflikten im Nahen Osten fliehen, zu instrumentalisieren. Als die EU eine neue Marinemission ank\u00fcndigte, um den Waffenstrom nach Libyen zu blockieren, malte die T\u00fcrkei f\u00fcr Malta das Schreckgespenst der angeblichen Bedrohung durch Migranten an die Wand. Malta reagierte prompt und signalisierte, dass es gegen die Finanzierung der Mission ein Veto einlegen werde.<\/p>\n\n\n\n Jahrelang redeten sich die Europ\u00e4er ein, dass Russland eine Art verlorener Sohn sei und dass die europ\u00e4ische unipolare Ordnung gesund bleibe. Doch das machte Europa zu einem leichten Ziel f\u00fcr die Trennungs-und-Eroberungs-Strategie des Kreml. Erst vor relativ kurzer Zeit entwarf die Union eine neue Politik und ein robustes Sanktionsregime, um die russische Aggression abzuschrecken. Und selbst jetzt \u2013 trotz der besten Bem\u00fchungen der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und des franz\u00f6sischen Pr\u00e4sidenten Emmanuel Macron \u2013 hat die EU noch immer keine wirksamen Kommunikationskan\u00e4le mit Russland geschaffen, um gemeinsame Probleme anzugehen.<\/p>\n\n\n\n Die T\u00fcrkei ist noch kein neues Russland, aber sie k\u00f6nnte dazu werden, wenn die Situation falsch gehandhabt wird. Vorerst betrachten die meisten Europ\u00e4er die T\u00fcrkei noch immer als einen komplizierten Partner und nicht als \"Systemrivalen\". Aber die Europ\u00e4er sollten die hart erk\u00e4mpften Lehren aus dem Umgang mit Russland in den letzten 15 Jahren beherzigen. Die Beziehungen zwischen der EU und der T\u00fcrkei brauchen neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen, um eine weitere Destabilisierung in der Region zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n Zu diesem Zweck sollten die Europ\u00e4er klarstellen, dass der EU-Beitrittsprozess entweder zur\u00fcckgedreht oder vorangetrieben werden kann und dass eine eher transaktionale Beziehung sowohl Zuckerbrot als auch Peitsche beinhaltet. Die Herausforderung wird darin bestehen, daf\u00fcr zu sorgen, dass es in einer Region, die nicht nur von Europa und der T\u00fcrkei, sondern auch von Russland, den USA und einem aufstrebenden China beeinflusst wird, noch Raum f\u00fcr politisches Engagement in Fragen der gemeinsamen Sicherheit gibt. (Mark Leonard, \u00dcbersetzung: Eva G\u00f6llner, Copyright: Project Syndicate, 10.8.2020)<\/p>\n\n\n\n Mark Leonard <\/strong>ist Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen.<\/a><\/p>\n","post_title":"Erdo\u011fan \u2013 der andere Putin vor der Haust\u00fcr Europas","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"erdogan-der-andere-putin-vor-der-haustur-europas","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3789","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":39},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};
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Diese Frage wird in den europ\u00e4ischen Hauptst\u00e4dten zunehmend gestellt, da die Au\u00dfenpolitik des t\u00fcrkischen Pr\u00e4sidenten Recep Tayyip Erdo\u011fan zunehmend aggressiver wird. Erdo\u011fan nutzt nicht nur die Migration, um die EU zu bedrohen und zu betr\u00fcgen, sondern setzt auch milit\u00e4rische Macht ein, um den Einflussbereich der T\u00fcrkei auf die gesamte Region auszudehnen.<\/p>\n\n\n\n Seit dem Ende des Kalten Krieges haben die Europ\u00e4er die regionale Sicherheit durch eine unipolare westliche Linse betrachtet. W\u00e4hrend die Nato die milit\u00e4rische Sicherheit garantierte, sorgte die EU mit ihrem 80.000 Seiten starken Regelwerk f\u00fcr alles von LGBTQ-Rechten bis hin zu Rasenm\u00e4her-Sound-Verordnungen f\u00fcr Rechtsordnung. In den 90er-Jahren ging man allgemein davon aus, dass die beiden gro\u00dfen nichtwestlichen regionalen Akteure, Russland und die T\u00fcrkei, nach und nach an diese Regelungen herangef\u00fchrt werden w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n Doch in den letzten 15 Jahren ist der Traum von der europ\u00e4ischen Unipolarit\u00e4t einer multipolaren Realit\u00e4t gewichen. Sowohl Russland als auch die T\u00fcrkei haben eine lange, qu\u00e4lende Hassliebe zu Europa, und beide sind unter nationalen Machthabern, denen die Verachtung der Normen und Werte der EU gemeinsam ist, durchsetzungsf\u00e4higer geworden.<\/p>\n\n\n\n Die zunehmende Verschlechterung der Beziehungen zwischen der EU und Russland ist gut dokumentiert, der Fall der T\u00fcrkei weniger. Der Irakkrieg im Jahr 2003 komplizierte das Verh\u00e4ltnis der T\u00fcrkei zur Nato, und ihr Verh\u00e4ltnis zur EU verschlechterte sich 2007, als Frankreich einen wichtigen Teil ihrer EU-Beitrittsverhandlungen blockierte. Seitdem hat die T\u00fcrkei ihren eigenen Weg in Syrien, auf dem Balkan und in Libyen eingeschlagen und neue Beziehungen zu Russland und China aufgebaut.<\/p>\n\n\n\n Nat\u00fcrlich sind die Beziehungen zwischen der T\u00fcrkei und Russland nicht weniger kompliziert, nicht zuletzt weil Erdo\u011fan und der russische Pr\u00e4sident Wladimir Putin im syrischen B\u00fcrgerkrieg verschiedene Seiten unterst\u00fctzten.Und w\u00e4hrend die Spannungen wegen des Syrien-Konflikts weiterhin bestehen, bewundert Erdo\u011fan deutlich, wie Russland sich \u2013 bei relativ geringen Kosten \u2013 wieder als wichtiger Akteur im Nahen Osten und in Nordafrika etabliert hat.<\/p>\n\n\n\n Nachdem er in einen nicht zu gewinnenden Krieg im Osten der Ukraine verwickelt war, schien Putins weitgehend erfolgreicher Feldzug in Syrien einen Teil seiner innenpolitischen Autorit\u00e4t wiederherzustellen. Der Westen hatte f\u00fcnf Jahre lang darauf bestanden, dass es keine milit\u00e4rische L\u00f6sung des Konflikts gebe und dass der syrische Pr\u00e4sident Baschar al-Assad gehen m\u00fcsse. Doch w\u00e4hrend die von den Vereinten Nationen unterst\u00fctzten Gespr\u00e4che in Genf zu keinem Ergebnis f\u00fchrten, schienen die von Russland geleiteten Gespr\u00e4che in Astana voranzukommen. Indem der Kreml die T\u00fcrkei und den Iran einbezog, w\u00e4hrend er die westlichen M\u00e4chte ausschloss, erweckte er den Eindruck, dass Russland als wiedergeborene Supermacht aus der Asche auferstanden sei.<\/p>\n\n\n\n Angesichts des wachsenden Widerstands im eigenen Land macht es Erdo\u011fan Putin gleich. Da der Westen nicht bereit war, (erneut) milit\u00e4risch in Libyen zu intervenieren, sah Erdo\u011fan eine Gelegenheit, die T\u00fcrkei zu positionieren. Nach dem Vorgehen Russlands in Syrien sicherte er sich eine formelle Einladung der libyschen Regierung zur Intervention. Mit einem Schlag Ende letzten Jahres hat er nicht nur das Image der T\u00fcrkei als Regionalmacht gest\u00e4rkt, sondern auch ein Abkommen mit Libyen \u00fcber die Seegrenze abgeschlossen und damit einen Plan Griechenlands, Zyperns, \u00c4gyptens und Israels zur Erschlie\u00dfung von Unterwasser\u00f6l- und -gasfeldern in der N\u00e4he zunichtegemacht.<\/p>\n\n\n\n Erdo\u011fan scheint auch von der Spalt-und-Eroberungs-Strategie des Kreml in Europa inspiriert worden zu sein, der zufolge oft diejenigen EU-Mitgliedsstaaten unter Druck gesetzt werden, die am meisten von russischen Kohlenwasserstoffen oder M\u00e4rkten abh\u00e4ngig sind. So wie Putin lange Zeit die Energieversorgung instrumentalisiert hat, hat Erdo\u011fan versucht, den Strom von Migranten und Fl\u00fcchtlingen, die vor Konflikten im Nahen Osten fliehen, zu instrumentalisieren. Als die EU eine neue Marinemission ank\u00fcndigte, um den Waffenstrom nach Libyen zu blockieren, malte die T\u00fcrkei f\u00fcr Malta das Schreckgespenst der angeblichen Bedrohung durch Migranten an die Wand. Malta reagierte prompt und signalisierte, dass es gegen die Finanzierung der Mission ein Veto einlegen werde.<\/p>\n\n\n\n Jahrelang redeten sich die Europ\u00e4er ein, dass Russland eine Art verlorener Sohn sei und dass die europ\u00e4ische unipolare Ordnung gesund bleibe. Doch das machte Europa zu einem leichten Ziel f\u00fcr die Trennungs-und-Eroberungs-Strategie des Kreml. Erst vor relativ kurzer Zeit entwarf die Union eine neue Politik und ein robustes Sanktionsregime, um die russische Aggression abzuschrecken. 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Die Beziehungen zwischen der EU und der T\u00fcrkei brauchen neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen, um eine weitere Destabilisierung in der Region zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n Zu diesem Zweck sollten die Europ\u00e4er klarstellen, dass der EU-Beitrittsprozess entweder zur\u00fcckgedreht oder vorangetrieben werden kann und dass eine eher transaktionale Beziehung sowohl Zuckerbrot als auch Peitsche beinhaltet. Die Herausforderung wird darin bestehen, daf\u00fcr zu sorgen, dass es in einer Region, die nicht nur von Europa und der T\u00fcrkei, sondern auch von Russland, den USA und einem aufstrebenden China beeinflusst wird, noch Raum f\u00fcr politisches Engagement in Fragen der gemeinsamen Sicherheit gibt. (Mark Leonard, \u00dcbersetzung: Eva G\u00f6llner, Copyright: Project Syndicate, 10.8.2020)<\/p>\n\n\n\n Mark Leonard <\/strong>ist Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen.<\/a><\/p>\n","post_title":"Erdo\u011fan \u2013 der andere Putin vor der Haust\u00fcr Europas","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"erdogan-der-andere-putin-vor-der-haustur-europas","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3789","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":39},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};
\n \"Das ist der Beweis, dass wir kein s\u00e4kularer Staat mehr sein wollen\", sagt Nobelpreistr\u00e4ger Orhan Pamuk. Erdo\u011fan betrachtet sich offenbar als auch neoosmanischer \"Fatih\" im Mittelmeerraum mit immer neuen Abenteuern: Eingreifen in Syrien, Stellvertreterkrieg in Libyen, Anspr\u00fcche auf Erdgasvorkommen weit vor der t\u00fcrkischen K\u00fcste bei Zypern, Reden, wonach manche \u00c4g\u00e4is-Inseln eigentlich zur T\u00fcrkei geh\u00f6ren, \"denn dort stehen unsere Moscheen\". Manches davon ist nur Rhetorik, aber genug anderes ist riskante Realit\u00e4t. (Hans Rauscher, 14.7.2020)<\/p>\n\n\n\n Quelle<\/a><\/strong><\/p>\n","post_title":"Hagia Sophia: Verengung und Verarmung eines Welterbes","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"hagia-sophia-verengung-und-verarmung-eines-welterbes","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3792","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3789,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:56:07","post_date_gmt":"2020-08-14 13:56:07","post_content":"\n Im Gastkommentar pocht Mark Leonard, Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen, auf \"neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen\", nur so k\u00f6nne eine weitere Destabilisierung in der Region verhindert werden.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n Ist die T\u00fcrkei das neue Russland? Diese Frage wird in den europ\u00e4ischen Hauptst\u00e4dten zunehmend gestellt, da die Au\u00dfenpolitik des t\u00fcrkischen Pr\u00e4sidenten Recep Tayyip Erdo\u011fan zunehmend aggressiver wird. Erdo\u011fan nutzt nicht nur die Migration, um die EU zu bedrohen und zu betr\u00fcgen, sondern setzt auch milit\u00e4rische Macht ein, um den Einflussbereich der T\u00fcrkei auf die gesamte Region auszudehnen.<\/p>\n\n\n\n Seit dem Ende des Kalten Krieges haben die Europ\u00e4er die regionale Sicherheit durch eine unipolare westliche Linse betrachtet. W\u00e4hrend die Nato die milit\u00e4rische Sicherheit garantierte, sorgte die EU mit ihrem 80.000 Seiten starken Regelwerk f\u00fcr alles von LGBTQ-Rechten bis hin zu Rasenm\u00e4her-Sound-Verordnungen f\u00fcr Rechtsordnung. In den 90er-Jahren ging man allgemein davon aus, dass die beiden gro\u00dfen nichtwestlichen regionalen Akteure, Russland und die T\u00fcrkei, nach und nach an diese Regelungen herangef\u00fchrt werden w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n Doch in den letzten 15 Jahren ist der Traum von der europ\u00e4ischen Unipolarit\u00e4t einer multipolaren Realit\u00e4t gewichen. Sowohl Russland als auch die T\u00fcrkei haben eine lange, qu\u00e4lende Hassliebe zu Europa, und beide sind unter nationalen Machthabern, denen die Verachtung der Normen und Werte der EU gemeinsam ist, durchsetzungsf\u00e4higer geworden.<\/p>\n\n\n\n Die zunehmende Verschlechterung der Beziehungen zwischen der EU und Russland ist gut dokumentiert, der Fall der T\u00fcrkei weniger. Der Irakkrieg im Jahr 2003 komplizierte das Verh\u00e4ltnis der T\u00fcrkei zur Nato, und ihr Verh\u00e4ltnis zur EU verschlechterte sich 2007, als Frankreich einen wichtigen Teil ihrer EU-Beitrittsverhandlungen blockierte. Seitdem hat die T\u00fcrkei ihren eigenen Weg in Syrien, auf dem Balkan und in Libyen eingeschlagen und neue Beziehungen zu Russland und China aufgebaut.<\/p>\n\n\n\n Nat\u00fcrlich sind die Beziehungen zwischen der T\u00fcrkei und Russland nicht weniger kompliziert, nicht zuletzt weil Erdo\u011fan und der russische Pr\u00e4sident Wladimir Putin im syrischen B\u00fcrgerkrieg verschiedene Seiten unterst\u00fctzten.Und w\u00e4hrend die Spannungen wegen des Syrien-Konflikts weiterhin bestehen, bewundert Erdo\u011fan deutlich, wie Russland sich \u2013 bei relativ geringen Kosten \u2013 wieder als wichtiger Akteur im Nahen Osten und in Nordafrika etabliert hat.<\/p>\n\n\n\n Nachdem er in einen nicht zu gewinnenden Krieg im Osten der Ukraine verwickelt war, schien Putins weitgehend erfolgreicher Feldzug in Syrien einen Teil seiner innenpolitischen Autorit\u00e4t wiederherzustellen. Der Westen hatte f\u00fcnf Jahre lang darauf bestanden, dass es keine milit\u00e4rische L\u00f6sung des Konflikts gebe und dass der syrische Pr\u00e4sident Baschar al-Assad gehen m\u00fcsse. Doch w\u00e4hrend die von den Vereinten Nationen unterst\u00fctzten Gespr\u00e4che in Genf zu keinem Ergebnis f\u00fchrten, schienen die von Russland geleiteten Gespr\u00e4che in Astana voranzukommen. Indem der Kreml die T\u00fcrkei und den Iran einbezog, w\u00e4hrend er die westlichen M\u00e4chte ausschloss, erweckte er den Eindruck, dass Russland als wiedergeborene Supermacht aus der Asche auferstanden sei.<\/p>\n\n\n\n Angesichts des wachsenden Widerstands im eigenen Land macht es Erdo\u011fan Putin gleich. Da der Westen nicht bereit war, (erneut) milit\u00e4risch in Libyen zu intervenieren, sah Erdo\u011fan eine Gelegenheit, die T\u00fcrkei zu positionieren. Nach dem Vorgehen Russlands in Syrien sicherte er sich eine formelle Einladung der libyschen Regierung zur Intervention. Mit einem Schlag Ende letzten Jahres hat er nicht nur das Image der T\u00fcrkei als Regionalmacht gest\u00e4rkt, sondern auch ein Abkommen mit Libyen \u00fcber die Seegrenze abgeschlossen und damit einen Plan Griechenlands, Zyperns, \u00c4gyptens und Israels zur Erschlie\u00dfung von Unterwasser\u00f6l- und -gasfeldern in der N\u00e4he zunichtegemacht.<\/p>\n\n\n\n Erdo\u011fan scheint auch von der Spalt-und-Eroberungs-Strategie des Kreml in Europa inspiriert worden zu sein, der zufolge oft diejenigen EU-Mitgliedsstaaten unter Druck gesetzt werden, die am meisten von russischen Kohlenwasserstoffen oder M\u00e4rkten abh\u00e4ngig sind. So wie Putin lange Zeit die Energieversorgung instrumentalisiert hat, hat Erdo\u011fan versucht, den Strom von Migranten und Fl\u00fcchtlingen, die vor Konflikten im Nahen Osten fliehen, zu instrumentalisieren. 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Die Beziehungen zwischen der EU und der T\u00fcrkei brauchen neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen, um eine weitere Destabilisierung in der Region zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n Zu diesem Zweck sollten die Europ\u00e4er klarstellen, dass der EU-Beitrittsprozess entweder zur\u00fcckgedreht oder vorangetrieben werden kann und dass eine eher transaktionale Beziehung sowohl Zuckerbrot als auch Peitsche beinhaltet. Die Herausforderung wird darin bestehen, daf\u00fcr zu sorgen, dass es in einer Region, die nicht nur von Europa und der T\u00fcrkei, sondern auch von Russland, den USA und einem aufstrebenden China beeinflusst wird, noch Raum f\u00fcr politisches Engagement in Fragen der gemeinsamen Sicherheit gibt. 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\n Aber wird da nicht doch zu viel in einen Formalakt rund um ein uraltes Bauwerk hineininterpretiert? Im geschichtlichen Kontext relativiert sich manches: Konstantinopel wurde schon von Christen erobert und ausgepl\u00fcndert \u2013 1204 im Vierten Kreuzzug. In der Moschee von Cordoba (\"Mezquita\") bauten die Katholiken eine ganze Kirche in den ber\u00fchmten S\u00e4ulenwald hinein. Die Mezquita ist heute noch Kirche, kein Museum.<\/p>\n\n\n\n \"Das ist der Beweis, dass wir kein s\u00e4kularer Staat mehr sein wollen\", sagt Nobelpreistr\u00e4ger Orhan Pamuk. Erdo\u011fan betrachtet sich offenbar als auch neoosmanischer \"Fatih\" im Mittelmeerraum mit immer neuen Abenteuern: Eingreifen in Syrien, Stellvertreterkrieg in Libyen, Anspr\u00fcche auf Erdgasvorkommen weit vor der t\u00fcrkischen K\u00fcste bei Zypern, Reden, wonach manche \u00c4g\u00e4is-Inseln eigentlich zur T\u00fcrkei geh\u00f6ren, \"denn dort stehen unsere Moscheen\". Manches davon ist nur Rhetorik, aber genug anderes ist riskante Realit\u00e4t. 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Diese Frage wird in den europ\u00e4ischen Hauptst\u00e4dten zunehmend gestellt, da die Au\u00dfenpolitik des t\u00fcrkischen Pr\u00e4sidenten Recep Tayyip Erdo\u011fan zunehmend aggressiver wird. Erdo\u011fan nutzt nicht nur die Migration, um die EU zu bedrohen und zu betr\u00fcgen, sondern setzt auch milit\u00e4rische Macht ein, um den Einflussbereich der T\u00fcrkei auf die gesamte Region auszudehnen.<\/p>\n\n\n\n Seit dem Ende des Kalten Krieges haben die Europ\u00e4er die regionale Sicherheit durch eine unipolare westliche Linse betrachtet. W\u00e4hrend die Nato die milit\u00e4rische Sicherheit garantierte, sorgte die EU mit ihrem 80.000 Seiten starken Regelwerk f\u00fcr alles von LGBTQ-Rechten bis hin zu Rasenm\u00e4her-Sound-Verordnungen f\u00fcr Rechtsordnung. In den 90er-Jahren ging man allgemein davon aus, dass die beiden gro\u00dfen nichtwestlichen regionalen Akteure, Russland und die T\u00fcrkei, nach und nach an diese Regelungen herangef\u00fchrt werden w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n Doch in den letzten 15 Jahren ist der Traum von der europ\u00e4ischen Unipolarit\u00e4t einer multipolaren Realit\u00e4t gewichen. Sowohl Russland als auch die T\u00fcrkei haben eine lange, qu\u00e4lende Hassliebe zu Europa, und beide sind unter nationalen Machthabern, denen die Verachtung der Normen und Werte der EU gemeinsam ist, durchsetzungsf\u00e4higer geworden.<\/p>\n\n\n\n Die zunehmende Verschlechterung der Beziehungen zwischen der EU und Russland ist gut dokumentiert, der Fall der T\u00fcrkei weniger. Der Irakkrieg im Jahr 2003 komplizierte das Verh\u00e4ltnis der T\u00fcrkei zur Nato, und ihr Verh\u00e4ltnis zur EU verschlechterte sich 2007, als Frankreich einen wichtigen Teil ihrer EU-Beitrittsverhandlungen blockierte. Seitdem hat die T\u00fcrkei ihren eigenen Weg in Syrien, auf dem Balkan und in Libyen eingeschlagen und neue Beziehungen zu Russland und China aufgebaut.<\/p>\n\n\n\n Nat\u00fcrlich sind die Beziehungen zwischen der T\u00fcrkei und Russland nicht weniger kompliziert, nicht zuletzt weil Erdo\u011fan und der russische Pr\u00e4sident Wladimir Putin im syrischen B\u00fcrgerkrieg verschiedene Seiten unterst\u00fctzten.Und w\u00e4hrend die Spannungen wegen des Syrien-Konflikts weiterhin bestehen, bewundert Erdo\u011fan deutlich, wie Russland sich \u2013 bei relativ geringen Kosten \u2013 wieder als wichtiger Akteur im Nahen Osten und in Nordafrika etabliert hat.<\/p>\n\n\n\n Nachdem er in einen nicht zu gewinnenden Krieg im Osten der Ukraine verwickelt war, schien Putins weitgehend erfolgreicher Feldzug in Syrien einen Teil seiner innenpolitischen Autorit\u00e4t wiederherzustellen. Der Westen hatte f\u00fcnf Jahre lang darauf bestanden, dass es keine milit\u00e4rische L\u00f6sung des Konflikts gebe und dass der syrische Pr\u00e4sident Baschar al-Assad gehen m\u00fcsse. Doch w\u00e4hrend die von den Vereinten Nationen unterst\u00fctzten Gespr\u00e4che in Genf zu keinem Ergebnis f\u00fchrten, schienen die von Russland geleiteten Gespr\u00e4che in Astana voranzukommen. Indem der Kreml die T\u00fcrkei und den Iran einbezog, w\u00e4hrend er die westlichen M\u00e4chte ausschloss, erweckte er den Eindruck, dass Russland als wiedergeborene Supermacht aus der Asche auferstanden sei.<\/p>\n\n\n\n Angesichts des wachsenden Widerstands im eigenen Land macht es Erdo\u011fan Putin gleich. Da der Westen nicht bereit war, (erneut) milit\u00e4risch in Libyen zu intervenieren, sah Erdo\u011fan eine Gelegenheit, die T\u00fcrkei zu positionieren. Nach dem Vorgehen Russlands in Syrien sicherte er sich eine formelle Einladung der libyschen Regierung zur Intervention. Mit einem Schlag Ende letzten Jahres hat er nicht nur das Image der T\u00fcrkei als Regionalmacht gest\u00e4rkt, sondern auch ein Abkommen mit Libyen \u00fcber die Seegrenze abgeschlossen und damit einen Plan Griechenlands, Zyperns, \u00c4gyptens und Israels zur Erschlie\u00dfung von Unterwasser\u00f6l- und -gasfeldern in der N\u00e4he zunichtegemacht.<\/p>\n\n\n\n Erdo\u011fan scheint auch von der Spalt-und-Eroberungs-Strategie des Kreml in Europa inspiriert worden zu sein, der zufolge oft diejenigen EU-Mitgliedsstaaten unter Druck gesetzt werden, die am meisten von russischen Kohlenwasserstoffen oder M\u00e4rkten abh\u00e4ngig sind. So wie Putin lange Zeit die Energieversorgung instrumentalisiert hat, hat Erdo\u011fan versucht, den Strom von Migranten und Fl\u00fcchtlingen, die vor Konflikten im Nahen Osten fliehen, zu instrumentalisieren. Als die EU eine neue Marinemission ank\u00fcndigte, um den Waffenstrom nach Libyen zu blockieren, malte die T\u00fcrkei f\u00fcr Malta das Schreckgespenst der angeblichen Bedrohung durch Migranten an die Wand. Malta reagierte prompt und signalisierte, dass es gegen die Finanzierung der Mission ein Veto einlegen werde.<\/p>\n\n\n\n Jahrelang redeten sich die Europ\u00e4er ein, dass Russland eine Art verlorener Sohn sei und dass die europ\u00e4ische unipolare Ordnung gesund bleibe. Doch das machte Europa zu einem leichten Ziel f\u00fcr die Trennungs-und-Eroberungs-Strategie des Kreml. Erst vor relativ kurzer Zeit entwarf die Union eine neue Politik und ein robustes Sanktionsregime, um die russische Aggression abzuschrecken. Und selbst jetzt \u2013 trotz der besten Bem\u00fchungen der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und des franz\u00f6sischen Pr\u00e4sidenten Emmanuel Macron \u2013 hat die EU noch immer keine wirksamen Kommunikationskan\u00e4le mit Russland geschaffen, um gemeinsame Probleme anzugehen.<\/p>\n\n\n\n Die T\u00fcrkei ist noch kein neues Russland, aber sie k\u00f6nnte dazu werden, wenn die Situation falsch gehandhabt wird. Vorerst betrachten die meisten Europ\u00e4er die T\u00fcrkei noch immer als einen komplizierten Partner und nicht als \"Systemrivalen\". Aber die Europ\u00e4er sollten die hart erk\u00e4mpften Lehren aus dem Umgang mit Russland in den letzten 15 Jahren beherzigen. Die Beziehungen zwischen der EU und der T\u00fcrkei brauchen neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen, um eine weitere Destabilisierung in der Region zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n Zu diesem Zweck sollten die Europ\u00e4er klarstellen, dass der EU-Beitrittsprozess entweder zur\u00fcckgedreht oder vorangetrieben werden kann und dass eine eher transaktionale Beziehung sowohl Zuckerbrot als auch Peitsche beinhaltet. Die Herausforderung wird darin bestehen, daf\u00fcr zu sorgen, dass es in einer Region, die nicht nur von Europa und der T\u00fcrkei, sondern auch von Russland, den USA und einem aufstrebenden China beeinflusst wird, noch Raum f\u00fcr politisches Engagement in Fragen der gemeinsamen Sicherheit gibt. (Mark Leonard, \u00dcbersetzung: Eva G\u00f6llner, Copyright: Project Syndicate, 10.8.2020)<\/p>\n\n\n\n Mark Leonard <\/strong>ist Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen.<\/a><\/p>\n","post_title":"Erdo\u011fan \u2013 der andere Putin vor der Haust\u00fcr Europas","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"erdogan-der-andere-putin-vor-der-haustur-europas","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3789","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":39},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};
\n Aber wird da nicht doch zu viel in einen Formalakt rund um ein uraltes Bauwerk hineininterpretiert? Im geschichtlichen Kontext relativiert sich manches: Konstantinopel wurde schon von Christen erobert und ausgepl\u00fcndert \u2013 1204 im Vierten Kreuzzug. In der Moschee von Cordoba (\"Mezquita\") bauten die Katholiken eine ganze Kirche in den ber\u00fchmten S\u00e4ulenwald hinein. Die Mezquita ist heute noch Kirche, kein Museum.<\/p>\n\n\n\n \"Das ist der Beweis, dass wir kein s\u00e4kularer Staat mehr sein wollen\", sagt Nobelpreistr\u00e4ger Orhan Pamuk. Erdo\u011fan betrachtet sich offenbar als auch neoosmanischer \"Fatih\" im Mittelmeerraum mit immer neuen Abenteuern: Eingreifen in Syrien, Stellvertreterkrieg in Libyen, Anspr\u00fcche auf Erdgasvorkommen weit vor der t\u00fcrkischen K\u00fcste bei Zypern, Reden, wonach manche \u00c4g\u00e4is-Inseln eigentlich zur T\u00fcrkei geh\u00f6ren, \"denn dort stehen unsere Moscheen\". 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Diese Frage wird in den europ\u00e4ischen Hauptst\u00e4dten zunehmend gestellt, da die Au\u00dfenpolitik des t\u00fcrkischen Pr\u00e4sidenten Recep Tayyip Erdo\u011fan zunehmend aggressiver wird. Erdo\u011fan nutzt nicht nur die Migration, um die EU zu bedrohen und zu betr\u00fcgen, sondern setzt auch milit\u00e4rische Macht ein, um den Einflussbereich der T\u00fcrkei auf die gesamte Region auszudehnen.<\/p>\n\n\n\n Seit dem Ende des Kalten Krieges haben die Europ\u00e4er die regionale Sicherheit durch eine unipolare westliche Linse betrachtet. W\u00e4hrend die Nato die milit\u00e4rische Sicherheit garantierte, sorgte die EU mit ihrem 80.000 Seiten starken Regelwerk f\u00fcr alles von LGBTQ-Rechten bis hin zu Rasenm\u00e4her-Sound-Verordnungen f\u00fcr Rechtsordnung. In den 90er-Jahren ging man allgemein davon aus, dass die beiden gro\u00dfen nichtwestlichen regionalen Akteure, Russland und die T\u00fcrkei, nach und nach an diese Regelungen herangef\u00fchrt werden w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n Doch in den letzten 15 Jahren ist der Traum von der europ\u00e4ischen Unipolarit\u00e4t einer multipolaren Realit\u00e4t gewichen. Sowohl Russland als auch die T\u00fcrkei haben eine lange, qu\u00e4lende Hassliebe zu Europa, und beide sind unter nationalen Machthabern, denen die Verachtung der Normen und Werte der EU gemeinsam ist, durchsetzungsf\u00e4higer geworden.<\/p>\n\n\n\n Die zunehmende Verschlechterung der Beziehungen zwischen der EU und Russland ist gut dokumentiert, der Fall der T\u00fcrkei weniger. Der Irakkrieg im Jahr 2003 komplizierte das Verh\u00e4ltnis der T\u00fcrkei zur Nato, und ihr Verh\u00e4ltnis zur EU verschlechterte sich 2007, als Frankreich einen wichtigen Teil ihrer EU-Beitrittsverhandlungen blockierte. Seitdem hat die T\u00fcrkei ihren eigenen Weg in Syrien, auf dem Balkan und in Libyen eingeschlagen und neue Beziehungen zu Russland und China aufgebaut.<\/p>\n\n\n\n Nat\u00fcrlich sind die Beziehungen zwischen der T\u00fcrkei und Russland nicht weniger kompliziert, nicht zuletzt weil Erdo\u011fan und der russische Pr\u00e4sident Wladimir Putin im syrischen B\u00fcrgerkrieg verschiedene Seiten unterst\u00fctzten.Und w\u00e4hrend die Spannungen wegen des Syrien-Konflikts weiterhin bestehen, bewundert Erdo\u011fan deutlich, wie Russland sich \u2013 bei relativ geringen Kosten \u2013 wieder als wichtiger Akteur im Nahen Osten und in Nordafrika etabliert hat.<\/p>\n\n\n\n Nachdem er in einen nicht zu gewinnenden Krieg im Osten der Ukraine verwickelt war, schien Putins weitgehend erfolgreicher Feldzug in Syrien einen Teil seiner innenpolitischen Autorit\u00e4t wiederherzustellen. Der Westen hatte f\u00fcnf Jahre lang darauf bestanden, dass es keine milit\u00e4rische L\u00f6sung des Konflikts gebe und dass der syrische Pr\u00e4sident Baschar al-Assad gehen m\u00fcsse. Doch w\u00e4hrend die von den Vereinten Nationen unterst\u00fctzten Gespr\u00e4che in Genf zu keinem Ergebnis f\u00fchrten, schienen die von Russland geleiteten Gespr\u00e4che in Astana voranzukommen. Indem der Kreml die T\u00fcrkei und den Iran einbezog, w\u00e4hrend er die westlichen M\u00e4chte ausschloss, erweckte er den Eindruck, dass Russland als wiedergeborene Supermacht aus der Asche auferstanden sei.<\/p>\n\n\n\n Angesichts des wachsenden Widerstands im eigenen Land macht es Erdo\u011fan Putin gleich. Da der Westen nicht bereit war, (erneut) milit\u00e4risch in Libyen zu intervenieren, sah Erdo\u011fan eine Gelegenheit, die T\u00fcrkei zu positionieren. Nach dem Vorgehen Russlands in Syrien sicherte er sich eine formelle Einladung der libyschen Regierung zur Intervention. Mit einem Schlag Ende letzten Jahres hat er nicht nur das Image der T\u00fcrkei als Regionalmacht gest\u00e4rkt, sondern auch ein Abkommen mit Libyen \u00fcber die Seegrenze abgeschlossen und damit einen Plan Griechenlands, Zyperns, \u00c4gyptens und Israels zur Erschlie\u00dfung von Unterwasser\u00f6l- und -gasfeldern in der N\u00e4he zunichtegemacht.<\/p>\n\n\n\n Erdo\u011fan scheint auch von der Spalt-und-Eroberungs-Strategie des Kreml in Europa inspiriert worden zu sein, der zufolge oft diejenigen EU-Mitgliedsstaaten unter Druck gesetzt werden, die am meisten von russischen Kohlenwasserstoffen oder M\u00e4rkten abh\u00e4ngig sind. So wie Putin lange Zeit die Energieversorgung instrumentalisiert hat, hat Erdo\u011fan versucht, den Strom von Migranten und Fl\u00fcchtlingen, die vor Konflikten im Nahen Osten fliehen, zu instrumentalisieren. Als die EU eine neue Marinemission ank\u00fcndigte, um den Waffenstrom nach Libyen zu blockieren, malte die T\u00fcrkei f\u00fcr Malta das Schreckgespenst der angeblichen Bedrohung durch Migranten an die Wand. Malta reagierte prompt und signalisierte, dass es gegen die Finanzierung der Mission ein Veto einlegen werde.<\/p>\n\n\n\n Jahrelang redeten sich die Europ\u00e4er ein, dass Russland eine Art verlorener Sohn sei und dass die europ\u00e4ische unipolare Ordnung gesund bleibe. Doch das machte Europa zu einem leichten Ziel f\u00fcr die Trennungs-und-Eroberungs-Strategie des Kreml. Erst vor relativ kurzer Zeit entwarf die Union eine neue Politik und ein robustes Sanktionsregime, um die russische Aggression abzuschrecken. Und selbst jetzt \u2013 trotz der besten Bem\u00fchungen der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und des franz\u00f6sischen Pr\u00e4sidenten Emmanuel Macron \u2013 hat die EU noch immer keine wirksamen Kommunikationskan\u00e4le mit Russland geschaffen, um gemeinsame Probleme anzugehen.<\/p>\n\n\n\n Die T\u00fcrkei ist noch kein neues Russland, aber sie k\u00f6nnte dazu werden, wenn die Situation falsch gehandhabt wird. Vorerst betrachten die meisten Europ\u00e4er die T\u00fcrkei noch immer als einen komplizierten Partner und nicht als \"Systemrivalen\". Aber die Europ\u00e4er sollten die hart erk\u00e4mpften Lehren aus dem Umgang mit Russland in den letzten 15 Jahren beherzigen. Die Beziehungen zwischen der EU und der T\u00fcrkei brauchen neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen, um eine weitere Destabilisierung in der Region zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n Zu diesem Zweck sollten die Europ\u00e4er klarstellen, dass der EU-Beitrittsprozess entweder zur\u00fcckgedreht oder vorangetrieben werden kann und dass eine eher transaktionale Beziehung sowohl Zuckerbrot als auch Peitsche beinhaltet. Die Herausforderung wird darin bestehen, daf\u00fcr zu sorgen, dass es in einer Region, die nicht nur von Europa und der T\u00fcrkei, sondern auch von Russland, den USA und einem aufstrebenden China beeinflusst wird, noch Raum f\u00fcr politisches Engagement in Fragen der gemeinsamen Sicherheit gibt. (Mark Leonard, \u00dcbersetzung: Eva G\u00f6llner, Copyright: Project Syndicate, 10.8.2020)<\/p>\n\n\n\n Mark Leonard <\/strong>ist Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen.<\/a><\/p>\n","post_title":"Erdo\u011fan \u2013 der andere Putin vor der Haust\u00fcr Europas","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"erdogan-der-andere-putin-vor-der-haustur-europas","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3789","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":39},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};
\n Aber wird da nicht doch zu viel in einen Formalakt rund um ein uraltes Bauwerk hineininterpretiert? Im geschichtlichen Kontext relativiert sich manches: Konstantinopel wurde schon von Christen erobert und ausgepl\u00fcndert \u2013 1204 im Vierten Kreuzzug. In der Moschee von Cordoba (\"Mezquita\") bauten die Katholiken eine ganze Kirche in den ber\u00fchmten S\u00e4ulenwald hinein. Die Mezquita ist heute noch Kirche, kein Museum.<\/p>\n\n\n\n \"Das ist der Beweis, dass wir kein s\u00e4kularer Staat mehr sein wollen\", sagt Nobelpreistr\u00e4ger Orhan Pamuk. Erdo\u011fan betrachtet sich offenbar als auch neoosmanischer \"Fatih\" im Mittelmeerraum mit immer neuen Abenteuern: Eingreifen in Syrien, Stellvertreterkrieg in Libyen, Anspr\u00fcche auf Erdgasvorkommen weit vor der t\u00fcrkischen K\u00fcste bei Zypern, Reden, wonach manche \u00c4g\u00e4is-Inseln eigentlich zur T\u00fcrkei geh\u00f6ren, \"denn dort stehen unsere Moscheen\". 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Diese Frage wird in den europ\u00e4ischen Hauptst\u00e4dten zunehmend gestellt, da die Au\u00dfenpolitik des t\u00fcrkischen Pr\u00e4sidenten Recep Tayyip Erdo\u011fan zunehmend aggressiver wird. Erdo\u011fan nutzt nicht nur die Migration, um die EU zu bedrohen und zu betr\u00fcgen, sondern setzt auch milit\u00e4rische Macht ein, um den Einflussbereich der T\u00fcrkei auf die gesamte Region auszudehnen.<\/p>\n\n\n\n Seit dem Ende des Kalten Krieges haben die Europ\u00e4er die regionale Sicherheit durch eine unipolare westliche Linse betrachtet. W\u00e4hrend die Nato die milit\u00e4rische Sicherheit garantierte, sorgte die EU mit ihrem 80.000 Seiten starken Regelwerk f\u00fcr alles von LGBTQ-Rechten bis hin zu Rasenm\u00e4her-Sound-Verordnungen f\u00fcr Rechtsordnung. In den 90er-Jahren ging man allgemein davon aus, dass die beiden gro\u00dfen nichtwestlichen regionalen Akteure, Russland und die T\u00fcrkei, nach und nach an diese Regelungen herangef\u00fchrt werden w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n Doch in den letzten 15 Jahren ist der Traum von der europ\u00e4ischen Unipolarit\u00e4t einer multipolaren Realit\u00e4t gewichen. Sowohl Russland als auch die T\u00fcrkei haben eine lange, qu\u00e4lende Hassliebe zu Europa, und beide sind unter nationalen Machthabern, denen die Verachtung der Normen und Werte der EU gemeinsam ist, durchsetzungsf\u00e4higer geworden.<\/p>\n\n\n\n Die zunehmende Verschlechterung der Beziehungen zwischen der EU und Russland ist gut dokumentiert, der Fall der T\u00fcrkei weniger. Der Irakkrieg im Jahr 2003 komplizierte das Verh\u00e4ltnis der T\u00fcrkei zur Nato, und ihr Verh\u00e4ltnis zur EU verschlechterte sich 2007, als Frankreich einen wichtigen Teil ihrer EU-Beitrittsverhandlungen blockierte. Seitdem hat die T\u00fcrkei ihren eigenen Weg in Syrien, auf dem Balkan und in Libyen eingeschlagen und neue Beziehungen zu Russland und China aufgebaut.<\/p>\n\n\n\n Nat\u00fcrlich sind die Beziehungen zwischen der T\u00fcrkei und Russland nicht weniger kompliziert, nicht zuletzt weil Erdo\u011fan und der russische Pr\u00e4sident Wladimir Putin im syrischen B\u00fcrgerkrieg verschiedene Seiten unterst\u00fctzten.Und w\u00e4hrend die Spannungen wegen des Syrien-Konflikts weiterhin bestehen, bewundert Erdo\u011fan deutlich, wie Russland sich \u2013 bei relativ geringen Kosten \u2013 wieder als wichtiger Akteur im Nahen Osten und in Nordafrika etabliert hat.<\/p>\n\n\n\n Nachdem er in einen nicht zu gewinnenden Krieg im Osten der Ukraine verwickelt war, schien Putins weitgehend erfolgreicher Feldzug in Syrien einen Teil seiner innenpolitischen Autorit\u00e4t wiederherzustellen. Der Westen hatte f\u00fcnf Jahre lang darauf bestanden, dass es keine milit\u00e4rische L\u00f6sung des Konflikts gebe und dass der syrische Pr\u00e4sident Baschar al-Assad gehen m\u00fcsse. Doch w\u00e4hrend die von den Vereinten Nationen unterst\u00fctzten Gespr\u00e4che in Genf zu keinem Ergebnis f\u00fchrten, schienen die von Russland geleiteten Gespr\u00e4che in Astana voranzukommen. Indem der Kreml die T\u00fcrkei und den Iran einbezog, w\u00e4hrend er die westlichen M\u00e4chte ausschloss, erweckte er den Eindruck, dass Russland als wiedergeborene Supermacht aus der Asche auferstanden sei.<\/p>\n\n\n\n Angesichts des wachsenden Widerstands im eigenen Land macht es Erdo\u011fan Putin gleich. Da der Westen nicht bereit war, (erneut) milit\u00e4risch in Libyen zu intervenieren, sah Erdo\u011fan eine Gelegenheit, die T\u00fcrkei zu positionieren. Nach dem Vorgehen Russlands in Syrien sicherte er sich eine formelle Einladung der libyschen Regierung zur Intervention. Mit einem Schlag Ende letzten Jahres hat er nicht nur das Image der T\u00fcrkei als Regionalmacht gest\u00e4rkt, sondern auch ein Abkommen mit Libyen \u00fcber die Seegrenze abgeschlossen und damit einen Plan Griechenlands, Zyperns, \u00c4gyptens und Israels zur Erschlie\u00dfung von Unterwasser\u00f6l- und -gasfeldern in der N\u00e4he zunichtegemacht.<\/p>\n\n\n\n Erdo\u011fan scheint auch von der Spalt-und-Eroberungs-Strategie des Kreml in Europa inspiriert worden zu sein, der zufolge oft diejenigen EU-Mitgliedsstaaten unter Druck gesetzt werden, die am meisten von russischen Kohlenwasserstoffen oder M\u00e4rkten abh\u00e4ngig sind. So wie Putin lange Zeit die Energieversorgung instrumentalisiert hat, hat Erdo\u011fan versucht, den Strom von Migranten und Fl\u00fcchtlingen, die vor Konflikten im Nahen Osten fliehen, zu instrumentalisieren. Als die EU eine neue Marinemission ank\u00fcndigte, um den Waffenstrom nach Libyen zu blockieren, malte die T\u00fcrkei f\u00fcr Malta das Schreckgespenst der angeblichen Bedrohung durch Migranten an die Wand. Malta reagierte prompt und signalisierte, dass es gegen die Finanzierung der Mission ein Veto einlegen werde.<\/p>\n\n\n\n Jahrelang redeten sich die Europ\u00e4er ein, dass Russland eine Art verlorener Sohn sei und dass die europ\u00e4ische unipolare Ordnung gesund bleibe. Doch das machte Europa zu einem leichten Ziel f\u00fcr die Trennungs-und-Eroberungs-Strategie des Kreml. Erst vor relativ kurzer Zeit entwarf die Union eine neue Politik und ein robustes Sanktionsregime, um die russische Aggression abzuschrecken. Und selbst jetzt \u2013 trotz der besten Bem\u00fchungen der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und des franz\u00f6sischen Pr\u00e4sidenten Emmanuel Macron \u2013 hat die EU noch immer keine wirksamen Kommunikationskan\u00e4le mit Russland geschaffen, um gemeinsame Probleme anzugehen.<\/p>\n\n\n\n Die T\u00fcrkei ist noch kein neues Russland, aber sie k\u00f6nnte dazu werden, wenn die Situation falsch gehandhabt wird. Vorerst betrachten die meisten Europ\u00e4er die T\u00fcrkei noch immer als einen komplizierten Partner und nicht als \"Systemrivalen\". Aber die Europ\u00e4er sollten die hart erk\u00e4mpften Lehren aus dem Umgang mit Russland in den letzten 15 Jahren beherzigen. Die Beziehungen zwischen der EU und der T\u00fcrkei brauchen neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen, um eine weitere Destabilisierung in der Region zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n Zu diesem Zweck sollten die Europ\u00e4er klarstellen, dass der EU-Beitrittsprozess entweder zur\u00fcckgedreht oder vorangetrieben werden kann und dass eine eher transaktionale Beziehung sowohl Zuckerbrot als auch Peitsche beinhaltet. Die Herausforderung wird darin bestehen, daf\u00fcr zu sorgen, dass es in einer Region, die nicht nur von Europa und der T\u00fcrkei, sondern auch von Russland, den USA und einem aufstrebenden China beeinflusst wird, noch Raum f\u00fcr politisches Engagement in Fragen der gemeinsamen Sicherheit gibt. (Mark Leonard, \u00dcbersetzung: Eva G\u00f6llner, Copyright: Project Syndicate, 10.8.2020)<\/p>\n\n\n\n Mark Leonard <\/strong>ist Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen.<\/a><\/p>\n","post_title":"Erdo\u011fan \u2013 der andere Putin vor der Haust\u00fcr Europas","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"erdogan-der-andere-putin-vor-der-haustur-europas","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3789","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":39},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};
\n Jetzt stellen sich neue symbolisch-praktische Fragen. Erdo\u011fan hat die Hagia Sophia der konservativen staatlichen Religionsbeh\u00f6rde Diyanet unterstellt. Die byzantinischen Mosaike, wie der gro\u00dfartige \"Christos Pantokrator\" (\"Weltenherrscher\") oder die Jungfrau Maria in der Apsis, m\u00fcssen wohl w\u00e4hrend des islamischen Gottesdiensts verh\u00e4ngt werden. Muss der Boden mit seinen Marmorplatten und Mosaiken mit einem Teppich bedeckt werden? Erdo\u011fan sagt, Touristen seien nach wie vor zugelassen. Aber sie werden wohl hinter Absperrungen bleiben m\u00fcssen. Frauen werden \u2013 wie in der benachbarten \"Blauen Moschee\" (\"Sultanahmed\") Kopftuch tragen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n Aber wird da nicht doch zu viel in einen Formalakt rund um ein uraltes Bauwerk hineininterpretiert? Im geschichtlichen Kontext relativiert sich manches: Konstantinopel wurde schon von Christen erobert und ausgepl\u00fcndert \u2013 1204 im Vierten Kreuzzug. In der Moschee von Cordoba (\"Mezquita\") bauten die Katholiken eine ganze Kirche in den ber\u00fchmten S\u00e4ulenwald hinein. Die Mezquita ist heute noch Kirche, kein Museum.<\/p>\n\n\n\n \"Das ist der Beweis, dass wir kein s\u00e4kularer Staat mehr sein wollen\", sagt Nobelpreistr\u00e4ger Orhan Pamuk. Erdo\u011fan betrachtet sich offenbar als auch neoosmanischer \"Fatih\" im Mittelmeerraum mit immer neuen Abenteuern: Eingreifen in Syrien, Stellvertreterkrieg in Libyen, Anspr\u00fcche auf Erdgasvorkommen weit vor der t\u00fcrkischen K\u00fcste bei Zypern, Reden, wonach manche \u00c4g\u00e4is-Inseln eigentlich zur T\u00fcrkei geh\u00f6ren, \"denn dort stehen unsere Moscheen\". Manches davon ist nur Rhetorik, aber genug anderes ist riskante Realit\u00e4t. (Hans Rauscher, 14.7.2020)<\/p>\n\n\n\n Quelle<\/a><\/strong><\/p>\n","post_title":"Hagia Sophia: Verengung und Verarmung eines Welterbes","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"hagia-sophia-verengung-und-verarmung-eines-welterbes","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3792","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3789,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:56:07","post_date_gmt":"2020-08-14 13:56:07","post_content":"\n Im Gastkommentar pocht Mark Leonard, Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen, auf \"neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen\", nur so k\u00f6nne eine weitere Destabilisierung in der Region verhindert werden.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n Ist die T\u00fcrkei das neue Russland? Diese Frage wird in den europ\u00e4ischen Hauptst\u00e4dten zunehmend gestellt, da die Au\u00dfenpolitik des t\u00fcrkischen Pr\u00e4sidenten Recep Tayyip Erdo\u011fan zunehmend aggressiver wird. Erdo\u011fan nutzt nicht nur die Migration, um die EU zu bedrohen und zu betr\u00fcgen, sondern setzt auch milit\u00e4rische Macht ein, um den Einflussbereich der T\u00fcrkei auf die gesamte Region auszudehnen.<\/p>\n\n\n\n Seit dem Ende des Kalten Krieges haben die Europ\u00e4er die regionale Sicherheit durch eine unipolare westliche Linse betrachtet. W\u00e4hrend die Nato die milit\u00e4rische Sicherheit garantierte, sorgte die EU mit ihrem 80.000 Seiten starken Regelwerk f\u00fcr alles von LGBTQ-Rechten bis hin zu Rasenm\u00e4her-Sound-Verordnungen f\u00fcr Rechtsordnung. In den 90er-Jahren ging man allgemein davon aus, dass die beiden gro\u00dfen nichtwestlichen regionalen Akteure, Russland und die T\u00fcrkei, nach und nach an diese Regelungen herangef\u00fchrt werden w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n Doch in den letzten 15 Jahren ist der Traum von der europ\u00e4ischen Unipolarit\u00e4t einer multipolaren Realit\u00e4t gewichen. Sowohl Russland als auch die T\u00fcrkei haben eine lange, qu\u00e4lende Hassliebe zu Europa, und beide sind unter nationalen Machthabern, denen die Verachtung der Normen und Werte der EU gemeinsam ist, durchsetzungsf\u00e4higer geworden.<\/p>\n\n\n\n Die zunehmende Verschlechterung der Beziehungen zwischen der EU und Russland ist gut dokumentiert, der Fall der T\u00fcrkei weniger. Der Irakkrieg im Jahr 2003 komplizierte das Verh\u00e4ltnis der T\u00fcrkei zur Nato, und ihr Verh\u00e4ltnis zur EU verschlechterte sich 2007, als Frankreich einen wichtigen Teil ihrer EU-Beitrittsverhandlungen blockierte. Seitdem hat die T\u00fcrkei ihren eigenen Weg in Syrien, auf dem Balkan und in Libyen eingeschlagen und neue Beziehungen zu Russland und China aufgebaut.<\/p>\n\n\n\n Nat\u00fcrlich sind die Beziehungen zwischen der T\u00fcrkei und Russland nicht weniger kompliziert, nicht zuletzt weil Erdo\u011fan und der russische Pr\u00e4sident Wladimir Putin im syrischen B\u00fcrgerkrieg verschiedene Seiten unterst\u00fctzten.Und w\u00e4hrend die Spannungen wegen des Syrien-Konflikts weiterhin bestehen, bewundert Erdo\u011fan deutlich, wie Russland sich \u2013 bei relativ geringen Kosten \u2013 wieder als wichtiger Akteur im Nahen Osten und in Nordafrika etabliert hat.<\/p>\n\n\n\n Nachdem er in einen nicht zu gewinnenden Krieg im Osten der Ukraine verwickelt war, schien Putins weitgehend erfolgreicher Feldzug in Syrien einen Teil seiner innenpolitischen Autorit\u00e4t wiederherzustellen. Der Westen hatte f\u00fcnf Jahre lang darauf bestanden, dass es keine milit\u00e4rische L\u00f6sung des Konflikts gebe und dass der syrische Pr\u00e4sident Baschar al-Assad gehen m\u00fcsse. Doch w\u00e4hrend die von den Vereinten Nationen unterst\u00fctzten Gespr\u00e4che in Genf zu keinem Ergebnis f\u00fchrten, schienen die von Russland geleiteten Gespr\u00e4che in Astana voranzukommen. Indem der Kreml die T\u00fcrkei und den Iran einbezog, w\u00e4hrend er die westlichen M\u00e4chte ausschloss, erweckte er den Eindruck, dass Russland als wiedergeborene Supermacht aus der Asche auferstanden sei.<\/p>\n\n\n\n Angesichts des wachsenden Widerstands im eigenen Land macht es Erdo\u011fan Putin gleich. Da der Westen nicht bereit war, (erneut) milit\u00e4risch in Libyen zu intervenieren, sah Erdo\u011fan eine Gelegenheit, die T\u00fcrkei zu positionieren. Nach dem Vorgehen Russlands in Syrien sicherte er sich eine formelle Einladung der libyschen Regierung zur Intervention. 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Als die EU eine neue Marinemission ank\u00fcndigte, um den Waffenstrom nach Libyen zu blockieren, malte die T\u00fcrkei f\u00fcr Malta das Schreckgespenst der angeblichen Bedrohung durch Migranten an die Wand. Malta reagierte prompt und signalisierte, dass es gegen die Finanzierung der Mission ein Veto einlegen werde.<\/p>\n\n\n\n Jahrelang redeten sich die Europ\u00e4er ein, dass Russland eine Art verlorener Sohn sei und dass die europ\u00e4ische unipolare Ordnung gesund bleibe. Doch das machte Europa zu einem leichten Ziel f\u00fcr die Trennungs-und-Eroberungs-Strategie des Kreml. Erst vor relativ kurzer Zeit entwarf die Union eine neue Politik und ein robustes Sanktionsregime, um die russische Aggression abzuschrecken. Und selbst jetzt \u2013 trotz der besten Bem\u00fchungen der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und des franz\u00f6sischen Pr\u00e4sidenten Emmanuel Macron \u2013 hat die EU noch immer keine wirksamen Kommunikationskan\u00e4le mit Russland geschaffen, um gemeinsame Probleme anzugehen.<\/p>\n\n\n\n Die T\u00fcrkei ist noch kein neues Russland, aber sie k\u00f6nnte dazu werden, wenn die Situation falsch gehandhabt wird. Vorerst betrachten die meisten Europ\u00e4er die T\u00fcrkei noch immer als einen komplizierten Partner und nicht als \"Systemrivalen\". Aber die Europ\u00e4er sollten die hart erk\u00e4mpften Lehren aus dem Umgang mit Russland in den letzten 15 Jahren beherzigen. Die Beziehungen zwischen der EU und der T\u00fcrkei brauchen neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen, um eine weitere Destabilisierung in der Region zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n Zu diesem Zweck sollten die Europ\u00e4er klarstellen, dass der EU-Beitrittsprozess entweder zur\u00fcckgedreht oder vorangetrieben werden kann und dass eine eher transaktionale Beziehung sowohl Zuckerbrot als auch Peitsche beinhaltet. Die Herausforderung wird darin bestehen, daf\u00fcr zu sorgen, dass es in einer Region, die nicht nur von Europa und der T\u00fcrkei, sondern auch von Russland, den USA und einem aufstrebenden China beeinflusst wird, noch Raum f\u00fcr politisches Engagement in Fragen der gemeinsamen Sicherheit gibt. (Mark Leonard, \u00dcbersetzung: Eva G\u00f6llner, Copyright: Project Syndicate, 10.8.2020)<\/p>\n\n\n\n Mark Leonard <\/strong>ist Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen.<\/a><\/p>\n","post_title":"Erdo\u011fan \u2013 der andere Putin vor der Haust\u00fcr Europas","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"erdogan-der-andere-putin-vor-der-haustur-europas","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3789","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":39},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};
\n Die Kirche wurde von Mehmed II. und Nachfolgern nicht in der Substanz zerst\u00f6rt, sondern \"entchristlicht\". Die urspr\u00fcnglich \u00fcbert\u00fcnchten oder auch abgeschlagenen Mosaiken mit den Darstellungen von Christus, der Muttergottes, diversen Kaisern kamen zum Teil schon unter einem Sultan des 19. Jahrhunderts, dann gro\u00dfteils nach der Museumswidmung wieder zum Vorschein.<\/p>\n\n\n\n Jetzt stellen sich neue symbolisch-praktische Fragen. Erdo\u011fan hat die Hagia Sophia der konservativen staatlichen Religionsbeh\u00f6rde Diyanet unterstellt. Die byzantinischen Mosaike, wie der gro\u00dfartige \"Christos Pantokrator\" (\"Weltenherrscher\") oder die Jungfrau Maria in der Apsis, m\u00fcssen wohl w\u00e4hrend des islamischen Gottesdiensts verh\u00e4ngt werden. Muss der Boden mit seinen Marmorplatten und Mosaiken mit einem Teppich bedeckt werden? Erdo\u011fan sagt, Touristen seien nach wie vor zugelassen. Aber sie werden wohl hinter Absperrungen bleiben m\u00fcssen. Frauen werden \u2013 wie in der benachbarten \"Blauen Moschee\" (\"Sultanahmed\") Kopftuch tragen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n Aber wird da nicht doch zu viel in einen Formalakt rund um ein uraltes Bauwerk hineininterpretiert? Im geschichtlichen Kontext relativiert sich manches: Konstantinopel wurde schon von Christen erobert und ausgepl\u00fcndert \u2013 1204 im Vierten Kreuzzug. In der Moschee von Cordoba (\"Mezquita\") bauten die Katholiken eine ganze Kirche in den ber\u00fchmten S\u00e4ulenwald hinein. Die Mezquita ist heute noch Kirche, kein Museum.<\/p>\n\n\n\n \"Das ist der Beweis, dass wir kein s\u00e4kularer Staat mehr sein wollen\", sagt Nobelpreistr\u00e4ger Orhan Pamuk. 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Seitdem hat die T\u00fcrkei ihren eigenen Weg in Syrien, auf dem Balkan und in Libyen eingeschlagen und neue Beziehungen zu Russland und China aufgebaut.<\/p>\n\n\n\n Nat\u00fcrlich sind die Beziehungen zwischen der T\u00fcrkei und Russland nicht weniger kompliziert, nicht zuletzt weil Erdo\u011fan und der russische Pr\u00e4sident Wladimir Putin im syrischen B\u00fcrgerkrieg verschiedene Seiten unterst\u00fctzten.Und w\u00e4hrend die Spannungen wegen des Syrien-Konflikts weiterhin bestehen, bewundert Erdo\u011fan deutlich, wie Russland sich \u2013 bei relativ geringen Kosten \u2013 wieder als wichtiger Akteur im Nahen Osten und in Nordafrika etabliert hat.<\/p>\n\n\n\n Nachdem er in einen nicht zu gewinnenden Krieg im Osten der Ukraine verwickelt war, schien Putins weitgehend erfolgreicher Feldzug in Syrien einen Teil seiner innenpolitischen Autorit\u00e4t wiederherzustellen. Der Westen hatte f\u00fcnf Jahre lang darauf bestanden, dass es keine milit\u00e4rische L\u00f6sung des Konflikts gebe und dass der syrische Pr\u00e4sident Baschar al-Assad gehen m\u00fcsse. Doch w\u00e4hrend die von den Vereinten Nationen unterst\u00fctzten Gespr\u00e4che in Genf zu keinem Ergebnis f\u00fchrten, schienen die von Russland geleiteten Gespr\u00e4che in Astana voranzukommen. Indem der Kreml die T\u00fcrkei und den Iran einbezog, w\u00e4hrend er die westlichen M\u00e4chte ausschloss, erweckte er den Eindruck, dass Russland als wiedergeborene Supermacht aus der Asche auferstanden sei.<\/p>\n\n\n\n Angesichts des wachsenden Widerstands im eigenen Land macht es Erdo\u011fan Putin gleich. Da der Westen nicht bereit war, (erneut) milit\u00e4risch in Libyen zu intervenieren, sah Erdo\u011fan eine Gelegenheit, die T\u00fcrkei zu positionieren. Nach dem Vorgehen Russlands in Syrien sicherte er sich eine formelle Einladung der libyschen Regierung zur Intervention. Mit einem Schlag Ende letzten Jahres hat er nicht nur das Image der T\u00fcrkei als Regionalmacht gest\u00e4rkt, sondern auch ein Abkommen mit Libyen \u00fcber die Seegrenze abgeschlossen und damit einen Plan Griechenlands, Zyperns, \u00c4gyptens und Israels zur Erschlie\u00dfung von Unterwasser\u00f6l- und -gasfeldern in der N\u00e4he zunichtegemacht.<\/p>\n\n\n\n Erdo\u011fan scheint auch von der Spalt-und-Eroberungs-Strategie des Kreml in Europa inspiriert worden zu sein, der zufolge oft diejenigen EU-Mitgliedsstaaten unter Druck gesetzt werden, die am meisten von russischen Kohlenwasserstoffen oder M\u00e4rkten abh\u00e4ngig sind. So wie Putin lange Zeit die Energieversorgung instrumentalisiert hat, hat Erdo\u011fan versucht, den Strom von Migranten und Fl\u00fcchtlingen, die vor Konflikten im Nahen Osten fliehen, zu instrumentalisieren. Als die EU eine neue Marinemission ank\u00fcndigte, um den Waffenstrom nach Libyen zu blockieren, malte die T\u00fcrkei f\u00fcr Malta das Schreckgespenst der angeblichen Bedrohung durch Migranten an die Wand. Malta reagierte prompt und signalisierte, dass es gegen die Finanzierung der Mission ein Veto einlegen werde.<\/p>\n\n\n\n Jahrelang redeten sich die Europ\u00e4er ein, dass Russland eine Art verlorener Sohn sei und dass die europ\u00e4ische unipolare Ordnung gesund bleibe. Doch das machte Europa zu einem leichten Ziel f\u00fcr die Trennungs-und-Eroberungs-Strategie des Kreml. Erst vor relativ kurzer Zeit entwarf die Union eine neue Politik und ein robustes Sanktionsregime, um die russische Aggression abzuschrecken. Und selbst jetzt \u2013 trotz der besten Bem\u00fchungen der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und des franz\u00f6sischen Pr\u00e4sidenten Emmanuel Macron \u2013 hat die EU noch immer keine wirksamen Kommunikationskan\u00e4le mit Russland geschaffen, um gemeinsame Probleme anzugehen.<\/p>\n\n\n\n Die T\u00fcrkei ist noch kein neues Russland, aber sie k\u00f6nnte dazu werden, wenn die Situation falsch gehandhabt wird. Vorerst betrachten die meisten Europ\u00e4er die T\u00fcrkei noch immer als einen komplizierten Partner und nicht als \"Systemrivalen\". Aber die Europ\u00e4er sollten die hart erk\u00e4mpften Lehren aus dem Umgang mit Russland in den letzten 15 Jahren beherzigen. Die Beziehungen zwischen der EU und der T\u00fcrkei brauchen neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen, um eine weitere Destabilisierung in der Region zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n Zu diesem Zweck sollten die Europ\u00e4er klarstellen, dass der EU-Beitrittsprozess entweder zur\u00fcckgedreht oder vorangetrieben werden kann und dass eine eher transaktionale Beziehung sowohl Zuckerbrot als auch Peitsche beinhaltet. Die Herausforderung wird darin bestehen, daf\u00fcr zu sorgen, dass es in einer Region, die nicht nur von Europa und der T\u00fcrkei, sondern auch von Russland, den USA und einem aufstrebenden China beeinflusst wird, noch Raum f\u00fcr politisches Engagement in Fragen der gemeinsamen Sicherheit gibt. (Mark Leonard, \u00dcbersetzung: Eva G\u00f6llner, Copyright: Project Syndicate, 10.8.2020)<\/p>\n\n\n\n Mark Leonard <\/strong>ist Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen.<\/a><\/p>\n","post_title":"Erdo\u011fan \u2013 der andere Putin vor der Haust\u00fcr Europas","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"erdogan-der-andere-putin-vor-der-haustur-europas","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3789","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":39},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};
\n Die Kirche wurde von Mehmed II. und Nachfolgern nicht in der Substanz zerst\u00f6rt, sondern \"entchristlicht\". Die urspr\u00fcnglich \u00fcbert\u00fcnchten oder auch abgeschlagenen Mosaiken mit den Darstellungen von Christus, der Muttergottes, diversen Kaisern kamen zum Teil schon unter einem Sultan des 19. Jahrhunderts, dann gro\u00dfteils nach der Museumswidmung wieder zum Vorschein.<\/p>\n\n\n\n Jetzt stellen sich neue symbolisch-praktische Fragen. Erdo\u011fan hat die Hagia Sophia der konservativen staatlichen Religionsbeh\u00f6rde Diyanet unterstellt. Die byzantinischen Mosaike, wie der gro\u00dfartige \"Christos Pantokrator\" (\"Weltenherrscher\") oder die Jungfrau Maria in der Apsis, m\u00fcssen wohl w\u00e4hrend des islamischen Gottesdiensts verh\u00e4ngt werden. Muss der Boden mit seinen Marmorplatten und Mosaiken mit einem Teppich bedeckt werden? Erdo\u011fan sagt, Touristen seien nach wie vor zugelassen. Aber sie werden wohl hinter Absperrungen bleiben m\u00fcssen. Frauen werden \u2013 wie in der benachbarten \"Blauen Moschee\" (\"Sultanahmed\") Kopftuch tragen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n Aber wird da nicht doch zu viel in einen Formalakt rund um ein uraltes Bauwerk hineininterpretiert? Im geschichtlichen Kontext relativiert sich manches: Konstantinopel wurde schon von Christen erobert und ausgepl\u00fcndert \u2013 1204 im Vierten Kreuzzug. In der Moschee von Cordoba (\"Mezquita\") bauten die Katholiken eine ganze Kirche in den ber\u00fchmten S\u00e4ulenwald hinein. Die Mezquita ist heute noch Kirche, kein Museum.<\/p>\n\n\n\n \"Das ist der Beweis, dass wir kein s\u00e4kularer Staat mehr sein wollen\", sagt Nobelpreistr\u00e4ger Orhan Pamuk. Erdo\u011fan betrachtet sich offenbar als auch neoosmanischer \"Fatih\" im Mittelmeerraum mit immer neuen Abenteuern: Eingreifen in Syrien, Stellvertreterkrieg in Libyen, Anspr\u00fcche auf Erdgasvorkommen weit vor der t\u00fcrkischen K\u00fcste bei Zypern, Reden, wonach manche \u00c4g\u00e4is-Inseln eigentlich zur T\u00fcrkei geh\u00f6ren, \"denn dort stehen unsere Moscheen\". Manches davon ist nur Rhetorik, aber genug anderes ist riskante Realit\u00e4t. (Hans Rauscher, 14.7.2020)<\/p>\n\n\n\n Quelle<\/a><\/strong><\/p>\n","post_title":"Hagia Sophia: Verengung und Verarmung eines Welterbes","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"hagia-sophia-verengung-und-verarmung-eines-welterbes","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3792","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3789,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:56:07","post_date_gmt":"2020-08-14 13:56:07","post_content":"\n Im Gastkommentar pocht Mark Leonard, Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen, auf \"neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen\", nur so k\u00f6nne eine weitere Destabilisierung in der Region verhindert werden.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n Ist die T\u00fcrkei das neue Russland? Diese Frage wird in den europ\u00e4ischen Hauptst\u00e4dten zunehmend gestellt, da die Au\u00dfenpolitik des t\u00fcrkischen Pr\u00e4sidenten Recep Tayyip Erdo\u011fan zunehmend aggressiver wird. Erdo\u011fan nutzt nicht nur die Migration, um die EU zu bedrohen und zu betr\u00fcgen, sondern setzt auch milit\u00e4rische Macht ein, um den Einflussbereich der T\u00fcrkei auf die gesamte Region auszudehnen.<\/p>\n\n\n\n Seit dem Ende des Kalten Krieges haben die Europ\u00e4er die regionale Sicherheit durch eine unipolare westliche Linse betrachtet. W\u00e4hrend die Nato die milit\u00e4rische Sicherheit garantierte, sorgte die EU mit ihrem 80.000 Seiten starken Regelwerk f\u00fcr alles von LGBTQ-Rechten bis hin zu Rasenm\u00e4her-Sound-Verordnungen f\u00fcr Rechtsordnung. In den 90er-Jahren ging man allgemein davon aus, dass die beiden gro\u00dfen nichtwestlichen regionalen Akteure, Russland und die T\u00fcrkei, nach und nach an diese Regelungen herangef\u00fchrt werden w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n Doch in den letzten 15 Jahren ist der Traum von der europ\u00e4ischen Unipolarit\u00e4t einer multipolaren Realit\u00e4t gewichen. Sowohl Russland als auch die T\u00fcrkei haben eine lange, qu\u00e4lende Hassliebe zu Europa, und beide sind unter nationalen Machthabern, denen die Verachtung der Normen und Werte der EU gemeinsam ist, durchsetzungsf\u00e4higer geworden.<\/p>\n\n\n\n Die zunehmende Verschlechterung der Beziehungen zwischen der EU und Russland ist gut dokumentiert, der Fall der T\u00fcrkei weniger. Der Irakkrieg im Jahr 2003 komplizierte das Verh\u00e4ltnis der T\u00fcrkei zur Nato, und ihr Verh\u00e4ltnis zur EU verschlechterte sich 2007, als Frankreich einen wichtigen Teil ihrer EU-Beitrittsverhandlungen blockierte. Seitdem hat die T\u00fcrkei ihren eigenen Weg in Syrien, auf dem Balkan und in Libyen eingeschlagen und neue Beziehungen zu Russland und China aufgebaut.<\/p>\n\n\n\n Nat\u00fcrlich sind die Beziehungen zwischen der T\u00fcrkei und Russland nicht weniger kompliziert, nicht zuletzt weil Erdo\u011fan und der russische Pr\u00e4sident Wladimir Putin im syrischen B\u00fcrgerkrieg verschiedene Seiten unterst\u00fctzten.Und w\u00e4hrend die Spannungen wegen des Syrien-Konflikts weiterhin bestehen, bewundert Erdo\u011fan deutlich, wie Russland sich \u2013 bei relativ geringen Kosten \u2013 wieder als wichtiger Akteur im Nahen Osten und in Nordafrika etabliert hat.<\/p>\n\n\n\n Nachdem er in einen nicht zu gewinnenden Krieg im Osten der Ukraine verwickelt war, schien Putins weitgehend erfolgreicher Feldzug in Syrien einen Teil seiner innenpolitischen Autorit\u00e4t wiederherzustellen. Der Westen hatte f\u00fcnf Jahre lang darauf bestanden, dass es keine milit\u00e4rische L\u00f6sung des Konflikts gebe und dass der syrische Pr\u00e4sident Baschar al-Assad gehen m\u00fcsse. Doch w\u00e4hrend die von den Vereinten Nationen unterst\u00fctzten Gespr\u00e4che in Genf zu keinem Ergebnis f\u00fchrten, schienen die von Russland geleiteten Gespr\u00e4che in Astana voranzukommen. Indem der Kreml die T\u00fcrkei und den Iran einbezog, w\u00e4hrend er die westlichen M\u00e4chte ausschloss, erweckte er den Eindruck, dass Russland als wiedergeborene Supermacht aus der Asche auferstanden sei.<\/p>\n\n\n\n Angesichts des wachsenden Widerstands im eigenen Land macht es Erdo\u011fan Putin gleich. Da der Westen nicht bereit war, (erneut) milit\u00e4risch in Libyen zu intervenieren, sah Erdo\u011fan eine Gelegenheit, die T\u00fcrkei zu positionieren. Nach dem Vorgehen Russlands in Syrien sicherte er sich eine formelle Einladung der libyschen Regierung zur Intervention. Mit einem Schlag Ende letzten Jahres hat er nicht nur das Image der T\u00fcrkei als Regionalmacht gest\u00e4rkt, sondern auch ein Abkommen mit Libyen \u00fcber die Seegrenze abgeschlossen und damit einen Plan Griechenlands, Zyperns, \u00c4gyptens und Israels zur Erschlie\u00dfung von Unterwasser\u00f6l- und -gasfeldern in der N\u00e4he zunichtegemacht.<\/p>\n\n\n\n Erdo\u011fan scheint auch von der Spalt-und-Eroberungs-Strategie des Kreml in Europa inspiriert worden zu sein, der zufolge oft diejenigen EU-Mitgliedsstaaten unter Druck gesetzt werden, die am meisten von russischen Kohlenwasserstoffen oder M\u00e4rkten abh\u00e4ngig sind. So wie Putin lange Zeit die Energieversorgung instrumentalisiert hat, hat Erdo\u011fan versucht, den Strom von Migranten und Fl\u00fcchtlingen, die vor Konflikten im Nahen Osten fliehen, zu instrumentalisieren. Als die EU eine neue Marinemission ank\u00fcndigte, um den Waffenstrom nach Libyen zu blockieren, malte die T\u00fcrkei f\u00fcr Malta das Schreckgespenst der angeblichen Bedrohung durch Migranten an die Wand. Malta reagierte prompt und signalisierte, dass es gegen die Finanzierung der Mission ein Veto einlegen werde.<\/p>\n\n\n\n Jahrelang redeten sich die Europ\u00e4er ein, dass Russland eine Art verlorener Sohn sei und dass die europ\u00e4ische unipolare Ordnung gesund bleibe. Doch das machte Europa zu einem leichten Ziel f\u00fcr die Trennungs-und-Eroberungs-Strategie des Kreml. Erst vor relativ kurzer Zeit entwarf die Union eine neue Politik und ein robustes Sanktionsregime, um die russische Aggression abzuschrecken. Und selbst jetzt \u2013 trotz der besten Bem\u00fchungen der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und des franz\u00f6sischen Pr\u00e4sidenten Emmanuel Macron \u2013 hat die EU noch immer keine wirksamen Kommunikationskan\u00e4le mit Russland geschaffen, um gemeinsame Probleme anzugehen.<\/p>\n\n\n\n Die T\u00fcrkei ist noch kein neues Russland, aber sie k\u00f6nnte dazu werden, wenn die Situation falsch gehandhabt wird. Vorerst betrachten die meisten Europ\u00e4er die T\u00fcrkei noch immer als einen komplizierten Partner und nicht als \"Systemrivalen\". Aber die Europ\u00e4er sollten die hart erk\u00e4mpften Lehren aus dem Umgang mit Russland in den letzten 15 Jahren beherzigen. Die Beziehungen zwischen der EU und der T\u00fcrkei brauchen neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen, um eine weitere Destabilisierung in der Region zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n Zu diesem Zweck sollten die Europ\u00e4er klarstellen, dass der EU-Beitrittsprozess entweder zur\u00fcckgedreht oder vorangetrieben werden kann und dass eine eher transaktionale Beziehung sowohl Zuckerbrot als auch Peitsche beinhaltet. Die Herausforderung wird darin bestehen, daf\u00fcr zu sorgen, dass es in einer Region, die nicht nur von Europa und der T\u00fcrkei, sondern auch von Russland, den USA und einem aufstrebenden China beeinflusst wird, noch Raum f\u00fcr politisches Engagement in Fragen der gemeinsamen Sicherheit gibt. 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Frauen werden \u2013 wie in der benachbarten \"Blauen Moschee\" (\"Sultanahmed\") Kopftuch tragen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n Aber wird da nicht doch zu viel in einen Formalakt rund um ein uraltes Bauwerk hineininterpretiert? Im geschichtlichen Kontext relativiert sich manches: Konstantinopel wurde schon von Christen erobert und ausgepl\u00fcndert \u2013 1204 im Vierten Kreuzzug. In der Moschee von Cordoba (\"Mezquita\") bauten die Katholiken eine ganze Kirche in den ber\u00fchmten S\u00e4ulenwald hinein. Die Mezquita ist heute noch Kirche, kein Museum.<\/p>\n\n\n\n \"Das ist der Beweis, dass wir kein s\u00e4kularer Staat mehr sein wollen\", sagt Nobelpreistr\u00e4ger Orhan Pamuk. Erdo\u011fan betrachtet sich offenbar als auch neoosmanischer \"Fatih\" im Mittelmeerraum mit immer neuen Abenteuern: Eingreifen in Syrien, Stellvertreterkrieg in Libyen, Anspr\u00fcche auf Erdgasvorkommen weit vor der t\u00fcrkischen K\u00fcste bei Zypern, Reden, wonach manche \u00c4g\u00e4is-Inseln eigentlich zur T\u00fcrkei geh\u00f6ren, \"denn dort stehen unsere Moscheen\". Manches davon ist nur Rhetorik, aber genug anderes ist riskante Realit\u00e4t. 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Der Westen hatte f\u00fcnf Jahre lang darauf bestanden, dass es keine milit\u00e4rische L\u00f6sung des Konflikts gebe und dass der syrische Pr\u00e4sident Baschar al-Assad gehen m\u00fcsse. Doch w\u00e4hrend die von den Vereinten Nationen unterst\u00fctzten Gespr\u00e4che in Genf zu keinem Ergebnis f\u00fchrten, schienen die von Russland geleiteten Gespr\u00e4che in Astana voranzukommen. Indem der Kreml die T\u00fcrkei und den Iran einbezog, w\u00e4hrend er die westlichen M\u00e4chte ausschloss, erweckte er den Eindruck, dass Russland als wiedergeborene Supermacht aus der Asche auferstanden sei.<\/p>\n\n\n\n Angesichts des wachsenden Widerstands im eigenen Land macht es Erdo\u011fan Putin gleich. Da der Westen nicht bereit war, (erneut) milit\u00e4risch in Libyen zu intervenieren, sah Erdo\u011fan eine Gelegenheit, die T\u00fcrkei zu positionieren. Nach dem Vorgehen Russlands in Syrien sicherte er sich eine formelle Einladung der libyschen Regierung zur Intervention. 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Die Beziehungen zwischen der EU und der T\u00fcrkei brauchen neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen, um eine weitere Destabilisierung in der Region zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n Zu diesem Zweck sollten die Europ\u00e4er klarstellen, dass der EU-Beitrittsprozess entweder zur\u00fcckgedreht oder vorangetrieben werden kann und dass eine eher transaktionale Beziehung sowohl Zuckerbrot als auch Peitsche beinhaltet. Die Herausforderung wird darin bestehen, daf\u00fcr zu sorgen, dass es in einer Region, die nicht nur von Europa und der T\u00fcrkei, sondern auch von Russland, den USA und einem aufstrebenden China beeinflusst wird, noch Raum f\u00fcr politisches Engagement in Fragen der gemeinsamen Sicherheit gibt. (Mark Leonard, \u00dcbersetzung: Eva G\u00f6llner, Copyright: Project Syndicate, 10.8.2020)<\/p>\n\n\n\n Mark Leonard <\/strong>ist Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen.<\/a><\/p>\n","post_title":"Erdo\u011fan \u2013 der andere Putin vor der Haust\u00fcr Europas","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"erdogan-der-andere-putin-vor-der-haustur-europas","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3789","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":39},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};
\n Die Hagia Sophia war Staatskirche des byzantinischen Reichs. F\u00fcr die Eroberer der letzte Schlussstein in der Kuppel osmanisch-muslimischen Herrschaftsanspruchs. Konstantinopel war ja 1453 nur noch eine isolierte, heruntergekommene Enklave in einem osmanischen Umfeld, kein christliches Heer kam zu Hilfe. Doch vorher war es zugleich Sperrriegel nach Osten und Geistesarchiv der antiken Kultur gewesen. \"Ohne Byzanz h\u00e4tte es kein Europa gegeben\", sagt die britische Altertumsforscherin Judith Herrin.<\/p>\n\n\n\n Die Kirche wurde von Mehmed II. und Nachfolgern nicht in der Substanz zerst\u00f6rt, sondern \"entchristlicht\". Die urspr\u00fcnglich \u00fcbert\u00fcnchten oder auch abgeschlagenen Mosaiken mit den Darstellungen von Christus, der Muttergottes, diversen Kaisern kamen zum Teil schon unter einem Sultan des 19. Jahrhunderts, dann gro\u00dfteils nach der Museumswidmung wieder zum Vorschein.<\/p>\n\n\n\n Jetzt stellen sich neue symbolisch-praktische Fragen. Erdo\u011fan hat die Hagia Sophia der konservativen staatlichen Religionsbeh\u00f6rde Diyanet unterstellt. Die byzantinischen Mosaike, wie der gro\u00dfartige \"Christos Pantokrator\" (\"Weltenherrscher\") oder die Jungfrau Maria in der Apsis, m\u00fcssen wohl w\u00e4hrend des islamischen Gottesdiensts verh\u00e4ngt werden. Muss der Boden mit seinen Marmorplatten und Mosaiken mit einem Teppich bedeckt werden? Erdo\u011fan sagt, Touristen seien nach wie vor zugelassen. Aber sie werden wohl hinter Absperrungen bleiben m\u00fcssen. Frauen werden \u2013 wie in der benachbarten \"Blauen Moschee\" (\"Sultanahmed\") Kopftuch tragen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n Aber wird da nicht doch zu viel in einen Formalakt rund um ein uraltes Bauwerk hineininterpretiert? Im geschichtlichen Kontext relativiert sich manches: Konstantinopel wurde schon von Christen erobert und ausgepl\u00fcndert \u2013 1204 im Vierten Kreuzzug. In der Moschee von Cordoba (\"Mezquita\") bauten die Katholiken eine ganze Kirche in den ber\u00fchmten S\u00e4ulenwald hinein. Die Mezquita ist heute noch Kirche, kein Museum.<\/p>\n\n\n\n \"Das ist der Beweis, dass wir kein s\u00e4kularer Staat mehr sein wollen\", sagt Nobelpreistr\u00e4ger Orhan Pamuk. Erdo\u011fan betrachtet sich offenbar als auch neoosmanischer \"Fatih\" im Mittelmeerraum mit immer neuen Abenteuern: Eingreifen in Syrien, Stellvertreterkrieg in Libyen, Anspr\u00fcche auf Erdgasvorkommen weit vor der t\u00fcrkischen K\u00fcste bei Zypern, Reden, wonach manche \u00c4g\u00e4is-Inseln eigentlich zur T\u00fcrkei geh\u00f6ren, \"denn dort stehen unsere Moscheen\". Manches davon ist nur Rhetorik, aber genug anderes ist riskante Realit\u00e4t. (Hans Rauscher, 14.7.2020)<\/p>\n\n\n\nVerlorener Sohn<\/strong><\/h3>\n\n\n\n
Verlorener Sohn<\/strong><\/h3>\n\n\n\n
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Unter Druck<\/h3>\n\n\n\n
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Qu\u00e4lende Hassliebe<\/h3>\n\n\n\n
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Erdo\u011fans neue Abenteuer<\/strong><\/h3>\n\n\n\n
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Erdo\u011fans neue Abenteuer<\/strong><\/h3>\n\n\n\n
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Erdo\u011fans neue Abenteuer<\/strong><\/h3>\n\n\n\n
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Erdo\u011fans neue Abenteuer<\/strong><\/h3>\n\n\n\n
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Wichtiger Akteur<\/strong><\/h3>\n\n\n\n
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Neue Fragen<\/h3>\n\n\n\n

Erdo\u011fans neue Abenteuer<\/strong><\/h3>\n\n\n\n
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Wichtiger Akteur<\/strong><\/h3>\n\n\n\n
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Erdo\u011fans neue Abenteuer<\/strong><\/h3>\n\n\n\n
Qu\u00e4lende Hassliebe<\/h3>\n\n\n\n
Wichtiger Akteur<\/strong><\/h3>\n\n\n\n
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